Feindbild Mann Hate Speech Wissenschaft

Über den Umgang mit Menschen…

geschrieben von: Lucas Schoppe

…die andere Menschen als Müll bezeichnen

Angesichts von institutionalisierten Beschimpfungen wie #MenAreTrash liegt der Gedanke nahe, selbst mit einer härteren, unzivileren Sprache zu reagieren. Einige Gründe, warum das falsch ist:

 

Der Herr Professor und der Müll

Ein Leser hatte in der vergangenen Woche eine Mail an den Präsidenten der Freien Universität in Berlin weiter geleitet. Mit seiner Erlaubnis zitiere ich sie:

Sehr geehrter Herr Präsident,

die Freie Universität hat das Selbstverständnis, für Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit einzutreten und insbesondere Geschlechtergerechtigkeit zu fördern.

Bedauerlicherweise hetzt ein Professor Ihrer Universität aktuell öffentlich auf Twitter gegen eine Gruppe von Menschen, deren pauschale Bezeichnung als Müll er ausdrücklich gut heißt. Es ist (noch) nicht „Andersdenkende sind Müll“, sondern „Männer sind Müll“.

Ich möchte Sie höflich dazu einladen mit diesem Herren, Prof. Anatol Stefanowitsch, das Gespräch zu suchen und in darauf hinzuweisen, dass derartige Hasskampagnen gegen bestimmte Menschengruppen mit einer Tätigkeit an der „Freien Universität Berlin“ unvereinbar sind.

 Über eine Rückmeldung Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.

 Vielen Dank!

 Mit freundlichen Grüßen

Anatol Stefanowitsch, Professor für Sprachwissenschaft am Institut für Englische Philologie, der zuletzt ausgerechnet das Buch „Warum wir eine politisch korrekte Sprache brauchen“ veröffentlicht hat, hatte sich auf Twitter den Hashtag #MenAreTrash ausdrücklich zu eigen gemacht.

Wer als Müll bezeichnet wird, soll nicht meckern, sondern die Klappe halten: Das gefällt über tausend der zahlreichen Follower. Auffällig ist hier nicht nur die Ignoranz des Sprachwissenschaftlers gegenüber der deutschen Grammatik. Der Berliner Professor formuliert eine radikal autoritäre Position: Menschen, die ihre eigene Entmenschlichung und Entwürdigung nicht verinnerlichen und bejahen, hätten sie erst recht verdient.

Ob ihm das nun klar ist oder nicht,  reproduziert er damit die Männerfeindlichkeit des extremsten Feminismus. Valerie Solanas träumt beispielsweise in ihrer Vernichtungsfantasie SCUM von Männern, die sich aus Einsicht in ihre Wertlosigkeit selbst umbringen. Da die Selbstmordquote von Jungen und Männern ja tatsächlich um ein Mehrfaches höher ist als die von Mädchen und Frauen, ist solch eine faschistoide Logik der genüsslich exerzierten Entmenschlichung ganz besonders furchtbar.

Der Brief an den Präsidenten ist angesichts dieser offenen gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sehr maßvoll. Er fordert keineswegs kraftmeierisch, Stefanowitsch aus dem Amt zu entfernen, sondern lädt dazu ein, das Gespräch mit dem Professor zu suchen. Das ist auch gleich aus zwei Gründen wichtig.

Erstens sind Professoren üblicherweise Beamte, und für die gilt das „Mäßigungsgebot“. Natürlich können sich auch Beamte politisch betätigen, doch auch außerhalb des Dienstes müssen sie dabei „diejenige Mäßigung und Zurückhaltung zu wahren, die sich aus ihrer Stellung gegenüber der Allgemeinheit und aus der Rücksicht auf die Pflichten ihres Amtes ergeben“.  Menschen aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit öffentlich pauschal als „Müll“ zu bezeichnen und sich dabei sogar ausdrücklich an eine entsprechende Kampagne anzuhängen, wird diesem Gebot offensichtlich nicht gerecht.

Die Leitung der Universität hat also eigentlich gar nicht die Möglichkeit, das Verhalten ihres Professors unkommentiert zu lassen, sondern ist dienstrechtlich zum Eingreifen verpflichtet. Andernfalls könnten wir das Mäßigungsgebot auch streichen: Ein Rechtsgebot, dessen Übertretung keine Folgen hat, ist keines mehr.

