Feindbild Mann Hate Speech Kultur

Fashion und Faschismus

geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie eine Modenshow #MeToo in eine faschistoide Bildlichkeit kippen lässt – ohne dass es jemanden interessiert

 

Schlag das Schwein aus ihm heraus! – Slap the Pig Outta Him!

Das ist das Motto der #MeToo-Fashion Show in New York, veranstaltet von der großen amerikanischen Modeplattform American Wardrobe, erdacht von der Modedesignerin und Creative Director Myriam Chalek, die vorher schon eine Modenschau mit Kleinwüchsigen und eine mit blinden Menschen veranstaltet hatte.  Nun sind es eben Frauen, die Erfahrungen mit sexueller Gewalt erlebt haben: Nach einem Bericht der Website Daily Beast haben die acht Models der Show Stalking, sexuelle Belästigungen, Vergewaltigungen oder Gewaltbeziehungen erlebt.  

 

Engel und Dämonen, Menschen und Schweine

Sie erzählen auf dem Laufsteg von ihren Gewalterfahrungen. Jede von ihnen wird begleitet von einem Mann in Handschellen, dessen Gesicht nicht sichtbar ist, weil es unter einer Schweinemaske steckt. Genauer wohl: In der Logik der Modeschau zeigt die Schweinemaske das eigentliche Gesicht des Mannes, das durch die Geschichten der Frauen freigelegt wird.

Die Frau hat ein Gesicht und eine Geschichte, der Mann hört zu und lernt.

Erwartungsgemäß erzählt auch hier eines der Models, dass es in der #MeToo-Bewegung nicht um Hass auf Männer ginge, sondern um den Kampf gegen sexuelle Gewalt.  Die Leiterin Chalek allerdings macht sich zwar Gedanken darüber, dass solch eine Show nichts über Nacht verändern könnte („I don’t think this fashion show is going to change things overnight, but if it can be a step further then I guess I’ve done my part.“) Die Frage, ob sie die jungen Frauen für einen Showeffekt ausnutzt, lässt sie aber ebenso wenig an ihrer Show zweifeln, wie es deren schroffe Gut-Böse-Muster tun. An „Engel und Dämonen“ denkt die India Times dabei, als ob das eine ganz selbstverständliche Zuordnung der Geschlechter wäre.

Allerdings geht es bei dieser Veranstaltung nicht tatsächlich um sexuelle Gewalt, allein schon, weil in ihrem Arrangement sowohl männliche Opfer als auch weibliche Täterschaft verdeckt werden. Auf Nachfrage von Daily Beast räumt Chalek zwar ein, dass es auch einige männliche Opfer sexueller Gewalt gäbe, aber statistisch wären die „Opfer und Überlebende“ (victims and survivors) nun einmal Frauen. 

Das stimmt so nicht – nach neueren Studien sind Männer ebenso wie Frauen von sexueller Gewalt betroffen.  Doch auch wenn es selbstverständlich das Ziel der Veranstaltung sein soll, ein Bewusstsein für sexuelle Gewalt zu schaffen („raise awareness“), würden solche empirischen Hinweise hier stören.

Die Bilder von der Show stammen von der Facebook-Seite Chaleks.

Im Interview mit Daily Beast angesprochen auf ihren Plan, die Show auch in Dubai aufzuführen, versichtert Chalek ungerührt, dass Frauen in arabischen Ländern auf ein Podest gestellt würden, dass die Rate der Vergewaltigungen dort sehr gering wäre und dass dort das Ziel der Show also eher sei, Frauen eine Stimme zu geben – nicht, sexuelle Gewalt zu thematisieren.

Dass das, was Chalek hier erzählt, mit der sozialen Realität überhaupt nichts zu tun hat, stört weder sie noch die Interviewerin. Tatsächlich sind solche Realitäten bloße Vorlage für die Kreation von Bildern, die um sich selbst und ihre eigene Logik kreisen. Um wirkungsvoll zu sein, müssen sie den Eindruck erwecken, soziale Realitäten widerzuspiegeln – ein ernsthaftes Interesse an diesen Realitäten würde eben diese Wirkung allerdings ganz unnötig beeinträchtigen.

 

Philantropist, Fashion Guru, Diversity & inclusion advocate, Fascist

Frauen haben hier ein Gesicht, einen Namen, eine Geschichte, die sie erzählen. Sie sind ausgestattet mit Insignien der Unschuld, mit Engelsflügeln oder weißen Kleidern. Sie sind Individuen.

Die Männer hingegen tragen allesamt die gleiche Schweinemaske, sind gesichts- und geschichtslos, nicht einmal menschlich, schon gar nicht individuell, gekettet an Insignien der Schuld, an Handschellen. Sie erzählen nichts, sie schweigen.

Männer sind hier schuldig nicht einmal durch das, was sie tun, sondern durch das, was sie sind – Schweinemenschen eben, Untermenschen, Dreck.

Natürlich greift das auf eine Bildlichkeit des Faschismus zurück, genauer, auf eine Bildlichkeit, die im organisierten Hass auf Juden schon seit dem Mittelalter nachgewiesen werden kann.  Auf ihrer Instagram-Seite präsentiert sich Chalek davon unberührt als „Philantropin“ und als „Diversity & inclusion advocate“.  Die faschistoide Spaltung der Menschheit, die sie als Modegag arrangiert und die sie zugleich als soziales Engagement verkauft, widerspricht ihrer Selbsteinschätzung wohl nicht einmal: Als „Philantropin“ liebt sie eben die echten Menschen, nicht die Schweine – und als Diversity Advokatin setzt sie sich eben dafür ein, die Individualität der echten Menschen zu präsentieren und die hemmende Macht der Schweinemenschen zurückzudrängen.

Doch seltsam: Während in der MeToo-Bewegung sonst eine unvorsichtige oder leise kritische Äußerung sogleich zu erregtem, hundertfachem Protest und zu Forderungen des Berufsverbots führt, ist die faschistoide, antihumane Bildlichkeit dieser MeToo-Show für die Aktivistinnen und Aktivisten schlicht kein Thema. Unser Faschismus ist eben immer ein guter Faschismus, irgendwie.

Dabei wäre offener Widerspruch eben gerade deshalb wichtig, weil diese Bildlichkeit ja offensichtlich und ausdrücklich an die Bewegung anknüpft. Die Forderung, dass Männer schweigen sollten, während Frauen sprechen, gehört zu ihren Basisklischees und wird durch Chalek in beeindruckende und furchtbare Bilder umgesetzt.

 

Männer als Schatten, Männer als Fäuste

Aber auch im deutschen Raum müsste es gerade für Aktivistinnen, die sich irgendwie diffus als links verstehen, beunruhigend sein, wie direkt Chaleks Bildlichkeit selbst noch an regierungsamtliche Darstellungen von Geschlechtergewalt anknüpft. Als Manuela Schwesigs Familienministerium im Jahr 2014 ein Hilfetelefon nur für Frauen etablierte, illustrierten die Verantwortlichen diese Einführung mit Plakaten, die Chaleks Bildern auffällig gleichen. 

Rundweg stehen hier Frauen im Mittelpunkt – jeweils unterschiedliche Frauen unterschiedlichen Alters oder unterschiedlicher Herkunft, mit jeweils individuellen Qualitäten. Ihren Gesichtern ist die Gewalt anzusehen, die sie durch Männer erfahren haben. Während aber die Frauen sichtbar sind, Gesichter und Geschichten haben, bleiben die Männer jeweils unsichtbar: Anwesend sind sie allein durch die Spuren, die sie im Leben der Frauen hinterlassen.

Damit werden Männer zwar nicht, wie bei Chalek, als Schweine dargestellt, sie sind aber eben auch nicht als Menschen präsent, sondern lediglich als anonym bleibende Exekutoren von Gewalt – die im Leben von Frauen, so suggeriert die Plakatserie, allgegenwärtig ist.

Von der Kampagnenseite des Hilfetelefons, verantwortet und finanziert durch das Bundesamt für Familien und zivilgesellschaftliche Aufgaben.

Auch diese schroffe Bildlichkeit, die Geschlechtern jeweils radikal unterschiedliche Rollen zuweist, hält sich nicht lange mit sozialen Realitäten auf. Dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt sind und auch Frauen häusliche Gewalt verüben, dass aber Männer im Unterscheid zu Frauen eben schlicht überhaupt keine Hilfsangebote vorfinden – das interessiert die Verantwortlichen bis heute nicht. Die Kampagne aus dem Jahr 2014 wird noch immer über die Webseite des Hilfetelefons beworben.

Mit dieser Bildlichkeit greift das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben zudem auf verbreitete Klischees zurück. Wenn über geschlechtsbezogene Gewalt geredet wird, ist regelmäßig die verängstigte oder verletzte Frau zu sehen, wahlweise ein verängstigtes oder verletztes Mädchen – und der Mann ist lediglich als bedrohlicher Schatten an der Wand sichtbar , oder er ist auf das Körperteil reduziert, das Gewalt ausübt, auf seine Faust.  Das gilt selbst für öffentlich-rechtliche Sender oder für Zeitungen mit einem Image der Seriosität.

Diese Bildlichkeit kreist ebenso wie Chaleks Modeshow um sich selbst – auch sie erhält ihre Wirkung aus dem Anschein, eine soziale Realität widerzuspiegeln, für die sie sich zugleich überhaupt nicht interessiert. Das ist schon allein deshalb katastrophal, weil nur ein ernsthaftes Interesse für soziale Realitäten eine Grundlage dafür schaffen kann, sexuelle Gewalt und andere Formen der Gewalt einzudämmen.

Es ist Chaleks bitteres Verdienst, gezeigt zu haben, wie schnell diese realitätsentkoppelte Bildlichkeit, in der die Geschlechter schroff mit den Rollen von unschuldigen Opfern und entmenschlichten Gewalttätern besetzt werden, in eine faschistoide Show kippen kann.

Noch bitterer aber ist es, dass darin unter den so engagierten Aktivistinnen und Aktivisten, unter den Philantrop*innen und Diversity Managern niemand ein ernsthaftes Problem sieht.

 

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84 Comments

  • Was sind das für „Männer“, die freiwillig Schweinemasken anziehen, und den ganzen Scheiss mitmachen?
    Was geht in deren Gehirn vor?

    • @Lord Krähe:

      »Was geht in deren Gehirn vor?«

      Ich nehme mal an, das sind professionelle männliche Models, die ählich wie Schauspieler gewohnt sind, in alle möglichen Rollen zu schlüpfen und das auch routinemäßig tun. Insofern würde ich bei denen schlicht eine berufsbezogene Betriebsblindheit vermuten, die erst durchbrochen wird, wenn die Kritik von außen daran massiv genug wird.

        • Gut möglich, dass sie auf das Geld angewiesen sind. In diesem Sinne könnte man es als demütigend und damit möglicherweise justiziabel werten, wenn von den Männern in diesem Beruf verlangt wird, sich als Schweine darzustellen.

    • „There had been another craigslist ad posted seven days before the show, seeking men to appear in pig masks in a #MeToo fashion show as “a pro-bono commitment” with ’no pay.'“ So im zweiten hier verlinkten Daily Beast-Artikel.

      Die Männer haben also nicht nur ohne Bezahlung mitgemacht, sondern sind auch kurzfristig eingestiegen – nicht einmal auf eine persönliche Bitte hin, sondern aufgrund einer kleinen Internet-Anzeige, auf die sie sich gemeldet haben.

      Für Chalek bedeutet das wiederum: Sie präsentiert zwar eine furchtbare, gewalttätige patriarchale Welt, in der die Männer nur als Schweine angemessen dargestellt werden könnten – ist sich aber zugleich völlig zweifelsfrei sicher, dass sie ganz kurzfristig und ohne große Mühe Männer finden wird, die diese Präsentation ermöglichen, ohne dafür irgendetwas zu verlangen.

      Die radikale Verlogenheit, aber auch Inhumanität dieser Veranstaltung wird dadurch noch einmal klarer.

  • Es scheint auch niemanden gestört zu haben dass der #metoo-Oberschurke Harvey Weinstein Jude ist, also in der Bildlichkeit der Modenschau sozusagen die »Ober-JS.«

    Gestern flatterte mir ein Aufruf der Petitionsplattform Change.org in die Mailbox, mit dem die Petentin fordert, dass die unmittelbar bevorstehende Berlinale mit Bezug auf #metoo den roten gegen einen schwarzen Teppich austauschen soll. Bemerkenswert fand ich folgenden Satz der Begründung:

    »#metoo ist der kathartische Wirbelsturm, der sich endlich Bahn bricht. Endlich fällt Licht auf ein längst überholtes System und legt die Missstände nicht nur einer Branche, sondern einer ganzen Gesellschaft offen, die so lange stillschweigend hingenommen wurden.«

    »Kathartischer Wirbelsturm« also. Ich finde das höchst verräterisch: es geht gar nicht mehr um Feststellung von Schuld oder Unschuld im konkreten Einzelfall. Es geht um das subjektive Befinden derjenigen, die die Kampagne vorantreiben oder an sie andocken, und es fällt offenbar niemandem auf, dass eine solche »Katharsis« und die Metapher des Wirbelsturms, der ja nicht gerade dafür bekannt ist, dass er seine Schäden mit chirurgischer Präzision anrichtet, zur emotionalen Dynamik des Pogroms gehört: »Endlich kriegen die Verbrecher, was sie verdienen!«

    Dieses Umkippen ins Faschistoide ist insofern völlig konsequent: in Aktionen wie dieser Modenschau decouvriert sich die letzte Form von Rassismus, die in den westlichen Gesellschaften noch als legitim gilt: der Rassismus gegen weiße Männer. Das Bedürfnis nach Sündenböcken, das umso stärker auftritt, je krisenhafter die Gegenwart wahrgenommen wird (und die amerikanischen »Liberals« sind seit der Wahl Trumps in Dauer-Krisenstimmung), nimmt einer neue Form an und straft nebenbei jeden Optimismus Lügen, eine Gesellschaft könne aus der Vergangenheit etwas lernen.

    Moralische Kampagnen wie #metoo, aber auch die Social Justice Warrior-Szene generell, entlarven das intellektuelle Elend einer Gegenwart, die an ihrer Unfähigkeit zu einer analytischen Gesellschaftskritik verzweifelt, und die #metoo-Feministinnen haben das Verfallsstadium von »Pogromschiki« erreicht.

    • „ein längst überholtes System und legt die Missstände nicht nur einer Branche, sondern einer ganzen Gesellschaft offen, die so lange stillschweigend hingenommen wurden.“

      Ich hatte anfangs gewisse Skrupel, die metoo- und andere feministische Twitter-Kampagnen als generelle Hetzkampagnen gegen Männer zu bezeichnen. Wenn man gutwillig ist, dann kann man die mit Sicherheit eintretende Diskreditierung von Männern als ungewollten Kollateralschaden bezeichnen.

      Je mehr mir allerdings die professionelle Orchestrierung dieser Kampagnen klar geworden ist, desto weniger glaube ich an den Zufall. Das obige Zitat (und diverse andere in Presseartikeln) bringt es auf den Punkt: von einer sehr speziellen Branche (Birte Carolin Sebastian, Carolin Würfel, beide ZEIT) wird umstandlos und argumentfrei um den Faktor 10.000 vergrößert und auf die „ganze Gesellschaft“ verallgemeinert. Macht 9 von 10 möglichen Goebbelspunkten. Genauso argumentieren Rechtsradikale, die von x% Kriminellen unter Ausländern auf 100% verallgemeinern.

