Feindbild Mann Jungen Zivilgesellschaft

Wozu eigentlich brauchen Männer Empathie?

geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Blogger Gunnar Kunz fordert uns auf, denn 11. Juli als Tag des Gender Empathy Gap zu begehen, der daran erinnert, dass Männer und Jungen in öffentlichen wie in privaten Bereichen  deutlich weniger Empathie erwarten können als Frauen und Mädchen. 

 

Brauchen auch Männer Empathie?

Der 11. Juli als Tag des Gender Empathy Gap – der Blogger Gunnar Kunz schlägt vor, am Jahrestag des Massakers in Srebenica darauf aufmerksam zu machen, dass Jungen und Männer in öffentlichen Debatten und in Institutionen wesentlich weniger Empathie erwarten können als Frauen und Mädchen.

1995 trennten serbische Soldaten in Srebenica etwa achttausend bosnische Männer und Jungen von ihren Familien und ermordeten sie systematisch. Die UN-Sicherheitsszone, in die sich viele geflüchtet hatten, war von den UN-Beobachtern kampflos übergeben worden – womit die UN die Jungen und Männer offenen Auges ihren Schlächtern auslieferte.

Was für einen Sinn aber hat es, diese ungeheure Gewalt nun zum Anlass für einen Tag zu nehmen, an dem laut Kunz „das Recht von Männern auf körperliche und seelische Unversehrtheit“ im Mittelpunkt steht? Schließlich gibt es schon einen Internationalen Männertag, an dem der Männergesundheit gedacht wird. Jedes Jahr von Neuem ist dieser Tag gern genutzter Anlass für Witzeleien in Leitmedien und sozialen Medien – und rituell wird dann von irgendjemandem verkündet, dass doch eigentlich ohnehin jeder Tag des Jahres ein Männertag sei.

Hilft es also irgendjemandem, die Ermordeten des irrwitzigen Massakers von Srebenica nun nachträglich auch noch dieser professionalisierten Häme zu überlassen? Ist es wirklich nötig, den gesammelten feministischen Gaps, dem Gender Pay Gap, dem Gender Spend Gap, dem Gender Care Gap undsoweiter nun zwischendurch und vorsichtig ein Gender Empathy Gap gegenüberzustellen – so als gäbe es einen Gender „Gender Gap“ Gap, gegen den nun von männlicher Seite aus unbedingt etwas getan werden müsse?

Zieht das nicht etwas sehr Ernstes  in die Absurditäten öffentlicher Opfer-Olympiaden?

Schließlich würden sogar viele Männer damit gar nicht viel zu tun haben wollen. Bei anderen Menschen, gar bei Frauen, Empathie einzufordern, wirkt immer noch unmännlich, auf Männer wie auf Frauen. Feministinnen, die sich über Männertränen lustig machen und das als moderne Geschlechterpolitik verkaufen, sorgen dafür, dass solche Geschlechterbilder bewahrt bleiben.

In Männertränen baden: Männer und Jungen würden auf hohem Niveau jammern und litten, wenn überhaupt, unter dem allmählichen Verlust ihrer unverdienten Privilegien. Wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ lenken auf diese Weise Rationalisierungen von einem einfachen, eigentlich offen sichtbaren Sachverhalt ab: nämlich von der genüsslich zelebrierten Freude am Leid anderer. Hier die Guardian-Kolumnistin Jessica Valenti, eine der wichtigsten Feministinnen weltweit, keck vor einem Ozean arrangiert.

Warum also einen Tag des Gender Empathy Gap, wenn Kunz doch damit rechnen kann, dass viele Männer selbst ihn selbst überhaupt nicht wollen? Würde damit das Massaker von Srebenica nicht zum Anlass für einen Internationalen Tag der Weicheier?

 

Geht es Männern vielleicht einfach viel zu gut?

Die Vorstellung, dass es männlich sei, seine eigenen Probleme selbst zu lösen, hat für Männer auch Vorteile. Sie profitieren aller Wahrscheinlichkeit nach davon, dass eine feministisch inspirierte Geschlechterpolitik die Vorstellung aufrecht erhält, wir würden in einem Patriarchat leben, das Frauen allüberall einer männlichen Übermacht ausliefert.

Denn auf der einen Seite wachsen damit junge Frauen auf, die darin professionalisiert sind, Widrigkeiten des Lebens als Wirken frauenfeindlicher Gewalt zu interpretieren und dann an andere zu appellieren, diese Zustände zu ändern. Auf der anderen Seite wachsen junge Männer heran, die gelernt haben, dass ihr Wohlbefinden niemanden nachdrücklich interessiert und dass sie für ihren Erfolg selbst zu sorgen haben.

