Feminismus Gleichberechtigung Jungen Männer

Männer in Röcken

geschrieben von: Lucas Schoppe

Über die Schwierigkeit, Empathie für Männer aufzubringen

Den heutigen 11. Juli schlägt der Blogger Gunnar Kunz als Tag des „Gender Empathy Gap“ vor: Der Jahrestag des Massenmordes von Srebenica, als unter den Augen und mit der stillschweigenden Billigung von UNO-Truppen Tausende von Männern und älteren Jungen systematisch getötet wurden, könne uns auch daran erinnern, dass Männer und Jungen generell weniger Empathie erfahren würden als Frauen und Mädchen.

Auch hier im Blog war der Vorschlag schon Thema – Leid, dass Frauen erleben, erregt nachweisbar mehr Mitgefühl als das Leid von Männern.

Warum das aber so ist, lässt sich mit einer gut-feministischen Geschichte erklären, die zunächst gar nichts mit dem Thema zu tun haben scheint.

 

Der Journalist im Rock und seine patriarchale Hängematte

Nils Pickert, damals noch weitgehend unbekannt, veröffentlichte im August 2012 in der Emma einen Text über seinen damals noch fünfjährigen Sohn, der gerne Röcke getragen habe. Da er damit in der süddeutschen Kleinstadt, in die seine Familie gezogen war, zum „Stadtgespräch“ wurde, unterstützte sein Vater ihn, zog sich ebenfalls einen Rock an und ging so mit dem Sohn durch die Stadt. „Manchmal müssen Väter eben Vorbilder sein“ – in diesem Fall konnte dann sogar die Emma einen Vater als Vorbild akzeptieren.

Pickert wurde, so Der Spiegel, „als Mann im Rock berühmt“, ist heute Chefredakteur bei „pinkstinks“  und überzeugt davon, damit seine „Privilegien aufs Spiel“ zu setzen und nicht mehr „aus der patriarchalen Hängematte zu schreiben“.

Warum aber ist es für Jungen eigentlich heikel, einen Rock zu tragen, während Hosen für Mädchen schon längst selbstverständlich geworden sind? In diesem Unterschied  käme, so die Lehrerin Margot Wichniarek in einem Text für das Webangebot „Gender und Schule“,  

die unterschiedliche Bewertung von männlich und weiblich zugeordneten Merkmalen im Sinne einer traditionellen Geschlechterhierarchie deutlich zum Ausdruck. In unserer männlich dominierten Welt ist es zwar akzeptiert, dass Frauen sich so kleiden wie Männer; umgekehrt geht ein Kleidertausch nicht so einfach.

In dieser gängigen feministischen Interpretation wird die rigidere Kleiderordnung für Jungen als Ausdruck einer höheren Position in der Hierarchie verstanden: Da Jungenkleidung für Mädchen ein Aufstieg, Mädchenkleidung für Jungen hingegen ein Abstieg wäre, machten sich Jungen mit Mädchenkleidung nun einmal lächerlich.

Werden schon kleine Jungen zur Männlichkeit erzogen?

Nun ließen sich genau dieselben Beobachtungen aber natürlich ebenso gut mit dem Gegenteil erklären. Würde sie Mädchen in einer höheren Position der Geschlechterhierarchie vermuten, dann könnten Wichniarek erläutern, dass Jungen, die Mädchenkleidung tragen, sich offenbar einer Status-Anmaßung schuldig machten und entsprechend sanktioniert würden.

Das ist keineswegs absurd. Ich habe als Lehrer beispielsweise einmal von einer Mutter erfahren, dass ihre Tochter in der Pause von anderen Mädchen nach Hause geschickt worden war, um ihr T-Shirt zu wechseln. Sie hatte nämlich zufällig dasselbe Shirt getragen wie eine andere Schülerin, die in der mädcheninternen Hierarchie der Klasse weit über ihr stand, und das fand die inakzeptabel.

Offenbar reicht der Hinweis auf Hierarchien allein nicht, um zu erklären, warum zwar Jungen in Mädchenkleidung, aber nicht Mädchen in Jungenkleidung anstößig wirken – es ist schon nötig, sich näher anzuschauen, um was für Kleidung es geht.

 

Meine Erfahrungen mit dem Crossdressing in der Schule

Schon seit Jahren ist es auch an unserer Schule üblich, dass die Abiturienten kurz vor den Klausuren eine Mottowoche veranstalten, in der sie sich an jedem Tag einem jeweils neuen Motto entsprechend kleiden („Bad Taste“, „Kindheitshelden“ etc.). Als vor einigen Jahren einmal „Crossdressing“ Thema war, fiel mir etwas Interessantes auf. Die Mädchen, die in Jungen- bzw. Männerkleidung gekommen waren, trugen berufstypische Kleidung – entweder im Blaumann oder in Anzug und Krawatte. Die Jungen in Mädchenkleidung hingegen hatten sich mit großen Ketten, Perücken, ausladenden Kleidern und anderem ausgestattet.

Für Mädchen war es also männertypisch, eine spezifische Funktion zu erfüllen – für Jungen war es frauentypisch, eben gerade nicht funktional gekleidet zu sein, sondern sich so auszustatten, dass berufliche Funktionen im Zweifelsfall gestört würden, gerade bei anstrengender körperlicher Arbeit.

Strahlen diese Männer tatsächlich weiter nichts als „Dominanz“ aus?

Das entspricht eben gerade der Interpretation aus Warren Farrells grundlegendem Werk The Myth of Male Power, das in diesem Jahr immerhin schon 25 Jahre alt wird. Typisch männliche Kleidung drücke aus, dass ein Mensch sich einer Funktion unterordne – im Verzicht auf Überflüssiges und Störendes wie Schmuck oder Ketten, oder in gedeckten Farben der Anzüge, in denen die Individualität der Träger bewusst gedimmt wird. Wenn Männer tatsächlich einmal leuchtende Kleidung tragen, dann erfüllt auch das eine Funktion – etwa in der Warnkleidung der Straßenbauarbeiter.

Für typisch weibliche Accessoires sei es hingegen kennzeichnend, dass sie demonstrativ funktionslos seien. Ketten, lange Haare und lange Fingernägel zum Beispiel können bei der Arbeit an Maschinen fatal sein, Röcke bieten bei schweren Arbeiten deutlich weniger Schutz als Jeanshosen. Hochhackige Schuhe lassen die Trägerin zwar größer wirken, demonstrieren aber auch, dass sie es gewiss nicht beabsichtigt, körperlich schwer zu arbeiten. Das im Vergleich zu Männerkleidung wesentlich größere Farbspektrum der hochpreisigen Frauenkleidung wiederum lässt Frauen wesentlich mehr Spielraum für den Ausdruck individueller Unterschiede.

Typische Frauenkleidung signalisiert also, dass die Trägerin einer bestimmten Funktion nicht untergeordnet werden kann, sondern sich durch etwas auszeichnet, was über eine solche Funktion hinausgeht.

Die Wirkung eines Diamantcolliers basiert beispielsweise darauf, dass es erstens demonstrativ ungeheuer teuer und zweitens demonstrativ vollkommen nutzlos ist. Es ist ein „costly signal“, mit dem Menschen – die Frau selbst, oft aber wohl auch der Mann, der ihr das Collier gekauft hat – signalisieren, über so große Ressourcen zu verfügen, dass sie einen erheblichen Teil davon für völlig Funktionsloses ausgeben können.

Jungen- und mädchentypische Kleidung lässt sich also mit dem abstrakten Verweis auf Hierarchien allein überhaupt nicht deuten, sie muss auch detailliert und im Hinblick auf ihre Funktionen beschrieben werden. Die kurzsichtige Einordnung geschlechtertypischer sozialer Erwartungen in ein einfaches Herrscher-Beherrschte-Schema hilft nicht bei ihrer Analyse, sondern verdeckt den Blick selbst noch für offensichtliche Details.

 

Prinzessinnen, Piraten und Polizisten

Der „Goldene Zaunpfahl“ ist ein giftiger Preis, der von Anke Domscheit-Berg und anderen ganz im Sinne von Pinkstinks für „absurdes Gendermarketing“ verliehen wir. Ein wiederkehrendes Thema bei den Vorschlägen für den Preis sind Produkte für Kinder, bei denen Jungen die Rolle eines Piraten oder Polizisten, die Mädchen aber die einer Prinzessin ausfüllen.

Wer solche Unterschiede lediglich geübt als Ausdruck einer patriarchalen Geschlechterhierarchie interpretiert, wird hier empört Mädchen als passiv und hübsch, Jungen als stark und handlungsmächtig wahrnehmen. Das übersieht den zentralen Aspekt, dass eine Prinzessin zwar weitgehend funktionslos ist und nur dann leben kann, wenn viele andere ihr zuarbeiten – dass sie aber im soziale Kontext eine enorme Bedeutung hat.

