Gleichberechtigung Wissenschaft

Geld und Gender – Die Marburger Millionenstudie

geschrieben von: Lucas Schoppe

Knapp eine Million Euro. Für ein sozialwissenschaftliches Forschungsprojekt, das ja im Unterschied zu naturwissenschaftlicher Forschung ohne komplexe Geräte oder teure Materialen auskommt, ist das eine gigantische Summe – die wohl zum weitaus größten Teil in die Personalkosten fließen, also den Beteiligten zu Gute kommen wird. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat diese Summe gerade einem Forschungsprojekt an der Universität in Marburg zur Verfügung gestellt, das  den seltsam verspielten Titel „KRisE der Geschlechter-VERhältnisSE? Anti-Feminismus als Krisenphänomen mit gesellschaftsspaltendem Potenzial (REVERSE)“ trägt.

 

„DIE DA spalten die Gesellschaft! DIE gehören nicht zu UNS“

Das Projekt, so seine Selbstauskunft, „will die anti-feministische Diskursproduktion, ebenso wie deren Akteurs- und Adressat_innen-Gruppen untersuchen“. Natürlich kam mir gleich die Frage in den Sinn, warum Antifeministen dem Ministerium so wichtig sind, eine Million Euro für ihre Erforschung auszugeben – aber nicht wichtig genug, einfach mal mit ihnen zu reden.

Schon der Forschungsgegenstand ist so definiert, dass überhaupt nicht klar wird, was oder wer hier eigentlich erforscht werden soll. Denn natürlich gibt es mannigfaltige Kritik an feministischen Positionen, auch von Feministinnen selbst – Alice Schwarzer und Anne Wizorek, zum Beispiel, würden sich in schlechtgelaunten Momenten vermutlich gegenseitig als Antifeministinnen einordnen.

Wer Menschen, die solche Kritik äußern, rundweg als „Antifeministen“ bezeichnet, der legt den Fokus nicht auf Sachfragen. Stattdessen konzentriert er sich auf eine vermeintliche Konfrontation zweier Gruppen, die dann ohne Rücksicht auf Sachargumente ganz unterschiedlich bewertet werden können.

Entsprechend radikal unterscheiden sich in den Projektbeschreibungen dann auch die Selbstbeschreibungen und die Beschreibungen der Gegner, die zugleich Untersuchungsgegenstand sein sollen. Eine kleine Sammlung kann das demonstrieren.

Sich selbst assoziieren die Projekt-Betreiberinnen in ihrer oben verlinkten Projektvorstellung ausdrücklich mit folgenden Begriffen:

sachlich, Geschlechtergleichheit, Freiheit, plural, emanzipatorisch. LGTBI*-Community, Liberalisierungsdiskurs, Modernisierung, Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse, persönlich bedroht, Akzeptanz von Pluralität, Werte einer Demokratie, Stärkung gesellschaftlichen Zusammenhalts

Ihre „anti-feministischen“ Untersuchungsgegenstände belegen sie hingegen mit folgenden Begriffen:

polemisch, konservativ, gesellschaftsspaltend, diffamierend, anti-plural, anti-emanzipatorisch, biologistisch, ideologisch, traditionell, Angst, verschleiernd, Heteronormativität, Gegendiskurs zum Liberalisierungsdiskurs, spaltend, organisierte Angriffe, Gefährdung für die Demokratie, gegen Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse, Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ideologisch aufgeladen, sehr aggressiv, persönlich bedrohend, Bedrohung für Akzeptanz von Pluralität und Werte einer Demokratie, gesellschaftsspaltend

Angesichts dieser krassen, scharf wertenden Gegenüberstellung zweier feindlicher Lager ist es ironisch, dass die Akteurinnen sich selbst als plurale Verfechterinnen eines gesellschaftlichen Zusammenhalts präsentieren. Die Leiterin, die Marburger Professorin Annette Henninger, wird von ihrer Universität sogar so zitiert:

Anti-Feminismus spaltet die Gesellschaft. Das gefährdet die Akzeptanz von Pluralität und verbunden damit auch die Werte einer Demokratie.“

Wenn aber Wissenschaftler politische Positionen wissenschaftlich erforschen möchten, die ihrer eigenen Position widersprechen – wenn sie diese Positionen gar gerade wegen dieser Kritik erforschen möchte – dann müssen sie sich natürlich über ihre eigenen Voreingenommenheiten im Klaren sein und Sorge tragen, dass diese Voreingenommenheiten ihre Ergebnisse nicht beeinflussen.

Die Projekt-Betreiberinnen aber machen konsequent das Gegenteil: Schon bevor ihr Projekt überhaupt begonnen hat, belegen sie ihre politischen Gegner so konsequent mit politisch und moralisch abwertenden Begriffen, dass jegliche Voreingenommenheit als berechtigt erscheint. Das ist eben genau das Gegenteil eines wissenschaftlichen Arbeitens.

 

Eine Millionenstudie gegen herrschende Machtverhältnisse?

Möglich wird dies vermutlich durch einen klischeehaften Blick auf traditionelle wissenschaftliche Standards, der heutige Gender Studies leider weithin prägt. Traditionelle Wissenschaft erhebe einen Anspruch auf Objektivität, der jedoch lediglich ein Ausdruck von Machtinteressen sei, diese Interessen aber zugleich verschleiere. Tatsächlich sei alle Wissenschaft immer auch von Perspektiven abhängig.

Das verkennt die Funktion traditioneller wissenschaftlicher Anforderungen wie Falsifizierbarkeit, Überprüfbarkeit, Wiederholbarkeit. Dabei geht es ja eben nicht um die Etablierung eines gottgleichen Standpunkts, sondern ganz im Gegenteil darum, den eigenen Standpunkt überprüfbar zu machen. Wissenschaftliche Standards garantieren Verfahren, mit denen Beobachtungen aus unterschiedlichen Perspektiven so miteinander verknüpft werden können, dass die Ergebnisse für alle gültig sein können.

