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Vom allmählichen Abgleiten der Diskurse in den Wahnsinn

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ohne meine Erfahrungen als Trennungsvater hätte ich dieses Blog nicht begonnen. So beschäftigte ich mich hier dann wesentlich mit Geschlechterthemen, obwohl es für mich eigentlich eine ganze Menge anderer Themen gibt, die mich mindestens ebenso stark interessieren.

In letzter Zeit habe ich immer wieder mal Texte veröffentlicht, die mit Geschlechterfragen allenfalls indirekt etwas zu tun hatten, und das möchte ich auch weiter tun. Ein Grund dafür: Das, was medial als „Geschlechterdebatte“ firmiert, hat so häufig eine Tendenz ins Irrationale, Überdrehte, auch Verrückte, dass es leicht ist, darüber den Sinn für Relationen zu verlieren.

Diese Verrücktheiten allerdings sagen einiges darüber aus, wie wir überhaupt öffentliche Debatten führen.

 

Ein Humorfunktionär erklärt, warum Monty Python heute keine Chance hätte

Shane Allan, der bei der BBC für die Kontrolle der Comedy-Sendungen verantwortlich ist, war weitgehend unbekannt, bis er sich im letzten Monat über die berühmteste Comedy-Gruppe seines Landes äußerte.  Monty Python hätte heute keine Chance mehr, weil die Zeiten vorbei wären, in denen eine Sendung von „sechs weißen Typen der Eleiteuniversitäten“ („six Oxbridge white blokes“) gemacht werden könne. Stattdessen würde bei der BBC heute gefragt, wo denn die „diversity story“ sei: Es ginge darum, wie originell eine Stimme sei, nicht darum, welche Schule jemand besucht habe – was in einer leichten. aber unbemerkten Spannung zu seiner Ablehnung von Oxford oder Cambridge steht.

Allen kam auch nicht auf die Idee, dass es vielleicht etwas komisch aussehen könnte, wenn ein Fernsehfunktionär der wohl besten Comedy-Gruppe aller Zeiten fehlende Originalität vorwirft. Dass Monty Python angesichts institutionalisierter Gender- und Diversity-Richtlinien niemals eine Chance bei der BBC gehabt hätte, ist eigentlich ein Argument, das von Kritikern dieser Richtlinien zu erwarten wäre – als Unterstellung, dass solche Regeln destruktiv und autoritär seien. Allen aber verkauft es ungerührt als Fortschritt, dass Monty Python heute keine Chance mehr hätte.

Die Gruppe selbst hat oft vorgeführt, wie schnell es in den Wahnsinn umkippt, wenn wohlmeinende ordnungsliebende Menschen versuchen, das Anarchische aus der Welt zu entfernen. Ikonisch ist eine Szene aus dem „Leben des Brian“, als um die Zeit von Christi Geburt ein Widerständler „Römer haut ab“ an eine Mauer schreibt und dabei von einem Legionär erwischt wird, der ihn energisch auf Grammatikfehler aufmerksam macht und ihn deshalb den korrigierten Satz gleich hundert Mal an die Wand schreiben lässt.

Monty Pythons John Cleese und Terry Gilliam haben sich über Allans Ausführungen lustig gemacht. Hätte der Humorfunktionär ihnen heute noch etwas zu sagen, dann müssten sie nun hundert Mal „Diversity ist gut – Monotonie ist schlecht“ an eine Mauer schreiben.

 

Scarlett Johansson und der Skandal des Grenzübertritts

Mit dem seltsam aktuellen Bestreben, Kunst von der Unmoral zu säubern, ist auch die Schauspielerin Scarlett Johansson gerade kollidiert. Sie hatte in dem Film „Rug and Tug“ den transsexuellen Dante „Tex“ Gill spielen sollen, einen Bordellbesitzer und Gangster im Pittsburgh der Siebziger und Achtziger Jahren. Nach einer massiven, rufschädigenden Kampagne auf Twitter und in anderen sozialen Medien, die vom Spiegel verharmlosend als „Kritik aus der Transgender-Gemeinde“  dargestellt wurde, zog sich Johansson von der Rolle zurück. Ob sie, wie vorgesehen, den Film weiter produzieren wird, ist nun ebenso unklar wie die Besetzung der Rolle.

Ihr Rückzug wird trotzdem von Aktivisten als großer Erfolg gefeiert.

„Lasst uns das allen eine Lehre sein, dass auf Twitter wütend zu werden und öffentliche Personen in die Verantwortung zu nehmen tatsächlich ein effektiver Weg ist, Veränderungen zu bewirken“,

schreibt John Paul Brammer ohne Ironie im LGBTQ-Magazin them. Das organisierte Ausagieren von Wut gegen Einzelne, einfach und bequem vom Wohn- oder Schlafzimmer aus zu erledigen, wird so als erfolgreicher politischer Aktivismus zur Verbesserung der Gesellschaft verklärt. Der deutsche Blogger Hadmut Danisch hingegen stellt den Fall als „neue Eskalationsstufe des Wahnsinns“ dar.

Schauspieler spielen nun einmal Menschen, die sie nicht selbst sind. Wenn es eine sichtliche Differenz zwischen Rolle und Schauspieler gibt, kann die beabsichtigt sein – Brecht hätte das zum „Verfremdungseffekt“ gezählt. Wir wissen, dass ein Schauspieler die Person, die er spielt, nicht tatsächlich IST, und das schafft für ihn, oder sie, und für das Publikum eben erst den Spielraum für eine künstlerische Inszenierung.

Auch typisch weiße Rollen können zum Beispiel mit schwarzen Schauspielern besetzt werden. Als etwa die Schwarze Noma Dumezweni im Harry-Potter-Schauspiel die Hermione spielte, gab das ebenfalls Proteste und Hohn – die Protestierer wurden aber selbstverständlich nicht als progressive Aktivisten, sondern als rechte „Hater“ eingestuft.

