Rassismus Sexismus

Tomasz Kurianowicz oder der verunsicherte Mann

geschrieben von: Mark Smith

Wenn man bei Facebook u.a. die Online-Medien wie taz, FAZ, Zeit und SDZ abonniert hat, dann kann einen fast schwindlig werden. Im Stundentakt wird  man mit dem fast immer gleichen Thema im Schlepptau der Harvey Weinstein-Debatte konfrontiert: Sexismus gegen Frauen, Sexuelle Belästigung gegen Frauen oder sexuelle Gewalt gegen Frauen. Frauen als Täterinnen oder Männer als Opfer – kein Thema. Auch Tomasz Kurianovicz hat sich in der Zeit mit diesem Thema befasst: Er möchte doch wenigstens noch mitreden dürfen in dieser Debatte. Nachfolgend eine Auseinandersetzung mit seinem Text.

Der Teaser des Artikels lautet wie folgt:

Ich möchte mitreden in der Sexismus-Debatte. Feministinnen finden das wiederum sexistisch. Was kann ich aus männlicher Perspektive tun, bin ich Teil des Problems?

Gut, hier kann man sich ja gleich fragen, warum das überhaupt sexistisch sein soll oder ob eine solche Aussage nicht selbst sexistisch sein könnte, wenn man quasi nur Sexismus gegenüber Frauen sieht und es Sexismus gegen Männer offenbar nicht geben kann?!

Was haben die Attribute weiß, Mann und Alter mit Sexismus zu tun?

 T.K. schreibt:

Dies ist die dritte Version eines Textes über Sexismus, den ich, als weißer Mann im Alter von 33 Jahren, zu schreiben versuche.

Stellt sich nur die Frage, was uns die Attribute „weiß“, „Mann“ und „Alter“ mitteilen sollen in diesem Zusammenhang?! Also weshalb wird das hier vom Autor erwähnt, was ist die Intention? Spielt es in diesem Fall eine Rolle, ob die Person weiß, ein Mann und 33 Jahre alt ist? Was wäre, wenn sie ein Mann mit 80 Jahren oder 20 Jahren wäre? Oder ein Frau mit 90 oder 30 Jahren? Oder eine 50-jährige gelbe Frau? Und weshalb werden andere Merkmale nicht erwähnt wie Nationalität, Größe, Beruf, Ausbildung, Vermögen, Einkommen, Gesundheit etc., usw.? Weshalb sollen diese Merkmale keine Rolle spielen?

Protokoll eines Selbstzweifels

T.K. schreibt:

Ich habe drei Mal neu angesetzt, weil mich jedes Mal der Zweifel überkam, ob ich mir das Recht herausnehmen darf, mich in die Debatte einzumischen. Erst dachte ich „ja“, dann wieder „nein“, und jetzt denke ich: „vielleicht“. Dieser Text ist das Protokoll eines Selbstzweifels, eines intellektuellen Zauderns, das am Ende doch eine Art Position sein könnte.

Die Frage, die ich mir schon seit Längerem stelle, ist folgende: Kann ich als Mann nachvollziehen, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie sexistisch diskriminiert wird? Kann ich jene Kränkung und Angst nachempfinden, wenn sich ein großer, starker Mann einer schwächeren Frau gewaltvoll nähert? Kann ich die verbale Verletzung einer Frau empathisch nachvollziehen?

Stellt sich doch mal die Frage: gibt es ein Kollektivsingular Mann? Oder gibt es ein Kollektivsingular Frau? Sind somit alle Männer identisch und alle Frauen identisch? Denken, fühlen, empfinden also alle Frauen dasselbe und haben alle dieselben Erfahrungen im Leben gemacht?

Des Weiteren: Was heißt eigentlich genau sexistisch diskriminiert? Und die Frage würde sich doch ebenso stellen: kann eine Frau nachvollziehen, wenn ein Mann sich sexistisch diskriminiert fühlt? Weshalb wird das so einseitig durch buchstabiert? Können sich nur Frauen sexistisch diskriminiert fühlen und Männer nicht? Oder wäre dann nicht gerade diese Ausblendung der Männer als Opfer sexistisch? Und weshalb sollte nun ein Mann eine Situation, in der es um Gewalt geht und in der eine Frau als Opfer agiert, nicht nachvollziehen können? Also, was für eine Begründung würde es dafür geben? Wenn sich ein Kind an der Herdplatte die Finger verbrennt, kann ich das dann als Mann nachvollziehen, wie es sich fühlen könnte? Oder weshalb sollte ich das nicht nachvollziehen können. Können das nur Kinder nachvollziehen oder sich in diese Situation rein versetzen? Und wiederum: Weshalb wird hier eine gewaltvolle Szene mit einem Mann als Täter und einer Frau als Opfer gezeigt? Männer sind, wenn wir alle Gewaltdelikte betrachten (Mord, Totschlag, Körperverletzung, Raub, Vergewaltigung/sexuelle Nötigung), viel häufiger Opfer von Gewalt als Frauen.

T.K. schreibt:

Auslöser für diese Überlegungen war die Debatte um Sexismus in der US-Filmindustrie im Allgemeinen und den Filmproduzenten Harvey Weinstein im Besonderen, die sich unter dem Hashtag #MeToo weiter entwickelte. Darauf folgte in Deutschland die Diskussion um den Fall Sawsan Chebli, der ebenfalls heikle Fragen aufgeworfen hat: Wo fängt Sexismus an und wo hört er auf? Wann ist er justiziabel und wann eine Respektlosigkeit? Wann ist er ein unglückliches Kompliment und wann eine verbale Attacke?

Frau Chebli fühlt sich verletzt, diskriminiert und geschockt

 T.K. schreibt:

Der Chebli-Fall ist zu einem moralischen Dilemma geworden. Nochmal zur Erinnerung: Die Berliner Staatssekretärin berichtete kürzlich auf Facebook, wie sie der Moderator einer offiziellen Veranstaltung – ein alter, weißer Mann – nicht als Staatssekretärin erkannte.

Wiederum, was spielen die Attribute alt, weiß und Mann in diesem Kontext für eine Rolle? Will man gewisse Personen in Sippenhaftung nehmen oder ihnen eine Kollektivschuld antragen, weshalb wird dies hier extra betont bzw. für was soll das gut sein? Weshalb werden überhaupt solche Attribute hervorgehoben oder weshalb gerade diese und nicht viele andere?

T.K. schreibt:

Als Sawsan Chebli ihre Identität preisgab, sagte der Moderator überrascht, dass er mit so einer jungen und auch noch so hübschen Frau nicht gerechnet habe. Chebli fühlte sich verletzt und diskriminiert. Sie reagierte aber nicht direkt auf den Satz, sondern erst Tage später mit einem Eintrag auf Facebook: Sie schrieb, sie kenne Sexismus, aber so etwas wie dies habe sie noch nicht erlebt. Sie stehe unter Schock. Es folgte ein Shitstorm: Männer reagierten mit Unverständnis auf die Heftigkeit von Cheblis Reaktion. Der Tenor: „Stell dich nicht so an. Er hat es doch nur nett gemeint.“ 

Also: Frau Chebli war offenbar der Ansicht, dass die Aussage des Moderators sexistisch ist und somit unter Sexismus subsumiert werden kann. Nur würde sich schon mal die Frage stellen, was überhaupt Sexismus ist bzw. wie dies definiert wird. Weil eine subjektive Betroffenheit reicht sicherlich nicht aus, weil sonst könnte sich alle subjektiv betroffen fühlen und alles wäre Sexismus oder eben nicht. Wenn wir die subjektive Betroffenheit einbeziehen wollen, was beim Strafrecht nicht gemacht wird, sondern höchstens im Zivilrecht, wenn es darum geht, eine Persönlichkeitsverletzung festzustellen, dann müsste der Durchschnitt der Bevölkerung bzw. die Mehrheit der Frauen eine solche Äußerung als diskriminierend bzw. sexistisch empfinden, was bereits überhaupt nicht gesagt ist, dass dies die Mehrheit aller Menschen bzw. aller Frauen so einschätzen würden. Dazu braucht es empirisch repräsentative Studien, um dies genau feststellen zu können. Es brauch also quasi einen objektiven Tatbestand, der genau definiert, was unter Sexismus verstanden werden soll, damit alle wissen, was man sich darunter vorstellen muss.

Wenn wir bei Wikipedia unter Sexismus nachschauen, dann können wir unter Sexismus zusammengefasst etwa Folgendes verstehen:

  • Abwertung und Festschreibung von einem Geschlecht bzw. eine Festschreibung eines Geschlechts auf bestimmte Rollen.
  • Stereotypenbildung, Abwertung und Diskriminierung einer Person aufgrund des Geschlechts.

Wenn wir uns nun den Fall Chebli genauer anschauen, dann würde ich folgende Überlegungen anstellen. Der Moderator hatte sicherlich nicht die Absicht (wäre im Strafrecht relevant), Frau Chebli abzuwerten, zu diskriminieren oder auf eine Rolle festzuschreiben, sondern, wenn man ihm einmal guten Willen unterstellt, dann wollte er ihr vermutlich einfach ein Kompliment machen. Also Vorsatz scheidet m.E. schon mal aus. Jetzt haben wir die subjektive Betroffenheit von Chebli: Subjektive Betroffenheit spielt im Strafrecht überhaupt keine Rolle, also es spielt nur der objektive und subjektive Tatbestand eine Rolle und der subjektive Tatbestand meint eben hier das Subjektive des mutmaßlichen Täters und nicht des Opfers. Im Zivilrecht und hier bei der Persönlichkeitsverletzung spielt das Subjektive des Opfers tatsächlich eine Rolle, aber nicht das Subjektive eines einzelnen Individuums, sondern das subjektive Empfinden der Mehrheit der Bevölkerung: Die Mehrheit aller Frauen bzw. aller Menschen müsste sich hier also durch die Worte des Moderators sexistisch diskriminiert fühlen. Das wissen wir jedoch nicht, ob dies der Fall ist: weil es diesbezüglich keine Erfahrungssätze gibt und vermutlich auch keine empirischen Studien darüber. Und im Netz konnte man von vielen Frauen lesen, dass sie sich von diesen Worten des Moderators nicht diskriminiert fühlten.

Zusätzlich müsste ja auch noch der objektive Tatbestand erfüllt sein:

Die Worte des Moderators müssten eine Stereotypenbildung oder eine Abwertung oder eine Diskriminierung einer Person aufgrund des Geschlechts implizieren. Wenn nun der Moderator sagte, dass er nicht gedacht habe, dass eine solch junge Frau als Staatssekretärin auftauche, dann dürfte hier vor allem das Alter sterotypisiert sein und nicht das Geschlecht. Eine ältere Frau hätte er vermutlich erwartet, aber eben keine jüngere Frau. Und ev. hätte er auch keinen jüngeren Mann erwartet und dann haben wir die Stereotypenbildung eindeutig beim Alter und nicht beim Geschlecht. Wenn er einen jüngeren Mann erwartet hätte, aber keine jüngere Frau, dann hätten wir tatsächlich eine Stereotypenbildung des Geschlechts in Verbindung mit dem Alter, aber das wissen wir nicht. Das Gleiche können wir nun noch bei der „hübschen Frau“ durchspielen, die er nicht erwartet hat. Eine hässliche bzw. eine nicht so hübsche Frau hätte er also offenbar erwartet als Staatssekretärin. Nur stellt sich auch hier die Frage: hätte er einen hübschen Mann als Staatssekretär erwartet? Vermutlich auch nicht: Also vermutlich kein 35j-ähriger Bodybuilder der auch noch wie Brad Pitt in seinen jungen Jahren aussieht. Von daher würde ich nach meinem Verständnis und meinen Überlegungen sagen, der objektive Tatbestand ist nicht erfüllt für Sexismus und bei der subjektiv empfundenen Diskriminierung wissen wir nicht, ob dies einfach die enorme Empfindlichkeit von Chebli ist oder ob die Mehrheit der Frauen auch so reagiert hätte. Also alles in allem eher kein Sexismus. Viel eher würde ich sagen, der Moderator hatte ein stereotypes Bild von einer Staatssekretärin bzw. einem Staatssekretär.

