Hate Speech Meinungsfreiheit Zivilgesellschaft

Hommage an Jan Böhmermann

geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie der öffentlich-rechtliche Satiriker in einer brillanten Aktion den faschistoiden Bodensatz des Netzes aufwühlt

Ich hoffe ja immer noch, dass sich irgendwann wieder eine zukunfts- und mehrheitsfähige linke, demokratische Politik zusammenfinden wird, auch wenn es im Moment gar nicht danach aussieht. Deshalb sehe ich auch mit stiller Verzweiflung zu, wenn Mitmenschen, die sich als „links“ präsentieren, im Netz mit stumpfen Routinen und dauermoralisierend gegen andere Mitmenschen vorgehen, die sie als politische Gegner einordnen. Natürlich weiß ich, dass es so etwas auch von rechts gibt – aber wenn Rechte sich und ihre Politik diskreditieren, berührt mich das nun einmal weniger als bei Linken und solchen, die es werden wollen.

Eine Politik, die prinzipiell auf Mehrheitsfähigkeit verzichtet, kann nicht links sein, weil es immer eine Politik sein wird, die von kleinen, privilegierten Milieus gestützt werden muss. Also müssen Linke auch Menschen überzeugen, die nicht immer schon Bewohner der eigenen Filterblase sind. Wie aber soll das funktionieren, wenn moderate Konservative, Liberale oder auch ganz einfach Menschen einer irgendwie anderen Meinung gemeinsam mit echten Rechtsradikalen schlankweg gemeinsam als „Nazi“ einsortiert und entsprechend bedenkenlos bekämpft werden?

Der öffentlich-rechtliche und trotzdem brillante Satiriker Jan Böhmermann hat diese sich als links gerierende stumpfe Politik nun gerade in einer grandiosen Aktion in all ihrer Destruktivität und Unehrlichkeit offen vorgeführt.

 

Bei ZDFNeo gab Böhmermann zunächst die rechtsradikalen Trolle von Reconquista Germanica der verdienten Lächerlichkeit preis, soweit die das im patriotischen Überschwang nicht eh schon selbst erledigt hatten.

Er kündigte dabei dann eine Gegenbewegung Reconquista Internet an, die unter anderem eine Liste der rechtsradikalen Twitter-Accounts veröffentlichen würde,

„mit denen ihr dann machen könnt, was ihr wollt: Blocken, melden, mit Liebe überschütten.“ 

Tatsächlich hatte er mit dem öffentlich-rechtlichen Netzkanal FUNK gemeinsam eine Liste mit Hunderten von Accounts erstellt, nebst einer Anleitung, wie diese Liste zum Blockieren aller genannten Accounts zu nutzen ist. Jeder kann mitmachen: Wer sie blockiert, nimmt sie im Netz nicht mehr wahr – und wenn genügend Nutzer sie als Spam melden, dann können diese Accounts auch abgeschossen, also entfernt werden.

Ich selbst habe mir die Liste angesehen, kenne kaum jemanden dort, kann mir angesichts der Namen aber bei einigen gut vorstellen, dass es Accounts von rechtsaußen sind. Wer sich zum Beispiel im Netz „Thor“ nennt, ist mit geringer Wahrscheinlichkeit Marvel-Fan und deutlich wahrscheinlicher ein Freund germanischer Mythologie, was wiederum häufig auch auf Zeitgenossen von rechtsaußen zutrifft. Daneben finden sich dann dort AfD-Accounts – die Partei ist laut Böhmermann eng mit Reconquista Germanica vernetzt.

Gezielt überdreht wird die Mischung allerdings dadurch, dass dazwischen einfach auch einige Journalisten und andere Akteure im Netz auf der Liste stehen, die davon vermutlich selbst sehr überrascht waren. Die Publizisten Dushan Wagner oder Roland Tichy zum Beispiel beziehen eher konservative Positionen, kommentieren die Migrationspolitik der schwarz-roten Regierung sehr kritisch, aber bei weitem nicht in der Schärfe, mit der die CDU selbst noch in den Neunziger Jahren agierte.

Damit erst fährt Böhmermanns satirische Spitze ganz aus, die sich in der Nachahmung des rechtsradikalen Namens schon angedeutet hatte. Böhmermann agiert von einer Anstalt aus, die dank ihrer der Pflicht-Beiträge für den Rundfunk mit erheblichen finanziellen Mittel eine weit überlegene Marktstellung hat, sich ihrerseits auf diesem Markt aber gar nicht behaupten muss. So gesichert versucht er, Journalisten-Kollegen aus dem Diskurs zu fegen, die nicht von Beiträgen finanziert werden und die auf eigene Zugänge zu ihrem Publikum angewiesen sind.

Natürlich steckt dahinter die tief humane Botschaft, dass wir uns nicht beliebig inhuman verhalten dürfen, nur weil wir denken, dass wir gegen die Inhumanität kämpfen würden. Denn Böhmermanns Agieren ist so demonstrativ skrupellos, und diese Skrupellosigkeit wird von ihm so offen und unbekümmert vorgezeigt und auch noch in so absurder Zuspitzung mit dem Begriff „Liebe“ verknüpft, dass ich nicht verstehe, wie irgendjemand dieses Projekt tatsächlich ernst nehmen und nicht als bittere Satire-Aktion erkennen kann. Dies umso mehr, als Böhmermann ja im Schutz einer Institution arbeitet, die in vielfältigen Vebändelungen von staatlicher Gewalt abhängig ist und eben gerade diesem Arrangement die eigene, weit überlegene Position verdankt.