Zweitens, und noch wichtiger: Stefanowitsch ist als Professor sowohl für Studentinnen als auch für Studenten verantwortlich. Mehr noch, das Fach Englisch bzw. Anglistik wird zu einem großen Teil von Menschen studiert, die damit einmal in den Schuldienst gehen und die dann sowohl für Mädchen als auch für Jungen gleichermaßen verantwortlich sein werden. Die Angehörigen eines ganzen Geschlechts pauschal und genüsslich als „Müll“ hinzustellen, ist eine offenkundige Demonstration der Missachtung dieser Verantwortung, sogar der Verachtung für sie.

 

Vom kooperativen Nutzen der Härte

Warum aber reagiert der Leser in seiner Mail so maßvoll? In den Kommentaren zum #MenAreTrash-Artikel hier im Blog gab es einige Äußerungen, die darauf drängten, sprachlich härter zu antworten. Auch wenn ich das nicht so sehe, ist es wichtig, zunächst kurz zu klären, welchen Sinn ein solches Bedürfnis nach einer heftigeren Sprache eigentlich hat. Es beruht nämlich nicht bloß auf Wut und mangelnder Selbstkontrolle, sondern lässt sich spieltheoretisch gut erläutern.

In der Spieltheorie nämlich ist schon lange deutlich, dass die sogenannte Tit-for-Tat-Strategie  oft sehr sinnvoll ist. Damit wird auf des Verhaltens des anderen Spielers reagiert: Wenn dieser kooperiert, kooperiert man auch selbst – wenn er sich der Kooperation verweigert, zieht man sich ebenfalls aus der Kooperation zurück. Besonders gute Folgen hat diese Strategie, wenn man selbst mit einem Signal der Kooperation beginnt.

Der Sinn ist leicht nachzuvollziehen. Kooperation wird mit Kooperation belohnt, und dadurch können sich dann Strukturen eines gemeinsamen Handelns ausbilden. Demjenigen aber, der die Kooperation verweigert, werden sofort die Vorteile der Kooperation entzogen.

Würden wir hingegen unsere Kooperationsbereitschaft einfach aufrecht erhalten, obwohl der andere sichtbar nicht kooperiert – dann würden wir dessen Verweigerung sogar noch belohnen. Er könnte die Vorteile der Kooperation einstreichen, ohne die Investitionen für sie leisten zu müssen.

Wer also blind für das Verhalten des anderen stur weiter kooperiert, richtet damit auf lange Sicht sogar Schaden an, weil er ein destruktives Verhalten fördert.

Daher ist in spieltheoretischen Experimenten eine große Mehrzahl von Menschen bereit, sogar eigene Opfer in Kauf zu nehmen,  wenn das die Bedingung für die Bestrafung eines anderen ist, der die gemeinsamen Regeln gebrochen hat. Das kurzfristige Opfer lohnt sich, weil damit langfristig gesichert wird, dass andere nicht einfach ungestraft die Strukturen der Kooperation ausnutzen können. Das zeigt übrigens nebenbei auch, wie groß insgesamt der Gewinn der Kooperation auch für Einzelne ist.

Wer aber nun Menschen offen, und gar allein aufgrund biologischer Zugehörigkeiten, als „Müll“ beschimpft, der signalisiert so deutlich wie nur möglich, dass er zu keiner Kooperation mit ihnen bereit ist. Er ist demonstrativ nicht einmal bereit, ihre basale Menschenwürde zu respektieren, nimmt also für die Beschimpfung sogar unverhohlen in Kauf, gemeinsame und grundlegende moralische Regeln zu brechen.

Es ist völlig nachvollziehbar, wenn Menschen auf solch ein destruktives Verhalten hart reagieren. Das ist keineswegs seinerseits verroht. Eine solch harte Reaktion haben wir eben deshalb trainiert, weil wir kooperative Wesen sind und weil wir die Spielregeln der Kooperation verinnerlicht haben.

Warum ist die Reaktion dann aber trotzdem nicht sinnvoll?

 

Vom zivilen Nutzen der APO

Wenn ich hier einen Text schreibe, oder sonst igendwo im Netz kommentiere, dann bewege ich mich in einer Öffentlichkeit und nicht im Privatgespräch mit Leuten wie Anatol Stefanowitsch oder Sibel Schick. Ich reagiere also nicht nur auf sie, davon bekommen vermutlich sie ja meist gar nichts mit. Ich äußere mich gegenüber anderen Menschen, die zu einem großen Teil zwar still bleiben, die aber ganz anders agieren als die brutalisierten Akteure, die einen großen Teil der Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen – immerhin mit ganz unterschiedliche Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft – hochrechne, dann haben sicherlich achtzig Prozent der Menschen den Wunsch, grundsätzlich mit anderen zu kooperieren und halbwegs friedlich zu kommunizieren. Das schließt die Schaulust bei kommunikativen Totalschäden wie dem #MenAreTrash-Hashtag ja nicht aus – diese Schaulust ist aber keine Zustimmung.