Mansplaining versus Meinungsfreiheit und deliberativer Diskurs

T.K. schreibt:

In der ersten Version meines Textes folgte ich einem ähnlichen Impuls: Ich wollte schreiben, dass Cheblis Reaktion kontraproduktiv gewesen sei. Dass sie den Frauen keinen Gefallen tue, wenn sie minder schwere Formen von Sexismus mit schweren vermenge. Ich nahm mir das Recht heraus, ein derartiges Urteil zu fällen – man könnte es als mansplaining bezeichnen –, weil ich glaube, zu wissen, wie es sich anfühlt, diskriminiert zu werden:

Nun wäre ja schon mal die Frage, ob die Begriffe mansplaining oder womensplaining überhaupt sinnvoll sind, um zu bewerten, wie man einen Diskurs führen sollte. Der Rahmen, was in einem Diskurs gesagt werden darf und was nicht, steckt das Gesetz verbindlich ab und nicht irgendwelche selbsternannten Diskurswächter, die meinen, damit den Diskurs regulieren zu können. Alles, was unter die Meinungsäusserungsfreiheit geht, ist grundsätzlich erlaubt, dies auszusprechen. Rein rechtlich ist es somit erlaubt, sich ein solches Urteil zu fällen, weil es wird weder Nötigung, Drohung, Verleumdung, Üble Nachrede, Hetze oder Holocaustverleugnung beinhalten. Und auch wenn wir uns an einem deliberativen Diskurs nach Habermas orientieren, sind solche Voten sinnvoll. Unter einem deliberativen Diskurs ist u.a. Folgendes zu verstehen:

  • „die argumentative Form des Austausches von Informationen und Begründungen,

  • die öffentliche und alle Beteiligungsberechtigte einschließende Beratung, zumindest die gleiche Chance des Zugangs zur und der Teilnahme an der Beratung,

  • das Fehlen externer und interner Zwänge bei der Beratung („ideale Sprechsituation“),

  • die Maxime, dass die Beratungen grundsätzlich unbegrenzt fortgesetzt oder, im Falle einer Unterbrechung, jederzeit wieder aufgenommen werden können,

Wie gesagt: Weshalb sollte sich ein Mensch nicht in einen anderen Menschen hineinfühlen können oder quasi nur ein Mann einen anderen Mann und eine Frau in eine andere Frau. Wenn sich eine Frau die Finger an der Herdplatte verbrennt, kann das auch ein Mann nachvollziehen. Und wenn ein Mann von einer Frau oder einem Mann zusammengeschlagen wird, kann dies auch eine Frau nachempfinden: Weil es gibt kein Kollektivsingular Frau bzw. Mann, sondern unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen etc.

Ist gefühlter Rassismus tatsächlicher Rassismus

T.K. schreibt:

Ich habe einen Migrationshintergrund. Ich bin in Deutschland geboren, ich habe hier in Deutschland Abitur gemacht, ich habe die deutsche Sprache wie jeder andere Deutsche gelernt und doch habe ich keinen deutschen Pass. Ich habe polnische Eltern und einen polnischen Namen, also Teile einer polnischen Identität, und nur die polnische Staatsbürgerschaft.

Obwohl mich ansonsten nichts von Deutschen unterscheidet, habe ich früh Rassismus erfahren. In Erinnerung geblieben ist mir ein Erlebnis aus meinem Germanistik-Studium in Berlin: Nach der Abgabe meiner ersten Seminararbeit zitierte mich mein Professor in sein Büro, um mit mir meine Arbeit zu besprechen. Er sagte, dass er es erstaunlich finde, dass ich mich auf Deutsch so gut ausdrücken könne – „und das auch noch als Pole“. Diese Feststellung war als Kompliment gemeint, und doch fühlte ich mich tief verletzt. Der Satz wirkte auf mich herabwürdigend und unterwanderte meinen Anspruch, als gleichberechtigter Teil der Gesellschaft wahrgenommen zu werden. Ich empfand ihn als rassistisch.

Auch hier stellt sich die Frage, ob wir es hier überhaupt mit Rassismus zu tun haben. Weil bei einer Rassismusdefinition spielt die subjektive Betroffenheit auch keine Rolle, ob sich nun eine Person rassistisch diskriminiert fühlt oder nicht, sondern eine objektive Definition bzw. ein objektiver Tatbestand. Und auch beim Strafrecht würden, wie oben gezeigt, nur der objektive Tatbestand und die subjektive Tatbestand des Täters eine Rolle spielen. Höchstens im Zivilrecht würde die subjektive Betroffenheit ein Maßstab sein, aber eben kein individueller Maßstab, sondern der Massstab der Mehrheit der Bürger.

Eine Rassismusdefinition lautet wie folgt:

Rassismus umfasst Ideologien und Praxisformen auf der Basis der Konstruktion von Menschengruppen als Abstammungs- und Herkunftsgemeinschaften, denen kollektive Merkmale zugeschrieben werden, die implizit oder explizit bewertet und als nicht oder nur schwer veränderbar interpretiert werden. (Johannes Zerger, Was ist Rassismus?, Göttingen 1997, S.81).

Die Frage stellt sich somit, ob die Phrase „und das auch noch als Pole“ unter diese Definition des Rassismus subsumiert werden kann. Nun stellt sich natürlich die Frage, was hatte der Professor mit dieser Phrase genau gemeint. Wollte er sagen, dass alle Polen, weil sie eben Polen sind, schlecht sind, wenn es um das Erlernen einer Fremdsprache wie beispielsweise Deutsch geht? Oder wollte er sagen, dass alle Polen, weil sie eben Polen sind, die Fremdsprache Deutsch nie richtig lernen können, aber andere Ethnien schon? Das scheint mir nicht die naheliegendste Deutung zu sein. Seine Vorstellung des Studenten war ja vermutlich die, dass er dachte, der hat ein „polnischer“ Name, ist vermutlich erst vor ein paar Jahren nach Deutschland gekommen und die deutsche Sprache ist nicht seine Muttersprache, sondern eine Fremdsprache, die er innerhalb kürzester Zeit lernen musste. Der Professor war somit verwundert, dass er diese so schnell und perfekt gelernt hat, obwohl erst seit ein paar Jahren in Deutschland lebt. Das scheint mir die naheliegendste Interpretation zu sein und somit kann ich keinen Rassismus erkennen, ob sich nun der Autor rassistisch diskriminiert fühlt oder nicht, spielt m.E. überhaupt keine Rolle. Nicht die subjektive Betroffenheit ist hier maßgebend, sondern eine Definition bzw. ein objektiver Tatbestand.

T.K. schreibt:

Doch auch ich schwieg. Ich schluckte die Verletzung herunter. Ich versuchte, die Situation zu vergessen und entschuldigte den Professor für sein Verhalten, mit dem Argument, dass er ja in einer anderen Zeit aufgewachsen sei und es sicherlich nicht böse gemeint habe. Auch heute noch bin ich der Meinung, dass es richtig war, meinen Professor nicht öffentlich anzuprangern, ihn nicht zu denunzieren, also die Situation nicht auf Facebook publik zu machen und meinen Frust in einem Erlebnisbericht zu verarbeiten. Ich bereue aber, dass ich ihn nicht zur Seite genommen habe, ihm nicht erklärt habe, dass sein Kompliment missverständlich war, dass er sich in Zukunft überlegen solle, ob ein ausländischer Name tatsächlich auf eine ausländische Biographie zurückzuführen sei. Ich bereue heute, dass ich ihn nicht über meine Verletzung informiert habe.

Nun, das ist natürlich eine andere Interpretation, als ich gedacht habe, was er als Rassismus bezeichnen würde. Das Zurückführen eines „ausländischen Namens“ auf eine „ausländische Biografie“ ist nun m.E. ganz sicherlich kein Rassismus, nach der oben dargelegten Rassismusdefinition. Wenn dem so wäre, würde er sich vermutlich selbst rassistisch verhalten, weil er offenbar zwischen einem „ausländischen Namen“ und einem „deutschen Namen“ unterscheidet und Deutsche somit keinen solchen Namen tragen, wie er einen trägt.

Dann kommen wir mal zum Pranger: Der wurde, wenn ich das richtig sehe, im 13. Jahrhundert in Europa eingeführt und wurde dann im Mitte des 19. Jh. in Europa wieder abgeschafft. Jetzt muss man sich natürlich fragen, ob der Autor wieder zurück ins Mittelalter möchte, wo der Pranger seine „Hochzeit“ hatte?! Oder weshalb er solche Machenschaften nicht kritisiert und verurteilt? Insbesondere wenn wir noch davon ausgehen, dass solche Aktionen strafrechtlich und zivilrechtlich unzulässig sein können: Es gilt immerhin beim Strafrecht die Unschuldsvermutung, und ich würde jedem raten, der an einen Pranger gestellt wird, dass er sich rechtlich dagegen wehrt und auf Persönlichkeitsverletzung, Verleumdung oder Üble Nachrede klagt.

 Die Diskurswächterinnen: wer nicht in der Minderheit, der muss schweigen!

T.K. schreibt:

In der ersten Version dieses Textes hatte ich diese rassistische Erfahrung und meine Konsequenzen, die ich daraus gezogen habe, mit Cheblis Erfahrung verglichen und gefolgert, dass mein Vorgehen auch in ihrem Fall richtiger gewesen wäre. Ich dachte mir einfach: Was nützt es, einen Mann an den Pranger zu stellen? Lernt er etwas daraus? Und: Worin besteht der Unterschied zwischen Chebli und mir und unseren Erfahrungen hinsichtlich gesellschaftlicher Ungerechtigkeits- und Machtstrukturen? Wieso kann ich einstecken und sie nicht? Ich nahm an, ich würde aus einer Minderheitenposition heraus sprechen und hätte daher das Recht, mich zu äußern, eben weil ich solch eine Verletzung nachempfinden kann.

Schön wäre vorerst, wenn man nicht die subjektive Befindlichkeit als den Massstab oder den Nabel der Welt nehmen würde, weil die individuelle subjektive Befindlichkeit ist weder beim Strafrecht, noch beim Zivilrecht, noch bei Rassismus- und Sexismusdefinitionen erheblich. Das kann höchstens ein Anzeichen sein, dass ev. so etwas wie Rassismus oder Sexismus vorliegen könnte.

Und warum sollte man nur aus einer Minderheitenposition das Recht haben, irgendetwas zu sagen? Und wer bestimmt überhaupt, wer eine Minderheit ist und wer nicht? Gibt es irgendein Gesetz, das einem Menschen verbietet, sich zu äussern, wenn er nicht in einer Minderheitenposition ist? Das gibt es selbstverständlich nicht und ist somit offenbar eine informelle Norm, die gewisse subkulturelle Gruppen eingeführt haben, um quasi als Diskurswächter zu fungieren, jedoch absolut keine Geltung beanspruchen können.

Mutmassliche sexuelle Belästigung in der Zahnarztpraxis

 T.K. schreibt:

Doch dann geriet auch diese Position wieder ins Wanken: Abends ging ich auf Facebook und las den #MeToo-Bericht einer Bekannten aus Berlin. Ihr Eintrag schockierte mich zutiefst. Sie beschrieb, wie sie kürzlich auf einem Zahnarztstuhl unsittlich berührt wurde: Während einer Zahnbehandlung presste der behandelnde Arzt seinen Schritt gegen ihren Oberarm, so dass sie seinen Penis spürte. Der Arzt nutzte seine Machtposition und ihre Hilflosigkeit aus. Meine Bekannte schrieb, dass sie solche Formen von Sexismus jeden Tag erfahre und männliche Dominanzstrukturen in den kleinsten Verästelungen unserer Gesellschaft erkenne. Mir war das nicht bewusst. Am Ende des Posts forderte sie ihre männlichen Leser dazu auf, sie anzurufen und sich erklären zu lassen, wie Männer ihr Verhalten ändern müssten, damit endlich Schluss sei mit den repressiven Formen männlicher Dominanz. Ich rief sie an.

Nun kenne ich natürlich die Situation nicht bei diesem Zahnarzt. Nur kann man immerhin die Frage stellen, ob der Zahnarzt dies absichtlich gemacht hat oder nicht, weil ich kann mir auch vorstellen, dass dies auch unabsichtlich passiert sein kann und zwar einfach aus dem Arbeitsablauf heraus. Das heißt nicht, dass es nicht so interpretiert werden kann, wie die Frau es auslegt, aber genauso kann man kritisch hinterfragen, ob es nicht ein unabsichtliches Handeln des Arztes war, das er überhaupt nicht wahrgenommen hat. Und da frage ich mich dann auch: weshalb wird dies nicht auch kritisch hinterfragt?! Auch Frauen kann und soll man kritisch hinterfragen ob eine Situation wirklich so interpretiert werden kann, wie sie diese interpretiert.

Und weshalb hatte der Arzt nun genau eine Machtposition inne gegenüber der Frau? Das wird nicht erklärt, das wird einfach mal stillschweigend vorausgesetzt ohne irgendwelche Begründung. Weil er der Arbeitnehmer war? Oder weil er ein Mann war? Oder weil er Arzt war oder eine Kombination von alle dem? Die Frau war ja ev. selbst in einer beruflich oder sozialen hohen Stellung etc.. Weshalb man hier von Vornherein eine Machtposition unterstellt, ist mir schleierhaft. Und auch eine Patientin kann aufstehen, wenn es ihr nicht passt und gehen. Weshalb hat sich die Frau nicht an eine Beratungs- bzw. Fachstelle gewandt, die in  solchen Situationen Beratungen leisten bzw. für solche Situationen zuständig sind?