Transaktivisten würden darauf bestehen, dass beide Fälle doch völlig unterschiedlich wären, aber einen wichtigen Aspekt haben sie gemein: Die rassistischen Proteste gegen Dumezweni und die transaktivistischen Proteste gegen Johansson ordnen erst Kunst der Moral unter und Moral dann einer simplen Gruppenzugehörigkeit.

Im England des Oliver Cromwell waren Theater verboten, weil das Schauspiel einfachen moralischen Maßstäben eben nicht unterzuordnen ist und daher zur sittlichen Gefährdung der Bevölkerung beigetragen habe. Von einer „Kulturpolizei“ schreibt  heute Christian Butler bei spiked: Die agiere,

„als ob es wichtiger sei, eine Rolle divers zu besetzen, als tatsächlich das alltägliche Leben von Menschen aus Minderheiten zu verbessern.“ 

Tatsächlich ist es für die Proteste völlig unwichtig, warum sich Menschen als transsexuell begreifen, vor welchen konkreten Problemen sie dabei stehen und welche konkreten Lösungen es dafür geben könne. Transsexuelle sind hier einfach Projektionsfläche für eine Identitätspolitik, aus deren Perspektive Geschlechter bloß soziale Konstrukte zur Reproduktion von Herrschaft sind. Transsexuelle können so fantasiert werden als Avantgarde von Menschen, die sich diesen omnipräsenten Herrschaftsstrukturen entziehen – gleichsam als reine Menschen, die nicht von der Macht beschmutzt sind.

Erst angesichts dieser politischen Fetischisierung der Transsexualität wird verständlich, wie winzige Trans-Gruppen die Durchschlagkraft erreichen können, eine der einflussreichsten Schauspielerinnen Hollywoods per Tastatur aus einer Rolle zu drängen. Tatsächlich hat Johansson sich einer Form der Blasphemie schuldig gemacht, als sie sich anmaßte, als Cis-Sexuelle einen Trans-Mann spielen zu wollen. Wenn der Spiegel also von einer „Trans-Gemeinde“ schreibt, dann erfasst er damit aus Versehen die religiöse Basis des Furors genau.

 

Sibel Schick, Sarah Rambatz und die Grundreinigung der Welt

Hinterher vermutete Ali Utlu, schwuler Ex-Muslim mit 23,5 Tausend Followern bei Twitter, dass eine Auseinandersetzung von Sibel Schick mit ihm am Anfang stand.

Er hatte es als „bizarr“ bezeichnet, dass Gender- und Transaktivisten nach einer gender-neutralen Bezeichnung für Muttermilch suchten, und wurde dafür von der taz-Autorin zur Rede gestellt. Schließlich machte sie ihm in einem längeren Tweet-Sermon klar, dass er ein „transphober Misogyn“ wäre, und blockte offenbar nicht nur ihn, sondern auch jeden seiner Follower.

Später jedenfalls begann sie eine systematische Block-Aktion, bat um Adressen von Hatern zum Blocken und lud sich lange Blocklisten herunter. Einige User machten sich natürlich einen Spaß daraus, ihr Adressen linker Aktivisten zum Blocken zuzuspielen, die sie offenbar auch gehorsam in ihre Listen einbaute.

Auftritt Sarah Rambatz, die im letzten Jahr einen brutalen Shitstorm gegen sich erlebt hatte, nachdem sie als Bundestagskandidatin der Linken im Netz nach Filmempfehlungen gesucht hatte – sie möge besonders Filme, in denen „Deutsche sterben“.  Sie hatte dann ihren Listenplatz geräumt.

Nun stellte Rambatz fest, dass auch sie von Schick geblockt worden war, regte sich darüber auf, wandte sich mit ihrer Beschwerde aber nicht etwa an Schick selbst, sondern wie selbstverständlich an deren Arbeitgeber. Das sah Schick wiederum natürlich als Versuch an, ihre berufliche Existenz zu zerstören, griff Rambatz öffentlich hart an und machte sie lächerlich.

Der öffentlich ausgetragene Konflikt amüsierte tagelang andere Twitter-Nutzer. Schick wiederum hatte schließlich offenbar so umfassend andere geblockt, dass ihr Account kaum noch zu nutzen war und sie um Hilfe bat.

Selbstverständlich warfen einige Katastrophentouristen dieses kommunikativen Totalschadens genüsslich die Frage nach der geistigen Gesundheit der beteiligten Frauen auf. Abgesehen davon allerdings, dass sie uns nichts angeht, ist diese Frage auch nicht relevant. Wichtiger sind zwei andere Aspekte.

Ganz offensichtlich fehlt bei Twitter eine „Block the world“-Funktion, mit der politisch bewusste User sich vorsorglich die ganze Welt vom Leib halten können, um dann vorsichtig zu überlegen, ob sie nicht die eine oder andere nachweislich vertrauenswürdige Person vorsichtig wieder durchzulassen. Im Ernst: Rambatz und ihre Unterstützer störten sich überhaupt nicht an Schicks Massen-Block-Aktion, sondern lediglich daran, dass sie auch die Falschen geblockt hatte. Als hätte keiner von ihnen jemals davon gehört, dass Reinheitslogiken destruktiv sind und dass solche Logiken, werden sie konsequent verfolgt, am Ende nicht DAS GUTE übrig lassen, sondern gar nichts mehr.

Vor allem wurde in dem Konflikt deutlich, was passiert, wenn zwei Menschen aufeinander stoßen, die beide eskalativ agieren, die sich beide unbedingt im Recht fühlen und die beide gar nicht einsehen, dass Konflikte auch einmal moderiert werden könnten. Das bedeutet: Diese Art des Kommunizierens ist allgemein nur möglich in einem Rahmen, in dem ausreichend andere Menschen präsent sind, die sich eben nicht so verhalten, sondern die versuchen, zu deeskalieren, die Positionen anderer zu verstehen und zwischen verschiedenen Positionen zu vermitteln.

