Feindbild Mann Frauen Zivilgesellschaft

Das mediale Phänomen Svenja Flaßpöhler

geschrieben von: mitm
…und warum #MeToo in Deutschland gescheitert ist
 

„mitm“ war ursprünglich einmal die Abkürzung für „man in th(e) middle“. Mittlerweile hat die Abkürzung sich verselbständigt, und sie steht für den Betreiber eines der wichtigsten geschlechterpolitschen Blogs in Deutschland – Maskulismus für Anfänger, gleichsam ein Lexikon aus Essays aus männlicher geschlechterpolitischer Perspektive.

Heute freue ich mich sehr darüber, dass mitm seinen neuesten Essay gleichzeitig auf seinem eigenen Blog und hier bei man tau veröffentlicht. Während im Blog von mitm auch aus Gründen der Übersicht keine Diskussion unter den Artikeln vorgesehen ist, können hier wie üblich auch Kommentare veröffentlicht werden. Das Thema war auch hier im Blog schon einmal Gegenstand eines Artikels und wird hier nun von mitm auf sehr lohnende Weise und mit großem Überblick untersucht: Es geht um Sonja Flaßpöhlers überraschend deutliche Kritik an der #MeToo-Debatte.

Bei Maskulismus für Anfänger findet sich der Essay zu Svenja Flaßpöhler hier. Aber ob hier oder dort – viel Spaß bei der Lektüre! (Lucas Schoppe)

 

Das mediale Phänomen Svenja Flaßpöhler

 

Merksätze

  1. Geschlechterdebatte wird international seit knapp einem Jahr durch die #MeToo-Kampagne dominiert, Anfang Oktober werden reihenweise euphorische Erfolgsberichte erscheinen. Wie schon zahllose frühere feministische Twitter-Kampagnen handelt es sich hier primär um Propaganda feministischer Medien bzw. Parteien mit dem Ziel, mehr politische Macht zu gewinnen, indem Männer moralisch diskreditiert werden und der immerwährende Opferstatus von Frauen in der öffentlichen Meinung fest verankert wird.
  2. In Deutschland ging der Umfang der Propaganda ca. ab April / Mai 2018 deutlich zurück. Ungefähr zum gleichen Zeitpunkt wurde die vorher in der Geschlechterdebatte kaum bekannte Svenja Flaßpöhler – zumindest im Bildungsfernsehen und vergleichbaren Plattformen – zur prominentesten Person in der #MeToo-Debatte. Bekannt wurde sie insb. durch ihre Kritik an der MeToo-Kampagne und ihr Buch „Die potente Frau“, das ein anderes feministisches Selbstverständnis als heute üblich propagiert.
  3. Flaßpöhlers Thesen sind großenteils altbekannt, ihr sehr dünnes Büchlein kann nicht entfernt alle relevanten Aspekte der Geschlechterdebatte abdecken, und ihre Lösungsvorschläge wirken gut gemeint, aber unrealistisch. Vor diesem Hintergrund ist die enorme mediale Resonanz sehr erstaunlich. Plausible Erklärungen sind:
    1. Flaßpöhler hat extrem gute Beziehungen in den Medienbetrieb. Die große Resonanz auf ihre Thesen ist vermutlich großenteils durch ihre mediale Machtposition zu erklären. Der Fall Flaßpöhler dokumentiert unfreiwillig, welche enorme Meinungsbildungsmacht die öffentlich-rechtlichen Medien und Personen in medialen Machtpositionen haben.
    2. Es gibt nichts besseres, unter den Blinden ist der Einäugige König. Die MeToo-Kampagne hat zumindest in Deutschland keine überzeugenderen Ideen bzw. Protagonistinnen zu bieten (s.a. nächsten Punkt).
  4. Man steht vor dem kuriosen Befund, daß Flaßpöhler als eine der bekanntesten Stimmen der MeToo-Kampagne deren zentrales Ziel, den Opferstatus von Frauen zu stärken und mediale Hetzjagden auf Männer zu ermöglichen, frontal angreift. Durch ihre Vision von einer „potenten Frau“ macht sie versehentlich deutlich, daß die MeToo-Kampagne selber keine konstruktiven Visionen zu bieten hat, außer noch mehr Haß auf Männer zu schüren, Frauen weiter zu infantilisieren und mehr Macht für feministische Aktivisten zu fordern. An ihrem offiziellen Anspruch, die Geschlechterdebatte neu aufzurollen und wehrlose Frauen gegen den allgegenwärtigen Sexismus zu schützen, ist die MeToo-Kampagne gescheitert.