T.K. schreibt:

Wir führten ein langes, schwieriges, nervenaufreibendes Gespräch. Denn während des Telefonats zeigte sich, dass es eine nahezu unüberwindbare Kluft zwischen unseren beiden Perspektiven gibt. Wir einigten uns schnell, dass ihre Zahnarzterfahrung eine üble Form von sexueller Belästigung war.

Eigentlich sollten man alle Seiten hören, damit man sich ein Urteil bilden kann. Ist eigentlich auch beim Journalismus quasi eine Qualitätsnorm, dass man immer alle Beteiligten anhört.

Ratschläge für Chebli verboten

 T.K. schreibt:

Doch über den Chebli-Fall konnten wir uns nicht einigen. Ich erzählte meiner Bekannten von meiner Idee, einen Kommentar zu schreiben. Sie reagierte entsetzt, ja geradezu verstört. Sie warf mir vor, dass ich mir als Mann nicht das Recht herausnehmen könne, Cheblis Empfinden auf irgendeiner Ebene zu beurteilen.

Dass ich nicht wisse, welche Erfahrungen die Staatssekretärin in ihrem Leben gemacht habe, dass ich die vielen kleinen sexistischen Schikanen im Arbeitsleben einer Frau nicht nachvollziehen könne, auch nicht als Mann mit Migrationshintergrund – und dass meine rassistischen Erfahrungen keine Berechtigung seien, sich anzumaßen, Chebli Ratschläge zu erteilen.

Selbst wenn Chebli ein Opfer wäre, wüsste ich keinen überzeugenden Grund dafür, weshalb sich ein Mann nicht das Recht herausnehmen dürfte, gewisse Ansichten eines Opfers zu hinterfragen, zu diskutieren oder was weiss ich. Auch ein Opfer kann vollständig blödsinnige Ansichten und Meinungen vertreten, die überhaupt nicht gutzuheissen sind. Es wird nicht einmal begründet, weshalb nun ein Mann dazu nichts sagen sollte, es wird einfach mal propagiert.

Auch wenn ich nicht weiß, was für Erfahrungen ein Mensch in seinem Leben gemacht hat, ist dies kein Freischein dafür, nun jeden Mist von dieser Person gutzuheissen, falls diese Blödsinn erzählt. Auch Opfer haben nun nicht plötzlich das Recht, jeden Schwachsinn erzählen zu können, ohne dass ihnen widersprochen werden soll.

Und interessant ist auch: Nur Frauen erleben offenbar Schikanen am Arbeitsplatz, von Männern ist zumindest keine Rede. Von Mobbing sind Männer und Frauen vermutlich ähnlich oft betroffen und wenn man älteren Studien glauben darf, mobben Frauen vor allem andere Frauen.

Und bei der sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz kommt zumindest eine schweizerische Studie zu folgendem Fazit:

Die Ergebnisse der einzelnen Module konvergieren in vielerlei Hinsicht. Sie zeigen, dass SB verbreitet ist (Modul 1; Modul 2 und Modul 4), dass SB sowohl Frauen als auch Männer, Frauen jedoch in einem grösseren Ausmass, betrifft (Modul 1) und dass potentiell belästigendes Verhalten von Frauen und von Männern ausgehen kann, in einem vergleichbaren Ausmass. (Hervorhebung M.S.)

 Das Identitätsprivileg der Männer

T.K. schreibt:

Sie machte mir klar, dass ich als Mann immer über eine Selbstsicherheit, über ein Identitätsprivileg verfügen würde, das ich niemals zu reflektieren und abzulegen imstande wäre.

Sie sagte, dass die Idee, einen Text über Sexismus aus männlicher Perspektive zu schreiben, schon Teil des Problems sei. Meine Bekannte wurde noch konkreter, noch deutlicher. Sie sagte mir: „Du, Tomasz, bist selbst Teil des Problems.“

Eigenartig: Wenn Männer 3x häufiger Selbstmord begehen als Frauen, dann betreiben sie viel öfters Selbstmord, weil sie ein Identitätsprivileg haben? Sie sind auch viel öfters von Alkohol- und Drogenabhängigkeit betroffen, weil sie eine privilegierte Selbstsicherheit und Identität verfügen? Passt irgendwie alles nicht so zusammen. Und gibt es eigentlich repräsentative Studien über alle diese Behauptungen oder ist das einfach die gefühlte Wahrheit dieser Frau?

 Die Gewalttätigkeit „meines“ Geschlechts

 T.K. schreibt:

Ich nahm den Vorwurf ernst, ich nahm ihn an und versprach, darüber nachzudenken. Nach dem Gespräch begann ein mäandernder Findungsprozess. Erst wehrte ich den Gedanken ab: Wenn das Argument meiner Bekannten zuträfe, dann wäre jede weitere Diskussion über Sexismus zwischen Mann und Frau sinnlos. Dann müsste ich mich auf ewig wegducken und hätte nur einen einzigen argumentativen Ausweg – die Gewalttätigkeit meines Geschlechts für immer zu akzeptieren. Besonders nachdenklich stimmte mich ein beeindruckender Essay der Tagesspiegel-Kollegin Anna Sauerbrey: Darin äußert sie die These, dass immer ein Rest Fremdheit zwischen Männern und Frauen bestehen werde – „jene Fremdheit zwischen Verstehen und Empfinden“.

Zur Gewalttätigkeit der Männer: Es ist richtig, dass im öffentlichen Raum und im Hellfeld die Gewaltdelikte zu ca. 85-90% von den Männern verübt werden. Wenn wir jedoch in den häuslichen Bereich bzw. privaten Bereich gehen und das Dunkelfeld miteinbeziehen, sehen die Zahlen schon ein bisschen anders aus:

Das heißt: Frauen halten sich vermehrt im häuslichen Bereich auf und sind dementsprechend vermehrt in diesem Bereich gewalttätig. Bei den Männern ist es gerade umgekehrt: Sie halten sich vermehrt im öffentlichen Bereich auf und sind dort vermehrt gewalttätig.

Thomas S. Kuhn oder die Inkommensurabilität der Geschlechter

T.K. schreibt:

Wieder wehrte ich den Gedanken ab, unbewusst. Doch dann wollte ich, in offener, dialektischer Manier das Argument durchspielen und mir überlegen, was es bedeuten würde, wenn ich Unrecht hätte und es tatsächlich eine Differenz im Empfinden zwischen Mann und Frau gäbe, die sich nicht überwinden ließe. Ich kam zu dem Schluss, dass ich diese Frage nicht eindeutig beantworten kann. Ich kann nicht mit aller Sicherheit sagen, ob das Empfinden zwischen Mann und Frau kommensurabel ist. Kein Mann besitzt die Fähigkeit, in den weiblichen Körper zu reisen und die Vorstellung über das Frausein mit dem tatsächlich Erlebten einer Frau in Einklang zu bringen.

Die Frage stellt sich doch: Gibt es ein Kollektivsingular Frau bzw. Mann? Empfinden alle Männer gleich und alle Frauen dasselbe? Und wie wollen wir das feststellen? Wir können ja auch nicht in den anderen Körper des gleichen Geschlechts schlüpfen und müssen auch hier davon ausgehen, dass jeder Mann gewisse Situationen wieder ein bisschen anders empfindet als ein anderer Mann. Und bei den Frauen ist es doch dasselbe: Somit sind wir eigentlich alle Individuen und werden nie vollständig überprüfen können, ob der andere Mensch eine genau gleiche Situation gleich empfindet wie der andere. Schlussendlich bleibt nur die kommunikative Validierung.

T.K. schreibt:

Schon seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Philosophie mit genau diesem Problem, der Unmöglichkeit des body switching. Am Ende müssen wir uns eingestehen, dass wir gefangen sind in der Wahrnehmung, im Bewusstsein unseres eigenen Ichs, unserer historischen Verfasstheit und Erziehung, unseres Geschlechts. Auf dieser Grundlage müssen wir unsere Erkenntnisurteile treffen, unsere moralischen Bewertungen vom Konkreten ins Allgemeine heben.

Noch einmal: Warum sollt diese Inkommensurabilität nur zwischen den Geschlechtern gelten und nicht für alle Individuen. Weshalb sollte es ein Kollektivsingular beim Geschlecht geben? Weshalb sollte ich in einer selben Situation ähnlich fühlen wie alle anderen Männer? Wir sehen doch schon, wenn wir die Wahlergebnisse bei den Bundestagswahlen 2017 anschauen, dass die Unterschiede bei der Wahl zwischen Männern und Frauen viel kleiner sind als die zwischen den Parteien: 9% Männer und 9% Frauen haben beispielsweise die Linke gewählt und 21% der Frauen und 21% der Männer haben die SPD gewählt.

Geschlechtsidentität und Kollektivschuld

 T.K. schreibt:

Dennoch bleibt in mir ein Restzweifel: Wie sähe unsere Diskussionskultur wohl aus, wenn wir das Argument der geschlechtlichen Inkommensurabilität zuließen und auf dieser Basis dem männlichen Part per se ein Urteilsverbot über das Empfinden von Frauen erteilen würden? Wenn wir davon ausgingen, dass sich zu Sexismus nur Frauen äußern und Männer nur dann etwas sagen dürften, wenn sie öffentlich ihre in der eigenen Identität begründete Schuld eingestehen und, wie es gerade viele Männer im englischsprachigen Raum tun, dafür Abbitte leisten?

Das ist m.E. ein völlig manichäisches und unterkomplexes Weltbild, das der Autor hat: Er geht stillschweigend davon aus, dass Sexismus nur Frauen treffen könnte, aber er bringt überhaupt keine Begründung für diese Annahme und schon überhaupt keine empirische repräsentative Studien und somit ist dies eine reine Behauptung.

Und gibt es nun eine sogenannte Kollektivschuld der Männer bzw. eine Kollektivschuld der Frauen? Wenn also eine Frau ein männliches Kind missbraucht, dann sind alle Frauen dafür mitschuldig? Oder wie sollte dies zu verstehen sein?

Und in der eigenen Geschlechtsidentität liegt also diese Kollektivschuld begründet? Wie muss man sich das denn genau vorstellen? Weshalb werden eigentlich bei einem Mord, wenn eine Frau einen Mann umbringt, nicht gleich alle Frauen mitbestraft, weil offenbar müssen dann ja auch alle Frauen mitschuldig sein und eigentlich alle Frauen in den Knast gehen?!

T.K. schreibt:

Ich befürchte, dass diese Forderung eine destruktive Komponente beinhaltet, die das feministische Projekt schwächen könnte. Denn das Inkommensurabilitätsargument gestattet männlichen Sexisten, sich weiterhin als Unbeteiligte in dieser Debatte zu begreifen. Und was mindestens ebenso schlecht ist: Es droht, genau jene Männer zu verunsichern, die sich wirklich ändern, sich wirklich besser verhalten wollen. Jene die das Ungerechtigkeitsgefühl der Frauen verstehen, ja, es nachempfinden wollen. Paradoxerweise zementiert das Argument der unüberbrückbaren Distanz unwillentlich die Trennung zwischen den Geschlechtern, deren Überwindung eigentlich unser höchstes Ziel sein sollte.

Welches Ungerechtigkeitsgefühl der Frauen sollten denn Männer verstehen? Dass Männer bei der sexuellen Gewalt gegenüber Frauen überwiegend Täter sind? Was können die Männer dafür, die überhaupt nichts damit zu tun haben? Weshalb sollten Frauen nichts damit zu tun haben? Frauen sind ja auch maßgeblich an der Sozialisation der männlichen Identität beteiligt: Sie interagieren mit Jungs als Mutter, Kindergärtnerin, Lehrerin etc. und haben seit Jahrzehnten das Wahlrecht und partizipieren somit voll mit bei der Gestaltung der Gesellschaft, die wiederum den männlichen Habitus prägen. Auch hier wieder: m.E. ein unterkomplexes manichäisches Weltbild, das fein säuberlich nach schwarz und weiß unterscheidet und nicht sieht, dass Frauen auch Täter, Opfer, TäterOpfer und OpferTäter sein können, wie übrigens die Männer auch. Und wenn Männer überwigend zu ca. 60% Gewaltopfer (Raub, Mord, Totschlag, Körperverletzung, Vergewaltigung/sexuelle Nötigung) sind, dann ist erst recht nicht verständlich, weshalb sich nun alles um Frauen als Opfer drehen soll. Wo ist eigentlich die Empathie des Autors für männliche Opfer? Dazu hören wir nämlich nichts.

