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Rechts, links, Feminismus

geschrieben von: Lucas Schoppe

Warum der Feminismus weder rechts noch links oder vielleicht auch beides ist

Als ich in Göttingen studierte, hielt die NPD dort regelmäßig Demonstrationen ab. Deren Hintergrund: Während Rechtsaußen-Akteure im südniedersächsischen Umland gut vertreten waren, schafften sie es nicht, in der Studentenstadt Fuß zu fassen. Wir verstanden die regelmäßigen Demonstrationen also als eine Art Kampfansage, und so nahmen wir – viele Freunde und ich – regelmäßig an den Gegendemonstrationen teil.

Regelmäßig waren wir auch zufrieden, dass diese Gegendemonstrationen jedes Mal, und trotz der ermüdenden Wiederholung des Geschehens, um ein Vielfaches größer waren als die recht kleinen NPD-Aufmärsche. Das war in unseren Augen ein Erfolg, wir hatten nie den Ehrgeiz, mit unserer Demonstration die der NPD zu verhindern. Natürlich sahen wir die nicht als Demokraten an, und wir machten uns sicher keine Illusionen darüber, dass NPD-Leute umgekehrt auch unser Demonstrationsrecht achten würden. Wir waren uns aber wohl einig, dass eine gezielte Verletzung der Demonstrationsfreiheit schließlich allen schaden könnte, nicht nur den NPD-Leuten.

Das ist heute anders. In sozialen Netzwerken wird es reihenweise als linker Erfolg gefeiert, dass der „Frauenmarsch“, der von der AfD-Politikerin Leyla Bilge angemeldet worden war, aufgrund von Wegblockaden durch Gegendemonstranten frühzeitig abgebrochen werden musste. Die etwa 550 Teilnehmer, darunter laut Tagesspiegel viele Männer, sind überzeugt davon, dass Frauen sich „wegen der Migrationspolitik der Bundesregierung nicht mehr sicher im öffentlichen Raum bewegen könnten.

Warum reichte es Linken nicht, deutlich zu machen, dass sie die Ziele der Demonstration klar ablehnen? Warum war es für sie grundsätzlich unerträglich, dass solch eine relativ kleine Demonstration überhaupt stattfand? Sie war zum Beispiel deutlich kleiner als die radikale antisemitische Demonstration zum Jahresende, die ohne Probleme quer durch Berlin geführt werden konnte.

 

Über das unbedingte Recht, nicht mit den eigenen Widersprüchen konfrontiert zu werden

Tatsächlich konfrontierte der „Frauenmarsch“ eine heutige postmoderne Linke durchaus konsequent mit eigenen Widersprüchen. Das Credo der Definitionsmacht zum Beispiel, nach der allein das – fast immer: weibliche – Opfer eine Situation sexueller Gewalt gültig beschreiben könnte, spielt hier plötzlich keine Rolle mehr. Plötzlich pochen Linke nicht einmal einfach auf die Unschuldsvermutung, so wie es eine traditionelle rechtsstaatliche Kritik des Definitionsmacht-Konzeptes tut. Sie unterstellen sogar schlankweg Frauen, die von Erfahrungen sexueller Gewalt oder ihrer Angst davor berichten, eigentlich bloß von rassistischen Motiven geprägt zu sein.

Noch dazu organisiert mit der Deutsch-Kurdin Leyla Bilge eine Frau die Demonstration, die als Person of Color eigentlich zu den Menschen gehört, denen unbedingte Solidarität zustehe – die jedenfalls keine Kritik durch privilegierte Weiße ertragen müsse.

Ganz offensichtlich haben sich die Organisatoren mit linker Identitäts- und Geschlechterpolitik beschäftigt und beziehen nun Positionen, gegen die Linke sich eigentlich nur wenden können, wenn sie mit sich selbst in Widerspruch geraten. Die linke Reaktion darauf ist, auch im Hinblick auf ihre eigenen Interessen, leider destruktiv: Anstatt die eigenen Positionen zu überprüfen und zu klären, warum sie Rechten Futter für deren Aktionen liefern können, werden schlicht die Aktionen von Rechten unterbunden. Dies übrigens, ohne sich überhaupt dafür zu interessieren, ob es denn tatsächlich alles „Rechte“ sind, die hier demonstrieren – und ob nicht doch einige Menschen dabei sind, die sich einfach ernsthafte Sorgen machen.

Kurz: Linke marschieren hier nicht für eine humane Einwanderungspolitik auf, sondern für das Recht, nicht mit den eigenen Widersprüchen konfrontiert zu werden. Dabei werden diese Widersprüche schon seit Jahren offen thematisiert, auch hier im Blog. Wer das stumpfe fremdenfeindliche Klischee vom vergewaltigenden arabischen Mann stumpf in das männerfeindliche, aber opportunere Klischee übersetzt, dass rundweg alle Männer potenzielle Vergewaltiger wären – der bleibt eben auf der Ebene der Klischees hängen und lädt zur rechten Rück-Übersetzung ein.

 

Über die Erledigung von Wirklichkeit durch Sprache

Die Verhinderung der Demonstration zum Zwecke der Selbstbilderhaltung war schon vorher massenmedial orchestriert worden. In der Süddeutschen Zeitung hatte sich Julian Dörr über die „Frauen der identitären Bewegung“ mokiert: Sie schienen „auf den ersten Blick progressiv. Selbstbewusst und selbstermächtigt.“ Natürlich sehe das tatsächlich ganz anders aus, denn tatsächlich gehe es ihnen

nicht um Feminismus und auch nicht um Gleichberechtigung. (…) Die Rechten (…) kämpfen für den Schutz der deutschen, der europäischen Frau.“

Für Rechte kommen Dörrs Argumente offenkundig nicht überraschend. Die prominente Engagement Bilges ist wohl auch schon eine Reaktion auf diesen Vorwurf, und die rechte Rede vom „wahren Aufschrei“ kopiert den linken Anspruch, den wahren Feminismus zu vertreten. Dörr wiederum argumentiert fast wortgleich mit Margarethe Stokowski, die kurz vor ihm im Spiegel gefragt hatte, ob es einen Feminismus von rechts geben könnte.

