man tau-Wochenshow

Die man tau-Wochenshow vom 20. August 2017

Photographer: Ilan Burla
geschrieben von: Mark Smith

Nachfolgend findet Ihr eine Presseschau der letzten Woche unter anderem mit folgenden Themen:

  • Identitätspolitik: Die Linke hat sich selbst zerstört
  • Young Men and the Empathy Gap. Why we should be guiding, not demonizing our sons
  • Terror in Charlottesville and American Decline
  • «Das Erfolgsrezept der Kleinen Eiszeit ist zur Falle geworden»
  • Aufbruch mit alten Rezepten
  • Neues aus der Quantenphysik: Unser Universum ist ewig
  • „Ein fürchterliches Massaker“
  • USA: Bürgerkrieg 2.0
  • „Weißsein“: Ein unsinniges Konzept
  • Liebe unter Generalverdacht
  • Als Teilchen zu Wellen wurden
  • Merkel im Neuland
  • Männer und Frauen sind eben unterschiedlich
  • Diversity hat eine angstbesetzte intellektuelle Einfalt produziert
  • „Das Geschlecht lässt kaum Vorhersagen zu“
  • Bannon könnte für Trump zum Albtraum werden
  • „Ich bin Deutscher“
  • Ein Labyrinth aus Schmerz und Lust
  • CDU – Die dekonstruierte Partei
  • Gestatten Sie mir eine dezente Dosis Zynismus
  • „Gewalt und Rassismus sind in der Südstaaten-Geschichte verwurzelt“
  • Trump, Trump, Trump … haben wir keine anderen Themen?
  • Dieselgate – oder wie man sich selbst belügt
  • Nilz Bokelberg: warum ich Vater und Feministin bin

Auch wenn wir einen Artikel für lesenswert halten, heißt dies selbstverständlich nicht, dass wir allen Aussagen darin zustimmen, und dasselbe Prinzip gilt umgekehrt für diejenigen Artikel, die wir nicht so toll finden: auch dort können Aussagen drin stehen, die wir befürworten. Wenn Sie diese wöchentliche Presseschau für hilfreich halten, dann bitte in den Social-Media-Kanälen teilen oder einfach Bekannten und Freunden weitersagen.


  • Identitätspolitik: Die Linke hat sich selbst zerstört

Mark Lilla, Professor für Ideengeschichte an der New Yorker Columbia University, beschreibt wesentliche Gründe für die Perspektivlosigkeit der heutigen Linken. Seine Diagnose trifft nicht nur amerikanische Verhältnisse. Der Politik Reagans, der „praktisch im Alleingang die Ideale des New Deal zunichte“ gemacht habe, könne die Linke bis heute keine eigene politische Vision entgegensetzen. Sie sei in Identitätspolitiken gebannt, die in einem „Nullsummenspiel“ immer kleinere Gruppen gegeneinander ausspiele und die keine Perspektive für ein Gemeinwohl mehr entwickeln könne. Zudem habe sie sich auf Universitäten und akademische Milieus fokussiert, während Konservative sich auf Wähler konzentriert hätten, die einst den Demokraten nahe gestanden hätten.

Quelle: nzz.ch

Anmerkung Lucas Schoppe: Lilla ist nicht der erste, der ihre Verstrickungen in Identitätspolitiken als wesentlichen Grund für die Schwierigkeiten der heutigen Linken beschreibt. Das hat gleich nach der letzten Wahl auch schon Bernie Sanders getan. Sehr lohnend ist der Text, weil er wenig moralisiert und relativ sachlich die zeitgeschichtlichen Hintergründe dieser Entwicklung darstellt – von Roosevelts New Deal über die sozialen Bewegungen der sechziger und siebziger Jahre bis hin zur heutigen Black Lives Matter-Bewegung. Die sei „ein Paradebeispiel dafür, wie man Solidarität zerstört statt aufbaut.“


  • Young Men and the Empathy Gap. Why we should be guiding, not demonizing our sons

Es gibt einen gesellschaftlichen Empathy Gap, wenn es darum geht, Mitgefühl mit Jungen und jungen Männern zu haben angesichts der Schwierigkeiten, denen sie begegnen müssen. (…) Niemand misst den Investitionen in die Entwicklung von Jungen einen Wert bei, und das Resultat ist, dass Jungen heute mit dem Gefühl aufwachsen, es habe keinen Wert, ihre zeit und Energie wieder in ihre Gemeinschaft zu investieren.