Doch noch die Kurve gekriegt

T.K. schreibt:

Ist es denn wirklich unmöglich, sich eine Welt zu imaginieren, in der die Menschen nicht nach ihrem Geschlecht, sondern nach ihrem Wesen wahrgenommen werden? Wollen wir dieses Ideal wirklich aufgeben, so unrealistisch es sein mag? Ich denke, das wäre falsch. Die Fähigkeit zur Empathie erscheint mir unabdingbar auf dem Weg der Annäherung an dieses Ideal – die Empathie für das Fremde, für das andere Geschlecht. Die Annahme von einer unüberbrückbaren Geschlechterdifferenz würde den emanzipatorischen Anspruch des Feminismus ad absurdum führen und unterstellen, dass Männer eine Urschuld in sich tragen, die sie weder ablegen noch überwinden können. Dass Männer hineingeboren sind in Unterdrückungspraktiken, die sie nicht abschütteln, sondern bestenfalls reduzieren können. Ist nicht das wiederum diskriminierend allen Männern gegenüber?

Meine Rede! Ich erzähle ja den gesamten Artikel nichts anderes.

T.K. schreibt:

Es wäre förderlicher, Männer wie Frauen im Vertrauen darauf zu bestärken, dass die Utopie des einen Menschengeschlechts umsetzbar ist, auch wenn dieser Endzustand nur ein Ideal bleiben dürfte – wie auch in der europäischen Aufklärung die Kategorien Freiheit, Gleichheit und Frieden unerreichbare Idealisierungen waren, an die sich der Mensch in einem unendlich fortschreitenden Veredlungsprozess bloß annähern kann.

Vielleicht ist dieser Einwand zwecklos. Vielleicht ist er falsch. Aber ist er wirklich sexistisch? Ich zweifle daran.

Nein, dieser Einwand ist m.E. goldrichtig! Er ist nicht nur als ein Gedankenkonstrukt richtig, sondern weil auch die gesamte Empirie dies nahe legt.

Fazit

Was m.E. an dieser Debatte, wie wir sie jetzt wieder haben, bei der es um sexuelle Belästigung, sexuelle Gewalt und Sexismus geht, auffällt, ist, dass sie m.E. nach einem manichäischen schwarz-weiß-Muster abläuft: Frauen sind Opfer und Männer sind Täter. Was nun einmal empirisch absolut nicht haltbar. Das heißt, die mediale bzw. öffentliche Debatte ist in einem erheblichen Ausmaß verzerrt. Das lässt männliche Opfer und weibliche Täterinnen unsichtbar werden.

Außerdem ist es m.E. wenig sinnvoll, Gewaltphänomene auf die sexuelle Gewalt zu beschränken, wenn gerade Körperverletzungen ca. 10x häufiger vorkommen als Vergewaltigung/sexuelle Nötigung. Einzubeziehen wären dann auch die anderen Gewaltdelikte wie Mord, Totschlag und Raub, bei denen ebenfalls Männer vermehrt Opfer sind im Vergleich zu Frauen.

Wenn nämlich Gewalt in den Medien bzw. in der Öffentlichkeit diskutiert wird, dann haben wir entweder die Häusliche Gewalt, bei der wiederum fast ausnahmslos nur die Frauen als Opfer und die Männer als Täter medial in den Fokus rücken oder dann die sexuelle Gewalt, bei der es dasselbe ist wie bei der Häuslichen Gewalt. Männer als Opfer und Frauen als Täterinnen gehen in diesen Diskussionen vollständig unter.

Zum Schluss noch ein schönes Posting auf Facebook zu diesem Artikel gefunden:

„Lieber verunsicherter Mann, wenn man Dir eine Fähigkeit oder eine Teilhabe, in dem Fall an der Debatte und der Diskussion, aufgrund eines nicht von Dir beeinflussbaren Merkmals, in dem Fall deines Geschlechtes, untersagt, dann ist das Diskriminierung und in dem Fall Sexismus. Und siehe da, jetzt bist Du Betroffener und darfst/kannst mitreden.“

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https://man-tau.com/2017/10/27/tomasz-kurianowicz-der-verunsicherte-mann/
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26 Comments

  • Zu diesem Artikel auf ZON will ich vielleicht noch bloggen, also hier nur mal zu einem Punkt deiner ausführlichen Stellungnahme:

    „Und interessant ist auch: Nur Frauen erleben offenbar Schikanen am Arbeitsplatz, von Männern ist zumindest keine Rede. “

    Diese Rede müsste zuvorderst von Männern geführt werden, die von diesen Schikanen betroffen sind. Ich habe versucht, dazu anzuregen, indem ich auf Twitter nachfragte, welche „Gegenleistungen“ eigentlich Männer im machttechnischen Unterlegenheitsfall bringen müssten (analog zu den sexuellen Dienstleistungen für Weinstein u.a. Männer in Machtpositionen). Die Frage wurde sogar in „Alles Evolution“ zum Thema gemacht, doch war die Resonanz eher dünn (und auch gleich recht abschweifend hin zum Thema Korruption und dann noch weiter weg nach Afrika…).

    Im Privaten war es etwas ergiebiger, da berichteten mir (nahe!) Freunde vom Machtmissbrauch von Vorgesetzten, von Demütigungen und Zumutungen – und wurden auch ein wenig emotional in der Rückerinnerung an diese Erlebnisse der Ohnmacht.

    Ich interpretiere das auf zweierlei Weise:

    Zum einen ist es immer noch das alte Rollenbild vom starken Mann, der nie Opfer ist und vor allem nicht jammert, das Männer daran hindert, auf ähnliche Weise (traurig, verzweifelt und/oder wütend) ihre Opfer-Erlebnisse öffentlich zu berichten.

    Zum anderen werden diese Fakten durchaus diskutiert, dann allerdings komplett geschlechtsneutral (z.B. „innere Kündigung“, „schlechter Führungsstil“, „Burn Out“, „Gewaltdelikte/Straftaten“ etc.).
    Weil Mobbing und Gewalt von Männern gegen Männer nicht als „sexualisiert“ wahrgenommen wird (zu recht, denke ich), sondern als „normal“. Nicht „weil er ein Mann ist“ behandelt ein Mann sein männliches Opfer auf eine bestimmte (=sexistische) gewaltförmige Weise, sondern aus ganz normaler Feindseligkeit, die sich aus 1000 möglichen Motiven speisen kann.

    Auch die Feindseligkeit von Männern Frauen gegenüber kann sich aus verschiedensten Motiven speisen, doch wird sie eben nicht selten SEXUALISIERT zum Ausdruck gebracht. Davon zeugen z.B. die unzähligen Mails, in denen weiblichen Autorinnen gesagt wird, sie müssten nur mal „ordentlich durchgef….“ werden – und das dann in noch weit weniger zitierfähigen Varianten, wahrlich grusligen Gewaltfantasien. Oder eben im verbalen oder gleich handgreiflichen Fordern sexueller Dienste im Fall des Machtmissbrauchs durch Männer in entsprechenden Positionen.

    Im harmloseren Fall zeugen Bemerkungen wie „Zickenkrieg“ oder „PMS-Syndrom?“ (und manchmal eben auch im Kontext unpassende Komplimente) von einer „wegen Geschlecht“ so und nicht anders vorgetragenen Verweigerung der gleichen Augenhöhe im Alltag. (Erwähnenswert mit Männern als Opfer wäre hier die Darstellung von Männern als unfähige Idioten in diversen Werbefilmen – Offene Frage: Wer macht die?).

    Deshalb wird all das zum Gegenstand der Geschlechterdebatte – nicht aber die Gewalt/das Mobbing von Männern gegen Männer.

    • @ClaudiaBerlin

      Ich vermute zumindest, dass man die Debatte „warum werden Männer weniger als Opfer wahrgenommen etc.“ nicht losgelöst von der Frage klären kann, weshalb kommen Frauen weniger in den Fokus als Täterinnen?
      Nun ist es ganz klar, im Hellfeld und insbesondere im öffentlichen Bereich sind Männer überwiegend Täter. Aber wenn wir in den häuslichen Bereich und ins Dunkelfeld kommen, dann verschiebt sich die Lage: Man nennt das dann in der Kriminologie ja eben auch Gelegenheitsstrukturen: Wer vermehrt in einem Gebiet tätig ist, hier die Frauen sind vermehrt im häuslichen Bereich tätig, hat eben mehr Gelegenheit, hier Gewalt auszuüben. Bei Frauen insbesondere im Erziehungs- und Fürsorgebereich; also gegen Kinder und gegen alte, hilfsbedürftige Menschen. Aber damit will ich auch sagen: Es muss doch auch etwas mit dem gesellschaftlichen Bild von der Frau zu tun haben und vom gesellschaftlichen Bild des Mannes: Und dann komme ich dann eben auf Christoph Kucklick mit seinem „unmoralischen Geschlecht“ zu sprechen.
      http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner

      Das heisst: Es liegt m.E. eben nicht nur im alten Bild des Mannes, das auf Macht, Stärke, Unterdrückung von Schwäche und Hilflosigkeit aus ist, das es schwer macht, dass Männer nicht als Opfer wahrgenommen werden, sondern auch, dass die Frau quasi als das moralische Geschlecht angesehen wird: also eben keine Täterin, sondern primär nur Opfer. M.E. blendet der Feminismus gerade diese Debatte aus oder perpetuiert sie noch, indem er quasi ein Feindbild oder den Mann als Täter braucht, um ihre politischen Forderungen durchzusetzen.

      • Ich kann nicht für „den Feminismus“ sprechen und ich weiß auch nicht, wie viele aus den sehr unterschiedlichen Strömungen ernsthaft der Meinung sind, Frauen seien „das moralischere Geschlecht“.
        Selbst hab‘ ich das jedenfalls nie geglaubt.

        Zum „Dunkelbereich“: Klar, es gibt weibliche Gewalt gegen Kinder und Alte – und sogar gelgentlich gegen Männer, obwohl du das hier nicht benennst. (Vermutlich, weil sie seltener ist und vor allem „physisch schadensärmer“ abgeht).

        Mal ganz theoriefrei vom Alltag und Medienalltag her betrachtet:

        -> Wenn zigtausend Frauen über Jahre in Frauenhäuser fliehen, oft mit sichtbaren Spuren von Gewalt,
        -> wenn fast jede und jeder zumindest im weiteren Bekanntenkreis Geschichten von Opfern häuslicher (männlicher) Gewalt mitbekommt,
        -> wenn Filme, Bücher und Dokus diese Erlebnisse wieder und wieder zur Kenntnis bringen,
        -> wenn auf Twitter alle Jahre Hashtags mit Klagen/Anklagen/Beschwerden von Frauen laufen –

        …dann, ja dann ergibt sich doch verständlicherweise in der Gesamtgesellschaft der Eindruck: da haben wir ein Problem! Und zwar mit Männern als Tätern und Frauen als Opfer.

        Das kann doch insgesamt nicht an ein paar wenigen Männer-hassenden Feministinnen liegen, die lautstark das „Feindbild Mann“ pflegen! Sondern es liegt an der Sichtbarkeit und den ebenso sichtbaren Folgen dieser Taten – und eben auch daran, dass Männer eben NICHT ihre Geschichten erzählen, nicht klagen, sich nicht beschweren, nicht zugeben, dass sie ihrer Frau psychisch oder manchmal sogar physisch nichts entgegen setzen können.

        Wo Männer doch damit anfangen (wie im Bereich Familienrecht), ist es anfänglich nicht einfach (war es auch in der Frauenbewegung nicht), aber auf Dauer ändern sich die Verhältnisse dann doch: wenn nämlich die kritisierten / angeprangerten Missstände bzw. Ungerechtigkeiten von einer Art sind, dass sie jeder und jedem humanistisch orientierten Menschen unmittelbar einleuchten. Wenn „alle billig und gerecht Denkenden“ (=juristischer Ankerpunkt in der Rechtsfindung) zur Meinung kommen: da ist was dran, so kann das nicht bleiben!

        Diese ganze Debatte – dabei bleibe ich – kann sich als Geschlechterdebatte allerdings nur auf Gewalt gegen das jeweils andere Geschlecht (und auch: auf jedes „andere“ Geschlecht, jede sexualisierte bzw. geschlechtsdiskriminierende Gewalt) beziehen.

        Was es mit der Gewalt unter Männern auf sich hat – meinst du im Ernst, das sollte ein Thema sein, mit dem sich „der Feminismus“ befassen sollte?

