Feindbild Mann Hate Speech Medien

Wer fühlt sich vom bedrohten Mann bedroht?

geschrieben von: Lucas Schoppe

Zu den harten und höhnischen Reaktionen auf Jens Jessens Text „Der bedrohte Mann“. Als besonderen Service: mit einem Gedicht!

Natürlich: Jens Jessens Text „Der bedrohte Mann“ in der neuesten Ausgabe der Zeit bezieht Positionen, die kaum zu halten sind. Er vergleicht „MeToo“ mit bolschewistischen Schauprozessen, oder er spekuliert, dass Männer durch die MeToo-Vorwürfe die „Diskriminierungs-Erfahrung der Muslime“ machen würden.

„Und so ist auch heute alles, was Männer tun, sagen, fühlen oder denken, falsch – weil sie dem falschen Geschlecht angehören.“

Es ist leicht für Katja Weber und Holger Klein beim öffentlich-rechtlichen Radio Eins, ihren Interviewpartner Jessen als unglaubwürdig zu präsentieren. Klein muss nur darauf hinweisen, dass er selbst als Mann überhaupt kein Problem habe und dass er auch keinen Mann kenne, der ein Problem habe – und schon steht Jessen als Hysteriker da. Es hilft zudem, dass Weber und Klein die Sachebene von seinem Text sorgfältig vermeiden.

Stefan Niggemeier greift das Interview sofort auf, bezeichnet Jessen als „Wut-Autor“, schielt dabei sicherlich auf gängige Klischees vom „Angry White Man“ und beruft sich später unschuldig auf die Zeit, die doch schließlich selbst Jessens Text als „Wutausbruch“ bezeichnet habe.

Schon bevor der Text überhaupt zu lesen war, twitterte die ZDF-Journalistin Nicole Diekmann spitz „Ach Du liebe Zeit“ dazu und verlinkte praktischerweise noch den Twitter-Account des Zeit-Redakteurs Jochen Bittner dazu, damit ihre Follower gleich einen Adressaten für die fälligen Reaktionen hatten. Diekmanns Äußerung blieb demonstrativ argumentfrei, als wolle sie zeigen, dass sie überhaupt kein Argument nötig habe, um Jessens Text zu verhöhnen.

Tatsächlich reagierten gerade männliche Follower Diekmanns trotzdem, oder gerade deshalb, wie auf Kommando: Sie machten sich über Jessens Text, den zu diesem Zeitpunkt noch keiner der Beteiligten gelesen habe konnte, herzlich lustig, zeigten souverän, wie absurd sie ihn finden, und griffen gleich mehrmals wie bestellt zum schlagenden Lieblingsargument aller Leute, die finden, dass jemand anderer ganz ohne Grund Probleme habe: Dem lautmalerischen Wörtchen „Mimimi“.

Keiner der Beteiligten, weder Diekmann noch Weber, noch Klein, noch Niggemeier, noch die braven Follower Diekmanns interessierte sich dafür, worum es Jessen eigentlich inhaltlich ging. Dabei nennt der abseits der Verstiegenheiten seines Textes einiges, worauf halbwegs vernunftbegabte Menschen durchaus inhaltlich und nicht nur mit einer Verhöhnung des Autors reagieren könnten.

 

Warum Männertränen einen Indianer nicht erschüttern können. Oder so.

Beispielsweise zeigt er, dass in der MeToo-Logik Männer eigentlich keine Chance hatten, sich sinnvoll an der Debatte zu beteiligen – weil ihnen, nachweisbar, sowohl das Schweigen als auch das Reden zum Vorwurf gemacht wird.

Er zeigt, dass die allgemeine Gewaltunterstellung gegenüber Männern im öffentlichen Diskurs so selbstverständlich verbreitet ist, dass sie keiner Begründung mehr bedarf.

Er zeigt, dass auch extreme Äußerungen gegen Männer – wie zum Beispiel öffentlich geäußerte Tötungswünsche – völlig selbstverständlich salonfähig sind und problemlos in der Zeit veröffentlicht wurden.

Er zeigt auch, dass die offene Solidarisierung mit Gina-Lisa Lohfink, die fälschlicherweise Männer der Vergewaltigung bezichtigt hatte, bis zur Bundesministerin Schwesig reichte – als träfen solche Bezichtigungen irgendwie ganz gewiss immer die Richtigen, auch dann, wenn sie nachweisbar falsch sind.

Es kann natürlich sein, dass Niggemeier, Klein, Diekmanns brave Follower und andere Männer mit solch einer Diskurslage überhaupt kein Problem haben. Warum aber ist es ihnen so unmöglich, anderen Männern zuzugestehen, dass sie sehr wohl durch so etwas getroffen werden? Hier schlägt wohl gerade bei Männern, die sich als pro-feministisch präsentieren wollen, eine antiquierte männliche Haltung durch: Was ein rechter Mann ist, der jammere eben nicht wegen solcher Kleinigkeiten – und könne durch Frauen schon mal gar nicht verletzt werden.

Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern. Ich bade in Männertränen (kicher).

 

Die Folgen der Folklore

Ich verstehe das gut. Ich habe lange selbst mit dem Klima erheblicher Unterstellungen gegenüber Männern gut leben können und sie als feministische Folklore abgetan. Gewalt sei männlich, und Männlichkeit sei gewalttätig. Jeder Mann sei ein potenzieller Vergewaltiger. Männern ginge es um Macht, aber mit der Liebe hätten sie es nicht so – sie ließen halt die Frauen lieben. Undsoweiter undsoweiter.

Dass solche Positionen mehr sind als nur der folkloristische Schmuck lustiger, kleiner, feministisch inspirierter Volksstämme, habe ich erst als Trennungsvater verstanden.

Erstens war es verrückt, dass ich den Kontakt zu unserem Kind weitgehend verlor, einfach weil die Mutter das so wollte – und ohne dass mir irgendjemand irgendeinen Vorwurf machen konnte, ohne dass ich also auch etwas hätte ändern können.

Zweitens war es irre, dass diese Situation bei fast allen Beteiligten, gerade in Ämtern und Beratungsstellen, völlig empathiebefreit wahrgenommen wurde – ohne Empathie für mich als Vater, aber auch ganz ohne Empathie für unser Kind, soweit es um die Vater-Kind-Beziehung geht.

Diese radikale, aber völlig selbstverständlich daherkommende Empathielosigkeit musste ich mir erklären. Ich bin mir sicher, dass sie einen wesentlichen Grund in eben der Männer-Präsentation hat, die ich als folkloristisch wahrgenommen hatte.

Männer tun manchmal so, als hätten sie die Macht gar nicht, die ihnen das patriarchale System beständig zuspielt. Davon darf sich niemand täuschen lassen! (Und überhaupt: Wer behauptet, er würde sich bedroht fühlen, hat nun wirklich was auf die Fresse verdient.)

Da Männer beständig anderen, den Frauen nämlich, Schmerz zufügen würden, müssten sie es eben aushalten, auch selbst einmal Schmerz zu erleben. Sie sollten doch bitteschön nicht jammern, wenn sie EINMAL ein wenig von dem durchmachen müssten, was sie unbekümmert und beständig anderen zufügten. Ihre Klagen seien also nur Symptom ihrer Egozentrik.

Da Männer zudem in eine strukturell garantierten patriarchalen Machtposition agierten, könnten sie sich ohnehin jederzeit selbst helfen, wenn sie denn tatsächlich mal ein ernsthaftes Problem hätten. Würden sie sich als Opfer präsentieren, dann wäre das lediglich eine Opferideologie, mit der sie von den echten Opfern gesellschaftlicher Machtstrukturen ablenken würden.

Und überhaupt – wenn Männer Probleme hätten, dann nur, weil ihre Machtpositionen endlich ins Wanken gerieten, zum Vorteil aller. Sagt ja auch der Kimmel, der so schön über wütende weiße Männer schreibt, dass auch die Bundeszentrale für politische Bildung das verlegt.

Don’t be that guy – Männer müssen in dieser kanadischen Kampagne erstmal lernen, nicht zu vergewaltigen. Wenn hier doch einmal ein Mann selbst sexuelle Übergriffigkeiten erlebt, dann ganz gewiss nur durch einen anderen Mann.

Michael Gwosdz beispielweise war stellvertretender Landesvorsitzender der Hamburger Grünen und machte sich bundesweit damit bekannt, dass er Männer rundweg als „potenzielle Vergewaltiger“ bezeichnete. Wer sich Gwosdz’ Zitat anschaut, merkt, dass es ihm hier nicht um eine bloße theoretische Erwägung ging, so wie dann eben auch alle Menschen potenzielle Totschläger sind, irgendwie, oder alle Mütter potenzielle Kindermörderinnen, irgendwie.

Bei Gwosdz hat jeder Mann, weil er Mann ist, eine Tendenz zum Vergewaltigen. Gerade wenn er sich und anderen diese Tendenz nicht ehrlich eingestehe und sie nicht reflektiere, sei das Risiko besonders groß, dass er denn auch tatsächlich zum Vergewaltiger werde.