    • Das ist genau das, was mich so beunruhigt: „Es scheint auch niemanden gestört zu haben …“ Nicht dass es noch Faschisten gibt ist überraschend; aber dass es niemanden interessiert – jedenfalls wenn Männer das Ziel sind.

      Am Deutschen Theater Berlin wird seit dem Herbst 2017 unter dem Titel ‚Feminista, Baby!‘ Valery Solanas zweifellos faschistisches Scum-Manifest aufgeführt (sie schlägt darin Gaskammern für Männer vor) und die Beteiligte Christiane Rösinger darf in Aspekte dem Stück entnommene volksverhetzende Propaganda gegen Männer verbreiten – und niemand regt sich auf.

      Auf meinen höflichen, offenen Brief gab keine Reaktion vom ZDF oder sonst wo. Also hatte ich im Dezember Anzeige gegen das ZDF erstattet und eine Einstweilige Verfügung gegen die Verbreitung in der Mediathek beantragt – auch darauf bis heute keine Reaktion.

      Werden Männer die neuen Juden? Oder sind sie es schon? Weiße Männer als Sündenböcke passen jedenfalls genau ins Schema.

      • @ HeartsBurning „Werden Männer die neuen Juden?“ Dass Männer bei weitem nicht in derselben sozialen Situation sind, in der Juden in Deutschland waren – das ist ja klar. Insofern ist die Situation radikal unterschiedlich. Darauf hab ich Deinen Kommentar aber auch gar nicht bezogen.

        Verrückt und erklärungsbedürftig ist aber schon die enorme Skrupellosigkeit, mit der über Männer – als Gruppe und als Individuen – geredet und geschrieben werden kann. SCUM ist da nur ein besonders irres Beispiel.

        Ich glaube, jeder Mensch, der auch nur ein, zwei Seiten des „Manifests“ gelesen hat, merkt, dass Solanas damit an den Nationalsozialismus anknüpft – und zudem an den furchtbarsten der vielen furchtbaren Aspekte, an den industrialisierten Massenmord. Sie stellt diese Bezüge nicht subtil und versteckt her, sondern offen, klar und drastisch.

        Die gern getätigte Behauptung, sie täte das mit satirischer Absicht, ist eine Schutzbehauptung, für die es keine Belege gibt. Die Sprache entwickelt durch ihre Drastik und Skrupellosigkeit für manche offenbar eine gewisse wilde Komik – aber der Text enthält überhaupt keine Ironiemarker.

        Und wenn schon – was sollte denn damit satirisch überspitzt werden? Faschistoide Aspekte im Feminismus? Die Verwandlung der Holocaust-Erinnerung in Popkultur? Eine allgemeine Männerfeindlichkeit der Gesellschaft? Das ist alles ganz unwahrscheinlich.

        Oft wird von Verteidigerinnen des Textes Swifts „Modest Proposal“ als Vergleichstext herangezogen , aber dieser Vergleich ist ein Eigentor. Bei Swift ist nämlich die ungeheuer bittere Ironie den ganzen Text hindurch deutlich, so wie auch zweifelsfrei klar ist, wogegen sich die brutale Überspitzung richtet und welchen Zweck sie erfüllt. Eben das fehlt bei Solanas völlig.

        Zur Beschreibung von Alkoholikerfamilien wird ja manchmal die Metapher vom „Dinosaurier im Wohnzimmer“ verwendet. Der Alkoholismus eines Familienmitglieds (oder gar mehrerer) bedroht und zerstört zwar beständig die Familienstrukturen, aber alle sitzen mit diesem Dinosaurier gemeinsam friedlich im Wohnzimmer und tun so, als ob alles in Ordnung wäre.

        Der tiefe Männerhass, der sich in Veranstaltungen wie der MeToo-Fashionshow oder im Solanas-Text zeigt, ist gleichsam der Dinosaurier im Wohnzimmer des Feminismus. Natürlich sind nicht alle Feministinnen Männerhasserinnen, so wie ja auch nicht alle Mitglieder von Alkoholikerfamilien Alkoholiker sind. Aber alle nehmen diesen Männerhass wahr und tun so, als wäre damit alles in Ordnung, zivil und nett. Und falls sie doch mal auf den Dinosaurier angesprochen werden, erklären sie schnell, der wolle doch nur spielen und meine es gar nicht so. Oder sie fragen unschuldig „Welcher Saurier denn? Siehst du hier einen Saurier?“

        Für mich ist bei Solanas‘ Schrift aber noch ein anderer Aspekt wichtig. Der bleibende Erfolg dieses Textes zeigt, gerade in dessen nirgends verstecktem oder verbrämtem Anknüpfen an die nationalsozialistische Politik des Massenmords, dass der Nationalsozialismus auch für Menschen, die sich einer bürgerlichen Linken zuordnen, eine bleibende Attraktivität besitzt. Sobald sie eine Möglichkeit bekommen, dieser Faszination auf eine scheinbar politisch korrekte Art zu folgen, geben sie sich ihr regelrecht wonnevoll hin. Das ist schrecklich.

        Der Schein politischer Korrektheit wird hier eben gerade dadurch hergestellt, dass sich die Massenmordphantasien gegen Männer richten. Auch das zeigt, wie wenig Männer – zumindest ALS Männer – im öffentlichen Diskurs geschützt sind. Männerhass wird regelrecht zur Entschuldigung für Menschen, die nationalsozialistischen Gewaltphantasien folgen wollen.

        Auch das von Dir verlinkte Rösinger-Interview ist ein Beisiel dafür. An keiner Stelle fragt sie sich, ob vielleicht irgendetwas an dem Solanas-Text grundsätzlich nicht in Ordnung sein könnte – abgesehen davon, dass sie es übertrieben findet, ALLE Männer umbringen zu wollen (kicher).

        Sie bewundert aber die „Radikalität“ des Textes, die eigentlich keine Radikalität ist (der Text geht keinem Problem an die Wurzel, „radix“, sondern reproduziert nur gängige Klischees), sondern der schlichte Verzicht auf alle zivilisatorischen Hemmungen. Sie findet es auch richtig, mit welcher Entschiedenheit Solanas klarstelle, dass das Falsche nicht mehr geduldet werden könne.

        Rösinger ist ja eigentlich nicht völlig blöd, aber entweder sie merkt es nicht, oder es ist ihr egal, dass sie hier eben gerade an den nationalsozialistischen Habitus anknüpft – der ja bei Solanas eh allgegenwärtig ist. Auch die Nazis haben sich auf Klischees und harte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit versteift, auch die Nazis haben das Abstreifen zivilisatorischer Hemmungen als nötige „Radikalität“ verkauft, und auch die Nazis haben klargestellt, dass mit ihnen nicht mehr zu spaßen sei und dass nun mit dem, was falsch wäre, entschlossen aufgeräumt werde.

        Damit sind Männer heute natürlich immer noch nicht die neuen Juden.
        Solanas und ihre Fans bewegen sich zudem immer noch im Raum des Diskurses und bauen keine realen Konzentrationslager.

        Es ist aber trotzdem beunruhigend und irre, dass selbst offene Anknüpfungen an nationalsozialistischen Menschenhass auch im öffentlich-rechtlichen Kultur-Fernsehen als legitim erscheinen, solange sie sich nur gegen Männer richten.

        • @Lucas:

          »Damit sind Männer heute natürlich immer noch nicht die neuen Juden. Solanas und ihre Fans bewegen sich zudem immer noch im Raum des Diskurses und bauen keine realen Konzentrationslager.«

          Das ist natürlich zutreffend, aber die moderne, als »Antisemitismus« bezeichnete Judenfeindschaft beginnt nicht mit dem Vernichtungsantisemitismus der Nazis. Sie hatte eine Vorstufe, auf der das Judentum zum Inbegriff aller sozialen Probleme der modernen Gesellschaft erklärt worden ist, und in dieser Hinsicht finde ich die Analogien bezeichnend: alles, was man heute dem Mann vorwirft – pathologische Rationalität, pathologische Sexualität, pathologisches Streben nach Macht und Einfluß, pathologische wirtschaftliche Ausbeutung – hat man damals in ähnlicher Form dem Judentum vorgeworfen. Und zwar weithin erfolgreich, weil das komplexe Zusammenhänge auf ein simples Sündenbockmodell eingedampft hat und weil sich ein schwer artikulierbares Unbehagen mit der »sozialen Frage« scheinbar greifbar und plausibel zu machen schien.

          Und darin ist der feministische Männerhass in meinen Augen ein präzises »funktionales Äquivalent« zum damaligen Judenhass. Der Jude wie der Mann werden gleichermaßen als »Zivilisationsschädling« definiert, um Probleme zu symbolisieren, die die Gesellschaft auf analytischem Wege nicht in den Griff bekommt. Umgekehrt wird über den spiegelbildlichen Kurzschluss »Frauenpolitik« als universeller Placebo installiert, um ersatzweise politische Handlungsfähigkeit zu simulieren, die in Bezug auf echte Probleme schon lange nicht mehr vorhanden ist.

          Trotzdem bleiben natürlich historische Diskrepanzen übrig: weil es kein Äquivalent zum vorausgehenden jahrhundertelangen religiösen Judenhass und für den modernen, bürgerlichen Mann keine zum Judentum analoge Assimilationsgeschichte gibt, mit der er erst ein als vollwertig anerkanntes Gesellschaftsmitglied anerkannt worden wäre.

          Aber Geschichte muss sich ja auch nicht immer eins-zu-eins wiederholen. Der springende Punkt ist in meinen Augen, dass sich der feministische Männerhass nicht einfach mehr auf eine alltägliche Doppelmoral beschränkt, sondern die Form einer kampagnenhaft inszenierten, kollektiven Hysterie annimmt – auch die McCarthy-Analogie wird ja zu Recht gezogen. Es sind dieselben Gruppen und Milieus, die sich an der Spitze der moralischen Freßordnung wähnen, die hier in ihrem faktischen Verhalten eine glatte Kopie, einen Klon dessen herstellen, was sie nominell lautstark verdammen: Sexismus und Rassismus. Und dabei völlig merkbefreit sind.

          Was beängstigenderweise bedeutet: wenn die moderne Zivilisation keinen »Juden« mehr anbietet, dann muss er neu erfunden werden. Also wählt man sich die letzte Gruppe aus, bei der man das noch tun kann, ohne dass es offenkundig als Rassismus erkennbar wird. Nämlich Männer. Dass das überhaupt möglich ist, liegt vornehmlich daran, dass die über Jahrzehnte hinweg gepflegten und pseudowissenschaftlich geadelten feministischen Feindbilder zugleich in ihrem Feindbildcharakter verniedlicht und verleugnet wurden – beispielsweise in Gestalt des unaufrichtigen Umgangs mit dem Solanas-Text. Ich denke daher mittlerweile nicht mehr, dass der »Feminazi«-Begriff zu scharf ist, um sich gegen diesen zum Galopp gesteigerten Wahnsinn zu positionieren.

        • „Solanas und ihre Fans bewegen sich zudem immer noch im Raum des Diskurses und bauen keine realen Konzentrationslager.“

          Kleine Korrektur: Solanas ist in dem Satz falsch!
          Sie hat unzweifelhaft bewiesen, daß sie keinerlei Satire mit ihren Massenmordphantasien verband, sondern im Gegenteil, mit dem ( letztendlich ja erfolgreichen ) Mordversuch an Andy Warhol den ultimativen Beweis geliefert, daß sie sehr wohl KZs gebaut und auch mit Gaskammern betrieben hätte, wenn sie je an die Macht gekommen wäre.

          Man könnte glatt das Analogon aufstellen, daß bei Hitler u. Solanas lediglich ein paar „sekundäre Vektoren“ des Gesamtbildes ein wenig anders verliefen. Hitler war „nur“ in Haft und hat seine schlimmsten Taten erst hinterher begangen, nachdem er Macht erlangt hatte.
          Solanas ging „vorbildhaft“ voran und wurde dafür in die Klapse gesperrt ( zum Glück! ).
          Der zugrunde liegende Irrsinn und die daraus resultierende Entschlossenheit sind m.E. aber ganz direkt vergleichbar.

          Und die Methodiken zum Aufbau von hysterisierten Massenbewegungen hat Djad ja ( im Text von 2015 ) schon sauber dargelegt. Auch da sehe ich, bis hin zu den heutigen Nachfolgeerscheinungen, keinen wesentlichen Unterschied.

          Auch bei den Fans von Solanas ist der Diskurs übrigens lediglich ein machtvoll gefilterter, also keineswegs mit einer fairen Diskussion nach demokratischen Regeln gleichzusetzen. Eher eine sehr machtvolle Agit-Prop-Variante.

          Lediglich die akut verwendeten Instrumente der Verfolgung sind subtiler. Möglw. ein Lernvorgang.
          Statt KZ und Gaskammern, gibt es Frauenhäuser, Hilfetelefone, #Aufkreischkampagnen, Modenschauen, Hetze gegen Gridgirls, das Anbeten der „Frau&Kind“-Opfereinheit ( ein extrem perfides Instrument, da mehr Frauen Gewalt gegen Kinder anwenden als Männer ), „Hinschaukultur“ ( direkt dem Blockwartwesen vergleichbar ), anprangernde Talkshows etc.pp. – und die sicher absehbaren ( geplanten? ) Auswirkungen dessen auf Verwaltung, Administration ( Legislative ) und im Alltag besonders regionale Ämter, Polizei und Justiz.

          Möglw. das nachhaltigere und somit irgendwannn den Hitlerismus locker überholende Konzept. Sicherlich jetzt schon das stabilere.

          Leider wird es wahrscheinlich nie einigermaßen saubere empirische vergleichende Studien dazu geben – wie auch?

          • Anmerkung:
            Nein, es geht mir nicht im Geringsten um einen generellen Nazivergleich, oder gar eine Relativierung des Holocaust, oder was manchen jetzt ein bluitunterlaufenes „Tilt“-Symbol in die Augen malen könnte.
            Ich beziehe mich ausschließlich auf ein systemisches Analogon, sowie die daraus resultierenden systematischen und methodischen groben, aber relativ gut beschreibbaren, Ähnlichkeiten.
            Man könnte theorethisch auch das Beispiel des Ausuferns der französischen Revolution wählen ( die Jakobiner und die Guillotinierungswut ). Und das wird ja auch immer wieder mal versucht, allerdings kommt ziemlich wenig dabei heraus.
            Aber das ist erstens weitaus schwieriger zu bewerkstelligen, da zweitens noch weniger brauchbare Infos dazu vorliegen, drittens passt es an vielen Stellen gar nicht und viertens würde das entstehende Gesamtbild
            a) sehr unsauber und schwammig sein und
            b) von kaum wem nachvollzogen werden können.
            Ist ja auch so schon problematisch genug, die Sache.

