Diskriminierung Identitätspolitik Zivilgesellschaft

Vom Ordnungssinn der identitären Linken

geschrieben von: Lucas Schoppe

Zwanzig Antworten auf zwanzig Fragen 

Natürlich gibt es Rassismus in Deutschland. Eine linksidentitäre Politik aber, die Menschen sauber in Gruppen und diese Gruppen sauber in Privilegierte und Marginalisierte einteilt, hat zur Lösung der damit verbundenen Probleme nichts beizutragen.

 

Weiß, heterosexuell, männlich: ahnungslos. Was auch sonst?

Identitäre Politik von links und rechts interessiert sich für Gruppenzugehörigkeiten, nicht dafür, was Menschen zu sagen haben. Deshalb können ihr selbst bloße Fragen schon als etwas Anstößiges erscheinen – im folgenden Beispiel: als Ausweis von Rassismus und Sexismus. Dieser Tweet ist der Beginn eines langen, erfolgreichen Threads mit zwanzig Fragen:

Das ist schade. Es fehlt nach meinem Eindruck weniger an Menschen, die immer schon wissen, was richtig ist – als an Menschen, die Neues erfahren wollen, zum Beispiel durch Fragen.

Oder auch: Es fehlt an Menschen, die interessiert sind und tatsächlich etwas von anderen wissen wollen – anstatt andere lediglich als Spiegel der eigenen Wünsche oder Ängste zu nutzen.

Denn es gibt natürlich Rassismus in Deutschland. Nur ist es eine Illusion, ihn durch subtile Sprachregelungen aus der Welt schaffen zu können. Damit verschaffen sich Menschen lediglich auf kostengünstige Weise das Gefühl, sie selbst seien nicht so rassistisch wie die anderen, die diese Sprachregelungen nicht kennen, ablehnen oder nicht verstehen.

Dabei schreibt ein Mann, der aus dem Iran nach Deutschland einwanderte, in einem bedrückenden Facebook-Post:

Die eigentlichen Gründe, warum ich mich niemals mit Deutschland identifizieren werde, liegen (…) in den Dingen, die mir in meinem direkten, tendenziell linken oder zumindest liberal/aufgeklärten Umfeld passieren.

Mir fällt nichts ein, was diese Situation bessern könnte, wenn es nicht der Wille zur Verständigung ist – auch auf die Gefahr hin, etwas Unsensibles, Blödes oder unabsichtlich Verletzendes zu sagen. Oder auch: gesagt zu bekommen.

Der oben zitierte Thread aber listet zwar zwanzig Fragen auf, nur eben nicht, um tatsächlich Fragen zu stellen – sondern lediglich zum Zwecke der Demonstration und Denunziation eines irgendwie falschen Denkens.

Da steige ich dann einfach mal in die Kommunikation ein, die gar nicht gewollt und, und kommentiere. Mir geht es dabei nicht um ein drittes MeToo. Ich möchte nicht zeigen, dass ich auch diskriminiert bin, sondern dass die Annahme falsch ist, allüberall würden Abgründe klaffen zwischen den Diskriminierten und den Privilegierten. Wir können oft nicht genau unterscheiden, wer nun diskriminiert ist oder nicht, und wenn wir uns verständigen, dann nicht allein über Erfahrungen der Benachteiligung.

Also: zwanzig Fragen aus dem Thread, die weißen heterosexuellen Männern wie mir angeblich nie gestellt werden. Und am Ende eine Bonusfrage.

 

 

1. Wie vereinbarst Du eigentlich Familie und Beruf?

Natürlich bin ich das schon oft gefragt worden – ich bin Trennungsvater, die Mutter wohnt mit dem Kind 500 Kilometer entfernt, und ich bin regelmäßig bei ihm.

Es ist sogar gut, wenn Menschen wenigstens fragen, wie ich das eigentlich hinkriege, mit Vollzeitstelle, zwei Wohnungen und mindestens 2000 Kilometern monatlicher Bahnfahrt nebenbei.

Es ist jedenfalls wesentlich besser, als wenn Menschen desinteressiert darauf hinweisen, dass aber insgesamt Männer doch sehr privilegiert wären. (Wer behauptet, Männer würden keine Nachteile ALS MÄNNER erleben, hat generell schlicht keine Ahnung, wovon er oder sie redet. Oder möchte keine Ahnung haben.)

2. Stört es Dich, wenn ich Dich „Alman“ nenne?

Nicht das Wort stört mich, aber die regelmäßige Dumpfheit des „Alman“-Geredes.

Und natürlich wurde mir die Frage noch nie gestellt – wer von „Kanaken“ redet, fragt seinerseits schließlich auch nicht danach, ob die damit Bezeichneten sich daran stören. „Stört es dich, wenn ich dich ‚Kanake’ nenne?“ Gibt es solche Idiotien tatsächlich?

3. Wie organisierst Du Ersatz, wenn Dein Kind krank wird?

Für mich stellte sich lange Zeit eher immer wieder eine andere Frage: Wie bekomme ich Informationen, wenn unser Kind krank ist? Ich bin am Wochenende schon Hunderte von Kilometern gefahren, weil der Junge mit Verdacht auf eine lebensgefährliche Erkrankung im Krankenhaus lag – und konnte nirgends etwas über seinen Zustand erfahren. Das war irre.

4. Du sprechen deutsch?

Nein, so bewusst gebrochen habe ich die Frage nicht gehört. Aber: Do you speak English? Parlez vous francais? Natürlich bin ich das schon gefragt worden. Wer nicht?

Und als ich eine Weile in Polen lebte, machten sich manche über meine halsbrecherischen Versuche in ihrer Sprache lustig, manche freuten sich, dass ich es überhaupt versuchte.

Was mir aber tatsächlich auffällt: In englischsprachigen Ländern gehen Menschen meist selbst mit sehr unsicheren Versuchen, Englisch zu sprechen, freundlich, souverän, manchmal gar begeistert um. Mein Eindruck ist, dass Deutsche auf fehlerhaftes Deutsch wesentlich herablassender reagieren.

5. Findest Du nicht, dass sich weisse junge Männer engagierter vom christlichen Fundamentalismus distanzieren sollten?

Christliche Fundamentalisten haben ja nun nicht reihenweise massenmörderische Terroranschläge in Europa begangen, deshalb hinkt der Vergleich. Und wenn schon – warum dann  eigentlich nur die Männer?

Es kann niemand von Muslimen VERLANGEN, sich vom Terror zu distanzieren – es wäre aber toll gewesen, wenn viele es getan hätten. So wie es im Deutschland der Neunziger Jahre Lichterketten gab, als Reaktion auf die regelmäßigen Anschläge auf Wohnungen von Migranten oder Asylbewerberheime. Kein Mensch wäre damals auf die seltsame Idee gekommen, zu behaupten, diese so wichtigen Zeichen der Solidarität und der Ablehnung von Gewalt würden „Deutsche stigmatisieren“. 

6. Bist Du sicher, dass Du um diese Zeit noch rausgehen solltest?

Nein, tatsächlich bin ich das noch nie gefragt worden. Und das, obwohl die statistische Wahrscheinlichkeit eines Mannes, Opfer von Gewalt zu werden, deutlich größer ist als bei einer Frau.

7. Findest Du dieses Outfit nicht etwas gewagt?

Nein, weil ich kein gewagtes Outfit trage. Aber wenn ich als Lehrer bauchnabelfrei zur Schule ginge, oder auch nur in kurzen Hosen, würde natürlich jemand etwas sagen.

Die Kolleginnen haben da eindeutig mehr Spielraum. Es gibt sogar Schulen mit Kleiderordnungen, in denen festgelegt ist, dass Lehrer lange Hosen tragen müssen – ohne entsprechende Regeln für Frauen.

8. Wo hast Du so gut Deutsch gelernt?

Natürlich bin ich schon gefragt worden, wo ich gut Englisch oder Französisch gelernt hätte. Ich weiß – diese Frage hat einen anderen Charakter, wenn jemand sie in seinem eigenen Geburtsland gestellt bekommt. So wie beim Spiegel-Redakteur Hasnain Kazim.

Trotzdem ist die Frage wohl in aller Regel ein Anzeichen von Interesse, kein Ausgrenzungsmanöver.

9. Darf ich Dir mal durch die Haare wuscheln?

Ja, die Frage höre ich öfter. Dort, wo noch Haare sind, trage ich sie sehr kurz. Sowohl Kinder als auch Erwachsene wollen immer mal wieder gerne drüberwischen, um zu erfahren, wie es sich anfühlt.

10. Ach toll, dann bleibst Du bestimmt das erste Jahr zu Hause, oder!?

Ich wäre liebend gern das erste Jahr unseres Kindes zu Hause geblieben. Es ging nicht, weil die Mutter des Kindes nicht genug verdiente, um uns alle zu finanzieren. Ich schon.

11. Wer ist in eurer Beziehung eigentlich der Mann und wer die Frau?

Als Witz habe ich die Frage manchmal durchaus gehört – wenn eine Partnerin sehr dominant daherkam.