Quelle: psychologytoday.com

Anmerkung Lucas Schoppe: Philip Zimbardos Text bietet denjenigen, die sich schon länger mit der prekären Situation von Jungen und Männern auseinandersetzen, vermutlich nicht viel Neues. Gleichwohl ist der Text sehr wichtig, weil er diese Situation sehr klar und unverschwurbelt darstellt, weil er in einer angesehenen popularwissenschaftlichen Zeitschrift erscheint und weil er von einem der wichtigsten amerikanischen Psychologen verfasst wurde. Zimbardo wurde 1971 bekannt durch das Stanford-Prison-Experiment und ist Verfasser eines Stadard-Lerhrbuchs.


  • Terror in Charlottesville and American Decline

So habe ich ein tiefes Gefühl der Furcht – dass unser soziales Gefüge zu zerfressen ist, als dass es unterschiedliche Positionen in politischen Institutionen kanalisieren könnte; dass der amerikanische Glaube zerschlagen und zerbrochen ist; dass gegenseitige Revanchegelüste zwischen identitären Radikalen sehr bald schon nicht mehr einzuholen sind.

Große Länder können auseinanderfallen. Ich weiß nicht, wie das für Amerika aussehen würde. Und ich weiß nicht, wie es aufzuhalten ist.

Quelle: the-american-interest.com

Anmerkung Lucas Schoppe: Jason Willick hat keinen analytischen Text zur gegenwärtigen politischen Situation seines Landes geschrieben, trotzdem ist sein Artikel lesenswert. Er gibt nach dem Mord von Charlottesville einen beunruhigenden Einblick in die Ängste, die Amerikaner angesichts einer politischen Situation haben können, in der es zwischen den verfeindeten politischen Positionen keine Chance auf Vermittlung mehr zu geben scheint – und in der auch der amerikanische Präsident selbst mit einer Rhetorik der politischen Gewalt flirte.


  • «Das Erfolgsrezept der Kleinen Eiszeit ist zur Falle geworden»

Der Historiker Philipp Blom erklärt, wie im 16. und 17. Jahrhundert die Kältewellen zu einem neuen Zugang zur Welt führten. In seinem neuen Buch «Was auf dem Spiel steht» warnt er eindringlich davor, die Folgen des Klimawandels zu unterschätzen.

Quelle: woz.ch

Anmerkung Mark Smith: Interessantes Interview!


  • Aufbruch mit alten Rezepten

Emmanuel Macron drückt bei der Reform des Arbeitsmarkts aufs Tempo. Von dessen Flexibilisierung erhofft man sich mehr Beschäftigung.  Diese Hoffnungen sind auf neoklassischem Sand gebaut und werden sich daher nicht erfüllen.

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith: Der Text ist zwar erst am 23 August freigeschaltet, aber ich gehe davon aus, dass er lohnenswert ist. 🙂


  • Neues aus der Quantenphysik: Unser Universum ist ewig

Der Physiker und Mathematiker Garrett Lisi, Verfasser der „besonders einfachen Theorie von Allem“, im Interview: „Die Natur ist letztlich ein konsequentes Ganzes“

Quelle: Telepolis

Anmerkung Mark Smith: Tia, nun gut, also für mich hört sich das alles doch ein wenig esoterisch an. 🙂


  • „Ein fürchterliches Massaker“

Nach dem Anschlag auf der Rambla sind die Menschen in Barcelona fassungungslos. Viele weinen, andere zeigen sich trotzig. Und dann kommt die nächste Terrornachricht.