Wer sich diesen Verfahren verweigert und stattdessen darauf beharrt, dass Wissenschaft immer abhängig wäre von bestimmten Standpunkten – der hat dann eben nur noch die Möglichkeit, entweder alles für relativ zu erklären oder aber grundsätzlich die gültigen von den ungültigen Standpunkten zu unterscheiden.

Das aber begründet für die Millionenstudie ein doppeltes Problem: Erstens werden dabei wissenschaftliche Überlegungen grundsätzlich überlagert von politischen und moralischen Positionsnahmen – und zweitens ist die Politik, die hier die Wissenschaft überlagert, überaus simpel und primitiv strukturiert. Es ist eine Politik, die sich konsequent in Freund-Feind- und in Gut-Böse-Strukturen erschöpft.

 

Vom praktischen Nutzen eines unverständlichen Jargons

Ein Beispiel ist das Teilprojekt „Elternberatung: Mutterschaft als Krisenarena“, das von der Psychotherapeutin Dr. Helga Krüner-Kirn geleitet wird. Die Projektbeschreibung ist so konsequent jargonhaft verfasst, dass sie übersetzt werden muss:

Die Fallstudie fragt, ob im mütterlichen Naturalisierungsdiskurs eine Angst vor pluralen Sexualitäts- und Lebens-formen verborgen ist und mit Bezug auf die Verwobenheit familialer Beziehungsformen mit ökonomischen Strukturen bestehende Schieflagen im Wandel der Geschlechterverhältnisse verschleiert werden.“

Das bedeutet: Wer findet, dass Kinder zur Mutter gehören, habe Angst vor einer vielfältigen Sexualität (vermutlich ist Homosexualität gemeint, es könnte aber auch um BDSM, Bondage, Vorliebe für Masturbation etc. gehen). Die Formen der Familien seien eng verknüpft mit ökonomischen Bedingungen, und in dieser Verknüpfung hätten sich nicht näher definierte „Schieflagen“ ergeben. Diese Schieflagen würden verschleiert von denen, die Frauen vorwiegend als Mütter ansehen.

Die Behauptung, dass die Fallstudie das alles bloß „fragt“, ist kaum glaubwürdig. Wer so ausdifferenzierte, voraussetzungsreiche und keineswegs naheliegenden Fragen stellt, formuliert tatsächlich schon Thesen – die hier aber eben nicht als Thesen kenntlich gemacht werden.

Wer sich auch nur ein wenig in den politischen Zusammenhängen auskennt, merkt schnell, wie viele Voreingenommenheiten und Einseitigkeiten unter der jargonhaften Sprache versteckt sind. Die Konzentration auf Mutterschaft beispielsweise verdeckt nicht nur Schieflagen, sondern produziert sie überhaupt erst. Angesichts der ökonomischen Rahmenbedingungen und den Änderungen der Arbeitswelt gibt es überhaupt keinen nachvollziehbaren Grund mehr dafür, warum generell Männer berufstätig und Frauen für die Kindessorge zuständig sein sollten. Das mögen einzelne Paare so entscheiden – als allgemeine Regelung hat es längst keine Legitimität mehr.

Es ist aber gerade eine wesentliche Wurzel heutiger Kritik an feministischen Positionen, dass Feministinnen nach ihrem eigenen Selbstverständnis zwar für Gleichberechtigung eintreten, aber zugleich gemeinsam mit konservativen Familienpolitikern zu den stärksten Blockierern einer Gleichberechtigung von Vätern und Müttern gehören.

Von Wissenschaftlerinnen wie der Radikalfeministin Anita Heiliger über Parteien wie der SPD, über Lobbygruppen wie dem Alleinerziehendenverband oder der Mütterlobby bis hin zu Blogs wie dem der Störenfriedas: Dass Kinder zur Mütter gehören und dass es legitim wäre, Väter von ihren Kindern fernzuhalten, gehört zu den Standardüberzeugungen im heutigen Feminismus.

Die strikten Freund-Feind-Bilder erlauben hier also einen Prozess, der einer Psychotherapeutin eigentlich vertraut sein müsste: den der Abspaltung und Projektion. Die Handlungen und Positionen, die Krüner-Kirn nicht als wesentlichen Bestandteil eines heutigen Feminismus wahrnimmt, schiebt sie umstandslos ausgerechnet den Menschen zu, die Kritik an einer feministischen Mütterfixiertheit üben.

 

„DIE DA projizieren immer nur! Mit DENEN dürfen WIR nicht reden!“

Auch in anderen Teilprojekten wirken sich die starren Freund-Feind-Muster des Gesamtprojekts verheerend aus.

Im Teilprojekt zur Sexualpädagogik wird Kritik am Bildungsplan in Baden-Württemberg als Beispiel für  „organisierte Angriffe“ in einer „Arena anti-pluraler, anti-emanzipatorischer und anti-feministischer Artikulationen“ angeführt – als ob Kritik an einer Regierungspolitik grundsätzlich etwas Unanständiges wäre. Dass die Ablehnung des Bildungsplans auch gute Gründe gehabt haben könnte, etwa als Kritik daran, Erfahrungen von Diskriminierung allein auf sexuelle Orientierungen zu fixieren – das wird hier nicht einmal als Möglichkeit eingeräumt.

Die Teilstudie zur „Ethnisierung der Geschlechterverhältnisse“ nimmt direkt Bezug auf die massiven sexuellen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht. Der Schrecken über diese Gewalt wird als Strategie gedeutet, sexuelle Übergriffe als „Probleme ‚kulturell Anderer’“ zu deuten. Damit knüpfen die Marburgerinnen direkt und ohne weitere Reflexion an polemische Positionen feministischer Aktivistinnen an, nach denen deutsche Männer in ihrer Empörung über die Kölner Übergriffe lediglich ihren eigenen Sexismus auf islamische Männer projizierten. Anne Wizorek und andere spitzten das zu bis in die Falschbehauptung, die Zustände auf dem jährlichen Oktoberfest würden sich von denen der Kölner Silvesternacht nicht wesentlich unterscheiden.

