Diskriminierung Familie Gleichberechtigung Väter

Wie aus Rechten Privilegien werden

geschrieben von: Gwenny

Die rechtliche Situation von Vätern in Deutschland hat sich in den letzten Jahren gebessert. Natürlich gibt es nach wie vor große Defizite, doch es ist immerhin ein Anfang. Nur was fängt man an mit Rechten, die eigentlich nur auf dem Papier welche sind und deren Durchsetzung so immens erschwert wird, das viele Väter auf halber Strecke entmutigt und zermürbt und aus Sorge ums eigene Kind aufgeben?

 

Bevor ich anfange, möchte ich mich hier nochmal ganz herzlich bei Lucas dafür bedanken, dass er mir die Möglichkeit gibt, diesen Text auf seinem Blog zu veröffentlichen.

Als ich vor drei Jahren auf diesen Blog aufmerksam wurde, waren es insbesondere die Beiträge, die sich mit den Rechten von Vätern beschäftigten, die mich packten und den Blog immer wieder aufrufen ließen. Das ist ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt. Zum einen, weil ich nie daran gezweifelt habe, dass zu einem glücklichen Kind nicht nur eine Mutter, sondern auch ein Vater gehört und dass Väter ihren Kindern ebenso viel Liebe und Fürsorge zukommen lassen können wie Mütter und zum anderen, weil es in meiner Familie einen schweren Fall von Kindesentziehung gab, der mich in meiner Einstellung zu dem Thema tief geprägt hat. Für mich war darum auch schnell klar, dass ich mich in meinem ersten Beitrag auf diesem Blog ebenfalls mit den Rechten von Vätern auseinandersetzen wollte. Die meisten unter euch, die Beiträge von Lucas und Mark schon länger verfolgen, werden aus meinem Text wohl eher keine neuen Erkenntnisse gewinnen können, allerdings möchte ich auch erst einmal meine eigenen Erfahrungen und Ansichten zum Thema schildern, um zu zeigen, wo ich überhaupt in der ganzen Sache stehe und wie ich dorthin gekommen bin.

 

Wie man es richtig machen kann…

Als ich fünf Jahre alt war, trennte sich meine Mutter von meinem Vater. Meine damals achtjährige Schwester und ich blieben bei meiner Mutter, unser Vater zog erst für eine kurze Zeit zu seinen Eltern und dann in seinen etwa 60km entfernten Geburtsort zurück. Zur Zeit der Trennung war das Verhältnis zwischen meinen Eltern (scheinbar) hoffnungslos zerrüttet. Meine Mutter hatte zurecht sehr viel Wut auf meinen Vater, zeigte das uns Kindern gegenüber jedoch nie.

In den folgenden Jahren setzte sich meine Mutter mindestens jedes zweite Wochenende mit uns in den Zug und fuhr mit uns zu meinem Vater. Trotz erheblichen Geldmangels, den sie auch mit drei Putzstellen kaum auffangen konnte und obwohl mein Vater während des ersten Jahres nach der Trennung keinen Unterhalt zahlen konnte. Für mich war das selbstverständlich und ich wäre höchst entsetzt gewesen, wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass das in vielen Trennungsfamilien nicht so gehandhabt wird. Nach drei Jahren zog mein Vater zurück in unseren Wohnort, ein knappes halbes Jahr später fanden meine Eltern wieder zueinander.

Einige Jahre später erzählte mir mein Vater, wie er in den ersten Monaten nach der Trennung ein Erstgespräch mit einer Psychotherapeutin gehabt hatte (Die Trennung löste bei meinem Vater eine schwere Depression aus) und wie sie während dieses Gesprächs immer wieder darauf zu sprechen gekommen war, wie glücklich und dankbar er dafür zu sein habe, dass seine Noch-Ehefrau ihm zugestand trotz der Trennung eine so große Rolle im Leben seiner Töchter zu spielen. Er meinte zu mir, er hätte während des gesamten Gesprächs auf die Frage gewartet, wie er es unter diesen Umständen wagen könnte, einfach depressiv zu werden.

Natürlich war er dankbar, sagte er mir im Anschluss und das hatte er auch der Therapeutin gesagt. Dafür, dass meine Mutter mit uns zu ihm fuhr, den Kontakt also nicht nur billigte, sondern aktiv dafür Sorge trug, dass er Teil hatte an unserem Leben. Auch dann, wenn sie sich vorher am Telefon übel gestritten hatten und auch dann, wenn sie arbeitsbedingt am Ende der Woche vor Rückenschmerzen kaum gerade stehen konnte. Aber dankbar dafür sein, dass er Kontakt zu seinen eigenen Kindern haben durfte? Nein, das sei für ihn selbstverständlich gewesen. Der Blick, den die Therapeutin ihm daraufhin zugeworfen hatte, hatte ihn dazu veranlasst, es bei diesem Erstgespräch zu belassen und sich einige Tage später bei einem männlichen Therapeuten vorzustellen.

Einige Zeit später (inzwischen wusste ich, warum es zur Trennung gekommen war) fragte ich meine Mutter, warum sie sich verhalten hatte, wie sie sich verhalten hatte. Sie sprach davon, wie sehr mein Vater sie verletzt hatte und wie wütend sie auf ihn gewesen war. Dass sie ihm manchmal am liebsten links und rechts eine geknallt hätte und dass sie es in dem ersten Jahr der Trennung kaum ertragen hatte, in seiner Nähe zu sein. Und dann sagte sie, dass ihn die Tatsache, dass er ein schlechter Ehemann gewesen sei, nicht zu einem schlechten Vater gemacht hatte und dass es ihr nicht zustand, ihm seine eigenen Kinder vorzuenthalten. Ich hielt das für normal. Inzwischen ist das nicht mehr der Fall.

 

und wie es schlimmer kaum geht.

Kurz bevor sich meine Mutter von meinem Vater getrennt hatte, trennte sich auch einer meiner Onkel väterlicherseits von seiner Frau. Auch sie hatten zwei Töchter, die etwa im selben Alter waren wie meine Schwester und ich. Die folgenden Jahre haben meinem Onkel schwer zugesetzt. Jahrelang fuhr er kreuz und quer durch Deutschland, um seine Töchter wenigstens hin und wieder zu Gesicht zu bekommen. Ebenfalls jahrelang kämpfte er vor Gericht (oder versuchte es zumindest) und sah sich fürchterlichen Vorwürfen ausgesetzt. Von Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch war die Rede und stand ein Gerichtstermin kurz bevor, zog seine Exfrau mit den Mädchen einfach in ein anderes Bundesland. Wer weiß, wie langsam die Mühlen unserer Justiz mahlen, kann sich ein ungefähres Bild davon machen, wie erfolgreich sie sich dadurch immer wieder Zeit ermogelt hat.

Irgendwann waren meine Cousinen dann plötzlich wieder da und lebten bei meinem Onkel. Die Jüngere jedoch wurde kurz nach ihrem 14. Geburtstag von ihrer Mutter von der Schule abgeholt. Heimlich hatte sie dem Mädchen in der Zeit davor Briefe geschickt, in denen sie erklärte, mein Onkel sei der Böse in der Geschichte gewesen und sie die liebende Mutter, die nur versucht hätte, ihre Kinder zu schützen.

Es dauerte mehr als zehn Jahre, bis mein Onkel seine jüngere Tochter wiedersah.

Das alles ist nun 20 Jahre her. Wann immer ich hier in diesem Blog oder auf Twitter über Berichte stolpere, in denen Väter davon erzählen, wie ihnen der Umgang mit den eigenen Kindern erschwert oder komplett entzogen wird, denke ich an meinen Onkel und bin fassungslos, dass sich seitdem kaum etwas geändert hat.

 

Gesetze zu ändern wird nicht ausreichen

Immer mehr Menschen fordern, die Rechte von Vätern zu stärken. Sowohl Männer als auch Frauen. Das ist jedenfalls das, was ich seit einer Weile beobachte. Es wird über Gesetzesänderungen gesprochen und davon, wie man Vätern dieselben Rechte geben kann, die auch Mütter haben. Die Frage, die sich mir nur immer häufiger stellt, ist: Reicht das überhaupt?

Wer sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt und bei Gesprächen dazu etwas genauer hinhört, der wird schnell merken, dass sich in unserer Gesellschaft das Bild der Mutter stark von dem des Vaters unterscheidet.