Das ZDF spielt erstaunlich souverän mit, und ganz ohne Angst davor, dass jemand die satirische Absicht übersehen und den Sender so als desinteressiert und verantwortlungslos wahrnehmen könnte.

Wir waren das nicht, das waren nur unsere Mitarbeiter: Diese Mischung aus strunzdumm und kackfrech muss für jeden provozierend sein, der nicht merkt, dass hier ganz unbezweifelbar in parodistisch-aufklärerischer Absicht auf die bekannte „Nichts-davon-gewusst“-Verteidigung angespielt wird, die in Deutschland traditionell für die Flucht vor der Verantwortung für totalitäre Tendenzen steht.

Wer es jetzt immer noch nicht versteht, der bekommt von Böhmermann zudem einen eindeutigen historischen Verweis geliefert: Wer denkt bei seiner beständige Betonung der „Liebe“, die er absichtlich widersinnig ausdrücklich mit „jemanden melden“ und „jemanden blocken“ in Verbindung bringt, nicht an Mielkes „Ich liebe…ich liebe doch alle Menschen“?

Spätestens aber dann, wenn er oder sie selbst zum Handeln schreitet, muss eigentlich jede und jeder Böhmermanns satirische Zuspitzung begreifen. Da soll ich Hunderte von Menschen im Internet blockieren, so dass sie für mich im Netz verschwinden – melden, damit sie möglichst auch für alle anderen verschwinden – oder sie mit „Liebe“ trollen, ihnen also organisiert aggressiv begegnen – und dies nur, weil jemand sie auf eine Liste gesetzt hat? Gibt es tatsächlich irgendjemanden, dem nicht auffällt, dass diese blinde Anhängerschaft einfordernde „Böhmi befiehl, wir folgen“-Macke totalitäre Strukturen parodiert und ganz gewiss nicht ernst gemeint sein kann?

Wenn viele Menschen gedankenlos in Reih und Glied marschieren, wirkt das leicht unheimlich – es sei denn, sie tun es für eine gute Sache.

Tatsächlich ist Böhmermanns Liste in der Beliebigkeit ihrer Zusammenstellung ein brillanter Kommentar zu Tendenzen einiger heutiger Linker, von denen eben nicht rechte, sondern linke Politik nachhaltig beschädigt wird. Er listet Accounts auf, von denen ich noch nie gehört hatte und von denen ich jetzt, nachdem ich kurz hineingeschaut habe, auch weiß, dass ich von ihnen nie weiter hören möchte – Accounts wie von der AfD, von denen ich auch selbst schon wusste, dass ich gar nichts mit ihnen zu tun haben möchte  – und daneben aber andere, deren Betreiber meist vermutlich selbst nicht so recht wissen, wie sie auf diese Liste geraten sind.

Ein bewusst und ganz gewiss mit satirisch-aufklärerischer Absicht – denn wie sollte es anders sein? – hergestelltes Dokument der Beliebigkeit ausgerechnet dort, wo es angeblich um den Kampf gegen Rechtsradikalismus geht.

Wenn es denn diese ReconquistaGermany-Gruppe gibt und sie ein systematisch arbeitendes Troll-Netzwerk betreibt, dann ist es sehr gut, dass sie medial bloßgestellt wird. Aber die Legitimität dieser richtigen und sinnvollen Aktion wird sofort untergraben, indem ihre moralische Stoßkraft gegen Akteure gerichtet wird, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben, denen man aber halt auch ganz gern mal einen aufs Maul geben würde, warum auch immer. Könnte es einen besseren, bissigeren Kommentar geben zur Unfähigkeit der heutigen Linken, diszipliniert mehrheitsfähige Kampagnen zu organisieren?

Die einzige Gemeinsamkeit der Blockliste scheint zu sein, dass sie Menschen versammelt, die mit der deutschen Migrationspolitik nicht einverstanden sind. Dafür kann es aber gute und sehr schlechte Gründe geben, politische Argumente von links bis konservativ oder stumpfen Ausländerhass. Böhmermann parodiert hier also gezielt die die Manier, unter dem Begriff „Nazi“ echte Nazis zu verknüpfen mit ganz anderen Leuten, gegen die man irgendwie immer schon mal was sagen wollte, und ihn so zu übersetzen mit „findet etwas nicht gut, was ich gut finde“: In linken Kreisen kann jemand nazi (adjektivisch gebraucht) sein, wenn er offene Grenzen ablehnt, Feminismus nicht so toll findet oder Menschenrechte wichtiger findet als Tierrechte.

Gerade für Deutsche ist das überaus praktisch, weil es die ungeheure Gewalt des Nationalsozialismus beliebig relativiert: Als ob diese Gewalt wesentlich darin bestanden hätte, Grenzkontrollen durchzuführen, Frauenquoten abzulehnen oder keine veganen Schnitzel zu essen.

Eine Linke, die sich in solchem Quatsch verstrickt, ist beständig damit beschäftigt, die eigene Bedeutungslosigkeit zu reproduzieren, weil sie sich bewusst nur an kleine, immer schon überzeugte Gruppen richtet und andere Menschen sehr viel lieber diffamiert als zu überzeugen versucht.

