Feindbild Mann Kultur

Alte weiße Männer (musikalisch betrachtet)

geschrieben von: Lucas Schoppe

Alte Männer, so ist es allgemein bekannt, dominieren Podiumsdiskussionen, nerven ihre Mitmenschen unempathisch mit Welterklärungen aus Alter-Weißer-Männer-Sicht, nehmen jungen Frauen den Platz weg, sind unoriginell und schuld, woran auch immer, und stilisieren sich als Opfer. Und zu allem Überfluss machen sie auch noch Musik!

 

Die alten weißen Männer bäumen sich noch mal auf – wie Tiere kurz vorm Tod.“

Mit diesem Satz aus einem Interview mit der Edition F., das natürlich auch von der für anspruchvolle Geschlechterdebatten berühmten  Zeit nachgedruckt wurde, verschaffte sich die Dichterin Mirna Funk vor einem Jahr ein wenig Aufmerksamkeit – auch hier im Blog.

Zumal sie ja auch noch nachsetzte:

Wir müssen eine feministische Terror-Gruppe gründen und die alten weißen Männer aus dem Weg schaffen.“

Das klinkt sich unerschrocken ein in eines der am einfachsten zu handhabenden Diskurs-Klischees unserer Zeit – die Vorstellung, dass die Welt von alten weißen Männern beherrscht werde und dass es uns allen, irgendwie, besser ginge, wenn die endlich mal damit aufhören würden. Zum Tod des großen Historikers Fritz Stern schreib beispielsweise eine jüngere Historiker-Kollegin respektvoll:

die alten straighten weißen Männer sterben. Nun können wir die Geschichte revolutionieren!“

Immerhin hat sie es mit der Revolutionierung der Geschichte jetzt schon als Mitarbeiterin in den dritten Stock des Geschichts-Departments an der University of Warwick gebracht, woran leicht zu erkennen, ist, welche großen Möglichkeiten durch den Tod alter weißer Männer plötzlich frei werden können.

Im Sender Deutschlandfunk Kultur erklärt Enno Park derweil:

Denn der alte weiße Mann ist ignorant, lässt jede Empathie vermissen und stilisiert sich dann auch noch selbst zum Opfer.“ 

Die  Podiumsdiskussionen beispielsweise würden rundweg durch solche Leute besetzt.

Die reden dann bevorzugt über alte weiße Männerprobleme und erklären die Welt aus alter weißer Männersicht.“

Als Kevin Ashton, Verkünder des Internets der Dinge, vor einer Weile gefragt wurde, wodurch denn eigentich Innovationen blockiert würden, stellte er klar, dass natürlich die alten weißen Männer das Problem wären:  

Die wollen tun, was sie immer getan haben. Man hört immer die gleichen Ausreden und merkt irgendwann, sie wollen einfach nicht.“

Als in derselben Tageszeitung Joachim Huber zum Ausgleich ein vorsichtiges Lob auf den alten weißen Mann anstimmte, wurde er in der Edition F. von Theresa Bücker sogleich ironisch und superlustig ausgekontert:

Und dann sprechen diese humorlosen Biester nur noch von ‚alten weißen Männern‘, das ist verbale Belästigung, Altersdiskriminierung, Beleidigung der vornehmen Blässe, das ist Hate-Speech!!“

In ihrem Blog kritisiert Claudia Klinger diese Klischees:

Taten und Meinungen sind in einer Demokratie selbstverständlich kritisierbar, aber Hautfarbe, Alter, Geschlecht? Im Ernst? Nie hätte ich gedacht, dass diese Denke wieder akzeptabel werden könnte!“

Sie bezieht sich dabei auf Michael Seemann, der in gekonnter Checkerpose eine originelle Beobachtung gemacht hatte:

Das vielleicht nervigste an alten, weißen Männern ist ihre vollkommene Ahnungslosigkeit ob ihrer eigenen Unoriginalität.“

Ich dachte mir, dass es vielleicht nicht schaden könne, diese allgemeine Rede über alte weiße Männer zwischendurch auch einmal zu überprüfen und nachzusehen, was alte weiße Männer denn tatsächlich so machen, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, Podiumsdiskussionen zu dominieren und sich zum Opfer zu stilisieren. In der Musik zum Beispiel.

