Sexismus Zivilgesellschaft

#Metoo: Kuschelhasen, Scheißkerle und andere Sünder

geschrieben von: Lucas Schoppe

Die schroffen Schwarz-Weiß-Muster der Metoo-Bewegung erschweren den Austausch von Erfahrungen und sind gegen sexuelle Gewalt nicht hilfreich.

 

Warum Kuschelhasen Scheißkerle sind

Ein Zitat aus einem deutschen Bestseller von 2010:

Sie trifft nachhaltig und tief, die sexuelle Ablehnung durch den eigenen Partner. Zugleich ist kein Beziehungsproblem derart geeignet, die Gründe dafür bei sich selbst zu suchen als die Lustlosigkeit des Partners im gemeinsamen Bett, schlimmer noch, diesen Zustand vorauseilend vielfältig zu entschuldigen.“

Spätestens mit der MeToo-Bewegung nehmen wir solche Äußerungen als skandalös wahr. Da wird Männern tatsächlich nahegelegt, die sexuelle Lustlosigkeit einer Partnerin nicht zu entschuldigen oder gar Gründe dafür bei sich selbst zu suchen. Zudem irritiert der selbstverständliche, nicht-gendergerechte Sprachgebrauch – mit der männlichen Form „Partner“ sollen Frauen offenbar ganz selbstverständlich mitgemeint sein.

Glücklicherweise kann der Text solche schwerwiegenden Einwände direkt im Anschluss selbst entkräften.

Die Entschuldigungen für ‚Rohrkrepierer’, ‚Schlappschwänze’ und Langweiler im Bett spotten tatsächlich jeder Beschreibung. ‚Vielleicht hat er ja momentan zu viel Stress im Beruf…’ – ‚Vielleicht liegt es ja an mir’ (wahlweise ist die Frau dann zu fett, nicht mehr attraktiv, zu langweilig). ‚Vielleicht kann ich seine sexuellen Wünsche nicht befriedigen.’ Letzteres ist in der Literatur auch als sogenannte ‚Testosteron-Lüge’ bekannt.“

Denn ist ja alles gut. Es geht also gar nicht um lustlose Frauen, deren fehlende sexuelle Bereitschaft Männer natürlich zu akzeptieren haben – sondern es geht tatsächlich nur um Männer. Deren sexuelle Lustlosigkeit ist allerdings ganz selbstverständlich verlogen, für Partnerinnen sehr verletzend. Durch ihre Lustlosigkeit nähmen Männer in Kauf, ihre Partnerin in Selbstzweifel zu stürzen, ihr vielleicht gar das Gefühl zu geben, zu dick oder aus sonstigen Gründen nicht mehr attraktiv zu sein. Perfide.

Männer, die schlichtweg die Lust an der eigenen Partnerin verloren haben, vermitteln auf eine unterschwellige, perfide Art und Weise, dass die eigene Partnerin nur deshalb nicht mehr attraktiv ist, weil sie dem ‚tollen Hengst’ eigentlich nicht gerecht werden kann. Die Bereitschaft, die Lustlosigkeit des Partners zu rechtfertigen, gipfelt in der Aussage: ‚Vielleicht hat er ja so starke Gefühle für mich, dass wir deshalb gar keinen Sex mehr haben.’

Lustlosigkeit hat in den allermeisten Fällen einen simplen rund: Desinteresse.“

Dieses Desinteresse wiederum ist dem Mann natürlich in jedem Fall vorzuwerfen: Hier ist es schlichtweg unmoralisch, wenn ein Mann mit einer Frau zusammen ist, aber nicht zuverlässig zum Sex bereit ist.

Dass Zitat entstammt dem Buch Scheißkerle, das von einem Mann – Roman Maria Koidl – verfasst, aber wohl fast ausnahmslos von Frauen zum Bestseller gekauft und gelesen wurde. In mehreren Kapiteln stellt Koidl männliche „Scheißkerle“ vor, die Frauen eigentlich schon durch ihre bloße Existenz das Leben schwer machen würden. Eine Kategorie diese Scheißkerle sind „Sexmuffel und Kuschelhasen“, und das Kapitel, das diesen unangenehmen Zeitgenossen gewidmet ist, beginnt mit eben der oben zitierten Passage.

Was aber ist denn an „Kuschelhasen“ eigentlich so beschissen? In Koidls Welt, ratifiziert durch begeisterte Leserinnen, fehlt ihnen offenbar eben das männliche Begehren, das einer Frau erst das Gefühl gebe, attraktiv, aufregend, eben begehrenswert zu sein.

Feministinnen würden den Gedanken sicherlich empört von sich weisen, dass Koidls Abrechnungen mit anderen Männern irgendetwas mit feministischem Denken zu tun hätten. Ganz unfeministisch macht Koidl das weibliche Selbstbewusstsein vom männlichen Begehren abhängt. Auch das von ihm faktisch bemühte Konzept der ehelichen Pflichten findet im heutigen Feminismus normalerweise keine Unterstützerinnen.

Trotzdem ist Koidl heutigen Feministinnen deutlich näher, als es ihnen lieb sein kann. Er übernimmt von ihnen die selbstverständliche Bereitschaft, für Schwierigkeiten im Leben von Frauen Männer verantwortlich zu machen. Er übernimmt den scharf mißbilligenden Blick auf Verhaltensweisen, die diffus als „männlich“ klassifiziert werden. Er übernimmt auch die Moralisierung des Begehrens: Ganz wie, zum Beispiel, die Fat-Acceptance-Bewegung füttert er die Illusion, Frauen könnten es moralisch einfordern, schön gefunden und begehrt zu werden, weil doch das Ausbleiben des Begehrens ihnen nun einmal Schmerz zufügen würde.

Vor allem übernimmt Koidl vom heutigen Feminismus die geschlechterbezogenen Double Standards, mit denen Handlungen und Leiderfahrungen bei Männern und bei Frauen radikal unterschiedlich bewertet werden.

 

Woody Allen und Albert Speer: Irgendwie alles dasselbe, oder?

Gerade weil Koidls Buch so bedenkenlos auf Ressentiments schielt, lohnt es sich daher, die Passage auf heutige Debatten zu beziehen – insbesondere eben auf die Metoo-Bewegung, die mittlerweile darin mündet, dass Bilder in Museen abgehängt oder Gedichte von Wänden getilgt werden.

Die Manchester Art Gallery hängte Waterhouses Bild „Hylas and the Hymphs“ ab, um im Rahmen der Metoo-Bewegung eine Diskussion über dessen Sexismus anzustoßen.

Fragwürdig wird dann beispielsweise die Rollenaufteilung, dass Frauen erzählen und Männer zuhören und lernen sollten. Die Vorstellung ist offenbar falsch, dass Männer erst einmal lernen müssten, mit sexueller Ablehnung umzugehen und sie zu akzeptieren, während Frauen mit sexueller Ablehnung irgendwie immer schon mühelos klarkämen.

Falsch ist es überhaupt, das Verhalten, das Harvey Weinstein vorgehalten wird, als Sinnbild für männliches Verhalten gegenüber Frauen zu werten. Weinstein hat offenbar institutionalisierte Machtpositionen ausgenutzt, und dieses Verhalten ist von vielen Männern und Frauen gedeckt worden, die an seiner Macht partizipieren wollten. Die alltägliche Interaktion von Männern und Frauen aber wird von ganz anderen Dynamiken bestimmt.

So ist das positive Gegenstück zum Kuschelhasen, diesem Scheißkerl, unglücklicherweise ausgerechnet ein Raubtier, ein Tiger zu Beispiel. Sexualität ist schließlich auch deshalb erregend, weil sie Grenzen überschreitet. Männer, die sexuelle sehr defensiv agieren, machen vermutlich regelmäßig die Erfahrung, dass Frauen sie langweilig oder bestenfalls als guten Freund brauchbar finden. Dadurch, dass diese Erfahrung feministisch nicht wünschenswert ist, ist sie ja nicht weniger real.

Andererseits können sowohl Grenzüberschreitungen als auch Grenzsicherungen verletzen. Es kann selbstverständlich destruktiv, sogar traumatisierend sein, wenn die Grenzen eines Menschen gegen dessen Willen überschritten werden. Bei aller Verschiedenheit stellt Sexualität Männer und Frauen so vor ganz ähnliche Probleme, nämlich vor die Notwendigkeit, den Wunsch nach Grenzüberschreitungen mit  dem Schutz vor folgenschweren Verletzungen zu vereinbaren.

