Fake News Gender Pay Gap Populismus

Rot-grüner Rechtspopulismus

geschrieben von: Lucas Schoppe

Achtung: Das Plakat im Eingang ist kein echtes Wahlplakat der SPD! Leider… Woher es stammt, wird dann später im Text erklärt. Vor allem aber geht es darin um die Frage, ob die Strukturen, die wir heute als „Rechtspopulismus“ kennen, nicht eigentlich erst von den etablierten Parteien groß gemacht worden sind. Hier am Beispiel der SPD und der Grünen – es wären aber andere Beispiele mit anderen Parteien möglich.

Rechtspopulismus! Dass die AfD in einer Woche Mitglied des Bundestages sein wird, finde auch ich beunruhigend. Trotzdem irritiert es mich, wie sehr sich Vertreter etablierter Parteien nun in immer dramatischeren Warnungen überbieten – als ob irgendeine Warnung, wenn sie denn nur krass genug formuliert wäre, dafür sorgen könnte, dass die Partei nach Umfragen zwischen 10 und 12 Prozent nun noch plötzlich unter die 5%-Hürde rutscht.

Besonders unbekümmert langte wieder einmal Sigmar Gabriel zu, der verkündete, dass mit der AfD nun zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges wieder Nazis im Bundestag sitzen würden. Damit entsorgte er nebenbei ein paar Aspekte der deutschen Nachkriegsgeschichte, die gerade für Nationalkonservative immer schon lästig und störend waren. Im Kampf gegen rechts war das aus Gabriels Sicht aber  wohl legitim.

Das kann Menschen, die AfD wählen wollen, sicherlich nicht überzeugen, und einige andere werden durch eine solch eine geschichtsvergessene Holzhammerrhetorik wohl abgeschreckt sein. Seinen eigenen Leuten hingegen signalisiert Gabriel Entschlossenheit und Kampfbereitschaft, und er stärkt ein Wir-gegen-Die-Gefühl.

Dieses Beispiel aber zeigt schon, dass die Unterschiede zwischen wütenden Rechtspopulisten und den wütenden Kritikern der Rechtspopulisten möglicherweise gar nicht so groß sind, wie beide Seiten das gern glauben würden. Die Arbeit mit Freund-Feind-Strukturen – das unbekümmerte Ausblenden unangenehmer Fakten – eine starke Vereinfachung komplexer sachlicher Zusammenhänge: Das kam offensichtlich nicht erst mit dem „Rechtspopulismus“ in unsere politischen Debatten.

 

Herr Turtur wandert durch den deutschen Wahlkampf

Möglicherweise konnten rechtspopulistische Strömungen gerade deshalb stark werden, weil wir uns ohnehin daran gewöhnt hatten, dass in politischen Debatten komplexe Strukturen versimpelt, unterschiedliche Interessen zu Feindschaften aufgeblasen und störende Sachverhalte ignoriert werden – und zwar von etablierten Politikern und Journalisten. Ein Beispiel dafür, eines von vielen möglichen, ist die Kampagne zum sogenannten „Gender Pay Gap“, die in diesem Wahlkampf besonders von der SPD und den Grünen geführt wird und die massenmediale Unterstützung findet.

Das Plakat der SPD erweckt den Eindruck, Frauen würden 21% weniger verdienen als Männer, auch wenn sie genau so viel arbeiten. Es ist schon lange bekannt, dass diese Zahl irreführend ist – hier werden einfach völlig unterschiedliche Berufe, Ausbildungen, Arbeitszeiten und Berufsbiografien miteinander gleich gesetzt. Als ob es ein gesellschaftspolitischer Skandal wäre, dass ein vollzeitbeschäftigter Maschinenbauingenieur einen höheren Stundenlohn hat als eine teilzeitbeschäftigte Friseurin.

Die Kommentare zu einschlägigen Artikeln zeigen, dass es sich längst herumgesprochen hat, wie sehr sich ein „bereinigter“ Gender Pay Gap vom unbereinigten unterscheidet. Werden Faktoren wie die Qualifikation, die Unterschiede der Branchen und Berufe oder das Arbeitszeitmodell einbezogen, dann verschwindet die Lücke fast völlig.

Das Gender Pay Gap ist also ein Schein-Riese wie der Herr Turtur in Michael Endes Jim Knopf-Romanen, der von Weitem sehr groß aussieht und der kleiner wird, je näher er kommt. Das Gender Pay Gap sieht nur für diejenigen groß aus, die nicht so genau hinschauen wollen.

Warum aber plakatiert die SPD weiterhin die Zahl von 21%, obwohl vielen längst bekannt ist, dass sie irreführend ist? Ihre eigene Begründung auf eine Nachfrage des Bayerischen Rundfunks: Es lägen schließlich

die 21% Lohnunterschied auch der Berechnung des Datums des Equal Pay Days durch das Forum Equal Pay Day zu Grunde“.

Das aber ist eben die Struktur, die – und durchaus zurecht – rechtspopulistischen Stellungnahmen und Netzen gern attestiert wird. Hier wird eine Desinformation dadurch legitimiert, dass sie an anderer Stelle auch benutzt wird. Verschiedene Akteure mit gemeinsamen Interessen und einer gemeinsamen Weltsicht bestätigen sich gegenseitig und machen sich gar nicht mehr die Mühe, ihre Positionen an sozialen Realitäten oder gar an den Positionen anderer zu überprüfen.

Die Grünen vermeiden zwar eine Zahlenangabe, legen aber ansonsten fast wortgleich mit der SPD den Gedanken nahe, dass Frauen nur deswegen weniger verdienen würden, weil es Frauen sind.

 

Frau Stokowski zaubert Diamanten aus dem Nichts

Im Spiegel springt Margarete Stokowski der SPD bei – mit einem Text, der eine Weile sogar Topartikel bei Spiegel-Online war, als ginge es um die wichtigste Nachricht des Tages.

Diese kleinere Zahl ist dann sozusagen der zu Diamant gepresste reine Sexismus und die ‚bereinigte’ Lücke, was nahelegt, dass die Faktoren, die man vorher rausgerechnet hat, nur eine Art Schrott waren, den es nicht zu beachten gilt – was Quatsch ist.“

Das heißt: Für Stokowski sind die 21%-Lohnunterschied irgendwie ganz in den 2 (eher als 6) Prozent enthalten, die bereinigt übrig bleiben, nur eben irgendwie zusammengepresst und zum Diamanten verhärtet. Die Statistik spiegelt für sie so keine empirische soziale Realität wider, sondern gerät zur Metapher, zum Bild für „reinen Sexismus“.

Das heißt: Dass die Strukturen sexistisch seien, steht hier immer schon fest, und wenn die sozialen Daten etwas anderes ausdrücken, dann täuschen die Daten.

Ähnlich beruft sich auch die SPD gegenüber dem BR auf „die strukturellen Unterschiede und Ungerechtigkeiten“ zwischen Männern und Frauen, bleibt aber sorgfältig vage und erklärt nicht, was damit gemeint ist. Frauen würden zum Beispiel, so Stokowski, „wesentlich öfter in Teilzeit arbeiten als Männer“, und das sei ein „reales Problem“.

Das stimmt sogar, was die Fakten angeht. Es lässt sich keineswegs nur mit dem naheliegenden Gedanken erklären, dass Frauen sich nun einmal um die Kinder kümmern müssten. Selbst bei Kinderlosen haben Frauen, so Daten der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung, eine deutlich geringere Wochenarbeitszeit als Männer, und wenn ein Kind geboren wird, arbeitet die Frau in der Regel danach deutlich weniger, der Mann aber mehr.

Das spricht nicht für eine Diskriminierung, sondern eher dafür, dass Frauen und Männer ihre Verantwortungen weiterhin unterschiedlich aufteilen: Frauen betreuen tendenziell das Kind oder die Kinder, Männer sorgen in deutlicher Tendenz finanziell für die Familie und müssen bei höheren Kosten dementsprechend mehr arbeiten.

Es liegt sogar nahe, dass beide sich auf diese Funktionen schon vorbereiten, wenn sie noch gar keine Kinder haben – Männer sind auch dann offenbar deutlich eher als Frauen darauf eingestellt, später einmal eine Familie allein finanzieren zu können, und sie bereiten sich beruflich darauf vor.

