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Frankfurter Hetzmasse

geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie Grüne, SPD und ein AStA einen Kongress gegen häusliche Gewalt verhindern wollen

Die neue alte schwarz-rote Koalition wird die AfD ja mit hoher Wahrscheinlichkeit noch stärker machen – leider. Ein Geschichtsrevisionismus wie der Björn Höckes hat ebenso wenig Positives zum politische Leben beizutragen wie, zum Beispiel, die AfD-Version einer reaktionären Familienpolitik. Vor allem bin ich mir sicher: So sehr sich die AfD auch jetzt als Verteidigerin der demokratischen Debatte gegenüber eine gleichgeschalteten Medienlandschaft inszeniert – wo die Partei tatsächlich an Macht gewinnt, bliebe von Meinungsvielfalt nicht mehr viel übrig.

Umso schlimmer ist es, dass Gruppen meiner eigenen politischen Heimat, der politische Linken, aus kaum erklärlichen Gründen versessen darauf sind, durch irrationale und herrische Positionen die AfD nach Kräften zu fördern. Ein Beispiel dafür ist der Versuch von SPD, Grünen und AStA der Goethe-Universität in Frankfurt, einen Kongress gegen häusliche Gewalt zu verhindern.

 

Wie ein Kongress gegen Gewalt als Angriffsziel für Gewalt aufgebaut wird

Tatsächlich, das ist kein Schreibfehler: Was da verhindert werden soll, ist ein international und sehr kompetent besetzter Kongress, bei dem es um die Ursachen und die Möglichkeiten der Eindämmung häuslicher Gewalt geht.

Dabei ist John Hamel, der gemeinsam mit Tonia L. Nicholls das Handbuch „Familiäre Gewalt im Fokus“ herausgegeben hat, das heute für eine seriöse Auseinandersetzung mit dem Thema unverzichtbar ist.

Dabei sind auch Amy Slep, Professorin an der New York University und Expertin zur Erforschung häuslicher Gewalt, und Miles Groth, Philosoph und Psychoanalytiker, der unter anderem zur Gesundheit von Jungen und Männern forscht.

Dabei sind Rachel Dekel, Trauma- und Gewaltforscherin und Professorin an der Bar-Ilan University in Tel Aviv, und Zeev Winstok, Professor in Haifa, der zur Eskalation von Konflikten in Partnerschaften wichtige Forschungen unternommen hat.

Dabei sind Emily M Douglas, Professorin in Worcester, Massachussetts, die unter anderem zu männlichen Opfern häuslicher Gewalt forscht, und Elizabeth Bates, die sich an der Universität von Cumbria unter anderem mit der weiblichen Aggression im Rahmen häuslicher Gewalt auseinandersetzt.

Thematisch geht es im Kongress unter anderem um die Möglichkeit von Interventionen bei häuslicher Gewalt, um Erfahrungen von Trauma und Gewalt, um Möglichkeiten der Prävention oder die Situation männlicher Opfer häuslicher Gewalt. Warum also kann irgendjemand auf die Idee kommen, einen solchen Kongress zu verhindern und das auch noch als irgendwie linke Politik zu verkaufen?

„Männerrechtler und ‚Homoheiler’ an der Uni“, titelt die Frankfurter Rundschau. Danijel Majic berichtet darunter über Proteste gegen den Kongress und begründet diese unter anderem damit, dass Tom Todd – Ansprechpartner bei der Organisation – Mitglied im Verein Agens e.V. ist, der wiederum „mit der rechtsoffenen ‚Demo für Alle’“ kooperiere.

Ich habe das nachgeprüft: Tatsächlich hat Agens e.V. im Jahr 2014 gemeinsam mit Birgit Kelle und der Demo für alle gegen den grün-roten Bildungsplan  an der Schulen Baden-Württembergs protestiert. Der war weit über ein rechtes Spektrum hinaus aufgrund seiner auffällig starken Fixierung auf sexuelle Identität kritisiert und schließlich auch überarbeitet worden. Majic baut also die Suggestion, dass Tom Todd irgendwie ein Rechtsaußen-Akteur wäre, mit der Erwartung auf, dass sie ohnehin kein Leser näher überprüfen werde.

Vor allem richtet sich der erregte Protest aber gegen den wissenschaftlichen Leiter Gerhard Amendt, emeritierter Professor für Geschlechter- und Generationenforschung aus Bremen. Der hatte im Jahr 2002 zunächst in der Zeitschrift Leviathan – Zeitschrift für Sozialwissenschaft und dann im selben Jahr noch einmal in gekürzter Form in der FAZ einen Artikel veröffentlicht, der überaus skeptisch und kritisch gegenüber einem Kinderwunsch homosexueller Paare war. Dieser Text war dann wiederum später auf der Webseite des konservativ-evangelikalen Deutschen Instituts für Jugend und Gesellschaft eingestellt worden.

Deshalb wiederum behauptete Marcel Richters vom Nachrichtenportal Merkurist nun:

Die Organisatoren der Konferenz gehören zum höchst umstrittenen Kreis der ‚Homosexuellen-Therapeuten‘.“

Obwohl Richters durchaus demonstrativ keine Ahnung vom Thema hat und zunächst gar davon redete, Homosexuelle sollten durch eine „Konversations-Therapie“ „geheilt“ werden, wurde diese Äußerung dann später von Frankfurter Rundschau, von SPD, Grünen und vom AStA der Goethe-Universität, wo der Kongress stattfinden soll, ungeprüft übernommen.

Dabei ist sie offensichtlich falsch. Weder Amendt noch Todd hat mit der im DIJG offenbar vertretenen Idee, Homosexuelle sollten „geheilt“ werden, etwas zu tun. Sie sind nicht einmal Therapeuten und haben sich auch nie als welche ausgegeben.

Es gibt trotzdem viele gute Gründe, Amendts Text zu kritisieren, nur müsste er dazu überhaupt erst einmal ernsthaft gelesen werden. Vor allem: Dass homosexuelle Paare schlechtere Eltern wären als heterosexuelle, kann nach gegenwärtiger Forschungslage ausgeschlossen werden. 

Doch auch wenn ich Amendts Position zum Kinderwunsch Homosexueller falsch finde, kann ich doch trotzdem sein Engagement gegen häusliche Gewalt als verdienstvoll ansehen. Die Frankfurter Grünen hingegen empören sich auf ihrer Webseite über den „homosexuellenfeindlichen Kongress in den Räumen der Goethe-Uni“, zählen Amendt stumpf und wahrheitswidrig „zum höchst umstrittenen Kreis der ‚Homosexuellen-Therapeuten’“ und werfen ihm vor, dass er Homosexuelle als „pervers“ bezeichnet  – was er nicht tut.  Auch die Frankfurter SPD appelliert an die Universität, sie „sollte keine Plattform für homophobe Positionen bieten“.

Markus Stock von den Grünen behauptet gar, bei dem Kongress ginge es  „nicht um einen wissenschaftlichen Diskurs, vielmehr werden Menschen gezielt herabgewürdigt“. Der AStA der Uni und andere Gruppen protestieren entsprechend gegen die „menschenverachtende“ Haltung des Kongresses, die an der Uni – ja, es geht hier tatsächlich um einen Anti-Gewalt-Kongress –  „nicht toleriert werden“ dürfe. 

Wie schön wäre es, wenn sich diese Aktivisten wenigstens ein, zwei Minuten lang mit dem Kongress beschäftigt hätten, den sie so inbrünstig verhindern möchten. Ich finde es überhaupt nicht schwierig, Amendts Position zum Kinderwunsch Homosexueller falsch und sein Engagement gegen häusliche Gewalt gleichwohl verdienstvoll zu finden. Das ist bekanntlich in einer Demokratie sogar unverzichtbar: dass Akteure aus unterschiedlichen politischen Richtungen in bestimmten Sachfragen kooperieren können, auch wenn sie in anderen Fragen ganz unterschiedlicher Meinung sind. Warum ist das den erregten Aktivisten gegen den Kongress nicht möglich?

Meine Erklärung: Sie interpretieren sachliche politische Positionen überhaupt nicht als Positionen zu Fragen der sozialen Realität, sondern als Selbstauskunft, als Signal der Zugehörigkeit zum einen oder zum anderen politischen Lager. Schon Brecht hatte sich ja über die Zwanghaftigkeit des Satzes lustig gemacht, dass wer A sagt, auch B sagen müsse. Im Denken der Anti-Anti-Gewalt-Kongress-Aktivisten aber muss der, der A sagt, unbedingt auch B, C, D, E, F, G und H sagen, denn sonst setzt er sich dem Verdacht aus, A nicht ernst gemeint zu haben und ein verkappter Reaktionär zu sein.

Wer also für soziale Gerechtigkeit ist, muss unbedingt auch für den Feminismus und gegen den Gender Pay Gap eintreten, für das Adoptionsrecht Homosexueller und das Gendersternchen sein, die Wahlniederlage Hillary Clintons auf Frauenfeindschaft und ganz gewiss nicht auf eigene Fehler zurückführen, Kritik am Islam als Rassismus einordnen und das islamische Kopftuch als Ausdruck persönlicher Freiheit preisen, bzw. als Unterdrückung dieser Freiheit verurteilen, das ist im Moment noch nicht so ganz klar.

Das Lagerdenken nach außen hin ist so unmittelbar mit einer scharfen Disziplinierung nach innen hin verknüpft.

 

Wie man eine Hetzmasse füttert

Die Orientierung an gemeinsamen sozialen Realitäten geht dabei ganz verloren. Schockierend, aber auch surreal ist das völlig selbstverständliche, tiefe Desinteresse der Agitatoren gegen den Kongress an seinen Inhalten. Sie schießen gegen etwas, das sie nicht kennen und das sie gar nicht interessiert, das sie lediglich zur Strecke bringen wollen. Selbst dass es den Kongressteilnehmern um eine Verständigung zu den Möglichkeit der Eindämmung von Gewalt geht, lässt die Agitatoren nicht einmal kurz innehalten.

Eias Canetti hat in seinem Werk Masse und Macht die „Hetzmasse“ unter anderem so beschreiben:

Die Eile, Gehobenheit und Sicherheit einer solchen Masse hat etwas Unheimliches. Es ist die Erregung von Blinden, die am blindesten sind, wenn sie plötzlich zu sehen glauben. Die Masse geht auf Opfer und Hinrichtung zu, um den Tod all derer, aus denen sie besteht, plötzlich und wie für immer loszuwerden. Was ihr dann wirklich geschieht, ist das Gegenteil davon. Durch die Hinrichtung, aber erst nach ihr, fühlt sie sich mehr als je vom Tode bedroht.“ (hier, S. 31 )

Die Mitglieder einer Hetzmasse verhalten sich wie Kinder, die kein Erwachsener mit der Versicherung beruhigt, dass das Monster unter dem Bett gar nicht existiere. So stellt sich für sie auch gar nicht die Frage, ob das Monster denn wirklich so schrecklich ist, wie es ihnen erscheint – ihre Fantasien und Projektionen sind aus ihrer Perspektive schließlich die eigentliche Realität des Monsters, eine andere Realität hat es nicht.

