Armut Hate Speech Identitätspolitik

Das Versinken der Linken in Mythos und Kitsch

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ausgerechnet in einer Situation, in der eine Politik von Rechtsaußen in vielen Ländern Europas erfolgreich wie lange nicht ist, zieht sich die politische Linke in Identitätsdebatten zurück, die eine deutlich erkennbare religiöse Struktur haben. Was soll das?

 

Aufklärung schlägt in Mythologie zurück. (Theodor W. Adorno/Max Horkheimer)

Wie können die beiden Aufklärer, die sie immer noch sind, den vernünftigen Gehalt der kulturellen Moderne so unterschätzen, daß sie in allem nur eine Legierung von Vernunft und Herrschaft, Macht und Geltung wahrnehmen? (Jürgen Habermas)

 

Kain und Abel, NoHateSpeech und der rumopfernde Blogger

„Bitte opfern Sie doch nicht so rum.“

Mit diesem Satz antwortete die Plattform NoHateSpeechDE, die zu einer Kampagne des Europarats gehört, auf den Blogger Christian Schmidt, der sich ironisch schuldig dafür bekannt hatte, ein Mann zu sein.

Rumopfern – damit ist wohl eine demonstrative Haltung von Menschen gemeint, die sich zwar als Opfer präsentieren, denen es aber tatsächlich besser gehe als anderen. Wer jedoch befugt und zuständig  ist, die verbindliche Unterscheidung zwischen falschen und ordnungsgemäßen Opfern zu treffen, verrät NoHateSpeech nicht, jedenfalls nicht rundweg überzeugend.

Die Entscheidung, wer Opfer ist und wer nicht, steht also den Opfern zu. Das dreht sich im Kreis, wenn auch immerhin bekannt ist, dass diese Opfer meist weiblich sind, warum auch immer.

Der Satz gefiel der Plattform jedenfalls so gut, dass sie ihn einige Woche später noch einmal mit einem Bild zusammen präsentierte:

Kain und Abel, wie sie ihr biblisches Opfer darbringen. Das Opfer Abels, der hier passenderweise sehr feminin aussieht, wird von Gott angenommen, raucht eindrucksvoll gen Himmel. Der vollbärtige Kain hingegen ist ein Opfer-Stümper, sein Rauch nebelt nur ihn selbst ein, und er so bleibt ihm nichts als der Blick auf den Profi-Opferer Abel. Kain hält schon die Spitzhacke in der Hand, mit der er dann bald neidzerfressen seinen Bruder erschlagen wird.

Die einen also (Abel) sind richtige Opfer, die anderen (Kain) tun nur so, sind dafür aber jederzeit gewaltbereit. Kaum jemals hat jemand die religiöse Grundlage der heutigen linken Identitätspolitik so schön herausgearbeitet wir die NoHateSpeech-Plattform.

 

Frau Wizorek singt ihrem Gott ein Dankeslied

Fast ebenso schön führte zeitgleich Anne Wizorek, Medienliebling und daher eine der bekanntesten Feministinnen Deutschlands, den religiösen Charakter des heutigen Feminismus vor. Zum Frauentag am 8. Mai richtete sie sich direkt an „ihren lieben Feminismus“ („Mein lieber Feminismus“ ist ihr Text überschrieben) und bedankte sich überschwänglich.

Danke, dass ich durch dich gecheckt habe, wie fies verinnerlichter Sexismus ist.“ – „Danke dafür, dass du mir die großartigsten Herzensmenschen überall auf der Welt beschert hast.“ – „Danke dafür, dass du mir immer wieder klar machst, dass ich nicht perfekt sein muss.“ – „Danke, dass du mir Wut nicht absprichst (…)“ – „Danke, dass du mir gezeigt hast, dass meine Stimme zählt (…)“ – „Danke dafür, dass du kein zynisches Arschloch bist, sondern einfach solidarisch.“ – „Danke, dass ich immer wieder Kraft und Hoffnung aus dir schöpfen kann.“

Und vieles mehr – immer wieder: danke!

Das lässt sich, wie schon Lutz Bierend gezeigt hat, wunderbar karikieren. Es ist aber auch ohne weitere Karikatur unfreiwillig komisch, weil unübersehbar ist, dass Wizorek ihren lieben Feminismus so anspricht, wie Christen traditionell ihren lieben Gott ansprechen.

Nur ist der liebe Gott eben eindeutig eine religiöse Gestalt, ist real und verbindlich nur für die, die an ihn glauben. Der Feminismus hingegen ist ein Konvolut politischer Ideen, die weithin institutionell verankert sind und die daher verbindlich und folgenreich auch für Menschen werden, die den Glauben nicht teilen.

Eben deshalb, weil politische Ideen nicht nur für Gläubige, sondern durch institutionelle Verankerungen für alle bedeutsam sind, müssen sie auch allgemein zum Gegenstand der Kritik werden können. Eben das aber schließt Wizorek in ihrer Verherrlichung des lieben Feminismus aus: Wer dort widerspricht, steht unweigerlich als jemand da, der sich für Sexismus ausspricht, der die Stimmen von Frauen zum Verstummen bringen möchte, der ein zynisches Arschloch ist und anderen Mensch Kraft und Hoffnung raubt. Die religiöse Aufladung des Politischen mündet unvermeidlich in einer Abkehr von demokratischen Debatten.

Der erbauliche Ton des Textes transportiert daher scharfe Freund-Feind-Bilder – Wizoreks kitschige Gefühligkeit wabert über einem betonierten Boden.

An die Stelle des offenen Austauschs tritt so ein Spiegelfechten, in dem Gläubige zwar beständig um der Einrichtung einer besseren Welt Willen gegen ihre Gegner kämpfen, diese Gegner aber kaum kennen, weil sie ihnen niemals zuhören. Tatsächlich kämpfen sie dann nicht gegen andere, sondern gegen ihre eigenen Fantasien der anderen, ohne deren soziale Situation auch nur wahrnehmen zu wollen.