Die Antwort steht und fällt natürlich mit der Definition von Feminismus. Wenn Feminismus heißt, sich ab und zu irgendwie für irgendwelche Frauen einzusetzen, dann kann es rechten Feminismus geben, Grüße an Ivanka Trump, aber ansonsten nicht. Wenn Feminismus bedeutet – meine Definition -, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Freiheiten haben sollten, unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Sexualität und ihrem Körper, dann ist diese Haltung unvereinbar mit rechtem Denken.“

Stokowski, deren Text hier schon eingehend diskutiert wurde, klärt so ein politisches und soziales Problem schlicht durch die Wahl der passenden Definition, nicht durch die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Feminismus oder mit seinen heutigen Positionen. Solch ein Verweis auf Definitionen ist eine beliebte Reaktion auf Kritik, aber als linke Position in sich widersprüchlich.

Der Philosoph und Pädagoge John Dewey, der sich selbst als demokratischer Sozialist verstand, hatte schon vor hundert Jahren an mehreren Stellen seines Werks klassische Widersprüche der Philosophie – Körper/Geist, Praxis/Theorie, Realismus/Idealismus etc. – als Widerspiegelung soziale Spaltungen verstanden. Philosophen hätten schon in der griechischen Antike von einer sozial privilegierten Position aus argumentiert, in der sie insbesondere durch die Arbeit von Sklaven von pragmatischen Handlungszwängen befreit gewesen wären. Nur so hätte etwa Platons Idee einer Welt des rein Geistigen plausibel werden können.

Wer soziale Probleme allein durch das Beharren auf angemessenen sprachlichen Bezeichnungen und Definitionen zu klären vorgibt, der reproduziert ebenso soziale Spaltungen, die er – oder eben: sie – zugleich nicht einmal wahrnimmt. Klassische Linke, die sich dialektische Argumentationen von Hegel abgeschaut hatten, hätten Stokowski leicht einen Widerspruch zwischen Form und Inhalt nachweisen können: Ausgerechnet in der Art und Weise, in der sie auf ihrer linken Position beharrt, verrät sie eine  privilegierte Position, derer sie sich offenbar überhaupt nicht bewusst ist.

 

Was, bitte, ist daran links?

Wer sich zudem ihre Definition anschaut, merkt schnell, dass sie auf den größten Teil des real existierenden Feminismus gar nicht zutrifft. Dass gleiche Rechte und Freiheiten aller Menschen durch Feministinnen bekämpft und nicht erkämpft werden, habe ich als Trennungsvater intensiv erlebt. Das gilt nicht für alle Feministinnen, aber es gilt für einflussreiche, sei es nun die Wissenschaftlerin Anita Heiliger, seien es die Frauen der Verbands der Alleinerziehenden, seien es Frauen der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen.

Die SPD hatte sich als einzige Partei gegen die leichten Verbesserungen der Rechte nichtverheirateter Väter gestemmt und darin ganz selbstverständlich keinen Widerspruch zu ihrem Selbstbild gesehen, für Geschlechtergerechtigkeit und gleiche Rechte einzutreten. Nichts davon ist links – die Partei steht für die zugespitzte Version eines konservativen Familienbildes, nach dem die Frau für die Kinder und der Mann für’s Finanzielle sorgt.

Ich habe sogar einmal die örtliche Bundestagsabgeordnete der SPD in ihrer Bürgersprechstunde besucht und ihr erzählt, dass ich allein für die Aufrechterhaltung des Umgangs mit unserem 500 Kilometer von mir entfernt wohnenden Kind etwa 700 Euro pro Monat aufbringe, zusätzlich zum Unterhalt, dem Schulgeld und anderem. Ich hatte ihr auch erzählt, dass ich trotz eines Studienratsgehalts den Umgang finanziell nicht mehr stemmen konnte, als ich noch Betreuungsunterhalt an die Mutter zahlen musste. Ich hatte den Umgang damals nur weiter führen können, weil ich einen Kredit von 4000 Euro aufnahm, den ich nach meiner Betreuungsunterhaltspflicht Stück für Stück zurückzahlte, den ich als Beamter aber wenigstens problemlos bekam.

Meine Pointe war: Mit einem Facharbeitergehalt, also mit dem Gehalt eines Mannes aus der klassischen Wählerschaft der SPD, hätte ich keine Chance gehabt, den Kontakt zu unserem Kind aufrecht zu erhalten. Ich dachte, dass das für Sozialdemokraten doch eigentlich relevant sein müsste.

Natürlich aber sind solche Zusammenhänge in der SPD bekannt, sie sind ja auch leicht nachvollziehbar und beruhen auf allgemein zugänglichen Informationen – sie interessieren dort nur niemanden.

Was, bitte, ist daran links?

