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Wie ich einmal von Gender-Forscherinnen erforscht wurde

geschrieben von: Lucas Schoppe

Der heutige 18. Dezember wird als Aktionstag genutzt, um die in Kritik geratenen Gender Studies in Medien und sozialen Netzwerken gegen ihre „Dämonisierung“ zu verteidigen. Schon in dieser Wortwahl allerdings, die religiöse Register zieht, betreibt die Verteidigung möglicherweise eben gerade das, was sie den vermeintlichen Angreifern vorwirft.

Wer also dämonisiert hier eigentlich wen? Christian Schmidt formuliert beispielsweise im Blog Alles Evolution eine deutliche Kritik, Michael Klein und Heike Diefenbach formulieren im Blog Sciencefiles dreißig sehr kritische Fragen. Das ist sicher unbequem und vielleicht auch unangenehm, aber gewiss nicht dämonisierend.

Zufällig haben das Blog man tau und ich eine persönliche Erfahrung mit einer Gender Studies-Publikation gemacht. Die Art und Weise, wie in dem von den Professorinnen Sabine Hark und Paula-Irene Villa herausgegebenen Sammelband „Anti-Genderismus“ aus dem Blog man tau zitiert wurde, ist nur ein sehr kleines Beispiel, das aber wohl bezeichnend ist.

Bezeichnend aber eben nicht für eine Debatte, sondern für ihre Verweigerung.

Dass abseits der Institutionen, von denen aus Hark, Villa und andere agieren und agitieren, längst sinnvolle und respektvolle Debatten über Geschlechterfragen und andere Fragen des alltäglichen Zusammenlebens möglich sind – dafür wird man tau morgen ein noch ein Beispiel präsentieren. Eine Frau wird dann ihre Sicht auf die Bedeutung von Elternschaft, auf die rechtlichen Unterschiede von Vätern und Müttern schildern.

Wir werden hier also morgen eine neue Beiträgerin begrüßen können – was sehr schön ist! 

 

Wie das Blog man tau einmal von Gender-Forscherinnen erforscht wurde

Es ist beruhigend  zu wissen, dass dieses Blog hier auch in seriösen wissenschaftlichen Publikationen zitiert wird. Darauf hat mich gerade erst ein Leser (nämlich djadmoros – danke dafür!) aufmerksam gemacht: Im Sammelband „Anti-Genderismus“, der 2015 von den Professorinnen Sabine Hark (Technische Universität Berlin) und Paule-Irene Villa (Ludwig-Maximilians-Universität München) herausgegeben wurde, schreiben Kathrin Ganz und Ann-Katharina Meßmer unter dem Titel Anti-Genderismus im Internet:

Antifeministische Argumentationen unterbrechen die Artikulation von Erfahrungen, die an feministische Diskurse anschlussfähig sind. Besonders deutlich wurde dies in der #Aufschrei-Debatte, in der wiederholt die antifeministische Argumentation auftauchte, bei einem großen Teil der Anzeigen von Vergewaltigungen und Nötigung handele es sich um rachegetriebene Falschbeschuldigungen (vgl. Drüeke/ Klaus 2014: 63-65). Die Hashtag-Kampagne auf Twitter, im Zuge derer Nutzer_innen Erfahrungen mit sexueller Gewalt teilten, wird in maskulistischen Kreisen als Simulation bewertet, ›die eine institutionell verfestigte Geschlechterpolitik brauchte, um sich und andere über ihren eigenen Realitätsverlust täuschen zu können.‹ (man tau 2014)’“ (S. 63, Quellenangabe auf S. 76)

Sauerei, was dieser man tau da so schreibt. Um die „Artikulation von Erfahrungen, die an feministische Diskurse anschlussfähig sind“, zu „unterbrechen“, unterstellt er den Frauen, ihre Berichte über sexuelle Belästigungen und Gewalterfahrungen wären einfach nur Simulationen mit politischen Kalkül. Wie gut, dass seriöse Wissenschaftlerinnen so etwas aufspüren und enttarnen.

Noch besser wäre es natürlich, wenn sie dabei vollständig zitieren würden.

Aufschrei war die Simulation einer Graswurzel-Bewegung, die eine institutionell verfestigte Geschlechterpolitik brauchte, um sich und andere über ihren eigenen Realitätsverlust täuschen zu können.“

Das hatte ich so in dem Text mit dem zugegeben seltsamen Titel Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen so geschrieben. Da der Hinweis auf die „Graswurzel-Bewegung“ in dem Text der Wissenschaftlerinnen ausgelassen wird, entsteht dann überhaupt erst der Eindruck, mein Vorwurf der Simulation würde sich auf die direkt zuvor erwähnte „Artikulation von Erfahrungen“ beziehen. Dabei ging es mir – und offensichtlich – um etwas ganz anderes.

Tatsächlich hatten sich einige Frauen in einer Nacht sehr intensiv über Twitter verständigt – Massenmedien waren dann aber sehr schnell, schon am Folgetag, darauf eingestiegen – so dass die Graswurzel-Bewegung, von der diese Medien berichteten, wesentlich von ihnen selbst produziert wurde. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass am #Aufschrei tatsächlich eine relativ kleine Gruppe beteiligt war, die aber über Medien und Institutionen schnell ein beträchtliches Gewicht bekam – weil diese den irreführenden Eindruck erweckten, Zehntausende von Frauen würden über Twitter von einem epidemischen alltäglichen Sexismus berichten.

Das Simulieren einer Graswurzelbewegung durch Institutionen und Medien ist mittlerweile so gängig, dass es dafür eine eigene Bezeichnung gibt – Astroturfing, nach dem englischen Wort für Kunstrasen. Weder reflektierten mediale #Aufschrei-Akteure ihre eigene, zentrale Rolle bei dieser Bewegung, noch bemühten sie sich um eine genaue Analyse der Veröffentlichungen.

