Medien Meinungsfreiheit

Wutbürger und Medienmacht

geschrieben von: Lucas Schoppe

Oder: Über das Verschwinden medialer Glaubwürdigkeit

Im Spiegel vom 24. Februar setzte sich Isabell Hülsen in einem langen Artikel damit auseinander, warum sich ausgerechnet gebildete Menschen der gesellschaftlichen Mitte immer mehr von Mainstream-Medien abwenden. Der Artikel endet mit einer Aufforderung: Was den­ken Sie über die deut­schen Me­di­en, die Ar­beit von Jour­na­lis­ten und die Be­richt­er­stat­tung des SPIEGEL? Bit­te schrei­ben Sie uns un­ter: LE­SER­MEI­NUNG@SPIEGEL.DE

Wenn ich schon so freundlich gebeten werde…

 

Belehrungen und Feldherrenhügel

Sehr geehrte Frau Hülsen, sehr geehrte Spiegel-Redaktion

„Auch unter Gebildeten gedeiht der Hass auf die sogenannten Mainstream-Medien“, schreiben Sie in Ihrer Ausgabe vom 24. Februar. Überschrieben ist der Artikel mit „Die Wut der klugen Köpfe“, womit dann von Anfang an klar ist, worum es geht: um Wut und Hass natürlich, nicht um Vertrauensverlust, Enttäuschung, Zweifel oder Skepsis. Falls es jemand dann immer noch nicht verstanden hat, kommt der Begriff „Wut“ in unterschiedlichen Formen dann insgesamt elf Mal in Ihrem Text vor.

So schreiben sie über Ihre Leser und Ex-Leser mit einer vertrauten Unterstellung, aus der Michael Kimmel vor einer Weile sogar ein ganze Buch gebastelt hat, „Angry White Men“. Der Begriff „Wutbürger“ unterstellt, dass die Menschen von Emotionen geleitet und aggressiv sind – und dass sie natürlich keine rationalen Gründe haben oder legitime Interessen artikulieren.

Dass keinem ihrer Gesprächspartner dann irgendein Hass anzumerken ist, und dass auch Wut allenfalls unterschwellig spürbar ist – das muss nach Ihrem Auftakt dann gar nicht mehr auffallen.

Der Spiegel war in meiner Jugend Pflichtlektüre unserer Familie, und einer meiner Schritte zum Erwachsenwerden war es, dass ich es eines Tages geschafft hatte, meinen ersten Spiegel-Artikel von Anfang bis Ende durchzulesen. Heute aber lese ich Ihr Magazin kaum noch, hasse es jedoch auch nicht und schaue immerhin bei Spiegel-Online regelmäßig hinein. Meinen Fernseher habe ich nicht wütend aus dem Fenster geschmissen, sondern eines Tages in aller Ruhe in den Keller gebracht, als mir aufgefallen war, dass ich ihn seit etwa zwei Jahren nicht mehr eingeschaltet hatte.

An Ihrem Artikel selbst finde ich schon eine ganze Menge Gründe für diese Abwendung. Der Junior-Professor Artus Kohn-Grimberge erklärt zum Beispiel, er finde es „widerlich“, dass er ständig belehrt werde, was er zu denken habe. Darüber schreiben Sie:

Mit Men­schen wie Krohn-Grim­berg­he hat das Miss­trau­en ge­gen­über Me­di­en ein neu­es Mi­lieu und eine neue Qua­li­tät er­reicht. Es hat sich vor­ge­fres­sen: vom Rand in die Mit­te der Ge­sell­schaft, dort­hin, wo sich Zei­tun­gen und Ma­ga­zi­ne si­cher wähn­ten – zu den Ge­bil­de­ten, po­li­tisch In­ter­es­sier­ten. Das jour­na­lis­ti­sche Selbst­ver­ständ­nis speis­te sich bis­her aus der An­nah­me, dass klu­ge Men­schen ohne klas­si­sche Me­di­en nicht le­ben könn­ten. Jour­na­lis­ten glaub­ten zu wis­sen, für wen sie be­rich­ten, ent­hül­len, kom­men­tie­ren.“

Sie sind sich ganz sicher, dass die Ablehnung eines hochgebildeten Mannes ursprünglich eine Ablehnung von den Rändern der Gesellschaft war. Da kann er noch so viel erklären und argumentieren: Was er sagt, ist ganz bestimmt irgendwie dasselbe wie die „Lügenpresse“-Rufe auf Pegida-Demonstrationen. Das ist unterstellend, aber nicht analysierend.

Die Metapher von der Mitte und den Rändern der Gesellschaft unterläuft Ihnen dabei, ohne dass sie auf die Idee kämen, dass sie gerade ein Teil des Problems sein könnte. Wir sind im Zentrum, und wir werden von den Rändern angegriffen. Als wäre das noch nicht genug, kommen Ihnen dann auch noch die anderen aus der Mitte abhanden, die „Gebildeten, politisch Interessierten“. Dabei dachten Sie doch, dass „kluge Menschen ohne klassische Medien nicht leben könnten.“

Ich kann Ihnen versichern, dass es auch außerhalb Ihrer Mitte und außerhalb der Milieus akademischer Bildung „kluge Menschen“ gibt. Ich selbst beispielsweise war in meiner Familie der Erste, der Abitur gemacht hat, und ich habe meine Eltern immer als sehr kluge, gebildete, politisch interessierte Menschen erlebt. Eben das ist ein Problem, das für den deutschen Journalismus insbesondere in den großen Medien nach meinem Eindruck typisch ist: Sie sitzen in der Mitte der Gesellschaft wie auf einem Feldherrenhügel und schreiben über andere – anstatt zu realisieren, dass diese anderen sich, von ihrer Position aus, ebenfalls als Mitte der Gesellschaft fühlen könnten, und dass sie eher eine offene Diskussion erwarten als Belehrungen von Hügeln herab.