Das ist leider über einzelne Akteure wie Wizorek hinaus bedeutsam. Die harte staatliche Gewalt zu zu Lasten eines Kindes in Helbra zum Beispiel wirft ein klares Schlaglicht auf die Situation des Kindschaftsrechts und ist damit angesichts der gegenwärtigen Debatten im Bundestag zum Wechselmodell auch politisch hochaktuell. Sie steht aber quer zu den aktuell akzeptierten Täter-Opfer-Strukturen und ist für Medien, die sich diffus als links verstehen, kein Thema.

So wird der Blick auf wichtige Aspekte der sozialen Wirklichkeit Akteuren der politisch Rechten überlassen – und kann dann erst recht tabuisiert werden, weil eine offene Thematisierung schließlich „rechte Diskurse“ bedienen würde. Das ist nicht allein in Deutschland und anderen europäischen Ländern so.

 

Mit Muschimützen und Judenhass gegen Trump

Für die linke Protestbewegung gegen Donald Trump gibt es sehr gute Gründe, aber da sie sich in projektiven Gut-Böse-Strukturen eingräbt, wird auch sie unfreiwillig komisch und unterschwellig brutal.

Komisch ist sie zum Beispiel dann, wenn Tausende von erwachsenen Menschen mit rosafarbenen Muschi-Mützen herumlaufen, nur weil Trump einmal in einem privaten Gespräch einen verrohten Spruch darüber gemacht hat, dass er als berühmter Mann Frauen beliebig an die Muschi greifen könne („grab em by the pussy“). Wer sich deswegen rosa Mützen aufsetzt, lässt sich freudig durch Trumps bescheuerte Sexualisierung definieren und hält das auch noch für eine Form des Protests.

Die obsessive Gegnerschaft gegen Trump ist von einer Fan-Hysterie kaum zu unterscheiden.

„Verteidigt die Würde!“ 21. Januar 2017 in Washington. Quelle

Im Kampf gegen den verderblichen Feind, der zum Inbegriff des politisch Bösen wird, geht eben gerade das verloren, was für die amerikanische Linke dringend wäre – By Liz Lemon – https:/…ia.org/w/index.phpnämlich die Bereitschaft zur Selbstkritik. Hillary Clinton und ihre demokratische Partei hatten eine Wahl verloren, die nach allem menschlichen Ermessen unverlierbar war. Es liegt nahe, dass sie irgendwo Fehler gemacht haben müssen.

Anstatt sich aber eben damit auseinanderzusetzen, halten sie an einer Fantasie der eigenen Reinheit und politischen Unschuld fest, konzentrieren sich ganz auf den Kampf gegen Trump und bereiten so schon seine Wiederwahl im Jahr 2020 vor.

Immerhin sind die Pussyhats mittlerweile in die Kritik geraten – nicht, weil sie albern wären, sondern weil sie Transfrauen ausgrenzen würden, die schließlich keine Vagina besäßen. Dass Lächerlichkeit und Brutalität eng beieinander existieren, wird jedoch spätestens dann klar, wenn die harten Gut-Böse-Strukturen dieser Politik an traditionelle politische Feindbilder andocken.

Führende Figuren des Frauenmarsches gegen Trump schwärmen unverblümt für den skrupellos-durchgeknallten Antisemiten Louis Farrakhan.  Das ist kein Zufall: Die Fantasie der eigenen Reinheit, die sich mit der obsessiven Fixierung auf einen als endlos verdorben imaginierten Feind verknüpft, ist die klassische Basisstruktur des Judenhasses.

Das ist politisch doppelt fatal: Erstens pflegen die Aktivisten damit antidemokratische Feindbilder, und zweitens verlieren sie Fähigkeit und Bereitschaft zur Auseinandersetzung mit sozialen Realitäten. Sie verbleiben in einer elitären Abschottung von eben den Menschen, die einst Rückgrat der politischen Linken waren und die bei der letzten Wahl mehrheitlich Trump wählten: von der weißen Arbeiterklasse.

Durch eine linke Identitätspolitik werden diese Menschen gleich mehrfach entfremdet. Als Weiße stehen sie als brutale Profiteure rassistischer Strukturen da, auch wenn sie – arbeitslos, arm, heroinsüchtig – von ihren angeblichen Privilegien kaum etwas wissen. Als Männer müssen sie sich von Frauen, die ein Vielfaches von ihnen verdienen, als Profiteure einer hegemonialen Männlichkeit darstellen lassen – und als Frauen dieser Männer merken sie, dass die Armut der Familie in den Geschlechterkämpfen überhaupt keine Rolle spielt, die so ausdauernd in den überregionalen Medien zelebriert werden.

 

Me Too – Not You

Ein ungeheurer brutales Beispiel für das Auflösen sozialer Realitäten in den Spiegelfechtereien der Identitätspolitik sind die Verbrechen in der britischen Stadt Telford, die gerade erst in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gelangen. Dort hatten Männer, die zum großen Teil aus muslimischen Einwandererfamilien stammen, über mehrere Jahrzehnte hinweg junge Mädchen systematisch vergewaltigt und prostituiert, einige Mädchen wurden offenbar auch ermordet. Wie in Rotherham und anderswo hatten Behörden offenbar auch hier unter anderem deshalb nicht eingegriffen, weil die Beteiligten Angst hatten, als Rassisten dastehen zu können.

Das britische Magazin spiked zieht einen Vergleich zur ungeheuer erfolgreichen MeToo-Bewegung:

Vielleicht sind die Frauen von Telford schlicht die falsche Art von Opfern. #MeToo hat seine Opfer gern vornehm. (…) Die glamourösen Berühmtheiten, die das Titelbild des Time-Magazins schmückten und die als Brecher des Schweigens gefeiert wurden, trugen dabei Kleider, die mehr als das durchschittliche Jahresgehalt eines Einwohners von Telford kosten.“ (Übersetzung LS)

Die jungen Mädchen aus der Arbeiterklasse, die nach den Meldungen in Telford gequält wurden, passen nicht in die Freund-Feind-Schemata eines gängigen linken Aktivismus. Sie erlebten Gewalt nicht von alten weißen, sondern von mittelalten muslimischen Männern, und sie eignen sich schlecht als Identifikationsfiguren für  aufstrebende urbane Frauen, die irgendwas mit Medien machen.

