Hate Speech Jungen Medien Väter

Auch man tau erstellt jetzt eine Liste

geschrieben von: Lucas Schoppe

Im letzten Text hatte ich ganz allgemein über öffentlich-rechtliche Legitimationsprobleme geschrieben. Als ein PS. zeige ich, was mich persönlich bewegte, starke Zweifel an dieser Legitimation zu entwickeln.

Ich habe lange Zeit das öffentlich-rechtliche System verteidigt, obwohl mir auffiel, dass ich kaum noch Sendungen der ARD oder des ZDF schaute. Als Trennungsvater merkte ich dann aber, wie oft ich etwas über öffentlich-rechtliche Sendungen erfuhr, die ich persönlich sehr verletzend fand.

Mir geht es nun allerdings nicht um den televisionären Umgang mit Trennungsvätern – der ist hier lediglich ein Beispiel dafür, was es bedeuten kann, wenn Sendungen Menschen als Personen angreifen, einfach weil sie zu einer bestimmten Gruppe gehören. Bei jeder anderen Gruppe wäre das ebenso gravierend.

Ich habe eine Liste einfach aus Texten dieses Blogs über öffentlich-rechtliche Sendungen zusammengestellt, weil es mir hier um meine persönlichen Erfahrungen geht. Mit Texten anderer Blogger könnte sie, was das Thema betrifft, noch wesentlich erweitert werden.

Eine Sendung, in der Väter grundsätzlich als Bedrohung präsentiert wurden, vor der Mütter und Kinder geschützt werden müssten  –

eine Sendung, in der Menschen, die für die Rechte von Vätern eintreten, mit anderen „Männerrechtlern“ als Rechtsradikale und als Fans des Massenmörders Breivik hingestellt wurden  –

eine Sendung, die dann Männer insgesamt als Gewalttäter präsentierte  –

eine Sendung, die für die erkennbaren schulischen Nachteile von Jungen rundweg allein Defizite von Jungen selbst verantwortlich machte, was für mich als Lehrer wie als Vater eines Jungen relevant ist  –

dies übrigens ausgerechnet am „Weltmännertag“, der eigentlich ein internationaler Tag der Männergesundheit ist, über den die Tagesschau aber bei der Gelegenheit infantile Witze riss  –

ein Beitrag der Tagesschau,  der Kritikern von Feministinnen Hate Speech“ unterstellte und der dabei den Eindruck erweckte, Hass sein ein Monopol von Männern und Rechten –

oder der Unterstellung, dass – unter anderen – Menschen, die sich gegen die Verletzung von Väterrechten und gegen spezifisch männliche Nachteile engagieren, rechtsradikal und frauenfeindlich wären  –

zudem die absolute Kommunikationslosigkeit der öffentlich-rechtlichen Medien bei Widerspruch  –

eine Erfahrung, die auch ein Leser des Blogs machte, als er das ZDF anschrieb und sich darüber beschwerte, dass die Sendung „aspekte“ eine Theaterversion von Valerie Solanas‘ Massenmordfantasie SCUM bewarb – ohne Antwort des Senders , als würde er gegen eine Mauer laufen –

oder die liebedienerische Kleinmütigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegenüber Vertreterinnen der etablierten Geschlechterpolitik, wenn im Fernsehen doch einmal etwas Kritisches geäußert wurde.

Natürlich ist mir klar: Mit den Rundfunkbeiträgen erkaufe ich mir nicht das Recht, von politischen Meinungen verschont zu werden, die ich für falsch halte. Menschen müssen damit leben, dass sie sich in Medien ab und zu persönlich getroffen fühlen, oder ungerecht behandelt – das ist immer noch besser, als eine Kultur der Empfindlichkeit zu etablieren, in der das, was überhaupt noch gesagt werden kann, vom subjektiven Empfinden einiger abhängt statt von gemeinsamen Regeln.

Nein, das ist keine Mauer, sondern ein Schutzwall, der dafür sorgt, dass Menschen nicht dem Hass ausgesetzt werden.

Die lange Reihe an Sendungen der Öffentlich-Rechtlichen besticht aber durch ihre Einseitigkeit. Sicher, arte hat auch, vor Jahren, mal Douglas Wolfsbergers berühmten Film „Der entsorgte Vater“ gezeigt   (dazu ein Interview aus heutiger Sicht) – insgesamt jedoch ist die Tendenz eindeutig.

Das Programm legitimiert sich damit nicht durch seine vielfältigen Perspektiven, bei denen mögliche Einseitigkeiten sicher durch Darstellungen aus anderen Perspektiven ausbalanciert würden. Dieses Programm legitimiert sich dadurch, dass alle dasselbe sagen und sich damit gegenseitig bestätigen. So wie beispielsweise auch die Schwarze-Listen-Aktion Böhmermanns, die der Deutschlandfunk ausführlich bewirbt, bevor er dann am Ende kurz auch noch die Kritik daran erwähnt.