Stokowski, Dörr und viele andere bauen sich ein Bild des Feminismus, das reale soziale Erfahrungen von Menschen nur dann integriert, wenn sie zur Bestätigung des Bildes zu gebrauchen sind. Sie nehmen gar nicht wahr, dass schon Feministinnen der ersten Generation Positionen bezogen, die nicht nur nach heutigem Verständnisweit rechts ausschlugen. Elitären Positionen der britischen Suffragetten-Bewegung zum Beispiel, auch von Emmeline Pankhurst, nach denen ärmeren Männern und Frauen das Wahlrecht versagt bleiben sollte.

Weiße US-amerikanische Suffragetten bezogen sowohl antirassistische als auch deutlich rassistische Positionen. Rebecca Ann Latimer Felton, erste Senatorin der USA, trat offen für das Lynchen von Schwarzen ein – um den „teuersten Besitz einer Frau vor den tollwütigen menschlichen Tieren zu schützen“. (to protect woman’s dearest possession from the ravening human beasts) Die Suffragette Cary Chapman Catt, Gründerin der League of Women Voters, trat für das Frauenwahlrecht mit dem Argument ein, dass damit die weiße Überlegenheit – white supremacy – gesichert bleibe.  Allein diese Liste ließe sich noch weit fortsetzen.

Feministinnen traten für eugenische Kontrolle des Männeranteils in der Gesellschaft ein, die bis heute immer wieder aufgelegte Manifest „Scum“, ein düsteres feministisches Kultbuch, knüpft direkt an die Massenmord-Politik des Nationalsozialismus an. In der „Matriarchatsforschung“ bezogen Feministinen wie Christa Mulack oder Gerda Weiler antisemitische Positionen, weil sie die Entstehung des verhassten „Patriarchats“ an das Judentum knüpften.

Diese Liste von Rechtsaußen-Positionen im Feminismus ließe sich ebenfalls noch lange fortsetzen. Aber auch einige gemäßigtere Positionen sind politisch gewiss nicht „links“. Die Vorstellung der unschuldigen Frau, die vom männlichen Unhold verfolgt, bedrängt und vergewaltigt wird, bevölkerte viktorianische Geschlechterphantasien ebenso wie die Phantasien weißer Lynchmobs. Wenn MeToo heute darauf zurückgreift, dann ist die Spiegelung dieser Positionen bei Rechten kein Missbrauch der integren MeToo-Positionen, sondern ihr konsequenter Gebrauch. Zudem braucht MeToo überhaupt keine Rechten, um in faschistoide Positionen zu kippen – dass die Aktivistinnen das auch selbst schaffen, war hier gerade erst Thema: Fashion und Faschismus.

Wie aber ist es überhaupt zu erklären, dass rechte und linke Positionen so einfach ineinander zu spiegeln sind, ohne dabei auf das einprägsame, aber inhaltsleere Bild eines Hufeisens zurück zu greifen?

 

Spieglein, Spieglein an der Wand: Wer ist die Reinste hier im Land?

Progressive und reaktionäre Positionen können auf spiegelbildliche Weise eine andere, bessere Zeit gegen die gegenwärtige soziale und politische Situation ausspielen: Der Reaktionär entdeckt in der Vergangenheit eine Zeit, in der die Welt noch in Ordnung war – der Progressive arbeitet für eine lichte Zukunft. Die Unübersichtlichkeit der Gegenwart sieht dagegen zwangsläufig wirr aus, widersprüchlich, unvollkommen, unrein.

Zuverlässig finden sich in ihr finden aber immer Menschen, die sich als Repräsentanten einer besseren Zeit verstehen lassen. Sie seien eben naturgemäß in der schlechten Gegenwart unterdrückt, marginalisiert, an die Seite geschoben, vergessen. Sowohl mit einer reaktionären als auch mit einer progressiven Logik kann sich der Kampf für eine reinere, bessere Welt so als Kampf für die Unterdrückten der Gegenwart darstellen lassen.

Da es aber zumindest in bürgerlichen Kreisen zur traditionellen männlichen Funktion gehört, sich mit den Unvollkommenheiten, Zwängen, Anforderungen und Widersprüchen der gegenwärtigen Welt einzulassen und auseinanderzusetzen, sind Männer in der Regel als Repräsentanten politischer Reinheitsideologien eher ungeeignet. Sie sind – Chaleks Schweinemasken sind dafür ein Sinnbild – dafür schlicht zu unrein, zu wirklichkeitskontaminiert.

Frauen, und insbesondere bürgerliche Frauen, eignen sich als Trägerinnen politischer Reinheitsphantasien deutlich besser. Natürlich aber geht es hier kaum um reale Frauen – die haben eine Funktion als Projektionsfläche, müssen aber mit wütenden Reaktionen ihre engagierten Vorkämpfer rechnen, wenn sie diese Projektion stören. Ich habe schon von Linken wie von Rechten Vergewaltigungswünsche gegen Frauen gelesen, die sich in den Augen der Verfasser allzu bereitwillig mit dem Feind – Ausländer, Mann schlechthin – eingelassen hatten. Wird sie schon sehen, was sie davon hat.

Nicht jede linke und auch nicht jede feministische Politik ist also in der Gefahr, in Rechtsaußen-Positionen abzurutschen, ohne es zu merken. Diese Gefahr besteht für politische Reinheitsphantasien, die in der Gegenwart lediglich ein zu überwindendes Übel erkennen können, ein allumfassendes „Patriarchat“, eine omnipräsente „heterosexistische Matrix“, eine „Rape Culture“. Wer die menschliche Gesellschaft wolle, müsse die männliche überwinden.

Dass heutige postmodernen Linke oder heutige Feministinnen keine klare Grenzlinie zu Rechtsaußen-Positionen ziehen können, dass Rechte gar lustvoll die Parallelen zwischen ihnen und Linken herausarbeiten – das liegt vor allem daran, dass kaum noch linke und feministische Positionen erkennbar sind, die sich engagiert, vorurteilsfrei und empathisch mit sozialen Realitäten auseinandersetzen, anstatt sich in leeren Reinheitsphantasien zu verstricken.