Welche von beiden Gruppen wird wohl mehr Energie aufwenden, um im Konkurrenzkampf erfolgreich zu sein?

In einer modernen Massengesellschaft jedoch lässt sich das Bild des Mannes, der stark und eigenständig für sich selbst sorgen kann, immer nur mit Einschränkungen aufrecht erhalten. Gegenüber den modernen Institutionen, gegenüber den Strukturen der modernen industriellen Produktion und gegenüber der Logik eines internationalen Marktes ist jeder Mensch gleich klein. Ob ein einzelner Mann etwas stärker ist als eine einzelne Frau, ist hier völlig irrelevant.

Das heißt: So sehr es für das Selbstbewusstsein von Männern auch wichtig sein mag, sich als Subjekte ihres eigenen Lebens wahrzunehmen – und so sehr Männer auch lernen, dass sie ganz allgemein in eben dieser Funktion auch für Frauen interessant sind – sind Männer und Jungen doch tatsächlich ebenso Objekte abstrakter, weit übermächtiger Strukturen wie Frauen und Mädchen.

Wer überhaupt meint, dass Menschen Beistand verdienen, muss Menschen diesen Beistand also ganz unabhängig vom Geschlecht zugestehen.

Dabei geht es zugleich immer auch um uns selbst, die wir Empathie aufbringen, ganz gleich, ob wir nun Männer oder Frauen sind. Wir werden nur ein verzerrtes Bild einer modernen Massengesellschaft bekommen, wenn wir uns bei der Hälfte der Menschheit nicht dafür interessieren, welche Konsequenzen soziale Strukturen für sie haben. Uns fehlen wichtige Perspektiven auf diese Gesellschaft, wenn wir bei der Hälfte der Menschheit nicht auf die Idee kommen, die Welt auch einmal aus ihrer Sicht zu betrachten. Wir treten nur selektiv – und damit: gar nicht –  für Menschenrechte ein, wenn uns diese Rechte bei einer Hälfte der Menschheit weitgehend irrelevant erscheinen.

Wo aber – so könnten Kritiker an Kunz’ Vorschlag fragen – ist denn das Problem? Männliche Perspektiven wären doch ohnehin hoffnungslos überrepräsentiert, und es sei doch bekannt, dass die Erklärung der Menschenrechte sowieso eher an Männern als an Frauen orientiert gewesen wäre. „Alle Menschen werden Brüder“ – wer käme denn auf die Idee, dass in dieser Formel ausgerechnet die Männer zu kurz kämen?

 

Brauchen auch Jungen Empathie?

Wer so argumentiert, bleibt auf einer abstrakten Ebene und blendet viele Aspekte der sozialen Wirklichkeit aus – große und kleine. Für mich selbst ist das erschreckendste Beispiel einer fehlenden Empathie für Jungen und Männer eher klein, aber in seiner Symbolkraft gewaltig.

Die Hilfsorganisation PLAN International ist sehr erfolgreich damit, gezielt allein die Hilfe für Mädchen zu bewerben. Es gibt dafür keinen sachlichen Grund – Jungen leben weltweit in ebenso großer Not wie Mädchen und sind von manchen der schlimmsten Schrecknisse, etwa dem brutalen Missbrauch als Kindersoldaten, sogar deutlich schlimmer betroffen.

Zeigt Werbung von Plan International

Warum eigentlich nicht, und sei es nur zur Abwechslung, wenigstens ein einziges Mal „Keine Gewalt gegen KINDER“?

Aber PLAN kalkuliert offenbar erfolgreich damit, dass eine spezifische Hilfe für Mädchen mehr Menschen anspricht, als eine Hilfe für Kinder es tut. Wer das kritisiert, muss mit der Frage rechnen, was er denn dagegen habe, Mädchen zu helfen – das sei doch wohl immer noch besser, als wenn überhaupt niemandem geholfen würde.

Wie fadenscheinig dieses Argument ist, kann ein einfaches Beispiel zeigen. Würden wir bemerken, dass ein Weißer und ein Schwarzer zusammengeschlagen werden – und würde jemand rufen „Helft dem Weißen! Helft dem Weißen!“ – dann hätten wir keinen Zweifel daran, dass diese Rufe rassistisch sind. Wenn aber die ärmsten Kinder der Welt entlang ihrer Geschlechtszugehörigkeit selektiert werden in die, denen Hilfe zusteht, und die, die keinen Anspruch auf Hilfe haben – dann kann das seltsamerweise auch noch als  humanitäres Engagement verkauft werden.

