Feindbild Mann Feminismus Hate Speech

Männerhass und der Dinosaurier im Wohnzimmer

geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Vorwurf, Männerhasserinnen zu sein, begegnet Feministinnen schon seit dem Beginn politischer Frauenbewegungen. Der Vorwurf ist ressentimentgeladen – aber zugleich gibt es reihenweise Belege dafür, dass er auf viele Feministinnen zutrifft. Nicht jeder Feminismus aber ist von Männerhass geprägt, und nicht jeder Männerhass ist feministisch. Was ist denn nun das Verhältnis zwischen beiden?

 

Wieso eigentlich dürfen Männer bei irgendetwas mitentscheiden?

Da stolpert die SPD durch eine historische Krise, was das Ende dieser alten Partei bedeuten könnte, die doch in ihrer langen Geschichte schon so vieles überlebt hatte. Wenn der Partei noch etwas helfen kann, dann wohl eine Rückbesinnung auf den vormals sozialdemokratischen Wert der gegenseitigen Solidarität, und auf eine offene, sachbezogene Diskussion.

Spitzenpersonal der Partei aber rückt etwas ganz anderes in den Vordergrund.

„Wenn es einfach wäre, könnte es ja auch ein Mann machen,“ erklärt Andrea Nahles zum von ihr angestrebten Parteivorsitz. Dass Frauen klüger seien als Männer, hatte schon kurz zuvor Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig betont, die in der Bevölkerung noch niemals eine Wahl gewonnen hat und deren schnelle Karriere ohne die Förderung wichtiger Parteimänner niemals möglich gewesen wäre.

Warum es die beiden Spitzenfrauen für eine gute Idee halten, ausgerechnet in der verzweifelten Krisensituation der Partei den 68% männlichen Mitgliedern und den verbliebenen männlichen Wählern ohne Not etwas „auf die Fresse“ (Nahles) zu geben, wird nicht recht deutlich. Statt wiederum diese Frage zu stellen, jubeln auch Qualitätsmedien über Nahles’ Geschlechtszugehörigkeit, als ob damit die gigantischen Probleme der SPD irgendwie schon weitgehend geklärt wären.

Dieses Bild einer der vielen Neuauflagen von Valerie Solans‘ SCUM wird Ihnen präsentiert von der Website „goodreads – Gute Lektüren“.

Die seltsame Verwandlung von Sachfragen in einseitige Ressentiments ist so normal geworden, dass sie kaum noch auffällt. Wer weiß denn beispielsweise, dass der Bundesgerichtshof schon im letzten Jahr eine „richtungsweisende Entscheidung“ zur Kindessorge getroffen hat, die der Doppelresidenz einen eindeutigen Vorteil gegenüber dem gewöhnlichen Residenzmodell, der sogenannten „Alleinereziehung“ einräumt – die fast immer eine mütterliche Alleinerziehung ist? Obwohl der BGH sich auf Studien bezieht, nach denen die Doppelresidenz für das Kindeswohl deutliche Vorteile hat, blieb die Entscheidung in Parteien und Qualitätsmedien fast ohne Widerhall. Eine Ausnahme ist allein die FDP.

Dabei ist das Modell der „Alleinerziehung“ europaweit das größte Armutsriskiko für Kinder: Dass einer der beiden Elternteile bei der Kindessorge fehlt, lässt sich eben auch nicht durch soziale Unterstützungssysteme auffangen.

Statt aber im Sinne der Kinder Modelle zu entwickeln, mit denen politische und soziale Institutionen die BGH-Entscheidung unterstützen können, setzt die Bundespolitik im Gleichklang mit Aktivistinnen auf Ressentiments. Gabriel und Schwesig machen Stimmung gegen Väter, die zu wenig Unterhalt zahlen – anstatt zu realisieren, das das Modell der „Alleinerziehung“ Familien eben auch ökonomisch in unlösbare Probleme stürzt. In sozialen Netzen hat dieweil Antje Schrupp, Redakteurin einer evangelischen Kirchenzeitung und eine von Deutschlands einflussreichsten Feministinnen, gerade wieder einmal eines ihrer Lieblingsthemen lanciert: dass Väter, bitteschön, aus den Entscheidungen zu Geburt und Kindessorge herausgehalten werden sollten.