Alles, was die Hetzmasse braucht, ist der klare Hinweis auf ein gemeinsames Ziel.

So kann es für sie denn auch nur eine Beruhigung geben: nämlich die, das Monster zu erlegen. Damit aber richten sie nicht nur in der Welt außerhalb ihrer Fantasien und Projektionen einen erheblichen realen Schaden an – es ist auch fatal für den Seelenhaushalt der Hetzmasse selbst. Denn die kurze triumphale Beruhigung nach der Erledigung des Monsters/des Opfers beweist ja nur noch einmal, dass das Monster real und dass es eine ungeheure Bedrohung war.

Nach allem menschlichen Ermessen muss es dann noch viele andere Monster geben, und eine endgültige Beruhigung ist erst möglich, wenn sie alle erlegt wurden.

Der Versuch ist also illusorisch, eine Hetzmasse dadurch zu bremsen, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Jedes erlegte Opfer ist immer schon der Auftakt zur nächsten Jagd. Die einzige Möglichkeit, Hetzmassen aufzuhalten, ist, ihren Mitgliedern eine Rückkehr zum Realitätsprinzip zuzumuten. Wenn aber, beispielsweise, eine Hochschulleitung allen Ernstes akzeptiert, dass ein einfaches spanisches Gedicht an einer Häuserwand oder ein Kongress gegen häusliche Gewalt ernsthafte Bedrohungen wären, denen unbedingt Einhalt geboten werden müsse – dann gibt sie eben die vernünftigen Maßstäbe preis, ohne die das Realitätsprinzip keinen Bestand haben kann.

Der Hypersensibilität für die Bedürfnisse der gewaltbereiten Mitglieder einer Hetzmasse entspricht dann die Stumpfheit und Empathielosigkeit gegenüber ihren Opfern – sei es nun ein 93jähriger weltberühmter Dichter, der in einer würdelos-grausamen Posse an einer Hochschule vorgeführt wird, oder seien es die realen Oper realer häuslicher Gewalt.

 

Wessen Interessen bedroht ein Engagement gegen Gewalt?

Eben hier aber hat dann das radikal projektive und damit wahnhafte Agieren der Frankfurter Hetzmasse doch noch eine Verankerung in der Realität – auch wenn sie nicht offen genannt wird. Obwohl Studien und empirische Erfahrungen schon lange in eine ganz andere Richtung wiesen, ist die politische Bewertung häuslicher Gewalt heute noch immer von starken Geschlechterklischees bestimmt.

Eine Kampagne des Familienministeriums zum Beispiel fixiert sich ganz auf weibliche Opfer häuslicher Gewalt, richtete auch ein Hilfetelefon exklusiv für Frauen ein und erweckte so realitätswidrig den Anschein, Opfer häuslicher Gewalt seien fast ausschließlich weiblich. Männer kommen in der Kampagne als menschliche Wesen gar nicht vor, sie erscheinen dort lediglich als eine abstrakte, furchtbare Bedrohung.

Die Hilfslandschaft aus Beratungsstellen und Frauenhäusern baut auf diesen Geschlechterklischees auf. Die ehemals wichtige und seriöse FR übernimmt von Richters ungeprüft auch dessen Vorwurf, Amendt habe die Frauenhäuser abschaffen wollen – was nur jemand behaupten kann, der von seinem Artikel aus dem Jahr 2009 nicht mehr als die Überschrift gelesen hat.  Tatsächlich ging es ihm darum, die Frauenhäuser zu ersetzen durch ein „Netz von Beratungsstellen für Familien mit Gewaltproblemen“, das allen zugänglich ist.

Es gehört schließlich zu einer eskalativen Gewaltdynamik, dass die Beteiligten die Gewalt des jeweils anderen zwar als brutale Aggression, die eigene Gewalt aber als legitime Notwehr einstufen. Wer häusliche Gewalt entlang der Geschlechtergrenze prinzipiell in Opfer und Täter aufteilt, der fördert dieses Denken und füttert damit die Dynamik der Gewalt.

Anhand seiner Themen ist deutlich, dass der Frankfurter Kongress sich zwar intensiv mit der Bedeutung der Geschlechtszugehörigkeit für Gewalthandlungen und -erfahrungen beschäftigen wird, die Opfer- und Täter-Positionen aber nicht säuberlich zwischen Frauen und Männern aufteilt. Offenkundig steht die Familie als System im Mittelpunkt, nicht die Imagination des skrupellosen männlichen Täters und des hilflosen weiblichen Opfers.

Das ist zwar wesentlich sinnvoller und für eine Eindämmung von Gewalt auch erfolgversprechender, es bedroht aber Besitzstände, die durch die politisch weiterhin konservierte klischeehafte Interpretation von Gewalt  garantiert werden.

Nun wirkt es allerdings selbst in Milieus, die für politische Hetze außergewöhnlich stark anfällig sind, kaum überzeugend, wenn ein Kongress angegriffen wird, nur weil er eine offene wissenschaftliche Diskussion über häusliche Gewalt ermöglichen soll und damit Besitzstände bedroht. Da ist der Vorwurf viel effektiver, hier würden „menschenverachtende“, „homophobe“ Positionen bezogen, die Einzelne „gezielt herabwürdigen“ sollen.

Das hat zwar mit Realitäten nichts zu tun –  aber von störenden Realitäten lässt sich eine Hetzmasse auch nicht mehr beirren, wenn sie sich erst einmal in Gang gesetzt hat.

 

Nachtrag, 31. März: Schade, dass es auf solche Fragen nie eine Antwort gibt…

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46 Comments

  • Was Sie nicht begreifen, lieber Herr Schoppe, ist, dass es linken Linken nie wirklich um die Sache geht, sondern Um Macht und Pfründe Erhalt und Gewinn.

    Dass denen Demokratie und ihre Spielregeln völlig egal sind, sieht man, wenn man die Tricks und Schliche aber auch die Gewaltbereitschaft und den Machtmissbrauch ansieht, mit denen die agieren.

    Daher ist es auch schön, wenn deren Strategie, jeden, der irgendwann mal als Nazi bezeichnet wurde, aus welchem lächerlichen Grund auch immer, gesellschaftlich und existenziell zu vernichten, nach hinten los geht und nicht mehr wirkt. Denn die nächste Eskalationsstufe entlarvt die wahre Intention.

    • Was Sie nicht begreifen, lieber Herr Schoppe, ist, dass es linken Linken nie wirklich um die Sache geht, sondern Um Macht und Pfründe Erhalt und Gewinn.

      Vielleicht liegt hier ein Missverständnis vor, denn aus dem Text geht m.M.n. klar hervor, dass Lucas genau das sehr wohl begriffen hat.

      Lucas schreibt ganz am Anfang, „Umso schlimmer ist es, dass Gruppen […] der politische Linken […] versessen darauf sind, durch irrationale und herrische Positionen die AfD nach Kräften zu fördern.“

      Weiter unten, „Sie [die Linken Akteure] interpretieren sachliche politische Positionen überhaupt nicht als Positionen zu Fragen der sozialen Realität […]“

      Warum tun sie das? Lucas Erklärung: „[…] es bedroht aber Besitzstände, die durch die politisch weiterhin konservierte klischeehafte Interpretation von Gewalt garantiert werden.“

      Ich kann hier nicht erkennen, dass du und Lucas sich in der Diagnose wesentlich uneins wären. Anders sieht es da schon bei der Behandlung aus. Lucas Text ist eine differenzierte Analyse der Situation, er erkennt das Lagerdenken klar als Ursache des Problems. Entsprechend weist er darauf hin, dass er z.b. die Position von Amendt zur Frage der Elternschaft von homosexuellen Paaren durchaus kritikwürdig findet, dies jedoch kein Grund wäre alle anderen Positionen Amendts ebenfalls abzulehnen. Das ist das Wesen von Demokratie, und hier unterscheidet er sich von dir. Denn im Endeffekt betreibst du das gleiche Lagerdenken, welches Lucas lang und ausführlich kritisiert: Für dich sind „die linken Linken“ das personifizierte Übel, es geht ihnen nie um die Sache, Demokratie ist ihnen völlig egal.

      Das ist das gleiche unselige Lagerdenken aus der anderen Richtung.

      • @pingpong @Lucas

        Schön gesagt und sehr gut argumentiert, pingpong, zu einem schönen und differenzierten Artikel gratuliere ich, Lucas!

        Zwei Anmerkungen:
        Was mich erstens stört, ist die offene Dreistigkeit, mit der miserable journalistische Recherche durch die plakativ „richtige Überzeugung“, einem vulgären politischen „Positionismus“, ersetzt wird.
        Der vorab geschaltete Wahrnehmungsfilter durchkämmt die Realität nach einem vorhandenen oder fälschlich abwesenden Merkmal, der dieser „Positionismus“ vorgibt.
        Ist x in A vorhanden ist es gut, ist es nicht vorhanden schlecht, ist A gegen x, dann übel und #aufschrei.

        Die Methode hat den großen Vorteil, von der Sache keinerlei Ahnung mehr haben zu müssen, um – egal was – zu loben oder zu kritisieren.
        Hat der Film allein weibliche Hauptrollen? Check! Der letzte Star Wars war ein guter Film. Hegel war ein Rassist (Check!) deshalb muss man ihn nicht lesen. Fühlen sich Feministinnen (Check!) durch ein Gedicht belästigt, dann war es schlecht und der Autor (Check!) zu weiß, alt und überhaupt männlich. Genderqueere Musikerinnen sind gut, Ende der Debatte.

        Man kann seine intellektuelle Faulheit als „progressiv“ verkaufen, spart jede Menge Arbeitszeit und ist auf nahezu jedem Feld „journalistisch“ einsetzbar.
        Ich habe immer öfter das Gefühl, das individuelle „Recht auf Faulheit“ geht Hand in Hand mit diesem vulgären Denken.

        Zum zweiten Punkt. Mich stört die Verwendung von „erregt“ oder „aufgeregt“ als Beschreibung einer gegnerischen Haltung in einem Text. Weil es modisch geworden ist, durch solche label die eigene Nüchternheit oder Sachlichkeit herauszustellen, die der Text dann in der Regel *nicht* aufzeigt. Das ist explizit kein Vorwurf an deinen Artikel, Lucas!
        Mir geht es um die lange Linie von den „angry black men“ bis zum heutige „Wutbürger“, denen man rationale Argumente damit vorab abgesprochen hat und den Fokus auf die emotionale Reaktion legt, nicht auf die Ursache und Berechtigung von Ärger und Wut.

        • @ crumar „Mich stört die Verwendung von „erregt“ oder „aufgeregt“ als Beschreibung einer gegnerischen Haltung in einem Text. Weil es modisch geworden ist, durch solche label die eigene Nüchternheit oder Sachlichkeit herauszustellen“ Ja, das ist mir auch schon aufgefallen. WIR haben Argumente – die anderen sagen das, was sie sagen, nur unreflektiert aus dem Bauch heraus.

          Diese impliziten oder expliziten Selbst- und Fremdzuschreibungen stehen zudem in einer langen Tradition, in der damit Klassen- oder Schichtzugehörigkeit signalisiert wurde. Es sind natürlich die Mitglieder einer Oberschicht, die sich selbst als rational sehen, während die Masse sich von primitiven Emotionen leiten ließe.

