Feminismus Frauen Männer SPD

Die sanfte Gewalt der Verkindlichung

geschrieben von: Lucas Schoppe

Während Männer und Frauen im Alltag zuverlässig und selbstverständlich kooperieren, wird politisch und medial weithin ein Geschlechterkonflikt präsentiert. Dabei werden nicht nur Männer, sondern auch Frauen abgewertet, und mehr noch: Die Abwertungen beider hängen eng miteinander zusammen.

 

Eine Degradierung, als Wohltat verkleidet

Die „bigotry of low expectations“, also etwa „die frömmelnde Borniertheit der geringen Erwartungen”: An dieser Formulierung von crumar aus einem Kommentar bin ich hängengeblieben. Sie stammt, ausgerechnet, aus einer Rede, die George W. Bush in einer Schule hielt, und dort hatte er noch den Begriff „soft“ davorgesetzt.

Auch wenn es hier im Blog und zumal bei crumar ausgesprochen ungewöhnlich ist, sich auf Bush zu beziehen, lässt sich mit dieser Formulierung eine Menge anfangen. Ich weiß als Lehrer, dass es Schülern tatsächlich schadet, die Erwartungen an sie zu gering zu halten. Gerade erst geraten ja die Nachteile von Methoden wieder in die Diskussion, die Grundschülern in den ersten Jahren die Rechtschreibregeln ersparen: Die Kinder bleiben nicht nur langfristig weit unter ihren Möglichkeiten, der Unterricht ist auch sozial ungerecht, weil die ausbleibende schulische Forderung in einigen Familien kompensiert wird, in anderen nicht.

So gut die niedrigen Erwartungen auch gemeint sein mögen, sie vermitteln den Kindern unterschwellig: Mehr ist von Euch nicht zu erwarten. Mehr könnt Ihr nicht. Es ist eine Degradierung, die als Wohltat daherkommt, und sie ist ja auch tatsächlich mit handfesten Vorteilen – gute Noten, weniger Arbeit – verbunden. Daher wehren sich denn auch viele gegen diese Degradierung nicht, sondern akzeptieren sie, fordern sie schließlich gar ein.

Das ist eine Pädagogik eines wohlwollenden Autoritarismus, die Kinder dazu bewegt, ihrer eigenen Entwertung freudig zuzustimmen. Natürlich bin ich an crumars Formulierung aber auch deshalb hängengeblieben, weil sie sich so deutlich in den Geschlechterpolitik ausdrückt, die eines der wesentlichen Themen dieses Blogs ist.

 

Die Angst vor dem weiblichen Begehren

Arne Hoffmann hatte in seinem Blog gerade auf einen Artikel  hingewiesen, in dem eine junge Frau von einer sexuellen Erfahrung mit einem noch jüngeren Mann berichtet. Sie ist nachhaltig irritiert, dass der Mann sie wieder und wieder bei jedem Schritt fragt, ob er ihr recht sei, ob sie einverstanden wäre – bis sie schließlich die Geduld verliert und ihm erklärt, dass er davon ausgehen könne, ihre allgemeine Zustimmung zu haben, andernfalls werde sie sich schon äußern.

Er fühlt sich damit sichtlich unwohl, und er ist erst recht irritiert, als auch sie zu fragen beginnt. Es sei seine Verpflichtung, sie zu fragen, schließlich sei ja auch er derjenige, der sie dazu bringen könne, etwas zu tun, was sie nicht wolle. Sie kommentiert schließlich, dass er ihr mit seinen Fragen keineswegs Sicherheit gegeben, sondern in eine von beiden genossene, „gegenseitig gewünschte sexuelle Erfahrung (…) die Sprache der Nötigung und des Übergriffs“ importiert habe.

Die Frau ist erstens in den Fantasien, die diesem Verhalten zu Gunde liegen, das hilflose Opfer, das gar nicht in der Lage wäre, bei Gelegenheit auch einmal „Nein“ zu sagen. So sehr auch das Recht der Frau auf sexuelle Selbstbestimmung hier unbedingt geachtet werden soll – die Logik dieser Begegnung ist zweitens allein auf das Begehren des Mannes fixiert, vor dem die Frau prinzipiell geschützt werden müsse. Der Gedanke, dass auch die Frau begehrt, und dass auch ihr Begehren grenzverletzend sein könnte, irritiert hier lediglich und wird schnell abgewehrt.

Hier geht es zudem nicht um Situationen, in denen eine Frau tatsächlich der Gewalt eines Mannes hilflos ausgeliefert ist – sondern darum, dass diese Situationen als generelle Metapher für das Geschlechterverhältnis verwendet werden.