            V.dh. sind Solanas und Hitler ( als historische „Vorbildpersönlichkeiten“ und Symbolfiguren und in Bezug auf ihre „Aus- u. Nachwirkungen“ ) nunmal ganz realistisch betrachtet die einzige „relativ glatte“ Möglichkeit, entsprechende Parallelen und Analogien einigermaßen schlüssig zu analysieren, die sich uns bietet.
            Klingt mies, ist es auch, nützt aber nix, is numal so …

            Ich denke, ich liege mit dieser Einschätzung nicht weit von dem entfernt, was Djad meint, wenn er sagt, daß man in vielen Punkten naheliegenderweise tatsächlich und in Bezug auf manche Strömungen – die ganz offenbar ( regierungs-)politisch und medial sogar gefördert werden – von einem Femifaschismus reden könnte, wären wir hier nicht durch das – mittlerweile rein doktrininär als edukationsfeindliche Keule gehandhabte – „Nazivergleichetabu“ daran gehindert.
            Böse gesagt: Die, die aus dem Hitlerismus nix – aber auch gar nix – gelernt haben, nutzen gezielt die Nazikeule um jegliches Lernen daraus unmöglich zu machen!

          • @ Fiete Was mich vor allem am Begriff „Femifaschismus“ zweifeln lässt, ist, dass ich Feministinnen kenne, denen es sehr integer und ehrlich um Gleichberechtigung geht – und die Feminismus als eine Möglichkeit begreifen, Frauen eine Stimme zu geben, die sie früher nicht hatten.

            Dass solch ein Bild des Feminismus idealisierend ist, ist klar. was ich vor allem nicht verstehe: Wie kann sich jemand als „feministisch“ verstehen und gleichzeitig das sichere Gefühl haben, er – oder eben: sie – hätte überhaupt nichts zu tun mit den Ungerechtigkeiten, den Brutalitäten, eben auch dem Hass, die ja zum Feminismus nun einmal offensichtlich dazugehören?

            Meine Erklärung: Für viele feministische Frauen ist Feminismus eine hochpersönliche Angelegenheit, etwas, was ihrem eigenen Leben neue Möglichkeiten geschaffen hat. Feminismus ist für sie weniger ein politisches Programm, oder ein Set von politisch-ideologischen Vorstellungen, für die alle in einer gewissen Mit-Haftung sind, die sich dazu bekennen.

            Das gilt auch jetzt für MeToo. Ich bin ganz sicher, dass viele Frauen Erlebnisse hatten und haben, angesichts derer sie MeToo als eine ungeheure Erleichterung empfinden, weil endlich über diese Erfahrungen – und das Verhalten, das sie von Männern erlebt haben – offen gesprochen wird. Diese große persönliche Bedeutung überlagert dann offenbar, dass mit MeToo nun – z.B. in dieser irren Fashion-Show, die ja nur konsequent die Bewegung in den Modebereich fortsetzt – auch Positionen verbunden sind, die eigentlich kein vernünftiger Mensch vertreten kann.

            Ich glaube aber: Wenn ich sofort von „Feminazis“ rede, dann ist jede Diskussion vorbei, bevor sie begonnen hat. Es ist ein Begriff, mit dem man sich gewissermaßen an die wendet, die ohnehin schon derselben Meinung sind – aber das Gespräch mit Menschen anderer Meinung wird dadurch aber eher ausgebremst.

            Wer nun, auch @djadmoros, den Begriff „Femifaschismus“ ganz treffend findet, der drückt damit vermutlich auch aus, dass er auf solch ein Gespräch über die ideologischen Gräben hinweg eh nicht mehr hoffen kann.

          • „Statt KZ und Gaskammern, gibt es Frauenhäuser, Hilfetelefone, #Aufkreischkampagnen, Modenschauen, Hetze gegen Gridgirls“ Das ist nicht nur „subtiler“, das ist auch einfach etwas ganz anderes. Ich weiß, dass ich solche Vergleich mit dem Begriff „faschistoid“ oder der Überschrift nahelege, aber eben: Es geht mir dabei um die gezielte De-Humanisierung ganzer Gruppen von Menschen, bei der ich nicht verstehe, wie die so selbstverständlich und allgemein akzeptiert werden kann.

            Es nimmt aber eher die Schärfe aus dem Vorwurf, wenn er mit Vergleichen untermalt wird, die sich nicht halten lassen.

          • @Lucas:

            »Wer nun, auch @djadmoros, den Begriff „Femifaschismus“ ganz treffend findet, der drückt damit vermutlich auch aus, dass er auf solch ein Gespräch über die ideologischen Gräben hinweg eh nicht mehr hoffen kann.«

            Du sprichst da schon einen sehr zentralen Punkt an. Auf der Ebene der persönlichen Begegnung kann ich ein subjektives Bekenntnis zum Feminismus durchaus akzeptieren, wenn es in dem von Dir beschriebenen Sinne »authentisch«, d.h. vor allem: aufrichtig wirkt. Ich würde nicht auf die Idee kommen, so jemanden tatsächlich als »Feminazi« zu bezeichnen. Der Begriff hat meinem Verständnis nach eher die Funktion, eine Grenzlinie zu ziehen zwischen dem, was man aus männlicher Perspektive nachvollziehen und verstehen kann, und dem, was man kategorisch ablehnen muss, wenn man sich nicht von taktischer Kommunikation ausbeuten und ggf.zerstören lassen will.

            Und eine solche Grenzziehung enthält die Aufforderung bzw. Zumutung an die integren Feministinnen, sich zu positionieren. Das impliziert eine Auflösung der auch von Dir benannten Grauzone:

            » Wie kann sich jemand als „feministisch“ verstehen und gleichzeitig das sichere Gefühl haben, er – oder eben: sie – hätte überhaupt nichts zu tun mit den Ungerechtigkeiten, den Brutalitäten, eben auch dem Hass, die ja zum Feminismus nun einmal offensichtlich dazugehören?«

            Denn wie soll sich diese Erkenntnis, dass es da etwas Unvereinbares gibt, denn einstellen, wenn der – ich nenne es jetzt mal den »Treitschke-Feminismus«: »Die Männer sind unser Unglück« – nicht klar und deutlich als kategorisch inakzeptabel markiert worden ist? Ich kann die diffuse Parteinahme eines subjektiv aufrichtigen Feminismus für Erscheinungen wie ein hohldrehendes #metoo nicht auf Dauer damit entschuldigen, dass ich auf diese subjektive Aufrichtigkeit verweise. Wenn ich nicht sprachlich klar markiere, dass es da einen abschüssigen Weg in einen feministischen Totalitarismus gibt, dann bin ich dazu verdammt, all diese naiven, subjektiv aufrichtigen, aber objektiv schädlichen Parteinahmen wieder und wieder zu entschuldigen – was auf genau die Art von männlichem Beschützerverhalten hinausliefe, das auch vielen Männern eine klare Distanzierung schwer macht.

            Ich brauche den Begriff »Feminazi« nicht, um jede selbstidentifizierte Feministin darin zu inkludieren, sondern um diesen selbstidentifizierten Feministinnen zu bedeuten, dass es eine Art von Feminismus gibt, den sie bei klarem Verstand nicht wollen können – weshalb es in ihrer, nicht meiner Verantwortung liegt, diesem wenigstens nicht zu applaudieren.

            Der Begriff hat die Funktion, eine rote Linie zu ziehen, denn ohne eine rote Linie bleibt jede Art von Feminismus inklusive Solanas, Daly und dergleichen immer noch »irgendwie ok«. Und dann können wir uns auch gleich selbst Schweinemasken aufsetzen. Ohne eine rote Linie gibt es kein Jenseits, in dem sich die Rechtfertigungserwartung umkehrt. Es sind nicht die angeblich patriarchalen und hegemonialen Männer, es sind die Radikalfeministinnen, die für das geradezustehen haben, gesellschaftlich verantwortlich zu halten sind für das, was sie an kulturellen Verwüstungen angerichtet haben und weiter anrichten. Das ist das Anathema des Radikalfeminismus: einem Mann Verantwortung schuldig zu sein. Halten wir diese Forderung aufrecht, treffen wir diese Ideologie in ihrem Innersten.

            Und dazu benötigen wir einen Grenzbegriff, der das Akzeptable vom Inakzeptablen scheidet. Es gibt eine Hölle für Feministinnen, und ihren Eingang zu durchschreiten ist eine selbstverantwortliche Entscheidung, jenseits derer die Frau kein Engel mehr ist, sondern die Baba Jaga Beinernes Bein, Fratze, Kali, Hexe: weil es eben eine Lüge ist, dass Frauen die Befähigung zu solcher Bösartigkeit abginge. Haltet die Weiber verantwortlich, zieht sie zur Verantwortung – das ist der Kern jeglicher Emanzipation.

          • @ Djad:
            Ich hätte es zwar deutlich umständlicher und erheblich länger zusammengestoppelt, aber Du ersparst mir gerade einige zusätzliche Erklärungen. Herzlichen Dank dafür!

            @ Lucas:
            „Ich glaube aber: Wenn ich sofort von „Feminazis“ rede, dann ist jede Diskussion vorbei, bevor sie begonnen hat. Es ist ein Begriff, mit dem man sich gewissermaßen an die wendet, die ohnehin schon derselben Meinung sind – aber das Gespräch mit Menschen anderer Meinung wird dadurch aber eher ausgebremst.“

            Guter Punkt! Und der einzige, der mich wirklich davon abhält, grundsätzlich von Femifaschismus zu reden ( Feminazis sage ich sowieso nicht, denn das wird IMMER persönlich verstanden, nicht ganz zu Unrecht, wie ich meine ). Sowas kann ich hier im speziellen Zusammenhang erwähnen, in direkter Diskussion mit einer vermeintlich überzeugten Feministin ist es per se kontraproduktiv. Da spreche ich dann bevorzugt von DEM Feminismus und erwähne meist am Rande, daß ich sehr wohl weiß, daß es da verschiedene Strömungen gibt, daß ich mir aber durchaus bewußt bin, was die übergreifenden Kernpunkte sind und, daß ich aber effektiv nonfeministische Meinfeminismen für Blödsinn o. Wunschträume halte ( etwas höflicher Formuliert ).
            Die meisten klappen dann schon den Unterkiefer runter, weil sie sich so differenzierte Gedanken dazu nämlich ( noch ) gar nicht gemacht haben.

            „Wer nun, auch @djadmoros, den Begriff „Femifaschismus“ ganz treffend findet, der drückt damit vermutlich auch aus, dass er auf solch ein Gespräch über die ideologischen Gräben hinweg eh nicht mehr hoffen kann.“

            Auch da kann ich mich Djad ( vermutlich ) nur anschließen.
            Mit eingefleischten „echten“ Femis ist ein einigermaßen sinnvolles Gespräch wohl wirklich nur unter Mediationsbedingungen möglich, wenn überhaupt. Unter vier Augen, oder gar in Kommentarthreads jedenfalls praktisch gar nicht. Kommt nur unsachliches Geholze bei raus.

            „„Statt KZ und Gaskammern, gibt es Frauenhäuser, Hilfetelefone, #Aufkreischkampagnen, Modenschauen, Hetze gegen Gridgirls“ Das ist nicht nur „subtiler“, das ist auch einfach etwas ganz anderes.“

            Okay, war weit hergeholt, in Bezug auf die Dehumanisierung passt es m.E. aber durchaus ( siehe mein Kommentar mit den [ i.d.F. feministischen ] Tierschützern, die die Schweine als diskriminiert ansehen). Mal ganz abgesehen von den Frauenhäusern, die nicht zuletzt ganz direkt dazu dienen Kinder zu verschleppen UND zu rücksichtslos ( mindestens als Waffe ) mißbrauchen.

            „Ich weiß, dass ich solche Vergleich mit dem Begriff „faschistoid“ oder der Überschrift nahelege, aber eben: Es geht mir dabei um die gezielte De-Humanisierung ganzer Gruppen von Menschen, bei der ich nicht verstehe, wie die so selbstverständlich und allgemein akzeptiert werden kann.“

            Da sind wir uns dann wieder einig. Eben darum geht es mir. Wobei ich nicht glaube, daß „die so selbstverständlich und allgemein akzeptiert“ wird. Aber da bin ich mir noch nicht sicher und es würde hier sicherlich den Rahmen sprengen das umfassend auseinanderklamüsern zu wollen.

          • @Lucas:
            Du schreibst von Frauen, die

            …Feminismus als eine Möglichkeit begreifen, Frauen eine Stimme zu geben, die sie früher nicht hatten.

            Das irritiert mich. Kennen die deine Situation, was ist mit deiner Stimme, die vom Feminismus unterdrückt wird?

            Und zweitens: Gehört nicht eine gehörige Portion Wirklichkeitsverlust dazu, nicht zu erkennen, dass sich der ganze Diskurs stets um die Frauen und ihren Befindlichkeiten dreht, uns sei es nur – pardon – ein quersitzender Furz?

          • @ yx Ich hatte ja fortgesetzt mit: „Dass solch ein Bild des Feminismus idealisierend ist, ist klar.“

            Und ich glaube, dass hier einberechnet werden muss, dass Menschen eben nicht aus objektiven Positionen urteilen können, sondern gerade dort, wo tiefe Überzeugungen im Spiel sind, tief involviert sind. Ich hab während meines Studiums mal die beeindruckende autobiografische Trilogie „Wie eine Träne im Ozean“ von Manes Sperber gelesen. Die Geschichte eines überzeugten Kommunisten, der sich angesichts kommunistischer Verbrechen von seinen Überzeugungen abwendet.

            Das aber geschieht eben nicht plötzlich. Zunächst einmal lernt er seine Überzeugung ja als eine wesentliche Bewegung zum Guten, oder zumindest Besseren in der Welt kennen: als mutiges Engagement gegen offensichtliche, schreckliche Missstände. Wenn er dann merkt, dass diese Bewegung auch mit Negativem verbunden ist, dann kann er das zunächst mit seiner Überzeugung vereinbaren. Klassischerweise kann er die Verantwortung den Gegnern zuweisen (von „Das sind Propagandalügen“ bis „Die Skrupellosigkeit unserer Gegner zwingt uns leider dazu“) – er kann das Negative als Ausnahme klassifizieren, als etwas, das gegenüber dem Guten der Bewegung kaum ins Gewischt fällt – er kann taktisch argumentieren („Ja, das ist schlimm, aber es offen anzusprechen, spielte unseren Gegnern in die Hände, und die sind noch viel schlimmer“) – oder er kann einen Unterschied machen zwischen der „richtigen“ Bewegung und dem, was von einigen daraus gemacht wird.

            Schließlich kann er auch einfach Angst davor haben, als Verräter ausgeschlossen zu werden.

            So geht es nach meinem Eindruck oft auch Feministinnen. Sie bekommen schon mit, dass feministische Positionen durchaus auch zu Negativem, sogar zu Unerträglichem beitragen – aber es gibt erst einmal viele Möglichkeiten, das prinzipiell positive Bild des Feminismus noch aufrecht zu erhalten. Das ist ein Wirklichkeitsverlust – aber es ist auch ein ziemlich normaler Vorgang. Zumal es ja massenmedial und regierungsamtlich keinen echten Anlass gibt, die positiven Meinungen über „den“ Feminismus zu überprüfen.