Daher ist auch die Grenze zwischen Erwachsenen und Kindern hier so wichtig: Ein halbwegs humaner Umgang mit Sexualität verlangt Menschen eine Verantwortung für sich selbst und für andere ab, die wir von Erwachsenen, aber nicht von Kindern erwarten können. Eben das aber ist der Aspekt, über den die  Metoo-Bewegung ins Destruktive kippt.

Würden sich hier Erwachsene über ihre Erfahrungen austauschen und gegenseitig zuhören, dann könnten potenziell alle Sehnsüchte nach Grenzüberschreitungen und Ansprüche auf Schutz vor Verletzungen besser miteinander vereinbaren. Ich habe zum Beispiel in den Gesprächen mit Frauen Informationen über das Verhalten von Männern – von Männern, nicht: von allen Männern – bekommen, die ich zuvor nicht hatte. Von sexuellen Zudringlichkeiten durch Männer in Machtpositionen können fast alle berichten. Würden Frauen Männern zuhören, würden sie vermutlich auch einiges erfahren, was für sie neu oder ungewohnt ist.

So präsentiert das Jugendmagazin jetzt von der Süddeutschen Zeitung die metoo-Bewegung. Kein Dialog, sondern eine Sammlung von Vorwürfen, in der Männern vor allem die Rolle des Beschämten bleibt.

Bei Metoo geht es aber um etwas ganz anderes als um den Austausch von Erfahrungen. Gerade hat die als seriös geltende Wochenzeitung Die Zeit mit der Frage aufgemacht, ob wir Filme von Woody Allen überhaupt noch sehen dürfen. Auf der Titelseite erklärt das Blatt, dass Allen wie andere durch Vorwürfe „belastet“ sei – der Artikel selbst beginnt dann schon selbstverständlich mit der Frage, ob es die Rezeption von Kunstwerken beeinträchtige, wenn sie von „Verbrechern“ gemacht wären.

Im Artikel werden dann Woody Allen und Dieter Wedel, die kein Gericht für schuldig befunden hat, ganz selbstverständlich in eine Reihe mit dem nationalsozialistischen Verbrecher Albert Speer gesetzt. So reproduziert die seriöse Wochenzeitung ein maßloses Schwarz-Weiß-Denken: Beschuldigt zu werden ist hier ganz dasselbe wie schuldig gesprochen zu werden, und jegliche Schuld ist ebenso schwer wie die schwerste Schuld, die wir uns nur vorstellen können.

Es bleibt zweitrangig, dass Allens Sohn Moses darauf hinweist, dass Vorwürfe gegen Woody Allen offenbar zwischen der Tochter Dylan und der Ex-Frau Mia Farrow im Sorgerechtsstreit abgesprochen waren. Unwichtig ist auch, dass zwei voneinander unabhängige Untersuchungen zu dem Ergebnis kamen, dass es keinen Missbrauch gegeben habe. Demonstrativ bekunden nun  Schauspieler und Schauspielrinnen, nie wieder mit Allen zu arbeiten. Da alle Vorwürfe gegen Allen schon vor Jahrzehnten bekannt waren, geht es bei diesen Demonstrationen erkennbar nicht um sachliche Argumente, sondern darum, sich auf der richtien Seite von Metoo einzuordnen.

Das entfernt sich demonstrativ von politischen, zivilen Abwägungen und kippt ins Religiöse: Hier stehen sich eine Welt des Schmutzes und eine Welt der Reinheit gegenüber, und moralisch akzeptabel kann nur jemand handeln, der das Reine vor dem Schmutzigen schützt. Es ist ganz folgerichtig, dass Reinheitsideologen gerade Kunstwerke, die ja traditionell mit Ambivalenzen und Uneindeutigkeiten spielen, als schmutzig wahrnehmen und ihre Entfernung aus dem öffentlichen Raum betreiben. Es ist kennzeichnend für die Metoo-Stimmung, dass massenmedial sogleich Kritiker bereits stehen, die amüsiert oder weihevoll versichern, diese Entfernung von Kunst würde die Kunstfreiheit selbstverständlich nicht beeinträchtigen. 

 

„Lutsch meinen Schwanz“: Wie die Kinder des Lichts gegen die Menschen der Dunkelheit kämpfen

Schroffes Schwarz-Weiß-Denken prägt eben nicht nur die Themen der Debatte, sondern auch die Debatte selbst. Wer sich mäßigend äußert, muss sogleich damit rechnen, auf die Seite des Schmutzes aussortiert zu werden. Die Autorin Katie Roiphe beispielweise wurde sogleich öffentlich maßlos beschimpft, als „menschlicher Abfall“, als „Monster“ oder „Müllmensch“ bezeichnet – ihr wurde mit dem Ende der Karriere gedroht oder von einer anderen Autorin aggressiv das „Lutschen“ ihres „Schwanzes“ aufgedrängt – nur weil sie einen kritischen Artikel zur Metoo-Bewegung angekündigt hatte. Angekündigt: Noch keiner der wütenden Kommentatoren, einschließlich der weltweit bekannten feministischen Journalistin Jessica Valenti, hatte den Text gelesen. (vgl. Genderama, Punkt 5)

 Matt Damon beispielsweise wird zum Buhmann und gelobt, zukünftig seine Klappe zu halten – nur weil er auf die Selbstverständlicheit hinwies, dass ein Verhalten wie das Weinsteins nicht für alle Männer typisch sei und dass es etwas anderes sei, „jemandem den Po zu tätscheln, als jemanden zu vergewaltigen“.

Alec Baldwin, wegen seiner scharfen Trump-Parodien eigentlich ein Liebling des linken Establishments, wird in der renommierten New York Times scharf angegriffen, weil er Woody Allen und den sexueller Übergriffigkeiten beschuldigten Regisseur James Toback öffentlich verteidigt hat. Dass der Schauspieler Ulrich Tukur den Regisseur Dieter Wedel verteidigt, nimmt ihm Till Schweiger sofort und im Kommandoton demonstrativ übel: „Das muss aufhören.“

Unwichtig ist es hier, zum Beispiel, dass die Schauspielerin Sonja Kirchberger deutlich positiver über ihre Erfahrung mit dem Regisseur Wedel spricht und auch davon berichtet, dass sich Frauen „bisweilen äußerst aggressiv an ihn rangemacht“ und am Set „Schlange gestanden“ hätten.

Beim Women’s March in Oslo: Der Protest gegen sexuelle Übergriffe verbindet sich direkt mit der Verheißung einer weiblichen Zukunft – die Debatte kippt ins Religiöse. Quelle.

Zur debattenprägenden Reinheitssehnsucht passt es nun einmal überhaupt nicht, nach einer Verantwortung von Frauen zu fragen. Wer von Frauen wie von Männern erwartet, sich auf die Unsauberkeiten, Widersprüchlichkeiten und Unehrlichkeiten sozialer Interaktionen einzustellen, der zerstört das Bild einer reinen Unschuld in einer dunklen Welt steht. Dabei ist diese Reinheitssehnsucht gleich aus drei Gründen destruktiv.

Erstens macht jemand, der Frauen auf die Rolle der reinen Wesen festlegt, abhängig von männlichen Beschützern, die ihnen die Schmutzigkeiten der Welt vom Leib halten. Männer hingegen erscheinen als Wesen, die aus unerfindlichen Gründen und prinzipiell überhaupt keinen Schutz nötig haben, und schon gar nicht vor Frauen.

Zweitens ist die Sehnsucht nach Reinheit ganz ungeeignet, um Gewalt einzudämmen. Das weiß eigentlich jeder, der basale sozialpsychologische Kenntnisse hat: Strikte Schwarz-Weiß-Muster lagen dazu ein, dass Menschen das, was sie an sich selbst nicht wahrnehmen möchten, stattdessen in den düsteren Feinden wahrnehmen. Abspaltung und Projektion: Die Kinder des Lichts brauchen andere Menschen, an die sie ihre eigene Dunkelheit delegieren können.

Dadurch aber werden Menschen unfähig, mit ihren eigenen destruktiven Verhaltensweisen angemessen umzugehen oder sie auch nur wahrzunehmen. Auch die sexuellen Übergriffigkeiten männlicher Feministen lassen sich so gut erklären.

Drittens sind Reinheitssehnsüchte infantilisierend. Wer andere Menschen als rein wahrnehmen möchte, der weist ihnen eben keine erwachsenen Verantwortungen zu, sondern verlangt statt dessen, die Welt so einzurichten, dass ihre Reinheit bewahrt werden kann. Das aber verweist sie in eine ewige Kindheit.