Ausgerechnet eine Veranstaltung bei der re:publica, die sich ausgerechnet das Platzen von Filterblasen zum  Ziel gesetzt hatte, stellte das Team hinter Rayk Anders‘ so scharf kritisiertem Dokumentarfilm „Lösch Dich!“ vor und schaltete Jan Böhmermann dazu, der sich auf eben diesen Film berufen hatte.

Da redete die Moderatorin dann also mit vier verschiedenen Menschen, die eigentlich alle dieselbe Meinung hatten, und ich fragte mich (ganz ernsthaft und gar nicht rhetorisch): Wenn sie nur eine einzige Meinung repräsentiert sehen möchte, wäre doch ein Einzelinterview viel sinnvoller – dann würde die Form zum Inhalt passen. Warum stattdessen diese Vervielfältigung in einem Panel mit drei Gästen, zu dem dann auch noch ein vierter dazugeschaltet wird?

Meine Erklärung: Wenn einer nach dem anderen prinzipiell dasselbe sagt, wenn Gründe für Kritik gar nicht erwähnt werden – dann entsteht ein Eindruck der Alternativlosigkeit. Als ob es ganz absurd und unter vernünftigen Menschen ausgeschlossen wäre, zu anderen Schlüssen zu kommen, funktioniert dieses Arrangement wie aus einer Bastelanleitung für Filterblasen entnommen.

Dass es vorgeblich gegen Rechtsradikale geht, liefert der Einmütigkeit ihre Legitimation – welcher auch nur halbwegs vernünftige Mensch würde schon gern FÜR Rechtsradikale argumentieren. Dass es darum bei einer Kritik aber gar nicht ginge, sondern eher, beispielsweise, um Fragen nach den Auswahlkriterien für Böhmermanns Liste oder seine Vermengung von konservativ mit rechtsradikal – das geht in dieser Einmütigkeit ganz selbstverständlich unter. Dabei hilft diese Vermengung übrigens realen Rechtsaußenseitern vermutlich sehr, weil es sie gleichsam in den Mainstream hineinkopiert.

Wenn also Sendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die eine deutliche größere Reichweite haben als ein kleines re:publica-Gespräch, wieder und wieder dasselbe Bild entwerfen, dann entsteht der Eindruck, dass andere Positionen vernünftigerweise gar nicht möglich wären.

Dies ist umso schlimmer, wenn Menschen auch persönlich diskreditiert werden, einfach weil diese einer bestimmten Gruppe angehören: Hier Väter – Trennungsväter – Väterrechtler – Männerrechtler – Jungen – Männer. Das Problem ist nicht, dass es gerade diese Gruppen betrifft – sondern dass überhaupt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk Menschen als Personen ganz erheblich angegriffen, sogar diffamiert werden, einfach weil sie einer bestimmten Gruppe angehören.

Das ist beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk sogar noch einmal gravierender, als es das bei Privatsendern wäre. Wenn Menschen gezwungen sind, ihre eigene öffentliche Diskreditierung auch noch selbst zu finanzieren, und dies mit erheblichen Mitteln – dann ist das entwürdigend.

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7 Comments

  • Listen …

    Lieber Lucas Schoppe, im ganzen Wahn von Big Data kommt es auf die eine oder andere Liste nicht an.

    Vielleicht reichern Sie Ihre Liste um Massenmörder und sonstige Schwerkriminelle an und Sie werden zügig eine Sache feststellen:

    Das sind üblicherweise Kinder von Alleinerziehenden! Heißt das dann immer noch toxic masculinity?

    Grüße

    Klaus Fiegl

  • Denkst du, dass die das bewusst machen? Es ist doch ausfällig bei wie vielen Themen immer wieder nur die eine Meinung dargestellt wird oder der einen abweichenden Meinung so viele Personen gegenübergestellt werden, dass diese schon allein mit ihren persönlichen Anekdoten, die nicht zwingend etwas über den Schnitt aussagen, die ganze Sendung füllen können.

    Und jede Kritik daran wird als Blödsinn dargestellt, auch wenn man den Vorwurf wie mit einen Drehbuch nachverfolgen könnte.

    • „Denkst Du, dass die das bewusst machen?“ Nein, ich glaube, dass es so halt funktioniert, auch ohne dass jedes einzige Mal bewusste Überlegung dabei ist. Leute sind sich stillschweigend einig, dass bestimmte Meinungen einfach nicht angehen – und bei manchen Themen ist wiederum der Rahmen der Meinungen, die noch okay sind, nun einmal sehr eng. Da bleibt dann nicht mehr viel anderes übrig, als viermal dieselbe Meinung zu präsentieren.