Sie aber schreiben:

Es ist schon er­staun­lich. Der Wunsch nach Kon­sens galt jahr­zehn­te­lang als Ge­heim­nis po­li­ti­scher und ge­sell­schaft­li­cher Sta­bi­li­tät in Deutsch­land. Was ist plötz­lich so schlimm dar­an, dass sich Me­di­en in man­chen Din­gen ei­nig sind? Etwa dar­in, dass Deutsch­land eine hu­ma­ni­tä­re Ver­ant­wor­tung hat, sich um Flücht­lin­ge zu küm­mern, und Ras­sis­mus in die­sem Land kei­nen Platz ha­ben soll­te. An den USA lässt sich ab­le­sen, was eine po­la­ri­sier­te Me­di­en­land­schaft an­rich­ten kann.“

Nun bedeutet eine humanitäre Verantwortung zu akzeptieren ja nicht zwangsläufig, dass eine Regierung die Grenzen öffnet, auf Kontrollen verzichtet und die Verantwortung für die Konsequenzen an die Zivilgesellschaft delegiert. Ich kann zudem entschiedener Gegner des Rassismus sein und das muslimische Kopftuch gleichwohl als Symbol einer furchtbaren Geschlechterordnung wahrnehmen – bei einer ganzen Reihe Ihrer Kollegen stünde ich damit allerdings als Rassist da.

Sie nehmen also spezifische, durchaus fragwürdige politische Positionen ein – formulieren sich diese Positionen aber so, dass jeder gutwillige und vernünftige Mensch ihnen ganz gewiss nur zustimmen könne. Wer dann trotzdem ablehnt, ist entweder irrational, übelwollend oder beides.

Ein Konsens wird so eben gerade nicht hergestellt, denn ein Konsens ersetzt ja nicht die offene Debatte, sondern ist ein Ergebnis von ihr. Das wäre nötig, und das fehlt in Deutschland zunehmend, so wie es in den USA fehlt: Dass wir offene Debatten führen, in denen ganz unterschiedliche Positionen geäußert werden, aber alle Beteiligten nach Gemeinsamkeiten suchen. So wie ich es wahrnehme, reden Rechts und Links nicht mehr miteinander, sondern nur noch übereinander, und dies zunehmend mit Verachtung und großer Unterstellungsbereitschaft.

Wer zündelt hier eigentlich?

Ihre Position trägt zu solchen Spaltungen bei: Sie trennen eine In-Group der Vernünftigen und Gutwilligen von einer Out-Group der irrationalen Hetzer. Die andere Seite wiederum agiert ähnlich ressentimentgeladen – und ich habe den Eindruck, dass Ihnen diese Spiegelung nicht einmal auffällt.

Was sie als Meinungsvielfalt darstellen, entspricht damit etwa der Religionsvielfalt in einer Kleinstadt der amerikanischen Südstaaten: Dort gibt es vielleicht 35 verschiedene protestantische Kirchen, aber schon die „Papisten“ werden als Agenten eines fremden Herrschers, die Juden als Initiatoren einer Weltverschwörung und Muslime als Wesen von einem anderen Stern wahrgenommen.

Zwei Beispiele, die zufällig vom selben Tag stammen, illustrieren das.

 

Genießerische Häme über das Ende eines FAZ-Bloggers

Don Alphonso ist einer der erfolgreichsten Blogger Deutschlands und hat seine Blogs lange bei einer der wichtigsten Zeitungen, der FAZ, geführt. Als die FAZ nun am Dienstag ankündigte, seine und andere Blogs einzustellen, waren die Reaktionen aus politischen Parteien auffallend hämisch. Der Grünen-Politiker Matthias Oomen suggerierte, die Blogs seien auf politischen Druck hin eingestellt worden – was er ausdrücklich begrüßte. Den Protest dagegen beschrieb er mit Begriffen, mit denen einst Angehörige des Adels aufmüpfige Proleten beschreiben, als „unglaubliche Unverschämtheiten“ von einem „niederträchtigen Pack“.

Ganz ähnlich äußerte sich die Linken-Politikerin Anke Domscheit-Berg:

Die Belltower-News der aus öffentlichen Mitteln finanzierten Amadeu-Antonio-Stiftung twitterten mit genießerischer Häme:

Don Alphonso hatte mit seinen Recherchen eine fragwürdig agierende Plattform der Stiftung zum Kippen gebracht und außerdem unangenehme Fragen zur Finanzierung gestellt.

Angesichts der Häme aus der Parteipolitik und politischen Institutionen hätte ich gedacht, dass Journalisten über alle politischen Unterschiede hinweg zumindest Bedauern äußern und diese Häme kritisieren würden – schon im eigenen Interesse an einem unabhängigen Journalismus. Stattdessen stiegen viele von ihnen darauf ein, übernahmen die Beschreibung als „Rechtspopulist“ oder die Verachtung gegenüber seinen Anhängern.

Angesichts der real existierenden Christdemokraten, die ich persönlich kennen gelernt habe, weiß ich, wie hart, ja böse politischer Konservatismus sein kann. Im Vergleich dazu habe ich Don Alphonso nicht als Konservativen, schon gar nicht als Rechtspopulisten, sondern eher als SPD- oder Piraten-Wähler eingeschätzt.

Dass er trotzdem rechtsaußen rubriziert wurde, zeigt ebenso ein In-Group-Out-Group-Denken wie einen uneingestanden verachtungsvollen Blick auf die, die nicht dazugehören: Für deutsche Journalisten ist selbst ein ungemein erfolgreicher Blogger offenbar kein Kollege. Wir sind die Mitte, Du bist der Rand.

 

Bullenhass und Tagesschau

Am selben Tag geriet Patrick Gensing, Chef des Tagesschau-faktenfinder-Portals, ins Gerede. Ein politisch offensichtlich eher rechter Account bei Twitter hatte Tweets über Gensings demonstrative Begeisterung für die Antifa-Band Feine Sahne Fischfilet verbreitet, und der Bild-Chef Julian Reichelt hatte den Tweet weiter geleitet.

Ich kenne Feine Sahne Fischfilet schon lange, habe auch zwei Alben von ihnen und weiß, dass die Band insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern einen Kult-Status besitzt. Sie steht für eine entschiedene Gegnerschaft zu Rechtsaußen-Positionen, die dort in manchen Landesteilen ausgesprochen mutig ist. („Die ganze Nazischeiße hier um uns herum / Wir bleiben weiter offensiv / alles nur nicht stumm“, Stumpfe Parolen)

Andererseits sympathisiert die Band offen mit Gewalt gegen Polizisten:

Helme warten auf Kommando / Knüppel schlagen Köpfe ein / Wasser peitscht sie durch die Straßen / Niemand muss Bulle sein (…) Polizist sein heißt das Menschen mit Meinungen Feinde sind / Ihr verprügelt gerade wieder Kinder als wären’s eure Eigenen (…) Ich mach mich warm weil der Dunkelheitseinbruch sich nähert / Die nächste Bullenwache ist nur einen Steinwurf entfernt / Und der Hass, der steigt / Und unsere Wut, sie treibt“ (Wut)

Oder sie bedient antideutsche Klischees: „Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck! / Gib mir ein ‚like’ gegen Deutschland“ (Gefällt mir)

Ich weiß, dass Gensing tatsächlich harte Aggressionen entgegenschlugen, die auch ich abstoßend finde. Nur eben: Es hat keinen Sinn, Debatten grundsätzlich in eine Schlacht der Guten mit den Bösen einzuteilen. Wer von Arschlöchern beschimpft wird, ist nicht allein deswegen schon integer.