 

Einführung

Soziale Probleme werden bekanntlich sozial konstruiert, und bei der sozialen Konstruktion sozialer Probleme spielen die reichweitenstarken Medien eine zentrale Rolle. Das dort vermittelte Bild hat häufig nichts mit der Realität zu tun, sondern hängt vor allem von den ideologischen Interessen der Journalisten, Herausgeber und indirekten Herrscher über die Medien (u.a. Parteien) ab.

Dies konnte und kann man besonders deutlich erkennen an den zahllosen feministischen Twitter-Kampagnen der letzten Jahre, namentlich bei der seit knapp einem Jahr die Geschlechterdebatte prägenden MeToo-Kampagne. Alleine die private #MeToo-Werbekampagne von ZEIT Online bestand aus knapp 200 Artikeln innerhalb der ersten 5 Monate seit Beginn der Kampagne Anfang Oktober 2017. Im Zeitraum März bis Mai 2018 ging die Intensität der Propaganda gemessen an der Zahl der Artikel dort und nach meinem Eindruck generell in Deutschland merklich zurück (in den USA produziert die Kampagne hingegen kontinuierlich neue Skandale, aktuell z.B. den Fall Christine Blasey Ford vs. Brett Kavanaugh). Parallel dazu wurden Kritiker der Kampagne besser sichtbar.

In dieser Rolle ist seit Anfang 2018 Svenja Flaßpöhler, die vorher in der Geschlechterdebatte eine unbekannte Größe war, ein sehr bekannter Name geworden. Sie hat sehr viele Interviews gegeben, hatte (mindestens) 5 Auftritte im Radio und 6 Auftritte im TV (darunter sehr lange) und konnte etliche Gastartikel plazieren. Der Höhepunkt war die Veröffentlichung ihres Buchs „Die potente Frau“ am 03.05.2018, das noch einmal viele Rezensionen und Folgeauftritte nach sich zog. Mit ca. 10.000 verkauften Exemplaren dürfte das Buch mit weitem Abstand das in 2018 meistverkaufte einschlägige Werk sein. Nach meinem Eindruck ist sie im Frühjahr und Sommer die im deutschsprachigen Raum prominenteste Person in der MeToo- bzw. Geschlechterdebatte gewesen. In einer Sendung des SRF vom 27.05.2018 und in der ZEIT wird sie als eine der „schärfsten Kritikerinnen von MeToo“ bezeichnet.

Dieser Blogpost behandelt in erster Linie die Frage, wie unsere feministischen Medien, Parteien und sonstige Aktivisten in den letzten 12 Monaten versucht haben, auf Basis der MeToo-Welle die Geschlechterdebatte inhaltlich zu lenken, und ob sie dabei ihre ideologischen und machtpolitischen Ziele erreicht haben. Dabei kommt man offenbar an dem medialen Phänomen Flaßpöhler nicht vorbei, deswegen wird ein Großteil dieses Blogposts ihr gewidmet sein.

Flaßpöhlers Büchlein „Die potente Frau“ hat nur 48 Seiten Umfang, es ist eher ein verlängerter Essay. Schon von daher kann es nur einen kleinen Teil der Geschlechterdebatte, und selbst den nicht vertieft in seinen Querbezügen, abbilden. Gleiches gilt für die zahllosen Artikel und Interviews, die thematisch im Rahmen des Buchs bleiben. Auf den Inhalt des Buchs und die z.T. gravierenden Schwächen gehen wir später ein. Der Fokus liegt auf der weiblichen Psyche, und es wird das dominierende Verständnis kritisiert, daß weiblichen Sexualität passiv ist, männliche hingegen aktiv. Flaßpöhler propagiert ein eigenständiges, aktives Selbstverständnis von Sexualität bei Frauen – ein zumindest bei Sex-positiven feministischen Strömungen altbekannter Standpunkt, der an die sexuelle Revolution in den 1960ern erinnert. Die MeToo-Kampagne bestärkt aber gerade das klassische, passive sexuelle Selbstverständnis, und u.a. in diesem speziellen Punkt kritisiert Flaßpöhler die MeToo-Kampagne. Auch diese Kritik ist nicht wirklich neu, sondern eher trivial.

