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Kollegah und die Leichen im Keller

geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Streit um die Echo-Preisverleihung an Kollegah und Farid Bang berührt zwei ganz verschiedene Aspekte, die hier im Blog immer mal wieder eine Rolle spielen. Erstens das Verhältnis der Öffentlichkeit zu kleineren Gruppen der Gesellschaft, die eigene Regeln haben – und zweitens die Bedeutung von Vätern.

 

Hurensohn Holocaust, oder: Antisemitismus? Welcher Antisemitismus?

Ich habe gemerkt, wie bei mir in den vergangenen Tagen mit jeder weiteren Echo-Rückgabe das Bedürfnis zum Widerspruch wuchs. Noch drei Künstler, die ihre Preise loswerden, und ich schreibe eine Verteidigung der beiden Rapper, die den Skandal auslösten.“

Jan Fleischhauers Widerspruchswille ist nachvollziehbar. Wer sich jetzt, nach der skandalösen Echo-Verleihung, publikumswirksam von den Rappern Kollegah und Farid Bang distanziert, hat die Verrohtheit und Gewaltsamkeit ihrer Texte – und der Texte vieler anderer deutschen Rapper – jahrelang achselzuckend zur Kenntnis genommen.

Die Verachtung für Homosexuelle – die Verachtung für Frauen, die nicht dem gepflegten Bild des tugendsamen Weibes entsprechen – die Verachtung für Männer, die schwach wirken: Das sind schon seit vielen Jahren einige Grundbestandteile des deutschsprachigen Battlerap.

Und Jennifer Rostock schwingt nach ’ner Schelle den Kochtopf / Bringt dann die Säcke zum Kompost und blowt den prächtigen Bosscock“:

Seinen Stolz auf sein primäres Geschlechtsorgan und dessen Einsatzmöglichkeiten formuliert Kollegah auf seinem mit dem Echo ausgezeichneten Album, das der Bertelsmann-Konzern mit ihm und Farid Bang veröffentlicht hat.

Sieh, wie der Boss-Cock deine Tochter zur Frau macht / In Clips, die sie in zwei Jahren erst offiziell schau’n darf“,

erzählt Kollegah im selben Lied einem Hip-Hop-Journalisten, den er offenbar nicht besonders mag. Vielleicht kann Bertelsmann von den Einnahmen bei den sehr jungen Fans dann ja demnächst feinfühlige Studien über geschlechtersensible Arbeit an der Schule finanzieren – eine Win-Win-Situation.

Bushido packte schon vor ein paar Jahren in dem – hier fast willkürlich ausgewählten – „Osama Flow“ einfach ein paar Grundmotive hintereinander:

Ich bin Multimillionär, yeah / Schwarzlicht, Scheinwerfer / Maischberger will mein Sperma / Taliban Rapper / Hannibal Lecter / Nutte, du bist Mooshammer / Nutte, ich bin Osama / (…) Kill Sarazin, free Falastin / Turban, radikal / Erdöl, Kapital / Ficke deine Mutter diese Hurentochter vaginal / Sonny Black – Osama Flow / Homos spritzen sich in ihren Po Anabol / Wenn ich komme bist du Schwuchtel so wie Moshammer tot“

Dieses Lied enthält schon eine kleine Vorausdeutung, warum die Gewaltverliebtheit dieser Musik mit mehr als einem Jahrzehnt Verspätung jetzt plötzlich zum Thema wird: Eingebunden in den Wunsch der Ermordung politischer Gegner, in eine Anrufung des politischen Terrors, in Verachtung für Homosexuelle und den festen Glauben an die eigene, unbezwingbare sexuelle Attraktivität findet sich eine Forderung, Palästina zu befreien.

Schon bei Bushido mündet diese Haltung in Israelhass: Sein Twitter-Profil enthält eine Karte Israels, von der Israel verschwunden und durch einen Palästinenserstaat ersetzt ist. Nachdem der klassische Gottesmörder-Vorwurf nicht mehr so recht empörungsträchtig ist, sucht sich der alte Judenhass neue Inhalte: Früher hatten die Juden unseren Heiland getötet – heute haben sie Palästina getötet. Das ist zwar jeweils Quatsch, läuft aber auch jeweils auf dasselbe heraus – auf den festen Glauben, dass sich irgendwie alle Probleme von selbst lösen würden, wenn nur die Juden verschwänden.

Judenhass für Kinder und Jugendliche: Direkt neben seinen Tourdaten präsentiert Bushido seinen 1,2 Millionen Twitter-Followern ein Land Israel, aus dem Israel verschwunden ist. Aber ganz sicher geht es dabei nur um Befreiung, nicht um Vertreibung oder Mord.

Die Politisierung des Judenhasses ist denn auch bei Kollegah ein schärferes Problem als der vielzitierte Farid-Bang-Satz „Mein Körper definierter als der von Auschwitzinsassen“: Diese verrohte und empathiebefreite Formulierung nutzt den Schrecken von Auschwitz für einen selbstverliebten Gag, ist aber möglicherweise einfach primitiv und dämlich, nicht gezielt antisemitisch. Als verkaufsfördernde Provokation hat der Satz ganz gewiss funktioniert.

Es ist etwas anderes, wenn Kollegah in seinem Lied „Apokalypse“ einen Endkampf zwischen Menschen und Dämonen beschreibt, dessen Schwerpunkt ausgerechnet in Jerusalem liegt: Die Menschheit in Ost-Jerusalem kämpft gegen dämonische Besatzer, und Kollegah entscheidet diesen Kampf, indem er einen seiner fernen Strippenzieher ausschaltet: einen Banker in London. Ein Bild des Videos zeigt einen der düsteren Leiter des Weltgeschehens mit einem Davidstern am Ring.