        • @ClaudiaBerlin
          M.E. geht es nicht darum, ob der Feminismus meint, dass Frauen das moralischere Geschlecht sind, sondern ob dieses Bild in der Mehrheit der Bevölkerung verankert ist. Man müsste das empirisch prüfen, aber Christoph Kucklick hat immerhin eine Literaturarbeit darüber geschrieben und die Texte, quasi in einer Diskursanalyse untersucht und hat festgestellt, dass dieses Bild ab Mitte des 18. Jh. sich verbreitet. Und ich könnte mir schon vorstellen, dass dieses Bild auch heute noch in den Medien so mehrheitlich vermittelt wird.
          Zur Gewalt von Frauen gegenüber Männern in Partnerschaften. Also Metaanalysen gehen davon aus, dass rein von der Quantität her die Männer und Frauen in etwa gleich häufig Täterinnen und Opfer sind. Dann wird jedoch in der Wissenschaft darüber gestritten, ob wir eine andere Qualität der Gewalt haben. Feministische Autorinnen sind der Auffassung, dass Frauen schwerere Verletzungen davon tragen, ob dies richtig ist, kann ich jetzt gerade nicht beantworten, müsste die entsprechende Literatur anschauen.
          Du hast ja offenbar meine letzten zwei Blog-Beiträge gelesen. Wenn Männer, was Mord, Totschlag, Raub und Körperverletzung zu über 60% als Opfer betroffen sind, dann wäre es doch gerade logisch, dass die Problematik mal bei den Männern als Opfer und Täter ist und nicht bei den Frauen als Opfer. Weil Männer erleben viel häufiger schwere und gefährliche Körperverletzung als Frauen und auch bei Mord, Totschlag und Raub sind sie viel öfters Opfer als die Frauen. Da haben wir doch eine totale mediale Verzerrung.
          Du „müsstest“ nun also diesen Umstand erklären, wie es kommt, dass, obwohl Frauen viel weniger Opfer von Gewaltverbrechen sind, viel öfters in den Medien als Opfer vorkommen als Männer. Du müsstest auch erklären, weshalb eben im Erziehungs- und Fürsorgebereich, wenn es um Gewalt geht, wo Frauen ca. 75% der Täterinnen ausmachen, diese nicht sichtbar werden?
          Die Frage ist doch auch, weshalb diskutieren Feministinnen die Gewalt von Frauen an anderen Frauen, an Kindern oder alten Leuten nicht? Hier dürfte doch auch ein erhebliches Abwehrpotential liegen: Frau als Täterin kann nicht, sein, weil es nicht sein darf.
          Der Feminismus muss sich nicht mit Gewalt gegen Männer befassen, aber vielleicht mit Gewalt von Frauen oder Frauen als Täterinnen, wenn es um Gewalt von Frauen an anderen Mitmenschen geht: und hier sind ja auch nicht nur Männer als Opfer betroffen, sondern eben Kinder, alte Menschen, Partner, andere Frauen etc. Für mich wirkt es nicht glaubwürdig, wenn gewisse Teile von Gewalt ausgeklammert werden und ein gewisses Geschlecht als Täter eskamotiert wird.
          Doch ich bin schon der Auffassung, dass der Feminismus den Mann als Täter braucht, um politische Forderung besser durchsetzen zu können. Das ist natürlich jetzt eine These/Behauptung und man müsste versuchen, diese mit empirischen Studien zu bestätigen.

          • @Mark: der Weiße Ring beklagt regelmäßig, dass ganz allgemein die Aufmerksamkeit mehr den Taten und Tätern/Täterinnen gelte und nicht den Opfern von Straftaten. Das schein ein Mechanismus zu sein, der an sich nichts mit der Geschlechterthematik zu tun hat. Vielleicht weil es spannender ist, als die Opfer in den Vordergrund zu stellen – das hat man ja auch in den meisten Krimis so.

            Dass weibliche Gewalt gar nicht vorkommt, kann ich nicht bestätigen: Gewalt in der Pflege (eine weitgehend weibliche Sphäre) und vor allem gegen Kinder wird in den Medien durchaus thematisiert. Fette Schlagzeilen bei Kindsmord und Tod/Verwahrlosung von Kindern gibt es jedes Mal, wenn so ein Fall bekannt wird. (Die Jugendämter nehmen auch viel mehr Kinder als früher aus Familien). Dass die Pflege-Taten eine vergleichsweise geringe Rolle spielen obwohl sie garantiert häufiger sind, liegt m.E. an der allgemeinen Vernachlässigung des Themas Pflege: da will man lieber nicht so genau hinsehen bzw. gleich wieder weg, denn jede Verbesserung würde richtig Geld kosten und die Beiträge steigern (=mein Eindruck).

            Soweit zur Gesellschaft im Allgemeinen. In der Mitte deines Kommentars kommst du dann doch wieder zum Feminismus:

            „Der Feminismus muss sich nicht mit Gewalt gegen Männer befassen, aber vielleicht mit Gewalt von Frauen oder Frauen als Täterinnen, wenn es um Gewalt von Frauen an anderen Mitmenschen geht: und hier sind ja auch nicht nur Männer als Opfer betroffen, sondern eben Kinder, alte Menschen, Partner, andere Frauen etc. Für mich wirkt es nicht glaubwürdig, wenn gewisse Teile von Gewalt ausgeklammert werden und ein gewisses Geschlecht als Täter eskamotiert wird.“

            Befassen sich denn Männerrechtler und Maskulisten mit der Gewalt von Männern gegen Männer? Schadet es der Glaubwürdigkeit der jeweiligen Autoren und Anliegen, wenn das NICHT passiert?

            Ich sehe da, wie oben schon (vielleicht zu undeutlich?) gesagt, ganz unterschiedliche „Diskurse“:

            1) zum einen die Geschlechterdebatte, in deren Rahmen es um feministische und männerbewegte Positionen, Weltanschauungen, Anliegen und Forderungen geht. Dabei wird alles thematisiert, was „geschlechtsspezifisch“ betrachtet, vorgeworfen und gefordert werden kann – in und aus beiden Richtungen. Wie man in fast jedem Femi- bzw. Masku-Blog mitbekommen kann (ich hab da eine übersichtliche Blogroll, siehe Namenslink), ist jeweils das andere Geschlecht auf der Anklagebank. Mit Selbsterfahrungsthemen (ich in meiner Geschlechtsrolle etc.), befassen sich Frauen in meiner Wahrnehmung mehr als Männer – aber beide Seiten natürlich nicht im Bemühen, die eigenen Schattenseiten zu thematisieren.

            2) der allgemein gesellschaftliche Diskurs über Straftaten, der die Themen bei Mann gegen Mann und Frau gegen Frau weitgehend geschlechtsneutral verhandelt (da gehts dann eher um Strafzumessung, Prävention, innere Sicherheit etc., wenig um die Opfer). Und in den Medien darum, was ihnen spannend und „klickwürdig“ erscheint.

            3) der wissenschaftliche Diskurs, der Gewalt u.a. aus psychologischer und soziologischer, zunehmend auch aus neurologischer Sicht (Hirnforschung!) betrachtet. Hier wird durchaus hingeschaut, wie sich die Geschlechtsunterschiede darstellen.

            Die Unterscheidung dieser drei Ebenen lässt m.E. gut erkennen, warum jeweils Frauen und Männer als Täter und Opfer unterschiedlich präsent sind.

          • @ClaudiaBerlin
            Zum Weissen Ring etc.: Das Problem beim Strafrecht ist, dass die Schuld des Angeklagten bewiesen werden muss und somit steht bei einem Strafprozess automatisch der Täter im Vordergrund, weil wenn man ihn verurteilen will, dann muss man ihm eben die Schuld beweisen und somit kommt hier ganz automatisch der Täter in den Fokus. Jedoch für Präventionsarbeit ist der Fokus auf die Täterseite auch wichtig, wenn man Verbrechen verhüten will, muss man schauen, wie wird eine Person zum Täter und wie kann man hier präventiv entgegenwirken.
            Zur Pflege: Aber auch hier: Weshalb kommt hier das Geschlecht der Täter nicht auf den Tisch, zumal ja gerade hier Frauen mit ca. 75% als Täterinnen in der Überzahl sind.

            Wie fest sich der Maskulismus bzw. die Männerrechtler mit Gewalt von Männern gegen Männer befassen, kann ich jetzt nicht beurteilen, weil ich quasi nur noch den Blog „Alles Evolution“ und „Genderama“ lese und die dürften vermutlich nicht repräsentativ für alle Blogs bzw. Publikationen sein. Aber ich würde sagen, dass sich die Kritische Männer- und Geschlechterforschung sehr wohl mit diesem Thema beschäftigt und zwar regelmäßig. Wogegen ich in der Frauenforschung bzw. den Gender Studies keine solchen Ansätze sehe, sich mit Gewalt von Frauen auseinanderzusetzen, geschweige denn mit Gewalt von Frauen an Männern.

            Zu Punkt 1 bin ich einverstanden, mit dem Hinweis, dass sich gerade die Kritische Männerforschung sehr wohl mit diesem Thema der Gewalt von Männern regelmäßig beschäftigt.

            Zu Punkt 2: M.E. mit einer Verzerrung der Medien auf eine Dichotomie von Männer als Täter und Frauen als Opfer.

            Zu Punkt 3: Genau, im wissenschaftlichen Diskurs, abseits von Frauen- und Geschlechterforschung und vielfach noch Soziologie und Kulturwissenschaft kommen dann tatsächlich beide Geschlechter als Täter und Opfer vor.

            Und bei Deinem Schlusssatz würde ich jetzt mal zustimmen, obwohl ich nicht sicher bin, ob wir beide das Gleiche meinen.

          • @ Claudia, @ Mark:
            Ich pflücke mir mal ein paar Punkte heraus:
            “ der Weiße Ring beklagt regelmäßig, dass ganz allgemein die Aufmerksamkeit mehr den Taten und Tätern/Täterinnen gelte und nicht den Opfern von Straftaten. Das schein ein Mechanismus zu sein, der an sich nichts mit der Geschlechterthematik zu tun hat. Vielleicht weil es spannender ist, als die Opfer in den Vordergrund zu stellen – das hat man ja auch in den meisten Krimis so. “

            Nun, Krimis sind für mich nicht der wichtigste Indikator in solchen Dingen. Ich gehe entweder von den institutionellen Gepflogenheiten, dem üblichen Gesellschaftsbild ( da sind die Einflüsse von Krimis schon drin enthalten ), oder der medialen Darstellung aus, besonders der „Spezialmedien“, also der auch von Dir gern herangezogenen „Masku-“ u. „Femi“-Blogs.

            Den weißen Ring und die Stiftung Opferhilfe betrachte ich als absolut unseriös, da sie allein ihr Geschäftsinteresse verfolgen und Opfer ihnen, außer als profitable Vehikel, völlig egal sind. Beiden beschrieb ich detailliert die institutionell begangenen Straftaten an meiner Ex-Tochter und von beiden kam lediglich der Kommentar, daß man darin gar keine Straftaten erblicken könne. Die derzeitige Oberstaatsanwältin Herzog, als Vorsitzende der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen verbat sich zudem noch jede weitere ( sinngemäß ) „Belästigung“ von mir.

            Bleibt also die Fokussierung auf Täter o. Opfer in Medien und im Verfahren selbst.
            Nun, daß die Staatsanwaltschaften einen Ermittlungsauftrag haben, ist bekannt und da gibt es auch psychologisch geschulte Fachkräfte, die – und zwar ganz besonders bei weiblichen Opfern – alles erdenkliche tun, um Folgeschäden möglichst zu begrenzen.

            Und, daß die Medien i.d.R. eher auf die ( erwiesenen ) Täter blicken ( leider eben nicht immer ), ist gut und richtig so. Nicht zuletzt die mit den Anliegen der Opfer befassten Professionen beklagen ja unablässig die oben schon erwähnten Schäden, wenn ( erwiesene ) Opfer en Detail bloßgestellt werden.
            Prinzipiell gibt es daran erstmal nichts sonderlich kritikwürdiges, denke ich.
            Davon abgesehen gibt es allerdings einen üblen Knallchargen-„Journalismus“, der diese Ethik nicht beachtet, das ist wahr. Aber der wird ja auch hier regelmäßig und hart kritisiert. Während die Femiblogs sich damit ( im Schnitt, es mag Ausnahmen geben ) sehr gern gegenseitg zu einer regelrechten Anprangerungswut hochschaukeln und daran aufgeilen.