Das lässt sich unschwer als geschlechterpolitische Verwurstung einer religiösen Erbsündenlehre interpretieren, aber darum geht es mir hier gar nicht. Dass in Parteien, auch in Funktionsposten, Menschen manchmal inhumane und furchtbare Äußerungen tätigen, ist in offenen Debatten nicht zu vermeiden. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es tatsächlich niemanden bei den Grünen gab, der sich an den Äußerungen ihres Vizes störte. Dass trotzdem parteiintern keine hörbare Kritik daran geübt wurde, kann ich mir nur mit der Vermutung erklären, dass jeder Kritiker Angst haben musste, er könne mit seiner Kritik womöglich als frauenfeindlich dastehen.

 

Die Hysterie der Hysterievermeidung

Stellt sich denn aber wirklich überhaupt niemand, zum Beispiel, die Frage, ob es Jungen nicht möglicherweise beeinträchtigt, wenn sie in einer Kultur aufwachsen, in der es zum guten Ton gehört, ihnen allein aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit schwere Gewalttendenzen nachzusagen? „Es ist ein Junge“ – dieses lustige Männerbashing Margarete Stokowskis im Spiegel, das über die Männlichkeit der Gewalt und die Gewalt der Männlichkeit räsonniert, zielt ausdrücklich schon auf Kinder.

Im Blick auf meinen Sohn, aber auch im Rückblick auf mich kann ich mir nicht vorstellen, dass die Selbstverständlichkeit solcher diskursiver Angriffe folgenlos bleibt. Gerade etwas sensiblere Männer, und gerade Männer, denen sehr an einem guten Verhältnis zu Frauen gelegen ist, müssen davon besonders getroffen werden. (Vielleicht erklärt das auch, warum andere Männer dann eher kein Problem erkennen können.)

Ich erzähle mal im Rückblick, verspreche aber, nicht zu viel preiszugeben. Als ich das erste Mal mit einer Frau geschlafen habe, war ich schon 21 Jahre alt. Trotzdem hatte ich mich damals noch nicht soweit gefühlt und hätte gern noch etwas gewartet (im Rückblick könnte es sein, dass das etwas mit meinem Katholizismus zu tun hatte, aber darum geht es gerade gar nicht). Meine Freundin aber machte mir sehr deutlich klar, dass das Miteinander-Schlafen für sie zu einer Beziehung gehöre, und dass sie mit anderen Männern etwas anfangen werde, wenn ihr das fehle.

Natürlich habe ich mich nie als Opfer gesehen. Ich war unerfahren, ich war verliebt, und was ich mit-gemacht habe, war auf eben dieser Grundlage meine eigene Entscheidung. Heute würde ich anderes entscheiden, nun aber auch auf der Grundlage von Erfahrungen wie der eben skizzierten. Alles gut soweit.

Allerdings hätte ich mich selbst niemals einer Frau gegenüber so benommen wie meine damalige Freundin mir gegenüber, und ich habe es auch nie getan. Wenn mir nun die öffentliche Präsentation als potenzieller Vergewaltiger etwas ausmacht: Ist das dann für Klein, Niggemeier und Diekmanns Follower tatsächlich auf keine andere Weise erklärbar als dadurch, dass ich da doch wohl um den Verlust einer Machtposition fürchte? Dass es eine Abwehrreaktion wäre, um mich mit meiner doch bestimmt irgendwie inhärenten Gewaltneigung nicht auseinanderzusetzen?

Meine eigenen Erfahrungen, und die Erfahrungen vieler meiner Freunde und Bekannten, unterscheiden sich nun einmal in einigen wichtigen Aspekten erheblich von der veröffentlichten Männlichkeit.

Nachtrag vom 7.4., weil ich gerade erst durch einen Tweet von Sebastian B. diese Reaktion auf den Zeit-Text bemerkt habe. Das hier ist ganz gewiss kein Hass. Hier drückt sich lediglich der verzweifelte Wunsch einer jungen Feministin nach einer intellektuellen und zivilen Auseinandersetzung aus, die allerdings vom Autor Jessen leider verweigert wird. (Außerdem kann es für Männer sehr beruhigend und empowernd sein zu erfahren, dass Männertränen überhaupt zu irgendetwas gut sind.)

Einmal andersherum gefragt: Wenn Müttern willkürlich ganz oder weitgehend der Kontakt zu ihren Kindern genommen werden könnte, einfach weil der Vater das so will – wenn Mütter, die darüber klagten, damit als pathetische Schmerzensfrauen dastünden – wenn dies flankiert würde durch öffentliche Beiträge über Frauen, in denen sie unwidersprochen als tendenziell asozial präsentiert würden –

und wenn dann einige Frauen erklären würden, dass sie damit natürlich überhaupt kein Problem hätten und die anderen, die sich aufregten, ja wohl hysterisch wären: Hätten wir dann nicht unwillkürlich das Gefühl, dass mit den Frauen, die da überhaupt kein Problem haben, irgendetwas nicht stimmt?

 

Mr. FixIt und die toxische Männlichkeit

Es ist wiederum ein Problem von Männerrechtlern, dass sie sich stark auf männliche Leiderfahrungen konzentrieren: Kindesentzug – häusliche Gewalt – relativ früher Tod – körperliche Verletzungen – Ausbeutung in der Erwerbsarbeit – … Dafür gibt es gute Gründe, nur kollidiert diese Konzentration auf Negatives eben mit traditionellen Geschlechterfunktionen.

Im Lichte eines traditionellen Geschlechterverständnisses präsentieren Männer sich damit als schwach, als Jammerlappen, als Schmerzensmänner, und sie liefern damit anderen Männern eine Vorlage, sich von ihnen zum eigenen Vorteil abzugrenzen und sich so als stark, als souverän, als Alphas neben Betas zu präsentieren.

Wer dort, wo Jungen und Männer Nachteile erleben, für sie eintreten möchte, braucht also positive Perspektiven, die über eine bloße Darstellung der Probleme hinausweisen.

Damit allerdings begeben sich dann Männer wieder in die Rolle des Mr. FixIt, der Probleme nicht nur benennen, sondern sogleich auch Lösungen für sie präsentieren kann. Es ist aber nun einmal unwahrscheinlich, dass Männer irgendetwas erreichen werden, wenn sie diese Funktion ganz vernachlässigen.

Außerdem hilft es, sich nicht an feministisch inspirierten Frauen abzuarbeiten. Besser ist es, sich auch an andere Männer zu richten. Ich mache das zum Abschluss einmal mit einem Gedicht, im Stil einer bemüht-nüchternen Erbaulichkeit verfasst, der irgendwo zwischen Bertolt Brecht und Kristiane Allert-Wiebranitz angesiedelt ist und der daher in einem aufgeklärten, geschlechterbewussten Milieu besonders leicht Anklang finden müsste. Bitteschön:

 

Was ist diese toxische Männlichkeit eigentlich für eine?

Für Holger Klein, Stefan Niggemeier und die braven Follower Nicole Diekmanns

Wer Väter erlebt, die zermürbt ihre Kinder vermissen,
und ihnen gestreng ihre Unterhaltspflichten erklärt
der ist dann nicht dadurch schon selbst guter Vater.

Wer sieht, dass wir in der Schule die Jungen verlieren,
und kalkuliert-keck Mimimi“ kommentiert –
wird dadurch noch nicht zum erfolgreichen Mann.

Wer hört, dass auch Männer zu Hause Gewalt überleben,
und sie, sobald sie nur sprechen, als Frauenfeinde beschimpft
der ist dann auch damit nicht immer schon friedlich.

Wer liest, das Leben der Männer sei kürzer um Jahre,
und telegen fordert, sie sollten nicht jammern und klagen –
der ist dann deswegen noch lange nicht stark.

Wer hört, dass Männer als Männer nicht immer auch Täter sein möchten,
und sie dann geschickt der Gewalt-Kumpanei überführt –
der ist nicht dadurch allein schon zärtlich und sanft.

Gibt es so etwas wie eine humane Bedeutung
des bösen Begriffes der toxischen Männlichkeit, dann
so: Wer denkt, es sei männlich, mit gar nichts Probleme zu haben,

der ist ein Problem. Vielleicht für sich selbst,
und ganz gewiss für viele andere.

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67 Comments

  • Kein Ahnung ob Jens Jessen seinen Text freiwillig und aus Ueberzeugung geschrieben hat, er dazu gezwungen wurde oder er sich dafuer hergeben musste. Das ist eindeutig Kabuki. Im Kasperle-Theater darf der boese Raeuber nicht fehlen, sonst ist es langweilig. Jessen mimt den boesen Raeuber.
    Man kann das daran erkennen, dass die unzaehligen Repliken auf seinen Artikel anscheinend bereits vor der Veroeffentlichung von Jessens Artikel auf den jeweiligen Festplatten lagen. Das Ziel der Aktion ist, nun auch dem letzten „hinterwaedlerischen“ AfD Waehler klar zu machen, dass 100%, wirklich ausnahmlos Jeder, die Aussagen von Jessen ablehnt. Also, ihr faschistischen Maennerrechtler, haltet gefaelligst die Schnautze, sonst gibt’s was drauf, wie es hier demonstriert wurde.

    Ich muss sagen: Respekt fuer den, der sich die Nummer ausgedacht hat. Propaganda vom Feinsten, Bernays (engineering of consent) haette es nicht besser hingekriegt.