          In den letzten Jahrzehnten, wohl etwa seit den Siebzigern, ist aber noch eine andere Bewertung der Emotion dazugekommen: Die Emotion als Beglaubigung des eigenen Standpunkts, als Nachweis, dass man mit der ganzen Person dabei sei. Eine spätromantische Politik…

          Wenn ich Begriffe wie „aufgeregt“ benutze, dann meine ich meist so etwas – eine affektierte Emotionalität, der es vor allem um ihren Signalcharakter geht. Als ob man irgendwie automatisch immer schon im Recht wäre, wenn man nur empört genug auftritt.

          Interessant ist dabei, wie sich die Zuschreibung der „Wut“ gewandelt hat. In den Achtzigern war Wut bei Linken und solchen, die es sein wollten, ein sehr positiv besetztes Gefühl, gern in der (kitschigen) Kombination „Wut und Trauer“. Es wurde damals als innerer Aufstand gegen die irgendwie immer inhumanen Verhältnisse interpretiert.

          Heute wird Wut immer noch ein Aufstand gegen die Verhältnisse verstanden – nur dass sich Linke und solche, die es sein wollen, mittlerweile mit diesen Verhältnissen identifizieren. Auch wenn sie das ungern wahrhaben.

        • @ Gereon, pingpong, crumar Ich hab mittlerweile auch schon bei Twitter darüber diskutiert, warum die Abgrenzung von der AfD zu Beginn des Textes eigentlich nötig wäre – sie sei doch ein bloßes Virtue Signalling. Für mich ist das aber gerade nicht so.

          Der Haupt-Kritikpunkt des Textes ist ja eben, wie pingpong auch schon schreibt, das Lagerdenken, nicht das Denken des rot-grünen Lagers. Ohne die Distanz zur AfD wäre der Text aber ganz als Abrechung mit Rot-Grün zu verstehen gewesen.

          Das aber ist nicht mein Punkt. Denn erstens ist von der AfD nicht viel zu erwarten – das habe ich als Vater ja gerade erst gemerkt, als in der Bundestagsausspreche zum Wechselmodell die AfD-Vertreterin eigentlich nur die Argumente der SPD-Kollegin wiederholte und in etwas schroffere Worte fasste.

          Zweitens bin ich schon lange der Ansicht, dass der eigentliche Konflikt eben nicht zwischen linker und rechter Identitätspolitik besteht, sondern dass sich beide Seiten zum gegenseitigen Nutzen die Bälle zuwerfen. Der Konflikt besteht zwischen einer Politik, die von links wie von rechts betrieben wird und die ganz auf Ressentiments und Projektionen setzt – und auf der anderen Seite einer Politik, von der ich bis vor kurzer Zeit noch dachte, dass sie als klassische demokratische Politik eigentlich weitgehend von allen geteilt wird.

          Vielleicht ließe sich das auch als Unterschied zwischen „postmodern“ und „modern“ beschreiben, aber für mich ist der wesentliche Unterschied noch ein anderer: Eine demokratische Politik geht von einer allen gemeinsamen sozialen Wirklichkeit aus, über die wir uns prinzipiell sinnvoll verständigen und in der wir prinzipiell sinnvoll agieren können. Für die Identitätspolitik hingegen gibt es die gemeinsame Wirklichkeit nicht mehr, die kennt nur noch gültige Perspektiven (unsere) und ungültige (die anderen). Und das finde ich bei linken wie bei rechten Identitären.

          Daher ist es auch kein Zufall, dass sich Journalisten, rote und grüne Politiker und ein Uni-AStA hier einen Scheißdreck darum scheren, ob das, was sie so vernichtend über andere schreiben, eigentlich stimmt. Es ist irgendwie immer schon richtig, weil ihre eigene Position ja die richtige ist.

          Es ist womöglich auch kein Zufall, dass hier ausgerechnet eine Institution angegriffen wird, die klassisch für die sachorientierte, kompetente Auseinandersetzung über eine gemeinsame Wirklichkeit steht, ein wissenschaftlicher Kongress nämlich.

      • nun ja, liebe Diskutanten, irrational ist das Verhalten dieser nur scheinbar linken Agitateure eben dann nicht, wenn man ihnen unterstellt, dass es andere als inhaltliche Motive sind, die ihr Verhalten steuern – eben etwa finanzielle und machtpolitische. Wenn es darum geht, dass nur die radikalsten inkl. irrationaler Forderungen der linken Akteure sich durchsetzen, um Posten und Macht zu behalten, dann ist ihr Verhalten logisch. Ich bin nicht sicher, ob L Schoppe diese Ansicht teilt oder sieht. Ich persönlich neige, nach reichhaltiger persönlicher Anschauung in Berlin, zunehmend zu dieser Interpretation und iniziiere deshalb auch ein Crowdfunding-Projekt, um linke Lobbys und deren Hintergründe systematischer als bisher zu beleuchten. Wäre schön, einige Rückmeldungen zu diesem Projekt zu erhalten: https://deutschlandreformen.wordpress.com/crowdfunding

        • @ Chris Gupta Ich bin mir ganz sicher, dass die Stimmungmache gegen den Kongress etwas mit der Verteidigung von Besitzständen zu tun hat. Zudem wird sicherlich vielen, die gegen den Kongress agitieren, klar sein, dass die offen erhobenen Vorwürfe nicht haltbar sind.

          Nur sähe es eben nicht sonderlich beeidnruckend aus, einen Kongress verhindern zu wollen, bloß weil der sich offen mit dem Problem der häuslichen Gewalt beschäftigt (offen in dem Sinn, dass nicht grundsätzlich Männer als Täter und Frauen als Opfer wahrgenommen werden, sondern das auch andere Interpretationenm möglich sind).

          Leszek hat die Verteidigung institutionalisierter Positionen hier ja gerade erst als wesentlichen Grund für die Fixierung auf eine linke Identitätspolitik beschrieben:

          https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#sozio654

          Ich kann das Projekt auf die Schnelle nicht beurteilen, finde es aber ohnehin seltsam, dass es solche Projekte nicht als Dauereinrichtung von staatlicher Seite gibt, und natürlich in alle Richtungen. Immerhin geht es dabei darum, die Verwendung öffentlicher Mittel transparent zu machen.

          • nun, da die entsprechenden Ministerien wie das Familien- aka- Gleichstellungsministerium fest in linker Hand sind, ist natürlich kein Interesse, sich selbst an die Kandarre zu nehmen bzw. zu kontrollieren. Eher macht man das Gegenteil und finanziert Genderlehrstühle und Stiftungen mit Millionen, um Kritiker zu beobachten, wie Sie ja auch selbst angeprangert haben. Da beißt sich die Katze sicher nicht in den Schwanz. Ich hab lange gehofft, dass von wichtigen Medien investigative Recherche auch zu linken Projekten kommen würde. Aber die Redaktionen sind ebenfalls mit ideologisch ausgerichtetem Personal bestückt. Und Opportunismus spielt natürlich auch eine große Rolle, so dass hier kaum Besserung zu erwarten ist.

        • Wer nur gegen „linke Lobbys“ antritt, der ist nur halbkritisch. Halbkritisch aber ist gar nicht kritisch. Wer in dieser Sache entlang parteipolitischen Präferenzen agiert ist nur bedingt glaubwürdig.

          • also lieber Pjotr, das Problem ist doch eher gerade, dass konventionelle Lobbys selbstverständlich skeptisch gesehen werden, aber linken Lobbys Idealismus unterstellt wird, es geht um Ausgewogenheit, und sofern, das Projekt klappt, würden auch andere Lobbys analysiert.

    • Was Sie nicht begreifen, lieber Herr Schoppe, ist, dass es linken Linken nie wirklich um die Sache geht, sondern Um Macht und Pfründe Erhalt und Gewinn.

      Während es den Rechten stets nur um das Gemeinwohl und niemals nienie um persönlichen Vorteil geht und ging. Danke für die differenzierte Analyse.

      • @ „Pjotr“

        Du hast natürlich recht, „Macht, Pfründe-Erhalt und Gewinn“ sind weder links noch rechts sondern einfach im Kern menschlichen Strebens. Doch würde mich ein Dritter um MEINE politische Verortung der in Deutschland herrschenden Klasse bitten, dann wäre meine Antwort „eindeutig links“ oder das, was man dafür hält. Insofern ja, auch den Rechten geht es in meinem Weltbild um Macht, Pfründe-Erhalt und Gewinn, nur hat die Rechte in Deutschland halt im Augenblick nix zu sagen.

        • Doch würde mich ein Dritter um MEINE politische Verortung der in Deutschland herrschenden Klasse bitten, dann wäre meine Antwort „eindeutig links“ oder das, was man dafür hält.

          Solange man sich auf das Kulturelle beschränkt und sich entlang der Identitätspolitik von links und rechts hangelt, dann stimmt das, zumindest teilweise. Wirtschaftspolitisch aber hat diese Linke so gut wie gar nichts zu melden. Das Kulturelle wurde der kastrierten Linken als Spielwiese überlassen. Hier lässt sich in einer globalisierten Ökonomie für sie noch politische Relevanz simulieren, insbesondere in empörter Abgrenzung zur AfD.

          • @Pjotr:
            Ganz ohne Ironie, ich verneige mich vor der kurzen, prägnanten und doch so treffenden Beschreibung der Rolle, die die Postlinke seit ungefähr anderthalb Dekaden spielt bzw. spielen darf. Im Grunde die eines Hofnarren brutaler neoliberaler Weltordnungspolitik mit stark totalitären Tendenzen.
            So sehr sie ihr Tun als Befreiungskampf ausgibt, so sehr finden ihre weltbewegenden Siege nur unter dem Deckel einer die gesellschaftliche Solidarität der großen Mehrheit atomisierenden Innen-und Wirtschaftspolitik, und einer ganze Regionen verwüstenden Außenpolitik statt.
            Das postneolinksliberalradikale Kultur-und Meinungsheld von heute erinnert mich immer wieder an die Figur des Rigoletto, eine Verdi-Oper, die ich sehr schätze, und die ich entgegen landläufiger Meinung für eine seiner politisch sprengkräftigsten halte. Sie war damals vom Standpunkt des in der fortschrittlichen aufstrebenden Frühphase befindlichen Bürgertums in Italien eine treffende Kritik am kulturtragenden Höfling im Absolutismus, heute, wo unzweifelhaft die entwickelte bürgerliche Gesellschaft herrscht, hat sich die real existierende Linke genau in diese Position des modernen Hofnarren der Herrschaften und Frauschaften manövriert oder manövrieren lassen.
            An der Analogie ist m.E. nur ganz Weniges schief.
            Das Thema ist wohl auch in allen Epochen staatsbildender Gesellschaften zu finden, angefangen im alten Mesopotamien.
            Im damaligen „Streit“ zwischen Verdianern und Wagnerianern würde ich immer auf Seiten Verdis und des Verismo stehen, und nicht auf Seiten des romantisch-mystisch-verklärenden und letzlich korrupten Wagner und seiner „unendlichen Melodie“ (sogar ein Nietzsche, bestimmt kein linker Revoluzzer, hat sich nach anfänglicher Begeisterung mit Grausen von ihm abgewandt),

            Obwohl ich dann und wann den Walkürenritt genießen kann, oder den Liebestod, man kann in den Emotionen wirklich schön schwelgen, aber wenn man wirklich an treffenden Beschreibungen der zeitgenössischen sozialen Realität, also den mittelfrühen kapitalistischen Nationalstaaten interessiert ist, bleibt zumindest für mich kein Zweifel, dass Verdi hier das Rennen macht.