Wenn ich also sprachlich ebenso verroht gegenhalte, dann kann flüchtigen Betrachtern nur der Eindruck entstehen, dass auf allen Seiten Bekloppte agieren und dass eine weitere Beschäftigung mit dem, worüber ich schreibe, nicht lohnt.

Das wiederum ist für mich selbst – und für andere, die ähnlich denken wie ich – sehr viel schlimmer als für Akteure wie Stefanowitsch oder Schick. Die nämlich sind institutionell privilegiert, Stefanowitsch noch einmal deutlich stärker als die taz– und Missy-Autorin, die aber ihrerseits auch eine deutlich größere Reichweite hat als fast alle anderen im Netz.

Selbst solche feministischen Positionen, die Verachtung für Väter artikulieren oder die explizit männerfeindlich sind, werden institutionell abgesichert: in Parteien, in der Gleichstellungsbürokratie, in Universitäten, in Gewerkschaften, in großen Medien. Wer so agiert, hat es also gar nicht nötig, einen großen Teil der Leser oder Zuhörer zu überzeugen – er, bzw. sie, muss lediglich darauf achten, die eigene institutionelle Position nicht zu riskieren.

Wenn also der Eindruck entsteht, dass auf allen Seiten nur Bekloppte agieren würden – dann haben brutalistische Akteure wie Stefanowitsch oder Schick schon gewonnen. Sie nämlich können sich das leisten.

Der Kommentator Pjotr schreibt zu #MenAreTrash:

Die eigentliche Mitteilung auf der Beziehungsebene ist: Wir können euch Dinge an den Kopf werfen, ohne dass der grosse Aufschrei erfolgt. Ihr hingegen könnt das nicht. Das heisst: Wir haben die Diskurshoheit.

Tatsächlich wirkt die wegwerfende Betitelung anderer als Müll eben dadurch, dass sie gängige Regeln so frontal wie unverstellt bricht. Seht her: WIR können, ohne Folgen für uns, zivile Regeln brechen, an die IHR euch sorgfältig zu halten habt. So ist dieser Hashtag denn auch vor allem eine offene, schambefreite Demonstration eben derjenigen Privilegien, die zugleich projektiv den Beschimpften untergeschoben werden.

Es ist ganz illusorisch zu glauben, gegen solch einen institutionell gestützten Brutalismus wäre etwas auszurichten, wenn man nur in den Kommentarspalten irgendeines Blogs besonders kräftig vom Leder zieht. Das kratzt Stefanowitsch oder Schick gar nicht – es schreckt aber zivilere Leser ab, die sonst vielleicht interessiert wären, und es behindert den Aufbau kleiner, ziviler Foren unterhalb und außerhalb der etablierten Institutionen.

Das hab ich hier im Blog schon öfter mal erzählt: In den ersten Jahren meines Lebens als Trennungsvater war es für mich besonders bedrückend zu merken, wie allein ich damit dastand. In den Medien – den Massenmedien wie den sozialen Medien – wurde die Ausgrenzung von Vätern fast rundweg entweder begrüßt oder ignoriert, und dort, wo sich Widerstand regte, wurde oft so hart, bitter und auch verroht argumentiert, dass ich mich auch dort nicht wiederfand. Durch das Verdienst vieler – Arne Hoffmann, Christian Schmidt, der Leute von cuncti, dem Forum Sozial Inklusion und vieler anderer Blogger und Kommentatoren – hat sich das geändert.

Wenn daher jemand das Gefühl hat, gegen die #MenAreTrash-Hetze müsse eine klarere Kante gefahren, also deutlich schärfer und wütender formuliert werden, kann er das gern machen. Aber bitte nicht hier. Solche Leute wie Schick oder Stefanowitsch sind nämlich gar nicht so sonderlich wichtig.

Wichtig aber finde ich, dass es außerhalb des institutionell gestützten Brutalismus Foren der zivilen Verständigung gibt, die prinzipiell möglichst vielen offenstehen. Eine neue APO, sozusagen.

 

Der Präsident der Freien Universität Berlin ist laut Homepage der Mathematiker Günter M. Ziegler, er  ist hier erreichbar: praesident@fu-berlin.de

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15 Comments

  • Die spieltheoretische Begründung scheint mir hier nicht einschlägig zu sein. Es geht nicht um Kooperation, sondern um Kommunikation. Man kann auch höflich die Kooperation verweigern.