Es sieht aus wie Antisemitismus – es funktioniert wie Antisemitismus – es stinkt wie Antisemitismus – aber es darf natürlich auf GAR KEINEN FALL als Antisemitismus bezeichnet werden, weil das ja eine ANTISEMITISMUS-KEULE wäre.

Nun kann es ja tatsächlich sein, dass auch eine dumme oder uninformierte Kritik an Israels Politik eben das ist: nicht antisemitisch, sondern eben dumm und uninformiert, so wie es das in anderen Bereichen der Politik auch gibt. Wer aber Juden als heimliche Lenker des Weltgeschehens hinstellt, die von geheimen zentralen Orten aus die Zerstörung der Menschheit organisieren – oder wer die Auslöschung Israels propagiert, wohlwissend, dass die in einem Massenmord realisiert wurde: Der agiert selbstverständlich antisemitisch. Auch wenn er das selbst gar nicht wahrnimmt.

Ceci n’est pas une Davidstern: Jedem, der es hören möchte, kann Kollegah gern und lang und breit erklären, dass es gar kein Davidstern ist, den hier in seinem Video „Apokalypse“ der Stellvertreter des Teufels trägt.

Das gilt auch für ein Lied, über das ebenfalls die ARD-Sendung „Die dunkle Seite des Rap“ berichtet, die sich mit dem Antisemitismus im Deutsch-Rap auseinandersetzt. Gemeinsam mit Kollegah pflegt dort der Rapper PA Sports seine Auseinandersetzung mit Sun Diego, dem einzigen weithin bekannten jüdischen Rapper der Szene: „Hurensohn Holocaust“. Ebensowenig wie Kollegah versteht PA Sports (bürgerlich: Parham Vakili, ein Deutscher iranischer Abstammung), was daran eigentlich antisemitisch sein sollte, und redet sich gerade dabei um Kopf und Kragen: Der Begriff „Holocaust“ bezeichne doch nur eine totale Vernichtung und habe spezifisch gar nichts mit Juden zu tun, und außerdem seien Juden nun einmal reich und privilegiert.

 

Wehklage des unverstandenen Boxers

Die Kritik an dieser Mischung aus verückter Verrohtheit und unerschrockener Unehrlichkeit stellt Dennis Sand – der mit dem erwähnten Sun Diego dessen Biografie geschrieben hat – als unfair hin:

Das Hauptproblem ist, dass die meisten Kommentatoren in keiner Form verstehen, was denn eigentlich Battlerap ist und wie die sprachlichen Codizes der Hip-Hop-Szene funktionieren.“

Tatsächlich hat Battlerap, gerade in all seiner enormen sprachlichen Verrohtheit, eine zivilisierende Funktion: Die harte Auseinandersetzung wird in einem begrenzten, geregelten Rahmen verbal und nicht mit Fäusten oder Waffen ausgetragen. Er funktioniert also ähnlich wie ein Boxkampf, auf den ja auch einer seiner zentralen Begriffe – Punchline – anspielt.

Dieses Bild, das einem breiten Publikum durch den Eminem-Film 8 Mile vermittelt wurde, ist natürlich ein wenig romantisierend, weil der Übergang von sprachlicher zu körperlicher Gewalt auch hier plötzlich und fließend sein kann.

Aber grundsätzlich hat Sand recht – die kleine, in sich stark hierarchisierte Szene funktioniert nach Regeln, ohne deren Kenntnis kaum zu verstehen ist, was dort geschieht. Nur treten eben die Rapper selbst mit kommerziellem Interesse offensiv aus dem Rahmen dieser Szene heraus an eine unübersehbar große Öffentlichkeit, und sie machen den weitaus größten Teil ihres Vermögens damit, dass sie sich gezielt an Kinder und Jugendliche wenden.

Nun ist es möglich, sich entweder auf die internen Regeln einer eng begrenzten Szene zu berufen – oder aber offensiv eine möglichst große Öffentlichkeit zu suchen: Aber beides zusammen ist unehrlich. So unehrlich, wie es ein Boxer wäre, der auch außerhalb des Rings gerne anderen Menschen Nase oder Kiefer bricht und auf die fällige vorsichtige Kritik mit der Wehklage reagiert, dass Menschen seiner „Boxkultur“ nicht mit ausreichendem Verständnis begegnen würden.

Wer einem Juden öffentlich den Holocaust an der Hals wünscht und diesen Wunsch auch noch ausgiebig zelebriert – der pflegt eben nicht nur einen Beef in einer begrenzten Szene, sondern gibt einen Kommentar zum Umgang mit der Erinnerung und ermutigt zum allgemeinen verachtungsvollen Umgang mit Juden.

 

Die Fünfziger auf Speed und Steroiden

Nicht ehrlich, oder aber unwissend, ist auch Sands Verteidigung, dass der Battlerap nun einmal ein „Spiegel unserer Gesellschaft“ wäre. Natürlich ist er das, irgendwie, aber zugleich ist er ja eben auch ein Aspekt dieser Gesellschaft und prägt sie mit. Für die Kinder und Jugendlichen, die diese Musik hören, sind die Medien mehr noch als für Erwachsene kein Spiegel der Realität, sondern ein Teil von ihr, ebenso real wie andere Teile, aber meist mit deutlich größerem Handlungs- und Reaktionsdruck.

Auch die kindlichen Hörer merken natürlich, zum Beispiel, dass Bushido Claudia Roth nicht tatsächlich erschießen möchte, wenn er genussvoll davon singt, sie zu durchlöchern, bis sie einem Golfparcours gleiche – aber völlig irreal wird dadurch dieser Satz nicht. Er drückt zumindest aus, dass Roth eine verachtenswerte Person wäre und dass eine verachtenswerte Person keine Zivilität verdient habe.