Gerade der Umgang mit Sexualität aber verlangt allen Beteiligten erwachsene Verantwortungen ab. Fantasien kindlicher Reinheit sind hier deplatziert und destruktiv – was sich spätestens in ihren destruktivsten Formen zeigt, nämlich bei der sexuellen Gewalt gegen Kinder.

Metoo ist also eine falsche Debatte über richtige Themen – weil hier Erfahrungen mit dem Spannungsverhältnis von Sexualität und Macht angesprochen, aber sogleich in Fantasien von Reinheit und Schmutz einsortiert werden, die eine erwachsene, demokratische Diskussion verhindern.

 

6. Februar: Ich hatte irrtümlich Woody Allens Sohn Moses Enthüllungen über Weinstein zugeschrieben. Nach einem Leserhinweis – siehe unten in den Kommentaren – habe ich die Passage entfernt. @ Chris Korbjuhn: Danke!

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27 Comments

  • im Jahr 2012 hat das Berufungsgerich von Aix en Provence bereits ein Urteil dahingehend gefällt. Frau strengt Scheidung wegen Fehler an weil sie keinen Sex mehr hatten. Seine Entschuldigung, auseinander gelebt, Müdigkeit wegen des Jobs und gesundheitliche Probleme. Nur impotent war er nicht…
    Es war auch keine Abstinent total…
    „Die Tatsache, dass es seit mehreren Jahren praktisch keinen Geschlechtsverkehr mehr gibt, wenn auch mit gelegentlichen Wiederholung en, hat zur Verschlechterung der Beziehungen zwischen den Ehepartnern beigetragen“.
    Ups… Wie war das nocht? In guten wie in schlechten Tagen…

    https://www.francetvinfo.fr/societe/justice/un-mari-condamne-a-indemniser-sa-femme-pour-abstinence-sexuelle_33099.html

    • Ja-ja, die Doppelstandards … anders herum wäre es ein Beispiel für toxische Männlichkeit oder eines male entitlement… so aber… Frauen haben Bedürfnisse!

  • Interessant ist für mich, dass hier faktisch nichts Neues vorliegt, sondern nur eine weitere Eskalationsstufe der Infantilität, und selbst die ist geschichtlich bekannt:

    – Moral panic, wieder einmal.

    – Viele viele Moralunternehmer als Profiteure: Akteure und (massenmediale) Anheitzer sind durch diesen Begriff und seine geschichtlichen Vertreter gut charakterisiert.

    – Analytisch bei Kucklick: Die Männerabwertung und im Gegenzug die Überhöhung der Frau als misslingende Form der Komplexitätsreduktion einer unübersichtlichen Moderne.

    Was sagt das über den Zustand einer angeblich modernen Gesellschaft, wenn sie sich derart in offensichtlich irrationale Diskussionslagen verstrickt?

    metoo kein Fortschritt, sondern nur eine weitere Runde im polarisierenden Spiel.

  • Es wäre schön, wenn diese Debatte endlich eine andere Richtung aufnehmen würde.
    Für mich eine atemberaubende Kampagne voller Doppelmoral.
    Wie sieht es denn mit der Würde der männlichen Sexualität aus?
    Huch… was ist denn das?………………
    Was müsste in unserem feudalen machtvollen Mediensystem passieren, dass weibliche Sexualität in der gleichen Art und Weise wie männliche Sexualität dargestellt wird.
    Was müsste passieren, damit das weibliche Sexualorgan im gleichen Sprachjargon
    besprochen, bewertet, malträtiert und gleichzeitig verhöhnt wird. Und das zum Spaß der breiten Masse?
    Schon die gedankliche Umsetzung der gleichberechtigten Umkehrung löst Entsetzen ist.
    Da ist eine natürliche Sperre, die sagt eindeutig : Das geht doch nicht wegen der Würde der Frau.
    Bei den genitalisierten B-Menschen ist das alles ganz anders. Dort, wo wegen der Würde der Frau Schluss ist, nämlich unter der Gürtellinie, fängt bei denen der Spaß
    erst richtig an.
    Der „geschlechtsspezifische Genitalismus“ hat natürlich auch deshalb Riesenerfolg, weil , man glaubt es kaum, auch die Frau Lust hat und das Wort „Dummgeilheit“ de facto nicht alleine Männern zugeschrieben werden kann.
    Das beweisen die vor allem weiblichen Reaktionen, wenn es mal wieder unter
    die Gürtellinie ( natürlich nur von dem einen Geschlecht ) geht, meist noch schlecht getarnt mit anschließender Verhöhnung.
    Es ist wie im Märchen “ Des Kaisers neue Kleider „, ich weiß, der Vergleich wurde schon hier bemüht; aber hier ist er besonders stimmig.
    Wahrnehmen ist in diesem Fall besonders schwer und tut richtig weh.
    Vielleicht hab ich auch die falschen vom Feminismus nicht genehmigten „Frauenanteile“ wie Schamgefühl, Selbstwertgefühl und bin kein „Selbstentwertungsheld“. Auf jeden Fall weiß ich, dass die Würde für beide Geschlechter gilt.
    Die vielen medial inszenierten Grenzüberschreitungen ( auch in den öffentlich -rechtlichen ) lassen für mich nur einen Schluss zu:
    Hier wird mehr oder weniger nach dem Motto agiert, dass die Frau ihre Würde hat, die verletzt werden kann; der Mann aber keine Würde hat, also kann diese auch nicht verletzt werden.

  • Immerhin spricht einiges dafür, dass #metoo den Bogen überspannt hat: die öffentliche Kritik daran ist so deutlich wie wahrscheinlich bei keiner durchs Dorf getriebenen feministischen Sau zuvor. Und »Hylas und die Nymphen« wurde nach massiver öffentlicher Kritik wieder aufgehängt.

    Dass diese Art feministischer Hysterie einer Inflationslogik unterliegt, die sie irgendwann in die Entwertung führt, ist von vornherein in sie eingebaut – es ist nur nicht von vornherein ansehbar, wann und unter welchen konkreten Umständen der Punkt erreicht wird, an dem das allgemein erkennbar wird. Anders als beim #aufschrei ist dieser Fall bei #metoo nun offenbar eingetreten.

    Und darin liegt eine Chance, die Kritik nunmehr auf die Grundlagen des postmodernen Feminismus (und der postmodernen Linken) auszuweiten. Ich denke, dass wir uns in zehn Jahren an #metoo als einen historischen Wendepunkt erinnern werden: weil er das Ende der öffentlichen Unangreifbarkeit der feministischen Ideologie anzeigt.

    • „Ich denke, dass wir uns in zehn Jahren an #metoo als einen historischen Wendepunkt erinnern werden: …“

      So optimistisch bin ich nicht. Um es mit dem für heute zu erwartenden DAX-Crash von ca. 5% zu vergleichen: das ist eine größere Korrektur, aber in drei Wochen ist die Panik vergessen, und es geht munter weiter.

      Ich hatte vor einiger Zeit einmal den Begriff Gender-Scharia vorgeschlagen um die Analogie zwischen dem Islam und dem real existierenden, institutionalisierten Feminismus auszudrücken. Die besteht darin, daß in beiden Fällen das Rechtsverständnis, die Grundwerte und die Methoden der Rechtsschöpfung unvereinbar mit unserer (bisherigen) Verfassung sind.

      Diese Gender-Scharia steckt in Abertausenden Köpfen und wird z.T. schon Kindern eingetrichtert, und man wird sie nicht wieder herausbekommen. Das erinnert mich an das Interview eines Psychologen, bei dem es um die Frage ging, ob man die Flüchtlinge, die in völlig anderen Rechtsordnungen aufgewachsen sind, noch zu unserer Rechtsordnung bekehren kann. Antwort: eher nicht, nach der Pubertät ist die Chance gering.

      Deswegen bin ich sehr pessimistisch, daß die feministische Rechtsordnung in den nächsten 10 – 20 Jahren überwunden werden kann. Deren Vertreter sitzen noch auf Jahrzehnte in sehr vielen politischen und medialen Machtpositionen. Aktuell hat die SPD die Chance, noch mehr Quoten durchzusetzen, womit das Konzept, daß Kollektive wichtigere Rechtssubjekte als Individuen sind, noch mehr zementiert wird, usw. usw.