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17 Comments

  • Es ist zum heulen. In einer anti-semitischen Demonstration sehen Linke kein Problem, aber eine Demonstration zum Schutz von Frauen und natürlich nur Frauen, aber mit dem falschen Täterbild, die muss verhindert werden.

    • @ Matze Die Zweifel daran, dass es bei der Demonstration einfach nur um Frauenrechte ging, sind ja berechtigt.

      https://twitter.com/JeskoWrede/status/964885607972593665

      Interessant ist aber trotzdem, wie selbstverständlich hier Rechte auf Versatzstücke linker Politik zurückgreifen können – und wie wenig Linke dazu in der Lage sind, sich gegen diese Vereinnahmung diskursiv zu wehren.

      Die Positionen von Dörr und Stokowski jedenfalls (vor der Demo verfasst – aber bezogen auf dieselbe Vereinnahmung) sind gerade bei all ihrem Autoritarismus hilflos. Sie stellen nur noch einmal klar, was WIRKLICH feministisch ist und was nicht – liefern dabei aber kein einziges Argument, das jemanden überzeugen könnte, der nicht bereits überzeugt ist. Es geht um das Schließen der eigenen Reihen, nicht um die Öffnung von Debatten.

      Und das ist dann gleich wieder eine weitere Parallele mit Akteuren von rechtsaußen.

  • Der Feminismus ist alleine schon deshalb als rassistisch zu erkennen, weil er sich gegen weiße Männer richtet.

    Zu links/rechts: Karl Marx war selber ein übler Rassist und hätte mit seinem Positionen einem Adolf Hitler die Hand reichen können. Deutlich sieht man dieses verschwimmen der rechts-links-Positionen an Göbels, der vor seiner braunen Karriere gerne auch bei den Kommunisten war. Radikale bzw. Fanatische Ideologien ziehen sich an und haben immer Gemeinsamkeiten.

    Falsch sind alle fanatischen Ideologien und immer wenn eine Ideologie das Sagen hat, erfolgt die Verfolgung der Gegner auf die gleiche Art.
    #meetoo macht das deutlich und auch das Verhalten vieler der LINKEn und Grünen.

    • Wie kommen Sie,darauf, Marx sei ein“übler Rassist“, noch dazu in hitlerscher Größenordnung, gewesen?
      Können Sie das belegen. Nach Allem, was ich von ihm gelesen habe, trifft das genaue Gegenteil zu. Er war ein Gegner der Sklaverei und des Kolonialismus, ich weiß nicht, wo Sie das aufgeschnappt haben, bei ihnen irgendeinem esoterischen Seminar? Und was hat das damt zu tun, wo Goebbels angwblch mal gewesen ist oder nicht?
      Jedr kann zu öffentlichen Veranstaltung gehen, Faschisten zu den Grünen, Linke zum Kirchentag, Rassisten und Wirtschaftskrimnelle zur SPD, Moslems zur CDU, aber wo istder inhaltliche Zusammenhang zu Marx?
      Die postmoderne Linke incl. der Feministischen Querfront hat mit dem, was Marx ausgesagt hat, ungefähr so viel zu tun wie die Heilige Inquisition mit Jesus oder Leni Riefenstahl mit Johanna von Orleans. Schon der Marxismus-Leninismus oder die Linkspartei haben davon nur ein paar Vesatzstücke übernommen, um die Despotie ihrer ihrer alleinseligmachenden bürokratischen Parteiapparate auszuschmücken. Ideologische Folklore sozusagen.
      Ich halte Sie ehrlich gesagt für einen rechtsextremen Troll, zumindest gibt es einen mit demselben Nick bei Telepolis im Kommentarbereich, der dort immer linke Begrifflichkeiten stumpf umdreht und gegen vermeintlich oder tatsächlich Linke richtet, ohne jede sachliche Argumentation. Seltsamerweise sind immer nur Linke das Ziel dieses Sermons, irgendwelche Rechten auffälligerweise nicht. Eine ziemlich durchschaubare „Bäumchen-wechsel-dich-„Trollerei.

  • Prima Recherche und Analyse! Danke dafür!

    Bei der Wendung oben im Haupttext „… dass rundweg alle Männer potenzielle Vergewaltiger wären …“ hätte ich mir einen Verweis auf den stellvertretenden Landesvorsitzenden der Hamburger Grünen Michael Gwosdz gewünscht, der anläßlich der Silvesternacht von Köln und Hamburg wörtlich sagte:

    „Als Mann weiß ich, jeder [!] noch so gut erzogene und tolerante Mann ist ein potenzieller Vergewaltiger. Auch ich. Wir Männer [!] müssen uns dessen bewusst sein – nur dann sind wir auch in der Lage, erkennen zu können, wenn sexuelle Gewalt und Nötigung beginnt. […] Wer das nicht für sich selbst akzeptiert, wird mit dem Erkennen von Grenzen Schwierigkeiten haben.“

    https://www.welt.de/regionales/hamburg/article150824060/Alle-Maenner-sind-potenzielle-Vergewaltiger.html

    Drei Fragen noch zum Wortlaut. Oben im Haupttext heißt es:

    „… die bis heute immer wieder aufgelegte Manifest „Scum“, ein düsteres feministisches Kultbuch, knüpft …“

    Müßte da an Stelle von „die“ nicht eher „das“ stehen?