Dabei liegen dem Verhalten des Mannes, das durch die geschlechterpolitischen Zuspitzungen der #MeToo-Bewegung sicherlich befeuert wurde, auf beiden Seiten Ängste zu Grunde. Die Frau erscheint als hilfloses Wesen, das verloren ist, wenn nicht der Mann verantwortungsvoll über sie wacht. Das Verhalten des jungen Mannes ist zudem zugeschnitten auf Männer, die Angst vor einem eigenständigen weiblichen Begehren haben und davor, selbst nicht allein Subjekt, sondern auch Objekt von sexuellen Wünschen zu sein. Da das weibliche Begehren als irrelevant ausgeklammert bleibt, kann der Mann sich so jederzeit ganz als Herr der Lage fühlen.

Wer aber die alltägliche Interaktion zwischen Menschen auf eine Weise interpretiert, die auf allen Seiten Ängste aufgreift und steigert – der verweist diese Menschen eben an höhere Instanzen, die ihnen die Sicherheit geben können. Auch hier ist die Politik der Verunsicherung und Verkindlichung unübersehbar autoritär.

 

Ein buntes Hemd hält Frauen von der Wissenschaft fern

So sehr  es dabei vordergründig auch um ein „Empowerment“ von Frauen geht – die Verunsicherung der Männer macht Frauen nicht stärker, sondern schwächt auch sie. Ein extremes Beispiel dafür waren 2014 die Reaktionen auf den Wissenschaftler Matt Taylor, der am Tag des größten wissenschaftlichen Triumphs seines Lebens mit einer weltweit gefütterten, massiv und öffentlich ausgetragenen Feindseligkeit konfrontiert wurde – weil er das falsche Hemd trug.

Sein Team hatte in einer unglaublichen Leistung eine Sonde auf einem weit entfernten, winzigen Kometen gelandet. Als er das bejubelte und dazu interviewt wurde, trug er ein Hemd, das eine gute Freundin für ihn geschneidert hatte und auf dem, unter anderem, Bilder von wenig bekleideten Frauen zu sehen waren. Dafür wurde er als Frauenfeind durch die Medien getrieben, als wären Typen wie er dafür verantwortlich, dass Frauen in den MINT-Fächern nicht besser repräsentiert sind.

Bild zeigt Matt Taylor wo er beide Daumen nach oben streckt.

„Es interessiert mich nicht, ob Du eine Sonde auf einem Kometen gelandet hast – Dein Hemd ist sexistisch und ausgrenzend – Es hält den Fortschritt zurück“

Die Härte gegenüber Taylor lenkt davon ab, welch ein vernichtendes Bild von Frauen in dieser Kampagne verbreitet wurde. Es ist ja gut möglich, dass Frauen sich durch das Hemd verletzt fühlten – auch wenn es schwer verständlich ist, wie ihnen diese Verletzungen weltweit und über Tausende Kilometer hinweg einfach durch ein buntes Hemd zugefügt wurden.

Nur wurden diese Verletzungen weder durch den Gedanken ausbalanciert, dass Taylor doch offenbar niemanden hatte verletzen und vermutlich einfach nur seine Freundin hatte ehren wollen – noch durch die Einsicht, dass Taylor hier nicht nur irgendein Hemd trug, sondern auch an einer einmaligen und noch nie dagewesenen wissenschaftlichen Leistung beteiligt war. Anstatt einfach festzustellen, dass seine Hemdenwahl dem Anlass nicht gerecht wurde, drängten der erregte Protest den Anlass insgesamt in den Hintergrund.

Frauen wurden hier so – und zwar von Feministinnen, nicht von Männern – als Menschen hingestellt, von denen selbstverständlich überhaupt nicht erwartet werden könnte, naturwissenschaftliche Leistungen angemessen zu schätzen und einzuschätzen. Als wäre es selbstverständlich, dass eine Frau sich allein darauf konzentriert, was für ein Hemd ein Mensch trägt, während sie seine intellektuellen Leistungen gar nicht erst nachzuvollziehen versucht Die Kampagne gegen Taylor schickte ungewollt, aber wirkungsvoll und unweigerlich das degradierende Bild der Frau als unselbständigem Weibchen um die Welt, das sich auf Äußerlichkeiten konzentriert, während der Mann sich um die technischen Angelegenheiten zu kümmern habe, mit denen er sie nicht belästigen solle.