Gerade wurde die Band zu ihrer eigenen Überraschung und zur Veröffentlichung des neuen Albums in der Tagesschau24 vorgestellt. Anstatt aber nun zu fragen, ob die offen demonstrierte Begeisterung für Feine Sahne Fischfilet tatsächlich zum Objektivitätsanspruch eines Tagesschau-Redakteurs passt, erklärten sich viele Journalisten-Kollegen sogleich solidarisch mit Gensing – und griffen Reichelt an, der einen rechtsradikalen Shitstorm unterstützt hätte. Vermittelnde Kommentare gab es lediglich außerhalb der medialen Institutionen:

Gensing selbst erklärte, dass er niemandem für seinen Musikgeschmack eine Erklärung schuldig sei. Damit beruft er sich auf eine Privatangelegenheit, nachdem er selbst zuvor die Grenze zwischen dem privaten und öffentlichen Bereich verwischt hatte. Er räumt nicht einmal die Möglichkeit ein, dass andere sich daran stören können, ohne deswegen gleich Nazis zu sein.

Der öffentliche Raum wird von Gensing und seinen Unterstützern so eben nicht als gemeinsamer Raum verstanden, in dem verschiedene Perspektiven miteinander verschaltet werden können. Sie  beharren auf der Gültigkeit des eigenen Selbstbildes und unterstellen denjenigen, die sie anders wahrnehmen, finstere Motive. Das ist auch dann eine narzisstische Haltung, wenn die Haltung der Gegenseite ebenso unreif und sogar noch aggressiver ist.

 

Die Debatte als Monolog

Bitte missverstehen sie mich nicht: Ich fände diese Situation ebenso deprimierend, wenn Gensing sich demonstrativ distanzlos als begeisterter Fan von Frei.Wild oder den Böhsen Onkelz gezeigt hätte, ohne zu verstehen, warum sich das mit seiner journalistischen Funktion beißen sollte. Ich fände es auch furchbar, wenn ein berühmter und erfolgreicher linker Blogger sein Blog verlieren würde, wenn CDU- und AfD-Politiker daraufhin mit Häme reagierten und Journalisten in diese Häme bereitwillig einstimmten.

Mir geht es nicht um Links-Rechts-Schemata, auch wenn meine eigene politische Heimat links ist. Ich möchte allerdings den Eindruck formulieren, dass der etablierte massenmediale Journalismus weithin um sich selbst kreist und das Interesse an der sozialen und politischen Wirklichkeit verloren hat.

In einem In-Group-Out-Group-Denken werden schon kleine Abweichungen – Zweifel an der Migrationspolitik, klare Gegnerschaft zur militanten Antifa, Zweifel an feministischen Positionen zum Beispiel – als Signal der Nichtzugehörigkeit gewertet. So hat denn die Strukturierung des kleinen eigenen sozialen Umfelds allzeit Vorrang vor der offenen Auseinandersetzung mit der großen sozialen Wirklichkeit da draußen, an den Rändern. Das gibt sich zur Zeit links, es ist aber keine linke Position und wird sich vielleicht morgen schon als rechts verkaufen, wenn das dann opportuner sein sollte.

Es ist, als hätten Sie immer schon alle Antworten, bevor Sie überhaupt eine Frage gestellt oder gar die Fragen anderer gehört hätten. Eine offene Debatte erübrigt sich, weil die eigentlich richtigen Positionen ja immer schon bekannt sind – allenfalls geht es noch darum, von der Mitte der Gesellschaft aus die Ränder von diesen Antworten zu überzeugen. Es ist kein Wunder, dass viele Menschen sich darin nicht mehr wiederfinden.

Könnte es sein, dass Menschen einfach Besseres zu tun haben, als sich mit Massenmedien zu beschäftigen?

Für mich als Trennungsvater war insbesondere der Monolog, den Sie „Geschlechterdebatte“ nennen, ein Grund, gegenüber traditionellen Medien skeptisch zu werden. Positionen, die dem Feminismus gegenüber kritisch sind, kommen in diesem Monolog kaum vor – wenn aber Positionen feministisch sind, dann ist jedes Ressentiment, jede beliebige Unterstellungsbereitschaft irgendwie in Ordnung. Sonst hätte etwa Margarete Stokowski, entschlossene Kämpferin gegen selbstgebastelte Strohmänner, keine wöchentliche Kolumne im Spiegel, und in der taz gäbe es nicht die strunzdumme Kolumne Dumme weiße Männer.

Ich habe gleich mehrfach erlebt, wie Väter, die um den Kontakt zu ihren Kindern kämpfen, deshalb medial als „rechts“ oder als „frauenfeindlich“ hingestellt wurden. Auch dies geschieht im Gleichschritt mit parteipolitischen Vorgaben – die Diffamierung dieser Väter als reaktionäre Antifeministen stammt aus Schriften politischer Stiftungen der SPD und der Grünen.

Wesentlich substanzieller als alles, was ich von Stokowski, Wizorek, Antje Schrupp und anderen gelesen habe, ist Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik. Das Desinteresse etablierter Medien an dieser ungeheuer faktenreichen Schrift ist nur mit einem Desinteresse an einem offenen Dialog zu erklären – und mit einem Desinteresse an Aspekten der sozialen Wirklichkeit, die eigenen Vorannahmen widersprechen.

Die großen Medien waren für mich früher eine Bereicherung, ein Blick in eine Welt, die ich nicht kannte. Heute aber empfinde ich sie als Verarmung – als ewige Wiederholung des Immergleichen in einer Wirklichkeit, die sehr viel widersprüchlicher, vielfältiger, schwieriger, aber eben auch reicher ist, als ich sie medial präsentiert bekomme.

Wenn ich mich von dieser Präsentation abwende, dann ist das kein Zeichen von Wut oder Hass.

Mir ist mein Leben nur zu schade, um für das, was Sie daraus machen, allzu viel Zeit zu verwenden.