#Aufschrei war sicher keine von langer Hand vorbereitete Kampagne, aber offenbar ein opportunistisches Astroturfing, in der unterschiedliche mediale Akteure zur gleichen Zeit und einander verstärkend auf dieselbe Gelegenheit einstiegen. Darum jedenfalls ging es mit in der zitierten Textstelle.

Natürlich kann auch dieser Vorwurf falsch sein, und das könnten Hark und Villa, Ganz und Meßmer angesichts des vorliegenden Materials ja dann zeigen. Das wäre für sie auch sehr wichtig – denn gerade ein universitärer Feminismus kann durch solche Vorwürfe in erhebliche Legitimationsschwierigkeiten geraten.

Schließlich sind feministische Positionen heute weithin in Institutionen verankert, in Parteien, Ministerien, Gewerkschaften und eben Universitäten – eine Massenbasis aber ist für sie längst nicht mehr erkennbar. Der Vorwurf, #Aufschrei sei keine Graswurzel-Bewegung gewesen, sondern eine weitgehend medial verfielfältigte Wiederholung bereits eingeübter Positionen, trifft also das Selbstverständis von Akteurinnen wie Hark, Villa, Ganz oder Meßmer. Es ist daher wohl kein Zufall, dass eben dieser Vorwurf von ihnen ausgelassen und uminterpretiert wird – in eine Position, die ich nie einnehmen würde, der aber leicht Frauenfeindlichkeit unterstellt werden kann.

Mir ging es natürlich niemals darum, Frauen das Recht auf eine offene Artikulation ihrer Erfahrungen abzusprechen – das wäre auch offensichtlich sinnlos und illegitim. Es wäre in meinen Augen aber wichtig gewesen, wenn Erfahrungen von Männern einen ähnlichen Stellenwert gehabt hätten wie die von Frauen und nicht als „Derailing“ abgetan worden wären – als Versuch also, abzulenken und die Debatte zum „entgleisen“ zu bringen.

Es gibt viel mehr als nur zwei Geschlechter, nämlich…ehm…eines? Gender Studies-Absolventinnen an der University of California in Los Angeles – ein Bild von der Homepage des Gender Studies Department

Wenn Ganz, Meßmer, Hark und Villa mir unterstellen, ich hätte den Erfahrungen von Frauen ihre Gültigkeit abgesprochen, dann ist das also projektiv – tatsächlich beziehen sie Positionen, die traditionell erhebliche Schwierigkeiten damit haben, die Erfahrungen von Männern auf- und ernst zu nehmen.

Das trifft den Text von Ganz und Meßmer insgesamt: Die Akteurinnen unterstellen ihren Gegnern in vielen Passagen eben die Eigenschaften, die sie dann zugleich selbst vorführen – ohne sie bei sich selbst aber wahrzunehmen. Die Gegner zielten beispielsweise „nicht auf eine inhaltliche und sachorientierte Kritik“ ab, „sondern darauf, eine solche (selbst)kritische Auseianndersetzung und Debatte zu verhindern, zum Beispiel durch Komplexitätsvernichtung“. (69)

Dafür, was eine „Komplexitätsvernichtung“ ist, liefern sie schon zuvor ein eigenes Beispiel, wenn sie Mansplaining (ein abwertendes Schlagwort, das als wissenschaftlicher Begriff absurd unbrauchbar ist), antifeministische Argumentationen (da wird mein Zitat genannt), Trolling und Hate Speech umstandslos parallel schalten: Diese Formen könnten einander widersprechen, „aber auch und insbesondere; unterstützen, begünstigen und verstärken.“ (65)

Kritik an feministischen Positionen im Netz erklären sich die Autorinnen durch

die Herausbildung diskursiver Echokammern, in denen Positionen sich zuspitzen, radikalisieren und gegen andere Positionen abschotten können“ (70)

– als wäre ihr eigener Text nicht ein Paradebeispiel für diskursive Abschottung. Ihre eigene Aufgabe hingegen sehen sie „ganz im Sinne einer aufgeklärten Gegenöffentlichkeit“ darin, „neue Räume der Reflexion zu schaffen und emanzipatorische Anliegen zu formulieren.“ (73)

Wenn aber andere als feministische Positionen in offenen Debatten artikuliert werden, dann nehmen die Autorinnen das wahr als

Penetranz, mit der antifeministische Akteure (ausnahmsweise mal nicht: „Akteur_innen“, L.S.) anderen ihre Kommunikation aufdrängen“ (69).

 

Wie Thomas Gesterkamp einmal Killerschafe enttarnte

Das folgt einem Programm, das der femininistische Journalist Thomas Gesterkamp formuliert hat. Um Kritiker des Feminismus müsste ein „cordon sanitaire“ gelegt werden, als handle es sich bei ihnen um ansteckende Krankheiten – und es müsse ÜBER sie, aber nicht MIT IHNEN geredet werden.

Gesterkamp hat vor einer Weile in der taz Initiativen wie das „Forum soziale Inklusion“, das sich für eine gleichrangige Beachtung von Jungen und Mädchen, Männern und Frauen in der Geschlechterpolitik einsetzt, als eine Ansammlung von „Frauenhassern“ diffamiert. Natürlich ist es theoretisch irgendwie möglich, dass das Forum und andere genannte Gruppen tatsächlich geschickt getarnte Frauenfeinde sind, die hinter einer egalitären Rhetorik tiefen Hass verstecken. Nur müsste Gesterkamp dafür dann eben irgendeinen empirischen Beleg anführen.

Das aber macht er wie selbstverständlich nicht – sein Vorwurf basiert offenbar allein auf seiner eigenen Definition, dass geschlechterpolitische Positionen, die nicht explizit feministisch sind, frauenfeindlich sein müssen.