      • @mitm:

        »Diese Gender-Scharia steckt in Abertausenden Köpfen und wird z.T. schon Kindern eingetrichtert, und man wird sie nicht wieder herausbekommen.«

        Wenn ich so mitbekomme, wie in der Klasse meines Sohnes (eine Generation, die mit den sozialen Medien groß geworden ist und die jetzt im Pubertätsalter ist), über »SJWs« und »Did you just assume my gender??« gehöhnt wird (und zwar ohne dass Väter wie ich dazu beigetragen hätten, das kommt spontan von denen), dann mache ich mir über zu viel Gender-Scharia in den Köpfen der Folgegeneration eher wenig Sorgen.

        In bezug auf #metoo und ähnliche Kampagnen war ja von dem einen Prozent die Rede, das tatsächlich an diese Ideologie glaubt – darüber hinaus gibt es bloß zahlreiche Opportunisten, die ihr Mäntelchen sofort in einen anderen Wind hängen werden, wenn sie mit »Feminismus« keinen Blumentopf mehr gewinnen können.

        Bis diese Ideologie von den politischen Kommandohöhen verschwindet und ihre kulturelle Hegemonie effektiv verliert, dürfte sicher noch einige Zeit vergehen – in Zeiten bevorstehender »Weiter-so-Groko« merken die Toten noch nicht, dass sie tot sind. Aber ich denke, dass dieses Eis mittlerweile sehr dünn ist. Und wenn es bricht, wird diese Vergangenheit sehr schnell versinken.

        Aber es kann nicht schaden, optimistische und pessimistische Einschätzungen nebeneinander zu stellen.

        »Es kommt ein Ruf aus Seir in Edom: ›Wächter, wie lang noch die Nacht?‹ – ›Der Tag kommt, doch noch ist es Nacht. Wenn ihr fragen wollt, kommt ein andermal wieder.‹« (Jes. 21,11)

        • @ djadmoros, mitm Ich bin auch nicht sonderlich optimistisch. Schon der #Aufschrei war in einiger Hinsicht ein Eigentor, weil dadurch eine ganze Menge Männer motiviert wurden, sich ihrerseits zu beteiligen und feministischen Deutungen zu widersprechen. Das hat nichts daran geändert, dass aus dem Aufschrei eine moderne Legende wurde, als Bewegung von Frauen, die „endlich“ den Mund aufmachen und sich „endlich“ wehren würden – dass Wizorek immer noch als Heldin in Talkshows auftreten kann – dass viele Männer immer noch das Gefühl haben, sie kämen nur durch Selbstbezichtungen oder durch Abwertungen des eigenen Geschlechts halbwegs unbeschadet aus der Nummer raus.

          Ich glaube, es geht einfach überhaupt nicht darum, ob so eine „Debatte“ – die ja eigentlich eher ein riesiger Monolog ist – gewonnen wird oder nicht, ob sich Argumente als schlüssig erweisen oder widerlegt werden. Wichtig ist eher, DASS solch eine Bewegung immer wieder inszeniert werden kann.

          ALS MÄNNER befinden sich Männer hier wieder einmal, wie eigentlich in jeder geschlechterpolitischen Debatte der letzten Jahrzehnte, in der Defensive und müssen sich noch dafür entschuldigen, wenn sie auch nur versuchen, sich zu rechtfertigen oder darauf hinzuweisen, dass das Verhalten einiger nicht auf alle bezogen werden sollte. Selbst wenn sich Männer in der Defensive immer bessere Argumente einfallen lassen und argumentativ den Klischees der metoo-Bewegung weit überlegen sind, ändert das nichts daran, dass sie eben – in der defensive sind.

          Schlimmer noch: Dass solche „Debatten“ inszeniert werden, lenkt ab von ganz anderen Problemen. Arne hat ja gerade Žižek zitiert ( http://genderama.blogspot.de/2018/02/professorin-monika-frommel-uber-umgang.html ), der darauf hinweist, dass meto gerade in dem Moment begann, als die Paradise Papers enthüllt wurden. Da eben geht es darum, dass Menschen, die unendlich viel besitzen, sich gemeinschaftlichen Verpflichtungen und Verantwortungen entziehen – obwohl sie es ja nun überhaupt nicht nötig hätten. Das gilt eben auch für solche Super-Moralisierer wie Bono. Das Auseinanderklaffen des Besitzes – die faktische Unmöglichkeit, die Reichsten in Verantwortungen einzubinden: Das sind enorme, schwer zu lösende Probleme, von denen aufgeregte Debatten wie Metoo ablenken. Selbst wenn diese „Debatte“ abermals nach hinten losgehen sollte, hat sie damit ihre Funktion erfüllt.

          • @ Lucas

            Auf der einen Seite sehe ich es schon lange als positiv an, dass sich gerade diskursiv eine Gegenfront gegen diesen ganzen meist irrationalen Mummenschanz aufgebaut hat. Und da hat die von dir angerissene #aufschrei-Nummer einiges zu beigetragen, denke ich. Diese hysterische Nummer mit der sehr offensichtlich vollkommen distanz- und kritikfreien medialen Orchestrierung hat nach meinem Empfinden so einige Menschen durchaus ein Stück weit zum Aufwachen gebracht. #metoo könnte da weitere „Dissidenten“ kreieren.

            Ein wesentliches Problem ist nur: viele Menschen interessieren sich nicht derart für das Thema Geschlechterpolitik wie wir hier. Dieses Thema findet auf beiden Seiten nur für eine jeweils recht kleine Menge aus der Gesamtbevölkerung statt.

            Problematisch ist dies deshalb, weil eben die kleine Gruppe, die die (radikal-)feministische Position vertritt entweder bestens mit den Medien vernetzt ist oder gar direkt für große Medien mit großer Reichweite frei oder fest angestellt tätig ist.

            Auf diese Weise bekommen die vielen Menschen, die sich nur am Rande mit derlei Themen beschäftigen, ein von vornherein massiv vorgeprägtes Bild von der Wirklichkeit aufgedrückt. Seit ich mich stärker mit diesem Thema beschäftige, hat sich auch bei mir das ungute Gefühl verfestigt, wie viel von Themen, die man selbst nur bestenfalls oberflächlich kennt, einem auch schon von den Medien mit politischer Vorfärbung in den Kopf gehämmert worden ist. Warum sollte es denn gerade bei geopolitischen Themen anders sein, als bei geschlechterpolitischen Themen, wo einem bei stärkerem Eintauchen in die Materie der teils unfassbare Bias der klaren Mehrheit der Medienberichte regelrecht ins Gesicht springt?

            Durch diese Vorfärbung ist es natürlich schwierig, Leute, die, wie gesagt, dieses Thema nur oberflächlich kennen, auf den Irrsinn hinzuweisen, der dort teils abläuft. Wenn Spiegel, Zeit, SZ, teils sogar FAZ oder Welt überwiegend wohlwollend bis euphorisch über feministische Kampagnen und Politaktivismus berichten und selbst Kritik daran, wenn sie denn mal zur Abwechslung kommt, nur seeeeeeeeehr vorsichtig und immer wieder mit den klassischen Betonungen der eigentlichen Wichtigkeit der ganzen Sache formuliert wird, dann ist es für unsereins schwer, da für diesbezügliche Sensibilität zu sorgen.

            Wenn einem auf ARD und ZDF ständig eine eigentlich (nach meiner Einschätzung) geistig stark entwicklungsverzögerte Person wie Anne Wizorek als mutige und doch so nett und sanft gebliebene Streiterin für die gute Sache präsentiert wird, dann erscheint der Typ im Kollegenkreis und erst recht im Onlineforum, der dich auf den ganzen radikalen Scheiß hinweist, den die so normal in die Welt rotzt, doch eher als Troll, der nur versucht, sie auf Basis ungünstiger, entkontextualisierter Aussagen niederzumachen.

            Wenn die Medien jubeln und nur die „Trolle“ haten, wem vertraut man da wohl am ehesten als im Themengebiet unbedarfterer Bürger?

            Selbst offenkundig unmöglicher Scheiß, der da abläuft wird medial unter Jubelarien begraben oder zumindest bis zur Unkenntlichkeit relativiert. Und wer davon abweichend versucht, mal die wahre Fratze dahinter zu entblößen, steht schnell als durchgeknallter Alarmist da.

            Ich kenne das aus unzähligen Diskussionen. Man muss da extrem vorsichtig und überlegt argumentieren, immer bereit sein, spätestens auf Verlangen, verlässliche Quellen nachreichen zu können. Wo da ja auch das Problem ist: Quellen wie manndat werden wohl kaum als verlässlich angesehen werden. Da müssen schon Quellen aus dem Bereich der Mainstreammedien kommen. Und die Quellen sind schwer zu finden, weil die nun mal eben in klarer Tendenz die „Gegenseite“ stützen – was witzig ist, weil sie somit auch eigentlich diesbezüglich eher unglaubwürdig sind, was aber thematisch weniger firme schlicht nicht wissen oder beurteilen können. Ein Teufelskreis.