            Ich selbst würde mittlerweile übrigens gar nicht mehr so gern vom „Feminismus“ reden. Es geht hier eigentlich um Misandrie, nicht um Feminismus. Der wäre ja ganz in Ordnung, wenn er männerfeindliche Aspekte nicht weithin stützen, tragen und propagieren würde.

          • „Das ist das Anathema des Radikalfeminismus: einem Mann Verantwortung schuldig zu sein.“ Das ergibt sich zwangsläufig, wenn Gleichberechtigung sich nicht allein für die Beziehungen von Menschen zum Staat, sondern auch für Beziehungen von Menschen zueinander gilt. Dann sind Frauen im selbem Maße für sich selbst verantwortlich wie Männer, und sie sind gegenüber Männern im selben Maße verantwortlich, wie es Männer gegenüber Frauen sind.

            Insbesondere der letzte Punkt ist weit weg von jeder Realisierung. Es gibt Frauen, die sich auch für Männer einsetzen – aber die meisten sind ziemlich ruhig. Das ist ein deutlicher Kontrast zu Frauenrechten, für die sich ja traditionell immer auch, und entscheidend, Männer stark gemacht haben.

            Das muss nicht unbedingt ein Zeichen für Empathielosigkeit sein, es kann auch daran liegen, dass Frauen insgesamt weniger stark politisch engagiert sind als Männer.

          • @ Schoppe

            „So geht es nach meinem Eindruck oft auch Feministinnen.“

            Eine interessante Lösung für sich hat Robin diesbezüglich gefunden, die ja sowohl feministische als auch feminismuskritische Beiträge verfasst hat.

            In der Selbstdarstellung auf ihrem Blog spricht sie von sich selbst ausdrücklich als „feminismuskritische Feministin“:

            https://robinsurbanlifestories.wordpress.com/about/

          • @Lucas: Danke für die Antwort. Ja, den Prozess, seine Meinung zu ändern kenne ich. Das war einmal der Wandel vom Feministen zum Männerrechtler und jüngst die Meinungsänderung bzgl. muslimischer Einwanderer. Ich kann gut nachvollziehen, dass man seine Meinung nicht „einfach so“ ändert und vorher alles tut, um sein Weltbild gegen alle widerläufigen Fakten oder Wahrnehmungen zu schützen.

    • Es scheint auch niemanden gestört zu haben dass der #metoo-Oberschurke Harvey Weinstein Jude ist, also in der Bildlichkeit der Modenschau sozusagen die »Ober-JS.«

      Der Mann, insbesondere der weisse, wird als omnipotent fantasiert. Jede noch so gewaltvolle Dehumanisierung wird in dieser Vorstellungswelt als mehr oder weniger folgenlos wahrgenommen. Selbstverständlich lassen sich, um diese Fantasie zu untermauern, auch mächtige weisse Männer anführen. Das ist eine weitere offensichtliche Parallele zur NS-Judenhetze. In deren Propaganda war das Judentum der Herrscher der Welt, deren Machtausübung, insbesondere durch das „Finanzjudentum“ zu grossen Teilen im Verborgenen stattfand. Dass der verarmte Schuhmacher nebenan auch Jude war, das spielte keine Rolle. Diese Fantasie des Kampfes gegen einen übermächtigen bösartigen Gegner ist es, was sämtliche Hemmungen fallen und jedes Mittel als gerechtfertigt erscheinen lässt.

      • „Diese Fantasie des Kampfes gegen einen übermächtigen bösartigen Gegner ist es, was sämtliche Hemmungen fallen und jedes Mittel als gerechtfertigt erscheinen lässt.“ Das finde auch ich einen sehr wichtigen Punkt. Wenn der Gegner als so mächtig fantasiert wird, bedeutet das erstens: Ich muss nicht darauf achten, ob ich ihm etwas antue – wenn es für ihn wirklich schlimm wäre, könnte er sich ja jederzeit selbst helfen. Und zweitens: Da er so mächtig ist, werden Skrupel meinerseits seiner Machtausübung nur in die Hände spielen. Wenn er solche Skrupel auch hätte, wäre er ja auch nie in solch eine Machtposition gekommen.

        Ich kann also skrupellos agieren und gleichzeitig das Gefühl haben, moralisch intakt zu bleiben. Natürlich ist solch eine Konstellation ungeheuer enthemmend. Umso mehr Grund, mit der Zuschreibung von „Macht“ und „Privilegien“ deutlich vorsichtiger umzugehen, als es gerade angesagt ist.

        • Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass diese Frauen nicht wirklich erwarten, ernst genommen zu werden und das völlig zu Recht. Die Ernsthaftigkeit ist auf allen Seiten eine gespielte. Das wiederum hängt mit der Vorstellung zusammen, die alle Macht bei Männern verortet und Frauen als im Grunde ohnmächtige Opfer einer patriarchalen Welt zeichnet. In diesem Narrativ – und es ist ein sehr wirkungsvolles Narrativ – ist der Feminismus eine beinahe religiöse Erweckungsbewegung.

          • @Pjotr:

            »Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass diese Frauen nicht wirklich erwarten, ernst genommen zu werden«

            Wie denn auch? Christian hat heute einen Spiegel-Artikel von Gretchen Stockdoofski verlinkt, in dem sie (unter anderem) erklärt, es sei »Patriarchat«, wenn Merkel »Mutti« genannt werde.

            Da schmoren Hasenhirne im eigenen Saft und warten drauf, dass ihre Garzeit vorbei ist! Intellektuelle Flatliner, denen der Auftritt im Spiegel als Herz-Lungen-Maschine dient! Nur nach Eigenleistung ihrer Denkorgane und ohne publizistische Intensivmedizin ruhten die längst unter der Grasnarbe des Vergessens!

          • Hähä! Netter Kurzrant… 😀

            Dieser Artikel von Stokowski, den Evo-Chris da als Thema hatte, ging mir hier beim Thema weibliche Unterverantwortlichkeit im Feminismus auch durch den Kopf… Dauernd dieser Blödsinn von Frauen, die immer nur dann vorgeschoben werden, wenn es darum geht, den Karren, den natürlich nur die Männer gegen die Wand gefahren haben, wieder auf Kurs zu bringen. Dass die SPD in den letzten Jahren von einem Desaster ins andere taumelt kann natürlich nicht an einem postmodern (und somit eigentlich überhaupt nicht mehr) linken Kurs liegen, für den komischerweise gerade etwa eine Frau Schwesig (nunmehr Barley) und die Damen der ASF ein Paradebeispiel darstellen, weswegen sich immer mehr ursprüngliche Stammwähler der SPD, die trotz Schröder und Konsorten noch lange auf eine doch mal wieder stattfindende Besserung hofften, endgültig angewidert abwenden.

            Die kleine Maggy kann, wie viele Vertreter ihrer Ideologie, einfach nicht in komplexeren Strukturen denken, als schlichter Gruppenzuteilung. Dass sie immer wieder publiziert wird oder eine ähnliche Hohlnuss wie Anne Wizorek immer noch als feministischer Medienstar von den Öffentlich Rechtlichen am Leben erhalten wird, lässt mich schon lange vermuten, dass die inzwischen ohnehin schon beklagenswert niedrigen Standards unserer Mainstreammedien absolut ins Bodenlose sinken, sobald nur irgendwo Feminismus draufpappt.

            Selbst wenn Knalltüten von der AfD mal argumentativ nen Punkt machen, wird der von unseren Medienmachern erwartbar verdreht und umgedeutet auf die bösest mögliche Auslegung und sich darüber entweder empört oder amüsiert. Aber Damen wie oben genannte können den blödesten Bullshit in die Mikros sabbeln, ohne auch nur einmal Gefahr zu laufen, dass man ihre Aussagen kritisch hinterfragt. Ich ertrage auch schon lange keine Talksendungen mehr zu einschlägigen Themen. Wenn sich immer dieselben Damen in ihrer Filterblase gegenseitig die Richtig- und Wichtigkeit ihrer Denkens und Handelns bestätigen und, von der Moderation unterstützt, den meist (scheinbar) absichtlich argumentativ schwach ausgewählten, obligatorischen Gegner niederplärren, könnte ich schon nach fünf Minuten bald durch den Fernseher springen.

            Meine Hochachtung für alle hier, die sich den ganzen Scheiß, sowohl in TV als auch in Schrift, immer wieder geben und es schaffen, dabei geistig gesund zu bleiben; also wie z. B. besagter Christian oder auch Arne Hoffmann.

  • „Die Forderung, dass Männer schweigen sollten, während Frauen sprechen, gehört zu ihren Basisklischees und wird durch Chalek in beeindruckende und furchtbare Bilder umgesetzt.“

    Während dessen reden die selben Feministen von „toxischer Männlichkeit“ und dass die Probleme von Männern wie höhere Suizidrate, kürzere Lebenserwartung, schlechtere Gesundheitsversorgung und höhere Kriminialitätsraten, besonders bei Gewaltkriminalität, davon mitverursacht sei, dass Männer nicht über ihre Probleme und Sorgen redeten.

    Dass Männer schweigen, wenn sie von ihrer Partnerin drangsaliert werden, wenn sie Psychoterror ausübt, emotionaler Druck, Lügen und und Manipulation an der Tagesordnung sind – bis der Mann ausrastet und seine Wut an ihr oder anderen auslässt. Dass Männer schweigen, wenn sie mit den Problemen des Alltags überfordert sind und statt dessen so tun, als hätten sie alles im Griff – bis es eben gar nicht mehr geht und als Ausweg nur noch der Suizid bleibt.

    Männer reden weniger als Frauen, besonders über ihre Gefühlswelt. Männer äußern ihre Gefühle mehr durch physische Aktivität, als durch Monologe. Und das im Guten wie auch im Schlechten. Dass Männer aufstehen und die Dinge geregelt kriegen gehört genauso dazu wie dass sie ausrasten und um sich schlagen oder aber sich halt irgendwann selbst zerstören.

    Das Schweigen und die Unsichtbarkeit bekommt niemand mit. Was man ab Ende sieht ist ein Täter und ein Opfer, der Täter ist hier oft der Mann, das Opfer oft die Frau, oft ist das Opfer aber auch er selbst, wenn er sein Leben mit Alkohol zerstört oder sich einfach umbringt. Die Vorgeschichte aber bleibt meist im Dunkeln, in den Dunkelziffern.

    Das ist aber leider ein Zentimeter zu weit gedacht für diese faschistoiden Feministen und bereits außerhalb ihres Wahrnehmungshorizontes.

    • „Die Forderung, dass Männer schweigen sollten, während Frauen sprechen, gehört zu ihren Basisklischees und wird durch Chalek in beeindruckende und furchtbare Bilder umgesetzt.“

      Das können die Damen gerne haben und bekommen sie auch schon:
      Sowohl im privaten Bekanntenkreis als auch in der Firma, beobachte ich, vermehrt, dass Männer in Anwesenheit von sprechenden Frauen schweigen, lächeln, notfalls auf direkte Ansprache der Frau immer recht geben,
      – dann aber ihr eigenes Ding durchziehen.
      Grade unsere marokanischen und tunesischen Geschlechtgenossen beherrschen dieses Prinzip perfekt.
      Selbstverständlich muß man auch so planen und agieren, dass Frau niemals ein Druckmittel gegen den Mann in die Hand bekommt.
      Deutsche Offenheit hat ausgedient.

  • Die kreative Frau Chalek wollte sicher nur im englischen Sprachraum verbreiten, was man in Deutschland schon lange weiß und was Teil unserer Leitkultur ist: Männer sind Schweine.

    Und weil Schweine keine Menschen sind, gilt für Männer auch nicht Art.1 GG: Die Würde des Menschen (nicht des Schweins!) ist unantastbar. Daß das Mannschwein wie ein angeketteter Hund kniend zu seinem engelsgleichen Frauchen hochblickt, ist natürlich ein bißchen dick aufgetragene Symbolik, aber sonst verstehen die Männer den Unterschied zwischen Gut und Böse eben nicht, kein Wunder bei deren IQ (oder dem IQ der Besucher der Fashion Show?). Die Männer sollten jedenfalls wirklich dankbar sein, wenn ihnen die Frauen sagen, wo es lang geht, und sie mit Handschellen anketten, damit sie sich nicht verlaufen. Das zeigt einmal mehr, daß der Feminismus auch für Männer gut ist.

    Die Frauen lernen ebenfalls sehr nützliche Dinge bei dieser Show:

    1. Ihrer Anklage hat niemand zu widersprechen, sondern atemlos zuzuhören. Schon gar nicht haben forensische Experten für Zeugenvernehmung zu unterbrechen.

    2. Die Frau darf das Urteil selber fällen, sollte aber milde sein und es bei Freiheitsentzug belassen (braucht also keine Peitsche oder Bolzenschußgerät zu beschaffen).

    3. Sie exekutiert die Strafe gleich selber.

    Das ist das altbekannte und bewährte Definitionsmacht-Konzept, wonach Frauen ganz einfach ein Recht darauf haben, Kriminalkommissar, Ankläger, Richter und Henker in Personalunion zu sein. You can have it all!

    • Nur mal so als Hinweis: Ich würde das Definitionsmacht-Konzept viel weiter fassen. Es besagt, daß eine Frau über nahezu alle Aspekte, die einen Mann betreffen, die ultimative Auskunft geben kann und auch geben sollte. Ein Kollege hat mir gegenüber mal gesagt: „Wenn ich krank bin, dann geht meine Frau für mich zum Arzt. Die weiß besser, was der Arzt wissen will.“ Das war natürlich Sarkasmus. Aber ich habe es so verstanden, daß die Ehefrau sich anmaßt, besser über die kranke Befindlichkeit ihres Mannes urteilen zu können als dieser selbst.

      Vor Jahren hab ich mit einem Pärchen gesprochen, die hatten Urlaub im Brasilianischen Urwald verlebt. Sagt der Mann zu mir: „Und da hab‘ ich dann diese XY-Initiations-Zeremonie der Z-Indianer mitgemacht. Das wollte ich ja unbedingt.“ Darauf ich: „Und? Hat’s Dir gefallen?“ Schaut er zu seiner Frau und sagt: „Ja, Schatz, wie fand ich das? Das war doch —?“ Und die Ehefrau sagt: „Also direkt davor hattest Du schon etwas Bammel. Und hinterher warst Du so ein bißchen down.“ Er: „Mir war übel.“ Sie: „Ja, klar, wegen diesem Rauch-Zeugs. Aber am nächsten Tag wolltest Du dann nur noch ohne Hemd rumlaufen.“ Er lacht: „Ja, das mußte einfach sein!“

      Wie auch immer, ich würde schon überlegen, ob das Definitionsmacht-Konzept sich nicht zumindest auf alle Aspekte von Partnerschaften erstreckt, insbes. wenn es zu Konflikten kommt. Wenn das Paar beim Partnerschafts-Therepeuten sitzt, dann hat die Frau die Definitionsmacht und der Therapeut muß schon sehr raffiniert sein, wenn er trotzdem noch die Sichtweise des Mannes rauskriegen will.

      • Naja, ich hab mal auf dem Bild genau hingeschaut. Vom Hautton der Arme her würde ich sagen, ist der Mann rechts im Bild ganz oben, den die schwarze Dame da herumführen darf, ebenfalls schwarz.