12. Aus welchem Land kommst Du?

Die Frage kenne ich natürlich auch. Ich kann mir kaum vorstellen, dass andere diese Frage noch nie gehört haben. Aber dazu hat Fefe eigentlich schon alles gesagt, so wie zur nächsten Frage.

13. Ich meine: aus welchem Land kommen Deine Eltern?

Über die Herkunft meiner Eltern, und die anderer, habe ich schon oft mit anderen geredet – schon weil meine Familie aus allen möglichen Richtungen zusammenkommt und in alle möglichen Richtungen verstreut ist.

Trotz weiß/hetero/männlich. Na sowas.

14. Trauen Sie sich diesen Job WIRKLICH zu?

Kenne ich. Als ich eine Beförderungsstelle angetreten habe, habe ich mehrere Gespräche darüber geführt, wie ich das mit meiner familiären Situation vereinbaren kann, und ob ich mir das zutraue.

15. Männer sind einfach zu emotional, um diese großen Zusammenhänge nüchtern zu betrachten, findest Du nicht?

Nein, eher nicht zu emotional. Aber sonst sind Männer alles Mögliche: zu machtfixiert / wenig sozialkompetent / kommunikationsunfähig  / sexfixiert / emotionslos / potenzielle Vergewaltiger allesamt etc pp und tüdelüt.

Wer ernsthaft glaubt, es gäbe keine dumpfen Klischees über Männer, muss seit ca. 50 Jahre alle Debatten zum Thema verschlafen haben.

16. (Polizist auf der Straße, unvermittelt) „Personenkontrolle, Papiere bitte“. / 17. (Ebenfalls Polizist auf der Straße, ebenfalls ohne nachvollziehbaren Anlass) „Haben Sie Drogen dabei?“

Frage 16. und 17. zielen nach meiner Erfahrung tatsächlich auf einen echten Unterschied: Das erleben einige Menschen wiederholt, offenbar besonders Migranten, andere Menschen erleben es nie.

Ein Kollege aus einer palästinensischen Familie erzählte mir beispielweise, er sei als Jugendlicher ständig anlasslos von der Polizei kontrolliert worden. Das ist mir nie passiert.

18. (Beim Jobgespräch) „Planen Sie, Kinder zu bekommen?“

Ich bin schon zigfach bei Vorstellungsgesprächen dabei gewesen, die Frage wurde nie gestellt. Darf sie ja auch nicht.

Ich habe zudem schon zigfach Mutterschutz- oder Elternzeitvertretungen gemacht und organisiert. Das ist oft sehr aufwändig. Es ist ja auch richtig, dass es gemacht wird. Es wäre nur wichtig, den Preis, den Kollegen für diese Möglichkeit zahlen, auch zur Kenntnis zu nehmen.

19. Wann hast Du Dich entschieden, hetero zu sein?

Nein, diese Frage kenne ich nicht, wohl aber vergleichbare. Ich hab schon öfter mit Freunden darüber geredet, wie und woran wir GEMERKT haben, dass wir hetero sind. Und ob es homosexuelle Phasen gab. Etc.

20. Findest Du nicht auch, dass Du abnehmen/zunehmen solltest?

Ja, die Frage mit dem Abnehmen kenne ich. Oder auch die Frage „Hast Du abgenommen?“ Dabei war ich niemals dick.

Es ist auch hier ein Klischee, dass Männern so etwas nicht begegnet.

Die Frage kenne ich. Ich möchte aber nicht darüber reden. Schlimm. Wirklich schlimm.

 

Vom Ordnungssinn der identitären Linken

Der Autor des Threads hat bei Twitter einen noch kleineren Account als ich, und ich möchte ihn hier gewiss nicht bloßstellen. Ich finde aber, dass das, was er schreibt, ein Beispiel für eben die scheinbar linke Politik ist, die hier im Blog schon häufig Thema war.

Aufgabe: Ordnen Sie diese Gesichter in PRIVILEGIERTE und MARGINALISIERTE ein und verwenden Sie dabei folgende Kriterien: a. Rasse b. Geschlecht (Fragt sich wirklich noch jemand, warum linke Politik gerade europaweit abstürzt?)

Die identitäre Linke teilt Einzelne in Gruppen ein und sortiert diese Gruppen wiederum sauber zu den „Privilegierten“ und den „Marginalisierten“, den Mächtigen und den Ohmächtigen. Das kann in den  komplexen Herrschaftsstrukturen moderner Massengesellschaften nur im Realitätsverlust enden und ist wohl einem Wunsch nach Eindeutigkeit geschuldet angesichts von Situationen, die hoffnungslos mehrdeutig sind.

Es gehört dazu, dass Herr Fechner als Fragensammler ganz selbstverständlich Rassismus und Sexismus parallel schaltet – als wäre beides einfach nur eine unterschiedliche Ausprägung der immergleichen Machtausübung der immergleichen Mächtigen, der weißen Hetero-Männer. Der WHM.

Diese heute leider tonangebende identitäre Linke hat nichts zu bieten: Kein Interesse an sozialen Realitäten – keinen Sinn für Komplexität – kein Interesse an anderen Menschen, es sei denn, sie sind als passende Exempel für das immer schon Gewusste zu gebrauchen – keine politischen Perspektiven. Allerdings erledigt diese Linke nicht nur sich selbst, sondern wird auch, wenn sie fertig ist, linke Politik insgesamt auf Jahre hin diskreditiert haben.

Vielleicht ist gerade das der Grund, warum sie medial so sehr gefördert wird.

RSS
Follow by Email
Facebook
Facebook
Twitter
Google+
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

42 Comments

  • „Allerdings erledigt diese Linke nicht nur sich selbst, sondern wird auch, wenn sie fertig ist, linke Politik insgesamt auf Jahre hin diskreditiert haben“
    Was insbesondere auch nochmal dadurch verstärkt wird, dass diese Leute es nicht akzeptieren können, dass es neben ihnen noch andere soziale oder liberale Bewegungen gibt (oder eben solche die sich als sozial oder liberal verstehen). Das führt dann jedesmal wenn irgendwo eine soziale Bewegung entsteht dazu, dass sie diese auf postmoderne oder eben linksidentitäre Ideale verdonnern wollen und wenn das dann eben nicht gelingt nutzen sie ihre Kontakte zu den Medien um die entsprechende Bewegung in ein schlechtes Licht zu rücken. Dieses Verhalten ist in meinen Augen auch der Hauptgrund weshalb es nicht gelingt gegen die aufstrebenden Rechten dauerhaft eine starke Gegenbewegung zu etablieren. Es möchte einfach niemand etwas mit den Leuten zu tun haben, die sämtliche soziale Bewegungen für sich vereinnahmen wollen.
    Ich habe es in meinen Umfeld inzwischen auch schon öfters erlebt, dass die politischen Linken von vielen Leuten nur noch mit solchen Sachen wie Idenditätspolitik in Verbindung gebracht werden und linke Parteien auch genau deshalb nicht gewählt werden weil man sie nur noch damit in Verbindung bringt.

  • Ich finde, die beste Expertise ist diesmal das von Fefe Gesagte. Bis auf sein Update2, auf solche „Profis“ kann ich verzichten.

    „Aber sonst sind Männer alles Mögliche: zu machtfixiert / wenig sozialkompetent / kommunikationsunfähig / sexfixiert / emotionslos / potenzielle Vergewaltiger allesamt etc pp und tüdelüt.“

    Oha, nu isses raus. Zack tüdelüt PENG!

    „Ein Kollege aus einer palästinensischen Familie erzählte mir beispielweise, er sei als Jugendlicher ständig anlasslos von der Polizei kontrolliert worden.“

    Kommt viel auf Uhrzeit, Tag und Ort an. Wenn man bspw. nachts um halb Zwei an einer Durchgangsstrasse in Hamburg-Langenhorn ( vlt. so 150m. von Helmut Schmidt’s Bude entfernt ) in einem Loch in einer Hauswand sitzt ( weil Bushaltestelle an der Strasse ohne Unterstand o. Bank ), ist einem die Aufmerksamkeit der nächsten Zivilstreife sicher ( was denn auch noch lustige, hier aber zu weit führende, Entwicklungen bergen kann ).

    Und an anderen Orten, oder in entsprechend markierten Klamotten kann das auch schon mal etwas ausarten und ratz-fatz guckt man in entsicherte MPs.

    Hat aber mit Rasse gar nix, eher schon mal mit Alter u./o. Geschlecht zu tun ( oder der Tatsache, daß man uniformiert ist und Motorrad fährt ).

    „Wann hast Du Dich entschieden, hetero zu sein?“

    Arschlochfrage, vermutlich schwules Arschloch, dumm noch dazu.
    ( falls @Adrian mitliest: Würdest Du so blöde Fragen an Dir unbekannte Leute – hochwahrscheinlich WH[O]M – richten? )

    „“elter1, warum liegt der WHM da im schlafsack auf der straße?“
    „der hat keine wohnung.“
    „dann soll er sich doch ein haus kaufen!““

    Pompadour, der Klassiker!