Diese Abschottung von sozialen Realitäten ist für eine Politik mit einem linken Anspruch offensichtlich tödlich. Wie aber ist sie überhaupt möglich?

 

Vom Nutzen und Nachteil der identitären Linken

Die beliebte Erklärung ist nicht überzeugend, dass es nach dem Ausbau des Sozialstaats kein originäres linkes, gar sozialdemokratisches Projekt mehr gäbe. Zwar leben Menschen in Deutschland nicht in der bitteren Armut des Manchester-Kapitalismus, aber Armut erleben sie auch, und mehr noch: Sie können kaum partizipieren an den Diskursen, in denen doch politisch über ihr Leben bestimmt wird.

Die Parteien wiederum, die einen diffus linken Anspruch haben, werden weitgehend von Menschen aus akademischen, bürgerlichen Milieus geprägt. Wer aus diesem Milieu stammt, nimmt vermutlich nicht einmal wahr, dass beispielsweise die endlosen Feinheiten einer vorgeblich „geschlechtergerechten“ Sprache an den Universitäten keineswegs zu mehr Gerechtigkeit beitragen, sondern dass sie sich in die Wagenburgen einreihen, die traditionell von Angehörigen einer akademischen Milieus gegen die Bildungs-Emporkömmlinge aus kleinbürgerlichen oder proletarischen Schichten aufgebaut werden.

Wenn aber auf diese Weise klassische linke Werte – Gerechtigkeit! – für ein herkömmliches bürgerliches Distinktionsinteresse in den Dienst genommen werden, dann ist es nicht verwunderlich, dass ihre ehemalige Klientel mittlerweile mit Enttäuschung, Empörung oder Ekel auf linke Politik reagiert. Hätten zynische Rechte U-Boote in die Linke einschleusen wollen, die linke Politik möglichst nachhaltig unmöglich machen – dann hätten sie wohl eben die religiös grundierte Identitätspolitik erfunden, von der die heutige postmoderne Linke leider weithin geprägt ist.

Es ist kein Wunder, dass die identitäre Linke gerade mit ihren Idiotien, mit ihrer absurden Fixierung auf Rassenpolitik, ihrem Holzhammer-Feminismus, ihrer selbstbezogen-elitären Diskursverweigerung und ihrer unverhohlenen Begeisterung für politische Gewalt im politischen und medialen Establishment wohlgelitten ist: Eine linke Politik lässt sich kaum nachhaltiger diskreditieren als durch diese farcehafte Kopie.

Anstatt sich tatsächlich mit sozialen Strukturen auseinanderzusetzen, hetzt diese Linke die Benachteiligten aufeinander, spielt arme Schwarze gegen arme Weiße und Frauen gegen Männer aus. Es ist nicht einmal verwunderlich, dass diese Menschen das Gefühl entwickeln, auf der rechten Seite des politischen Spektrums mehr Perspektiven vorzufinden als auf der linken.

Während sich eine rechte Identitätspolitik auf die Kategorien „Volk“ und „Kultur“ fixiert, fixiert sich eine linke Identitätspolitik auf „Rasse“ und „Geschlecht“. Im direkten Vergleich kann die rechte Variante damit tatsächlich etwas weniger reaktionär und irrational erscheinen. Als Identitätspolitiken, die in Freund-Feind-Mustern Gruppen der Gesellschaft gegeneinander ausspielen, sind aber natürlich beide Ausprägungen nicht geeignet, um Lösungen für die Probleme moderner Massengesellschaften zu entwerfen.

So treibt dann aber eine linke Identitätspolitik mit ihren religiösen Erlösungsfantasien vom Ende des Patriarchats und der Überwindung der weißen alten Männer Menschen zwanghaft auf die AfD zu – selbst wenn diese Menschen spüren oder wissen, dass sie auch dort keine zufriedenstellenden Antworten auf ihre Fragen erhalten.

Mir ist schon mehrmals das Bonmot begegnet, dass der europaweite Rechtsrutsch tatsächlich eine Linksflucht sei. Wenn das so ist, dann wird die Bewegung nach rechts sich nicht durch einen immer noch einmal härteren Kampf gegen rechts stoppen lassen, sondern nur durch eine selbstkritische linke Politik, die diejenigen Perspektiven wieder einzubinden versucht, welche von ihr ausgeschlossen wurden.

Wer hingegen ein großes Interesse an einer starken AfD hat, sollte auch weiterhin die identitäre Idiotenlinke, NoHateSpeechDE, Anne Wizorek und andere unterstützen.

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36 Comments

  • Jeder Wahn kommt irgendwann auf seinen inneren Kern zurück und der Kern der linken Linken war schon immer ein Wahngebilde. Paranoidität in Reinform, ein logisches Gedankengebäude aufgrund eingebildeter oder sektenhaft verinnerter Grundlagen.
    So haben die linken Linken Hitler hervorgebracht, weil die bürgerliche Vernunft nicht gewalttätig genug war, den gewaltätigen linken Wahn zu stoppen.

    Jetzt sind wir wieder soweit, dass links existenzbedrohlich wird, deshalb die europaweite Linksflucht. Vernunft siegt über political correctness Orwellspeech.

    Es geht nicht auf, ihr könnt den Menschen nicht über sein Maß verdrehen. Da wehrt sich die Natur. Alles natürliche, Gute und Wahre ist Euer Feind, dedhalb werdet ihr nie gewinnen. Nur zerstören, solange man euch lässt.

    • @Gereon:

      Die Linke hat Hitler »hervorgebracht«? Ach so, ich dachte, die Juden waren das!

      Sarkasmus off.

      Wie man an Deinem Kommentar sieht, kommt auch nichts besseres dabei heraus, wenn man die Kritik ins entgegengesetzte Extrem überzieht.