    Auf Außenstehende, das hast Du natürlich ganz richtig herausgearbeitet, wirkt ein höfliches „andere als ‚Müll‘ zu bezeichnen ist nicht mehr als eine Beleidigung; wenn im Diskurs eine Seite auf Beleidigungen zurückgreift, will sie offensichtlich nicht mehr inhaltlich argumentieren, und der Diskurs ist beendet“ deutlich zivilisierter als „Du bist doch selber sexistische Kackscheiße, Du Feminazi“.

    Die Frage ist ja auch: Um welche Kooperation geht es? Die Vertreter der Beleidigungen sind ja, auch das schreibst Du ganz richtig, in der absoluten (kommunikativen) Machtposition. Sie sind überhaupt nicht darauf angewiesen, dass die Gegenseite irgendwie kooperiert. Das Spiel ist sozusagen bereits beendet, sie zählen zu den Gewinnern, drehen ihre Siegesrunden und klauen den Verlierern jetzt nur noch die verbliebenen Spielfiguren und niemand kann sie aufhalten.

    Am Ende geht es darum, ob man selbst auf das Niveau von Beleidigungen absinken möchte oder ob man dazu steht, ein zivilierter Mensch zu sein. Ich persönlich werde meine Erziehung nicht wegen entgleister Wortmeldungen ausgerechnet bei Twitter aufgeben.

    Man darf auch nicht vergessen, dass Twitter letztlich nicht viel mehr ist als die zentrale Filterblase der Medienbranche. Gesellschaftlich hat das, was dort passiert, kaum Relevanz. In diesem Fall: Wie Männer in der Realität behandelt werden, hat nichts damit zu tun, dass man sie auf Twitter pauschal beleidigt. Der Hashtag macht da nichts schlimmer oder besser, er ist bestenfalls Symptom der gesellschaftlichen Realität, aber kein Auslöser.

    • Wie Männer in der Realität behandelt werden, hat nichts damit zu tun, dass man sie auf Twitter pauschal beleidigt.

      Seh‘ ich anders: Sowohl auf Twitter als auch in der Realität werden Männer – etwa als Trennungsväter – wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Zwei Seiten derselben Medaille. Das schreiben Sie gleich selbst:

      Der Hashtag macht da nichts schlimmer oder besser, er ist bestenfalls Symptom der gesellschaftlichen Realität…

    • @ pehar „Wie Männer in der Realität behandelt werden, hat nichts damit zu tun, dass man sie auf Twitter pauschal beleidigt.“ Ich glaube auch, dass Twitter erheblich überschätzt wird, wenn man es mit der Welt außerhalb sozialer Medien abgleicht. Es ist eine Minderheit, die das nutzt, und auch diese Minderheit ist nur zu einem winzigen Teil an Stefanowitsch etc. interessiert.

      Etwas anders ist es aber schon, dass dieser Mann ein Professor ist. Zudem kann gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, die auf einer sprachlichen Ebene verbreitet wird, gleichwohl Gewalt begünstigen. Daher ist der Impuls, auf harte sprachliche Regelverletzungen seinerseits mit Härte zu reagieren, in meinen Augen ganz verständlich.Auch wenn ich es falsch finde, danach zu handeln.

      Ich finde zudem sehr wohl, dass Kommunikation sehr viel mit Kooperation zu tun hat. Um überhaupt sinnvoll mit jemandem kommunizieren zu können, müssen wir ihm gewissermaßen einen Vorschuss an Vertrauen geben – davon ausgehen, dass er prinzipiell zurechnungsfähig und gutwillig ist. Wenn wir das nicht voraussetzen, halten wir den anderen entweder für einen Irren oder für einen potenziellen Lügner.

      Zudem ist Kommunikation immer auf einen gemeinsamen Horizont bezogen – wir benutzen konventionalisierte Wörter, bei denen wir nicht allein davon ausgehen können, dass der andere ihre Bedeutung kennt. Der wiederum kann dasselbe auch bei uns voraussetzen. Beide wissen wiederum voneinander, dass sie diese Voraussetzung machen können.

      Kommunikation funktioniert also nur als eine durchaus komplexe Kooperation. Sonst würden wir die Äußerungen des anderen nicht als Äußerungen wahrnehmen, sondern einfach als sinnlose Laute, die er von sich gibt.