Ein Punkt aber ist an den HBS-Daten besonders erklärungsbedürftig. Seit 2000 sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männer trotz umfangreicher genderpolitischer Bemühungen und trotz eines Ausbaus der staatlichen Kinderbetreuung nicht etwa kleiner geworden, sondern sogar deutlich gestiegen. Im Schnitt arbeiten Männer 2012 etwas mehr und Frauen deutlich weniger als 2001. Eine jüngere OECD-Studie legt nahe, dass dieser Trend nicht unterbrochen wurde: In Deutschland verdienen Frauen in Beziehungen mit Kindern im Schnitt nur 22,4% des Familieneinkommens.

Stokowski erwähnt solche Daten lieber nicht, sondern spottet über die Vorstellung, dass Frauen „das freiwillig“ machen würden. Die Frage, ob Männer eigentlich ganz freiwillig mehr als drei Viertel des Familieneinkommens stemmen, spielt hingegen keine Rolle.

Für die Grundlagen des eigenen Lebens und des Lebens der eigenen Familie sorgen zu müssen, ist eben für niemanden rundweg freiwillig, sondern eine Notwendigkeit, mit der sich offenbar Männer wie Frauen arrangieren. In Stokowskis Perspektive, aber auch in der rot-grünen, ist ein Druck äußerer Verhältnisse eine Diskriminierung, wenn er Frauen betrifft, und nicht der Rede wert, wenn er auf Männer wirkt.

Natürlich sind aber auch Männer mit Erwartungen von Frauen konfrontiert – etwa mit der auch bei jungen Frauen noch vorherrschenden Überzeugung, dass der Mann gut verdienen sollte. Solange sich aber Paare in gegenseitigen Erwartungen mit einer bestimmten Arbeitsteilung arrangieren, ist es fraglich, ob die Situation überhaupt grundsätzlich als politisches Problem betrachtet werden muss – wenn sie doch für die Beteiligten selbst kein Problem darstellt. Auf jeden Fall aber ist es gewaltsam und einseitig, in diesen Strukturen nur eine einseitige Diskriminierung von Frauen zu entdecken.

Stokowski hält sich mit solchen Überlegungen nicht auf, sondern behauptet,

Pflege-, Erziehungs- oder Serviceberufe (…) sind unter anderem deswegen schlecht bezahlt, weil von Frauen ausgeführte Arbeit als weniger wert angesehen wird.“

Nun bekommt zum Beispiel ein KFZ-Mechatroniker nach vier (!) Jahren Ausbildungszeit ein Brutto-Einstiegsgehalt von 1500 bis 1900 Euro, ein Altenpfleger nach drei Jahren Ausbildung eines von 2400 bis 2600 Euro.  Im typischen Männerberuf des Müllwerkers – der für Stokowski ohnehin nur ungefähr dasselbe tut wie eine Putzfrau – werden etwa 2300 Euro verdient, eine Krankenschwester verdient mehr als 500 Euro mehr, eine Erzieherin fast 400 Euro mehr. Facharbeiter oder Kanalfacharbeiter verdienen wiederum mehrere hundert Euro weniger als Krankenschwestern und Erzieherinnen.

Stokowski geht also von Voraussetzungen aus, die schlicht nicht stimmen, und zieht daraus Schlüsse, die auch dann nicht begründet wären, wenn ihre Ausgangsannahmen richtig wären. Die Aussage ist von vorn bis hinten eine Fantasie. (Stokowskis Artikel wird im Asemann-Blog weiter analysiert.)

 

Linke übernehmen das Geschäft der Rechten. Und umgekehrt

Wichtig aber ist vor allem, was bei dieser öffentlich so offensiv präsentierten Fantasie aus dem Blickfeld gerät.

Geschlechterpolitisch ist die Rede vom Gender Pay Gap gewiss auch eine Ablenkungsdiskussion. Würde die Frauendiskriminierung durch das Gender Pay Gap nicht so stark öffentlich diskutiert werden, könnten Männer – und auch Frauen – ja durchaus einmal auf die Idee kommen zu fragen, warum denn Frauen in Deutschland eigentlich im Schnitt finanziell so wenig beitragen. Die Unterschiede im Beitrag zum Familieneinkommen setzen sich ja schließlich im Beitrag zum Steueraufkommen und zum Gesundheitssystem fort.

Dies ist leider kein echtes Wahlplakat der SPD, sondern eine satirische Antwort auf den sozialdemokratischen Wahlkampf im Blog des „Sexismusbeauftragten“.

Vor allem müssten wir uns einmal fragen, ob nicht die Geschlechterpolitik der vergangenen Jahre und Jahrzehnte ein Irrtum war, wenn sie offenbar das Gegenteil dessen bewirkt, was sie verspricht. Wer zum Beispiel jungen Paaren beständig erklärt, der Mann würde 20 Prozent mehr verdienen als die Frau – der hämmert ihnen regelrecht ein, dass es unvernünftig ist, wenn sich die Frau auf die Erwerbsarbeit und der Mann sich auf die Kinder konzentriert. Wer zudem, wie sämtliche Parteien des Bundestags und besonders starr die SPD, Vätern gleiche Rechte vorenthält und sie bloß zum Unterhalt verpflichtet, der behindert natürlich auch eine halbwegs gleichrangige Beteiligung von Frauen an der Erwerbsarbeit.

Noch etwas ganz anders aber verschwindet unter den Gender-Pay-Gap-Kampagnen. In Deutschland sind, trotz einer insgesamt ungeheuer positiven Wirtschaftsentwicklung, die Reallöhne seit Beginn der Neunziger Jahre nicht etwa gestiegen, sondern gesunken. Westdeutschland ist davon erwartungsgemäß stärker betroffen als der Osten – aber besonders Geringverdiener erlebten einen Absturz von 20% der realen Stundenlöhne.

Die fiktive Ungerechtigkeit des Gender Pay Gaps lenkt so von realen Ungerechtigkeiten ab. Anstatt wahrzunehmen, dass hier Arbeitnehmer – und vorwiegend Männer, weil die nun einmal den Löwenanteil der Erwerbsarbeit verrichten – flächendeckend in Not geraten, werden diese Arbeitnehmer auch noch als Gewinner eines Systems geschlechtsspezifischer Diskriminierung präsentiert. Dies zu allem Überfluss auch noch von Frauen und Männern, die selbst längst ihre Position gesichert haben.

Besonders gravierend ist, dass besonders Parteien mit einem diffus linken Selbstverständnis diese Fiktionen stärken. Damit sind eben gerade die politischen Akteure, welche traditionell die massiven Ungerechtigkeiten in den Gehaltsentwicklungen ansprechen müssten, an ihrer Bemäntelung beteiligt.

Damit weist die Rede vom Gender Pay Gap, von Rot und Grün offensiv im Wahlkampf präsentiert, eben genau die Strukturen auf, die dem Rechtspopulismus immer vorgehalten werden – und das bis ins Detail:

  • Komplexe soziale Probleme werden auf einfache, simple Gegenüberstellungen (wir-die, Frau-Mann, Deutsche-Ausländer etc.) reduziert.
  • Diese Freund-Feind-Muster sprechen gezielt Ressentiments an.
  • Für schwierige Situationen werden einfach erkennbare Schuldige präsentiert.
  • Die eigene Verantwortung an der eigenen Situation wird überspielt, weil die Schuld anderen zugewiesen wird.
  • Es wird Menschen der Eindruck erweckt, ihnen, „uns“ ginge es nur deswegen schlecht, weil es „denen“ zu gut ginge.
  • Die Diskussion ist ganz auf sich selbst bezogen und blendet störende Daten aus der sozialen Realität aus…
  • …und insgesamt wird abgelenkt von realen Ungerechtigkeiten…
  • …so dass schließlich allein die profitieren, die ohnehin schon wesentliche Privilegien besitzen.