    Fazit:
    Das immer gern gehörte Gerücht, daß „die Menschen“ automatisch immer besser, schlauer, kompetender werden, ist genau das: ein Gerücht!

    • Marie Antoinette solls gewesen sein, aber auch ihr wird es nur zugeschrieben.

      Zu Studentenzeiten bin ich auch mal von Zivilbullen angehalten worden. Fuhr mit mülligem alten Fiesta, Lederjacke und langen Haaren am hellichten Tag die Straße entlang. Weißer BMW hält mich an, drei Jungs steigen aus und wollen mein Auto durchsuchen. Sie suchen nach Einbruchswerkzeug, sagen sie. Hab sie machen lassen. Hatte aber nur ne Taschenlampe dabei, mit mehr konnte ich nicht dienen. Die raubkopierte CD im Handschuhfach haben sie gar nicht entdeckt. Wahrscheinlich hätten sie sich nicht mal dafür interessiert. Nachdem sie ja nichts gefunden hatten, haben sie mich ziehen lassen. Zum Abschied der Kommentar des einen: „Man siehts den Leuten ja nicht an.“ Na, danke fürs Gespräch. Wär mein Auto so wie ihres gewesen, ich in Anzug und kurze Haare, sie hätten mich wohl gar nicht erst angehalten.

      Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Ich bin in einer Kleinstadt in Bayern aufgewachsen, 75% katholisch, 75% CSU, in den Siebzigern, zu Zeiten des seligen Franz Josef Strauß. Ich kann mich an den drückenden katholischen Moralmief dieser Jahre noch gut erinnern. Der derzeitige linke Moralmief und Gesellschaftsdruck fühlt sich mindestens genauso abstoßend und zu Widerstand herausfordernd an. Jahrelang habe ich Grüne gewählt, um den ersten Mief loszuwerden, und was machen die Idioten? Bauen ihren eigenen Mief auf. Die sind mich los, schon seit einige Jahren.

      • Ich kann dich so gut verstehen! Bei mir war es ähnlich, wenn auch bloß im „Zonenrandgebiet“, wo Fuchs und Has sich gute Nacht sagten und jede Abweichung vom Althergebrachten mit herablassender Selbstgewissheit, Hohn oder Aggressivität kommentiert wurde.
        Allerdings empfinde ich den jetzigen Moralmief als schlimmer; damals waren wir uns in unserer Generation doch zumeist einig und hatten die Hoffnung, wenn wir erst „dran“ wären, würde sich manches zum Besseren verändern. Heutzutage miterleben zu müssen, wie die, von denen man dachte, man teile dasselbe Verständnis von Demokratie, Meinungsfreiheit und Pluralismus, all diese Ideale verraten (noch dazu, indem sie in Orwell’scher Manier eben diese Worte verdrehen und fürs Gegenteil benutzen), finde ich schwer erträglich. Sie stehlen mir damit einen Teil meiner Identität.

      • @ Aranxo:
        „Marie Antoinette solls gewesen sein, aber auch ihr wird es nur zugeschrieben.“
        Räusper, tschulligung, wieder die Wechse verbuchselt ….
        Is aber Wurst, ach nee, Kuchen!

        • So wie der Feminismus den Männern sagt „Ihr habt Probleme? Dann habt doch einfach keine. Ist doch völlig unerheblich.“

      • „Wär mein Auto so wie ihres gewesen, ich in Anzug und kurze Haare, sie hätten mich wohl gar nicht erst angehalten.“
        Sag das nicht. Einem Kollegen ist passiert, dass er nach einem Konzert schnell heim musste, und keine Zeit zum Umziehen hatte. Er ist also im schwarzen Anzug in nem BMW-Cabrio heimgefahren und auf dem Heimweg dreimal von der Polizei aufgehalten worden. Auf seine Nachfrage hin: wegen genau diesem Outfit.

        • Bin in den 80er Jahren als Bonner Jurastudent mit vergleichsweise adrettem Aussehen im Kleinwagen meiner Mutter auch von der Polizei angehalten und unter auf mich gerichteten Maschinenpistolen gefilzt worden. So etwas kann offenbar auch sehr bürgerlich anmutenden Leuten passieren.
          Ich hatte indes nur einen Beutel schmutziger Wäsche für die elterliche Waschmaschine dabei.

  • Immer wieder bemerkenswert, wenn sie weiße Männer über weiße Männer erregen. Irgendwie bekommt man dabei wohl das Gefühl, dass man dadurch die eigene Schuld verringert, indem man andere anklagt.

    Rothaarige sind übrigens nicht eine Stufe weißer als die anderen Weißen und verbrennen sich sofort in mediterraner Sonne.

      • Wenn man mit grauen Haaren in der S-Klasse im Schweizer Grenzgebiet rumgondelt, wird man auch vom Zoll kontrolliert. Rassismus gegen weiße alte reiche Männer!

    • Immer wieder bemerkenswert, wenn sie weiße Männer über weiße Männer erregen. Irgendwie bekommt man dabei wohl das Gefühl, dass man dadurch die eigene Schuld verringert, indem man andere anklagt

      Er, wie so viele, denn er steht mit seiner Moralapostelei ja nicht alleine, stellt sich vor allem selbst dar. Das erinnert psychologisch gedeutet etwas an das Stockholm-Syndrom. Der ganze Auftritt des alten weissen Mannes (ist er doch, nicht wahr?) trieft nur so von Selbstgerechtigkeit. Kein Mensch kann dieser Hypermoral gerecht werden.

  • Wenn man die ganze gesellschaftliche Realität nur unter dem Paradigma der Machtverhältnisse versteht, hat das ganze schon eine gewisse Konsequenz. Da keine Kommunikation zwischen denen, die Macht haben, und denen, die ihr unterworfen sind, möglich ist, kann am Ende eigentlich nur Sieg oder Niederlage stehen, kein Kompromiss, keine einverständliche Lösung.

    Entscheidend ist der Paradigmenwechsel der Linken nach 1990 von der politökonomischen Analyse hin zur Identitätspolitik. Damit ist die traditionelle Arbeiterschaft (bzw, das, was ihr heute entspricht) nicht mehr Klientel der Linken, sondern durch Identität charakterisierte Gruppen wie sexuelle Minderheiten, Menschen aus anderen Kulturen (Hautfarbe bestimmt eben KEINE Identität) und die Frauen, die gar keine Minderheit sind, sich aber vielfach als solche verstehen.

    Und das geht auch wieder in die Hose, denn die Angehörigen dieser Identitätsgruppen sehen sich in ihrer Mehrheit garnicht als solche. Claudia Roth hat mit Sicherheit noch nie mit muslimischen Migranten über Homosexualität oder Frauen rechte gesprochen.

  • Eine Bankrotterklärung nach der anderen. Das hat auch nichts mit „links“ im klassischen Sinne zu tun (ja, ja, ich weiß, wahre Schotten und so). Diese selbst ernannten „Linken“ haben sämtliche ökonomischen Themen komplett aufgegeben bzw. sind Steigbügelhalter und Unterstützer des zügellosen Neoliberalismus und schrankenloser Globalisierung. Diese Gestalten versuchen dann eine Frau Wagenknecht als „rechts“ einzuorden, wollen nicht verstehen, wieso Fr. Clinton die Wahl verloren hat und begreifen auch nicht, wieso Corbyn mit Labour Erfolge feiert.

    also nochmal: Diese Prenzelberg – Hipster Idioten sind alles, aber ganz bestimmt nicht links. Sie sind auch nicht liberal und noch nicht einmal Demokraten.

    Vielleicht sollte man weniger zwischen links und rechts, sondern eher zwischen autoritär/marktradikal und (sozial-) liberal unterscheiden.

  • Nachtrag:

    Auch als WHM werde ich in der Stadt, in der ich lebe, immer mal wieder gefragt, wo ich herkomme. Bin oft umgezogen und spreche daher ein nahezu akzentfreies Hochdeutsch. Habe das noch nie anders als aufrichtiges Interesse an meiner Person wahrgenommen.

    Und man erfährt manchmal so interessante Geschichten, wenn man denn fragt. Ein Deutscher mit osteuropäischem Akzent hat mir einmal erzählt: Die Vorfahren waren Lothringen-Deutsche), die im 19. Jahrhundert in die Ukraine auswanderten. In den 30iger Jahren nach Kasachstan zwangsumgesiedelt und vor ca. 30 Jahren nach Deutschland gekommen.
    Die waren also hintereinander französische, russische, ukrainische, kasachische und deutsche Staatsbürger. So viel zu Thema „Nation“.

    • Wenn man den pseudobiologischen Begriff „Rasse“ ablehnt, muss man sich über die identitäre SJW-Ideologie schon sehr wundern, denn sie rekonstituiert den Begriff exakt entlang der Linien des klassischen Rassismus, nur umgedreht, „zum Guten“ sozusagen, zumindest meinen sie das.
      So wie Satanisten als „Anti-Christen“ am grundsätzlichen Phänomen und Problem von Religion, besonders der organisierten, vorbeischrammen. Sie vollziehen ja nur einen Kult des Übermächtigen, des totalen Metaphysischen nach, nur mit einem Mann mit roten Hörnern, anstatt mit einem weißen Rauschebart.
      Genauso der „Göttinen-„.“Vagina-“ bzw. „Marien-„Kult des Feminismus.