      Das zeigt, wie widersprüchlich solche Hashtags wie #MenAreTrash sind. Sie funktionieren allein auf der Basis einer umfassenden Kooperation – aber IN eben dieser Kooperation formulieren sie zugleich eine sehr scharfe Absage an sie.

      Oder anders: #MenAreTrash funktioniert eben gerade nur in einem kooparitiven Umfeld. Wer so agiert wie die Protaginisten dieser Kampagne, der agiert also als Trittbrettfahrer: Er nutzt die kooperativen Leistungen anderer aus, formuliert aber eben gerade dadurch eine Absage an die Kooperation.

      Mein Punkt ist: Die Leute, die so agieren, sind längst nichts so wichtig wie die vielen, die kooperative Strukturen trotz solcher Störmanöver aufrechterhalten. Anstatt sich auf Stefanowitsch+co. zu konzentrieren, wäre es besser, diese zivile Mehrheit zu unterstützen.

      • Es ist eine Minderheit, die das nutzt, und auch diese Minderheit ist nur zu einem winzigen Teil an Stefanowitsch etc. interessiert.

        Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass es eine Minderheit ist, die einen ziemlich großen Einfluss auf die Gesellschaft, die Medien und die Politik hat.

        Erinnern wir uns mal kurz an die unsinnige und maaslose Verschärfung der Gesetze im Sexualstrafrecht, die wir einer lauten Minderheit zu verdanken haben.
        Zumindest ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Frauen Männer nicht alle Männer als „potentielle Vergewaltiger“ verteufelt.

        Oder anders: #MenAreTrash funktioniert eben gerade nur in einem kooparitiven Umfeld.

        Richtig. Zum Beispiel, wenn das Umfeld so kooperativ ist und nach wie vor die Klappe hält und sich alles gefallen lässt. Weil die Hetzerinnen ja angeblich so unwichtig und ungehört sind. Weil man als Mann ja darüber stehen kann.
        Oder weil man als feministischer Trittbrettfahrer meint, die Feministinnen hätten recht.

        • @Mario: Ein sehr guter Punkt! Ich bin an genau derselben Stelle „Es ist eine Minderheit…“) ins Nachdenken gekommen. Ich fürchte dass da noch ein tieferes Problem dahinterliegt.

          @Lucas: Wie immer ein sehr schöner Text. Die Bundeszentrale für politische Propa.., ähm, Schriften oder so, sollte sich was schämen dass sie einen Müll wie den von M. Kimmel abdruckt, während deine Texte ein vergleichsweise kleines Publikum haben. Es wäre die eigentliche Aufgabe einer solchen Bundesbehörde Texte wie deinen weithin sichtbar zu machen. Gilt ebenso für große Printmedien. Solche Texte sind genau das was im öffentlichen Diskurs schmerzlich fehlt. Bravo!

          Trotzdem glaube ich, dass du mit diesem Text gewissermaßen ein wenig am Thema vorbei schreibst. Die ganze spieltheoretische Argumentation mit Tit-for-Tat und warum es nicht sinnvoll ist mit gleicher Härte zurückzuschlagen ist schön und gut, wenn man von eben diesem Modell ausgeht: Menschen (zwei Individuen bzw. eine kleine Gruppe) interagieren miteinander.
          Das Sozialverhalten von großen Gruppen (auf Bundesland oder -staatsebene) lässt sich mit solchen vereinfachten Betrachtungen allerdings nur teilweise analysieren und erklären. Komplexe Systeme gehorchen eigenen Regeln.
          Nassim Taleb hat das unter dem Begriff „Minority rule“ zusammengefasst:

          T he best example I know that gives insights into the functioning of a complex system is with the following situation. It suffices for an intransigent minority –a certain type of intransigent minorities –to reach a minutely small level, say three or four percent of the total population, for the entire population to have to submit to their preferences. Further, an optical illusion comes with the dominance of the minority: a naive observer would be under the impression that the choices and preferences are those of the majority. If it seems absurd, it is because our scientific intuitions aren’t calibrated for that (fughedabout scientific and academic intuitions and snap judgments; they don’t work and your standard intellectualization fails with complex systems, though not your grandmothers’ wisdom).

          https://medium.com/incerto/the-most-intolerant-wins-the-dictatorship-of-the-small-minority-3f1f83ce4e15

          Ich fürchte am gegenwärtigen Geschlechterdiskurs ist genau so etwas am Werk. Das erklärt auch verrückte Hashtags wie #menaretrash. Wenn du schreibst