Quelle: zeit.de


  • USA: Bürgerkrieg 2.0

Die alte Wunde der Spaltung von Nord- gegen Südstaaten wird ohne erkennbare Notwendigkeit wieder aufgerissen

Quelle: Telepolis

Anmerkung Mark Smith: Die Quintessenz von Ploppas Artikel lautet wie folgt und die scheint mir vernünftig zu sein:

Um einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den Übeln: Rassismus, Homophobie und Sexismus näher zu kommen, stände es den USA gut an, ehrlich einzugestehen, dass die oben genannten Übel ein Problem der gesamten Gesellschaft der USA darstellen, die man nicht auf eine relativ wehrlose Verlierergruppe wie „die Südstaaten“ projizieren darf.

Zum anderen gehört zu einer ehrlichen Bewältigungskultur, dass man umstrittene Denkmäler auch für kommende Generationen erhält. Und unbequeme Fragen, die sich aus der Betrachtung dieser Denkmäler ergeben, nicht durch deren Nichtvorhandensein sozusagen im Voraus vermeidet.


  • „Weißsein“: Ein unsinniges Konzept

Die linken Aktivisten, die Weißen eine kollektive, privilegierte Identität zuschreiben, sind nicht weniger irrational als die Rassisten, die sie bekämpfen.

Quelle: Novo Argumente

Anmerkung Mark Smith: Quintessenz des Artikels, der m.E. auch wieder auf eine Kritik der Identitätspolitik hinausläuft und der ich zustimme, ist wie folgt: 

Aber es gibt auch eine dritte Möglichkeit: den humanistischen und aufgeklärten Ansatz. Dieser erfordert, dass wir uns weigern, die voranschreitende Rassifizierung der Gesellschaft zu akzeptieren. Im Grunde genommen ist die Idee des „Weißseins“ so irrational wie die des weißen Nationalismus. Die beiden Begriffe existieren in einer symbiotischen Beziehung und begünstigen die Politisierung der Rassenidentität. Natürlich sind die Rechtsextremen, die in Virginia auf die Straße gingen, in vollem Umfang für das Leid verantwortlich, dass sie ihren Mitmenschen zugefügt haben. Doch im Hintergrund wirkt eine Kraft, die potentiell viel zerstörerischer ist: Die Rassifizierung der menschlichen Identität.


  • Liebe unter Generalverdacht

Im Gefängnis sitzen die Häftlinge – aber Freunde und Familie sind miteingesperrt. Weil die Anstalten misstrauisch sind und Insassen und ihre Angehörigen bis ins Intimste kontrolliert werden.

Quelle: Süddeutsche Zeitung


  • Als Teilchen zu Wellen wurden

Glück im Unglück: Vor 90 Jahren belegten Clinton Davisson und Lester Germer dank einer kaputten Vakuumröhre die Welle-Teilchen-Dualität der Materie.

Quelle: spektrum.de


  • Merkel im Neuland

Knapp fünf Wochen vor der Bundestagswahl stellte sich Kanzlerin Angela Merkel heute eine Stunde lang den Fragen von vier YouTubern. Nadine Lindner aus unserem Hauptstadtstudio findet: „Es war eine unterhaltsame Stunde.“

Quelle: Deutschlandfunk Kultur und Youtube

Anmerkung Mark Smith: Gut, muss man jetzt nicht unbedingt gesehen haben, aber von der Wichtigkeit und der Aktualität her doch ein Muss.


  • Männer und Frauen sind eben unterschiedlich

Ein Google-Mitarbeiter hat seinen Job verloren, weil er über unterschiedliche Interessen von Männern und Frauen gesprochen hatte. Das aber ist kein Sexismus.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Der zentrale Satz des Textes ist m.E. folgender:

Natürlich ist Sexismus ein Problem (Damore weist in seinem Memo ausdrücklich darauf hin), wahrscheinlich sogar bei Google. Aber was hat das eine, die Reduzierung von Frauen auf Stereotype, mit dem anderen zu tun, den Ergebnissen von neuro- und evolutionswissenschaftlicher Forschung?