Die betont vormoderne Position der Prinzessin bewahrt so das Bild eines Menschen, der nicht in seinen Funktionen aufgeht, sondern der schon deshalb bedeutend ist, weil er einfach da ist. Es müsste eigentlich jeden Menschen, der sich schon einmal mit Kindererziehung beschäftigt hat, beunruhigen, dass diese Bedeutung als mädchentypisch präsentiert wird.

(Die drei Bilder stammen von der Webseite des „Goldenen Zaunpfahl“.)

Farrell pointiert solche Beobachtungen in der Bemerkung, dass in traditionellen Geschlechterbildern die Frau ein „human being“, der Mann aber ein „human doing“ sei – er gewinne seine Bedeutung erst durch die Funktion, die er erfülle. Sinnbild der geschlechtertypisch erwarteten „Härte“ ist für Farrell American Football – ein massiv gesundheitsgefährdender Sport, der von Jungen ausgeübt wird, während die Mädchen sich in die Rolle der Cheerleader einfinden.

Die Einübung in die Härte gegen andere, aber besonders gegen sich selbst ist notwendig, damit ein Mensch seine einfachen menschlichen Erwartungen nach Nähe, Ruhe, Geborgenheit und Schutz zurückstellen und sich ganz in eine gegebene Funktion einfinden kann. Prototypisch dafür ist die Funktion des Soldaten.

Die erwartete Bereitschaft, sich auf Befehl ohne weiteres Nachdenken selbst zu opfern, um eine Funktion für andere erfüllen zu können, ist schlicht eine extreme Ausprägung der allgemeinen geschlechtertypischen Erwartung, eigene menschliche Bedürfnisse im Sinne der Zurichtung zur Funktionalität zurückzustellen. Als „disposable male“ bezeichnet Farrell einen solchen Menschen – was im Deutschen ebenso als „verfügbarerer Mann“ wie als „Wegwerfmann“ übersetzt werden kann.

Es wird so auch erklärlich, warum geschlechtertypische soziale Erwartungen an Jungen in einiger Hinsicht rigider sind als an Mädchen: Sie werden in ihrer Funktion schlicht gebraucht. Ein Polizist könnte gut ohne Prinzessinnen, eine Prinzessin aber nicht ohne Polizisten auskommen.

 

Von den Schwierigkeiten mit der Empathie im Patriarchat

Der Umweg über Jungen im Rock und Spielzeugprinzessinnen macht deutlich, warum es so aussichtslos ist, von Menschen Empathie für Männer einzufordern. Die Frage stellt sich nämlich gar nicht, ob diese Forderung legitim oder illegitim, plausibel oder unplausibel, dringend oder unwichtig ist. Sie zu erheben, ist einfach irgendwie lächerlich, beschämend – so als würde ein Bankangestellter fröhlich im rosa Röckchen hinter dem Schalter stehen und unverdrossen erwarten, dass wir ihm unser Geld anvertrauen.

In unserer weitgehend entmilitaristierten Gesellschaft spitzt sich dieser Konflikt nicht in der Figur des Soldaten zu, sondern in der des Vaters. Ich kenne Trennungsväter, die über Jahre hinweg ihre Kinder nicht mehr sehen konnten und die zugleich in ungeliebten Berufen voll arbeiten mussten, um Frau und Kinder weiter finanziell zu versorgen. Diese Erwartung an Väter, einträchtig kultiviert von staatlichen Institutionen und von Mütterverbänden, spiegelt die entmenschlichende Funktionalisierung des disposable male: Als Mensch ist der Vater betont unwichtig, stört, muss vielleicht gar aus dem Bild, weil angeblich seine Präsenz den Kindern gar schaden würde – als Ding, das für die Versorgung anderer wichtig ist, darf er seine Funktionalität allerdings nicht gefährden.

Diese radikale institutionalisierte Reduzierung einer der beiden wichtigsten Bezugspersonen jedes Menschen ist nicht nur für die direkt betroffenen Väter und Kinder, sondern auch für die gesamte Gesellschaft destruktiv.

Hier sind denn auch etablierte feministische Positionen sehr zwiespältig. Während der Feminismus offiziell für Gleichberechtigung und eine Auflösung rigider Geschlechterrollen steht, waren es politisch wesentlich Feministinnen und konservative Familienpolitiker, die eine Verbesserung der erbärmlichen Position von Vätern und Kindern verhinderten. Die feministische Auflösung der Geschlechterrollen setzt selbstverständlich und stillschweigend voraus, dass Männer ihre traditionellen Funktionen weiter ausfüllen.

Schon Pickerts gehässige, aber sachlich überhaupt nicht gedeckte Rede von einer „patriarchalen Hängematte“ zielt auf Männer, die irgendwie zu faul wären, ihre Funktion zu erfüllen. Die Vorstellung einer patriarchalen Geschlechterhierarchie ist dabei notwendig, um eine längst dysfunktional gewordene Geschlechterordnung in die Bedingungen einer modernen Gesellschaft hinüberzuretten.

Da wir nämlich im Patriarchat lebten, hätten Frauen Anspruch auf besonderen Schutz und besondere Versorgung, um ihre gegebenen Nachteile auszugleichen. Männer hingegen bräuchten keine Empathie, weil sie jederzeit in der Lage wären, sich selbst zu helfen, wenn sie es denn nur wollten. Ohnehin jammerten sie auf hohem Niveau, weil es ihnen in unserer Geschlechterordnung deutlich besser gehe als Frauen.

Die Rede vom „Patriarchat“ gehört also zu eben dem Problem, das zu analysieren sie vorgibt. Weil wir ohnehin in einem „Patriarchat“ lebten, müssten wir soziale Situationen nicht mehr eigens aus der Perspektive von Männern beurteilen – und weil spezifische Notlagen von Jungen und Männern so unbemerkt bleiben, lässt sich die Rede vom „Patriarchat“ aufrechterhalten. Das schafft einen rhetorischen Rahmen für eine Geschlechterordnung, in der schon Jungen merken, dass sie sich ungehörig benehmen, wenn sie sich auf ein Leben außerhalb funktionaler Erwartungen einstellen.

Dass Pickert seinen Sohn unterstützt hat in seinem Wunsch, Kleider zu tragen, finde ich prinzipiell gut. Unser Sohn beispielsweise zeigt immer mal wieder eine riesige Vorliebe für die Farbe rosa, und er hatte eine heftige „My Little Pony“-Phase – es wäre mir nie eingefallen, ihm dabei Grenzen zu setzen. Ich trage ohnehin selbst öfter mal rosa, wenn ich es auch trotz guten Willens und mehrerer tapferer Versuche niemals über mich bringen konnte, My Little Pony mitzuschauen.

Da Selfies eitel und unmännlich sind, hier ein Selbstporträt des Bloggers in einem seiner Lieblings-T-Shirts. Aus datenschutzrechtlichen und allgemeinen ästhetischen Erwägungen müssen interessierte Leser sich das Duckface aber bitte selbst hinzudenken.

Da aber Pickert diese Situation sogleich in tradierte Geschlechterklischees über herrschende Männern und beherrschte Frauen einflechtet, kann er ihre Konsequenzen überhaupt nicht einordnen. Ebenso ist es riskant und gerade nicht verantwortungsvoll, wenn an Schulen eine vorgeblich aufgeklärte Geschlechterarbeit geleistet wird, die sich stillschweigend an den simplen Klischees einer angeblichen männlichen Herrschaft orientiert. Wer so agiert, weiß eigentlich gar nicht, was er tut, und will es auch nicht wissen.

Auch wenn Pickert Gutes für seinen Sohn wollte, hat er ihn so schließlich doch lediglich funktionalisiert und für die Steigerung seines eigenen Bekanntheitsgrades genutzt – eben weil er selbst in Klischees befangen bleibt. Damit hat er seinen Sohn ironischerweise dann eben doch wieder für eine traditionell männliche Rolle genutzt, als einen Menschen nämlich, der über seine Funktion für andere bestimmt wird.

 

PS. Können wir überhaupt etwas ändern?

Natürlich können wir unseren Kindern, den Mädchen wie den Jungen, deutlich machen, was für eine Freude es ist, dass sie einfach da sind.  Das tun ja auch schon viele Eltern. Auch Jungen müssen weder richtige Jungen sein, noch müssen sie feministische Erwartungen erfüllen und nachweisen, dass sie sich von einer traditionellen Männlichkeit distanzieren.

