Identitätspolitik Moderne/Postmoderne Populismus

Wenn Rechte und Linke Ping-Pong spielen, verlieren alle anderen

geschrieben von: Lucas Schoppe

Identitätspolitik ist destruktiv, ob sie nun von links oder von rechts kommt

 

Als ich meinen letzten Text mit einer deutlichen Abgrenzung zur AfD einleitete, geriet ich damit hier und bei Twitter sogleich in Diskussionen: Da es in dem Text insgesamt um ein offenkundiges Fehlverhalten von Grünen und Sozialdemokraten ging, sei die Abgrenzung von der AfD in dem Zusammenhang doch überhaupt nicht nötig.

Für mich war das anders. Mein Punkt war ja eben nicht, dass Grüne und SPD irgendwie korrupt seien – sondern dass sich politische Akteure zunehmend in Schützengräben häuslich einrichten, von links und von rechts. Da für mich die Linke die politische Heimat ist und ich es vor ein paar Jahren ohnehin noch für unmöglich gehalten hätte, dass ich dazu eine große innere Distanz aufbaue, arbeite ich mich an Linken ohnehin schon deutlich häufiger ab als an Rechten.

Der Punkt, der mir dabei besonders wichtig ist: Heute hat eine Identitätspolitik Konjunktur, deren Erfolg zwar erklärlich ist – die aber für keine der gegenwärtigen politischen und sozialen Probleme tragfähige Lösungen anbietet.

 

Telegen verfeindete Zwillinge

Es ist mittlerweile schon eine Binsenweisheit, dass der Wahlsieg Donald Trumps auch auf das Konto einer linken Identitätspolitik geht. Die Angehörigen einer weißen Arbeiterklasse, vom ökonomischen Absturz getroffen oder bedroht, waren von der demokratischen Partei gleichwohl als Profiteure einer rassistischen Gesellschaft hingestellt worden – und hatten in einer großen Mehrheit Trump gewählt. Das galt auch für die Frauen, die unter der ökonomischen Not ihrer Familien ebenso wie die Männer leiden und deren sozialer Realität die feministische Beschwörung eines Krieges der Männer gegen die Frauen weit verfehlt.

Die Demokraten hatten nicht nur den Blick für ihre ehemaligen Wähler verloren. Mit der identitätspolitischen Fantasie einer Konfrontation der Weißen und der Schwarzen, der Männer und der Frauen konnten sie auch der Rücksichtslosigkeit Trumps kein glaubwürdiges Modell eines Gemeinwohls entgegenhalten.

Mit der Identitätspolitik fixieren sich Linke auf politische Ansätze, die eigentlich lange Kennzeichen rechter Politik waren – desinteressiert an ökonomischen Analysen verschiedene Gruppen der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen.

Auch rechts aber hat Identitätspolitik nun wieder Konjunktur – nicht als Feminismus oder Critical Whiteness, aber als Ethnopluralismus. Nicht als Kampf gegen ein als allmächtig imaginiertes Patriarchat, aber als Aufstand gegen einen fantasierten „großen Austausch“ der Bevölkerung durch Immigranten. Ethnien und Kulturen hätten, so die Ethnopluralisten, alle ihr Recht, aber eben nur an ihrem eigentlichen Ort, nicht anderswo.

Der Begriff „Pluralismus“ ist dabei irreführend, ebenso übrigens wie der Begriff „diversity“ auf der anderen Seite. Ziel ist ja eben kein Pluralismus, sondern ein Flickenteppich der Monokulturen. Es gibt keine gemeinsame Perspektive, diese Kulturen zueinander in Beziehung zu setzen, keine gemeinsame Welt, auf die sich alle trotz ihrer Unterscheide gleichermaßen beziehen können. Aus  der Perspektive der jeweiligen Kultur – und das heißt für uns faktisch: aus unserer Perspektive – können die anderen Kulturen nur unterlegen, vielleicht gar eine Bedrohung sein.

Die Perspektive einer gemeinsamen Welt geben auch linke Identitäre auf. Nur Marginalisierte, Opfer gesellschaftlicher Macht- und Gewaltverhältnisse, würden diese Verhältnisse angemessen wahrnehmen können. Die privilegierten Profiteure hingegen würden sie „normalisieren“, im Interesse der Sicherung eigener Positionen als unumstößliche Selbstverständlichkeit wahrnehmen oder gar überhaupt nicht verstehen, was an den Bedingungen auszusetzen sei.

Auch hier fehlt ein gemeinsamer Bezugspunkt, um die unterschiedlichen Perspektiven zu verschalten, sie zueinander in Beziehung und jeweils für sich in Bewegung zu setzen. Mehr noch: Unser Blick  auf die anderen ist grundsätzlich gültiger und treffender als der Blick der anderen auf uns und sogar gültiger als ihr Blick auf sich selbst. Befangen in ihren Begrenztheiten und egoistischen Eigeninteressen wären sie nämlich gar nicht in der Lage, sich selbst angemessen zu beschreiben.

Das aber ist eben derselbe Blick, den traditionell Menschen, die ihre eigene Kultur als überlegen erachten, auf Angehörige anderer Kulturen richten. Das politische Denken gleicht sich so rechts und links, lediglich die zentralen Kategorien sind unterschiedlich: Geschlecht und Rasse bei linken, Volk und Kultur bei rechten Identitären.

Ich weiß – rechte und linke Akteure als telegen verfeindete Zwillinge zu beschreiben und Parallelen zwischen ihnen zu ziehen ist für beide Seiten provozierend oder absurd. Von einer nicht-identitären Perspektive aus sind die Ähnlichkeiten allerdings kaum zu übersehen.

Was aber ist eigentlich das Problem dieser Politik?

 

Vom Verlust einer gemeinsamen Wirklichkeit

Nach dem Verlust der gemeinsamen sozialen Wirklichkeit, über die wir uns sinnvoll verständigen und in der wir prinzipiell sinnvoll kooperieren können, bleibt von Politik allein ein Machtspiel. Ein vernünftiges Ziel kann nicht die möglichst tragfähige Verständigung möglichst vieler sein, sondern nur der Triumph der Besseren über die Schlechteren.

Das steht konträr zur Ethik der demokratischen Moderne. In einer modernen Demokratie ist das Gute eben nicht an bestimmte Gruppen gebunden, die sich gegen andere Gruppen durchsetzen müssten. Das Gute sind möglichst vielfältige, tragfähige Beziehungen und Kooperationen zwischen verschiedenen Individuen und Gruppen. Das Gute der Demokratie wächst, sozusagen, immer in den Zwischenräumen.

Es ist daher absurd, Kommunikation einzustellen, zu behindern oder zu verhindern und sich dabei auf politisch ehrenwerte Ziele zu berufen. Wer definiert, wer für das Böse stehe und daher „kein Podium geboten bekommen“ dürfe  – wer glaubt, er brauche die Kommunikation mit anderen nicht, da er das Gute ja eh immer schon verstanden habe – der untergräbt eben gerade das Positive, für das er einzutreten vorgibt.

Das trifft zu für Aktivisten, die den Vortrag einer kritischen Feministin verhindern und sie als Faschistin beschimpfen, oder für Aktivisten, die einen Kongress über häusliche Gewalt mit beliebig hergeholten Vorwürfen angreifen, wohl weil er von einem Gewaltbegriff ausgeht, der ihnen nicht passt.

Insbesondere der heutige Feminismus steht ohne erkennbare Angst vor der Lächerlichkeit für die Verweigerung der Kommunikation. Anne Wizorek beispielsweise macht sich bei Twitter fast zur Witzfigur, weil sie dort ohne erkennbare Gründe raumgreifend andere Menschen blockt.

Das ist natürlich ihr gutes Recht – es signalisiert aber einen Rückzug aus der öffentlichen Kommunikation, der absurd ist bei einer Frau, die allein von der Inszenierung solcher Kommunikation lebt.

Für Wizorek selbst aber wird ihr umfassendes Blockverhalten ein Nachweis dafür sein, dass sie als Netz-Feministin überall im Netz bedroht wird und sich schützen müsse. Dafür kann es durchaus Gründe geben – so wie  auch Rechte, die sich von Migranten bedroht fühlen, möglicherweise bittere reale Erfahrungen anführen können, die dieses Gefühl beglaubigen.

Aber um solche realen Erfahrungen geht es im identitären Denken gar nicht.

 

Warum ausgerechnet immer die anderen mächtig sind

Destruktiv wird das Schutz-Bedürfnis, wenn die Möglichkeit der Perspektiv-Übernahme fehlt. In einer sehr interessanten und beunruhigenden WDR-Dokumentation zum Antisemitismus im deutschen Hip-Hop gibt es eine kurze Passage, die auch für andere Themen wichtig ist. Danach gefragt, was denn eigentlich an der Fantasie des reichen, weltbeherrschenden Juden antisemitisch sei, antwortet der Hip-Hop-Experte Marc Leopoldseder (etwa bei 15:20): Die Imagination des Anderen als überprivilegiert provoziere den Angriff von Menschen, die diese vermeintliche Ungerechtigkeit ändern wollten, und legitimiere Gewalt.