PLAN wird von vielen Prominenten unterstützt, von Ulrich Wickert beispielsweise, oder von Manuela Schwesig. Die heutige Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern war als Bundesministerin ausgerechnet für Familien und Jugend zuständig – was angesichts ihrer Einseitigkeit ebenso absurd war, wie wenn heute jemand Beatrix von Storch zur Integrationsbeauftragten machen wollte.

Ganz ähnlich wie Schwesig verhielten sich allerdings Prominente weltweit, als die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram 276 Schulmädchen entführt hatte. Dass dieselbe Terrorgruppe zuvor gezielt Hunderte von Schuljungen bestialisch abgeschlachtet hatte, war der wohlmeinenden Weltöffentlichkeit kaum ein Schulterzucken wert gewesen – nur  aber wurde der Appell „Bring back our girls“ zu einem weltweit erfolgreichen Slogan. Als wären die Jungen nicht auch irgendwie unsere Angelegenheit, und als wäre ihre Ermordung vergleichsweise akzeptabel gewesen.

Fixed that for you. Die Originale, links, habe ich rechts behutsam überarbeitet, um dem Geist der Kampagne gerecht werden zu können.

Der schroffe allgemeine Abfall der Empathiebereitschaft, sobald es um männliche Menschen geht, betrifft also mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit auch Kinder. Dass in Deutschland Jungen an den Schulen schon seit Jahren in Not geraten, wird universitär als Problem dieser Jungen selbst abgetan. Marcel Helbig machte sich medial mit der These bekannt, dass Jungen aufgrund ihrer patriarchalen Privilegien nun einmal fauler wären als Mädchen, und wurde unter anderem dafür mit einer Professur für Schulpädagogik belohnt.

 

Verwertungslogiken von links

Natürlich lassen sich für diese Bereitschaft zur geschlechtsspezifischen Empathieverweigerung leicht Gründe formulieren. Die weitaus meiste Zeit unserer Gattungsgeschichte lebten Menschen nun einmal in kleinen Gruppen und unter Bedingungen eines erheblichen Mangels. Wer die Zukunft der Gruppe schützen wollte, musste die Frauen und damit die zukünftigen Kinder schützen. Männer hingegen waren eben gerade dann von Nutzen, wenn sie disponibel waren, also bereit, sich für die Gruppe zu opfern.

Nur leben wir heute eben nicht mehr unter solchen Bedingungen, und wir sind prinzipiell fähig, unsere Entscheidungen mit vernünftigen Gründen zu treffen und nicht nur auf der Basis gattungsgeschichtlicher Impulse. Wer eine längst überkommene, längst dysfunktional gewordene Geschlechterordnung in eine moderne Gesellschaft herüberretten möchte, braucht dafür ideologische Konstrukte.

Gerade in irgendwie linken Milieus ist die Vorstellung selbstverständlich, dass wir in einem „Patriarchat“ leben würden. Das erweckt erstens den Eindruck, dass Frauen und Mädchen beständig bedroht wären, unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung in besonderer Weise benötigten. Es spiegelt zweitens vor, dass Männer und Jungen, die hier und dort mal ein Problem hätten, leicht für sich selbst sorgen könnten, wenn sie denn nur wollten. Sie müssten eben gegebenenfalls ein paar ihrer Privilegien aufgeben.

Der amerikanische Autor Michael Kimmel hat in seinem Buch „Angry White Men“ die Idee populär gemacht, Männer würden nur deshalb auf spezifisch männliche Nachteile hinweisen, weil sie den allmählichen Verlust ihrer patriarchalen Privilegien nicht ertragen würden. Natürlich ist das absurd: Ein Vater beispielsweise, der gegen den willkürliche Trennung von seinen Kindern protestiert, ist dabei offensichtlich eben nicht privilegiert und hat offensichtlich auch ganz andere Sorgen als den Verlust einer Herrschaftsposition.