Mütter starten auf der Ziel- und Väter auf der Startlinie.“

Das sagte ein Bekannter vor einigen Jahren zu mir, als er gerade mitten im Streit um das Umgangsrecht für seinen sechsjährigen Sohn steckte. In regelmäßigen Gesprächen mit Mitarbeitern des Jugendamts, war ihm klar geworden, dass man von ihm erwartete, zu beweisen, dass er ein guter Vater war, während an der Tauglichkeit der Mutter überhaupt gar kein Zweifel bestand. Mütter sind ab dem Zeitpunkt der Geburt zuerst einmal gute Mütter. Väter sind Väter. Aber eben nur das. Ob sie gute Väter sind und in der Lage, sich um ein Kind zu kümmern, das müssen sie in den Jahren nach der Geburt erst einmal beweisen. Im Falle einer Trennung, hängt es meistens vom guten Willen der Mutter ab, ob ein Vater diese Möglichkeit überhaupt bekommt.

Wenn ich Recht bekommen will, muss ich darauf hoffen, dass sie unserem Kind schadet. Und das in einem Ausmaß, dass man es mit Überforderung allein nicht entschuldigen kann.“

Das tat er nicht. Stattdessen gab er den Kampf um sein Kind auf, weil alles was damit zusammenhing seinen Sohn schwer belastete. Als ich das letzte Mal mit ihm sprach, erzählte er mir, dass er ihn inzwischen nur noch alle paar Wochen zu Gesicht bekommt und sich sein Kind nahezu komplett von ihm entfremdet hat. Dass er während all der langen Gespräche das Gefühl hatte, man hätte ihn an der Startlinie festgekettet und dann dabei zugesehen, wie er sich abgestrampelt hatte. Und noch etwas sagte er, was mich damals erst sehr erschreckt hat. Mit jedem Gespräch und bei jedem begleiteten Umgang hätte er das Gefühl gehabt, nicht einfach nur beweisen zu müssen, dass er gut für das Kind, sondern besser als die Mutter war. So als wäre er bestenfalls ein in Frage kommender Mutterersatz, falls diese sich als Rabenmutter entpuppen würde. Solange das Kind jedoch eine liebende und fürsorgliche Mutter hatte, wozu sollte es dann ihn brauchen?

Inzwischen erschrecken mich solche Aussagen leider gar nicht mehr. Sie bestürzen mich und machen mich wütend. Erschrecken können mich hingegen nur Dinge, mit denen ich nicht rechne.

 

In einem Streit um Sorge- oder Umgangsrecht gibt es nicht nur die Mutter, den Vater und den Richter. Einer endgültigen gerichtlichen Entscheidung gehen oft und lange Beratungsgespräche voraus. Oft sind diese gerichtlich angeordnet worden und meistens werden die Ergebnisse dieser Beratungen bei einer Entscheidung vor Gericht berücksichtigt. Lucas hat seine vorwiegend schlechten Erfahrungen mit kirchlichen Beratungsstellen bereits hier geschildert und dieser Blogeintrag beschäftigt sich mit den Erlebnissen eines Vaters, der insbesondere Probleme mit staatlichen Stellen hatte. Diese Texte und viele weitere, die man im Netz findet, wenn man sich die Mühe macht zu suchen, zeigen vor allem eins:

Oft wird es Vätern beinahe unmöglich gemacht, ihre Rechte durchzusetzen. Erschwert wird das durch Strukturen, in denen das, was die Mutter sagt oder was die Mutter will immer mindestens doppelt so viel Gewicht hat, wie die Aussagen oder die Wünsche des Vaters (vorausgesetzt natürlich, der Vater hat überhaupt die Möglichkeit, sich zum Sachverhalt zu äußern ohne abgewürgt zu werden). Dass in solchen Fällen die Frauen nicht für ihre Kinder sondern gegen ihre Expartner kämpfen, wird häufig übersehen.

Wir können Vätern juristische Werkzeuge in die Hand geben (und das sollten wir auch), aber solange es Jugendamtsmitarbeiter gibt, die die Anrufe von Vätern ignorieren, Verfahrenspfleger, die den liebevollen Umgang des Vaters mit dem Kind in einen Versuch umdichten, die Mutter unter Druck zu setzen oder Mitarbeiter in Beratungsstellen, die Vätern raten, sich doch einfach ein neues Kind zu machen, statt um das eine das sie haben zu kämpfen, sehe ich schwarz. Kein Werkzeug der Welt bringt dir etwas, wenn dir auf dem Weg zur Baustelle so viele Steine in den Weg gelegt werden, dass das Werkzeug stumpf ist, bevor du nur die Hälfte der Strecke hinter dir hast.

 

Ein Beispiel

Nachdem im Jahr 2013 ein Gesetz in Kraft trat, das es unverheirateten Vätern ermöglichen soll das Sorge- und Umgangsrecht für ihre Kinder auch ohne Zustimmung der Mutter zu erhalten, schrieb Gunnar Schupelius 2014 in der BZ einen Beitrag zum Thema und schilderte dort den Fall einer Berliner Mutter:

 

Nach der Trennung vom Freund entdeckt sie, dass sie schwanger ist. Sie freut sich dennoch auf das Kind und gibt nach der Geburt den Vater an. Acht Monate später beantragt der das Sorgerecht. Umgehend wird ein Umgang des Mannes mit dem Kind, das ihn noch nie gesehen hat, erzwungen. Dazu muss die Mutter zu einer bestimmten Uhrzeit vor ihr Haus treten. Eine Helferin des Jugendamtes nimmt ihr das schreiende Bündel aus der Hand, reicht es dem Vater, der es in sein Auto steckt. Kein Übergang, kein Kennenlernen. Nach 45 Sekunden ist alles vorbei. So geht es zweimal die Woche.

Nach vier Stunden ist das Baby wieder da, durstig, denn es wird noch gestillt. Ohne erkennbaren Grund beginnt es, stundenlang zu schreien. Es schlägt seiner Mutter ins Gesicht. 15-mal bekommt es hohes Fieber ohne jede organische Ursache. Die Szenen bei der Übergabe werden immer schlimmer.


Diese Schilderung wirft Fragen auf. Angefangen damit, ob der Vater überhaupt Kenntnis von der Schwangerschaft hatte, oder ob er erst vom Kind erfahren hat, als plötzlich die Unterhaltsforderung ins Haus flatterte. Warum die Mutter den Vater nicht von Anfang an teilhaben ließ am Leben ihres Kindes und ihn dadurch zwang, den Umgang gerichtlich durchzusetzen. Hat ihr niemand gesagt, dass man Muttermilch auch abpumpen kann? Und warum wird ein eindeutiger Fehler des Jugendamtes und der Mutter dem Vater in die Schuhe geschoben? Denn wie die Übergabe des Kindes ablief, wird wohl eher eine Folge der Ablehnung der Mutter und der Versäumnis des Jugendamtes gewesen sein, dafür Sorge zu tragen, dass das Ganze in einer Art und Weise geschieht, dass es dem Kindeswohl nicht schadet. Stattdessen wird suggeriert, der Vater hätte hier ganz einfach zum Wohle des Kindes auf sein Umgangsrecht verzichten sollen. Großartig.

Zum Glück hat die ganze Geschichte jedoch ein Happy End. Also für die Mutter, nicht für den Vater und das Kind. Die Zuständigkeit wechselt an eine andere Jugendamtsmitarbeiterin. Die stoppt den Umgang und am Ende entschuldigt sich sogar die Richterin bei der Mutter. Wie im Märchen. Einfach fantastisch.

Der Beitrag trägt die Überschrift Väter-Krieg zerstört das Leben der Kinder” und endet mit den Worten:

Das Gesetz muss korrigiert werden. Im Interesse der Kinder müssen wir uns wieder an dem orientieren, was die Natur vorgibt: Wenn keine Einigung möglich ist, gehören Babys und sehr kleine Kinder ganz einfach zur Mutter.

Ich frage mich, wie es sein kann, dass wir im Jahr 2017 davon ausgehen, dass das Geschlecht eine Rolle dabei spielt, ob wir in der Lage sind uns um Kinder zu kümmern oder nicht. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Müttern ist, aber zumindest ich erziehe mein Kind nicht mit Vagina oder Gebärmutter, sondern mit Herz und Verstand. Und soweit ich weiß, ist beides nichts, was Männer nicht auch vorweisen können.

