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„DAS MÄRCHEN VON DER GENDER-VERSCHWÖRUNG“ – eine Broschüre der FES

geschrieben von: Mark Smith

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat vor nicht allzu langer Zeit eine Broschüre unter dem Titel „DAS MÄRCHEN VON DER GENDERVERSCHÖWRUNG. Argumente für eine geschlechtergerechte und vielfältige Gesellschaft“ herausgegeben. Verfasserinnen der Broschüre sind Dorothee Beck und Barbara Stiegler

Nachfolgend eine Auseinandersetzung mit den mir wichtigsten Inhalten der Broschüre.

„Sexuelle Selbstbestimmung: Emanzen-Gehabe?“

In der Broschüre steht:

Mit der Änderung des Sexualstrafrechts im Jahr 2016 wurde die sexuelle Selbstbestimmung gestärkt. Wenn es um sexuelle Belästigung und Übergriffe geht, heißt ‚Nein’ jetzt auch vor Gericht eindeutig ‚Nein’ und muss nicht mehr durch aktive Gegenwehr ‚nachgewiesen’ werden. (S. 27)

Die Autorinnen der Broschüre arbeiten hier mit Mythen bzw. Falschinformationen bzw. „Fake News“. Thomas Fischer hat bereits vor einiger Zeit diese richtiggestellt – er schreibt nämlich in einem Artikel in der Zeit unter dem Titel „Zum letzten Mal: Nein heisst Nein“ folgendes:

Ebenso wenig, wie vom Opfer einer Nötigung „verlangt“ werden kann, dass es körperlichen Widerstand ausübt, kann man von ihm „verlangen“, dass es irgendwelche Äußerungen – sei es ausdrücklich, sei es konkludent – von sich gibt.

Die entsprechenden Vorwürfe beruhen zum nicht geringen Teil auf (bewussten) Verdrehungen und „Vereinfachungen“. Viele Male haben wir gehört, die gegenwärtige Rechtslage „verlange, dass das Opfer sich wehrt“. Tatsächlich verlangt sie das keineswegs, und die Profis unter denen, die es behaupten, wissen das genau. Sie zitieren die zwei oder drei ersichtlich fehlerhaften Urteile, die man im Netz finden kann, wieder und wieder, und schreiben dazu, diese seien „beispielhaft“ für „die Rechtsprechung“. In Wahrheit sind sie beispielhaft nur dafür, dass auch (höchste) Gerichte einmal irren oder Unsinn schreiben können. Die Tausenden von richtigen und überzeugenden Entscheidungen alle werden nicht zitiert. Wann man erlebt, wie erfahrene Rechtsanwältinnen, in der Rolle als Abgeordnete oder Aktivistin, mit Tremolo in der Stimme die Unangreifbarkeit und monolithische Stärke der BGH-Rechtsprechung beteuern, wenn es darum geht, einzelne Ausrutscher zur „ständigen Rechtsprechung“ hochzujazzen, dreht es einem den Magen um. Doch die Damen lächeln fein, wenn Scheinwerfer und Kamera ausgeschaltet sind, und sagen: So geht Politik.

„Sind Frauen selber schuld an sexuellen Belästigungen, wenn sie sich aufreizend kleiden oder benehmen?“

In der Broschüre steht:

Der Mann ist kein seinen Trieben ausgeliefertes Wesen, das sich beim Anblick sexueller Reize nicht beherrschen kann.

Diese Argumentation weist Frauen, also den Opfern, auch noch die Verantwortung für übergriffiges Verhalten von Männern zu. Frauen gehen aus und wollen Spass haben – wie Männer auch. Dabei können sie sich kleiden wie sie wollen. Nur weil Frauen einen kurzen Rock tragen, ist das keine Einladung sie sexuell zu bedrängen oder zu belästigen. Auch hier ist ein ‚Nein’ eindeutig ein ‚Nein’! Übrigens diskriminiert diese Argumentation auch die Männer – als seien sie triebgesteuerte Tiere. (S. 28)

Nun gibt es selbstverständlich desgleichen sexuelle Belästigungen von Frauen gegenüber Männern. Bei gewissen Prävalenz-Studien werden Männer in etwa gleich häufig am Arbeitsplatz sexuell belästigt wie Frauen und ein nicht geringer Anteil der Täterinnen sind Frauen. Was hier selbstverständlich stört, ist genau diese Einseitigkeit, die nur Frauen als Opfer und Männer als Täter sieht und nicht auch Frauen als Täterinnen und Männer als Opfer.

Ausserdem: Vielleicht haben die Autorinnen der Broschüre bereits bemerkt, dass man ebenfalls bei anderen Delikten den Opfern die Schuld in die Schuhe schiebt. Wer sein Fahrrad nicht abschliesst, der muss damit rechnen, dass die Versicherung nicht bezahlt und man ihm sagt, wie fahrlässig er gehandelt habe. Das Gleiche gilt bei Einbrüchen (warum keine Sicherheitstüren, keine Alarmanlage, keine Sicherheitsfenster? Und von der Polizei werden Präventionstipp gegeben, wie man sich vor Einbrecher*Innen schützen kann). Aber auch wer in den Urlaub gehen will, wird gewarnt, er solle dieses Land oder diese Stadt oder diesen Stadtbezirke doch besser meiden und falls diejenige Person diese Ratschläge nicht befolgt und etwas passiert, wird man dem Opfer sicherlich auch sagen, dass es unverantwortlich gehandelt hat. Damit soll selbstverständlich nicht gesagt werden, man solle nun Frauen oder Männer  dafür verantwortlich machen, wenn sie Opfer sexueller Gewalt oder sexueller Belästigung werden, bloß sollte man nicht so tun, wie das bei diesen Delikten ein Novum bzw. ein Alleinstellungsmerkmal wäre und wieder einmal bloß die Frauen davon betroffen wären.

 Kinder und materielle und berufliche Benachteiligung

In der Broschüre steht:

Wer mit Kindern leben will, soll Kinder bekommen können, ohne dadurch berufliche oder materielle Nachteile zu erleiden.

Was soll denn das genau heissen? Kinder kosten in der Regel Geld und sie brauchen die Zeit ihrer Eltern. Es dürfte nachvollziehbar sein, dass Erwachsene, die keine Kinder haben, materiell eher besser gestellt sind und auch, wenn sie das wollen, mehr Zeit in Ausbildungen, Weiterbildungen, Fortbildungen und ganz allgemein mehr Energie in ihre berufliche Karriere stecken können im Vergleich zu Menschen mit Kindern. Das heisst: wenn weiterhin am Leistungsprinzip festgehalten werden soll, dann werden Erwachsene mit Kindern in der Regel, was die berufliche Karriere anbelangt, schlechter gestellt sein als Erwachsene ohne Kinder. Dies hat jedoch nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit den eigenen Präferenzen und Entscheidungen. Man kann nicht alles haben: Feiern, Party machen, Kinder haben sowie ausufernde Freizeitbeschäftigungen und dann meinen, man hätte desgleichen noch ein Anrecht auf eine tolle Karriere im Beruf, obwohl man nur das Nötigste von Zeit und Energie in die berufliche Karriere gesteckt hat.