Hier wird also ein empathieloser Blick auf Männer genutzt, um Empathielosgkeit gegenüber Männern und Jungen auf behelfsmäßig-theoretischer Ebene zu legitimieren. Kimmels Text ist damit ein Beispiel dafür, wie diese Empathielosigkeit gegenüber Männern und Jungen auf einer Meta-Ebene wiederholt und damit abgedichtet wird. Dafür wird dieser Text auch von der Bundeszentrale für politische Bildung günstig aus Steuermitteln verlegt – anders als etwa das Plädoyer für eine linke Männerpolitik des deutschen Autors Arne Hoffmann, der geschlechtsunabhängige Empathie einfordert.

Dass Männer auf Empathieverweigerung mit Wut reagieren, ist eine durchaus angemessene Reaktion – wird aber von Kimmel genutzt, um das Klischee des gefährlichen und gewaltbereiten Mannes zu bedienen. Auf dasselbe Klischee setzte auch das Familienministerium, als es ein Hilfetelefon vorstellte, dass sich ausdrücklich an Frauen wandte. In der begleitenden Werbekampagne wurden Männer als anonyme, gewalttättige Macht dargestellt, Frauen als schutzbedürftige Opfer.

Die Organisation „Gleichmaß e.V.“ scheiterte bitter mit dem Versuch, öffentliche Mittel für Männer zu erhalten, die Opfer häuslicher Gewalt wurden. Es gibt mittlerweile gleich mehrere soziale Experimente, die zeigen, dass Frauen sofort Hilfe erhalten, wenn ein Mann im öffentlichen Bereich gegen sie gewalttätig wird – dass Gewalt von Frauen gegen Männer aber kaum jemanden interessiert.

Dass ein großer Teil der Obdachlosen männlich ist, wird auf politischer Ebene höchstens einmal zum Anlass für verachtungsvolle Sprüche. Dass Verachtung, sogar Hass auf Männer offen ausgestellt werden können, ist ein soziales Signal, das wirkungsvoller ist, je simpler und primitiver diese Aggressionen sind. Da solch eine Verhalten für die Akteure keine Konsequenzen hat, bliebt unweigerlich der Eindruck zurück, diese Verachtung sei sozial gebilligt.

Auch dass weiterhin die Toten und Schwerverwundeten militärischer Kampfeinsätze fast ausschließlich männlich sind, kratzt die Vorstellung nicht an, dass wir in einem „Patriarchat“ leben würden.

Diese Vorstellung dient offensichtlich nicht der seriösen Analyse sozialer Daten, sondern lenkt von ihnen ab. Christoph Kucklick hat eindrucksvoll gezeigt, dass „Männlichkeit“ schon seit Beginn der Moderne Projektionsfläche für Probleme moderner Gesellschaften ist. Heute schaffen feministisch inspirierte Vorstellungen von Männlichkeit den diskursiven Spielraum, den eine weitgehend entgrenzte Ökonomisierungslogik braucht.

Denn der Zugriff auf menschliche Ressourcen zur ökonomischen Verwertung würde gehemmt, wenn er sich mit einer Logik der allgemeinen Empathie und der zivilen Perspektivübernahme arrangieren müsste. Da Männer weiterhin den Löwenanteil der Erwerbsarbeit leisten, braucht der ungehemmte Zugriff auf humane Ressourcen eine ideologische Orchestrierung, die es allgemein plausibel macht, warum spezifisch Männern zivile Empathie mit gutem Gewissen verweigert werden kann.

So verkauft sich die scheinbar linke Unterstützung für eine entgrenzte Logik der Ökonomisierung als Einsatz für Geschlechtergerechtigkeit und immunisiert sich moralisierend gegen Kritik: Wer nicht mitmacht, ist ein Frauenfeind.

Ikonisch für diese Verwertungslogik könnte heute der Trennungsvater sein, der arbeiten muss, um seine Familie zu ernähren – der aber seine Kinder nicht mehr oder kaum noch sehen kann. Er ist radikal reduziert auf seine Funktion für andere, und er muss seine Arbeitskraft zur Verfügung stellen, um Zustände aufrecht zu erhalten, unter denen er und seine Kinder leiden.

Auch wenn das Akteure, die sich heute als „links“ verkaufen, sicher überrascht: Das ist exakt die Struktur, die Karl Marx einst als Entfremdung beschreiben hat.