      Es ist ja nicht so, dass sich nicht historische Gründe oder andere empirische Tatsachen auffinden lassen, die den Schluß zuließen, z.B. Schwarze in den USA seien immer noch benachteiligt.
      Darüber könnte man ja, anhand von Fakten, diskutieren.
      Sondern es ist exakt die spiegelbildliche Umkehrung des Rassismus, Weiße, Männer, Heteros und Heteras, und die Kombinationen, können gar nicht unterdrückter oder benachteiligter sein, als beliebige Schwarze, Frauen oder TransenLesbenetc.
      Du kannst als kaputtgearbeiteter, krebskranker, von der Immobilienkrise um sein private Betriebsrente und Krankenversicherung gebrachter 70-jähriger Hetero, der im Trailerpark lebt, immer noch erwarten, als privilegierter weißer, cis-normativer, rassistischer Ausbeuter tituliert zu werden.
      Dass der Widersinn solcher Zuschreibungen diesen Leuten nicht selbst auffällt, sagt viel über ihren Geisteszustand, ihre Empathiefähigkeit und ihre Intelligenz aus.
      Stattdessen erstellen sie, um der Widersprüchklichkeit zu entgehen, dass konkrete Menschen in REALEN Umständen privilegiert oder unterworfen sind, die man immer im Einzelfall, unabhängig von metaphysischen Grundannahmen, untersuchen muss, akribisch ausgedachte Punkteskalen, wer aufgrund welcher Merkmale wie unterdrückt oder privilegiert sein soll.
      Dagegen sind die Nürnberger Rassegesetze wirklich ein primitives Geschreibsel, dort gab es Herrenmenschen, Untermenschen, Juden, und von Letzteren noch Halbjuden, Vierteljuden, ansonsten hat man die Menschen in der Praxis noch nach ihrer zumindest zeitweiligen Verwertbarkeit beurteilt, was auch schon antihumanistisch ist;
      aber dass unsere heutigen SJW auf diesen Zug aufspringen, und das alles „vollständig“ notieren, ausrechnen und dann als allgegenwärtiges fliegendes Femegericht umsetzen, ist schon pervers, das hat schon was von totalitärem Schreibstubenhengst-Tum, Endlösungsbeamtentum, und straflos so agieren zu können, sehe ich schon als erheblichen Ausdruck von Privileg an.
      Was dann wiederum gar nicht verwunderlich ist, denn der Löwenanteil dieser Leute, und ihre großen HeroInnen, sind privilegierte Akademiker.
      Genauso wie z.B. die Leute bei mir hier im Kiez, die so arrogant und allwissend durch die Gegend stolzieren (und in Miniatur-Gated-Communities wie „Living cum Laude“ leben):
      Die kommen aus aller Herren Länder, aber eines haben sie gemeinsam: Sie gehören zu den 20-30 % von Goldlöffelkindern, deren Eltern sich das leisten können. Allein schon der Preis eines Flugtickets.

      Dieser ganze SJW-Jetset und -Diskurs ist eine Veranstaltung unter Privilegierten. man sieht hier in der schönen, selbstgerechten Neolinken-Kultur nämlich keine hungernden Bettler und keine ruinierten Bauern aus Indien, oder aidskranke 16-jährige Zwangsprostituierte aus Südafrika, sondern nur die smarten „Beautiful Unhappy Happy People“, und höchst selten wird so ein SJW mal für ein Jahr in ein Dritte-Welt-Ghetto ziehen, wo er wirklich Unterprivilegierte sieht–die kotzt es ja schon an, im eigenen Land in einer Proletenkneipe zu sitzen.

      • @microMollath:
        „denn sie rekonstituiert den Begriff exakt entlang der Linien des klassischen Rassismus, „

        Ja, das hat mich auch gewundert, als mir die ‚Intersektionalität‘ vor ca. 25 Jahren zum ersten Mal an meiner US-Gast-Uni begegnete.

        Das Argument der SJWs ist glaube ich folgendes:
        – Diese Gesellschaft (bzw. die in ihr machtbesitzenden alten weißen Männer) ist rassistisch. Daher sind Individuen, die Gruppen angehören, welche wegen des rein sozial konstruierten Rassismus als minderwertig betrachtet werden, strukturell diskriminiert (dh. sie werden anhand ihrer biologischen Eigenschaften, ihres Geschlechtes oder ihrer sexuellen Orientierung und ausschließlich deswegen durch machthabende Einzelpersonen als auch durch Institutionen dieser Gesellschaft vom Zugang zu Ressourcen ausgeschlossen.

        Weil das so ist, dh. weil IHR, die bösen weißen Männer, rassistisch denkt und Rassismus sozial konstruiert, können wir nicht ‚farbenblind‘ denken, sondern müssen genau den Gruppen, die durch EUREN verd…. Rassismus benachteiligt sind, helfen, diese strukturelle Diskriminierung auszugleichen oder zu kompensieren (etwa durch ‚affirmative action‘). –

        Wenn es aber nun so ist, dass
        (a) gar kein oder nur wenig struktureller Rassismus vorhanden ist und
        (b) Rassismus bei Individuen lediglich in einer kleinen Minderheit vorkommt und außerdem
        (c) in bestimmten, lt. SJWs rassistisch abgewerteten ethnischen, sozialen oder biologischen Gruppen bestimmte Verhaltensweisen überproportional häufig auftreten, welche den Zugang zur gewünschten Ressource erschweren oder verunmöglichen,

        ja, DANN bricht das Narrativ zusammen.

        Und ich denke, dass das der Fall ist, z.B. für Türken in Deutschland (Sprache), Muslime (Tracht, Frauenbild) oder Frauen (wenn man mehr Interesse an Germanistik als an Chemie oder Informatik hat, wird die Population der Frauen im Durchschnitt wahrscheinlich weniger verdienen als die Population der Männer, wo dieses Interesse an auf dem Arbeitsmarkt nachgefragten Skills offenbar größer zu sein scheint. Das hängt natürlich auch mit sozialen Anforderungen von Frauen an Männer zusammen, die ja auf z.B. allesevolution bis ins letzte Detail ausanalysiert werden.)

  • Da ich auch ein WHM und Getrennterziehend bin.

    1. Ja in einem Vorstellungsgespräch
    2. Verstehe die Frage nicht. Also Nein
    3. Ja siehe 1
    4. Ja, bei einer Geschäftsreise in die Firmenzentrale in der Schweiz, als eine Schweizer Kollegin, nach dem wir uns seit Tagen nur auf Englisch unterhalten hatten, festgestellt hat das ich aus Deutschland bin. (Sie glaubte ich wäre Holländer, ich glaubte sie wäre aus der Italienischen Schweiz)
    5. Nein aber ich wusste auch nicht das christliche Fundamentalisten in Deutschland ein Problem sind…
    6. Nein
    7. Ja, wenn die Frage meiner damaligen Freundin „Willst du so vor die Tür gehen?“ auch zählt. ansonsten Nein
    8. siehe 4. da kam dann auch die Frage wo ich so gut Englisch gelernt hätte.
    9. Ja, wobei es da nicht um die Kopf sondern um die Gesichtsbehaarung ging.
    10. Nein, aber ich wurde gefragt ob ich Elternzeit nehme und wie lange.
    11. Ja, von Freunden als ich wegen einer Freundin zu wenig Zeit für unsere Männerabende hatte.
    12. Ja, im Urlaub/auf Geschäftsreise hab ich die Frage schon oft gehört
    13. Nein
    14. Ja natürlich so gar sehr oft bei Vorstellungsgesprächen.
    15. Ja aber natürlich mit den Männereigenschaften und nicht mit Fraueneigenschaften.
    16. Ja
    17. Ja
    18. Nein, wäre aber auch nicht zulässig.
    19. Nein
    20. Ja

    So mir sind somt 12 seiner Fragen schonmal gestellt worden
    und was hats jetzt gebracht?