„Achtung, nimm dich vor dem Schaf da vor in acht. Das ist ein getarnter Löwe.“ –

„Also, für mich sieht es aus wie ein ganz normales Schaf.“ –

„Da siehst du, wie recht ich habe! Denn dass es sich so perfekt getarnt hat, macht es ja nur umso gefährlicher!! Lauf, lauf so schnell du kannst. Sonst sind wir verloren!!!“

In Gesterkamps eigenen Worten klingt das so:

Wer in der Politik, in Stiftungen, Verlagen, Forschungsinstituten oder Universitäten mit getarntem Antifeminismus zu tun hat, sollte das Verwirrspiel durchschauen – und dem Maskulinismus keine Bühne bieten.“

Nur mit dem geübten Blick erfahrener Wissenschaftler_innen und Journalist_innen lässt sich die immense Gefährlichkeit dieses Tieres erkennen.

Es ist kein Zufall, dass er ebenso wie Ganz und Meßmer überhaupt keine seriösen empirischen Belege für die Aburteilung seiner Gegner anbietet. Wer nicht MIT anderen redet, sondern nur ÜBER sie, der redet eben schließlich auch nicht über SIE, sondern über seine eigenen Projektionen und Fantasien – über sich selbst.

Schließlich werden die ANDEREN, die GEGNER dann nämlich gar nicht mehr als eigenständige Mit-Akteure wahrgenommen, nicht als Subjekte, die sich selbst wahrnehmen und von denen wiederum Akteure wie Gesterkamp und Hark und Villa auch wahrgenommen werden.

Ausgerechnet ein Milieu, das einst zum langen Marsch durch die Institutionen antrat, ist so heute sorgfältig mit der Abdichtung von Institutionen beschäftigt. Das ist gleichwohl kein Grund, nun generell die „Achtundsechziger“ abzuurteilen, ganz im Gegenteil. Der Begriff „Aufbruch“ ist schließlich mehrschichtig: Er steht ebenso für das Aufbrechen erstarrter Verhältnisse ebenso wie dafür, dass Menschen sich auf den Weg machen. Angesichts der Abdichtung institutioneller Positionen, für die Hark und Villa als Wissenschaftlerinnen ebenso wie Gesterkamp als Journalist stehen, würde uns ein wenig der Aufbruchsstimmung sehr gut tun, von der die Sechziger und Siebziger Jahre geprägt waren.

 

Wie zwei ganz ähnliche Fragen zwei ganz unterschiedliche Bedeutungen haben können

Warum es dazu nicht kommt, lässt sich mit einem kuriosen Beispiel erklären, das ich von der Seite der Male Feminists Europe übernommen habe. Natürlich gab es auch von dieser Seite keine Antwort auf den ganz sicher doch penetranten Kommunikationsversuch, den ich hier unternommen hatte. Warum eigentlich nicht?

Auf der Seite schreibt Jo von Beust über Männerbewegungen der Achtziger und Neunziger Jahre, die es versäumt hätten, sich die eine wirklich essentielle Frage zu stellen:

Was ist mit den Frauen?“ (Because, the search for “real” manhood failed to ask that one essential question: what about the women?)

Das Gegenstück, die Frage “What about the men?”, kommt bei von Beust nur mit einer bezeichnenden Bedeutungsverschiebung vor: Er fragt nicht danach, wie es Männern geht – sondern warum sie sich in feministischen Bewegungen nicht starker engagierten.

Deutlicher noch wird Robert Franken, Initiator der Male Feminists Europe-Plattform, in einem Beitrag für die SPD-Zeitung vorwärts.

Sehr häufig hören und lesen wir das Argument, Männer seien das eigentlich diskriminierte Geschlecht. Meist wird in diesem Zusammenhang auf die höhere Selbstmordrate, die geringere Lebenserwartung und die schlechteren Chancen nach einer Trennung hingewiesen. Dass all diese Themen ihre Gründe auch und vor allem in der systematischen Diskriminierung von Frauen haben, wird dabei gerne übersehen. Aber mit „Whataboutism“ (also mit der Ablenkung von Missständen mittels der Frage „Was ist eigentlich mit…?) kommen wir nicht weiter.“

Die Frage „What about the women?“ ist  also ausdrücklich „essentiell”, die Frage „What about the men?” ist hingegen ausdrücklich eine „Ablenkung” von den wirklich wichtigen Themen.

Das Problem dieser Haltung ist nicht, dass es Männer sind, deren Belange hier ausdrücklich als unwichtig abgetan werden – sondern dass Menschen überhaupt in Gruppen eingeteilt werden, um ihre Interessen dann radikal unterschiedlich zu gewichten. Es wäre ebenso fatal, wenn es zum Beispiel Frauen oder Schwarze wären, deren Interessen als Ablenkung von den eigentlich wichtigen Themen präsentiert würden.

Wer Menschen so radikal und grundlegend in unterschiedliche Gruppen einteilt, der nimmt nicht mehr wahr, was für eine sinnvolle Kommunikation unerlässlich ist: Nämlich dass alle Beteiligten sich bei aller Verschiedenheit ihrer Perspektiven doch auf dieselbe, gemeinsame Wirklichkeit beziehen.

Das untergräbt demokratische Debatten ebenso wie eine seriöse wissenschaftliche Arbeit, es schafft aber Raum für beliebige Projektionen. Was die ANDEREN tatsächlich, eben „in Wirklichkeit“ denken, wird in diesem Denken ganz belanglos, weil es eben gerade gar kein Bestandteil einer gemeinsamen Wirklichkeit ist. Wie diese ANDEREN ihrerseits UNS wahrnehmen, und warum sie es tun, könne für UNSER Selbstbild gar nicht nicht relevant sein, weil es ja ohnehin nur von Feindseligkeit und Falschheit bestimmt sei.