  • Diversity hat eine angstbesetzte intellektuelle Einfalt produziert

Wer die Sprachregelungen infrage stellt, riskiert nun auch seinen Arbeitsplatz, wie eine Entlassung bei Google illustriert.

Quelle: nzz.ch

Anmerkung Mark Smith: Auch in diesem Text geht es schlussendlich um die Paradoxien der Identitätspolitik: Zentraler Satz: „Die Vielfalt, die sich Diversity nennt, hat eine angstbesetzte intellektuelle Einfalt produziert. Widerspruch ist nicht erwünscht.


  • „Das Geschlecht lässt kaum Vorhersagen zu“

Sind Männer wirklich vom Mars und Frauen von der Venus? Ein Interview mit der Psychologin Cordelia Fine über Gender, Rollenbilder und „Neurosexismus“.

Quelle: Novo Argumente

Anmerkung Mark Smith: Anhänger der Evolutionsbiologie und Evolutionspsychologie werden an diesem Text wohl nicht nur Freude haben.


  • Bannon könnte für Trump zum Albtraum werden

Der ehemalige Chefstratege des Präsidenten geht zurück zu Breitbart News. Er will Trump unterstützen – doch wie lange macht er das?

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Anmerkung Mark Smith: Interessante Analyse, deren Kern wie folgt lautet:

„Im Weißen Haus dürften nach Bannons Abgang die sogenannten „Erwachsenen“ die Oberhand gewinnen. Sollte Trump anfangen, auf deren Rat zu hören, dann wird auch Trump ein Gegner von Steve Bannon. Einen Vorgeschmack liefert Bannon schon mit seinem Satz: „Die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft haben und die wir gewonnen haben, gibt es nicht mehr.“


  • „Ich bin Deutscher“

Joschka Fischer über die Bundestagswahl, Pazifismus, Macron und Gott

Quelle: taz.de

Anmerkung Mark Smith: Ich selbst habe Fischer nie gemocht und werde ihn nie mögen! Man müsste sich länger Zeit nehmen und sich gründlich mit dem Inhalt des Interviews auseinandersetzen, aber der Eindruck ist, dass Vieles auf den ersten Blick richtig erscheint, aber eben nur auf den ersten Blick. 🙂


  • Ein Labyrinth aus Schmerz und Lust

Eine Frau wird über Jahrzehnte von ihrem Vater brutal vergewaltigt – und schreibt darüber mit einer erstaunlichen Stärke. Die anonyme Autorin lässt den Leser in „Das Inzest-Tagebuch“ sogar an ihrer Lust am Sex teilhaben. Grell, verstörend, aber lesenswert.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Anmerkung Mark Smith: Da sag ich jetzt mal nix dazu, kann sich jeder seine eigene Meinung bilden.


  • Hohle Worte

Europa will Afrika angeblich helfen – doch anstatt die Ursachen der Massenflucht zu bekämpfen, zieht man Zäune.

Quelle: zeit.de


  • Wie Donald Trump die USA umkrempelt

Das Weisse Haus ist im Krisenmodus: Doch trotz spektakulären Niederlagen hat der US-Präsident Erfolge vorzuweisen.

Quelle: srf.ch

Anmerkung Mark Smith: Eigentlich könnte man meinen, Trump habe bisher noch nichts als Chaos geschaffen, aber einen Teil seiner Agenda hat er bereits durchgesetzt wie:

  1. Runderneuerung der Justiz
  2. Verschärftes Regime gegen illegale Einwanderung
  3. Umweltschutz last: Wiederbelebung fossiler Energieträger
  4. Der grosse Deregulierer

  • CDU – Die dekonstruierte Partei

Lange Jahre haben die Christdemokraten erfolgreich grüne und sozialdemokratische Themen besetzt. Nun bekommen sie die Quittung für ihre inhaltliche Beliebigkeit.