Es ist aber eben DIE gendertheoretische Grundannahme, dass Geschlechter soziale Konstruktionen seien – abhängig eben von den sozialen Strukturen, in denen sie konstruiert würden. Als sei überhaupt kein Widerspruch zu dieser Grundannahme zu erkennen, gehen die Marburgerinnen im Gleichschritt mit Aktivistinnen hier nun davon aus, dass eine männliche Neigung zur gewaltsamen sexuellen Übergriffigkeit eine universelle Konstante sei. Auf der Basis dieses Männlichkeitsklischees können sie es dann unbesehen als „Projektion“ verbuchen, wenn Männer über die sexuelle Aggressivität anderer Männer entsetzt sind.

Das unterbindet Fragen, die eigentlich für eine seriöse Geschlechterforschung von höchstem Interesse wären. Welche Konsequenzen hat es beispielsweise, wenn Angehörige einer Kultur der sexuellen Scham und einer strikten Geschlechtertrennung mit der Erwartung konfrontiert werden, sich zu integrieren in eine Kultur einer jahrzehntelang gewachsenen sexuellen Libertinage und der selbstverständlichen Interaktion der Geschlechter? Oder auch: Wo sind in Deutschland Frauen, wo sind in Deutschland Männer mit sexistischen Diskriminierungen konfrontiert?

Im Teilprojekt „Anti-‚genderistische‘ Argumentationen in akademischen Kontexten“ werden Kritiken an genderpolitschen Stellungnahmen und am wissenschaftlichen Selbstverständnis umstandslos als „Antifeminismus“ verbucht. Mit einer Selbstverständlichkeit, die sie nirgends begründen, räumen die Autorinnen auch hier nicht einmal die bloße Möglichkeit ein, dass eine solch breite Kritik aus guten Gründen geäußert werden könnte.

Dabei könnten sie Zweifeln an der Wissenschaftlichkeit ihrer Forschung ja leicht damit begegnen, dass sie die wichtigen Ergebnisse der Gender-Forschung und ihre wissenschaftliche Relevanz präsentieren. Wenn sie stattdessen lediglich ihren Kritikern politischen Motive unterstellen, demonstrieren sie damit unglücklicherweise vor allem, dass sie sich dazu nicht in der Lage sehen.

Wer aber Hunderttausende aus öffentlichen Geldern für Projekte erhält, die er als wissenschaftliche „Forschung“ präsentiert, der hat natürlich eine Bringschuld, auch nachzuweisen, dass diese Gelder seriös verwendet werden. Es reicht nicht, stattdessen lediglich Kritiker politisch zu diffamieren, sie als unseriös, gewaltbereit und rückständig zu präsentieren.

Den Reichtum an Schriften, die diesen Eindruck stören, kommt in der Projektbeschreibung nicht vor. Sie erwähnen zum Beispiel nicht einmal die Studie von Christine Bauer-Jelinek und Johannes Meiners  zur deutschsprachigen Männerrechtsszene oder Arne Hoffmanns umfassendes „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“. Dort stellt er sein Konzept eines „integralen Antisexismus“ vor, das sich gegen geschlechterbedingte Benachteiligungen BEIDER Geschlechter richtet. Die von den Marburgerinnen behauptete „Forschungslücke“ entsteht lediglich dadurch, dass sie die einschlägigen Texte zum Thema nicht zur Kenntnis nehmen.

 

Eine Millionenstudie gegen die Öffnung von Debatten

Das ist schade, und es ist angesichts der eingesetzten öffentlichen Ressourcen auch ein erhebliches Versäumnis. Tatsächlich schafft nämlich gerade die Kritik an feministischen Positionen ein großes Potenzial, Geschlechterverhältnisse zu liberalisieren. Wer die Selbstbeschreibungen heutiger Feministinnen als „emanzipatorisch“, „progressiv“ oder „modern“ nicht selbstverständlich übernimmt, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass von ihnen tatsächlich überkommene Geschlechtermuster betoniert werden: Männer erscheinen konsequent als aggressiv, offensiv, aktiv, schuldhaft, sexualisiert – Frauen als defensiv, passiv, schuldlos.

Gerade eine liberale Männerrechtsbewegung beschreibt Männer anders, weist auf die Verletzbarkeit auch von Männern hin, auf spezifische Schwierigkeiten von Jungen, auf das Bedürfnis von Vätern, für ihre Kinder zu sorgen. Diese Neubeschreibungen von Männlichkeit, die eben gegen den Feminismus entworfen werden und nicht mit ihm, schaffen natürlich auch für Frauen neue Möglichkeiten.

Die vom Bildungsministerium eingesetzte knappe Million zeigt daher auch, wie erheblich die Mittel sein müssen, die eingesetzt werden, um die in Bewegung geratene Diskussion weiterhin still stellen zu können.

Nach allen offen verfügbaren Informationen ist der Eindruck also deutlich, dass mit der staatlichen Förderung dieses Projektes etwas Gravierendes nicht stimmt: Weder sind die Dimensionen der Förderung auch nur ansatzweise nachzuvollziehen, noch ist verständlich, wie ein solch grobschlächtig begründetes Projekt überhaupt eine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln erhalten konnte.

Gravierender noch ist der Eindruck, dass hier eine enorme Summe öffentlicher Gelder für undemokratische Zwecke investiert wird, nämlich für die Diskreditierung von Kritikern bestimmter politischer Positionen. Es ist eine Bringschuld des Ministeriums für Bildung und Forschung und der Profiteure an der Marburger Universität, diesen Eindruck glaubwürdig zu zerstreuen.