Hätte ich die satirische Spitze von Böhmermanns Aktion nicht sofort verstanden, dann hätte ich wohl einen Text schreiben wollen mit Pointen wie „Ich teile nicht Tichys Meinung, trete aber dafür ein, dass er sie jederzeit vertreten kann“. Da ich die Aktion aber verstanden habe – und da Böhmermann unmissverständlich deutlich macht, dass der Blödsinn, den er reproduzierend bloßstellt, nicht rechte, sondern linke Politik diskreditiert – weiß ich auch, dass es hier eigentlich gar nicht um Tichy, Wegner oder andere geht, sondern um eine paradoxe Intervention für eine bessere, demokratischere, diskursfähige Linke Politik.

Denn natürlich ist es richtig, dass wir rechts der Mitte und ganz besonders rechtsaußen eine Menge irrwitziger, inhumaner oder auch einfach unseriöser Auslassungen finden. Wer aber glaubt, er könne sich wie ein Depp benehmen, nur weil er es mit Deppen zu tun hat – oder wie ein Arschloch, nur weil er sich gegen Arschlöcher richtet – und wer, wenn er dann schonmal dabei ist, dann gleich auch noch beliebig bedenkenlos gegen Mitmenschen vorgeht, die ihm immer schon auf die Nerven gingen – der arbeitet damit vor allem anderen an der eigenen Verblödung und De-Zivilisierung.

Ich kann mir daher auch schon die grandiose Pointe dieser Satire-Aktion vorstellen (Hier ist jetzt eine Spoiler-Warnung nötig für alle, die sich überraschen lassen wollen!). Als nächstes wird Böhmermann noch eine zweite Blockliste veröffentlichen: und zwar eine von Leuten, die öffentlich gezeigt haben, dass sie anfällig für stumpf-totalitäres Denken und Agieren sind, sobald ihnen nur irgendjemand zeigt, wo der Feind steht.

Nämlich die Liste aller, die bei seiner Aktion unterschrieben haben.

Auf einen solch brillanten Story-Twist nämlich kann tatsächlich nur einer kommen: Jan Böhmermann, der beste Satiriker Deutschlands, was sag ich, des Universums.

 

Nachtrag und PS: 

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30 Comments

  • Der traurige Abstieg meiner Heimatstadt Bremen von Hans Koschnick zu Jan Böhmermann. Auch ich wünsche mir die Rückkehr einer ernstzunehmenden Sozialdemokratie, wie wir sie in den Siebzigerjahren hatten. Dabei bin ich selbst nicht links sondern liberal. Aber zuerst einmal bin ich Demokrat, und eine funktionierende Demokratie braucht ein Miteinander aller politischen Richtungen, rechts, links und mitte. Als Demokrat bin ich entsetzt über die gegenwärtige katastrophale Verfassung der politischen Linken.

    Übrigens hat Willy Brandt als Bundeskanzler 1973 einen Anwerbestopp für Ausländer verhängt, „weil wir in einer solchen Situation natürlich zuerst an unsere eigenen Landsleute denken müssen.“ (https://www.youtube.com/watch?v=jWp7RuXd3M4&feature=share) Damit wäre er heute wohl auch Nazi und auf Böhmermanns Blockliste gelandet.

  • Also „Liebe“ mit „Hass“ 1:1 und gleichzeitig „Synonymisieren“ mit „Überschütten“ zu synonymisieren ist zweifellos schon echte Spitzen-„Satire“.
    Wobei man dann logischerweise „Satire“ mit „hochaggressiver grober Unfug“ gleichzusetzen hat. Widzischer geht wirklich nimmer.

    Vermutlich sehen wir übrigens hier:
    https://www.welt.de/img/kultur/mobile102137154/8571625447-ci23x11-w960/kontiki2-DW-Kultur-Baden-Baden-jpg.jpg

    … eine SS-Reichsbürgertruppe auf einem schwerbewaffelten Naziflaggschiff beim Posing direkt vor dem Endsieg-/Blitzkriegsaufbruch.

    Und ich selbst träume nachts schon davon mindestens der Himmler zu sein, weil mein Lieblingsabschiedsgruß, gleich nach dem mittelfristigen „bis gleich…“ nämlich das etwas längerfristige „CU in Walhalla“ ist.

    Gut, daß man bei dem Namen Jan „Ziegenficker“ Böhmermann zwangsläufig und automatisch an humane, oder gar humanitäre, oft sogar regelrecht humanistische Witzeleien denkt und heftig amüsiert losprustet ( Nein, diesen Satz löse ich jetzt nicht in seine Synonyme auf, da kann sich ja wohl jeder selbst denken, was ich damit lustigerweise zum Ausdruck bringen will, oder? ).

    Und in wirklich wahrer Wirklichkeit löst sich das Rätsel ja ganz von selbst, wenn man diese Accounts kurz nachrecherchiert und erwartungsgemäß feststellt, daß es sie in der ganz richtig echten Realität gar nicht gibt …

    Wieder was gelernt ( lacht ).
    ( So, nu muß ich aber aufhören und los, heute tagt nämlich die lokale PH-neutral-bereinigte AntiFa-Gruppe:
    https://www.youtube.com/watch?v=5i0rgeczLZM )

  • Dieser selbstverliebte Hetzer nervt langsam, genauso seine dümmliche Gefolgschaft die bei seinen Aktionen und Sprüchen applaudiert und selig lacht als wär da irgendwas witziges, was aber nur sie als erlauchte Insider verstehen können.
    Guter Text, anders kann man da nicht mehr rangehen.

    • Ich finde Böhmermann manchmal durchaus lustig, kenne aber – zugegeben – nicht viel von ihm. Auch in dem oben verlinkten Video finde ich manche Szenen ganz gut.