Solange wir allerdings nicht damit aufhören, Mütter zu Heiligen zu erklären, deren Handlungen ihren Ursprung immer und grundsätzlich in tiefer Liebe zum eigenen Nachwuchs haben und solange wir nicht endlich begreifen, dass Väter ihre Kinder im gleichen Maße lieben, umsorgen, schützen und erziehen können, wie es bei Müttern der Fall ist, glaube ich nicht, dass wir mit neuen oder veränderten Gesetzen wirklich etwas an der miserablen Lage vieler Väter ändern können.

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34 Comments

    • Vielen Dank für deinen Kommentar!

      Mir ging es, wie in der Einleitung geschrieben, erst einmal darum zu zeigen, wo ich in der Debatte um Väterrechte eigentlich stehe. Ich hoffe, der Artikel war trotzdem angenehm zu lesen. 🙂

      • Die Hälfte vom Kind
        Eltern sollen sich im Falle einer Trennung den Nachwuchs teilen. Was geschieht, wenn Mutter und Vater streiten? Die Kolumne
        Von Alina Bronsky
        12.03.201715:19
        WhatsAppFacebookTwitterSMSMail
        Das Fifty-fifty steht für das ultimative Gerechtigkeitsprinzip: Wenn zwei das Gleiche wollen, soll man das Gewünschte einfach halbieren. Was mit Äpfeln und Kuchen funktioniert, müsste bei einem Kind nicht anders sein – so jedenfalls mutet das Urteil an, das der Bundesgerichtshof (BGH) zur Frage veröffentlichte, wer über den Wohnort eines Trennungskindes zu entscheiden hat. Jetzt ist es rechtens, den streitenden Eltern das Wechselmodell vorzuschreiben. Die Hälfte der Zeit soll das Kind bei der Mutter leben, die andere Hälfte beim Vater, zum Beispiel im wöchentlichen Wechsel.

        • Dies ausdrücklich auch dann, wenn ein Elternteil dagegen ist. Schließlich soll das Kind nach der Trennung weder auf Mutter noch auf Vater verzichten. Was in der Praxis eher heißt: Jedes Elternteil sichert sich einen Anspruch auf 50 Prozent des Nachwuchses.

          In der Urteilsbegründung reiht sich ein Paradoxon ans andere. So dürfe das Wechselmodell gerichtlich den klagenden Eltern verordnet werden – wer aber pendeln soll, ist das Kind. Schließlich haben die Erwachsenen gern einen festen Lebensmittelpunkt. Wer zwischen zwei Wohnorten hin- und herzieht, fühlt sich schon mal gestresst. Also lieber den Kleinsten ein Dauerkofferpacken inklusive Kuscheltier, Fussballtrikot und Hausaufgaben zumuten.

          Trotz der recht einsichtigen Tatsache, dass das Pendeln den Kindern viel abverlangt und nicht jedem gut bekommt, wird das in manchen Ländern beliebte Zwei-Zuhause-Modell auch in Deutschland zunehmend idealisiert. Schließlich bietet es manchem Kind das, was den Nachteil des Kofferpackens überwiegt: eine intensive Alltagszeit mit jedem Elternteil. Aber auch vor dem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs hat nicht einmal der ärgste Kritiker verlangt, dass das Wechselmodell verboten werden sollte. Wo die Umstände stimmen und sich die Eltern einig sind, kann es, den Trennungsumständen entsprechend, nichts Schöneres geben.

          Anders ist es, wenn die Eltern zerstritten sind – und durch das Wechselprinzip bis in die kleinste Alltagsabstimmung gerichtlich aneinandergekettet werden. Die Konsequenzen müssen auch die BGH-Richter vor Augen gehabt haben, als sie in der Urteilsbegründung anmerkten, die Verordnung diene nur dann dem Kindeswohl, wenn die Eltern friedlich kooperieren und kommunizieren können.

          Dies lässt sich aber selten von Menschen behaupten, die gerade miteinander vor Gericht streiten. Auch die richterliche Ergänzung, der Wille des Kindes müsse bei der gerichtlichen Entscheidung berücksichtigt werden, wird im gleichen Text konterkariert: Man wisse ja, dass Kinder zerstrittener Eltern durch den „Koalitionsdruck in Loyalitätskonflikte“ geraten. So begründet das Urteil selbst, warum man einen Wunschzustand nicht gerichtlich erzwingen kann – und lässt die juristischen Zwangsinstrumente dennoch zu. Man wird ja noch träumen dürfen.

          Noch schöner wäre es demnach, Mütter und Väter würden sich überhaupt nicht trennen. Vielleicht könnte in einem weiteren Urteil festgelegt werden, dass Eltern auch dann zum Weiterführen der Paarbeziehung verpflichtet werden, wenn einer von ihnen nicht mehr will. Es reicht ja, wenn der Zurückgewiesene die Zweisamkeit einklagt – sofern beide „Kooperationsbereitschaft“ zeigen.

    • @ Fiete „Stimmt, neues kommt in dem Gastartikel nicht vor.“ Inhaltlich kennen viele Trennungsväter die beschriebenen Situationen. Trotzdem weist der Artikel auf einiges hin, was sonst weniger angesprochen wird.

      Erstens die völlig selbstverständliche Bedeutung, die eine Präsenz beider Eltern – also der Mutter UND des Vaters – eben auch für Töchter hat. Am Verhalten der Mutter wird auch deutlich, wie wichtig ihr selbst die Präsenz des Vaters für die Kinder ist. Das ist deswegen wichtig, weil es klarstellt: Obwohl die gesetzlichen Regeln und die von Gwenny angesprochenen institutionellen Vorurteile entlang des Geschlechterunterschieds konstruiert sind, geht es eigentlich nicht um eine Auseinandersetzung Männer vs. Frauen. Auch Frauen bzw. Mädchen sind durch die ungleiche Zuteilung von Elternrechten mit eigenen Interessen betroffen, und verletzt.

      Zweitens habe ich mich immer mal wieder gefragt, warum sich eigentlich so wenige Frauen zu der Situation äußern. Ich bin mir ziemlich sicher: Wäre die Situation umgekehrt (gewesen), könnten also Väter willkürlich und begründungslos über das Recht der Mutter zur Sorge für das gemeinsame Kind entscheiden: Dann würden auch viele Männer das als ungerecht und unrechtmäßig empfinden, und viele würden das auch entsprechend formulieren. Es haben sich ja tatsächlich immer auch Männer für feministische Anliegen engagiert.

      Dass andersherum von Frauen ziemlich wenig kam, hab ich mir immer damit erklärt, dass Frauen generell zurückhaltender als Männer agieren, wenn es um politische Stellungnahmen geht. Ich hab es mir eben nicht damit erklärt, dass es Frauen egal wäre. Ich finde es daher gut, dass einmal aus der Sicht einer Frau etwas dazu geschrieben wird – und ich bin eigentlich ziemlich zuversichtlich, dass Gwenny damit Meinungen ausdrückt, die so oder ähnlich auch von anderen Frauen geteilt werden.

      Noch ein dritter Punkt: Ich glaube, dass Gwenny im Stil und Ton ungewöhnlich zu dem Thema schreibt. Es fehlt die Bitterkeit, die sonst regelmäßig viele Stellungnahmen von Vätern prägt.

      Natürlich ließe sich leicht sagen, dass das für eine Frau ja auch keine Kunst wäre, sie würde eben nicht erleben, was Väter so erleben. Ganz unabhängig davon aber finde ich es trotzdem sehr wichtig, dass auch einmal in einem nicht-bitteren – aber trotzdem ja sehr ernsten – Ton zu dem Thema geschrieben wird. Mit der verbreiteten Bitterkeit der Väter wenden sie (da gehöre ich natürlich dazu) sich nämlich oft nur an Menschen, die ähnlich bittere Erfahrungen gemacht haben, und die diese Bitterkeit unwillkürlich nachvollziehen können. Wenn man aber auch mit Menschen ins Gespräch kommen möchte, die sich für das Thema interessieren, ohne selbst als Trennungsväter betroffen zu sein – dann ist die Bitterkeit nicht sehr sinnvoll.

      Ich verstehe diese Bitterkeit natürlich. Ich hatte oft das Gefühl, dass die Situation eines Trennungsvaters und seiner Kinder keine rechtsstaatlich-zivile Situation mehr ist, und dass daher ein gelassen-ziviler Umgang damit gleichsam an der Sache vorbei ginge. Aber für Menschen, die solche Erfahrungen nicht gemacht haben, muss diese Bitterkeit befremdlich sein.

      Wenn man also nicht nur Insidergespräche führen möchte, sondern auch Menschen erreichen will, die nicht unmittelbar mit der Situation vertraut sind – dann ist es wichtig, die Bitterkeit etwas zurückzufahren.