Wer aber politisch etwas  ändern möchte, steht vor einem seltsamen Problem: Einerseits muss er sich in rationalen Debatten bewähren, zeigen, welche typischen Notlagen Männer und Jungen erleben, wo sie Hilfe brauchen und warum diese Hilfe legitim ist. Zugleich steht er vor Widerständen, die von einer bloß vorgeblich modernen Geschlechterpolitik errichtet werden und die dabei auf lang eingeübte, vorrationale Impulse setzen kann – insbesondere auf die fast instinktive Reaktion, dass es irgendwie beschämend und lächerlich sei, Notlagen von Männern zu beklagen. Männer in rosa Röckchen.

Eine Organisation, die das trotzdem sehr beharrlich tut, ist das „Forum soziale Inklusion“, in dem ich nach meinen Erfahrungen als Trennungsvater auch selbst Mitglied bin – wenn ich auch selbst so eingebunden bin, dass ich nicht viel beitragen kann. Die Organisation leistet zunehmend erfolgreich politische Aufklärungs- und Lobbyarbeit, führt Gespräche mit Politikern und Ministerien, erhält dabei aber natürlich keine Unterstützung aus öffentlichen Kassen.

Ich hab hier bei man tau, wenn ich mich richtig erinnere, noch nie zu einer Spende aufgerufen, ändere das aber heute einmal, weil ich weiß, wie sehr das Forum soziale Inklusion für seine Arbeit auf solche Unterstützung angewiesen ist. Die Kontonummer ist

DE81 7115 2680 0030 1001 92 bei der Kreis- und Stadtsparkasse Wasserburg.

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38 Comments

  • Merkwürdig, dass Du biologische Erklärungen nicht einbeziehst. Dabei ist vom Aspekt der Reproduktion die Frau deutlicher kostbarer. Alles andere ergibt sich daraus.

    • @Adrian:
      Er setzt es aber in einer kurzen Andeutung voraus, nämlich da ( ich bin zu faul die Stelle rauszusuchen ), wo er erwähnt, daß manche Rollenmuster mehr oder weniger obsolet sind.

      • @ Adrian, Fiete Ich bin tatsächlich davon ausgegangen, dass biologische Erklärungen bekannt sind und nicht weiter erläutert werden müssen. Sie sind hier natürlich relevant, wären aber ein weiteres Kapitel gewesen.

        Allerdings sind sie eben auch nicht erschöpfend. Dass wir überhaupt Rationalisierungen für biologische Prägungen brauchen, zeigt ja schon, dass die Prägungen allein nicht ausreichen. Und die Rede von einem „Patriarchat“ ist in meinen Augen eine Rationalisierung, um auch in einem solchen Kontext an überkommenen Verhaltensmustern festhalten zu können, in dem dieses Verhalten eigentlich schon lange nicht mehr passt.

        Es gehört ja eben auch zu den spezifischen Bedingungen von Menschen, dass sie – auch in ihrer biologischen Ausstattung – eine hohe Fähigkeit zur Anpassung an unterschiedliche Umgebungen haben.

        Wir wären in der Lage, unsere Verhalten entsprechend den Bedingungen einer modernen Gesellschaft zu modifizieren, auch in unseren Geschlechtermodellen – wenn es nicht Widerstände gegen diese Anpassungen gäbe. Die Ideologisierungen des Patriarchats-Feminismus gehören zu diesen Widerständen.

    • „Dabei ist vom Aspekt der Reproduktion die Frau deutlicher kostbarer.“
      Naa, vom Aspekt der Reproduktion her kostet es AFAIK mehr Energie einen Mann herzustellen als eine Frau.
      Außerdem ist eine Frau ohne äußere Hilfe nicht in der Lage zu reproduzieren, sondern eher tot, also dann ziemlich wertlos.

      das nur als Beispiele – je nachdem welche Sichtweise man einnimmt kann man immer das eine oder andere Geschlecht als kostbarer anzusehen.

    • Ähem ! Die Frauen wären sogar noch „kostbarer“, wenn man ihren Anteil an der Bevölkerung verringern würde. Angebot und Nachfrage, du verstehst?!
      Denk mal über die Konsequenzen nach.
      Aus demselben Grund haben bürgerliche Prostituierte (Ehefrauen etc.) was dagegen, das andere Professionelle Sex als einmalige Dienstleistung mit einmaliger Bezahlung anbieten, wo doch die Bürgerlichen, wie Schwarzer und Co., ihre Ware deutlich teurer, quasi zu Monopolpreisen anbieten.
      Wenige Dutzend Male mehr oder weniger befriedigender Sex, am besten noch eine Schwangerschaft, und schon ist der Mann ewiger Zahlemann, Versorger, Lecksklave, und am Ende noch an Allem Schuld.

      Die offiziellen Huren verderben den inoffiziellen aus deren Sicht ihre Monopolpreise. Sie machen die bürgerliche Ehe-Frau, vom Standpunkt der Sexualorgane und ihrer nutzbringenden Anwendung, weniger „kostbar“. Sie verderben der bürgerlichen Hure die Preise, aus deren Sicht.
      In Wahrheit aber muss die bürgerliche Frau weniger leisten, irgendwann hat sie ihren Männe gut im Griff, oder aber er läuft ihr weg, dann hat sie den groben strategischen Fehler gemacht, sich nicht schwängern zu lassen, sonst könnte sie ihn für´s Weglaufen über die Kinder (Unterhalt, Sorgerecht) bestrafen, die offizielle Hure aber hat die Leistung wiederkehrend mit gleichbleibender oder wachsender Qualität zu erbringen, muss sich allerdings auch nicht binden, und auch nur in kleinen Dosen, und auch dem Freier allgemein bekannt, heucheln, aber nicht eine ganze Lebenslüge leben.
      Trotzdem die offizielle Sexarbeiterin also härter arbeiten muss, und dafür weniger soziale Sicherheit erhält, als die Ehefrau, bekämft der Chor der Interessenvertreterinnen die Prostitution, wobei sie vorgeben, die Huren zu schützen vor den Freiern, also den einen Geschäftspartner vor dem anderen, durch einseitige Kriminalisierung der Freier z.B., wodurch aber letzlich der ganzen Branche systematisch das Wasser abgegraben werden soll, durch Abschaffung der Prostitution (nur wie gesagt durch Straffreiheit der einen Kontrahentin), also hat die Hure den Schaden am Lebensunterhalt, aber sie kann dann ja immer noch als Putzsklavin oder Leiharbeiterin für Niedriglohn für die Hochanständigen Damen arbeiten, ob sie das besser findet, wird gar nicht erst gefragt, Hauptsache, die Kostbarkeit der bürgerlichen Sexdienstleistung, der bürgerlich-weiblichen Geschlechtsorgane steigt wieder enorm an.
      Oder die Hure könnte ja auch von Anfang an gleich heiraten wie die bessere Dame?
      Dass natürlich die proletarischen Huren eienn solch finanziell erquicklichen Ehegattenfundus wie die bürgerliche Prostituierte in der Gesellschaft gar nicht erst vorfindet, weil eben die meisten Männer finanziell keine gutbürgerliche Partiei darstellen, weil sie meistens eben Unterschicht oder untere Mittelschicht sind, und dann die proletarische Hure logischerweise verstärkt auf dem Heiratsmarkt mit der bürgerlichen Prostituierten konkurrieren müsste, daran denkt die bürgerliche Feministin erstmal gar nicht.
      Bis dann die junge, lebenslustige Geliebte ihr den Ehemann abspenstig macht.
      Dann heißt es wieder „das billige Flittchen“.
      Im großen und ganzen aber bewertet die Bürgerliche jedenfalls ihren Fortpflanzungsapparat „kostbarer“ als den der „billigen“ Konkurrentin aus der Unterschicht.
      Dafür muss diese aber auf dem Sex- wie auchHeiratsmarkt aus dem Feld gedrängt werden, nur darum geht es, nicht um den Schutz der armen Huren vor den bösen Männern.
      Sie sollen nur vor den wohlhabenden Freiern „geschützt“ werden, weil das das Marktsegment der Bürgerlichen ist.
      Nun bietet die Klassengesellschaft schon immer strukturell das schöne Faktum, dass Frauen der Unterschicht, also potentielle offizielle Huren, von allen Katastrophen und Verheerungen, wie z.B. auch Krieg, ernsten Wirtschaftskrisen und Hungersnot, härter getroffen und häufiger dezimiert werden, als bürgerliche privilegierte Frauen.
      Die Lasten systematisch auf ärmere Frauen abzuschieben, immanent in allen Klassengesellschaften wie auch der unseren, kommt daher der Privilegierten sehr entgegen, die systematische Niederhaltung der Konkurrenz hilft die Kostbarkeit der Reproduktion für privilegierte Frauen hochzuhalten.
      Die privilegierte Frau hat prinzipiell immer ein immanentes Interesse, die Konkurrenz-Masse der armen Frauen sozial niedrig zu halten oder gar zu dezimieren, vom evolutionsbiologischen Standpunkt aus.
      Die Gouvernanten, oder besser, „Suprematen“ vom Typ Schwarzer sind da keine Ausnahme, auch wenn sie angeblich für die Huren sprechen, in Wirklichkeit sprechen sie immer nur für die Interessen der bürgerlich legitimierten Dauerprostitution.
      Das kommt nicht von Ungefähr, sondern nennt sich Klassensolidarität der Ausbeuterinnen. Schwarzer selbst ist ja auch Akademikerin, keine Leiharbeiterin bei Amazon, genausowenig wie die meisten FeministInnen.
      Größtenteils aus akademischen parasitären Berufen, wie Genderwissenschaftlerin, oder Kirchenfunktionärerin, oder Soziologin. Klickt da was bei dir?
      Siehst du, wohin solche biologistischen Argumentationen, die Reduktion von Menschen auf biologische Funktionen bzw. auf Logiken von Reproduktionsmerkmalen führt?
      Aus der Gebährfähigkeit der Frauen einen Wertmaßstab zu machen, hilft eben dann irgendwann systemisch, immer einen größeren Teil der Frauen, die ärmeren, nicht privilegiert geborenen, abwerten und dezimieren zu können.
      Dahin führt eben der Biologismus immer.
      Menschsein ist noch was Anderes, als nur der Evolution unterworfenes, von ihr programmiertes Zellmaterial zu sein, dass sich dann „wissenschaftlich“ als lebenswerter oder unwerter definieren lässt, sobald dieses Kriterium erstmal maßgeblich wird.
      Ein biologisch, also aufgrund seiner Körpereigenschaften, „wertvollerer“ Mensch, ist nicht unbedingt auch der bessere, sozialere, kompetentere, oder ganz einfach der Mensch, den wir in unserem Arbeitsleben und auch im Privatleben in der Nähe haben wollen.