Quelle: Novo Argumente


  • Gestatten Sie mir eine dezente Dosis Zynismus

Es ist schon paradox – während im Sommer 2017 ein Song über einen Flüchtlingshelfer aus dem „Sommer 89“ zum Netz-Hit wird, werden die Seenotretter der Gegenwart kriminalisiert, die jährlich tausende Flüchtlinge im Mittelmeer vor dem Ertrinken retten. In unseren Herzen sind „wir“ die Guten, die mit dem Bolzenschneider die Zäune niederreißen. In der Realität sind „wir“ jedoch die Bösen, die Mauern bauen, Flüchtlinge am liebsten verrecken ließen und dafür mit Warlords ins Bett steigen, die „wir“ normalerweise nicht eines Blickes würdigen würden. Vielleicht sollte Chinas Staatspräsident Xi Jinping beim nächsten Treffen mit den Führern der EU einmal die Menschenrechtssituation an der europäischen Südgrenze ansprechen, bevor er den Europäern lukrative Geschäfte in Aussicht stellt? Der Sommer 2017 ist nur mit einer dezenten Dosis Zynismus zu ertragen.

Quelle: Nachdenkseiten


  • „Gewalt und Rassismus sind in der Südstaaten-Geschichte verwurzelt“

Rechtsradikalismus und Südstaaten-Identität seien durch die Wahl Trumps salonfähiger geworden, sagt die Historikerin Heike Bungert. Gewalt spiele eine besondere Rolle.

Quelle: zeit.de


  • Gefährlich – aber trotzdem lehrreich?

Der Politologe Reinhard Mehring im Gespräch mit Stephanie Rohde

„Freund“ versus „Feind“ – darin sah Schmitt die Grundunterscheidung des Politischen. Unter den Nazis wurde er zum „Kronjuristen des NS-Staats“. Der Neuen Rechten gilt er als Vordenker, aber auch Linke berufen sich auf ihn. Reinhard Mehring findet: Schmitts Theorien sind gefährlich – aber auch lehrreich.

Quelle: Deutschlandfunk Kultur


  • „Die Krise des Journalismus ist eine Krise der Journalisten“

Interview mit Michael Marti, Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeigers

Wen hat es in den Redaktionen zu Zeiten, als es noch kein Internet gegeben hat, wirklich interessiert, ob Leser mit der gebotenen journalistischen Leistung zufrieden waren? Michael Marti, Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeigers , hat im Interview mit Telepolis eine klare Antwort auf die Frage, nämlich: „niemanden“. In der Vor-Internetzeit, so Marti, habe es keinen gekümmert, wie ein Leser das Medium bewerte, sofern nur die Auflage hoch genug war.

Ein Interview mit dem „Leiter Digital Newsnet“ über Bewertungskultur, Datenanalysen, überforderte und nichtüberforderte Journalisten sowie Medien, die ihre Leserforen dicht machen. Für Marti sind Medien, die ihre Leserforen abschalten, nicht mehr interaktiv und „dann ist das so, als ob Sie mit einem Farbfernseher nur schwarz-weiß gucken“.

Quelle: Telepolis


  • Trump, Trump, Trump … haben wir keine anderen Themen?

Seit gut einem halben Jahr scheinen die deutschen Medien nur noch ein Thema zu haben: Trump! Trump in allen Facetten – Trumps Umfeld, seine Berater, sein Schwiegersohn, Russlandkontakte, Trumps große und kleine Dummheiten, Trump, Trump, Trump. Dabei gäbe es doch viel wichtigere Themen, mit denen man das Sommerloch füllen könnte. Und selbst, wenn man etwas zu den USA machen will, gäbe es doch zig richtige und wichtige Ansätze, echte Kritik zu üben. Quantität ist jedoch bei der US-Berichterstattung der deutschen Medien etwas Anderes als Qualität und die vorgebrachte Kritik ist bestenfalls oberflächlich.

Quelle: NachDenkSeiten

Anmerkung Mark Smith: Habe auch den Eindruck, dass über Trump der kleinste Fliegendreck geschrieben wird und sogar vielfach noch als Eilmeldung.