    „Progressive und reaktionäre Positionen können auf spiegelbildliche Weise eine andere, bessere Zeit die gegenwärtige soziale und politische Situation ausspielen“

    Fehlt da vielleicht ein „gegen“? Mir scheint, es müßte heißen: „Progressive und reaktionäre Positionen können auf spiegelbildliche Weise eine andere, bessere Zeit *gegen* die gegenwärtige soziale und politische Situation ausspielen“.

    „Zuverlässig finden sich in ihr finden aber immer Menschen …“

    Steht dort vielleicht ein „finden“ zu viel drin?

    • Es sind tatsächlich ziemlich viele solcher vermutlichen Flüchtigkeitsfehler ( „Chrira Mulack“ ) in dem Artikel. Ich schätze mal, daß das wohl der knappen Zeit L. Schoppes und vielleicht z.T. auch T9 anzulasten ist. Ist ja auch ein recht langes Werk.
      Obwohl ich das normalerweise nicht als sonderlich wichtig wahrnehme, wäre es in diesem Fall ausnahmsweise mal nicht schlecht, den nachträglich nochmal ein wenig zu überarbeiten.

      • Ich bin bei Posts und längeren Kommentaren mittlerweile dazu übergegangen, den Text aus dem externen Editor einmal in eine Word-Datei zu kopieren und alles zu korrigieren, was von der automatischen Rechtschreibprüfung beanstandet wird. Mit manuellem Korrekturlesen kriegt man sowas kaum hin, bei älteren Blogposts von mir wundere ich mich immer wieder, was mir da so alles durchgerutscht ist.

  • Ich vermute mal, daß gerade diese „Gegendemonstration“ – welche ja eindeutig KEINE legale Versammlung war, da sie sich explizit gegen die Versammlungsfreiheit richtete – eine Art historischen Wendepunkt bildet. Der Feminismus ( vermeintlich „linke“ Politik überhaupt ) vergibt damit seine letzte Chance ggü. der Öffentlichkeit, sich als auch nur im weitesten Sinne humanitär darzustellen.

    Daß ausgerechnet M. Stokowski als „Letzte der Verzeifelten“ versucht diesen – schon immer falschen – Eindruck Massenmedial aufrecht zu erhalten, indem sie falsch behauptet, Feminismus wäre für gleiche Rechte aller Menschen, mag ein relativ unpolitisch denkender Normalbürger ja noch zu glauben versuchen. Was bei den üblichen selbstwidersprüchlichen Wirrheiten Stokowskis und den Erfahrungen mit feministischen Aktivitäten der letzten Jahre aber schon nicht ganz einfach ist.

    Schon Dürr bezieht dann aber vorab die klare Position, daß Schutz vor Gewalt für ihn nicht akzeptabel ist, wenn er auch europäischen, und speziell deutschen Frauen – also dem allergrößten Teil der Frauen in D. – zugesprochen wird:
    “ … kämpfen für den Schutz der deutschen, der europäischen Frau.“

    Und in der Tat gab es dann diese Gewalt ja auch aktiv. Die Demonstrantinnen wurden mit Steinen beworfen, gerade WEIL sie in einer angemeldeten und genehmigten Demo eben diesen ihnen per Gesetz und Recht zustehenden Schutz einforderten.

    Insofern trifft Danisch in seinem Kommentar dazu im Prinzip genau den Punkt, wenn er reichlich sarkastisch überspitzt darlegt, daß diese „Scharia light“, sogar noch über die krude Rechtsauffassung radikaler Islamisten hinausgeht:
    http://www.danisch.de/blog/2018/02/17/steinigung-der-woche/

    Jene mögen Frauen NACH Vergewaltigungen als vermeintliche Ehebrecherinnen steinigen.
    Hier erfolgte die Strafe jedoch schon präventiv, weil Frauen eben auch als weiße, westeuropäische, die Gefahr vergewaltigt zu werden deutlich zur Sprache bringen.

    Da nützt es auch nichts, jetzt die faule Ausrede zu bringen, daß man einen Teil dieser Frauen „irgendwie rechts“ einsortiert.
    Denn dieser Relativierungsversuch ist allzu leicht erkennbar unsinnig. Man demonstriert selbst unverkennbar illegal UND gewalttätig gegen eine Menschengruppe, aufgrund einer noch nicht mal durchgehend nachvollziehbaren politischen Position, die sich im Rahmen des ausdrücklich erlaubten befindet, nimmt aber bestenfalls klaglos hin, daß dazu absolut unmenschliche Elemente ( mindestens versuchte schwere Körperverletzung ) als Mittel der Wahl zum Einsatz kommen. Und dagegen protestierte offenbar auch keiner der anwesenden „gemäßigten ‚Linken'“.

    Das ist selbst für einen ansonsten eher unkritischen Konsumenten von Tagesshow o. ZDF-Journal wohl kaum noch übersehbar.

    Wenn man also schon von einem „Rechtsruck“ in D. sprechen will, so wurde er hier gleich im doppelten Sinne sowohl von den Krawallmachern selbst vollzogen, als auch im restlichen Teil der Bevölkerung – eben dadurch – als logische Folge mit Gewalt provoziert.

    Übrigens erklärt das auch – ganz nebenbei – warum man von der Aktion der Jusos, Stimmen gegen die eigene Mutterpartei zu kaufen, um die GroKo in letzter Sekunde noch zu verhindern und so Neuwahlen zu erzwingen, nichts mehr hört.
    Denn – und das dürfte wohl selbst dem dümmsten und korruptesten Nachwuchs-SPDler unzweifelhaft klar sein – würden jetzt tatsächlich Wahlen neu angesetzt werden müssen, würde die SPD noch einmal zusätzlich jede Menge Stimmen, besonders vermutlich Frauenstimmen, verlieren und möglw. sogar hinter die AfD rutschen, was die politische Situation in D. radikal verändern würde.