            Es ist wirklich schwer, gegen diesen riesigen Berg von Mythen, Geschichtsklitterungen und nicht selten bloßen Lügen und Verschleierungen anzuargumentieren, der sich im Zuge dieser immer stärker ins Absurde abdriftenden Ideologie über Jahrzehnte angehäuft worden ist.

            Und das ist der Grund, warum auch ich glaube, dass es noch sehr lange dauert, bis der derzeitige Spuk endgültig ein Ende findet. Da ist einfach ein zu großes Ungleichgewicht der öffentlichen Repräsentanz dieser Themen. Darum bin auch ich eher pessimistisch gestimmt, was die nähere bis mittelfristige Zukunft angeht, ließe mich aber gerne positiv überraschen.

          • @ Billy Coen „Man muss da extrem vorsichtig und überlegt argumentieren“ Im Netz sind ja auffällig viele Männer und auch Frauen, die feministische Positionen kritisieren, nur pseudonym unterwegs. Das schränkt die Reichweite natürlich ein, unter Klarnamen könnten wir viel wirkungsvoller sein. Ich glaube, dass viele aber z.B. Angst um ihre Position am Arbeitsplatz haben.

            Die Heftigkeit, mit der männerrechtliche Positionen diskreditiert werden, schüchtert offenbar ein. Für mich unvergessen sind die Vorwürfe aus „Studien“ der grünen Heinrich Böll Stiftung oder der sozialdemokratischen Friedrich Ebert Stiftung, die Väterrechtler (und andere Männerrechtler) schlankweg und belegfrei mit Nazis und dem Massenmörder Breivik in Verbindung gebracht haben. https://man-tau.com/2014/07/16/von-versteinerungen-und-der-angst-vorm-tanzen-zu-robert-claus-maskulismus/

            Gerade die Absurdität und Grundlosigkeit solcher Vorwürfe schreckt ab. Hier wird schließlich vorgeführt: „Wir haben es überhaupt nicht nötig, irgendwelche auch nur halbwegs haltbaren Gründe anzuführen, um Dich als Nazi hinzustellen.“ Besonders irre: Es sind natürlich gerade Linke und Liberale, die durch so etwas eingeschüchtert werden – echte Rechtsextreme haben ja keine große Angst davor, als rechtsextrem hingestellt zu werden.

            Bei mir selbst hat das Pseudonym „Lucas Schoppe“ die Funktion, unseren Sohn aus öffentlichen Diskussionen herauszuhalten und das Verhältnis zur Mutter nicht noch weiter zu belasten. Väter haben also noch spezifische Gründe dafür, sehr zurückhaltend zu agieren.

            Es gibt aber vielleicht noch einen weiteren Grund für die Zurückhaltung vieler Männer – „viele Menschen interessieren sich nicht derart für das Thema Geschlechterpolitik wie wir hier.“ Könnte es nicht sein, dass Männer in der Regel Geschlechterprobleme gar nicht als politische Probleme, sondern als Privatsache wahrnehmen?

            Der aus der 68er-Zeit übernommene feministische Slogan, dass das Private politisch sei, konnte ja direkt an hergebrachte Geschlechterfunktionen andocken. Frauen konnten davon ausgehen, dass Männer sich schon für die Lösung der Probleme von Frauen verantwortlich fühlen würden. Schließlich entsprach es der traditionellen bürgerlichen männlichen Funktion, der Frau ein halbwegs angenehmes Lebensumfeld zur Verfügung stellen zu können.

            Für Männer hingegen war es wichtig, klar zwischen öffentlichen, beruflichen und privaten Problemen zu unterscheiden, um etwa ihr berufliches Umfeld nicht mit privaten Schwierigkeiten zu belasten.

            Frauen exekutierten in und auch seit den Siebzigern die „Befreiung aus dem Ehejoch“ demonstrativ, zumal sie sich oft sicher sein konnten, dass diese Befreiung gleichsam vollkaskoversichert war und ausgerechnet durch die finanziert wurde, von denen sie sich befreiten. Männer hingegen gehen still, aber – so mein Eindruck – deutlich konsequenter.

            Es gab neulich mal in dem Schweizer „20 Minuten“-Magazin eine Umfrage, nach der sich über 40 Prozent der Leser als MGTOW-Anhänger outeten. http://www.20min.ch/schweiz/news/story/-Frau-unterzeichnet-vor-dem-Sex-einen-Vertrag–18780441 Das ist nach eigenen Angaben des Magazins „nicht repräsentativ“, aber auch nicht völlig irreführend – wenn ich meinen persönlichen Erfahrungen trauen kann.

            Ich kenne mittlerweile reihenweise Männer in den Vierzigern oder Anfang-Fünfzigern, die gut und zufrieden ohne Frauen leben und auch gar keine Beziehung mehr wollen. Mir erzählte gerade eine Freundin (Mitte vierzig), sie hätte ihren eigenen Parship-Account gerade mit dem eines Bekannten verglichen – und beide hätten festgestellt, dass dort in ihrer Altersgruppe etwa doppelt so viele Frauen wie Männer auf Partnersuche seien.

            Ich glaube: Männer machen keinen geschlechterpolitischen Wirbel, sondern ziehen sich stillschweigend zurück – sicher auch deswegen, weil sie das Gefühl haben, es hätte eh keinen Sinn, sich offen zu äußern. Wenn mich meine persönliche Erfahrung nicht täuscht, ist das sicher auf dem Gebiet der persönlichen Beziehungen so – und ganz eindeutig und offen nachweisbar trifft es auf viele Berufe zu, wenn sich dort schon ein Frauenüberhang etabliert hat.

            Es gibt mittlerweile kaum noch männliche Grundschullehrer, obwohl das einmal ein Männerberuf war. Auch kaum noch männliche Erzieher – bei Twitter erzählt gerade einer, mit welchen massiven Ressentiments er dort zu kämpfen hat. https://twitter.com/wessijunge/status/960852600848601088

            Diese stillschweigende Exodus (ich hätte beinahe „Exitus“ geschrieben, und das war nun wirklich ganz sicher eine Freud’sche Fehlleistung) der Männer ist gefährlich, schon allein der Kinder wegen – nicht nur der Jungen. Natürlich können die Strukturen medialer und institutioneller Übermacht, die Du beschreibst, dafür sorgen, dass viele ausdauernd die Klappe halten – aber es hat schlechte Folgen, und nicht nur für die Männer selbst.

            Leider habe ich keine besonders gute Idee, wie sich das ändern lässt. Ich hoffe, dass die stetige Arbeit von vielen – die gerade gegründeten Liberalen Männer, Gerd Riedmeier und das Forum Soziale Inklusion, Blogs wie die von Arne und Christian, manndat und andere – mit der Zeit die Beton-Strukturen etwas poröser macht.

            Ganz eindeutig hat sich im Netz und in den Kommentare der großen Medien in den letzten fünf Jahren viel geändert, es gibt heute viel mehr kritische Kommentatoren. Laut Marx und Hegel gibt es ja irgendwann einen Umschlag von Quantität in Qualität – das heißt, dass irgendwann auch etwas von diesen Änderungen weiter oben ankommt. Und das würde auch viele ermutigen, die viel zu sagen hätten, aber lieber die Klappe halten.

            Wäre ja schön.

          • @Lucas: „… aus dem Aufschrei eine moderne Legende wurde, als Bewegung von Frauen, die „endlich“ den Mund aufmachen und sich „endlich“ wehren würden“

            Genau diese Lüge hat mich motiviert, etliche Abende zu opfern und die Liste der feministischen Twitter-Kampagnen zusammenzustellen, inzwischen über 60, und ich habe noch ca. 10 Kandidaten in Reserve. Für mich mehren sich inzwischen die Indizien, daß die Hashtag-Kampagnen sozusagen industriell produziert werden.

            „Selbst wenn diese „Debatte“ abermals nach hinten losgehen sollte, hat sie damit ihre Funktion erfüllt.“

            Ich hatte eine gewisse Hoffnung, daß der vor einiger Zeit gegründete Verein der liberalen Männer etwas mehr politisch / mediale Sichtbarkeit erzeugen würde, aber da scheint nicht viel zu passieren.