            @Lucas, du hast hier mal wieder sehr schön den Nagel auf den Kopf getroffen, besonders die Charakterisierung als „spätromantisch“ und die Analogie in Methodik und „Erkenntnistheorie“ von postlinken und postrechten Vereinfachern und Meinungsinhabern. Vor allem die Denk-und Analysefaulheit.
            Denn es gibt hier wirklich viel Meinung, aber wenig halbwegs begründete Standpunkte, oder wie es so schön heißt „Viel Meinung, wenig Ahnung“.
            Zu diesen beiden Punkten wäre noch Einiges zu bemerken, aber ich habe zur Zeit 16-Stunden-Tage, um mich um Mutti nach ihrer Reha wg. OHB mitten in der Wohnungssuche, künstlicher Hüfte und neuer Wohnung zu kümmern, während sie unter Opiaten etc. steht. Da muss ich auch später irgendwann mal was zu schreiben, wie schmutzig die tolle linksalternative Frauensolidarität hinter der Fassade gelegentlich aussehen kann. Von wegen Empathie unter Frauen und so…

      • von den Rechten hat man doch eigentlich nie erwartet, dass sie sich wirklich für das Gemeinwohl einsetzen, oder? Wer Mitglied bei den liberalen Julis oder der Jungen Union wird, tut dies wohl weniger aus Solidarität mit Schwächeren, aber dass vorgeblich linke Aktivisten sich genauso opportunistisch und unwahr wie rechte verhalten, ist dagegen bei vielen Menschen und Medien offenbar noch nicht wirklich angekommen. Feminismus- und Immigrationslobbys müssen m.E. genauso wie Pharma- und Autolobbys auf deren Beweggründe untersucht werden. https://deutschlandreformen.wordpress.com/crowdfunding

    • Die Bezeichnung „linke Linke“ ist völlig falsch. Es gibt in der BRD keine line Linke. Was es gibt ist eine postmoderne Pseudo Linke oder eine regressive Linke. Diese Gruppe, die sich in der SPD, den Grünen und Die Linke wiederfindet haben alle wesentlichen Merkmale linken Denkens und linker Inhalte schon lange aufgegeben und sie durch lächerliche Identitätspolitik ersetzt. Dadurch haben sie den Kampf gegen die Auswüchse des Kapitalismus verraten und vertreten jetzt die Interessen des Neoliberalismus durch die Entsolidarisierung der Bevölkerung.
      Das einzig Linke, das diese reaktionären Pseudos beibehalten haben sind Formen des Agitprop. Diese können aber von jedem totalitären Dogmatiker angewendet werden.

      • Die Bezeichnung „linke Linke“ ist völlig falsch. Es gibt in der BRD keine line Linke. Was es gibt ist eine postmoderne Pseudo Linke oder eine regressive Linke.

        So wie ich es verstehe ist die Bezeichnung „linke Linke“ gemeint im Sinne von „jemanden linken“ = jemanden hintergehen, übers Ohr hauen.

        • Sorry, diese feine Ironie ist mir tatsächlich entgangen. Nichtsdestotrotz sollte dieser Haufen von illiberalen Politaktivisten nicht ständig als „Linke“ bezeichnet werden. Ihr Hang zum Totalitarismus macht sie zu Nazis oder Stalinisten.

      • @Jochen @Lucas

        „Es gibt in der BRD keine line Linke. Was es gibt ist eine postmoderne Pseudo Linke oder eine regressive Linke.“

        Ich würde einen Unterschied machen zwischen denen, die medial und parteipolitisch bestimmen, was als „links“ *gilt* und was links *ist*.
        Wenn man sich die Anzahl der Mitglieder in linken Parteien anschaut im Verhältnis zu ihrer Wählerschaft – da liegen Welten dazwischen.
        Auch die in der Presse tätigen Rinken sind eine elitäre, kooptierte Schar.
        Schaut man sich die linken Kommentaren in den Internetforen an, haben sich sehr viele dieser Linken eben nicht disziplinieren lassen.
        Die SZ hat die Foren geschlossen, als es den Diskutierenden mit der militaristischen Orientierung *der Zeitung* in der Ukraine-Krise zu viel wurde.
        Das war *keine* Kritik von rechts, sondern Ausdruck einer einerseits mehrheitlich pazifistischen Haltung und anderseits die Ablehnung einer Russland dämonisierenden Berichterstattung und Politik, die aus dem „kalten Krieg“ hinreichend bekannt war .
        *Zeitgleich* begann die *feministisch* initiierte Diskussion, ob Kritik an solchen Positionen nicht auch als „hate speech“ empfunden/gefühlt werden kann oder sollte.

        Die Sperrung der Foren und das Ende des „Demokratie wagens“ der SZ war objektiv das Resultat der FALSCHEN Mehrheitsverhältnisse. Die Position der SZ war objektiv darauf ausgerichtet, eine dem „atlantischen Bündnis“ genehme Politik zu propagieren oder neudeutsch „zu vermitteln“ und mit diesem Vorhaben sind sie auf der rationalen Ebene an der demokratischen Mehrheit ihrer Leserschaft gescheitert.
        Aus dieser Perspektive betrachtet ist die Feststellung, es sei eine „andere Bewertung der Emotion dazugekommen: Die Emotion als Beglaubigung des eigenen Standpunkts, als Nachweis, dass man mit der ganzen Person dabei sei. Eine spätromantische Politik“ genau das, was einer auf die Mobilisierung von Affekten setzenden Presse in die Hände spielt.
        Und zugleich alles, was einem Feminismus, der die Aufklärung als „männlich“ denunziert (hat) noch übrig bleibt, nämlich radikaler Subjektivismus.
        Da sehe ich den Grund für diese Allianz.

        Der radikale Subjektivismus ist – nicht wirklich überraschend – elitär veranlagt und das Vehikel, um ein Overton Window – https://en.wikipedia.org/wiki/Overton_window – zu konstruieren von dem, was in einem linken Diskurs gesagt und gedacht werden darf.
        Die linksidentitäre Version der elitären Auffassung von „links“ hat NICHT ZUFÄLLIG die Funktion, den linken Diskurs zu disziplinieren und zu sanktionieren.
        Der „cordon sanitaire“ gegenüber den MRA, der MRM hat auch nicht zufällig die Funktion, die feministischen Glaubenssätze zu Frevel an einem religiösen Glaubensbekenntnis zu machen.

        Wenn man das mit der – m.E. richtigen Erkenntnis von Lucas – kombiniert „dass der eigentliche Konflikt eben nicht zwischen linker und rechter Identitätspolitik besteht, sondern dass sich beide Seiten zum gegenseitigen Nutzen die Bälle zuwerfen.“ kommt man erstens zur Notwendigkeit, sich von den identitären linken Positionen so radikal wie möglich zu distanzieren. Weil sie weder links sind, noch sein können.
        Zweitens zu der, mit allen Allianzen einzugehen, denen die Bewahrung von Resultaten der bürgerlichen Revolution – u.a. Meinungsfreiheit, Demokratie und Menschenrechte und universalistische Werte überhaupt – ein Herzensanliegen ist.

        Ich habe schon öfter gesagt, nicht ICH habe die Linke verlassen, sondern SIE mich.
        Aber mir wird immer klarer, die demokratische Mehrheit der Linken stünde im Zweifelsfall hinter mir, euch, UNS. 😉

        Schönen Gruß von crumar

  • Die Deutung des imaginierten Monsters unter dem Bett, das bekämpft werden soll, finde ich recht passend. Mir fällt dazu der Ansatz von C.G. Jung ein, mit dem eigenen Schatten konfrontiert zu werden, also den unbewussten, dunklen, ungeliebten Anteilen in einem Selbst. Da zeigen sich om Moment viele dunkle, umgeliebte Seiten der Menschen, die sie dann versuchen, in anderen zu bekämpfen.

  • „… es geht um Macht, Pfründe-Erhalt und Gewinn.“ dem schließe ich mich zu 100% an!

    Ich kann es wirklich nicht mehr hören dieses Lamento über die ach so brandgefährliche Gefahr vom rechten Rand der Gesellschaft, der vermeintlich die AFD nun eine Stimme gibt.

    Vielleicht sollte man die AFD einfach nur als „normale“ demokratische Reaktion ansehen, als ein Streben einer Gesellschaft nach innerem Ausgleich, denn für mich als eher unpolitischen Menschen sind diejenigen, die das Land mit Terror im signifikanten Ausmaß überziehen in erster Linie dem linken Spektrum zuzuordnen.

    Die 1. Mai-Krawalle oder die völlig entgrenzte Gewalteskalation in Hamburg, all das fand und findet immer unterm roten Banner statt. Das es in Deutschland bisher noch nicht zu einer Eskalation der politischen Ränder gekommen ist, hat in meinen Augen eher damit zu tun, dass es das „rechten Lager“ in der Zahl und in dem Organisationsgrad vergleichbar dem „Linken Lager“ überhaupt nicht gibt!

    Sich jetzt hinzustellen und alles mit brauner Farbe anzustreichen wo AFD draufsteht, halte ich für einer Demokratie nicht würdig. Die Folge ist Hass und Spaltung, die sich bspw. recht gut ablesen lässt an den Zahl der Morddrohungen, die die AFD-Bundestagsabgeordneten seit September 2017 erhalten haben. Die Zahl auf die Fraktion bezogen übersteigt die der anderen Fraktionen zusammengenommen! bei weitem.

    Sieht so Demokratie aus? Ich muss die Ansichten der AFD nicht teilen, muss sie nicht wählen um zu erkennen, dass in der Ächtung von Andersdenkenden eine echte Gefahr liegt.

    Die „Hetzmasse“ die sich jetzt anschickt im Namen des Guten nun einen Kongress zu verhindern, ist für mich deshalb ein Lakmustest dafür wie demokratisch unser Land eigentlich noch ist.

  • Dabei sind auch Amy Slep, Professorin an der New York University und Expertin zur Erforschung häuslicher Gewalt, und Miles Groth, Philosoph und Psychoanalytiker, der unter anderem zur Gesundheit von Jungen und Männern forscht.

    Dabei sind Emily M Douglas, Professorin in Worcester, Massachussetts, die unter anderem zu männlichen Opfern häuslicher Gewalt forscht, und Elizabeth Bates, die sich an der Universität von Cumbria unter anderem mit der weiblichen Aggression im Rahmen häuslicher Gewalt auseinandersetzt.