Wenn heute der „Rechtspopulismus“ wächst, dann eben auch deswegen, weil etablierte Parteien uns längst an die krummen Diskursformen gewöhnt haben, die nun auch Populisten von rechts nutzen. Das ist gefährlich: nicht nur, weil damit soziale Feindschaften organisiert werden, sondern auch, weil wir die Fähigkeit verlieren, sachlich auf sachliche Herausforderungen zu reagieren. Das Bewusstsein eigener Verantwortung schwindet darin ebenso wie das Gefühl eigener Handlungsfähigkeit.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit mündet eine solche Entwicklung in die Hoffnung auf starke Akteure und Führerpersönlichkeiten, die von oben alles wieder ins Reine bringen, was die anderen verbockt haben. Stokowski beendet ihren Artikel mit der Hoffnung auf einen Aufstand von oben:

Dieser Aufstand könnte von oben kommen, allein, es sieht noch nicht danach aus.“

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42 Comments

  • „Wer 100% leistet, darf nicht 21% weniger verdienen.“

    Stimme ich zu. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag bei Frauen 2015 bei 31,6 h und bei Männern bei 39,8 h. Männer arbeiten also jede Woche einen ganzen Tag mehr … oder anders ausgedrückt: Männer arbeiten 25,6% mehr.

    😉

    • Falsch argumentiert. Das GPG bezieht sich auf den Brutto-Stundenlohn, nicht auf den Brutto-Monats- oder Wochenlohn. Dort multipliziert sich der Stundenlohn- und Arbeitszeitunterschied zu ca. 40-50% (habe die korrekte Zahl gerade nicht zur Hand).

  • Nun ja, es ist ja jetzt schon seit mehreren Jahrzehnten deutlich zu sehen, daß Volksverblödung auch linguistisch betrieben wird. Bis vor einigen Jahren war mein Lieblingsbeispiel die Ersetzung der drei Begriffe „wo möglich“, „wohlmöglich“ u. „wohl möglich“, durch den Kunstbegriff „womöglich“. Sprache wird dadurch gezielt immer schwammiger und somit als Kommunikationsmittel untauglicher gemacht.

    In den letzten Jahren ist es die Synonymisierung von „Verdienst“ u. „Einkommen“, die mich immer noch nahezu täglich auf’s Neue erschreckt..
    Das ist zielgerichtete Ghettoisierung, zum Zwecke, eine sinnvolle Diskussion zu verunmöglichen.

    Auffällig wurde es mit Schwesigs hartnäckiger Penetranz, mit der sie gebetsmühlenartig wiederholte, daß Frauen bei gleicher Leistung irgendwas zwischen 21 u. 28% weniger verdienen würden. Da man wohl bei einer Ministerin voraussetzen kann, daß ihr bekannt ist, daß ein Friseur und eine Friseuse i.d.R. den gleichen Stundenlohn bekommen, ergibt sich damit ein Paradoxon, nämlich, daß Schwesig einerseits gegen Männer polemisiert, andererseits aber als „Argument“ Frauenfeindlichkeiten benutzt.
    Konsequenterweise müßte man ja davon ausgehen, daß die Friseuse so schlecht arbeitet, daß ihr lediglich 790 von 1000 € zustehen würden, was zur Gesamtaussage, also, daß Frauen im Berufsleben durch die Männer benachteiligt und unterdrückt werden, im krassen Widerspruch steht.
    Folge davon ist, daß sich der Unfug viral bis in z.B. „schwesig-kritische“ Kreise fortgesetzt hat, da man scheinbar meint, man könne sich nicht mehr normal bis gebildet unterhalten, zumal ja die „Bildungsschicht“ den Sprachgebrauch vorgibt, weil „das sind ja studierte Leute“.
    Praktisch für den Pöbelanten aus Würselen, der jetzt meint, er könne vorschreiben, was eine Frau ( na, zumindest seine Tochter ) verdienen DARF ( ! ), oder auch nicht.

  • Das ist ne Menge guter Text für eine kleine Wahrheit:

    Das Problem der linken Linken ist es, daß diese denkt, sich jede Schweinerei leisten zu können im Dienste des Gutmenschentums, des von ihnen angenommenen Wissens um das Reine Gute und Wahre. Das von linken Linken angenommene Reine , Gute und Wahre hat aber nur zu einem geführt:
    Zu Platz 2 auf der Weltrangliste der Völker und Massenmorde.

    Wen man mich fragt: Was ist links?
    Dann antworte ich: In China hat man während der Kulturrevolution Menschen die Hände gebrochen, die Klavier spielen konnten. Einfach , weil andere das nicht konnten.
    Dass man um ein Klavier zu beherrschen , 10-15 Jahre jeden Tag 8 Std üben muss, zählte nicht. Das
    ist Links . Und link.

    • @Gereon

      Es gibt „die Linke“ in jeder möglichen Schattierung, ebenso „die Rechte“; einige dieser Schattierungen waren inhuman mit Ansage, andere sind es geworden.
      Nazis gehören definitiv zur ersteren Sorte – wer „Mein Kampf“ gelesen hat, wusste ganz genau, auf was der Faschismus herauslaufen würde.

      Wenn ich dich nicht permanent als „Nazi“ tituliere dann weil mir klar ist, dass du wahrscheinlich keiner bist. Natürlich ein Schlechtmensch, aber kein Nazi!

      Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!

  • „Warum beklagen wir einen Fachkräftemangel, wenn wir bereitwillig das Bildungs- und damit das Fachkräftepotential von Jungen brach liegen lassen? Als Vater ist mir das egal. Als Kanzler werde ich daran nichts ändern.“
    So könnte auch ein Wahlplakat der SPD lauten. Oder der CDU. Oder der Grünen. Oder der FDP. Oder…

  • @ Schoppe

    Na ja, aus links-Mitte-Parteien nun einen Rechtspopulismus zu zaubern, mag zwar kreativ sei, aber vermutlich nicht zielführend. 🙂 Man kann es doch einfach Linkspopulismus oder links-Mitte-Populismus nennen.

    Du schreibst:

    „Nun bekommt zum Beispiel ein KFZ-Mechatroniker nach vier (!) Jahren Ausbildungszeit ein Brutto-Einstiegsgehalt von 1500 bis 1900 Euro, ein Altenpfleger nach drei Jahren Ausbildung eines von 2400 bis 2600 Euro. Im typischen Männerberuf des Müllwerkers – der für Stokowski ohnehin nur ungefähr dasselbe tut wie eine Putzfrau – werden etwa 2300 Euro verdient, eine Krankenschwester verdient mehr als 500 Euro mehr, eine Erzieherin fast 400 Euro mehr. Facharbeiter oder Kanalfacharbeiter verdienen wiederum mehrere hundert Euro weniger als Krankenschwestern und Erzieherinnen.“

    Wenn man darüber valide Aussagen machen möchte, müsste man m.E. schon quasi alle Berufssparten berücksichtigen und dann vergleichen, einfach ein paar Berufe herauszupicken und dann sagen, das sei alles Unfug, finde ich jetzt nicht soooo toll, weil einfach total angreifbar und nicht repräsentativ.

    • @Mark:

      Du schreibst:

      „Wenn man darüber valide Aussagen machen möchte, müsste man m.E. schon quasi alle Berufssparten berücksichtigen und dann vergleichen, einfach ein paar Berufe herauszupicken […]“

      Die Passage von Lucas auf die du dich beziehst ist eine Antwort auf folgende Aussage von Fr. Stokowski

      „Pflege-, Erziehungs- oder Serviceberufe (…) sind unter anderem deswegen schlecht bezahlt, weil von Frauen ausgeführte Arbeit als weniger wert angesehen wird.“

      Um den Unsinn dieser Aussage zu entlarven ist es ganz unnötig „alle Berufssparten zu berücksichtigen und dann zu vergleichen“. Was Lucas gemacht hat ist genau die richtige Erwiderung: Anhand der Realität zu zeigen, dass die Prämisse von Frauen ausgeführte Arbeit sei weniger wert, falsch ist.

      • @pingpong

        Ich bin der Auffassung, dass, wenn man valide und repräsentative Aussagen machen will, alle Berufssparten untersuchen müsste. Aber Du darfst das gerne anders sehen.

        • @Mark:

          Kontext. Es geht nicht darum, eine repräsentative Aussage über den gesamten Arbeitsmarkt zu machen. Es geht darum, die spezifische Aussage „von Frauen ausgeführte Arbeit wird als weniger Wert angesehen“ als Unsinn zu entlarven.