            @Billy Coen: Ich sehe das genauso. Zentrales Problem sind die Medien und deren ideologische Agenda.

            „immer bereit sein, spätestens auf Verlangen, verlässliche Quellen nachreichen zu können.“

            Richtig, das sollte man sowieso für sich selber 😉

            Verläßlich ist aber fast nichts, was Journalisten berichten, nachdem sie es durch ihre persönliche ideologische Brille gefiltert haben (s. auch https://man-tau.com/2018/02/05/metoo-sexismus-kuschelhasen/#comment-12598.

            „die Quellen sind schwer zu finden,“

            und sind dann oft schwer zu verdauende wissenschaftliche Publikationen, die einem auch nicht weiterhelfen, weil sie niemand liest bzw. versteht. Politisch wirksam wird man nur mit stark vereinfachenden, i.d.R. emotionalen „Narrativen“. Das ist mir letztens bei der Beschäftigung mit Jordan Peterson so richtig klargeworden. Solche erfolgreichen Narrative haben wir bisher nicht.

          • @ Billy:
            „Warum sollte es denn gerade bei geopolitischen Themen anders sein, als bei geschlechterpolitischen Themen, wo einem bei stärkerem Eintauchen in die Materie der teils unfassbare Bias der klaren Mehrheit der Medienberichte regelrecht ins Gesicht springt?“

            In der Tat gibt es überhaupt keinen Grund zu der Annahme, daß es da einen systematischen oder methodischen Unterschied gibt.
            Und insofern muß man den Femikampagnen nahezu dankbar sein. Denn sie sind für ansonsten Unbedarfte, so die denn mal ein wenig Interesse entwickeln, deutlich einfacher so enttarnen und v.dh. ein prima Indikator und u.U. auch motivierend.

            Ich lese deshalb gern immer mal ein paar Artikel auf Rubikon, einfach als informatives Gegengewicht. Und muß sagen, das ist schon reichlich erhellend, selbst bei starken Vorbehalten. Gerade heute hatte ich mal wieder Gelegenheit, die Darstellung der „syrischen Weißhelme“ mit der deutschen MS-Presse zu vergleichen und war zutiefst entsetzt. Da konnte ich über die Meldung, daß angebl. der böse Assad ( oder waren’s die Russen? ) „mal wieder“ mit „Giftgas“ um sich schmeißen, schon wieder kopfschüttelnd belächeln.

          • @ mitm

            Zu dem Thema mit den Quellen: Gewiss ist es mindestens sinnvoll, immer alles mit Fakten untermauern zu können, gerade wenn man Dinge vorbringt, die in Diskussionen mit „unbedarfteren“ Personen schnell als „steile Thesen“ verstanden werden könnten. Das, oder besser etwas gegenteiliges, meinte ich damit aber gar nicht so; kam vielleicht missverständlich rüber.

            Mir ging es eher um die Schwierigkeit, in solchen Diskussionen Quellen zu finden, die a) auch zur Kenntnis genommen werden (du hast ja ganz richtig betont, dass wissenschaftliche Papers kaum eine Sau wirklich liest) und b) auch als verlässlich akzeptiert werden. Und da muss man schon immer noch mal ein Wenig googeln (am besten natürlich, bevor man eine Aussage tätigt), um irgendetwas in der Richtung aus einem der großen, „vertrauenswürdigen“ Medien zu finden. Diskutiert man mit Leuten, die zwar nicht wirklich primär feministisch ticken, aber dennoch einfach aus der Dauerbeschallung heraus viele der einschlägigen Mythen internalisiert haben, kann man denen nicht mit Verlinkungen auf Seiten wie deiner kommen. Da reicht schon der Name der Seite, damit alles weitere gar nicht erst gelesen wird. Da wird sich in der Regel gar nicht erst ein Bild über die Qualität des Inhaltes gemacht (welche ich bei deiner Seite als recht hoch einschätze) sondern direkt die kognitive Dissonanz dadurch verarbeitet, indem schlicht die Quelle als blödsinniger Troll-Blog abgetan wird.

            Aber finde zu vielen Themen und Problemen, die z. B. du in bemerkenswerter Akribie in deinem Blog aufarbeitest, mal auch nur ansatzweise ähnlich gelagerte, kritische Auseinandersetzungen in unseren Mainstreammedien.

            Und das meinte ich, macht die Diskutiererei zu gerade diesen Themen oft so mühselig. Die Quellen, die als verlässlich gelten, liefern erschreckend wenig erhellendes und das Verlinken auf alternative Medien ist eher noch unfruchtbarer, als das direkte Verlinken auf Primärquellen (also besagte Papers und Studien).

    • Ich wäre auch eher skeptisch, ob #MeToo den Bogen wirklich weit genug überspannt hat. Im Moment versucht ProQuote-Regie (die wollen eine Frauenquote bei Filmvergaben im ÖR und durch die Filmförderung unterstützten Projekten) ganz massiv auf der Welle mitzureiten, mit der Argumentation, nur eine (paritätische) Frauenquote könnte den Missbrauch von Macht im Film/Fernsehgeschäft verhindern. Obwohl das offensichtlicher Schwachsinn ist – nur ein kleiner Teil der männlichen Regisseure wird überhaupt beschuldigt, Frauen sind keineswegs immun gegenüber Machtmissbrauch – scheinen sie damit nicht ohne Erfolg zu bleiben, auch Dank guter Vernetzung in den Medien. Siehe diesjährige Berlinale. Es geht bei #MeToo eben auch um knallharte Interessen- und Machtpolitik, darum, der eigenen Klientel Vorteile zuzuschanzen, und da wittern jetzt einige eine günstige Lage um die eigene Agenda durchzudrücken, vergleichbar Silvester in Köln.

      • „… nicht ohne Erfolg zu bleiben, auch Dank guter Vernetzung in den Medien.“

        Das ist symptomatisch. Dazu passend erschien vorgestern in der ZEIT ein sehr interessanter Artikel:

        Lukas Haffert: Metropole des Populismus, 4. Februar 2018 http://www.zeit.de/kultur/2018-02/berlin-elitenkritik-populismus/komplettansicht

        Dieser Artikel sucht sozusagen von unten nach den Ursachen für den missionierenden Journalismus und dessen Filterblasenexistenz. Er übersieht mMn den Einfluß von oben durch feministische Besitzerinnen der Medienkonzerne. Die meisten Journalisten sind Marionetten dieser Konzernchefinnen, sie merken es aber nicht.

        Ich verfolge das seit Jahren und habe es immer wieder auf meinem Blog attackiert: die meinungsbildende Presse hat sich weitgehend zu einer versteckten politischen Partei entwickelt, ideologisch i.w. ein Abklatsch der Grünen, die nur noch ihre eigene politische Agenda verfolgt und sich als Volkserzieher versteht.

        Beispiel: die Artikel zum Thema Sexismus in der ZEIT (http://www.zeit.de/thema/sexismus): das sind seit Anfang Oktober 2017, also dem Beginn der metoo-Kampagne, ca. 150 (!) Artikel. In fast allen werden die Bösen Männer und/oder die Opfer-Frauen beschworen, und ca. 5 – 10% sind pro forma etwas ausgewogener. Macht 10 von 10 Goebbelspunkten für eine gelungene Hetzkampagne gegen „das Böse“ (a.k.a. „die Männer“). In der SZ dürfte es genauso sein, da sehe ich gar nicht mehr hinein.

        Die feministische Hegemonie in den Medien anzugreifen ist sehr schwer. Man kommt nicht gegen deren mediale Reichweite und schierer Feuerkraft an immer wieder neuen Propagandatexten an.

        • @mitm:

          »Die feministische Hegemonie in den Medien anzugreifen ist sehr schwer. Man kommt nicht gegen deren mediale Reichweite und schierer Feuerkraft an immer wieder neuen Propagandatexten an.«

          Das ist zweifellos richtig. Zugleich ist diese Hegemonie aber auch Gegenstand des galoppierenden Glaubwürdigkeitsverlustes der Medien generell, den wir seit mittlerweile Jahren beobachten können, »Lügenpresse« geht auch feministisch. Was bedeutet, dass Reichweite und Feuerkraft nicht mehr wirken, wenn sich immer mehr Menschen gegen solchen propagandistischen Artilleriebeschuss erfolgreich eingraben. Die Kommentarspalten (wo sie noch existieren) zeigen ja deutlich, dass diese Hegemonie auf tönernen Füßen steht, weil sie nicht wirklich auf argumentativer Überlegenheit beruht.