    Es war voraussehbar, dass die Gendermeute auf diese Schlüsselreize reagieren würde wie der pavlovsche Köter. Amendt diente mit seinen kritischen Anmerkungen zum Adoptionsrecht Homosexueller als willkommenes Ziel, als Aufhänger sozusagen, um die Meute aufzustacheln. Dann schreit noch irgendwer „Homoheiler“, und schon marschiert die SA.

  • Oje! Schon beim Lesen des Artikels kam in mir die Befürchtung hoch, daß der Kommentarthread Gefahr läuft in irgendwelchen Rinks-Lechts- Brot-Raun, ProFamilie-AntiFamilie- Positionierungen zu versinken und die ersten Kommentare scheinen auch prompt auf solche Pauschalisierungen hinzudeuten.
    Anders gesagt: Hier drohen „Erwachsenenkindereien“ ernsthaften Kinder- und Familienproblematiken in der Erörterung das Wasser abzugraben.

    Mein Appel: Liebe Mitdiskutanten ( und -onkels ),
    Lasst doch bitte mal ausnahmsweise diese grobmotorische Kasperei der Richtungszuweisungen etwas hintenanstehen und fokussiert möglichst ein wenig auf die wesentlichen Inhalte.
    Also bspw., daß bez. eines Kongresses zur Bearbeitung familiärer Gewalt rohe politische und mediale Gewalt eingesetzt wird, um eine kritische Befassung mit familiärer Gewalt zu verhindern. Da Letztere immer auch Kinder mitbetrifft, berufe ich mich hier auf die in D. gültige einfachgesetzliche Tatsache, daß die Rechte der Kinder grundsätzlich vor irgendwelchen Rechten adulter Personen betrachtet und beachtet werden sollten ( hat das BVerfG mal gesagt, als es noch ein Obergericht und keine Politpropagandaschleuder war ).
    In der Tat gibt es zu den angesprochenen Themenkomplexen und auch zu Lucas‘ Blogspot einiges kritisch anzumerken. Z.B. daß er möglw. auf eine Negativtautologie oder auf eine darauf basierende Fake- bzw. Junkstudie hereingefallen ist ( müßte man mal genauer überprüfen ).

    • @ Fiete

      Ich gebe Dir recht, politische Haltungen sind grundsätzlich ungeeignet für ein Diskurs via Blog-Kommentarfeld. Zudem geht es im Kern ja um eine Konferenz mit unterstütenswertem wichtigen Anliegen.

      ABER: Zum einen ist der Kommentar von Lucas explizit so angelegt, dass die politische Dimension viel Raum einnimmt, es also vollkommen legitim ist darauf dann im Kommentar auch Bezug zu nehmen. Zum anderen stellen sich bei mir die Nackenhaare auf, wenn Du hier erklärst, dass man doch bitte auf „grobmotorische Kasperei“ verzichten und sich statt dessen auf „wesentliche Inhalte“ fokussieren solle. Bei allem Verständnis aber das ist respektlos und anmaßend. So zerstörst Du jede Debatte.

      • @ Thomas:
        Ich vermute mal, daß Du mich da ein wenig mißverstehst. Daß Kinder- o. Menschenverachtung durchaus ein politischer Auswuchs ist, erkenne ich selbstverständlich an und halte derartiges auch für diskutabel. Mit „grobmotorischer Hampelei“ meine ich das ewige Gelaber über links und rechts, konservativ und progressiv als wesentliche Faktoren, welche man dadurch – trotz diverser z.T. diametral entgegengesetzter Definitionen ( sind Nazis links? ) über reale Inhalte stellt.

        Oder anders gesagt: Farb- bzw. Abbiegevorlieben, oder gar willkürlich dazu aufgestellte Vorschriften als Gesprächsinhalt, machen sinnvolle Diskussionen zu den – übrigens stets vorhandenen – realen Inhalten ziemlich unmöglich.

        Noch anders: Es ist mir in einer Diskusson über Kinder- o. familiäre Rechte absolut Mumpe, ob irgendwer z.B. das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit als links, rechts, antisemitisch ( wie bspw. Charlotte Knobloch ) oder grün, gelb, lila bezeichnet. Derartige Zuweisungen diesen i.d.R. ausschließlich dem Zweck mittels schwachfugiger Ablenkungtiraden eine sinnvolle Debatte zu verunmöglichen. Weshalb es auch einfach nur dumm ist, sich in dem Punkte auf Verteidigungsscharmützel einzulassen.

        Oder konkret zum Kongress:
        Es geht dabei einfach nicht darum, ob es nun Pflicht der SPD oder der AfD sein muß, Gewalt gegen Kinder ( oder ihre Eltern ) zu verteidigen, weil das nunmal „irgendwie links“ ( oder braun, oder viereckig ) ist ( siehe Vorwurf gegen Amendt, weil er lieber Zentren gegen Gewalt, als gewaltverherrlichende und – deckende geheime Frauenhäuser hätte, welche gerade in ihrer Gewaltfunktion von sich selbst als linkspflichtig betrachtenden Idioten für heilig gehalten werden ), sondern um die Tatsache ( und darlegung derselben ), daß die Verherrlichung von Gewalt gegen Kinder ( und Eltern ) vollkommen idiotisch und extremst dissozial ist.

        • @ Fiete

          Vielen Dank für Deine Klarstellung!

          Erlaube mir trotzdem eine Bemerkungen dazu: Im Gegensatz zu Dir sehe ICH im politischen und gesellschaftlichen Kontext in dem wir momentan leben DIE zentrale Ursache für die grassierende idiotische und dissoziale Verherrlichung von Gewalt. Der Versuch den Kongress und damit das Sprechen über diese Themen via Denunziation zu verhindern ist ergo nicht trotz sondern WEGEN der herrschenden politischen Verhältnisse möglich. Wer also daran etwas ändern will, kann das in MEINEN Augen am direktesten an der Wahlurne tun. Darüber lässt sich streiten, klar! Das geht aber nur dann wenn alle Meinungen und Sichten auf das „Problem“, auch die über Farb- und Abiegevorlieben zugelassen sind.

          • @ Thomas:
            „Der Versuch den Kongress und damit das Sprechen über diese Themen via Denunziation zu verhindern ist ergo nicht trotz sondern WEGEN der herrschenden politischen Verhältnisse möglich.“
            Selbstverständlich, gar keine Frage.

            „Wer also daran etwas ändern will, kann das in MEINEN Augen am direktesten an der Wahlurne tun.“
            Nun, da habe ich mittlerweile so meine Zweifel. Mal ganz abgesehen vom nicht zu unterschätzenden „Trump-Effekt“, der offenbar sehr viele Leute in die Arme von Gruppierungen treibt, die nix besser machen, sondern einfach auf Unmut bauen, halte ich Diskussionen wie z.B. hier in der Bloggerszene für vielleicht das bessere Mittel. Sofern sie denn eben nicht in Zuweisungen und Schlagwörtern enden, sondern einigermaßen umfassend und differenziert geführt werden.
            Nach meinen Beobachtungen stellt sich nämlich immer wieder mal heraus, daß das, was für den Einzelnen sich als common sense darstellt, gar nicht so weit auseinanderliegt, wie man denken könnte, wenn man sich zu sehr auf die rein ideologischen Pauschalzuweisungen konzentriert.

            Die bereits erwähnten Soziologinnen z.B., mit denen ich mich gelegentlich unterhalte, haben mich sicherlich zunächst einmal für einen irgendwie schrägen Exoten gehalten, was ja auch aus deren Sicht gar nicht so allzu verkehrt ist. Letztens bekam ich aber auch in einem Nebensatz die Rückmeldung, daß sie mittlerweile durchaus Gewinn daraus ziehen, umstrittene Themen mal aus meiner Sicht dargestellt zu bekommen und sich manchmal schon regelrecht darauf freuen. Als ich – verkürzt gesagt – ansprach, daß es mir überhaupt nicht um eine stammtischartige Provokation geht, sondern um einen Austausch auf Augenhöhe, trotz, oder gerade wegen des vordergründigen sozialen Gefälles zwischen uns und ich ihnen garantiert NICHT zu nahe treten will ( oftmals kritisiere ich in diesen Gesprächen eben gerade die Verhältnisse im akademisch-soziologischen Bereich und das Wesen des profitorientierten Sozialgeschäfts ), weil ich sie als Gesprächspartner ganz außerordentlich schätze ( ganz ehrlich, nach meinen distanzierten Erfahrungen im überwiegend schriftlichen Behördenverkehr war ich durchaus überrascht über so viel gesunden Menschenverstand bei ausführenden Vertretern dieser Branche ), erwähnte eine davon am Rande, daß es schon quasi als „Bonbon“ betrachtet wird, wenn eine davon sagt: „Ich treffe mich heute mit Herrn M.“.
            Überspitzt gesagt: Der doofe Fiete wird zu einer Art „Fortbildungsquelle“ im weitesten Sinne …

            DAS sind m.E. so kleine Ansätze, die die gesellschaftliche Entwicklung – sozusagen von unten – durchaus in einer Weise beeinflussen können, die mittel- und langfristig mehr bewirkt, als das Kreuzchen bei den Wahlshows.
            Nur sind sie natürlich mühsam und erfordern einiges an Geduld, Toleranz und auch ( manchmal geradezu waghalsig-mutige ) Vertrauensvorgaben.

            Ich glaube, manchmal wollen Leute, die sich in ihrer Filterblase gelegentlich nicht so ganz wohl fühlen auch hinterfragt sogar regelrecht „auf’n Pott gesetzt“, w.h.: an ihre eigenen „Urtopics“ erinnert werden. Nur braucht das eine solide Kommunikationsbasis und die ist heutzutage gar nicht so einfach zu finden und die Vertreter der verschiedenen Ideologien sind m.E. hauptsächlich damit beschäftigt, sie mittels Neusprech unerreichbar zu machen.

            Insofern ist es natürlich schon ein schwieriges Unterfangen einer leitenden Sozialarbeiterin die ( in dem Moment rhetorische ) Frage an den Kopf zu werfen: „Was ist für Sie die wichtigste und vornehmste Aufgabe jeder Art von Sozialarbeit?“
            Und auf die ( unsicher berührte ) Antwort: „Äh …, daß es jedem gut geht (?)“, dann auch noch frech zu erwidern: „Nö! Sich selbst in seiner Funktion möglichst rasch und umfassend überflüssig zu machen(!)“. ( Bumm! Das trifft sicherlich erstmal ganz schön hart )

            Aber ich denke, es lohnt die vorbereitende Mühe und ist dringend notwendig.

    • @ Fiete „Also bspw., daß bez. eines Kongresses zur Bearbeitung familiärer Gewalt rohe politische und mediale Gewalt eingesetzt wird, um eine kritische Befassung mit familiärer Gewalt zu verhindern.“ Ja, das ist in meinen Augen der Kern. Wobei die mediale Gewalt eben auch in der Skrupellosigkeit besteht, mit der Falschinformationen verbreitet werden, die den Veranstaltern des Kongresses schaden sollen. Massiv auch von Grünen, SPD oder Frankfurter Rundschau, bei denen die meisten Menschen ein Mindestmaß an Seriosität erwarten und so etwas gar nicht für möglich halten.