 

 

Die Finanzierung dieses Projekts und das Projekt selbst wurden auch schon in anderen Blogs kommentiert, kritisiert und diskutiert.

Christian Schmidt stellte das Projekt zur Diskussion und schrieb seinen Initiatorinnen einen offenen Brief.

Michael Klein und Heike Diefenbach kritisierten das Projekt scharf und beschrieben seine Finanzierung als korrupt.

Im Staple Chips Blog wird argumentiert, dass der Ansatz des Projekts undemokratisch sei und das Ziel habe, Kritiker aus Diskursen auszuschließen.

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19 Comments

  • @Schoppe

    Du schreibst:

    „EINE MILLION EURO für die „Erforschung antifeministischer Diskurse“? Liebes @BMBF_Bund, hätten Sie es nicht einfach erstmal mit einem Dialog versuchen können?“

    Ich habe mir kurz mal im Forschungsprojekt „Reverse“ die Fallstudie „Wissenschaft: Anti-‚genderistische‘ Argumentationen in akademischen Kontexten“ angeschaut.
    Geleitet wird diese Fallstudie von MARION NÄSER-LATHER.
    Diese Person war offenbar auch im „Arbeitskreis Ulrich Kutschera“, in der es offenbar um die „Rezension ‚Das Gender-Paradoxon‘“ von Ulrich Kutschera ging.

    Interessant ist nun, was dort steht:

    „Professor Ulrich Kutschera, der an der Universität Kassel einen Lehrstuhl für Pflanzenphysiologie und Evolutionsbiologie innehat, war zur Einführungsvorlesung der Studium-Generale-Vorlesungsreihe des Fachbereichs Biologie an der Marburger PhilippsUniversität eingeladen. An der Universität führten seine öffentlichen Äußerungen zur Gender Theorie und zum Gender-Mainstreaming sowie sein Buch „Das Gender Paradoxon“ zu einer intensiven Diskussion, die letztlich zu seiner Ausladung führte. Dieser Vorgang wiederum wurde innerhalb der Universität, aber auch in der örtlichen Oberhessischen Presse wochenlang mit unterschiedlicher Heftigkeit diskutiert und Unverständnis wie auch Zustimmung geäußert.
    Bei vielen KommentatorInnen hatte man den Eindruck, weder Kutscheras Interviews gehört noch sein Buch gelesen zu haben.“

    Das heisst, man hat Kutschera offenbar wieder ausgeladen und das passt doch gut zu Deinem Statement: Man will nicht mit Kutschera sprechen, sondern nur über ihn. Ein deliberativer Diskurs im Sinne von Habermas soll gerade verunmöglicht werden. Das heisst, in dieser Fallstudie werden wir vermutlich das vorgelegt bekommen, was sie bereits in dieser Arbeitsgruppe mit Kutschera durchexerziert haben. Ist ja eigentlich schon noch verrückt: Unis betreiben mit Forschungsgeldern Untersuchungen über missliebige Professoren, wenn diese eine falsche Gesinnung haben, also mal überspitzt formuliert.

    Interessant finde ich nun auch folgende Äußerungen:

    „Kutschera hingegen diffamiert die Gender Studies als unwissenschaftlich. Dabei zählen sie zu den empirisch arbeitenden Sozialwissenschaften, die wie alle anderen Fachdisziplinen ihr Forschungsdesign intersubjektiv nachvollziehbar machen und mit quantitativen und qualitativen Methoden wie etwa Interviews, Fragebögen, der teilnehmenden Beobachtung, sowie der Frame- und Diskursanalyse operieren.“

    Nun, ob Gender Studies zu den Sozialwissenschaften gehören, würde ich schon mal bezweifeln: Ich selbst würde Sie zu den Kulturwissenschaften zählen, teilweise mit Elementen der Geistes- und Sozialwissenschaften drin. Aber offenbar muss nun unbedingt darauf hingewiesen werden, dass sie zu den Sozialwissenschaften gehören: m.E. ein Etikettenschwindel!

    Interessant finde ich dann auch, dass sie meinen, dass Gender Studies auch mit quantitativen Methoden arbeiten. Wenn man quantitativ arbeitet, sollte man, damit es überhaupt Sinn macht, umfangreiche Lehrangebote für Statistik anbieten, was ich bisher noch bei keinem Lehrgang der Gender Studies an Universitäten in Deutschland gesichtet habe und insbesondere nicht an der Uni Marburg; das dürfte ebenfalls ein Etikettenschwindel sein.
    Versuchsplanung wird sicherlich auch nicht angeboten, um beispielsweise Experimente durchführen zu können. Ich gehe davon aus: dass sie quasi ausschließlich qualitativ arbeiten und ihre Beobachtungen, Fragebogen, Interviews desgleichen rein qualitativ auswerten. Das heißt: vermutlich werden sie vor allem Diskuranalyse haben sowie ev. noch Grounded Theory, alles was darüber hinausgeht, wäre m.E. dann schon eine große Überraschung. Also: m.E. Etikettenschwindel.