          Stokowski behauptet ja nicht etwa „im Schnitt wird von Frauen ausgeführte Arbeit als weniger wert angesehen“ oder „In einigen Berufen verdienen Frauen weniger als Männer“ oder „Berufe mit niedrigem Lohnniveau werden überwiegend von Frauen gewählt.
          Kurz gesagt, Frau Stokowski differenziert nicht, sondern macht eine (plumpe) Allaussage, die NACHWEISBAR falsch ist. Ich halte es für eine absurde Perversion der Gesprächskultur, zuerst eine falsche, undifferenzierte, polemische, populistische und ideologische Aussage in den Raum zu stellen, und dann vom Gegenüber zu erwarten er möge bitte sehr eine allumfassende wissenschaftlich wasserdichte Untersuchung starten um diesen Unsinn zu widerlegen.

          Nicht, dass sachlich-wissenschaftliche (gründliche!) Argumentation schlecht wäre, es geht hier um die Verhältnismäßigkeit.

          Wenn behauptet wird, Flüchtlingsfamilien bekämen 4000€ pro Monat an Sozialleistungen, dann reichen statistische Daten aus Bezirk A,B,C, die zeigen dass dies nicht der Fall ist, um die Aussage als den billigen Populismus zu entlarven der er ist. Es ist ganz unnötig, eine wissenschaftliche Abhandlung über den gesamten Sozialhaushalt Deutschlands zu führen.

          • @ pingpong
            Dass Stokowski als gelernte Philosophin nix von empirischer Forschung versteht, dürfte klar sein. Aber es bringt m.E. nicht viel, quasi nun auf der selben Ebene mit ein paar Einzelbeispielen zu kommen, weil die Problematik wird nun mal diskutiert und wenn man sie ernsthaft diskutieren will, dann müsste man sich eben genau damit beschäftigen. Soll heissen, empirische Arbeiten konsultieren und sich mit diesen auseinandersetzen.

          • @Mark

            Pingpong hat völlig recht.

            Und du lieferst auch das Stichwort, wonach: „Stokowski als gelernte Philosophin nix von empirischer Forschung versteht, dürfte klar sein“ – sie verwendet das Argument, *weil* sie sich an ein Klientel richtet, das davon auch nichts versteht.

            Sie wiederholt ein feministisches Mantra, das empirisch einfach zu widerlegen ist. Aber WEDER sie weiß das, NOCH das Klientel, an das sie sich wendet.

            Sie kann das falsche Mantra aber nur so lange glaubwürdig wiederholen, bis irgendeiner anfängt, wenigstens EIN Gegenbeispiel in Form einer konkreten Zahl auf den Tisch zu legen und ihr nachweist, dass sie die Unwahrheit propagiert.
            Das ist *unser Job*.

          • @Mark Smith: „Dass Stokowski als gelernte Philosophin nix von empirischer Forschung versteht, dürfte klar sein.“

            Die implizite Aussage, daß Philosophen (m/w) generell keine Ahnung von Empirie und Mathematik haben, würde ich so pauschal nicht unterschreiben wollen.

            @crumar: „… feministisches Mantra, das empirisch einfach zu widerlegen ist. Aber WEDER sie weiß das, NOCH das Klientel, an das sie sich wendet.“

            Man soll mit Ferndiagnosen ja immer vorsichtig sein, aber von außen betrachtet kann man nicht umhin, eine eklatante mathematisch / statistische Inkompetenz bei Stokowski und vielen anderen Feministinnen festzustellen (Stichwort Innumeracy, s. u.a. https://rationalwiki.org/wiki/Innumeracy, https://de.wikipedia.org/wiki/Zahlenanalphabetismus). Ich tendiere inzwischen sogar zu der Theorie, daß Zahlenanalphabetismus eine Voraussetzung dafür ist, anfällig für Populismus i.a. und speziell Feminismus zu sein. Sonst würden einem die vielen Falschinterpretationen von Zahlen selber auffallen. Unter dieser Annahme kann man argumentativ auch nicht mit Nachhilfestunden in deskriptiver Statistik dagegenhalten. Genausogut kann man mit einem Farbenblinden ins Museum gehen und versuchen, ihm das ausgefuchste Fabenspiel der Bilder zu erklären.

            Vielleicht bin ich aber auch nicht zynisch genug und Stokowski und Co. lügen wirklich ganz bewußt.

            „Das ist *unser Job*.“

            Eigentlich ist es eher ein Job der Schule und der dortigen Mathematiklehrer, dem Nachwuchs eine mathematische Mindestkompetenz beizubringen.

          • @mitm

            Philosophen haben von Mathematik und Logik vermutlich schon viel Ahnung, aber nicht unbedingt von Statistik und empirischen Forschungsmethoden. Was zwar gut lernbar ist, aber in der Ausbildung der Philosophen nun mal nicht gelehrt wird. Und ich habe zumindest noch keinen Philosophen angetroffen, der richtig gute empirische Forschung macht, sondern höchstens Sozialphilosophie.

          • @Mark @mitm

            Wir sollten uns zunächst probeweise mit den Branchen beschäftigen, in denen Frauen überproportional vertreten sind und auch einmal herausstellen, wie die im internationalen Vergleich „wertgeschätzt“ werden:

            „Im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern bezahlt Deutschland seine Lehrkräfte gut: Sie verdienen fast doppelt so viel wie ihre Kollegen in anderen Ländern. Grundschullehrer erhalten in Deutschland laut der Studie ein Anfangsgehalt von rund 54.000 US-Dollar, der OECD-Durchschnitt liegt bei 30.838 US-Dollar.“
            http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/lehrer-in-deutschland-laut-oecd-bericht-aelter-weiblich-gut-bezahlt-a-1167094.html

            Mit Betonung auf a. *Anfangsgehalt*, denn dabei bleibt es nicht und b. sind Grundschullehrer zu 87% – laut Studie – LehrerINNEN. Bei leistungsgerechter Entlohnung im internationalen Vergleich könnte der deutsche Steuerzahler viel Geld sparen.

            Womit klar sein dürfte, warum sich Frauen in diesen Berufen und Branchen tummeln: Sie sind sehr gut bezahlt, sicher und mit Teilzeit kompatibel.
            Zudem muss SELBSTVERSTÄNDLICH der öffentliche Dienst Vorreiter in allen Belangen sein, die Frauen entgegen kommen.

            Hier einmal zum Vergleich das Anfangsgehalt eines Informatikers:
            „So werden in Unternehmen mit weniger als hundert Mitarbeitern im Median 42.179 Euro bezahlt, in solchen mit 101 bis 1.000 Mitarbeitern 45.108 Euro. Je nach Mitarbeiterzahl steigt dann das Einkommen weiter: In Großunternehmen liegt das Einstiegsgehalt für Informatiker im Median bei 48.534 Euro.“
            https://www.karriereletter.de/einstiegsgehalt-informatik/

            Das Anfangsgehalt einer Grundschullehrerin liegt auf ähnlichem Niveau, jedoch mit einer erheblich weniger leistungsintensiven Ausbildung, weniger verschleißanfälligem Wissen und das bei voller Wahlfreiheit in Sachen „work-life-balance“.

            D.h. 1. ist das Mantra, Arbeit mit Menschen würde per se schlechter bezahlt als das mit Dingen, weil *Frauen* erstere Arbeit verrichten nachweislich falsch (besonders im internationalen Vergleich).

            Zweitens geht es mir generell darum, die feministische Lügerei zu beenden, indem klar gemacht wird, es handelt sich um wissentliche und willentliche und selbstdienliche Unwahrheiten.

            Dabei gilt es m.E. drei Ebenen zu unterscheiden: Dummbratzen wie die Stokowskis dieses Landes, die einfach nur jeden feministischen Mythos nachquatschen, ohne einen zweiten Gedanken darauf zu verschwenden für ein ebenso gläubiges Klientel. Ein anderes Klientel hingegen, das zunehmend misstrauischer wird und bereits geneigt ist, die Aussagen nicht mehr unbesehen zu glauben, sondern selber prüfen zu wollen.
            Das sind die beiden Gruppen, die wir überzeugen können.

            Dann aber die Ebene der professionellen Ideologen und Ideologinnen, Demagoginnen und Demagogen.
            Du kannst letztere Ebene NUR entlarven und nicht überzeugen – sie haben ihre gesamte Berufskarriere, ihre Position, ihre Macht auf der Verbreitung von Lügen, Fälschungen und (bestenfalls) Halbwahrheiten aufgebaut.