Bildungsbürgerlich veranlagte Menschen gliedern die Verrohtheit solcher Darstellungen wohl meist dadurch in ihre eigenen Zivilitätsansprüchen ein, dass sie die Brutalität schnurstracks in eine comichafte Geste umdeuten, in eine ironisch gebrochene Proll-Attitüde. Dafür, dass alles irgendwie gar nicht so gemeint ist, gerät das Weltbild der Rapper dann allerdings bemerkenswert stimmig und geschlossen: Eine ungeheuer starke Betonung auf Respekt und Ehre – eine permanente Ausstellung dominanter, unerschütterlicher Männlichkeit – eine Checkerpose, mit der das gesamte Weltgeschehen jederzeit schlüssig, wenn auch notorisch bekloppt erklärt wird – eine klare Vorstellung davon, wie Frauen sich zu benehmen haben, um keine Schlampen zu sein – eine unendlich enge Weltsicht, in der beliebige Abweichler, wie etwa Juden oder Homosexuelle, bedenkenlos zur Zielscheibe werden darf – und eine jederzeit präsente Freude an Gewalt.

Das ist kein widerspenstiges Weltbild einer Subkultur, die einer zu engen Gesellschaft ihre Aufbuchshoffnungen entgegenhält – das ist ganz im Gegenteil eine Rückkehr der engsten Fünfziger Jahre, aber auf Speed und Steroiden. Diese Ideologie ist nicht einfach ein Spiegel der Gesellschaft, sondern formuliert ein striktes Ordnungsmuster für sie.

Vor etwa zehn Jahren war Bushido noch deutlich erfolgreicher, als es heute Kollegah ist – fast jeder Schüler und jede Schülerin von mir hat ihn ausgiebig gehört. Gleichzeitig mit dem Nachlassen seiner ungeheuren Popularität ließ dann mit den Jahren auch etwas anders nach: Der verschwenderische Gebrauch des Wortes „schwul“, das als Allround-Negativ-Wort für alles negative verwendet wurde („Was ist denn das für eine schwule Aufgabe?“), ebbte langsam wieder ab.

Ich bin mir sicher, dass das nicht nur eine zufällige Korrelation ist.

 

Vater weg, keiner da

Wo ist dann aber der reale Kern diese überzeichneten Mega-Spießer-Figuren Kollegah oder Bushido, der für den großen Erfolg doch nötig ist?

Ein zentraler Aspekt ist sicherlich, dass fast allen dieser Rapper die Väter fehlen. Kollegah selbst rappt über das Fehlen seines Vaters („Nichts als Leid, jedes Mal im Herz ein Stich, Mutter weint / Vater weg, keiner da, der mir ’ne Richtung aufzeigt“), der türkischstämmige Offenbacher Rapper „Haftbefehl“ setzt sich mit dem Selbstmord seines Vaters auseinander, Farid Bang ging mit der Mutter nach Deutschland, als der Vater ins Gefängnis kam, der Rapper Xatar, der mit Haftbefehl das Album Der Holland Job aufnahm, wurde als Vierzehnjähriger vom Vater verlassen,  Bushido wuchs bei seiner deutschen Mutter auf, nachdem sein tunesischer Vater die Familie verlassen hatte, als er drei Jahre alt war, der deutsche Rapper Fler, der mit Bushido zusammenarbeitete, erlebte ebenfalls als kleines Kind, dass sein Vater die Familie verließ.

Das ist eine fast zufällige Zusammenstellung, die sich sicherlich leicht noch wesentlich erweitern ließe. Das Thema der Vaterlosigkeit ist schon lange ein heimliches Generalthema der Hip-Hop-Kultur – schon Boyz in the Hood, der bedeutende Film aus dem Jahr 1991, kreist um die Bedeutung des Vaters für das Aufwachsen Jugendlicher, hier insbesondere männlicher Jugendlicher.

Kollegah stilisiert sich selbst zur eigenen Vaterfigur, wenn er beständig vorführt, wie viel er mit harter Arbeit und Disziplin aus seinem Leben gemacht hat. Seine Aggressionen gegen Sun Diego erklärt er in seinem Lied Legacy: Er habe sich um den jungen Rapper wie ein Papa gekümmert, aber der habe darauf nicht mit ausreichender Wertschätzung reagiert.

Was hab ich bei dem Jungen nur falsch gemacht? (…) ich sprech zu dir wie ein Vater zu ’nem Sohn (…) Ich bin dein Papa, du Hund“

„An alle deutschen Rapper: Ich bin euer Vater“ hatte allerdings vorher schon Bushido in dem zitierten Osama Flow verkündet.

Plausibel wird die Inszenierung zur Vaterfigur durch das enorme technische Können Kollegahs, das sicher nur durch viele Tausende Stunden Arbeit möglich wird. Er ist damit einerseits außergewöhnlich – andererseits ist das, was er tut, aber eben machbar, nicht einfach nur ein göttliches Geschenk. Wer ihm folge, der könne also auch etwas erreichen.

Im Film Boyz in the Hood ist diese Haltung glaubhaft und stimmig, weil dort eine reale Vaterfigur vorhanden ist. Bei Kollegah, Bushido und anderen aber wird sie beständig durch überschießende Gewaltphantasien, durch zwanghafte Selbstinszenierungen und durch einen Dominanzgestus dementiert, dessen Verbissenheit insgeheim immer schon die Angst vor dem Verlust der Dominanz verrät.

Der fehlende reale Vater wird ersetzt durch imaginierte, überdrehte, medial aufgepumpte Vaterfiguren. Eben in dieser Überdrehtheit ist der Hip-Hop dann eben doch ein Spiegel der Gesellschaft: den Schmerz über den Vaterverlust, der von einigen Rappern durchaus erwähnt (aber dann gern wieder in Mutter-Verherrlichungen begraben) wird, kennen eben auch viele der jungen und sehr jungen Hörer.