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21 Comments

  • Auch wenn der Gender Empathy Gap aus meiner Sicht stärker in die mediale Öffentlichkeit transportiert werden sollte, macht der Termin des Massakers von Srebrenica zu sehr die Muster des Netzfeminismus nach. Da wird dann auch ein schlimmes Ereignis für die eigenen Interessen instrumentalisiert, sich selbst als ähnliches Opfer darstellen zu können. Die Männer in Srebrenica sind aber nicht als Vorkämpfer für Männerrechte ermordet worden, sie sind als Kämpfer ermordet worden. Denn dort herrschte die traditionelle Geschlechterteilung vor, dass Männer in den Krieg ziehen. Dort, wo auch Frauen zu den kämpfenden Truppen gehören (Kurden, FARC), werden auch Frauen umgebracht.
    Stattdessen sollte man lieber verschiedene Beispiele für den Empathy Gap aneinander Reihen. Lukas hat ja einige weitere beschrieben. Man muss denke ich nicht alle medialien Muster des Netzfeminismus kopieren, um ein wachsendes Bewusstsein für das Thema zu fördern. Es ist doch gerade eine schöne männliche Qualität, klar und nüchtern zu argumentieren, da braucht man sich nicht kreischend als die wahren größten Opfer zu positionieren und Opfer von Massakern als Symbol für die eigene Bewegung vor sich hertragen.

    • „Die Männer in Srebrenica sind aber nicht als Vorkämpfer für Männerrechte ermordet worden, sie sind als Kämpfer ermordet worden.“

      Nein, sie sind als Zivilisten ermordet worden, nicht als Kämpfer.

      „Denn dort herrschte die traditionelle Geschlechterteilung vor, dass Männer in den Krieg ziehen.“

      Wenn die ermordeten Männer in den Krieg gezogen wären, wären sie nicht bei der UN-Enklave ermordet worden, sondern „im Feld“, d. h. beim bewaffneten Kampf gegen die serbischen Kampf-Verbände.

      Lies hierzu mal die Texte von Charli Carpenter, z. B.

      – ‘Women and Children First’: Gender, Norms, and Humanitarian Evacuation in the Balkans 1991–95, in: International Organization 2003, 57(4)
      – ‚Innocent Women and Children‘: Gender, Norms and the Protection of Civilians, 2006, Routledge

      • Mir fiel nach dem Schreiben schon auf, dass ich „potentielle Kämpfer“ hätte schreiben sollen. Da hast Du recht, es waren Zivilisten. Aber die Männer wurden eben nicht aus einer Männerfeindlichkeit heraus ermordet, sondern weil man wie in vielen anderen Kriegen davon ausging, dass nur Männer von der gegnerischen Seite rekrutiert werden könnten, um den eigenen Truppen Verluste zuzufügen.

        • @Peter: Indem Du die Ermordeten achselzuckend als „Potentielle Kämpfer“ abtust, stellst Du den Empathy-Gap unter Beweis.

          Im Krieg kommt es häufig vor, dass Frauen systematisch vergewaltigt werden. Warum war das in Srebrenica nicht der Fall? Warum hat man nur Männer einem schrecklichen Schicksal ausgeliefert, aber nicht Frauen, auch wenn sich dieses schreckliche Schicksal unterscheidet? Hättest Du Recht, und das Geschlecht der Ermordeten wäre ohne Bedeutung, dann hätte man auch Frauen und Mädchen ihrem Schicksal überlassen – was aber nicht der Fall war.

          Ein weiterer Punkt: Hätte man dort Frauen und Mädchen ermordet, niemals hätte man das Geschlecht der Abgeschlachteten unsichtbar gemacht, wie es in der Berichterstattung der „Qualitätsmedien“ der Fall war:

          https://uepsilonniks.wordpress.com/2015/03/18/feministischer-mainstream-die-tagesschau-uber-einen-andrizid/

          Der Empathy-Gap ist ein Fakt, wofür nicht nur Srebrenica exemplarisch steht, sondern der sich auch in vielen weiteren Fällen zeigt, wie zum Beispiel dem hier:

          https://uepsilonniks.wordpress.com/2017/12/08/maennerhass-und-holocaust/

        • Nachtrag: Wie dumm dein Argument ist, zeigt sich auch daran, dass die UN maßgeblich für das Massaker mitverantwortlich war. Glaubst Du im Ernst, die haben sich im Vorfeld gedacht: „Das sind potentielle Kämpfer, also sterben sie zurecht.“?

          Wie erklärst Du dir, dass man hier zwischen Männern und Frauen unterschieden hat, und nur letzteren die Flucht ermöglicht hat?

        • Es geht ja nicht darum, dass die Truppen da nur Männer und Jungen gezielt ermordet haben. Es geht darum, dass dies nur so stattfinden konnte, weil die UN vorm Abrücken explizit nur Frauen, Mädchen und Jungen bis zur Vollendung des vierzehnten Lebensjahres evakuiert haben. Man hat die Männer und Jungen ab Vierzehn einfach ihrem Schicksal überlassen.