Das extreme Verhalten von Schick oder Rambatz folgt also einer Trittbrettfahrer-Logik – es lebt von zivilen Strukturen, zu deren Aufrechterhaltung es aber nichts beiträgt und die es sogar gefährdet. Zu allem Überfluss lassen sich aus den extremen Perspektiven der Identitätspolitik diese bestehenden Strukturen dann auch noch als Reproduktionen von Herrschaftsverhältnissen denunzieren, gegen die vorzugehen nicht nur ganz in Ordnung, sondern gar moralisch geboten sei.

Nun sind Schick und Rambatz aber eben keine Oskar Matzeraths, keine Insassen einer Heil- und Pflegeanstalt, sondern eingebunden in Institutionen, die ihnen eine weit überlegene Diskursposition verschaffen. Warum extreme Positionen überhaupt von derselben Ordnung getragen werden, die sie gefährden, lässt sich an einem letzten Beispiel zeigen.

 

Katharina Schulze, extreme Kompetenz und störende alte weiße Männer

Katharina Schulze, Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen, erklärte in einem YouTube-Video engagiert, sie habe

„keinn Bock, dass alte weiße Männer, weil sie mit Vielfalt nicht zurechtkommen, unsere Zukunft verspielen“. 

Die Kontroverse zwischen CSU und CDU um die Einwanderungspolitik interpretierte sie so schlicht als Ausdruck von Alter, Hautfarbe und Geschlecht – alte weiße Männer sind bei ihr irgendwie DIE ANDEREN, die UNSERE Zukunft verspielen.

Inhaltlich ist das bestenfalls Quatsch, politisch ist es verrückt, einen Großteil der eigenen Wählerschaft aufgrund von Eigenschaften, die Menschen nicht ändern können, als destruktive Unmenschen hinzustellen.

Energisch, empathisch, überragend kompetent: Beim Reden über alte weiße Männer kann jedoch selbst Katharina Schulze einen leichten Widerwillen kaum verbergen.

Nun muss in demokratischen Debatten allerdings auch ein Platz für abseitige, zunächst verrückt wirkende Statements sein. Nur gibt es eine solche Debatte bei den Grünen eben gar nicht. Ebenso wie bei der extremen Äußerung des Hamburger Vize-Grünen Michael Gwosdz, der Männer pauschal als „potenzielle Vergewaltiger“ hingestellt hatte,  gibt es in der Partei nicht einmal einen Hauch von Kritik. Entweder sind tatsächlich alle ganz einverstanden damit, Menschen ihrer biologischen Gruppenzugehörigkeit entsprechend als Unmenschen zu präsentieren – oder die parteiinterne Debattenkultur ist so nachhaltig beschädigt, dass Kritiker solcher extremen Äußerungen mehr befürchten müssen als die, die sich so äußern.

Schlimmer noch: Medial wird es vollkommen akzeptiert, dass den Grünen die Selbstkorrektur einer offenen innerparteilichen Diskussion fehlt. Im Tagesspiegel ist soeben ein Text über Schulze erschienen, der ihr über eine ganze Zeitungsseite hinweg so distanz- und kritiklos huldigt, als wäre der bestellte DDR-Journalismus wieder auferstanden. Nur muss dieser Journalismus nicht einmal mehr bestellt werden, er bestellt sich selbst ein.

Schulze habe, so wird zum Beispiel ein Parteifreund distanzlos zitiert, „nicht nur ungeheure Energie und Empathie, sondern auch eine alles überragende Kompetenz“. Hätte jemand dem Autor Armin Lehmann gesteckt, dass sie auch Kranke heilen, über Wasser wandern und Bierflaschen mit dem Augenlid öffnen kann – er hätte auch das noch in seinem Text untergebracht.

Dieser Autor ist ein weißer Mann, fühlt sich aber möglicherweise noch nicht alt genug, um zu Schulzes diversitätsfeindlichen Zerstörern der Welt gerechnet zu werden. Seine beschämend-liebedienerische Kritiklosigkeit ist aber ein gutes Beispiel für eine seltsame Vorliebe des politisch engagierten Journalismus für Extrempositionen.

Extrem, nicht radikal. Radikal zu sein bedeutet, Fragen auf den Grund zu gehen (radix – lat. Wurzel). „Democracy is radical“, überschrieb John Dewey einen seiner Essays, weil der demokratische Diskurs die besten Voraussetzungen biete, Sachverhalte grundlegend zu klären.

Extrem hingegen ist es, wenn Menschen Positionen ablehnen, die für den zivilen, demokratischen Diskurs unerlässlich sind: die Geltung der Menschenrechte für alle – oder das Recht aller von einer Frage Betroffenen, Gehör zu finden – oder die Bereitschaft, andere Akteure des Diskurses eben als andere Akteure des Diskurses anzusehen, nicht als Feinde und Eindringlinge von außen, die abgewehrt werden müssen.

Werden solche Extrempositionen als „progressiv“ oder „emanzipatorisch“ wahrgenommen, dann können sie als ein Vorschein einer neuen, besseren Zeit dastehen. Der Bruch mit zivilen Grundsätzen und Verhaltensweisen lässt sich dann leicht dadurch erklären, dass diese Zivilität eine bestehende Herrschaftsordnung repräsentiere, aus deren Perspektive die neue, bessere Welt verzerrt als gefährlich oder verrückt erscheint. Ein antiziviles Verhalten wie das von Schick lässt sich dann  als Ausdruck des Leids an der bestehenden Ordnung verklären.

Gerade politisch engagierter Journalismus hat eine besondere Affinität zu Extrempositionen. Solche Positionen können ihm positiv als Vorschein der neuen besseren Welt erscheinen – oder aber auch negativ, etwa bei der AfD, als Anzeichen einer großen Gefahr, als Vorbereitung einer düsteren Zukunft. Das erklärt, warum extreme Akteure im Diskurs nicht etwa gelassen abgefedert werden, sondern medial besonders viel Aufmerksamkeit erhalten.