Die empirische Wirklichkeit ist damit immer nur dann wichtig, wenn die Daten das bestätigen, was die Wohlmeinenden immer schon wissen – dass Frauen unterdrückt wären, dass Kritiker feministischer Positionen von Frauenhass getrieben wären, dass WIR für Emanzipation und offene Debatten eintreten würden. Widersprechen Daten diesen Überzeugungen, ist irgendetwas an den Daten falsch.

An die Stelle eines gemeinsamen Blicks auf die empirische Wirklichkeit tritt damit ein Spiel der Definitionen, die sich an irgendeiner Empirie gar nicht mehr beweisen müssen. Wer sich selbst als „emanzipatorisch“, „modern“, „selbstkritisch“ und „aufgeklärt“ kategorisiert, der kann Kritiker dann leicht als „anti-emanzipatorisch“ und „reaktionär“ abtun und ihre Positionen ruhigen Gewissens ausblenden.

So erscheint es dann eben nicht nur sinnlos und naiv, sondern sogar FALSCH, mit diesen Kritikern ins Gespräch zu kommen. Es ist nicht einmal nötig, sie nach gängigen Maßstäben seriös zu zitieren – jedes verfälschende Zitat legt schließlich nur ihre eigentliche Wirklichkeit frei.

Denn dass sie sich perfekt tarnen können, macht sie ja nur umso gefährlicher.

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20 Comments

  • Bin auch gerade mit meinem Blogspot zum „Actionday contra Maskunazis“ fertiggeworden ( schwitz! ):
    https://fietes2groschen.blogspot.de/2017/12/ab-5uhr45-wird-zuruckgegendert.html

    Übrigens:
    „Wer Menschen so radikal und grundlegend in unterschiedliche Gruppen einteilt, der nimmt nicht mehr wahr, was für eine sinnvolle Kommunikation unerlässlich ist: Nämlich dass alle Beteiligten sich bei aller Verschiedenheit ihrer Perspektiven doch auf dieselbe, gemeinsame Wirklichkeit beziehen.“

    Eben deshalb wird eine gemeinsame Wahrnehmung, besser ein gemeinsamer Wahrnehmungsbereich, von den Femigenderisten ja schon traditionell vehement bestritten.
    Man könnte sagen, „den grünen Würfel“ gibt es nicht!
    Es gibt nur „eine wunderschöne grasgrüne Skulptur“ ( Aussage einer Studentin für Modedesign und Gender an der HU-Berlin ),
    oder „den grausligen Betonklotz, der meine Alp verschandelt“ ( Aussage Almödi ).

    Ergo: „Eine gemeinsame Schnittmenge der relativ gut objektivierbaren Realität ist unmöglich!“
    ( is klar, nä? )

    Anders ist so eine Aufstellung von Feindbildern und die Verschiebung jeglichen Inhalts in dieselben wohl kaum möglich.

    Noch kürzer: Artifiziell generierte kognitive Dissonanzen als Universal-Wunderwaffe!

  • „Dass all diese Themen [Trennungsungleichheit] ihre Gründe auch und vor allem in der systematischen Diskriminierung von Frauen haben…“
    Der Mann ist ja niedlich, was bedeutet das denn genau? Früher bekam der die Kinder zugesprochen der an der Zerrüttung keine Schuld trug. Dann die Frau, weil sie es auch so wollte. Und auch heute schreien Frauen ja nicht, nimm die Kinder ich die Karriere, sondern ich will Kinder, vollen Unterhalt, Zeit für die Erziehung und Karriere… Er lebt in einer Wirklichkeit die nicht von dieser Welt ist…

  • Einerseits ist es bewundernswert, wie Lucas Schoppe die Genderideologistinnen argumentativ auseinander nimmt.
    Andererseits ist gegen einen machtvollen verstaatlichten institutionellen Chauvinismus eigentlich kein Kraut gewachsen.
    Universitäten verbreiten gefährlichen Unsinn und dienen zur einseitigen Hetze.
    Der Ort unserer „geistigen Elite“ verkommt immer mehr zu einem Ort plumper manipulativer gruppendynamischer Agitation, die keinen Widerspruch duldet.
    Diese totalitäre „Meinungshoheit“, gepaart mit einer fast schon selbstverständlichen denunziatorischen Aggressivität,erinnert leider sehr an längst überwunden geglaubte Zeiten.
    Es bleibt zu hoffen, dass dieser intellektuell schlecht verpackte Hass gegen e i n Geschlecht sich durch seine eigene Agitation selbst entlarvt, bevor der gesellschaftliche Schaden noch größer und vor allem Menschlichkeit und Mitgefühl für b e i d e Geschlechter vollkommen auf der Strecke bleibt.

  • Zum Thema Gesterkamp fand ich eine interessante Selbstbeschreibung anlässlich seines Vortrages am 13.11 in Augsburg:
    „Die “neuen Väter” sind eine Suchbewegung der Mittelschicht nach einem alternativen Karriereweg, der neben der “Hauptsache Arbeit” auch Fürsorge integriert. In anderen sozialen Milieus führt die “Krise der Kerle” dagegen zu starker Verunsicherung, die sich in dem Wunsch nach Rückkehr zu festgelegten Geschlechterrollen oder gar in antifeministischem “Maskulinismus” ausdrückt.

    Emanzipatorische Männerpolitik ist dialogisch orientiert und will mit Frauen kooperieren. Der Dachverband Bundesforum Männer repräsentiert diese Mehrheitsströmung. Die selbst ernannte “Männerrechtsbewegung” ist eine vor allem im Internet präsente Minderheit, sie prägt weder die staatliche noch die zivilgesellschaftliche Männerpolitik.“
    http://www.uni-augsburg.de/einrichtungen/gleichstellungsbeauftragte/downloads/flyer_maennertag_2017.pdf
    Interessant fand ich die Selbstbeschreibung der „neuen Väter“ als Angehöriger einer elitären Gruppe die sich in der Mittelschicht ortet – also eindeutig eine Minderheit, die über die „Krise der Kerle“ in anderen sozialen Milieus – also auch bei den Geringverdienern, d. h. die Mehrheit der Männer – philosophieren.
    Die Geringschätzigkeit dieser Minderheit gegenüber der restlichen Männer ist einfach unerträglich.