 

Kopftuch ist Punk (und Punk ist immer noch tot)

Fast dasselbe Bild wird heute auch entworfen, wenn eine jüngere Generation von Feministinnen das muslimische Kopftuch als feministisches Symbol hinstellt. Im Spiegel preist die Kolumnistin Ferda Ataman die Verwandlung des Kopftuchs in ein „Symbol für modische Avantgarde“, das ein „Must Have im Kleiderschrak“ werde. „Kopftuch ist Punk.“

Das stimmt sogar, wenn die dämlichsten Aspekte des Punk als repräsentativ gesetzt werden. Sid Vicious beispielsweise, nach übereinstimmenden Darstellungen der intelligenzfernste der Sex Pistols, lief gern auch mal provozierend mit einem Hakenkreuz-Shirt durch die Gegend.

Punk sind dann auch asiatische Restaurants, über die wir ab und zu geschockt lachen und die ganz unbefangen mit Hitler und anderen Symbolen des Nationalsozialismus Werbung machen – weil sie mit deren Gewalt, die in einem anderen Teil der Welt tobte, nun einmal nicht viel zu tun haben und sie deshalb modisch-ästhetisch interpretieren können.

Ein mittlerweile ikonisches Bild – Teheran, Dezember 2017

Natürlich ist das Kopftuch kein Hakenkreuz, auch wenn die AfD ab und zu etwas anderes behauptet, aber gemeinsam ist allen diesen Darstellungen, dass die politische Dimension gegenüber einer modisch-kommerziellen völlig selbstverständlich in den Hintergrund gedrängt wird. Sicher, vielleicht tragen auch manche Frauen das Kopftuch und setzen sich gleichwohl mit der Gewalt auseinander, die es eben auch bedeutet, etwa mit den Protesten  im Iran und den massiven Strafen für Frauen, die das Kopftuch ablegen. Das Problem bei Ataman und anderen, vor allem jüngeren Feministinnen ist aber, dass eine solche Abwägung bei ihnen überhaupt keine Rolle spielt.

So erscheint es grundsätzlich als Zumutung, als Eingriff in die Autonomie einer Frau, von ihr überhaupt zu erwarten, auch die politischen Dimensionen ihres Verhaltens zu beachten – als wäre es für eine Frau immer schon politisch genug, dass sie ihre Entscheidung selbst getroffen habe.

 

Die Frau als Utopie und Projektionsfläche

Es ist wohl eben dieser Punkt, an dem auch die politische Frauenquote gescheitert ist.  Grundsätzlich ließ sich die Quote allerdings einmal gut als sozialdemokratische Politik begründen, die ja traditionell zwei wesentliche Aspekte hatte.

Einerseits ermutigte und verpflichtet sozialdemokratische Politik Menschen, an sich zu arbeiten, die Verantwortung für ihre Situation und die ihrer Familie zu tragen – nicht zufällig entstand die SPD aus Arbeiterbildungsvereinen. Andererseits verpflichtet sich die Partei aber auch, Strukturen zu schaffen, in denen Menschen mit ihrem Engagement nicht gegen Mauern liefen, sondern, zum Beispiel, soziale Aufstiege organisieren konnten.

Wenn die Sozialdemokraten davon überzeugt waren, dass die Partei von männlichen Strukturen – was immer das sein mag – geprägt war, die Frauen den Einstieg und den Aufstieg schwer machten, dann war es ganz schlüssig, diese Strukturen aufzuweichen. Allerdings fehlte der andere klassische Aspekt: Da Frauen weithin und weiterhin als Opfer eine umfassenden Männerherrschaft erschienen, blieb das Ethos der Eigenverantwortung unterentwickelt.

Obwohl jede einzelne Frau in der Partei seit etwa dreißig Jahren statistisch deutlich größere Möglichkeiten als jeder einzelne Mann hat, Einflusspositionen zu besetzen, besteht die Basis weiterhin zu mehr als zwei Dritteln aus Männern. Der Frauenanteil hat sich zwar in den vergangenen Jahrzehnten leicht verbessert, aber nicht etwa, weil Frauen in die Partei eingetreten wären – sondern weil zwar viele Frauen, aber noch mehr Männer aus ihr ausgetreten sind. Trotzdem gibt es keine offene Diskussion darüber, wie das so deutlich geringere politische Engagement von Frauen zu erklären ist – als wäre es immer schon sicher, dass es lediglich auf das Revierverhalten von Männern zurückzuführen wäre.

Schlimmer noch: Die Frauenquote braucht, wenn sie auf Dauer gestellt wird, eine begleitende Ideologie, die im Parteiprogramm im Satz „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“ kulminiert. Damit aber geht es denn nicht um die Aktivierung des weiblichen, sondern um die Überwindung des männlichen Engagements, das pauschal als geschlechtsspezifische Machtausübung hingestellt wird. Wer so dem Einsatz von zwei Dritteln seiner Basis die Legitimation bestreitet, schadet der gesamten Partei, ohne Frauen zu nützen.