In der Broschüre steht:

Der Gedanke an eigene Kinder ist für viele Frauen sorgenbehaftet. Vor allem für kinderreiche und Ein-Eltern-Familien ergeben Kinder in Deutschland ein Armutsrisiko. (S. 30)

Und wenn Männer an eigene Kinder denken, dann ist dies natürlich vollständig etwas anderes im Vergleich zu Frauen – was?! Männer denken nur sorgenfrei an die eigene kinderreiche Familie.

In der Broschüre steht:

Die Bildungschancen der Kinder hängen stärker als in den meisten anderen Industrienationen von der sozialen Position der Eltern ab. Und trotz des verstärkten Ausbaus öffentlicher Betreuungsangebote bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Mütter ein Drahtseilakt. (S. 30)

Auch für die Männer wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Drahtseilakt sein, wenn sie gleich viel Care-Arbeit wie die Frau leisten oder in Zukunft leisten sollten. Es ist absolut nicht nachvollziehbar, weshalb in dieser Broschüre Männer immer ausgespart bleiben!

„Ist Geschlechterforschung nicht eine Spielwiese, die viel Geld verschlingt und nichts bringt?“

In der Broschüre steht:

In der Geschlechterforschung geht es darum, Ungleichheit, Diskriminierung und Ausgrenzungen in der Gesellschaft zu untersuchen und abzubauen.

Zweifel am Sinn der Geschlechterforschung werden vor allem von jenen geäußert, die genau daran kein Interesse haben. (S. 33)

Gibt es für diese Aussage, dass Zweifel an der Geschlechterforschung vor allem jene äussern, die kein Interesse daran haben, repräsentative empirische Studien, die genau das festgestellt haben? Oder ist das einfach die gefühlte Wahrheit der Autorinnen? Und welche Personen sollten aus welchen Gründen kein Interesse an der Geschlechterforschung haben? Frauen können dies ja vermutlich nicht sein und Männer ebenfalls nicht, zumal der Feminismus ja immer propagiert, von der Gleichstellung würden desgleichen alle Männer profitieren.

In der Broschüre steht:

Die Geschlechterforschung hat sich von einem Kind der Frauenbewegung zu einer wissenschaftlichen Disziplin entwickelt, die international etabliert ist. Sie ist durch die Wissenschaftsfreiheit nach Artikel 5 (3) des Grundgesetzes geschützt. (S. 33)

Nun erstaunt mich ein bisschen der Hinweis auf die Wissenschaftsfreiheit, und ich hoffe nicht, dass Kritik an der Geschlechterforschung bloß als Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit missverstanden wird oder damit versucht wird, jegliche Kritik als illegitim zu brandmarken.

In der Broschüre steht:

Der Vorwurf, Geld werde verschwendet, ist haltlos. Von den 46.344 Professuren an allen deutschen Hochschulen sind nur 174 für Geschlechterforschung zuständig.

Das sind gerade einmal 0,38 Prozent. Und die meisten haben daneben weitere inhaltliche Schwerpunkte. (S. 33)

Ob etwas Geldverschwendung ist, bemisst sich m.E. nicht daran, wie viele andere Professuren es sonst noch in Deutschland gibt, sondern daran, ob die Geschlechterforschung mit den zur Verfügung gestellten Mitteln die Ziele erreicht, die ihr aufgetragen wurden.

„Ist Geschlechterforschung eine Ideologie, die sich als Wissenschaft tarnt?“

In der Broschüre steht:

  • Geschlechterforschung unterliegt wie alle anderen Disziplinen wissenschaftlichen Kriterien. Zudem ist sie ihrem Selbstverständnis nach eine außerordentlich selbstkritische Disziplin.

Mit Ideologie hat das nichts zu tun.

  • Geschlechterforschung kritisiert gesellschaftliche Verhältnisse und Missstände mit dem Ziel, Ungerechtigkeiten und Hierarchien zu verändern.
  • Geschlechterforschung betreibt Wissenschaftskritik, weil der Blick der Wissenschaft von einer männlichen und weißen Perspektive ausgeht und damit zumeist blind bleibt für Geschlecht und andere Perspektiven.
  • Geschlechterforschung ist selbstkritisch. So begegnet sie dem Risiko, dass durch die ‚Geschlechterbrille’ andere Differenzierungen, zum Beispiel ethnische Herkunft, kultureller oder sozialer Hintergrund, übersehen werden. Deswegen wird unter dem Begriff Intersektionalität nach der Verschränkung unterschiedlicher Aspekte von Ungleichheit gefragt.

Wer der Geschlechterforschung Ideologie vorwirft, hält den Gegensatz von Mann und Frau für natürlich oder gottgegeben, ideologiefrei und unumstößlich. Kritische Fragen werden mit dem Verweis auf den gesunden Menschenverstand oder die Schöpfungsgeschichte in der Bibel abgetan. (S. 34)

In diesem Kontext verweise ich wieder einmal auf den Artikel von Stefan Hirschauer mit dem Titel: „Wozu Gender Studies? Ein Forschungsfeld zwischen Feminismus und Kulturwissenschaft.“ Der Vorspann des Artikels lautet dabei wie folgt:

Der Begriff ‚Gender ­Studies‘ wird derzeit auf mindestens drei Weisen verwendet: als Bezeichnung ­eines transdisziplinären kulturwissenschaftlichen Forschungsgebietes, als beschwichtigende Umbenennung der feministischen Geschlechterforschung und als rhetorisches Mäntelchen für bürokratische Frauenfördermaßnahmen. Eine kritische Bestandsaufnahme aus soziologischer Sicht.

„Geschlechterforschung wird überwiegend von Frauen betrieben, fehlt es da nicht an Objektivität?“

In der Broschüre steht:

Objektivität hängt nicht vom Geschlecht der Forschenden ab, sondern von deren Fähigkeit zur (Selbst-)Reflexion

Die Polemik einmal umgedreht: Die gesamte Wissenschaft wurde über Jahrhunderte nur von Männern betrieben. Fehlt es da nicht dem gesamten wissenschaftlichen Fundament unserer Zeit an Objektivität? (S. 35)

Gut, ob es reicht, einfach (Selbst-)Reflexion zu betreiben, um dem regulierenden Ideal der Objektivität zu entsprechen, würde ich bezweifeln. Insbesondere in der empirischen Forschung sind bewährte methodische Regeln anzuwenden bzw. einzuhalten. Aber interessant finde ich, dass offenbar auch die gesamte Wissenschaft, die von Männern betrieben wurde, grundsätzlich als objektiv beurteilt wird, dies wird ja zumindest von der feministischen Geschlechterforschung vielfach bestritten.

„Geschlechterpolitische Strategien: Schnee von gestern?“

In der Broschüre steht:

Mädchen und junge Frauen wachsen in dem Bewusstsein auf, alles erreichen zu können, wenn sie sich nur tüchtig anstrengen. Doch spätestens beim ersten Kind merken sie: Das stimmt nicht!