    • @luisman Dass hinter dem Artikel Kalkül steckt, ist offen erkennbar. Für die nächste Woche ist schon eine Entgegnung von Bernd Ulrich, „Die Emanzipation des Mannes hat gerade erst begonnen“, angekündigt. Ich bin bin bei Jessens Text davon ausgegangen, dass er polemisch überspitzt sein sollte, so dass er Aufmerksamkeit erzeugt und dann auch gleich die Motivation für eine Gegenrede schafft.

      Dass alle Reaktionen darauf schon in der Schublade lagen, glaube ich nicht. Vermutlich war das Radio1-Interview vereinbart, aber bei den meisten Reaktionen ist es doch gar nicht nötig, sie vorher abzusprechen. Ein klarer Angriff auf etablierte feministische Positionen kreiert auch so Aufregung und provoziert Reaktionen, da ist eine Absprache eigentlich nicht nötig.

      Kalkül also ganz sicher – aber eher nicht erzieherisch (damit Leute sehen, was man nicht kritisieren darf), sondern um Aufmerksamkeit für die Zeitung zu schaffen. Das macht die Zeit seit einigen Jahren schon mit Gender-Themen ja auch ziemlich effektiv.

      Interessant ist jetzt aber, dass die Aufmerksamkeit mit einer Position geschaffen wird, die erstens gegenüber etablierten feministischen Positionen kritisch ist und die zweitens die Perspektive von Männern (wen auch natürlich einigen, nicht allen) betont. Dass solche Positionen sich für eine Zeitung lohnen können, ist in meinen Augen ein gutes Zeichen für eine Öffnung der „Geschlechter-Debatte“.

      Vielleicht wird dann ja irgendwann wirklich mal eine Debatte daraus.

      • Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ob ich dieses Spiel noch mitspielen soll oder eben nicht.

        Ich bin es leid, menschenverachtenden (männerverachtenden) „Meinungsjournalismus“ lesen zu müssen, nur damit ein Verlag über die Runden kommt. Seit der Trennung der Zeit von Thomas Fischer (für mich eine echte Zäsur) neige ich dazu, allen Contentprovidern, die über diesen good-Cop/bad-Cop-Mechanismus „Auflage“ machen wollen, generell meine Aufmerksamkeit zu entziehen. Durch technische Maßnahmen (Adblocker, Browserfirewall, …) unterbinde ich die monetäre Verwertung meiner Klicks und ich kaufe keine Zeitungen mehr, die mit solchen Methoden arbeiten. Artikel, die hinter irgendwelchen Paywall versteckt werden, lese ich grundsätzlich nicht.

        Meine (finanzielle) Unterstützung erhalten nur noch konkrete Personen (Autoren, Blogger, Journalisten (jeweils m/w)), wenn ich ihre Argumentationen

        – intellektuell nachvollziehen kann,
        – ausgewogen, geerdet und/oder unideologisch einstufen kann,
        – inhaltlich und/oder emotional gutheissen kann.

    • Der Text zielt vor allem darauf, die Auflage (Print und E) zu steigern. Wenn sogar ich daran dachte, mir diese Ausgabe zu kaufen, die ich seit Jahren keine ZEIT mehr gekauft habe, dann bewerte ich das Vorgehen als recht erfolgreich. Oft genug sind solche „Aufreger-Texte“ im Kostenlos-Bereich erschienen – mit einem brinsanten, viele mit Sicherheit „triggernden“ Thema will die ZEIT mit diesen Kostenlos-Debatten offenbar Schluss machen. Dazu passt gut, dass auch eine Replik angekündigt ist – Grund, auch die nächste Ausgabe zu kaufen. Trotzdem: mir reicht das, was ich von diversen Seiten ÜBER den Text lese, einschließlich der wildesten (Schoppe: „Verstiegenheiten“) Zitate.

  • Dieses Milchhonig-Bild ist ja köstlich. Ich hatte bisher nie so ein richtiges Bild von einer fanatischen Feministin, die gerade einen Tobsuchtsanfall bekommt, z.B. weil überall zusammenhanglos nackte Frauen in der Werbung für Produkte wie Autoreifen benutzt werden, die gar nichts mit Nacktheit zu tun haben. Jetzt habe ich endlich eine bildliche Vorstellung.
    Femen ist irgendwie langweilig dagegen, die wirken so künstlich.

      • „viel Aufwand getrieben worden“

        Kann sein!! Das steigert das patriarchale Verbrechen, einen Frauen*Körper objektifiziert und instrumentalisiert zu haben, um eine Größenordnung. Ich erwarte eine Sonderausgabe des Missy Magazine, die diesen schrecklichen Vorfall dokumentiert und die Wege aufzeigt, wie die Metoo-Bewegung hier eingreifen und ähnliches in Zukunft verhindern kann. Wir brauchen endlich eine breite gesellschaftliche Debatte über den Alltagssexismus!!

  • Zur Einordnung des Artikels von Jessen: Die MeToo-Kampagne der ZEIT / von ZEIT Online hatte schon die ganze Zeit einen Anteil von knapp 10% kritische Artikel, die eine gewisse Heterogenität des Meinungsspektrums simulieren sollen, aber mMn eine reine Feigenblattfunktion haben. Den Jessen-Artikel zähle ich dazu.

    Das ist hier besonders offensichtlich dadurch, daß noch vor der Publikation die Nachricht kam, daß kommende Woche eine linientreue Replik kommen wird, die die Irrtümer des gleich erscheinenden Textes geradestellen wird. Der Jessen-Text wird damit als nicht ernst zu nehmende Meinungsäußerung eingeordnet, als umstrittener Standpunkt, den man auf keinen Fall alleine für sich stehen lassen kann, um den man einen cordon sanitaire ziehen muß. Der bestenfalls ein verrücktes kleines Gedankenspiel ist, dessen Argumente man nicht ernst nehmen braucht.

    An dem cordon sanitaire basteln die braven Follower Nicole Diekmanns freudig mit, man hat ihnen ein Stöckchen hingeworfen, und sie reagieren wie geplant.

    Wir reagieren vielleicht auch wie geplant und verschwenden unsere Zeit für einen weiteren Sturm im Wasserglas, der an den politischen Machtverhältnissen nichts ändern wird.

    Noch ein anderer Punkt: Ich war überrascht bis entsetzt, wie unsouverän Jessen in dem radioeins-Interview auftrat. Ihm hätte klar sein müssen, daß er sich in die feministische Höhle der Löwinnen begibt, dort hart attackiert wird und nicht wie ein Schriftgelehrter aus der 7. Etage des Elfenbeinturms herumdrucksen darf. Sofern er ggf. als Feminismuskritiker in der ZEIT-Redaktion genauso schwach auftritt, bekommt er in diesem radikalfeministischen Biotop keinen Zentimeter Boden unter die Füße.

  • „Im Blick auf meinen Sohn, aber auch im Rückblick auf mich kann ich mir nicht vorstellen, dass die Selbstverständlichkeit solcher diskursiver Angriffe folgenlos bleibt. Gerade etwas sensiblere Männer, und gerade Männer, denen sehr an einem guten Verhältnis zu Frauen gelegen ist, müssen davon besonders getroffen werden. (Vielleicht erklärt das auch, warum andere Männer dann eher kein Problem erkennen können.)“

    Jessen hat in seiner Kritik einen ganz wichtigen Punkt immerhin angesprochen, aber leider nicht genug ausgeführt. Dieser totalitäre Feminismus besteht wesentlich daraus die Männer in Situationen zu bringen, wo es falsch ist egal was sie tun. „Damned if you do, damned if you don’t“. Zusammen mit dem von Schoppe angesprochenen Aspekt, dass viele Männer, insbesondere die empfindsameren, „ein gutes Verhältnis zu Frauen“ haben wollen. Zusammen bildet das dann, was Psychologen einen Double Bind nennen und womit man insbesondere abhängige Kinder total kaputt machen kann.

    Die Erzeugung solcher Double Binds ist keine Erfindung des modernen Feminismus, sondern gehört wahrscheinlich seit Anbeginn der Zeit zu den Manipulationsmitteln, mit denen Frauen Männer gefügig machen um dadurch ihre Interessen durchzusetzen. Das Bindungssystem der Männer funktioniert über Stress. Indem Männer mit solchen Double Binds (aber auch anderen Formen von „Drama“) gestresst werden, werden sie schwach und abhängig und sind heilfroh, wenn nur einmal eine Frau klar sagt, was sie will und sie das dann einfach tun können um -hoffentlich- endlich zu dem ersehnten „guten Verhältnis zu Frauen“ zu kommen.

    Wenn man den „sensibleren Männern“ helfen will, mit diesen Double Binds klarzukommen, dann dürfte es völlig vergebens sein darauf zu hoffen, dass Frauen damit aufhören. Das werden die so wenig wie Männer aufhören können auf Brüste schauen. Man muss stattdessen diesen Männern beibringen, wie man sich aus diesen Double Binds löst: Nämlich indem man die Abhängigkeit aufgibt. Indem man unabhängig vom Urteil der Frau über das eigene Verhalten wird. Indem man in Double Bind Situationen nicht mehr versucht, ein „positives Verhältnis zu Frauen“ zu erarbeiten.