Da hat Seemann ganz eindeutig recht, jedenfalls solange man nicht allzu genau oder vielleicht auch lieber gar nicht so richtig hinhört. Ich selbst habe jedenfalls schon Musik gehört, bei der mir unwillkürlich der Begriff „Altmännerrock“ einfiel: gekonnt, routiniert, unoriginell, gelangweilt, ideenlos. Calling All Stations von Genesis fand ich so, oder, noch schlimmer, Some Things Never Change von Supertramp (und ich weiß, ich bin selbst schuld, wenn ich so was höre).

Aber schon bei etwa 5 Sekunden Nachdenken – zugegeben, eine unoriginelle Tätigkeit, weshalb ich verstehe, dass Herr Seemann davon Abstand nahm – waren mir gleich reihenweise Gegenbeispiele eingefallen. Es ist sogar verwunderlich, wie viel gute Musik in den letzten Jahren von Männern herausgebracht wurde, die eigentlich gelassen und weise auf gesammelte Erfolge zurückblicken und alle weiteren Anstrengungen den Jüngeren überlassen könnten.

Kurz vor seinem Tod hatte David Bowie zum Beispiel ein enorm gutes Album veröffentlicht, und das Video zum Titelstück ist als surreale, intensive, düstere Auseinandersetzung mit dem Tod eines der beeindruckendsten Videos, die ich kenne.

Iggy Pop, ein enger Freund Bowies, nahm als Siebzigjähriger ein Album auf, das zu den besten seiner sehr langen Karriere gehört. Er hatte allerdings Hilfe von jüngeren Männern, insbesondere von Josh Homme (Queens of the Stone Age). Ich wüsste trotzdem gerne mal, warum mir Iggy Pop nicht lächerlich vorkommt, wenn er auch noch im Opa-Alter mit gewohnt nacktem Oberkörper zwischen lauter angezogenen Menschen durch die Albert Hall springt.

Sehr fein angezogen, mit weißem Hemd und Krawatte, waren hingegen einige Herren, die ich neulich bei einem Konzert sogar selbst gesehen habe. Zum Sparkassenangestellten-Look passten allerdings die drei großen Schlagzeuge nicht, die eindrucksvoll vor ihnen aufgebaut waren. Robert Fripp, das Zentrum von King Crimson, ist mittlerweile auch schon 72 Jahre alt, und er freut sich wie eh und je an seiner Mischung aus verfrickelten Gitarren, verrückt komplexen Arrangements, traumhaft schönen Melodien und beeindruckendem Krach.

Mein persönlicher Liebling Van Morrison sieht hingegen auf der Bühne aus wie ein alter grumpeliger Opa, der beständig drauf und dran ist, sich über irgendetwas zu beschweren, und der richtig sauer wird, wenn er nichts findet. Er hat im vorletzten Jahr plötzlich, nach einer Reihe schöner, aber allzu routinierter Alben, mit Keep Me Singing wunderschöne Musik gemacht – und weil er gerade so nett im Schwung war, dann auch gleich noch das Blues-Album Roll With the Punches nachgeschoben. Er wird in diesem Jahr 73 und tourt dann gerade durch Europa, auch durch Deutschland.

Damit ist er ohnehin ein Jungspund verglichen mit Leonard Cohen, der kurz vor seinem Tod als Zweiundachtzigjähriger noch Musik veröffentlicht hatte, die sich intensiv und ungeheuer beeindruckend mit dem Tod auseinandergesetzt hatte – und mit Gott, den er noch immer danach fragt, warum er sich eigentlich so fern hält. 

Fast noch ein Kind war, verglichen damit, Paul McCartney, als er 2013 sein bislang letztes Album herausbrachte, „New“. Er war allerdings auch schon 63 Jahre alt, als er wenige Jahre zuvor eines der besten Alben seiner Nach-Beatles-Zeit veröffentlichte, Chaos and Creation in the Backyard. Jenny Wren aus einem der Lieder ist eine Figur von Charles Dickens – da könnte McCartney also wenigstens eine typisch altmännerhafte Bildungshuberei nachgesagt werden, wenn das Lied nicht so schön wäre.