          Wenn ich von meinen eigenen Erfahrungen – immerhin mit ganz unterschiedliche Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft – hochrechne, dann haben sicherlich achtzig Prozent der Menschen den Wunsch, grundsätzlich mit anderen zu kooperieren und halbwegs friedlich zu kommunizieren. Das schließt die Schaulust bei kommunikativen Totalschäden wie dem #MenAreTrash-Hashtag ja nicht aus – diese Schaulust ist aber keine Zustimmung.

          dann hast du damit bestimmt recht – still zuzuschauen bedeutet keine Zustimmung. Es bedeutet aber auch keine Ablehnung. Man hat sich damit sozusagen fein aus der Affäre gezogen und kann immer „ich war ja nicht dafür, ich hab nur zugeschaut, ich lehne so etwas eh ab“ sagen. Bei manchen Fällen, und den #menaretrash hashtag würde ich hier dazuzählen, reicht das aber nicht. Hier ist es höchst notwendig dass sich jeder einzelne auf seinen Hintern setzt, sich überlegt was er davon hält, und dann Stellung bezieht. Das ist Arbeit und macht Aufwand und kann unangenehm sein, weil man sich mit deutlichen Worten exponiert. Aber es ist notwendig. Ansonsten – minority rule:

          The entire growth of society, whether economic or moral, comes from a small number of people. So we close this chapter with a remark about the role of skin in the game in the condition of society. Society doesn’t evolve by consensus, voting, majority, committees, verbose meeting, academic conferences, and polling; only a few people suffice to disproportionately move the needle. All one needs is an asymmetric rule somewhere. And asymmetry is present in about everything.

  • Schon um seiner selbst willen darf man sich nicht wie ein Pavlovscher Hund auf dieses Niveau der Unmenschlichkeit einlassen. Man besudelt seine Würde als Mensch, wenn man nicht drüber hinauskommt diesen Misanthropen in ihrer eigenen Sprache zu antworten. Im höchsten Masse angemessen ist eine rationale Entgegnung, die nicht davor zurückschrecken darf, auch vermeintlich ausgetretene Allgemeinplätze – wie dass Dehumanisierung immer und notwendigerweise der erste Schritt zur Gewalt ist und dass allein aus diesem Grund plakative Zuschreibungen wie „Männer sind Müll“ auf den Müllhaufen antidemokratischer Propaganda und Agitation gehören und keinen besonderen Platz in einer zivilisierten Gesellschaft verdienen. Ganz sicher nicht gehören solche Auffassungen an Hochschulen, überhaupt an Schulen und sollten auch nicht massenmedial vertreten und verbreitet werden. Es sind Sprüche, wie man sie allenfalls an eine Toilettenwand gekritzelt akzeptieren kann (vor allem, weil man ja dort Besseres zu tun hat als Sprüche lesen!).

    All diesen sich moralisch überlegen dünkenden Leuten, die ihren elitaristischen Suprematismus von der „niederträchtigen Natur des Männlichen“ vor sich hertragen — sie seien daran erinnert, dass die Geschichte gar nicht milde mit ihnen sein wird und sie in eine Schublade stecken werden, wo diese Leute sich heute am allerwenigsten wähnen.

    Etwas Gutes hat dieses Phänomen der Männerfeindschaft aber auch. Hier könnte man in unserer Gegenwart die Mechanismen der Verbreitung von hanebüchenen Vorurteilen studieren und zum Beispiel die Frage angehen, warum Leute, die es eigentlich besser wissen müssten, der primitivesten Progaganda zum Opfer fallen. Und insofern ist die „Opferkultur“ tatsächlich ganz Opfer.

  • Angesichts von institutionalisierten Beschimpfungen wie #MenAreTrash liegt der Gedanke nahe, selbst mit einer härteren, unzivileren Sprache zu reagieren. Einige Gründe, warum das falsch ist:

    Du sagst also, dass immer wieder auf der Sachebene geantwortet werden soll, wenn der andere permanent auf der Beziehungsebene mitteilt: Ich finde dich / euch einfach nur Scheisse. Falls derjenige, der auf der Beziehungsebene verweilt, sich nicht auf die Sachebene einlässt, ist das eine gestörte Kommunikation und hat nur dann einen Sinn, wenn damit Dritte addressiert werden sollen, die für die Sachebene empfänglich sind.
    Die Beziehungsebene ist übrigens der bevorzugte Kommunikationskanal der Kinder. Es ist Teil der Erziehung, dem Kind immer wieder auf der Sachebene zu antworten. Bei Sibel Schick und Konsorten hat man tatsächlich das Gefühl, man rede mit zu gross geratenen Kindern, die sich aber Dinge rausnehmen, die man Kindern nicht einfach so durchgehen liesse. Was einem hier begegnet ist eine Art infantile Regression – ätschibätschi. Es ist anstrengend und erfordert zeimlich viel Disziplin, da jederzeit auf der Sachebene zu verweilen.