      Was die „Junkstudie“ angeht: Ich weiß, dass die Frage homosexueller Elternschaft ein eigenes, großes, vermutlich auch kontroverses Thema sein könnte. Der Witz ist nur: Mit diesem Kongress hat es gar nichts zu tun. Der Zusammenhang wird – so erkläre ich mir das jedenfalls – konstruiert, weil dieser Kongress anders gar nicht angreifbar ist. Wer sollte denn etwas dagegen haben, dass internationale Experten zum Thema der häuslichen Gewalt zusammenkommen und sich über Gründe sowie über Möglichkeiten der Eindämmung und Prävention verständigen? Eigentlich könnten Frankfurter einfach froh sein, dass solch eine Veranstaltung an ihrer Uni stattfindet.

      Argumentativ gibt es hier überhaupt nichts auszusetzen. Es werden halt, möglicherweise, Interessen verletzt – von Menschen, die davon profitieren, dass häusliche Gewalt in der deutschen Politik allein im Rahmen simpler Geschlechterklischees thematisiert wird. Aber auch diese Interessen sind eben offenkundig illegitim.

      Über die Einschätzung homosexueller Elternschaft jedoch – die eben mit dem Kongress gar nichts zu tun hat, die als Thema zudem allein über einen 16 Jahre alten Essay herangekarrt wird – sind unterschiedliche Meinungen möglich, darüber lässt sich ein Konflikt und gar ein Skandal inszenieren.

      Ich finde übrigens, dass nicht nur Journalisten und Parteien hier unglaublich schäbig agieren, sondern auch der AStA. Das sind Studenten – die agieren im Vergleich zu Gleichaltrigen in einer vergleichsweise hoch privilegierten Position, die auf der Einschätzung beruht, sie wären in außergewöhnlichen Maße fähig, sich zu bilden. Und auch die sind nicht in der Lage, sich mal zwei Minuten über etwas zu informieren, bevor sie öffentlich dagegen hetzen.

      • @ Lucss:
        Zunächst mal Danke für die Antwort und sorry, daß ich mich oben recht knapp geäußert habe. Ich wollte einfach nicht die von mir befürchtete Ausuferung durch „Semitopics“ letztendlich selbst anheizen.
        Ich denke, im wesentlich sich wir uns im Kern ( mal wieder ) grundsätzlich einig.

        „Was die „Junkstudie“ angeht: Ich weiß, dass die Frage homosexueller Elternschaft ein eigenes, großes, vermutlich auch kontroverses Thema sein könnte. Der Witz ist nur: Mit diesem Kongress hat es gar nichts zu tun. Der Zusammenhang wird – so erkläre ich mir das jedenfalls – konstruiert, weil dieser Kongress anders gar nicht angreifbar ist.“
        Ich habe das Werk nicht gelesen und halte das eigentlich auch für ziemlich überflüssig, da es dazu ja zwingend ableitbare Erkenntnisse längst gibt.
        Nur um ( möglichen „weiteren“ ) Mißverständnissen vorzubeugen reiße ich es jetzt aber doch mal grob an.
        Soweit mir bekannt, können homoerotische Menschen selbstverständlich genau so „elternfähig“ sein wie heterosexuelle ( ein von mir sehr geschätzter und m.E. hochfähiger Kindergärtner war – resp. ist vermutlich immernoch – stockschwul ).
        Wobei schwule Elternteile wahrscheinlich deutlich seltener sind als lesbische, zumindest sofern sich die neueren Erkenntnisse, daß männliche Homoerotik großteils vorgeburtlich angelegt und jedenfalls „relativ unveränderlich“ ist, während weibliche „flexibler“ ist, nicht als Irrtum. o. Betrug herausstellen ( ich halte diese Erkenntnisse für recht glaubhaft ).

        Die gern daraus entwickelte Annahme, daß homoerotische „Elternpaare“ nicht schlechter wären, als heterosexuelle, ist allerdings unzweifelhaft eine vollkommen schwachsinnige Negativtautologie. Allein schon weil Homopärchen nunmal gar keine Eltern sein können. Ein Kühlschrank ist kein schlechterer Elternteil, als ein Fahrrad, und Pfadfindergruppen sind keine schlechteren Eltern als Fahrgemeinschaften.
        Ebenso tautologischer Umkehrschluss: ( Ausschließlich ) Eltern können ( bessere o. schlechtere ) Eltern ( als andere Eltern ) sein.
        Ich denke, damit müßte dieser Bereich der Hetzkampagnen der letzten Jahre eigentlich erschöpfend abgehandelt sein.
        Man könnte höchstens noch darauf hinweisen, daß es seriöse Empirie zu den Zahlen vaterloser Kinder und deren Defizithäufigkeit gibt ( zu mutterlosen Kindern weiß ich nix, sehe da aber keinen prinzipiell wesentlichen Unterschied ), die wohl den meisten ernsthaft mit den Problematiken im Kinder-, Eltern-, Familienrechten und -forschungen befassten Mitlesern wenigsten im Groben bekannt sein dürften. Und, daß Kinder nunmal exakt zwei, immer gegengeschlechtliche Eltern haben ist seit Jahrmillionen eine Binse. Allein das reicht m.E. völlig aus, um zu belegen, daß eine „Studie“, die unterstellt, daß ein homoerotisches Paar im Schnitt für ein Kind gleich kompetent wie ein durchschnittliches Elternpaar wäre, nur Junk o. kompletter Fake sein kann ( aber wie gesagt, ich habe mir das dazu verlinkte – noch – nicht angeschaut, weiß also auch nicht, was da tatsächlich und konkret behauptet wird, gehe v.dh. nur von der Formulierung im obigen Artikel aus, die verschiedene Lesarten zulässt ).

        Die etwas komplexere Geschichte des „Homogruppenprivilegs auf Adoption“ lasse ich mal weg, obwohl sie scheinbar ( was mir kaum begreiflich ist ) mit irrwitziger Vehemenz und von manchen offenbar ernstgemeint geführt wird. Das ist genau so absurd, wie die erlogenen Vorwürfe gegen die Kongressteilnehmer
        Kurze Bemerkung dazu für Insider:
        Warum sollte man sich für ein adultes Individualrecht einsetzen, daß es seit Jahrzehnten längst gibt und das auch ganz selbstverständlich unproblematisch umgesetzt wird ( wer es nicht glaubt googele einfach mal die chronologischen Daten zum Fall Brederlow )?
        Ähnlich unglaublich dummdreist, wie die wahlvolkverachtende Forderung vieler Politfreaks nach „Kinderrechten in’s Grundgesetz“, in welchem die UNkrk ( laut BVerfG ) ausdrücklich längst verankert ist.

        „Eigentlich könnten Frankfurter einfach froh sein, dass solch eine Veranstaltung an ihrer Uni stattfindet.“
        M.E. könnten sie nicht nur, sie sollten sogar ganz unbedingt. Denn wie man schon hier in diesem einen Thread recht gur erkennen kann, ist der Bildungsstand zu dem Themenbereich, auch und gerade an den Unis und ihren „geisteswissenschaftlichen Fakultäten“ dermaßen unterirdisch, daß ich zu dem Schluss komme, daß manches bildungsferne Ghetto über mehr soziale Kompetenzen verfügt ( das meine ich ernst! ).
        Übrigens habe ich über diese erschreckenden Defizite im akademischen Bereich Mittwoch erst mit einer abteilungsleitenden Sozialarbeiterin einer recht großen „gGmbH“ ( offiziell eine Stiftung ) gesprochen und die stimmte mir grundsätzlich zu und ergänzte noch um eigene Beispiele aus dem Zeitraum 90er Jahre bis jetzt ( ihre Tochter studiert wohl gerade ).

        „Argumentativ gibt es hier überhaupt nichts auszusetzen. Es werden halt, möglicherweise, Interessen verletzt – von Menschen, die davon profitieren, dass häusliche Gewalt in der deutschen Politik allein im Rahmen simpler Geschlechterklischees thematisiert wird. Aber auch diese Interessen sind eben offenkundig illegitim.“
        DAS ist m.E. der wirklich wahnsinige Casus Knacktus!
        Resp. DAS für normale Menschen unglaublichste Symptom des Irrsins in „unserem“ gemeinen Wesen D. ( oder besser: Der gesamten westlichen Welt ).
        Oder, wie ich seit ungefähr 2010 nicht müde werde zu wiederholen:
        Der beste und gemeinste Trick der „Gegenseite“ ist die absolut Unglaublichkeit!
        Daß hier und jetzt ein äußerst niederes – und letztendlich rein privates – Geschäftsinteresse in der „Helferbranche“ jährlich zigtausende Kinderexistenzen eiskalt hohnlächelnd vernichtet, ohne daß die Verantwortlichen auch nur mal ganz kurz reflektierend innezuhalten, kann sich ein normaler Mensch, besonders ein Elternteil, einfach nicht vorstellen!
        Daß z.T. hochstudierte, zumindest aber irgendwie intelligente und ansonsten äußerlich normalwirkende Menschen so primitiv und ferngesteuert inhuman arbeiten, noch dazu in Funktionen, die „von uns“ geschaffen und bezahlt werden, um gerade solche Sauereien zu verhindern, kann vermutlich nur als gegebene Tatsache wahrnehmen, wer derartiges „live und in Farbe“ selbst erlebt hat ( und insofern meist auch selbst beschädigt ist, was die Zwickmühle dann zumacht, da er relativ einfach als „Verstörter“ gebranntmarkt werden kann und wird.

        „Ich finde übrigens, dass nicht nur Journalisten und Parteien hier unglaublich schäbig agieren, sondern auch der AStA.“
        Klar und eindeutig!
        Die Asten sind aus diesem Blickwinkel betrachtet m.E. unzweifelhaft eben KEINE allgemeinen Studentenausschüsse ( mehr ) sondern propagandistische und ( mittlerweile auch ) überwachende und exekutierende Abteilungen der effektiv regierenden Politmafia.

        „1984“ war letztes Jahrtausend!

        Aber – um mal wieder zum Kongress und G. Amendt zurückzukommen – es mehren sich die kritischen Stimmen. Von sciencefiles bis zur Hessenschau gibt es mittlerweile einige Stellungnahmen dazu, unter anderem von Amendt selbst.
        Und auch die Goethe-Uni hat sich ja ziemlich eindeutig dazu geäußert. Hoffen wir mal, daß die dortige Leitung nicht doch noch im letzten Moment umkippt. Ganz sicher ist das noch nicht, denn es ist nicht ausgeschlossen, daß man noch auf die Störung des Betriebs durch die Protestaktionen abhebt, was fatal wäre, aber in diesem Durcheinander leider eben erfahrungsgemäß möglich.

      • @ Fiete

        Einverstanden, Veränderung beginnt im Kleinen – Überzeugungsarbeit im One-on-One ist die Ochsentour und hat meinen ganzen Respekt.

        Ich glaube da allerdings eher an den groben Keil (bei dem Klotz), nämlich die Veränderung mit Hilfe der Wahlkabine. Was Du in diesem Zusammenhang unter dem Trump-Effekt verstehst, verschließt sich mir allerdings.