            „Dass weibliche Gewalt gar nicht vorkommt, kann ich nicht bestätigen: Gewalt in der Pflege (eine weitgehend weibliche Sphäre) und vor allem gegen Kinder wird in den Medien durchaus thematisiert.“

            Ja, allerdings kaum je als weibliche Gewalt, sondern als allgemein institutionalisierte.
            ( was ich übrigens ganz richtig so finde, da eine allgemeine „Pflegerinnenparanoia“ die Problematik noch verschärfen würde )

            „Fette Schlagzeilen bei Kindsmord und Tod/Verwahrlosung von Kindern gibt es jedes Mal, wenn so ein Fall bekannt wird. (Die Jugendämter nehmen auch viel mehr Kinder als früher aus Familien).“

            Richtig, das liegt grundsätzlich in der Natur der Sache. Schlimm daran ist, daß die Ursachen oft ganz gezielt vertuscht werden, denn durch mehr Inobhutnahmen steigt auch die Zahl der verwahrlosten und getöteten Kinder. Leicht überprüfbar durch einfaches Nachzählen der Pressemeldungen. Der größte Teil der Kinder kommt nämlich in den Surrogatverhältnissen um’s Leben. Man sich braucht lediglich mal vergegenwärtigen daß es ein Zigfaches an Kindern in intakten Familien gibt, um zu erkennen, daß es keine gefährlichere Form der Kinderaufzucht geben kann, als die außerfamiliäre. Trotzdem wird es stets so dargestellt, als ob es exakt umgekehrt wäre und man Kinder umbedingt fremderziehen müßte, um sie vor den eigenen Eltern zu retten. Das ist skandalös!
            Im Gegenteil gehen die Gesamtzahlen, zumindest der zu Tode gekommenen KInder, seit über 20 Jahren leicht aber stetig zurück und das nicht weil, sondern gerade trotz der immer radikaleren Entzugspraxis. Das spricht eindeutig für die Ursprungsfamilie, als bester Platz für Kinder überhaupt.
            Wenn man allerdings Größe, Reichtum und Expansionsrate der Kinder- u. Sorgehandelsindustrie mal über die letzten zwei Jahrzehnte betrachtet, wird klar, daß das wohl die mächtigste Lobby im gesamten Dienstleistungsbereich ist, wodurch auch nachvollziehbar wird, warum sie eiskalt über Kinderleichen trampelt.
            Und der ist das feministische Gejaule über die pösen, gewalttätigen Männer logischerweise ganz recht, da das ihr Geschäft erheblich beflügelt ( ein Kind ohne Vater bringt schon mal einiges an Umsatz und erleichtert auch die Totalentelterung signifikant – das mal ein paar Jahre lang mein Spezialgebiet im Netz, in gelegentlicher Kooperation mit Dr. Karin Jäckel ).

            „Dass die Pflege-Taten eine vergleichsweise geringe Rolle spielen obwohl sie garantiert häufiger sind, liegt m.E. an der allgemeinen Vernachlässigung des Themas Pflege: da will man lieber nicht so genau hinsehen bzw. gleich wieder weg, denn jede Verbesserung würde richtig Geld kosten und die Beiträge steigern (=mein Eindruck).“

            Das halte ich auch für möglich. Da spielen die Abrechnungssysteme mit hinein, aber vermutlich auch die Tatsache, daß Pflegerinnen oft nur Teilzeitjobs machen, was die Kosten ebenfalls nach oben und die Effektivität nach unten treibt. Dadurch werden kleine und mittlere Firmen arg in Bedrängnis gebracht, wärend die großen expandieren, was zu Lasten der Qualität geht ( ein guter Freund betreibt selbst einen kleinen Pflegebetrieb, daher habe ich da so ein paar Grobinfos zu erhalten ).

            Mark schreibt:
            „Der Feminismus muss sich nicht mit Gewalt gegen Männer befassen, aber vielleicht mit Gewalt von Frauen oder Frauen als Täterinnen, wenn es um Gewalt von Frauen an anderen Mitmenschen geht: und hier sind ja auch nicht nur Männer als Opfer betroffen, sondern eben Kinder, alte Menschen, Partner, andere Frauen etc. Für mich wirkt es nicht glaubwürdig, wenn gewisse Teile von Gewalt ausgeklammert werden und ein gewisses Geschlecht als Täter eskamotiert wird.“

            Claudia antwortet:
            „Befassen sich denn Männerrechtler und Maskulisten mit der Gewalt von Männern gegen Männer? Schadet es der Glaubwürdigkeit der jeweiligen Autoren und Anliegen, wenn das NICHT passiert?“

            Das meinst Du nicht ernst, oder, Claudia?

            Daß die allgemein von Männern ausgehende Gewalt – logischerweise NICHT nur gegen Männer – regelmäßig erwähnt wird, wenn es um die Zahlenverhältnisse geht, sollte Dir, als regelmäßige Mitleserin wohl bekannt sein. V.dh. betrachte ich das mal als „netten Versuch“, nichts weiter. Mark mokierte sich ja – zu Recht – über die Ausklammerung und genau die betreibst Du in Deiner Antwort selbst.

            Claudia:
            „Wie man in fast jedem Femi- bzw. Masku-Blog mitbekommen kann (ich hab da eine übersichtliche Blogroll, siehe Namenslink), ist jeweils das andere Geschlecht auf der Anklagebank.“
            Da scheint mir Deine Blogroll wohl eine leicht verzerrte Optik zu haben ( was ich jetzt nicht überprüfe, da es mir um Dein Statement dazu geht ).
            Daß Femis grundsätzlich und praktisch immer gegen Die Männer, Die Männlichkeit etc. wettern, kann man als Durchschnittstrend wohl so stehen lassen ( gibt es sicherlich auch ein paar Ausnahmen ).
            Aber, daß Die Maskublogs Die Frauen auf die Anklagebank setzen würden, lässt sich ausschließlich durch starke kognitive Dissonanzen erklären.
            Ich kenne keinen, der das so handhabt ( was natürlich auch Raum für Ausnahmen lässt ). Überall wo ich mitlese, wird immer wieder ausdrücklich hervorgehoben, daß die allermeisten Frauen ganz normale Menschen sind, welche den radikalen Feminismus eindeutig ablehnen. Auch auf AE und hier findest Du das in so ziemlich jedem dafür geeigneten Kommentarthread. Da ist gar kein Geschlecht „auf der Anklagebank“, sondern eine totalitaristische, auf Männerhass getrimmte Ideologie. Gerade die Geschichten um #metoo u. den Weinstein-Hype beweisen das glasklar.

            Daß sich Frauen mehr mit ihrer Geschlechterrolle befassen als Männer ( im gesellschaftlichen Durchschnitt ) mag ja sein, ist hier aber irrelevant.
            Die Femis verherrlichen ihre „per se-Opferrolle“ dabei als biologisches Merkmal ( und zwar der Männer ), während Maskus i.d.R. ihr Geschlecht und die meisten ihrer Rollenaspekte nicht als „Schattenseite an sich“ betrachten, und das ohne sich dadurch zu weltrettenden Lichtgestalten aufzuschwingen.
            Daher ist es auch ein hohntriefender Zynismus, wenn die Femis jetzt von DEN Männern genau diese Weltrettung verlangen, als ob es Sinn machen würde, die vermeintliche ( ! ) Kokainmafia allein für die Drogenprävention für zuständig zu erklären ( nur um mal wieder zum Thema der letzten Tage zurückzukehren ).

            „Die Unterscheidung dieser drei Ebenen lässt m.E. gut erkennen, warum jeweils Frauen und Männer als Täter und Opfer unterschiedlich präsent sind.“

            Dazu reicht es aber auch, einfach mal das Begriffspaar „Lobby- u. Geschäftsinteresse“ in den Raum zu stellen. Schließlich geht es um Milliardenpfründe und jede Menge Machtgeilheit. Und das völlig geschlechtsneutral.

            Mark schreibt:
            „Jedoch für Präventionsarbeit ist der Fokus auf die Täterseite auch wichtig, wenn man Verbrechen verhüten will, muss man schauen, wie wird eine Person zum Täter und wie kann man hier präventiv entgegenwirken.“

            Tja, damit kommen wir wieder zur extrem verzerrten Darstellung.
            Mein Lieblingsbeispiel dazu ist die Gender-Study Wibig Kurzfassung deutsch.
            Da wird unzweifelhaft und formell sogar ganz richtig festgestellt, daß Frauen als Täter für die Prävention gar nicht in Frage kommen, Männer aber schon bei Anschuldigung lukrativ als Täter zu führen sind, sowohl statistisch ( was schon eine üble Fälschung darstellt ), als auch in den entsprechenden praktischen Maßnahmen, die übrigens eine strafrechtliche Verurteilung keineswgs verhindern. Nachzulesen auf Seite 23-25, herunterzuladen hier:
            https://plone.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/bae/w/files/lsb_wissen/wibig_kurzfassung_deutsch.pdf
            ( Federführung, wie sollte es wohl sein: Susanne Baer, die für ihre Rolle u.a. in diesen Hetzpamphleten zur referierenden Richterin des ersten Senats des BVerfG von Grünen und SPD hochgekungelt wurde und nie in einem jurististischen Job gearbeitet hat – soviel zu Evochris‘ lustigen Thesen zur „Bestenauslese“ )

            „Wie fest sich der Maskulismus bzw. die Männerrechtler mit Gewalt von Männern gegen Männer befassen,“

            …ist irrelevant, genau wie Femiblogs Gewalt von Frauen gegen Frauen höchsten am Rande erwähnen, da das im Geschlechterkrieg kein wesentlicher Aspekt ist. Relevant ist die Tatsache, daß vom Femimainstream genau dieser Krieg nicht nur nicht ernsthaft kritisiert, sondern sehr oft gepusht wird und die MS-Medien bis vor ein paar Tagen recht geschlossen genau dasselbe gemacht haben. Insofern sind die paar kleinen Ausbruchsversuche, die plötzlich vermehrt von Arne verlinkt werden, schon sehr erstaunlich und selbstverständlich zu begrüßen.

          • @Mark: „kritische Männer- und Geschlechterforschung“ – hast du da mal Links oder Buchtitel? Und: siehst du diese Forschung als Teil der Männerrechtsbewegung oder ist das einfach ein Stück Soziologie oder Gender Studies?

            @Fiete: das ist aber verdammt lang, da kann ich unmöglich auf alles eingehen! Also nur punktuell:

            Vom Weißen Ring weiß ich wenig, nur das, was alle Jubeljahre mal durch die Presse geht. Mit „institutionellen Straftaten“ wirst du meist nicht ankommen, wenn es sich um staatliche Institutionen handelt. Da ist zum einen viel Ermessensspielraum und irgendwelche Regeln/Gesetze/Verordnungen finden sie immer, um ihr Verhalten zu rechtfertigen.

            Krimis sind Kultur und spiegeln die Gesellschaft – von daher sehe ich die durchaus als Quelle für Beurteilungen von Kultur. Die Dominanz und Massenhaftigkeit dieses Genres ist an sich schon erstaunlich – aber das ist ein anderes Thema.

            Deinen Vorwurf wegen meiner Frage:
            „„Befassen sich denn Männerrechtler und Maskulisten mit der Gewalt von Männern gegen Männer? “
            verstehe ich nicht. Denn du sagst am Ende des Kommentars genau das, was ich damit gemeint habe:

            „„Wie fest sich der Maskulismus bzw. die Männerrechtler mit Gewalt von Männern gegen Männer befassen,“
            …ist irrelevant, genau wie Femiblogs Gewalt von Frauen gegen Frauen höchsten am Rande erwähnen, da das im Geschlechterkrieg kein wesentlicher Aspekt ist. “

            Eben. Es wird nicht auf die eigenen Defizite und Fehlverhalten (was ja nicht wundert!) geschaut, sondern auf die der Kontrahenten – und da fighten natürlich nicht „alle Frauen“ oder „alle Männer“ – sondern Feministinnen/Feministen und Maskus/Männerrechtler (wie mögt Ihr die Benennung?) gegeneinander. Wobei das nicht die einzigen Themen sind, aber doch sehr vorherrschende.