    • @Michael Baleanu:

      »Die Geringschätzigkeit dieser Minderheit gegenüber der restlichen Männer ist einfach unerträglich.«

      Ist ja »nett«, dass Gesterkamp das so deutlich ausspricht. Klarer kann man kaum sagen, dass Feminismus eine Form von »Klassenkampf von oben« ist. Geschlechterrollen als klassenspezifisches Distinktionsmerkmal, wie direkt bei Bourdieu entnommen.

      Feminismus verkörpert das intellektuelle Elend einer Gesellschaft, die an ihrer eigenen Unfähigkeit zur Gesellschaftskritik verzweifelt.

  • Ich muß jetzt doch noch mal meckern. Im Zitat oben schreiben die seriösen Wissenschaftlerinnen Kathrin Ganz und Ann-Katharina Meßmer:

    „Die Hashtag-Kampagne auf Twitter, im Zuge derer Nutzer_innen Erfahrungen mit sexueller Gewalt teilten, wird in maskulistischen Kreisen als Simulation bewertet, […]“

    Darauf kommt dann etwas später die Replik von Schoppe: „Mir ging es natürlich niemals darum, Frauen das Recht auf eine offene Artikulation ihrer Erfahrungen abzusprechen […]“

    Was hier verloren geht, ist eine dreiste Implikation der Rede von Erfahrung. Wenn Feministen von der „Hashtag-Kampagne auf Twitter“ reden, „im Zuge derer Nutzer_innen Erfahrungen mit sexueller Gewalt teilten“, dann legen sie sich darauf fest, daß diese Postings der Nutzer_innen der Wirklichkeit entsprechen: sie verbürgen sich für deren Wahrheit – ohne Prüfung, ohne Belege, ohne Verifikation. Und hier sollte man als Leser natürlich sofort nachfragen: Wie glaubwürdig sind diese „Erfahrungen“ wirklich?

    Wenn Schoppe dagegen vom Recht der Frauen „auf eine offene Artikulation ihrer Erfahrungen“ spricht, dann meint er – hoffentlich – einfach nur, daß Frauen ein solches Recht natürlich zusteht – wobei es eine offene Frage ist, ob so eine Artikulation auch den Tatsachen gerecht wird, ob dabei auch wirklich die Wahrheit gesagt wird.

    Man kann diese Zweideutigkeit vielleicht an einem analogen Fall noch deutlicher machen: Wenn Feministinnen sagen: „So-und-so viele Vergewaltigungen werden angezeigt, aber nur so-und-so viele Fälle werden abgeurteilt“, dann meinen sie nicht nur: Es gab so-und-so viele Anzeigen wegen Vergewaltigung, sondern sie legen sich obendrein darauf fest, daß diese angezeigten Vergewaltigungen auch wirklich stattgefunden haben. Diese Implikation ist nicht so deutlich, wird aber durch den Kontext solcher Äußerungen manifest.

    Wenn man nun sofort auf das Verhältnis von Anzeigen und Aburteilungen eingeht, dann bleibt diese Implikation der Feministinnen unwidersprochen, sie wird stillschweigend akzeptiert. Und das sollte man unbedingt vermeiden. Wenn Feministinnen der Meinung sind, es habe so-und-so viele Vergewaltigungen gegeben (obwohl die Zahl der Aburteilungen weit darunter liegt) – bitte schön, aber dann sollen sie Belege präsentieren: sie sollen verifizieren, daß in den-und-den Fällen Vergewaltigungen stattgefunden haben, obwohl – trotz entsprechender Anzeige – keine Aburteilung erfolgt ist.

    Analog bei der Rede von der Erfahrung mit sexueller Gewalt. Wenn Feministinnen meinen, all diese Postings der Hashtag-Kampagne würden tatsächlich vollzogene sexuelle Gewalt wahrheitsgetreu artikulieren – bitte sehr, aber dann will ich dafür Belege sehn: für jeden einzelnen Fall.

    Schoppe ist – zu Recht – so sehr damit beschäftigt, das sinnentstellende Zitat der seriösen Wissenschaftlerinnen Ganz und Meßmer zu entlarven, daß er nicht merkt, daß er diesen beiden Wortverdrehern ein Zugeständnis macht, daß er – finde ich jedenfalls – besser nicht machen sollte: daß alle (relevanten) Postings der besagten Hashtag-Kampagne auf Twitter auch der Wahrheit entsprechen.

    • Da zu hatte Th. Fischer ja letztens schon einiges erklärt. Unter anderem, daß die Femis von den Zahlen und Begriffen sowieso nix verstehen, weshalb ihre Angaben Schrott sind.
      Beispiel Aburteilungen: Das heißt nicht, daß diese Leute zu einer Strafe VERurteilt wurden, sondern erfasst auch die Freisprüche. Dazu sind dann noch die Zahlen von POolizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten zu unterscheiden, da die z.T. andere Begrifflichkeiten verwenden u.s.w.
      http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-12/sexualstrafrecht-sexismus-debatte-zahlen
      ( Man muß sich anmelden um den Artikel lesen zu können, lohnt sich in dem Fall aber )

      • Ja, wichtig! Ich bin auf diese Feinheiten in meinem Beitrag oben nicht eingegangen, weil es dann unnötig kompliziert geworden wäre. Ich hoffe mal, mein wesentlicher Punkt kommt trotzdem überzeugend rüber 😉

    • @Jochen Schmidt:

      Diese »Wahrheitsfrage« kam ja kürzlich auch schon in der Diskussion mit ClaudiaBerlin auf. Ich finde da ein Zitat sehr aufschlussreich, das Arne heute aus der »Augsburger Allgemeinen« wiedergegeben hat (bezieht sich auf Schweden):