    • Für die „empirische Wissenschaft“ der Gender-Studies zerre ich doch einfach mal meine Lieblingsstelle aus meiner Lieblings-Gender-Study hervor:
      https://plone.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/bae/w/files/lsb_wissen/wibig_kurzfassung_deutsch.pdf
      S. 23-25 aufmerksam lesen und es dürfte klar werden, warum man dort ohne sorgfältig erhobene und verarbeitete Zahlen auskommen kann. Einfach mal drauf achten, wer da genau erfasst wird, wer nicht und wer wie statistisch geführt und auch sonst bearbeitet wird.
      ( Nur falls wer das zahlenlose Ergebnis nicht selbst herausbekommt, hier die Übersetzung frei nach Orwell: Zweibeiner gut, Dreibeiner schlecht, määäh! )

    • @ Mark Mir ist keine quantitative Forschungsarbeit aus den Gender Studies bekannt. Vielleicht verstehen die Autorinnen darunter ja eine Arbeit wie die von Helbig über die Schwierigkeiten von Jungen in der Schule, aber die hat mit sauberer quantitativer Forschung eigentlich nichts zu tun. https://man-tau.com/2015/09/18/marcel-helbig-und-die-aggressionen-gegen-jungen/

      Was qualitive Forschung angeht, halte ich die gar nicht – so wie z.B. Michael Klein es meines Wissens tut – für Humbug. Ich glaube nur, dass das, was die Marburgerinnen hier machen, auch mit der Grounded Theory nicht viel zu tun hat (und mit quantitativer Forschung natürlich ohnehin nicht).

      Es geht ja bei der Grounded Theory eigentlich darum, theoretische Positionen aus der Analyse von konkretem Material – Interviews, Lebensbeschreibungen etc. – zu gewinnen. Das Material wird „codiert“ (das heißt: über zentrale Begriffe versucht man, seine grundsätzliche Struktur zu rekonstruieren). Wenn man damit allgemeinere Aussagen getroffen hat, geht man damit an weiteres Material heran, analysiert dieses und überprüft bzw. modifiziert auch die getroffenen Allgemeinaussagen. Das immer so weiter, bis keine wesentlich neuen Ergebnisse mehr zu erarbeiten sind.

      Das macht aber schon klar: Ob hier zumindest halbwegs seriös gearbeitet wird, hängt erstens davon ab, nicht schon mit allzu ausgearbeiteten, festgezurrten theoretischen Positionen an das konkrete Material heranzutreten – und zweitens davon, dass das Sample möglichst variantenreich ist.

      Das nämlich ist nicht nur wichtig, um eine differenziertere theoretische Position zu erarbeiten – sondern auch dafür, dass man sich nicht einfach nur das Material sucht, das die Positionen bestätigt, die man eben bestätigt bekommen möchte.

      Es ist sicher klar, dass solch eine Methode im Vergleich zu quantitativen Methoden viel mehr Vagheiten und Ermessensentscheidungen enthält. Der Vorteil ist eben, dass Aussagen über die Untersuchungsgegenstände getroffen werden können, die mit quantitativen Methoden kaum möglich sind – etwa zum Lernen von Menschen im Verlaufe ihrer Biografie.

      Nur müssen hier Forscher in ganz besonderer Weise seriös agieren, ihre Methoden nachvollziehbar machen, ihre eigenen politischen Vorgaben möglichst aus dem Spiel halten. Dass mit solchen Methoden jemand andere Menschen, die er als erbitterte Gegner oder gar als Feinde wahrnimmt, seriös erforschen könnte, und dies noch mit dem Ziel, ihre Handlungsspielräume zu begrenzen – das ist so gut wie ausgeschlossen.

      Das, was die Marburgerinnen machen, hat also mit Sicherheit auch nichts mit der Grounded Theory zu tun. Dafür gehen sie schon von viel zu elaborierten (und übrigens längst bekannten) Voraussetzungen aus, noch bevor die „Forschung“ überhaupt begonnen hat. Es ist anzunehmen, dass sie schlicht nach Belegen suchen, die ihre Überzeugungen bestätigen – und dass sie das dann schließlich ganz allgemein als „Diskursanalyse“ bezeichnen. Das kann schließlich mittlerweile alles Mögliche bedeuten.

      • @Schoppe

        Vielleicht habe ich mich ein wenig unklar ausgedrückt. Ich habe nix gegen qualitative Sozialforschung. Ich glaube nur, dass man vielfach die Methoden kombinieren muss, um die Schwächen jeder anderen Methode auszugleichen. Und insbesondere wenn es um die Interpretation bzw. Zuordnung von Sprache geht, hat die qualitative Methode ihre Stärken. Nur gibt es eben auch hier sogenannte Gütekriterien: Die Inter-Coder-Reliabilität wäre zum -Beisiel so eines. Also, dass alle Codierer das Material genau gleich einer Kategorie zuordnen. Das ist aber vielfach überhaupt nicht der Fall, dass dies Diskursanalysen machen würden. Da wird m.E. einfach vielfach heillos nach subjektiver Lust und Laune zugeordnet bzw. interpretiert. 🙂
        Außerdem ist es richtig: spielt auch die Stichprobe eine große Rolle, also die Auswahl des Materials, das man überhaupt untersuchen will. Wer z.B. nur im Gelben Forum Material auswählt und meint, damit habe man den antifeministischen Diskurs repräsentativ abgebildet, der dürfte vermutlich so etwas ähnlichem wie einem Zirkelschluss erliegen. 🙂
        Und außerdem bin ich der Auffassung, dass man gerade Strukturen, und das wollen ja vielfach die Genderforscherinnen ausfindig machen, ohne quantitative Methoden kaum richtig ausfindig machen kann. Und auch analytische Fragestellungen (was sind die Ursachen) lassen sich vielfach ohne Einbezug quantitativer Methoden kaum richtig beantworten.

      • Ich denke, über Forschungsmethodiken kann und sollte man durchaus debattieren. Hier erscheint es mir jedoch müßig, bestenfalls.
        Denn die Erfahrung mit den Akteuren der Gendergeschichten zeigt deutlich, daß der „Nebenkonsens“ stets das Hauptziel ist. In diesem Fall also die in einem Nebensatz erwähnten „Handlungsempfehlungen“. Damit ist m.E. der Kurs exakt vorbestimmt: Antipropaganda, oder Anti-Antifeminismus.
        Kurz: diese“Forschungseinrichtung“ ist nix als ein Agit-Prop-Kursus für Fortgeschrittene mit der weiteren Zielsetzung, die Methodiken der Diffamation zu perfektionieren.