          Anders gesagt: »Hegemonie« ist nur ein Aliasname für die Kumulation von »Goebbelspunkten« beim Publikum. 🙂

          Das heißt, diese feministische Hegemonie wird ebenso von der Revolution der alternativen Netzwerkmedien untergraben wie andere mediale Hegemonien auch. Lucas hat bei früherer Gelegenheit auch darauf hingewiesen, dass sich der Bezug dieser Medienhegemonie zur »Basis« der Netzwerkmedien oft genug auf »Astroturfing« reduziert (wie beim #aufschrei).

          Im Augenblick ist das eine Pattsituation: keine Seite kann derzeit die Position der anderen erobern. Aber indem die feministische Propagandamaschine ihr Schicksal an den politischen und kulturellen status quo geknüpft hat, besteht die Chance, dass sie auch mit diesem fällt. Das ist jetzt zwar eine sehr unterbestimmte Aussage, aber Hauptsache, wir stochern fleißig im nächsten Riss, sobald er sich auftut! 🙂

        • @ Mitm:
          „Die meisten Journalisten sind Marionetten dieser Konzernchefinnen, sie merken es aber nicht.“

          Wie ich immer so schön sage ( heute mal in umgekehrter Reihenfolge ):
          Die wissen auch so was sie zu tun haben und brauchen gar keine Verschwörung (mehr).

          „die meinungsbildende Presse hat sich weitgehend zu einer versteckten politischen Partei entwickelt, ideologisch i.w. ein Abklatsch der Grünen, die nur noch ihre eigene politische Agenda verfolgt und sich als Volkserzieher versteht.“

          Das ist ja mittlerweile auch schon recht gut belegt worden. Und wird schon ganz offen „von denen“ selbst so dargestellt.
          Man könnte sagen: Folxerziehung ist DAS mediale Großprojekt des Jahrzehnts!
          Aber der Aufwand ist sehr groß und die Erfolge werden kleiner, weil Otto N. der Scheiß schon links und rechts aus den Ohren wieder raus quillt. Der Normalbürger zappt angewidert weiter nach D-MAX, oder so.

      • Realistisch betrachtet, könnte man also wohl sagen, der mediale Kampf wird weiter Schwierigkeiten machen. Lassen wir das also mal aussen vor, müsste die „öffentliche Sichtbarkeit“ anders hergestellt werden. Hinzu käme – ich weiß nicht mehr wer es schrieb – ein Mangel an Problemfeldern, die sich eindeutig und überzeugend argumentieren liessen. Ich denke aber, dass Ersteres sich lösen lässt, weil zweiteres nicht stimmt.

        Lukas hat ja selbst die fehlenden Lehrer und Erzieher genannt, ich würde außerdem noch die themen Beschneidung und Trennungsväter dazu zählen. Klar, fur ein Gespräch uber solche Themen mit einer Hardcore Feministin muss man sich sicher trotzdem vorbereiten, beim Durchschnittsbürger sind aber genau diese drei Themen mindestens schonmal präsent und können ihrerseits nicht so einfach vom Tisch gewischt werden.

        Vor allem finde ich eine negative Einschätzung deswegen so schade, weil ich an allen ecken erfolge sehe. Nicht politisch, nicht medial, aber dennoch kulturell und damit beginnt Veränderung nunmal. Die Medienberichte zu bepw den Wedel-talks im ÖR waren auch für Frau Wizorek nicht besonders gut. Das mag nur eine zusätzliche Hürde sein, die pro-feministische Agenda zu durchschauen, aber auch da sehe ich eher keine gute Entwicklung fur die femis: diese plump positive, bzw gegen Männer plump negative Stil ist mMn das größte Einfallstor fur leser, um zum Vorwurf „Lügenpresse“ zu gelangen. Die Verlage werden sich das lange, aber nicht ewig angucken.

        Bei allen anderen themen ist es unter anderem deswegen nicht so schnell zu durchschauen, weil es im Bereich gender mittlerweile genügend Content und producer gibt, die häufig schon mit einfacher logik auskommen, sich ultra lustig zu machen über die.

        Nachweise aus der Süddeutschen gibts dann eben nicht, aber haufig helfen ja auch die femi-eigenen Studien, entsprechende Voreinstellungen, falsche kriterien und so weiter aufzudecken. Wie gesagt, die Verlage werden sich das lange, aber nicht ewig angucken. Sie tun ja nicht mal ihre Pflichten und loben die Iranerinnen oder sowas…die offensichtliche Unehrlichkeit bricht da von allen Seiten Stuck fur Stück ins Weltbild-Gerüst ein, grad so, wie das Sonnenlicht in Draculas transilvanische Burg 🤔😁

        Das halte ich schonmal fur einen enormen Fortschritt in Richtung „ankommen“ im Mainstream. Für mehr „öffentliche Sichtbarkeit“ kann man sich sicher noch Strategien zurecht legen, wozu unter Umständen auch offline Zusammenarbeit sinnvoll sein kann. Aber auch mit nem dicken edding kann man seine Botschaft uU schon bei den leuten einbrennen.

        Das größte problem ist dann sozusagen wirklich die Eigenart der Männer, diese dinge privat/persönlich mit sich selbst auszumachen. Vermutlich muss ich deswegen diese Themen im Gespräch unter Freunden immer zuerst aufgreifen, aber es ist ihnen ja auch nicht so naheliegend, wie mir. Vielleicht kann man mit dem argument, dass wir das Engagement des einzelnen ja nur solange benötigen, bis wir endlich unsere drei bis fünf echten probleme gelöst haben, nochmal Widerstände erweichen, auch wenn es natürlich bei den Vorteilen der femis bleibt.

        aber hey, wir sind halt grad in mode 😜

        • @ Matthias:
          „…beim Durchschnittsbürger sind aber genau diese drei Themen mindestens schonmal präsent und können ihrerseits nicht so einfach vom Tisch gewischt werden. “

          Ja, richtig, langsam bekommen immer mehr Leute was davon mit. Das trifft auch auf die weiteren von Dir angesprochenen Felder zu.

          „Vor allem finde ich eine negative Einschätzung deswegen so schade, weil ich an allen ecken erfolge sehe. Nicht politisch, nicht medial, aber dennoch kulturell und damit beginnt Veränderung nunmal.“

          Ganz wichtiger Punkt!
          Kultur schlägt langfristig das Diktat der politischen Propaganda.

          „Die Verlage werden sich das lange, aber nicht ewig angucken.“

          Auch wahr, aber …
          Da steckt jede Menge Filz dahinter und – wie ich immer sage: Solche Leute brauchen keine Verschwörung, sie wissen auch so was sie zu tun haben.
          W.h.: Da spielen noch ein paar Gründe mehr mit rein und solange die nicht – wie auch immer – ausgeräumt oder zumindest minderwichtig geworden sind, sind die MS-Medien eher Teil der Abwehrschlacht, als auf Seite Feminismuskritiker. Aber tatsächlich scheint sich auch da schon ein wenig zu bewegen. Man könnte sagen: die Femiquoten sinken langsam.

          „Das halte ich schonmal fur einen enormen Fortschritt in Richtung „ankommen“ im Mainstream. Für mehr „öffentliche Sichtbarkeit“ kann man sich sicher noch Strategien zurecht legen, wozu unter Umständen auch offline Zusammenarbeit sinnvoll sein kann.“

          Ja, es ist ohne Zweifel ein großer Schritt.
          Und ja, die Offlinemundpropaganda fängt auch langsam an Erfolge zu zeigen, vielleicht mehr, als man im Normalalltag üblicherweise so bemerkt. Liegt sicherlich auch daran, daß die direkten Gesprächspartner schon mal über Femis gelacht haben und sich auch nicht so ohne weiteres vorstellen können, daß, oder gar warum, der alte Bekannte, mit dem man gerade gemütlich ein Bier trinkt, plötzlich ein ganz übler frauenunterdrückender Nazi sein soll.
          Deshalb erwähne ich auch gern meine gelegentlichen Gespräche mit ausgebildeten ( oder noch studierenden ) Soziologinnen, in denen das immer deutlicher wird. Die lachen o. schütteln den Kopf an ungefähr den gleichen Stellen wie ich.

          „aber hey, wir sind halt grad in mode“
          Nein, ganz so ist es ( leider ) noch nicht. Siehe oben, die Medien und die sie steuernde Politk, aber auch riesige Teile von Administration und Verwaltung, sowie der Justiz sind immer noch strikt auf Gegenseite gepolt.
          Da bleibt noch einiges zu tun.