Das hat auch ökonomische Gründe. Sich an der Fantasie einer herrschaftsfreien Welt ohne feste Geschlechterrollen zu orientieren – oder am Schreckbild einer Gesellschaft, die den Faschismus wieder an die Macht bringt: Das ist jeweils deutlich einfacher, als sich mit dem widersprüchlichen, vielfältigen, perspektivreichen, unüberschaubaren Schlamassel einer modernen Massengesellschaft auseinanderzusetzen.

So tragen Akteure ziviler Diskurse dann selbst dazu bei, dass solche Diskurse allmählich in den Wahnsinn gleiten, weil sie sich wieder und wieder durch Extrempositionen unter Druck setzen lassen, in denen für Zivilität kein Platz ist.

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31 Comments

  • Katharina Schulzes Statement habe ich auf Youtube so kommentiert:
    „Inhaltlich weitgehend einverstanden, aber den Spruch von den „weißen alten Männern“ hättest du dir sparen können. Denn es gibt viele postitiv engagierte weiße alte Männer, die sich zu Recht durch solche Pauschalisierungen diskriminiert fühlen“.

    Wie ich sehe, ist der Kommentar gelöscht.

    • „Wie ich sehe, ist der Kommentar gelöscht.“ Das finde ich sehr schade. Ursprünglich wurde das Löschen von Kommentaren, oder – wie bei der SZ – das Abschaffen der Kommentarfunktion ja damit gerechtfertigt, dass den primitiven Aggressionen, dem „Hass“ im Netz sonst nicht beizukommen wäre. Mittlerweile ist das Löschen aber eine einfach Marketing-Funktion zur Herstellung eines passenden Bildes, bei dem Störendes entfernt wird. Wenn überhaupt noch Kommentare durchkommen, dann simulieren sie eine offene Diskussion, die es tatsächlich nicht gibt.

      Ich finde es gerade bei Deinem Kommentar schade, weil Du ja deutlich gemacht hast, dass Du Schulze überhaupt nichts Böses willst und ihr prinzipiell zustimmst, dass Dich nur ein Aspekt stört.

      In der Philosophie gibt es für so etwas den Begriff der „interessierten Kritik“, den besonders Ursula Wolf vertritt. Wenn Akteure in der Politik nicht einmal so etwas durchlassen können, haben sie sich ziemlich offenkundig den falschen Tätigkeitsbereich gesucht und hätten sich lieber rechtzeitig um eine Karriere bei der Bundeswehr oder in der katholischen Kirche kümmern sollen.

      Es gibt aber auch noch positive Überraschungen. Besser war eine Reaktion von Georg Restle, dessen Positionen ich hier gerade in einem Artikel ziemlich scharf kritisiert habe. Bei Twitter hatte jemand den Artikel weiter empfohlen, und Restle wiederum hatte diese Empfehlung mit einem „Like“ weitergereicht. Das finde ich, bei aller Kritik, souverän.

      • Als ich füher gelegentlich noch bei der „Mädchenmannschaft“ kommentiert habe, sind meine Kommentare auch nie erschienen.

        Habe dann zum Spaß mal mit einem weiblich Nickname kommentiert, dass ich den Beitrag ganz großartig finde, und prompt erschien der Kommentar.

        • Habe dann zum Spaß mal mit einem weiblich Nickname kommentiert, dass ich den Beitrag ganz großartig finde, und prompt erschien der Kommentar.

          Das ist noch lange nicht die hohe Kunst des Trollens. Ich habe bei denen mal unter einem Frauennamen – ja, die Idee ist mir auch schon eingefallen – ihren Beitrag so überschwänglich gelobt, so dass er nicht freigeschaltet wurde. 🙂
          Man hat ja sonst nichts zu tun.

      • PS. Ich hab auch gerade gesehen, dass ich mittlerweile von Frau Schulze bei Twitter geblockt bin. Das ist ja für mich persönlich nicht schlimm, aber für sie ist es peinlich.

        Sie ist da ja nicht als Privatperson unterwegs, sondern als grüne Spitzenkandidatin. Und ich kann ja verstehen, dass sie sich etwas veräppelt fühlt, aber ich hab sie – mit Ausnahme eines kleinen Tweets – dort nie angeschrieben und ganz in Ruhe gelassen. https://mobile.twitter.com/LucasSchoppe1/status/1016618512331177984

        Wer nichtmal solche Kritik aushält, ist in der Politik falsch.

        • Oh Gott, man könnte es ja nur als Comedy Gold verbuchen, wenn es nicht so traurig wäre, denn Zitat Schoppe: „Sie ist da ja nicht als Privatperson unterwegs, sondern als grüne Spitzenkandidatin.“

          Unter dem Aspekt war schon ihr Auftritt im Video hochnotpeinlich, von den schon grotesken Kommentarsäuberungen (siehe Kommentar von Claudia) und Blockaktionen ganz zu schweigen…

    • Stigmatisieren/löschen/sperren ist seit Jahrzehnten grün-feministische Zermürbungstaktik. Sie spielen ganz unverhohlen die immergleiche femipopulistische/männerbashende Karte, um im gleichen Atemzug und sexy geschminkt zu behaupten, gegen Sexismus und Diskriminierung zu kämpfen. Nichts zermürbt mehr, wie entrechten, stigmatisieren, nicht zu Wort kommen lassen und parallel dazu sich selbst zu unbefleckt reinen Bringerinnen des Lichts zu stilisieren. Und darum geht es ja schließlich, Zermürbung zwecks brechen des Widerstandes zwecks kollektiver Instrumentalisierung bzw. Dienstbarmachung.

      Funktioniert wie geschmiert – im sogenannten Bundesfamilienministerium, den Medien …

  • Von diesen Leuten wird ja gelegentlich darauf hingeweisen, dass mit „weiß“ nicht die Hautfarbe gemeint sei, sondern die Machtposition, die jemand in der Gesellschaft einnimmt. Warum man dazu dann aber ein Farbwort benutzt und nicht einfach sagt, was wirklich gemeint ist, erklären sie nicht.