Es ist die immer gleiche Litanei: Die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen verharrt seit Jahren bei über 20 Prozent. Bei der Rente summiert sich die Differenz auf 42 Prozent in West- und 23 Prozent in Ostdeutschland. Frauen leisten 50 Prozent mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer und tragen damit die Hauptverantwortung für die Erziehung von Kindern und Pflege von Angehörigen. Sie sitzen auf weniger Chefsesseln in der Wirtschaft und verfügen über weniger politische Macht. Auch nach zwölf Jahren Kanzlerin stagniert der Frauenanteil in den Parlamenten von Bund und Ländern bei rund einem Drittel.

Es ist tatsächlich immer dieselbe Litanei, die insbesondere von Exponenten aus linken Parteien oder Feminismuskreisen kommt und mit Halbwahrheiten operieren, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Es sind genau diese Halbwahrheiten, die Kritiker der Geschlechterforschung und Geschlechterpolitik fortwährend anprangern und zunehmend misstrauisch gegenüber diesen Protagonisten machen, zumal sie eben immer wieder mit Halbwahrheiten operieren und Problemlagen von Männern vielfach vollständig aussen vor lassen. Dazu gibt es Folgendes anzumerken:

  • Die Entgeltlücke bzw. der Gender Pay Gap beträgt nicht einfach 20%, sondern in seiner bereinigten Form ca. 6%. Anstatt zu sagen, dass es hier zwei Kennziffern gibt: nämlich den bereinigten und den unbereinigten Gender Pay Gap, wird hier bloß der unbereinigte Gap von 20% genannt, da 20% offenbar viel dramatischer aussehen. Um das Mass der Diskriminierung zu bestimmen, ist jedoch der bereinigte Gender Pay Gap von 6% massgebend. Ausserdem sagt selbst das statistische Bundesamt, dass, wenn weitere lohnrelevante Faktoren einbezogen würden, der bereinigte Gender Pay Gap mutmasslich weiter abnehmen würde. Gewisse Studien haben weitere lohnrelevante Faktoren einbezogen und kommen schlussendlich noch zu einem Gap von 2%. Bei einem Signifikanzniveau von 5% ist dieser Gap statistisch nicht mehr signifikant. Übrigens wäre es ein Experiment wert, wenn man einmal untersuchen würde, wie hoch der Pay Gap innerhalb der Populationen ist. Ich würde behaupten, dass auch hier ein Gap von mindestens 5% besteht.
  • Auch bei der Rente müsste genau angeschaut werden, weshalb hier die Frauen weniger Rente als die Männer haben? Frauen arbeiten meist weniger Jahre in der Erwerbsarbeit, meist Teilzeit, in geringer entlohnten Berufsgruppen und weniger in Führungspositionen etc. Bloß stellt sich auch hier die Frage: Was ist auf Diskriminierung zurückzuführen und was hat mit selbstgewählten Entscheidungen bzw. Präferenzen zu tun?!
  • Frauen leisten demgemäß 50% mehr unbezahlte Sorgearbeit als die Männer. Woher wissen die Autorinnen, dass es sich hier ausnahmslos um unbezahlte Sorgearbeit handelt? Und die Frage würde sich sogleich stellen, weshalb haben die Frauen diese Sorgearbeit nicht in Rechnung gestellt? Oder: welche Personen oder welche Gesetze zwingen die Frauen dazu, unbezahlte Sorgearbeit zu leisten? Auch diese Sorgearbeit dürfte mehrheitlich auf einem „freien Willen“ basieren. Und grundsätzlich geht es den Staat nichts an, wie sich Erwachsene ihr Privatleben organisieren bzw. wer wieviel Erwerbsarbeit oder Sorgearbeit verrichtet. Der Staat hat höchstens die Rahmenbedingungen bereit zu stellen, damit Männer wie Frauen Erwerbsarbeit, Familie und Kinder so gut wie möglich vereinbaren können. Aber auf welche Art und Weise diese Rahmenbedingungen genutzt werden, geht weder den Staat, noch den Feminismus, noch die Parteien etwas an. Was hier ausserdem fehlt, ist die Tatsache, dass diese Sorgearbeit vielfach nicht unbezahlt ist. Wenn Männer im Durchschnitt 77% des Haushaltseinkommens in Deutschland (nach OECD) erwirtschaften, kann keine Rede davon sein, dass Frauen für ihre Tätigkeit nicht auch „Transferleistungen“ erhalten, indem nämlich der Mann hauptsächlich für die Haushaltskosten aufkommt und somit die Frau davon profitiert. Ganz abgesehen davon, wäre einmal umfassend abzuklären wie viel „Transferleistungen“ (Haushaltskosten die von Männern beglichen werden, Unterhaltskosten von Männern, Steuervergünstigungen, Renten etc.) Frauen erhalten, die vielfach keinen Eingang in die Statistiken finden. Das heisst nicht, dass die Care-Arbeit, die Frauen leisten, unter ihrem Wert bezahlt sein könnte, aber es fehlen m.E. umfassende Untersuchungen bzw. Daten diesbezüglich.
  • Zu der Untervertretung der Frauen in Führungspositionen: Auch hier müsste ganz genau geschaut werden, was die Ursachen dafür sind. Eine fehlende Ergebnisgleichheit ist auch in diesem Bereich nicht automatisch mit Diskriminierung verbunden. Frauen haben ev. eine andere Work-Life-Balance als Männer, entwickeln weniger Ehrgeiz dafür, in Führungspositionen zu kommen, Selbstselektion bei der Studienwahl (wer Gender Studies oder Literaturwissenschaft studiert, hat keine guten Chancen, eine Führungsposition bei der Bank oder einer Versicherung zu erhalten etc.), fehlende Vereinbarkeit von Karriere, Familie und Kindern, Vorurteile etc.
  • Zur fehlenden Ergebnisgleichheit bei der politischen Macht: Auch dies dürfte vornehmlich darauf zurückzuführen sein, dass Frauen nicht so handeln, wie sie handeln könnten, falls sie möchten, dass Frauen vermehrt Eingang in die Legislative und Exekutive erhalten. Dies ist somit ein selbstgewählter Zustand, mit dem die Mehrheit der Frauen offenbar zufrieden ist, sonst würden sie sich politisch anders verhalten.

„Artikel 3 (2) des Grundgesetzes besagt:“

In der Broschüre steht:

Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.

Zu fragen wäre hier vorerst, was genau unter dem Terminus „tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung“ zu verstehen ist?! Sollte damit eine Ergebnisgleichheit in unterschiedlichsten Bereichen gemeint sein, dann dürfte dies vermutlich zentralen gesellschaftlichen und rechtlichen Grundsätzen widersprechen bzw. entgegenstehen.

 In der Broschüre steht:

Damit hat der Staat eine gestaltende Aufgabe, er darf nicht einfach abwarten, wie sich die Geschlechterverhältnisse entwickeln. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene geschlechterpolitische Strategien und Instrumente ausgestaltet, um Benachteiligungen und Ausschlüsse aufgrund des Geschlechts zu beheben, vor allem Frauenförderung, Quotierungen, Gender Mainstreaming und Gender Budgeting sowie Diversity-Management. (S. 37)

Wie bereits mehrfach dargelegt, bedeutet eine fehlende Ergebnisgleichheit zwischen Männern und Frauen nicht automatisch eine Diskriminierung. In der Wirtschaft (Führungspositionen) steht insbesondere das Leistungsprinzip einer bedingungslosen Ergebnisgleichheit entgegen. Bei politischen Ämtern wie beispielsweise Exekutive und Legislative kann der demokratische Wille des Souveräns, also der Wahlberechtigten der Ergebnisgleichheit entgegenstehen. Wenn die Wahlberechtigten lieber Parteien wählen, die männer- bzw. frauendominiert sind, dann ist dies ihre freie Entscheidung und demzufolge vollständig zu respektieren.