Es bleibt schleierhaft, wie man mit solchen Trivialitäten so prominent ins Fernsehen kommt. Ausgehend von der These, daß die Geschlechterdebatte ein Konstrukt der politisch/medialen Kaste ist und nicht viel mit der Realität zu tun hat, stellt sich die Frage, was sich hier medienpolitisch abspielt:

  1. Wie konnte eine bei diesem Thema eher unbekannte Person mit einem Buch, das offensichtlich unterkomplex ist und teils gravierende Defizite hat, in kurzer Zeit einen solchen Einfluß auf die Debatte erreichen?
  2. Welchen Zweck erfüllt das Buch, und wie hat es die Debatte und die öffentliche Wahrnehmung verändert?

zu a.: Eine Ursache ist mit Sicherheit die mediale Machtposition von Flaßpöhler, dazu anschließend mehr. Dieser Fall kann jedenfalls als Lehrbuchbeispiel gelten, welchen enormen Einfluß Personen mit den richtigen Connections im Medienbetrieb entwickeln können. Eine zweite, etwas spekulativere Ursache liegt darin, daß die MeToo-Kampagne in Deutschland gescheitert ist, sowohl intellektuell wie machtpolitisch. Deswegen findet man nichts besseres bzw. skandalträchtigeres, Flaßpöhlers Beiträge sind das relativ beste, mit dem man die Kampagne medial noch am Köcheln halten kann.

zu b.: Das Buch scheint in erster Linie für das links-grün-liberale Bildungsbürgertum geschrieben zu sein, es bleibt weitgehend im Rahmen des dort zulässigen Meinungsspektrums, dürfte aber eher Meinungen bestätigen als ändern. In radikal- bzw. netzfeministischen Kreisen wird es trotz unübersehbar feministischer Grundhaltung deutlich abgelehnt und dürfte auch dort wenig ändern. Gleiches gilt für die Masku-Szene, wenn auch aus völlig anderen Gründen. Auf die Kritiken dieser Gruppen gehen wir unten im Detail ein.


 

Die Person Flaßpöhler

Flaßpöhler ist geboren 1975, jetzt also rund 43 Jahre alt, ihre Vita weist eine Promotion in Philosophie und eine sehr lange Mitarbeit beim Deutschlandfunk, Deutschlandradio, Deutschlandfunk Kultur, 3-Sat sowie dem Magazin Psychologie Heute und dem Philosophie Magazin aus. Dessen Chefredakteur ist sie aktuell. In dem sehr langen Gespräch mit Richard David Precht kann man weitere Details über ihre persönlichen Prägungen erfahren.

Insgesamt ist Flaßpöhler extrem gut in den ÖR Medien vernetzt, sie ist ein Schwergewicht in der Kultur- und Medienszene, ihre mediale Reichweite erklärt sich mMn großenteils aus dieser Machtstellung. Flaßpöhlers Buch bzw. Thesen dürften im übrigen einen zusätzlichen Schub dadurch erhalten haben, daß fast zeitgleich das Philosophie Magazin, das mehrere 10.000 Leser hat, eine Ausgabe mit einem Dossier über das aktuelle Geschlechterverhältnis „Männer und Frauen. Wollen wir dasselbe?“ publizierte.

Mittendrin statt nur dabei: mit Thea Dorn und der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner beim Bayerischen Buchpreis 2017 (Quelle)

Ideologisch einordnen kann man Flaßpöhler, die sich selber als Feministin bezeichnet, als mittelradikal – sie glaubt z.B. daran, das GPG sei ein reales gesellschaftliches Problem und weist weitere feministische Wahrnehmungsverzerrungen auf, die im medialen Mainstream üblich sind, d.h. sie ist dort generell anschlußfähig. Viele inhaltliche Standpunkte, die sie vertritt, sind indes seit Jahren in weiten Teilen der Öffentlichkeit und sogar in der Masku-Sphäre Konsens, insofern also langweilig.

Da sich das Folgende vor allem auf die Schwächen der Thesen von Flaßpöhler konzentriert, muß vorab klargestellt werden, daß Flaßpöhler eine hochintelligente, „bühnenfeste“ Person ist und daß man heilfroh sein kann, wenn jemand mit dieser medialen Reichweite viele sinnvolle Diskussionsbeiträge liefert, auch wenn es viele Kritikpunkte gibt.