          Gerade heute wurde ein Kommentar von mir auf der Website von ARTE wegzensiert, resp. gar nicht erst freigeschaltet.
          Es ging um diesen Beitrag, dessen Überschrift schon ein Schlach an’n Hals ist:
          https://www.arte.tv/de/videos/079476-002-A/re-junge-maedchen-egal/
          Denn es geht eben nicht im geringsten um Gleichberechtigung, sondern um das glatte Gegenteil, nämlich geschlechterpolitische Propaganda. Gegen Männer natürlich und hübsch subtil verpackt.
          Zwei der männer- und kinderfeindlichen Inhalte griff ich auf:
          „Warum wird der Vater von Imi – und damit eine komplette Hälfte seiner Familie – in dem Beitrag von der Mutter, Patriez, sowie von Arte selbst einfach radikal ausgegrenzt?

          Sind Männer Untermenschen?
          Dürfen Kindern einfach Eltern (-Teile), ohne jeden erwähnenswerten Grund weggenommen werden?

          Und wieso wird nicht kritisiert, daß ausgerechnet eine Leiterin eines Kindergarten, der sich sogar als „Vorschule“ ( also „Ausbildungsstätte“ ) versteht, alle Schuld an dem was ihr nicht passt radikal in „die alten Männer“ projiziert?

          Sind Männer Untermenschen?
          Darf man Kindern eine solche menschenverachtende Ideologie einimpfen?

          Sollte man Kinder überhaupt Leuten mit solchen psychosozialen Defiziten ( willkürlich Projektion der eigenen Verantwortungsunfähigkeit in irgendeine Menschengruppe ) zur Ausbildung überlassen?“

          Das war offensichtlich zu exakt in’s Schwarze.

          Interessant ist auch der Kommentar vor meinem, der glücklicherweise etwas diplomatischer verklausuliert ist und somit gerade eben noch freigeschaltet wurde:
          „Leider ist diese Sendung etwas irrefuehrend, oder ich habe in den 6 Jahren in denen ich in Schweden lebe, den falschen Eindruck bekommen. Hier erscheint es gerade zu so als gerieten diejeningen in der Bedrouille die Gleichberechtigung fuer ihre Kinder fordern. So stimmt das allerdings ganz und gar nicht. Verteidigen muessen sich in Schweden eher diejeningen die ein Problem damit haben, dass der schwedische Staat den Kindergärten aktiv vorschreibt die Kinder nicht nur in ihren Vorstellungen zu bestätigen ( dies wuerde bedeuten es wird beispielsweise nicht kritisiert wenn der Prinz plötzlich ein Kleid trägt) sondern man die Kinder aktiv dazu aufmuntert dies zu tun („wieso ziehst du deinem Prinzen nicht heute ein Kleid an?“ ). Ich erlebe die eine Ideologie nicht weniger extrem, als die andere, eher im Gegenteil, und erfahre oft Kritik bei einer kritischen Nachfrage dieser Methoden. Die Umsetzung der Gleichberechtigung in der schwedische Gesellschaft ist derart extrem, dass dies sich im Zusammenleben auf unschöne Art ausdrueckt. Weder gibt es hier ein Diskussionskultur noch eine Idee von Tradition. Die Methoden und Mittel mit denen in Schweden Gleichberechtigung durchgesetzt wird, basieren auf einer völlig naiven und, was schlimmer ist, zum grossen Teil heuchlerischen Idee. Dies wäre wirklich eine Reportage wert.“

        • Das wäre ja schön. 🙂 Aber es ist tatsächlich so – zumindest gibt es heute weithin Diskussionen zu Themen und Positionen, die noch vor sechs, sieben Jahren weithin tabuisiert waren.

          Es ist auch heute noch manchmal frustrierend zu sehen, mit welchen Quatsch z.B. Anne Wizorek in die Medien kommt. Oder zu merken, wie vollständig z.B. das Buch von Arne Hoffmann – Plädoyer für eine linke Männerpolitik – von Medien ignoriert wird, die sich sonst gerne Bereitschaft zu „Geschlechterdebatten“ bescheinigen.

          Aber ich finde auch, dass das Eis nicht mehr so dick ist. Bei manchen Schülern habe ich schon ausdrückliche maskulistische Positionen gehört, die sie offen vertreten und die sie, z.B., mit Hilfe des Netzes ausbilden. Das ist wirklich neu.

          • Glücklicherweise schon nicht mehr nur Schüler. Daher meine regelmäßige Erwähnung der Soziologen, mit denen ich gelegentlich mal einen Schnack halte.
            Aber die Systeme, in die diese Leute eingebettet sind, verhalten sich z.Zt. wie meterdick ummantelte Gummizellen. Jeder, der sich ernsthaft engagiert läuft immer wieder nach wenigen Schritten gegen undurchdringbare Wände ( ich vermute mal, das kennst Du selbst in der einen oder anderen Form ).
            Es wird also noch lange dauern und viele kleine Reförmchen erfordern, bis sich etwas Vernunft nach oben hin durchschummeln kann. Ein „Bruch des Eises“ ist vorläufig ( aus meiner Perspektive ) nicht zu erwarten.

  • Zum Hylas-Bild:

    Also ich hatte dieses Bild eigentlich so verstanden, daß Hylas, nachdem er von den Argonauten als Kindersoldat mißbraucht worden ist, danach in die Fänge von Wassernymphen (damals gab es den Begriff Feministin noch nicht), die alle Männer ertränken wollen, fiel und das grausige Schicksal (Ertränktwerden ist eine eher unschöne Todesart) aller Männer erlitt, die auf freundliche Frauengesichter hereinfallen. Das Bild zeigt ihn kurz vor seinem Exitus, als er gerade von einer der Täterinnen begraptscht wird.

    Das wäre ihm nicht passiert, hätte er auf die Ratschläge von Frau Reker gehört: mindestens 1 Armlänge Abstand von Frauen halten!! (besser 2 – 3)

    In Wirklichkeit ist das Bild abgehängt worden, weil diese Warnung an alle Männer zu brisant ist und zu dieser MGTOW-Bewegung beiträgt … [sarkasmus off] … so oder so sollte das Bild wieder aufgehängt werden!

    • Ich würde es zwar nicht so drastisch formulieren, aber ich habe die Diskussion ebenfalls so wahrgenommen, dass der ambivalent-machtvolle, verführerische Aspekt der Nymphen in der medialen Diskussion meist verleugnet wurde und der Mythos umgedreht wurde. Anstatt dass Hylas von den halbgöttlichen Nymphen angelockt wird und sie ihn in ihr Element Wasser verschleppen, wo er als Mensch stirbt und nie wieder auftaucht, wurde in vielen Artikeln darüber berichtet, wie Hylas kurz davor sei, die passiven Nymphen als Sexobjekte zu missbrauchen. Auch die Wikipedia-Einträge zu Nymphen sind mittlerweile aller Ambivalenz des nymphischen beraubt, sie werden dort als süße liebe Wesen dargestellt (Woher stammt eigentlich der Begriff nymphomanisch?). Insofern ist die Empörung über das Bild aus meiner Sicht damit zu verbinden, wie narzisstisch-verführerische Social Media Frauen ihre eigene Ambivalenz und machtvolle Seiten verleugnen und sich versuchen als reine, unschuldige Wesen darzustellen. Und gerade über diese Verleugnung spielen sie ihre Macht aus.

      • @Pedro:

        »wie narzisstisch-verführerische Social Media Frauen ihre eigene Ambivalenz und machtvolle Seiten verleugnen und sich versuchen als reine, unschuldige Wesen darzustellen. Und gerade über diese Verleugnung spielen sie ihre Macht aus.«

        Ja, ich denke, das trifft präzise den Punkt! Auf diese Weise ist die feministische Verleugnung und Doppelmoral geradezu »genetisch« angelegt, sie betrifft nicht nur die aktuelle narzisstische Generation des Netz- und Medienfeminismus, sondern die radikalfeministische Geschichtsklitterung generell: sie leugnen faktische Macht, sie leugnen historische Voraussetzungen ihres Erfolgs, die sie selbst nicht geschaffen haben, sie leugnen eigene Gewaltsamkeit und eigenen Sexismus.

        Und sie leugnen sehr spezifisch die Macht des erotischen Kapitals – wer das anspricht, outet sich sofort als sexistischer Erzketzer. Das ist auch der Punkt, an dem mir »MGTOW« am sympathischsten ist, weil man hier als Mann diesen erotischen Doppelsprech ins Leere laufen lässt.

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