Natürlich möchte ich nicht so tun, als ob niemand außer alten weißen Männern musikalisch irgendetwas zu Stande brächte. Junge Männer und Frauen, alte schwarze Männer (hier zum Beispiel veredelt einer, der noch eine größere Legende ist als Van Morrison, mit dem zusammen einen von dessen bekanntesten Songs), alte Frauen – ich finde überall grandiose Musik. Diese Sängerin zum Beispiel hat gerade 2015, mit Mitte siebzig, ein Album veröffentlicht (Medicine Music), auf dem sie viele ihrer alten Lieder neu eingespielt hat. Bei dem folgenden Auftritt ist sie schon knapp siebzig Jahre alt:

Im Unterschied zu alten Frauen, schwarzen Männern und Jungen begegnen alte weiße Männer aber nun einmal besonderen Ressentiments – also ginge es ihnen rundum nur um die Verteidigung einer Machtposition auf Kosten anderer, die ganz sicher ganz tolle Sachen machen würden, wenn nur die alten weißen Männer sie endlich ließen, resp. endlich Platz machen würden.

Das passt nicht zu den Beispielen, zu keinem von ihnen. Keiner der Künstler hier hätte es nötig, sich noch zu beweisen, Geld zu verdienen, oder sich etwas Besonderes einfallen zu lassen, um Frauen zu beeindrucken. Sie machen das, was sie machen, ganz offensichtlich deswegen, weil es ihnen wichtig ist, sich kreativ mit der Welt auseinanderzusetzen, in der sie leben.

Das gilt auch für Männer, die ihr Leben lang nicht über den Status eines Geheimtipps herauskommen und die trotzdem einfach auf hohem Niveau weiter Musik machen – für den Gitarristen und Sänger Michael Chapman zum Beispiel, der gerade als Sechsundsiebzigjähriger sein Album 50 veröffentlicht hat.

Ich weiß nicht so recht, wem es eigentlich besser ginge, wenn Pop, Morrison, Chapman und andere einfach seit Jahren anständig ihre Klappe hielten. Könnte es vielleicht sein, dass die Wut auf die alten weißen Männer etwas mit Neid zu tun hat – Neid auf Leute, die noch vital, interessiert und ideenreich sind, wenn sie sich eigentlich schon ordnungsgemäß im Altersheim die Schnabeltasse reichen lassen und ansonsten Ruhe geben sollten?

Warum dann aber ausgerechnet weiße Männer, da doch andere ebenso kreativ sind? Es wäre möglich, so spekuliere ich jetzt einmal wild herum, dass bei denen in unseren westlichen Gesellschaften nun einmal am meisten zu holen ist.

Junge Männer haben meist noch weniger finanzielle Mittel und einen geringeren Status. Dasselbe gilt, im Durchschnitt zumindest, hier für schwarze Männer oder für Migranten. Ältere arabische Männer hingegen haben zwar möglicherweise unfassbar viel Geld, würden aber mit hoher Wahrscheinlichkeit vor Lachen vom Stuhl kippen, wenn ihnen eine junge weiße Frau erzählte, dass sie ihr aufgrund einer ca. 3000 Jahre oder so langen Geschichte der Frauenunterdrückung noch etwas schuldig wären.

Alte weiße Männer weisen also oft die reizvolle Kombination auf, dass sie erstens Ressourcen besitzen und dass sie zweitens moralisch unter Druck gesetzt werden können, von diesen Ressourcen etwas abzugeben. Bei ihnen lohnt es sich mehr als bei allen anderen, sie zu Unterdrückern der restlichen Menschheit zu stilisieren.

Glücklicherweise ist das vielen alten weißen Männern offenbar recht egal, jedenfalls solange sie Musik machen. Den Eindruck macht zumindest auch ein Mann, der 2003 gestorben ist und der in den Neunzigern, schon über sechzig Jahre alt, zum Godfather des Old-Man-Comebacks wurde. Ein Lied von einem jüngeren Mann, Trent Reznor (Nine Inch Nails), das Johnny Cash so sang, dass es fortan rechtmäßig als seines betrachtet werden musste. Ein Lied über Schmerzen übrigens – und trotzdem mag sich seltsamerweise das Gefühl nicht einstellen, dass sich da einfach nur jemand zum Opfer stilisiert.