Anders formuliert: Hier wird ein Millionengeschäft daraus, dass Kindern, die ihre Väter vermissen, martialische mediale Ersatzväter verabreicht werden. Das mag einmal eine stimmige Subkultur gewesen sein oder auch nicht – als Millionenindustrie ist es in jedem Fall von gewaltiger Skrupellosigkeit. Eben das betrifft aber auch das links-liberale, bildungsbürgerliche Milieu, das jetzt so angewidert auf die Echo-Gewinner herunterschaut.

Wer, wie es gerade in diesem Milieu zum guten Ton gehört, eine vermeintlich friedliche Weiblichkeit gegen eine rohe, brutale Männlichkeit ausspielt, kann sich angesichts von Kollegah und co. natürlich leicht bestätigt fühlen –  ist aber Teil des Problems. Die immer schon gewaltsame feministische Verheißung, dass eine Entsorgung der Väter in einer „Befreiung“ vom Patriarchat münden würde, kippt erwartungsgemäß in ihr Gegenteil. Das Resultat der Väterentsorgung ist keine friedliche, sondern eine hoffnungslos aufgepumpte Männlichkeit, die auf Gewalt und Aggressionen angewiesen ist, weil ihr jederzeit die Luft heraus gelassen werden kann.

Natürlich sind Feministinnen nicht Schuld daran, wenn ein marokkanischer Schmuggler im Gefängnis landet und sein Junge so den Vater verliert. Darum geht es auch nicht. Es ist seit Jahrzehnten schon in der seriösen Forschung unbestritten, dass die Vaterlosigkeit in einem Großteil der Fälle massive negative Folgen für Kinder hat. Eine feministisch inspirierte Familienpolitik mit ihren starken Lobbys in Parteien und anderen Organisationen trägt eine wesentliche Verantwortung dafür, dass dieses Problem in Politik, Forschung und wichtigen Institutionen wie Universitäten oder Jugendämtern wieder und wieder aus dem Blickfeld gedrängt wird.

Diese Politik ist auch verantwortlich dafür, dass neben den Vätern, die verantwortungslos ihre Familien verlassen, Tausende anderer Väter weiterhin aus ihren Familien gedrängt werden, obwohl sie sich verzweifelt um ihre Kinder bemühen.

Wenn Fleischhauer heute das linksliberale, öffentlichkeitswirksame Angewidertsein vom Battlerap als heuchlerisch hinstellt, dann hat er eben auch in dieser Hinsicht recht:

Für ein sich aufgeklärt dünkendes bildungsbürgerliches Establishment ist es sehr viel einfacher, sich angeekelt von ein paar Prolls mit Migrationshintergrund zu distanzieren, als die Leichen im eigenen Keller zur Kenntnis zu nehmen.

 

(Link zum Beitragsbild)

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15 Comments

  • Guter Artikel. Ich gehe davon aus, dass Du als Lehrer und den Kontakt mit vielen Jugendlichen, einen besonderen Einblick in deren Sicht auf diese Musik hast.

    Als ehemaliger nebenberuflicher Musiker faellt mir nur auf, dass Rap sich qualitaetsmaessig (Harmonien, Rhythmik) ungefaehr auf dem Niveau der Hitparade der Volksmusik befindet.

    Bei den Texten faellt auf, dass die eigene Mutter verherrlicht wird, aber gleichzeitig alle Frauen grundsaetzlich Schlampen sind. Freud haette seine Freude daran. Allerdings schaffen die Rapper es nicht diese Dichotomie aufzuloesen und in eine positive Lebensphilosophie zu wandeln. Dicke Muckis und „Krieg spielen“ mit Songtexten ist nun mal viel zu flach. Eigentlich ist es das selbe Beklageritis Symptom welches wir bei den Feministinnen verzeichnen. Bizepse oder blaue Haare als Symbol der Staerke, und gleichzeitig stellt man sich dauernd als Opfahhh dar. Die einen beklagen die juedische Weltverschwoerung, die anderen das Patriarchat. Beides ist laecherlich, primitiv und dumm.

    • @ Luisman „ungefaehr auf dem Niveau der Hitparade der Volksmusik“ Ich finde tatsächlich einiges im deutschen Rap nicht besonders gut, zumal im Vergleich mit US-HipHop wie dem von Kendrick Lamar oder Kanye West. Allerdings gibt es auch hier Qualitätsmaßstäbe, die intern sehr viel klarer sind als von außen.

      Kollegah zum Beispiel ist, so dumpfbackig er daherkommt, technisch wirklich toll (soweit ich das halt beurteilen kann). Er ist unheimlich schnell, sicher, bleibt auch bei beliebigen Rhythmuswechseln im Fluss, und das bei Texten, die sich mit ihren Stabreimen und Alliterationen auch als Zungenbrecher eignen würden.

      Ich glaube, dass das Martialische und Verrohte des Battle-Rap auch in dieser Hinsicht etwas kaputtmacht. Zumindest für ein allgemeineres Publikum, das nicht ständig Hip Hop hört, sind Auftreten und Inhalte in ihrer Dumpfheit vermutlich so dominant, dass kaum noch jemand auf die Idee kommt, diese Musik könnte auch Qualitäten haben. (Hat sie zum Teil aber auch nicht – bei Bushido zum Beispiel habe ich noch nichts gefunden, was nicht primitiv bis zum Fremdscham wäre).

  • Kollegah, Farid Bang, Bushido und Konsorten sind doch einfach Vollpfosten. Ich halte es für völlig verfehlt, ihre Hetze zu verharmlosen mit dem Hinweis, man müsse die Kultur und die Ausdrucksformen des battle-rap verstehen, um zu urteilen. Diese windelweichen Ausflüchte, derer sie sich bedienen – ist kein Antisemitismus, ist battle-rap – zeigt doch, was für Vollpfosten diese Typen sind. Sie können nicht mal zu dem stehen, was sie sagen oder „singen“.