    Die gesunde Lösung aus solchen weiblichen Double Binds ist die Haltung „Go fuck yourself, bitch!“

    • @lh Ich finde den von Dir angesprochenen Punkt, dass moralische Dilemmata durchaus gezielt produziert werden, auch wichtig. Richtig ist m.E. auch, dass das auf einem traditionellen Geschlechterverständnis aufbaut.

      Falsch finde ich die Überlegung, „Frauen“ würden so agieren. Erstens stimmt das so nicht, jedenfalls nach meiner bescheidenen Erfahrung – auch bei Frauen gibt es ein schließlich ein Verhaltensspektrum von destruktiv bis konstruktiv, wie bei Männern.

      Zweitens gesteht das dem heutigen Feminismus ein Selbstverständnis zu, das anmaßend ist: nämlich, irgendwie alle Frauen zu vertreten. Ebenso wenig, wie Jessen für alle Männer spricht, kann aber irgendeine Feministin repräsentativ für alle Frauen sein.

      • Ich sage nicht, dass alle Frauen immer so agieren. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass jede Frau das irgendwann tut. Das „Mysterium Frau“ entsteht ja nicht, weil Frauen ernsthaft zu blöd sind. Ganz im Gegenteil ist das eine sehr effektive Methode.

        Und es geht auch nicht darum, Feminismus einen Alleinvertretungsanspruch zuzugestehen. Meiner Meinung nach ist Feminismus so etwa wie „toxische Weiblichkeit“. Nämlich das, was passiert, wenn der Weiblichkeit keine ausreichend starke Männlichkeit entgegensteht, so dass es zu einer vernünftigen Balance der Geschlechter kommen kann.

    • „Indem man in Double Bind Situationen nicht mehr versucht, ein „positives Verhältnis zu Frauen“ zu erarbeiten.
      Die gesunde Lösung aus solchen weiblichen Double Binds ist die Haltung „Go fuck yourself, bitch!“ „

      du scheinst ein generelles Problem damit zu haben, dass Frauen in zwischenmenschlichen Beziehungen Macht über Männer haben. Ob das Konzept der „double Binds“ hier passt oder nicht, kann ich nicht beurteilen, aber es ist nunmal grundsätzlich so dass zwischenmenschliche Beziehungen Machtverhältnisse sind: D.h.: Frauen haben Macht über Männer (meinetwegen z.B. durch „double Binds“) und Männer haben Macht über Frauen. Wenn man sich ein im wahrsten Sinne des Wortes ‚fruchtbares‘ Verhältnis der Geschlechter wünscht, kann die Lösung daher nicht sein, die zwischenmenschliche Beziehung abzubrechen (wenn du Macht über mich hast, sage ich dir: ‚Go fuck yourself, bitch!‘) sondern, die Existenz eines gegensetigen Machtverhältnisses zu akzeptieren.

      Femis machen den gleichen Fehler wie du. Sie können es eben nicht akzeptieren, dass Männer Macht haben und wollen entweder alleine herrschen oder gar nicht.

      • Natürlich ist das ein Machtkampf. Und „go fuck yourself, bitch“ ist auch nur ein Mittel in dem Machtkampf. Aber einerseits halte ich es für erwachsene Menschen, insbesondere auch Männer, für sehr empfehlenswert Grenzen zu setzen, was man sich gegenüber an Verhalten akzeptiert. Ich würde auch jeder Frau raten sich von Männern fernzuhalten, die sie verprügeln. Zu Missbrauchsverhältnissen gehören immer 2: einer der es macht und einer der es mit sich machen lässt.

        Was Feministinnen machen ist etwas ganz anderes. Feministinnen versuchen diese Machtmittel auf die Spitze zu treiben um den Machtkampf so zu gewinnen. Und damit schießen sie sich ins Aus. Aber eine Sache können sie offenbar nicht: ohne Männer auskommen. Denn der ganze Feminismus ist und bleibt auf die Männer ausgerichtet, die gefälligst dies oder jenes sollen, „endlich“ *seufz*.

        • „Zu Missbrauchsverhältnissen gehören immer 2: einer der es macht und einer der es mit sich machen lässt.“
          Genau so sieht es aus. Deswegen rate ich Männern immer den MGTOW Pfad zu betreten. Die Feministen sind eine Minderheit aber sie schöpfen ihre Kraft aus der stillschweigenden Zustimmung der Frauen in ihrerer Umgebung. Diese gibt es aber erst, seit etwa 150 Jahren, als die männliche Arbeitskraft scheinbar überflüssig wurde. Der Strom kommt aus der Steckdose, das Wasser aus dem Hahn und das Essen aus dem Supermarkt. Dass alles vorwiegend von Männern bereitgestellt wurde, kommt da nicht vor. Deswegen rate ich euch: sagt nein.
          Helft Frauen nicht, macht nichts für Frauen kostenlos und geht vor allem keine rechtlichen Verpflichtungen ein. Weder für Feministen noch für Frauen die mit euch sympathisieren. Lebt euer eigenes Leben, genießt es und lasst Frauen ihr Leben selber leben. Wenn sie nicht damit klar kommen, dann haben sie Pech gehabt. Selbst wenn sie auf den Knien angekrochen kommen – solange sie keinen adäquaten Gegenwert liefern solange macht man nichts für sie.

    • Sehr guter Einwurf @lh. Leider kommt er für viele schon zu spät – und vermutlich wäre dieser damals gar nicht verstanden worden. Die heilige Frau, die seit ewigen Zeiten misshandelte, das Wesen, welches seit geburtan unterdrückt wird, all das wurde auf die meisten Leute eingeprügelt und gedroschen.

      Kapiert hat das Paradigma dahinter niemand; ich zuerst auch nicht. Und ob es überhaupt einen Masterplan gab, das wage ich nicht zu behaupten! Aber ich würde zu der Annahme stehen, dass es damit genug, als von Grass beschriebene ‚Rättinnen‘ gab, welche sich seither aus ihrem Loch hervortrau(t)en.

      Und so wird man nun weiter von dieser Form der hysterischen Schlichtheit weiter drangsaliert werden, bis am Ende alle ’naturbelassen‘ werden. Hauptsache, kein Lookism und was weiß ich noch.

      @Lucas: Dieser „Editor“ ist eher Twitter-würdig, denn deiner langen Beiträge …

  • Alle vier oder fünf Jahre ein kritischer Artikel (in der ZEIT) soll wohl so etwas wie Meinungsvielfalt simulieren. Ich bin diese manipulative Diskursführung allmählich leid: Good cop, bad cop, das Muster dahinter ist doch jedem einigermassen versierten Leser klar! Die „debattierende Klasse“ (Sloterdijk) fühlt sich gut dabei und den im Pressekodex verankerten Grundsätzen ist damit Genüge getan, wenn auch nur rein qualitativ betrachtet. Wir kriegen tagtäglich dieselbe Meinungseinfalt vorgetischt. Das Resultat ist eine Diskurskultur, die Logik, Stringenz und Wiederspruchslosigkeit weitgehend preisgegeben hat. Rational lässt sich dazu nicht mehr viel sagen, geschweige denn verändern: Wer die Gefühle beherrscht, hat die Deutungshoheit. Menschen sind rationalen und differenzierten Argumenten in diesem polarisierten Klima ohnehin kaum mehr zugänglich. Also werden von einem Grossteil der Medienschaffenden vor allem die ganz grossen Gefühle bewirtschaftet- auf Kosten von Daten, Zahlen und Fakten. Man kann dahinter den üblichen, postmodernen Zeitgeist erkennen- oder aber ein Auseinanderfallen bestehender, gesellschaftlicher Strukturen.

    • Der Grossteil der Medienschaffenden kommt sowohl aus dem rechten, als auch aus dem linken Spektrum: Wenn ich da so lese, was der rechte Rand zur „Islamisierung“ Europas und dergleichen mehr schreibt, dann packt mich langsam das kalte Grauen. Solche Theorien liessen sich problemlos mit wenigen Zahlen wiederlegen- doch das interessiert offenbar niemanden mehr. Ja, wir leben in einer Zeit der ganz grossen Gefühle! Wer will, kann das ja auf den wachsenden Einfluss von Frauen auf sämtlichen gesellschaftlichen Ebenen zurück führen- wenn wir schon bei Geschlechterstereotypen sind…

  • „… gerade Männer, denen sehr an einem guten Verhältnis zu Frauen gelegen ist, “

    Wenn Warren Farrell recht hat, ist das nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

    Eine seiner zentralen Thesen (schon in den 1990ern, glaube ich, so genau kenne ich seine Schriften nicht) war, daß Männer extrem abhängig von der emotionalen Zuwendung von Frauen sind, regelrecht süchtig, und alles dafür tun werden, diese Anerkennung zu bekommen.

    Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor Jahren diese Hypthese zum ersten Mal gelesen habe, wurde ich innerlich richtig wütend – ich und abhängig von / süchtig nach irgendwas?? Widersprach und widerspricht auch heute noch völlig meinem Selbstbild. Ich bin ein freier, selbstbestimmter Mensch.

    Inzwischen plagen mich Zweifel, ob er nicht doch irgendwie recht hat. Als Hetero lastet womöglich doch der Fluch auf einem, reflexartig Frauen zu hofieren und irgendwelche Belohnungshormone auszuschütten, wenn sie einem tief in die Augen schauen, und völlig anders zu reagieren als bei Männern in der gleichen Situation.