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16 Comments

  • Schönes Ding!
    Ein paar der Aufnahmen kannte ich noch gar nicht.

    Nun gut, Kunst, Politik und hochwertige Unterhaltung zu verbinden gefällt mir.

    Also werde ich hier mal ein insofern intersektionales Plädoyer für mehr kulturelle Entwicklung halten. Für Gleichberechtigung, Kooperation und gegen Vorurteile Rassismus, und sonstige Abwertungen, Gehässigkeiten …. und überhaupt.

    Geht los mit einer alten schwarzen Frau, die von vielen als „Seifenopernpüppie“ verschrien wurde, und der Alter und Hautfarbe ihrer Mitmusiker vollkommen scheißegal sind.
    Still on Tour: Joan Armatrading!
    https://www.youtube.com/watch?v=9K7xPw3JqpY

    Als nächstes ein alter weißer Mann, der mal als Zauberer galt, nicht zuletzt weil er Autodidakt ist. Einer seiner legendär albernen Sprüche ist, daß er ja eigentlich noch immer nach einem Gitarrenlehrer sucht. Sehr viele, mittlerweile selbst alte Musiker versuchen immer noch ihn wenigsten einigermaßen zu kopieren: Leo Kottke!
    https://www.youtube.com/watch?v=nF3kbVp23kk

    Und dann sind wir auch schon bei einem ebenfalls absolut einmaligen Opa, der auch einfach nicht zu vertreiben ist, ständig unterwegs, mit seinen alten Freunden, bspw. Zoot Money, oder der unvergesslichen Maggie Bell: Colin Hodgekinson!
    https://www.youtube.com/watch?v=kVfqvIGLLp0

    Okay, mal wieder ein schwatter, ein uralt gewordener, klassisch-patriarchaler Typ, hier mit seiner auch nicht mehr jungen, weißen Lieblingsbegleitung ( Bonnie Raitt ): John Lee Hoker!
    https://www.youtube.com/watch?v=QQxgyVydKy8

    Da fällt mir ein unverbesserlicher Haufen alter weißer Männer ein, die sich, als Europäer, Briten noch dazu, des Blues bemächtig haben. Und ich wette, kein Mensch mit Musikverstand wirft ihnen deshalb vor „sie wollen einfach nicht.“ Die wollen nicht nur, die machen das: John Mayall, the Bluesbreakers und Gary Moore!
    https://www.youtube.com/watch?v=dwc7ZEYfWYc

    Tja, es gibt da einen, der schon als junger Mann ständig angefeindet wurde, den man mehr als einmal am liebsten verboten hätte, der auf sämtliche verstaubten Konventionen einfach geschissen hat, wofür er oft und reichlich Ärger am Hals hatte.
    Er wurde trotzdem ( von hochrangigen Experten anerkannt ), oder vielleicht eben drum, einer größten Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts.
    Hier ein Ausschnitt aus seinem letzten öffentlichen Bühnenauftritt in der noch ziemlich frischen Tschechischen Republik ( wozu er sich ein paar Worte nicht verkneifen kann ). Der schon schwer von Krebs und Schmerzmitteln gezeichnete Frank Zappa!
    https://www.youtube.com/watch?v=UFtHqDrJ-fA

    Kommen wir zurück in die Welt der jungen Leute. Eine junge weiße Dame, die leider immer noch etwas schüchtern ist ( man sollte etwas Bassanhebung nutzen, wenn man sie hört ). Sie ist – gerade volljährig – aus Down Under abgehauen, um mal die ganz Großen der Musik kennenzulernen. Und dank der Förderung durch einige dieser Männer ( u.a. Jeff Beck und Dweezil Zappa ) ist sie heute sehr gefragt:
    Tal Wilkenfeld, hier mit Herbie Hancock!
    https://www.youtube.com/watch?v=oweK8H40kZk

    Genug der Beispiele.
    Schlussplädoyer:
    Lasst Euch nicht verarschen! Gute Musik wird überall gemacht! Immer! Vollkommen unabhängig von irgendwelchen politisch korrekten Dummheiten!
    Und gerade die alten weißen Männer sorgen immer wieder dafür, daß es ganz großartige Projekte gibt, ohne die der „Rest der Welt“ musikalisch, aber auch ganz allgemein kulturell wie sozial um einiges ärmer wäre.