      Aber eine Blockliste mit Hunderten von (offenbar z.T. auch noch willkürlich zusammengestellten) Namen als Kampf für die Liebe und gegen den Hass zu verkaufen, ist nun einmal bekloppt.

  • Mich würde mal interessieren wie jemand der sich nicht mit Feminismus und Social Justice beschäftigt, das Agieren der aktuellen Pseudo-Linken bewerten würde und was für ihn die aktuellen Kennzeichen einer linken Politik sind.

  • „Böhmermann agiert von einer Anstalt aus, die dank ihrer der Pflicht-Beiträge für den Rundfunk mit erheblichen finanziellen Mittel eine weit überlegene Marktstellung hat, sich ihrerseits auf diesem Markt aber gar nicht behaupten muss.“

    Typisch links halt ☺

    • Tja. Ich selbst werde ja auch ganz aus Staatsmitteln finanziert. Aber zumindest nicht für die Erstellung von Blocklisten.

  • Er kämpft mit linker Denunziation gegen rechte Denunziation.

    Aber empört bist du, Lucas, und dein Publikum nur über ersteres. Einen Artikel schreibst du nicht über rechte Trolle, sondern erst über linke.

    Hmmmmmmmm. 🙂

    • Rechten Trollen und rechten Positionen wird nach meiner Wahrnehmung bereits in ausreichendem Umfang durch die etablierten Medien und durch die etablierten Parteien CONTRA gegeben. Da muss Schoppe nicht auch noch was zu schreiben. Demgegenüber wird den zur Zeit vorherrschenden regressiven linken Positionen wenig entgegen gesetzt. So gesehen ist der Beitrag von Schoppe ein geringfügiges Gegengewicht, nicht inhaltlich, aber leider, was (vermutlich) die Anzahl der Leser betrifft (Leicht off topic: Schoppe, verrätst Du mal was zu den Zugriffszahlen? Umfang und Steigerung?).

    • So what?
      Ist „hmmmmm“ das wohldurchdachte Argument?
      Nebenbei hat Lucas seine Enttäuschung ziemlich unzweifelhaft und genau erklärt und begründet.
      Mein Vorschlag: Lies den Eingangstext einfach nochmal und vor allem aufmerksam.

      Ganz am Rande, mal ohne linke o. rechte Sicht betrachtet:
      Daß vermeintlich „Linke“ ebenso vermeintlich „Rechte“ kritisieren, haten, doxxen und was da noch so an Kampftechniken en vogue ist, wird im Netz und noch mehr in den Staatsfunkmedien überproportional weitreichend und mit Zigmillionenaufwand betrieben.
      Daß Linke aber Linke, oder zumindest vermeintlich „Linke“ wenigsten mal halbwegs sachlich, oder gar kontruktiv kritisieren, kommt eigentlich so gut wie gar nicht vor. Und wenn, dann höchsten mit minimaler Reichweite und praktisch immer auf eigene Kosten oder allerbestenfalls mit ein paar rein symbolischen Minispenden.

      Kurz gesagt: Es herrscht hier ein erheblicher Bedarf, der trotz großer Dringlichkeit ( weil diese vermeintlich „Linken“ bis in die höchste Politik massiv vernetzt sind und teilweise schon für grundrechtsfeindliche Gesetzgebungen sorgen ) schlicht totgeschwiegen, unter Müll verbuddelt, geleugnet, jedenfalls offiziell zu exakt NULL bedient wird.
      Noch kürzer gesagt: L. Schoppe erfüllt hier eine katastrophal vernachlässigte Nischenfunktion, welche um so wichtiger ist, da es durchaus eine ziemlich große Zielgruppe dafür gibt. Noch dazu eine als angebl. „rechts“, „frauenfeindlich“, „antidemokratisch“, „gewalttätig“ u.s.w. permanent von hochbezahlten politischen Propagandisten beschimpfte und zu Unrecht denunzierte, die aber zum allergrößten Teil aus tatsächlich klassischen Linken ( v.wg. „FDGO-Werten“ und so ) besteht.

      Noch Fragen, @Skythe?

  • Bitte noch mal mit 1/2, 1/4 oder 1/8 Geschwindigkeit lesen, je nach Denkperformance:
    „Deshalb sehe ich auch mit stiller Verzweiflung zu, wenn Mitmenschen, die sich als „links“ präsentieren, im Netz mit stumpfen Routinen und dauermoralisierend gegen andere Mitmenschen vorgehen, die sie als politische Gegner einordnen. Natürlich weiß ich, dass es so etwas auch von rechts gibt – aber wenn Rechte sich und ihre Politik diskreditieren, berührt mich das nun einmal weniger als bei Linken und solchen, die es werden wollen.“

  • Ja nu, wer falsch denkt, braucht halt Liebe. Da sollte man vielleicht ein Ministerium für gründen, oder? Damit man den ganzen fiesen Hassern ein bisschen organisierter Liebe beibringen kann. Weil, wenn man die Hasser einfach nur blockt, dann haben die ja gewonnen, werden zu Märtyrern gemacht. Nein, die Hasser müssen erst richtiges Denken und Liebe lernen, bevor ihre Accounts geblockt und gelöscht werden.

    • Stimmt, die Social Justice Warriors und ihre Influencer wie Jan Boehmerman sind so voller Liebe, dass sie nicht wissen, wohin damit. Den Objekten ihrer Liebe wird es vermutlich ähnlich gehen, wie den Liebesobjekten des genannten Genossen Mielke.
      Mit etwas Glück, gibt es in der nächsten Bundesregierung Ministerien für Liebe, für Wahrheit, für Einsamkeit usw. So kommen wir endlich zu einem echt menschlichen Gesellschaftssystem, das mit Ministerien, die sich traditionell um Sachthemen kümmerten, nicht zu erreichen war.