        Merke: im Intersektionalismus bist du als schwarzer Mann zwar aufgrund deiner Hautfarbe unterdrückt durch weiße Männer, aber da Frau ebenfalls ein Kriterium für gaaaaaanz doll schlimmes Unterdrücktsein ist, darf dich eine schwarze Frau (also wegen Hautfarbe und Geschlecht mindestens gleich zweifach unterdrückt) immer noch als Schwein verkleidet vorführen.

        Allein wenn man schon Mann ist, egal welcher Ethnie, hat man in seiner Intersektion schon mal mindestens ein ganz gravierendes Kriterium für andere unterdrückende Privilegiertheit und darf auf Basis der Geschlechtszugehörigkeit bedenkenlos mit allem Dreck beworfen werden, der gerade griffbereit ist.

        Und da Intersektionalisten kognitiv nicht in der Lage sind, ihre eigenen Dogmata zu reflektieren, merken sie noch nicht einmal, welches Geschlecht denn offensichtlich eher ein Diskriminierungsfaktor ist, alleine schon aufgrund dessen, dass das Diskriminieren von Männern nicht nur keine Sau stört, sondern es gar als politisch korrekt gilt, unter anderem eben auch wegen solcher Klappspaten, die dies regelrecht zum Exzess treiben.

  • Alles schon dagewesen, aber sie merken es nicht.

    Nach der Sklaverei und dem Holocaust wurden diese aufgearbeitet. Ich bin gespannt, ob es irgendwann auch eine Aufarbeitung der Verbrechen an den Männern geben wird, nicht nur die neuen, wie die Vätervernichtung sondern auch die historisch alltäglichen wie der totale Zugriff auf Körper und Leben des Mannes per Wehrpflicht.

    Meine Prognose: Dazu wird es aufgrund des Empathiedefizits nicht kommen. Männer sind halt Schweine und für Leid und Tod der Tiere hat man nunmal nicht soviel Mitgefühl übrig wie für Frauen.

      • Die Emotionalität ist nachvollziehbar. Als bei Genderama gestern der Artikel über diese „Modenschau“ verlinkt war, ist mir auch bald schlecht geworden. Und dieser ganze Scheiß geschieht ja nicht im luftleeren Raum. Dieser permanent latent bis offen diffamierende Umgang mit Männern und Männlichkeit ist ja schon viel älter als wir alle hier. In den letzten Jahren treibt die Sache nur nach meinem Empfinden immer krassere Blüten.

    • Sorry, uepsilonniks, aber du wirst mehr Hilfe für leidende Tiere erhalten wie für leidende Männer.

      https://www.anthonynolan.org/news/2014/08/11/brits-more-likely-help-their-pet-man-or-teenager-says-new-survey

      Feministinnen würden sogar eher dafür kämpfen, das Ariell die Meerjungfrauen ‚gleichberechtigt‘ ist, wie das männliche Opfer Hilfe erhalten, bei der sie nicht als erstes akzeptieren sollen das sie Schuld auf sich geladen haben durch ihr Mannsein.

      • Ja, ich vermute auch, daß diese Modenschau, so sie denn in den MS-Medie weiter verbreitet würde, bei den Tierschützern mehr Empörung auslösen würde, als gesamtgesellschaftliche Kritik, bspw. in irgendwelchen S-M-Groups ( S-M steht hier für „Social Media“, nicht was Ihr schon wieder denkt ).
        Denn da werden Schweine vermenschlicht, sogar vermännlicht – und dadurch herabgewürdigt.

      • @Matze:

        »Feministinnen würden sogar eher dafür kämpfen, das Ariell die Meerjungfrauen ‚gleichberechtigt‘ ist«

        Arielle ist ja auch transgender, die hat ’nen Schwanz …

  • Charakteristisch ist, wie plump die „Anklage“ daher kommt. Da war sogar der Stürmer subtiler!

    Es sollte aber bedacht werden, dass Modefuzzis in der Regel eine Ansammlung von Idioten sind. Dazu muss man sich nur mal die zum Teil grotesken Verkleidungen ansehen, die da zu Markte getragen werden. Das kann doch jemand, der sich ausserhalb dieser Bubble bewegt, nicht ernst nehmen.

    Und Faschos sind doch diejenigen, die braune Hemden tragen mit einer Fackel in der rechten Hand das Horst-Wessel-Lied singend. Die haben nie und nimmer ein Gucci-Handtäschchen umgeschnallt. Weiss doch jeder!

    • Der „tief in der Gesellschaft verankerten Geschlechterhass“ manifestiert sich natürlich in Bild A! Ja, so ein Bild sagt mehr als Tausend Worte …

  • Bei meinen feministischen Schwestern erkenne ich immer wieder diese erschreckende „Mitgefühlskälte“, wenn es um ganz normale menschliche Anteilnahme geht.
    Natürlich ist diese Kälte rein geschlechtsspezifisch.
    Die Tatsache jedoch, dass sie auch gegen den eigenen Bruder gerichtet ist, hat mir erst klar gemacht, wie doktrinär und unmenschlich der Feminismus nicht nur inhaltlich ist.
    Vielmehr kann er auch eine geradezu kaltblütige Unmenschlichkeit gegenüber dem „falschen“ Geschlecht im engsten Verwandtschaftsverhältnis bewirken.

    Das Mitgefühl wird hier durch ein ziemlich widerliches reaktiv/reaktionäres „Genervtsein“ ersetzt und quasi zur Belastung der weiblichen Empathie.

    Das hat sogar mein feministischer Bruder gemerkt…..

    • @Gunther Herzlich:

      Ich denke, im Alltag muss man dazu übergehen, die bislang völlig selbstverständliche und vom Feminismus uneingestandenermaßen ausgebeutete Solidarität von Männern mit feministischen Anliegen konsequent aufzukündigen. Was sicher leichter gesagt als getan ist, weil das in psychologischer Hinsicht zur Voraussetzung hat, sich von »Muttis mißbilligendem Blick« emanzipieren zu müssen.

      • Ich drehe den Spieß manchmal ganz gern um. Z.B. halte ich GERADE feministisch vorbelasteten Soziologinnen demonstrativ die Tür auf, biete ihnen erkennbar obligatorisch ggf. Kaffee o. Tee an o.ä..
        Eine hat mich letztens darauf angesprochen und ich habe ihr knallhart in wenigen Sätzen erklärt, daß ich mir mein Leben lang gar keinen Kopp darum gemacht habe und jedem die Tür aufhalte, dem das irgendwie nützen könnte.
        Daß ich es aber GERADE in dieser Situation ihr ( und ggf. anderen ) gegenüber als ausdrückliches politisches Statement verstanden wissen möchte, eben WEIL sie mich gezielt danach gefragt hat.
        Kam scheinbar an, seitdem liefen unsere gelegentlichen Gespräche m.E. deutlich offener und sachlicher …..

  • „Dass das, was Chalek hier erzählt, mit der sozialen Realität überhaupt nichts zu tun hat“

    Doch das hat schon was mit der Ralität zu tun, auch wenn es eine einseitige Darstellung der Realität ist. Chalek sagt, „dass Frauen in arabischen Ländern auf ein Podest gestellt würden, dass die Rate der Vergewaltigungen dort sehr gering wäre“. Das sollte man genauer auseinandernehmen:

    Podest:
    Frauen werden in den arabischen Gesellschaften sehr wohl auf ein Podest gestellt. Sie werden mit deutlich größerem Respekt behandelt als hierzulande. Sie sind keineswegs nur die machtlosen Opfer, wie der verlinkte Artikel von Martin Gehlen meint. Es herrscht partriarchale Geschlechtertrennung; das heißt, Frauen haben nach islamischen/christlichen Recht und nach arabischen Gewohnheitsrecht bzw. Brauch einen männlichen rechtlichen Vormund. Das heißt aber nicht, dass sie damit im besonderem Maße Opfer sexueller Gewalt werden, wie der Gehlen-Artikel suggeriert; sondern es verändert zunächst nur den Umgang mit sexueller Gewalt. Fälle von sexueller Gewalt werden dort weniger angezeigt; d.h. sie werden nicht mit Hilfe des bürgerlichem Rechts geahndet sondern durch Familienstrukturen. Da die arabischen Familienstrukturen in der Regel sehr intakt sind (im Gegensatz zu den staatlichen Rechtssystemen) und (die „ehrbaren“) Frauen dort viel zu sagen haben, halte ich das für sehr vernünftig. Über die Häufigkeit von Gewalt gegen Frauen sagt das aber nichts aus.

    „niedrige Vergewaltigungsraten“:
    Chalek scheint sich hier auf irgendwelche offiziellen Statistiken zu verlassen, die ich nicht kenne. Da die patriarchale Geschlechtertrennung und die starke Stellung der Familie als Ordungshüter dazu führen, dass mit sexueller Gewalt -wie schon beschrieben- dort ganz anders umgegangen wird als hier, können Statistiken über das Thema wenig aussagen. Das hat diese Chalek offenbar nicht verstanden und daher freut sie sich darüber, dass sie den arabischen Gesellschaften politisch korrekte „niedrige Vergewaltigungsraten“ bescheinigen kann.
    In der Tat vermute allerdings auch ich, dass sexuelle Gewalt in den Emiraten (es ging ja um Dubai) innerhalb der arabischen Herrenschicht (Dubai besteht zum großen Teil aus asiatischen Gastarbeitern) sehr selten anzutreffen ist. Diese Vermutung gründet sich:

    1. auf den traditionell großen Respekt gegenüber „ehrbaren“ Frauen (sowohl familieneigenen Frauen, als auch fremden) und deren unbedingte Protegierung durch das familiäre Patriarchat und den Islam. Intensiver männlicher Kontakt zu fremden Frauen wird von den Familien und den islamischen Sitten nicht geduldet. Wer eine fremde Frau belästigt, legt sich automatisch mit deren Großfamilie und obendrein mit dem islamischen Recht an (und nebenbei noch mit dem bürgerlichen Recht, falls das eine Bedeutung hat).

    2. auf die starke Überwachung der Sittlichkeit durch die intakte (Groß-)Familie. Innerhalb einer kaputten westlichen Kleinfamilie, in der die Mitglieder kaum aufeinander Acht geben, passieren sexuelle Übergriffe sehr schnell und unbemerkt. Ein einzelner Haustyrann (ob Vater, Mutter, Ehefrau oder Ehemann) hat hier viel Macht, da andere Familienmitglieder nicht einschreiten können. Das dürfte es in Dubai nicht geben. Sexuelle Gewalt innerhalb der Familie wird dort sofort von vielen einflussreichen Familienmitgliedern bemerkt und die wollen nun erstens, dass das beendet wird und zweitens, dass bloß nichts nach außen dringt, damit die Familienehre nicht beschmutzt wird.

    3. auf die Geschlechtertrennung der emiratischen Gesellschaft, die die Möglichkeiten sexueller Übergriffe starkt begrenzt.

    Das alles gilt für die arabische Herrenschicht der Emirate. In der Gastarbeiterschicht wird die Situation eine andere sein. Ich weiß da aber leider nichts drüber.

    Nochmal zum verlinkten Artikel von Gehlen:
    Ich hab Gehlen immer für einen ordentlichen Nahostexperten gehalten, dieser Artikel ist aber leider einseitig und feministisch tendenziös. Zunächst ist es richtig, dass sexuelle Gewalt gegen Frauen in Ägypten (genauer: in Kairo) ein riesiges allgegenwärtiges Problem und eine einzige kollektive Schande ist. Das mag auch eingeschränkt auf andere arabische Großstädte zutreffen, in denen die traditionelle arabische Lebensweise nicht mehr funktional ist und zudem starke wirtschaftliche Probleme und Entwurzelung herrschen. Es lässt sich aber keineswegs generell auf die arabische Gesellschaft übertragen. Gehlen benutzt die Schande von Kairo nun dafür, den Arabern seine Opferfrauen- und Gleichstellungsideologie aufzunötigen.

      • danke für den Hinweis. Das ist ein durchaus guter Artikel, aber er ist leider ebenfalls zu einseitig -nur auf maskulistische Weise.

        Die iranische Gesellschaft ist aber wiederum ganz anders sowohl als die ägyptische, als auch die emiratische. Der Iran ist ein Extremfall: Ein islamisch-konservativer Ideologie-Staat versucht hier einer sehr modernisierten Gesellschaft ein Patriarchat zu verordnen. Das was dabei rauskommt, beschreibt Uepso ganz gut; wenn auch nicht ausgewogen genug.

    • @Jonas:

      Das sind interessante Ausführungen, einen differenzierten Blick halte ich immer für löblich. Der einzige Punkt, den ich beanstanden möchte, ist das Bild der »kaputten westlichen Kleinfamilie«. Das klingt mir zu sehr nach einem klischeehaften Gegenbild zum arabischen Modell, auf das Du detailliert eingehst, und es übersieht, dass die »westliche Familie« einfach einen anderen »anthropologischen« Typ darstellt, insofern ihre Merkmale der Bilateralität (Gleichwertigkeit der väterlichen und mütterlichen Abstammung), Konsensprinzip der Ehe, relativ spätes Heiratsalter und frühe Selbständigkeit gegenüber der Großelterngeneration Merkmale sind, deren Ursprünge bereits im Frühmittelalter liegen (dazu liefere ich in den nächsten Wochen noch einen Blogpost, weil das auch für eine Geschichte des Feminismus relevant ist).

      Einer der Effekte, zu dem diese Familienstruktur geführt hat, war eine hohe soziale Mobilität der nachwachsenden Generation gerade aufgrund der relativ geringen sozialen Kontrolle (schwache(!) Ausprägung auf der »Patriarchatsskala«) und resultierend ein hoher Grad an horizontaler Vernetzung in den westlichen Gesellschaften (eine gute Vorausetzung für Marktorientierung und demokratische Verhältnisse), d.h. diese Familienstruktur gehört zu den wesentlichen Voraussetzungen für den globalen Erfolg der westlichen Gesellschaften seit der frühen Neuzeit.

      Dass westliche Familienmitglieder »kaum aufeinander Acht geben«, halte ich mindestens für unglücklich formuliert – der Schwäche der patriarchalen Autorität korrespondiert in diesem Fall die stärkere horizontale Einbindung in sekundäre Institutionen der Siedlungsgemeinschaft, die die soziale Kontrolle übernehmen – historisch sehr ausgeprägt gerade in protestantischen Milieus!

      Der Aspekt des Kontrollverlusts ist dann wiederum hauptsächlich der anonymen urbanen Gesellschaft geschuldet, und da ergibt sich dann eine ähnliche Problematik, wie Du sie für Kairo selbst andeutest.

      Was mich darüber hinaus interessieren würde wäre, innerhalb welcher sozialen und familiären Strukturen die Mißbrauchsfälle von Rotherham möglich gewesen sind, ich meine, das sei ein pakistanisches(?) islamisches Milieu gewesen.