Frauenförderung, Gleichstellungstrategien, Quoten, Diversity-Management

In der Broschüre steht:

  • Frauenförderung und Gleichstellungsstrategien sind vor allem im öffentlichen Dienst etabliert: Dabei werden Frauen, soweit sie unterrepräsentiert sind, bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt oder befördert. Gleichstellungsbeauftragte kontrollieren die Einhaltung von Gleichstellungsplänen. (S. 37)

Weshalb hier allein von Frauenförderung und nicht ebenso von Männerförderung gesprochen wird, ist nicht nachvollziehbar. Gerade in den sozialen, pädagogischen, psychosozialen und pflegerischen Berufe, die vielfach vom öffentlichen Dienst angeboten werden, sind Männer vielfach massiv untervertreten, sodass auch hier eine Förderung, falls erwünscht, sinnvoll sein kann.

In der Broschüre steht:

  • Quoten in den meisten Parteien und jüngst auch in Aufsichtsräten: Damit werden (Mindest-)Anteile für Frauen oder für beide Geschlechter festgelegt. So soll der Einfluss von Vorurteilen und Geschlechterstereotypen, aber auch von männlichen Seilschaften begrenzt werden. (S. 37)

Wer hindert eigentlich die Frauen daran, nur Frauen zu wählen bzw. nur Frauenparteien zu wählen. Ehrlich gesagt sehe ich in der Politik überhaupt keinen Bedarf an Quoten, ausser man unterstellt, dass der Mensch ein so unmündiges und unvernünftiges Wesen ist, dass er seine Entscheide nicht selbstständig fällen kann bzw. soll. Und falls Frauen oder Männer keine Frauen wählen, dann ist dies ihr „freier Wille“ und ihr gutes Recht. Insbesondere die Linken haben offenbar ein paternalistisches bzw. maternalistisches Verständnis von Demokratie, sodass man quasi top-down dem Bürger verordnen möchte, wie er zu wählen hat.

In der Broschüre steht:

  • Diversity-Management: Hierbei wird die personelle Vielfalt – vor allem bezogen auf ethnische Herkunft, kulturellen oder religiösen Hintergrund, geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung und Behinderung – in Unternehmen und Teams gefördert. Grundlage ist die Einschätzung, dass sich dies positiv auf das wirtschaftliche Ergebnis auswirkt. (S. 39)

Wie muss ich mir das eigentlich beim Diversity-Management vorstellen, wenn die sexuelle Orientierung ebenfalls eine Rolle spielen soll? Geht da die Diversity-Beauftragte bei jedem potentiell neuen Mitarbeiter vorbei und fragt nach der sexuellen Orientierung? Ich wüsste eigentlich nicht, was andere Menschen meine sexuellen Präferenzen angehen und desgleichen nicht, weshalb mich das bei anderen Menschen etwas angehen sollte. Fragen danach würde ich doch eher als „übergriffig“ bewerten.

Und weshalb spielt eigentlich im Diversity-Mangament Klasse/Schicht/Milieu keine Rolle. Die SPD war doch ursprünglich einmal eine Arbeiterpartei – hat sie sich nun vollständig von der Arbeiterklasse und vom Subproletariat verabschiedet?

In der Broschüre steht:

Junge Frauen beanspruchen selbstbewusst die Hälfte des Kuchens – Geld, Zeit, Arbeit und Macht. Doch sie stoßen immer wieder auf Strukturen, die sie behindern, oder Personen, die sie ausschließen. Nur mit politischem Gestaltungswillen ist daran etwas zu ändern. (S. 39)

Was ist eigentlich mit den Problemlagen von Jungen, Männern und Vätern?  Was ist eigentlich mit der höheren Selbstmordrate, der höheren Rate bei Obdachlosigkeit, der höheren Rate bei Alkohol- und Drogenerkrankungen, der höheren Rate von Arbeitsunfällen, der höheren Opfer-Rate bei schweren Verbrechen wie Mord, Totschlag, Raub und Körperverletzung oder der deutlich kürzeren Lebenserwartung der Männer im Vergleich zu Frauen? Können hier Männer auch einen politischen Gestaltungswillen aus der SPD erwarten? Oder ist die SPD immer weniger für Männer wählbar?

„Wir haben seit zwölf Jahren eine Kanzlerin. Ist das nicht genug der Frauenförderung?“

In der Broschüre steht:

Das Geschlecht sagt nichts über politische Vorstellungen. Und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

Zwölf Jahre Kanzlerin ist ein Anzeichen dafür, dass Vorurteile gegenüber Frauen in der Politik allmählich verschwinden – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Die Kanzlerin gehört einer konservativen Partei an. In der Vergangenheit hat sie gleichstellungspolitische Vorhaben eher gebremst oder verhindert, etwa die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften.

Das finde ich sehr interessant: Also die Gesinnung scheint bei den Autorinnen doch wichtiger zu sein als das Geschlecht. Wenn folglich die AfD, CDU und CSU eine Unmenge von Frauen stellen würden, dann wäre dies auch nicht genehm. Die Frauen müssen demgemäß auch noch die richtige Gesinnung haben, sonst sind sie „pfui“!

Medien, Frauen und Spitzenpolitikerinnen

In der Broschüre steht:

In politischen Medien wird seit Merkels Kanzlerinnenschaft zwar mehr über Politikerinnen berichtet, doch das ist der Kanzlerinnen-Effekt. Wird dieser abgezogen, stagniert der Anteil von Politikerinnen in den Medien. Und insgesamt werden weniger Frauen erwähnt, als es ihrem Anteil in politischen Ämtern entspricht. Das hat 2012 das Forschungsprojekt Spitzenfrauen im Fokus der Medien ergeben. (S. 39)

Das dürfte richtig sein, dass Frauen als Spitzenpolitikerinnen in den Medien nicht repräsentativ abgebildet werden. Nun vermute ich ganz allgemein, dass Frauen bei den sogenanten Hard-News untervertreten sind, die Frage stellt sich jedoch, ob dies ebenfalls bei den sogenannten Soft-News der Fall ist?! Und vor allem würde sich die Frage stellen, ob bei diesen Medien-Untersuchungen die gesamte Palette von Frauenmagazinen bzw. Frauenzeitschriften etc. ebenso miteinbezogen wurden, was vermutlich nicht der Fall sein dürfte und folglich das Ergebnis verzerrt. Man kann sich nämlich auch hier fragen, ob nicht die Nachfrage des Publikums einen entscheidenden Anteil auf das Medienangebot bzw. die Medieninhalte hat? Ich verweise diesbezüglich beispielsweise auf Meyen/Riesmeyer: „Diktatur des Publikums. Journalisten in Deutschland“. Das heisst: Wenn die Population der Frauen andere Präferenzen besitzt als die der Männer, dann widerspiegelt sich dies eben auch im unterschiedlichen Medienkonsum, Medienangebot sowie in den verschiedenen Medieninhalten. Empirische Studien, die bloß die Hard-News untersuchen und Frauenzeitschriften bzw. Frauenmagazine aussen vor lassen, sind dann eben nicht repräsentativ für die Medieninhalte, die Frauen präferieren.