Viele Grüße trotzdem

Lucas Schoppe

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28 Comments

  • Was ‚die Medien‘, wie der Spiegel, und alle anderen Mainstreammedien derzeit erleben, ist eine Hinwendung zum Atheismus, auf Basis der Aufklaerung, welche in den ‚alternativen Medien‘ geschieht. Die Masse ist es muede, die taegliche links-gruen-feministische Bergpredigt zu rezipieren, deren Nuetzlichkeit und Glaubwuerdigkeit auch noch meilenweit entfernt vom Original ist.

    Anstatt das einzusehen, praktizieren die Massenmedien den Ablasshandel, wie die mittelalterliche katholische Kirche. Der „Unglaeubige“ oder Suender wird so lange maltraetiert, bis er sich unterwirft oder seinen ideologischen Obulus an die links-gruen-feministische Kirche entrichtet. Das hat schon Kalifats-Qualitaeten.

  • „Belehrungen und Feldherrenhügel

    Sehr geehrte Frau Hülsen, sehr geehrte Spiegel-Redaktion

    „Auch unter Gebildeten gedeiht der Hass auf die sogenannten Mainstream-Medien“, schreiben Sie in Ihrer Ausgabe vom 24. Februar. Überschrieben ist der Artikel mit „Die Wut der klugen Köpfe“, womit dann von Anfang an klar ist, worum es geht: um Wut und Hass natürlich, nicht um Vertrauensverlust, Enttäuschung, Zweifel oder Skepsis. Falls es jemand dann immer noch nicht verstanden hat, kommt der Begriff „Wut“ in unterschiedlichen Formen dann insgesamt elf Mal in Ihrem Text vor.

    So schreiben sie über Ihre Leser und Ex-Leser mit einer vertrauten Unterstellung, aus der Michael Kimmel vor einer Weile sogar ein ganze Buch gebastelt hat, „Angry White Men“. Der Begriff „Wutbürger“ unterstellt, dass die Menschen von Emotionen geleitet und aggressiv sind – und dass sie natürlich keine rationalen Gründe haben oder legitime Interessen artikulieren.

    #Wutbürger pic.twitter.com/CUpywjV6PL

    — Pixel Politiker (@Pixel_Politiker) March 8, 2018

    Dass keinem ihrer Gesprächspartner dann irgendein Hass anzumerken ist, und dass auch Wut allenfalls unterschwellig spürbar ist – das muss nach Ihrem Auftakt dann gar nicht mehr auffallen.
    […Hier habe ich um der Lesbarkeit Willen gekürzt – ich bedanke mich aber für die Zustimmung zum ganzen Brief! Die freut mich. LS]

    Es ist, als hätten Sie immer schon alle Antworten, bevor Sie überhaupt eine Frage gestellt oder gar die Fragen anderer gehört hätten. Eine offene Debatte erübrigt sich, weil die eigentlich richtigen Positionen ja immer schon bekannt sind – allenfalls geht es noch darum, von der Mitte der Gesellschaft aus die Ränder von diesen Antworten zu überzeugen. Es ist kein Wunder, dass viele Menschen sich darin nicht mehr wiederfinden.

    Könnte es sein, dass Menschen einfach Besseres zu tun haben, als sich mit Massenmedien zu beschäftigen?

    Für mich als Trennungsvater war insbesondere der Monolog, den Sie „Geschlechterdebatte“ nennen, ein Grund, gegenüber traditionellen Medien skeptisch zu werden. Positionen, die dem Feminismus gegenüber kritisch sind, kommen in diesem Monolog kaum vor – wenn aber Positionen feministisch sind, dann ist jedes Ressentiment, jede beliebige Unterstellungsbereitschaft irgendwie in Ordnung. Sonst hätte etwa Margarete Stokowski, entschlossene Kämpferin gegen selbstgebastelte Strohmänner, keine wöchentliche Kolumne im Spiegel, und in der taz gäbe es nicht die strunzdumme Kolumne Dumme weiße Männer.

    Ich habe gleich mehrfach erlebt, wie Väter, die um den Kontakt zu ihren Kindern kämpfen, deshalb medial als „rechts“ oder als „frauenfeindlich“ hingestellt wurden. Auch dies geschieht im Gleichschritt mit parteipolitischen Vorgaben – die Diffamierung dieser Väter als reaktionäre Antifeministen stammt aus Schriften politischer Stiftungen der SPD und der Grünen.

    Wesentlich substanzieller als alles, was ich von Stokowski, Wizorek, Antje Schrupp und anderen gelesen habe, ist Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik. Das Desinteresse etablierter Medien an dieser ungeheuer faktenreichen Schrift ist nur mit einem Desinteresse an einem offenen Dialog zu erklären – und mit einem Desinteresse an Aspekten der sozialen Wirklichkeit, die eigenen Vorannahmen widersprechen.

    Die großen Medien waren für mich früher eine Bereicherung, ein Blick in eine Welt, die ich nicht kannte. Heute aber empfinde ich sie als Verarmung – als ewige Wiederholung des Immergleichen in einer Wirklichkeit, die sehr viel widersprüchlicher, vielfältiger, schwieriger, aber eben auch reicher ist, als ich sie medial präsentiert bekomme.

    Wenn ich mich von dieser Präsentation abwende, dann ist das kein Zeichen von Wut oder Hass.

    Mir ist mein Leben nur zu schade, um für das, was Sie daraus machen, allzu viel Zeit zu verwenden.

    Viele Grüße trotzdem

    Lucas Schoppe“, Andreas Ganz

        • @ Andreas Danke dafür, dass Du den Brief mit unterschreibst! Ich habe es in der Mitte gekürzt, weil es gerade am Handy die Lektüre der Kommentare etwas erschwert, wenn ein Kommentar zu lang wird.

          Ich hab an den Spiegel nicht den Text des Artikels, sondern den Link zum Artikel im Blog geschickt – da ist es sehr gut, wenn hier in den Kommentaren klar wird, dass andere der Position ganz zustimmen können.

  • Lieber Lucas Schoppe,

    ganz großer Respekt, eine inhaltlich ausgewogene, differenzierte und reflektierte, sprachlich hochstehende Analyse, die Wort für Wort das unausgesprochene und teilweise ungedachte Gefühl in mir trifft. Danke!

  • Wer einen Blick in die nahe Zukunft unserer Medienwelt werfen will, der sollte seinen Blick auf die USA richten.
    Die maximale Polarisation führt letztendlich zu reiner Propaganda. Im Fall der USA gibt es genau zwei mediale Realitäten: Die der Demokraten und die der Republikaner. Abwägende, um Sachlichkeit bemühte Standpunkte verschwinden mehr und mehr. Wer es nicht glaubt, sollte sich mal Fox News und MSNBC anhören. Das ist wahrscheinlich unsere Zukunft. Kampf gegen rechts und Kampf gegen links. Eine Mitte gibt es nicht mehr.