    Wahrlich – interessante Zeiten!

  • Ich denke es ist eine problematische Mischung aus einer post-sozialistischen Linken und einem Feminismus, der einem Mitte-Extremismus aufgesessen ist. Ich meine das Hauptproblem der heutigen linken ist, dass sie ihr klassisches Millieu verloren haben. Wie viele Mitglieder der SPD sind denn noch Arbeiter oder kleine Angestellte? Die Grünen sind seit jeher Akademiker und die Linke kann auch nur im Osten von sich behaupten Arbeiterpartei zu sein.

    Natürlich fehlt da oft die Empathie für die Probleme des Facharbeiters, denn den kennt man ja gar nicht. Was hat denn der typische Politiker, der aus dem Asta heraus Karriere gemacht hat mit dem Arbeitermillieu zu tun? Gar nichts! Wem das klar ist, den brauch der Aufstieg der rechten Parteien nicht wundern. Und die Prominenz des Feminismus in linken Parteien auch nicht.

    Was bleibt denn, wenn man sich für Sozialismus nur theoretisch Interessiert und die klassischen linken Wählerschichten nur aus der Glotze kennt? Die Debatten der oberen Mittelschicht, der akademischen Klasse. Und das ist nun mal größtenteils Kram über Feminismus und Rassismus. Alles andere würde ja Geld kosten und ein Asta hat kein Geld. Man kann sich aber trefflich langfristig darüber streiten ob wir jetzt nun Toiletten für Männlein und Weiblein haben wollen, oder zwei Toiletten für alle. Die Leute sind so politisch sozialisiert. Im Zweifel reden wir halt über Sexismus und Rassismus, denn für soziales haben wir eh kein Geld.

    Da passt der moderne Feminismus natürlich trefflich ins Schema. Schauen wir uns doch das Thema Gender pay gap an. Was ist denn das Problem? Typische Frauenberufe werden bei ähnlich aufwendiger Ausbildung deutlich schlechter bezahlt als typische Männerberufe. Was wäre die linke Lösung dafür? Frauenberufe besser bezahlen lassen (das würde aber den Staat dick Kohle kosten wenn wir Pflegeberufe angemessen bezahlen würden). Was ist die rechte Lösung? Das war immer schon so und die Frauen hätten ja was anderes machen können wenn sie besser bezahlt werden wollten. Was ist die Lösung der Mitte? Mehr Geld ausgeben wollen wir nicht, aber wenn wir Frauen in besser bezahlte Jobs bekommen geht das Problem von selber weg.

    Die Propaganda der Vergangenen Jahrzehnte hat nicht so recht funktioniert, also schlägt der Feminismus extremere Lösungen vor. Eben Quoten und andere Diskriminierungsmaßnahmen gegen Männer um eben die Frauenkonzentration in besser bezahlten Berufen und Positionen anzuheben.

    Und natürlich wandert man dann gerne in rechte Erzählweisen ab. Wenn die linke Lösung a priori abgelehnt wird, dann bietet sich natürlich die Rechte mit konservativen narrativen und Sündenbockserzählungen immer an. Dann kommt man demselben identitären Mist wie der AFDler aus Sachsen und fühlt sich super progressiv nur weil die Protagonisten und Antagonisten der Erzählung vertauscht sind.

    Das traurige ist die Leute sehen es nicht. Damit killen sie nicht nur die Linke, sondern spielen den Rechtsextremisten auch noch direkt in die Arme.