Die Imagination der anderen als mächtig und übermächtig ist insgesamt ein unverzichtbarer Bestandteil identitären Denkens. Auch Flüchtlinge, die in großer Not vor Krieg und Folter geflohen sind, werden von rechts als „Invasoren“ fantasiert. Dass Jungen in der Schule Nachteile haben, dass Männer kürzer leben, vor Gericht für dasselbe Vergehen deutlich härter bestraft werden oder rechtlich erheblich benachteiligt sind, stört ihre feministische Einordnung als Privilegierte eines Patriarchats überhaut nicht.

Die Parallelen haben Tradition. Schon in ihrem Schlüsseltext „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ hatte Alice Schwarzer die Welt der Frauen wie ein besetztes Land und die Männer wie fremde Invasoren beschrieben, von denen sich die Frauen befreien müssten.

Natürlich sind Männer oder Muslime in Deutschland nicht in derselben Situation wie Juden im Antisemitismus. Die Feststellung aber, dass die Imagination des anderen Menschen als übermächtig Gewalt legitimiert und Empathie blockiert, gilt nicht nur für den Antisemitismus allein.

 

Der Verlust der Kommunikation in den Safe Spaces

Destruktiv am identitären Denken ist so unter anderem, dass es das Gefühl der Bedrohung prinzipiell und sogar ganz ohne Bezug zu Erfahrungen in der empirisch fassbaren Wirklichkeit produziert. Die Anderen sind ja allein schon dadurch, dass es sie überhaupt gibt, eine Bedrohung der eigenen Identität, können sie kontaminieren, per Durchmischung verwässern, ihre Reinheit korrumpieren.

Der rechte Ethnopluralismus überträgt dabei das linke Bedürfnis nach Safe Spaces in den Bereich der Nation: Jeder Staat ist gleichsam ein Safe Space für das jeweilige Volk, von dem die anderen ausgeschlossen sind.

Das ist rechts wie links eine notwendig autoritäre Position – denn der Staat, oder eine anderen mächtige Autorität, ist ja jeweils entscheidend, um solche sicheren Gebiete einzurichten. Die wesentliche Beziehung ist so die zu mächtigen Institutionen – die Kommunikation zu Menschen ganz anderer Meinung aber verkümmert.

Wenn Menschen sich aus unterschiedlichen Perspektiven miteinander verständigen sollen, etwa in einer Mediation, ist es aber wichtig, dass sie einen gemeinsamen dritten Bezugspunkt haben, der gleichsam als Rangierfläche der Vermittlung dienen kann. Wenn aber das Bewusstsein verloren geht, in einer gemeinsamen Welt zu existieren, verschwindet auch dieser dritte Ort – es bleiben zwei Perspektiven, die jeweils allein auf sich selbst bezogen sind.

 

Von der Notwendigkeit einer ständigen Entlarvung des unverdächtigen Alltags

Es ist typisch für identitäres Denken, die empirische Wirklichkeit dann allein als Vorlage für selbstbezügliche Verrichtungen zu verwenden. Sie wird gescannt nach Bestätigungen des immer schon Gewussten. Gerade die so unverdächtig erscheinende alltägliche Konsumwelt wird ohne Rücksicht auf Relationen erkannt als Instrument der Indoktrination durch unmenschliche Herrschaftsstrukturen.

Dass der Osterhase auf einem Kassenzettel als „Traditionshase“ geführt wird, gerät rechts zum Beleg einer Islamisierung.

Dass es den Osterhasen wiederum in blau und rosa gibt, belegt links die Unterdrückung der Frau im Rahmen einer binär strukturierten Geschlechtermatrix, der – so skrupellos gehe das Patriarchat vor – schon Kinder schutzlos ausgeliefert sind.

Ob rechts oder links: Uns werde das Osterfest gestohlen. Die Absurdität solcher Entlarvungsgesten stellen auch Identitäre mit feinem Gespür und großer Bereitschaft zum ausdauernden Spott fest – solange es eben die Entlarvungsgesten der jeweils anderen sind. In der Bezogenheit aufeinander schaden sich linke und rechte Identitäre allerdings nicht gegenseitig – sie schaden Akteuren, die nicht identitär denken.

 

Rechte und Linke spielen Ping-Pong – alle anderen verlieren

Wenn rechte Angriffe auf den Islam von links aus und mit Bezug auf das Konzept eines Rassismus ohne Rassen als „rassistisch“ beschreiben werden, dann nicht etwa, weil Islam oder Christentum „Rassen“ wären. Der Vorwurf des Rassismus gibt linken Identitären die Möglichkeit, Positionen rechter Identitärer in ihr eigenes System einzulesen, also so zu kodieren, dass es zu ihren eigenen zentralen Konzepten passt.

Weniger komisch ist es dann schon, wenn ganz andere Beiträge ebenso zwanghaft in das eigene Koodinatensystem und in das identitäre Rechts-Links-Pingpong eingebaut werden. Wer Empathie mit Flüchtlingen einfordert, kann dann schon als ein linksversiffter Verräter am eigenen Volk dastehen, der den „großen Austausch“ mit vorantreibe. Wer für die rechtlich stark benachteiligten Väter eintritt, wird dafür sogar in Publikationen sozialdemokratischer oder grüner Parteistiftungen als faschistoid, als Frauenfeind und als nach rechts offen präsentiert werden.

 

Von der Herrschaftsdienlichkeit der Identitätspolitik

Die Fixiertheit identitären Denkens auf Kategorien der Herrschaft lässt sich prinzipiell durchaus nachvollziehen. Wir erleben schließlich eine Situation dynamisch wachsender sozialer und ökonomischer Ungleichheiten. Das Einkommen durch Kapitalbesitz hat sich vom Einkommen durch Erwarbsarbeit in seinem Umfang und seiner Eigenlogik faktisch abgekoppelt.

Das bedeutet nun – zumindest in Deutschland –  nicht unbedingt, dass die Verlierer dieses Prozesses hoffnungslos verarmen. Das Elend des Manchester-Kapitalismus ist mit einem modernen Sozialsystem kaum möglich.

Verloren aber geht der Zugang zu einer gemeinsamen demokratischen Öffentlichkeit – die für eine Demokratie unerlässliche Gewissheit, die Bedingungen des eigenen Lebens auf eine faire Weise mitbestimmen zu können. Politische Entscheidungen sind nachweislich deutlich stärker von eben den Menschen und Gruppen beeinflusst, die viel besitzen und die daher auch viel Einfluss nehmen können.

Die Bankenkrise wiederum stellte klar: Auch einflussreiche Akteure, die dem Gemeinwohl einen ungeheuren Schaden zugefügt haben, werden kaum zur Verantwortung gezogen, ja werden sogar auf Kosten der Gemeinschaft ausgelöst. Auch das zerstört den Glauben an eine gemeinsame demokratische Öffentlichkeit, die am gemeinsamen Wohl interessiert ist: das Desinteresse daran, Akteure, die im Eigeninteresse erheblich an anderen schuldig geworden sind, in gemeinsame Regeln einzubinden und zur Verantwortung zu ziehen.

Es gibt also gute Gründe für das identitäre Ressentiment, sich abstrakt und anonym wirkenden Machtstrukturen ausgeliefert zu sehen. Allerdings agiert die identitäre Politik konsequent so, dass diese Strukturen nicht etwa angegriffen oder zumindest analysiert, sondern geschützt und verdeckt werden.

Die identitäre Rede von „struktureller Gewalt“ schiebt regelmäßig die Verantwortung für diese Gewalt Gruppen zu, die ebenso machtlos sind wie andere, oder noch machtloser. Die ohnehin angegriffene demokratische Öffentlichkeit wird so auch noch balkanisiert. Sie wird aufgespalten in Kämpfe unterschiedlicher Gruppen, die allesamt mehr oder weniger machtlos sind, anstatt dass tatsächliche soziale, politische oder ökonomische Machtdifferenzen analysiert würden.

man tau jetzt endlich auch mit Katzencontent. Keine Ahnung, wie ich auf dieses Bild gekommen in. Ganz gewiss werden sich darin weder Rechte noch Linke wiedererkennen.

In Berlin erkläre sich vor einigen Tagen eine linke Gruppe dafür verantwortlich, die Stromzufuhr eines ganzen Viertels in Charlottenburg durch einen Brandanschlag gezielt unterbrochen zu haben. Der Anschlag habe dem „Militär und seinen Dienstleistern“ gegolten. Da die aber offensichtlich für die linken Aktivisten gerade nicht erreichbar waren, richteten sie ihre Aktion eben gegen die – so die taz – erreichbare „arme Bevölkerung im Kiez “. Erhebliche Schäden, sogar mögliche Todesopfer nahmen sie in Kauf.

Diese idiotische Aktion eignet sich als Metapher für identitäres Denken. Es setzt sich schon irgendwie mit Herrschaftsstrukturen auseinander, da aber diese Strukturen abstrakt bleiben und Akteure nicht erreichbar sind, werden flugs Menschen, die den entscheidenden Vorteil der Erreichbarkeit und Verletzbarkeit haben, zu Herrschern deklariert: Männer – Schwarze – Weiße – Migranten – …

Das ist ein kleinbürgerliches Denken im schlimmsten Sinn. Nach oben schielend, mit den Mächtigen insgeheim paktierend, grenzen sich Identitäre von Gruppen ab, die sie als „Pack“, als „dumme weiße Männer“ oder auch umstandslos als „Abschaum“ identifizieren. Selbst ökonomisch prekär lebende Journalisten können dann symbolisch an der Macht teilhaben, indem sie ihre massenmediale Position zum Versuch der diskursiven Vernichtung anderer einsetzen.