    • klar sind Männer süchtig nach weiblicher Zuwendung. Ich habe überhaupt kein Problem damit das „zuzugeben“, sondern finde es ganz und gar selbstverständlich. Ebenso selbstverständlich wie ich es finde, dass Frauen sich von männlicher Bewunderung abhängig machen.

      Das Hofieren von Frauen in der Politik ist natürlich fehl am Platze und in unserer Zeit ein riesiges Problem. Aber empfinde ich es als ein schönes und natürliches Verhalten. Ebenso wie weibliche Fügsamkeit und Hingebung.

  • Hi, Lucas!

    Als langjähriger Leser deines Blogs, sollte ich meinem ersten Kommentar hier eine Laudatio voranstellen, denn ich halte Deine Arbeit hier für hervorragend. Aber ich will ja was zur Sache sagen, darum mache ich es kurz: Danke, und weiter so!

    Zur Sache: „Es ist leicht für Katja Weber und Holger Klein beim öffentlich-rechtlichen Radio Eins, ihren Interviewpartner Jessen als unglaubwürdig zu präsentieren.“

    Nein, eigentlich ist es gar nicht so leicht. Zumindest fällt es den Beiden nicht leicht. Hauptkritikpunkt der Beiden ist der Terminus „Der Mann“, wer das denn bitteschön seien solle. Das ist eine dumme Frage, denn beinahe jeder weiß, was mit der Rede von „Dem Mann“ gemeint ist. Also zumindest jeder, der schon mal einen Zeh in die Geschlechterdebatte gesteckt hat. Insofern ist es verständlich, dass Jessen bei der Frage etwas ins Schwimmen gerät. Das ist, als ob man jemanden fragt: „‚Globale Erwärmung‘? Was soll das denn sein? Also ich musste heute Morgen noch die Scheiben freikratzen… Höhö!“ Wenn man in einem Interview dermaßen bei den Basics anfangen muss, kann man schon mal ins Schlingern kommen.

    Im weiteren Verlauf des Interviews muss Jessen darlegen, dass die Positionen, an denen er sich in seinem Artikel abarbeitet, innerhalb des Feminismus keine Minoritätenmeinung darstellen. Womit er auch recht hat und was auch jeder weiß, der regelmäßig SPON, taz, ZON, sz, oder meinetwegen auch bento, ze.tt und jetzt.de liest. Jessen meint, er könne die Anzahl der gegebenen Quellen noch um den Faktor zehn erhöhen; ich biete Faktor 100. Und das ist auch wohlbekannt. Die Interviewer wehren dies nur dadurch ab, dass sie sich (erneut) dumm stellen und meinen, davon nichts zu wissen. Jessen kontert dies zutreffend (wenn auch wenig schlagfertig, aber was hätte er auch idealerweise sagen können?) damit, dass sich die Interviewer dann wohl zu wenig im Netz bewegen.

    Dass Vice und Konsorten dieses Interview als feministisches Win abfeiern, kann ich daher gar nicht einordnen. Wäre ich hardcore Feminist, würde ich bei dem Interview ganz schön cringen. Dass sich Jessen dabei nicht gut geschlagen hat, will ich gar nicht in Abrede stellen. Aber als Feminist würde ich mir schon insgeheim die Frage stellen: „Das ist es, was wir als Replik zu bieten haben: Dumm stellen?“

    Da sieht man einen nackten Kaiser, ein Kind weist laut auf die Blöße hin und … tja, was macht man da? Man kann das Kind zur Ordnung rufen und den Modegeschmack des Kaisers loben, aber so richtig wohl kann man sich dabei doch nicht fühlen. Und es wird doch auch nicht dadurch ein Win, dass man herausstellt, dass das Kind sich eher platt-polimisch über die neue höfische Kleiderordnung äußert. Also mir würde das eher zu denken geben!

    However. Ich schätze, sobald der erste paywallfreie Artikel zu dem Thema auf zon erscheint, wird der Kommentarbereich explodieren. Das weiß ZON aber sicherlich auch 😉 Insofern: Gutes Manöver!

    Besten Gruß
    Antinom

    • Willkommen! Bin mit allem einverstanden bis auf

      „Die Interviewer wehren dies nur dadurch ab, dass sie sich (erneut) dumm stellen“

      Sie stellen sich nicht dumm, sie sind es, oder, um diesen unhöflichen Begriff zu vermeiden, sie können die Argumente von Jessen prinzipiell nicht verstehen. Man hört ja die Empörung und Wut, vor allem bei der Stimme der Frau, sehr gut heraus, das ist nicht gespielt, das ist echt. Was Jessen (z.T. zu überzogen) schrieb, steht so eklatant im Widerspruch zum Wertesystem der Dame, daß sozusagen eine allergische Abstoßung entsteht. Wenn sie sich auch nur ansatzweise auf Jessens Argumente einlassen würde, bekäme sie eine starke kognitive Dissonanz, die sie zugunsten ihrer Vorurteile auflöst.

      Das ist ja eine der interessanten Erkenntnisse, die im Rahmen der Debatten um Fake-News bekannt geworden sind. Wenn man Leuten, die einmal Fake Facts (wie z.B. GPG oder Trumpsche alternative Facts) verinnerlicht haben, die korrekten Fakten zu unverdünnt entgegenhält, **verstärkt** man den Glauben an die Fake Facts. Wenn man einen wirklichen Lernprozeß bei den Leuten erreichen will, muß man die Wahrheit sozusagen in homöopathischen Dosen verabreichen.

    • Es ist erstaunlich, wie viele Leute Jessens Antworten in dem RadioEins-Interview schwach finden. Inhaltlich antwortet er hervorragend. Er ist nicht der Typ, der andere in Grund und Boden quasselt. Er ist kein Rhetoriker. Mir gefällt das außerordentlich gut.

      Das einzige, was ich an Jessen schwach finde: Er hält die Vorverurteilung von Weinstein, Wedel & Co. für sachlich gerechtfertigt.

      Ist er feige oder blöd?

      • @mitm
        Ich sehe das auch so, dass die Interviewer sich dumm stellen. Sie behaupten ständig, dass sie das, was Jessen zitiert, nicht kennen würden. Sie verleugnen die feministische Medienoffensive – nur kurz räumt Holger Klein ein, dass es den „Twitterfeminismus“ durchaus gibt. Dieses angebliche Nichtwissen ist einfach unglaubwürdig, Jessen muss da regelrecht Nachhilfeunterricht für Unterbelichtete erteilen.

        Man hört ja die Empörung und Wut, vor allem bei der Stimme der Frau, sehr gut heraus, das ist nicht gespielt, das ist echt.

        Empörung und Wut höre ich nicht. Eher eine gewisse Angriffslustigkeit.

      • Vielleicht beides. Aber das ist das Problem. Er hat sich aus der Deckung gewagt, natürlich bekommt er jetzt Feuer. Es ist ein Test: ist der wirklich so „hart“, also in dem Fall dem sozialen Druck gewachsen? Und Art und Ausmaß des Feuers deuten darauf hin, dass jemand, der wirklich kontra geben kann, fast wie der Messias vermisst wird. Nur scheint Jessen nicht der Typ zu sein, der dann richtig reagiert: nämlich noch einen drauflegen, volle Kanne Attacke.

  • Im Lichte eines traditionellen Geschlechterverständnisses präsentieren Männer sich damit als schwach, als Jammerlappen, als Schmerzensmänner, und sie liefern damit anderen Männern eine Vorlage, sich von ihnen zum eigenen Vorteil abzugrenzen und sich so als stark, als souverän, als Alphas neben Betas zu präsentieren.

    Das trifft genau zu. Insbesondere präsentieren sich „Frauenversteher“ als souveräne Männlichkeit und bedienen damit offensichtlich die Erwartungshaltung von Männern und Frauen.
    Wenn ich die reaktionen auf Jenssens Artikel sehe, dann denke ich unweigerlich an einen Schauprozess. Es ist völlig unerheblich, was J. sagte oder auch nicht sagte. Das Urteil ist gefällt, bevor der Prozess beginnt.

    https://www.youtube.com/watch?v=RjQD68toEEc

  • „Meine Freundin aber machte mir sehr deutlich klar, dass das Miteinander-Schlafen für sie zu einer Beziehung gehöre, und dass sie mit anderen Männern etwas anfangen werde, wenn ihr das fehle.“

    Hat sie gesagt das sie, obwohl ich dann offiziel noch zusammen seid, mit anderen schlafen wird, also eine Erpressung oder das sie dann die Beziehung beendet und sich einen Neuen sucht, weil Sex für sie wichtig ist?

    • Milchhonig will nur zum Ausdruck bringen das sie Männer, die über ihre Probleme reden, verachtet und das sie damit im Grunde genau das fordert, Männer sollen schweigen und alles in sich reinfressen, was bestimmt auch sie dann Männern allgemein als toxische Männlichkeit vorwirft.