      Daher ist es wichtig, dass es solche Texte wie den von Gwenny hier gibt. So ein Text mildert nämlich das Gefühl ab, sich in einer nicht-zivilen, also in einer verschwiegenen Kriegssituation zu befinden. Und das ist bei diesem Thema sehr wohl etwas Neues.

      Ich hoffe übrigens sehr, @ Gwenny, dass das eben nicht nur ein „Gastartikel“ war, sondern dass wir hier noch mehr Texte von Dir lesen können. 🙂

      • @Lucas:
        „Wenn man also nicht nur Insidergespräche führen möchte, sondern auch Menschen erreichen will, die nicht unmittelbar mit der Situation vertraut sind – dann ist es wichtig, die Bitterkeit etwas zurückzufahren. „

        Ich bin da anderer Meinung. Für die Bewertung einer Situation zählt hauptsächlich was vorgefallen ist, nicht in welchem Ton das Vorgefallenen präsentiert wird. Ist ja in ähnlicher Form auch Grundlage unseres Rechtssystems, ein Bericht über „das blöde Arschloch dass mir die Geldtasche geraubt hat“ macht die Tat nicht ungeschehen, nur weil der Bericht mit unpassenden Beleidigungen vorgetragen wird.

        Vor kurzer Zeit hat djadmoros oder crumar, ich weiß leider nicht mehr wer, einen sehr gelungenen Beitrag zur metoo Debatte geschrieben. Ich wollte mir den noch speichern, finde ihn aber nicht mehr. Es ging darum, dass die Konzentration des Feminismus auf „Macht“ der falsche Ansatz wäre. Es geht nicht darum wer die Macht hat und wer nicht, und es ist ganz unsinnig jetzt zu fordern Männer müssten „Macht abgeben“ oder Frauen müssten „ermächtigt“ werden. In Wahrheit ist der entscheidende Punkt nämlich vielmehr „Verantwortung“, und hier geht die ganze metoo Debatte (und der Feminismus insgesamt) in die falsche richtung. Männern wird immer MEHR Verantwortung aufgehalst und Frauen sind immer WENIGER für irgendetwas verantwortlich. Im Kontext der Debatte um sexuelle Belästigung wäre ein vielversprechender Weg demnach, Männern Verantwortung ABZUNEHMEN.

        Dein Beitrag geht in eine ähnliche Richtung. Im Kontext der Debatte um Väterrechte schreibst du sinngemäß, Männer sind dafür verantwortlich ihre Probleme in einer Art und Weise zu formulieren sodass andere (die Gesellschaft, Frauen, Menschen die mit der Thematik nicht vertraut sind) sich empathisch damit verbinden können.
        Ich halte das für falsch. Wenn eine Situation unter allen humanistischen, aufgeklärten, rechtlichen Gesichtspunkten so untragbar ist wie die Situation von Trennungsvätern, dann liegt es in der Verantwortung ALLER, dies auch anzuerkennen. Die Väter, die solche himmelschreienden Ungerechtigkeiten beschreiben – in welchem Ton auch immer – haben hier keine Bringschuld für irgendetwas.

        • @ pingpong Es geht mir nicht um die Zuweisung von Verantwortung, sondern einfach darum, wie Kommunikation funktionieren kann. Dass Männer sich mit Bitterkeit äußern, wird sich zur Zeit wohl kaum ändern lassen – es hat aber eben Konsequenzen. Nämlich zum Beispiel die, dass der Gesprächskreis auf die begrenzt bleibt, die diese Bitterkeit nachvollziehen können. Meine Hoffnung ist: Wenn sich mehr Frauen so wie Gwenny an der Debatte beteiligen würden, dann würden auch Männer mit weniger Bitterkeit schreiben. Weil sie dann nicht im Gefühl agieren würden, beständig gegen Mauern anzureden.

          Es ging mir also nicht um Delegierung von Verantwortung an Männer, sondern um eine Begründung für meine Behauptung, dass ein Text wie der von Gwenny wichtig ist.

          Der Text von djadmoros über Verantwortung könnte vielleicht der hier sein:
          https://man-tau.com/2017/11/27/familie-geschlechterdebatten/#comment-11964

          • „Dass Männer sich mit Bitterkeit äußern, wird sich zur Zeit wohl kaum ändern lassen – es hat aber eben Konsequenzen“

            Das trifft auf alle Betroffenen zu, nicht nur auf Männer.

            Wobei ich nicht verstehe, was der Bezug in diesem Thread sein soll.
            Das Phänomen „Bitterkeit“ erstreckt sich doch eher auf Jugendaemter.com, o.ä. Seiten, wo sich die Masse der unerfahrenen Betroffenen mangels Alternativen einfindet.
            Und da findet man niemanden, der sich aus vernünftiger Distanz mit dem Themenbereich befasst ( Ich habe es auch aufgegeben, was aber überwiegend an der Templatewechselei von Jens Hesel lag ).

            DAS zeigt, wie schlecht es in D. um einigermaßen sinnvolle Bearbeitung der FamR-Praxis steht.
            Natürlich kann ich nachvollziehen, daß die meisten politisch oder juristisch interessierten Experten keine Lust haben, sich mit schwersttraumatisierten Zombies abzugeben, die drei Tage nach dem besten Tipp, denselben unter Gejammer begraben haben, so daß man ihn locker zweimal die Woche wiederholen muß, damit die paar Aufmerksamen ihn vielleicht erkennen können. Das kostet Zeit und Nerven.
            Aber es besagt eben auch, daß es hunderttausende Kinder und Eltern in D. gibt, die einfach keiner Lust hat, aus einer Verbrechenssituation abzuholen.
            Weshalb ich die Gerüchte, das wäre in den letzten Jahren „irgendwie besser“ geworden, für Spruchkasperei halte. Belege dafür hat noch keiner veröffentlicht, soweit ich weiß.

          • @Fiete

            „Weshalb ich die Gerüchte, das wäre in den letzten Jahren „irgendwie besser“ geworden, für Spruchkasperei halte. Belege dafür hat noch keiner veröffentlicht, soweit ich weiß.“

            Die rechtliche Situation hat sich gebessert. Aber wie ich in meinem Beitrag schrieb: Die Zustände bei Jugendämtern, Beratungsstellen etc. machen es oft unmöglich, diese Rechte durchzusetzen.

            @Lucas

            Weitere Beiträge sind auf jeden Fall geplant 🙂

          • @Gwenny:

            »Weitere Beiträge sind auf jeden Fall geplant«

            Da kann ich nur »denn man tau« sagen! 🙂 Ich freue mich auch, mehr von Dir zu lesen – eine weitere, diesmal weibliche, Stimme der Besonnenheit!

          • @Gwenny:
            „Die rechtliche Situation hat sich gebessert. Aber wie ich in meinem Beitrag schrieb: Die Zustände bei Jugendämtern, Beratungsstellen etc. machen es oft unmöglich, diese Rechte durchzusetzen.“

            Genau so ist es ( allerdings ist es notwendig, zwischen „Rechtlicher Lage“ – hat sich bis bis jetzt praktisch gar nicht geändert und das ist gut so, gesetzlicher Lage – ist z.T. etwas besser, z.T. aber auch etwas schlechter geworden, Abwägung mangels Untersuchung unmöglich, Rechtsprechung – s.o., es scheint leichte Veränderungen zu geben, sicher ist das aber nicht und der institutionellen Praxis – da mag es auch eine leichte Verbesserung bei den jungen Leuten geben, aber die Geschäftsstrukturen sind immer noch auf Stand der Mitte des letzten Jahrhunderts ). Wobei sich auch ein nicht zu unterschätzender subjektiver Faktor ergibt. Die wenigen Elternorganisationen, die sich mit direkter Betroffenenarbeit befassen ( in erster Linie also die bekannten „Vätervereine“ ( EFKIR, ein paar Ortsgruppen des VAfK ), sind nun schon ziemlich lange im Geschäft und haben ihre Fachwissen und entsprechend ihre Kompetenz in der familienrechtlichen Praxis nach und nach deutlich verbessert. Ihre Arbeit ist also sichtbar erfolgreicher geworden, es gelingt ihnen gelegentlich sogar schon mal einen Richter zu einem Entscheid mehr o. weniger zu zwingen ( öfter wohl, durch die Aussicht auf Arbeitsersparnis zu „überreden“ ), der den besten Interesse des Kindes besser entspricht, als das nach Schema F der Fall gewesen wäre.
            Das mag ja bei dem einen der anderen Richter durchaus eine neue Erkenntnisdimension eröffnen.
            Allerdings decken diese Fälle immer noch nicht mal ein Promille der üblichen Sorge- u. Umgangsprozesse mit strittigem Hintergrund ab.
            Der so entstehende Eindruck einer Besserung ist also stark durch den vordergründigen Eindruck verzerrt.