Sie tun es ja immer für das Gute.

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32 Comments

  • […]einen fantasierten „großen Austausch“ der Bevölkerung durch Immigranten[…]
    Wie wenig fantasiert und wie real dieser Austausch ist kann man insbesondere in den Staedten in Schulen und Kindergaerten beobachten. Man muss bei dieser Pingpong Argumentation schon beachten, wo die realen, nachweisbaren Fakten liegen, nicht die gutmenschlich „gefuehlten Fakten“.

    Es ist auch keine Phobie, wenn man die realen Zustaende in schwarzafrikanischen Staaten und arabischen Staaten analysiert und die real vorhandene Bedrohung von Weissen und von Christen, wenn sie in der Minderheit sind, dokumentiert. Das sind rational begruendbare Aengste, selbst wenn man in einem schwaebischen Kaff lebt, in welches sich noch nie ein Schwarzer oder Tuerke ‚verirrt‘ hat.

    Ich stimme mit Dir ueberein, dass dieses Pingpong schaedlich ist und sich womoeglich bald zu gewalttaetigen Konflikten hochschaukelt. Wenn aber die eine Seite Identitaetspolitik spielt hat die andere Seite schon verloren, wenn sie das nicht auch tut. Selbst viele einzelne Individualisten haben gegen eine Meute keine Chance. Ich hatte das in einem Blogpost bereits beschrieben.
    https://luismanblog.wordpress.com/2018/02/02/warum-die-alt-right-notwendig-ist-aber-falsch-liegt/

    Was Du als „Linker“ (oder links der Mitte) uebersiehst ist, dass diese linke Identitaetspolitik im Westen bereits gesellschaftliche Realitaet ist, waehrend rechte Identitaetspolitik nur im Internet existiert.

    • Ich hab Deinen Text gelesen, und ich stimme völlig überein mit der Einschätzung, dass eine „Purifikation“ als politisches Ideal tödlich ist.

      Die Beschreibung der Nationalsozialisten als Sozialisten aber kannst Du nur halten, wenn Du von der Tradition des Sozialismus nichts anderes berücksichtigst als die rechte Vorstellung, Sozialismus sei prinzipiell Gleichmacherei. Mit der Nazi=Sozi-Gleichsetzung hat Stoiber schon in den Achtzigern die Sozialdemokraten auf die Palme gebracht, und das war da schon eher eine demagogische Volte als ein ernsthafter Versuch der historischen Einordnung.

      M.E. lässt sich der Nationalsozialismus gut als eine radikal antimoderne Bewegung verstehen, die sowohl einem demokratischen Sozialismus als auch einem demokratischem Konservatismus gegenüber feindlich gegenüber stand und die sich aus der Moderne nur dort selektiv bediente, wo es der Bewegung nützte. Widerstand dagegen gab es von Sozialdemokraten und Kommunisten, von Konservativen eher nicht – die erhofften sich ein Bollwerk gegen Moskau und, mehr noch, gegen die Linken im eigenen Land.

      Falsch finde ich auch die Verdammung des Sozialstaats. Für die Funktionalität einer modernen Massengesellschaft ist der Sozialstaat unverzichtbar, für seine Legitimation auf der Basis von Menschenrechten auch. Anstatt den Sozialstaat pauschal zu verdammen, ist die Frage wichtig, wie er funktional gestaltet werden kann – also so, dass er Menschen in die Arbeitsgesellschaft integriert, anstatt sie auf Dauer stillzustellen.

      Richtig finde ich allerdings Deinen Eindruck, dass in der veröffentlichten Meinung Konservative ziemlich in die Defensive geraten sind. Ich lese dazu allerdings oft Klagen, die zudem gerne einen etwas beleidigten Unterton haben – ich kenne aber keine gelassene konservative Analyse, warum das eigentlich so ist. Schon gar keine selbstkritische.

      Zudem gilt das nur für kulturpolitische Standpunkte, für Geschlechterfragen vor allem. Ökonomisch ist die Linke faktisch abgemeldet, hätte aber leider – so mein Eindruck – auch nicht viel zu sagen, wenn sie die Gelegenheit dazu hätte.

      Ich verstehe aber den konservativen Eindruck, dass in einigen Fragen linke Standpunkte hegemonial geworden seien. Die heimliche oder gar offene Sympathie mit politischer Gewalt, sobald sie von links kommt, finde ich selbst schändlich und falsch (Augstein ist ein Beispiel dafür). Nur fehlt bei Konservativen fast immer die Frage nach den Ursachen. Ich versuche mich mal an einer Antwort.

      Bei „Alles Evolution“ hatte Leszek von einem deutlich linken Standpunkt aus einmal Konservative, Liberale und Linke typisiert verglichen und ihnen als Leitwerte Sicherheit (konservativ), Gerechtigkeit (links) und Freiheit (liberal) zugeordnet. Ich hatte hier im Blog darauf geantwortet ( https://man-tau.com/2014/05/27/warum-linke-liberale-und-konservative-sich-verstandigen-konnen-und-reaktionare-lieber-uber-gegessenen-kuchen-klagen/ ) und vorgeschlagen, den Konservativen eher „Funktionalität“ zuzuordnen, weil „Sicherheit“ eher den Gedanken nahelege, dass Konservative schlicht aus Angst agieren würden.

      Ob nun aber mit Leszek oder mit meinem Vorschlag: Eine Politik lässt sich offenbar dann gut auf mit konservativen Positionen legitimieren, wenn Menschen stark daran gelegen ist, gesellschaftliche Strukturen abzusichern oder ihre Funktionalität erst einmal aufzubauen. (Ich glaube deswegen übrigens, dass die Grünen mit dem permanent apokalyptischem Gemütszustand ihrer ersten Jahrzehnte wichtige Helfer der Kohl-Politik waren, weil sie auf ein Gefühl radikaler Unsicherheit setzten und dieses Gefühl beförderten – und so zu einem Bedürfnis nach Sicherheit beitrugen, das Kohl bediente).

      Der Wert der Gerechtigkeit hingegen kann dann stärker in den Vordergrund treten, wenn die Funktionalität einer Gesellschaft überhaupt erst einmal gesichert ist. Dass Konservative bis in die sechziger Jahre hinein faktisch unbesiegbar waren, dann aber eine sozialdemokratische zeit anbrach, lässt sich so leicht erklären. Ist ja auch nicht neu.

      Und heute? Mir ging es im Text darum zu beschreiben, dass es eine Ungleichheit ökonomischer Verhältnisse gibt, in der nicht nur unterschiedliche Akteure ganz unterschiedlich starke Positionen im Spiel haben – sondern dass sie de facto gar nicht mehr dasselbe Spiel spielen. Es gibt in diesem Sinn keine gemeinsame Gesellschaft mehr.

      Darauf hat die Linke keine überzeugende Antwort, die Rechte als Alt-Right aber schonmal gar nicht. Von dort wird diese Abstraktion – die Abkoppelung eines mühelos international agierenden Kapitalbesitzes – dann auch noch personalisiert und antisemitisch grundiert: Wenn ich jemanden über „Soros“ hetzen höre, weiß ich immer schon, dass er nichts zu sagen hat. Das greift den alten (und übrigens tatsächlich in der Linken verbreiteten) Unterschied vom „schaffenden“ und „raffenden Kapital“ wieder auf, der immer schon einen antisemitischen Einschlag hatte – aber trägt ansonsten nichts bei.

      Wir haben faktisch neue Feudalstrukturen, die eine moderne Demokratie konterkarieren – so starke ökonomische Ungleichheiten, dass die unterschiedlichen Akteure keine gemeinsamen Spielregeln mehr haben. Das bedeutet für diejenigen in einer starken Position, dass sie faktisch keine Unsicherheit mehr zu befürchten haben und sich um gesellschaftliche Funktionalität nicht mehr sorgen müssen. Ihnen kann eigentlich nichts passieren.

      Damit werden konservative Positionen aber zu einem Ausweis von Menschen, die es irgendwie noch nicht nach oben geschafft haben, die noch auf Sicherheit und das Bewahren von Funktionalität angewiesen sind. Konservatismus wird damit, sozusagen, zur Lebenseinstellung von Betas.

      Wer tatsächlich oben ist, hat stattdessen eher ganz wie der klassische Adel ein Interesse daran, sich auch als das moralisch edlere Wesen präsentieren zu können. Damit lässt sich die radikale ökonomische Ungleichheit nämlich jederzeit in der persönliche Selbstbeschreibung übertragen.

      Für eine moralische – und eben nicht funktional-pragmatische – Legitimation sind aber linke Positionen mittlerweile viel einfacher brauchbar als konservative.