Selbst bei den Grünen ist der Anteil der Frauen deutlich kleiner. Daten aus dem Dezember 2017

Warum das aber kaum auffällt, lässt sich am Jubel feministischer Politikerinnen und Journalistinnen über den Parteivorsitz von Andrea Nahles verdeutlichen: Nun müsse eine Frau den Karren aus dem Schlamm ziehen, den die Männer dort hinein gefahren hätten.  Kein Wort darüber, dass Nahles seit Jahrzehnten ein wesentlicher Teil des Parteiapparats war, der den fatalen Abstieg der SPD zu verantworten hat – oder darüber, dass sie in ihrem Leben beruflich kaum etwas anderes getan hat. Als reale soziale Person ist Nahles für die feministische Darstellung völlig uninteressant – gerade weil sie eine Frau ist, wird sie ganz als Projektionsfläche benutzt.

Dass ausgerechnet Feministinnen Frauen nicht als reale soziale Subjekte wahrnehmen, sondern sie als bloße Projektionsfläche verwenden, ist überraschend, aber leicht erklärlich. Da wir in einer umfassenden „patriarchalen Herrschaft“ lebten, hätten Frauen ja noch gar keine Chance gehabt, sich zu entfalten. Die real existierenden Frauen können so als Schrumpfformen abgetan werden, als Produkte eben der Männerherrschaft, die es zu überwinden gelte – während erst die Frauen der feministischen Fantasien wirklich und real wären.

 

Ist die Arbeit von Frauen wirklich weniger wert?

Es ist sehr bequem, aber auch fatal, dass Frauen damit die Verantwortung für die gemeinsamen sozialen Strukturen ebenso abgesprochen wird wie für ihren Platz darin. Ein Beispiel ist die Rede vom Gender Pay Gap. Wer gegen alle Belege, die diese Darstellung entkräften, daran festhält, dass Frauen für dieselbe Arbeit weniger verdienen als Männer, der macht auf der Ebene der pragmatischen Alltagseintscheidungen vor allem eines klar: Da die Arbeit von Frauen auf dem Markt weniger wert sei als die von Männern, wäre es für junge Paare unvernünftig, wenn der Mann zu Hause bleibt und die Frau das Familieneinkommen verantwortet. Die Rede vom Gender Pay Gap stützt unweigerlich klassische bürgerliche Familienmodelle.

Einen kleinen Beleg dafür bekam ich gerade, als ich bei Twitter auf eine Darstellung des Müttervereins MIA reagierte, der sich darüber beklagt hatte, dass nur etwas 50% der „alleinerziehenden“ Mütter Kindesunterhalt bekämen. Tatsächlich macht eben dieselbe Untersuchung, auf die MIA sich bezieht, deutlich, dass dasselbe für nur 15% der unterhaltsberechtigten Männer zutrifft.

Ich halte beide Zahlen für fragwürdig, da das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung sich allein auf Angaben der Unterhaltsberechtigten stützt – die aber haben ja möglicherweise ein Interesse daran, sich selbst als besonders hilfsbedürftig und die Ex-Partner als besonders skrupellos darzustellen. Das allerdings ändert nichts am Geschlechterunterschied: Selbst wenn doppelt so viele Männer wie angegeben Kindesunterhalt durch die Mutter bekämen, zahlten immer noch 70% aller unterhaltspflichtigen Mütter überhaupt nichts.

Das entzündete eine kurze, interessante und schließlich abgebrochene Diskussion.

Das war denn auch schon das Ende der Diskussion.

Interessant ist hier, wie selbstverständlich Diskursklischees wie die „Teilzeitfalle“ oder der „Gender Pay Gap“ genutzt werden, um Verantwortung von Frauen zu leugnen. Eben das steht im deutlichen Widerspruch zur starken Stellung, die Frauen vor Gerichten und in allen beteiligten Institutionen gegenüber Männern haben, wenn es um gemeinsame Kinder geht.

 

Das reale und das diskursiv produzierte Kind

Einem entsorgten Vater muss eine entsorgende Mutter manchmal wie ein Kleinkind mit Allmacht erscheinen: mit der Möglichkeit, beliebig harte, folgenreiche und auch absurde Entscheidungen über das Leben anderer im Alleingang zu treffen, aber zugleich immun gegen die Zuweisung von Verantwortung. Das allerdings ist mehr noch ein Problem der umgebenden Institutionen als ein Problem der Frauen: Dieselbe Frau kann dann in anderen Situation ein guter Kooperationspartner sein – wenn nur klar ist, dass die Kooperation der Eltern selbstverständlich von beiden erwartet wird.