    • Das ist mir die Tage übel beim Interview von Niggemeier mit Martenstein bei Übermedien aufgefallen. „Alt, weiß und männlich“ bezeichnet etwas Anderes, als was diese drei Wörter jeweils bedeuten, und was das es bedeutet, hat man gefälligst zu erahnen.

      • Eigentlich noch schlimmer: Sie dehnen Vorurteile auf eine sehr große Bevölkerungsgruppe aus, indem negative Verhaltensweisen einer Hautfarbe, Geschlecht usw. zugeordnet werden.

        Wenn jemand sagt, dass „nordafrikanische junge Männer“ ein Problem seien, wird man ihm vermutlich Rassismus vorwerfen. Wenn er dann sagt, dass es ja gar nicht um alle „nordafrikanischen jungen Männer“ gehe, sondern dass einige davon halt Drogenhändler seien und er diese kriminellen Strukturen meinte, wenn er von „nordafrikanischen jungen Männern“ spricht … ich vermute, kaum jemand würde das als Erklärung akzeptieren, warum die Verbindung von Geschlecht, Alter und Hautfarbe keine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit wäre.

        Aber bei weißen, heterosexuellen, alten Männern („WHAM“) soll es so funktionieren.

    • „dass mit „weiß“ nicht die Hautfarbe gemeint sei, sondern die Machtposition, die jemand in der Gesellschaft einnimmt“

      Das ist so offenkundig eine Rationalisierung, dass es eigentlich den Leuten, die so reden, selbst peinlich sein müsste. Denn: Wo wird denn ernsthaft über Machtpositionen debattiert? Wo leisten Identitätspolitiker, die so gern über „Strukturen“ reden, denn mal strukturelle Analysen? „Machtstrukturen“ sind eigentlich immer schon dann zu Ende analysiert, wenn jemand darauf hinweist, dass die meisten Aufsichtsratsposten von Männern besetzt sind.

      Wenn es wirklich um Strukturen und die Analyse von Herrschaft ginge, dann müsste eigentlich jeder merken, dass biologische (Geschlecht) oder biologistische (Rasse) Kategorien dabei nur stören.

      Tatsächlich funktioniert diese Position wie das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Jeder sieht, dass der Kaiser nackt ist, aber niemand glaubt, dass es tatsächlich so einfach sein kann, dass doch noch etwas anderes dahinter stecken müsse, sonst würden das doch auch die Autoritären merken. Aber mit Ausnahme des Kindes kommt niemand auf die Idee, dass die Situation tatsächlich so simpel ist, wie sie aussieht.

      Aber so einfach, und deprimierend, ist sie eben: Die „politischen“ Kategorien des linksidentitären Denkens, für das hier Schulze steht, sind Geschlecht, Hautfarbe, Alter und sexuelle Orientierung. Natürlich denkt jeden halbwegs vernünftige Mensch: „So blöd können die doch nicht sein, da muss doch noch etwas anders dahinter stecken.“

      Tut es aber nicht.

      • Solch einen Effekt „Das sind doch Leute, die studiert haben, da muss noch was dahinter steckene“ gibt es sicher, und er dürfte auch dazu führen, dass sich die Rede von den bösen weißen Männern (vorgebracht i.d.R. von käseweißen Frauen) so sehr durchgesetzte hat.

        Ich kann darin auch nur eine Rationalisierung der eigenen Menschenfeindlichkeit erkennen.

      • Rationalisierung? Ich nenne das eine ganz faule Ausrede. Die sind so denkfaul, die können nicht mal eine halbwegs originelle Ausrede finden.

        • Ich finde es eindeutig, dass Niggemeyer mit der Trias „alt, weiß, hetero“ eine rassistische Codierung verwendet. Auch, wenn „alt“ micht so biologisch invariant ist, wie manche es sich fantasieren.

          Dass er das nicht merkt, wie absurd es ist, als Journalist zu sagen „ja, diese Worte habe ich zwar verwendet, aber gemeint war natürlich …“, anstatt nach einem aussagekräftigen Begriff für das Gemeinte zu suchen, dass finde ich irritiierend. Wer beruflich mit Sprache umgeht, müsste so einen Regelverstoß bemerken.

          Aber ich glaube, hier sind Semi-Prägungen am Werk, die intakte Bausteine wie das Sprachvermögen einfach rauskicken. Ideologie kann das Denkvermögen richtig beschädigen.

          • @ Seitenblick Niggemeier hat in einem Kommentar noch einmal nachgefasst und seine Rede von den alten weißen Hetero-Männern erläutert.

            „Weiße, heterosexuelle Männer sind es nicht gewohnt, in Schubladen gesteckt zu werden, und reagieren deshalb besonders empfindlich darauf.“

            https://uebermedien.de/29452/man-sollte-mit-der-verteidigung-der-freiheit-nicht-warten-bis-es-keine-mehr-gibt/#comment-76156

            Das ist ein schönes Beispiel dafür, dass jemand, der etwas Blödes gesagt hat, hinterher entweder einfach souverän schweigen oder, besser, einfach zugestehen sollte: „Das war blöd, tut mir leid.“

            Stattdessen zu erklären, warum der blöde Satz eigentlich gar nicht so blöde war, ist hingegen – wie hier schön zu sehen ist – mit der Gefahr verbunden, die Dämlichkeit noch zu toppen. Als hätte jemand Klebstoff an der Hand, und als würde er beim Versuch, den zu entfernen, den Klebstoff auch noch an die andere Hand, das Hemd, die Hose, die Haare und schließlich an hilfsbereite Mitmenschen schmieren.

            Das Ressentiment gegen weiße heterosexuelle Männer ist so ziemlich das Einzige, worauf sich Radikalfeministinnen der zweiten Welle, Genderfeministinnen der dritten Welle und intersektionale Feministinnen der vierten Welle überhaupt einigen können. Wenn Niggi denkt, das hätte nichts mit Schubladen zu tun, dann hat er einige Jahrzehnte „Geschlechterdebatten“ verschlafen.