  • Dinge die nur Männer zu hören bekommen…

    1. von X
    Ja, aber wenn doch die Mama nicht möchte das Sie und Ihr Kind Kontakt haben…
    2. von X
    Sie können doch nicht einfach keinen Unterhalt zahlen nur weil die Mama ihnen das Kind nicht gibt (und der Staat sich nen scheiss kümmert).
    3. von X
    Das Kind ist ja garnicht von Dir, ich habe Dir nur Jahrelang was vorgemacht… Gerne bei der Scheidung.
    4. von X
    Und nun den Schlüpfer aus, wir müssen Ihre Hoden betatchen… Musterung
    5. von X
    Stellen Sie Sich mal nicht so an
    6. von X
    Memme, Weichei etc.
    7. von X
    Das bekommt ein Mann nicht zu hören, z. B. bei Problemen auf der Arbeit…
    Mach Dir keine Sorge, ich verdiene genug und wir kriegen das schon hin, selbst wenn Du kündigst.
    8. von X
    Männer sind Schweine! Männer sind an allem schuld, emotionslos etc. pp.
    9. von X
    Wenn es zwar Deine Ferienwochen sind, Du sorgerecht hast, das Kind im Krankenhaus ist und der Arzt nur die Mutter anspricht, wegen Rückhohlung nach Frankreicht (bis ich ihm den Marsch geblasen hab).
    10. von X
    Bei der Wonungsbesichtigung, wo ist denn die Mama, kann die heute nicht?
    11. von X
    Familienrichterin, sie wollen Ihr Kind alleine betreuen, wie das denn? Mama wurde sowas natürlich nicht gefragt, obwohl ich vorher mehr betreut habe, was mir auch nicht geglaubt wurde.
    12. von X
    Ein Kind gehört nun einmal zur Mutter
    13. von X
    Wir sind eine Hilfeeinrichtung für Frauen, Männer unterstützen wir nicht.
    14. von X
    Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an Diskreminierungen von Männern abzubauen.
    15. von X
    Männer können halt nicht so mit Kindern…

    kann beliebig fortgesetzt werden…

  • Zu Rassismus sagt das Google-Wörterbuch:

    1. (meist ideologischen Charakter tragende, zur Rechtfertigung von Rassendiskriminierung, Kolonialismus o. Ä. entwickelte) Lehre, Theorie, nach der Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen hinsichtlich ihrer kulturellen Leistungsfähigkeit anderen von Natur aus über- bzw. unterlegen sein sollen
    2. dem Rassismus (1) entsprechende Einstellung, Denk- und Handlungsweise gegenüber Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen mit bestimmten biologischen Merkmalen
    „der offene Rassismus der weißen Regierung, der Nazis“

    Dieser Bedingung genügt kein Bürger, der seine sieben Zwetschgen noch zusammen hat. Stattdessen ist „Rassismus“ die Totschlagkeule, der Otto Normalo – mangels sauberer Definition des Worts – nichts entgegen setzen kann.

    Echer Rassismus ist in EU eine Chimäre.

    Was stattdessen gibt, ist eine allumfassende Verunsicherung. Darf ich dem Typ mir gegenüber, der einen weißen Kaftan, ein weißes Käppi und einen ungepflegt wirkenden rötlichen Zottelbart trägt, zu einem Bier oder zu einem Schnitzel einladen, oder ist das ein no-go?

  • Weiß, heterosexuell, ahnungslos – es gibt Leute mit Problemen, von denen du keine Ahnung hast. Who cares? Die Raumzeit ist eine riemannsche Mannigfaltigkeit, von der du auch keine Ahnung hast.

    Der Typ, der aus Iran nach Deutschland kommt, hat Probleme, die ich auch hätte, wenn ich aus Deutschland nach Iran käme: ich fühlte mich dort nicht zuhause. Ist das jetzt dein Problem? Oder nicht eher sein eigenes? Wie kommst du dazu, dich für den Fuzzi verantwortlich zu fühlen? Ist der nicht erwachsen? Himmel hilf.

    Wer hier rüber kommt, aus egal welchen Gründen, hat gute Gründe. Dass er hier nicht sein erwartetes Paradies vorfindet, muss er akzeptieren, oder es gibt genug andere schöne Länder, wo er auch hin kann. Die Welt ist groß.

    • „Die Welt ist groß.“
      Ja. Z.B. Iran ist groß und integriert Menschen mit iranischem Migrationshintergrund vorbildlich in seine Kultur.
      Habe ich gehört.
      Ich denke, da wird er vor rassistischer Diskriminierung geschützt sein.
      So wie ich das verstanden habe, geht es aber dem Herrn vor allem auch um die Doppelmoral derer, die in den Medien ganz laut Toleranz und Multikulti brüllen, aber hinter vorgehaltener Hand, oder im sonstigen Alltag, selber alle Kriterien von Alltags-Rassismus erfüllen.
      Ansonsten pflichte ich aber WDB bei, ich verstehe das Problem nicht, der Iran nimmt doch seine Landsleute mit offenen Armen auf?
      Genausowenig verstehe ich das Problem von Özil, ich meine, Geld hat er ja nun genug, warum hält es ihn noch hier, sein geliebter Führer nimmt ihn doch mit Kusshand auf? Warum geißelt er sich selbst damit, unter den doofen Almans zu leben?
      Wollen die Türken unter Erdogans islamischer Diktatur leben, warum gehen sie dann nicht dorthin? Wollen sie etwa eine Erdogan-artige Gesellschaft hier in Deutschland? Den Gefallen würde ich ihnen gern tun, allerdings möchte ich als Deutscher so ein System hier nicht, aber wenn die türkische Gemeinde es wünscht, könnten wir doch hier für sie solch ein Sonder-Rechtssystem und somit ein geeignetes Biotop für sie beschließen?
      Ich wäre der Erste, der sich freiwillig meldet, um ein paar türkische Heroindealer aufzuhängen, ein paar vorlaute türkische Schnepfen auszupeitschen oder ein paar türkischstämmige Journalisten, Künstler oder Intellektuelle zu foltern.
      Liebe türkische Parallelbürger, ihr müsst es nur laut sagen, ich mach für Euch, und nur für Euch, meine Lieben, gerne den deutschen Erdogan !

      Ein paar Kleinigkeiten, die dazu gehören, damit es authentisch wird, werdet ihr sicher verstehen.
      Ihr habt sicher Verständnis, wenn Christen Euch straflos bestehlen und Eure Töchter ficken dürfen, als Falschgläubige, die ihr nunmal seid (denn hier ist das Land Jesu Christi), und eine Sondersteuer dürft ihr deswegen natürlich auch zahlen, ich denke, vom Koran her ist das nur fair, nur halt umgedreht, da hierzulande ihr die ungläubige Minderheit seid!

      Also bitte, stimmt demokratisch ab, und dann können wir für euch erdoganische Verhältnisse schaffen. Wir SIND so multikulti.
      Ansonsten haltet Eure dumme Faschistenfresse, oder verpisst Euch einfach!

      Wir könnten nämlich auch anders, weil, Leute, die behaupten, Jesus sei nicht der Sohn Gottes, beleidigent den christlichen Glauben, und ich denke, wir könnten durchaus auch einmal beleidigt sein, und, nun ja, ich weiß, ihr hasst es, aber wir sind hier im Moment noch in der Überzahl, wir christlich-abendländisch Geprägten, und es sind ja bei Euch auch schon Leute für weniger als Gotteslästerung gesteinigt worden.

      Hauptsache, ihr entscheidet Euch bald mal, wollt ihr eine humanistische Gesellschaftsordnung, oder wollt ihr vor einer Herrschersippe im Staub liegen?
      Beides zugleich geht (bei uns) leider im Moment noch nicht.

      Und wir brauchen jetzt auch mehr Platz für wertvollere Menschen, als ihr seid!
      Ich sage natürlich Danke für die Bereicherung in den letzten 50 Jahren, aber wir kennen Eure Kultur jetzt zur Genüge, glaube ich auch im Namen meiner Landsleute sagen zu dürfen.
      Es war sehr schön, es hatte seine Momente, aber jetzt brauchen wir mal wieder etwas Abwechslung, z.B. Afrikaner oder Araber (ihr wisst schon, das sind die, auf die ihr immer schimpft, außer auf Almans), und ehrlich gesagt, entweder sind viele von Euch entweder immer noch nicht integriert, trotz aller langjährigen Bemühungen, oder sogar zu gut, manche von Euch sind so deutsch, dass sie schon deutscher als wir Deutschen sind, dass es den anständigeren Teil des Deutschen Volkes schon vor sich selber graut, wenn es Euch sieht, ihr wisst schon, die Sache mit dem Führer, den Autobahnen und den Grauen Wölfen und so.

      Übrigens frage ich auch gelegentlich mal Leute, wo sie herkommen, und habe da eigentlich kaum Probleme mit.
      Aber ich kann mir schon vorstellen, dass sowas irgendwann nerven kann.