        Und das mit staatlichen „Forschungs“-Mitteln an einer Universität.
        Geschichtliche Parallelen sind latürnich „rein zufällig“.

  • Generelle Bemerkung: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat zwar „Forschung“ im Namen, aber das, was dort direkt gefördet wird, ist meist eher versteckte Industrieförderung u.ä., insb. sind solche Förderungen wie hier nicht unbedingt Ergebnis eines offenen, wettbewerblichen Verfahrens um Forschungsmittel. Dafür spricht auch, daß die Mehrzahl der Projektleiter nicht habilitiert ist. Mehr dazu hier:
    https://allesevolution.wordpress.com/2017/11/11/selbstmach-samstag-163-11-11-2017/#comment-318917

    D.h. die BMBF-Förderung macht dieses Projekt nicht zu einem Forschungsprojekt, vermutlich geht es eher darum, feministischen Aktivismus versteckt aus dem BMBF-Etat zu finanzieren.

    Ich würde ja sehr gerne mal das BMBF fragen, ob dieses Projekt in einem offenen Verfahren gewonnen hat (Antwort bitte mit Link auf die Ausschreibung, die werden alle auf der BMBF-Webseite veröffentlicht) oder, falls nicht, auf welchem Wege die Förderungsentscheidung zustande kam.
    Können die Twitterer hier nicht mal das BMBF auf Twitter dazu befragen?

    • @mitm

      Die Problematik von Dir, die Du aufgeworfen hast, mag eine sein. Ich sehe jedoch zumindest für mich eine andere noch viel größere Problematik. Das Forschungsprojekt geht davon aus, dass Anti-Feminismus die Gesellschaft spaltet und dies wird als Tatsache hingestellt. Und dies wird m.E. ab und an eher implizit, dann wieder explizit als etwas Negatives dargestellt. Nun würde sich schon mal die Frage stellen, was versteht man unter einer Spaltung der Gesellschaft? Oder wann ist eine Gesellschaft gespalten und wann nicht? Und die nächste Frage wäre dann, sollte Anti-Feminismus eine Spaltung herbeiführen, weshalb sollte dies negativ sein. Man kann nämlich auch argumentieren: Deutschland ist eine Konkurrenz-Demokratie und Anti-Feminismus beteiligt sind an diesem Wettbewerb der besseren Argumente. Das Projekt geht somit von einem Ideal aus, das heißt: Am besten ist es, wenn in einer Gesellschaft Konsens herrscht und am besten ist es, wenn dieser Konsens feministisch ist. Nur ist es so, dass es in einer demokratischen Gesellschaft immer sogenannte Cleavage gibt und dies wird nicht einfach als etwas Schlechtes hingestellt, sondern diese sind quasi immer vorhanden. Konflikte und Konkurrenz etc. sind also der Motor einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft. Wer keine Konkurrenz und Konflikte will, der muss vermutlich solche Forschungsprojekte machen, damit der Konkurrenz Einhalt geboten wird. Nun wäre ja nichts dagegen einzuwenden, wenn solche Forschungsprojekte auf privater Basis gemacht werden, m.E. werden sie jedoch demokratiefeindlich, wenn sich der Staat hier einschaltet. Weil Antifeminismus hält sich ja an die Spielregeln einer demokratischen Gesellschaft, er will ja nicht die freiheitlich demokratische Grundordnung umstürzen.

      • @Mark Smith: „Das Forschungsprojekt geht davon aus,…“

        Wir sind uns sofort einig, daß dann, WENN man den Text als Beschreibung eines „Forschungsprojekts“ versteht, dieser bereits in dieser kurzen Form eklatante Verstöße gegen die wissenschaftliche Redlichkeit aufweist. Alleine durch die Verwendung von feministischen Hakenkreuzen (a.k.a. Genderstern) wird die Voreingenommenheit und Unwissenschaftlichkeit dem Leser aufgedrängt. Es ist nicht vorstellbar, daß so ein Projektantrag einen halbwegs seriösen Reviewprozeß einer Forschungsförderungsinstitution überstanden hätte.

        Das BMBF veröffentlicht normalerweise hier: https://www.bmbf.de/foerderungen/ alle offenen Förderprogramme, auf die man sich bewerben kann (die Evaluation der Bewerbungen ist Gerüchten zufolge intransparent). Bei kurzem Überfliegen des 2017er Archivs (https://www.bmbf.de/foerderungen/bekanntmachungen_archiv-2017.html) finde ich nichts thematisch passendes. In der REVERSE-Projektbeschreibung findet sich auch kein Hinweis auf ein Programm, in dessen Rahmen die Projekte gefördert werden.

        Ich gehe daher davon aus, daß keinerlei wissenschaftliche Evaluation eines eventuellen Antrags auf Förderung dieser Projekte stattfand. Ich spekuliere (zugegebenerweise), daß zunächst auf politischen Druck hin das Geld für feministische Aktivitäten bereitgestellt wurde und daß dann irgendwer gesucht wurde, der die Arbeit macht und Propagandamaterial liefert. Es hat ja auch schon früher etliche Studien gegeben, in denen Forschungsinstitute „Expertisen“ geliefert haben, die die feministische Ideologie als alternativlos dargestellt haben (spontan fällt mir das hier ein).

        Deshalb halte ich das Projekt nicht für ein „Forschungsprojekt“, sondern für einen Auftrag zur Produktion von „Studien“ mit ideologisch erwünschten bzw. vorgegebenen Ergebnissen. Unter der Annahme läuft Deine wissenschaftliche Kritik ins Leere: die Kritik ist für Außenstehende offensichtlich richtig, die Betroffenen juckt das nicht im geringsten. Die machen ihren Job, liefern wie bestellt, sind privat in ihrer Ideologie bestätigt und haben für eine Weile ihren Lebensunterhalt gesichert. Bei z.B. 2 Jahren Laufzeit, also p.a. 500.000 E., kann man locker 8 – 10 graduierte Personen + ein paar Hiwis finanzieren. Und das ist nur ein kleiner Bruchteil der bundesweiten feministischen Infrastruktur.