            Das Ausmaß an Skrupellosigkeit dieser Gruppe kann man sich m.E. schlecht vorstellen. Man muss sich deren Studien und Veröffentlichungen durchlesen und sich des politischen impact vergewissern, um zu der Einsicht zu gelangen, die gehen für ihre Karriere und ihren Platz am Futtertrog (wortwörtlich) über Leichen.

            Subcomandante crumar

          • @crumar
            Danke für Recherche und Ausführungen.
            Dein letzter Teil der Klassifikationen gefällt mir besonders gut.
            Übrigens gerade gestern ein Urteil vom höchsten Gericht in der Schweiz erschienen, das Kindergärtnerinnen abblitzen liess, die gegen Lohn-Diskriminierung geklagt haben. Wobei jedoch gesagt werden muss, dass der Entscheid sehr knapp ausfiel mit 3:2 Richterstimmen.

            „Kindergärtnerinnen erleiden im Lohnkampf eine Niederlage“

            Das Bundesgericht hat im Rahmen einer öffentlichen Beratung entschieden, dass die Löhne der Zürcher Kindergärtnerinnen nicht diskriminierend sind.
            Es hat die Beschwerde von drei Kindergärtnerinnen, dem Verband Kindergarten Zürich (VKZ), dem Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) und dem Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband mit drei zu zwei Stimmen abgewiesen.

            https://www.srf.ch/news/schweiz/bundesgericht-weist-klage-ab-zuercher-kindergaertnerinnen-erleiden-im-lohnkampf-eine-niederlage

          • Kleiner Einwurf:
            „Dass Stokowski als gelernte Philosophin […]“

            Die Stokowski hat eine Lehre in Philosophie gemacht – echt jetzt?

            Im Ernst:
            Hier gings im Thread auch kurz um sprachliche Genauigkeit.
            Sprachlich hat üblicherweise jemand, der einen Beruf „gelernt“ hat, eine Lehre in einem Lehrberuf gemacht.
            Stokowski hat aber Philosophie studiert, an einer Universität.
            Sie ist eben keine „gelernte“, sondern eine studierte Philosophin.
            Dazu benötigt man üblicherweise das, was sich „Hochschulreife“ bezeichnet, nachzuweisen z.B. durch ein Abitur.
            Was eine gewisse Breite an Allgemeinbildung zu beinhalten hat.
            Es mag zwar stimmen, dass diverse Leute mit Philosophieabschluss heute absolut keine Ahnung von empirischer Forschung mehr haben, aber irgendwie folgerichtig finde ich das nicht, es ist vielmehr ein Armutszeugnis. Denn prinzipell bin ich sehr der Auffassung, dass jemand, der Philosophie studiert, wesentliche Grundlagen empirischer Forschung kennen sollte – darüber, wie validierte wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen und bestätigt oder widerlegt werden. Es ist noch nicht gar so lange her, dass das eine Selbstverständlichkeit war.

          • @maddes8cht
            UM was es hier im Thread geht, ist mir eigentlich egal, ich schreibe, was ich sinnvoll finde. 🙂
            Und Ihre Haarspalterei bringt vermutlich auch nicht viel: „gelernt“ bzw. „studiert“ – vielleicht kommt Ihnen ja noch ein 3. Wort in den Sinn. Nööö, wer keine Ausbildung in Statistik und empirischen Forschungsmethoden hat, falls er sich nicht gerade selbst kundig macht, was natürlich möglich ist, hat nun mal nicht sehr viel Ahnung davon. Und Geistes- und Kulturwissenschaftler insbesondere nicht.

          • Kleiner Faktencheck zur „gelernten/studierten Philosophin Stokowski“:

            Auf ihrer Profilseite im Spiegel http://www.spiegel.de/impressum/autor-21963.html steht „Sie hat Philosophie und Sozialwissenschaften studiert …“, was nach den üblichen Sprachcodes bedeutet, nur studiert, aber keinen Abschluß zu haben.

            Auf der ihrer Wikipedia-Seite https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Margarete_Stokowski&oldid=167964933 wird es etwas genauer: „Sie studierte Philosophie und Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin und schloss das Studium mit einer Arbeit über Simone de Beauvoir ab.[1] …“ Als Beleg wird ein Text von ihr in der TAZ von 2013 angegeben: http://www.taz.de/!5051795/. Dort findet sich der Satz: ‚Ein Jahr lang habe ich Texte von und über Beauvoir gelesen und meine Masterarbeit über „Das andere Geschlecht“ geschrieben.‘

            Auf der rowohlt-Autorenseite https://www.rowohlt.de/news/physikerin-bundeskanzlerin-ich-bin-30-ich-kann-beides-noch-werden.html läßt sie sich in einem (vermutlich gestellten) Interview fragen, „Keine Ahnung, ob Sie als studierte Philosophin Lust haben, …“, ohne das ggf. zu korrigieren.

            Unklar bleibt, welchen Master-Studiengang sie tatsächlich studiert hat. An der HU gibt es viele Master-Studiengänge: https://www.hu-berlin.de/de/studium/beratung/angebot/master, darunter einen in Philosophie (M.A.), einen in Sozialwissenschaften (M.A.) und ein par dubiose Kombinationsstudiengänge.

            Der M.A. Sozialwissenschaften würde schon mal gut passen, das Institut für Sozialwissenschaften macht schon auf seiner Leitseite https://www.sowi.hu-berlin.de/de/institut durch unübersehbare Tiefstriche klar, wo der ideologische Hammer hängt und daß feministische Indoktrination ein Hauptziel der Ausbildung ist. Zum MA Sozialwissenschaften https://www.sowi.hu-berlin.de/de/studiengaenge/masowi/ma gibt es wie üblich Zulassungsvoraussetzungen, grundsätzlich ein „B.A. Sozialwissenschaften, Soziologie, Politikwissenschaft oder vergleichbar…“, und im besonderen „Spezielle Kenntnisse 2″: nachgewiesene Grundkenntnisse in Methoden empirischer Sozialforschung im Umfang von mindestens 15 ECTS-Punkten. Es müssen grundlegende Kenntnisse in Methoden empirischer Sozialforschung … nachgewiesen werden“.

            Das Institut für Philosophie verzichtet auf Indoktrination auf seiner Leitseite (kommt also schon mal weniger infrage), auf der Seite zum M.A. Philosophie https://www.philosophie.hu-berlin.de/de/studium/master leider auch auf Hinweise darauf, welchen Bachelor man als Zulassungsvoraussetzung haben muß.

            Generell: Bei 6 Semester B.A.-Studium und nur 4 Semester Master-Studium ist das Bachelor-Studium für die Einschätzung der Grundkenntnisse eines Master-Absolventen fast noch wichtiger als Master-Studium.

            Fazit: es bleibt weitgehend unklar, welche formale Qualifikation Stokowski tatsächlich hat, der relativ wichtige Bachelor bleibt völlig unklar. Der M.A. Philosophie ist sehr unwahrscheinlich, insofern halte ich inzwischen ihre wiederholte Selbstdarstellung als „studierte Philosophin“ für Hochstapelei.

            Der M.A. Sozialwissenschaften ist viel wahrscheinlicher, dazu paßt aber das offensichtliche Unwissen in den Methoden empirischer Sozialforschung nicht so recht (kann natürlich auch ideologisch anerzogener Unwille sein). Insg. ist das Versteckspiel um den tatsächlichen akademischen Abschluß befremdlich.

            Meine frühere Mutmaßung „Stokowski als gelernte Philosophin“ ziehe ich hiermit offiziell zurück 😉

          • @Mark

            Aha, daher weht der Wind!
            Faktisch wollten sich also Kindergärtnerinnen gleich bezahlen lassen wie Grundschullehrinnen.

            Identische Diskussion hatten wir in Deutschland ebenfalls und perspektivisch hatte das Schwesig geplant.
            Das wäre aber in Deutschland ein schreiender Hohn gewesen, denn Erzieherin ist ein Ausbildungsberuf und du brauchst noch nicht einmal Abitur dafür.
            Während Lehramt für Grundschule studiert werden muss mit Abschluss Master (m.W.). Zudem kommen danach noch einmal zwei Jahre Referendariat in der Schule und ein Staatsexamen.