      • Diese Vorstellung (Hitler = irgendwie links) ist eben ein Beispiel dafür, dass politische Gruppierungen zunehmend übereinander reden, ohne überhaupt mitzubekommen, was die anderen sagen. Dann wird schließlich nur noch über die eigenen Projektionen geredet. Auffällig ist das schon lange in der amerikanischen Rechten, in dem Gerede über „Cultural Marxism“ und, neuerdings, über die „Antifa“, die für amerikanische Rechte irgendwie eine weltumspannende Sekte zur Ausübung politischer Gräueltaten ist.

        @Gereon Ich finde ja wirklich, dass an der Linken, wie sie sich heute präsentiert, viel auszusetzen ist. Deshalb hab ich den Text ja auch geschrieben. Aber dann ist es doch wichtig, Vorwürfe zu formulieren, die einigermaßen haltbar sind.

        Die Vorstellung der linken Verantwortung für Hitler aber entfernt sich davon – da geht es dann nur noch darum, die Verantwortung des deutschen Bürgertums von konservativ bis liberal zu kaschieren und diese Verantwortung stattdessen ausgerechnet auf die zu schieben, die unter den Nazis dann als Erste in die Gefängnisse und Lager kamen. Auch wenn die Kommunisten an der Destabilisierung der Republik beteiligt waren, ist dieser Vorwurf einfach daneben.

        • Nein, Widerspruch. Blenden Sie nicht immer Teile der geschriebenen und verifizierten Geschichte aus.

          Das deutsche Bürgertum hatte damals die Wahl zwischen linker, stalinistischer Zerstörung , die sehr anschaulich vorher in Russland praktiziert wurde und Hitler, der sich die Methoden der linken Linken zueigen machte, um diese zu stoppen. (Vor allem die Gewalttätigkeit und die Struktur der Kampftruppen Antifa – SA)

          Und wie immer, wenn der Linksfaschismus nicht mehr anders zu stoppen ist, wehrt sich das Bürgertum (viel zu spät).

          • @Gereon:

            »Das deutsche Bürgertum hatte damals die Wahl zwischen linker, stalinistischer Zerstörung , die sehr anschaulich vorher in Russland praktiziert wurde und Hitler, der sich die Methoden der linken Linken zueigen machte, um diese zu stoppen.«

            Hitler war zu keinem Zeitpunkt eine bloße Reaktion auf die politische Gewalt der Linken, sondern ein Revisionist, der die Folgen der militärischen Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg nicht verkraften konnte.

            Und ein beträchtlicher Teil des deutschen Bürgertums ist ihm darin gefolgt – der deutsche Linksradikalismus jener Zeit wurde nicht von Hitler oder den Nazis bekämpft, sondern ganz wesentlich von der deutschen Sozialdemokratie! Die rechtsstehenden Teile des Bürgertums waren nicht darum zum Schulterschluss mit den Nazis bereit, weil sie einen »Linksradikalismus« bekämpfen wollten, sondern weil sie die parlamentarische Demokratie bekämpfen wollten!

            Und im Kampf gegen diese Demokratie waren Nazis und Kommunisten faktisch mehr Verbündete als Gegner – wo Hitler sich bei den Organisationsformen eines linken Totalitarismus bedient hat, wollte er diese nicht bekämpfen, sondern als Herrschaftstechnik kopieren.

            Immerhin erinnern mich solche Kommentare aber daran, warum eine deutsche Rechte für mich auf Dauer unwählbar bleiben wird.

          • Hitler war zu keinem Zeitpunkt eine bloße Reaktion auf die politische Gewalt der Linken, sondern ein Revisionist, der die Folgen der militärischen Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg nicht verkraften konnte.

            Wenn ich mich recht erinnere, dann waren es die Abgeordneten der SPD, die 1933 gegen das Ermächtigungsgesetz stimmten. Die bürgerlichen Mitteparteien stimmten geschlossen dafür und ermöglichten Hitler, jede Machtbeschränkung zu entsorgen. Die Kommunisten waren schon vorher von der Teilnahme ausgeschlossen worden. Diese Geschichtsklitterung, die die bürgerlichen Parteien reinwaschen will passt hinten und vorne nicht zusammen.

      • Natürlich haben die Linken Hitler hervorgebracht, das ist geschriebene Geschichte. Für Hitler waren die Juden nur die Erzeuger der marxistischen Doktrin, deshalb hat er sie angegriffen.
        Das is genau der Punkt, den ihr gerne aus der Geschichte entfernen wollt, warum Hitler etwas gegen die Juden hatte.

        • @Gereon:

          »Natürlich haben die Linken Hitler hervorgebracht, das ist geschriebene Geschichte.«

          Aber nur, wenn man seine Lektüre beim Kopp-Verlag bezieht, nicht mal Antaios veröffentlicht einen solchen Unfug (außer vielleicht Stefan Scheil).

          »Das is genau der Punkt, den ihr gerne aus der Geschichte entfernen wollt, warum Hitler etwas gegen die Juden hatte.«

          Das ist genau der Punkt, den die politische Rechte gern aus der Geschichte entfernen will: dass man sich Hitler nämlich nicht als verkappten Rationalisten schönsaufen kann, der sozusagen nur eine Art aus dem Ruder gelaufene Selbstverteidigung exerziert hätte.

          Das ist Ernst Noltes Geschichtsklitterung von Auschwitz als »asiatischer Tat«. Der Mann hat als Historiker seine Verdienste, aber diese These gehört nicht zu ihnen.

          • also ich habe das in dem Buch ‚Mein Kampf‘ nachgelesern, da steht es nämlich drin.

            Ihre linken Denk und Sprechverbote, Ihr herumeiern zwischen erlaubter und unerlaubter Lektüre, lässt sie halt die nötigen Fakten nicht zusammenbringen.

            Solange Sie Teile der Geschichte und Teile der Literarischen Welt ausblenden, kommen Sie zu keinem Ergebnis und sind auch nicht ernst zu nehmen.

            Meiner Ansicht nach war Hitler übrigens geführt durch den britischen und amerikanischen Geheimdienst, anders kann der seltsame Kriegsverlauf nicht erklärt werden.

            Russische Historiker sind da sehr aufschlussreich, aber die dürfen Sie wahrscheinlich auch nicht lesen.