    Wenn hier von sogenannten Wutbürgern die Rede ist, dann haben die grossen Medien einen beachtlichen Anteil an der erschaffung dieses Phänomens. Die Online-Medien und ihre Abhängigkeit von Clicks und der daraus resultierenden Werbeeinahmen polarisieren, weil das erfahrungsgemäss Clicks generiert. Sie sind ein Treiber dieser Entwicklung, für die sie jetzt Krokodilstränen vergiessen. Nebst den Medien betrieben auch die Parteien dieses Spiel. Da werden grosse Teile der Bevölkerung beschimpft und ihnen jede Menschlichkeit abgesprochen und gleichzeitig stellt man sich als die grossen Menschenfreunde dar, die gegen Fake news und hate speech kämpfen. Ein solche aufgeblasene Selbstgerechtigkeit, eine solche Bigotterie, eine solche Gehässigkeit muss doch Wut und Hass erzeugen. das ist eine völlig normale und voraussehbare Reaktion.

    • Wenn man Wutbürger in Aktion erleben will, muss man nur mal Ralf Stegner, Karl Lauterbach oder Matthias Oomen auf Twitter folgen. Da geht es ständig darum, Diskussionen aufzuheizen, und auch darum, aufgeheizte Gegenreaktionen zu produzieren.

  • Die Zeitschriften bzw „Printmedien“ haben mit dem Aufkommen des Internets ihr Geschäftsmodell verloren, welches sie nach Ende WK2 gross und milde gemacht hat: Einnahmen aus der Werbeindustrie.

    Jetzt scheinen sie zu ihrem ganz alten Geschäftsmodell zurückzufinden, dem Kreieren und dem Anfeuern politischer Parteilichkeit.

    Die letzten Medien, die dem modernen nach-WK2-Anspruch auf „objektive Berichterstattung“ noch am besten bedienen sind nicht zufälligerweise mit der Wirtschaft oder Wirtschaftsstandorten engstens verbunden, die FAZ, NZZ und das „Wall Street Journal“.

    Die Propagandierung politischen Extremismus zum Anfeuern politischer Leidenschaften sickerte von den linken bzw links-liberalen Medien in die breite Öffentlichkeit. Die Jahrtausendwende ist hier der entscheidene Wendepunkt.

    Wenn den Medien an ihrem Überleben liegt, werden sie diesen Weg des Politikmachens konsequent weiter beschreiten. Die Frage ist, ob sie ihrem Publikum das verkaufen können. Solange keine grösseren wirtschaftlichen Verwerfungen passieren und ernsthaft Bedarf nach politischer Anfeuerung steigert, ist meines Erachtens das Schicksal der Zeitschriften auf neuer Linie besiegelt.

    Es gibt also Grund zur Hoffnung auf die Rückkehr einer vernünftigeren veröffentlichten Meinung 🙂

    • Da sehe ich sehr ähnlich. Man muß sich nur als Beispiel das Interview von Annalena Baerbock (Vorsitzende der Grünen) gestern auf Zeit Online ansehen: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2018-03/gruenen-annalena-baerbock-vorsitzende-weltfrauentag-sexismus/komplettansicht
      Dort preist die Dame das verfassungswidrige Frauenstatut („… Quoten für Ämter. Auch Redelisten und Wahllisten …“) an und bekommt so ungefähr die Nachfrage, ob da nicht noch mehr geht. Noch devoter vor dem Feminismus geht es nicht. Ihren Geschlechterrassismus verkauft sie als Maßnahme gegen Sexismus – ich frage mich verzweifelt, wieso dieser innere Widerspruch nicht jedem mit einem IQ > 80 auffällt.

      Da das beim Spiegel nicht viel anders ist, wird auch der schöne Brief von Lucas wohl unverstanden oder sogar ungelesen bleiben.

      • Oh ja, der Artikel ist quasi allererste Sahne Fischfilet!

        „ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil unter den Grünen-Parteimitgliedern liegt bei 41 Prozent. Von den Grünen-Abgeordneten sind aber 58 Prozent Frauen. Ist das nicht aktive Männerdiskriminierung?

        Baerbock: Nein, das ist aktive Frauenpolitik.“

        Was ein sehr hübsches Eingeständnis ist. Wie leicht kann man lechts und rinks velwechsern.

        „Ich bin stolz drauf, dass das bei uns so ist. Bei uns ist geklärt, dass Listen quotiert besetzt werden – Platz eins gehört einer Frau.“

        Das wiederum würde ich „weibliches Dominanzgehabe“ nennen.
        Strukturell bedingt, sozusagen.

        Aber die ominösen „Strukturen“ sind noch wesentlich struktureller:

        „ZEIT ONLINE: Der Frauenanteil bei den Grünen liegt bei 41 Prozent, das ist der beste Wert unter allen im Bundestag vertretenen Parteien. Trotzdem ist das weniger als die Hälfte. Woran liegt das?

        Baerbock: Strukturelle Diskriminierung betrifft auch Parteien. Das fängt damit an, dass Parteiveranstaltungen oft abends um 19 Uhr beginnen. Wenn man wie ich kleine Kinder hat, kollidiert das voll mit dem Abendbrot und der Gute-Nacht-Geschichte.“

        Hmmmmm…
        58% der Abgeordneten der Grünen sind Frauen – man könnte also sagen, sie haben eine solide Mehrheit.
        Diese Mehrheit wiederum ist nicht in der Lage, auf die Partei dahingehend einzuwirken, diese „strukturelle Diskriminierung“ von Frauen zu beseitigen?
        Ab wie viel Prozent Abgeordnet*innen* wird ihnen eigentlich bewusst, dass sie diese „Struktur“ selber sind? 60%? 70%? 110%?

        Ich finde es lustig, wie das weiblich-grüne Establishment sich einerseits Pfründe in dieser Partei sichert, andererseits sich als Protestbewegung gegen eben dieses Establishment verkauft.
        Welches sie mehrheitlich selber bilden.