            Das wäre analog so, als hätten Elektriker durchsetzen wollen, nunmehr nach dem Gehalt eines Elektroingenieurs bezahlt zu werden. Einfach weil sie der Ansicht sind, dass beide gleichwertige Arbeit verrichten, da sie beide mit Elektrizität arbeiten.

            Es ist mein Traum, dass irgendwann Feministinnen leibhaftig mit Malermeistern konfrontiert werden, die das anstreichen einer Wand mit der Vergütung für ein monochromes Gemälde im Stile von Yves Klein berechnen, ihre KFZ-Werkstatt sich bei den Stundensätzen an der Entwicklungsabteilung von Mercedes orientiert und ihr Klempner zu Architektensätzen arbeitet.

            Wenn sie also SELBER im realen Leben einmal für die Auswüchse der eigenen Forderungen bezahlen müssten, statt damit zu rechnen, dass irgendein virtueller „Anderer“ (männlicher, weißer, heterosexueller Steuerzahler) dafür aufkommt.

            Der Traum ist aus – aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird! 🙂 (TSS)

            Subcomandante crumar

        • @Mark Smith: Wenn eine Aussage bewiesen werden soll, ist ein Beispiel, dass die Aussage stützt, nicht viel wert. Wenn aber ein Gegenbeispiel angeführt werden kann, so ist die Aussage widerlegt. Insofern ist das Beispiel von Lucas hinreichend, um die Behauptung von Fr. Stokowski zu widerlegen.

          Mehr kann aus den Gegenbeispielen zunächst nicht abgeleitet werden, mehr ist für die Aussage im Artikel aber auch nicht nötig.

      • @ Mark

        Vor deinem soziologischen Background kann ich es ja verstehen, dass du ein Freund von Empirie bist und prinzipiell bevorzuge ich diese Herangehensweise ja auch.

        Im vorliegenden Fall ist die recht simple Falsifizierungstechnik von Schoppe meines Erachtens aber angebracht und ausreichend.

        Erstens, wie schon von anderen Diskutanten angedeutet, beruft er sich auf eine plumpe Verkürzung von Frau Stokowski. Ihre Aussage war es, dass prinzipiell Frauenberufe schlechter bezahlt werden als Männerberufe. Das Problem, welches sie sich mit solch einer Aussage selber schafft, liegt darin, dass eine solche Aussage tatsächlich mit nur der Nennung eines einzigen Gegenbeispiels falsifiziert werden kann. Schon die bloße Verwendung einschränkender Floskeln wie „tendenziell“ oder „überwiegend“ hätte ihr dieses Problem erspart und ihren Gegnern etwas mehr Arbeit abverlangt. Ich verstehe nicht, wie diese einfache argumentative Vorgehensweise, selbst nach Jahren des Kolumnenschreibens, dieser Hohlnuss immer noch verborgen geblieben sein kann. Aber wahrscheinlich ist ihr die durch solche Floskeln eingeschränkte kämpferische Wirkung ihrer Texte, vor allem vor ihren flammenden Fans, wichtiger als sich einfach nur argumentativ etwas weniger angreifbar zu machen.

        Zweitens, das ist dir als Schweizer eventuell nicht bekannt, die Gegenüberstellung von Erzieherinnen und Alten- / Krankenpflegeberufen als typischen Frauenberufen mit Müllwerkern und Kanalarbeitern als typischen Männerberufen ist deshalb so herrlich plakativ und entlarvt die Gender-Wage-Gap-Litanei als größtenteils populistischen Nonsens, weil diese Berufe alle vorwiegend unter den öffentlichen Dienst fallen. Diese Berufsgruppen erhalten ihr Gehalt allesamt auf Basis des TVÖDs (Tarifvertrag Öffentlicher Dienst). Und gerade die Berufsgruppen der Erzieherinnen und Pflegerinnen werden fast reflexartig immer wieder als erste Beispiele für die Schlechterbezahlung von Frauen genannt. Und dann findet man in dem Vertrag, über den das Einkommen dieser beiden Berufe geregelt wird, zwei Berufe, die demographisch sogar noch erheblich männlicher sind, als die beiden anderen Berufe weiblich, die signifikant schlechter verdienen. Und das obwohl Müllwerker und Kanalarbeiter Tätigkeiten mit starkem Belastungspotential und deutlich höherem Unfallrisiko nachgehen, was beides bekanntermaßen lohnrelevante Faktoren sind.

        Besonders entlarvend wird es erst dann, wenn Politiker eben diese beiden typischen Frauenberufe skandalisierend als Beispiele dafür heranziehen, wie schlecht Frauen in diesem Land entlohnt werden, obwohl es dieselben Politiker sind, die bei den Verhandlungen zum TVÖD die Seite des „Arbeitgebers“ vertreten. Sie skandalisieren also Gehaltsgefüge als Beispiele für Frauendiskriminierung, an deren Zustandekommen sie selbst federführend beteiligt sind; und zwar in der Rolle des Gehaltsdrückers.

      • @Billy Coen

        „Sie skandalisieren also Gehaltsgefüge als Beispiele für Frauendiskriminierung, an deren Zustandekommen sie selbst federführend beteiligt sind; und zwar in der Rolle des Gehaltsdrückers.“

        Sehr schön formuliert!
        Und man kann die perfide Zusammenarbeit der Beteiligten in der strukturellen Diskriminierung der Frauen im Patriarchat noch ausweiten!!!
        Das Gegenüber bei den Gehaltsverhandlungen bildet nämlich die Gewerkschaft „Verdi“ – mit einem Bundesvorstand bestehend aus neun Frauen und fünf Männer.

        Ich kann mir die Gehässigkeit des Bundesvorstands richtig vorstellen bei der kooperativ-patriarchalen Gehaltsdrückerei der Frauen.
        Selbstverständlich haben die neun Frauen daran keinen Anteil und sind dafür nicht verantwortlich zu machen.
        Wie sie (damit sind selbstverständlich ausschließlich die Männer gemeint) kaltlächelnd die Verträge unterschreiben und sich betont frauenfeindlich an die Frauen im Publikum richten:

        „So, hier hast du deine Diskriminierung, bitch! Jetzt geh arbeiten und zahl gefälligst deine Gewerkschaftsbeiträge!“

        So wird es sehr wahrscheinlich sein und das prangere ich an! 🙂

    • @ Mark Zum zweiten Punkt hat pingpong ja schon etwas Wichtiges geschrieben und übrigens auch weiter unten Billy Coen, der zudem zeigt, wie politische Kalküle hinter dem Gerede vom Gender Pay Gap aussehen könnten. Um eine Allaussage zu widerlegen, genügen eben einzelne Beispiele, und es ist gar nicht nötig, wiederum eine Allaussage zu konstruieren. Wichtig ist nur, dass die Beispiele nicht auf exotischen Ausnahmesituationen beruhen – was hier ja nicht der Fall ist.

      Mir ist der Punkt auch deswegen wichtig, weil ich glaube, dass der Aussage von Stokowski eigentlich ein ressentimenthaltiger Glaube zu Grunde liegt, der sich um empirische Daten überhaupt nicht kümmert. Frauen sind da irgendwie die sozialeren Menschen, die Berufe wählen, in denen sie für andere Menschen sorgen – während Männer sich für Technik (=kalt), für die BEHERRSCHUNG der Natur (MINT-Fächer) oder für Macht (Führungspositionen) interessieren würden. Da aber unsere Gesellschaft eine Männergesellschaft sei, würden Frauen für ihre mitmenschlichere Berufswahl auch noch bestraft. So sad!

      Dieser Glaube stimmt mit gängigen Geschlechterklischees so selbstverständlich überein, dass sich auch bei gut bezahlten Journalisten von Massenmedien niemand die Mühe macht, nachzuprüfen, ob daran denn wenigstens die Basisdaten stimmen. Dabei lässt sich eben leicht feststellen, dass es Gegenbeispiele gleich reihenweise gibt.