          • @ClaudiaBerlin

            Ist jetzt noch schwierig, Deine Frage zu beantworten. Weil ich vielfach nicht weiß, ob sich die Autoren, die für sich reklamieren, eine Kritische Männerforschung zu betrieben, sich irgendeiner Bewegung zuordnen lassen würden. Und dann ist es auch sehr uneinheitlich, welche Bücher Maskulisten bzw. Männerrechtler rezipieren. Beispielsweise würde ich Josef C. Aigner ganz klar einer Kritischen Männerforschung zuordnen, und er wird vielfach auch von Maskulisten bzw. Männerrechtler rezipiert, aber Leute, die die Männerrechtler als des Teufels sehen, würden vermutlich Josef C. Aigner nicht einer Kritischen Männerforschung zurechnen. Also das ist alles ein bisschen kompliziert.
            http://derstandard.at/1297821396652/Kommentar-der-Anderen-Die-Einaeugigkeit-der-Geschlechterdebatte

            Ich würde beispielsweise Lothar Böhnisch einer Kritischen Männerforschung zurechnen, aber dieser kann m.E. gut auch von Männerrechtlern rezipiert werden, weil er m.E. sehr differenziert an die Sache ran geht.
            Also Bücher, wo die männliche Gewalt auch thematisiert wird bei Böhnisch wären folgende:

            • Lothar Böhnisch: Männliche Sozialisation. Eine Einführung
            • Lothar Böhnisch: Die Entgrenzung der Männlichkeit. Verstörungen und Formierungen des Mannseins im gesellschaftlichen Übergang.
            • Lothar Böhnisch: Pädagogik und Männlichkeit: Eine Einführung

          • @ Claudia:
            „„„Wie fest sich der Maskulismus bzw. die Männerrechtler mit Gewalt von Männern gegen Männer befassen,“
            …ist irrelevant, genau wie Femiblogs Gewalt von Frauen gegen Frauen höchsten am Rande erwähnen, da das im Geschlechterkrieg kein wesentlicher Aspekt ist. “

            Eben. Es wird nicht auf die eigenen Defizite und Fehlverhalten (was ja nicht wundert!) geschaut, sondern auf die der Kontrahenten – und da fighten natürlich nicht „alle Frauen“ oder „alle Männer“ – sondern Feministinnen/Feministen und Maskus/Männerrechtler (wie mögt Ihr die Benennung?) gegeneinander. Wobei das nicht die einzigen Themen sind, aber doch sehr vorherrschende.“

            Ähm, was genau möchtest Du damit zum Ausdruck bringen?
            Wenn es um den Krieg der Feministen gegen Männer geht, ist gruppeninterne Gewalt lediglich ein Randaspekt, der als solcher auch ggf. erwähnt wird, aber eben für Gewalt zwischen den Geschlechtern, und auch zwischen Femis & Maskus, keine Relevanz hat. Exakt das habe ich wohl ausreichend deutlich gemacht, dachte ich zumindest.
            Was das jetzt mit „eigenem Fehlverhalten“ zu tun haben soll, ist mir gar nicht klar. Sollten Männer jetzt laut über Männer jammern, die sich mit anderen Männern prügeln, um „ihr eigenes Fehlverhalten“ anzuprangern, anstatt sich mit den Angriffen durch hochaggressive Feministen auf alle Männer zu befassen?

            Und nein, es geht nicht im geringsten um einen „Fight Maskus vs. Femis“, wohlmöglich als „fairer Wettkampf“, sondern ganz klar darum, daß Feministen einen Krieg gegen Männer an sich führen. Während Gleichberechtigungsbefürworter, somit auch die allermeisten Maskulisten/Männerrechtler ( soweit ich die richtig verstehe, ich selbst bin weder das eine, noch das andere ), nicht das geringste gegen Frauen haben ( Frauen i.d.R. ja auch nichts gegen Männer o. die Gleichberechtigung ), sondern sich für ein faires Miteinander der Geschlechter einsetzen und diesen feministischen Scheißkrieg endlich mal beendet sehen wollen.
            Diese offenkundlichen Tatsachen solltest Du schon zur Kenntnis nehmen und berücksichtigen, sonst macht die Unterhaltung keinen Sinn.

          • nur kurz zu einem Punkt
            „Sollten Männer jetzt laut über Männer jammern, die sich mit anderen Männern prügeln, um „ihr eigenes Fehlverhalten“ anzuprangern, anstatt sich mit den Angriffen durch hochaggressive Feministen auf alle Männer zu befassen?“

            Genau DAS meinte ich: das ist NICHT zu erwarten und es passiert auch auf der Femi-Seite nicht.

            Es eignet sich eben nicht als „Kampfmittel“. Wenn du es noch immer nicht verstehen kannst: „Der Feminismus“ (für mich immer schon keine „Einheit“) krankt seit eh und je an der realen Existenz von Frauen, die das Klischee verwirklichen.
            In etwa genauso, denk ich mir mal, scheitern Männerrechtler (bzw. werden scheitern) angesichts der vielen Männer, die halt wirklich so sexistisch drauf sind (damit meine ich NICHT das natürliche Begehren), so klischeehaft halt, so schlicht.

          • Okay, @ Claudia, ich verstehe schon, Du spielst hier ein lustiges Zwickmühlenping-pong mittels eines Dreisatzes aus veritablen Vexierbildchen. Quasi Whataboutism im Rundgesang.
            Dialog geht anders.

        • -> Wenn zigtausend Frauen über Jahre in Frauenhäuser fliehen, oft mit sichtbaren Spuren von Gewalt,
          -> wenn fast jede und jeder zumindest im weiteren Bekanntenkreis Geschichten von Opfern häuslicher (männlicher) Gewalt mitbekommt,
          -> wenn Filme, Bücher und Dokus diese Erlebnisse wieder und wieder zur Kenntnis bringen,
          -> wenn auf Twitter alle Jahre Hashtags mit Klagen/Anklagen/Beschwerden von Frauen laufen

          Fehlt hier nicht was? Wie muss man sich das konkret vorstellen?

          Die Frau, die tagsüber für den Weltfrieden arbeitete, Arme, Kranke und Beladene sowie die Kinder versorgte, gönnt sich eine Augenblick Ruhe nach einem anstrengenden Tag. Dann kommt der Mann nach hause, stockbesoffen, direkt aus dem Puff und schallert der Frau eins links und rechts, weil ihm halt so danach ist.

          Niemand behauptet, dass es keine häusliche Gewalt gebe, die von Männern ausgeübt wurde und wird. Solche Eskalationen haben aber in der Regel ein Vorspiel, manchmal ein über Jahre dauerndes. Das entschuldigt nicht Gewalt von Männern, aber ebenso gilt nicht, entgegen feministischer Propaganda, dass die Frau per se unschuldig ist und nicht einen Teil der Verantwortung für die Eskalation trägt.
          Frauen können meist nicht so hart zuschlagen wie Männer. Das ist die ganze Güte des Weibes. Ich bin aber der Meinung, das dem physisch stärkeren eine besondere Verantwortung obliegt, also in der Regel dem Mann.

        • @ Claudia:
          „Zum „Dunkelbereich“: Klar, es gibt weibliche Gewalt gegen Kinder und Alte – und sogar gelgentlich gegen Männer, obwohl du das hier nicht benennst.“
          Hat er benannt, zumindest für den partnerschaftlichen Bereich. Ca. 50:50, Stand ca. 2010: 53-54% weibliche Initiatoren ( die 3-4% Differenz sind dabei kleiner als das statistische Rauschen, soweit ich weiß ).
          Konsens unter den seriösen deutschen Fachleuten scheint zu sein.
          50% der Gewalt schaukelt sich ohne erkennbare Initiation zwischen den Partnern auf, der Rest teilt sich in 2×25% auf ( Manndat dürfte da Material zu haben ).

          „-> Wenn zigtausend Frauen über Jahre in Frauenhäuser fliehen, oft mit sichtbaren Spuren von Gewalt,
          -> wenn fast jede und jeder zumindest im weiteren Bekanntenkreis Geschichten von Opfern häuslicher (männlicher) Gewalt mitbekommt,
          -> wenn Filme, Bücher und Dokus diese Erlebnisse wieder und wieder zur Kenntnis bringen,
          -> wenn auf Twitter alle Jahre Hashtags mit Klagen/Anklagen/Beschwerden von Frauen laufen – “

          Ob, oder wie viele Frauen in Männerhassbruchbuden „fliehen“ ( müssen ), ist vollkommen unbekannt, da es keine seriösen Erhebungen zu diesen rechtsfreien Geheimdiensten gibt. Die dortigen Statistiken gehen immer von 100-200% männlichen Tätern aus, die auch zu bis zu 800% aufgepumpt werden können.
          Hat also null Relevanz.

          Die Geschichten im Bekanntenkreis besagen auch nichts, da da zu viele emotionale, subjektive, gesellschaftlich bedingte und noch diverse weitere Einflüsse mitwirken.
          Da sind die Zahlen der jeweils einigermaßen zeitlich aktuellen Metastudie (s.o.) brauchbarer.

          Filme, Bücher, Dokus, sind schon drei völlig unterschiedliche Gebiete mit div. Unterkategorien, so also auch nicht verwertbar, zumal sie den gleichen Einflüssen unterliegen, wie Gerüchte unter Bekannten und sich damit auch noch gegenseitig aufschaukeln.

          Wenn auf den für Shitstorms und Mobbing konzipierten Netzplattformen irgendwelche Säue durch das digitale Dorf getrieben werden, besagt das zunächst mal gar nichts, allerdings kann man von einer erhöhten Wahrscheinlickeit von eben Shitstorms und Mobbings ausgehen.

          „…dann, ja dann ergibt sich doch verständlicherweise in der Gesamtgesellschaft der Eindruck: da haben wir ein Problem! Und zwar mit Männern als Tätern und Frauen als Opfer. “
          Eben deshalb werden diese Plattformen dazu benutzt, ja. Siehe #Aufkreisch, da wurde eine üble Nachrede einer unbegabten Redaktionspraktikantin zum gerade umgekehrt frauenfeindlichen Sexismus umgestrickt. Und das für viel Geld an eine professionelle Shitstormhysterikerin.

          „Das kann doch insgesamt nicht an ein paar wenigen Männer-hassenden Feministinnen liegen, die lautstark das „Feindbild Mann“ pflegen!“
          Stimmt! Aber jene sind die logischerweise bevorzugte, willige Verfügungsmasse dafür.
          Desweiteren werden sich die Mutterkultler großteils sehr gern für diese Zwecke instrumentalisieren lassen.
          Triebkräfte sind tatsächlich Macht und Umsatz. Nur eben nicht der pösen Männer, sondern ganz handfester Polit- u. Wirtschaftslobbies, Hand in Hand mit den davon gesteuerten Medien.

          „Sondern es liegt an der Sichtbarkeit und den ebenso sichtbaren Folgen dieser Taten“
          Nein ( s.o.), es liegt an ganz massiven wirtschaftlichen und politischen Interessen und das am einfachsten erkennbare dabei mitspielende Prinzip heißt „divide et impera“.
          Ansonsten würde kein Hahn danach krähen. Emotionale Manipulation, besonders in Richtung hocheigendynamischer Hysterie, ist eines der probatesten Mittelchen ganz andere Interessen praktisch unbemerkt durchzusetzen.

          „Diese ganze Debatte – dabei bleibe ich – kann sich als Geschlechterdebatte allerdings nur auf Gewalt gegen das jeweils andere Geschlecht (und auch: auf jedes „andere“ Geschlecht, jede sexualisierte bzw. geschlechtsdiskriminierende Gewalt) beziehen.“
          Ja was denn nun? Jede, oder „nur“ gegen das andere Geschlecht ( es gibt nunmal nur zwei davon )?
          Selbstverständlich kann man über jede Form von Gewalt reden und das sollte man auch. Die dabei natürlich auch auftauchende Gewalt zwischen den Geschlechtern ist eigentlich nur ein Aspekt unter vielen. Zumal es jede Menge Kategorien mit deutlich verschiedenen Schnittmengen und Lücken dazwischen gibt. Z.B. Kulturkreise, Einkommensgruppen, Bildungsstände etc.pp.

    • Was machen Frauen, wenn sie einen Mann demütigen wollen? Es wird häufig auf seine Männlichkeit verwiesen und diese angezweifelt. Was tut ein Mann, wenn er eine frau demütigen will? Im Prinzip das Gleiche, auch wenn es geschlechtsspezifische Ausprägungen davon gibt.
      Bei Männern zielt die Abwertung oft ins Sexuelle – die sollte mal wieder richtig durchgef…. werden, während Frauen den Mann als „Waschlappen“ oder Ähnliches abqualifizieren. Es ist im Prinzip das Gleiche. Es wird gemacht, weil es verletzt und die Erfahrung zeigt, dass es wirkt.

      Feministische Agitation hat es geschafft, dass sexuell konnotierte Grenzüberschreitungen von Männern gegenüber Frauen als etwas ganz besonders Verwerfliches gelten, während alle anderen Grenzüberschreitungen dagegen als unerheblich gelten und kaum thematisiert werden.
      Es ist Ausdruck des bürgerlichen Habitus, der Frauen als besonders schützenswert wahrnimmt, als passiv männlichen Strukturen ausgelieferte zerbrechliche Schneeflocken, während alle Männer doch nachweislich zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl sind, grobe Klötze, die ausser Aggression keine Gefühle kennen. Das nennt sich heutzutage progressiv!

      • Mich stört unheimlich dass es immer heißt, Frauen würden Gewalt erfahren, „weil“ sie Frauen sind.
        Es gibt ja vieles was mich auf die Palme bringt, aber warum sollte das ausgerechnet durch eine Geschlechtszugehörigkeit hervorgerufen, oder auch nur verstärkt oder gemindert sein? Thema verfehlt, 6, setzen…oder?