          Wären die Geschlechtervorzeichen umgekehrt, hätte man das Geschlecht der Opfer nicht nur, wie Uepsi andeutet, ganz klar in jeder Berichterstattung in den Vordergrund gestellt, es hätte mit Sicherheit auch ein gewaltiger internationaler Aufschrei stattgefunden, wenn sich rumgesprochen hätte, dass die UN nur Männer, Jungen und Mädchen bis maximal dreizehn Jahren evakuieren würde. Dass es keinerlei wahrnehmbare Thematisierung dieses Umstandes und schon gar keine Kritik in den Medien dazu gegeben hat, zeigt, dass dort offensichtlich in einer weltweit gesellschaftlich akzeptierten Form menschlichem Leben aufgrund der Geschlechtszugehörigkeit ein Schutzanspruch und somit auch ein Wert beigemessen wurde.

          Das ist geradezu die Quint Essenz des Gender Empathy Gaps. Und dies und andere Dinge, wie zum Beispiel die völlig selbstverständliche Zwangsverpflichtung zu gesellschaftlichen Diensten ausschließlich von männlichen Bürgern, machen meines Erachtens die endlose Frauen-sind-Opfer-sind-Frauen-Litanei des Feminismus so abgrundtief dämlich, weil einfach so viele derart offensichtliche Tatsachen dagegensprechen. Noch nicht lange her, da wurde doch der Opferfrauenroman „The Handmaid’s Tale“ als Serie verfilmt. Dies wurde medial orchestriert, dass dies soooo wichtig sei, weil dieses Werk deutlich mache, wie sich z. B. in den USA nun angeblich gaaaaaanz viele Frauen seit der Wahl von Donald Trump davor fürchteten, in ähnlicher Form „wieder“ verdinglicht zu werden. Ich hab mir da schon von Anfang an gedacht: „Mädels, kommt mal klar. Nichts in der ganzen Geschichte der Menschheit deutet darauf hin, dass sich jemals derartige Zustände zum ausschließlichen Nachteil von Frauen verfestigen könnten. Schaut euch Geschichte und Gegenwart mal an: das, was man sich in diesem Machwerk zusammenspinnt war und ist in Teilen nichts anderes, als die Realität von Menschen männlichen Geschlechts. Es ist halt der Gesellschaft und erst recht den so sehr an „Gleichberechtigung“ interessierten Feministinnen seit jeher scheißegal!“

        • @Peter „Mir fiel nach dem Schreiben schon auf, dass ich „potentielle Kämpfer“ hätte schreiben sollen.“

          Wie auch immer du dich jetzt rauszureden versuchst. Darum, dass sie ermordet wurden, geht es im Text auch gar nicht. Es geht vielmehr darum, dass dieser Tag wg. fehlender Emathie für Männer einfach vergessen wird, weil da ja nur disponable Männer ermordet wurden und keine Armen Frauen. Ob als Soldaten, als Kämpfer, als potentielle Kämpfer oder einfach als Menschen ist dabei völlig unerheblich.

          Du versuchst nun deine eigene fehlende Empathie zu rationalisieren indem du sie dir erklären willst.

          Feministinnen wissen um diese männlichen Präferenzen, dass er stark sein muss und will und nutzen sie gnadenlos für ihre Zwecke. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Einer Frau muss mann immer helfen, denn die Frau ist schwach. Und der Mann fühlt sich dabei stark und bedeutend und wird so zum Kanonenfutter, dem niemand nachweint, denn dazu ist er ja da.

          Solange Männer nicht in der Lage sind über ihre eigene genetisch und gesellschaftlich bedingte Disposition zu reflektieren, wird sich auch nichts ändern. Und Feministinnen klimpern weiterhin ungestört immer die selbe Melodie. Und lächeln.

        • Nachtrag 2: Der „Feind“ wird auch durch die Frauen repräsentiert, die „ihre Soldaten“ logistisch, wirtschaftlich und ideell unterstützen (hierzu merkte van Creveld in „Frauen und Krieg“ an, dass kein Krieg ohne die Unterstützung der Frauen jemals führbar gewesen wäre)

          Aus diesem Grund sind auch Frauen Kriegsziele.