Wer so entschlossen den Eindruck erweckt, beliebige Sachprobleme könnten jeweils besonders sinnvoll durch das Mobilisieren geeigneter Ressentiments gelöst werden, spielt immer wieder dasselbe seltsame Doppelspiel. Männer werden als Ursachen aller möglicher Übel präsentiert, als Dummerchen, als Egoisten, als Gewalttäter, in jedem Fall als machtbesessen. Zugleich haben ausgerechnet diese trotteligen und gewaltnahen Egoisten in jedem Fall die Verantwortung für die Lösung der sachlichen Probleme einer Situation.

Ein fast putziges Beispiel lieferte gerade die Designerin und Aktivistin Myriam Chalek, die auf einer Fashion-Show Männer als Gewalttäter mit Schweinemasken präsentierte. Die Männer, die diese Schweine darstellten und die Show so erst ermöglichten, hatte sie kurzfristig durch eine kleine Anzeige gefunden. Sie bekamen für ihre Beteiligung nicht einmal Geld: Chalek hatte keinen Zweifel gehabt, auch kurzfristig genügend Männer zu finden, die sich an der Diffamierung von Männern als gewalt- und sexgeilen Schweinen gutwillig und kostenfrei beteiligen würden.

 

Och komm. Nur weil sie alle Männer töten will, soll sie gleich eine Männerhasserin sein?

Djadamoros hat soeben ein Buch analysiert, das die Atmosphäre der Metoo-Debatte in einen machiavellistischen Ratgeber ummünzt: DAMN (Destroy a Man Now – Zerstöre einen Mann jetzt). Dort gibt eine pseudonym agierende Psychologin Frauen Ratschläge dafür, wie sie durch gezielte Anschuldigungen sexueller Übergriffe die Reputation und Stellung eines Mannes nachhaltig zerstören können.

Frauen besitzen mehr Macht als Männer, während die Gesellschaft immer noch so operiert, als wären wir machtlose Opfer. Auf diese Art und Weise profitieren Frauen sowohl von den Tugenden des Opferdaseins als auch von der Macht des Unterdrückers. Wir tun dies auch offen, auf offener Bühne und trotzdem unsichtbar durch die selektive Blindheit des Patriarchats für Frauen. (…) Der Begriff ‚Männer’ ist zum Synonym geworden für ‚Vergewaltiger’, ‚Pädophile’, ‚’Raubtiere’, ‚Belästiger’ und ähnliches.“ (Übersetzung von mir, LS.)

Im Unterschied zu djadmoros glaube ich, dass der Text eine bittere Satire ist. Schon im Titel, dem Akronym DAMN, spielt er auf einen düsteren Klassiker des Feminismus an – auf Valerie Solanas’ SCUM, Societey For Cutting Up Men. Anders als bei Solanas ist aber das Ziel der Satire deutlich.

Jeder Mensch hingegen, der auch nur ein, zwei Seiten des „Manifests“ gelesen hat, merkt, dass Solanas damit an den Nationalsozialismus anknüpft – und zudem an den furchtbarsten der vielen furchtbaren Aspekte, an den industrialisierten Massenmord. Sie stellt diese Bezüge nicht subtil und versteckt her, sondern offen, klar und drastisch.

Selbst das wäre kaum der Rede wert, wenn dieser neo-nationalsozialistische Text nicht bis heute in einem linksliberalen, feministisch inspirierten Bürgertum eine heimlichen Kultstatus genösse. Jasmin Tabatabei las daraus in Alice Schwarzers öffentlich geförderten FrauenMediaTurm vor  – und das Deutsche Theater Berlin führt daraus gerade seit dem Herbst Ausschnitte unter dem Titel „Feministia, Baby!“ auf.  Im ZDF konnte die Sängerin Christiane Rösinger, die an der Aufführung beteiligt ist, Solanas wegen ihrer „Radikalität“ würdigen –  die „fehlt uns heute“.

Der Kommentator HeartsBurning hatte hier auf diese Aufführung aufmerksam gemacht – ein von ihm geschriebener offener Brief an das ZDF blieb ohne Wirkung. 

Ihre Verteidiger – bis hin zur Bundeszentrale für politische Bildung, wo das Buch als Beitrag zur feministischen Geschichte empfohlen wird – erklären gern, Solanas bezöge sich bloß mit satirischer Absicht auf die nationalsozialistische Politik des industrialisierten Massenmords. Das ist eine Schutzbehauptung, für die es keine Belege gibt. Die Sprache entwickelt durch ihre Drastik und Skrupellosigkeit für manche offenbar eine gewisse wilde Komik – aber der Text enthält überhaupt keine Ironiemarker.