          • @Gereon:

            Ich habe aller Voraussicht nach mehr »unerlaubte Lektüre« gelesen als Sie, der Sie hier ominös um »russische Autoren« herumeiern anstatt Namen zu nennen (ich vermute mal, Sie meinen Suvorov). Auf Ihrem Niveau von im Ungefähren bleibender Anspielungen können Sie nämlich alles Mögliche behaupten, ohne eine einzige These wirklich bis in die konkreten Details verteidigen zu müssen.

            Aber so funktioniert ein großer Teil der politischen Rechten: berufsmäßig über Denkverbote jammern, aber keinen einzigen geraden Gedanken selbständig zu Ende führen können.

            »Meiner Ansicht nach war Hitler übrigens geführt durch den britischen und amerikanischen Geheimdienst, anders kann der seltsame Kriegsverlauf nicht erklärt werden.«

            Oh, den kann man durchaus anders erklären, aber dazu müssten Sie aus Ihren Denkverboten aussteigen.

        • @ Lucas, Gereon, Djad,
          „So treibt dann aber eine linke Identitätspolitik mit ihren religiösen Erlösungsfantasien vom Ende des Patriarchats und der Überwindung der weißen alten Männer Menschen zwanghaft auf die AfD zu – selbst wenn diese Menschen spüren oder wissen, dass sie auch dort keine zufriedenstellenden Antworten auf ihre Fragen erhalten.

          Mir ist schon mehrmals das Bonmot begegnet, dass der europaweite Rechtsrutsch tatsächlich eine Linksflucht sei. Wenn das so ist, dann wird die Bewegung nach rechts sich nicht durch einen immer noch einmal härteren Kampf gegen rechts stoppen lassen, sondern nur durch eine selbstkritische linke Politik, die diejenigen Perspektiven wieder einzubinden versucht, welche von ihr ausgeschlossen wurden.

          Wer hingegen ein großes Interesse an einer starken AfD hat, sollte auch weiterhin die identitäre Idiotenlinke, NoHateSpeechDE, Anne Wizorek und andere unterstützen.“

          Ich vermute mal, darum geht es. Um diese drei Absätze.
          Resp. um die Frage: Wer hat angefangen / trägt die schwerere Schuld?
          So man diese Frage überhaupt stellen will!

          Und ja, mal vorausgesetzt ich verschätze mich da nicht, hat Gereon damit gewiss „den Kern“ der Sache freigelegt.
          Denn:
          „… selbst wenn diese Menschen spüren oder wissen, dass sie auch dort keine zufriedenstellenden Antworten auf ihre Fragen erhalten.“
          Es geht bei Identitätspolitik nicht um Fragen, sondern um den schlichten Aufbau und die Instrumentalisierung von Tribalismus/Hordendenken/Schwarmintelligenz. ( Gut, daß ich immer mal beim Danisch mitlese, der hat diesen Komplex in letzter Zeit auch öfter angesprochen und was Gereon oben schreibt, ist inhaltlich erkennbar ähnlich ).

          Und dieser Mechanismus scheint recht einfach zu handhaben zu sein.
          Möglw. drängt er sich sogar „wie von selbst“ auf.
          Schaffe eine missionarische Identität der „Guten“ ( im Endeffekt gegen irgendeine Identifikationsfigur des „Bösen“, aber das muß man ja nicht gleich offenlegen ) und es wird sich garantiert eine Gegengruppe bilden, unter dem Motto: „Wir lassen uns aber nicht widerstandslos abknallen. ( Weil eigentlich ja WIR die Guten sind, jedenfalls NICHT das Böse )“.
          Damit IST schon jede Frage beantwortet, besonders die schwierigste überhaupt, nämlich die der persönlichen Verbindung zwischen „Ich“ und „Wir“. Immer hübsch nach der ( im Extremfall zeitweise u.U. sogar richtigen ) Formel: Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
          Da Menschen ( grundsätzlich nicht zu Unrecht ) dazu neigen, sich zusammenzuschließen, wenn sie sich bedroht fühlen, funktioniert das Rezept sehr zuverlässig. Es bilden sich Wagenburgen, die der ( angeblichen ) Frauen, die der unterdrückten Rassen/Kulturen, die juristische/verwaltungsinstitutionelle in D., die der Studenten gegen die doofen Bildungsfernen etc.pp..
          Sogar eine der Sozialarbeiter gegen die Bedürftigen, halte ich für ( i.d.R allerdings unterschwellig ) gegeben.
          Nur würde ich ( und vermutlich auch Danisch nicht ) da keinen historischen Anfangs- o. gar Endpunkt setzen und auch keine Machtberechnung ( „die waren schon immer böse, weil stärker“ ) durchführen. Auch hat es nix mit rinks o. lechts zu tun, oder dem Glauben einzelner Individuen in einer bestimmten Religionsform. Selbst das gute alte ( heutzutage wohl eher links konnotierte ) „oben gegen unten“-Weltbild ist letztendlich nicht geeignet, die Problematik aufzulösen.
          Sondern eher ein typisches systemisches Problem darin sehen. Also bspw., daß sich ab bestimmten Gruppengrößen und -konzentrationen immer parasitäre „Priesterschaften“ bilden, die ihren Lebensunterhalt mit dem Ausbau und dem Abschöpfen identitärer Entwicklungen bestreiten ( „bestreiten“ bekommt hier einen eigenartigen Beigeschmack ).
          In einer fortgeschrittenen Kultur kann derartiges mit Glück teilweise symbolisch kompensiert werden. Z.B. im Mannschaftssport, wenn gleichzeitig die Grenzen aufgezeigt und auch betont werden. Beim Rugby klappt das ganz gut, beim Fußball leider kaum noch, was durchaus auch an zu großen ( Supporter-)Gruppen und deren „Identitätskultur“ liegt, wie ich meine.
          Beim Rugby gibt es sehr strenge Regeln, die harte Strafen vorsehen. Und während die Männer sich auf dem Feld knallhart bekämpfen, bereiten die Spielerfrauen schon mal die anschließende Grillparty vor ( oder ähnlich ). Man weiß, daß der Gegner eben kein Feind ist, sondern eigentlich genau der gleichen Interessengruppe anhängt, die ungefähr gleiche Kultur pflegt. Ein spielerisches Ritual eben. Im kleinen Rahmen läuft das erstaunlich stabil.