  • Wenn man sich mal die Reaktionen der Systempresse anschaut, scheint diese die „Satire“nicht in deinem Sinne verstanden, sondern feiert blind den Erfolg (12.000 Mitglieder) der Initiative gegen Rechts und nur Rechts. Die postmoderne Pseudolinke erkennt niemals den Balken in ihrem Auge, dazu sind sie einfach zu gläubig und fromm. Siehe z.B. die Kindergartenabteilung des Spiegel: http://www.bento.de/…/jan-boehmermann-gruendet-troll-armee-gegen-rechte-hetzer-23222...

    • Nun ja, Bento. Disneys lustige Taschenbücher haben mehr intellektuellen Gehalt als Bento. Bento kommt gleich nach den Teletubbies.

      Leider wird die Sache nicht so aufgenommen, wie sie von L.S satirisch dargestellt wird, obwohl das ziemlich naheliegend wäre. Sobald jemand „gegen rechts“ ruft, trottet die Schafherde los. Määähäähää …

  • Traurig, dass du als Linker die Kritik an dem Aufruf zur Jagd an Dissidenten und der Veröffentlichung von Dissidentenlisten, die derzeit bei den Linken offenbar ganz modern sind (https://manndat.de/offener-brief/dissidentenliste-offener-brief-an-die-heinrich-boell-stiftung.html), als Satire tarnen musst, um die Gefahr zu minimieren, selbst auf der Dissidentenliste zu erscheinen.
    Machen wir uns nichts vor. Die „Linken“ verlieren zunehmend den Nimbus als Kämpfer für Gerechtigkeit. Denn sie sind es, die heute Tabus setzen, Redeverbote verhängen und Jagd auf Dissidenten machen. Unter dem Vorwand, Rechtsradikalismus bei den Rechten schon im Ansatz unterbinden zu wollen, überlassen die Linken bereitwillig den Linksradikalen das Feld.

    • Ich meinte natürlich:
      „Traurig, dass du als Linker den Aufruf zur Jagd an Dissidenten und der Veröffentlichung von Dissidentenlisten, die derzeit bei den Linken offenbar ganz modern sind (https://manndat.de/offener-brief/dissidentenliste-offener-brief-an-die-heinrich-boell-stiftung.html), als Satire tarnen musst.“
      Du selbst musst deine Kritik an dieser Dissidentenjagd als Hommage an einen vermeintlichen Satiriker (der in Wirklichkeit natürlich ein Dissidentenjäger ist) tarnen. Schwierige Konstruktion 😉

      • @Bruno Köhler „musst deine Kritik an dieser Dissidentenjagd als Hommage (…) tarnen“ Ich hätte das auch im Klartext schreiben können, dabei hätte ich nichts befürchten müssen.

        Aber die Aktionen und Reaktionen auf den verschiedenen Seiten sind längst eingespielt: Provokation und Verletzung – Empörung – Belustigung oder Empörung über die Empörung… Da wollte ich gern einmal auf eine Weise reagieren, die solche Muster nicht wiederholt.

        Ich finde auch den Begriff „Dissidentenjäger“ nicht treffend. Was Böhmermann gegenüber Wegner, Tichy und anderen macht, ist eine Sauerei, aber sie sind nicht Sacharow oder Havemann. Bezeichnend für Böhmermann ist ja gerade: Er hat – wenn das Video nicht ganz gestellt ist – ja durchaus vernünftige Gründe, die Reconquista-Leute zu kritisieren, sie ggfs. auch bloßzustellen. Er suggeriert aber deutlich, dass andere dazugehören würden, die das sicherlich nicht tunm – die er aber einfach in dieselbe Reihe stellt.

        Kennzeichnend finde ich an der Situation eben nicht, dass hier ein totaler Staat gegen Widerstandskämpfer vorgehen würde – sondern dass eine Position, für die es schon irgendwie gute Gründe gibt, in ein Freund-Feind-Denken eingespielt wird, bei dem Differenzierungen keine Rolle mehr spielen.

        Natürlich geht es dabei eben nicht um eine Zivilisierung der Debatten, sondern um ihre Verhärtung und Stillstellung. Aber sich einfach nur zu empören unterstützt das noch weiter. Daher zielt die Skrupellosigkeit einer öffentlich-rechtlich abgeschossenen Blockliste mit offenbar willkürlich zusammengestellten, Hunderten von Namen ja wohl auch darauf ab, dass Menschen sich empören und entsprechend verhärtet reagieren.

        Daher wiederum finde ich es ganz gut, nach anderen Wegen zu suchen. Natürlich ist die Idee kompliziert, eine Aktion eines Satirikers, die bitterernst ist, als Satire zu verkaufen und auch das wiederum satirisch zu meinen. Aber besser als „Böhmi ist ein Faschist“-Rufe gefällt sie mir allemal.

    • Das ist ja auch nachvollziehbar. Ein echter „aus Liebe zum Verein“-Schalkefan wird bei Ausschreitungen gewaltbereiter Knallköppe aus dem eigenen Lager auch eine größere Motivation zu kritischer Distanzierung verspüren, als wenn das von BVB-lern käme, von „denen man so was ja eh nicht anders erwartet“.