    • Ich pflichte da größtenteils bei.
      Die extreme Mitte, die eben im großen und ganzen den Kurs der Politik bestimmt, „progressiv“ ausschmückt, oder zumindest mitträgt, trotz aller Bedenkenträgerei und Betroffenheitsgeschwafel, gründet eben ihre materiellen Interessen eben auf der Erhaltung der neoliberalen Verhältnisse, und bei dem Opportunismus und der sozialen Abstiegsbedrohung, dem Damm klesschwert prekärer Leider znarbei, muss man vor sich oder vor Anderen irgendwie ein postlinkes moralisches Steckenpferd betreiben, um sich vom niederen Pöbel zu distinguieren, aber „denen da oben zugleich klarmachen, dass die kleinen Reförmchen, Mobbingkampagnen und radikalen Sprechweisen auf gar keinen Fall so gemeint sind, tatsächlich grundlegend oder auch nur maßgeblich etwas zu ändern oder die undemokratischen oligarchischen Privilegien der oberen 10%, oder 1%, oder wie auch immer,
      anzutasten. Da bleibt halt nur der moralische Zeigefinger.
      Und da man/frau sich gerne weiter für ihre Privilegien zweiter Ordnung politisch prostituieren, und das auch signalisieren wollen, bleibt halt nur die Jahrtausende alte Litanei über den dummen, faulen, ungebildeten, unmoralischen Pöbel übrig. Dafür bekommt man dann einen relativ bessergestelten Platz in der Hierarchie, um die Elend der Verhältnisse zu verwalten bzw. verwaltbar zu machen, und ihnen einen bescheidenen moralischen Glanz zu verleihen, durch das vorgeschobene eigene „gute Vorbild“, man kauft fair, frisst gesund, zieht einen lila Pulli an etc., bietet sich als männlicher Kronzeuge an, um die eigenen Vergewaltigungsphantasien zum Nutzen der guten Sache zu externalisieren, diese Selbstbezichtigung hat übrigens sowohl was von christlicher Inquisition als auch von Stalinismus. „Seht her, ich weiß genau, wie verrucht wir Männer alle sind, ich weiß es aus meinem eigenen Innenleben, aber ch bekenne wenigstens meine Abartigkeit, um als abschreckendes Beispiel und kollektiver Schuldbeweis zu dienen, und habe ernsthaft vor, vom Saulus zum Paulus zu werden!“ Nebenbei springt vielleicht eine lukrative Stelle in der Bewusstseinsindustrie oder der Politnomenklatura heraus, und man darf sehr wahrscheinlich regelmäßig eine Ökofeministin zur Domina erwählen und sogar vögeln zur Belohnung.
      Und hier haben wir auch eine parallele zum Faschsmus nicht nur in Deutschland, diese war und ist das abstiegsbedrohte, rückgratlose, korrupte Kleinbürgertum, das sich jedem Herrn als besserer Sklaventreiber andienen will, um sich nicht in der Kohlegrube oder dem Schützengraben wieder zu finden.
      Postmodern ist es etwas modifiziert, her droht nur Karriereknick, prekäre Lohnarbeit oder Hartz-IV-Spirale, aber das reptilienhafte, bigotte Kleinbürgerwesen aus der Kaiserzeit hat sich erhalten, wenn nicht sogar genetisch zu einer eigenen Subspezies herausgebildet, und weder die Nazis noch die DDR haben ihm etwas anhaben können, im Gegenteil,wer ein totalitäres System betreiben will, braucht und fördert genau diesen Menschentypus. Man findet ihn bei allen Parteien und in allen Bürokratien, besonders da, wo große Nähe zur tatsächlichen Macht herrscht, also z.B. in der Arbeitsverwaltung, in der SPD oder in der Justiz.
      Oder da, wo auch kleine Ämter infolge einer gewissen Anonymität, Mangel an sozialer Kontrolle, verhältnismäßiger Recht-und Hilflosigkeit der Betroffenen und persönlicher Abhängigkeit große persönliche Macht über eher hilflose Menschen beinhalten, in Heimen, Psychatrien, Kindergärten, Krankenhäusern, beim Militär, und wieder, in der Arbeitsverwaltung und der Hartz-IV-Industrie, und nicht zu vergessen, in der Alleinerziehung, wo Mutti ihre Neurosen und ihren Sadismus ungefiltert am Kind ausleben kann.
      Ja, und diese Leute gelten heute als linke Avantgarde.
      Man braucht eigentlich nur ein paar Fetischobjekte, wie eine lila Pussy auf dem Kopf, oder ein paar magische Zauberworte (neudeutsch „Sprechakte“), wie „Rassismus“,
      „Sexismus“, „Patriarchat“, „Rape Culture“ usw., wer sie zuerst aufsagt, hat den „Diskurs“ schon gewonnen, treffenderweise ganz nach dem hirnrissigen Muster der „Hexen“-Tröten bei „Charmed- Zauberhafte Hexen“, was sich scheints die Neolinken alle damals mit der Muttermilch reingesogen haben. Es lohnt, sich mal ein paar Folgen von dem Schwachsinn rein zu ziehen, esoterisch wäre fast schon übertrieben, es ist Plastik-Hollywood-Mystizismus vm Feinsten.

      • Sorry für die Rechtschreibung, v.a. ganz oben, „dem Damm klesschwert prekärer Leider znarbei,“, muss heißen „dem Damoklesschwert prekärer Lohnarbeit“.
        Keine Ahnung, wie mein Tablet das wieder geschafft hat, ganz allgemein vermisse ich in diesen Blogs sehr eine Vorschaufunktion wie in den meisten Foren vorhanden, diese Spalten nochmal durch zu pflügen, ist mir meist zu lästig.

  • „Wie aber ist es überhaupt zu erklären, dass rechte und linke Positionen so einfach ineinander zu spiegeln sind, ohne dabei auf das einprägsame, aber inhaltsleere Bild eines Hufeisens zurück zu greifen?“

    Lucas – das mit der Idee der Reinheit ist zwar auch eine treffende Diagnose einer Gemeinsamkeit der extremen politischen Ränder, aber wie das „Hufeisen“ ohne weiteren Erklärungswert!

    Sollte es nicht einfach so sein, dass diese Rechten und Linken, die einander so ähnlich zu sein scheinen, eine gleiche Art des Denkens teilen? Nämlich vor allem die eines Kollektivismus, der eine Freiheit des Individuums rundum ablehnt! Dies ist eine originär rechte Denkweise, die erst mit der europäischen Moderne in die Defensive geriet.

    Aber die Reaktion meldet sich jetzt zurück. Mit neuer Speerspitze, einer postmodernen Linken, die gegen alle Errungenschaften der Moderne ist — gegen den Individualismus, mit Identitätspolitik wie dem Feminismus, gegen „Kapitalismus“ usw usf.

    Die besondere Stärke dieser neuen Reaktion liegt sicherlich in ihrer Ignoranz sich für den „Fortschritt“ bzw „die Linke“ halten zu können, wobei alle Werte und Bewegungen der Moderne und der Linken ins Groteske verkehrt werden, nicht nur der Feminismus (– von einem der Rechte hin zu einer Verherrlichung als Unterdrückungsmittel in einem sogenannten „Geschlechterkampf“)

    • @ Alex „Nämlich vor allem die eines Kollektivismus, der eine Freiheit des Individuums rundum ablehnt!“ Ja, das kann gut sein – aber nicht in dem Sinne der heutigen Linken-Basher, die davon ausgehen, dass jede Linke kolllektivistisch wäre. Die kennen sich in linker Geschichte und linken Strömungen nicht aus.