      »Die MeToo-Kampagne schlägt derzeit in dem schon jetzt feministisch geprägten Land viel größere Wellen als andernorts in Europa.. Hunderte von Frauen berichteten derzeit täglich in sozialen und klassischen Medien (…), dass sie beim Akt zwar völlig gegenwärtig waren, aber psychisch „eingefroren“ und es ihnen deshalb nicht möglich war „nein“ zu sagen. Zudem, so berichtet etwa eine Politikerin der Grünen anhand eigener Erfahrungen offen auf Facebook, würden Frauen auch erst Tage oder Wochen nach dem Sex bewusst, dass sie eigentlich vergewaltigt worden sind.«

      Auch Wahrnehmung wird ja interpretiert und ist ein Stück weit davon abhängig, wie sie sozial ausgelegt wird. Ein Satz wie »Du bist ja doof, wenn Du das mit Dir machen lässt!« kann eine wichtige Hilfestellung sein, aber auch eine Einladung zur Hysterie. Insofern führt die Frage, was »wirklich die Wahrheit« ist, für viele Erfahrungen in die Irre, weil es sich tatsächlich um eine Auseinandersetzung über die Geltung von Normen handelt: wie soll ich eine bestimmte Erfahrung bewerten, bzw. wieviel Gestaltung von zwischenmenschlicher Kommunikation darf ich der Eigenverantwortung der Kommunizierenden überlassen, und wieviel davon muss ich juristischer Normierung unterwerfen.

      Und für den Feminismus ist jede Ausweitung der juristischen Normierung gleichbedeutend mit einer Ausweitung der eigenen Kompetenzen. Das ist eigentlich ein ganz klassischer Max Weber: die These von dem der Bürokratie inhärenten Streben nach Ausweitung der eigenen Zuständigkeit.

      Es ist ein bißchen wie das Verhältnis von Markt und Staat – nur mit dem im Grunde schon perversen Unterschied, dass wir den ökonomischen Bereich immer weiter deregulieren, während wir den kulturellen Bereich immer stärker überregulieren. Unsere Gesellschaften sind in immer stärkerem Maße ökonomisch permissiv und kulturell repressiv.

      • „Auch Wahrnehmung wird ja interpretiert und ist ein Stück weit davon abhängig, wie sie sozial [!!!] ausgelegt wird. […] Insofern führt die Frage, was »wirklich die Wahrheit« ist, für viele Erfahrungen in die Irre, weil es sich tatsächlich um eine Auseinandersetzung über die Geltung von Normen [!!!] handelt: wie soll ich eine bestimmte Erfahrung bewerten, bzw. wieviel Gestaltung von zwischenmenschlicher Kommunikation darf ich der Eigenverantwortung der Kommunizierenden überlassen, und wieviel davon muss ich juristischer Normierung unterwerfen.“

        Hammer! Daran hatte ich noch gar nicht gedacht!

        „… Unsere Gesellschaften sind in immer stärkerem Maße ökonomisch permissiv und kulturell repressiv.“

        Interessante Beobachtung – aber es gibt auch Gegen-Tendenzen, z. B. die gesetzlichen, aber auch die freiwilligen Gender-Quoten in der Wirtschaft (Vorstände der DAX-Unternehmen einerseits, Personalpolitik der größeren Firmen andererseits).

        Diese Quoten für die Wirtschaft wären also Beispiele für eine Regulierung der „freien“ Marktwirtschaft. Dennoch scheint mir die übergreifende Tendenz so, wie Du sagt: In der Wirtschaft ist zunehmend alles erlaubt, in der Kultur ist immer weniger erlaubt.

        Stimmt es eigentlich, daß Schoppes Blog in Wirklichkeit nichts weniger als einer Internet-Uni ist? 😉

        • @Jochen Schmidt:

          Danke – die »Internet-Uni« fasse ich mal als Kompliment auf. 🙂 Die Quoten in der Wirtschaft sind m. E. eher ein Indiz dafür, dass die Kompatibilität von Feminismus und Marktradikalismus eben aus keinem gesteuerten »Masterplan« hervorgeht, sondern dass ein paar Kollisions- und Reibungsflächen übrigbleiben. Ich denke, dass Quoten dort entweder umgangen werden oder ihnen widersprochen wird, wo sie sich als echte Produktivitätsbremse erweisen – es wurde wohl auch schon der Vorwurf erhoben, sie würden in »der Wirtschaft« weitgehend ignoriert.

          Und vielleicht bietet die Kollision von Quoten mit betrieblichen Realitäten ja auch tatsächlich ein Widerstandspotenzial.

    • Noch eine kleine Ergänzung, leicht OT, weil ins Grundsätzliche gehend:

      Der Zusammenhang von ökonomischer Permissivität und kultureller Repression besteht nicht zufällig: er hat seinen Urprung darin, dass der für die ökonomische Permissivität vorausgesetzte homo oeconomicus selbst nicht dem »Naturzustand« des Menschen entspricht (diese Unterstellung der ökonomischen Theorie ist historisch und anthropologisch falsch), sondern im Gegenteil eine kulturell hochgradig normierte »Figur« ist.

      Bei der Bewertung dieser Figur muss man wiederum beachten, dass sie nicht ausschließlich repressive Aspekte aufweist, sondern dass ein Teil davon auch als zumutbare, vernünftige, eigenverantwortliche und emanzipierte Sorge um sich selbst gesehen werden kann. Dieser Gedanke setzt jedoch voraus, dass das moderne Individuum nicht nur über die persönlichen, sondern auch über die gesellschaftlichen Bedingungen des eigenverantwortlichen Handelns hinreichend verfügen kann, dass also keine nennenswerten Umstände von »Entfremdung« dazwischentreten.