        • Nun, ich denke, @Peter wollte nichts wegrelativieren, sondern versuchte im Gegenteil, die Zusammenhänge weiter auszudifferenzieren. Was ich grundsätzlich sogar für begrüßenswert halte.
          Was eine schwarz-weiß-Eindampfung in dem Fall bewirken kann, habe ich vor Jahren auf Diaspora.de erleben dürfen. Sobald ich auf die Massaker zu sprechen kam, fielen ganze Horden von Idioten in den jeweiligen Thrad ein und pöbelten wild drauflos. Kern war immer das absolut schwachsinnige Argument, ich wäre ja bescheuert, weil ich Milosevic unterstellen würde Feminist zu sein.
          Daß ich noch nicht mal wußte, wer derzeit dort Befehlshaber war, war den Deppen einfach nicht klarzumachen.

          Dabei lässt sich die Geschichte ganz einfach auf die wesentlichen Faktoren und Aspekte redizieren, wenn man einfach die relevanten Punkte aneinanderreiht.
          – Das Gebiet stand unter dem Schtutz der UN.
          – Es war bekannt, daß Massaker an der Bevölkerung zu befürchten sind.
          – Frauen und Kinder wurden evakuiert.
          – Männern wurde die Evakuierung verweigert, obwohl sie als bevorzugte Zielgruppe von Massakern angesehen wurden.
          – Dann wurde das Gebiet von der UN kampflos an die ( derzeit noch insofern potentiellen ) Täter übergeben.

          Wenn man dann noch bedenkt welche Staatsform in den Ländern herrscht, welche derzeit die entsprechenden Entscheidungen dominiert haben, kann es kaum noch Zweifel an der Beteiligung des Feminismus geben. In den allermeisten ist es das staatsfeministische Patriarchat.

          Insofern ist die Verschiebung der Gewichtung der Tatanteile auf Milosevic allein auch nur logisch und konsequent, weil dadurch die mittlerweile schon legendäre Einzeltäterstrategie greift.

  • @Peter: Vielleicht ist dies das Problem, nüchtern und logisch zu argumentieren, was sang-und-klang-los untergeht. Vieleicht sollte man(n) vielmehr medial wirksam agieren. Eine Versammlung von hunderten abgerissener Obdachloser vor dem „Wohlfühlministerium“, dutzende Jungen die um Almosen flehen vor der Zentrale von Plan… jeweils mit hübschen Plakaten flankiert („Junge, gedenke Deiner Privilegien wenn Du verhungerst“, „Falsches Geschlecht, werde lieber Kindersoldat“)… Doppelte Aufmerksamkeit wäre gewisse, erst die Presse die sich darüber lustig macht und danach die üblichen, medial verankerten Feministinnen die „Geifer und Galle“ spucken werden…

  • Der Gender Empathy Gap ist eine Tatsache. Es ist immer wieder erstaunlich, mit wie wenig Empathie Männer konfrontiert sind, wenn sie in schwierigen Lebensumständen auf Unterstützung angewiesen wären.

    Ein aktuelles Beispiel: In den USA wurden die Kinder von illegalen Immigranten von ihren Müttern getrennt. Die Empörung, vor allem von Frauen und Müttern, zwang Trump zur Rücknahme dieser Verfahrensweise und zwar innert kürzester Zeit. Dabei geht völlig vergessen, dass in den USA genau so wie in Europa die Trennung der Kinder vom Vater alltägliche Praxis ist. Das kümmert ausser Betroffenen keine Sau. Es kümmert nicht, ob der Vater darunter leidet und es kümmert eben so wenig, ob das Kind darunter leidet. Solange die Mutter und das Kind zusammen sind, so lange scheint alles in Ordnung.
    Es ist für Väter fast unmöglich, solche archaische Verhaltensmuster aufzubrechen. Das Kind gehört der Mutter. Zwar wird das so nicht gesagt, weil es mit dem feministischen Ideal der beruflich erfolgreichen Frau kollidiert, es wird aber einfach rationalisiert, indem auf die traditionelle Arbeitsteilung verwiesen wird und dass es für das Kind das Beste sei, wenn hier eine Kontinuität gewahrt bleibe. Und selbst in den selteneren Fällen, in denen die Arbeitsteilung nicht dem traditionellen Muster folgte finden sich Gründe, warum das Kind doch zur Mutter gehöre. „Das Kind gehört (der) zur Mutter“ ist immer schon gesetzt. Die Gründe dafür. d.h die Rationalisierung ist das Nachfolgende.
    Immer mal wieder den Empathie-Gap anzusprechen ist notwendig. Allerdings würde ich kein Massaker wie das von Sebrenica als „Aufhänger“ benutzen, weil es zu recht als zu dramatisierend wahrgenommen würde. Besser ist i.m.h.o schlicht auf die Empathielosigkeit gegenüber z.B entsorgten Vätern hinzuweisen.