      Allerdings ist diese Enge nach meinen Erfahrungen stark milieubedingt. Ich kenne z.B. Feminismus fast nur noch aus den Medien, obwohl ich mit vielen Menschen zu tun habe – und die Feministinnen, die ich kenne, sind anders als die medial tätigen. Das, was medial tonangebend ist, wird außerhalb der Medien oft eher belächelt.

      • Stillschweigende Einigkeit ist kein Argument bei einer quasi redaktionellen Auswahl der Wortmeldungen.

        Wenn wir uns hier im Kommentarbereich, wo sich jeder einfach äußern kann, stillschweigend einig sind, dass es zum Beispiel keinerlei Rechtfertigung für Gewalt gegen Kinder gibt, dann ist das „einseitig“ ohne bewussten Hintergedanken.

        Wenn Du dagegen einen Beitrag schreibst und dafür vier Interviews führst, dann ist es allein Deine Entscheidung, wenn die Meinung einseitig ist. Unbewusste Einigkeit ist dann nicht der Grund für übereinstimmende Meinung, sondern höchstens ein unbewusst einseitiger Bekanntenkreis oder sogar eine bewusst einseitige Auswahl der Gesprächspartner.

        Wenn etwas organisiert wird, liegt die Verantwortung beim Organisator.

        • Sehe ich genauso. Man muß aber berücksichtigen, daß Schoppe auf Matze antwortet, und der spricht nicht von „Verantwortung“, sondern von „das bewußt machen“, womit er vermutlich eine bewußte Täuschungsabsicht meint.

          Ich würde aber denken, daß die von Dir angemahnte Verantwortlichkeit eigentlich verhindern sollte, daß die von Schoppe beschriebene Manipulation oder zumindest Einseitigkeit und Parteilichkeit der „medial Tätigen“ sozusagen aus Versehen passieren kann.

          Nein, wer für solche Sendungen und Beiträge verantwortlich ist, der macht das, was er macht, bewußt und mit Absicht, denn er ist für das Ergebnis gegenüber den Sender und der medialen Öffentlichkeit verantwortlich.

  • Eine einseitige und voreingenommene Berichterstattung ist mir auch schon seit mehreren Jahren aufgefallen. Die Radiosender haben einen Quotenkampf nebenbei mitzuführen, ob sie wollen oder nicht. Da müssen Emotionen nebenher mit transportiert werden, damit diese die Hörer bindet, denn die Information selbst gibt es an jeder Ecke.
    Gerade beim Dlf fällt mir auf wenn es bspw. um Benachteiligungen bei Frauen-themen geht, dass hier viele Argumente schon mit der Moderation im Stil von belächeln, in entsprechende Bahnen gelenkt werden. Was auf der Seite von Benachteiligten als besondere Hindernisse gilt, wird so für die gleiche Situation bei dem anderen Geschlecht nicht gesehen bzw. einfach beschwiegen.
    Das es dafür eine Anordnung von Oben gibt, glaube ich so nicht; doch werden dort auch in Besprechungen Vorgaben gemacht, die jeder versteht.

    Auch ein Moderator ist eng gebunden, wie er die verschiedenen Meinungen darstellen lässt. Wenn die Teilnehmer einzeln im Beitrag geschildert werden hat er andere Möglichkeiten, wie wenn alle live dabei sind und nacheinander nach der Vorstellungsrunde zu Wort kommen. Wenn da ein Teilnehmer gerne mal dazwischen redet, dann kann man mit ihm gut den Aussenseiter deutlich machen.

    Insgesamt finde ich, dass es zum guten Ton gehört, dass man bei Frauenthemen die Mainstreammeinung vertritt und an ihr auch keine Kritik übt. Der gute Ton des mehrheitlich als richtig gesehenen bestimmt den Diskurs.

  • Hier ein aufschlussreiches Video wie der Moderator zu beeinflussen und zu führen versucht, damit die Aussagen passen. „Das Böse in der Frau“ mit Lydia Benecke
    „Gegen aussen sind sie schwach und hilflos, ihr wahres Gesicht ist aber skrupellos und brutal. Weibliche Psychopathen sind Manipulationsmeister.“

    Statt ihre wissenschaftlichen Aussagen einfach mal stehen zu lassen und nach weiteren Erläuterungen dazu zu fragen, versucht er durch Einwände ihre Aussagen zu relativieren.

    https://www.telezueri.ch/86-show-talktaeglich/23980-episode-das-boese-in-der-frau

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