      Dass Trump wiederum mit seiner offenen Amoralität Erfolg hat, liegt m.E. daran, dass viele Menschen gemerkt haben, wie sehr eine forciert moralisierende, dem Anschein nach irgendwie linke Selbstbeschreibung (wie Clinton sie geliefert hat) zu einem Herrschaftsmittel geworden ist. Nur ist eben die Amoralität auch keine sinnvolle Alternative.

      Was wir als öffentliche Meinung haben, kokettiert oft kleinbürgerlich mit der Zugehörigkeit zu diesen abgekoppelten Machtpositionen. Der heutige Feminismus – als beständige Verteidigung der irgendwie immer guten, aber irgendwie immer auch bedrohten Frau gegen den gewaltsamen Mann – ist dafür ein gutes Beispiel. In der „Zeit“ etwa sind schon zig gender-feministische Texte erschienen, die dann jeweils Hunderte von Kommentaren bekamen, die den Text auseinandernahmen und die zu einem guten Teil deutlich mehr Substanz hatten als der Text selbst.

      Macht aber alles nichts – der nächste Text funktioniert dann ebenso (auch wenn ich jetzt in der Vorschau sehe, dass gerade in dieser Woche ein Text über die Selbstverständlicheit des Männer-Bashing erscheint). Ich glaube mittlerweile tatsächlich, dass die mangelnde Qualität der meisten feministischen Argumente dieser Texte durchaus eine Funktion erfüllt. Sie zeigt: Auch wenn Ihr noch so gute Argumente habt, und bessere als wir – wir schreiben die Artikel, und Ihr tobt Euch in den Kommentaren aus. Nützt auch alles nix, kann uns alles nix.

      Auf eine kleinbürgerlich-kleinliche Weise hat dieser Feminismus so einen kleinen Anteil an viel wichtigeren, ökonomisch fundierten Strukturen, in denen Herrschaft sich faktisch nicht mehr legitimieren muss. Feministische Männerfeindlichkeit ist nicht DAS Problem (sie ist aber eben auch niemals eine Lösung).

      Das Problem für Konservative ist also ziemlich genau dasselbe Problem, vor dem auch Linke und Liberale heute stehen: Wie lassen sich Gesellschaften so organisieren, dass alle Beteiligten trotz unterschiedlicher sozialer Positionen in ein gemeinsames Spiel eingebunden sind? Ich kann nicht erkennen, dass Konservative darauf irgendeine bessere Antwort hätten als Linke, im Gegenteil: Frontal den Sozialstaat aufs Korn zu nehmen, verschärft die Situation nur. Die Linken als eigentliche Feinde auszumachen, von einem cultural marxism zu reden, hilft denen, die auch konservativen Positionen schaden.

      • Ich halte den Tribalismus fuer ein grundlegendes evolutionaeres Erfolgsmodell. Individualismus ist etwas was man sich in einem Riessen-Clan, wie z.B. einer Nation, leisten kann. Er ist aber immer davon abhaengig, dass der Clan erfolgreich genug zusammen arbeitet, um die Ueberschuesse zu erzeugen, die allen das Ueberleben ermoeglichen und noch was uebrig hat fuer die Randfiguren (auch die individuelle Randfigur in jedem selbst).

        J.B. Peterson hat ja nachgewiesen und gemessen, wie sich Linke und Rechte grundsaetzlich psychologisch unterscheiden. Das aeussert sich u.a. darin, dass Linke fuer offene Grenzen sind (nicht nur die physischen Grenzen) und Rechte Grenzen setzen und geschlossen halten wollen. Peterson schimpft immer ueber den Tribalismus – was ich ihm ankreide – , weil er psychologisch gepraegt eher links als rechts zuzuordnen ist (was er auch zugibt).

        Es gibt nur eine Methode den Tribalismus zu ueberwinden, wie das z.B. Sarkoszy auch deutlich gesagt hat. Das ist die voellige Durchmischung von Rassen und Kulturen, bis wieder ein ‚Einheitsbrei‘ hergestellt ist. Es geht also ueberhaupt nicht um Diversitaet/Vielfalt, um Multi-Kulti, um Pluralismus, sondern um die erzwungene Herstellung eines neuen Riessen-Clans, der im idealen Endzustand weltweit ist. Nur der mittelhellbraune, mittelintelligente Einheitsmensch waere nach Ansicht der Linken nicht mehr an Grenzen interessiert. Das wird aber nicht funktionieren, denn wie man sieht vermischt sich der Weisswurst-Clan mit dem Teppichhaendler-Clan so gut wie nie. Das hat auch schon in den USA nie funktioniert. Der Ethno-Pluralismus fuehrt nur dazu, dass eine Ethnie die andere versucht zu dominieren, ganz darwinistisch, durch mehr Geburten.

        An den Realitaeten kommt man nicht vorbei. Die theologischen Ueberstuelpungen durch Strukturalismus und Post-Strukturalismus gehen an der biologischen Realitaet meist vorbei und werden nur fuer Propaganda-Zwecke genutzt.

        Konservative sind Tribalisten, die evolutionaer entstanden sind, und allein aufgrund der Tatsache, dass sie bis heute ueberlebt haben, recht haben. Linke sind Pseudo-Tribalisten, die mit propagandistischen Tricks evolutionaer nicht sinnvolle Clans erschaffen. Wie sollen denn Feministinnen alleine, LGBTIxyz alleine, evolutionaer ueberleben? Geht doch gar nicht.

        Deshalb halte ich soziologische Theoriegebaeude, wie sie z.B. von Leszek, Marx, kulturellen Marxisten usw. gebastelt werden fuer viel zu oberflaechlich und falsch, da sie Evolution und Biologie einfach ignorieren.

  • […] Aus der Perspektive der jeweiligen Kultur – und das heißt für uns faktisch: aus unserer Perspektive – können die anderen Kulturen nur unterlegen, vielleicht gar eine Bedrohung sein. […]

    Aus unserer/meiner Perspektive sind sie weder unterlegen noch minderwertig, weder besser noch schlechter, sondern schlicht anders. An dieses, zum Teil „sehr anders“ kann ich mich nur ganz langsam gewöhnen, aber wenn nur genug Zeit vergeht, finde ich vielleicht auch gefallen an Steinigungen.

    • Mein Punkt ist: Um eine andere Kultur schlicht als „anders“ zu beschreiben, brauchen wir schon eine Perspektive, die nicht auf eine einzelne Kultur beschränkt ist. Die aber ist im Ethnopluralismus gar nicht vorgesehen. Hier haben wir verschiedene Kulturen, aber keine übergreifende – oder „tranzendierende“ – Perspektive, wie sie etwa durch die allgemeinen Menschenrechte ermöglicht wird.

      Damit ist dann jede mögliche Perpsktive ganz geprägt von ihrem kulturellen Ort. Was stimmt: Es ist nicht notwendig, dass von dieser Sicht aus andere Kulturen als weniger funktional, weniger wertvoll etc. angesehen würden. Prinzipiell ist es auch möglich, die andere Kultur als positives Gegenstück zur eigenen zu beschreiben – oder gar die eigene Kultur fiktiv aus der Sicht anderer, so wie das z.B. Montesquieu mit seinen „Persischen Briefen“ gemacht hat. Aber auch dafür braucht man, soweit ich sehe, einen dritten Ort, an dem man diese Perspektiven miteinander verschalten kann – den hatte Montesquieu in der Philosophie der Aufklärung, die er eben nicht allein als westliche Philosophie verstand.

      Im Ethnopluralismus fehlt so etwas. Daher stehen dort die Kulturen auch unverbunden nebeneinander, und es liegt zumindest sehr nahe, die eigene dann jeweils höher zu schätzen. Schließlich kommen wir immer wieder in die Situation, das, was wir tun, auch begründen zu müssen – und dafür müssen wir eben der Überzeugung sein, dass es besser ist als die sichtbaren Alternativen. Daher beschreibe ich den „Ethnopluralismus“ im Text als Pseudo-Pluralismus.