„Wozu brauchen wir Gender Mainstreaming oder Gender Budgeting?“

In der Broschüre steht:

Gender Mainstreaming und Gender Budgeting als geschlechterpolitische Strategien sind für Organisationen geeignet, die im weitesten Sinne politisch handeln: Ministerien, Behörden, Kommunalverwaltungen, Verbände, Vereine oder Gewerkschaften, aber auch Schulen, Hochschulen und andere Bildungseinrichtungen. Da diese Organisationen demokratisch legitimiert und kontrollierbar sind, können sie am ehesten Schritte zur Gleichstellung der Geschlechter durchsetzen. (S. 41)

Selbstverständlich steht es jedem Verein und Verband sowie jeder NGO oder Gewerkschaft frei, ob diese freiwillig ein Gender Mainstreaming bzw. Gender Budgeting in ihre Organisation implementieren wollen oder nicht, wichtig scheint mir jedoch zu sein, dass dies auf keinen Fall mit einem gesetzlichen Zwang verbunden werden darf und demzufolge auf Freiwilligkeit beruht!

„Mädchen haben die besseren Schulabschlüsse. Sind jetzt nicht endlich mal die Jungen dran?

In der Broschüre steht:

Vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund, und hier insbesondere die jungen Männer, sind so genannte Bildungsverlierer.

Und auch, wenn Mädchen besser in der Schule abschneiden, zahlt sich das für sie auf dem Arbeitsmarkt noch nicht aus.

Jungen werden seit einigen Jahren gern als die neuen Bildungsverlierer bezeichnet, weil Mädchen im Durchschnitt bessere Noten und höhere Schulabschlüsse erreichen.

Dieser Unterschied besteht zwar, aber andere Merkmale spielen beim Bildungserfolg eine viel größere Rolle. Doppelt so viele Jungen ohne deutschen Pass als junge männliche Deutsche brechen die Schule ab. Beim Abitur ist der Unterschied noch extremer: Es gibt fast dreimal mehr Abiturienten mit deutscher Staatsangehörigkeit als ohne. Bei den Mädchen bestehen diese Unterschiede auch, sie fallen aber etwas weniger deutlich aus.

Als Ursache wird angesichts des steigenden Anteils weiblicher Lehrkräfte häufig vermutet, es würden männliche Vorbilder für die Jungen fehlen. Allerdings kommen mehrere Studien zu dem Schluss, dass der Einfluss des Geschlechts der Lehrperson überschätzt wird.

Und auf dem Arbeitsmarkt nutzt der bessere Schulabschluss den jungen Frauen nicht viel. Sie werden schlechter bezahlt, landen öfter in prekären Beschäftigungsverhältnissen, arbeiten häufiger in Teilzeit und stehen auf der Karriereleiter weiter unten als ihre Kollegen. (S. 41)

Es ist interessant zu beobachten, wenn Jungen einmal in einem zentralen gesellschaftlichen Bereich schlechter als Mädchen abschneiden, wie dann linke Parteien und Feministinnen darauf reagieren:

  1. Es ist eigentlich nicht das männliche Geschlecht, das zu den Bildungsverlierern gehört, sondern es sind junge Menschen mit Migrationshintergrund.
  2. Auch wenn Mädchen besser in der Schule abschneiden als Jungs, zahlt sich das auf dem Arbeitsmarkt bislang noch nicht aus. Die Botschaft dürfte vermutlich lauten: „Sorry Jungs, wir Geschlechterpolitikerinnen von der SPD können leider nichts für Euch tun, zuerst müssen wir nun mal schauen, dass es auch den Mädels besser auf dem Arbeitsmarkt geht als Euch.“
  3. Dann wird wieder darauf aufmerksam gemacht, dass es ja eigentlich nicht den Jungs schlechter geht, sondern vornehmlich den männlichen Jungs ohne deutschen Pass.
  4. Für den Bildungsmisserfolg der Jungs ist nicht der steigende Anteil weiblicher Lehrkräfte verantwortlich. Damit wieder mal klar ist, dass das gesamte Elend der Welt überhaupt nichts mit Frauen zu tun haben kann.
  5. Dann kommt wieder die Litanei darüber, dass der Bildungserfolg den Mädchen überhaupt nichts nützt, zumal es ihnen auf dem Arbeitsmarkt doch viel dreckiger als den Jungs geht. Ergo: Es besteht kein Handlungsbedarf bei den Jungs.

Nun könnte man natürlich analog argumentieren, wenn es um die Problemlagen von Mädchen und Frauen geht in Bezug auf das politische und ökonomische Kapital. Da die unteren Klassen und Schichten sowie die Menschen mit Migrationshintergrund diesbezüglich viel schlechter dran sind als der Durchschnitt der Population der Frauen, sind Verbesserungen bei den Frauen kurz- und mittelfristig nicht nötig, weil zuerst müssen die Problemlagen dieser zwei am meisten benachteiligten Gruppen angegangen werden.

„Verhunzt das Gendern nicht unsere Sprache, macht sie schwer verständlich und ist überflüssig?“

In der Broschüre steht:

Sprache strukturiert unser Verständnis von der Welt. Was nicht benannt ist, wird nicht wahrgenommen. Nicht benannt werden ist daher eine Form der Diskriminierung.

Beim Gebrauch von geschlechtergerechter oder -bewusster Sprache (manchmal gendern genannt), werden Frauen und andere Geschlechter explizit benannt. Sie sind nicht in der männlichen Sprachform lediglich ‚mitgemeint’.

Was von den jeweiligen Menschen als Diskriminierung wahrgenommen wird, ist immer sehr unterschiedlich. Viele Frauen fühlen sich beispielsweise keineswegs diskriminiert, wenn mehrheitlich bloß die männliche Form benannt wird. Abgesehen davon, dass es viele Begriffe gibt, die beispielsweise männlich sind und keine weibliche Entsprechung besitzen wie zum Beispiel „der Mensch“. Auch der vielfach vorgeschlagene Gender-Stern bzw. Gender-Gap, so kann man argumentieren, ist eine sehr reduktionistische Form für die Benennung zusätzlicher Geschlechter, sodass diese nur rudimentär bzw. eben reduktionistisch abgebildet werden.

Wichtig scheint mir jedoch zu sein, dass das „Gendern“ auf Freiwilligkeit beruht. Wer dies gerne einsetzen möchte, darf dies gerne tun und wer nichts damit anfangen kann, darf auch gerne darauf verzichten. Es ist ja grundsätzlich niemand dazu gezwungen, ungegenderte Medien zu konsumieren und sich folglich ständig diskriminiert zu fühlen.

„Ist Frauenförderung nicht von gestern?“

In der Broschüre steht:

Junge Frauen wollen in ihren Kompetenzen und Ansprüchen anerkannt werden.