Die Praxis des Vater- und Kindesentzugs trifft die Kinder noch härter als die Väter, weil diese ja als erwachsene Menschen immerhin noch anderes kennen, einen Rahmen von Erfahrungen haben, in den sie diesen Verlust einbauen können – die Kinder haben ihn nicht. Das zentrale Betroffenheit der Kinder ist kein Zufall. Die vaterentziehende Mutter tritt, als diskursiv hergestelltes Kind, in Konkurrenz mit dem realen Kind und macht ihm seinen sozialen Ort streitig – mit dem doppelten Anspruch auf Fürsorge und darauf, vor der Überlastung durch erwachsene Verantwortungen geschützt zu werden.

Eben hier wirkt sich aber wohl einer der Kernfehler des heutigen Feminismus aus: in kooperative Strukturen, die den größten Teil unserer Alltagsinteraktion prägen, die Logik von Nullsummenspielen hereinzudrücken. In der Kooperation haben alle ein Interesse am Gewinn auch der anderen, weil auch sie selbst davon profitieren. Im Nullsummenspiel aber kann eine Seite nur dann gewinnen, wenn die andere verliert.

Die Ressentiments gegen Männer aber, die in feministischen Nullsummenspielen unweigerlich produziert werden, schaden eben auch Frauen. Wer Väter aus Familien fernhält, fügt auch den Kindern und den Müttern Schaden zu. Wer Männer als allmächtig beschreibt, stellt Frauen als radikal hilflos hin. Wer Frauen beständige Hilfe gegen eine feindliche Männerwelt aufdrängt, stellt sie als Menschen hin, die nicht für sich selbst sorgen können – und die möglicherweise schon durch ein buntes Hemd davon abgehalten werden, wissenschaftliche Höchstleistungen zu erbringen.

Zugleich ist die Logik der Nullsummenspiele im Vergleich zur Kooperationslogik autoritär. Denn die Kooperation wird von allen Beteiligten grundsätzlich selbst getragen – Nullsummenspiele aber, die Gewinner und Verlierer brauchen, können nicht auf die Zustimmung der Verlierer bauen und brauchen daher eine höhere Instanz, die sie durchsetzt.

Die softe Bigotterie der niedrigen Erwartungen, die eine feministisch inspirierte Geschlechterpolitik in die Theorie einer allgegenwärtigen patriarchalen Gesellschaft einflechtet, schadet so Männern, sie schadet Frauen, sie schadet Kindern – und sie unterstützt einen stärkeren Staat.

Das erklärt auch schon, warum sie aus den politischen Institutionen heraus so sehr gefördert wird.

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14 Comments

  • Den aktuellen aufschreienden „““Feministinnen“““ – wohlbedacht in zahlreiche Anführungszeichen gesetzt, sollten die wirklich gleichberechtigten Frauen ordentlich was auf die Schnauze hauen … und dies nicht im übertragenden Sinn gemeint.

    Nie wirklich zu echter Arbeit rangezogen, sondern nur durch Steuergelder finanziert (meine Mutter war erst als Putzhilfe/Thekenaushilfe beschäftigt und später mit einer Gastwirtschaft selbstständig – von 7:00 Uhr bis 1:00 oder 2:00 Uhr …) sollten sie vielleicht – habe ich auch gemacht bei meiner Ex – gefrorene Pferdescheiße bei 15 oder 20 Grad minus zusammenfegen – morgens VOR dem Frühstück.

  • Ich bin im hardcore-technischen Bereich beschäftigt – und habe mit einigen Frauen zu tun –
    und da gibt es – oh Wunder – wie bei den männlichen Kontaktpersonen zwei unterschiedliche Arten – die, die sich mit der Technik auskennen und anerkannt sind und die, die nur rumblubbern und hinter vorgehaltener Hand – mitleidig belächlt werden.
    UNABHÄNGIG vom Geschlecht, weil man weis, auf wen man sich verlassen kann und wer nur Bubbels produziert.
    UND JA … meine Kollegen und ich sind sich der Tatsache bewußt, dass Frauen in diesem Bereich noch unterrepräsentiert sind …. aber bei z.B. 2 Frauen bei 100 E-Ing-Anfängern, was soll man machen?

    • UND JA … meine Kollegen und ich sind sich der Tatsache bewußt, dass Frauen in diesem Bereich noch unterrepräsentiert sind ….

      Ein Job ist also nur dann gut, wenn er gleichermaßen von Frauen und Männern erledigt wird?
      Ich dachte bisher immer, ein Job wäre dann gut, wenn damit eine (wichtige) Aufgabe erfüllt wird.