      Das ist der Punkt, an dem die ursprüngliche marxistische Kritik zu ihrem Recht kommt, die beanstandet hatte, dass der allgemeine Begriff des (ökonomischen) Menschen an einem Typus des Bürgers orientiert war, über dessen Entscheidungsautonomie eine Mehrheit der Bevölkerung nicht verfügte.

      In der fortgeschrittenen Industriegesellschaft hat sich – bei vergleichsweise hohem materiellem Niveau der Zivilisation – diese Problematik nicht aufgelöst, sondern nur verlagert: auf Segmente der Bevölkerung, die die vom Modell des homo oeconomicus vorausgesetzte Selbstdisziplinierung nicht leisten wollen oder können. Denn dieses Modell ist auf gesellschaftliche Milieus mit hohem kulturellem Kapital zugeschnitten – z. B. auf die Gesterkamps, die sich darauf etwas einbilden. Darüber hinaus ist es auch auf Bedingungen zugeschnitten, in denen disziplinierte Arbeit sich materiell lohnt und nicht nur zum Phänomen der »working poor« führt.

      Im unteren Drittel moderner »Zweidrittelgesellschaften« dagegen lohnt sich Arbeit entweder nicht, oder die Menschen sind mit den damit einhergehenden Selbstdisziplinierungszumutungen objektiv überfordert (diese Variante findet man bei Didier Eribon oder Alain Ehrenberg beschrieben). Die oberen zwei Drittel sind diesbezüglich besser aufgestellt, aber darum trotzdem nicht frei von Abstiegs- und Versagensängsten.

      Solche Ängste und Verunsicherungen wachsen wiederum an, wenn die Ökonomie Krisentendenzen zeigt und die früheren Wohlstandsversprechen gegen Durchhalteparolen ausgetauscht werden. Wenn nun einer solchen Gesellschaft obendrein eine kritische Gesellschaftstheorie abhanden gekommen ist, weil sie die ideologische Monokultur, in der sie lebt, mit einem postideologischen Zeitalter verwechselt, dann erscheint ihr die Krise der Gesellschaft als eine Krise der Selbstdisziplinierung und der Moral. Denn das sind die Begriffe, die ihr als gleichsam natürliche Begriffe anschaulich und intuitiv übrig bleiben, wenn die analytischen Begriffe verlorengegangen sind.

      Und das ist die Nische, die von den feministischen Lobbys und Netzwerken und ihrem Satellitensystem der »Social Justice Warriors« besetzt wird, weil sie als »Moralunternehmer« darin erst richtig aufblühen. Lautete die Parole vor gut hundert Jahren, dass die »soziale Frage« die »Judenfrage« sei, so lautet sie heute: »die soziale Frage ist die Männerfrage«. Der Zivilisationsschädling ist identifiziert, wenn man ihn bekämpft, werden sich die Verhältnisse wieder bessern.

      Das ist der weitere Kontext, in dem in Schweden die #metoo-Hysterie jetzt offenbar die Starttemperatur der Kernschmelze erreicht hat. Der engere Kontext sind die bevorstehenden Wahlen, in deren Vorfeld die Politiker Kompetenz simulieren müssen, und in Ermangelung realer Problemlösungsfähigkeit bleibt hierfür nur noch die moralische Überbietung übrig.

      Es wird gespenstisch, Leute!

      • Wenn der Begriff „Kernschmelze“ stimmt, dann kann es nur heißen, daß hier etwas an der eigenen Überhitzung zugrunde geht. Auch die Formulierung „gespenstisch“ deutet auf das Ende einer Jahrzehnte langen Hausse.

  • „Es ist beruhigend zu wissen, dass dieses Blog hier auch in seriösen wissenschaftlichen Publikationen zitiert wird.“

    🙂 ich liebe ja Sarkasmus, bei dem nicht restlos klärbar ist, welcher Stellen sarkastisch gemeint sind.

  • Noch mal zu dem Satz

    „Mir ging es natürlich niemals darum, Frauen das Recht auf eine offene Artikulation ihrer Erfahrungen abzusprechen…“

    Hierzu passen übrigens diverse Anpreisungen der Kampagnen, das bisherige Schweigen der Frauen werde hier endlich!! gebrochen (trotz der ca. 40 Kampagnen in den letzten Jahren… Kommentar überflüssig. Nicht zu reden vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit).

    Ich frage mich gerade, ob diese „offene Artikulation eigener Erfahrungen“ als Wirkung von Kampagnen zählt oder ob sie etwas ganz anderes ist. Ich habe hier versucht, die unterschiedlichen direkten und indirekten Wirkungen der Kampagnen zu unterscheiden.

    In diesem Kontext sind die beiden bisherigen Einwände bzw. Einordnungen zur „offenen Artikulation eigener Erfahrungen“ interessant:

    1. Wahrheitsgehalt: der Wahrheitsgehalt der „Aussagen“ in den Tweets bleibt offen, sofern überhaupt vorhanden (nur MeToo!! sagen ist gar keine Aussage). Die Frage des Wahrheitsgehalts ist nur relevant, wenn man die Kampagnen als empirischen Nachweis eines sozialen Phänomens (das man negativ beurteilt, also als Problem ansieht) ansieht. Es geht hier also um die Bewertung der Kampagnen und die ggf. Anerkennung als Ersatz für empirische Sozialforschung und als Basis für politische Entscheidungen, z.B. schärfere Gesetze gegen Männer.

    2. die nachträgliche moralische Bewertung von früheren Erlebnissen, die erst später als positive oder negative Erfahrungen gedeutet werden. Ziel ist also die Verschiebung von Bewertungsrahmen der betroffenen Personen, also Erzeugung von subjektivem Opferstatus. Beispiel: Der legendäre Bauarbeiterpfiff war früher mal ein Kompliment, heute ist er ein grauenhafter Sexismus. D.h. ein soziales Problem wird hier wieder mal sozial konstruiert.