 

Mögliche Intentionen der Thesen von Flaßpöhler

Eine erste Kritik betrifft sozusagen die Sinnfrage des Buchs: Was soll das Buch erreichen? Für wen ist es geschrieben? Das ist leider nicht ganz klar. Man kann das Buch und die Thesen von Flaßpöhler bzw. deren Intention auf zwei sehr verschiedene Arten verstehen und einordnen:

  1. als Kritik an der MeToo-Kampagne und Darstellung von deren Kollateralschäden
  2. als feministische Gesellschaftsanalyse und Vorschlag, bestimmte Aspekte zu verbessern.

Beides hängt natürlich zusammen, allerdings sind die Ansprüche und Bewertungsmaßstäbe bei den beiden Verortungen sehr verschieden. Medial wurde Flaßpöhler fast ausschließlich als Kritiker der MeToo-Kampagne „verkauft“, da dies skandalträchtiger ist und aufmerksamkeitsökonomisch auf der MeToo-Welle reitet. Nach meinem Eindruck dominiert aber der Anspruch, eine Gesellschaftsanalyse und Zukunftsvision zu liefern (woran Flaßpöhler indes mMn. scheitert). Thematisch hat diese Vision nur noch wenig mit dem Ursprungsthema der MeToo-Kampagne, nämlich sexuellen Straftaten in der Filmbranche, zu tun.

Die Kritik an der MeToo-Kampagne

Flaßpöhler kritisiert u.a. folgendes an der MeToo-Kampagne:

  • die Verstärkung der vorhandenen Passivität von Frauen bzw. die fehlende Ermutigung, bei Belästigungen sofort in der Situation Grenzen zu setzen und nicht erst alles passiv über sich ergehen zu lassen und erst später Anklage zu erheben
  • die Undifferenziertheit der Debatte, die verbale Belästigung und Vergewaltigung in einen Topf wirft
  • den einseitigen Diskurs von Frauen gegen „die Männer“
  • den Verlust rechtsstaatlicher Grundsätze

Diese Kritiken sind plausibel, aber nicht neu, sondern schon früher und mehrfach an anderer Stellen benannt worden, s. hier für eine Übersicht und Quellen. Flaßpöhlers Kritik deckt nur einen Teil der Kollateralschäden ab, z.B. nicht die Hetze gegen Männer. Diese Kritiken an der MeToo-Kampagne werden von den Interviewpartnern überwiegend akzeptiert, Widerspruch kommt vor allem von Netzfeministinnen, Details s.u.Feministische Gesellschaftsanalyse

Gesellschaftsanalysen haben üblicherweise drei Komponenten: (a) eine Beschreibung des aktuellen (ggf. früheren) status quo, (b) Theorien und Spekulationen über Ursachen des status quo und in welchen Prozessen es dazu kam, (c) wie alles besser sein könnte.Flaßpöhler findet, daß „die Frauen“ in Deutschland zu passiv und zu wenig „potent“ sind. Dies gilt natürlich nicht deterministisch für alle Frauen, Flaßpöhler selber ist ein Gegenbeispiel. Potenz im Sinne von Flaßpöhler reicht von eigenständigem sexuellen Begehren über Mut und Selbstvertrauen, bei Übergriffigkeiten selber Gegenwehr zu leisten, bis hin zu allgemeiner Risikobereitschaft und mentaler, politischer Autarkie im Sinne des Liberalismus.

Das ist in unzähligen Artikeln eines DER Klischeemotive überhaupt, wenn es um Gewalt zwischen Geschlechtern geht: Der Mann ist hier aktiv, bedrohlich, aber kaum als Mensch vorhanden – die Frau ist passiv und bedroht.

Hinsichtlich der Ursachen für den status quo stellt Flaßpöhler die zentrale These auf, daß die Passivität von Frauen auf eine Jahrhunderte alte Kulturgeschichte, die Frauen keine eigene sexuelle Position zugestanden hat, zurückgeht. M.a.W. ist die Passivität in erster Linie sozial konstruiert und basiert auf bisher nicht überwundenen normativen Stereotypen.