Sie sehen sich nicht als ‚Quotenfrau’ oder förderbedürftiges Wesen. Grundlage von Frauenförderung ist jedoch die Erkenntnis, dass Frauen trotz gleicher oder sogar besserer Qualifikationen an gläserne Decken auf der Karriereleiter stoßen, an Vorurteilen und männlichen Seilschaften scheitern.

Denn Unternehmen und Verwaltungen sind noch immer zu sehr auf den männlichen Normalerwerbstätigen zugeschnitten, dem die Frau zu Hause den Rücken freihält. Und Unternehmenskulturen sind noch immer von männlichen Codes, informellen Regeln und Verhaltensweisen geprägt. Das lässt sich nur aufbrechen, wenn Frauen mehr Einfluss bekommen. (S. 43)

Wer genau hindert eigentlich Frauen, Feministinnen und die Anhängerschaft der linken Parteien daran, in der Privatwirtschaft mit gutem Vorbild voranzugehen und das umzusetzen, was sie von anderen immer fordern bzw. verlangen? Frauen und Feministinnen können ja selbständig werden und eigene Betriebe, Firmen, Geschäfte und Unternehmen gründen und dann genau das umsetzen, was sie gerne möchten. Unter Diversität verstehe ich eben auch, dass es weiterhin die alten Strukturen geben darf, aber wer andere und folglich neue Strukturen will, darf diese selbstverständlich auch gerne in eigenständiger Regie umsetzen. Wenn Frauen keine Gläserne Decke mehr wollen, die vielfach auch auf einer Selbstselektion beruht (welches Studienfach wird angestrebt, Work-Life-Balance, weniger Zeit und Energie in die Karriere investieren etc.), dann können sie zumindest in der Privatwirtschaft das selbständig realisieren, wovon sie träumen.

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20 Comments

  • Man könnte ja glatt den Eindruck bekommen, daß Du einen emotionalen Kardinalfehler begehst, Mark.
    Nämlich indem Du Hänsel&Gretel aus politikwissenschaftlicher Sicht zu kritisieren versuchst.
    Ist es gerecht, das Brot zu verschwenden, um eine Spur zu legen, die den Verfolgern der Hexe das Auffinden derselben ermöglicht?
    Ist es gerecht, eine alte Frau einfach bei lebendigem Leibe zu verbrennen, einfach nur weil sie sich einmal bei zwei Kindern beliebt zu machen versucht hat?

    Macht es überhaupt Sinn, Märchen nach derartigen Kriterien zu untersuchen?
    Ich denke, nein.

    Und, daß die Geldwaschmaschine der SPD hier versucht, verzweifelt Wahlk(r)ampf zu betreiben, indem sie so tut, als hätte sie die legitimen Erben der Gebrüder Grimm entdeckt und ( absolut selbstlos natürlich ) als tolle Nachwuchskünstler beworben, belegt doch zweifelsfrei nur eines:
    Mit seriöser Politik kann die Partei nicht mehr punkten!
    Ergo lockt sie Menschen, die zu naiv sind, sich mit Politik zu befassen, mit hübschen Geschichten von Einhörnern und Glitzerfurzen an.
    Und das sehen sogar diese Menschen schon beim ersten Blick auf das Cover des niedlichen Paperbacks. Das nenne ich mal gelungenes zielgruppenorientiertes Containment!

    Die Ex-Möchtegern-Arbeiterpartei hat eine Lücke in der Bedienung potentieller Wählergruppen entdeckt.
    Nämlich die Fans von sowas:
    https://s3.amazonaws.com/image.blingee.com/images16/content/output/000/000/000/52d/396958330_688020.gif?4

    Oder eher sowas(?):
    http://schickfeindenglitzer.de/wp-content/uploads/2015/10/SchickFeindenGlitzer_Einhorn_Facebook-Kopie.jpg

    • Pardon, ich habe das unausweichliche Fazit vergessen ( hust, räusper ):

      Die SPD ist sehr wohl ein Ponyhof und das ist ganz klar ein unverbrüchliches Menschen-( also Frauen jetz, nä? )-recht!
      Logesch, nä?

    • @ Fiete

      Ich hoffe einmal, nützt es nix, dann schadet es hoffentlich auch nix.
      Aber zumindest für mich haben solche Schreibübungen einen guten Effekt, indem ich mich damit intensiv auseinandersetze und dabei merke, was mich eigentlich am Text alles stört und warum es mich stört und wie man sinnvollerweise dagegen argumentieren kann. Es hat also zumindest für mich eine klärende Wirkung, damit ich selbst besser weiß, was für mich Sache ist. 🙂

      Aber ich würde es nicht so pessimistisch sehen wie Du: Ich lasse ja meine Texte meist auch den Protagonisten zukommen, mit denen ich mich auseinandersetze, und ich habe doch ein bisschen den Eindruck, dass das ab und an eine Wirkung auf diese hat.

      • Wirkung zeigt es gewiss; meist schiere Empörung…

        Gestern habe ich mich mal so auszugsweise durch die Kommentare unter der Zeitkolumne über den Fall Damore von Herrn Bittner gearbeitet. Einer von der Gendertrötenfraktion oder zumindest einer von deren Apologeten nannte da, im Zusammenhang einer (natürlich mit nichts konkret begründeten) Titulierung des Textes als niveaulos und ähnliches, euren Blog in einem Atemzug mit Wikimannia. Da dachte ich mir auch, dass es noch hohler eigentlich nicht mehr geht. Da wird ein Blog, das von einem Gymnasiallehrer und einem Soziologen, beide mit klar linksliberalen Standpunkten, betrieben wird gleichgesetzt mit einer Seite, die mit einer recht guten Idee begann (das Sammeln von Fakten und Daten über gesellschaftliche und politische Themen, die eher Männer betreffen), dann aber abgedriftet ist in eine Richtung, dass bei der überwiegenden Themenwahl der Name „Wikiislamia“ treffender wäre, weil sich schon lange das meiste eher um Zuwanderung und Islamisierung dreht als noch um originäre Männerthemen.

        Aber wer schon damit überfordert ist, sich mal mit einem Memo zu befassen und lieber auch dort überzeugt ist, dass das etwas gaaaanz schlimmes ist, was dieser Wicht dort geschrieben hat, von dem ist auch nicht zu erwarten, sich mal mit Inhalten von Blogs auseinanderzusetzen, bevor er sie erwähnt. Iiiih, die schreiben irgendwas feminismuskritisches und dann auch noch aus Männersicht. Dann ist ja alles klar; brauch ich gar nicht erst weiterlesen…

        • @ Billy Coen

          Ich vermute, ich habe in meinem Büchergestell über 1’500 Bücher und ich vermute, zu 100% Bücher, die vor allem Linke lesen. Ok, hat natürlich auch noch viele wissenschaftliche Bücher drin, die quer aller politischen Richtungen gelesen werden, aber es würde niemandem in den Sinn kommen, hier würde jemand wohnen, der politisch nicht links angesiedelt ist.

          • @ Mark
            Sorry, wegen später Reaktion; bin länger nicht zum Schreiben gekommen.