    Interessanter als diese Hohlköpfe zu analysieren wäre eine Betrachtung ihres Publikums. Der Anteil an „Secondos“ aus dem arabischen und allgemein dem muslimischen Raum stammend dürfte beträchtlich sein, ein Publikum, das den Judenhass schon mit der Muttermilch aufgesogen hat, aus Ländern, in denen Judenhass so allgegenwärtig ist und ständig propagiert wird. Ein Judenhass, der schon im Koran angelegt ist und auf den sich jeder Muslim beziehen kann. Nix da battle-rap. Das ist Hetze gegen Juden in ihrer primitivsten Form. Und diese Hohlköpfe machen ein Geschäft daraus.

    • @ Pjotr „Der Anteil an „Secondos“ aus dem arabischen und allgemein dem muslimischen Raum stammend dürfte beträchtlich sein“ Den Eindruck habe ich auch. In dieser Hinsicht ist der Battle Rap auch ein echtes Integrationshindernis, weil er Ressentiments sowie einen Lumpenproletariats-Habitus vorführt und propagiert, bei dem klar ist, dass ein großer Teil der Bevölkerung damit nichts zu tun haben will.

      Was den muslimischen Antisemitismus angeht, ist es bezeichnend, dass dazu nur Zahlen vorliegen, die zugleich stark angezweifelt werden. Nach der Kriminalstatistik werden ungefähr 90 % der antisemitischen Straftaten von Rechten begangen. https://www.br.de/puls/antisemitismus-jugendfeindlichkeit-100.html

      Das erleben viele Juden selbst offenbar anders, und die Statistik kommt wohl auch dadurch zu Stande, dass antisemitische Straftaten dort gewohnheitsmäßig als „rechts“ einsortiert werden. Es wäre gut, hier bald einmal belastbare Zahlen zu haben – bei Flüchtlingen aus dem arabischen Raum jedenfalls sind die Ressentiments gegenüber Juden laut SZ sehr beträchtlich.
      http://www.sueddeutsche.de/politik/juden-in-deutschland-wie-verbreitet-ist-antisemitismus-und-von-wem-geht-er-aus-1.3921657-4

      • Was den muslimischen Antisemitismus angeht, ist es bezeichnend, dass dazu nur Zahlen vorliegen, die zugleich stark angezweifelt werden. Nach der Kriminalstatistik werden ungefähr 90 % der antisemitischen Straftaten von Rechten begangen.

        Daran zweifle ich auch. Diese Statistiken müsste man mal detailliert betrachten. Es wäre interessant, was jüdische Vereinigungen dazu sagen, insbesondere, ob sie diese Statistik bestätigen können. Ich nehme an, wenn an einer Synagoge ein Hakenkreuz hingeschmiert wird, dann wird das unter „rechtsradikaler Antisemitismus“ geführt, auch wenn die Täterschaft unbekannt ist. Im Grunde geht es ja um die Unterscheidung Biodeutsche – Muslime. Es gibt ja gute Gründe, die muslimischen Judenhasser zum Teil auch als rechtsradikal einzustufen. Aber darum geht es ja nicht.

        • Am Samstag beim Durchzappen ganz kurz bei Welke und seiner Wochenshow vorbeigekommen. Da ging es dann auch um das Thema des sich bei uns steigernden Antisemitismus‘. Und wie zu erwarten kam sofort: „Und am widerlichsten ist es natürlich, wenn Rechte das jetzt als Anlass nehmen, gegen Migranten zu hetzen. Letztlich weiß doch jeder, dass wir hier…“ Da hab ich schnell weggeschaltet. Diesen absehbar folgenden Schmarrn von „wir hatten ja den Holocaust und heute immer noch so ganz viel Neonazis“ wollt ich mir nicht geben. Und das soll dann noch Satire sein…

          In unserer Gesellschaft haben wir nen gewissen Anteil randständiger Spinner, die immer noch antisemitische Ressentiments pflegen und hegen. Aber das gleichzusetzen mit einer kulturell bedingt sozialisierten Abneigung gegen Juden, die in zahlreichen muslimischen Ländern per politischer und medialer Dauerbeschallung zur „Allgemeinbildung“ geronnen ist, ist an Realitätsverweigerung kaum noch zu überbieten.

          „Ja sicher trinkt der Onkel Alfred ganz schön viel, aber wir können doch echt jetzt nicht sagen, dass er den Alkoholismus in unsere Familie gebracht hat. Wisst ihr noch, wie wir uns vor zehn Jahren zu Sylvester mal alle zusammen die Kante gegeben haben? Wir sind doch alle nur Trinker!“

          Und dass es schlicht schwachsinnig ist, gegen Fakten anzuargumentieren, indem man darauf verweist wer diese Fakten wie missbrauchen könnte, sollte sich selbst dem dümmsten Möchtegernsatiriker erschließen. Aber das ist ja leider zum guten Ton geworden. Eigentlich weiß man es, wie die Wirklichkeit ausschaut, aber drüber reden, das darf man natürlich nicht. Könnte ja am Ende irgendein Nazi für sich instrumentalisieren und das würde einen ja automatisch zum Mitnazi machen… oder so ähnlich irgendwie.

  • Diese windelweichen Ausflüchte, derer sie sich bedienen – ist kein Antisemitismus, ist battle-rap – zeigt doch, was für Vollpfosten diese Typen sind. Sie können nicht mal zu dem stehen, was sie sagen oder „singen“.

    Gerade das spricht doch dafür, deren dummes Gesülze nicht noch mit dem Titel Antisemitismus zu „adeln“.

    Ganz nebenbei halte ich solche Sprüche wie „definierter als…“ nicht für antisemitisch, sondern einfach nur für dämlich. Aber natürlich auch absichtlich provokativ.