Besser wäre es, und dahin gehen die Appelle von Flaßpöhler, wenn „die Frauen“ selbstbewußter, risikofreudiger und eben potenter wären, dabei aber nicht zu Duplikaten von Männern werden, sondern eine eigene, weibliche Form von Potenz entwickeln. Diese sollte grundsätzlich auf den biologischen Verschiedenheiten von Männern und Frauen und den dadurch entstehenden charakteristischen subjektiven Lebenserfahrungen und Prägungen beruhen, z.B. daß Frauen gebären können (und auch wollen), Männer nicht, daß Frauen ganz andere Sexualorgane und ein ganz anderes sexuelles Erleben haben als Männer usw. In diesem Kontext kritisiert sie den heute dominierenden Gender-Feminismus (den sie als „dekonstruktiven“ Feminismus bezeichnet) scharf, weil dieser die biologischen Unterschiede als irrelevant, weil nur sozial konstruiert, hinstellt und damit das Konzept „Frausein“ bzw. eine weibliche Identität negiert.


 

Rezeption der Thesen von Flaßpöhler

Man kann die Rezensenten ihres Buchs bzw. Kommentatoren ihrer in drei Gruppen einteilen: 1. Gute alte Bekannte im Deutschlandfunk und anderen ÖR Medien, 2. „Netzfeministinnen“, auch wenn das unklar abgegrenzt ist, und 3. Männer bzw. Maskulisten.

Rezeption von „guten alten Bekannten“

Die Besprechungen aus dieser Gruppe sind durchweg wohlwollend, in Einzelfällen euphorisch, u.a. weil Flaßpöhler die üblichen feministischen Dogmen (GPG, Frauen sind prinzipiell Opfer) einhält. Schlimmstenfalls kritisiert man, daß die Kritik an der MeToo-Kampagne dieser Kampagne schaden könnte. Härteres Nachhaken hinter den offensichtlichen Defiziten der Gesellschaftsanalyse und der unklaren Umsetzbarkeit der Vorschläge kommen so gut wie nicht vor. Flaßpöhler weiß sehr genau, welche „Narrative“ in diesen Kreisen gerade en vogue sind und wieviel Kritik sie sich leisten kann, ohne sich ernsthaft unbeliebt zu machen.

Rezeption in netz- bzw. radikalfeministischen Kreisen

Viele der bekannten feministischen Wortführerinnen haben sich mit Flaßpöhlers Thesen auseinandergesetzt, in der Regel war man nicht amüsiert. Das Interview von Simone Schmollack ist eher frostig („Damit leugnen Sie diskriminierende Strukturen…!“). Heide Oestreich findet, Flaßpöhler zeichne ein verzerrtes Bild der Lage und versteht das Unverständnis, das Aufschrei-Aktivistin Anne Wizorek in der Maybrit-Illner-Show Flaßpöhler entgegenbrachte. Susan Vahabzadeh vom feministischen Zentralorgan SZ findet es ärgerlich, daß Svenja Flaßpöhler bei allen anderen Rückwärtsgewandheit diagnostiziert, nur nicht bei sich selbst und für eine Entsolidarisierung der Frauen plädiert. Margarete Stokowski hält Flaßpöhlers Thesen für „daneben“ und „nicht einmal ansatzweise differenziert“ und hält Flaßpöhler selber für eine der Frauen, die sich unsolidarisch mit anderen Frauen zeigen.

Gemeinsam ist diesen Rezensionen im Kern der Vorwurf, daß Flaßpöhler die Realität nicht hinreichend verzerrt durch die feministische Brille, die überall Frauendiskriminierung und Patriarchat vorfindet, wahrnimmt, und daß sie nicht solidarisch mit „den Frauen“ ist, was auf die berüchtigte Identitätspolitik hinausläuft. Daß Flaßpöhler den immerwährenden Opferstatus von Frauen angreift und die weibliche Unterverantwortlichkeit (hypoagency) und geringe Risikobereitschaft kritisiert, macht sie zur Hochverräterin. Denn damit widerspricht sie diametral dem Geschäftsmodell des herrschenden Opferstatusfeminismus, der ganz zentral auf der feministischen Privilegientheorie basiert, die aus (gefühltem) Opferstatus Privilegien für Frauen ableitet.