  • Im Kanton Zürich, Schweiz, steht in Schulbüchern bereits geschrieben, dass Frauen 20% weniger verdienen als Männer.

    In der Schweiz gibt es keine Studie, die zu dieser Zahl führt. Aber die Zahl hat sich populistisch von Medien und Politik verkündet in den Köpfen festgesetzt.

    Und jetzt geht natürlich der Streit los, wer recht hat: Die rechte Partei SVP hat zu diesem Lehrmittel Fragen an die Regierung gestellt.
    https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/region/junge-svp-will-zuercher-schulbuch-verbieten/story/17938600

    Symptomatisch die Antwort vom Leiter Lehrmittelverlag „Das Lehrmittel sei in einem mehrjährigen Prozess ausgearbeitet worden, an dem zahlreiche Fachpersonen beteiligt gewesen seien.“

    • „Im Kanton Zürich, Schweiz, steht in Schulbüchern bereits geschrieben, dass Frauen 20% weniger verdienen als Männer.“
      Na, dann verstehe ich nicht, warum alle Frauen, die ich je befragt habe, ungefähr den gleichen Lohn bekommen, wie ihre männlichen Kollegen.
      Soll man ihnen doch denselben um 20% kürzen, dann ist doch alles gerecht, oder nicht?

      Ansonsten wäre es doch eine bodenlose Schweinerei, den Kindern einzutrichtern, daß die Arbeit von Frauen pauschal 20% weniger wert sei.

      Kinder glauben noch an den Inhalt der Worte!

  • „Natürlich ist das Kopftuch kein Hakenkreuz ….“

    … zum „Kopftuch“:

    „Es gehört in Anführungszeichen gesetzt, denn es ist kein Kopftuch. Es ist ein den Frauenkörper bis über die Fußknöchel abdeckender Hidschab, Nikab, eine Burka oder ein Burkini. Deshalb werde ich ab jetzt das Wort „Kopftuch“ immer in Anführungszeichen setzen. Denn das Kopftuch ohne Anführungszeichen verharmlost, was das „Kopftuch“ der Frau und dem Bild von der Frau in der heutigen Welt antut. Der linke Neo-Orientalismus behauptet, das „Kopftuch“ werde „freiwillig“ getragen.“

    https://derstandard.at/2000087380082/Der-fatale-Umgang-der-Linken-mit-dem-Islam?ref=article

    extrem lesenswert!! Der Artikel führt den äusserst treffenden Begriff „Neoorientalismus“ ein (der paradoxerweise auf dem für dem „Antikolonialismus“ des Buches „Orientalismus“ des E. Said beruht, wie allerdings nicht erwähnt wird)

  • Großartige Arbeit, Danke!

    Das Verhalten des jungen Mannes ist zudem zugeschnitten auf Männer, die Angst vor einem eigenständigen weiblichen Begehren haben und davor, selbst nicht allein Subjekt, sondern auch Objekt von sexuellen Wünschen zu sein. Da das weibliche Begehren als irrelevant ausgeklammert bleibt, kann der Mann sich so jederzeit ganz als Herr der Lage fühlen.

    Ich denke, hier spielt auch die Angst mit, als übergriffiger Mann angegriffen zu werden.

    • Und wenn der potentielle Täter sich so sicher und bestätigt fühlt, daß er sich im nachgelagerten Streitfall auf „aber, aber ja heißt doch ja….“ beruft, wird er feststellen müssen, daß er trotzdem eingestampft wird ( mit Pech sogar zu Recht, wenn sein „Herr-der-Lage-Fühlen“ auf objektiv falschen Bedingungen beruht ).

      Merke:
      Staatlich pauschalisierte Verträge ( auch mündliche Abmachungen gehören insofern dazu ) taugen als Handlungsparameter im privaten Intimbereich nicht in’ne Wurst!

  • @ Lucas

    Die kurze Diskussion, wenn man es denn Diskussion nennen will, ist typisch. Nei, nie, niemals nie liegt ein Problem bei den Frauen und deren Verhalten. Die Verantwortung liegt immer, aber wirklich immer in gesellschaftlichen Umständen aka. Strukturen, die zum Nachteil der Frauen bestehen. Das ist einfach nur zum Haareraufen. Ich möchte es einmal, nur einmal erleben, dass aus dem feministischen Kabuff die Verantwortung nicht vollständig auf die gesellschaftlichen Umstände, auf die „Strukturen“ abgeschoben wird. Feministen sind einfach nur borniert.