    Und dann noch eine Anmerkung zur „offenen Artikulation“: Nicht nur im Speakers‘ Corner im Hyde Park, sondern auch hier kann eigentlich jeder seine Erfahrungen und Meinungen laut verkünden, wir haben das Grundrecht auf Meinungs[äußerungs]freiheit, übrigens auch für unsinnige Meinungen. Wir haben aber kein Recht darauf, Zuhörer zu haben und beachtet zu werden, eine reichweitenstarke mediale Plattform benutzen zu dürfen und im Endeffekt sehr wahrscheinlich die öffentliche Meinung in eigenen Sinne zu verändern. Letzteres ist aber das eigentliche Ziel der Kampagnen, das Argument „offene Artikulation eigener Erlebnisse“ ist nur ein Vorwand, diese Artikulation könnte man auch woanders einfacher haben.

    Insofern ist auch die Forderung nach einer ungestörten „Artikulation von Erfahrungen, die an feministische Diskurse anschlussfähig sind“, verlogen. Es geht nicht um irgendeine Artikulation im Hinterzimmer, sondern um Meinungsmache und mediale Macht.

    • „Insofern ist auch die Forderung nach einer ungestörten „Artikulation von Erfahrungen […] verlogen. Es geht nicht um irgendeine Artikulation im Hinterzimmer, sondern um Meinungsmache und mediale Macht.“

      Sehr guter Punkt!

      Hieran anschließend kann man auch die folgende Aussage der beiden Wortverdreherinnen Ganz und Meßmer widerlegen:

      „Antifeministische Argumentationen unterbrechen die Artikulation von Erfahrungen, die an feministische Diskurse anschlussfähig sind.“ (siehe Zitat oben)

      Wieso „unterbrechen“ antifeministische Argumentationen irgend etwas, z. B. die Artikulation der besagten Erfahrungen? Wenn bspw. ich eine anti-feministische Argumentation vorbringe, dann unterbreche ich damit doch nicht die Beiträge der #Aufschrei-Kampagne, ebenso wenig die Beiträge der #MeToo-Kampagne. Natürlich könnte ich mich gerade in einer Diskussion mit einer Person befinden, die gerade solche Erfahrungen zu artikulieren versucht, und ich unterbreche sie damit, daß ich eine anti-feministische Argumentation vorbringe. Ich könnte sie freilich ebenso gut unterbrechen, indem ich gleichfalls eine dieser besagten Erfahrungen artikuliere. Ich könnte sie auch damit unterbrechen, daß ich anfange zu jodeln.

      Allgemein verlaufen diese Debatten aber über viele Kanäle und mit vielen Stimmen. Und wenn im einen Kanal artikuliert wird und im anderen Kanal argumentiert wird, dann unterbricht die Argumentation mitnichten die Artikulation.

      Somit gilt nur in Ausnahmefällen, daß die Artikulation von irgendwelchen Erfahrungen wirklich „unterbrochen“ wird durch das Vorbringen von anti-feministischen Argumentationen. Und selbst in diesen Ausnahmefällen, ist es eine offene Frage, ob es wirklich verwerflich ist, diese Artikulation zu unterbrechen – schließlich könnte diese Artikulation wahrheitswidrig erfolgen (erfolgt sein).

      Besonders dreist ist es, daß die Feministinnen Ganz und Meßmer ihre zweifelhafte Aussage nun ausgerechnet mit dem Verweis auf die #Aufschrei-Debatte begründen:

      „Besonders deutlich wurde dies in der #Aufschrei-Debatte, in der wiederholt die antifeministische Argumentation auftauchte, bei einem großen Teil der Anzeigen von Vergewaltigungen und Nötigung handele es sich um rachegetriebene Falschbeschuldigungen […]“ (siehe Zitat oben)

      Im Gegenteil, die #Aufschrei-Debatte ist der schlagende Beweis dafür, daß anti-feministische Argumentationen gar nichts unterbrechen, schon gar keine feministischen Kampagnen. Denn diese Debatte ist ja unaufhaltsam weiter gelaufen, obwohl dabei auch anti-feministische Kritik vorgebracht worden ist. „Besonders deutlich wurde“ an der #Aufschrei-Debatte somit das Gegenteil dessen, was unsere Feministinnen behaupten.

      • „Antifeministische Argumentationen unterbrechen die Artikulation von Erfahrungen, die an feministische Diskurse anschlussfähig sind.“

        Dieser Satz ist reichlich verklausuliert, und sein Kontext ist nicht klar formuliert. Ich verstehe den Kontext so: Die beiden Aktivistinnen sehen sich in der Rolle des Missionars, der die Segnungen der feministischen Ideologie (in Form von feministischen Dogmen, Überzeugungen etc., a.k.a. „feministische Diskurse“) unters Volk bringen will.

        Hierzu zettelt man eine Twitterkampagne an, in der auch Michaela Mustermann ihre privaten Ärger „artikulieren“ und an die i.d.R. unscharfen und daher sehr anschlußfähigen Begriffe der Kampagne andocken kann.

        „Artikulation von Erfahrungen“ ist hier eigentlich der Prozeß, in dem Michaela Mustermann immer mehr zur Überzeugung kommt, daß der Feminismus ihre Probleme verstanden hat, auf ihrer Seite steht und die Probleme lösen wird. Gemeint ist also der Prozeß der feministischen Christianisierung.

        Und hier grätschen nun die Antifeministen herein und weisen auf den einen oder anderen inneren Widerspruch oder Anzeichen von Männerhaß in Form „rachegetriebener Falschbeschuldigungen“ hin. Sie „unterbrechen“ also den Prozeß der feministischen Bekehrung, und zwar vermutlich nicht ganz erfolglos.

        Anders ergibt das „Unterbrechen der Artikulation von Erfahrungen“ für mich keinen Sinn. Denn einzelne Tweets oder die Kampagne als solche kann man nicht unterbrechen, wie schon oben dargestellt.

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