            Nur, damit da nix missverstanden wird: nichts anderes wollte ich ausdrücken. Mir ist infolge dessen, was ich von dir gelesen habe, schon klar, dass du politisch recht klar links zu verorten bist. Deshalb fand ich ja auch diesen Kommentar bei der Zeit so unfassbar dämlich. Nur weil die Themen jemandem nicht ins Weltbild passen, muss das alles gleich eine Suppe sein. Alles irgendwie niveaulos und natürlich rechts. Darum ist es auch leider meist ein vergebliches Unterfangen, an derlei Ideologen Texte zu schicken. Die werden gar nicht inhaltlich zur Kenntnis genommen, sondern nur direkt geframet und als Beleg der Richtig- und Wichtigkeit der eigenen Überzeugungen eingeordnet (zirkuläres Denken ick hör dir Trapsen). Was aber natürlich nicht heißen soll, dass ich es nicht schätze, wenn du und Schoppe diesen Vögeln auch gerne mal eure Texte zuschickt. Vielleicht trifft es ja hin und wieder doch mal auf Leute, die noch bereit sind, eigenes Denken zu hinterfragen und natürlich überhaupt über die Fähigkeiten verfügen, eure Texte geistig nachvollziehen zu können…

      • @ Mark:
        „Aber zumindest für mich haben solche Schreibübungen einen guten Effekt, indem ich mich damit intensiv auseinandersetze und dabei merke, was mich eigentlich am Text alles stört und warum es mich stört und wie man sinnvollerweise dagegen argumentieren kann.“

        Ein wenig ( durchaus auch reflektives ) Sparring ist natürlich immer gut, ohne Frage.

        „Ich lasse ja meine Texte meist auch den Protagonisten zukommen,…“
        Das freut mich und zwar in dem speziellen Fall sogar ganz besonders.

        Aber im August, Quatsch, Ernst:
        Beim Lesen Deines Textes hatte ich mal wieder sehr schnell den Eindruck, es gäbe zum zitierten Märchenbuch im Grunde noch sehr viel mehr zu sagen und habe v.dh. kurzfristig überlegt, ob ich mir das ganze Comic zu Gemüte führe und es umfassend frikassiere.
        Spätestens nach rund einem Drittel wurde mir aber klar, daß ich dann sehr viel Zeit und Konzentration investieren müßte, um Banalitäten, Binsen und z.T. vollkommen hirnrissigen, en Detail unmittelbar menschenverachtenden Schwachsinn im Endeffekt sogar zu überhöhen, indem ich so tue, als würde ich ihn als aktuell wertvollen Diskussionsstoff betrachten.

        V.dh. lag es nahe, sich mittels ein paar direkter Offensichtlichkeiten einem kleinen Schuss Humor um das Dilemma zu drücken …. 😉

        Zugegeben, reaktive Polemik, aber wer hat denn damit angefangen?

        Ich sehe das Geblubber dieser ( sicherlich hochglanz-)Broschüre ähnlich wie die „Argumentationsweise“ des Kemper-Prangers der HBS/GWI.
        Sinngemäß: “ [Der pöse Feind ]…sieht die Kernfamilie als kleinste Zelle jeglicher menschlichen Gesellschaft …“
        Über solchen Bullshit ziehe ich es einfach vor zu lachen, als ihn durch Anführung vieler Dutzend wissenschaftlicher Erkenntnisse „widerlegen“ zu wollen.
        Eine Binse, die vermutlich seit Jahrtausenden allgemeiner Konsens des Common Sense ist und selbst in der kritischen Wissenschaft als quasi unwiderlegbar gilt, zum Feindbild zu erklären, ohne auch nur ein einziges Sachargument zu liefern zu versuchen, (dis-)qualifiziert m.E. den Prediger dieses Feindbildes direkt zum Kandidaten für beschützende Werkstätten.

        Oder, wie in Kreisen entsorgter Eltern schon vor ungefähr einem Jahrzehnt immer wieder ( und zwar zu recht leicht überspitzt ) argumentiert wurde:
        Diskutiere nicht mit Idioten, sie ziehen Dich auf ihr Niveau und dort schlagen sie Dich aus Erfahrung ( hier: Erfahrung im aggressiven Zeitverschwenden ).

        Gerade gestern hatte ich , während einer Autofahrt, eine lustige Unterhaltung mit einer jungen Mutter, der ich ganz grob im Querschnitt u.a. die wesentlichen Kernthesen zum momentanen genderistischen Weltbild dargestellt habe. Sie hätte vor Lachen und Kopfschütteln fast die geplante Abfahrt von der Autobahn verpasst ….

    • Ist es gerecht, das Brot zu verschwenden, um eine Spur zu legen, die den Verfolgern der Hexe das Auffinden derselben ermöglicht?
      Ist es gerecht, eine alte Frau einfach bei lebendigem Leibe zu verbrennen, einfach nur weil sie sich einmal bei zwei Kindern beliebt zu machen versucht hat?

      Da musste ich lachen! 🙂

      Deshalb glaube ich, dass Spott manchmal die angemessene Reaktion ist. Bei denen setzt kein Denkprozess ein. Die hocken auf ihren staatlich subventionierten Stellen wie die Maden im Speck und werden ganz gewiss nichts davon ausgeben.

  • „Und auf dem Arbeitsmarkt nutzt der bessere Schulabschluss den jungen Frauen nicht viel.“
    Ein Problem bei dieser Aussage ist ja auch, dass die Bildungsüberlegenheit der Mädchen in der BRD noch ein eher junges Phänomen ist und auf dem Arbeitsmarkt daher noch immer überwiegend Frauen zu finden sind, in deren Jugend es diese Bildungsüberlegenheit der Mädchen noch gar nicht gab. Schon allein deshalb ist dieser Vergleich zwischen aktuellen Bildungsleistungen und der Situation auf dem Arbeitsmarkt überhaupt nicht sinnvoll. Wie sich diese Bildungsüberlegenheit auf dem Arbeitsmarkt auswirkt wird sich erst in den kommenden Jahrzehnten zeigen.

    • „Wie sich diese Bildungsüberlegenheit auf dem Arbeitsmarkt auswirkt wird sich erst in den kommenden Jahrzehnten zeigen.“

      In Bereichen wie Jura, Medizin, Lehramt u.a. zeigt es sich schon lange durch eine starke Feminisierung, in anderen Fächern ist es nicht so auffällig. Global gesehen nähert sich die Erwerbsquote von Frauen immer der von Männern, s. Frauenerwerbsquote

  • @Mark Smith: Deinen Fließ in Ehren, aber diese Broschüre wiederholt zum gefühlten 293. Mal die feministisch verzerrten Realitätswahrnehmungen und die dazu passenden Dogmen, die seit 10+ Jahren beliebig oft widerlegt worden sind. Das ganze ist – typisch für Propaganda – ein reiner Verschleißkrieg, bei dem aus dem medialen Machtpositionen (ZEIT, SZ und Co.) immer wieder Breitseiten mit Desinformation aufs Volk abgeschossen werden.