      Diesen Sommer, noch vor der WM, saß ich bspw. in einem Minimarkt in meiner Stadt, und kam mit so einem neolinken Hipster ins Gespräch, in der Glotze dort war gerade das Saudi-Spiel gelaufen, und der junge Mann hatte so eine Theorie, dass der Löw sowieso nur ausprobiert, und so ein Freundschaftsspiel nicht unbedingt was über die wahre Stärke der Mannschaft aussagt. Was ich gewöhnlich auch so sehe.
      Aber in dem Fall war ich ziemlich überzeugt, dass die Manschaft heuer ziemlich schwach ist.
      Da kam der Hipster mit der Theorie, Löw habe absichtlich schwach spielen lassen, um die Konkurrenz zu täuschen.
      Ich höre gerne eine gut begründete Verschwörungstheorie an, aber das war mir dann doch zu schwachsinnig. Da ich aber gewöhnlich höflich bin, habe ich natürlich nicht „schwachsinnig“ zu ihm gesagt, sondern „zu weit hergeholt“.
      Jedenfalls wollte er wissen, wo ich herkomme, da sagte ich „Von hier“, weil ich hier in meiner Stadt bald vierzig Jahre lebe, aber er wollte unbedingt wissen, ob ich hier geboren sei.
      Ich fragte ihn, ob das so wichtig sei, die Stadt habe doch schon immer von Zugewanderten gelebt. Irgendwann war er damit ziemlich penetrant, bis ich ihm dann ganz bestimmt und mit tiefem Blick in seine Hipsterbrille sagte: „Ich bin biologischer Preuße, und damit hier richtig“.
      Ich hätte auch sagen können „Was geht es dich eigentlich an?“, es ist halt schon lustig, wenn ein vor 2 Wochen neuzugereister Wessi-Hipster meint, alle müssten ihm Rechenschaft über ihre Herkunft ablegen. Aber wie gesagt, meine Höflichkeit…
      Obwohl ich mir das vermutlich abgewöhnen werde.
      Das war nämlich mal ein Highlight der Berliner Kultur, dass man dämlichen, neugierigen Gecken einfach gesagt hat „Halt’s Maul und verpiss dich!“ oder in der nettgemeinten Variante „Bin ick etwa ’n Auskunftsbüro?“
      Die Aufgabe solcher lokalen kulturellen Eigenheiten war m.E. eines der Einfallstore für die neoliberalen verblödeten rassistischen sexistischen privilegierten neolinken Ökohipster, die seitdem ihre Selbstreinwaschung, Selbstbespiegelung und Selbstbeweihräucherung, ihr „Wakening“, hier an der einheimischen Bevölkerung zelebrieren, und nebenbei mit ihrer Papi-gesponserten Dummheit in den letzten 10-15 Jahren die Mieten versaut haben.
      Dann habe ich das Gespräch elegant auf einen Diskurs über die Geschichte der Hohenzollern, der Mark Brandenburg, Polnisch-Preußen, Albrecht den Bären, Johann den Alchemisten, Johann Cicero usw. umgelenkt, und letzlich hat er mich dann herablassend vollgeschleimt, was ich doch für ein Schlauer sei usw.
      Hätte man ja als Hipster nicht angenommen, dass nicht alle aus der Unterschicht lallende Nazi-Idioten sind.
      Jedenfalls, es kann einfach nerven. Da verstehe ich den Jubelperser schon. irgendwie.

      • Dringende Lese-Empfehlung zur Causa Özil:

        FRANKFURTER ALLGEMEINE SONNTAGSZEITUNG Nr. 30, 29.07.2018, S. 19: „Ein Marke names Özil“.

        „Özil ist nicht nur ein Fußballer. Er ist eine Weltmarke. Gehört auch der Bruch mit Deutschland zur Marketing-Strategie?“

        Von Bettina Weiguny.

        • Özil war nun also der Auslöser der Debatte um Alltagsrassismus, die ihren Ausdruck auch in metwo fand.
          Wie nicht anders zu erwarten, war Widerspruch nicht vorgesehen. Es sollte ein Monolog werden mit etwas Zuspruch von einem Haufen Schleimern, die sich ihrer makellosen Tugendhaftigkeit versicherten.
          In der Causa Özil gibt es einen Aspekt, der mich an der Intergationsfähigkeit und dem Willen zur Integration von Herrn Özil erheblich zweifeln lässt. Wer sich mal ein Interview mit ihm auf youtube reinzieht, der beantworte mir doch bitte folgende Frage: Spricht Özil deutsch so wie man es von einem Muttersprachler erwartet? Seine Muttersprache als die Sprache, die man am besten beherrscht scheint türkisch zu sein, obwohl schon sein Vater sehr jung (2 Jahre?) nach Deutschland kam und Özil in Deutschland geboren, aufgewachsen und zur Schule ging. Wie ist so etwas möglich und wem kann ernsthaft anhand dieser Tatsachen ein Vorwurf gemacht werden, wenn er Özil nicht als Deutschen wahrnimmt, wenn sich doch Özil selbst, das behaupte ich mal, mehr als Türke sieht.
          Ich habe den Verdacht, dass Özil als Fan von Erdogan einen auf „die Rückkehr des verlorenen Sohnes“ macht. Erstaunlich finde ich, dass sich bis jetzt keiner der Mannschaftskollegen für ihn eingesetzt hat. Vielleicht kommt das ja noch, aber er scheint nicht sehr viel Rückhalt zu erfahren, was gemäss den Spiegel-Schreiberlingen natürlich nur und allein auf den latenten Rassismus in der BRD und auch in der NM zurück zu führen ist.

      • @microMollath:
        Jays, Dir ist ja ganz schön der Kragen geplatzt ;-). :up

        „Wollen sie etwa eine Erdogan-artige Gesellschaft hier in Deutschland?“

        Das ist genau das, was ich in dieser ganzen Integrations-Leitkultur-Toleranz-Debatte für den allerwichtigsten Punkt halte. Ende der 90er bereits hatte ich eine Diskussion mit einer sehr geschätzten Freundin, die auf ‚Warum kommen die Menschen aus repressiven Regimes der dritten Welt alle hierher?‘ argumentierte, dass wir als liberale Gesellschaft ja eine Gesellschaftsform hätten, die viel freier sei als die heimische und die Einwanderer (bzw. in wenigen Fällen tatsächliche Flüchtlinge) dieses so sehr schätzten (nämlich, dass sie hier frei sein können und in oder nahe ihrer Heimat nicht).

        Für einige gilt das sicher: Hamed abd-el-Samad, Bassam Tibi, Salman Rushdie uvam. Für die wurde die deutsche Asylgesetzgebung ja geschaffen. Was die Allgemeinheit oder auch nur überwiegende Mehrheit der Masseneinwanderer angeht, war ich aber damals schon äußerst skeptisch. Spätestens mit den 9/11-Attentaten, dem Boston-Bomber oder dem jungen englischen Cricketspieler, der zum Attentäter wurde und erst durch die ‚Verwerfungen‘, die die massenhafte Anwerbung und per Deutsche Bahn nach Deutschland geholten illegalen männlichen gutgenährten jungen Männer aus Arabien und Schwarzafrika im besten waffenfähigen Alter in den letzten Jahren verursacht haben, zeigen meiner Meinung nach überdeutlich die nüchterne Wahrheit:

        Es kommen Menschen in die Gesellschaft, die diese freiheitliche Gesellschaft zutiefst ablehnen und für ihre Beseitigung arbeiten.

        (Man erinnere sich an den Schock, den die 69% Erdogan-Reform-Wähler unter den in Deutschland lebenden Türken ausgelöst haben. (Auch) diese Menschen identifizieren sich nicht mit dieser Gesellschaft, ähnlich wie Özils Eltern…)

        Nicht, das man es nicht hätte ahnen können. Der ‚Kalkutta‘-Spruch von Scholl-Latour ist ja schon ziemlich alt….

        • Erm, also der Schock wurde in der ‚deutschen Mehrheitsgesellschaft‘ ausgelöst, unter den in Deutschland lebenden Türken befinden sich die 69%-Erdogan-Reform-Befürworter… sorry.

      • @ mikroMollath Ich bin gerade im Urlaub, deshalb komme ich kaum zum Mitdiskutieren, aber einen Antwort möchte ich doch geben. „Ich wäre der Erste, der sich freiwillig meldet, um ein paar türkische Heroindealer aufzuhängen, ein paar vorlaute türkische Schnepfen auszupeitschen oder ein paar türkischstämmige Journalisten, Künstler oder Intellektuelle zu foltern.“

        Du siehst – wenn man so eine Passage aus dem Zusammenhang nimmt, dann sieht sie schnell ziemlich katastrophal aus. Natürlich ist im Zusammenhang der Sinn klar:

        Es kann nicht immer allein um die Frage gehen, ob Deutsche (gern politisch korrekt auch als „Biodeutsche“ oder „Kartoffeldeutsche“ bezeichnet) Immigranten offen aufnehmen, dass sie nicht fremdenfeindlich oder gar rassistisch sind. Immigration bedeutet ja eben, dass es nicht allein auf das ankommt, was WIR tun, sondern auch auf das, was die Migranten tun.

        Das ist möglicherweise eben eine der größten Provokationen für eine Einwanderungsgesellschaft: Ihre Mitglieder geben einen gewissen Teil an Kontrolle über das Gemeinwesen ab und machen sich zu diesem Teil abhängig davon, was Einwanderer tun. Wie diese sich auf die Gesellschaft einstellen – wie die sich hier etablieren – gemeinschaftliche Strukturen mit tragen oder auch verändern.

        Und das bedeutet: Wenn ein relevanter Teil der Einwanderer die Demokratie ablehnt, dann kann eine demokratische Gesellschaft Probleme bekommen.

        Du spiegelst das in Deinem Kommentar und fragst, was denn wohl Erdogan-Fans dazu sagen würden, wenn sich Deutsche so verhalten würden wie Islamisten (auch Erdogans Türkei hat solche Strukturen nicht).