Und wenn schon – was sollte denn satirisch überspitzt werden? Faschistoide Aspekte im Feminismus? Die Verwandlung der Holocaust-Erinnerung in Popkultur? Eine allgemeine Männerfeindlichkeit der Gesellschaft? Das ist alles ganz unwahrscheinlich.

Oft wird von Verteidigerinnen des Textes Swifts „Modest Proposal“ als Vergleichstext herangezogen, aber dieser Vergleich ist ein Eigentor. Bei Swift ist nämlich die ungeheuer bittere Ironie den ganzen Text hindurch deutlich, so wie auch zweifelsfrei klar ist, wogegen sich die brutale Überspitzung richtet und welchen Zweck sie erfüllt. Eben das fehlt bei Solanas völlig – der DAMN-Text hingegen lässt sich, wie auch djadmoros schon herausstellt, in seinem sachlichen Gehalt leicht als zugespitzte männerrechtliche Kritik lesen.

Ich habe schon häufig Äußerungen genervter Feministinnen gelesen, die sich nicht schon wieder mit Solanas auseinandersetzen wollten, mit der sie doch gar nichts zu tun hätten. Ich habe jedoch noch niemals eine dieser Auseinandersetzungen gefunden. Die Frage, wie eine offen an den Nationalsozialismus anknüpfende, gewaltverliebte Schrift zum feministischen Kultbuch werden konnte, ist für den heutigen Feminismus irrelevant.

 

Der Dinosaurier im Wohnzimmer des Feminismus

Zur Beschreibung von Alkoholikerfamilien wird manchmal die Metapher vom „Dinosaurier im Wohnzimmer“ verwendet. Der Alkoholismus eines Familienmitglieds (oder gar mehrerer) bedroht und zerstört zwar beständig die Familienstrukturen, aber alle sitzen mit diesem Dinosaurier gemeinsam friedlich im Wohnzimmer und tun so, als ob alles in Ordnung wäre.

Der will nur spielen.

Der Männerhass, der sich in Veranstaltungen wie der oben erwähnten MeToo-Fashionshow oder im Solanas-Text zeigt, ist gleichsam der Dinosaurier im Wohnzimmer des Feminismus. Natürlich sind nicht alle Feministinnen Männerhasserinnen, so wie ja auch nicht alle Mitglieder von Alkoholikerfamilien Alkoholiker sind. Aber alle nehmen diesen Männerhass wahr und tun so, als wäre damit alles in Ordnung, zivil und nett. Und falls sie doch mal auf den Dinosaurier angesprochen werden, erklären sie schnell, der wolle doch nur spielen und meine es gar nicht so. Oder sie fragen unschuldig „Welcher Saurier denn? Siehst du hier einen Saurier?“ 

Trotzdem ist nicht jeder Feminismus männerhassend, und nicht jeder Männerhass ist feministisch. Zumindest eine tiefe geschlechtsbezogene Missachtung drückt sich beispielsweise in einer Bundeswehr-Politik aus, die Soldaten in Krisengebiete auf der ganzen Welt schickt  – die aber ganz uninteressiert daran ist, diese Soldaten dabei mit zumindest funktionsfähigem Material auszustatten.

Die 108 Bundeswehrsoldaten, die seit 1992 bei Auslandseinsätzen ums Leben kamen, waren fast ausschließlich Männer – was niemanden wundern kann, da die Last dieser Einsätze schließlich weit überwiegend von Männern getragen wird. Wir können wohl davon ausgehen: Wären es vorwiegend Frauen, und nicht vorwiegend Männer, die unter den Ausrüstungsmängeln der Bundeswehr zu leiden hätten: Diese Zustände wären längst als sexistischer Skandal herausgestellt worden.

Das ist nicht allein die Verantwortung von Feministinnen. Wo aber heute überhaupt eine institutionelle Geschlechterpolitik betrieben wird, da ist sie in aller Regel feministisch inspiriert. Die Bundeszentrale für politische Bildung, die auch schon Michael Kimmels ressentimentgeladene Polemik „Angry white men“ verlegt hatte, vertreibt nun Margarete Stokowskis „Untenrum frei“. Für mich selbst war ein Text Stokowskis  Grund, alle Hoffnung aufzugeben, dass mit dem heute dominierende Feminismus schließlich doch zu  irgendeinem offenen Dialog bereit sein könnte.