          Daß das beim Fußball mittlerweile schon teilweise dermaßen aus dem Ruder läuft, daß es zu ernsthaften Ausschreitungen kommt, liegt übrigens m.E. weniger an den Hools. Die sehen das ursprünglich noch ganz sportlich. Sondern eher an den Massenmedien und deren aggressiv übertriebenen Identitätsstiftungen ( „WIR fahren nach [Ort der nächsten EM ]“, oder das legendäre: „OHNE HOLLAND fahren wir nach ….“ ). Das kann der i.d.R. gar nicht an dem Spektakel beteiligte Konsument nicht mehr von echten Kriegstrommeln unterscheiden, die anschließende Wiederverbrüderung ( und damit ihr dominantes Gewicht ) fällt weg.
          Kurzvulgo: Die Käsefesser/Spaghettis/Boche bleiben der letzte Dreck, weil zu blöde gerade an den Ball zu treten/haben den SchieRi bestochen, oder was auch immer.

          Wichtig: Den Gegner immer schön isoliert und größtenteils unsichtbar halten und fleißig „Material“ über dessen Boshaftigkeit liefern. Z.B. das „Giftgas der Russen“ in Syrien, die „RapeCulture von Boko Haram“, oder, daß die Väter ja nur das Kind großziehen wollen, um sich ihren Verpflichtungen ggü. der heiligen Mutter zu entziehen. Bei letzterem erweist es sich übrigens tatsächlich als sehr praktisch, daß dieser Gegner real praktisch gar nicht existiert, sondern nur als „typische “ Symbolfigur für alle Väter und im weiteren dann alle Männer ( mindestens potentiell, nicht wahr? ) aufgebaut werden kann.
          Damit wird er dann auch schon zum „strukturellen Geist“.
          Und das liefert den Grund und Auslöser für den „absolut unabdingbar notwendigen“ mächtigen und entsprechend radikalen Exorzismus.

          Tja – und damit wären wir wieder bei Anne Wizorek, Jakob Augstein, Stevie Schmiedel, Anita Heiliger und den weiteren üblichen Verdächtigen, bis hin zu Saddam Hussein, Mao, Hitler oder Stalin.

          Das Problem in der westlichen Welt heutzutage ist m.E., daß die Oberdruiden das diskordische Prinzip für sich entdeckt haben. Sie halten ( auch uns ) auseinander, statt zusammen. Das macht sie so flexibel und nahezu unangreifbar.

          • Nachtrag @Djad&Gereon:
            Das ist lustig! Während ich den obigen Kommentar zusammengeschreibselt habe, habt IHR beiden schon mal ein wenig mit der Quali für das Spiel angefangen, welches dann im Djihad sein Ende findet. 😉

  • „Hätten zynische Rechte U-Boote in die Linke einschleusen wollen, die linke Politik möglichst nachhaltig unmöglich machen – dann hätten sie wohl eben die religiös grundierte Identitätspolitik erfunden, von der die heutige postmoderne Linke leider weithin geprägt ist.“

    Genau das hab ich mir auch gedacht angesichts der zerstörerischen Wirkung, die z.B. Vertreter/innen der „Critical Whiteness“ in linken Gruppen anrichten: Spaltung, Streit, Abstimmungen mit den Füßen – zu lasten des jeweils ausgeübten sozialen oder kulturellen Engagements.

    • Da wäre mal zu untersuchen, inwiefern der Feminismus massgeblich daran beteiligt war, die Linke auf Identitätspolitik zu polen. Es ist der Feminismus, der behauptet, der primäre Interessenkonflikt verlaufe zwischen Mann und Frau und nicht etwa zwischen arm und reich oder zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Je mehr Feminismus sich in den linken Parteien breit macht, umso mehr wird die Linke entkernt. Solange hier keine kritische Aufarbeitung einsetzt und alles als „feministisch“ Gelabelte sakrosant bleibt, wird die Linke weiter darauf angewiesen sein, maximal zu polarisieren, um zu verschleiern, dass sie ihren Markenkern entsorgt hat und zu keiner fundierten Gesellschaftskritik mehr fähig ist.

      • Nö! In dem speziellen Unterpunkt halte ich den Feminismus ausnahmsweise lediglich für den willkommenen Lieferanten einer weiteren Querfront. Linke Politik als Massenbewegung kann noch so sehr betonen, daß sie ja überhaupt nicht identitär wäre, sie ist es doch per se. Somit ist es unsinnig, sich auf sie als Allheilmittel einzulassen. Das wäre genau so selbstwidersprüchlich, wie z.B. statische Gerechtigkeit, als oberstes aller Ideale.

          • Statische ….
            ( obwohl „statistische“ auch ein hübsches Un(sinns)wort sein könnte, müßte man mal ’n Büschen untersuchen … )

        • Linke Politik als Massenbewegung kann noch so sehr betonen, daß sie ja überhaupt nicht identitär wäre, sie ist es doch per se.

          Der Interessenskonflikt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist aber offensichtlich. Identitätspolitik ist nicht einfach die Interessensvertretung irgendwelcher Gruppen. Identitätspolitik orientiert sich an Merkmalen wie Geschlecht, Ethnie und sexueller Orientierung u.a. Jede Partei adressiert Kollektive. Die FDP beispielsweise die Arbeitgeber und Besserverdienenden. Das macht sie nicht zu einer Partei, die Identitätspolitik betreibt.

          Die Linke ist mittlerweile identitätspolitisch unterwegs. Das war nicht immer so. Deshalb sage ich, dass sie sich entkernt hat.

    • @ Claudia „Spaltung, Streit, Abstimmung mit den Füßen“ Deshalb meine ich das auch ernst, nicht nur als Provokation, dass m.E. die mediale und institutionelle Unterstützung für eine linke Identitätspolitik auch dem Zweck dient, linke Positionen zu diskreditieren. Nicht als bewusst exekutierter Masterplan, natürlich – eher als Bau einer Wagenburg durch ein weitgehend akademisch gebildetes Bürgertum, das seine Privilegien eben dadurch absichert, dass andere soziale Milieus politisch und moralisch erheblich diskreditiert und deligitimiert werden.