  • Sehr schöner Artikel, gerade der Aspekt der Funktionslosigkeit bzw Behinderung der Frauenkleidung.
    Dazu aber eingeschränkt: Männliche Statuskleidung geht etwas in die Richtung. Der Anzug mit Krawatte schränkt zumindest etwas ein, schon durch die Polsterung der Schultern und Krawatte mit engen Hemdkragen. Auch ein Hemd an sich ist nicht für Sport geeignet. Es ist vielleicht auch kein Zufall, dass Anzugschuhe notorisch glatte Sohlen haben.
    Sicherlich nicht mit Stöckelschuhe zu vergleichen. Aber vielleicht auch interessant:
    Um so höher der Status um so unpraktischer die Kleidung

    • Die erwähnte Kleidung – Anzug, Krawatte, Schuhe mit glatten Sohlen – schränkt nicht wesentlich ein, sofern es sich nicht um körperliche Arbeit handelt.
      Die Anzug-Krawatten-Typen finden sich vor allem bei Banken und Versicherungen. Diese Gauner täuschen mit dieser Verkleidung Seriösität vor. Somit unterstützt ihre Kleidung ihre Funktion im Erwerbsleben und schränkt sie keineswegs ein.

      • @ Christian, Pjotr Es ist häufig ein Signal eines höheren sozialen Status, wenn jemand zeigt, dass er nicht schwer körperlich arbeiten muss. Das bekannteste dieser Signale ist wohl das der „vornehmen Blässe“, das aus einer Zeit stammt, als ein Großteil der Arbeit im Freien, vor allem auf den Feldern verrichtet wurde. Wer blass war, zeigte damit, dass er die meiste Zeit des Tages im Haus verbrachte und also nicht schwer arbeiten musste.

        Anzug und Krawatte sind m.E. auch deshalb Arbeitskleidungen, weil sie demonstrativ wenig Spielraum für die Ausstellung von Individualität lassen. Je formeller es wird, desto mehr sind ja sogar die Farben der Krawatten stillschweigend reguliert. Ein Anzug könnte noch so teuer sein und noch so gut sitzen – wenn er sich von den typischen gedeckten Tönen unterscheidet, wirkt er unseriös. Was würden wir etwa von einem Politiker in Kanariengelb halten?

        Ein Arbeitsanzug ist das deswegen, weil hier klargestellt wird, dass der individuelle Ausdruck ganz hinter einer beruflichen Funktion zurücktritt.

        Es ist aber sehr interessant, dass ein höherer sozialer Status in der äußeren Erscheinung oft eben dadurch ausgedrückt wird, dass jemand demonstrativ vorzeigt, auf schwere körperliche Arbeit nicht angewiesen zu sein. Ein zweites typisches Statussignal ist das Vorzeigen von Accessoires, die unnötig oder weit über ihren Nutzwerk hinaus teuer sind – teure Uhren, Schmuck.

        Beides sind Eigenschaften, die auch zu einem frauentypischen Erscheinungsbild gehören. Wenn Feministen sich also ganz auf die Dimension einer „Geschlechterhierarchie“ fixieren, dann ist das also eigentlich ein Eigentor. Würden wir Kleidung lediglich als Ausdruck von Hierarchien bewerten, dann müssten wir nach den gängigen Merkmalen schließen, dass typisch weibliche Kleidung einen deutlich höheren Platz in der Hierarchie signalisiert als typisch männliche Kleidung.

      • Eben, am Hofe des Sonnenkönigs braucht man keine Arbeitshandschuhe, Arbeitsschuhe und keine robusten Arbeitshosen, auch keinen Schutzhelm, da reichen Mohair-Gloves, Stöckelschuhe und Kniebundhosen aus Lyoner Seide, und ein Dreispitz aus feinem Filz.

  • „Für Mädchen war es also männertypisch, eine spezifische Funktion zu erfüllen“, schreibst du. Ich bezweifle, dass das der Hauptgrund ist, warum sie diese Funktionsklamotten wählten.

    Denn: Wir leben seit den 70gern in einer Welt, in der im Alltag in aller Regel Hosen getragen werden, von beiden Geschlechtern. Wobei außerhalb spezifischer Business-Welten (und der Aufbrezel-Situationen auf Partys etc.) der „Casual“-Stil dominiert: sportlich, lässig, freizeitmäßig… Das ist so dermaßen allgemein, und doch sind es historisch gesehen „Männerklamotten“, weil mit Hose als Standard.

    Ein Mädchen KANN also gar nicht „als Mann gehen“, wenn sie sich so kleidet, wie Männer normalerweise im Alltag rumlaufen – weil eben Frauen ziemlich genauso gekleidet sind!

    Ansonsten: interessante Gedanken – zu denen Adrian die fehlende Ergänzung bringt. Ich weiß wirklich nicht, ob man kulturell jemals darüber hinweg kommen kann, Männer als verzichtbarer – und deshalb verschleißbarer, belastbarer, wagemutiger (dem „doing“ verpflichtet) anzusehen als Frauen. Die schon immer durch „einfach da sein“ (being) bzw. „schwanger werden können“ einen „Wert an sich“ darstellten. Vielleicht erst dann, wenn die Reproduktion gänzlich im Labor/in der Fabrik stattfindet – aber in der Welt möchte ich dann nicht unbedingt leben.

    Es gibt allerdings doch signifikante Veränderungen, wenn man einer repräsentative Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) unter 2000 Studenten glauben darf:

    „Befragt, welche Werte für sie große Bedeutung besitzen, entschieden sich 70 Prozent für Familie, 66 Prozent für Freunde und 50 Prozent für Freizeitgenuss – mit leicht steigender Tendenz im Vergleich zur letzten Studie 2016. Weit hinter der Familie-Freunde-Freizeit-Trias rangieren hingegen der berufliche Aufstieg mit 41 Prozent (2016 noch 57 Prozent) und ein hoher Lebensstandard mit 25 Prozent (2016 noch 27 Prozent).“

    Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article178866492/Studenten-Studie-Beruflicher-Erfolg-verliert-extrem-an-Stellenwert.html

    Und weiter:

    „Dass beruflicher Erfolg als Wert binnen zwei Jahren 16 Prozentpunkte einbüßte, liegt vor allem an den männlichen Studenten. Bei ihnen sank die Hochschätzung der Karriere von 62 auf 45 Prozent ab. Dazu passt, dass bei 63 Prozent aller Studierenden das persönliche Interesse über die Wahl des Studienfaches entschied, während gute Berufsaussichten nur noch bei 49 Prozent maßgeblich waren (vor zwei Jahren noch 59 Prozent).“