            Der allergrößte Teil der betroffenen Eltern, die sich keinen teuren Anwalt leisten können, z.T. noch nicht einmal zu einer ausreichenden Internetrecherche fähig sind, landet auch weiterhin in ominösen Facebookgruppen, oder Blogs, Foren, Websites, wo es entweder offiziöses Geschwafel, oder dubiose Sprüche anderer Betroffener, oder sogar gezielter Falschtippgeber zu erfahren gibt.

            Kurz:
            Selbst die sehr löbliche Praxisarbeit der entsprechenden Gruppen, erreicht ihren größten Effekt mit der ( überwiegend politischen ) Außendarstellung.

            Bis dieser Effekt zu einem ernstzunehmenden Paradigmenwechsel in Aus- u. Fortbildung und besonders der täglichen Geschäftspolitik der Jugendämter und Gerichte ( und der unzähligen davon verwalteten und belieferten Satelitenorganisationen ) findet, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit noch Jahrzehnte vergehen.
            Bestenfalls!
            Denn es gibt eines sehr starke Ansammlng von Lobbies, die jeden Erfolg möglichst vollständig wieder zu kassieren versuchen. Einfach weil sie den Verlust erheblicher Ressourcen befürchten, wenn die Kinder und ihre besten Interessen ernsthaft zum Kriterium im Familienverfahren gemacht würden.
            Man darf nicht vergessen: Die Streitbewirtschaftungsindustrie ist die größte, reichste, mächtigste und am schnellsten und aggressivsten expandierende Sparte aller „sozialer“ Dienstleistungen in D. ( wahrscheinlich in ganz Europa ).

            Bis ungefähr 2012 ging man von einer Expansionsrate von ca. 5-8% pro Jahr aus ( das sind ca. alle 6 Jahre um die Hälfte mehr, welcher andere Industriezweig kann das seit Jahrzehnten von sich behaupten? ). Dann erfolgte eine ruckartige Steigerung auf etwa 8-10%. Geschätzt wurde das anhand des Gesamtumsatzes im Jahre 2008 auf Grundlage der Inobhutnahmezahlen, die als ungefähr analoger Indikator eine halbwegs brauchbare Basis bilden. Sowie der Angaben der Jugendämter zur Ausgabensumme für „familiäre Hilfen“ ( ich weiß es deshalb so genau, weil eine mir bekannte Mutter – trotz derzeit noch laufendem Sorge- u. Umgangsverfahren – einen Großteil des Jahres 2009 damit befasst war, die Umsätze der Untersparten dieser Branche zu ermitteln, zu analysieren und aufzurechnen).

            Ergebnis ( aus der Erinnerung, um ein paar Prozente geht es mir dabei nicht, sondern um den Überblick auf die Entwicklungsdynamik ) war, daß die Zahlen der Jugendämter derzeit bei irgendetwa zwischen 20 u. 30 Milliarden €uro pro Jahr lagen, was einem Gesamtumsatz der Branche von roundabout über 90 Milliarden €uro entsprach ( wohlgemerkt, Gesamtumsatz, da sind also auch Kosten drin enthalten, die nicht zur Eltern-Kind-Entfremdung führen, aber es ist der Umsatz, der das Geschäftsinteresse der damit beruflich befassten Personen bestimmt ).

            Rechne das mal ganz grob auf Heute hoch und gehe davon aus, daß die Kosten für entfremdete Familien einer der sichersten Posten des Bruttoinlandsproduktes sind, auf welchem die „Wachstumsprognose“ basiert, die uns zum Jahresende immer unter der Formel „Es geht uns immer besser“ um die Ohren gehauen wird.

            Dann magst Du einen ganz groben Eindruck gewinnen, was für enorme Mächte da wie und warum alles dafür tun, um eine tatsächliche Verbesserung der Lage mit Zähnen und Klauen zu verhindern.

            Um es auf eine Kurzformel zu bringen:
            Aufbruchsstimmung ist eine gute und wichtige Sache.
            Aber irgendwelche Erfolgseuphorien, sind Gift und ermangeln ( noch ) jeglicher vernünftiger Begründung.
            Es gibt noch sehr, sehr viel zu tun und für die allermeisten Betroffenen Kinder und Eltern dürfte noch kein konkreter Fortschritt erkennbar sein.

            W.h.: Der weitaus überwiegende Teil der notwendigen Arbeit ist noch unerledigt.

            Klingt mies?
            Ist es auch, aber realistisch.

  • @Gwenny: danke für diese sehr illustrative Schilderung! Ich bin selber zum Glück nicht vom Kindesentzugsproblem betroffen, in der Lage hat man von der emotionalen Dynamik und den psychologischen Auswirkungen solcher Fälle zunächst einmal gar keine Vorstellung, da helfen nur solche Fallschilderungen weiter.

  • @gwenny: Ein sehr bewegender und gelungener Beitrag!

    „[…] ein Erstgespräch mit einer Psychotherapeutin gehabt hatte […] und wie sie während dieses Gesprächs immer wieder darauf zu sprechen gekommen war, wie glücklich und dankbar er dafür zu sein habe, dass seine Noch-Ehefrau ihm zugestand trotz der Trennung eine so große Rolle im Leben seiner Töchter zu spielen.“

    Gerade bei solchen Schilderungen frage ich mich jedes mal in was für einer perversen Welt wir eigentlich leben. Da ist es wirklich kein Wunder dass Männer tendenziell eher Hemmungen haben zu einem „Therapeuten“ zu gehen und „Probleme aufzuarbeiten“. Das Ausmaß an psychischer Gewalt (und das ist es m.M.n.) welches hier von denjenigen die eigentlich HELFEN sollten ausgeht, ist erschreckend.
    Ich habe etwas ähnliches selbst miterlebt, zum Glück nicht als direkt Betroffener, es ging um ein Familienmitglied (nicht gegendert mit Absicht). Die Sitzungen wurden von einem Therapeuten-Team geleitet, ein Mann und eine Frau. Wie die sich gegenseitig die Bälle zugespielt haben weckt bei mir im Rückblick immer noch pures Grauen. Das verrückteste daran ist, alles läuft unter dem Deckmantel von „Empathie“ und „aufmerksames Zuhören“, in Wirklichkeit geschieht aber genau das Gegenteil. Das ergibt dann die absurde Situation, dass der Klient einen beträchtlichen Teil der Sitzungszeit damit zubringt (zubringen muss!), die Therapeuten von ihrem irren Weltbild zu therapieren.

    Und das wirklich schlimme daran, diese Leute sind tatsächlich tief überzeugt davon das RICHTIGE ™ zu tun, die handeln ja nicht mit böser Absicht. Es ist wirklich schwer angesichts solcher Zustände nicht ständig an dystopische Untergangsszenarien á la spätrömische Dekadenz zu denken, sondern einen positiven Blick für die Zukunft zu bewahren.

    • Das dürfte wohl nicht zuletzt auch an den Standartinhalten der Ausbildung liegen.
      Ich geriet vor ein paar Wochen erst in ein Gespräch mit einem gestandenen Psychiater, der auch schon lange als Gerichtsgutachter arbeitet, allerdings kaum im Familien- eher im Psychiatrierecht. Nachdem ich ihm ein paar Stichworte zum eigenen Fall zugeworfen hatte, fragte er erst folgerichtig nach dem jetzigen Alter des Kindes und dem zum Zp. der Verschleppung.
      Und kam mir dann glaubhaft und ernst gemeint mit dem Spruch:
      „Irgendwann kommen sie alle wieder“ …..
      Konnte mich dann nicht beherrschen, ihm mal eine „etwas differenzierte“ Erklärung dazu unterzujubeln auf die er dann nicht mehr wechseln konnte.

      Scheint in den entsprechenden Lehrplänen schon seit längerem nicht mehr Schwerpunktthema zu sein.