Nach den massenhaften sexuellen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht waren natürlich auch Männer in Deutschland erschrocken gewesen. Anstatt diesen Schock als Beleg für eine selbstverständliche zivile Empathie zu werten, schrieb Stokowski in ihrer wöchentlichen Spiegel-Kolumne:

Die eigenen Frauen will der gute Deutsche immer noch selbst belästigen dürfen.“

Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Um eigenen männerfeindlichen Ressentiment festhalten zu können, nimmt Stokowski – und mit ihr einer Reihe anderer Feministinnen – es gern in Kauf, alles feministische Engagement der letzten Jahrzehnte pauschal für wirkungslos zu erklären. Jahrzehnte  erregter Diskussionen und verbissener Debatten, Frauenministerien in allen Regierungen, Tausende von Gleichstellungsbeauftragten, eine unüberschaubare Frauen- und Geschlechterforschung, eine unverkennbare, distanzlose Sympathie fast aller Massenmedien – aber für Stokowski et.al. kann der deutsche Mann selbstverständlich nichts anderes sein als der Repräsentant einer Rape Culture, die nicht nur frauenfeindlich, sondern zu allem Überfluss auch noch fremdenfeindlich ist.

Dieser Feminismus hat längst das Interesse an einer Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten verloren und kreist um die eigenen Ressentiments und Hassgefühle. Warum aber protegiert die Bundeszentrale für politische Bildung ausgerechnet eine solche Feministin, die doch im Spiegel ohnehin schon wöchentlich die Gelegenheit hat, vor einem Millionenpublikum um ihre Ressentiments herum weltvergessen Schnörkel zu laufen? Warum nicht eine Feministin, deren Beispiel zeigt, dass es auch einen Feminismus gibt, der nicht von Hass beschädigt ist? Die anarchistische Feministin Wendy McElroy zum Beispiel, oder die liberale Feministin Elisabeth Badinter, oder auch die liberale Equity-Feministin Christina Hoff Sommers?

Ganz ohne unbedingt Ally sein zu wollen, hatte ich mich schon in der Jugendzeit und dann immer wieder mit allen möglichen feministischen Themen, Texten oder Positionen beschäftigt. Es interessiert mich, und ich wäre froh, heute feministische Positionen in politischen Debatten zu finden, die offen, interessiert und human sind.

Stattdessen agieren Feministinnen wie Margaret Stokowski, Antje Schrupp, Anne Wizorek, Yasmina Banaszczuck, Kübra Gümüsay, Manuela Schwesig, Elke Ferner und viele mehr ganz so, als würden sich beliebige soziale Probleme zuverlässig von selbst lösen, wenn sie nur mit dem geeigneten Ressentiment betrachtet würden. Ein Credo, das sich ebenso in der AfD finden lässt.

Warum als trägt die Bundeszentrale nicht zur politischen Bildung bei, indem sie Beispiele für andere Feministinnen zeigt? Ich jedenfalls wäre daran sehr interessiert.

Könnte es vielleicht sind, dass die Bundeszentrale für politische Bildung – zumindest in Deutschland – solche Beispiele selbst nicht findet?

 

 

Dazu passt die kleine Serie Wozu ist Männerhass eigentlich gut? Der erste Teil beschäftigt sich mit der Situation von Vätern, der zweite mit Männerbildern allgemein – und der dritte ist eine Materialsammlung, weil ich nicht alles gefundene Material in zwei Texten unterbringen konnte. Ein Text über Frauenfeindlichkeit zeigt aber, dass geschlechterbezogene Ressentiments sich auch im Feminismus nicht allein auf Männer beziehen.

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7 Comments

  • „Ich habe schon häufig Äußerungen genervter Feministinnen gelesen, die sich nicht schon wieder mit Solanas auseinandersetzen wollten, mit der sie doch gar nichts zu tun hätten. Ich habe jedoch noch niemals eine dieser Auseinandersetzungen gefunden.“

    Ich auch nicht. Dabei sind Feministinnen immer ganz schnell dabei zu fordern das man sich von irgendwas distanzieren soll. Aber wenn sie selbst mal was gegen den Männerhass im Feminismus sagen sollen, dann kommt das halbherzig oder sie haben gerade etwas besseres vor.