    Ein behinderter Schwarzer hat mal ein Stück geschrieben, das dazu als Motto sehr gut passt. Und tatsächlich ging es rund um die Welt und bewirkte etwas ganz wunderbares:
    „Higher Ground“ von Stevie Wonder, hier als internationale Koproduktion „Blues of People“!
    https://www.youtube.com/watch?v=RPzAO_bKcTM

    • Kleines Dessert:
      Fiel mir gerade ein, wie mal wer auf einer Party den Ex-Presi der hamburger Hells Angels, Achim, fragte, was er denn von irgendwelchen Gruppenkonflikten halten wurde, z.B. vom derzeitigen angebl. „Rockerkrieg“ in Dänemark.
      Seine Antwort war so kurz wie prägnant:
      „Kinderkacke!“
      Mein Reden seit immer!
      Und weil ich jetzt nicht mit irgendwelchen fäkalfetischistischen Stücken kommen will und Helge Schneider ( ein ganz hervorragender Musiker übrigens ) mir hier fehl am Platze scheint, schieb ich noch einen etwas ruhigeren von Colin Hodgekinson hinterher, den „Catcote-Rag“:
      https://www.youtube.com/watch?v=6RqXBK4ALq8

      • Nachtrag, „nur der Form halber“ ( nee, nich wirklich, ich komme aus der Ecke ), damit sich die Anhänger der ewig ach so jungen Garage nicht vernachlässigt fühlen:
        Auch das können alte Männer und ebenfalls in bunter Mischung ( und ich steh immer noch auf Füchse, yezzz! ):
        Steve Vai und Living Color mit „Foxy Lady“!
        https://www.youtube.com/watch?v=wFlznGM-RXE

        • Ooops, Mädels können das natürlich auch.
          Die rasend schnelle Orianthi, mit Opa Vai, der dabei übrigens eine Klampfe spielt, die Jimi Hendrix mal auf der Bühne abgefackelt hat. Frank Zappa hat das Ding billig ( vermutlich für Umme ) geschossen, sein Sohnemann Dweezil hat es restauriert und es irgendwann mal Steve geschenkt. Und Joe Satriani und Tony McAlpine dürfen auch n‘ Büschen mitlärmen:
          https://www.youtube.com/watch?v=FAB5fwQ66y8

          Die Kleine in den Turnschuhen macht richtig Voodoo:
          https://www.youtube.com/watch?v=mK6tcgsKgps

          • Au Weia! Jetz hab ich doch glatt die böse alte klassisch-traditionell bürgerliche Paarbeziehung ganz vergessen vor soviel Intersektionalität. Wenn das ma keinen Regen gibt 😉
            Susan Tedeschi und ihr old Man Derek Trucks ( die ich vorletztes Jahr im Stadtpark in Hamburg leider erpasst hab, weil grade keine Knete ):
            https://www.youtube.com/watch?v=iWPntKAWvHs

          • Lieber Fiete, vielen Dank für Deine Listen! Ich höre mich Stück für Stück durch, manches kannte ich noch gar nicht, z.B. Orianthi oder Tal Wilkenfield (beide aus Australien, glaub ich, da hab ich halt keine Ahnung 🙂 ). Es freut mich, dass Dir der Text Spaß gemacht hat.

    • Re: Supertramp. „Brother where you bound“, die erste nach Hodgsons Weggang, fand ich noch sehr gut, danach wurde es dann erheblich dünner, allerdings immer noch um Längen besser als der übliche Durchschnitts-Chartpop. Fraglos sind die frühen Jahre, wie so oft und wie bei so vielen, unschlagbar. (Ich kannte sie natürlich auch schon, bevor sie sich selbst kannten.)