    • Vielen lieben Dank! 🙂

      Ich sehe da derzeit auch einige Probleme im psychotherapeutischen Bereich, unter denen insbesondere Männer zu leiden haben. Ein Grund dafür ist sicher, dass immer mehr Frauen diesen Beruf ergreifen und es da inzwischen einen weiblichen Überschuss gibt. Nun gibt es aber zweifellos geschlechtsspezifische Probleme, mit denen viele Menschen zu kämpfen haben. In meinem Bekanntenkreis gibt es zum Beispiel einige Männer, die sehr darunter leiden, keine Partnerin zu finden und bei denen das auch starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat. Einer von ihnen hat deswegen vor einer Weile eine Psychotherapie bei einer weiblichen Ärztin begonnen und sagte, er hätte häufig das Gefühl, dass sie unbewusst versuche, ihn „frauenfreundlich“ zu erziehen. Frauen können Männer eben nur aus Frauensicht betrachten, daran kann auch ein Studium nicht sehr viel ändern.

    • @pingpong: Ja, die Therapeutenszene ist wie alles feministisch verseu… äh durchdrungen. In dem Buch „Rettet die Männer“ kommt die Autorin Bitterman, selbst eine Therapeutin, auch darauf zu sprechen, dass Männer von ihren Frauen ständige zu Therapeuten bzw. Beziehungsberater geschleppt werden, die ganz auf der feministischen Linie sind und somit radikal parteiisch für die Frauen. Meine ausführliche Besprechung dieses kostbaren Buches (schamlose Eigenwerbung): https://uepsilonniks.wordpress.com/2017/05/06/frauen-machen-kaputt-wie-feminismus-familien-zerstoert/

      • Guten Abend, ich hätte im Trennungsdrama sehr gerne die Hilfe einer Mediation angenommen. Meine damalige Noch-Ehefrau und ich haben auch einen oder zwei Termin/e wahrgenommen.
        Aber: Wenn „SIE“ nichts, wirklich NICHTS, sagt, dann war’s das. Im Übrigen wurde die „Mediation“ von einer Frau moderiert, die dann doch mal irgendwann feststellte, dass Monologe nicht wirklich problemangemessen sein könnten, wenn nur ein Teil (nämlich ich) Fragen beantwortet und auf Vorschläge eingeht und der andere Teil einfach NICHTS sagt. Am Rand: Das Mediationsangebot habe ich unterbreitet und nicht meine damalige Ehefrau!

        • @ Franz R.
          Da hast Du mit der Einzelmediatorin noch Glück gehabt.
          Es gibt auch Familienrechtsanwältinnen, die – weil schlecht im Geschäft – nebenbei zu ihren Tätigkeiten für das Gericht auch noch einen Mediatorenschein machen, um so noch besser Einflus auf Verfahren nehmen zu können.
          Seriöse Mediationsstellen arbeiten bei Beziehungsfragen i.d.R. in gegengschlechtlicher Comediation. Kostet etwas mehr, ist aber auch im Schnitt deutlich lohnenswerter.

  • Ich habe den Beitrag ebenfalls mit Freude gelesen. Eine Frau, die Männern zugesteht, ihre Kinder zu lieben und sie nach Kräften zu fördern. Danke dafür. Ich gehöre zu den Zeitgenossen, die ihre „Erziehungs-“ und „Liebestauglichkeit“ im Familiengerichtsverfahren nach kinderpsychologischen Gutachten (mit Kostenteilung im Verfahren) nachweisen „durften“. Ich erinnere mich mit Schmerz daran, dass mein Sohn zunächst alleine vor der Richterin aussagen musste (meine Tochter wurde – da zu jung – nur unverbindlich „gehört“).
    Nach dem Schock der Trennungsankündigung durch die Kindesmutter (meine Kinder standen weinend vor uns) und meiner anfänglichen Schockstarre (Kommentar MEINER Mutter: „Hab‘ ich Dir doch gleich gesagt!“) hat mich genau diese Auseinandersetzung um das Sorgerecht vor nunmehr rund 20 Jahren dazu gebracht, um „meine Kinder“ zu kämpfen. Ich bin eher dazu erzogen (von wem wohl?), Konflikte zu vermeiden. Aber dass ich dazu gezwungen werden sollte, den Umgang mit meinen Kindern in’s Belieben der Kindesmutter zu stellen, ging dann doch zu weit.
    Ich habe natürlich noch das Gutachten, das mir eine „Innige Verbundenheit“ zu meinen Kindern bestätigte und mir „Erziehungskompetenz“ und die Liebe meiner Kinder bescheinigte. Warum muss das Mann nachweisen?
    Nun hat die Familienrichterin seinerzeit entschieden, dass ich im Wechselmodell durchaus geeignet sei, meinen Kindern gerecht zu werden. Mehr wollte ich nie erreichen – die klassisch männliche Verteidigungshaltung. Was hätte ich aber davon gehabt, meine Kinder ihrer Mutter zu entfremden? Wann wäre das auf mich zurück geschlagen? Wird die Frage eigentlich gestellt?
    Natürlich sind Männer anders als Frauen. Wie öde wäre das Leben sonst. Als 14-Tage-Turnus-Vollzeit-Vater habe ich mich bemüht, meinen Kindern bedingungslos zu vertrauen – was mir wohl – cum grano salis – gelungen ist. Auch nach 20 Jahren vertrauen meine erfolgreichen Kinder mir (ihrer Mutter auch – das ist hier nicht die Frage!).
    Mein Vertrauen darauf, dass sie das „Richtige“ tun, rührt im übrigen daher, dass ich selbst den Eindruck hatte, dass mein Vater ebenfalls meinte, dass ich schon das Richtige täte, auch wenn er mir das nie direkt gesagt hat.
    Vielleicht gibt es unter Vätern und Söhnen bzw. Töchtern tatsächlich so etwas wie ein „unhinterfragtes“ Vertrauen darauf, zwar Fehler zu machen bzw. machen zu müssen und zu dürfen(!), aber immer irgendwie aus den Fehlern heil rauszukommen und „auf die Füße zu fallen“.
    Ich habe in jetzt 60 Jahren viele missgünstige Menschen kennen gelernt. Was mich in der Rückschau verblüfft, ist nur, dass die Missgunst von Männern meist endet, wenn der „Revierkampf“ entschieden ist, man(n) bei Frauen aber nie weiß, ob und wann da möglicherweise noch was nachkommt.

    • „Ich habe den Beitrag ebenfalls mit Freude gelesen. Eine Frau, die Männern zugesteht, ihre Kinder zu lieben und sie nach Kräften zu fördern. Danke dafür.“

      Ich danke für den Kommentar 🙂

      Ich habe, wie ich in der Einleitung des Artikels schrieb, nie daran gezweifelt, dass Väter ihre Kinder auf dieselbe Weise lieben und fördern können wie Mütter und stelle mir häufig die Frage, wie so viele Menschen auf diesen Unsinn kommen. Tatsächlich habe ich in meinem Leben auch schon ein paar Leute getroffen, die diese Meinung vertraten. Auf meine Nachfrage, warum das so sei, kam dann meist die Antwort, das läge daran, dass die Mutter das Kind austrägt. Dass Schwangerschaft und Geburt eine große Rolle spielen im Hinblick auf die Bindung der Mutter zum Kind, stelle ich sicher nicht in Abrede. Aber das bedeutet ja nicht, dass Väter nicht in der Lage sind eine ebenso starke Bindung zum Kind aufzubauen. Wahrscheinlich finde ich dieses Argument aber auch gerade deswegen so absurd, weil ich mein Kind auch nicht selbst ausgetragen habe.

      „Ich erinnere mich mit Schmerz daran, dass mein Sohn zunächst alleine vor der Richterin aussagen musste (meine Tochter wurde – da zu jung – nur unverbindlich „gehört“).“

      Das ist etwas, was mich ganz besonders schockiert. Die Belastungen und Torturen denen Kinder (meist von Seiten der Mutter) da ausgesetzt werden. Und das dann auch noch in mit der Überzeugung zum Wohl der Kinder zu handeln.

      „Was hätte ich aber davon gehabt, meine Kinder ihrer Mutter zu entfremden? Wann wäre das auf mich zurück geschlagen? Wird die Frage eigentlich gestellt?“

      Meistens leider nicht, glaube ich.

      Es freut mich sehr, dass das bei dir dann doch ein gutes Ende genommen hat 🙂

  • Der Bericht hat mich so berührt, dass ich ihn getweeted habe:
    https://twitter.com/HumanVoice/status/943199266696257536

    Mir egal, ob mich da wieder welche entfolgen, weil ich ein „böses Masku-Medium“ lese.
    Ganz toll, dass deine Mutter diese Größe hatte, ihre eigenen Differenzen mit deinem Vater nicht zu Lasten des Verhältnisses Vater/Kinder gehen zu lassen – und sogar mit einem solchen Einsatz!