  • Crosspost eines Kommentars von mir zur Frage »Satire oder nicht«:

    Wie gesagt: es spricht vieles dafür, dass das ein »false flag« ist. Andererseits halte ich die Aussage

    »Die Beschreibungen der Medien, des Patriarchats, des Umgangs mit männlichen Opfern häuslicher Gewalt oder von Nerds würde doch keine Feministin so verfassen.«

    nicht für zutreffend: Hanna Rosins »The End of Men« (worauf sich »Angela Confidential« ausdrücklich beruft) ist den diagnostischen Aussagen des Büchleins inhaltlich vergleichbar, wenngleich sie nicht so plakativ daherkommt: Rosin nimmt die Situation von Männern und Jungs ja durchaus empirisch zur Kenntnis, schreibt sie aber deren Unfähigkeit zu, sich zu ändern, während sie die Fähigkeit der Frauen zur stromlinienförmigen Anpassung für grundsätzlich überlegen hält.

    Ein empirisch belegtes »Women are winning« gekoppelt mit der Wertung: »die Männer sind selber schuld« sind also sehr wohl zentrale Aussagen einer bekannten Feministin. Und von »die Männer sind selber schuld« zu »die Männer haben es verdient, wenn man sie aus dem Weg räumt« ist es dann nur noch ein kleiner Schritt.

    Auch wenn es also ein »false flag« sein sollte, ist es immer noch ein »false flag«, der ebensogut auch kein »false flag« sein könnte. Deswegen sprach im vom »Vexierbild«.

  • Damit liberale Feministinnen Gehör finden können, bedarf es eines liberalen Umfelds. Und das existiert nicht nur in den islamischen Ländern seit den 70er Jahren nicht mehr, sondern auch im Westen nicht. Der herrschende giftstrotzende, einem Reinheitskult verfallene Totenkopf-Feminismus deckt sich hingegen mit dem aktuellen Zustand der westl. Gesellschaften und wird deswegen von ihnen hofiert und hochgehalten.

  • Zu Scum:
    >Ihre Verteidiger – bis hin zur Bundeszentrale für politische Bildung, wo das Buch als Beitrag zur feministischen Geschichte empfohlen wird –

    Ich finde es gut, dass dieses Buch als Beitrag zur feministischen Geschichte empfohlen wird!
    Denn das weist auf einen verschwiegenen Teil dieser Geschichte hin. Hält ihn fest!

    Wer Solanas Scum zur Satire ernennt, hat keine Gegenwehr mehr gegen die Behauptung, ‚Mein Kampf‘ sei Satire gewesen.

    Solanas Scum steht für einen starken, abgespaltenen und verleugneten Teil der feministischen Geschichte. Den der dumpfen Aggression. Der unbewältigten, uneingestandenen, verleugneten Aggression. Und das hat die Bundeszentrale erkannt! Dieses Dokument mit seiner Wirkungsgeschichte sollte man in der Tat als Zeitdokument einordnen.

  • Valerie Solanas knüpft nicht nur an den deutschen Nazi-Terror mit seinem Biologismus und seinen Gaskammern an, sondern auch an den Situationismus, z.B. bei der Forderung nach Abschaffung des Geldes. Sie vermischt beides, wie es später auch in den frühen Zeiten des Punk geschah oder in anderen kulturrebellischen Fragmenten. (Z.B. „Scorpio Rising“ von Kenneth Anger). Wenn Frauen Solanas schätzen, so wahrscheinlich nicht als Anleitung zum Handeln, sondern als Triebabfuhr-Gossenpamphlet, als Rache für weibliche Ohnmachtserfahrungen, auch die eingebildeten. Obwohl „das Patriarchat“ Solanas nach ihrem Mordversuch an Andy Warhol mehr als milde behandelte, starb sie hässlich, verelendet, völlig vereinsamt und konnte nicht einmal mehr Geld als Nutte verdienen. Gewissen Damen, die Solanas programmatischer Schrift applaudieren, sowie auch denen, deren Zitate angeführt sind, gießt man doch lieber einen Kübel Scheiße über ihre Dauerwelle, statt ihnen mit dem Wunsch nach Diskussion hinterher zu laufen. Ich habe ein wenig das Gefühl, der obige Text fällt auf deren Provostil rein.

    • @Hans

      Man sollte die Geschichte des „Mordversuchs“ noch einmal behandeln, da sie im Normalfall falsch beschrieben wird:

      „Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen seiner Factory ab und schoss dreimal auf ihn. Warhol wurde durch einen Schuss schwer an Milz, Bauch, Leber und Speiseröhre verletzt. Außerdem schoss sie den Kunstkritiker Mario Amaya in die Hüfte und versuchte, Warhols Manager Fred Hughes in den Kopf zu schießen. Dabei blockierte ihre Pistole.“ Wiki zu Solanas
      Sie hat zwei Männer angeschossen und schwer verletzt und beim Versuch den dritten zu erschießen hinderte sie nur die Fehlfunktion des Mordwerkzeugs.
      Jetzt gib mir bitte die „Ironie“ zurück.