  • In der Jugend bildet sich der Geschmack aus, i.d.R hört man das, was auch die eigene Peergroup mag. Ich mochte z.B. Pink Floyd schon, als „Dark Side of the Moon“ rauskam, 1973. Sie haben 2014 ihre offiziell letzte CD veröffentlicht. Darin ein sehr schönes Lied: https://www.youtube.com/watch?v=Ezc4HdLGxg4&list=RDEzc4HdLGxg4&t=94

    Irgendwie immer noch der gleiche Klang und die gleiche Ästhetik wie auf ihren frühen Aufnahmen.

    Die meisten Musiker, die mir in meiner Schulzeit gefielen, sind inzwischen tot oder über 70. Es kommt dann auch nichts vergleichbares mehr nach, denn die nachwachsenden Generationen haben andere Vorlieben. Wie man Hip Hop mögen kann, ist mir z.B. völlig unverständlich, musikalisch primitiv und die Haltung der Musiker ebenfalls.

    Ich bin übrigens froh, noch bei einem der letzten Konzerte von Joe Cocker gewesen zu sein; genialer Sänger.

    https://www.youtube.com/watch?v=j4R18fLo4bk

  • In der SJW Szene in Kanada ist es mittlerweile normal, jeden Erfolg eines Künstlers als die moralische Pflicht aufzufassen, weniger erfolgreichen „Platz zu machen“, wie kürzlich gesehen im Fall Margaret Atwood, die CanLit Twitter Aktivisten zum moralischen Monster degradierten, weil sie sich im Fall eines der sexuellen Belästigung angeklagten Hochschulprofessors zusammen mit anderen für ein faires Verfahren ausgesprochen hatte. Wohlgemerkt für ein Verfahren, nicht für eine Freisprechung von den Anklagen. In der SJW Szene gibt es nur Heilige und Monster, nichts dazwischen, und jeder kann jederzeit auf die Schlachtbank kommen. CanLit ist voll von frustrierten Endzwanziger Schreiberlingen, die glauben, die Welt schulde ihnen Aufmerksamkeit, Anerkennung und kommerziellen Erfolg.

    • @ Condition of Muzak Ich glaube, das Frage nach dem Verhältnis von permanenter Moralisierung und kreativer Ödnis ist wie die Frage nach Huhn und Ei. Entweder, Menschen moralisieren beständig, weil sie merken, dass sie nichts Besonderes auf die Reihe bekommen und andere, die besser sind, ausbremsen müssen. Oder das Moralisieren erstickt Kreativität. Vermutlich ist es beides.

      Das furchtbarste, langweiligste Buch, das ich in meinem Leben gelesen habe, war „Die Rättin“ von Günter Grass (ich hatte es nur deshalb unter Schmerzen ganz durchgelesen, weil eine Studentin von mir darüber eine Arbeit schrieb – als ich die Arbeit dann las, stellte ich fest, dass die Studentin nicht durch das Buch durchgekommen war – was ich trotz meines Ärgers verstehen konnte). Alles erstickt unter einem hypermoralischen Gestus, mit dem es ständig um das Überleben der Menschheit und die Schuld der Menschheit an ihrer eigenen Vernichtung geht. Bloß nicht kleiner.

      Andererseits entsteht wirklich tolle Kunst manchmal gerade in der Auseinandersetzung mit Moralisierern. Ich hab neulich z.B., zum ersten Mal, „Wilde Erdbeeren“ von Ingmar Bergman gesehen, ein alter Film mit einem alten Mann im Mittelpunkt (passt also zum Thema). Der Mann realisiert, wie sehr er sein Leben verpasst hat, weil er immer moralisch gut und rein war – und wie unmenschlich er darüber geworden war.

  • Der Erfolg der „Alten“ ist nur deshalb so durchgreifend, weil es eben viel zu wenig „Junge“ gibt. Die Musik ist eben heute nicht so populär wie in den Zeiten aus die ganzen Stars kommen. Eher schräg und sehr kompliziert muss sie heute sein, um ein spezielles Publikum über den Hit hinaus anzusprechen. Die anonyme Elektronik-Musik und das Musikmachen-DJ-Kultur beherrscht heute den gängigen Geschmack. Aber wer weiss, die Musik wird sicher ein comeback haben. Sicher ist auch wichtig, dass heute die ganze Musikgeschichte gleichzeitig verfügbar ist, daher sind die Alten „erdrückend“.