      Fairerweise möchte ich aber darauf hinweisen, dass die Selbst-Isolation in immer kleineren und reineren Gruppen ein klassisches Problem einer linken Radikalisierungslogik ist. https://m.youtube.com/watch?v=RtmSLZk2Y-I

  • Eine sehr schöne und hintersinnige Ausdeutung des „NoHateSpeech“-Posters „Opfern Sie doch nicht so rum“ war das!

    Wenn ich das Poster ganz ohne Hintergedanken betrachte und mich frage was man mir sagen will, komme ich jedoch zu einem ganz anderem Schluss, der ebenfalls eine interessante Perspektive eröffnet.

    Der einzige, der hier tatsächlich opfert und im Mittelpunkt steht, ist Abel. Logischerweise muss der Bezug mit der Aufforderung nicht so rumzuopfern ihm gelten. Die No-Hate-Speechler setzen sich damit mit Kain gleich, dessen Opferfeuer vielleicht dann besser brennen würde, wenn das von Abel ihm nicht die Show stehlen würde! Es ist also Kain, der „opfer nicht so rum“ sagen müsste.

    Ich könnte das als Gleichnis für die „globale progressive Linke“ sehen, wie sie in der Person des Kain mit ihrer „Opferolympiade“ den bis dahin erfolgreichen Liebling Gottes ersetzen will – den Abel. Wen Abel repräsentiert, sollte klar sein: in der Opferpyramide glänzt er durch Abwesenheit und rangiert noch unter dem „weissen Mann“. Und genau deshalb ist ein Farrakhan auch der Balken im Auge der „globalen progressiven Linken“.

  • Off topic:
    Ich lese zur Zeit „Anti-Genderismus“ von Sabine Hark und Paula Villa. Eigentlich sollte ich ja meine nerven schonen, aber was solls. Hat das zufällig jemand von euch gelesen? Ach ja, man-tau wird auch so nebenbei erwähnt.

    • @ Pjotr

      Ich hatte es mal (bei einem Bekannten) quergelesen.

      Ich bin ja allgemein Fan deiner Beiträge und da du dieses Buch gerade liest, wollte ich mal fragen, ob du nicht vielleicht Lust hättest es bei Gelegenheit mal zu rezensieren. (Z.B. hier oder bei Christian.)

  • „Anstatt sich aber eben damit auseinanderzusetzen, halten sie an einer Fantasie der eigenen Reinheit und politischen Unschuld fest, konzentrieren sich ganz auf den Kampf gegen Trump und bereiten so schon seine Wiederwahl im Jahr 2020 vor.“
    In meinen Augen sind durchaus Anzeichen erkennbar, dass sich die Demokraten bis dahin inhaltlich neu formiert haben. Die Anzeichen die ich dafür sehe sind die Wahlsiege der Demokraten Douglas Jones und Conor Lamb. Beide haben nämlich gemeinsam, dass sie sich ein inhaltliches Profil zugelegt haben, mit dem sie auch für moderate Republikaner wählbar sind. Und auf die Weise haben sie für die Demokraten jeweils einen Wahlsieg errrungen. Sollten bei den Demokraten in den im Herbst kommenden Zwischenwahlen noch weitere Kandidaten der Demokraten auf diese Weise gewinnen, könnte das einen nachhaltigen Einfluss auf die inhaltliche Ausrichtung der demokratischen Partei haben.

    • @ Marcus Frank Das ist vielleicht auch die größte Chance der demokratischen Linken: sich pragmatischen Problemen stellen zu müssen. Das kann dann eben auch die Notwendigkeit sein, bei einer Wahl mehr Menschen als nur die überzeugen zu müssen, die eh schon immer überzeugt sind. Auch Clinton hatte, soweit ich mich erinnern kann, deutlich an Reputation gewonnen, als sie zwei Mal zur Senatorin gewählt wurde, beim zweiten Mal sogar mit einer Zweidrittelmehrheit. Das ist genau das, was ihr heute fehlt.

      Eine linke Identitätspolitik wiederum hat ja eben gerade das Ziel, sich abzugrenzen, Feinde zu identifizieren (die dann als hegemonial imaginiert werden) und damit eben gerade nicht mehrheitsfähig zu sein. Das ist in meinen Augen ein zentrales Manko dieser Politik: Eine rechte oder elitäre Politik kann es sich leisten, prinzipiell auf Mehrheitsfähigkeit zu verzichten, weil sie von einflussreichen Institutionen gestützt wird. Aber linke Politik muss es zumindest anstreben, eine Mehrheit der Bevölkerung zu überzeugen.