            Es sind natürlich nicht dieselben Schubladen und Ressentiments, die Migranten, Homosexuelle oder andere erleben – aber es sind Schubladen (und die Schubladen der anderen sind ja auch nicht alle gleich).

          • ch finde es eindeutig, dass Niggemeyer mit der Trias „alt, weiß, hetero“ eine rassistische Codierung verwendet.

            Selbstverständlich ist das so. Stellen wir uns doch mal vor, ich würde „Juden“ als Kodewort für „geizige Menschen“ verwenden mit dem „Argument“, es gäbe unter den Millionen Juden tatsächlich solche, die geizig genannt werden dürfen und es seien ja nicht alle so. Kein vernünftiger Mensch würde mir diese windelweiche Relativierung das durchgehen lassen.

            Er erwähnt eine Gruppe von Menschen und verwendet es als Kodewort für „Menschen mit bestimmten negativen Eigenschaften“. Wenn das nicht rassistisch ist, was denn dann?

            Damit wären wir wieder beim Empathie-Gap. Feministische Propaganda und Hetze hat jedes Mitgefühl für diese Gruppe absterben lassen, so als wären diese Menschen unverletzlich, so als hätte diese Hetze nie Konsequenzen in der Realität. Das hat sie aber sehr wohl. Diese Empathielosigkeit führt unter anderem dazu, dass entsorgte Väter nicht als Diskriminierte wahrgenommen werden, dass die Beschneidung von Knaben nicht als Verstümmelung geächtet wird und dass die hohe Suizidrate von Männern nicht als zu lösendes Problem angegangen wird. Das ist nur eine kleine Auswahl von Schieflagen, an denen der Hetzfeminismus seinen Beitrag geleistet hat.

      • @ Lucas

        Ja, die Sache mit „des Kaisers neue Kleider“ passt da ganz gut, aber meines Erachtens nicht nur auf der Ebene von Hierarchien im Sinne von „es kann doch gar nicht sein, dass hinter den Aussagen von so „gebildeten“ Leuten nichts anderes steckt, als plumpe rassistische und sexistische Ressentiments“.

        Die Schneider in besagtem Märchen vollzogen eigentlich eine Art Massenhypnose, bei der sie auch die gesellschaftlichen Hierarchieebenen ausnutzten, aber vor allem auch die in uns allen steckende Eitelkeit und das daher rührende Bedürfnis nach einem möglichst guten Bild, das andere von uns haben. Sie erzählten dem Kaiser und seinen Getreuen ja, dass nur kluge und gebildete Menschen in der Lage seien, die Stoffe, die sie verwendeten zu sehen. Dies verbreitete sich dann auch schnell in der ganzen Bevölkerung. Das heißt, der wesentliche Grund, warum alle (bis letztlich auf das Kind) euphorisch die Pracht der neuen Kleider priesen, war die schlichte Angst, sich selbst als dumm und ungebildet zu outen, wenn man zugäbe, in Wahrheit nichts als einen splitternackten Typen vor sich zu sehen. Da wurde einfach eine Prämisse gestreut (wer die Kleider nicht sieht, ist dumm) und alle taten so, als sähen sie die Kleider. Jeder einzelne für sich sah zwar, dass der Kaiser nackt war, aber war gleichfalls davon überzeugt, dass das nur an ihm liegen könne, denn offensichtlich sahen alle anderen ja die „in Wahrheit“ vorhandenen Gewänder. Und wer möchte schon dümmer sein, als alle anderen? Also spielte jeder einzelne für sich der Gesamtheit etwas vor, ohne zu wissen, dass alle anderen, die diese Gesamtheit bildeten, eben genauso handelten.

        Von dem so karikierten Gruppenverhalten profitieren Ideologien wie der Genderismus oder Intersektionalismus ganz erheblich, würde ich sagen. Es ist erkennbar, dass die Anhänger dieser Ideologien verlässlich auf Kritiker nie mit Sachargumenten reagieren, sondern immer nur auf Basis von persönlichen Attacken, meist deutlich unterhalb der Gürtellinie. Es läuft immer darauf hinaus, dass der einzige Grund von Kritik an ihrer Weltanschauung nur der sein kann, dass der, der sie äußert, einfach nur zu dumm ist, um den ach so komplexen Gedankengängen folgen zu können und er natürlich auch nur ein ganz übler rechter Hetzer sein kann (hier wird also die Implikation „wer uns widerspricht ist dumm“ noch durch die moralisierende Komponente „… und außerdem ein sehr schlechter Mensch“ erweitert). Wenn dann durch Verbreitung solcher Dogmata, etwa über strategisch gute Platzierung in Medien und Politik, dies für jedes Individuum im Lande zu einer scheinbar weithin anerkannten Tatsache geronnen ist, setzt dieser Lämmleineffekt ein, dass alle das Nachblöken, was sie als das betrachten, was sie als guten, intelligenten und aufgeklärten Menschen erscheinen lassen sollte, selbst wenn dies ihren tatsächlichen Meinungen auf Basis ihrer eigenen Lebenserfahrungen weithin widerspricht.

        Dieser Effekt scheint gerade in den beiden genannten, von besagten Ideologen (strategisch gezielt) am stärksten vereinnahmten Bereichen durch z. B. persönliche Interessen (Karriere) noch deutlich verstärkt zu werden. Gibt ja nicht umsonst diese „Leaks“ von etwa Parteiabgeordneten, die unter vier Augen einfach nur den Kopf schütteln, über den Bullshit, der ihnen da von entsprechenden Personen aufgetischt wird, dann aber doch entweder die Schnauze halten oder gar denen dann nach dem Mund reden, wenn es mal etwas öffentlichkeitswirksamer werden könnte. Oder auch die von Journalisten, die beschreiben, mit was für Methoden und unter welchem Klima bestimmte weltanschauliche Positionen (meist informell) in den Redaktionsstuben durchgedrückt werden, obwohl viele der Mitarbeiter vor Ort dabei das kalte Grausen kriegen.