        Das, der Meinung bin ich mittlerweile auch, wird nur gemacht, weil es f***ing lukrativ ist…

  • @ClaudiaBerlin
    Wieso „Männer in Machtpositionen“, und nicht einfach „Personen“? Das ein Mann einen anderen sexuell ausnutzt kann schon vorkommen, speziell wenn er schwul ist .. genau so wie eine weibliche Chefin auf bestimmte Gedanken kommen kann, ist mir noch nicht passiert, ich hatte noch keine weibliche, aber ich sehe keinen Grund warum das nicht vorkommen sollte.

    Und warum die Einschränkung auf das Sexuelle? Leute in Machpositionen nutzen diese aus, das ist nicht wirklich eine Neuigkeit, und ob die Nummer auf der Besetzungscouch jetzt sooooooo viel schlimmer ist als von seinem Chef „überredet“ zu werden, über Jahre hinaus nicht 40, sondern 50 oder 60 Stunden zu arbeiten, inklusive Burnout und Depressionen und allem .. na da müsste ich nochmal drüber nachdenken.

    Ist es für dich wirklich so undenkbar, dass eine Frau eine wie auch immer geartetete Machtposition ausnutzt? Muss nicht unbedingt der (weibliche) Chef sein, es gibt auch andere Formen von Abhängigkeiten … das ist dann alles in Ordnung?

    • @Andreas: Das, was du @ClaudiaBerlin schreibst, ist durchweg das Ergebnis von Projektionen. Passiert regelmäßig, wenn ich mich auf einem Männerblog äußere.

      Hier habe ich mich ausschließlich (!) zur Frage geäußert, WARUM männliche Opfer männlicher Gewalt und männlichen Mobbings in der Geschlechterdebatte in der Regel kein Thema sind.

      Das ist eine Frage, die Lukas Schoppe in seinen Beiträgen immer wieder aufwirft, so auch (deutlich intensiver ausgeführt als hier) im letzten Posting zu “ Julian Dörr oder unser täglicher Harvey Weinstein gib uns heute“.
      Also hab‘ ich DAZU meine Vermutungen ausgeführt. Weder hab ich geleugnet, dass es Gewalt von Frauen gibt, noch irgend etwas Allgemeines zum Thema Machtpositionen geäußert.

      Indem du schreibst, ich solle „Personen“ statt „Männer“ schreiben und das „sexualisierte“ weglassen, negierst du Inhalt und Intention meines Kommentars komplett.

      • „@Andreas: Das, was du @ClaudiaBerlin schreibst, ist durchweg das Ergebnis von Projektionen. Passiert regelmäßig, wenn ich mich auf einem Männerblog äußere. “
        Ach Claudia!
        Was soll das?
        Fing doch gut an der Thread, wieso jetzt diese in sich widersprüchliche Umkehrprojektion?
        Andreas hat zwar durchaus auch Binsen benannt, aber allgemeingültige.
        Er negiert damit nichts, sonderm verweist darauf ( genau wie ich vorher ), daß es wichtig ist, Gewalt als Gesamtthema aufzugreifen und spezielle Gewaltformen auch in den gesamten Kontext einzubetten. Sonst wird der Fokus schnell nur noch von den gezielten Ausblendungen gesteuert, wie jetzt gerade in der MS-Presse.

        • Das sollte meinen Frust darüber begründen, dass Andreas auf meine konkrete Einlassung zu einem einzigen, extra zitierten (!) Aspekt, gar nicht eingegangen ist. Ohne dass ich pampig werde… 🙂

          Im übrigen finde ich Differenzierungen sinnvoll, wenn man das „Gesamtthema Gewalt“ anschaut. Siehe dazu meine letzte Antwort auf Mark oben.

          • @ClaudiaBerlin
            Ja, ich habe mir erlaubt deine Fragestellung als mehr oder weniger irrelevant anzusehen und bin nicht näher darauf eingegangen, ich sehe wenig Sinn darin zurechtzurationalisieren warum Männer in dieser ganzen Diskussion als Opfer ausgeblendet werden. Der gesammte Blickwinkel ist ein falscher, Machtmissbrauch ist das normalste auf der Welt, ob Beteiligte dabei einen Schniedel haben oder nicht ist dabei völlig irrelevant.

            Soll ich dir das hoch anrechnen weil du nicht pampig geworden bist? Sondern mir nur unterstellst, ich projitziere? Tztz … 🙂
            Ok Ich seh zu das ich mich das nächste mal klarer ausdrücke …

  • Bei Frau Chebli stellt sich die Frage, warum sie eine solche Lappalie derart aufbläst. Ist es nur Kalkül, da sie in ihrem sozialen Umfeld feministisch konditioniert wurde oder ist ihr Ärger dem Umstand geschuldet, dass die Verwunderung – oh, eine junge hübsche Frau und eine derart hohe gesellschaftlich-politische Position – darauf hinweist, dass sie eine Quotentrulla ist und ihre Position kein Verdienst ist. In der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport wurde für sie eine Stelle geschaffen – Grundsatzreferentin für interkulturelle Angelegenheiten – womit sie als Postergirl für Diversity der SPD gelten darf. In diesem Fall beklagt sie sich, dass sie als genau das wahrgenommen wird, was sie ist und ihre Selbstdarstellung erinnert mehr an Werbung für Kosmetika als an die Selbstdarstellung einer Politikerin.

    • Zustimmung! Und ich gehe noch etwas weiter.
      Sie ist frustriert und extrem jähzornig.
      Ich gehe immer noch davon aus, daß das „Kompliment eben kein Kompliment war, sondern die – völlig berechtigte – Andeutung, daß sie eine geharnischte Zurechtweisung absolut verdient hätte.
      Dazu sind zwei Kontexte zu beachten:
      A – Sie hat bisher nicht nur praktisch nichts geleistet, sondern sich auch schon als reichlich unfähig erwiesen, bspw. bei Bundespressekonferenzen, wo sie ein einfach nur jämmerliches Bild abgegeben hat ( „…weiß ich nicht … keine Anhnung … war vor meinem Amtsantritt … da müssen sie XY fragen … verstehe die Frage nicht …“ u.s.w. ).
      Dazu ist sie extrem unsicher ( muß vor Kameras deutlich erkennbar immer wieder trocken schlucken ). Und bildet sich ein irgendwie Prominent zu sein, obwohl kaum wer vor dem jetzigen Bohei je von ihr gehört hat.

      B – Da sitzen fünf Diplomaten mitten auf dem Präsentierteller, vor dem erwartungsvollen Publikum, sind langsam sehr nervös, weil die Dame mit der Begrüßungsrede nicht erschienen ist, sich nicht vorgestellt hat, ihre Rede nicht vorab erläutert/abgeklärt hat, die Anwesenden in keine Überleitung/Vorstellung eingebaut hat etc., kurz – sich schon vorab als ziemlich frech und unfähig erwiesen hat.

      Daß sich da eine unbekannte Person heimlich in den Saal schleicht und sich unerkennbar irgendwo hinsetzt, anstatt sofort auf die Bühne zu kommen und sich zu entschuldigen, konnten die gar nicht wissen, da Chebli noch nicht mal auf den Stühlen für „Offizielle“ Platz nahm.
      Irgendwann war der unausweichliche Zwang da, irgendetwas zu unternehmen!
      Also ergreift einer das Wort und versucht zur restlichen Tagesordnung überzugehen.
      Da steht irgendwo so eine kleine freche Göre auf und pupt rum, die wäre ja da und macht auf gekränkt.

      Also versucht der gerade sich dafür prädestiniert Erachtende die Situation zu retten, nicht ohne höflich verklausuliert anzudeuten, daß bei aller Jugend und Hübschheit hier Regeln mißachtet wurden und ironisiert das ein wenig, indem er so tut, als würde das irgendwie wohl auch an ihm liegen können.

      Chebli mag zwar dumm sein und rotzfrech noch dazu, aber daß sie das nicht registriert hat, glaube ich nicht.
      Allerdings hat sie nicht die Fähigkeit derartiges elegant zu kontern, oder gar reflektiv zum Besten aller Anwesenden zu nutzen, zumal sie sicherlich bemerkt hat, daß sie erheblich Mist gebaut hatte, was sie möglw. in dem Moment blockierte.

      Diese Wut hat sich später weiter aufgebaut, während sie sich vor sich selbst zu rechtfertigen und die Schuld auf den Gesprächspartner zu schieben versuchte, wie ein 4-6-jähriges Mädchen.

      Darauf deuten auch die Lügen infolge erheblicher kognitiver Dissonanzen hin, die sie dann ja auch selbst zugegeben hat ( war so „geschockt“, daß sie eine Frau neben vier Männer auf wenige Meter Abstand komplett ausgeblendet hat, hat plötzlich die vom Blatt gestotterte Rede „frei u. zweisprachig“ gehalten, ihre Faux-pas ganz vergessen u.s.w.).

      Kurz: Sie bewegt sich auf einem Niveau, daß normale Menschen in den ersten Schuljahren üblicherweise reflektieren und ablegen sollten.

      Da kam ihr die lustige Weinstein-Hysterie gerade gut zupass.
      Also macht sie auf #ichauchichauchichnochschlimmer

      Meine Küchenpüschologische Kurzdiagnose dazu.

  • Ich habe schon auf geschlechterallerlei erläutert, daß der Text von Kurianowicz längst geführte Debatten wiederkäut, natürlich vom streng feministischen Standpunkt aus, und in erster Linie als Teil eines Psychokriegs zu verstehen ist mit dem Ziel, den „verunsicherte Mann“ im Publikum zu erzeugen.

    In diesem Kontext ist zusätzlich ein Blick auf seinen Schreibstil interessant (was eigentlich eher ein Deutschlehrer machen sollte 😉 ). Sofort ins Auge fällt der Ich-Stil, mit der Leser (männlich, ich rätsele, wie der Text auf Frauen, speziell nicht feministisch radikalisierte, wirkt) dazu genötigt wird, sich mit dem Autor emotional zu identifizieren. Kurianowicz läßt uns umfänglich an seinem Gefühlsleben teilnehmen, er benutzt dutzendfach emotionsgeladene Begriffe wie „Zweifel“, „Selbstzweifel“, „Zaudern“, „Kränkung und Angst“, „schwächeren Frau“, „gewaltvoll“, „verbale Verletzung“, „moralisches Dilemma“ etc.

    D.h. der Text entfaltet bei vielen Lesern seine Wirkung alleine über moralische Nebelwand, die er mit diesen Begriffen aufbaut. Daß der Text voll von unhaltbaren Argumentationen ist, wie in diesem Blogpost und auch schon auf geschlechterallerlei im Detail diskutiert, spielt keine Rolle. Der Appell an die Emotionen funktioniert auch, wenn auf der Sachebene haarsträubender Unsinn („Identitätsprivileg als Mann“, „männliche Dominanzstrukturen in den kleinsten Verästelungen unserer Gesellschaft“ etc.) verzapft wird.

    Gegen Sachkritik immunisiert er sich übrigens in weiten Teilen mit einem simplen Trick: er stellt seine Behauptungen als Gedankenspiele und Stationen eines Reifungsprozesses dar. Das ist ein ziemlich hinterhältiger Trick, denn als Leser kann man sich nicht nur hypothetisch mit emotionsgeladenen Themen beschäftigen, die Spiegelneuronen machen daraus ein echtes erlebtes Leiden.

    Wenn man sich von den Details löst und die Gesamtorchestrierung dieses Textes ansieht, dann fällt einem außerdem wieder einmal die Struktur einer Beichte auf (genauso wie kürzlich bei einem anderen ZEIT-Artikel beobachtet, s. Glauben statt denken): Am Anfang steht die Suche nach den eigenen Sünden, zwischendurch kommt „Ich bereue…“, dann kommt „wehrte ich den Gedanken ab“ [sich dem Urteil der feministischen Bekannten zu unterwerfen und seine Verfehlungen einzugestehen], es folgen weitere Episoden der innerlichen Läuterung und der Hinweis auf vorbildliche Büßer, die „öffentlich ihre in der eigenen Identität begründete Schuld eingestehen“ und „dafür Abbitte leisten“. Die Erlösung und Freisprechung von aller Schuld bildet der finale Anspruch, das Gute und Heilige zu tun, hier nicht weniger als die „Utopie des einen Menschengeschlechts“ und natürlich auch „Freiheit, Gleichheit und Frieden“. Man bekommt einen Hustenanfall von all dem Weihrauch, der da aus dem Bildschirm strömt.

    Dies ist kein rationaler Text. Er entfaltet eigentlich nur auf der emotionalen Ebene Wirkung und versucht, durch die Beichtenstruktur bei Leser (m) eine unterbewußte Schuldanerkennung zu bewirken, eben die männliche Erbsünde.

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