    • „Hat sie gesagt das sie, obwohl ich dann offiziel noch zusammen seid, mit anderen schlafen wird, also eine Erpressung oder das sie dann die Beziehung beendet und sich einen Neuen sucht, weil Sex für sie wichtig ist?“
      Ähnliche Erpressungen habe ich auch erlebt. Da wollte meine damalige Freundin mit mir zusammen ziehen und hat mir angedroht die Beziehung zu beenden wenn ich es nicht tue. Es ist keine Seltenheit, sondern die Regel.

  • Viele Reaktionen auf Jessens Kommentar bedienen sich einem neuen Totschlagargument, nämlich der Frage, wo sich all die bedrohten Männer befänden bzw. nirgendwo Räume seien, wo Männer massiv bedrängt werden. Jessens Antwort auf diese Reaktion im rbb-Interview ist natürlich sehr schwach, da er es versäumt, die Marginalisierung umzudrehen und selbst zu fragen: Wo sind denn die ganzen Sexisten? Wenn man die Bilder der Me-too-Bewegung sieht, auf denen hunderte von Frauen kleine vorgedruckte Me-Too-Bildchen in die Luft halten, dann muss es doch ebensoviele Sexisten geben, die nichts anderes tun, als den Frauen an den Hintern zu fassen. Doch wo sind die alle? Denn das ist UNSERE Erfahrung, im Beruf, im Freundeskreis, in den Familien: da sind stinknormale Männer, manche verweichlicht, manche verhärtet, aber sicher lässt sich aus dem Verhalten dieser normalen Männer kein Exklusivvorwurf des sexualisierten Übergriffs ableiten. Von daher sei die Antwort an den rbb-Reporter, dass sich der radikalisierte Feminismus, der Me-Too-Vergewaltigungsflyer an tausend unbehelligte Frauen verteilt, ebenso auf einer Chimäre beruht, wie das Staunen über Jessens Weltsicht.

    • Jessen drückt es eben anders aus: Die von Radikalfeministen angeklagten Männer existieren nicht in der realen Welt, sie sind fiktiv (eine Abstraktion), befinden sich in der Vorstellungswelt einer abgeschotteten Minderheit. Diese Radikalfeministen haben aber durchaus Einfluss, und das ist es, worüber sich Jessen Sorgen macht.

    • Was da nach Trumps Wahl in dem Femiplärrbereich in USA abläuft, hat wesentlich mit dem sogenannten „Astroturfing“ zu tun, das die Dems massiv betreiben, d.h. künstlich von oben erzeugte und von der Partei massiv gesponserte „soziale“, angeblich linke Bewegungen, ein Top-Down-Ansatz von gelenkter Demokratie, wie man sie aus den lateinamerikanischen Bananenrepubliken oder auch vielen anderen Ländern kennt, nur dass dies in den transatlantischen Staaten bisher noch nicht die Regel war. Es ist ein Paradigmenwechsel zur gelenkten, gekauften Demokratie, wie gesagt.
      Es gibt ja den Ausdruck von der „einen Partei zwei Flügeln“, der DP und der GOP, und da in wesentlichen Fragen wie Neolberalismus, Krieg gegen die Armen statt gegen die Armut, und aggressiver „Weltordnungspolitik“ keine grundsätzlichen Meinungsunterschiede bestehen, sondern nur Kämpfe darüber, wessen Parteifunktionärs- und Konzernklientel den „Sumpf“ beherrschen und die meisten Pfründe beziehen darf, greift man halt zu solchen gekünstelten „Protestbewegungen“ und emotional-irrationalistischen Diskursen, um dem Volk bei weniger Brot wenigstens mehr Spiele zu bieten.
      Wie ich schonmal sagte, wollten die Dems bei wirklich harten Themen kritisch sein, würden sie sich entweder unglaubwürdig machen, weil viele Menschen sagen würden „ihr kritisiert doch genau das, was ihr selber mitbetreibt“, oder sie würden sich spalten aufgund aufbrechender Widersprüche, wie dies mit Sanders beinahe geschehen ist , und zwar an der Basis, besonders bei jungen Leuten (Bernie war dann selber erschrocken, und hatte am Ende der Vorwahlen plötzlich Angst vor der eigenen Courage).
      Um das wieder zu kanalisieren (so ein Aufstand der Basis darf sich nie, nie wiederholen) haben die Dems dann massiv (auch um vom Versagen von Clinton abzulenken, die man jetzt als Opfer toxischer Männlichkeit darstellt, statt ihrer eigenen Fehler und Korruptheit).
      Und wie saugt man da die möglichst größte Zahl von besonders den jungen, akademischen Menschen rein?
      Indem man das größtmögliche Raster anlegt, 50 gegen 50, das Geschlechterraster eben, und somit künstliche Konflikte, bzw. künstlich aufgeblasene schürt.
      Dann brauchen die Studenten auch nicht mehr an das teure Studium und die drohende Verschuldung denken, und alle, für die sowas aufgrund ihrer finanziellen Position ein ernsthaftes Problem ist, marschieren ganz lautstark bei der ganzen Genderhetze mit, denn für die engagiertesten unter denen, die andere Probleme schon gar nicht mehr ansprechen (ob aus Opportunismus oder aus Tunnelblick) winkt in der Genderindustrie ein finanzieller Safe Space, man könnte auch sagen, ein verdeckes Stipendium, aber halt nicht wie einst für besonders begabte und fleißige Ghettokinder, sondern für obige politische Folgsamkeit von abstiegsbedrohten Mittelklassekindern.
      Was übrigens auch die Massenbasis des Faschismus in Europa war, das abstiegsbedrohte Kleinbürgertum.
      Trump fällt da in gewisser Weise aus der Rolle, zumindest verbal, aber er tut dies nicht zu sehr, als dass sie ihn bei der GOP nicht trotzdem weitermachen lassen, denn mittlerweile, seit er im Amt ist, füttert er deren Sumpf ganz gut, und auch einige von den „Kanalarbeitern“ der DP.
      Bzw., was als Präsident seit Jahrzehnten offenbar nicht anders geht als Präsident, die großen Konzerne, die Wall Street und den MIK.
      In Deutschland, zwischen SPD und CDU (und deren linkem Flügel, den Grünen) gibt es ähnliche Tendenzen, auch hier ist der Femiunsinn der große Augenwischer.
      Die Rolle der Trumpisten spielen hier die AfD’ler, insofern ist hierzulande die Konstellation, dass einer von den Germanotrumpisten Bundeskanzlerin wird, nicht drin.
      Deswegen ist ja auch der eher klassisch konservative Flügel dort mittlerweile gegangen (worden).

  • Selbst wenn sich die ZEIT-Chefredaktion zu 110% aus glühenden Feministinnen zusammensetzte, so bestimmen letztlich nicht sie die Linie des Blattes, sondern die hinter ihnen stehenden Ökonomen. Und diesen dürfte allmählich klar geworden sein, daß sich mit einer strikt feministischen (Kampf)Linie nichts mehr verdienen läßt. Das dafür empfängliche Publikum ist zu klein – und schrumpft eher. Es ist also durchaus denkbar, daß der ökonomische Druck die Redaktion dazu zwingt, sich „breiter aufzustellen“. Ein größeres Meinungsspektrum = eine größere Abonnentenzahl. Zumal mit dem Ausscheiden von Herrn Fischer dem Blatt eine geistige Verödung droht.

    • „Das dafür empfängliche Publikum ist zu klein – und schrumpft eher.“
      Das stimmt zwar aber die Kommentarspalte quillt bei solchen kontroversen Themen über. Das bedeutet natürlich, dass sie die Aufmerksamkeit bekommen die ihre Werbekunden wollen. Das was gegen diese Art der Massenmedien hilft ist eine Mediendiät. Nach ein paar Tagen kommt dir der Medienkram als das vor was er ist – als Quatsch.

  • Zweitens war es irre, dass diese Situation bei fast allen Beteiligten, gerade in Ämtern und Beratungsstellen, völlig empathiebefreit wahrgenommen wurde – ohne Empathie für mich als Vater, aber auch ganz ohne Empathie für unser Kind, soweit es um die Vater-Kind-Beziehung geht.

    Die feministische Hasspropaganda, so wie sie seit gefühlten 50 Jahren aus allen Kanälen dröhnt und sich in der Regel gegen den „weissen heterosexuellen (alten) Mann“ richtet, rechtfertigt sich mit der Behauptung, dass das Objekt ihres Hasses privilegiert, mächtig und daher unantastbar ist, d.h die Hasspropaganda habe keinerlei negative Auswirkungen ausser ein paar verärgerte Männer. Das absolut Schlimmste, das ihnen widerfahren kann ist der Verlust einiger unverdienter Privilegien. Feministischer Hass ist höchst ehrenwert, so scheint es zumindest, wenn man sich in den Mainstreammedien die Geschlechterdebatte anschaut.

    Die Empathielosigkeit hat aber sehr wohl negative Auswirkungen. Um das zu erkennen müsste der Blick mal an die Basis der sozialen Pyramide gerichtet werden, nicht an die Spitze.

    Warum sind so viel mehr Männer obdachlos als Frauen? Wäre das nicht mal ein interessantes Forschungsprojekt für die „Gender Studies“? Aber Vorsicht, unvoreingenommene Forschung kann ihr feministisches Narrativ der allseits benachteiligten Frau und des allseits privilegierten Mannes gefährden.
    Warum begehen sehr viel mehr Männer Suizid als Frauen? Kommen die nicht mit ihren Privilegien klar?