    Ich finde, Kinder GEHÖREN nicht der Mutter, genausowenig wie dem Vater. Dass in Institutionen immer noch vielfach gilt „das kleine Kind gehört zur Mutter“ ist ein Relikt aus Zeiten der klassischen Hausfrauenehe: da versorgt ja ganz praktisch die Mutter das Kind, der Vater verdient das Geld. Also erscheint es als normal, dass sich das nach der Trennung nicht ändert.

    Persönlich hab ich allerdings einen Vater mitbekommen, der die 9 Monate Elternzeit genommen hat und in der Säuglingsphase quasi „Mutter“ für das Kind war. So erfolgreich, dass es ihr gegenüber (die schnell wieder Vollzeit arbeiten ging wg. gutem Job) fremdelte!

    Es ist also einfach Unsinn, ein Vater könne das nicht. Und je älter das Kind ist (und je mehr Männer sich auch an den „mütterlichen“ Aktivitäten der ersten Jahre beteiligen), desto weniger hat diese Meinung Bestand.

    Es ändert sich durchaus etwas – nur eben verdammt langsam!

    • @claudia:
      Zuerst aus deinem tweet:
      „Irgendwie schade [dass die Autorin des Artikels kein Mann ist]! Es hätte meiner Meinung über diskriminierte Väter, wie ich sie auf Männerblogs lese, positiv verändert! Es ist nämlich ein Zeichen von Erwachsensein, wenn man nicht „nur kämpft“ auf allen Ebenen, sondern das auf die Sektoren begrenzt, wo es angesagt ist.“

      Es ist doch interessant wie sehr die Rezeption eines Textes (bei manchen) UNABHÄNGIG vom tatsächlichen INHALT ist. Gwenny schreibt sogar ganz am Anfang den Hinweis dass für Stammleser dieses Blogs ihr Beitrag wahrscheinlich wenig Neues enthält. Und zwar deswegen, weil die Sachlage bereits zu Genüge (!) dargestellt und beschrieben wurde. Von Lucas und Mark hier, und von unzähligen anderen Vätern auf anderen Blogs.
      Trotzdem hier also wahrlich nichts neues erzählt wird, ist dieser Beitrag für dich offenbar etwas ganz besonderes. Ich bin schon lange der Meinung dass Lucas einem ganz grundsätzlichen Phänomen auf der Spur ist, wenn er in vielen seiner Beiträge davon schreibt dass „eine gemeinsame Wirklichkeit (bzw die Anerkennung dass selbige exisitert) die Voraussetzung für eine sinnvolle Kommunikation und eine funktionierende soziale Gesellschaft ist“.

      Deine tweets zeigen leider das ganze Ausmaß der Misere: Obwohl Gwenny altbekanntes präsentiert, Tatsachen wie sie in dieser und ähnlicher Form von anderen schon zu Genüge aufgezeigt wurden, ist ihr Beitrag für dich „mal wirklich nachdenklich stimmend […] und lesenswert!“. Denn in anderen Beiträgen die du bis jetzt zu dieser Thematik gelesen hast geht es offenbar hauptsächlich darum dass man „auf allen Ebenen nur kämpft“.
      Ich weiß nicht woran es liegt dass du diesen Beitrag so anders wahrnimmst als viele andere, wo es doch (wie von Gwenny selbst angemerkt) wahrlich keine Neuigkeiten sind über die Gwenny hier schreibt. Auf jeden Fall hielte ich es für angebracht, dass die Empathie für ein Schicksal nicht ausschließlich davon abhängt wie du dich FÜHLST wenn du darüber liest, sondern davon was einem Menschen tatsächlich widerfahren ist.

      Jetzt zu deinem Beitrag hier:
      „Dass in Institutionen immer noch vielfach gilt „das kleine Kind gehört zur Mutter“ ist ein Relikt aus Zeiten der klassischen Hausfrauenehe: da versorgt ja ganz praktisch die Mutter das Kind, der Vater verdient das Geld. Also erscheint es als normal, dass sich das nach der Trennung nicht ändert.“

      Das klingt im ersten Moment logisch, verkennt aber aus meiner Sicht was das eigentliche Problem ist: Nämlich die unzulässige Verengung des Begriffs „versorgen“, als zählte nur die direkte (körperliche) Beschäftigung mit dem Kind als Versorgen. Also z.b. stillen, wickeln, spielen, trösten etc.
      Genau das drückst sich in deinem Satz oben aus: Die Mutter versorgt das Kind, der Vater verdient das Geld. Als wäre Geld verdienen nicht ebenfalls Sorge für das Kind, und zwar eine SEHR WICHTIGE. Das „Relikt aus Zeiten der klassischen Hausfrauenehe“ gibt es in dieser von dir behaupteten Form nicht, das war immer schon eine LÜGE des Feminismus. Dass der Mann Geld verdient ist eine ökonomische Notwendigkeit, und ihm aus dieser Tatsache den VORWURF zu konstruieren er würde sich nicht um das Kind sorgen ist eine Abscheulichkeit sondergleichen. Geld verdienen IST Sorge um das Kind.

      Nach einer Trennung wird das interessanterweise auch vom Feminismus ganz genau so gesehen: Hier wird (zurecht) darauf gepocht, der Mann habe sich in Form von finanzieller Unterstützung „zu beteiligen“, d.h. hier wird sehr wohl eingeräumt, dass Geld ein wesentlicher Teil von „Sorge ums Kind“ ist. Es wäre schön, wenn dieser Umstand auch in intakten Beziehungen gewürdigt würde.

  • „ganz einfach zur Mutter“

    Schöne, heile, einfache Welt. Das klingt doch so richtig, das muss richtig sein. Bitte nicht weiter drüber nachdenken! Geschlecht ist sozial konstruiert, aber ein Kind gehört ganz einfach zur Mutter. Das ist wie PI, eine Naturkonstante.

  • Artikel wie diese sind nett und sind seit rund 40 Jahren zu lesen. Der erste grosse Schwung kam bis Anfang der 1980er Jahre, als das BVerfG nach der Familienrechtreform 1977 mit ihren katastrophalen Sorge- , Umgangs- und Unterhaltsrechtlichen Weichenstellungen erstmals zur gemeinsame Sorge urteilte. Unter anderem das SPIEGEL-Archiv gibt aus diesen Vor-Internetzeiten einiges her. Rechte, Pflichten, Durchsetzbarkeit, ein Dauerbrenner, egal ob von Vätern oder Müttern geschildert. Von den in die -zig Millionen gehenden Beiträgen der Internetzeit in Foren und allerlei Publikationen gar nicht zu sprechen.

    Und wie oft stand da der brühmte Satz „Es ändert sich was – aber langsam“. Eine Ikone des Familienrechts. Am meisten geändert haben sich in Wirklichkeit nur die Honorarforderungen der Juristen. Nach oben.

    Was mich daran jenseits meiner eigenen Betroffenheit fasziniert, ist die extrem Dauerhaftigkeit immer derselben Punkte, ganz egal welches Reförmchen gerade ein Facettchen ändern will und egal wie viele ergriffene, gute Artikel geschrieben werden. Bald wird schon die dritte Generation von Kindern in da hineingeboren und nichts lässt darauf hoffen, dass sie die Rechte tatsächlich (und nicht nur neue Paragrafen) bekommen, deren Abwesenheit so lange schon beklagt wird: Zwei ihnen gleichermassen verpflichtete Eltern ab Geburt, ein Recht auf Eltern. Wie wenig sich das allgemeine Bewusstsein da bewegt hat, zeigt der Artikel plastisch am Beispiel des Kommentars von Schupelius.

    • @ EU Ja, das stimmt – seit Jahrzehnten gibt es immer mal wieder Texte, die sich mit der offenkundigen Ungerechtigkeit und auch Grausamkeit des Kindschaftsrechts auseinandersetzen. Das bedeutet: Seit Jahrzehnten gibt es ein Bewusstsein, dass Veränderungen nötig sind – seit Jahrzehnten liegen Veränderungen auch in der Luft – aber am Ende geschieht kaum etwas.

      Die leichten Verbesserungen der Rechte von Vätern (die zugleich auch Verbesserungen der rechtlichen Situation von Kindern waren) wären niemals möglich gewesen, wenn es nicht eine deutliche Intervention von der europäischen und juristischen Ebene in die deutsche Politik gegeben hätte.