      • Ich verstehe immer nicht, warum die Leute immer dieser korrupten Massenmörderin Clinton hinterher trauern müssen.
        Was bei G.W. Bush verdammenswert war, soll bei Hillary Clinton gut sein? Das erscheint mir als genau der Seximus-Feminismus, der hierzulande gerade so wirkmächtig ist.
        „Lock her up!“ war eines der schlagkräftigsten Wahlkampf-Memes von Trump, und die Forderung ist richtig, auch wenn Trump sie aus den falschen Gründen erhoben hat, und sie auch, genau genommen, auf ihn selber zutreffen müsste.
        Nur werden die Demokraten aus genau diesem Grund kein Impeachment gegen Trump betreiben (abgesehen davon, dass sie dafür, wie gut auch immer begründet, niemals die notwendige Mehrheit bekommen würden, mangels Zustimmung der GOP):
        Alles, was sie ihm vorwerfen könnten in Bezug auf Korruptionsvorwürfe, würde sich auch bei ihnen finden lassen, und niemand will schlafende Hunde wecken.
        Aus dem selben Grund hat Trump seinen Spruch nicht wahr gemacht. Mit dem Patt in dieser Sache können beide Seiten gut leben.
        Die ganze Russland-Kampagne, der ganze Women’s March Kram, die ganzen Hacking-Vorwürfe, sollen nur vonder Käuflichkeit Clintons, ihrem Elitismus und ihren Manipulationen der demokratischen Vorwahlen ablenken. Bestes Beispiel die Vorwahlen in Nevada, und die (übrigens extrem frauenfeindlichen) Vorfälle beim dortigen DP-Kongress. Vielleicht finde ich noch den Originallink aus USA.
        Oder den Wahllistenbetrug in New York. Oder die Satzungwidrigwn Zweckentfremdungen von Geldern der bundesstaatlichen Demokraten für Clintons Vorwahlkampf zuungunsten von Sanders.
        Man redet viel vom angeblichen Russland-Hack, vom nie bezweifelten Inhalt der aufgedeckten Mails wird aber gar nicht geredet, stattdessen wird die Aufmerksamkeit schnell auf die „bösen Russen“ abgelenkt.
        Der klassische Fall der Diebe, die laut schreien „Haltet den Dieb!“
        Mittlerweile hat man, genau wissend ob der nicht vorhandenen Substanz, die Vorwürfe umdefiniert, die Russen hätten die Wahlen, genaugenommen die Wähler, beeinflusst, gegen ihren „eigentlichen Willen“, den Clinton wohl per Telepathie besser kennt als die Wähler selbst, hätten Dutzende Millionen Amerikaner quasi hypnotisiert, nicht Hillary zu wählen.
        Und wer die nicht wählt, muss natürlich ganz klar sexistischer Abschaum sein.
        Wenn man sich die Wahlspektakel und den Personenkult in den USA anschaut, der wahre Hohn, und ein Zeichen, für wie dumm die Elite ihr Wahlvieh hält, andererseits dafür, wie dumm, angesichts des realen Wahlausgangs, der Großteil dieser linksliberalen Meinungselite selbst ist.
        Auch ein Zeichen kulturellen Niedergangs, wenn die Elite die Masse für so dumm hält, dass sie ihr frech und zynisch die größten Lügen straflos auftischen kann.
        So was steht meistens am Anfang vom Ende von politischen Systemen und deren Repräsentanten.
        Siehe antikes Rom, siehe modernes Italien, siehe Ostblock, besonders DDR und Rumänien, siehe EU.

        Clinton kommt aus republikanischem Haus, hat ihre Karriere bei den Republikanern begonnen, und ist meiner Ansicht nach ein republikanisches U-Boot.
        Sie hat zusammen mit ihrem Ehemann den Kurs der „Triangulation“ eingeschlagen, der dem der Schröder-Blair-Sozialdemokratie sehr ähnelt.
        Mit dem Ergebnis, dass die Demokraten weit nach rechts gerückt sind, bis sie von der GOP nur noch in rhetorischen Nuancen unterscheidbar geworden sind.
        So kommt es, das seltsamerweise eine immer weiter rechts orientierte DP einerseits Politik für die Wall-Street-Eliten, die Rüstungsindustrie und die Failed-State-Geostrategie machen, und andererseits der rechte Rand trotzdem bei dieser Mitte-Rechts-Politik noch schreien kann „Die Kommunisten regieren das Land!“
        Antidemokratische, elitäre und korrupte Politik gilt so wundersamerweise trotzdem als links.
        Links rückt nach Rechts, Rechtsextrem beschimpft gemässigt Rechts als Links, weil eben für Rechtsextreme alles Andere logischerweise links ist.
        Es ist auch eine intersektionelle Mär, „die Arbeiterklasse“ hätte Trump gewählt (allerdings hat ihn wohl die Mehrheit der weißen Frauen gewählt). Viele haben auch einfach aus Würgereiz gegenüber beiden Kandidaten gar nicht gewählt, trotz der ganzen Millionenspenden für die Wahlkampfmaschine.

        Genauso ist es eine, allerdings gern geglaubte Mär, Trump sei Anti-Establishment und wolle den „Sumpf austrocknen“.
        Er will nur, dass seine Leute den Sumpf regieren.
        Hier ist eine Parallele zur AfD:
        Viele Wähler werden ihm das nicht abgenommen haben, dass er ein Volkstribun sei, und trotzdem haben sie ihn gewählt, weil sie dem Demokratischen Establishment den Finger zeigen wollten, nach dem Motto „Statt heuchlerischer Kopie, lieber das ‚outspoken‘ Original“.

        Der Identitätswahlkampf „Wählt eine Frau, egal wie käuflich und elitär“ ging jedenfalls besonders bei Frauen nach hinten los. Die meisten Working Poor, zu denen eben auch viele, viele Frauen gehören, kennen diesen Typus Clinton aus dem Berufsleben, und wissen, was sie davon zu halten haben, wenn die in die Firma kommen, z.B. warme Worte und mehr Druck, weniger Geld und oft Entkernung und massive Entlassungen, natürlich mit feuchtwarmem femininem Händedruck.

        Wenn man sich mal in den USA umhört, sehen die Prognosen für die DP jedenfalls gar nicht rosig aus.
        Gut möglich, dass sie bis nach 2020 in keinem Haus die Mehrheit zurück bekommen.
        Durch die Unfähigkeit der Demokraten unter Obama und die durch die Clintoniten vergeigte Wahl bleibt das andere höchste Verfassungsorgan, der Supreme Court, auf ein bis zwei Dekaden in der Hand der Rechten, d.h. jedenfalls weiter rechts als unter G.W.

        Wie man in diese Leute Hoffnung auf strategische inhaltliche Veränderungen setzen kann, anstatt auf taktische Rhetorik, bleibt mir genauso ein Rätsel, wie bei den Leuten, die jeden Morgen beten, die SPD möge doch zu den Zeiten von Willi Brandt zurückkehren.
        Dafür müsste man erstmal Charaktere haben statt zweitklassige Ätschibätschi-Charakterdarsteller und Köpfe statt Nachplapperer von Wirtschaftslobbyisten.

  • Ja, das ist wieder so ein Artikel von Schoppe, bei dem man nach etwa jedem zweiten Satz drei Ausrufezeichen setzen möchte, in Rot natürlich und ganz dick.

    Besten Dank für diese Analyse!

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