        Der 45. Präsident mit dem Temperament eines 6-jährigen bietet einfache Antworten auf komplexe Fragen und sogar für den unterlegenen politischen Gegnern ist noch was drin, die Russen waren es, oder gern alternativ das Patriarchat. Ist doch prima, keine Frage Euer Ehren.

        Das Privileg einer Demokratie besteht nicht darin von den „Besten“ regiert zu werden, sondern getroffene Wahlentscheidungen geordnet, friedlich!, periodisch revidieren zu können.

        Das setzt allerdings voraus, dass die als Antipode wirkenden Institutionen einer Demokratie, also vor allem Verwaltung, Justiz und Presse funktionieren – und das klappt, soweit ich das überblicke in den USA im großen und ganzen ganz gut.

        Und hier schließt sich dann der Kreis, denn während zumindest eines von der Ära Trump bleiben wird, nämlich das politische Establisment vom Kopf auf die Füße gestellt zu haben (oder gern auch umgekehrt) gehen wir hier in Deutschland mit der nächsten eindeutig feministischen GroKo in die nächsten bleiernen Jahre, die für die Anliegen der Männer und Jungen in diesem Land nichts aber auch rein gar nichts progessives zu bieten hat, während die natürlichen Gegenspieler im besten Sinne als Claqueure am Rande stehen und steuerfinanziert Beifall klatschen.

        Deswegen, lieber Fiete halte ich den Zustand der Demokratie in Deutschland für viel fragwürdiger als die vermeintlichen Missetaten des Sündenbocks im weißen Haus.

        • Naja, Trump-Prinzip heißt vermutlich vor allem Anderen erstmal Egomanie.
          „Nur er“ kann die Probleme lösen, das Establishmnt hat er aber bis jetzt nicht aufgemischt, er ist eben selbst Establishment, konnte gut mit den New Yorker Demokraten, z.B. waren die Clintons Gäste auf seiner dritten Hochzeit, Vieles an dem Geplänkel ist TV-Show, Vieles an seinen „Freundschaften“ aber auch. Hillary und er haben sich auf der Hochzeit abgeknutscht, ob er sie irgendwo „gepussygrabbed“hat, wissen wir nicht, ist auch egal.
          Entscheidend ist die Politik, die unter seiner Präsidentschaft gemacht wird, und die finde ich durchwachsen.
          Einerseits lässt er Minderjährige abschieben, die sogenannten DACA People, die als Kleinkinder illegal eingereist sind und fast ihr ganzes Leben hier verbracht haben, ohne kriminell aufzufallen, die vor Jahren schon legalisiert wurden, und er kippt ihren Status einfach, das find ich schon grob ungerecht, andererseits stellt er sich jetzt hin und sagt “ I as a wealthy person and President of the united States will adopt 35 of these DACA People, whose personal efforts for our country and our people have deeply impressed !“, und der Witz ist, irgendwie traut man ihm das wirklich zu, aber andererseits macht er das zu einem persönlichen Ding, und nur für ihm persönlich genehme Kids, anstatt eine schon praktizierte allgemeingültige, schon praktizierte Regel für Alle beizubehalten, und spekuliert da mit Sicherheit auch auf persönliche Publicity, sowohl für die Abschiebungen als auch für diese „großherzige“ Massenadoption.
          Irgendwo tief im Inneren wäre mir der Mann, trotzdem er offensichtlich sehr berechnend ist, im Falle einer globalen Krisensituation z.B. in Korea, eher ziemlich unbehaglich, man traut ihm nämlich auch leicht zu, dass er Dinge aus Egogründe, einfach eben mal so aus der Lameng, stark überreißt.

        • @ Thomas:
          „Das setzt allerdings voraus, dass die als Antipode wirkenden Institutionen einer Demokratie, also vor allem Verwaltung, Justiz und Presse funktionieren – und das klappt, soweit ich das überblicke in den USA im großen und ganzen ganz gut.“
          Ob das in den USA funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich mir aber den groben Schnitt der imperialen Verbündeten so anschaue, sieht es schlecht um die Demokratie aus, besonders hier in D. und das ist für mich nunmal der mir am nächsten liegende Bereich.

          Mit „Trump-Effekt“ meine ich das, was man hierzulande ungefähr analog als „AfD-Effekt“ beschreiben könnte. Und auch das hat eine gefährliche doppelte Eigendynamik, nämlich insofern, daß ja tatsächlich reichlich ultrarechte ( sind auch nicht nur blöd ) darauf aufspringen und den von den „Linken“ herbeigebeteten Effekt noch verstärken. Eine für beide Seiten offenbar z.Zt. ganz genehme Aufschaukelung. Das erste an familienpolitischen Entwürfen, was ich von der AfD gelesen habe war z.B. deutlich besser als alles andere, was „unsere“ Parteien derzeit geboten haben. Danach habe ich mich damit erstmal nicht mehr beschäftigt. Was ich jetzt von der BuTa-Debatte lesen muß, hat damit schlicht nichts mehr zu tun. Was natürlich durchaus mit daran liegen mag, daß man dort zunächst relativ schlaue, informierte Köpfe anlocken wollte ( bspw. Hedwig v. Beverförde, die gewiss Ahnung von der Thematik hat ), mittlerweile aber locker auf blinden, identitären Opportunismus setzt, oder so.
          Eine Gefahr, die ich übrigens ganz grundsätzlich, wenn wohl auch nicht in dem Maße, bei der FDP sehe, weshalb ich der Meinung bin, daß man auch der in den nächsten Jahren sehr aufmerksam auf die Finger schauen sollte.

          ( Nu bin ich Trottel doch weiter vom Kerntopic abgeschweift, als beabsichtigt …. )

  • Die fett gedruckte Einleitung halte ich für verfehlt. Überall die Platte „Grüne, SPD gegen AfD“ voranzustellen ist obsessiv und abgenutzt, ohne Wert zu erzeugen, zumal sich meines Wissens die AfD überhaupt nicht zu diesem Kongress geäussert hat. Sorry, wenn ich das nicht recherchiere, nicht jedem politischen Mist irgendwelcher Parteien muss nachgegangen werden.

    Es bringt auch nichts, damit eigene Logikfehler zu erzeugen. Es sind SPD und Grüne, die tatsächlich an diversen Regierungen beteiligt waren und sind und die haben tatsächlich erwiesen gegen die Meinungsfreiheit gehandelt. Nicht nur in Worten, auch in ganz konkreten gesetzlichen Werken, z.B. die SPD beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz. Und nicht die AfD, die noch gar nicht so weit ist (und vielleicht nie so weit kommen wird), dass sie Gesetze verfassen kann. Gewiss, die AfD könnte vielleicht mal. Wollen wir einen Toten oder den, der vielleicht mal sterben wird?

    Man sollte den Leute nicht sagen: Beschäftigt euch weiter mit den erwiesenen Meinungsfreiheitsfeinden und fordert, dass die mal zur Einsicht kommen, denn es könnte sein dass die „Alternative“ vielleicht mal auch so schlimm wird. Also wie „esst weiter das Gift das euch umbringt, vielleicht wirds ja mal besser; esst aber ja nicht das alternative Zeug, denn das könnte vielleicht auch mal giftig sein“.

    Und wenn das nur ein Aufruf sein soll, die Linke zu verändern, so könnte man mit gleicher Begründung zur Veränderung der Alternative aufrufen.

    Deshalb wäre es meiner Ansicht nach besser, solche Fehllogiken ganz wegzulassen und sich nur auf die Ereignisse vor dem Kongress zu konzentrieren.

    • Ich denke, die Einleitung bezieht sich auf die These, der europaweite „Rechtsruck“ sei eigentlich eher eine „Linksflucht“.
      D.h. z.B. viele wählen die „Alis für Deutschland“ (witzelte Bülent Ceylan heute im TV) nicht aus Überzeugung, sondern weil sie sich von den Parteien, die als „irgendwie links“ sehen, Null vertreten sehen, und sich von dem pseudomoralischen Medientheater und der Pfründepolitik AUCH der Irgendwie-Linken angeekelt abwenden.

  • „Die neue alte schwarz-rote Koalition wird die AfD ja mit hoher Wahrscheinlichkeit noch stärker machen – leider.“

    Die linken Fanatiker brauchen keine AfD, um ihren poltischen Gegner, der gleich das „ganze System“ ist, als rechtsextrem zu diffamieren. Seit Jahrzehnten war ihre Dialektik immer darauf ausgerichtet, sich als einzige Alternative zur faschistischen Mehrheit zu inszenieren und auf dieser Welle reitet jetzt nicht mehr ein machtloser linker Extremismus wie einst, sondern mittlerweise ein satte Teile der „Mitte der Gesellschaft“, wie Parteien und Presse. Und diese halten mit religöser Inbrunst an ihren Dogmen fest und geht dazu über per Zensur und irrem Geschrei abweichende Meinungen zu stigmatisieren und zu kriminalisieren. Dem zugrunde liegen zutiefst irrationale Ideen, deren gemeinsamer Nenner ein entschiedener „Antikapitalismus“ ist.

    „dass Gruppen meiner eigenen politischen Heimat, der politische Linken, aus kaum erklärlichen Gründen versessen darauf sind, durch irrationale und herrische Positionen die AfD nach Kräften zu fördern.“

    Das ist leicht zu verstehen. Diese Leute vertreten regelmässig extreme und einseitige Ansichten, die emotionalisieren und spalten sollen. Dies reibt die Vernünftigen in der Mitte auf und zwingt sie zu einer „Positionierung“, was natürlich bevorzugt für links geschieht. Wer will denn schon nicht auf der Gewinnerseite der Geschichte stehn?!

    Der paranoid-fanatische Politikstil beherrscht mittlerweile den politischen „Diskurs“, da er sich in den verschiedensten politischen Institutionen etabliert hat. Das Momentum dieser Entwicklung ist so kraftvoll, dass man befürchten muss, dass uns eine zutiefst repressive Gesellschaftsordnung bevorsteht. Ganz ohne AfD, die ganz offensichtlich keine Alternative ist.

    Wohin eine haltlose und fanatische Linke unterwegs ist, kann man derzeit exemplarisch in GB „bewundern“. Der Sozialismus für Dummköpfe scheint nach wie vor in einem Antisemitismus zu bestehen, der der rechtsextremen Variante qualitativ in nichts nachsteht.

  • Es gibt trotzdem viele gute Gründe, Amendts Text zu kritisieren, nur müsste er dazu überhaupt erst einmal ernsthaft gelesen werden.