  • Da habe ich doch zu noch recht nachtschlafender Zeit ( so zehn nach fünf, oder so ) ausgerechnet den Blogspot des rosa Stinkers Nils „Chefredakteur“ mit dem ostwestfälischen Katoffelpfannkuchen im Nachnamen angeklickt. Nu ja, für den Pickert kann er nix, weshalb ich auch gar nicht erst auf Hang-a-me Yackhuhbietrarah ( oder wie die heißt ) angespielt habe.
    Und mußte erstmal lachen. Das Titelbild mit den Füxchen mit Hasenohren gefiel mir, hätte ich einen Din-A2-Drucker hätte ich es mir glatt an die Wand gehängt.
    Dann machte ich aber den Fehler, den Text darunter zu lesen. Und die Antwortkommentare von dem Tüpen auch noch ( muß wohl eine Art temporärer SM-Anfall gewesen sein ).
    Da konnte ich mich dann nicht mehr beherrschen und habe den Shittest gewagt: Wie lange braucht der um diesen Kommentar zu löschen:
    „Also, mit 30-Stunden „Vollzeit“-Sexismus plus dem Tragen eines Teilzeitrocks kann man heutzutage vier Kinder ernähren und bespielen?
    Selbst wenn man noch nicht mal in der Lage ist, den Begriff „Diskriminierung“ zu ergooglen?
    Und ich Idiot habe es mit Arbeit versucht ….
    „Chefredakteur“, ja, äh … nee, is klar ( facepalm ) ….“

    Irgendwas zwischen 10 u. 15 Minuten ( habe den Tab offen gelassen und ein paar mal neu geladen ).
    Und das um die Uhrzeit! ( so gegen halb, bis viertelvor sechs ).
    Hat vermutlich ( noch ) gnadenlos normale Kinder, die ihn aus der Falle schubsen.
    Das gönne ich dem ( vielleicht hilft’s ja langfristig etwas ) ….
    Vielleicht wäre er entspannter, wenn er sich gelegentlich mal ein kühles Blondes genehmigt ( oops! …. und abtauch …. )

    • Ach, jetzt habe ich doch glatt vergessen, nachzuschauen, ob sich einer von Stevie’s Schreiberlingen schon über diesen Werbespot echauffiert hat, wo die junge Dame an der Ampel einfach aussteigt, zu dem Kerl mit dem Handy am Ohr latscht und ihm eine kräftige Watschn verpasst. Hatte ich mir schon vor ein paar Jahren ganz fest vorgenommen. Na, vielleicht nächstes mal, wenn ich da vorbeiklicke, weil es wieder irgendeinen Osterhöschenskandal gibt ….

        • Naja, wenn ich denn verstehn könnte, was Fiete mir sagen will…
          Es ist etwas kryptisch, aber tut auch nicht direkt weh.
          Ich verbuche sowas immer einfach als „literarischer Text“ 😉
          Den Werbespot kenne ich jetzt nicht.
          Wofür wirbt der?
          Mal zum Topic:
          Ich finde wesentlich, dass diese Lager sich eben, wie Lucas sagte, seit einer Weile nicht mehr über reale Gegebenheiten und argumentative Auseinandersetzungen konstituieren, also jetzt intern bezogen, sondern, wie es Lucas so schön formuliert, über die selektive Wahrnehmung „des immer schon Gewußten“.
          Es ist schon so, dass man aufgrund schlechter Erfahrungen schon zu Vorurteilen kommen kann, zumindest zu einer gewissen vorsorglichen Skepsis.
          Wenn einem dreimal von jugendlichen Kleinkriminellen die Bude ausgeräumt wurde, wenn man als Dorfpunker jedesmal, wenn man an der Rockerkneipe oder am Nazitreff vorbei läuft, angepöbelt und gar grundlos verprügelt wird, wenn man als Frau regelmäßig von Halbstarken unangenehm angelabert wird, oder tatsächlich vergewaltigt oder als Kind missbraucht wurde usw., kann man einfach nicht mehr so einfach unbefangen sein, wenn man auf Angehörige dieser speziellen Gruppe trifft.
          In unterschiedlichen Schweregraden.
          Aber man kann sich irgendwo in einem Winkel des Verstandes die Möglichkeit offenhalten, dass man halt nur einen gewissen Ausschnitt einer Gruppe erlebt hat, und dass ein neues Gegenüber vielleicht dem Vorurteil nicht entspricht.
          Wenn aber das Raster auf Dauer zu grob wird, „alle Männer, alle Weißen, alle Frauen, alle Schwarzen, alle Christen alle Juden, alle Moslems“, dann tut man irgendwann reflexhaft Menschen Unrecht, die einem weder was getan haben, noch dies wollen, und man verbaut sich auch Chancen, seinen Horizont wieder zu erweitern, interessante Menschen kennen zu lernen, vielleicht gute Freunde zu gewinnen.
          Arschlöcher gibt es überall, aber auch das Gegenteil.
          Man muss eben aus der Skepsis oder Vorsicht heraus seine Kriterien verbessern, vielleicht eine gewisse Naivität überwinden, kurz, seine Menschenkenntnis weiter entwickeln.
          Aber was bei den Identitären geschieht, ist schon was ganz anderes, hier wird aus einem Gruppenkatechismus und selektiver Wahrnehmung, Triggerworten, usw.,oft von selbsternannten Meinungsführern und Moralaposteln, beim Gegenüber Schuld, Tätertum, Privileg, Bedrohung verortet, um seiner Peer Group Zugehörigkeit und Linientreue zu signalisieren, das Gegenüber ist reines Projektionsobjekt für die eigene Überlegenheit.
          Komplexität, Reflexion, Analyse, vielleicht auch alleine schon der Wille, mal die eigenen Positionen, die eigenen Gurus in Frage zu stellen, findet meist gar nicht mehr statt. Das bedingt auch eine gewisse argumentative und intellektuelle Armut, was besonders bei Leuten ins Auge sticht, die vermeintlich höhere, privilegierte Bildung genossen haben, und sich selber für geistig-moralische Eliten halten, und irgendwann durch Gewohnheit und gegenseitige Selbstbestätigung in Filterblasen immer in den „Anderen“nur noch das suchen und wahrnehmen, was sie widerspruchlos und bequem in ihrer Selbstgewissheit bestätigt, und das auch gern bei Leuten, die leichte Opfer sind.
          Auch, weil man bei so einem kleinkarierten Moralismus natürlich immer, bei JEDEM anderen Menschen, und auch Menschengruppen, irgendwas findet, was man verdammen kann. Und da bietet sich dann oft an, sich da ein leichte Opfer zu suchen.
          Die Leute gerieren sich dann zwar oft noch als mutig, besonders in der Gruppe, aber wenn es soo leicht ist, ist es eben nicht mutig, sondern das Gegenteil.
          Das tun auch Leute, die nicht unbedingt klassischen Religionen angehören, sondern sich selbst für Freigeister und Querdenker halten.
          Weil wir ja immer von der hiesigen Kultur als christlich oder christlich-jüdisch sprechen (in Wirklichkeit ist sie auch zum Teil griechisch-römisch-gemanisch):
          Jesus hat sich darüber recht deutlich geäußert, über Pharisäer, Schriftgelehrte, Hypokriten, z.B.:
          „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“
          „Wer von Euch ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein!“
          „Du siehst den Splitter im Auge deines Nächsten, aber den Balken in deinem eigenen Auge erkennst du nicht!“
          Oder auch:
          „Hüter euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten. Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! “

          Man sieht, Vieles, was an den Identitären und Super-Moralisten von heute unangenehm auffällt, hat nicht unbedingt direkt was mt Kapitalismus zu tun, sondern sowas scheint es schon vor 2000 Jahren gegeben zu haben.
          Und da sollten sich manche an die eigene Nase fassen, und sich vielleicht auch mal mit dieser unserer ideellen Kultur und ihren Wurzeln auseinander setzen, ob sie diese nun verdammen oder als die überlegene herausstellen.
          Z.B. auch der Feminismus, der zwar den kirchlichen Marienkult im Kostüm der radikalen revolutionären Aufgeklärtheit bewußt oder unbewußt auf die Spitze treibt, aber von den Ursprüngen und Grundideen der abendländischen Kultur wie auch der Aufklärung nicht den Funken einer Ahnung hat!
          Es gilt da oft, so, wie ich es mal über Kant gelesen habe, was aber auch genauso für Hegel, Marx, aber eben anscheinend auch für die Bibel und Jesus gilt:
          „Oft zitiert, wenig gelesen, und selten verstanden“.

        • @ Mikro:
          „Den Werbespot kenne ich jetzt nicht.“
          Es handelte sich um einen Werbespot, der eben darum warb, daß Frauen Männern, die im Auto telefonieren, mittels körperlicher Gewalt beibringen sollen, eben das nicht zu tun.
          Und genau dieses Beispiel habe ich gewählt, weil Osterhöschen, oder ein Fuchs mit Hasenohren gerade NICHT zu Straftaten auffordern, trotzdem aber von Stevie Schmiedels hauptberuflichem Teilzeitrockträger als ernsthafte Diskriminierung von Frauen für sehr viel Geld verkauft werden, während der tatsächliche ( ebenfalls recht teuer finanzierte ) Aufruf zu Straftaten gegen Männer mittels Vorbildfunktion offensichtlich dessen ( und Schmiedels ) Wohlwollen findet. Jedenfalls habe ich noch nicht eine einzige feministische Erwähnung dessen im Netz gefunden – auch nicht von anderen Feministen.
          ( Ist mir jetzt schon ein wenig peinlich, das auf diesem detaillierten Niveau erklären zu müssen )

        • Mein beiden Kommentare bei http://www.pinkstinks.de wurden gelöscht. Ich erlaube mir, sie hier zu posten, damit Meinungen nicht einfach so „verschwinden“.

          Bei https://pinkstinks.de/fuchs-du-hast-mir-ostern-gestohlen/ spach ich mich gegen Verbote von Wort und Schrift aus. Ich finde eine Demokratie muss Worte (auch unangemessene) aushalten können, während sie unangemessene Taten (z.B. Gewalt gegen Menschen) nicht tolerieren darf. (Text war nicht gespeichert…daher nur sinngemäße Widergabe möglich).