Wie tief die Abneigung von Stokowski und Co. gegenüber Flaßpöhler und wie groß die mentale Distanz zwischen beiden ist, erkennt man am besten an dem sehenswerten Video einer Diskussionsveranstaltung, die der Ullstein-Verlag am 24.05.2018 organisierte. Der Unterschied in der Körpersprache der beiden Kontrahentinnen Stokowski und Flaßpöhler ist frappierend. Flaßpöhler befolgt offenbar Jordan Petersons Ratschläge und hält sich kerzengerade, die Schultern etwas zurück, sie steht geradeheraus zu ihren Thesen und kann sie gut erklären (man merkt ihr den Profi an). Sie strahlt Selbstsicherheit aus, ohne arrogant zu wirken, sie geht locker als Prototyp einer „potenten Frau“ durch. Stokowski hängt dagegen meist halb schräg in ihrem Sessel, hat eine weinerliche Stimme (für die sie u.U. nichts kann), hält wenig Blickkontakt und leistet sich zwischendurch noch görenhafte Verbalinjurien (39:37 „feige Sau“ über einen Mann, der sich wegen des Gesinnungsterrors lieber nicht zu MeToo äußert). Jammerfeminismus trifft auf „Potenz“-Feminismus.

„Du bist patriarchal!“ – „Nein, Du!“: Diskussion zwischen Margarete Stokowski und Svenja Flaßpöhler.

Auch wenn sich die beiden Seiten in vielen trivialen Punkten einig sind, unterscheidet sich die Mentalität grundlegend. Der hier sichtbare culture clash charakterisiert die ganze MeToo-Kampagne. Man könnte hier versucht sein, von zwei entsprechenden Fraktionen im medial präsenten Feminismus zu reden. Die Fraktion der Netzfeministen beherrscht allerdings ca. 10 reichweitenstarke Medien (Spiegel, Bento, SZ, Jetzt, ZEIT, ze.tt, Missy Magazine, edition f, Tagesschau usw.) und bildet eine eingespielte, schmutzkampagnenfähige Mafia. Flaßpöhler ist Einzelkämpfer, ihre „guten Bekannten“ sind keine politischen Aktivisten. Umso kurioser ist ihr großer Erfolg.

Maskulistische Kritik an Flaßpöhler

In der Masku-Sphäre ist mehrfach über Flaßpöhler diskutiert worden, am umfangreichsten von Lucas Schoppe.Wie oben schon erwähnt hängt die Kritik vom Anspruch ab, den Flaßpöhlers Thesen erheben. Die Kritik an der MeToo-Kampagne wird geteilt. Der Anspruch einer umfassenden Gesellschaftsanalyse ist durch einen dünnen Text strukturbedingt nicht erfüllbar. Wenn überhaupt, kann man einzelne Fragmente einer solchen Gesellschaftsanalyse separat diskutieren. Mehr als schlagwortartig kann man hier nicht darauf eingehen.