  • Brasiliens Staatsstreich von Rechtsaußen – der letzte Akt

Brasiliens korrupter Kongress schützt seinen schmiergelddurchtränkten Präsidenten

Dilma Rousseff wurde gestürzt und die korruptesten Figuren des Kapitals eingesetzt – an deren Spitze die Oligarchenschöpfung Michel Temer –, um das brasilianische Politestablishment vor Korruptionsuntersuchungen zu schützen und den Interessen der heimischen Plutokraten sowie der internationalen Finanz zu dienen. Die Hoffnungen des letzten Jahrzehnts von Hunderten Millionen Menschen wurde von den Dieben und Lügnern der herrschenden Klasse niedergetrampelt und ausgelöscht – meint Glenn Greenwald.

Quelle: justicenow.de


  • Historisches SETI-Signal ohne Kosmogramm

Heute vor 40 Jahren traf das mysteriöse „Wow!-Signal“, das manche für den Fetzen einer intelligenten Funknachricht aus dem All halten, auf eine der Antennen des „Großen Ohrs“ in Ohio

Quelle: Telepolis


  • Enttäuschte Pessimisten

Wähler der Linkspartei verdienen eher schlecht und sind wütend auf die Politik, Banken und die USA. Am wichtigsten sind ihnen sozialpolitische Themen.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Mark Smith: Der durchschnittliche Wähler der Linkspartei ist ein Mann (Männerüberschuss von 8%), eher gut gebildet, verdient jedoch trotzdem weniger als Wähler anderer Parteien. Wichtigstes politisches Anliegen ist ihm die soziale Sicherheit sowie die Alters-und Gesundheitsvorsorge. Er ist der Meinung, dass der Staat in die Wirtschaft eingreifen sollte sowie die Steuern erhöhen und vermehrt Sozialleistungen ausbezahlen. Und er ist oft wütend, insbesondere auch wegen seines niedrigen Lebensstandards und pessimistisch, was die Zukunft anbelangt, zumal er denkt, dass das Elend der Welt immer größer wird. Von Politikern hält er quasi nix und fühlt sich somit desgleichen nicht von ihnen vertreten; auch von Banken, den USA. der Bild-Zeitung sowie vom Patriotismus hält er nicht viel. Toll findet er an seiner Partei, dass sie anders als andere Parteien und nicht opportunistisch ist.


  • Aus den Augen, aus dem Sinn?

«Menschen, die vor Verfolgung und Krieg flüchten, kann man nicht einfach stoppen», sagt der Sprecher des UNO-Flüchtlingskommissariats: Er fordert legale Fluchtwege für diejenigen, die wirklich Schutz brauchen.

Quelle: srf.ch


  • Dieselgate – oder wie man sich selbst belügt

Alle vermeintlichen Klimaschützer bekommen glänzende Augen, wenn es um Fahrverbote und geringere Grenzwerte geht. Leider nur bedeuten Grenzwerte nicht viel, wenn auf Teufel komm raus weiter gefahren und Öl verfeuert wird.

Quelle: Makroskop

Anmerkung Mark Smith: Um dem Klimawandel Einhalt zu gebieten, gibt es für Heiner Flassbeck nur eine wirklich nachhaltige Lösung: Radikale Verteuerung der fossilen Energieträger.


  • Nilz Bokelberg: warum ich Vater und Feministin bin

Ein Text nach der Struktur einer religiösen Erweckungserfahrung. Der Moderator Nilz Bokelberg beschreibt, wie er gedacht habe, dass Gleichberechtigung der Geschlechter doch eigentlich erreicht sei. Dann sei seine Tochter sechzehn Jahre alt geworden – und er habe überlegt, in welche Welt sie als erwachsene Frau eintrete. Besonders der Gender Pay Gap treibt ihn um. „Oder gibt es einen vernünftigen Grund, warum Frauen für dieselbe Arbeit weniger verdienen als Männer?“ Dass der Gender Pay Gap eine statistische Größe und, mehr noch, ein politischer Kampfbegriff ist, und dass eine Frau tatsächlich nicht für dieselbe Arbeit weniger verdient als ein Mann – das kann hier nicht berücksichtigt werden. Stattdessen ist Bokelberg wütend über einen Mann, der in der U-Bahn eine Frau ungehobelt und penetrant angafft. Er findet, dass Männer nun damit dran wären, an der Situation etwas zu ändern.