        Ihr „Wenn man wie ich kleine Kinder hat, kollidiert das voll mit dem Abendbrot und der Gute-Nacht-Geschichte.“ kollidiert ein wenig mit der Idee einer partnerschaftlichen Beziehung, in der Kinderbetreuung auch vom ihrem Mann zu leisten wäre.
        In ihrer Version der „strukturellen Diskriminierung“ von Frauen ist Voraussetzung, „Abendbrot und Gute-Nacht-Geschichte“ sei Frauensache. Weil es sich sonst um keine Diskriminierung *von Frauen* handeln könnte.

        Was bedeutet, bei den Grünen können „strukturell“ nur Frauen mit traditionellen Vorstellungen von Partnerschaft und Kindererziehung diskriminiert werden.
        Durch grüne Frauen, die diese „Strukturen“ erst ermöglichen.
        Hmmmmm….50 shades of Hmmmmmmmm.

        Die Aussagen sind erst dann im gemeinten Sinn nachvollziehbar, wenn man sich im gleichen ideologischen Umfeld bewegt und das gleiche Geschlecht hat.
        Eine Heilslehre zu hinterfragen verbietet sich von selbst.
        Was die Journalistin nicht begreift, wer ihren Glauben nicht teilt, wird die Verkündigung einer Heilslehre nicht mit Journalismus verwechseln.

        Viele Kunden hat der „Wachturm“ nicht – wenigstens handelt es sich bei denen um die Auserwählten.
        Vielleicht ist das das Schicksal der „Zeit“?
        Demnächst in ihrer Fußgängerzone! 🙂

        • „Hmmmmm….50 shades of Hmmmmmmmm“ 😛

          „Ich finde es lustig, wie das weiblich-grüne Establishment sich einerseits Pfründe in dieser Partei sichert, andererseits sich als Protestbewegung gegen eben dieses Establishment verkauft.
          Welches sie mehrheitlich selber bilden.“

          Also wenn das feministische Establishment etwas kann, dann genau dies.

  • Der Artikel von Isabell Hülsen ist doch symptomatisch für den Verfall des Journalismus. Es geht nur darum die Schuld bei Anderen zu suchen und Kritik abzuwehren. Permanente Uneinsichtigkeit und ideologische Verbohrtheit verhindern Selbstkritik. Das intellektuelle Niveau der Journalisten ist in den letzten 30 Jahren verkommen, während deren Selbstverständnis ungeahnte Höhen von Arroganz und Narzissmus erreicht hat. Die Fähigkeiten zu kritischer Analyse ist durch opportunistische Propaganda ersetzt worden. Jeder, außer den Journalisten selbst kann erkennen, dass der Kaiser nackt ist.

    • Mal etwas offtopic: Wie bekommt man denn hier so ein nettes Foto als Avatar? Ich finde mein dunkellilanes, irgendwie an ein Hakenkreuz erinnerndes Symbol als nervig, fast schon beleidigend. Lila, die Farbe der Elite. Schon komisch, warum der Feminismus ausgerechnet Lila als Farbe beansprucht.
      Stand doch im alten Rom für den Senatsadel (purpurne Toga), war einst nur Fürsten, Bischöfen und Kardinälen vorbehalten. Hm, seltsame Konnotation für eine Bewegung von angeblich Unterdrückten…es scheint dort weniger um Befreiung, als um Herrschaft zu gehen.

  • „Die Wut der klugen Köpfe“ an sich ist schon eine Überheblichkeit, die einen fast den Kragen platzen lässt. Die Wut auf die Mainstream-Medien gibt es schon länger – und nicht alle sind Idioten!
    Wenn man jetzt die „klugen Köpfe“ an ihrem potentiellen Bildungsstandard (Abitur, Studium) festmachen will und dabei auf Genderschwachköpfe trifft – oder auf Abiturienten/Studenten, die nicht mal dazu in der Lage sind 2-3 Sätze fehlerfrei zu schreiben oder sinnerfassend zu lesen (und u.a. deshalb zu blöd sind, den Flächeninhalt einer Tischplatte auszurechnen), dann kann man als „ungebildeter“ Mensch mit nur Realschulabschluss und Ausbildung ja schon stolz auf sich sein. (Kann man sowieso. 😉 )

    Wie borniert und asozial muss man eigentlich sein, wenn man Kritik an den Medien erst ernst nimmt, wenn man sie erst bei „klugen und gebildeten Menschen wahrnimmt?

    • Wie borniert und asozial muss man eigentlich sein, wenn man Kritik an den Medien erst ernst nimmt, wenn man sie erst bei „klugen und gebildeten Menschen wahrnimmt?

      Die Medien nehmen die Kritik auch jetzt nicht ernst und werden weiter die Polarisierung anheizen. In den USA war die Wahl von Trump für viele Zeitungen ein wahrer Segen, was die These stützt, dass eine gespaltene Gesellschaft – in den USA Demokraten und Republikaner – für die Medien und deren Verkaufszahlen eine gute Sache ist.
      Es gibt da bei den Parteien und deren Politikern, einigen zumindest, was mich regelmässig „auf die Palme“ bringt. Es ist die überhebliche Art, wie sie auf Kritik reagieren, wenn sie sagen, sie müssten dem Bürger, diesem einfältigen Nichtversteher, ihre Politik besser erklären. Da habe ich regelmässig das Gefühl, ich sollte denen einen Tritt in den A… verabreichen.

      • Die Medien nehmen die Kritik auch jetzt nicht ernst…

        Prinzipiell würde ich das gar nicht mal sagen. Vor ein paar Tagen habe ich erst gelesen, dass bspw. Claus Kleber sich beim Sprechen der Nachrichten mittlerweile durchaus einige Spitzen gegen Trump verkneift, weil er weiß, dass die Menschen genervt davon sind und auch entsprechende Kritik äußern.

        Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht ist die Stichelei bei Trump zu offensichtlich unsachlich, während bspw. das Märchen vom Gender Pay Gap oder von der armen, von Gewalt bedrohten Frau so tief in den Köpfen der Menschen steckt, dass dort niemand mehr wagt oder die Notwendigkeit sieht, etwas zu hinterfragen.
        Zumal Kinder ja in der Schule schon lernen, dass Mädchen und Frauen stets benachteiligt werden, Jungen und Männer dagegen niemals. So wurde dann letztes Jahr an meiner ehemaligen Schule auch ein Projekt gestartet, mit dem Schüler in der Fußgängerzone auf diese Ungerechtigkeit bei der Bezahlung von Männlein und Weiblein aufmerksam machten.
        Darunter auch Frauen und Kinder…

        Aah – sorry, ein Freud’scher Verschreiber. Darunter auch Jungen.