      Skythes Argumentation liest man leider in solchen Lager- und Farbe Bekenndiskussionen sehr oft. Kritisierst du sozial schädliche Tendenzen des Feminismus‘, kommt garantiert irgendwo ein „lila Pudel“ um die Ecke, der dir und denen, die deiner Meinung sind, vorwirft, dasselbe bei den bösen anderen nicht auch gleich mit zu kritisieren, garniert mit deutlicher Implikation, darin eine versteckte Gemeinmachung mit dieser Gruppe zu erkennen. Ich deute, ohne ihm da was Böses unterstellen zu wollen, Skythes „hmmmmmmm“ leicht in dieser Richtung.

      Dieses Muster ist aber nicht nur in Diskussionen unredlich, sondern auch undurchdacht. Es erwartet doch auch keiner von einem Journalisten, der darüber berichtet, was für einen Unsinn ein AfD-Abgeordneter im Bundestag vom Stapel gelassen hat, dass er diese Aussage im selben Artikel durch den sofortigen Hinweis relativiert, Frau Roth von den Grünen hätte in der Woche zuvor aber auch schon ganz heftigen Bullshit in die Runde gerotzt. Diese Denke, wenn du die kritisierst, musst du das aber auch mit den anderen tun, denn sonst stehst du sofort im Verdacht, dich mit ihnen zu verbünden, führt zu einer völligen Uferlosigkeit, zu totaler Verwässerung und Relativierung jeglicher vorgebrachter Kritik und ist somit als „Argument“ hochgradig irrational.

      Wie hier auch schon angedeutet, ist aber gerade die Kritik in die Richtung, die Lucas hier vornimmt, wichtig, denn sie findet sowohl in Politik als auch der deutlichen Mehrheit der Medien quasi nicht statt. Dort wird derartiger Mumpitz gefeiert. Dort werden Typen, die solchen Scheißdreck verzapfen noch als „mutig“ geadelt. Ja, nee, iss‘ klar! In den Echokammern öffentlich-rechtlicher Medienanstalten irgendwas unter dem Mäntelchen „gegen Rechts“ loszutreten ist ungefähr so mutig, wie sich bei einer Veganermesse hinzustellen und zu rufen „Fleisch Essen ist Mord!“.

      Brennt irgendwo ein Flüchtlingsheim, ist man sich einig, dass das von Rechts kommen muss, obwohl der Begriff Rechts eben zwar Rechtsextrem mit einschließt, diesen aber nicht zwingend beschreibt. Verwandeln dann aber Linksextreme weite Teile einer Großstadt für drei Tage in einen Bürgerkriegsschauplatz, sind sich Politiker und Medien einig, dass das ganz sicher keine „echten“ Schotten… äh… ich meine Linken waren.

      Dabei war das, was dort in Hamburg ablief eigentlich nur die ultimative Exekution dessen, was mit derlei Hetze und Denunziation vorbereitet wird. Aber würde demnächst ein Tichy auf offener Straße von ner Horde schwarz vermummter Antifanten halb tot geprügelt, wären das dann sicher auch keine echten Antifanten und der so geäußerte, entmenschlichende Hass hat auch sicher gaaar nichts damit zu tun, dass sich der Name Roland Tichy verlässlich auf fast jeder Dissidentenliste mit dem Label „Aktion gegen Rechts“ wiederfindet.

      Und da übersieht Skythe mit seiner Andeutung einen wesentlichen Punkt bei seiner Kritik an Lucas‘ „Parteinahme“: Rechte Hetze ist nicht weniger widerwärtig, aber sie findet nahezu ausschließlich in Filterblasen in Form von Onlineforen oder „Aktivistentreffen“ statt. Hetze von Links hingegen erfolgt aus staatlich (also von uns allen) bezahlten Institutionen heraus über öffentliche Kanäle (was auch einer der Gründe dafür sein dürfte, dass eine Offenlegung und kritische Aufarbeitung dieser Hetze über besagte öffentliche Kanäle nahezu nonexistent ist). Dadurch sehe ich auch die Dringlichkeit solcher Kritik als wesentlich höher, auch wenn sie „nur“ von Bloggern wie Lucas oder Arne Hoffmann kommt.

      Ganz nebenbei sollte man gerade als Linker dankbar sein, wenn mal so etwas geschrieben wird, denn diese klare Distanzierung ist es doch, die auch einen Gegenpunkt liefert zu Blödsinn, wie er oft auch Sciencefiles oder von dem sich leider immer wieder in Dampfplauderei versteigernden Danisch kommt. Da wird eben der Terminus „links“ gleichgesetzt mit derlei Auswüchsen. Dort wird immer wieder behauptet, „links“ würde all dies automatisch beinhalten und jeder Linke der das anders darzulegen versucht, mache sich was vor. Mit derselben Logik könnte man auch sagen, Hitler habe auch großen Zuspruch aus bürgerlichen Kreisen erhalten und Bürgerlichkeit und Konservatismus schließen somit automatisch eine Affinität für Hitler mit ein und jeder Bürgerliche, der das anders sieht, macht sich was vor…

      Die Postmoderne Linke hat den Begriff Links schon erheblich beschädigt. Um den Schaden nicht vollends irreversibel werden zu lassen, ist es umso wichtiger, dass sich traditionelle Linke einfach mal melden und deutlich sagen: „Diesen ganzen grotesken Schwachsinn dieser ganzen vernagelten Idioten teilen wir nicht im Geringsten und tun alles dafür, mit solchen Gestalten nie eine Schublade teilen zu müssen!“.