        Es hat aber nach meinen Erfahrungen im Netz überhaupt keinen Sinn, die Wut, die man über manche Entwicklungen vielleicht hat, einfach rauszuhauen. Entweder sieht das deplatziert aus – oder die Sprache wird so gewaltsam, dass Menschen, die weniger gewaltsam argumentieren, abgeschreckt werden. Deshalb gebe ich mir auch dann, wenn ich über Themen schreibe, die mich persönlich stark betreffen (z.B. über die Situation von Trennungsvätern), eine ganze Menge Mühe, mit einer gewissen Distanz zu schreiben.

        Was die Einwanderung und das Thema „Islam“ betrifft, wird eh schon mit viel zu viel Wut im Netz agiert. Von Rechten, auch von muslimischer Seite, und auch von Linken. Und gerade über Özil wird eine Diskussion geführt, deren Heftigkeit ich nicht nachvollziehen kann.

        Das liegt vermutlich daran, dass es eine Ersatzdiskussion ist: Weil die Erdogan-Politik der Bundesregierung kaum kritisch diskutiert wird, tragen wir alles an einem Fußballer aus. Ausgerechnet.

        Um über solche Zusammenhänge zu schreiben, braucht es aber eine gewisse Ruhe. Ich möchte daher auch sprachlich um Zurückhaltung bitten. Ich weiß, glaube ich, was Du in deinem Kommentar sagen wolltest – aber wer ihn nicht wohlwollend liest, wird ein fatales Bild bekommen und sich fragen, warum sowas hier stehenbleibt.

        • Dazu wäre mehr zu sagen, als ich im Moment Zeit habe.

          Am Verhältnis Deutschtum, besonders grünes Deutschtum, zu Türkentum, lässt sich vieles festmachen, zumal es jetzt kein soziales Experiment mit offenem Ausgang mehr ist, sondern ein halbes Jahrhundert an Erfahrungen vorliegt, wo ich das Wahlergebnis unter den Deutsch-Türken als Kulminationspunkt sehe, um ein relativ gültiges Resümee zu ziehen.
          Ich teile von diesen +- 50 Jahren ca. 40 an bewußter Erfahrung, der größte Teil davon in Multikulti-Berlin.
          Da erhält man eine Menge an Eindrücken, Erfahrungen und Selbstzuschreibungen der „Türk-Kültür“.
          Die Causa Özil, sicher, da geht es vordergründig nur um einen Fußballer, und sicher kommt da einiges an echtem Rassismus hervor, was sich jetzt endlich mal ermutigt sieht, aber das kann wie auch bei anderen Themen kein Argument für Nicht-Rassisten sein, die Realität weg zu drücken, und sozusagen des Kaiser neue Kleider zu beklatschen, nur weil mal wieder irgendwer irgendwie das für seine Zwecke ausnutzen könnte, und stattdessen lieber in einer Phantasiewelt umherzuschweben.

          Vieles an seriösen Fragen, die man aus der Erdogan-Özil-Affäre ziehen kann, ist eben weitgehend exemplarisch für grundlegende Verhältnisse der beiden „Communities“.

          „… wenn sich Deutsche so verhalten würden wie Islamisten“
          Mein Statement bezieht sich nicht wirklich auf Islamisten (allein).
          Diese Tendenzen gab es lange, bevor die jetzige Form des Islamismus in der Türkei populär und dominierend wurde.
          Folter, politische Morde, Zensur, Todesstrafe, Doppelmoral, imperiale Großmannssucht sind nicht etwas, was mit der AKP in die Türkei gekommen ist.
          Die Bestürzung der guten Multikullti-Ökolinken über das Wahlergebnis der hier abstimmenden Türken ist entweder etwas naiv, oder heuchlerisch, nach meiner Meinung, aber trotzdem nachvollziehbar, weil es eben das endgültige Scheitern eines politischen Projektes bedeutet, bzw. das Eingeständnis davon:
          Am alternativen deutschen Akademiker-und Verwaltungsfachangestellten-Wesen wird NICHT die Welt genesen.
          Die Selbstbeschreibung des „guten Deutschlands“ stimmt nicht.
          Des guten, geläuterten, die Vergangenheit aufgearbeitet habenden, feministischen, intersektionellen usw. Deutschlands.
          Der Plan war m.E. von Anfang an schwer fehlerhaft, besonders seit das institutionalisierte Gutmenschentum sich seiner angenommen hat, und die Annahme liegt nahe, dass das gute Beispiel des „Neuen Deutschtums“, sein leuchtendes Beispiel eines vorbildlichen Weltbürgertums, entweder nur Schein ist, oder undankbarerweise von den „bösen Wilden“ nicht angenommen wurde.
          Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem.
          Naja, das sind jetzt nur ein paar Brocken, die ich hinwerfe, aber ich muss mich auch bei diesem Wetter erstmal zu ein paar aushäusigen Aktivitäten aufraffen.

  • Hachja. Nun ist diese ‚Intersektionalismus-Debatte‘ endlich aus den USA herübergeschwappt nach D, unter dem Einfluß von Özil und #metwo. Eigentlich wurden in den letzten drei Jahren genügend ‚debunking‘-Videos zu den Machwerken von ‚SJW‘-(eigentlich: Diskurshoheits-)youtubern publiziert (man suche auf youtube.com nach ‚Answers for SJWs‘), dass ich eigentlich erwartet hatte, der Unsinn wäre vorbei.

    Nunja. Bringt mich immerhin in den Genuß von ‚Antworten für Tugendsignalsender‘ von Lucas Schoppe. Auch ‚was wert ;-).

  • @ CountZero, @ microMollath, @ Pjotr

    Ich verstehe nicht, was Euer Problem mit nicht Integrations-willigen Bürgern mit Migrations-Hintergrund mit dem Thema von Schoppes Artikel zu tun hat. Zur Erinnerung: dieses Thema lautet „Vom Ordnungssinn der identitären Linken“. Es lautet nicht: Kanaken, die uns auf den Sack gehen.

    Vielleicht lest Ihr einfach mal jenen Artikel, auf den ich verwiesen habe – ich kann Euch den auch als PDF-Kopie zuschicken.

    Das Schöne an diesem Text ist: Er will keine Schurken und Schuldigen dingfest machen – er will einfach nur verstehen. Ergebnis: der Vorwurf des Rassismus als Geschäfts-Modell prominenter Leute – nichts persönliches also, einfach nur neoliberal.

    • “ Kanaken, die uns auf den Sack gehen.“
      Das war nicht meine Aussage.
      Sondern „Faschisten, die mir auf den Sack gehen, aber von der Kümmer-Industrie und ihren politischen Repräsentanten hofiert werden.“
      Wenn du nicht verstehst, was das mit dem Artikel zu tun hat, tut es mir Leid.
      Es geht um den umgedrehten Rassismus, der Rassisten, Faschisten und Chauvinisten schönredet, weil ihr Teint 10% dunkler ist, weil sie die Gesellschaft nach rechts treiben, aufgrund der blinden Akzeptanz, die sie von korrupten grünen Kleinbürgern erhalten, und so ihren Kümmerern der Stoff für ihr Narrativ nie ausgeht, nämlich (angeblich) die anständigeren linken Menschen zu sein, und das damit zusammenhängende Geschäftsmodell („am deutschen Biedermeierwesen soll die Welt genesen“)

    • @ J.M
      Du selbst hast doch auf die „Causa Özil“ verwiesen. Der Fall war ein wahres Fest für die Identitären von links wie von rechts und auch der Anlass für Fechners Tweet, der von Lucas kritisiert wurde.
      Deine Leseempfehlung ist nicht online.

      • „Du selbst hast doch auf die „Causa Özil“ verwiesen.“

        Nein, microMollath hat oben damit angefangen. Er schreibt:

        „Genausowenig verstehe ich das Problem von Özil, ich meine, Geld hat er ja nun genug, warum hält es ihn noch hier, sein geliebter Führer nimmt ihn doch mit Kusshand auf? Warum geißelt er sich selbst damit, unter den doofen Almans zu leben?“

        Ich habe lediglich darauf geantwortet – nicht mit einer Meinung, sondern mit einem Lese-Hinweis.

        „Deine Leseempfehlung ist nicht online.“

        Deshalb habe ich ein entsprechendes Angebot gemacht.

    • @Jochen Schmidt:
      „Ich verstehe nicht, was Euer Problem mit nicht Integrations-willigen Bürgern mit Migrations-Hintergrund mit dem Thema von Schoppes Artikel zu tun hat.“

      Schoppe’s Artikel antwortet ja auf die ’20 Fragen an cis-male-heteros ohne Migrationshintergrund‘ und entblößt sie in dem Sinne, dass sie keine Fragen mit dem Ziel von Informations- oder Erkenntnisgewinn sind, sondern Vorwürfe an den weißen cis-male-hetero, solche Fragen gerade nicht an Mitglieder der ‚marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen‘ stellen zu sollen.

      Wie bereits oben angedeutet, erfreuten sich solche Spielchen großen Interesses im US-amerikanischen Umfeld (buzzfeed & Co.). In Deutschland hat nun die Özil-Integrations-Debatte diese Vorwurfskultur erneut befeuert: Man solle jeden und jede als ‚deutsch‘ akzeptieren („Stört es Dich, wenn ich Dich Alman nenne?“), am besten als genauso deutsch wie die dirndltragende Oberbayerin in 17. Generation, und in bester Double-Think-Manier gleichzeitig dieses NICHT tun, in dem man die kulturellen Besonderheiten der Ursprungskultur diskussions- und widerspruchslos akzeptiere (und die darin enthaltene Abgrenzung vom ‚deutsch sein‘ ebenfalls).