  • Als Arne Hoffmann das Thema mal vorige Woche auf Genderama hatte, schrieb er dazu, dass George Orwell seine blanke Freude an der Selbstdarstellung dieser Politaktivisten hätte. Und das trifft den Nagel auf den Kopf.

    Da stehen auf der Seite der angeblichen Antifeministen beinahe ausschließlich Blogger und Youtuber, die das alles in ihrer Freizeit machen, ohne irgendeinen monetären Gewinn daraus zu ziehen. Und auf der anderen Seite selbsternannte Wissenschaftler, die Kritiker ihrer Ideologie, aus der gewählten Rhetorik klar erkennbar, sehr wahrscheinlich nur diffamieren und möglichst zum Schweigen bringen wollen, kriegen dafür fast eine Million aus Steuergeldern zugespielt und verkaufen das als Beitrag zur Verteidigung von Pluralität und Demokratie.

    Merke: meine Meinung steht für Pluralität und Demokratie und je mehr ich Leute mit anderer Meinung zum Schweigen bringe, um so besser ist es in unserer Gesellschaft um Pluralität und Demokratie bestellt.

    Erschreckend finde ich dabei den völligen Mangel an Selbstreflexion. Die völlige Überzeugung, auf der Seite des Guten zu stehen, war und ist die stärkste Triebfeder zu totalitärer Gesinnung. Ist mir auch schon in thematisch einschlägigen Diskussionen aufgefallen.

    Wenn da Leute völlig ironiefrei Begriffe wie „gesellschaftliche Konditionierung“ in den Mund nehmen bzw. in die Tastatur hauen, wird es mir ganz anders. Oder wenn in Diskussionen zu den per Top-Down-Dekret verordneten genderistischen Sprachvergewaltigungen à la Binnen-I und Gendersternchen darauf verwiesen wird, dass doch schon immer Sprache auch verordneten Änderungen unterworfen war, stockt mir der Atem. Da wird sich kein einziger Gedanke drüber gemacht, in was für Staatsformen und unter welchen Regenten denn solche Dinge abgelaufen sind. Aber klar, DIE waren natürlich böse, aber WIR sind doch gut. Und komm dann nicht mit dem Argument, dass DIE auch davon überzeugt waren, die Guten zu sein. Das sprengt dann den kognitiven Horizont solcher Leute um Lichtjahre.

  • Irgendwie ist dass so, als ob bei Dr. Marlboro eine Studie in Auftrag gegeben wird zum Thema, „Wer die Gegener vom Rauchgenuss sind, und wieso diese falsch liegen“… Irgendwie fast nicht parteiisch die Auswahl des Institutes ;o)

  • Auch hier mein Hinweis auf das ach so nützliche BlaBlaMeter (insbesondere in Zusammenhang mit dem oben erwähnten Teilprojekt Elternberatung):

    Es lohnt sich immer, für Gendertexte den Bullshit-Index mit dem Blablameter zu messen:
    Hier die Werte für die Fallstudien des Projektes REVERSE
    https://www.uni-marburg.de/genderzukunft/forschung/REVERSE

    Fallstudie Geschlechterpolitik: Akteur*innen und Adressat*innen von Liberalisierungsdiskursen und Gegendiskursen
    0,60

    Wissenschaft: Anti-‚genderistische‘ Argumentationen in akademischen Kontexten
    0,89

    Sexualpädagogik: Der Kampf um sexuelle Bildung als Krisensymptom
    0,95

    Elternberatung: Mutterschaft als Krisenarena
    1,01
    “Glückwunsch, Ihnen ist es tatsächlich gelungen, unsere Bullshit-Skala von 0 – 1 zu sprengen! Diesen Text tut sich ein Leser wohl nicht freiwillig an, aber uns haben Sie beeindruckt.”

    Migrationsgesellschaft: Ethnisierung der Geschlechterverhältnisse. Figurationen des Anti-Feminismus nach Köln
    0,73

    Da wird für 1 Million so viel heiße Luft produziert, das die aktuellen Klimaziele niemals erreicht werden können.

  • In einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1965 (?) wurde festgehalten, dass die dauerhafte Finanzierung der Parteien durch die öffentliche Hand verfassungswidrig sei. Nur was in unmittelbarem Zusammenhang zum Wahlkampf stehe und zur Meinungsbildung/politischen Willensbildung des Bürgers beitrage, dürfe mit Mitteln der öffentlichen Hand gefördert werden.

    Nun kann man sich sicherlich endlos streiten, was denn nun noch in unmittelbarem Zusammenhang zum Wahlkampf steht und was nicht. Unstrittig aber ist, dass das Bundesverfassungsgericht eine permanente Finanzierung der Parteien durch die öffentliche Hand ablehnte.

    Was also taten die Parteien in diesem Fall? Scheiss auf das Grundgesetz. Anstatt die Parteien direkt zu finanzieren werden Millionenbeträge in die „parteinahen Stiftungen“ (sind tatsächlich von der Rechtsform her Vereine) gepumpt oder zu „parteinahen Universitäten“ umgeleitet, die einen permanenten, durch die öffentliche Hand finanzierten Wahlkampf ermöglichen. So hebelt man das Bundesverfassungsgericht und deren Entscheide aus.

    Wir haben es hier schlicht mit Korruption zu tun, im vorliegenden Fall als sozialwissenschaftliche Studie getarnt. Man muss debil sein um zu glauben, hier werde ergebnisoffen geforscht. Das Ziel solcher „Studien“ ist der von Gesterkamp geforderte „cordon sanitaire“. Feminismuskritiker und Männerrechtler sollen so behandelt werden wie Menschen mit Beulenpest im Mittelalter.