    Natürlich sind fast alle Kommentierenden jetzt schwer besorgt, was aus DE wohl werden soll, wenn die Leistungsbereitschaft so dermaßen sinkt! Aber Nikla B. schreibt immerhin:

    „Das ist nicht nur bei Studenten so. Vielen jungen Berufseinsteigern ist die Karriere unwichtig, die schauen nur dass sie genug Geld verdienen um sich selbst zu finanzieren und gut ist. Freizeit, Work – Life -Balance sind wichtiger als Beförderung oder Verbundenheit zur Firma. Und ich finde die haben Recht. Könnte ich mir es finanziell leisten würde ich sofort auf Teilzeit reduzieren, auch wenn ich dadurch die Chance auf Aufstieg verlieren würde. Zeit für Hobbies, Freunde und Familie macht sicher glücklicher als ein ‚Gut gemacht‘ vom Chef.“

    https://www.welt.de/178866492#/comment/5b40c71ed6018000017d5241

    • „Die schon immer durch „einfach da sein“ (being) bzw. „schwanger werden können“ einen „Wert an sich“ darstellten. Vielleicht erst dann, wenn die Reproduktion gänzlich im Labor/in der Fabrik stattfindet – aber in der Welt möchte ich dann nicht unbedingt leben. “

      Ich glaube selbst dann würde das nicht abflauen. Effektiv ergibt die mutmaßlich als evolutionäre Überlebensstrategie der Gruppe eingeübte Höhergewichtung des weiblichen Lebens schon seit tausenden von Jahren keinen wirklichen Sinn mehr. Sinnvoll ist sie eigentlich nur in relativ kleinen Gruppen, in denen aufgrund der reproduktiven Aufgaben und vor allem derer zeitlicher Einbindung (ein Männchen kann „leicht“ an einem Tag fünf Weibchen schwängern, ein schwangeres Weibchen ist aber für knapp ein Jahr raus aus der Nummer) der Verlust eines Weibchens wesentlich schwerer wiegt, als der eines Männchens. In großen z. B. städtischen Gesellschaften mit zig Tausenden wenn nicht gar Millionen von Einwohnern wird diese Priorität aber weitgehend nivelliert.

      Der wahrscheinliche, durchaus einst rationale Grund für den „Empathy Gap“ existiert also schon seit vielen Generationen nicht mehr, der Gap hingegen existiert noch weitgehend unverändert, bzw. wird in gewissen, bedauerlicherweise gerade medial und politisch gut vernetzten Kreisen gar noch regelrecht exzessiv und weit über die Grenzen des Absurden hinaus vergrößert (etwa die regelrecht notorische Fixierung auf Bekämpfung von Gewalt explizit gegen Frauen).

    • @ Claudia „Wir leben seit den 70gern in einer Welt, in der im Alltag in aller Regel Hosen getragen werden, von beiden Geschlechtern. Wobei außerhalb spezifischer Business-Welten“ Ja, aber das war meines Wissens noch zwei Jahrzehnte vorher nicht so. Meine Mutter erzählte mir jedenfalls, dass sie in den 50ern als Mädchen Jeans von Verwandten aus den USA bekommen hätte – und sie in der Schule getragen hat. Sie wurde von den Lehrerinnen nach Hause geschickt, um sich etwas Anständiges, also einen Rock, anzuziehen.

      Dass uns heute Hosen für Männer und Frauen ganz normal erscheinen, zeigt nur, wie normal es geworden ist, dass Frauen sich in ehemals männlichen Territorien bewegen. Mit Männern in weiblichen Territorien ist es da wesentlich heikler, die Blockaden gegen die väterliche Sorge sind das bekannteste Beispiel.

      „Dass beruflicher Erfolg als Wert binnen zwei Jahren 16 Prozentpunkte einbüßte, liegt vor allem an den männlichen Studenten.“ Ich glaube, damit setzt sich ein Prozess fort, der schon in den 50ern begonnen hat. Die populären Künstler der Zeit bedienten Fantasien von Männern, die mit dem alten Ideal des soldatischen Mannes überhaupt nichts mehr zu tun hatten. Schauspieler, die auch Zartheit vorführten (Montgomery Clift, James Dean) – Männer, die sich als Sex-Symbole inszenierten (Elvis Presley, Marlon Brando) – Spiele mit den Geschlechterpositionen (Billy Wilders „Some Like It Hot“etc.), dann später die Übernahme klassisch weiblicher Attribute bei den Hippies und „Langhaarigen“: Schon lange vor der zweiten Welle des Feminismus distanzierten sich Männer ebenso systematisch wie experimentell von traditionellen Männerrollen.

      Djadamoros hat das in einem Kommentar hier mal so ausgedrückt (ich referiere das aus dem Gedächtnis), dass die Veränderung von Geschlechterrollen seit vielen Jahrzehnten eine gemeinsame Arbeit von Männern und Frauen gewesen sei – und dass es das Bild verzerren würde, diese Veränderung als Verdienst schlicht dem Feminismus zuzuschreiben, dessen Impulsen dann schließlich auch Männer gefolgt wären.

      Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen – in meinen Augen ist der heute dominante Feminismus (also nicht der Feminismus von Badinter, Paglia und anderen) eine der wirksamsten Blockaden für eine Veränderung der Erwartungen an die Geschlechter.

      • @Lucas

        Claudia hat ein wenig überlesen, welche Sprengkraft in dieser Aussage liegt:

        „Aber Nikla B. schreibt immerhin: „Das ist nicht nur bei Studenten so. Vielen jungen Berufseinsteigern ist die Karriere unwichtig, die schauen nur dass sie genug Geld verdienen um sich selbst zu finanzieren und gut ist. Freizeit, Work – Life -Balance sind wichtiger als Beförderung oder Verbundenheit zur Firma.“

        Da stehen noch einige sehr lustige Überraschungen bevor! 🙂

        • Bin leider ein bisschen spät dran, aber ich will hier doch noch meinen Kommentar anbringen.

          „Vielen jungen Berufseinsteigern ist die Karriere unwichtig, die schauen nur dass sie genug Geld verdienen um sich selbst zu finanzieren und gut ist. Freizeit, Work – Life -Balance sind wichtiger als Beförderung oder Verbundenheit zur Firma.“

          Ja, und offenbar gewinnt die Finanzierung des eigenen Lebens inkl. einiger Annehmlichkeiten auch an Wichtigkeit gegenüber der Finanzierung der Familie.

          Beförderung in der Firma, die Mehrung von Geld, die Verbesserung des eigenen sozialen Status sind für Männer ja nicht so sehr Selbstzweck sondern sollen das hypergame Weibchen beeindrucken und es somit zur Erwählung ihres Geschlechtspartners bewegen.

          Das scheint mir die wahre Überraschung in der Zukunft zu sein: Männer kümmern sich vermehrt um sich selbst anstatt um ihre Ehefrauen und Kinder. Männer entziehen sich somit je länger je mehr ihrer Funktion als Familienerhalter und Beschützer. MGTOW ist wohl das offensichtlichste Symptom dieser Entwicklung – gerade auch in den USA.

          Ob das jemals mehrheitsfähig wird, weiss ich nicht; bin da aber eher skeptisch aufgrund des ausgeprägten Geschlechtstriebs bei den Männern. Da sich in der Evolution lediglich etwa 40 Prozent der Männer fortgepflanzt haben, ist das wahrscheinlich evolutionsbiologisch gar nicht so tragisch. Jedoch werden Frauen dann weniger Wahlmöglichkeiten unter den Männern haben.

          • @Maesi: Das sehe ich differenzierter. MGTOW erlaubt durchaus den geschlechtstrieb auszuleben, aber so wie du es richtig darstellst, nicht im Sinne der Famileingründung oder verbindlicher Beziehung. Auch betrifft die Fokusierung nicht nur das Geschlechtsleben, auch in Sinne der Unterstützung der Gemeinschaft (freiwillige Feuerwehr etc.) wird diese minimiert/aufgegeben. Das trifft die gesamte Gesellschaft. Momentan wird, jedenfalls in Deutschland, diese Bewegung wenn überhaupt als antifeministisch bzw. als frauenfeindlich dargestellt (wenn überhaupt Artikel darüber erscheinen, ansonsten wird das Thema in -D- möglichst „totgeschwiegen“). Besser nicht über MGTOW berichten, sonst gibt es da noch Kerle die das gut finden, und auf keinen Fall damit argumentativ auseinandersetzen… Das sind alles nur Männer die Angst um Ihre Privilegien haben und desorientiert, hilflos sind… Nein, sind sie nicht, sie wissen (erstmal wahrscheinlich in Ihrem Leben), was sie selbst wollen und was nicht…

          • @chris4you
            Naja, ich bezog mich ja explizit auf die Familiengründung und Ehe, als ich die MGTOWs erwähnte, die sich beidem verweigern. Ausser dieser einen Sache unterscheiden sich MGTOWs in vielen Bereichen stark voneinander. Es ist eine sehr heterogene, individualistische Gruppe.