    Grundsätzlich finde ich allerdings auch, dass wir in unserer Gesellschaft viel zu schnell mit solchen Einstufungen um uns werfen. Teilweise auch, um ähnlich wie im Feminismus, kritische Stimmen mundtot zu machen.
    Ich nehme mir bspw. durchaus das Recht heraus, Israel für seine Politik zu kritisieren. Ich bin aber ziemlich sicher kein Antisemit.

    • @ Mario „Ich nehme mir bspw. durchaus das Recht heraus, Israel für seine Politik zu kritisieren. Ich bin aber ziemlich sicher kein Antisemit.“ Deshlab habe ich im Text auch zu unterscheiden versucht, was Antisemitismus ist und was nicht. Kritik an israelischer Politik ist natürlich nicht an auch antisemitisch, die gehört ja auch in Israel selbst zum Alltag. Ich lese im Netz z.B. öfter mal die Haaretz, die ist gegenüber der israelischen Regierung und auch der Palästina-Politik immer wieder sehr kritisch.

      Ich finde aber schon den häufig gebauchten Begriff „Israelkritk“ seltsam. Warum sollte ein ganzes Land, oder gar dessen Existenz, „kritisiert“ werden? Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, eine Dänemark-Kritik oder eine Bolivien-Kritik zu etablieren.

      Unübersichtlich wird die Situation für viele wohl dadurch, dass der Antisemitismus-Vorwurf manchmal erhoben wird, um legitime Positionen zu diskreditieren – zum Beispiel die Kritik am Beschneidungsgesetz, die sich ja immerhin auf die Beurteilung einer riesigen Mehrheit der Ärzte stützen kann. Dass der Antisemitismus-Vorwurf in einigen Fällen unfair erhoben wird, bedeutet aber ja nun nicht, dass es keinen Antisemitismus gibt. Die Rede von der „Antisemitismus-Keule“ blendet eben womöglich auch realen Judenhass aus.

      • naja das ist aber eine zulässige und im Normalfall auch verstandene Verkürzung, man redet ja auch von „den Amies“, was „die Briten“ wieder vorhaben usw … das die Dinge im Detail komplexer sind und nicht jeder Israeli automatisch die Position Netanjahus unterstützt usw. usf. muss man nicht explizit erwähnen denke ich

    • Grundsätzlich finde ich allerdings auch, dass wir in unserer Gesellschaft viel zu schnell mit solchen Einstufungen um uns werfen.

      Zu denen gehöre ich nicht. Es ist aber richtig, dass der Vorwurf des Antisemitismus und die Nazikeule inflationär gebraucht wird. Was die Rapperkollegen anbelangt, von denen hier die Rede ist: Sie bedienen nicht zu letzt ein Publikum, das für solche Botschaften empfänglich ist. Lächerlich ist es, wenn einer (Kollegah) behauptet, der Teufel mit dem Davidsstern sei keine antisemitische Anspielung, da dieser Stern schon lange vor dem Judentum als Symbol verwendet wurde. Für wie blöd halten die uns eigentlich?

      • Datt sollte doch gar kein Davidstern sein. Datt sollte nen Pentagramm werden, aber irgendwer hat sich mit den Zacken verzählt und beim Dreh hat’s keiner gemerkt. Also wer bei so was gleich mit der Antisemitismuskeule kommt… 😉

  • Wieder mal prima Recherche und Analyse! Ich hab‘ von all dem gar nichts mitbekommen.

    Eine Sache im Artikel oben hab‘ ich nicht verstanden:

    „Es sieht aus wie Antisemitismus – es funktioniert wie Antisemitismus – es stinkt wie Antisemitismus – aber es darf natürlich auf GAR KEINEN FALL als Antisemitismus bezeichnet werden, weil das ja eine ANTISEMITISMUS-KEULE wäre.“

    Wer sagt das jetzt: Die Medien? Die Battle-Rapper? Die Veranstalter und CD-Firmen? Die Politik? Das Publikum? Kapiere ich irgendwie nicht. Wer sagt: Man darf sowas nicht als Antisemitismus bezeichnen?

    Bei diesem Banker aus London, der da so effektvoll ausgeschaltet wird, damit die Kids in Ost-Jerusalem ihren Endkampf gegen diese dämonischen Besatzer gewinnen können, könnte man vielleicht noch hinweisen auf diesen Topos vom Jüdischen Finanzkapital, das die allgemeine Jüdische Weltverschwörung finanziert und dirigiert.

  • Die Verbindung zwischen Männlichkeitshybris und Vaterlosigkeit finde ich gut beobachtet, auch der in Zyklen stattfindende Empörungsdruck scheint mir, angesichts des Schweigens in der preisverleihungsfreien Zeit, gut herausgearbeitet. Aber die Einordnung der Israelproblematik (mal völlig unabhängig von den üblen Aussagen der beiden Sänger) ist meines Erachtens daneben, da hier mit den Mitteln der Ideologie ein Feindbild aufrecht erhalten wird. Ein Teil der Israellobby braucht den omnipotenten Antisemiten ebenso wie der Dritte-Welle-Feminismus den omnipotenten Sexisten braucht, um sich persönlichkeitsintegral zu verorten.
    Die Kritik an Israel zielt auf die völkerrechtswidrige Expansion der Ländergrenzen und der langjährigen Besetzung der Palästinensergebiete. Die Kritik Israels geht an die national-religiöse Siedlerbewegung (was im Übrigen echte Rassisten sind), die in der Regierung sowie in der weltweiten Israellobby große Unterstützung erfährt. Die Israelkritik geht an die Ideologie des etwa 100jährigen Zionismus, der als säkulare Bewegung die Vorzugsstellung des jüdischen Volkes mittels der alttestamentarischen Mythologie zu legitimieren versucht und dabei die friedlichen Kräfte des Judentums kategorisch verrät. Um all das vor den Augen der Weltöffentlichkeit unsichtbar zu machen braucht es eben den schwerwiegenden Antisemiten, braucht es den üblen Nazi, braucht es den judenhassenden Araber, den man zu bekämpfen vorgibt, während man die eigenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verbirgt oder leugnet (man möge immer beachten, dass das Verhältnis der Toten Jude/Araber bei ca. 1 : 30 liegt / Bericht UNO).
    Der Antisemitismusvorwurf wird als Herrschaftsinstrument missbraucht (vgl. Zuckermann) und eine ganze Industrie der Moral sichert den nötigen Geleitschutz. Daher hat Campino in seiner Tugendansprache ja auch das No-Go jeder Diskriminierung zusammengefasst: der Spass endet, wenn Juden, Schwule oder Frauen gemeint sind…….