Quelle: zeit.de

Anmerkung Lucas Schoppe: Der Text hat sich die Auszeichnung mit dem goldenen Luftballon schwer verdient: Er kommt effektvoll daher, endet in einem emotionalen moralischen Appell und kann seine Hohlheit glänzend überspielen.

Als Vater einen Sohnes könnte ich natürlich auch beunruhigt sein über das Leben, das ihm bevorsteht. Ich weiß, dass er statistisch deutlich eher sterben wird als Mädchen desselben Alters, dass sein Risiko einer Drogensucht oder eines Suizids um ein mehrfaches größer ist als bei Mädchen, dass die gesundheitsgefährdendsten Berufe ebenso wie das Risiko der Obdachlosigkeit weitgehend eine Männersache sind. Ich kenne auch Trennungsväter, die voll arbeiten, in einer winzigen Wohnung leben, weil sie Frau und Kinder finanzieren müssen, die aber ihre Kinder seit Jahren schon nicht mehr sehen konnten – einfach, weil die Mutter nicht wollte. Auch das würde ich unserem Sohn gern ersparen, kann aber nur hoffen, dass es ihm nicht geschehen wird.

Das alles muss Bokelberg nicht interessieren, schließlich gibt es die vielfach widerlegte, aber immer noch lebendige politische Konstruktion eines Gender Pay Gaps sowie aufdringlich glotzende Männer in der U-Bahn. Das ist grundsätzlich ein ganz normaler Eltern-Egoismus, den wohl jeder Vater und jede Mutter kennt: Die Angst darum, dass es dem EIGENEN Kind gut geht. Es ist – nicht nur in der Schule – allerdings sehr wichtig, solchen Impulsen auch etwas entgegenzusetzen, sie rational zu kontrollieren und zu zeigen, dass auch andere Kinder legitime Interessen und wichtige Bedürfnisse haben.

Bokelberg macht das Gegenteil: Er betoniert seinen dysfunktionalen Eltern-Egoismus, packt ihn in eine Ideologie des Geschlechterressentiments und spielt es zur moralischen Pflicht aller hoch, diese Ressentiments zu teilen. Der Text wirkt sowie eine unfreiwillige, farcehafte Illustration der sehr guten, oben empfohlenen Analyse Lillas zur Selbstzerstörung der Linken in Identitätspolitiken. „Heute kann ich endlich sagen: Ich bin Mann. Ich bin Vater. Ich bin Feministin.“

Wenn es Feministinnen gibt, denen ihre politische Position etwas wert ist: Warum tun sie eigentlich nichts dagegen, dass jemand sich auf eine solch strunzdumme, egomane und a-soziale Art darauf beruft?


  • „Ein verzerrter Diskurs“

Vor einem Monat launchte die Böll-Stiftung ein Portal, das AntifeministInnen listet. Mitbegründer Andreas Kemper blickt zurück.

Quelle: taz.de

Anmerkung Mark Smith: Kemper im Interview und mit wem wohl? Also, viel gibt es hierzu nicht mehr zu sagen, und ich verweise deshalb auf den Artikel von Lukas Schoppe mit dem Titel: Grüne Pranger, grüne Wagenburgen„.

 

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3 Comments

  • Zu Jochen Bittners „Natürlich ist Sexismus ein Problem“:

    Man beachte die immer weitergehende Verschiebung des Begriffs „Sexismus“ und den damit zusammenhängenden Begriffskrieg:

    In der urspünglichen Definition waren dies unrichtige Behauptungen oder Handlungen, die direkt oder indirekt allen Männern bzw. Frauen aufgrund ihres Geschlechts negative Charaktereigenschaften oder andere negative soziale Eigenschaften zuweisen.