      • hallo Djad,

        dass die westliche Kleinfamilie generell kaputt und die arab. Großfamilie generell intakt ist, meinte ich gar nicht. Ich meinte nur, dass innerhalb einer Kleinfamilie sexuelle Gewalt wahrscheinlicher ist, weil es keine Kontrollmechanismen und keine Familienehre, die verteidigt werden müsste, gibt. Zusammenhalt und Funktionsfähigkeit der Familienstruktur sind hier zweitrangig, da wir Westler stattdessen durch kapitalistische Wirtschaft, Schule, Staat etc. eingebunden und sozial abgesichert sind; bzw. abgesichert sein wollen. Die Familie hingegen gibt uns wenig, also geben wir ihr wenig zurück. Das gilt insbesondere, wenn die Familie kaputt ist; was zumindest in Deutschland nur all zu oft der Fall ist. In der traditionellen arabischen Gesellschaft ist das umgekehrt. Die Großfamilie gibt einem alles, und man gibt ihr alles. In Dubai dürfte das noch funktionieren, ich wüsste zumindest nicht, warum nicht.

        du sagst es eigentlich schon selbst:
        “ der Schwäche der patriarchalen Autorität korrespondiert in diesem Fall die stärkere horizontale Einbindung in sekundäre Institutionen der Siedlungsgemeinschaft, die die soziale Kontrolle übernehmen“

        Was die pakistanischen Banden in England angeht, kenn ich mich nicht aus. Bei Wikipedia stand, dass die Opfer englische Mädchen waren. Es handelte sich also nicht um innerfamiliäre Missbrauchsfälle, sondern um klassische Vergewaltigung von fremden Frauen. Doch auch hier begegnet uns wieder der Familien-Aspekt; allerdings in anderer Weise. Wikipedia:

        „In von Jay vorgestellten Fallbeispielen geschah das Grooming der Schulmädchen meist durch junge männliche Mitglieder von Zuhältergangs. Sie beeindruckten die Mädchen, die vorwiegend aus zerrütteten Familien kamen und von ihren Eltern vernachlässigt wurden, mit schnellen Autos, Geschenken, kostenlosen Drogen und Liebesversprechen und sorgten dafür, dass sie den Kontakt zur Familie vollends verloren.“

        Ich würde den Fall erstmal in derselben Kategorie einordnen, wie Köln. Entwurzelte junge Männer in prekären Verhältnissen, die ihre traditionellen Bindungen und Werte aufgegeben haben und nun die Welt als Selbstbedienungsladen sehen. Und im individualistischen, urban-anonymen, feministischen und Kindern gegenüber etwas kaltherzigen Europa finden sie dann leichte Beute. Die political correctness tat ihr übriges um diese pakistanische Bandenkriminalität zu vertuschen (Polizisten wollten nicht als „Rassisten“ gelten und solche Mätzchen), also günstiges Milieu für Sexualstraftäter.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauchsskandal_von_Rotherham

        Auf einen Blogpost über die Kleinfamilie bin ich sehr gespannt! Man sollte hier insbesondere auf den Einfluss der Industrialisierung und den damit einhergehenden Zusammenbruch von Subsitenz- und Hauswirtschaft eingehen.

    • @ Jonas Ich habe deswegen auf diese Passage aus dem Interview mit Chalek reagiert, weil ich glaube, dass sie hier ein spezifisches Problem der westlichen Linken wegzureden versucht: Wie lässt sich der weiße heterosexuelle Mann als Inbegriff patriarchaler Gewalt erhalten, wenn klar ist, dass sowohl Frauen als auch Homosexuelle in den westlichen Gesellschaften deutlich bessere Positionen haben als, insbesondere, in muslimischen Gesellschaften? Das Problem betrifft die amerikanische Linke ganz besonders, weil dort mit Linda Sarsour ausgerechnet eine Muslima den Widerstand gegen den verhassten Trump anführt, die nach jedem herkömmlichen feministischen Verständnis als erz-reaktionär eingeordnet werden müsste.

      Chalek umgeht das Problem ganz einfach, indem sie arabische Gesellschaften Frauen schlicht als positives Gegenmodell zur furchtbaren westlichen Rape Culture anempfiehlt. Sie umgeht so unumgängliche kognitive Dissonanzen durch Wirklichkeitsflucht.

      Dass Frauen auf ein Podest gestellt werden, und dass Frauen aus Institutionen und von Rechten ausgeschlossen werden – das ist kein Widerspruch, sondern kann einander bedingen. Um das zu wissen, muss man auch kein Muslim sein, es reicht schon, katholisch aufzuwachsen.

      Die Konzentration auf Ehre und Familie wiederum ist in rechtsstaatlicher Hinsicht – und darum geht es vordringlich beim Schutz vor Gewalt – potenziell katastrophal. Wer seine Ehre verloren hat, oder wer gar die Ehre anderer, z.B. der Familienmitglieder, gefährdet, der verliert damit ggfs. den Anspruch auf Schutz und Beistand, den eine ehrenvolle Person hätte.

      Wer nicht zur Familie gehört, hat einen ganz anderen Status als ein Familienmitglied – was im Rechtsstaat nicht der Fall ist, jedenfalls nicht im Hinblick auf den Schutz vor Gewalt.

      Ihre Ehre wiederum können Menschen auch verlieren, ohne dass sie dafür eine nachvollziehbare Verantwortung tragen – dass z.B. eine Frau vergewaltigt wurde, kann ihr als Unzucht ausgelegt werden. https://www.welt.de/vermischtes/article118203574/Norwegerin-wird-vergewaltigt-und-muss-dafuer-in-Haft.html Dass das erheblich zu einer geringen Bereitschaft, Vergewaltigungen anzuzeigen, beiträgt, erwähnt Chalek natürlich nicht.

      Was also passiert in den Ländern, die Chalek so auf ein Podest stellt, mit Frauen, die eben nicht in die Kategorie „ehrenhaftes Familienmitglied“ einzuordnen sind? Was ist zum Beispiel mit weiblichen Dienstboten aus anderen Ländern? Ich vermute, dass deren Schutz vor Vergewaltigungen ziemlich genau bei null liegt.

      Ich halte es daher für wahrscheinlich, dass die hohe Vergewaltigungsrate in ägyptischen und anderen Großstädten nicht allein mit dem Auseinanderfallen der traditionellen Kultur zu tun hat, auch wenn diese Erklärung plausibel ist. Diese Kultur hat, wenn ich sie nicht völlig falsch interpretiere, immer nur einige Frauen geschützt, aber anderen Frauen den Schutz auch systematisch versagt.

      Könnte es aber sein, dass die Gewalt eine Reaktion auf ein weibliches Verhalten ist, das als „westlich“ verstanden wird? Dass also die Täter das Gefühl haben, sie würden antikolonial agieren und damit gar die verlorene Ehre der arabischen Frau wiederherstellen?

      Mir geht es dabei natürlich nicht um eine „Opferfrauen- und Gleichstellungsideologie“ – dass Frauen leiden, heißt ja nicht, dass es Männern gut geht. Wenn westliche Akteure wirklich ein Interesse daran hätten, die Geschlechterdynamik arabischer Gesellschaften zu verstehen, dann müssten sie sich ohnehin von den geschlechterbezogenen Schwarz-Weiß-Mustern verabschieden, an die wir uns so gewöhnt haben.

      • „Wie lässt sich der weiße heterosexuelle Mann als Inbegriff patriarchaler Gewalt erhalten, wenn klar ist, dass sowohl Frauen als auch Homosexuelle in den westlichen Gesellschaften deutlich bessere Positionen haben als, insbesondere, in muslimischen Gesellschaften?“

        Frauen haben meiner Ansicht nach, in der westlichen Gesellschaft keine generell bessere Position als in der arabischen. Es hängt sehr davon ab, welche Gruppe westlicher Frauen man mit welcher Gruppe arabischer Frauen vergleichen möchte und was man als „bessere Position“ definiert. Das würde jetzt zu weit führen. Dein Punkt ist aber trotzdem richtig: Aus feministischer Sicht müsste die arabische Gesellschaft natürlich die reinste Hölle sein. Ist ja bei Schwarzer auch noch so. Aber die zeitgenössischen Femis verleugnen sich lieber selbst, als nicht-westliche Kulturen zu kritisieren.

        „Chalek umgeht das Problem ganz einfach, indem sie arabische Gesellschaften Frauen schlicht als positives Gegenmodell zur furchtbaren westlichen Rape Culture anempfiehlt.“

        So etwas in die Richtung tu ich auch. Nur fühl ich mich dabei natürlich nicht als Feminist und hetze nicht gegen Männer. Aber ist diese Chalek überhaupt eine richtige Feministin? Oder nur eine Scharfmacherin gegen „das Schwein im Mann“? Ich vermute eher letzteres (wobei man das heutzutage natürlich kaum trennen kann). Diese typisch neulinke kognitive Dissonanz muss sie selbst daher nicht unbedingt haben. Sie wird tatsächlich mit dem arabischen Modell sympathisieren und das politisch korrekt nach außen hin als „Feminismus“ vermarkten, ähnlich vielleicht wie diese Sarsour. Chalek ist übrigens auch selbst algerischer Herkunft, wie ich grad herausgefunden hab (Der Name ‚Chalek‘ klang mir so verdächtig arabisch, da hab ich mal gegoogelt). Vielleicht trauert sie ja heimlich dem Patriarchat oder der Geschlechtertrennung nach, ich würd’s nicht ausschließen.

        „Dass Frauen auf ein Podest gestellt werden, und dass Frauen aus Institutionen und von Rechten ausgeschlossen werden – das ist kein Widerspruch, sondern kann einander bedingen.“

        Das weiß ich doch. Es ging aber um die Häufigkeit sexueller Gewalt. Und wie viele oder wie wenig Rechte Frauen haben sagt über diese Häufigkeit nichts direkt aus. Frauen werden grundsätzlich vor Übergriffen geschützt – egal ob sie gleichberechtigt sind oder nicht. Ob dieser Schutz durch die patriarchale Familie oder durch den modernen Staat erfolgt ist erstmal zweitrangig und welches Modell besser funktioniert hängt von der gesellschaftlichen Struktur ab. Bei uns z.B. würde der Schutz durch die Familie nicht ansatzweise funktionieren; also brauchen westliche Frauen Staat und Gleichberechtigung. In einer arabischen Gesellschaft ist das unter Umständen umgekehrt.

        „Diese Kultur hat, wenn ich sie nicht völlig falsch interpretiere, immer nur einige Frauen geschützt, aber anderen Frauen den Schutz auch systematisch versagt.“

        Grundsätzlich schützt sie erstmal alle Frauen, nach dem Koran explizit sogar verfeindete Frauen. Was aber sanktioniert ist, sind unehrenhafte Handlungen beider Geschlechter, so wie das in allen vormodernen Kulturen der Fall ist. Auf diese Weise kann es dann auch zu der Verstoßung von Familienmitgliedern (m/w) kommen, auf die du vielleicht anspielst; ich sehe aber in der modernen Gesellschaft ähnliche Mechanismen am Werk; nur dass die Familie hier durch andere kollektive Identitäten ersetzt ist, die meist schlechter funktionieren.
        Fälle wie der der Norwegerin, die für ihre (mutmaßliche) Vergewaltigung in den Emiraten büßen musste, verstehe ich auch nicht ganz. Natürlich haben die konservativen Emiratis mit der Lebensweise westlicher Frauen ein Problem und schaffen es offenbar nicht, diese neue Entwicklung in ihr Rechtssystem zu integrieren. Aber abgesehen davon lässt es sich nun mal nicht leugnen, dass die öffentliche Rechtssprechung über Fälle sexueller Gewalt aus irgendwelchen Gründen immer problematisch ist. Hier werden eben Tabuzonen gebrochen. Ob in Europa oder in Arabien, die einen stürzen sich dann auf die Männer und die anderen auf die Frauen. Warum das so schwierig ist, wüsste ich auch gerne.

        „Könnte es aber sein, dass die Gewalt [in Kairo] eine Reaktion auf ein weibliches Verhalten ist, das als „westlich“ verstanden wird? Dass also die Täter das Gefühl haben, sie würden antikolonial agieren und damit gar die verlorene Ehre der arabischen Frau wiederherstellen?“

        Ja, das wird eine Rolle spielen. Das erinnerte mich sofort an diesen Fall vom Nov 2017:
        https://www.stern.de/politik/ausland/aegyptischer-anwalt—es-ist-eine-nationale-pflicht–zu-vergewaltigen–7683554.html

        Ein Anwalt, der sich in einer ägyptischen Talkshow in der These verrannt hat, dass es „nationale Pflicht“ sei, Frauen zu vergewaltigen, die sich freizügig kleiden. Der Mann hat damit einen Eklat ausgelöst. Was er da sagt ist mit arabisch-islamischer Tradtion und ägyptischen Strafrecht absolut unvereinbar; es ist reiner moderner totalitärer Moralfuror; er wurde für die Aussage sogar inhaftiert. Dennoch: Viele Ägypter werden ihm heimlich recht geben; sicher nicht nur Männer. In Ägypten herrscht schon eine ganze Weile unterschwellige faschistische Untergangsstimmung, weil die Menschen gespalten sind zwischen westlicher Moderne und Tradition. Beides funktioniert in Ägypten nicht. Dieser Anwalt hat zwar nicht explizit antiwestlich argumentiert, sondern nur von „nationaler Pflicht“ geredet; für viele Ägypter ist das aber verknüpft. Die Ägypter sind der westlichen Kultur gegenüber äußerst aufgeschlossen und Europäern gegenüber sehr freundlich, aber sie fürchten sich vor dem Untergang der Tradition.

        (Über den Fall haben übrigens eher die randständigen und rechten deutschen Medien berichtet; der wohlanständigen Qualitätspresse war das nix und die deutschen feministinnen mussten grade metoo twittern)

        • @Jonas:

          In diesem Kontext sollte man auch das folgende ausführliche Interview (via Alles Evolution) mit der Flüchtlingshelferin Rebecca Sommer zur Kenntnis nehmen, in dem sehr viel (negative) Erfahrung aus erster Hand steckt. Der »Schutz der Frau« in der traditionellen islamischen Welt bedeutet anscheinend in erster Linie einen Schutz vor Angriffen von außen, aber keinerlei Schutz vor Zwang und Gewalt innerhalb der Beziehung/Ehe. Und generell scheint das Heiratsalter niedriger zu sein, zumindest für Frauen, was eine zusätzliche Asymmetrie in der Beziehung erschafft.

          Un das Verhältnis zur westlichen Kultur schafft dann zusätzliche Probleme und eine Tendenz zum gewaltsamen Umgang mit diesen, bis hin zum »Ehrenmord«.

          Das heißt aber auch: wenn die Entscheidungsautonomie der Frau das Kriterium ist (wie das der Emanzipationsbegriff impliziert), dann haben westliche Frauen eine erheblich bessere Position als Frauen der islamischen Welt. Und dies tendenziell schon seit Jahrhunderten, weil das typisch westliche Heirats- und Familienmuster sehr weit zurückliegende Wurzeln hat – das ist einer dieser Punkte, an dem westliche Feministinnen ihre eigenen Voraussetzungen nicht kennen.

          Übrig bleibt die Erkenntnis, das es Freiheit nur um den Preis der (Eigen-)Verantwortung gibt, und das ist der Punkt, an dem der heutige Feminismus sich selbst ad absurdum führt: ihm zufolge sind Frauen für nichts verantwortlich und Männer an allem schuld, darum sieht er in #metoo ausschließlich weibliche Opfer, aber niemals Korruption, zu der die eigenverantwortlichen Entscheidungen von zwei Menschen gehören.