      Und auch dann wurden die Veränderungen, die dummerweise unumgänglich geworden waren, so klein wie nur möglich gehalten. Leutheuser-Schnarrenbergers ursprünglicher Plan, auch bei Nichtverheirateten beiden Eltern ein Sorgerecht ab Geburt zu geben (und ggfs. im Einzelfall Widersprüche zu prüfen), war nicht durchsetzbar. Stattdessen müssen Väter nun weiterhin ihr Sorgerecht beantragen und gerichtlich durchsetzen. Dass das zugleich ein bescheuertes Signal an Väter sendet (Du musst Dich um Dein Kind nur kümmern, wenn Du es auch wirklich willst – ansonsten reicht es völlig, wenn Du einfach nur zahlst) – das war den Verhinderern von ernstzunehmenden Änderungen egal.

      Das ist eben auch der Grund, warum sich nichts ändert, obwohl seit Jahrzehnten die Notwendigkeit der Änderung klar ist: Es gibt zu viele, die von der jetzigen Situation profitieren und die sich gegen Änderungen stemmen.

      Dabei ist es grundsätzlich ja völlig normal, dass Veränderungen nicht geradinig verlaufen. In der Regel verändern sich ökonomische Verhältnisse ja früher, während Institutionen, Moralvorstellungen und Gesetze träger sind und irgendwann nachziehen. Gerade Deutschland hat ja eine lange Tradition darin, solche Veränderungen zu verschleppen – die Situation um 1900, als sich das Kaiserreich trotz aller ökonomischen Veränderungen starr hielt, ist ja ein Paradebeispiel.

      Trotzdem ist die Situation, die Du ansprichst, außergewöhnlich. Die notwendigen ökonomischen Veränderungen waren nämlich schon vor Jahrzehnten durch.

      Die Bedingungen der Erwerbsarbeit sind längt nicht mehr so, dass unbedingt Männer sie erledigen müssten – die meisten Jobs können von Frauen prinzipiell ebenso gut erledigt werden. Die körperlichen Unterschiede spielen faktisch keine Rolle mehr.

      Zugleich ist der allgemeine Wohlstand enorm gewachsen. Es gibt überhaupt keine Notwendigkeit mehr für das Modell des „disposable male“ – also für den Mann, der sich opfert oder der zumindest hochriskant agiert, um damit seiner Frau die Möglichkeit zu verschaffen, das Kind halbwegs in Ruhe und Sicherheit aufziehen zu können. Wohlstand und Sicherheit sind groß genug für alle.

      Dass Institutionen, Gesetze und medial ventilierte Geschlechterklischees trotzdem starr geblieben sind, hat in meinen Augen vor allem einen Grund.

      Auf der einen Seite stehen konservative Familienpolitiker Veränderungen im Weg – das Kind gehöre schließlich zur Mutter. Das aber ist nicht einmal so sonderlich problematisch – dass Konservative sich gegen Veränderungen sperren, ist schließlich gleichsam ihr Job. Es ist auch nicht einmal schlimm, wenn es durch politische Kräfte austariert wird, die für Veränderungsbereitschaft stehen.

      Eben dort aber haben wir ein massives Problem. Die Parteien, die ihrem Selbstverständnis als „Linke“ entsprechend Veränderungsimpulse bündeln und politisch organisieren müssten, blockieren ihrerseits ebenfalls – und sie bemühen sich nach Kräften darum, diese Veränderungsimpulse zu deligitimieren.

      Konservative halten Väter, die für die Sorge um ihre Kinder kämpfen, schlimmstenfalls für Spinner, die ihre Prioritäten nicht auf die Reihe bekommen. SPD und Grüne aber veröffentlichen über ihre „Parteistiftungen“ Texte, in denen solche Väter als rechtsradikal, als Frauenfeinde und als Verehrer des Massenmörders Breivik hingestellt werden.

      https://man-tau.com/2014/07/16/von-versteinerungen-und-der-angst-vorm-tanzen-zu-robert-claus-maskulismus/

      https://man-tau.com/2013/09/13/rechte-kerle-rosenbrock-gesterkamp-kemper/

      Möglicherweise sind solche maßlosen Diffamierungen einfach Symptom eines uneingestandenen schlechten Gewissens – erwachsend aus dem Wissen darum, dass solche Väter für eben die Wünsche nach Veränderungen stehen, die sich die ehemals linke SPD und die noch niemals linken Grünen gern selbst zuschreiben würden.

      Das jedenfalls ist m.E. die Konstellation, die dazu führt, dass wir einerseits seit Jahrzehnten um die Notwendigkeit von Veränderungen wissen – dass aber andererseits faktisch nichts passiert. Jeder, der ernsthaft etwas verändern will, findet sich sofort politisch in einem Klammergriff der konservativen Familienpolitiker der Union und der feministisch inspirierten Mutterlobby bei Rotgrün.

      • Jedenfalls ist das ein spezifisch deutscher Mechanismus. Betrachtet man Länder, die im Familienrecht solche alten Besitzstände schon länger eingeebnet haben, sieht man kein politisches rechts – links – Muster dahinter. Als Frankreich vor vielen Jahren die gemeinsame Sorge zum Regelfall machte, ware gerade eine konservative Regierung an der Macht, auch als der Paragraf zum Wechselmodell eingeführt wurde. In Skandinavien waren es linke Regierungen. In Österreich ist die grösste treibende Reformkraft zu mehr Gleichberechtigung für Väter die FPÖ, die den von dir gut beschriebenen Klammergriff aus Veränderungsblockierern und feministischen Diskriminierungsliebhaberinnen aufbricht. Zu deren Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker…

        In Deutschland sehe ich so wie in anderen anhaltend Männer -und Väterentwertenden Gesellschaften eher den Gang nach innen. Die Artikel über Ungerechtigkeiten sind meinem Gefühl nach eher sogar weniger geworden, obwohl sich objektiv nichts geändert hat. Auch im Internet erscheint weniger. Väterforen, der Ort wo die typischen Probleme besprochen werden werden weniger und frequenzschwächer. Nicht nur Deutschland, das gilt auch für die englischsprachige Zone, die USA. Stattdessen verschiebt sich die Anpassung auf Verhaltensweisen, die grundsätzlicher sind und sich nach innen richten. So hat in den USA und Asien eine Lebensweise lawinenartig Zuspruch, die sich (in den USA) MGTOW nennt, was bereits nachweisbare gesamtwirtschaftliche Folgen hat. Es sind oft schon erstaunlich junge Männer, die das Spiel nicht mehr mitspielen. Das gesamte Spiel, nicht nur ein spezielles Vaterschaftsspiel. In Deutschland wächst das auch, liegt aber noch unter dem medialen Aufmerksamkeitsradar, obwohl es längst deutlich vorhanden ist. Ich sehe es an Gymnasiasten, von denen sich gar nicht so wenige (mehr als die Durchschnittsquote Homosexueller, das ist es also nicht) still und leise gegenüber Frauen auskoppeln – das war früher anders und schwächer. Kann man ein Problem nicht lösen, an dem schon Generationen gearbeitet haben, muss man es als feststehende Realität akzeptieren – und wendet sich davon ab.

        Ohne eine Ahnung von MGTOW oder sowas ähnlichem zu haben, bin ich Dank meiner deutschtypisch verlaufenen Trennungsvaterschaft diesen Weg ebenfalls gegangen. Unbewusst. Und sehr gut damit gefahren. Ich bin auch überzeugt davon, dass es wirksamer ist, Steuern, Konsum, Vaterschaftsfolgen, Beteiligung, Beziehungen, Aufmerksamkeit für Dritte zu minimieren statt in ausgefeilten Artikeln 50 Jahre alte und seither mit Stahlbeton fixierte Missstände zu beklagen. Männer und Frauen separieren sich auch wieder verstärkt. Vorsicht und Misstrauen sind auf dem Vormarsch. Nicht ohne Grund.

  • Auch von mir ein Dankeschön, Gwenny. Ich finde solche Artikel bereichernd und mir geben sie ein stückweit den Glauben zurück, dass noch nicht alle Frauen ob ihrer (angenommenen) Opferzentriertheit durchgedreht sind.

    Alles Gute dir, würde mich freuen, alsbald wieder etwas von dir zu lesen.

    PS: Respekt an deine Eltern, egal was da vorgefallen sein mag. Jedenfalls brachten sie euch wohl nicht in emotionale Konfliktsituationen, was sonst ja leider nur allzu häufig geschieht.

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