        Irgendwann kommt also auch bei den ideologisierten, strunzdummen Medienschaffenden mal etwas an. Aber dazu müssen wir vielleicht noch präsenter und lauter werden. Was natürlich nicht leicht ist, wenn „politisch unkorrekte“ Meinungen zensiert oder als Nazi-Sprech verunglimpft werden.

  • Es wäre mir viel zu anstrengend, über das, was Politik und Medien so verbreiten, auch noch wütend zu werden. Ich gehöre offenbar zur Zielgruppe dieses Artikels, da ich typisch “ kluge Mittelschicht“ bin (Akademiker, Ende 40). Ich bin mittlerweile einfach nur noch bodenlos enttäuscht, dass Parteien wie die SPD und die Grünen, die ich früher bedenkenlos gewählt habe (da war ich offenbar noch jung und dumm) und Medien, denen ich früher blind vertraut habe (dazu gehörte der Spiegel), mir keine sinnvolle Politik und keine kritische Berichterstattung, sondern nur noch Machtpolitik mit Durchsetzung von Partikularinteressen und journalistische Glaubensbekenntnisse (und nebenbei noch Liebedienerei zu mancherlei Ideologien) anbieten, und offenbar meinen, dass ich, als mittlerweile einigermaßen lebenserfahrener Mensch, Scheiße nicht am Geruch erkenne. Nein, ich bitte für den drastischen Ausdruck nicht um Entschuldigung.

    Nehmen wir mal das Beispiel der Essener Tafel mit der Entscheidung, derzeit keine Ausländer mehr neu aufzunehmen. Da schlagen die Empörungswellen in Politik und Medien einhellig hoch und überbieten sich in schrillen Tönen. Die Aktiven vor Ort sind ihres Lebens kaum noch sicher, weil selbsternannte Antifaschichten reflexhaft alles als Nazi bezeichnen, was nicht zu ihrer Ideologie passt. Ja, die Entscheidung erscheint wenig glücklich. Was ich aber in all der Aufregung vermisse: eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Situation vor Ort, intensive Recherche durch die Medien, Politiker, die sich einen wirklichen Eindruck verschaffen (im Unterschied zu einem Pressetermin). Und dann die entsprechende mediale Aufbereitung der Erkenntnisse. Da wird nicht gefragt „Was ist da wirklich los?“, da wird gleich zum Halali geblasen. Und als Krönung kommt noch so ein Berufspolitiker daher und tönt, wer Hartz IV bezieht, müsste nicht zur Tafel gehen – sagt jemand, dessen Jahresgehalt wohl knapp sechsstellig ausfällt. Wo ist da die ernsthafte Auseinandersetzung sowohl auf politischer als auch auf medialer Ebene? Und das soll ich dann als Bürger und Medienkonsument gutheißen? (Davon, dass die Tafeln seit Einführung der Hartz-IV-Gesetze sprunghaft mehr geworden sind, will ich gar nicht mal anfangen – auch das wäre mal eine tiefgreifende Hintergrundrecherche wert, was da wirklich für Mechanismen wirken)

    Ich habe keineswegs etwas dagegen, wenn in den Medien persönliche Kommentare und Meinungen der Verantwortlichen erscheinen – selbstverständlich „dürfen“ auch Medienmacher eine Meinung vertreten. Das dann aber bitte auch ausdrücklich so deklariert. (So wie das obige Beispiel mit der Musik). In den Medien gehen mir redaktionelle und Meinungselemente aber zu oft nahtlos ineinander über. Hier muss meines Erachtens eine größere Sorgfalt und mehr Selbstkritik her.

  • „…Medien, denen ich früher blind vertraut habe …. mir keine sinnvolle Politik und keine kritische Berichterstattung, sondern nur noch … journalistische Glaubensbekenntnisse (und nebenbei noch Liebedienerei zu mancherlei Ideologien) anbieten,“

    Willkommen im Club!
    Geht mit genauso. Selbst bei der früher sakrosankten Tagesschau habe ich dermaßen viel Desinformation gefunden, daß ich prinzipiell das Vertrauen verloren habe.

    Ich frage mich, wie man überhaupt noch einen einigermaßen unverzerrten Informationsstand bekommen kann. Was zu der Frage führt,was überhaupt die wichtigen Probleme sind, denn man hat nur endlich viel Zeit und kann nicht überall mitmischen. Das wäre sogar eine Frage, die wir hier einmal diskutieren sollten: welche Themenbereiche sind wie wichtig.

  • „Der Spiegel war in meiner Jugend Pflichtlektüre unserer Familie, und einer meiner Schritte zum Erwachsenwerden war es, dass ich es eines Tages geschafft hatte, meinen ersten Spiegel-Artikel von Anfang bis Ende durchzulesen.“

    Bei mir war das ganz ähnlich! Als 14jähriger habe ich mich eines Tages der Herausforderung gestellt: Ich habe im „Spiegel“ meines Vaters den längsten Artikel herausgesucht und dann durchgelesen. Und als ich damit fertig war, hab‘ ich ihn nochmal gelesen.

    Dann allerdings begannen meine Gewissensqualen: Mir schien es erforderlich, diesen überaus wichtigen Text nicht nur mehrfach zu lesen, sondern darüber hinaus noch mit einem Rotstift alle wichtigen Textstellen zu markieren. Allerdings: es war der „Spiegel“ meines Vaters! Konnte ich es wagen, seine allabendliche Lektüre derart zu verunzieren?

    Mit dieser schweren Gewissensfrage habe ich schließlich am Wohnzimmer-Tisch Platz genommen und mit meinem Eltern zu Abend gegessen. Ich muß wohl ein recht angespanntes Gesicht gemacht haben. Jedenfalls hatte ich keinen großen Appetit und habe auch nicht viel runter bekommen. Später konnte ich dann hören, wie meine Mutter zu meinem Vater in der Küche sagte: „Ollie – der Junge hat doch was! Ich glaub‘, wir müssen zum Arzt …!“

    In späteren Jahren habe ich dann häufig bei Problemen oder auch Rückschlägen ein paar „Spiegel“-Artikel gelesen: Das hat mich wieder aufgebaut, danach kam ich mir immer so gestählt vor: wissend um die Geheimnisse dieser finsteren Gesellschaft. Mich würden sie nicht unterkriegen!

    Schoppe – wir sind Seelenverwandte, Brüder im Geiste 😉

    Ja, und das ist alles, was vom „Spiegel“ übrig geblieben ist, wirklich alles.

    Aber dafür gibt’s ja bei Schoppe immer großartige Recherchen und Analysen. Wie die Zeiten sich doch ändern!