          • @ djad

            Um den anderen Strang nicht noch länger werden zu lassen, hänge ich mich mal hier dran, weil du hier im letzten Absatz etwas aufgreifst, was du ja schon andernorts in dieser Diskussion beschrieben hast.

            Ich halte es auch für einen guten argumentativen Ansatz, den Feminismus aus seinem selbstgeschaffenen Schützengraben der allzeitigen weiblichen Unverantwortlichkeit für alles was in der Menschheitsgeschichte geschehen ist (außer natürlich den guten Dingen), wenn nicht gar in der gesamten Evolutionsgeschichte seit der Ursuppe, herauszudrängen.

            Ich glaube aber nicht, dass man damit den Feminismus „heilen“, ihn von seinen mannigfaltigen irrationalen Dogmata befreien könnte. Denn dieses Narrativ der Frau die nie für irgendetwas verantwortlich sein könnte, existiert nicht erst seit Alice Schwarzer, die ja auch gerade deshalb Esther Vilar für ihre ebenso überspitzten Ausführungen in die Gegenrichtung offenkundig zutiefst verabscheute und ihren feministischen Mob gegen sie mobilisierte, bis Frau Vilar nur noch ihr Heil in der Flucht suchen konnte.

            Dieses Narrativ bedienten im Prinzip auch schon die Suffragetten. Rückblickend werden sie zwar verklärt zu Frauen, die für ihre Sache „gekämpft“ haben (jede andere politische Bewegung wäre für diese Art des Kampfes wohl mit dem Begriff „Terrororganisation“ geadelt worden; ich sag nur Brandanschläge auf öffentliche Einrichtungen u. s. w.), aber auch sie verweigerten sich jeglicher Betrachtung des Zustandekommens des damaligen Status Quo der westlichen „Demokratien“. Dass ein wesentlicher Grund der Beschränkung des Wahlrechtes auf Männer der war, dass sich Staatsoberhäupter durch die (in der Regel nur Vortäuschung von) Mitgestaltungsmöglichkeit ihr männliches Schlachtvieh auch für die nächsten Kriege gefügig halten wollten, wurde da nie gesehen. Ansonsten hätte man ja so ehrlich sein müssen, zu sagen, schickt nicht immer nur unsere armen Männer in den Tod, sondern gebt auch uns Waffen, damit wir ihnen helfen können.

            Stattdessen wurden, während man für sich selbst „Gleichberechtigung“ forderte, Männer, die sich nicht jubilierend in die giftgasverseuchten Schützengräben des ersten Weltkriegs stürzen wollten, durch die Überreichung weißer Federn öffentlich beschämt. So etwas kann man eigentlich nur betreiben, ohne sich der eigenen auf privilegiertem Sockel stehenden Heuchelei gewahr zu werden, wenn man jegliche eigene Verantwortung für den Zustand der gesamten Gesellschaft qua Geschlecht für sich selbst ausschließt.

            Ein pikanter Nebenaspekt war ja, dass auch weithin eben die Männer, die vorwiegend in Kriegen verheizt oder ansonsten unter anderem auch von Suffragetten beschämt wurden, diejenigen waren, die durch elitenbevorzugende Zusätze der Wahlordnungen von den Wahlen ebenso ausgeschlossen waren, obwohl sie Männer waren und obwohl man sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit ohne Skrupel in Kriegen verheizte.

            Nein, all das musste auch da schon unter dem Narrativ einer frauendiskriminierenden Gesellschaft begraben werden, um das zu bekommen, was man wollte: gleiche Rechte wie Männer (wie gesagt, eigentlich sogar mehr Rechte als ein großer Teil der Männer), ohne dafür auch die Verpflichtungen übernehmen zu müssen, die dann aber tatsächlich vorwiegend uneingeschränkt eben den Männern aufgebürdet wurden, die gerade von den Rechten, für die die holden Damen „stritten“, ebenso ausgeschlossen waren.

            Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte dieser Ideologie. Jede Analyse bleibt erschreckend oberflächlich, endet verlässlich immer nur bei „Diskriminierung von Frauen“, um sich bloß niemals gewahr werden zu müssen, dass diese „Benachteiligungen“ nicht selten nur Nachteile sind, für die Frauen „als Gruppe“ in ihrem Zustandekommen ebenso beteiligt sind wie Männer.

            Dies alles hat sich über die Jahrzehnte hinweg einfach nur zugespitzt. Vor allem, seit selbst die empfindlichste Feministin keine rechtlichen „Schlechterstellungen“ von Frauen mehr finden kann, müssen regelrecht krampfhaft weitere Missetaten des Patriarchats aufgedeckt werden, gegen die es zu kämpfen gilt, damit man auch weiterhin noch Relevanz simulieren kann. Das führt dann zu solchem Blödsinn wie „Gender Pay Gap“, welcher bekanntlich, wenn man sich nicht desselben Deppen-Englischs bedienen will, eigentlich „Gender Wage Gap“ heißen müsste, oder hanebüchenem Schmarrn, wie der Pink-Tax, wo ja auch die bösen, patriarchalen Unternehmen einfach Frauen für „gleiche“ Artikel stärker zur Kasse bitten. Auch hierbei auffällig (wenn man bei letzterem weglässt, dass es auch wirtschaftliche Gründe gibt, Sonderartikel in kleineren Margen teurer zu verkaufen, welche man aber nicht verstehen kann, wenn man immer nur bei „Diskriminierung“ endet): Es wird nie die Verantwortung der Frau thematisiert; noch nicht einmal in der deutlichen Mehrheit der medialen Berichte darüber. Warum entscheiden sich Frauen für schlechter bezahlte Berufe (auch wenn tatsächlich die Mehrheit der wirklich schlecht bezahlten Berufe erstaunlich männlich dominiert sind) oder warum (wenn sie wirklich mal schlechter bezahlt werden als ein weitgehend gleich beschäftigter Kollege) verhandeln sie nicht einfach besser (Stichwort: Tarifautonomie)? Und natürlich bei der Pink Tax: warum zum Teufel kaufen Frauen ein teureres Produkt, wenn doch laut Medienberichten das „Männerprodukt“, von Form und Farbe abgesehen, gleich ist? Denn wenn sie es nicht in relevanter Größenordnung täten, gäbe es ein solches Produkt ja gar nicht.

            Diese Fragen bleiben, auch wenn man sie direkt in Diskussionen stellt, immerzu unbeantwortet, weil deren Beantwortung schlicht feministische Glaubenssätze in ihren Grundfesten erschüttern würde.

            Daher meine Meinung: Den Feminismus von seinen Dogmata zu befreien, würde nicht den vorherrschenden Feminismus läutern oder logischer machen, es würde ihn schlicht komplett zerstören. Und Menschen, die für Gleichberechtigung aller Menschen einstehen, müssten dann hoffentlich erkennen, dass das, was mit Feminismus so alles in klar überwiegender Form gelabelt worden war, eben genau dafür nie einen richtigen Wege darstellte und immer nur dadurch so erscheinen konnte, indem soziale Realitäten entweder verzerrt, verdreht oder gleich ganz ausgeblendet wurden.

            „Mein-Feminismus-Feministinnen“ sollten entsprechend nicht nur nicht ständig als Beweis angeführt werden, „dass nicht alle so sind“, sie sollten sich auch von sich heraus der realen Gegebenheiten dieser Ideologie gewahr werden und sich, wenn sie ihre eigene Haltung ernst meinen, sich von diesem Label als ganzes distanzieren. Denn das Label halte ich mittel- bis langfristig für nicht mehr zu retten.

          • @ Billy „Jede Analyse bleibt erschreckend oberflächlich, endet verlässlich immer nur bei ‚Diskriminierung von Frauen'“

            In der Systemtheorie, bei Luhmann z.B., gibt es den Begriff der „Trivialmaschine“. Eine Maschine, in der immer völlig berechenbar ist, was herauskommt, je nachdem, was hineingetan wird. Wer eine Münze reinsteckt, bekommt zuverlässig genau einen Schokoriegel raus, wer zwei Münzen reinsteckt, immer einen kleinen Kuchen, usw.

            Menschen wiederum sind keine Trivialmaschinen, weil im Verarbeitungsprozess so etwas wie „Reflexion“ dazwischengerät und weil alle mit nicht berechenbaren persönlichen Erfahrungen rechnen: Wenn man zwei Menschen dieselben Informationen füttert, kommen seltsamerweise trotzdem immer unterschiedliche Ergebnisse raus.

            Der heutige Institutionen-Feminismus wiederum ist eine Trivialmaschine der ganz besonderen Art, nämlich eine inputunabhängige Trivialmaschine. Ganz egal, was hineingetan wird – der Output ist immer genau derselbe: „Frauen müssen gefördert werden, weil Frauen diskriminiert sind.“

            Als die SPD bei der letzten Wahl krachend abgestürzt war, hielten sich Parteifrauen nicht lange mit Analysen der erschreckenden und gefährlichen Situation auf, sondern stellten sofort klar, dass Frauen besser gefördert werden müssen, damit es nächstes Mal ein besseres Resultat gibt. Hätte die SPD wider alle Erwartungen die Wahl gewonnen, hätten sie das ebenso der Frauenförderung gutschreiben und ihren Ausbau fordern können – im Interesse aller und der gesamten Partei, natürlich.

            Mädchen haben schlechtere Ergebnisse als Jungen in Mathe und MINT-Fächern? Mädchen müssen gefördert werden. Jungen stürzen flächendeckend in dern Schulen ab? Jungen müssen lernen, von patriarchalen Männlichkeitskonzepten Abstand zu nehmen und Frauen stärker zu respektieren.

            Führungspositionen sind stärker von Männern als von Frauen besetzt? Frauen müssen gefördert werden. Obdachlose sind zu 85% männlich? Das Patriarchat muss abgebaut und Frauen müssen gefördert werden, das ist am Ende besser für alle.

            Natürlich klappt so ein Konzept nur unter Zuhilfenahme einer zuverlässigen Wirklichkeitsflucht, aber das passt ja eben sehr schön in ein traditionell bürgerliches Geschlechterbild, in dem ein Mann der Frau, bitteschön, Unannehmlichkeiten vom Halse zu halten hat.

            Ich würde trotzdem den Feminismus nicht insgesamt verwerfen, einfach weil ich auch im persönlichen Bereich Feministinnen kenne, die ich als sehr integer und klug erlebt habe. Vom vorherrschenden Institutionenfeminismus aber, der den ganzen Tag über nichts anderes tut, als Gründe zu erfinden, warum er unbedingt und dringend nötig wäre – von dem ist tatsächlich überhaupt nichts zu erwarten.

          • @ uepsi

            Klar! Kein Thema.

            Meine „Empörung“, als du das mal ohne zu fragen gemacht hast, war ja auch nur augenzwinkender Natur. 😉

          • Lieber Djad,
            das Interview mit Sommer ist der reinste Humbug. Ich habe wirklich selten zur Islam/Flüchtlings-Debatte etwas dermaßen dämliches gelesen. Alles basiert darauf, dass ihre arabischen Schützlinge hinter ihrem Rücken ein bisschen über sie abgelästert haben. Damit fiel ihr ganzes „Wir-schaffen-das“-Weltbild zusammen. Und so wie sie sich vor ihrem „dumme-deutsche-Nutte“-Trauma ein lächerliches Gutmenschen-Weltbild zusammengeschustert hat; so hat sie sich danach ein ebenso lächerliches islamfeindliches Weltbild aufgebaut, welches sie jetzt mit dem selben unvernünftigen Missionseifer unter die Leute bringt, mit dem sie wahrscheinlich davor Flüchtlingsgegner als „Rassisten“ gebrandmarkt hätte.

            Nichts desto trotz können aber gerne über ihre Aussagen diskutieren. ich hab dieses ewiglange Interview nicht zu Ende gelesen, da es mir einfach zu blöd war. Bitte gib mir bei Bedarf Aussagen, sag mir wo sie stehen und werd antworten. Gerne auch bei Geschlechterallerlei.

          • @ Jonas:

            »Und so wie sie sich vor ihrem „dumme-deutsche-Nutte“-Trauma ein lächerliches Gutmenschen-Weltbild zusammengeschustert hat; so hat sie sich danach ein ebenso lächerliches islamfeindliches Weltbild aufgebaut, welches sie jetzt mit dem selben unvernünftigen Missionseifer unter die Leute bringt, mit dem sie wahrscheinlich davor Flüchtlingsgegner als „Rassisten“ gebrandmarkt hätte.«

            Grundsätzlich sehe ich diese Gefahr eines simplen »Umkippens« übervereinfachter Vorstellungen in ihr Gegenteil ebenfalls. Aber auch, wenn ich eine Überdramatisierung in Rechnung stelle, ist der in der Sache erhobene Kritikpunkt eines instrumentellen Verhältnisses der Migranten zur westlichen Kultur damit in meinen Augen noch nicht aus der Welt geschafft.

            Ich würde aber sagen, wir verschieben diese Diskussion, bis ich meinen GA-Blogpost fertig habe (müsste noch im Februar klappen), weil ich darin mein historisches Kontextargument im Zusammenhang formulieren kann.

        • @ Jonas Danke für die Einordnung, die finde ich sehr interessant.

          Wenn übrigens Chalek tatsächlich selbst einen muslimischen Hintergrund hat, dann gewinnen die Schweinemasken ja noch einmal an Schärfe. Auch nicht-religiöse Menschen werden dabei Unreinheit oder Niedrigkeit assoziieren – aber in muslimischen Kategorien würden diese Assoziationen ja erstens noch zwingender und unausweichlicher und zweitens noch gravierender und vernichtender sein.

          • oh ja stimmt, daran hatte ich gar nicht gedacht 😀 Au mann, wenn es diesen religiösen Aspekt der Schweinemaske wirklich gibt, muss die Frau ja völlig kaputt sein.
            Ich vermute allerdings, dass das eher zufällig ist. Diese Chalek scheint keine irgendwie geartete islamische Agenda zu haben.

            Aber auf etwas anderes bin ich gestoßen:
            Interview mit Chalek (französisch):
            „Was denken Sie, was eine weibliche Führungskraft zu einer Firma bringt?
            Die Humanisierung von Arbeitsbeziehungen. Eine Frau ist viel sensibler und hört ihren Angestellten zu. Während ein Mann in der Regel auf den Gewinn konzentriert ist, ist die Frau als Führungskraft nah an ihrem Team, kümmert sich und betrachtet das Wohlergehen jedes einzelnen als ein Kriterium für den Erfolg und die Erzielung des Profits des Unternehmens . Meine Teams sind 95% Frauen.

            Das Wort „Humanisierung“ sollte man sich in dem Kontext auf der Zunge zergehen lassen. Tja, bei der würde ich als Mann auch nicht mitarbeiten wollen; und sie will sowas offensichtlich auch nicht. Meine Vermutung, dass sie sich nach Geschlechtertrennung sehnt, war wohl zutreffend.