    • @Pjotr Es läuft auch dem Anspuch entgegen, das politische Engagement von Frauen zu befördern. Wenn die Welt, so wie sie ist, von den Männern verantwortet werden muss – warum sollten Frauen dann aufstehen, um die männlichen Versäumnisse auszubügeln? Es wäre für alle Seiten besser, wenn klar wäre, dass Frauen eben dieselbe Verantwortung für die Gestaltung unserer politischen Verhältnisse haben wir Männer.

      Aber auch nach den jüngsten großen Peinlichkeiten der SPD-Vorsitzenden standen gleich viele zur Verteidigung bereit – bis hin zu der Unterstellung, sie werde nur angegriffen, weil sie eine Frau ist. Das ist auf eine wohlwollende Weise ungeheuer herablassend – als ob man von einer Frau eben einfach nicht mehr verlangen könne.

  • Zum Thema Verkindlichung/Infantilisierung möchte ich anlässlich dieses Beitrages gerne noch etwas schreiben. Der Begriff ist in letzter Zeit ja auch noch in allgemeineren Kontexten verwendet worden, um die gegenwärtige Kultur zu beschreiben, mir fiel er zuletzt in dem langen Gespräch zwischen Joe Rogan und Jordan Peterson auf (02.07.2018, https://youtu.be/9Xc7DN-noAc). Es ging dabei ähnlich wie im Beitrag darum, dass zu geringe Erwartungen an minderjährige und auch volljährige Mitmenschen diese daran hindern können, ihr Potential zu entfalten (Von Petersons pauschalem und obsessivem Bashing der „Linken“, an wen immer er da denkt, distanziere ich mich).

    Worüber ich schreiben möchte: Kürzlich wurde im Foyer der Freiburg Universitätsbibliothek die Ausstellung „Project Unbreakable – der Beginn der Heilung durch Kunst“ eröffnet, der damit, schätze ich, täglich einige Tausend Besucher zugeführt werden (https://www.ub.uni-freiburg.de/ihre-ub/veranstaltungen/ausstellung-project-unbreakable-der-beginn-der-heilung-durch-kunst/). Die Ausstellung besteht aus ca. 20 großen Fotografien junger Frauen, die ein großes weißes Blatt vor sich halten, auf das sie jeweils ein Zitat geschrieben haben. Die Frauen treten als Vergewaltigte auf und das jeweilige Zitat stammt vom tatsächlichen oder angeblichen Täter, z.B. „Stop freakung out. You’re acting like I *raped* you.“

    Wie es auf der Website heißt, soll die Ausstellung „das Thema Vergewaltigung ins öffentliche Bewusstsein rücken und die Betroffenen sichtbar werden lassen.“ Mir kommen die Fotos allerdings zunächst eigenartig fremd vor. Sämtliche Zitate sind in, mir scheint US-amerikanischem, Englisch geschrieben. Diese spezielle Kulturtechnik, eine Botschaft auf ein Plakat zu schreiben, es sich vor den Bauch zu halten, um es dann über soziale Medien zu verbreiten, scheint mir auch sehr US-amerikanisch zu sein; insofern, als ein Einblick in einen anderen Kulturraum, hat die Ausstellung etwas Ethnologisches. Den Machern dieser konkreten Ausstellung schien dies gar nicht aufgefallen zu sein, der Verein „Frauenhorizonte – Gegen sexuelle Gewalt e. V.“ bewirbt damit sein eigenes Angebot für Frauen im deutschsprachigen Raum. Ein Bekannter von mir assoziierte die Plakate und ihre Botschaften mit den berüchtigten ‚Frat Parties‘ der US-amerikanischen Colleges. Im Vorbeigehen habe ich von zwei Betrachterinnen folgendes Feedback gehört: „Mag ja sein, dass es da draußen einige Verbrecher gibt, aber das ist nicht richtig.“ — Das bezog sich für mich darauf, dass die Ausstellung einseitiges Bilder von Männern als Tätern und Frauen als Opfern zeichnet. Allerdings scheint den meisten Besuchern die Ausstellung relativ egal zu sein.