    • @ Alex Das kann gut sein. Für mich wirkt die Musik, die von den Schülern gehört wird, oft flüchtig, gewissermaßen geschichtslos. Und es geht mir auf die Nerven, dass es normal geworden ist, Lieder nur kurz anzuspielen und nach spätestens zwei Minuten zum nächsten zu switchen.

      Aber das ist meine begrenzte Perspektive, und es gibt Brüche. Viele Schüler kennen die Beatles nicht, oder kaum, dafür aber AC/DC. In den letzten Jahren ist Bob Marley plötzlich wieder sehr populär geworden, vermutlich als legendärer Kiffer.

      Worum es mit bei der Zusammenstellung ging, war aber natürlich eh keine Entwertung der Jungen – ich finde es einfach schön, dass reihenweise auch noch Menschen, die eigentlich längst im Rentenalter sind, intensive, interessierte Musik machen. Und das auch noch in einem Bereich, der traditionell mit „Jugend“ verknüpft ist.

  • @Fiete „Und dank der Förderung durch einige dieser Männer ( u.a. Jeff Beck und Dweezil Zappa ) ist sie heute sehr gefragt: Tal Wilkenfeld,“

    Heute?? Offenbar nicht mehr, im Gegenteil ist sie nach meinem Eindruck massiv abgestürzt, nicht ganz untypisch für Leute, die sehr jung extrem viel Erfolg haben.

    Ich bin schon vor Jahren irgendwie auf sie aufmerksam geworden und war spontan begeistert. So um 2008, mit Anfang 20, war sie der Nachwuchsstar unter den Jazzbassisten. Alleine die Äußerlichkeiten: mit gefühlt ca. 1.60 m Körpergröße, langen gekäuselten blonden Haaren, unübersehbaren weiblichen Attributen und regelmäßig einem breiten Grinsen im Gesicht war sie in jeder Hinsicht der optische Kontrapunkt zu der üblichen Männertruppe. Es schuf eine sehr spezielle Stimmung.

    Womit ich nicht sagen will, daß sie wegen ihrer Optik neben großen Stars spielen durfte. Jemand wie Jeff Beck läßt keine Amateure neben sich auf die Bühne. Schon gar nicht läßt er irgendwen neben sich ein richtig langes Baß-Solo spielen, das das Publikum zu Begeisterungsstürmen veranlaßt (2007, Crossroads ab 1:55) oder 2008, Live at Ronnie Scott’s ab 1:30).

    Nun gilt Beck ja als einer der besten E-Gitarristen aller Zeiten, aber in der Formation mit Vinnie Colaiuta – Drums, Tal Wilkenfeld – Bass, Jason Rebello – Keys hat selbst er einen künstlerischen Höhepunkt erreicht. Er hatte da einfach eine ungeheuer gute Mannschaft beisammen, wobei ich Vinnie Colaiuta als den zweitwichtigsten Erfolgsfaktor ansehe. Wie gut diese Truppe war, erkennt man z.B. an diesem Remake von A Day In The Life, ohne Gesang wohlgemerkt – mit diesem Versuch können sich Normalsterbliche nur blamieren. Oder Blanket (mit Imogen Heap), im Original ein mMn eher durchschnittliches Stück von Urban Species.

    Das waren Wilkenfelds glorreiche junge Jahre. Vor Jahren hat sie versucht, Karriere als Singer-Songwriter zu machen. Heute sieht ihre Homepage ziemlich trostlos aus. Gerade mal eine kleinere Tour in 2017, keine Dates in 2018. Sehr schade. Aber so ist das Musik-Geschäft.

    Bestimmt promoviert mal jemand in den Gender Studies darüber, wie hinterhältig das Patriarchat talentierte Künstlerinnen aus dem Geschäft herausboxt…

  • Ist das eigentlich ein Zufall, daß in den ganzen obigen Empfehlungen einer nicht dabei ist, nämlich Bob Dylan?

    Ich selbst bin kein Dylan-Fan, aber ich hätte doch erwartet, daß er genannt wird, wenn es darum geht, alten weißen Männern in der Pop-Musik zu huldigen …?

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