          • @ Jonas:
            Ich fasse das mal kurz zusammen:
            „Die Humanisierung von Arbeitsbeziehungen … blah … sind 95% Frauen.“
            Männer ( fast ganz ) abschaffen, Welt gerettet!
            Daly&Miller-Gearhart in Reinstkultur …

          • Hab noch was spannendes gefunden. auf Chaleks Facebook-Seite verlinkt sie „Living-Muslim“ als Fernseh-favorit. Den Mist und die damit in Verbindung stehende Seite ‚One Path‘ sollte man sich unbedingt mal ansehen. Ich ordne das mal beim gemäßigten Salafismus ein, der mit zeitgenössischen Feminismus, Politcal Correctness und evangelikaler Prüderie kompatiblen ist.

            Nachdem ich mir das angesehen habe, kann ich mir vorstellen, dass ihre Schweine-Show auch davon inspiriert ist.

          • Semi-OT:
            Übrigens, falls wer das legendäre Daly-Interview „No man’s land“ noch nicht kennt, habe ich gestern abend mal eben den Link dazu rausgesucht:
            https://web.archive.org/web/20071214023438/http://www.wie.org/j16/daly.asp?pf=1

            ( Und weil die amüsanten esotherischen deutschen Fassungen davon „seltsamerweise irgendwie“ aus dem Netz verschwunden sind, habe ich es mir gleich mal in eine rtf-Datei gedeepLed ).

            Da kann man richtig schick nachlesen, was die MS-Femis so an Ikonen verehren, wie ihre Argumentationsmuster aufgebaut sind – und warum …..

  • Oben im Beitrag heißt es:
    „Für viele feministische Frauen ist Feminismus eine hochpersönliche Angelegenheit, etwas, was ihrem eigenen Leben neue Möglichkeiten geschaffen hat.“

    https://man-tau.com/2018/02/12/fashion-und-faschismus/#comment-12761

    So etwas hört man immer wieder. Aber was bedeutet es? Wie kann Feminismus eine *persönliche* Angelegenheit sein? Feminismus ist *allgemein*: er zielt auf alle Frauen, oder zumindest auf die meisten Frauen, und ihre Stellung in der jeweiligen Familie und Gesellschaft. Wie kann die Stellung aller (der meisten) Frauen in Familie und Gesellschaft *persönlich* sein?

    So eine Stellung ist eben gerade nicht persönlich, sondern allgemein, kollektiv oder wie auch immer man das nennen will.

    Natürlich kann das Engagement einer bestimmten Frau für den Feminismus eine persönliche Angelegenheit sein. Das Persönliche hieran ist aber nicht der Feminismus, sondern das konkrete Tun, Denken und Fühlen dieser Frau.

    Im übrigens ist sowas ziemlich trivial: In den meisten Fällen gilt, daß das Engagement einer Person x für eine Sache y eine persönlichen Angelegenheit von x ist. Insofern läßt sich hiermit dann herzlich wenig erklären.

    Aussagen wie „Für viele feministische Frauen ist Feminismus eine hochpersönliche Angelegenheit“ sind also wörtlich verstanden Unfug. Ich vermute, derartige Aussagen sollen etwas anderes zu verstehen geben: daß nämlich für viele Frauen Feminismus einfach nur das beinhaltet, was sie selbst willkürlich hineinlegen.

    So unverblümt mag das natürlich niemand ausdrücken – jedenfalls dann nicht, wenn Frauen involviert sind -, denn hiermit wird ja einer völligen Beliebigkeit das Wort geredet. Also drückt man sich dezenter aus und sagt: „Ja, weißt Du, für sie ist Feminismus eben eine hochpersönliche Angelegenheit.“ Hochpersönlich willkürlich eben.

    • @ Jochen „Aussagen wie ‚Für viele feministische Frauen ist Feminismus eine hochpersönliche Angelegenheit‘ sind also wörtlich verstanden Unfug.“

      Für mich geht es ja gar nicht darum, etwas zu verteidigen, sondern einfach um den Versuch, es zu erklären. Aus religiösen Kontexten ist so etwas ja durchaus bekannt. Menschen können zum Beispiel sehr wohl das Christentum als eine große, wesentliche Bereicherung ihres Lebens wahrnehmen – und das von dem Wissen trennen, dass im Namen dieses Glaubens, unter anderem, auch große Blutspuren durch die Geschichte gezogen worden sind.

      Persönliche Sinnstiftung und politische Organisation des Zusammenlebens sind so unterschiedliche Kategorien, dass es nicht als Widerspruch wahrgenommen werden muss, wenn die Erfahrungen in dem einen Bereich und das Wissen in dem anderen schlicht nicht miteinander vereinbar sind.

      • Fällt in Punkto Feminismus zwar schwer, ist aber grundsätzlich nachvollziehbar. Nicht nur als irgendwie seltsame menschliche Eigenschaft, sondern auch als u.U. durchaus mehr oder weniger gerechtfertigter Pragmatismus.
        Ich habe vor ein paar Tagen mal wieder relativ ausführlich mit einer Soziologin und Abteilungsleierin einer „Hilfstruppe“ unterhalten.
        Frech wie ich bin erklärte ich ihr ( als es gerade thematisch paste ), daß ich bspw. die Gesellschaftsform der „Stiftung gGmbH“ ( sie arbeitet für eine solche ) für geradezu widerwärtig bis perfide dissozial und trotzdem die Arbeitshaltung und Erfolge der einzelnen Mitarbeiter ggf. und u.U. für äußerst lobenswert halte.
        Scheinbar rannte ich damit sogar die eine oder andere offene Tür ein, obwohl sie das natürlich nicht so aussprach.

        Trotzdestonix kann es aber keines Zweifels unterliegen, daß durch solche Abhängigkeitsverhältnisse eine gute Portion Arsch in der Hose geschliffen wird.
        Kurz: Für den direkt Betroffenen kann es möglw. das Beste ( an faulem Kompromiß ) sein, für die Gesellschaft als ganze ist es mittel- bis langfristig Gift.

  • Eine interessante Diskussion, ich möchte dennoch meine Erfahrungen hierzu schildern:
    „Männer sind hier schuldig nicht einmal durch das, was sie tun, sondern durch das, was sie sind…“
    Nachdem meine Frau (vermutlich Borderliner) ihren Ausraster hatte, ich versage als Ernährer, Vater und Mann traf es mich Ausnahmsweise. Und zwar sehr. Normalwerweise verletzt mich das nicht, weil ich mir bewussst bin ein toller Mensch zu sein. Ich weis nicht, was diesmal anders war, aber es verletzte mich. Und noch mehr verletzte mich, dass meine Frau dies genoss, als sie mitbekommen hat, dass sie mich verletzte. Das tat wirklich weh und ich hatte Angst ohne genau zu wissen wo vor.
    Ich habe letztlich beim der örtlichen DRK-Hilfenummer angerufen, um nach Hilfe für mich zu fragen, da ich keine bessere Hilfestelle gefunden habe. Nachdem ich die Situation geschildert habe (mein Part war, mich auf dem Schreibtischstuhl zu Tür zu drehen und die Frage meiner Frau, was ich will, mit „mit dir glücklich sein“ zu beantworten) fragte die gute Dame mich, ob ich schon häufiger aggresiv gegenüber meiner Frau geworden wäre, was ich nicht verstand und nachfragte, wo ich nun aggresiv geworden wäre. Sie meinte nur, ich muss ja was gemacht haben. Sie gab mir daraufhin die Adresse einer Selbsthilfegruppe für gewalttätige Männer und riet mir dort mal vorbei zu gehen.
    Ich fand das sehr unbefriedigend und rief deswegen noch bei der Hilfenummer von der Kirche an. Hier ging ein wirklich nett und sympathisch klinger Mann dran. Hiernach war ich zwar auch nicht zufrieden, aber sehr verblüfft, verwirrt und interessiert. Das zweite Gespräch war nahezu identisch mit dem ersten.
    Ich frage mich seither ernsthaft, ob es da ein fertiges Skript gibt oder sowas? Warum es keine konkrete Hilfe gibt? Ich lese auch seitdem viele Blogs, finde ähnliche Erfahrungen und wohl auch ähnliche Unzufriedenheiten.
    Ich finde es schön, dass auch bei anderen Erfahrungen, es doch einige gibt, die ernsthaft versuchen Problemfelder aufzuzeigen, Usachen zu finden, zu beseitigen und für Änderungen/Besserungen eintreten. Trotz aller Widerstände.
    Danke dafür, denn DAS finde ich hilfreich.
    (Anmerkung: Pseudonym)

    • @ Andreas Ganz herzlichen Dank für den Kommentar!

      Solche und ähnliche Situationen wie die, die Du schilderst, waren auch für mich ein Grund, mich mit öffentlichen Darstellungen von Männern zu beschäftigen. Gerade in familiären Konfliktsituationen – sei es beim Thema der häuslichen Gewalt, sei es – so wie ich es erlebt habe – beim Verhältnis zwischen Eltern und Kindern – sind auch und gerade Leute in Beratungseinrichtungen, Ämtern etc. von einer kaum erklärlichen Mischung aus Unterstellungsbereitschaft und Empathielosigkeit geprägt.

      Ich selbst hab es als Trennungsvater erlebt, dass mir eine „Beraterin“ der Elternberatung der Diakonie sagte, ich solle mich doch nicht so um unser Kind kümmern, ich könne doch einfach mit einer anderen Frau ein anderes Kind machen. Ganz ehrlich – hab ich mir nicht ausgedacht.

      Eine andere Beraterin in der Caritas schrie mich in der Beratung an, weil ich mich beklagt hatte, dass die Mutter permanent Beratungstermine absagte und dass dadurch niemals eine Kontinuität in der Beratung möglich wäre. Sie brüllte mich an, ich würde nur die Mutter unter Druck setzen, und unser Kind sei mir ganz egal. Das, obwohl die Beraterin genau wusste, wieviel ich aufwende, um regelmäßig bei unserem Kind sein zu können, das mit der Mutter mehr als 500 Kilometer entfernt lebt.(Die Beratungen bei unterschiedlichen Institutionen kamen dadurch zustande, dass die Mutter mehrmals umgezogen war.)

      Gerade Akteurinnen und Akteure in „professionellen“ Umfeldern, die eine gewisse Distanz zu sich haben müssten, agieren manchmal ganz im Reiche von Klischees und kümmern sich überhaupt nicht um die Realität, die sie direkt vor der Nase haben. Auch wenn ich fairerweise hinzufügen muss, dass ich das mehrmals bei Jugendamtsmitarbeiterinnen auch ganz anders erlebt habe.

      Aber die Kälte, die Empathielosigkeit und die ungeheure Unterstellungsbereitschaft, mit der viele gegenüber Männern (auch Vätern) agieren, ist erklärungsbedürftig – zumal sie den Akteuren selbst offenbar entweder nicht bewusst oder schlicht egal ist. Deshalb glaube ich: Solche Darstellungen wie diese verrückte Fashion-Show – oder solche Kampagnen wie die zum Hilfetelefon – solche Schriften wie die von Solanas – solch ein gezielter Hohn wie das Gerede von den „male tears“

      https://twitter.com/jessicavalenti/status/494591618519805953?lang=de

      – das hat Folgen. Auch dann, wenn natürlich niemand da ist, der Solanas‘ Genozid-Pläne tatsächlich zu verwirklichen versucht.

      Aber Menschen werden hier, einfach weil sie männlich sind, als Wesen markiert, die Empathie nicht verdient haben. Und zweitens: Diese Darstellungen gehen meist unwidersprochen durch – womit auf der Ebene der Metakommunikation klargestellt wird, dass es ganz in Ordnung wäre, so über Männer zu reden.

      Deshalb glaube ich: Zur Kritik an dem verhalten, dass Du erlebt hast, gehört auch eine Kritik an öffentlichen Diskussionen. Massenmediale Diskurse mögen beständig um sich selbst kreisen und sich ihre eigene Wirklichkeit basteln – sie haben aber Auswirkungen auch auf das Leben außerhalb dieser Diskurse.

    • @ Andreas:
      Möglw. hast Du den gesellschaftlich relevantesten Aspekt Deiner Geschichte gar nicht bewußt wahrgenommen.
      Es ist nämlich so, daß Du diesen beiden „Beratungsstellen“ einen wesentlichen Gefallen getan hast.
      Du wirst nämlich jetzt bei beiden als „Täter“ in der Statistik geführt. Und rate mal, was als wichtigster Punkt der Evaluation und zur Beantragung der Mittel für nächstes Jahr DAS tragende Argument ist.
      Bingo!
      Die Kundenstatistik, i.d.F. die Täterstatistik!
      Dafür kriegen die Mitarbeiter vom Chef ein Fleißsternchen in ihre Beurteilung gemalt.

      Wie das im Bereich direkter Anschuldigungen läuft ( was bei Dir ja nicht zutrifft, aber zum gleichen Ziel führt ), kannst Du in meiner „Lieblings“-Gender-Studie ( die ich schon mehrfach hier verlinkt habe ) auf den Seiten 23-25 ausführlich ( und nur derbe verschwurbelt, aber beim dritten Leseversuch meist gut erkennbar ) beschrieben nachlesen:
      https://plone.rewi.hu-berlin.de/de/lf/ls/bae/w/files/lsb_wissen/wibig_kurzfassung_deutsch.pdf

      ( übrigens die Seite von Susanne Baer, bei der HU-Berlin )

      Kurz gesagt: Bleibe mit Deiner Problematik von den offiziellen und staatlich geförderten „Hilfsangeboten“ besser weg!
      Versuche es direkt im medizinischen o. psychologischen Bereich, am besten gleich auf möglichst privater Basis. Dort gibt es zwar kaum wen mit nennenswerter Fach-Ahnung von speziellen „Männerproblemen“. Aber Du wirst immerhin nicht sofort in die genau falsche Kategorie zielstebig einsortiert. Und manchmal hat man ja auch Glück, da die Thematik doch langsam nach und nach etwas bekannter wird.

  • Habe ganz ähnliche Erfahrungen wie Lucas Schoppe und Andreas Ganz bei öffentlichen Ämtern, Jugendamt u.s.w. gemacht.
    Besonders schlimm wird das Ganze, wenn es um dein eigenes Kind geht.
    Du kannst alles für den wichtigsten Menschen in deinem Leben gemacht haben und die Mutter fast nichts.
    Der Makel, ein Mann zu sein begleitet dich durch alle Institutionen.
    Dieser institutionalisierte Chauvinismus wird erst dann durchbrochen, wenn man auf halbwegs normale vorurteilsfreie Menschen innerhalb dieser Gesinnungsanstalten trifft.
    Das ist leider nicht die Regel.

    • Willkommen im Club, Günter!
      Ich hatte sogar das Glück, gleich zu beginn meines Falles zwei äußerst lobenswerte Ausnahmen kennenzulernen, eine beim Jugendamt und eine beim D.W.. Und zwei Tage später noch einen richtig kompetenten D.W.ler.
      Tja, aber ab dem dritten Tag waren die alle plötzlich nicht mehr zuständig und seitdem begegneten mir im gesamten Fallverlauf praktisch ausnahmslos nur noch schwerst dissozial gestörte Ferngesteuerte. Durch alle Institutionen bis rauf zum OLG und zur Generalstaatsanwaltschaft!

      Das Geschäft brummt, Widerstand ist zwecklos! Zumindest wenn man nicht etwas solide, seriöse Vorbildung u./o. Kohle für einen richtig gewieften und erfahrenen Anwalt hat.

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