    Das ist in der Tat eine Herausforderung, denn der Text ist in einem ganz furchtbaren Stil geschrieben. Da gibt es dann allerdings eine Menge zu kritisieren – und zwar gar nicht die Empfehlung, dass Homusexuelle keine Kinder aufziehen sollten. Die halte ich für vertretbar. Anstoß nehme ich vor allem an seiner Begründung (die offenbar stark von Psychoanalytikern wie Kernberg – ebenso gruselig zu lesen – beeinflusst ist). Nur mal als Beispiel:

    Welche Auswirkungen hat die besondere Geschlechtsidentität der homosexuellen Mutter für einen Jungen, der aus einer besamend verlaufenen homosexuellen Fortpflanzung hervorgeht? Er wird jenseits aller individuellen Besonderheiten grundsätzlich mit einer Frau aufwachsen, deren Weiblichkeit von unbewusster Angst und von der Abwendung vom Männlichen – also dem Körper, dem Penis und seinen Symbolisierungen – beherrscht wird. Der Sohn wird zwangsläufig in ihr all das auslösen, was sie am Männlichen schwer erträgt, was sie verleugnet, abwertet etc. und was auf der Beziehungsebene als diffuses Unbehagen auftaucht. Der Sohn verkörpert – je älter er wird – all das, was sie mit der Besamung umgehen wollte. Ganz zu schweigen von der Verleugnung des Samens als dem Repräsentanten des Vaters ihres Sohnes.

    Wie geht sie später damit um, wenn ihr Sohn Erektionen hat, wenn er sich in seine Mutter verliebt und seine Zärtlichkeit und seine sexuellen Phantasien sich auf sie richten, wenn er nach dem Vater fragt und wenn er vor allem den Weg zum Vater als dem Repräsentanten des Männlichen sucht? Auch der kleine Sohn hat den Penis, der für sie das Angst machende Männliche symbolisiert und zugleich ist. Den Glanz im Auge der Mutter, den seine Männlichkeit weckt, wird er wohl nie sehen.

    Man kann das gar nicht ohne Kopfschütteln lesen.

    Das geschilderte Verhalten legt die Vermutung nahe, dass homosexuelles Fortpflanzungsbegehren Ausdruck von Verwundungen und Verwirrungen in der eigenen Kindheit ist. Und es spricht einiges dafür, dass die Rache für die Wunden ihren Ausdruck in der aggressiven Persiflage der elterlichen Geschlechterbilder findet. Die Forderung nach homosexueller Fortpflanzung und Elternschaft könnte durchaus eine solche Form der Aggressivität sein. Schließlich wertet sie die Erfahrungen mit den eigenen Eltern zum Beliebigen ab, zu etwas, was einfach jeder kann, was nichts Besonderes ist und vor allem keine Identität verkörpert! Neben der Wut auf die Eltern schlummert hier das Motiv der Rache. Was ist schon Elternschaft! Nichts, was mit dem eigenen Vater und der eigenen Mutter zu tun hätte, nichts was sich lohnte übernommen und bewahrend als Tradition weitergegeben zu werden.

    Ständig unterstellt er Verwirrungen, man hat aber den Eindruck, dass es Amendt selbst ist, der an Verwirrung leidet.

    Wenn er schreibt: Fortan war es sozusagen berufspolitisch verboten, Homosexualität als Krankheit zu diagnostizieren und sie unter diesem Aspekt zu erforschen, während umgekehrt Homosexuelle als pathologisch galten, wenn sie das Ergebnis ihrer psychosexuellen Entwicklung als ich-dyston erlebten. Als therapiebedürftig gilt jetzt der Homosexuelle, der über seine Homosexualität unglücklich ist.

    Dann habe ich schon den Eindruck, dass er die umgekehrte Ansicht – dass der glückliche Homosexuelle therapiebedürftig sei – bevorzugt. Es wird hier nicht ganz klar.

    Obwohl der Text einerseits sehr abgehoben wirkt – alles ist so abstrakt ausgedrückt, dass es ein Segen ist, wenn er gelegentlich mal ein Beispiel bringt, ist er doch an vielen Stellen sehr polemisch, nur ein Beispiel von vielen:

    Aber ob wir homosexuelle Fortpflanzung und daraus resultierende Elternschaftshybride für moralisch legitimierbar halten, ist etwas gänzlich anderes als die Einverleibung und Ausscheidung eines Big Mac oder irgendwelche Formen subkultureller Freizeitgestaltung.

    Gerade diese – etwas hinterhältige – Polemik macht den Text schon sehr fragwürdig.

    Mir wäre es übrigens egal, wenn Amendt offen homosexuellenfeindlich wäre. Es hat mit der Veranstaltung ja kaum etwas zu tun.

    • Was für eine misanthrope Pseudowissenschaft die Psychologie doch ist….

      Nicht zu vergessen auch, dass es das Instrumentarium war, mit dem die „Linken“, genauer gesagt Marxisten, einst die Gesellschaft dämonisiert und diffamiert haben. Sicher ist das zum guten Teil die Grundlage für das abgehobene Überlegenheitsgefühl der Linken heute, das sich um keine rationale Diskussion mehr scheren muss.

      Aber jetzt gibt es ja „Gender“, was insofern ein Fortschritt darstellt, als dass sie nicht mehr nur pseudowissenschaftlich ist, sondern vollkommen wissenschafts*feindlich* und endlich reine Politik ohne irgendwelche Anhängsel. Da kann dann gleich draufgehauen werden. Es lebe der Fortschritt!

    • Ja, in der Tat, der Schreibstil von Amendt ist irgendwas zwischen „arg gewöhnungsbedürftig“ und „für unbedarfte katastrophal“. Ich habe nicht viele seiner Texte gelesen. Aber die Erfahrung gemacht, daß man sich höllisch konzentrieren und immer den ganzen Text in seiner Gesamtheit betrachten muß, da man ansonsten leicht zu heftigen Fehlschlüssen kommen kann.
      Insofern kommt er mir stellenweise wie eine Art „Fossil im Elfenbeinturm“ vor, das sich von gerade akuten relativen Sprachtabus nicht im geringsten abhalten lässt.
      Grundsätzlich finde ich das letztendlich konsequent, jedenfalls nicht eigentlich falsch. Aber es erklärt wohl auch, warum manche der heutigen akademischen Mimosen sich sofort maximal getriggert von ihm fühlen.

    • Dieser Text ist leicht als Ausdruck eines Ressentiments erkennbar. Damit gibt er natürlich ein leichtes Ziel ab. Wenn ich mir aber die ganzen Theoriegebäude vergegenwärtige, die in der männlichen Heterosexualität das Böse an sich zu erkennen glauben, dann wirkt die Empörung eben heuchlerisch. Wenn ich etwas hasse, dann sind es bigotte Moralapostel, die einen einheitliche Moralmassstab vermissen lassen und mal so, mal so urteilen.

  • vllt. sollte man das ganze mal aus dem Blickwinkel betrachten, dass es noch nichtmal darum geht den Kongress zu verhindern, sondern primär nur darum PR zu machen/erhalten, weiter zu polarisieren und das eigene Lager als das „Gute“ darzustellen.
    Den Kongress zu verhindern ist dann sozusagen ein Bonus, der sich wieder wirksam als Sieg verkaufen lässt, wenn er dann doch stattfindet, wonach es m. E. zur Zeit auch aussieht, lässt sich auch der „Kampf“ dagegen gut Verkaufen.

    Ist ja nicht so, als hätten sich die Herrn und Damen letzten Monat mal eben verabredet um ein Kaffeegrenzchen abzuhalten.
    Der Kongress hatte ja eine lange vorlaufzeit und ich stelle fest, dass bei Projekten gleich welcher Art, die eine lange Vorlaufzeit haben, oft die Gegner (seltsamerweise sind da oft Grüne, Linke und auch SPDler dabei) erst kurz vorher agieren, selbst wenn es schon lange davor Möglichkeiten gab (bspw. bei Bauprojekten) um zu intervenieren.

    • Ja, es verkauft sich ganz prima, wenn man in den Medien die Message bringen kann:
      „150 junge humanistische Geisteswissenschaftler protestieren gegen rechtsgerichtete Homophobie“.
      Wer könnte denn daran Anstoß nehmen?
      Daß die „bösen Homoheiler“ Polizeischutz anfordern müssen, Vorwürfe bestreiten, die Räumlichkeiten ein wenig „vandalisiert“ werden. Who cares?
      Ein toller Erfolg an der buntdiversen Front!

  • Jeder Kommentar der eine Klarstellung versucht, wird nach einiger Zeit gelöscht (http://www.fr.de/frankfurt/kongress-der-ag-familienkonflikte-in-frankfurt-kongress-bleibt-umstritten-a-1477539). Vielleicht ist es ja auch mein Account der gleich zur Löschung führt. Mit Linkangabe zu Lucas wird der Kommentar gleich entfernt, mit „nur“ Text immerhin bis es einem Redaktionsmit- oder ohne- glied auffällt (oder Meldung des Kommentars durch einen LeserX als „pöses Machwerk“ erfolgt)…. Ja, der offene demokratische Diskurs ist nicht Jederfrau’s Sache… ;o)

  • 10. 4. 2018 Diese Presseerklärung haben die Vertreter des Kongresses gerade herausgegeben:

    PRESSEMITTEILUNG vom 10.4.2018
    Medien unterschreiben Unterlassungserklärungen

    Der Veranstalter des Kongresses Familienkonflikte gewaltfrei lösen, Prof. Dr. Gerhard Amendt, wurde im Vorfeld des Kongresses vom Onlinemagazin “Merkurist” mit rechtswidrigen Ausgangsbehauptungen und Denunziationen seiner Person überzogen. Die Media Kanzlei Frankfurt/Hamburg hat Merkurist ​daraufhin abge​mahnt.

    Zahlreiche weitere Medien beriefen sich auf die rechtswidrige Berichterstattung des “Merkurist” und druckten diese ungeprüft ab.

    Daraufhin hat das Onlinemagazin „Merkurist“ eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben und müsste im Wiederholungsfall der Äußerungen eine angemessene Vertragsstrafe an Herrn Amendt zahlen.

    Der Büroleiter der Media Kanzlei Hamburg Dr. Tobias Hermann ​bemerkt hierzu:​

    “Es kommt leider häufiger vor, dass Drittmedien ungeniert von der rechtswidrigen Quelle abschreiben und sich die Rechtsverletzung auf diese Weise schnell vertieft. Auf diese Weise kann schnell eine Art Medien-Tsunami entstehen, den es zu stoppen gilt.“

    Dr. Severin Müller-Riemenschneider, Partner der Kanzlei aus dem Frankfurter Büro:

    “Wir konnten der Fortsetzung der Denunziationen von Prof. Dr. Amendt im Vorfeld des Kongresses erfolgreich entgegenwirken, indem mehrere Medien eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abgegeben bzw. die beanstandeten Äußerungen gelöscht haben. Auf diese Weise konnten wir den Kritikern des Kongresses den Wind aus den Segeln nehmen.“

    Professor Amendt:

    “Es wird immer häufiger zur Unsitte, unerwünschte Forschungsergebnisse durch Denunziation zu diskreditieren. Wir haben diesem Versuch erfolgreich einen Riegel vorgeschoben und hoffen auf einen ungestörten Kongressverlauf.”

    • wenigstens ist festzuhalten, dass der Kongress überhaupt stattfinden konnte und die Uni dem Druck standhielt. Erfreulicherweise hat die taz übrigens einen mehrseitigen Bericht über Jörg Baberowski und seine „sozialistischen Tugendwächter“ recht ausgewogen geschrieben und die Meinungsfreiheit verteidigt, was ja unter Linken heute nicht mehr selbstverständlich ist.

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