    Was hat das mit Infantilisierung zu tun? Ich habe überlegt, woher mein Unbehagen an diesem Format kommt. Die auf den Fotografien gezeigten Mädchen und Frauen erscheinen eigenartig reduziert und passiv. Anschließend an Lucas‘ Beitrag ließe sich sagen, dass sehr wenig von ihnen erwartet wird. Im Grunde agieren sie mit dem Plakat ja wie ein Spiegel oder eine Echowand, die das reproduziert, was ein anderer zu ihnen gesagt hat. Das Projekt versteht sich explizit als Kunst, allerdings gibt erst erlittene Gewalt den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, überhaupt darin aufzutreten. Ihre Handlungsmöglichkeit in dem Projekt ist sehr reduziert, sie treten mit ihrem Gesichtsausdruck und ihrem Körper auf und einem Satz, der nicht von ihnen stammt. Ihre Körper, Gesichter, Handschriften bezeugen die Authentizität des Gesagten. Humane Kunst zeichnet sich m.E. dadurch aus, dass sie erlaubt, eine kreative Antwort auf Erlebtes und Vorgefundes zu formulieren und so auch auf die eigene Umwelt zurückzuwirken. Bei dieser Ausstellung empfinde ich davon nichts, im Gegenteil bleibt der Eindruck der Reduktion von Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten auf eine Twitter-kompatible Schablone. Bin allerdings nicht sicher, ob der Begriff ‚Infantilisierung‘ diese Reduktion tatsächlich erfasst.

    • @ Martin „Humane Kunst zeichnet sich m.E. dadurch aus, dass sie erlaubt, eine kreative Antwort auf Erlebtes und Vorgefundes zu formulieren und so auch auf die eigene Umwelt zurückzuwirken. Bei dieser Ausstellung empfinde ich davon nichts, im Gegenteil bleibt der Eindruck der Reduktion von Handlungs- und Ausdrucksmöglichkeiten auf eine Twitter-kompatible Schablone.“ Es ist tatsächlich bewusst schablonenhaft – auf allen Bildern sehen die Porträtierten direkt in die Kamera, und jeweils halten Sie ein Schild vor sich, das sie ganz verdeckt.

      Es sind überraschend viele Männer dabei – überraschend nicht deshalb, weil es Vergewaltigungen von Männern nicht gäbe, sondern weil sie meist kein Thema ist. Hier geht es nicht allein um die Darstellung von Frauen als Opfer.

      Es hat tatsächlich eine seltsame, dem Anspruch der Ausstellung zuwiderlaufende Wirkung, dass sämtliche der Porträtierten sprachlos sind und dass jeweils die einzige Sprache das Zitat ihrer Vergewaltiger ist. Das halten Sie vor sich hin, so wie Menschen auf anderen Porträtfotos Bilder mit ihren Namen vor sich halten. Als wäre ihre Identität bestimmt durch die erlittene Gewalt. Als wären sie dadurch gleichsam in einer kleinen Welt eingesperrt, aus der sie jetzt nicht mehr herauskämen – so dass sie nur noch sprachlose Signale senden könnten, weil alle Sprache der Welt Tätersprache wäre.

      Das ist eben der Aspekt, gegen den sich die Feministin Mithu Sanyal richtete, als sie Opfer von Vergewaltigungen als „Erlebende“ bezeichnete – nicht als Opfer, auch nicht als „Überlebende“ (was übrigens nach meinem Eindruck auf die Holocaust-Überlebenden anspielen soll und daher tatsächlich krumm ist). Die Kritik von Feministinnen UND von politisch Rechten war ungeheuer hart, aber ich kann mir durchaus vorstellen, worum es Sanyal ging.

      Der Begriff „erleben“ hat je den Begriff „leben“ in sich, aber anders als der Begriff „überleben“ bezeichnet er Erfahrungen, die mit anderen Erfahrungen kontextualisiert werden können, die nicht unendlich viel gewichtiger sind als sie.

      Der Begriff ist unglücklich, weil wir „Erlebnis“ oft für etwas außerordentlich Positives nutzen – „Das war ein einmaliges Erlebnis“. Die Wut darüber hat in meinen Augen aber verdeckt, dass Sanyal ein völlig nachvollziehbares Anliegen hatte – nämlich Menschen, so eine Kritik zu ihrem Buch, „nicht als bloße Objekte von Gewalt wahrzunehmen.“ https://www.kritisch-lesen.de/rezension/du-bist-nicht-deine-vergewaltigung

  • @Lucas: Deine Analyse des Projektes finde ich einleuchtend und die Verbindung zu dem Bedenken Sanyals produktiv (Menschen nicht nur „als bloße Objekte von Gewalt wahrzunehmen“). Nur zur Erklärung: In dem online-Projekt von Grace Brown, die die Fotos angefertigt hat, sind in der Tat überraschend viele Männer berücksichtigt worden (http://projectunbreakable.tumblr.com/). Meine Aussage, dass nur Frauen dargestellt werden, bezog sich auf die oben beschriebene Ausstellung von „Frauenhorizonte e.V.“ im Foyer der Universitätsbibliothek Freiburg, deren Anliegen sich ja auch ausdrücklich nur an Frauen richtet.

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