          Bei https://pinkstinks.de/der-angepisste-feminismus/ finde ich die Löschung meines Beitrages besonders bemerkenswert! Denn hier wird groß verkündet, dass der Feminismus kritikfähig ist und Kritik willkommen ist. Also hier meinen Beitrag zu löschen….finde ich ehrlich gesagt krass. Ich kann ihn wortwörtlich wiedergeben, weil zum Glück vorher abgespeichert:
          ————Start————-
          Hallo Nils,
          ich finde Deine Drei Beispiele sehr schlecht gewählt, denn sie sagen ja nichts über die eigene Kritikfähigkeit im Feminismus aus. Solche übertriebenen fake-satire Beispiele findet man ja zu jeder Gruppe. Das hat aber nichts mit Beweis eigener Kritikfähigkeit zu tun.
          Warum nimmst Du nicht reale Gesellschafttsthemen, wo Du die Kritikfähigkeit des Feminismus darlegen kannst?

          Ich kann Dir ein konkretes Beispiel nennen, wo der Feminismus meines Erachtens nicht kritikfähig ist:
          – die geschlechtliche Gleichbrechtigung in der Kindererziehung –
          Der Feminismus macht sich hier m.E. inzwischen eher sogar teilweise für veraltete Rollenbilder stark bzw. scheut den Verlust von Macht in der Kindererziehung. Dabei ist der Verlust von Macht für eine Gleichberechtigung obligatorisch. Wir haben inzwischen teils die bizarre Situation, in der viele Männer sich dafür einsetzen mit ihren Kindern den Platz in der Küche, am Wickeltisch und in der Krabbelgruppe einzunehmen, während der Feminismus diese traditionell „weiblichen“ Plätze vehement veteidigt bzw. sich hier für die mütterliche Vorherrschaft stark macht. Dem Feminismus fehlt hier ein gesamtgeschlechtliches Modell und entsprechende Eigenkritik (z.B. Rolle/Definition der Alleinerziehenden).

          Dies wurde jüngt am 15.03.18 in der Budestagdebatte zum geschlechtlich gleichberechtigtem Wechselmodell in der Kinderbetreuung deutlich, wo die Linke sich gemeinsam mit den Grünen und der AfD gegen eine geschlechtliche Gleichstellung in der Familienpolitik stark machten.
          Besonders interessant, wie hier (wie so oft) die Gefühle der Männer zu ihren Kindern abgetan werden. Auch „Gefühle“ sind im Feminismus sehr oft eine weibliche Eigenschaft, die bei Männern oftmals wegeschoben wird. Bezüglich „Gefühle“ bedient der Feminismus teilweise ebenfalls die klassischen Stereotype. Hier vermisse ich ebenfalls Eigenkritik.

          Ich wünsche mir von Feminismus endlich eine kritische Auseinandersetzung bezüglich der Kinderbetreuung. Die Frage der Kindererziehung ist wesenticher Bestandteil unserer Gesellschaft und kann m.E. nicht ausgeklammert werden.
          ——-Ende——–

      • @ Jochen und Mikro:
        Oben in dem Text von Lucas findet Ihr beiden den Link zu der Seite der rosa Stinker.
        Oder klickt einfach diesen an:
        https://pinkstinks.de/fuchs-du-hast-mir-ostern-gestohlen/
        Dort findet Ihr den Nils „Chefredakteur“ Pickert.
        Wenn Ihr dessen Text lesen würdet, könntet Ihr darunter mit etwas Glück auch dessen Jobbeschreibung finden, sowie seine wilden Ansichten von Diskriminierung.
        Was das ganze mit Lagerdenken zu tun hat und warum ich mich über so strunzdumme Laberei nur noch amüsieren kann, könnte dann u.U. auch für Euch erkennbar werden ( man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben, gell? ).
        Aber bei weiteren Fragen könnt Ihr ansonsten gern davon ausgehen, daß ich wahrscheinlich in nächster Zeit nochmal hier hereinschaue und ggf. auch antworte.

  • Analog zum Rassismus-Begriff, der heute problemlos auf Sachverhalte ohne Bezug auf die Behauptung einer Existenz von Rassen verwendet wird, gibt es auch den „strukturellen Antisemitismus“.

    Wikipedia:
    „Als strukturell antisemitisch werden Ideologien bezeichnet, die sich nicht ausdrücklich gegen Juden richten, aber dem „klassischen“ Antisemitismus von ihrer Begrifflichkeit und Argumentationsstruktur her ähneln.“

    Nach dieser Definition findet man Antisemitismus auch problemlos auch in Lucas‘ sehr gutem Artikel.

  • Es wäre alles ganz einfach: die Linke brauch nur dem Antikapitalismus abzuschwören, dann erledigt sich das mit der wahnwitzigen Identitätspolitik von alleine.

    Übrigens ist das auch der gemeinsame Nenner von links & rechts: ein paranoider Verfolgungswahn und die damit verbundenen Verschwörungstheorien vom „Neoliberalismus“, „Patriarchat“ und was auch immer. Jede „Identität“ kann sich damit einbilden, die speziell verfolgte und benachteiligte zu sein und daraus die Begründung für ihren unausweichlichen Kampf schöpfen.

    Was an der simplen Gegenüberstellung von linkem und rechtem Wahn nervt, ist, dass diese beiden Seiten keinesfalls gleichberechtigt sind. Die rechte ist abgehalftert und völlig unbedeutend, die linke beherrscht die Öffentlichkeit von der UN, über die EU bis zu den Medien. Und daher sollte der Kampf gegen den identitären Wahn gegen links absolute Priorität haben, hier kommt die wirkliche und akute Gefahr für den demokratischen Rechtsstaat her.

    Und wie es aussieht, ist die Schlacht in Europa am ehesten schon verloren, der Abstieg in den Totalitarismus scheint nur eine Frage der Zeit. Vielleicht kann der Prozess aber noch aufgehalten werden. Man denkt schliesslich, die Leute können gar nicht so unvernünftig sein und es würde nur die richtige Ansprache, eine ruhige, sachliche Versuch der Diskussion, fehlen.

    Statt eines geheimen und bösartigen Plans einer verschworenen Elite – die Grundlage des linken und auch rechten politischen Denkens, sollte man eher von einer ansteckenden Form der politischen Hysterie, in dem Ideen wie Krankheitskeime wirken und Befallene „zombifizieren“, ausgehen. Dann kann man auch links und rechts als Symptome einer gemeinsamen Wirkung begreifen.

    • @ Alex „Was an der simplen Gegenüberstellung von linkem und rechtem Wahn nervt, ist, dass diese beiden Seiten keinesfalls gleichberechtigt sind. Die rechte ist abgehalftert und völlig unbedeutend, die linke beherrscht die Öffentlichkeit von der UN, über die EU bis zu den Medien.“ Das ist falsch. Ökonomisch ist von einer linken Politik wenig zu erkennen. Soziale Gerechtigkeit ist als Thema nur bedingt attraktiv – das hat Schulz ja im Wahrlkampf gemerkt. Eine linke Hegemonie gibt es allenfalls mit Positionen, bei denen ich stark bezweifle, dass sie überhaupt links sind – zu Beispiel feministischen Positionen zur Geschlechterdebatte. Polemisch formuliert: Linke – und solche, die sich dafür halten – dürfen sich da mit Unisex-Toiletten austoben und über „dumme weiße Männer“ polemisieren, damit sie sonst nicht stören. Diese „Linke“ ist sowas wie ein politisches Bällebad, in dem die Kleinen abgegeben werden, damit sie die Erwachsenen nicht stören. Mit linker Politik hat diese Småland-Linke gar nichts zu tun.

      „Statt eines geheimen und bösartigen Plans einer verschworenen Elite“ Es wäre schön, wenn Du auf das antworten würdest, was ich geschrieben habe, nicht auf Deine eigenen Fantasien davon. Von einer Verschwörung war gar nicht die Rede.

      • @Lukas
        „Das ist falsch. Ökonomisch ist von einer linken Politik wenig zu erkennen.“

        Wieviele Leute in D leben nochmal von HarzIV? Ist das etwa keine linke Politik gewesen?
        Ist das mit der Immigration nicht links? Das mit dem Umbau der Energieversorgung? Alles Politik der SPD und der Grünen, die Verwirklichung derer politischer Kernkonzepte, von Jahrzehnten!

        Dass das mit der Ökonomie bei den Linken unterentwickelt ist kommt einfach von ihrer grundsätzlichen *Verachtung* der Ökonomie, die als Verkörperung allen Bösen nur zu überwinden ist. Aus diesem Grund hat man nicht mehr als das Konzept der „sozialen Gerechtigkeit“ zu bieten, der „Kapitalismus“ und die Ökonomie soll ja auch die Antithese dieser „Gerechtigkeit“ sein!

        „Es wäre schön, wenn Du auf das antworten würdest, was ich geschrieben habe, nicht auf Deine eigenen Fantasien davon.“

        Du hast nicht auf den mir äusserst wichtigen Punkt hingewiesen, dass sowohl Rechte als auch Linke sich beim Politisieren auf einen paranoiden, verschwörungstheoretischen Diskurs beziehen. Das habe ich ergänzt, als freien Diskussionsbeitrag.