  • Bestimmte Emotionen wie Wut oder Hass können je nach gemachten Erfahrungen nachvollziehbar sein.
    Niemand würde von einem Vergewaltigungsopfer verlangen, den Täter oder die Täterin zu lieben (außer vielleicht Christus höchstselbst), aber gar keine Emotion wäre aber auch selbstzerstörerisch.
    Und Wut und Hass auf Verhältnisse, die einen kaputt machen, kann auch verständlich sein.
    Andererseits kann Liebe, oder was man dafür hält, auch zerstörerisch sein, für einen selbst oder für Andere, auch für Unbeteiligte.
    Im Namen der Liebe wurden schon unsägliche Verbrechen begangen. Liebe zur Heimat, Liebe zur Rasse, Liebe zu Jesus, zu Gott, Liebe zu Frauen oder Männern, Liebe zum Erfolg, Selbstliebe usw.
    Entscheidend ist doch, nicht völlig von seinen Emotionen gesteuert zu werden, sondern immer noch eine Ebene zu haben, mit der man sie kontrollieren kann, wie z.B. Vernunft.
    Auch umgekehrt, nackte Zweckrationalität macht eine menschliche Lebensweise unmöglich.
    Man darf Emotionen haben (steht auch im GG, „freie Entfaltung der Persönlichkeit“, manche sind duldsamer, manche ungeduldiger usw.), ob nun je nach Situation Wut oder Duldsamkeit schädlich sind, kann man nicht von vornherein bestimmen.
    Interessant sind Leute, die anderen ihre Emotionen verbieten wollen, die angeblich positive Emotionen gepachtet, alles Negative anscheinend abgespalten haben, angeblich „den Hass“ bekämpfen, aber wenn man genau hinsieht, trieft denen der Hass aus allen Poren, spätestens, wenn ihr Kreuzzug der Liebe irgendwo nicht auf Gegenliebe stößt.
    Es gibt kaum etwas Gefährlicheres als verschmähte Liebe, besonders von mächtigen Frauen, das wußte schon Homer, siehe die Entstehung des trojanischen Krieges.

    Ich denke, man kann wütend auf Feministinnen sein, ohne vom Hass zerfressen zu werden, aber man muss für sich irgendwann zu konstruktiven Maßnahmen kommen, und auch öffentlich wirksam werden, und nicht in der persönlichen Emoblase versinken.
    Ich schlage hiermit vor, z.B. schon mal frühzeitig zu planen, was man am nächsten Tag des Mannes (nicht Herrentag, den anderen), machen könnte. Der letzte war eher enttäuschend, fand ich.

    Warum nicht einfach bei einem bundesweiten oder weltweiten Aktionstag die Pink Pussy Hats spiegeln?
    Z.B. mit Blue Dick Hats !
    Also sowas wie eine medienwirksame Männerdemo (Sympathisantinnen ausdrücklich eingeladen, wir sind nicht so intolerant!), mit blauen Basecaps oder meinetwegen Bauarbeiter-oder Motorradhelmen (wir Männer stricken halt meist nicht so gerne), draufgeschnallt eine große Salami oder Fleischwurst, oder für Vegetarier auch ein Maiskolben, hinten zwei Bommeln dranhängen, und bei so einer machtvollen Demonstration
    würde bestimmt jeder Feministin das Lachen über „Male Tears“ im Hals steckenbleiben! Die Lächerlichmachung der Männer muss endlich ein Ende haben !
    Nur so als Anregung, natürlich ist bis dahin noch reichlich Zeit, um die Idee perfundieren zu lassen.

  • Mir fiel beim nichmaligen Durchlesen des Artikels, den ich übrigens auch unterschreiben würde, ein Film ein, den ich mal vor ein paar Jahren gesehen habe, war glaub bei arte.
    Eine schwarze Komödie aus Norwegen, Regisseur Bård Breien, über die Heuchelei des positiven Denkens namens „Die Kunst des negativen Denkens“.
    Ich kann mich erinnern, der Zwang, Alles und Jedes positiv sehen zu müssen, alles ständig zu bejahen, ist mir zuerst irgendwann Anfang der Achtziger begegnet, in der späthippiesken Alternativ-Esoterikwelle. In den Neunzigern wurde man dann auf allen Kanälen plötzlich mit dem ganzen Motivationstrainertum bombardiert, Firmen schickten ganze Belegschaften zu solchen, für die Dozenten äußerst lukraitven Seminaren, parallel zur damaligen Tendenz, alle möglichen Arbeitsrechte aufzuweichen, zu flexibilisieren, und die deutsche Arbeiterschaft pauschal a!s faul und von maßlosen Ansprüchen getrieben zu beschimpfen.
    Man solle doch das ganze althergebrachte Brimborium wie Kündigungsschutz, Tariflohn etc. vergessen, Hauptsache, man ist motiviert, und betrachtet das Glas immer als halb voll, was auch immer kommen möge. Die Macht des positiven Denkens mache einen auch so zum Gewinnertypen, ohne irgendwelche Rechte oder geregelte Arbeitszeiten und das ganze negative Anspruchsdenken usw.
    Einfach Augen zu und durch, und dabei positiv bleiben, dann kommt der Erfolg ganz natürlich wie von selbst !
    Im Grunde eine Form von Listen and Believe.
    Irgendwann war der Spuk dann vorbei, hatte sich irgendwie tot gelaufen, irgend so ein Topguru wurde auch wegen Steuerhinterziehung verknackt.
    Aber die Attitüde hat sich wohl doch in vielen Köpfen festgesetzt, in manchen war es eh schon drin, besonders bei den Grünen und ihrer Klientel, kam ja aus deren Ursprüngen sozusagen.
    Eso+Alternativ+Opportunistisch+Emotionszentriert.
    Wir fassen uns alle an den Händen, singen ein Lied, zünden eine Kerze an und fühlen die positive Energie des Guten, die uns durchflutet. Und diese Energie wird in die Welt abstrahlen und Alles zum Besseren wenden.
    Naja, jetzt sind die Kinderchen dieser Leute irgendwas mit Medien, und irgendwas von der Prägung bleibt ja immer hängen, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Dazu gehört noch etwas moralinsaure Erhabenheit, und schon hat man die medialen Social Justice Warriors von heute.
    Aber der Film ist wirklich köstlich, die Norweger stehen den Briten in puncto Schwarzer Humor kaum nach, und scheinen mir schon immer ein positives skandinavisches Gegenstück zu den Schweden zu sein.

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