      Zum ersten Punkt: Mir ist es besonders wichtig, von RECHTSpopulismus zu sprechen, bzw. zu schreiben, nicht von Populismus, Linkspopulismus etc. Mein Punkt ist nämlich der: Der Rechtpopulismus ist zur Zeit DAS Schreckgespenst des etablierten politischen Diskurses. Linkspopulismus ist überhaupt nicht wichtig, auch wenn ein Beispiel wie Venezuela ja durchaus beunruhigen könnte – nur sind die USA für uns eben deutlich wichtiger.

      Jemanden als „Rechtspopulisten“ zu bezeichnen, ist de facto ein Ausschlusssignal. So jemand ist dann nicht nur selbst indiskutabel – indiskutabel sind selbst Menschen, die mit so jemanden einfach nur reden.

      Natürlich hat das auch Gründe. Du hast ja in Deiner Serie zum Rechtspopulismus deutlich gemacht, wie sehr dort mit Vereinfachungen, Freund-Feind-Mustern oder der Imagination einer geschlossenen Gruppenidentität gearbeitet wird.

      Nur ist eben die Vorstellung völlig falsch, wir hätten einen zivilen. demokratischen, humanen, weitgehend herrschaftsfreien politischen Diskurs gehabt – in den dann, Gott allein weiß warum, die destruktiven Rechtspopulisten eingedrungen seien. Als verrohte, versoffene Partycrasher einer gut funktionierenden zivilen Gesellschaft.

      Das aber ist völlig daneben, und mehr noch: Es ist eine Interpretation, mit der demokratische Linke, Liberale und Konservative Leuten wie Trump, Le Pen oder auch Gauland die Menschen regelrecht zutreiben.

      Die Rechtspopulisten greifen Teile des Diskurses auf und benutzen sie für die Formulierung ihrer Positionen. Was übrigens prinzipiell erstmal völlig legitim ist. Das heißt aber auch: Wer ihnen wirklich etwas entgegensetzen will, wird um Selbstkritik nicht herumkommen. Die Rechtspopulisten sind gleichsam die missratenen Kinder eines politischen Diskurses, dessen Akteure flächendeckend eben diese Fähigkeit zur Selbstkritik verloren oder gar gezielt verbuddelt haben.

      Wer allein auf Ausschluss setzt, der wird sie stärken. Wenn Altmeier zum beispiel dahererzählt, nicht zu wählen wäre besser, als AfD zu wählen, dann kann er das gern für sich persönlich denken – als Statement eines Kanzleramtsministers ist es daneben. Es bedeutet nämlich eigentlich: Wer nicht die etablierten Parteien wählt, sollte besser gar nicht zur Wahl gehen (und andere Kleinstparteien zu wählen ist ja de facto ein engagiertes Nichtwählen).

      Das aber sind eben die „Wir-gegen-die“-Feindbilder, derer sich auch die AfDler bedienen, und dies regelrecht zwanghaft. Wer ab und zu mal in sozialen Medien was von AfD-Anhängern gelesen hat, der merkt ja schnell: Die sind regelrecht auf der Suche nach Belegen dafür, wie unfair, feindselig und undemokratisch ihre Partei von den etablierten Parteien behandelt wird.

      Ich bin mir sicher, dass die AfD ein gutes Ergebnis bekommen wird. Dies nicht darum, weil viele Menschen das strunzdumme Rechtsaußen-Gequatsche von Typen wie Gauland oder Höcke insgeheim toll finden – sondern weil sie das Gefühl haben, anders als mit einer Stimme für die AfD könne kein Signal für die Notwendigkeit von Veränderungen gesetzt werden.

      Was also dagegen getan werden könnte, ist: zu zeigen, dass die etablierte politischen Strukturen sehr wohl veränderungsfähig sind, dass sie offen sind für neue Informationen, dass sie Daten zur sozialen Realität vieler Menschen angemessen verarbeiten und für neue Probleme neue Lösungen generieren können.

      Ironischerweise greift der Rechtspopulismus eben gerade die Aspekte des etablierten Diskurses auf, die dessen Starrheit und Lethargie begründen: das Einbuddeln in Ressentiments – im Freund-Feind-Denken – das Ausblenden störender empirischer Daten. Deshalb wird von dort auch keine konstruktive Veränderung kommen können. Eine Änderung ist nach meiner Überzeugung nur möglich, wenn die etablierten Akteure und Institutionen sich mit ihrer eigenen Verantwortung für die Zuspitzung politischer Feindschaften auseinandersetzen, anstatt diese Verantwortungen rituell den ANDEREN zuzuweisen, den rechtspopulistischen Partycrashern.

      • @Schoppe
        Interessant wäre es ja trotzdem, einmal die Sache ganz genau unter die Lupe zu nehmen, weil mit beiderseitigen Halbwahrheiten (soll heissen, es wird nicht das Ganze angeschaut, sondern nur Teilbereiche) wird man das Problem nicht los. Übrigens: Auch die Care-Arbeit, die m.E. zu einem grossen Teil von Frauen geleistet wird, müsste man mal genauer anschauen.

        Zum Rechtspopulismus.
        Nun ich denke, es reicht schon, wenn man Populist gescholten wird, da braucht es m.E. nicht noch das „Rechts-„ dazu.
        Aber Du machst es ja als einen semantischen Trick oder als eine rhetorische Strategie und da verfängt diese Strategie m.E. nicht so richtig.
        Weil SPD und die Grüne sind nun mal fest im linken oder Mitte-links-Spektrum eingeordnet, diese nun als rechts zu „kodieren“ verfängt m.E. nicht so richtig.
        Weil die zwei Hauptmerkmale des Rechtspopulismus sind:
        Vertikale Konfliktlinie zwischen dem Volk als Einheit und den abgehobenen Eliten und
        horizontaler Konfliktlinie zwischen dem Volk und dem Fremden: meist Ausländer, Migranten, Flüchtlinge, Asylsuchende etc.
        Und die von Dir zitierten Texte haben m.E. nicht eine solche Konfliktlinie. Und man sollte auch aufpassen, dass man den Begriff Rechtspopulismus nicht vollständig entleert.
        Deshalb: Ich hätte jetzt eher einfach „Populismus“ genommen oder eben Linkspopulismus.
        Oder dies dann einfach Demagogie genannt.

      • @Mark

        „Übrigens: Auch die Care-Arbeit, die m.E. zu einem grossen Teil von Frauen geleistet wird, müsste man mal genauer anschauen.“

        Dann solltest du dabei sehr aufpassen, was dir als „Care-Arbeit“ per (feministischer) Definition untergejubelt wird.

        Hier wiederholt sich, was unter dem Begriff „Hausarbeit“ ebenfalls schon gelaufen ist: Eine Verengung auf ein Spektrum von Tätigkeiten, die zuuuuuuuufälligerweise auf „Hausfrauenarbeit“ hinauslaufen, d.h. solche Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen verrichtet wird.

        Die Schlamperei bei der Messung und Darstellung solcher Tätigkeiten geht dann weiter, wenn erstens so getan wird, als gäbe es keine Automatisierung (Waschmaschine, Geschirrspülmaschine bspw.) und zweitens Handlungen sequenziell verlaufend bilanziert werden, statt in Wirklichkeit parallel stattzufinden.

        Es gibt – wenig überraschend – Studien aus Kanada, die „Care-Tätigkeiten“ *gender neutral erfassen* und zu dem Schluss kommen, dass beide Geschlechter gleichermaßen diese Tätigkeiten verrichten.

        Das ist aber hier nicht gewünscht, weil es der Propaganda den Wind aus den Segeln nehmen würde.

  • Die SPD hält das Herumreiten auf den 21 % Prozent wohl für unerlässliches Virtue signalling an den feministischen Mainstream und speziell die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen. Für sie kommt es darauf an, die richtige Gesinnung zu demonstrieren, korrekte Zahlen sind zweitrangig. Das sagt einiges über das herrschende Klima aus, denn wer würde sich eine solche Blöße geben, wenn er nicht wüsste, dass selbst beim politischen Gegner, die Bereitschaft, hier einzuhaken, gering ist, aus Angst, als frauenfeindlich hingestellt zu werden. In anderen Zusammenhängen würde das als Verwendung von fake news oder alternativen Fakten angeprangert.