        Problematisch daran ist eben, dass durch diese Präsenz derlei Narrative ein (da lehne ich mich mal weit aus dem Fenster) völlig falsches Abbild dessen simuliert wird, welchen Rückhalt solche Weltanschauungen in der breiten Masse der Bevölkerung haben, was dann aber dort auch viele schlicht dazu verleitet, lieber einfach mal die Klappe zu halten, weil man sich ja nicht als dummer, rechter Querulant exponieren möchte, wo doch anscheinend alle anderen diesen Kappes voll super finden…

        • @ Billy „Es läuft immer darauf hinaus, dass der einzige Grund von Kritik an ihrer Weltanschauung nur der sein kann, dass der, der sie äußert, einfach nur zu dumm ist, um den ach so komplexen Gedankengängen folgen zu können“

          Dazu passt natürlich die hermetische Schreibweise Butlers, die angesichts ihrer Inhalte überhaupt nicht nötig wäre. Butlers Sätze lassen sich in aller Regel in sehr viel einfachere übersetzen, deren Aussage dann aber oft gar nicht mehr so sonderlich erhaben klingt.

          Die Moralisierung ergänzt das. Wer anderer Meinung ist, dem kann es dann nur entweder a. am ausreichenden Verstand oder b. an gutem Willen oder c. an beidem fehlen.

          Nach meiner Erfahrung stimmt die Einschätzung, dass auf diese Weise in begrenzten Bereichen der Eindruck produziert wird, bestimmte Meinungen seien alternativlos – während anderswo kaum jemand diese Meinungen teilt.

          Dass alle Männer potenzielle Vergewaltiger wären, meint Gwosdz z.B. tatsächlich so, dass alle Männer eine Tendenz zum vergewaltigen hätten, und dass sie sich diese Tendenz zugestehen müssten, um nicht tatsächlich zum Vergewaltiger zu werden. Das heißt: Entweder wir gestehen unsere Schuld zu, dann besteht noch Hoffnung für uns – oder wir sind schuldig und zudem auch och verstockt, also noch viel gefährlicher. Unschuldige Männer gibt es nicht.

          Sowas geht bei den Grünen durch, und dort kann ein Funktionsträger so etwas rauslassen, ohne dafür in seiner Partei Schwierigkeiten zu bekommen. Ich bin mir aber sicher: Würde außerhalb des Kontextes dieser Partei, oder vergleichbar seltsamer Milieus, jemand ernsthaft so argumentieren – dann würden die meisten Menschen ernsthafte Zweifel an seinem Verstand entwickeln.

          PS. Billy, schickst Du mir bitte mal eine Mailadresse, unter der Du zu erreichen bist? schoppe@email.de

        • Super Kommentar!
          Da gibt es ja noch andere Gruppen, die ganz schamlos mit dem ‚Wer uns nicht unbesehen zustimmt muss dumm sein‘ Argument arbeiten.

          Was schade ist, nötigt es einen doch dazu das Undenkbare zu tun, nämlich zu erklären warum die Antwort 42 lautet …

  • Kommentare löschen ist inn, wenn diese eine andere Meinung wiedergeben als die vom Verfasser, schließlich leben wir ja in einer Demokratie (oder wie heißt das passende Wort dafür? ev. „Gesinnungsdemokratie“ oder „Meinungsdiktatur light“?). Allerdings scheint es nicht weit her zu sein mit der Filterung, der Link in den Kommentaren zu (https://www.youtube.com/redirect?q=https%3A%2F%2Fwww.nzz.ch%2Ffeuilleton%2Fwer-ueberzeugt-ist-auf-der-richtigen-seite-zu-stehen-verraet-das-erbe-der-aufklaerung-ld.1399321&redir_token=nKbP-2Xkfl7RwA0JFaEzjrSYINt8MTUzMTkwNTkzNkAxNTMxODE5NTM2&event=comments) der die im Video verbreitete Geisteshaltung kritisiert, ist noch vorhanden…

    • Das hat mit der Sicherung der Hegemonie des feministischen grünen Milieus innerhalb der („neuen“ ) linken und linksliberalen Kultur bzw. Subkultur zu tun. Dortwimmelt es von alten weißen Fruaen und Männern, und letztere haben einfach die Fresse zu halten, oder Frau zu loben, ansonsten gibt es für jede missliebige Äußerung oder gar Handlung 100.000 identitäre, feministische, intersektionelle Todsünden, die in einem Wimpernschlag herbeigerufen werden können.
      Ruckizucki ist irgendein Sexismus, Rassismus oder Rechts-ismus konstruiert.
      Erstaunlich finde ich nur, dass sich soviele „wackere Streiter“ für eine „bessere“ grüne Welt finden – – allesamt ewige Heroen im Futteral, in der Möglichkeitsform — die sich solchen autoritären Quatsch (der immer noch, noch!, ein Papiertiger ist), vor allem von solchen Exemplaren von Frau, bieten lassen.

  • „öffentliche Personen in die Verantwortung zu nehmen tatsächlich ein effektiver Weg ist, Veränderungen zu bewirken“

    Schönes Beispiel dafür, wie man mit Begriffen lügt und hinterhältige Propaganda betreibt.

    Worin bestand denn diese dunkel und unheilschwanger angedeutete „Verantwortung“ von Johansson? Offenbar nur darin, sich nicht dem Meinungsdiktat und dem Machtanspruch der Transgender-Verbände unterworfen zu haben. Dieser Machtanspruch wird wiederum nur aus dem eigenen maximalen Opferstatus abgeleitet.

    So erhebt man sich zum neuen Adelsstand, der über dem gemeinen Volk steht. Diese Machtinversion ist das Undemokratischste, was man sich vorstellen kann, und eine der größten Gefahren für unsere Demokratie (neben dem Totalversagen der Presse, wie am Beispiel des Tagesspiegel-Artikels über Schulze bestens illustriert).