    Das empathischere Geschlecht? Ein Stereotyp, das ich mittlerweile für falsch halte. Das gefühlsdusligere Geschlecht? Ja, das kann sein.

    • „Wäre das nicht mal ein interessantes Forschungsprojekt für die „Gender Studies“?“

      Kleine Anekdote am Rande:
      Neulich, so vor gut zwei Monaten, hatte ich zwei kurze Unterhaltungen mit einem Schneeflöckchen, welches gerade seinen Master in „irgendwas mit Sozi“ abgeschlossen hatte und einen neuen Job in unmittelbarer Sozialarbeit antrat.
      Provokant wie ich manchmal bin ( aber gaanz nett und höflich ), erwähnte ich, daß ich „Gender Studies“ nicht für wissenschaftliche Forschungsprojekte, sondern feministische Erfahrungsberichte und ansonsten Hetzpamphlete halte.
      Sie entgegnete, daß sie das ganz anders sähe, nämlich, daß es sich dabei um einen ganzen Studienbereich handele, und eben nicht direkt um einzelne Forschungsprojekte. Vermutlich wollte sie damit auf den „interdisziplinären Aspekt“ abheben.
      Ich kam ihr zuvor, indem ich ihr „ganz spontan“ zustimmte:
      „Ja, genau! Es ist eine reine Lehre“.
      Da war se still ….
      Gespräch erledigt ….

  • Ich denke, so rein der Vollständigkeit halber, gehört hier auch noch der Versuch von Patricia Hecht, Jessen, stellvertretend für alle aufmuckenden Männer, von hinten in’s Gemächt zu treten, hinein.
    http://www.taz.de/!5496456/
    Sie tut so, als ob sie die Dramatisierung, die Jessen verwendet, in „irgendwie bessere Lyrik“ transformieren könnte, verzichtet dafür dann auch auf jegliches Sachargument ( hat offenbar auch gar keines ), sondern basht komplett ad hominem herum. Soll wohl so’ne Art „Poetry-Slam“ darstellen ( hust! ).

    In weiser Voraussicht hatte die TAZ dann auch die Kommentarfunktion erstmal für zwei Tage in den Wartungsmodus versetzt ( quasi als Schalldämpfer ) … 😉

    „Wartung und System-Update

    Wir erneuern die Software der Kommune. Dafür brauchen wir etwas Zeit. Voraussichtlich bis Freitag Vormittag Donnerstag wird es nicht möglich sein, Kommentare zu schreiben.

    Wir bitten um Verständnis und senden schöne Grüße.
    Eure Kommune“

    Wie Arne Hoffmann heute meldet, hat die Dame aber auch selbst und ganz andere Probleme am Hals:
    https://genderama.blogspot.de/2018/04/staatsanwaltschaft-ermittelt-ehemalige.html
    Nämlich ( ausgerechnet ) „identitäre“, welche A. Wallasch genüßlich zerlegt:
    https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/streit-um-burka-verbot-feminismus-ringt-um-deutungshoheit/?wpdParentID=394404 .
    Bei den unzähligen Querfronten kann man ja schon mal den Überblick über Freund oder Feind verlieren, gell?

    Heartsburning kommentiert das Geschwätz von Hecht auf „alle Männer umbringen …“ m.E. recht knapp und treffend:
    http://feminismus.ne-ne-ne.de/?p=57

    Zurück zur Überschrift von Lucas‘ Artikel:
    Ja, es scheint, als ob ( zumindest ) die völlig durchgeschallerten Feminihilisten ( und .I.nnen ) sich mittlerweile von allem und jedem existenziell bedroht sehen!
    Selbst ihnen scheinbar zuzuhören ( oder zumindest den Schnabel zu halten, wie ja ausdrücklich gefordert ) wird als potentiell kriegerischer Akt imaginiert. Und notfalls völlig wirr zu plausibilisieren versucht, was mich auf Evochrissy’s Blog zu folgendem Kommentar ( bezüglich einer Frau März, welche in der ZEIT herumrabuliert ) reizte:
    https://allesevolution.wordpress.com/2018/04/07/das-schweigen-der-maenner/#comment-338966
    ( und mit der Einschätzung war ich heute offenbar nicht ganz allein, nur daß die meisten Mitkommentatoren dort es etwas weniger knackig ausführten )

  • Jens Jessens „Der bedrohte Mann“ ist intellektuell den Feminismus so vernichtend wie ein erfolgreicher Angriff auf die „Star Wars“ Basisstation, den Todesstern 🙂

    Das Stück schreibt Geschichte. Habe noch eine Zeitung gekauft heute! Meine erste seit 20 Jahren.

    • „intellektuell den Feminismus so vernichtend“

      Unsinn, das ist ein Sturm im Wasserglas, in zwei Wochen ist der Fall vergessen.
      Die Propagandamaschine von ZEIT und Co. läuft deswegen keinen deut weniger intensiv, und politisch wird das gar nicht wahrgenommen werden.

      Immerhin kann man den Text als wenigstens eine einsame Stimme aus dem feministischen Lager zitieren, die die meisten Kritiken, die wir seit Jahren wiederholen, kompakt zusammenstellt.

      • Der Text von Jessen ist einfach hervorragend. Besonders weil er klar herausstellt und hinlänglich nachweist, dass sich der Feminismus ausserhalb jeder rationalen Dialogfähigkeit positioniert hat und der Vernunft, dem Rationalismus und dem Humanismus eine radikale Absage erteilt hat:

        Feminismus macht Männer zu „Menschen zweiter Klasse“. Ihnen wird der Anspruch, ja das Recht auf „Gerechtigkeit“ abgesprochen.
        Feminismus hat den „Vernunftgrund des abendländischen Humanismus“ aufgekündigt.

        Mit der Diskussion um diese zentralen Punkte hat Jessen den Feminismus überzeugend als „totalitäre“ Ideologie entlarvt, der sich selbst zu den willkürlichsten Lügen ermächtigt hat, und im „ideologischen Triumpf“ die „kostbarste Errungenschaft des abendländischen Rationalismus“ zugrunde richtete, auf „welcher Gleichheit und Menschenrechte auf die allgemeine Akzeptanz von Vernunft und Logik gründete“.

        Ich wüsste nicht, dass eine so beherzte radikal-demokratische und vernichtende Kritik am Feminismus je in einer deutschen (oder ausländischen?) Zeitung erschien.
        Dieser Stachel wird dem Feminismus jetzt verdammt tief drin sitzen und das ist gut so.

        Jedem, der Jessens Aufsatz ansprechend findet, kann ich nur in gleichen Geiste geschriebene Buch von Julien Benda „Der Verrat der Intellektuellen“ als weiterführende Lektüre empfehlen. Daraus ist zu lernen, dass die antidemokratischen und antiwestlichen Konzepte des Feminismus alles andere als neu sind und sich wie selbstverständlich in die Geschichte einer antidemokratischen Reaktion einreihen.

        • Die Kritik von Lukas am Anfang des Artikels hier verfängt auch nicht, würde ich behaupten:

          „(Jessens) vergleicht „MeToo“ mit bolschewistischen Schauprozessen… “

          Es geht dabei gar nicht um „Metoo“, sondern ganz allgemein um eine autoritäre „Diskurs“-Strategie wie der Feminismus seinen Absolutheitsanspruch rhetorisch durchsetzen will:

          Jessen schreibt: „Das System der feministischen Rhetorik folgt dem Schema des bolschewistischen Schauprozesses, nur dass die Klassenzugehörigkeit durch die Geschlechtszugehörigkeit ersetzt ist.“

          Er hätte auch „moaistische Schauprozesse“ schreiben können, was vielleicht sogar zutreffender gewesen wäre. Oder „kommunistische Schauprozesse“.

          Das andere:
          „oder er spekuliert, dass Männer durch die MeToo-Vorwürfe die „Diskriminierungs-Erfahrung der Muslime“ machen würden.“

          Das ist sicher nur eine ironische Passage, in der er das feministische und „postkoloniale“ Dogma von einer angeblichen Kollektivschuld („der Männer“, bzw „der Weissen“) gegeneinander ausspielt und damit lächerlich macht:

          „Nur sehr Tapfere“ (gemeint sind sicher unerbittliche männliche Feministen) „erkennen darin (-> in der „Kollektivverantwortung aller Männer“) eine heilsame Lektion, die Diskriminierungserfahrung der Muslime zu machen …“

          Natürlich gibt es diese Aufforderung so (noch) nicht wie im Feminismus. Aber im „Antirassismus“ der US-Linken spielt das Durchleben der „Diskriminierungserfahrung“ der Schwarzen ebenfalls eine wichtige Rolle – und auf genau auf diesem Modell basiert auch der „Antirassismus“, der den Islam schützen soll, und der in wenigen Jahren sich von den Kirchen bis in alle Parteien und Medien verbreitet hat. Dass demnächst „besonders Tapfere“ auf die Idee kommen werden, die Integration des Islam durch Nachempfinden der „Diskriminierungserfahrung“ von Moslems zu bewerkstelligen, auf diese mehr als naheliegende Idee spielt Jenssen hier an.