            Natürlich ist es dem MGTOW erlaubt, den Geschlechtstrieb auszuleben – sei es mit Nutten oder mit Frauen, die einfach Spass am Sex haben, ohne gleich eine Familie gründen zu wollen.

            Auch ansonsten stimme ich Deinen Ausführungen zu.

            Bleibt halt die Frage, weshalb Politik und Medien versuchen eine Debatte über das Thema MGTOW zu vermeiden; und wenn sie ausnahmsweise doch darüber debattieren, dann nur in einer negativen Weise. Es hat wohl damit zu tun, dass MGTOWs nur schwer kontrollierbar sind – gerade weil sie sich nicht so leicht institutionell einbinden lassen. Jemand, der heiratet/Kinder zeugt, ist institutionell sehr stark eingebunden und kann dementsprechend leicht fremdbestimmt werden. Es geht um Machtausübung und Kontrolle.

    • Hosen sind allerdings auch keine anthropologische Konstante.
      Sie sind relativ spät in der menschheitsgeschichte entstanden, vermutlich eher in kälteren Klimata.
      Sie waren z.B. schon im Mittelalter eher was für die arbeitende Bevölkerung, jedenfalls für bestimmte Arbeiten waren sie praktischer.
      Als die Männerröcke mit Strumpfhosen oder Frauenkleider bspw.
      Und im alten Rom trug man auch entweder Toga, oder als Plebs so eine Art Strumpfhose mit kurzem Gehrock.
      Auch die Samurai trugen eher Kleider.

    • Könnte die Geringschätzung der Karriere daran liegen, daß die Abitureientenschwemme dafür sorgt, daß vielfach zwar die Karriereeignung nicht vorhanden ist, aber dennoch der Akademikerstatus angestrebt wird, unter Hinnahme der Nutzlosigkeit der so erworbenen Kenntnisse? Indem man beispielsweise Soziologie, Politologie, Genderwissenschaften oder ähnliches studiert, was keinerlei Nutzen für die Gesellschaft hat, und deshalb auch keine Karriere ermöglicht?

  • „Das ist nicht nur bei Studenten so. Vielen jungen Berufseinsteigern ist die Karriere unwichtig, die schauen nur dass sie genug Geld verdienen um sich selbst zu finanzieren und gut ist.“ Und genau hier beginnt das aktuelle Problem des Feminismus und wieso so massiv auf dem „doing“ bestanden werden MUSS. Wo bitteschön soll die Querfinanzierung für Quote, Förderprogramme, Professorinnenprogramm, Gender-Gedöns (erwirtschaftet besonders hohe Gewinne, äh nicht materieller Art ;o) etc. her kommen, wenn plötzlich die Jungs nicht mehr ans (Steuergeld) scheffeln denken? Und die Damen ihrerseits nicht aus den Puschen kommen um die fehlenden Steuermillionen zu verdienen, dann auch noch in underdog Handwerksberufen (sonder immer noch Geldverdienen „lassen“ wollen). Langsam aber sicher wird der finanzielle Spaßraum immer enger. Momentan alles noch kaschiert von der brummenden Exportwirtschaft, die aber langsam das stottern anfangen wird. Diese schlimmen jungen Patriarchats-Schnössel, die immer nur an sich selber denken, die eigen Worklifebalance… Gleichzeitig werden dann natürlich irgendwelche Entlastungen für Männer immer unwahrscheinlicher, Einbahnstraßen laden nuneinmal nur sehr schwer zur Umkehr ein… Hach, die nächsten Jahrzehnte werden spannend… die Kosten werden in manchen Berufsfeldern explodieren (Medizin/Krankenhaus), weil viel Teilzeit durch hohen Anteil von Damen, gleichzeitig immer weniger Männer die das „kompensieren“ wollen (eigene Worklifebalance!)… Aber im Fall des Falles: Die faulen, blöden Männer sind Schuld! Der Schuldige der (fehlgeleitenden) Entwicklung steht ja Femis-sei-dank jetzt und für immer dar fest!

    Men and women are equal, but women are more equal.
    It is because the patriarchy, that benefits men in every situation. Always.
    Male Privilege.

    (Den Spruch fand ich einfach nur genial, gilt auch für die 120 Särge die bisher aus dem Ausland zurückkommen oder auch für das hier: https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/neun-fakten-ueber-jungen-weltweit/166700 )

    • Ich finde das Ressentiment in deinem Kommentar unangemessen. Man kann einfach nicht behaupten, dass es Feministinnen gewesen wären, die die Männer an die Hardworking-Front gezwungen hätten! Auch nicht Frauen im Allgemeinen – das hat sich einfach evolutionär so entwickelt und ist vielleicht jetzt dabei, sich zu verändern hin zu einer weniger geschlechtsspezifischen Verteilung (wie von vielen Feministinnen seit den 70gern gefordert). Es gibt im Übrigen auch vornehmlich weiblich besetzte Berufe, z.B. in der Pflege, die ganz genauso zum unverzichtbaren Hardworking-Bereich zählen – mit Schichtbetrieb und nix Work-Life-Balance!

      • Oh, das habe ich damit nicht ausdrücken wollen, dass Femis Männer in Hardworking-Jobs drücken, aber jetzt wo Du das so sagst… ironisch könnte ich jetzt anführen: wo bzw. für welche Jobs die Quote gilt und dazu im Umkehrschluß… ;o) Aber lassen wir dies, das ändert tatsächlich nichts an der Tatsache, dass deutlich mehr Frauen in Teilzeit stehen und sie bisher mehr Wert auf Worklifebalance legen als die Herren… Nur wenn alle das tun, dann wird es interessant… nicht mehr und nicht weniger… und ich wette darauf, der Rest wird kommen, die Entwicklung steht bereits jetzt fest (frau denke an die Entwicklung im Bereich der (Grundschul-)Lehrer). Das sind m. E. mitgekoppelte Systeme, und das ist m. E. auch so gewünscht, bis zum Kollaps… (Kollaps: 1.000 Rektorplätze nicht belegt)… In der Medizin eine Frage der Zeit…

      • @CB

        „Auch nicht Frauen im Allgemeinen – das hat sich einfach evolutionär so entwickelt und ist vielleicht jetzt dabei, sich zu verändern hin zu einer weniger geschlechtsspezifischen Verteilung“

        Nicht so schnell mit der Evolution!
        Die Evolution hat bis zur DDR gereicht und da hatten wir Vollzeit arbeitende Frauen und das Arbeitsrecht wurde ergänzt durch die Arbeitspflicht.

        Auf der anderen Seite der Evolution – also in der BRD – nicht zufällig von der Hausfrau, über die weibliche Arbeit in Teilzeit bis hin zum Fetisch der „Work-Life-balancenden“ Frau alles, was als Gegenmodell zu diesem dienen sollte.

        In der BRD waren und sind die alternativen weiblichen Lebensentwürfe darauf verwiesen, dass Männer Vollzeit, Vollzeit und Vollzeit arbeiten mussten und müssen, um diesen zu finanzieren.
        Die legendäre „Work-Life-Balance“ der Frauen wird natürlich nicht mit der peinlichen Nachfrage versehen, ob nämliche Frauen diese selber finanzieren.
        Oder ob sie sich diese finanzieren lassen.

        „Man kann einfach nicht behaupten, dass es Feministinnen gewesen wären, die die Männer an die Hardworking-Front gezwungen hätten!“
        Man kann aber behaupten, dass BRD-Feministinnen auffällig davon profitierten gar nicht erst die Frage zu stellen, ob diese Vielfalt an Lebensentwürfen von Frauen in der BRD nicht auf der Einfalt von Lebensentwürfen von Männern basiert.

        Denn diese Einfalt wird Männern vorgeworfen, als existierten kein materiellen Zwänge, die sie in diesen Käfig sperren.
        Und die sie in diesen Käfig sperren, haben unter Umständen das Interesse, weiterhin aus einem bunten Strauss Rosen wählen zu können.
        Also weiterhin mit CDU und Grüne genau die zu wählen, die ihnen diese vielfältigen Optionen ermöglichen – mit den Geschmacksrichtungen traditionell und „progressiv“ (Prenzlauer Berg).