    Was diese Dummköpfe aus dem Genderlager nie begreifen werden ist, dass liberal zu sein nicht bloss politische Positionen meint, sondern auch auf eine Haltung verweist.

    Die Liberalität der Genders geht etwa so: Alle sollen unsere „liberalen Werte“ teilen und wenn wir dazu die ganze Welt mit in den Untergang reissen müssen! Also wie gesagt – irgendwas haben die nicht so ganz verstanden. Mir scheint, ihr Engagement für LBTQ und andere Minderheiten ist ihr moralisches Feigenblatt, das ihre autoritäre und totalitäre, teilweise an Faschismus erinnernde Gesinnung verschleiern soll.

  • „Liebes @BMBF_Bund, hätten Sie es nicht einfach erstmal mit einem Dialog versuchen können?“

    1. Dem Feminismus ging es nie um Lösungen, sondern nur um Sündenböcke.
    2. Der Feminismus steht für Antidialog.

  • Wer die Selbstbeschreibungen heutiger Feministinnen als „emanzipatorisch“, „progressiv“ oder „modern“ nicht selbstverständlich übernimmt, kann schnell den Eindruck gewinnen, dass von ihnen tatsächlich überkommene Geschlechtermuster betoniert werden: Männer erscheinen konsequent als aggressiv, offensiv, aktiv, schuldhaft, sexualisiert – Frauen als defensiv, passiv, schuldlos.

    Es gibt keine Agenda Männern die Schuld an allem geben und alles schlechte männlich zu framen!

    https://twitter.com/EscapeVelo/status/932312937758363649

  • Ich finde es ja sehr gut und wichtig, den eigenen Standpunkt und die Kritik am Vorhaben der GS sachlich und nachvollziehbar darzustellen.
    Allerdings, in einer so offen von Lobbyismus und Korruption geprägten Gesellschaft, wo z.B. dr Vorgang, die Akten über die Verwicklung staatlicher Organe wie VS et.alt. in die NSU-Morde, für 120 Jahre, eine nie dagewesene Frist, zu sperren, mit dem Verweis auf möglichen Vertrauensverlust der Bürger, und KEINE der „demokratischen“ Parteien das anfechtet oder skandalisiert, von der zuständigen weisungsfähigen politischen Behörde wie dem Kanzleramt mal ganz abgesehen, also sozusagen null #aufschrei, aber über Altherrenwitze etc. schon, da hab ich ernste Zweifel, ob mit sachlicher Kritik, neudeutsch Male Tears, igendeine Änderung bewirkt werden kann. Die müsste auf den guten demokratischen Willen der AkteurInnen und der Beauftragenden setzen, und den bezweifelst Du ja selbst.
    Das müsste, um annähernd Erfolgschancen zu haben, erstens ein öffentlicher Skandal werden, und das würde man ja vermutlich nicht mal bei Telepolis hinkriegen, denn was da an linkem kritischem Potential rumschwirrt, ist beim Thema Feminismus ganz leise, weil der autoritäre Feminismus tief in den sogenannten „linken“ Parteien SPD, LP, Grüne verankert ist, dass so ein Unternehmen für betreffende Parteipolitiker der politische Tod wäre.
    Weil es erstens die finanziellen Interessen von Parteiströmungen beschädigen würde, und zweitens wegen der engen Fixierung auf Wahlkampagnen statt längerfristiger traditionell linker Programmpolitik, alleine schon wegen der Hoffnung auf weibliche Wählerstimmen , besonders wo man etwas dichter an der 5%-Hürde wandelt.
    Und bei den Konservativen, die ertens solche Rollenbilder, die widersprüchlicherweise auch der Feminismus reinstalliert, selber stillschweigend unterstützen, und für es die zweitens ganz praktisch ist, wenn solche Förderung von „Differenzen und Diversitäten“, genauer Spaltungen entlang Geschlechtergrenzen, die soziale Frage auf Gender und Identitätspolitik verengen, und so erschweren, die Frage nach sozialer Gerechtigkeit gegenüber den neoliberalen Paradigmen und Lobbys auf breiter solidarischer Basis zu stellen; und eine Million verschwenden, wo es irgendwie politisch nützlich ist, ist für die doch sowieso Peanuts.
    Zumal der Feminismus sich ja gerade die neoliberalen Phänomene wie Nepotismus, Korruption und vermarktlichung akademischer, politischer und sozialer Institutionen ausnutzt.
    Der braucht ja gerade sowas, um sich gesellschaftlich prävalent im öffentlich und akademischen „Diskurs“machen zu können.
    Und er brauchte auch allgemein den postmodernen Paradigmenwechsel, in Deutschland spätestens seit der Wendezeit der Neunziger, um in der Linken selbst, sowohl in den Parteien wie in der Bewegungslinken (wo das analytische Niveau und alleine schon logische Grundfähigkeiten schwer nachgelassen haben seit den postmodernen Diskursen und dem neoliberalen und relativistischen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik) prädominant zu werden.
    Wie gesagt, versuchen muss man es, allein schon, wenn man auch nur einige Verbündete finden kann, ber auf Fairness, Sachlichkeit und Neutralität in der Auseinandersetzung auch nur in der Linken zu setzen, ist m.E. illusionär.
    Ob die FDP das Männerrechtsthema bspw. bei den Sondierungen auch nur am Rande angesprochen hat, bezweifle ich sehr.

  • Wow, mal ausprobiert, dieses Blablameter.
    Coole Sache, steigert mein Selbstwertgefühl 🙂
    Letzter Text“Bullshit-Index :0.33″
    Vielleicht sollte ich mich für Gender Studies bewerben?!

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