    • richtig, sehr schöne Medienkritik!
      Ich schreibe übrigens seit dem WE an einem Blogpost über den Jessen-Vorfall, der u.a. eine Zusammenfassung der Thesen des Jessen-Essays versucht (das ist immer irgendwie willkürlich) und damit einen Hauptkritikpunkt der spiegelkritiker berücksichtigt.

      Ich könnte gut einen Korrekturleser heute abend oder morgen brauchen … falls jemand Zeit hat, bitte hier melden. Das Ding muß morgen abend raus, ab Mittwoch habe ich keine Zeit mehr.

    • Fundierte Kritik, die mein Unbehagen mit den Mainstreammedien treffend artikuliert. „Lügenpresse halt die Fresse“ ist mehr die vulgäre, etwas weniger elaborierte Version desselben. 🙂

  • Für eine breitere, geschichtliche Perspektive auf den Feminismus empfielt sich der berühmte Essay des US Historikers Hofstadter von 1964, der endlich online zu finden ist. Den kann man dem Essay von Jessen ruhig zur Seite stellen:

    https://harpers.org/archive/1964/11/the-paranoid-style-in-american-politics/?single=1

    Man erkennt den „paranoiden Stil“ des Feminisms mühelos wieder.

    „As a member of the avant-garde who is capable of perceiving the conspiracy before it is fully obvious to an as yet unaroused public, the paranoid is a militant leader. He does not see social conflict as something to be mediated and compromised, in the manner of the working politician. Since what is at stake is always a conflict between absolute good and absolute evil, what is necessary is not compromise but the will to fight things out to a finish. Since the enemy is thought of as being totally evil and totally unappeasable, he must be totally eliminated—if not from the world, at least from the theatre of operations to which the paranoid directs his attention. This demand for total triumph leads to the formulation of hopelessly unrealistic goals, and since these goals are not even remotely attainable, failure constantly heightens the paranoid’s sense of frustration. Even partial success leaves him with the same feeling of powerlessness with which he began, and this in turn only strengthens his awareness of the vast and terrifying quality of the enemy he opposes.“

    „It is hard to resist the conclusion that this enemy is on many counts the projection of the self; both the ideal and the unacceptable aspects of the self are attributed to him.“

    „On the other hand, the sexual freedom often attributed to the enemy, his lack of moral inhibition, his possession of especially effective techniques for fulfilling his desires, give exponents of the paranoid style an opportunity to project and express unacknowledgeable aspects of their own psychological concerns.“

    -> daher der Generalverdacht des Vergewaltigers, „metoo“ etc, eine der wichtigsten Propagandainstrumente des Feminismus. Wie in jeder „guten“ Verschwörungstheorie anzutreffen.

    „Catholics and Mormons—later, Negroes and Jews—have lent themselves to a preoccupation with illicit sex. Very often the fantasies of true believers reveal strong sadomasochistic outlets, vividly expressed, for example, in the delight of anti-Masons with the cruelty of Masonic punishments.“

    Wer denkt hier nicht zB an die Popularität unter Feministinnen von „BDSM“?

    „The paranoid style is not confined to our own country and time; it is an international phenomenon. Studying the millennial sects of Europe from the eleventh to the sixteenth century, Norman Cohn believed he found a persistent psychic complex that corresponds broadly with what I have been considering—a style made up of certain preoccupations and fantasies: “the megalomaniac view of oneself as the Elect, wholly good, abominably persecuted, yet assured of ultimate triumph; the attribution of gigantic and demonic powers to the adversary; the refusal to accept the ineluctable limitations and imperfections of human existence, such as transience, dissention, conflict, fallibility whether intellectual or moral; the obsession with inerrable prophecies . . . systematized misinterpretations, always gross and often grotesque.”“

    • Man kann auch festellen, dass der politische Verschwörungswahn in der heutigen Zeit sich nicht mehr mit kleinen, elitären Gruppen von Verschwörern aufhält wie einst, sondern ganz im Stil der demokratischen Massengesellschaft die angebliche Verschwörung universell verbreitet ist. So seien alle Männer irgendwie am „Patriarchat“ beteiligt und gleich die gesamte Menschheit im Frevel vereint nichts geringeres als den ganzen Planeten zugrundezurichten (das heisst, es ist ja der „Kapitalismus“ oder die „Weisse Kultur“ schuld).

      Der „paranoide Stil“ hat heute erstmals universelle Verbreitung gefunden und bestimmt erstmals die Leitlinien der allgemeinen Politik. Dass die wahnhafte Entwicklung noch nicht zu ihrer Blüte gekommen ist, darf angenommen werden und das ist keine angenehme Vorstellung.

  • So, meine Kritik am Jessen-Essay ist jetzt raus, inklusive Zusammenfassung (wie sich das gehört, wie wir gerade gelernt haben):
    Pseudo-Debatten in der Wagenburg

    Danke an Lucas fürs Dursehen einer Vorversion, alle verbliebenen Fehler sind meine.

    Wäre schön, wenn die Twitterati hier ein paar Tweets abschicken, daß jetzt endlich eine gebühren- und barrierefreie Zusammenfassung des Jessen-Textes zu haben ist. Statt ca. 3000 Worte / 21000 Zweichen nur noch 850 Worte / 6000 Zeichen – wenn das kein Grund zum Zuschlagen ist! 😉

    • Stichworte: Lagerkoller, Völlig irrer Thesengulasch, halt- und ehrloses Geflenne, halluziniert, intellektueller Nullpunkt, der Peinlichste, Verwirrt, ängstlich und voller Selbstmitleid, verwirrt und ängstlich, voller Selbstmitleid, Hirn ausgeschüttet, hysterische Heulsuse, „aus bloßem Respekt weghören“.

      Das gibt den Rumpelstilzchenpreis 2018 !!! Well done, you go, girl!!

      Also wenn der Essay von Jessen ein soziales Experiment war, zu welchen Haßtiraden man Feministen mit wenig Aufwand provozieren kann, dann dürfte das Ergebnis die Erwartungen deutlich übertroffen haben.

      • „dann dürfte das Ergebnis die Erwartungen deutlich übertroffen haben.“ Was die ZEIT da gemacht hat, mag kalkuliert gewesen sein, aber ich gehe auch davon aus, dass die Heftigkeit und Schärfe der Reaktionen das Kalkül übersteigt. Was Stokowski, immerhin im SPIEGEL, oder Patricia Hecht in der taz oder andere schreiben – das übersteigt in der Verrohtheit der Sprache, dem Desinteresse am sachlichen Gehalt und der Zwanghaftigkeit der persönlichen Angriffe m.E. alle kalkulierte mediale Konfrontation. Der SPIEGEL bebildert natürlich auch noch mit einem großen Foto von Jessen, damit auch bloß alle wissen, welcher Typ so ein „ehrloser Jammerer“ ist, der da den Nullpunkt der Debatte herbeigeschrieben hat.

        Das ist keine Konfrontation mehr, das ist Ausdruck der Geilheit auf eine diskursive Vernichtung. Bei allen Verstiegenheiten von Jessens Text sind diese Reaktionen krankhaft überzogen – vor allem, wenn sie mit den Verstiegenheiten von feministischer Seite verglichen werden. Gerade eben erst hat ja z.B Stevie Schmiedel von Pinksstinks das Aufwachsen von Mädchen im heutigen Deutschland mit dem Holocaust parallel gesetzt – aber das ist eine ganz normale Rhetorik, über die sich außer ein paar Bloggern niemand aufregt. https://patriarchat.wordpress.com/2018/04/05/alles-evolution-stevie-schmiedel-von-pinksstinks-ueber-frauen-die-sich-in-fantasiewelten-fluechten-und-das-schreckliche-patriarchat/

        Es geht Typen wie Stokowski, Hecht und anderen hier m.E. um ein Exempel. Klarzustellen, dass jemand, der sich außerhalb der Blogs und in einer angesehen Zeitung wie der ZEIT offen gegen den heutigen Feminismus stellt, mit jeglicher diskursiver Gewalt zu rechnen hat. Es schützt auch nicht, gute Argumente zu haben – die inhaltliche Ebene des Textes wird ja eh nicht zur Kenntnis genommen. Es wäre auch ein Irrtum zu denken, Jessen hätte sich besser schützten können, wenn er weniger polemisch und angreifbar formuliert hätte. Die Reaktion steht so oder so in keiner Relation zu seinen eigenen Verstiegenheiten.

        Das zeigte Zweierlei. Intellektuell, moralisch und politisch sind Links-Identitäre wie Stokowski und Hecht und andere erledigt – sie haben nichts zu bieten, und auf dieser Ebene können sie nicht antworten.

        Zweitens aber: Sie besetzen diskursive Machtpositionen, und sie würden lieber über Leichen gehen, als die zu räumen. Etwas anderes als das Ausspielen von Diskursmacht ist von ihnen aber nicht mehr zu erwarten.

  • „Wer fühlt sich vom bedrohten Mann bedroht?“

    Alle die, die jetzt diese ganzen haltlosen Unterstellungen machen. Die, die immer diese Unterstellungen machen. Der rauschende Blätterwald.

    Die sich weigern zu lesen. Und die nur Mist schreiben.

    Ein ziemliches Waterloo für den Feminismus. Das ist jetzt zitierbar 🙂

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