  • Die Diskussion hier wundert mich etwas. Denn es scheint so als fehlten hier Kenntnisse aus der realen Arbeitswelt. Das Plakat der SPD zeigt eine Situation aus einem Industriebetrieb. Dort gelten aber Tarifverträge. Die SPD behauptet also, die Gewerkschaften würden Tarifverträge abschließen, die für Frauen im gleichen Job eine niedrigere Entlohnung festlegen. Sorry, aber diese Lüge ist ein Skandal. SPD-Führung und Gewerkschaften waren in der Vergangenheit schon öfter mal nicht einer Meinung, aber dass die SPD offen behauptet, die Gewerkschaften würden einen Teil ihrer Mitglieder bewusst schlechter stellen, das ist neu.

  • Ich musste lachen als ich Deinen Kommentar auf Alles Evo gelesen habe:
    „Ich glaube, dass solch ein Text in zwanzig Jahren als Kuriosum gelesen wird, als Dokument einer Zeit, die sich in seltsamen politischen Zwangsvorstellungen verstrickt hatte.“
    Das glaube ich leider nicht, ich denke das die linken Parteien nur noch ersetzt werden können, denn eine interne Heilung scheint nicht mehr möglich. Nicht nachdem sich die SPD immer weiter in die 21% BEI GLEICHER ARBEIT hat hineintreiben lassen.

    Die Wahl von D. Trump zeigt dass selbst eine geschlossene Medienlandschaft die sich gegen den Präsidenten positioniert, nicht ausreicht um den Präsidenten abzuwenden. Es zeigt aber auch, dass Menschen sich komplett von den Medien „emanzipiert“ haben und ihre Infos an anderen Orten beziehen, egal wie zweifelhaft diese Quellen auch sind. Es zeigt aber auch das es den Medien total egal ist, sie machen weiter wie bisher. Erschreckend ist, dass dieses nicht nur ein Phänomen in einem Land ist, sondern das dieses sich durch die ganze westliche Welt zieht…
    Ich musste lachen nach Deinem Kommentar, doch dann ist mir dieses Lachen im Halse stecken geblieben…

  • Sehr gut analysiert!

    Die Lüge vom „Gender-Pay Gap“ ist ein feministisches Äquivalent zur berüchtigten „Dolchstosslegende“. Früher waren es „vaterlandlose Gesellen“, die den Sieg im 1. WK sabotiert hätten, heute sind es „patriachale Sexisten“ und deren willfährige Frauen, die den „gesellschaftlichen Fortschritt“ seit Jahrzehnten aufgehalten hätten.

  • „Besonders unbekümmert langte wieder einmal Sigmar Gabriel zu, der verkündete, dass mit der AfD nun zum ersten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges wieder Nazis im Bundestag sitzen würden. “

    Das ist sachlich falsch.
    Sigmar Gabriels Zitat lautete:
    „Sollte die AfD tatsächlich in den Bundestag einziehen, werden zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren Nazis im Reichstag sprechen“

    Es ist Auffälig und durchaus absicht, dass er eben nicht vom Bundestag, sondern vom Reichstag spricht.
    Und das ist Sachlich nicht sooo falsch, wie Burman glauben machen möchte, denn der Reichstag ist erst seit 1999 Sitz des Bundestages.
    Leute die zuvor im Bundestag gesprochen haben, haben nicht im Reichstag gesprochen.

    Es ist natürlich problematisch, weil Gabriel etwas anderes suggeriert, als er tatsächlich sagt, aber trotzdem fein raus ist, weil es ja trotzdem stimmt.

    • Damit würde man aber den Bundestag (von Bonn) aus der Geschichte streichen.
      Ob Reichstag oder Bundestag spielt keine Rolle, gemeint muss das deutsche Parlament sein.
      Wenn der sich so rausreden würde, der Gabriel, es würde sachlich stimmen – dann wären das die rhetorischen Kniffe, die so üblich von Rechtsaussen kommen.

  • > Die fiktive Ungerechtigkeit des Gender Pay Gaps lenkt so von realen Ungerechtigkeiten ab. Anstatt wahrzunehmen, dass hier Arbeitnehmer – und vorwiegend Männer, weil die nun einmal den Löwenanteil der Erwerbsarbeit verrichten – flächendeckend in Not geraten, werden diese Arbeitnehmer auch noch als Gewinner eines Systems geschlechtsspezifischer Diskriminierung präsentiert. Dies zu allem Überfluss auch noch von Frauen und Männern, die selbst längst ihre Position gesichert haben.

    Das finde ich richtig gut argumentiert. Es fehlt nur noch der Hinweis, dass eben nicht nur Männer in Not geraten, auch wenn Männer vorwiegend die „Erwerbsarbeit“ verrichten. Einige dieser Männer haben eine Frau. Auch die ist dann davon betroffen.

    Die GPG Propaganda schadet also auch Frauen, die NICHT das feministische Lebensmodell leben. Ich denke, dass das auch so gewollt ist.

    Das gleiche gilt auch für Frauenförderung und Bevorzugung bei Beförderungen etc. Steht hinter dem Mann eine Familie, ist diese immer mit betroffen. Da diese Frauen aber „falsch“ leben, scheint mir das als eine Art „gerechte Strafe“ gewollt zu sein.

    PS: Ist „Erwerbsarbeit“ nicht ein feministischer Propagandabegriff? Oder wurde der schon früher so häufig genutzt?

    http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/pocket-politik/16404/erwerbsarbeit:
    Diejenige Form der Arbeit, mit der Geld verdient werden soll. Gegensatz: Haus- und Familienarbeit, ehrenamtliche Arbeit, Hobbyarbeit.

    Der Begriff „Erwerbsarbeit“ eignet sich sehr gut, andere, wesentlich selbstbestimmtere und einfachere Formen der Zeitnutzung, zu „Arbeit“ aufzuwerten.

    • Genau das wird ja gemacht. Sogar von „emotionaler Arbeit“ ist die Rede. Dazu fallen mir zB der Job der „Klageweiber“ ein, in der Antike.

      (Letztere haben aber wirklich was gemacht, ich will die jetzt nicht mit den Feministen vergleichen, nicht dass das jemand denkt!)

  • Eure konkreten Gegenbeispiele beziehen sich auf v.a. den öffentlichen Dienst. Der ist bei der Berechnung des mythischen GPG aber unter den Tisch gefallen (bestimmt nur gaaaaanz zufällig).

    Ohne es konkret belegen zu können, vermute ich stark, dass angesichts der zahlreichen gut bezahlten Frauen im ÖD (z.B. Ärztinnen, Richterinnen und Lehrerinnen) und schlecht bezahlten Männern (v.a. in den Ver- und Entsorgungsbetrieben) selbst der unbereinigte GPG schon deutlich zusammenschnurren würde, wenn man den ÖD in die Berechnung einbezieht.

    Freundlicherweise fehlt auch die Tatsache, dass bei sonst genau gleichen Bedingungen Frauen viel länger Rente beziehen, aber lediglich die gleichen Beiträge entrichten.

    • Es ist ja auch so, dass mit dieser Propaganda vom 20 % Gender Pay Gap den Frauen im öffentlichen Dienst (und die sind die Hauptzielgruppe dieser Propaganda!) weisgemacht wird, dass es ihnen im öffentlichen Dienst so gut geht und „draussen“ die schwere Benachteiligung lauert und nicht etwa ein höherer Lohn.

      So redet man den Leuten ein, sie würden gut bezahlt und überredet sie noch, diese Verhältnisse zu wählen….

  • Als Randnotiz (ich will oben nicht unterbrechen)

    Meiner Erfahrung nach ist es viel sinnvoller davon auszugehen, dass Philosophen überhaupt keine Ahnung von Logik haben, insbesondere nicht die Fähigkeit, sie auf Probleme anzuwenden. (Die Ausnahmen finden sich im vorigen Jahrtausend oder davor)

    Bei der Empirie Maße ich mir kein Urteil an, Kompetenz würde mich aber überraschen..

    Apropos Logik:
    Wenn man die eine diskutierte Aussage als ‚ Frauenberufe werden schlechter entlohnt‘ scharf als ‚alle Frauenberufe werden schlechter als Männeretüde mit zB vergleichbarer Ausbildungszeit entlohnt‘
    Dann ist die Widerlegung anhand eines Beispiels (wie im Text) logisch völlig korrekt!

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