  • Der Hashtag vom Männermüll ist schon seinem Namen nach so unterirdisch, dass ich ihn nicht einmal angeklickt habe. Somit erledigt sich auch die spieltheoretische Kommunikation, da ich das angebotene Spiel gar nicht aufnehme. Das was ich darüber von anderer Seite mitbekomme, genügt, um fern zu bleiben. Und so gibt es einen Ort mehr, in der großen weiten Welt, den ich nicht aufsuchen muss.

    Dass die Leute, die diesen Hashtag bedienen, eine Diskurshoheit für grotikes haben, mag wohl sein, doch das gilt wohl eher für diese spezielle Filterblase samt ihrer feuilletonistischer Konzertierung. Als Beispiel: Wie firm sind Sie im Royality-Schwatz von Bunte und ZDF? Ich kenne nicht mal die Namen der meisten hoheitlichen Figuren, und was sie bewegt oder was sie bewegen geht an mir kenntnislos vorbei.

    Eins aber scheinen die üblichen Avantgardisten der feministischen Szene geschafft zu haben, dass sich zunehmend mehr Frauen öffentlich wie im Privaten vom „Feminismus“ distanzieren.

  • Tatsächlich wirkt die wegwerfende Betitelung anderer als Müll eben dadurch, dass sie gängige Regeln so frontal wie unverstellt bricht. Seht her: WIR können, ohne Folgen für uns, zivile Regeln brechen, an die IHR euch sorgfältig zu halten habt. So ist dieser Hashtag denn auch vor allem eine offene, schambefreite Demonstration eben derjenigen Privilegien, die zugleich projektiv den Beschimpften untergeschoben werden.

    Ich glaube, die sind so in ihrem Wahn gefangen, dass sie das nicht reflektieren können. Denen ist nicht bewusst, dass ein Mann, der sich umgekehrt sowas mit Frauen leisten würde, in erhebliche Schwierigkeiten geraten würde. Die meinen tatsächlich aus einer unterlegenen Position heraus zu agieren: Graswurzelbewegung von unten, unterdrückte Frauen, Männer an der Macht bla bla bla…

  • Bei Stefanowitsch frage ich mich ja schon, wie der als Persönlichkeit tickt. Opportunist? Zyniker? Größenwahn? Ich habe gerade sein beim Duden-Verlag publiziertes Broschürchen über politisch korrekte Sprache gelesen, und da fiel mir auf, wie sehr da Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

    Zum einen hat er keine Hemmungen, selber auf Twitter/F*c*book rumzupöbeln, zum anderen sind die Beispiele für »unkorrekte« Sprache, die er aufzählt, völlig einseitig (und lassen selbstverständlich das Gepöbel gegen Männerrechtler aus).

    Für mich ist die treffendste Bezeichnung für ihn »Rotzlöffel«.

  • Jetzt bin ich aber doch mal n bisschen baff..

    Die Kooperation aufkündigen, heisst doch nicht, den anderen zu beschimpfen. Dass jemand von aussen den Eindruck vermittelt bekäme, da würden nur „Bekloppte“ agieren, kann auch so vermieden werden, einfach in dem man den Aggro n bisschen rausnimmt.
    Es genügt aber, die Tür einen Spalt geöffnet/angelehnt zu halten, wofür ich die Kooperation nicht weiterführen muss.

    Im Gegenteil denke ich eher, dass man mit einem solchen Rückzug, natürlich vetbal schriftlich und veröffentlicht, auch Vorbild sein kann…du weißt doch, wie verbreitet die spontane Reaktion ist, Frauen sofort recht zu geben und Männern jede Miesheit zuzutrauen. Und wie wichtig dann da Gegenstimmen sind.

    Tit for tat may lose the battle,
    but it wins all the wars

    Wutausbrüche sind an sich eher nicht hilfreich, da geb ich dir ja recht, sie signalisieren aber ähnliches, nämlich die persönliche Grenze eines Jemand. Sich stark zurück zu nehmen, wirkt auf Aussenstehende dagegen möglicherweise unauthentisch.