    • Auf unsere Gesellschaft bezogen, finde ich diesen Einwand durchaus zutreffend. Allerdings hat Lucas hier in der Diskussion auch schon erwähnt, dass er faktengebundene Kritik an der israelischen Politik damit nicht meint.

      Ich erinnere mich noch an den FDP-Politiker Möllemann. Der hatte sich doch als Deutscher wirklich erdreistet, offen Kritik an Israels Regierung zu äußern. Dem wurde sofort vom Zentralverband der Juden und Gestalten wie Michel Friedmann der Vorwurf des Antisemitismus entgegengehalten. Der öffentliche Affekt: Sowohl Medien als auch andere Politiker reagierten zurückschreckend (wer will schon als Deutscher Antisemit sein?) und gaben blödsinnige Statements ab, wie z. B. dass man als Deutscher doch nicht einfach etwas öffentlich gegen Israel sagen kann (der offene Rassismus an dieser Aussage ist denen wohl bis heute nicht so ganz bewusst; was ich wie kritisieren darf, hängt also von meiner Herkunft ab… Ah, ja!).

      Das ging so weit, dass einige Typen (ich meine auch Medienvertreter waren darunter) nachträglich in die von Möllemann angeführte 18-Prozentkampagne reinzudeuten versuchten, dass er als ja nun offensichtlich gewordener Hardcorenazi die Zahl 18 bewusst gewählt hatte, weil die ja schließlich in gewissen Kreisen als Zeichen für Adolf Hitler steht (1 = A; 8 = H).

      Das ist für mich nach wie vor ein Musterbeispiel, wie der Antisemitismusvorwurf einfach nur als Totschlagargument in den Raum geworfen und auf einmal von jedem „aufrechten“ Bürger aufgegriffen und perpetuiert wird.

      Bei den muslimischen Völkern ist dies aber meines Erachtens oft nicht so leicht zu trennen. Gewiss haben die Israelis durch ihre Politik nicht gerade zu einer Verbrüderung mit den Muslimen beigetragen. Und die recht bedingungslose Unterstützung der USA für Israel befördert natürlich jüdische Weltverschwörungstheorien über den hinterhältigen Juden, der an den Schaltstellen der Macht sitzt und heimtückisch die Geschicke der Menschheit stets zu seinen Gunsten und zum Nachteil aller anderen, speziell der Muslime, lenkt.

      Man kann nun aber auch wirklich nicht sagen, dass das was in der islamischen Welt gegen Israel gerichtet so alles propagiert wird, wirklich ernsthaft nur als legitime Kritik an der israelischen Politik gewertet werden kann. Da wird schon tatsächlich recht bewusst nicht auf Israel sondern auf das Judentum abgehoben; verbunden mit allen Ressentiments und Verschwörungstheorien, die die Menschheitsgeschichte über „den Juden an sich“ so zustande gebracht hat. Und das ist für mich einfach der Moment, wo Kritik in Antisemitismus umschlägt.

  • Mir kommt hier im Thread der übergreifende und verbindende ( resp. im konkreten Kontext gerade trennende ) Aspekt etwas zu kurz, nämlich das ganz allgemeine Problem der politischen Polarisierung, welche ( und das will ich den Battlerappern mal wohlmeinend zugute halten ) selbst Versuche von symbolischen Austragungen, zur Vermeidung echter Gewaltentladungen und Ermöglichung von vermittelnden Gesprächen, nach dem „Dampfablassen“, so instrumentalisiert, daß es dann doch tatsächlich irgendwann kracht, ja erstrecht und noch mehr knallen MUSS.

    Ich habe keine Ahnung von aktuellen Raperzeugnissen ( wenn ich Musik hören will, höre ich Musik ) und der Versuch, einerseits im Ghettostyle Marshall Mathers zu potenzieren, ihn aber im „Performance“-Gehampel gerade so billig zu kopieren, daß es auf mich wirkt, als würden diese Künstler eigentlich die Teilnahme am Eurovison-Song-Contest anstreben, ist mir bestenfalls scheißegal. ( Und das ist eher höflich ausgedrückt )

    Und die zur „Normalität“ gepressten Auswüchse der mittlerweile völlig verkrachten Positionen um den Komplex „Juden-Israel-Regime-Antisemitismus“ kotzen mich maximal an. Spätestens seit ich während der „Beschneidungsdebatte“ selbst mit der ganz dicken Brechstange mehrfach da mit reingezogen ( eher schon reingeprügelt ) wurde.
    Zumal derzeit prinzipiell recht klar wurde, daß das Gehampel um „Gleichstellung vs. Gleichberechtigung“, „Elternpolitik“, „( Umsetzung der gültigen ) Kinderrechte“ etc.pp. zwar etwas versteckter, z.T. primitiver, z.T. subtiler und insofern „auf Sparflamme gekocht“ wird, aber im ganz Groben betrachtet, letztendlich aber genau den gleichen Vorgaben und Zielen folgt.