      Das SCUM-Manifesto wurde 1967 von ihr geschrieben, jedoch „The Manifesto was little-known until Solanas attempted to kill Andy Warhol in 1968. This event brought significant public attention to the Manifesto and Solanas herself.“ Wiki Solonas
      Durch ihre Tat sammelte sie Glaubwürdigkeitspunkte für ihr Machwerk, und sie selbst gab von sich, „the shooting [of Warhol] represented the feminist movement’s righteous rage against patriarchy“. Wiki SCUM Manifesto

      Einen Anschlag auf einen schwulen Avantgarde-Künstler mit jüdischem Hintergrund mit „gerechtfertigtem feministischen Hass auf das Patriarchat“ begründen zu können und keiner lacht – das ist die eigentliche Ironie.
      Welche patriarchalen Züge wird und kann ein solcher Mann in sich tragen, damit er sich als ideeller Gesamtrepräsentant „des Patriarchats“ eignet?
      Meine Frage: Wer will diesen Unsinn glauben und weshalb?

      Vielsagend: „Valerie Solanas erklärte dem Untersuchungsrichter: „Warhol hat mich total blockiert. Er wollte mir etwas antun, was mich zerstört hätte.“ Es sei richtig gewesen, was sie getan habe, schrie sie den Richter an. „Ich habe nichts zu bereuen.“
      http://www.spiegel.de/einestages/attentat-auf-andy-warhol-a-947037.html
      Diese Aussage noch einmal aus individueller Perspektive mit Betonung: „Er WOLLTE mir etwas antun, was mich zerstört HÄTTE, es ist DESHALB richtig gewesen, was ich getan HABE.“

      Es ist also erstens völlig egal, ob eine subjektive Empfindung einer Bedrohung mit der Realität übereinstimmt, denn vor dem Hintergrund einer individuell gefühlten kollektiven Bedrohung durch „das Patriarchat“ ist die subjektive Empfindung real.
      Diese vorgeschobene Rechtfertigung für die Tat einer kriminellen Geisteskranken wieder und wieder abzudrucken und ihr dadurch überhaupt erst Glaubwürdigkeit zu verleihen ist das eigentliche Kunststück.

      Aus der Perspektive einer solchen paranoiden Definitionsmacht ist zweitens die „Selbstermächtigung“, sich gegen eine Bedrohung im Konjunktiv (!) real zu wehren eine ethisch vertretbare Handlung, nämlich Präventivnotwehr.
      Ich glaube letzteres ist der Grund, warum die Tat, die sie für lediglich drei Jahre in einen Knast für kriminelle Geisteskranke („Man kriegt schon mehr, wenn man ein Auto klaut“, empörte sich der ehemalige Factory-Musiker Lou Reed“) brachte so attraktiv für das (weibliche) Publikum ist.
      Es wird gerechtfertigt „zurück geschossen“, die empfundene Bedrohung rechtfertigt die eingesetzten Mittel und für die Folgen der Handlung ist die individuelle oder kollektive Bedrohung verantwortlich, selbst wenn es sich dabei um ein Phantasma handelt.
      Zurück zur falschen Beschreibung der Tat in einer Überschrift eines SPON-Artikels von 2008: „Vor vierzig Jahren versuchte die Radikalfeministin Valerie Solanas, den New Yorker Künstler Andy Warhol zu erschießen. Dank des Attentats explodierten die Preise für seine Arbeiten. Er wurde zum Superstar der Pop Art – sie obdachlos.“
      http://www.spiegel.de/einestages/attentat-auf-andy-warhol-a-947037.html

      Aus zwei Männern, die Solanas beschossen hat wird einer, dass es keinen Toten gegeben hat, verdankt sich nur einem Zufall und der Chirurgie. In einer einzigartigen Schubumkehrung wird nicht etwa ihr SCUM-Manifesto durch ihre Tat zum „Superstar“, sondern das Opfer des Attentats. Die Täterin wiederum macht die Überschrift zum eigentlichen Opfer.

      Das halte ich für keinen Zufall, sondern es hat System und es ist auch kein „Provostil“, sondern du wirst zentrale Aussagen von Solonas an anderer Stelle bei SPON als Verkündigung wissenschaftlicher Wahrheit wiederfinden.
      Die deshalb nicht weniger faschistoid sind.

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