      Darum Danke Lucas, dass du das hier im Blog immer wieder thematisierst, auch wenn es schon manchmal weh tun kann, gerade an vermeintlichen Vertretern des politisch „eigenen Lagers“ so vehemente Kritik äußern zu müssen, weil man sich selbst in deren Weltbild so gar nicht wiederfinden mag.

      • @Billy, Klaus, Fiete, Atomino, Skythe Für mich ist neben dem schon im Text genannten Grund, dass ich mich nun einmal mit linker und nicht mit rechter Politik identifiziere, tatsächlich zudem noch wichtig, aus welcher Position heraus Böhmermann eigentlich agiert. Tatsächlich unterstellt er ja allen auf der Liste Genannten, dass sie Reconquista-„Trolle“ wären, dass es ihnen nicht um Meinungsäußerungen, sondern um Volksverhetzung ginge. Das ist nicht einmal das alte „Sympathisanten“-Argument, mit dem in den Siebzigern konservative Hetzer Schriftsteller wie Böll als zuarbeitende Schreibtischtäter der RAF-Terroristen hinstellten.

        Nicht einmal mehr eine solche Minimal-Differenzierung Täter-Sympathisant hat Böhmermann noch nötig – und er agiert damit aus der weit überlegenen Position eines öffentlich-rechtlichen Akteurs, der allein bei Twitter zwei Millionen Follower hat. Es ist eine besonders genüssliche Pointe, dass die, die dabei so angegriffen werden, die Angriffe auch noch mitfinanzieren müssen.

        Wie würden Linke wohl toben, wenn umgekehrt solch eine rechte Hetze aus öffentlich-rechtlichen mitteln lanciert würde? Es ist nun einmal etwas ganz anders als eine Hetze in irgendwelchen Winkeln des Netzes, und wenn die noch so primitiv sein mag.

        Für mich ist bei der Konzentration auf Linke aber auch ein dritter Grund wichtig, und der hat etwas mit der Einschätzung der politischen Gemengelage zu tun. Wer davon ausgeht, dass es einen „Rechtsrutsch“ gäbe, der hat natürlich tatsächlich gute Gründe, zu analysieren, was denn Rechte anzubieten haben, weshalb offenbar so viele dahin abwandern.

        Ich bin mir aber sicher, dass wir viel eher eine Linksflucht erleben. Die Präsidentschaftswahl in den USA war ein Schlüsselbeispiel: Trump hatte weniger Stimmen als seine republikanischen Vorgänger Romney und McCain, die aber beide gegen Obama verloren. Nicht Trump hat die Wahl gewonnen, Clinton hat sie verloren.

        Hier in Deutschland ist die SPD bei den Kommunlawahlen in Schleswig-Holstein – das immerhin auch mal SPD-regiert war – abgestürzt, steht jetzt bei knapp über 20 % (immerhin noch besser als im Bundestrend). Die AfD hingegen kam aus dem Stand auf 5,5%. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/schleswig-holstein-kommunalwahlen-cdu-staerkste-kraft-spd-verliert-stark-a-1206489.html

        Was macht denn die AfD so Tolles, dass ihr Menschen zulaufen? Eigentlich hat die Partei nichts anderes zu tun, als allzu furchtbare Fehler zu vermeiden – das reicht dann schon. Den Rest erledigen Leute für sie, die sich für Links halten. Ich bin mir z.B. sicher, dass die offenkundige Unfairness und Skrupellosigkeit Böhmermanns den Angegriffenen bei vielen nutzen wird.

        Wer also, wie ich, nicht möchte, dass die AfD immer stärker wird – der schaut in die falsche Richtung, wenn er sich fragt, was denn nur die Rechten so attraktiv macht. Er muss sich lieber anschauen, was an den etablierten Linken, namentlich an Rot-Grün, so abschreckend geworden ist.

        @ Billy „Um den Schaden nicht vollends irreversibel werden zu lassen, ist es umso wichtiger, dass sich traditionelle Linke einfach mal melden und deutlich sagen: ‚Diesen ganzen grotesken Schwachsinn dieser ganzen vernagelten Idioten teilen wir nicht im Geringsten (…)’“ Danke auch dafür!

  • Ich lese Ihre Beiträge sonst sehr gerne, aber dieser Text lässt mich fragend und ratlos zurück. Ist das jetzt auch wieder satirisch zu verstehen? Und wenn nein, was lässt Sie annehmen, dass Herr Böhmermann die Aktion satirisch meint? Ich halte es für nicht ausgeschlossen, aber ich kann es einfach nicht erkennen. Zur Satire gehört doch immer auch etwas Augenzwinkerndes, eine Portion Selbstironie oder wenigstens Humor, in welcher Form auch immer. Nichts davon liegt hier vor. Vielmehr halte ich Böhmermann für einen Moralisten, der meint auf der Seite der Guten zu stehen und mit dieser Aktion einen wichtigen Teil zum heldenhaften Kampf gegen Rechts beizutragen. Ich hoffe, ich täusche mich und ich bin hier der Humorlose.
    Mit besten Grüßen

    • Ich vermute mal, genau dieses Stilmittel „Ratlosigkeit zu hinterlassen“ ist ( auch und zuerst sogar ) von Böhmermann gezielt gewählt.
      Zumindest eröffnet es ihm im Zweifel den naheliegenden Fluchtweg.
      Natürlich ist das nix als Satire ( lacht ).