    Ich denke, es gilt sich eben nicht in vorgeschobene und teilweise zynisch erlogene Detailverzettellungen ziehen zu lassen, sondern die Grundprinzipien zu beobachten zu versuchen und sich nicht in Pseudopragmatismen zwingen zu lassen.
    Deshalb zitiere ich hier mal ein paar Absätze aus einem Rubikon-Artikel, der ein ganz anderes Thema bearbeitet ( Korea ), aber dessen Autor genau diese Erinnerung an diese prinzipiellen Erwägungen ( zu Polarisierungen und deren Instrumentalisierung als Herrschaftswerkzeug ) dringend anmahnt und dazu eine – wie ich meine – sehr gute Zusammenfassung liefert, die ich den Mitlesern – obwohl sie eigentlich kaum Neues bietet – dringend empfehlen möchte. ( Im Übrigen ist der Artikel im konkreten Kontext auch ansonsten sehr interessant, so als Kontrast zu dem, was uns hier „offiziell“ um die Ohren geblasen wird, aber das ist im speziellen Fall ein Thema, das hier völlig offtopic wäre ):

    ‚„Polarisierung, im Allgemeinen Herausbildung zweier sich diametral gegenüberstehender Kräfte; im sozialgeographischen Sinne Aufteilung einer homo- oder heterogenen gesellschaftlichen Gruppe in zwei sich gegenüberstehende Teilgruppen, die durch unterschiedliche Einstellungen und Verhaltensweisen charakterisiert sind. Im Gegensatz zur Differenzierung (Differenzen) mit ihren vielfältigen Abstufungsmöglichkeiten und z.T. fließenden Übergängen basiert die Polarisierung auf eindeutig Entgegengesetztem.“ (1)

    Differenzierung ist die betrachtete Vielfalt einer Gesellschaft, Polarisierung ist die Trennung ihrer differenten Teile. Polarisierung kennen wir aus der Physik als die Trennung unterschiedlicher energetischer Zustände, was zwischen ihnen eine Spannung verursacht. In Gesellschaften ist das nicht anders. Und je stärker eine Polarisierung vorangetrieben wird, desto mächtiger ist auch die Entladung, wenn die Spannung einen kritischen Punkt erreicht hat.

    Man kann mit Spannungen „spielen“, sie an kritische Punkte heranführen, was die Spannungsträger in Zwangshandlungen führt, wenn sie sich nicht bewusst sind, dass sie manipuliert werden. In einer heterogenen Gesellschaft können sich Differenzen (Spannungen) durch vielfältige Kommunikation immer wieder ausgleichen. Das Ausgleichverhalten zwischen den Akteuren ist somit viel weniger destruktiv und von Lernprozessen aller Beteiligten geprägt.

    Wenn Jemandem daran gelegen ist, Spannungen von außen bewusst zu erhöhen, dann sucht er nach Wegen, den Ausgleich der „Ladungsträger“ zu verhindern. Er ist bestrebt, die Heterogenität des Systems durch Einförmigkeit zu ersetzen und das Abweichende zum Feindbild zu generieren. Er produziert Grenzen in den Köpfen (als Grundvoraussetzung) und im großen strategischen Spiel auf Landkarten. Diese Grenzen verhindern die Kommunikation und damit den natürlichen Ausgleich von Spannungen. Stattdessen erzeugen sie ein „gerichtetes Verhalten“ auf das Feindbild „der Anderen“ und entfremden die (immer und überall existierenden) Konflikpartner voneinander.

    Einem Konflikt wird somit das positive, bereichernde Element entzogen, von dem die Partner profitieren. Er mündet nun in den Kampf. Der Fokus richtet sich beim Lösungsansatz nicht mehr auf den Konflikt*partner, der für eine gemeinsame Lösungssuche unerlässlich ist, sondern auf einen **Gegner, dem die **Schuld* am Konflikt zugeschoben wird, was die (subjektive) Legitimation zur Bekämpfung dieses Gegners bedeutet.‘
    [ … ]
    ‚Polarisierung der Ideologien

    Das Herrschen von Ideologien ist ein Ausdruck von Macht. Ideologien haben natürlicherweise kein Interesse, gleichberechtigt neben anderen Ideologien zu existieren. Diese Ausschließlichkeit des übernommenen Weltbildes geht mit ausgeprägten Feindbildmustern einher, welche dort ausgemacht werden, wo das eigene Weltbild in Frage gestellt wird. Daher steht der Autor jeder Art von Ideologie sehr kritisch gegenüber.

    Doch steckt trotzdem in jeder Ideologie ein Teil universeller Prinzipien, welche das Zusammenleben menschlicher Gesellschaften ausmachen. Was bedeutet, dass in jeder Ideologie für Menschen attraktive Komponenten abgebildet werden. Diese Komponenten „belohnen“ natürliche Verhaltensweisen, die das gesamte psychologische Spektrum des Menschen abbilden. Ist es nun die Sehnsucht nach Sicherheit und Geborgenheit, der nach sozialer Teilhabe, nach persönlichem Vorteil, Angstbewältigung, Bequemlichkeit oder Machtstreben.

    Jede Ideologie unterstreicht selektiv bestimmte Komponenten und bewertet sie als gut, während sie „nicht passende“ Komponenten wegstreicht oder als schlecht einordnet. Woran man erkennen kann, dass eben und vor allem Ideologien Quelle von Polarisierung und Konflikten sind. Gleichzeitig sind sie aber auch Ergebnis gesellschaftlicher Prozesse, weil zuvor bestimmte universelle Prinzipien durch die herrschende Ideologie nicht abgebildet wurden.‘

    Die „Sternchen“ und Anmerkungen können im Original auf der Seite von Rubikon nachgelesen werden:
    https://www.rubikon.news/artikel/die-vereinten-nationen-als-kriegspartei-617292b5-f6d6-4bbc-8cc0-2009a732c288

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