    • @ mitm „holding public figures accountable“ heißt es im englischen Originaltext, und das habe ich sogar noch sehr sanft übersetzt. Auch „öffentliche Figuren zur Verantwortung zu ziehen“ würde hier nahe liegen und ist vielleicht sogar passender, weil es unverhohlen mit einer Drohung verbunden ist.

      Es ist also vermutlich sogar gemeint. Wichtig ist: Hier wird von einer „Verantwortung“ geredet, deren Zuweisung sich ihrerseits überhaupt nicht legitimieren muss, weder durch geeignete Verfahren, noch durch institutionelle Kontrollen, noch durch Wahlen oder Abstimmungen oder durch sonstige Aushandlungsprozesse. Nicht einmal durch simple logische Zusammenhänge – denn dass eine Frau politische Verantwortung trage, nur weil sie Schauspielerin ist, lässt sich logisch ja nun überhaupt nicht herleiten.

      Tatsächlich schwingen sich hier Akteure in sozialen Medien selbst zu Gesetzgebern, Ermittlern, Staatsanwälten und Richtern in Personalunion auf. Verteidiger sind nicht vorgesehen.

      Das ist in der Tat eine undemokratische, rechtsstaatsferne Anmaßung. Sie entspricht exakt dem Gerede, das ich auch schon mehrfach von AfD-Fans gelesen habe – dass Listen von Leuten erstellt werden sollten, die das gegenwärtige „System“ stützen, damit die dann einmal zur Verantwortung gezogen werden könnten.

  • Ich bin ja dafür das Disney „Arielle, die Meerjungfrau“ verboten oder neu synchronisiert wird, wobei entsprechende Figuren auch von den entsprechenden Unterwasserlebewesen die Stimme erhalten.

    Und natürlich ist es auch extrem progressiv, wenn in einem Land wie GB, wo ca. 80% der Bevölkerung weiß und die meisten Arbeiter männlich sind, weiße Männer bestimmte Jobs nicht mehr bekommen. Vor allem bei so Organisationen wie dem BBC, die sich ebenfalls wie unsere ÖffRechtl. über eine Zwangsgebühr finanzieren, die in der Mehrheit auch von genau diesen weißen Männern erbracht wird. Weiße Männer müssen sozusagen dafür bezahlen, das man sie diskriminieren kann.

    • @ Matze In den Sechziger und Siebziger Jahren gab es tatsächlich einmal eine relativ kurze Zeit, in der Institutionen – bis hin zu großen Unternehmen – sich öffneten und zugänglich wurden für Menschen aus Milieus, die bislang ausgeschlossen waren. Die Bildungsexpansion sorgte dafür, dass viele dieser Menschen sich auch mit den nötigen Mitteln ausstatten konnten, um diese Chancen zu nutzen.

      In der Generation meiner Eltern kenne ich noch reihenweise Leute, die aus Arbeitermilieus Positionen an Schulen, Universitäten, in Kanzleien, etc. bekamen.

      Seitdem hat sich aber vieles wieder geschlossen. Nur muss es heute eben anders als früher legitimiert werden, wenn etablierte Akteure die Institutionen, in denen sie agieren, gegen Neuankömmlinge abschließen.

      Wer gegen Männer agiert, agiert damit gegen die Menschen, die wesentlich für soziale Mobilität gesorgt haben, die den Löwenanteil des „sozialen Aufstiegs“ leisten. Wer gegen Weiße oder Heterosexuelle agiert, agiert damit in den europäischen Ländern gegen das Gros der Bevölkerung.

      Wer hingegen Politik für Transsexuelle macht, oder für Menschen mit mehreren Häkchen auf der Diskriminierungs-Checkliste, fördert eine so winzige Minderheit, dass die eigene Position dadurch nicht gefährdet wird.

  • Wiedermal sehr viele Einsichten!

    Was mir z. B. nicht klar war:

    – wie parasitär „identity warriors“ wie Sibel Schick gegenüber normalen Leuten verfahren, da sie mit ihren extremen Kommunikationsformen überhaupt nur deshalb Anklang finden, weil die normalen Leute zivil und kooperativ reagieren und ihnen damit über Gebühr weit entgegenkommen.

    – Daß aber Schick & Co. diese zivilen und kooperativen Formen der Auseinandersetzung ausbeuten und untergraben.

    – Daß ausgerechnet dieses parasitäre Verhalten der „identity warriors“ als ein Ausdruck des Leidens an der bestehenden Ordnung verklärt wird, weil zivile und kooperative Formen der Auseinandersetzung als Manifestation oder Reproduktion von repressiven Herrschaftsverhältnissen denunziert werden, gegen die aufzubegehren moralisch geboten und längst überfällig sei.

    – Daß ausgerechnet Schick & Co. eingebunden sind in gesellschaftliche Institutionen, weil ihre extremen Formen und extremen Positionen von diesen als progressiv oder emanzipatorisch eingestuft werden.

    – Daß überdies weite Teile der Massenmedien den Extremismus der „identity warriors“ befördern.

    – Und daß dieser Rückhalt durch Massenmedien und gesellschaftliche Institutionen das parasitäre Verhalten von Schick & Co. um so effektiver macht, weil es ihnen eine überlegene Diskursposition verschafft gegenüber den zivilen und kooperativen Leuten, von der aus sie mit weit höherer Schlagkraft agieren können.

    Was hätte wohl der alte John Dewy dazu gesagt?

  • Es geht bei der Aversion gegen „alte, weiße Männer“ nicht um die Aversion gegen eine bestimmte biologische Kategorie als vielmehr um die Abneigung gegen die Hervorbringungen, die ihnen zugeschrieben werden. Als da sind:
    – Naturwissenschaften
    – Industriegesellschaft mit samt ihrer Technik
    – Liberalismus
    – Rechtsstaatlichkeit
    Diese vier gilt es zu kippen bzw. zu rupfen. Wären sie das Produkt „alter schwarzer Frauen“, so würde man eben diese anfeinden.

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