      Dass anarchistische Bewegungen nicht kollektivistisch sind, müsste z.B. auch eingefleischten Linkenfeinden einleuchten. Aber auch die starke Bildungsaspiration, die zum Beispiel die SPD – entstanden aus Arbeiterbildungsvereinen – prägte, war eben nicht kollektivistisch. Es ging ja gerade darum, sich UNTERSCHEIDEN zu können, etwas anderes aus seinem Leben machen zu können als das, was aufgrund der sozialen Position programmiert schien. So hab ich selbst LINKSSEIN kennen gelernt – als Möglichkeit, sich unterscheiden zu können von dem, was scheinbar selbstverständlich gegeben ist.

      Die Fixierung auf den Kollektivismus trifft aber ganz sicher zu auf eine postmoderne Linke, die Menschen stur nach ihrer Gruppenzugehörigkeit einsortiert. Möglicherweise ergibt sich hier tatsächlich eine Möglichkeit, die Hufeisentheorie, die ich eigentlich nicht überzeigend finde, mit etwas Inhalt zu füllen.

      An den Rändern des politischen Spektrums können Reinheitsideologien florieren. Hier geht es eben um pure Positionen. Je weiter es in die Mitte geht, desto mehr geht alles durcheinander. Da wird es kompromisslerisch, widersprüchlich, ein Kuddelmuddel, unrein. Aber eben dadurch entstehen für Individuen auch Spiel- und Rangierräume, die es in den puren, reinen Bezirken der Ränder nicht gibt.

      Wo es nicht um politische Reinheit, sondern um politische Vermittlung geht, gewinnen auch Individuen Handlungsräume. (Das ist für mich persönlich eine der wichtigsten politischen Einsichten überhaupt.) Hier haben sie nämlich Wahlmöglichkeiten, und gerade weil hier alles unübersichtlich ist, ist nicht jede politische Frage schon entschieden. In den puren Bereichen der politischen Extreme wiederum ist jede Frage immer schon geklärt, bevor sie überhaupt gestellt wurde – und alles, was der Einzelne tun kann, ist, diese Klärung anzuerkennen.

      So lässt sich vielleicht gerade mit der Ablehnung von politischen Reinheitsideologien das so inhaltsleere Hufeisenmodell mit etwas Inhalt auffüllen.

      • Die Hufeisentheorie ist nur soweit plausibel, wie sie auf die Methode der Durchsetzung politischer Ziele verweist, auf den Anspruch, alle Lebensbereiche der politischen Maxime zu unterstellen, kurzum, der totalitäre Anspruch. Man sollte aber i.m.h.o zwischen Inhalt, d.h dem angestrebten Gesellschaftsideal und der Methode, dieses Ideal zu verwirklichen, unterscheiden.
        Die postmoderne Linke zeichnet sich durch die Ablehnung der pluralistischen Gesellschaft aus. Ihre „Diversity“ ist eine rein oberflächliche, die sich auf Merkmale wie Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe und sexuelle Orientierung bezieht, nie aber auf politische Anschauungen. Diese Pluralität / Diversity hat lediglich folkloristischen Charakter. Ein breites Spektrum an politischen Ansichten wird als problematisch gewertet, was sich in einfältigen undifferenziertem Aktionismus äussert („Kampf gegen rechts“). Der repressive Charakter der politischen Agitation widerspricht in diesem Fall dem trügerischen Selbstbild der toleranten liberalen Avantgarde fundamental.

      • @Lukas
        Beim „Kollektivismus“ handelt es sich um einen Sammelbegriff für Denkweisen, die irgendwelche Kollektive an erste Stelle stellt und dabei (notgedrungen) anti-individualistisch sind! Der moderne Feminismus und alles andere der „progressiven Linken“ sind derart kollektivistisch. Ebenso Kommunismus und Faschismus. Nach diesen beiden Bewegungen, die im Wesentlichen Geschichte sind, ist es diese „progressive Linke“, die die sich unbemerkt als dritte grosse kollektivistische Strömung der Anti-Moderne (sich trimphal als „Postmoderne“ bezeichnend) herausgebildet hat.

        Die SPD aber war nie kollektivistisch, dh erst in allerneuester Zeit wurde sie es, mit ihrem Bekenntnis zum Feminismus!
        Die extremste Antithese zum Kollektivismus ist natürlich der Anarchismus (wie du schon bemerkt hast) und ähnlich ist der Liberalismus dem entgegengesetzt, der alles vom Individuum her (-> Individualismus) her betrachtet.

        Dieser neue Kollektivismus mag zwar aus der Linken entstanden sein, ist aber vom Wesen her rechts und wird daher auch so bereitwillig dort aufgenommen! (mit anderen Worten, die CDU driftet nicht nach „links“, sondern greift einfach die an sich rechten Themen der Linken auf).

        Was Reinheits-Ideologien betrifft, so sollte fast intuitiv verständlich sein, warum diese regelmässig als Zwillingsschwestern von Kollektivismen auftreten, aber mit Individualismen weitgehend inkompatibel sind (ausser beim Dandyismus oder ähnlichem Posieren, welches man dem extremen Individualismus zuschreibt).

        Daher sind die Reinheits-Ideale des (kollektivistischen) Feminismus die edle, bessere Frau, die lebenspendende All-Göttin, wobei die Antithese der Frau, natürlich der Mann, „das Männliche“ etc ist, die Verkörperung des Unreinen und aller Unmenschlichkeit.

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