    Und wenn die Steffanowitsch und Konsorten das a) eh nicht nötig haben und b) sowieso nicht kooperieren, wieso in Gotts Namen, sollte man da selbst noch Kooperation über ein Mindestmaß hinaus offerieren? Irgendwann ist die Kooperationsbereitschaft der gesamten Bevölkerung (btw Mehrheit) weg, dann können die noch tröten, aber nichts mehr durchsetzen.

    Und statt ehrlich den leuten die Meinung zu sagen, soll man sie jetzt bei ihrem Chef anscheissen? Mit Verlaub, das ist doch Weibszeug!

    Entweder, ich bin ausnahmsweise echt mal nicht Deiner Meinung, oder ich komm mit deiner Polemik nicht mehr mit, sorry…ich weiß es nicht, sag du’s mir.

    Im großen und ganzen läuft doch eh schon genau dasselbe Spiel ab: Frauen zicken rum, manner gehen mgtow…tit for tat
    Wenn du mich brauchst, wie ein Fisch ein Fahrrad (was einer Kooperationsaufkündigung gleich kommt), zeig ich dir jetzt eben, dass ich dich auch nicht brauch…so ist es gekommen, ob sinnvoll oder nicht.

    Ich mein, das menschliche Tier funktioniert eben so, aber das war doch sicher nicht die letzte Phase. Eine Zeit weiblicher Kooperation vorher zu sagen, wäre natürlich übertrieben…die nur geringe zahl lauter Schreihälse, könnte aber eigentlich Hoffen machen.

  • Weil oben die beiden Tags „Feindbild Mann“ und „Hate Speech“ stehen, hier ein dazu passender aktueller Nachtrag: Gestern veröffentlichte ZEIT Campus – ZEIT Campus ist ein zweimonatliches Studentenmagazin des Zeitverlags, das auf ZEIT Online heftig beworben wird – einen Video-Auftritt inkl. fast korrektem Transkript des Jungstars Sophie Passmann zum Thema Gleichberechtigung mit Titel „Wer Feminismus anstrengend findet, verdient ihn nicht“: https://www.zeit.de/campus/2018-08/feminismus-z2x-festival-gleichberechtigung-sophie-passmann

    Der Text ist eine einzige rassistische und sexistisch Haßtirade gegen Männer, speziell weiße. Er strotzt nur so vor absurden, wahnhaften Behauptungen über die soziale Realität, Beispiele:

    Männer werden uns Frauen niemals fördern, weil sie glauben, die Welt gehöre ihnen. .. Die Welt unterteilt sich in zwei Gruppen. Diese zwei Gruppen sind aber nicht Mann und Frau. Diese zwei Gruppen sind weißer, gesunder, christlicher, wohlhabender Mann, der die Erzählungen schreibt, den Kuchen backt und uns die Welt erklärt. Die zweite Gruppe sind alle anderen.

    Haß macht blind, und ihrer Verblendung merkt Passmann noch nicht einmal, welche enorme mediale Machtposition sie und ihre Haßreligion hat. Trotzdem phantasiert sie sich und „die Frauen“ in die Rolle des ewigen Opfers.

    • @mitm
      Ich habe diesen Thread auch ein bisschen mitverfolgt. Also es gab ein paar Frauen, die sich stark gegen dieses Statement von Sophie Passmann gewehrt haben. Langsam bekomme ich so den Eindruck, dass diese identitätspolitische und intersektionale Schreibe ihren Zenit überschritten hat. Die Leute haben es langsam satt, in Kategorien eingeteilt zu werden. Im Prinzip kann man ja diese Schubladen nutzen und gegen sie selbst wenden: also eine weisse, privilegierte Frau nimmt sich das Recht heraus, anderen die Welt zu erklären und quasi noch für die halbe Welt zu sprechen. Was natürlich überhaupt nicht geht! 🙂

      • Am erschreckendsten fand ich die letzten Sekunden des Videos, den ziemlich kräftigen Applaus.

        Da tauschen sich „junger Visionäre im Alter von 2X, also von 20 bis 29“ aus, die sich im Rahmen eines „Z2X-Festivals“ (https://z2x.zeit.de/) für die kommende intellektuelle Elite halten dürfen, wenn sie Meinungen haben, die dem Veranstalter nach einer Bewerbung und Gesinnungsprüfung in den Kram passen.

        Niemandem scheint die Hetze von Passmann aufzufallen, dazu reicht die Intelligenz dann doch nicht. Anstatt Passmann nach ihrer Rede mit Tomaten und faulen Eiern zu bewerfen, wird diese Haßrede bejubelt.

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