        Chris hat völlig recht: „Und genau hier beginnt das aktuelle Problem des Feminismus und wieso so massiv auf dem „doing“ bestanden werden MUSS.“
        Wenn kein Mann mehr Lust hat dieses Programm zu finanzieren, dann war´s das.
        Bei der Verteilung der Einnahmen ist nämlich Schluss mit lustig, wenn die Einnahmen einfach nicht mehr existieren.
        Feminismus existiert nur auf der Seite der Ausgaben, Claudia – ganz wie es sich für den Standpunkt der bürgerlichen Frau auch gehört. 😉

        • Hier noch ein recht netter Artikel der in die Richtung geht, einen anderen wo eine selbständige Ärztin darlegte, das sie mit fünf Kollegen zusammenarbeit um normale Praxiszeiten anbieten zu können, finde ich auf die schneller leider nicht mehr:
          http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/beruf/aerzte-und-kliniken/aerzte-der-generation-y-selbstbewusst-gut-bezahlt-und- gern-in-teilzeit-12622408-p2.html daraus das hübsche Zitat „Wenn ich heute zwei Leute einstelle, sind sie so verfügbar wie einer“ (er meint natürlich Leutx, LeutInnen, Leut*… : )… in gänze lesenswert… und falls dann immer noch nicht überzeugt, hier geht es weiter (http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/zuviel-feminismus-brauchen-aerzte-eine-maennerquote-14906675.html) (völlig politisch unkorrekt), und hier noch was zum Thema Vollzeitschule und damit mehr Mütter wieder in die Arbeit (https://www.waz.de/staedte/essen/muetter-arbeiten-trotz-ganztags-nicht-vollzeit-id210355567.html).
          So passt alles schön zusammen, Ärzteschwemme und der Ärztemangel (auch/im Besonderen der an Landärzten/praxen), die explodierenden Kosten (mein Gott, wenn die jetzt noch die ominösen 25-27% mehr bekommen sollen ;o)… Sorry, werde gerade etwas polemisch…

          • @chris

            Vielen Dank für den Artikel! Aus diesem zitiert und von mir kommentiert:

            „In der Generation Y wollen demnach achtzig Prozent der Frauen und fünfzig Prozent der Männer nach der Familiengründung in Teilzeit arbeiten. Auch weil der Verdienst gestiegen ist, erscheint vielen Frauen – spätestens nach der Facharztprüfung – die halbe Stelle als langfristige Perspektive.“

            Das ist überhaupt der Trend.
            Es werden „soziale Berufe aufgewertet“, ergo mit höherem Lohn versehen, die speziell von Frauen verrichtet werden und unverkennbares Ziel ist eine Lohnhöhe, die ein existenzsicherndes Einkommen in Teilzeit ermöglicht.

            „Für Schmidt ergeben sich verschiedene Konsequenzen: „Wenn ich heute zwei Leute einstelle, sind sie so verfügbar wie einer“, bilanziert er.“

            Nicht zu vergessen: Die Ausbildungskosten für Mediziner verdoppeln sich damit, denn wenn ich für eine Planstelle zwei ausgebildete Ärzte brauche, verdoppelt sich der Bedarf. Jedes Jahr Studium der Humanmedizin kostet dem Steuerzahler ca. 30.000 Euro.

            „Aber vor allem bleibt die Hauptlast der Arbeit an der Generation X hängen, denn auch die ältesten Mitarbeiter reduzieren ihre Arbeitszeit.“

            Ich liebe ja diese genderneutrale Formulierung „Generation“!
            Preisfrage: Wenn Ärztinnen überwiegend in Teilzeit arbeiten wollen, wie heißt das Geschlecht noch einmal, das die Hauptlast der Arbeit verrichten soll?

            „In den Kliniken sorgt dieses Missverhältnis für Unruhe. „Normal wäre ein Dienst in der Woche, für viele Angehörige der Generation X sind es inzwischen zwei“

            Die „Generation“, immer diese „Generation“! 😉

          • @crumar: Ja, da waren sie wieder, die angry-white-man, die mittelalten bis alte Säcke, die an allem schuld sind (und nebenbei den Laden irgendwie am Laufen halten, wenn sie nicht gerade im Patriarchtsevent Ihre Dividende wie z.B. zwei Dienste pro Woche einstreichen)… Bei dem Artikel über die Ärztin, den ich leider nicht mehr finde (war ein Interview), ging es um eine feministische Ärztin, will sagen, sie hatte nur weibliche Kollegen in der Gemeinschaftspraxis und hat auf die Tränendrüse gedrückt, dass sie kaum über die Runden kommen mit den Praxiskosten und dem niedrigen „Gehalt“. Zwei der Kolleginen waren in Elternzeit, eine Krank uns so hat sie allen ernstes behauptet, dass sie (theoretisch) zu sechst gerade so die üblichen Praxisöffnungszeiten hinbekommen… Das war Anschauungsmaterial „par excellence“, verfasst unter dem Tenor/Absicht wie schlecht es eine Ärztin in der bösen Männerwelt so hat, und bei genauer Betrachtung zeigte sich da ein ganz anderes Elend… von Diversität und so ganz zu schweigen ;o) (Wobei ich solche Gemeinschaftpraxen unter Betrachtung des besondern Verhältnisses zwischen Patient und Arzt (und in dem Fall 6 Ärtzinnen) sehr -äh- interresant finde. Na ja, vielleicht suche ich heute Abend mal zuhause, ob ich den Link noch finde…

          • @chris

            „Ja, da waren sie wieder, die angry-white-man, die mittelalten bis alte Säcke, die an allem schuld sind (und nebenbei den Laden irgendwie am Laufen halten, wenn sie nicht gerade im Patriarchtsevent Ihre Dividende wie z.B. zwei Dienste pro Woche einstreichen)“

            Es wird noch ein böses Erwachen geben, wenn diese mittelalten bis alten Säcke endlich (!) verschwunden sind. 🙂

            Schön an der neuen Anspruchshaltung ist, dass die tatsächliche „patriarchale Dividende“ in Form von unbezahlten Überstunden, Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsarbeit nicht mehr klaglos hingenommen wird, weil es eben zum Arbeitsethos gehört.

            Auch die Forderungen in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf finde ich richtig. Was aber immer ein Dilemma bleiben wird, da Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsarbeit zu einigen Berufsbildern gehören und irgendwer diese machen muss.

            Ich frage mich schon, ob da eine totale Ausblendung dieser gemeinen Realität erfolgt ist, bevor man die Ausbildung begonnen hat.

          • „Schön an der neuen Anspruchshaltung ist, dass die tatsächliche „patriarchale Dividende“ in Form von unbezahlten Überstunden, Schichtarbeit, Wochenend- und Feiertagsarbeit nicht mehr klaglos hingenommen wird, weil es eben zum Arbeitsethos gehört.“

            Das finde ich auch eine positive Entwicklung. Männer sind immer weniger bereit, sich klaglos als Nutzvieh vor den Karren der Gesellschaft spannen zu lassen. Eine interessante soziale Entwicklung.

            Mich würde mal interessieren, wieviel davon auf die Kappe von Feministinnen geht, die sich in permanenter eigener Unterverantwortlichkeit ergehen, über jede noch so kleine Unannehmlichkeit des alltäglichen Lebens klagen und dafür dem „Patriarchat“ (gemeint sind in der Regel alle Männer) die Schuld und die Verantwortung für die Behebung der Unannehmlichkeit zuschieben.

            Gerade wo der Feminismus auch in den Medien erkennbar tonangebend geworden ist, keine Woche vergeht ohne massenhafte „was Männer alles so falsch und Frauen viel besser machen“-Texte in großen, überregionalen Medien, hat die sich schon auf dem Level buddhistischer Mönche bewegende Geduld „der Männer“ mit der feministischen Dauerzeterei scheinbar eine Grenze erreicht. Im Kleinen zeigt sich das daran, dass die Zahl der „lila Pudel“ in den Kommentarbereichen inzwischen deutlich in der Minderheit ist; wenn sie auch aufgrund ihres mehrheitlich penetrant bornierten Diskussionsstils eine sehr enervierende Minderheit bilden. Dies führte ja letztlich auch dazu, dass viele der besagten Medien dazu übergegangen sind, unter diesen oft vor Ressentiments nur so triefenden Beiträgen die Kommentarsektion zu deaktivieren; so wejen die janze Hatespeech und so, versteht sich…

            Aber wir scheinen auch einen Punkt zu erreichen, wo tatsächlich viele Männer einfach, auch über das pure „Gegenmotzen“ hinaus, die Schnauze voll davon haben, sich auf der einen Seite Tag ein, Tag aus den Arsch aufzureißen, damit der Laden irgendwie läuft und sich dafür dann abends in Fernsehen und Zeitung anhören zu müssen, dass die Gruppe, der sie per biologischer Zuordnung unglücklicherweise auch angehören, ausschließlich für alles Schlechte was jemals passiert ist, aktuell passiert und wohl noch passieren wird verantwortlich ist.