        Was ganz vergleichbares kam gerade bei „Spiked“, ein sehr lesenswerter Beitrag, der klarmacht, wohin der paranoide Antiintellektualismus der Linken schon jetzt geführt hat:

        http://www.spiked-online.com/newsite/article/the-return-of-the-socialism-of-fools#.WsXhR4Xxgy4

        „… embracing in recent decades a degraded form of anti-capitalism that replaced analysis and economic activism with an increasingly conspiratorial view of capitalism as the handiwork of neoliberal cabals and sects of immoral bankers, and a degenerate form of anti-imperialism …“

        • Absolut exemplarisch für diesen substanzlosen linken Antikapitalismus finde ich übrigens, was Matt Taibbi im „Rolling Stone“ zur Finanzkrise geschrieben hat, zB:

          https://www.rollingstone.com/politics/news/why-isnt-wall-street-in-jail-20110216

          Total bezeichnend für diesen Fake „Journalismus“ war natürlich die frei erfundene „Rape Culture“-Cover Story von „Jackie“ im „Rolling Stone“, die der Rohrkrepierer-Vorläufer von „Metoo“ war und von der heute natürlich niemand mehr was wissen will.

        • @Alex:

          »Wieviele Leute in D leben nochmal von HarzIV? Ist das etwa keine linke Politik gewesen?«

          Was »links« ist bzw. sein soll, war mal – wie übrigens die politischen Ideen jeglicher, auch liberaler und konservativer Ausrichtung – durch einen Wertediskurs und dementsprechend normativ bestimmt. Deswegen kann man unter Berufung auf solche Werte und Normen sehr wohl behaupten, dass Hartz IV keine linke Politik ist, sondern im Gegenteil der Verrat an ihr.

          Wenn man im Umfeld von Götz Kubitschek die Politik der CDU nicht mehr als »konservative« Politik akzeptiert, dann beruht das auf demselben Prinzip, das ist dasselbe Milieu, das vor dreißig Jahren noch in den rechten Flügel der CDU integriert war, aber sich heute politisch verselbständigt.

          »Ist das mit der Immigration nicht links? Das mit dem Umbau der Energieversorgung? Alles Politik der SPD und der Grünen, die Verwirklichung derer politischer Kernkonzepte, von Jahrzehnten!«

          Ja und? Über diese Themen kann man ja auch gut unterschiedlicher Meinung sein, zumal wenn Du es bei höchst unscharfen Formulierungen wie »das mit der Immigration« belässt – die letzte Immigrationswelle war hauptsächlich durch Merkels Angst vor prestigeschädigenden Fernsehbildern ausgesperrter Flüchtlinge verschuldet.

          Im Übrigen ist beim Thema »Verschwörungstheorie« generell zu fragen, ob es sich um eine gute oder schlechte Verschwörungstheorie handelt.

          • .. und schon sind wir wieder bei den – heute ja recht bunten, diversen – Lents-Rinks-Narrativen …..
            Und da schließe ich mich mal Djad und Lucas an. Ob es „normativ“ war, was die klassischen Definitionen dazu aussagen, weiß ich nicht. Erinnere mich aber, daß ( ganz grob gesagt und lange her ) „Links“ eher als freiheitlich bis basisdemokratisch und „Rechts“ eher als autoritaristisch-steuernd angesehen wurde. Weshalb u.a. der Adolf als rechts betrachtet wurde, trotz des Wörtchen „sozialistisch“ im Namen der von ihm geführten Partei.

  • Meine Güte, was mir dieses Rechts-Links (oder vice versa) -Geschixx auf die Nerven geht. Ungeachtet dessen, was zurecht über diese Häschen Wizorek geschrieben steht, so ist es dennoch wieder mal ein Gemengenlage, welches hier zwanghaft produziert wirkend auftritt, welches zunehmen nervt und mir persönlich die Lust am Lesen raubt.

    Was sollen diese Verschränkungen und Polarisierungen eigentlich bringen. „Invasoren“, so sie es denn sind, kann man tagtäglich in Großstädten oder den Öffentlichen beobachten. Na und? Was hat das mit Anne W. zu tun, die eine Burka als ein „super Zeichen der Emanzipation“ (sinngemäß zitiert) betrachtet.

    Was wird hier erwartet vom Leser, was ist intendiert, Lucas? Etwa, das man ein rechter Lager- und Graben-Bauer ist, wenn man es eben nicht akzeptiert, wenn in U-/S- oder anderen Bahnen eine babylonische Sprach’vielfallt‘ herrscht, dass „Messern“ ein Teil des täglichen Aushandelns unaufgefordert einmarschierender ‚Händler‘ ist, die dann doch als Dealer in dunkleren Ecken herumlungern? Sollen solche Menschen wie ich oder (s.o.) @luisman tatsächlich in solche Ecken gepresst werden?

    Fairerweise muss man allerdings sagen, dass du dich mit dieser, die Freiheit verachtenden linksrosagrünen Truppe auch sehr kritisch beschäftigst; zurecht, wie ich finde. Manchmal wünscht man sich wirklich wieder die 70er herbei …

    Wie auch immer: Ich halte solche Diskussionen, zum Teil ja schon auf abgehobensten Niveau zu deinem letzten Artikel für eines: ohne Not polarisierend.

    Letztendlich geht es doch um Väter-, Männer- und Jungenrechte. Ob nun als Maskulismus oder MGTOW (resignativ) bzw. sonstwas bezeichnet. Und da interessiert es mich nicht, ob mein Mitstreiter (ui, was für ein Trigger) nun rechts, links, Protestant, Katholik, Atheist oder Ketzer ist!

    Denn man bemüht sich um die gleiche Sache, Lucas.

    • „Sollen solche Menschen wie ich oder (s.o.) @luisman tatsächlich in solche Ecken gepresst werden?“

      @Emannzer, jeder kann da stehen, wo er auch hin möchte. Man muss nur ein wenig kritisch und selbstkritisch sein.

      Und ob das mit der Benachteiligung von Männern eine Sache ist, die überhaupt isoliert und losgelöst betrachtet werden kann, möchte ich mal bezweifeln…

      • „.. ob das mit der Benachteiligung von Männern eine Sache ist, die überhaupt isoliert und losgelöst betrachtet werden kann, möchte ich mal bezweifeln…“

        Ich vermute schon, zu wissen, auf was du damit hinausmöchtest, @Alex. Der Punkt ist aber in meinen Augen, das weder „Romans rote Männer“ (eine Gruppe innerhalb der SPD, welche dem ganzen „Gedöns“, wie es später von Schröder genannt wurde, sehr kritisch und fundiert gegenüberstand.

        Diese, durchaus anerkennenswerte Widerstandsgruppe innerhalb der eigenen Partei, die hat zum Thema einiges geschrieben und zusammengetragen. Und was hat es genutzt? Nichts, nada njente.

        Insofern halte ich es wirklich für totale Zeitverschwendung, gegenseitiges Kräfterauben u.v.a.m., sich mit irgendwelchen Ausprägungen zu beschäftigen, da es nur zu Gräben in einer fluiden Bewegung führt, die am Ende geflutet sind und von denen niemand Notiz nimmt.

        Aber, ich lass es mal an dieser Stelle. Sonst landet man am Ende noch in irgendwelchen Diskussionen über Gemäßigte und Radikale. Dennoch möchte ich ganz einfach mal eine Frage in den Raum werfen?

        Was hat all dieses theoretische Gerede in der Praxis gebracht?

        • „Und was hat es genutzt? Nichts, nada njente.“

          Willst du Erfolg musst du an Sachzwänge anknüpfen und nicht mit dem Kopf durch die ideologische Betonwand. Das mit dem Wechselmodell zB ist einfach dadurch voranzutreiben, dass der Staat immer mehr für die Väter einspringen muss — denn die Löhne geben den Vater als Alleinzahler gar nicht mehr her und Leute werden ja auch völlig entmutigt unter diesen Bedingungen überhaupt noch zu arbeiten. Aus diesem Grund wird der Staat beide Elternteile gleichermassen in die Pflicht nehmen müssen, da will er ja sparen. Umso mehr übrigens, wenn die Lasten aus der Einwanderung ihn finanziell belasten. Wer das Wechselmodell will, der sollte aus taktischen Gründen also für möglichst viel Einwanderung sein! Just saying 🙂

    • @ Emannzer „Letztendlich geht es doch um Väter-, Männer- und Jungenrechte. Ob nun als Maskulismus oder MGTOW (resignativ) bzw. sonstwas bezeichnet. Und da interessiert es mich nicht, ob mein Mitstreiter (ui, was für ein Trigger) nun rechts, links, Protestant, Katholik, Atheist oder Ketzer ist!“ Ja, das sehe ich auch so. Sich in Sachfragen einigen zu können, auch wenn man in vielen anderen Fragen unterschiedlicher Meinung ist, finde ich absolut wichtig: für eine Demokratie und insgesamt für eine Kooperationsfähigkeit.

      „Was sollen diese Verschränkungen und Polarisierungen eigentlich bringen.“ Mit geht es eigentlich gar nicht um eine abgehobene Diskussion im luftleeren Raum. Ich bin allerdings vielleicht zu oft bei Twitter. Da habe ich zunehmend den Eindruck, dass sich politische Positionen völlig verhärten. Andere werden nicht nur geblockt, wenn sie nerven – sondern auch, wenn sie ganz still einem anderen politischen Lager angehören – oder wenn sie zwar dieselbe Meinung haben wie der Blocker, aber nicht einsehen, andere Menschen zu blocken, die eine andere Meinung haben…. etc.