      Und – das muß man ihm lassen: Das kriegt er ganz gut hin.
      Beide Extrempositonen werden selbstverständlich die Moralisierung in den Vordergrund stellen. Die einen positiv, die anderen negativ. Und sie noch weiter in den äußersten Bereich ziehen, bis hin zur völligen Verzerrung und entsprechend ganz real radikale Reaktionen.
      Und diejenigen, welche um eine breitbandigeren, eher vermittelnde Sichtweise bemüht sind, gehen recht chancenlos dazwischen unter, bleiben „ratlos“, werden auch von außen als „blicken nicht durch/ sind verwirrt“ wegsortiert.

      V.dh. kann der schoppesche Text m.E. auch nicht als perfekte Parodie gelingen, da er einerseits eben das darstellen, aber andererseits auch gerade nicht inhaltlich in den ( hypermoralisierenden ) Extrembereich überziehen will ( zumindest kommt es mir so vor ). Er lässt Böhmermann die Hintertür also geradezu zwangsläufig ein Stückchen offen. Und sei es nur, um eben diese als solche sichtbar zu machen.
      Oder eben dem Moralisierungszwang nicht nachzugeben.
      Ich denke, dieses Dilemma ist unauflösbar.

    • @ Focus Danke für den Kommentar, schon allein, weil ich glaube, dass es bei diesem Text vielen ähnlich geht. Und es stimmt ja, das hatte ich hier an anderer Stelle schon geschrieben: Es ist eine ziemlich komplizierte Konstruktion, die Äußerung eines Satirikers, die ernst gemeint ist, als Satire misszuverstehen und das wiederum satirisch zu tun. Ich hatte aber das Gefühl, dass es trotz der Kompliziertheit richtig ist, sich so mit Böhmermann auseinanderzusetzen.

      Böhmermann wirkt durch eine beständige Ironisierung. In diesem Fall agiert er als autoritärer Typ, der nur so tut, als ob er nur so tut, als ob er ein autoritärer Typ wäre. Wer sich dann im Klartext darüber aufregt, wird leicht dumm dastehen – als jemand, der die Ironie nicht begriffen hat, der nicht ebenso doppelbödig antworten kann, etc.

      Eigentlich ist Böhmermanns gar nicht ganz aufzulösende Ironie eine klassische Waffe von Underdogs. Wer sich mit jemandem anlegt, der sehr viel stärker ist als er – der muss sich eben darum bemühen, zu verwirren, auszuweichen, kein klares Angriffsziel zu bieten, um dem anderen so die Möglichkeit zu nehmen, seine überlegene Kraft oder Macht effektiv einzusetzen.

      Das aber ist bei Böhmermann dann tatsächlich völlig unstimmig: Er handelt ja eben nicht in einer weit unterlegenen Position, sondern agiert in einem klassischen Underdog-Habitus aus einer Position heraus, die den Angegriffenen hoffnungslos weit überlegen ist.

      Er hat eine eigene Sendung in einem öffentlich-rechtlichen Sender, der Dank der Rundfunk-Beiträge eine weit überlegene Marktmacht hat. Die Angegriffenen selbst werden es vermutlich gar nicht ironisch finden, dass sie zu dieser Marktmacht selbst beitragen müssen.

      Er agiert zudem auf einem 2-Millionen-Follower-Account – und er kann sich sicher sein: Es werden Leute dabei sein, die seine Liste nutzen, um darauf verzeichnete Leute zu belästigen, zu versuchen, sie aus dem Diskurs zu drängen, um sie bei ihren Arbeitgebern anzuschwärzen, etc.

      Es ist gewissermaßen ein Brute-Force-Angriff, der gerade durch die uneinholbar große Zahl seine Bedrohlichkeit bekommt – und zugleich wird dieser Angriff so ironisch vorgetragen, als spräche hier ein mutiger Underdog.

      Wer sich im Klartext darüber aufregt, der outet sich damit dann als behäbiger, humorferner Jammerlappen. Die Ironie Böhmermanns ist hier also kein Instrument zur Subvertierung sozialer Machtpositionen, sondern ein Instrument der Macht selbst: Er kann andere angreifen, ist aber selbst kaum zu fassen.

      Dass ich darüber wiederum satirisch schreibe, liegt auch daran, dass ich hoffe, damit könnte dieses Spiel ausgetanzt werden. Es ist eine ReconquistaSatire-Aktion, damit satirische Mittel nicht denen überlassen bleiben, die sie bloß zur Absicherung ihrer Machtpositionen einsetzen.

  • Während man die Tweets von Sibel Schick ja vielleicht noch als Meinung einer durchgeknallten TAZ-Schreiberin abhaken kann, hätte ich hier als „offizielle“ Alternative eine regelrechte Orgie an Männerhaß von der ZEIT, sogar in der Papierausgabe:

    Oskar Roehler: „Wir Männer haben genug verbockt, jetzt sind andere dran“
    ZEITmagazin Nr. 20/2018 8. Mai 2018
    https://www.zeit.de/zeit-magazin/2018/20/oskar-roehler-regisseur-traum

    Daß die ZEIT eine feministische Propagandaschleuder ist, ist schon länger klar. Dieser Text ist allerdings ein neuer intellektueller Tiefpunkt, der selbst die Haßtirade gegen Männer von Lars Weisbrod am 03.01.2018 übertrifft.

    Eigentlich ist der Text wegen offensichtlicher gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Hetze und Falschaussagen ein klarer Fall für eine Beschwerde beim Presserat: https://www.presserat.de/beschwerde/online-beschwerde/

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