          • Und was die Querfinanzierung so alles bringt kann hier nachgelesen werden. Die berühmte Generation „X“ und die „ältesten Mitarbeiter“ werden da auf was nettes auflaufen (gut, die Ärzte nicht so unbedingt, aber der Rest…). Mal sehen ob dazu was in den „Qualitätsmedien“ zu lesen sein wird… https://www.wp.de/wirtschaft/rentenversicherung-angst-vor-altersarmut-oft-unbegruendet-id214769369.html
            Zitat: „…Bislang ist Altersarmut vor allem ein Problem von Frauen, insbesondere von Alleinerziehenden. Sie arbeiten häufig in Teilzeit und können so wenig in die Rentenkasse einzahlen. Doch die Entwicklung unter den Geschlechtern gleicht sich zunehmend an. Spätestens im nächsten Jahrzehnt werden mehrheitlich Männer auf die Grundsicherung angewiesen sein, berichtet Kaltenborn. Zudem steigt das Risiko der Altersarmut seit dem Geburtsjahr 1945 mit jedem Jahrgang leicht, aber kontinuierlich an….“ oder auch einfach zusammengefasst: „…Ende des nächsten Jahrzehnts wären dann eine Million Rentner auf Grundsicherung angewiesen, sechs Prozent der Männer und 4,4 Prozent der Frauen. „… Na ja, dafür bekommen Männer ja auch nicht solange Rente! Wenn das in eine Art „Wirtschaftlichkeitsrechnung zur genderspezifischen Rente“ einfließen würde (kann das hier jemand mal ausrechnen, was an Rentenbeiträgen eingezahlt wird und dann tatsächlich ab Rentenalter bis theoretischem Sterbealter ausbezahlt wird?). Ich fürchte dies wird mindestens bei ca. 30% zuungunsten des einen Geschlechtes ausgehen… Und darum tut dies auch keiner, und auf den Tisch darf es gleich garnicht kommen…
            Sorry Lucas, Beitrag passt nicht wirklich zum Thema des Threads… ;o(

          • Wenn mann Vollzeit arbeitet, kann man nicht mehr auf sixx „“ein wunderbares Brautkleid“ sehen, oder anderswo Frauentausch, und nicht im Internet nach Schminktipps surfen, oder seinen Opferstatus twittern.
            Geschweige denn seine 571 Facebookfreundschaften pflegen, und in vielen Jobs geht das einfach nicht während der Arbeitszeit.
            Und Sendungen mit dem Videorecorder aufzeichnen (wenn frau das kann), nützt auch nix, denn man hat einfach nicht mehr die Zeit, das alles anzuschauen, denn abends ist man irgendwann öfters mal müde und kaputt, nach einem echten Arbeitstag im echten Arbeitsleben (ich meine jetzt nicht Genderforscherin oder Feng Shui Consultant oder son Scheiß).
            Und wenn man dann noch Kinder hat, reicht es meist nicht mal für einen kleinen Fick, und wenn man alleinerziehend ist, sich dann noch aufbrezeln und neue Ficker suchen, oder den idealen, jederzeit zu-/abbuchbaren Lebensabschnittspartner auf Mitteldistanzbasis, neben den Freundschaften und feministischen Peergroups, die man pflegen muss, das ist zeitlich bei Vollzeiterwerb einfach knapp.

            Und mit den Kollegen noch auf ein Bierchen, das hat sich auch unter Männern (dank Fragmentierung von ehemals Belegschaften zu postmodernem Coder-, Freelancer- usw. Hipstertum) irgendwie überlebt, und wird so von weiblichen Kräften eher weniger weitergeführt werden, als eh schon, schließlich lauert auch hier die sexuelle Belästigung.
            Und es stellt sich dabei so ein widerliches Feierabend-Ambiente von Gleichwertigkeit unter Kollegen ein, was moderne Frau nicht braucht, denn was die braucht, ist das ständige Bewußtsein von Überlegenheit und dessen Widerspiegelung durch Männer.

            Noch dazu, unter ArbeiMtskollegen kennt man sich bedauerlicherweise nach einer Weile doch zu gut als Mensch, um da so eine vermeintliche Überlegenheit aufrechterhalten zu können.
            Also allein schon wegen den für Frauen doch so immens wichtigeren sozialen Kontakten braucht es einfach mehr Freizeit fürs selbe Geld.

  • Eigentlich reicht ein Blick ins Grundgesetz, um die Lage zu klären. Männer haben im Prinzip Wehrdienst zu leisten, d.h. im Ernstfall ihr Leben zu riskieren, d.h. zu opfern, der Feind hat nämlich die unangenehme Eigenschaft, auch zu schießen. Damit ist geklärt, daß Männer kein uneingeschränktes Recht auf Leben haben (jetzt bitte nicht die Ausrede mit dem Ersatzdienst, der war über Jahrzehnte nur mit einer sehr scharfen Überprüfung zu bekommen, oder der derzeitigen Aussetzung, die kann jederzeit aufgehoben werden). Damit erübrigen sich mMn kleinteiligere Beispiele für wenig Empathie für Männer.

    Selbst wenn es keinen Krieg gibt, dann bleibt der Wehrdienst, den Frauen nicht leisten mußten. Von diesem besonders bemerkenswert ist die Grundausbildung. Die zielt darauf ab, die Rekruten so weit zu verrohen, daß sie andere Menschen totschießen, weil das die Kanzlerin oder wer auch immer befohlen hat. Empathie hat ja immer einen Touch von Mimosenhaftigkeit (weswegen mir der ganze Begriff Empathie-Gap nicht gefällt). Mimosenhaft sollte man in der Grundausbildung nicht sein, solche spannenden Unterrichtsthemen, an welchen Körperstellen Treffer den Gegner am schnellsten ins Jenseits befördern oder welche Munition beim Auftreffen platzt und eine Spur der Verwüstung innen im Feind hinterläßt, könnten einem sonst auf den Magen schlagen.

    GG Art 12a (4) letzter Satz zeigt dahingehend deutlich mehr Empathie mit den empfindsamen Frauen: „Sie dürfen auf keinen Fall zum Dienst mit der Waffe verpflichtet werden.“

    • Ich würde noch ergänzen: Unser Grundgesetz wurde nur wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs entworfen, da war die Erinnerung an diesen Krieg noch sehr lebendig.

      Und alles, was den Vätern dieses Grundgesetzes einfiel, war: An die Front, Ihr Männer – aber keine Frauen, Gott bewahre!

      Was auch häufig übersehen wird: daß es während der Grundausbildung viele körperliche Verletzungen gibt, die den Frauen erspart bleiben. Ärztliche Behandlung während der Armeezeit hat nicht die Funktion, den Patienten gesund zu machen, sondern so schnell wie möglich wieder einsatzfähig.

      Was auch meist übersehen wird, daß bereits mit der Musterung die Grundrechte des Mannes deutlich eingeschränkt werden.

    • Ich würde noch ergänzen: Unser Grundgesetz wurde nur wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs entworfen, da war die Erinnerung an diesen Krieg noch sehr lebendig.

      Und alles, was den Vätern dieses Grundgesetzes einfiel, war: An die Front, Ihr Männer – aber keine Frauen, Gott bewahre!

      Was auch häufig übersehen wird: daß es während der Grundausbildung viele körperliche Verletzungen gibt, die den Frauen erspart bleiben. Ärztliche Behandlung während der Armeezeit hat nicht die Funktion, den Patienten gesund zu machen, sondern so schnell wie möglich wieder einsatzfähig.

      Was auch meist übersehen wird, daß bereits mit der Musterung die Grundrechte des Mannes deutlich eingeschränkt werden.

  • @ClaudiaBerlin
    „Ein Mädchen KANN also gar nicht „als Mann gehen“, wenn sie sich so kleidet, wie Männer normalerweise im Alltag rumlaufen – weil eben Frauen ziemlich genauso gekleidet sind! “
    Um Himmels Willen! Gehst du im Sommer den nicht vor die Tür, oder wie kommt man auf so eine realitätsferne Aussage?? Während die Kleidung von Männern, so wie sie es immer war, neutral und funktional gehalten wird, zielt die Kleidung von Frauen, und das im Laufe der Jahrzehnte in immer stärkeren Maße, überwiegend nur noch auf die Verführung des Mannes ab! Finde erst mal eine Frau, die wie ein Mann eine locker sitzende Hose trägt. Nein, bei der Frau muss es natürlich hauteng oder wenn das Wetter es zulässt, mit möglichst viel nackter Haut sein!

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