    Aus Effizienzgründen habe ich mir vorgenommen, auf solche Kampfbegriffe, wie sie hier schon auf dem Deckblatt zu sehen sind („Das Märchen von der … geschlechtergerechten und vielfältigen Gesellschaft“), möglichst nur noch mit Cut+paste von Standardtexten aus meinem Glossar zu antworten, hier also:

    Geschlechtergerechtigkeit

    Geschlechtergerechtigkeit ist ein Kampfbegriff, der die beiden falschen Aussagen vermittelt, daß die Kollektive der Männer bzw. Frauen Rechtsträger sein können und daß den Frauen dabei natürlich Unrecht widerfährt.
    Ausführliche Darstellung: s. separate Seite Kampfbegriff „Geschlechtergerechtigkeit“.

    vielfältige / bunte Gesellschaft

    Äquivalente: heterogene, multikulturelle Gesellschaft. Euphemismus, der multikulturelle Gesellschaften alleine über ihre erhofften Vorteile definiert und die erheblichen Probleme unterschlägt, insofern ein Kampfbegriff. Auf Geschlechter bezogen i.d.R. eine versteckte Forderung, daß sehr kleine sexuelle Minderheiten weit überproportional politische Machtpositionen erhalten, Sprech- bzw. Denkverbote erteilen können, nicht kritisiert werden dürfen etc.

  • Ich lass jetzt mal den Juristen raushängen (obwohl ich keiner bin). Der nachträglich eingefügte Satz in GG Art. 2 Abs. 2 Satz 2 „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin“ kann nur verfassungskonform ausgelegt werden. Er kann nicht als Forderung nach Gleichstellung aufgefasst werden.

    • Genau als das wird er aber interpretiert. Weniger Frauen in den Vorständen der grossen Unternehmen? Ein bestehender Nachteil, der ausgeglichen werden muss!
      Man beachte auch die Formulierung „fördert die TATSÄCHLICHE Durchsetzung der Gleichberechtigung…“.
      Es tut mir leid, wenn ich hier der Überbringer der schlechten Nachricht sein muss, aber das Grundgesetz wurde durch Feministen bereits korrumpiert.

      • Das war die Kohl-Regierung und nicht mal „die Feministen“.

        200 Jahre hat es gedauert, bis die Rechte mal einen Weg gefunden hat, die Gleichberechtigung in einer westlichen Verfassung auszuhebeln!

  • Meine Güte. Der Grad der Infantilisierung, innerhalb dieser Null-Toleranztruppe, scheint den absoluten Gefrierpunkt erreicht zu haben. Nun versucht man es neben infantilen Einhörnern auch noch mit „leichter Sprache“, denn anders kann man dieses feministische Taka-Tuka-Land im Barbie-Stil wohl nicht mehr bezeichnen.

    Und das, obwohl man doch feststellte, dass Pink stinkt …

    Aber es gibt da noch so ein Regenbogenpamphlet, bei den Kollegen der HBS. Man könnte fast geneigt sein, diese beim Wort zu nehmen: „Gender raus!

    „Cicero“ formulierte treffend zu beiden Pamphleten im Artikel „Gender-Studies – Die Glaubensgemeinschaft schlägt zurück“:

    “ … Vor allem aber: Der Inhalt der Broschüre ist nicht viel reifer oder gediegener als ihr Äußeres. Das wird – wie schon bei der Böll-Broschüre – insbesondere in dem Abschnitt deutlich, der zeigen will, dass Geschlechterforschung keine Ideologie ist, sondern Wissenschaft.

    Schon der erste Satz – „Geschlechterforschung kritisiert gesellschaftliche Verhältnisse und Missstände mit dem Ziel, Ungerechtigkeiten und Hierarchien zu verändern“ – konterkariert sein Anliegen. Denn ein intellektuelles Unternehmen, das normative Ziele verfolgt, ist niemals Wissenschaft, sondern eben Ideologie. Und auch wenn immer wieder in der Geschichte das Gegenteil behauptet wurde: Es gibt keine wissenschaftliche Ideologie …“

  • Hallo Mark!
    Dort, wo es um die Objektivität der Genderstudies geht, hast du dich völlig verhaspelt. Und das ist schade, da der Text hier doch erstaunliche Einlassungen macht:

    “ Objektivität hängt nicht vom Geschlecht der Forschenden ab, sondern von deren Fähigkeit zur (Selbst-)Reflexion

    Die Polemik einmal umgedreht: Die gesamte Wissenschaft wurde über Jahrhunderte nur von Männern betrieben. Fehlt es da nicht dem gesamten wissenschaftlichen Fundament unserer Zeit an Objektivität? (S. 35)“

    Dass Objektivität in irgend einer Weise von Reflektion abhängen würde (sicher ist das eine der Bedingungen von Objektivität, salopp formuliert) wird hier als *Polemik* bezeichnet und mit dem Mittel der „rhetorischen Frage“ (berüchtigt für diesen Stil ist Chef-Genderistin Butler) wird entgegnet, dass es jetzt mal Zeit sei, dass Frauen an die Wissenschaft kommen, wo es vorher doch nur Männer waren.

    Das ist alles, was den Broschürenleuten also in Hinsicht auf Objektivität einfällt — sie hänge also vor allem vom Geschlecht von Wissenschaftlern ab!

    Hier ist in für Gender-Studies-Vertreter ausnahmsweise klaren Worten mal ihre Vorstellung von Wissenschaft und Objektivität enthüllt, die mit der üblichen absolut unvereinbar ist. Die Fixiertheit auf das Geschlecht belegt unmittelbar und recht eindringlich den sexistischen Charakter der Gender Studies.

    • Zum Thema Objektivität: Eigentlich kommt es noch viel dicker.

      Erstens: Ein zentraler Kritikpunkt an den Gender Studies ist der Einsatz der feministischen Standpunkttheorie als Wissenschaftstheorie, die wiederum zum Relativismus zählt, und zwar einem radikalen, der das Konzept der Objektivität prinzipiell ablehnt. D.h. Frauen habe ihre eigene Realitätswahrnehmung (aka Filterblase), und da haben sie eben objektiv recht. D.h. auf die Frage

      „Geschlechterforschung wird überwiegend von Frauen betrieben, fehlt es da nicht an Objektivität?“

      wäre die richtige Antwort: in großen Teilen der [feministischen] Geschlechterforschung wird sogar das Konzept der Objektivität offiziell strikt abgelehnt.

      Zweitens: Wenn wir mal vom Relativismus bzw. Konstruktivismus absehen, dann bleibt immer noch offen, wie der Begriff Objektivität definiert wird und wie er sich vom Begriff Wahrheit abgrenzt. Objektivität ist das Gegenteil von Subjektivität, Daß die subjektive Kompetenz, Wahrnehmung etc. eines einzelnen Forschers keine Rolle spielt, liegt schon in der Begriffsdefinition.

      Weiter: Daß die vier großen Wissenschaftsbereiche grundsätzlich verschieden Arten von Wissen behandeln und ganz verschiedene Wissenschaftstheorien haben, fallt komplett unter den Tisch. Daß es in den Geistes- und Sozialwissenschaften keine Objektivität wie in den Natur- und Formalwissenschaften geben kann, dito.

      Das Heft ist unfaßbar unqualifiziert und falsch. Aber das Heft wendet sich nach dem graphischen Design zu urteilen wohl eher an Teletubbies und intellektuell vergleichbare Leser.

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