      Insbesondere die Reizbarkeit ist verrückt, und das beständige Scannen der Wirklichkeit nach neuen Gründen für die altbekannten Empörungen. Rechte greifen jede Meldung über irgendwelche kriminellen Taten aus irgendwelchen Regionalzeitungen auf und mutmaßen sofort, dass der Täter sicher Migrant wäre – und Linke regen sich wieder über Rechte auf, die sich darüber aufregen.

      Ich finde diese Strukturen antizivil, und ich habe zudem aus meinem nicht-medialen und Offline- Leben den Eindruck, dass diese Verhaltensweisen zwar medial ungeheuer viel Aufmerksamkeit generieren, von den meisten Menschen aber überhaupt nicht geteilt werden. Mir geht es also um die Überlegung: Wieso haben nicht Menschen, die etwas abgewogener und unaufgeregter agieren, eine bessere Position?

      Denn dass sich Linke und Rechte beim Übertönen der eher ruhigen und gelassenen Positionen gleichsam gegenseitig die Bälle zuspielen, finde ich nicht von der Hand zu weisen. Die beliebte Hufeisen-Theorie wiederum ist aber völlig nutzlos – die ist inhaltsleer und sagt nur aus, dass jemand irgendwie auch weiter nachts rechts geht, wenn er sich weiter nach links bewegt. Warum auch immer.

      Die Feststellung, dass sowohl von rechts als auch von links eine Identitätspolitik betrieben werde, hat hingegen den Vorteil, die Ähnlichkeiten auch inhaltlich zu beschreiben und dabei zugleich nicht so zu tun, als wären links und rechts irgendwie alle dasselbe. Eine demokratische Linke lässt sich davon ebenso unterscheiden wie ein demokratischer Konservatismus.

      • @ Lucas:
        „Ich bin allerdings vielleicht zu oft bei Twitter. Da habe ich zunehmend den Eindruck, dass sich politische Positionen völlig verhärten.“
        Das scheint mir, als konsequentem Nichtzwittscherer und ( mittlerweile ) vollständig fakebuchfreiem Menschen wirklich ein ernsthaftes Problem zu sein, das mir immer öfter und stärker auffällt ( u.a. auch bei Matze ).

        „Insbesondere die Reizbarkeit ist verrückt, und das beständige Scannen der Wirklichkeit nach neuen Gründen für die altbekannten Empörungen.“
        Das wird bei manchen zu einer Art von Manie, im weitesten Sinne. Und bremst das freie Internet als Kommunikationsmittel erheblich.

        Anders und sehr höflich gesagt:
        „Ich finde diese Strukturen antizivil, …“
        Bingo!
        Ich gehe inzwischen davon aus, daß diese dissozialen ( quasi synonym für „antizivil“ ) Plattformen in sehr platter Form nicht zuletzt für exakt diesen Zweck konzipiert wurden und ( optimiert ) werden. ( Von der Datenabgreif- u. Verkaufsfunktion mal abgesehen, aber darum geht es mir in diesem Zusammenhang nicht ).
        Niemand schenkt Dir einfach so, für teuer Geld, ein Kommunikationsmittel, um Dir einen Gefallen ohne Gegenleistung zu tun. Und bei derartig monströsen Einrichtungen kann man wohl immer auch von einem politischen Zweck ausgehen.
        In diesem Sinne vom altbekannten „Divide et Impera“.
        Eigentlich eine Binse, ich weiß. Aber … es wirkt trotzdem!

    • @Emmanzer:

      »Meine Güte, was mir dieses Rechts-Links (oder vice versa) -Geschixx auf die Nerven geht.«

      Verstehe ich einerseits – ich würde mir wünschen, dass grundsätzlich nur auf der Ebene von guten und weniger guten Argumenten diskutiert wird. Andererseits ist »links« gerade in unserer Blogosphäre ein so regelmäßig aufgetischtes Feindbild, dass ich nachvollziehen kann, wenn jemand wie Lucas oder Leszek (oder auch ich) gelegentlich das Bedürfnis verspürt, allzu unscharfe Begriffe geradezurücken.

      Und mit dem Verweis auf die Ähnlichkeit linker und rechter Identitätspolitik bringt Lucas (und unter dem Begriff »Differenzpolitik« Leszek) in meinen Augen auch ein überzeugendes Argument, das einen konkreten analytischen Nährwert hat.

      Ich finde das sorgfältig genug argumentiert, um nicht zwangsläufig Denunziationsängste triggern zu müssen.

      • „Andererseits ist »links« gerade in unserer Blogosphäre ein so regelmäßig aufgetischtes Feindbild, dass ich nachvollziehen kann, wenn jemand wie Lucas oder Leszek (oder auch ich) gelegentlich das Bedürfnis verspürt, allzu unscharfe Begriffe geradezurücken.“
        Vielen Dank, @Djad!
        Um es noch ein wenig zu steigern:
        Es kotzt mich mittlerweile richtig an, daß die allgemeine Umgangssprache gezielt dermaßen nebulös verhunzt wird, daß jedes Lager, selbst in ein und demselben Diskussionsstrang, seine eigene Sprache gebraucht und gemeinsame Begrifflichkeiten so verwaschen sind, daß beide Seiten ( oder auch mehr Seiten ) nur noch Quark schwafeln, der zu nix führt.
        Links u. Rechts sind ja noch als „relativ bewußte“ Inhalte ( wenn auch verschiedene ) vorhanden.
        Bei „sozialen Eltern“, „schwulen Familien“, „Unterhalt“, „leiblichen Kindern“ etc.pp. kann man heute aber schon feststellen, daß ALLE Seiten i.d.R. von definitorischem Unfug ausgehen, einfach weil sie keine brauchbare Sprachform mehr dafür kennen und – da haben die Feministen mit ihrer „Sprach-Denk-Steuerung“ m.E. durchaus Recht – tatsächlich auch die Kerninhalte nicht mehr begreifen!

        Ja, ich weiß, der doofe Fiete ist ein unverbesserlicher Wortklauber – drauf geschissen!
        Wenn Gymnasialleher ( nein, ich beziehe das jetzt nicht auf Lucas ) nicht mehr in der Lage sind „das Teil“ u. „der Teil“ zu unterscheiden und konsequent von „Das Elternteil“ herumschreibseln, wird mir einfach schlecht. Einfach weil ich mir sicher bin, daß sie auch nicht mehr fähig sind, die sich daraus ergebende – mindestens implizite – herabwürdigende Diffamierung zu erkennen.

    • @ Emannzer:
      „Letztendlich geht es doch um Väter-, Männer- und Jungenrechte.“
      Selbst das würde ich, als radikalnichtradikaler Mensch, schon als etwas betrachten, was das Lagerdenken zumindest potentiell fördert ( und tatsächlich von den Kinderrechts- u. Gleichberechtigungsgegnern auch in diesem Sinne verwendet wird, wie man in zig Texten, u.a. auch auf Man-Tau, nachlesen kann ).
      Ich bin Gegner von Jungen-Väter-Männerrechten!
      Und selbstverständlich auch Mädchen-Mütter-Frauenrechten!
      ( Beim Mutterschutz von kurz vor bis nach der Geburt mache ich die einzige Ausnahme, möchte denselben aber im Kontext auch einer gezielten Väterunterstützung betrachtet wissen, also als auf die [Kern-]Familie ausgedehntes Kinderrecht ).
      Menschenrechte, im allgemeinen Individualrechte, finde ich für adulte Personen ausreichend, so sie denn auch in Verwaltung, Administration und Justiz beachtet und umgesetzt werden.
      Und darüber stehen aus guten Gründen die Kinderrechte, welche ggü. den Erwachsenenrechten vorrangig zu beachten sind, wie auch das BVerfG ( als es noch gelegentlich als solches fungierte ) mal festgestellt hat.

      Darum sollte es, meiner bescheidenen, unfachlichen Meinung nach, gehen.

    • Moin Leszek, danke dafür! Ich würde den Kommentar gern im Laufe der Woche als Beitrag einstellen – hast Du etwas dagegen?

      • @ Lucas Schoppe

        Ist natürlich ein sehr theoretischer Text und wird vermutlich nicht jedem gefallen.
        Aber falls du ihn einstellen möchtest, mach das ruhig.

        Ich habe dir gerade eine leicht aktualisierte und korrigierte Version des Textes zugemailt, nimm bitte diese aktualisierte Version.

        (Und falls diesbezüglich noch etwas zu besprechen sein sollte, melde dich einfach.)

    • Also, lieber Leszek. Das BlaBla-Meter hat da eine recht klare Meinung zu deinem Artikel-Kommentar bei AE:

      „Ihr Text: 15000 Zeichen, 1821 Wörter
      Bullshit-Index :0.61
      Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.“

      Ist nicht bös‘ gemeint 😉

      @All: Danke für eure unaufgeregten Reaktionen zu meinem Kommentar

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