      Du hast natürlich recht: der Gegensatz (Mehrheits-)’Deutscher‘ vs. (marginalisierter)’Ausländer‘ ist nur ein Aspekt der 20 Fragen und der Vorwurf von ‚Thema verfehlt‘ trifft zumindest teilweise zu.

      Allerdings gelten die von mir skizzierten, angestrebten psychologischen Mechanismen auch für alle anderen ‚Bruchlinien‘ zwischen identitären Gruppen: Frauen können alles, (wirklich alles!!!) was Männer auch können, „und zwar rückwärts und auf Stöckelschuhen“, aber gleichzeitig müssen sie wo es nur geht gefördert, emotional gepampert und monetär unterstützt werden und klarerweise anhand ihres biologischen(!) Geschlechtes anders behandelt werden als Männer.

      Den von Dir zitierten Artikel über das Firmengeflecht von Özils Umfeld und Verwandschaft hatte ich damals ebenfalls gelesen. An wen ‚Özils‘ englische Facebook-Posts eigentlich adressiert sind, ist eine äußerst interessante Frage. Mir geht es aber hier nicht um Özil im speziellen, sondern um die Integrations-Debatte, die sein Rassismus-Vorwurf ausgelöst hat (und die nmA solche ’20 Fragen-die-eigentlich-Vorwürfe-sind‘-Posts miterzeugt).

  • „5. Findest Du nicht, dass sich weisse junge Männer engagierter vom christlichen Fundamentalismus distanzieren sollten“

    Interessant, dass Dir das nicht aufgefallen ist. Warum sollen sich weiße junge Männer vom christliche Fundamentalismus distanzieren, und nicht Christen?

    Ich jedenfalls habe noch nie gehört, dass sich pauschal alle jungen männlichen POC vom Islamismus distanzieren sollen. Diese Aufforderung wird an die Glaubensbrüder (Muslime) der Islamisten herangetragen, nicht an Menschen mit dunkler Hautfarbe.

      • Diese angeblich „gespiegelte“ Frage ist gleich aus mehreren Gründen völlig irrsinnig. Zum einen natürlich der Punkt von Adrian: Niemand „verlangt“ pauschal von Menschen einer bestimmten Hautfarbe und eines bestimmten Geschlechtes eine Distanzierung von durchgeknallten, religiös fundamentalistischen Massenmördern. Der Bezugspunkt ist stets die gemeinsame Religion und nicht irgendwelche biologischen Faktoren.

        Dann aber auch noch die Beschränkung auf weiße Männer… Sollte die Frage sinnvoll gespiegelt sein, sich also nur gegen jene wenden, die angeblich diametrale Aufforderungen formulieren, hieße das ja, dass angeblich noch nie eine weiße Frau solch eine Aufforderung zur Distanzierung an Muslime gerichtet haben dürfte. Das erscheint mir arg unwahrscheinlich.

        Und die Sache mit der Hautfarbe… Nun ja… Nichtislamische Menschen im klar mehrheitlich stark dunkelhäutigen Nigeria werden gewiss auch schon ihre muslimischen Landsleute zu klaren Distanzierungen aufgefordert haben, spätestens nachdem Angehörige, im schlimmsten Fall gar ihre Kinder, von diesen Boko-Haram-Arschlöchern ermordet worden waren. Ich glaube also nicht, dass das in die Verantwortung Nehmen nicht fundamentalistischer Angehöriger besagter Ideologie (was anderes ist eine Religion letztlich nicht), diese zu hinterfragen und sich von kranken Auswüchsen zu distanzieren irgendwie nur von Weißen kommt.

        Und natürlich als Krönung: Schon dieses dadurch aufgemachte Gleichnis hinkt hinten und vorne. Man muss in der Menschheitsgeschichte schon ziemlich weit zurückschauen, wann das letzte Mal christlicher Fundamentalismus für auch nur annähernd so viele Morde im Verlauf weniger Jahre verantwortlich gemacht werden konnte. Die Zahl der Menschen, die in diesem noch jungen Jahrhundert durch islamistischen Terror ermordet worden sind, dürfte locker im zweistelligen Tausenderbereich liegen (man denke da nur an 9/11 und dann die immer sehr folgenschweren Bombenanschläge im mittleren Osten, ohne die in den Nachrichten seit Jahren gefühlt nicht eine einzige Woche vergangen ist).

        Von was sollen sich denn in Bezug auf christlichen Fundamentalismus die bösen weißen Männer (wie gesagt: warum eigentlich nur die?) bitte schön an vergleichbarem distanzieren? Von deren rigider Haltung zum Thema Empfängnisverhütung und Abtreibung oder was???

        Das Bedürfnis nach möglichst wirksamer Zurschaustellung der eigenen Tugendhaftigkeit wirkt sich nicht selten äußerst negativ auf die kognitiven Fähigkeiten aus. Der Herr mit seinen 20 Fragen ist wohl ein sehr vortreffliches Exempel dafür.

        • Nachtrag: ganz nebenbei dürfen sich Christen (also auch weiße Männer) heute noch sehr oft auch oder gerade von Muslimen Vorwürfe bezüglich der Kreuzzüge anhören. Und wer da nicht sofort mit betretener Büßerpose reagiert, ist umgehend unten durch. Beim Auswalzen der Verbrechen im Zuge der Kreuzzüge sind allerdings auch Typen mit dem Mindset eines Marco Fechners ganz vorne mit dabei. Und dann antworte solchen Heinis mal mit der dann tatsächlich gespiegelten Hohlphrase: „Die Kreuzzüge hatten nicht das geringste mit dem Christentum zu tun!“. In ihrem Bedürfnis, heutige Christen noch für Dinge in die Pflicht zu nehmen, die viele Generationen vor ihnen von seit fast tausend Jahre lang toten Menschen begangen worden sind, ließe sie in diesem Zusammenhang die Schwachsinnigkeit dieser Formel schnell erkennen. Warum nur wird derselbe blödsinnige Kritikimmunisierer sofort geschluckt und fröhlich nachgeplappert, wenn es um den Islam geht. Worin liegt der Unterschied. Beides sind Religionen und haben damit beide das Potential Menschen zu vereinnahmen und zu unmenschlichen Taten zu treiben.

          Warum aber wird eine Religion, in deren Namen im Heute und Jetzt weltweit Menschen ermordet werden, pauschal von jeglicher Verantwortung zur Selbstreflexion befreit, während sich eine andere Religion noch heute nicht ausreichend für Verbrechen Anfang des letzten Jahrtausends kasteien kann, um Gnade in den Augen einiger Spinner zu finden? Wo ist da die Logik???

          • @Billy:
            Deine Kritik am radikalen Islamismus teile ich größtenteils.
            Auch daß Du Religon und Ideologie gleichsetzt finde ich ganz richtig.
            Aber Dein Relativierungsversuch zu „christlichen Fundis“ ist mir zu schwammig und an den Haaren herbeigezogen.

            Es gibt da ein ziemlich christlich-fundamentalistisches Natiönchen, das sich für „gods own country“ hält und zwar das EINZIGE überhaupt ( daß man dort das israelische Regime für „auch relativ göttlich“ hält, ist dabei sekundär ).

            Und dieses Land greift mit schöner Regelmäßigkeit andere Länder an ( allerdings nicht für JHVH, sondern für Greenbacks und Machtspielchen, aber immer mit ideologischen Vorder- u. Hintergrundrechtfertigungen ). Dabei gibt es stets so ein paar hunderttausend bis millionen Tote, plus Folterei etc., das volle Programm, das grobe Besteck.

            Und gerade 9/11 ist das völlig verkehrte Beispiel.
            Okay, es waren vielleicht so um 20 – 30 Islamfundis beteiligt.

            Aber ohne ein Mehrfaches an wesentlich verantwortlicher beteiligten Leuten, ohne Zweifel die allermeisten amichristlich-imperiale Oberfundis, hätten die schlichtweg nix von ihren bizarren Vorhaben ausführen können.

            Oder glaubst Du an die irrste VT der bis heute bekannten Welt, nämlich die des NIST?

            Klar, der durchschnittlich – westliche U-Boot-Christ geht weder auf Kreuzzüge, noch sprengt er sich zu Ramadan in Mekka in die Luft.
            Aber umgekehrt ähnliches macht der kottletmampfende, rakisaufende Moslem auch nicht.

            Besser wäre vermutlich der Missionsansatz gewesen.
            Da kann man klar sagen, wer meint eine göttlich-missonaristische Aufgabe zu haben, der killt irgendwann ( nach gebührlicher Aufschaukelung ) auch kleine Kinder.

            Und da liegen solche Hirnis wie Moslemfanatiker und Radfems z.Zt. ziemlich weit vorne.

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.