    Im Rahmen der Begriffsverschiebungen während der Aufschrei-Kampagne wurde der Begriff so verschoben, daß es keinen Sexismus gegen Männer geben kann. Hierzu wurde die Bedingung hinzugenommen, daß die Behauptungen oder Handlungen diskriminierend sein müssen. Männer können wegen Patriarchatsmitgliedschaft nicht diskriminiert werden, also gibt es keinen Sexismus gegen Männer.

    Die obenstehende Begriffsverwendung und sehr viele weitere in der Googlegate-Debatte verwenden den Begriff für ein (angebliches) soziologisches Phänomen, wonach sexistische Behauptungen oder Handlungen quantitativ so verbreitet sind und ihre individuellen Auswirkungen auf Frauen oder Minderheiten dermaßen schrecklich sind, daß hierdurch der geringe Frauenanteil (also ein quantitatives Merkmal) erklärt wird.

    Für diese versteckten Behauptungen wird natürlich keinerlei Beweis erbracht. Das ist analog zu (Geschlechts-) Stereotypen, deren angebliche Normativität und schädliche Wirklung ebenfalls hochumstritten ist.

  • Zu „Das Geschlecht lässt kaum Vorhersagen zu“

    Cornelia Fein stellt einerseits fest:

    Das biologische Geschlecht lässt also kaum Vorhersagen zu, wenn es darum geht, ob ein Individuum stereotyp „männliches“ Verhalten (Streben nach sozialem Status, Einfluss oder Dominanz) oder vermeintlich „weibliches“ Verhalten (wie Fürsorglichkeit) an den Tag legen wird. Eine Studie in 70 Ländern zeigte, dass die Geschlechtsunterschiede in diesen Bereichen meistens so gering ausfallen, dass der Vorhersagewert des Geschlechts gegen Null geht.

    Das heisst also, dass die Qualifizierungen als „typisch mànnlich“ oder „typisch weiblich“ wenig bis nichts mit der Realität zu tun haben oder anders gesagt, dass „weiblich“ als Indikator für „Fürsorglichkeit / typisch weibliches Verhalten“ nicht taugt, ebenso wie „männlich“ kein tauglicher Indikator für „Status, Dominanzstreben etc.“ ist. Soweit Cornelia Fine.

    Andrerseits sagt sie:

    Natürlich sollten wir trotzdem versuchen, die Anzahl von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. In männerdominierten Unternehmen können Frauen hyper-maskulinen Normen entgegenwirken und vermeintlich „weibliche“ Werte und Verhaltensweisen destigmatisieren. Doch wir sollten Männer nicht mit der Unterstellung beleidigen, dass sie nur zu aggressivem, autokratischen und gefühllosem Verhalten fähig sind.

    Warum können Männer nicht genauso hypermaskulinen Normen entgegenwirken? Sie widerspricht sich hier selbst. Einerseits behauptet sie die Unterschiede als nicht signifikant, kommt dann aber mit der Mär angerauscht, dass Frauen hypermaskulinen Verhaltensnormen entgegen wirken und schwadroniert von vermeintlich (!) weiblichen Werte- und Verhaltensweisen, die durch Frauen destigmatisiert würden.

    Da mach sich einer einen Reim drauf. Wir alle sind fast genau gleich und deshalb ist Diversity so wichtig. Aaaahm ja.

  • Zu Jochen Bittners „Natürlich ist Sexismus ein Problem“:

    Sexismus wurde von Feministen zu einem Popanz aufgeblasen. Dieser Popanz ist notwendig, weil nur er die Privilegierung von Frauen, insbesondere im Anstellungsprozess auf dem Arbeitsmarkt, als gerechtfertigte Kompensation behaupten lässt.

    Der Vorwurf des Sexismus beschränkt sich nicht auf die triviale Feststellung, dass es ihn gibt, sondern dass er allgegenwärtig und systematisch ist und so zu einer Bevorteilung der Männer führt. Aus dieser Behauptung, die sich weder beweisen noch falsifizieren lässt, wird das Recht auf eine tatsächliche sexistische Diskriminierung abgeleitet („affirmative action“ in den USA, Geschlechterquoten hier).

    Wenn es keinen Sexismus gäbe, die Feministen würden ihn erfinden.

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