    • @Piotr:
      Bezüglich der vordergründig-medialen Politik stimme ich Dir voll und ganz zu.
      Tatsächlich ist es aber im Endeffekt nicht so einfach.
      Denn auch die Mütter sind den davon profitierenden Lobbies letztendlich vollkommen scheißegal.
      Was zählt ist einzig und allein der Zugriff auf die lukrative Humanresource Kind.
      Und die Totalentelterung ist ganz klar das wesentlich „bessere“ Geschäft und zwar nicht nur finanziell, sondern auch gesamtwirtschafts- u. machtpolitisch.
      Das lässt sich schon an der überproportionalen Steigerung der Totalentelterungen ( Inobhutnahmen ) seit ungefähr 2010-2012 ablesen.
      Der den Frauen eingebläute Mutter(-kreuz-)kult ist lediglich zu deren mißbräuchlichen Instrumentalisierung bei der sicheren Verhinderung des Protests gegen die pauschale Teilentelterung ( i.d.R. zunächst des Vater ) ungeheuer praktisch.

  • @Peter, @Pjotr
    Mal abgesehen davon, dass man mit alltäglicher Empathielosigkeit, sei es gegenüber entsorgten Vätern, Obdachlosen oder wen auch immer, keinen symbolischen Tag begründen kann, zeigt meines Erachtens gerade Srebrenica mehrfach auf, worum es geht. Nämlich zum einen, dass auch Männer wie die attackierenden Serben die Empathielosigkeit gegenüber Ihresgleichen internalisiert haben. Zum anderen zeigt es die institutionelle Verankerung der Doppelmoral, da sich die UN auch Jahre danach weigert, Schlussfolgerungen aus ihrem Versagen zu ziehen, sondern weiterhin das Opferschema Frau bedient. Und schließlich kann man daran die fatale Wirkung der Medien studieren, die flankierend dafür sorgen, dass Männern kein Mitgefühl entgegengebracht wird.
    Dass am 11.7. hoffentlich viele Blogger auf die alltägliche Männerverachtung eingehen, würde ich mir wünschen.

    • Dabei dürfte es sich wohl eher um ziemlich schwarzen „Humor“ handeln und nicht um ein reales Elfmeterschießen.
      Insofern kann man darüber noch schmunzeln. Es zeigt aber andererseits, wie mit Jungen und Männern in der Realität umgegangen wird. Ich erinnere nur mal an die berühmt-berüchtigte Mercedes-Werbung.

  • Für mich macht die Srebrenica-Woche (die Massaker gingen ja über mehrere Tage) Sinn, denn es geht hier um Menschen, die hoffend auf die Menschenrechte der UN in die UN-Schutzzone geflohen sind. Dort wurde selektiert unter den Augen der UN und der Öffentlichkeit (per TV) in die, die Leben durften (Frauen und Mädchen, kleine Kinder) und die, die sterben mussten (Männer und sogar Jungen). Diese Verbrechen werden nie passiert, wenn Männern die gleiche Empathie wie für Frauen zugestanden worden wäre.

  • Der Versuche eines Kommentars bei Spiegel zum Artikel „http://www.spiegel.de/einestages/konferenz-von-evian-1938-kein-asyl-fuer-juedische-fluechtlinge-a-1216376.html#sp.goto.blogcomment=8815“

    Soweit brauchen wir gar nicht in die Vergangenheit gehen, direkt in „Europa“. Morgen jährt sich das Massaker von Srebenica (11. Juli 1995 – 22. Juli 1995)… Was für Schlussfolgerung / Änderungen hat die EU und die UNO, der zumindest eine Teilschuld zugestanden werden kann, daraus gezogen? Richtig, keine. Als weiterführende Literatur empfehle ich:
    – ‘Women and Children First’: Gender, Norms, and Humanitarian Evacuation in the Balkans 1991–95, in: International Organization 2003, 57(4)
    – ‚Innocent Women and Children‘: Gender, Norms and the Protection of Civilians, 2006, Routledge
    Triggerwarnung: Passt aber nicht so ganz in die heutige Medienlandschaft…

    Wird aber wahrscheinlich eh nicht veröffentlicht…

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