  1. Von weitem betrachtet ist die halbgare Haltung zu biologisch bedingten Prägungen ein großes Manko. Auf der einen Seite betont Flaßpöhler – völlig richtig -, daß durch die typischen physischen Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bzw. später Männern und Frauen sehr verschiedene Erfahrungen und Verhaltensunterschiede resultieren. Die wesentliche (und scheinbar einzige) Schlußfolgerung, die sie daraus zieht, ist, daß Männer und Frauen einander nie wirklich ganz verstehen können und daher Kommunikation mißlingt.
    In dem Gespräch mit Richard David Precht stellt dieser die scheinbar harmlose Auftaktfrage: War die Zweigeschlechtlichkeit eine gute Idee der Evolution? Jeder Evolutionsbiologe wäre fassungslos, wie man das fragen kann. Der Sexualdimorphismus gilt als ganz entscheidende Voraussetzung für die extrem erfolgreiche Evolution des Menschen, weil Ei- bzw. Spermienproduzenten unterschiedlichen Selektionsdrücken ausgesetzt werden. Nur so kann man die zahllosen physischen, psychologischen und sozialen Geschlechtsunterschiede erklären.
    Flaßpöhlers Antwort reduziert das auf das drittklassige Problem, daß man sich nicht 100 % verstehen kann. Man fragt sich, ob sie sich schon einmal mit der Blank-Slate-Hypothese Steven Pinkers The Blank Slate befaßt hat.
  2. In ihrer Lageanalyse bezieht sich Flaßpöhler wiederholt pauschal auf das heutige oder frühere „Patriarchat“. Dies ist ein feministischer Kampfbegriff, der inhaltlich weitgehend entkernt und zum reinen Schlagwort degeneriert ist. Eine Befassung mit diesem Begriff auf dem Niveau von djadmoros wäre hilfreich gewesen.
  3. Flaßpöhlers Appell an „die Frauen“, mehr (sexuelle) Potenz bzw. eine eigenständige weibliche Potenz zu entwickeln, ist gut gemeint. Im Endeffekt sind das aber Appelle, statistisch eine stärkere Libido zu haben. Implizit wird hier behauptet, die notorische Libido-Differenz bzw. -Asymmetrie zwischen Männern und Frauen sei ein soziales Konstrukt, daß man mit entsprechendem Willen ändern kann. Das ist eine zu beweisende, steile These und mMn Wunschdenken. Frauen sind auch risikoaverser als Männer und haben andere statistische Verteilungen bei den grundlegenden Charaktermerkmalen. Simple Appelle, jetzt doch bitte mal etwas risikofreudiger zu werden, insb. in der Sexualität, sind weltfremd. Frauen, die offensiv sexuelle Dienstleistungen von Männern einfordern, würden außerdem ihren sexuellen Marktwert wesentlich senken und die enormen Sozialtransfers von Männern zu Frauen infrage stellen. Daran können Frauen keinerlei Interesse haben.
  4. Bei dem Appell an „die Frauen“, eine eigenständige weibliche Potenz zu entwickeln, bleibt unklar, ob er sich an Individuen oder an das Kollektiv richtet und ob „Potenz“ ein psychologisches oder soziologisches Phänomen ist. Unter der männlichen Potenz versteht man ein deskriptives Stereotyp, also ein in dieser Personengruppe statistisch überwiegend zutreffendes (Verhaltens-) Merkmal. Entscheidend ist, daß das Verhalten homogen auftritt, andernfalls könnte man das Stereotyp nicht bilden. Die noch zu findende weibliche Potenz müßte ein Verhaltensmerkmal sein, das bei den meisten Frauen in sehr ähnlicher Form auftritt. Vordergründig richtet sich der Appell von Flaßpöhler an Individuen, die ggf. eine Unmenge von Verhaltensmustern ohne klare Schwerpunkte entwickeln. „Die Frauen“ als Kollektiv würden dann immer noch keine typisch weibliche Potenz aufweisen. Es bleibt unklar, ob und wie homogene Verhaltensmuster entstehen können.
  5. In einen Interview formuliert Flaßpöhler:

    Mein Anliegen ist es, Frauen zur Aktivität zu ermutigen, nicht nur im Sexuellen, sondern aus dem Sexuellen auch ins Existenzielle, ins Berufliche hineinwirkend.

    Damit stellt sie die These auf, daß die Potenz, Autarkie, Selbstverantwortung in sexuellen Kontexten z.B. in berufliche Kontexte übertragen werden kann. Daß es also abstrakte Charaktermerkmale sind, die in beliebigen Kontexten manifestiert werden können. Das wäre noch zu zeigen. Sexuell hochaktive Frauen sind jedenfalls nicht unbedingt Karrieremenschen. Genau zu diesem Thema fragt Precht Flaßpöhler in seinem Interview mehrfach, wie man sich denn eine Gesellschaft vorstellen muß, in der die meisten Frauen „potent“ sind, ohne eine klare Antwort zu bekommen.


 

Fazit: Warum #MeToo in Deutschland gescheitert ist

Wenn man heute, nach rund einem Jahr, eine Bilanz der MeToo-Kampagne in Deutschland zieht, muß man von einem Scheitern sprechen.

Das hängt natürlich davon ab, was man als Ziele der Kampagne ansieht. Ursprungsthema waren sexuelle Belästigung und Straftaten in Hollywood, das Ziel war, die Täter zu bestrafen. Nach einem Standardschema feministischer Kampagnenwird indes das Ursprungsthema immer zu einer allgemeinen Klage über den universellen Opferstatus von Frauen ausgeweitet. Übergeordnetes Ziel der Kampagnen ist daher letztlich, in der öffentlichen Meinung zu verankern, daß Männer moralisch minderwertig sind, und auf dieser Grundlage dem institutionalisierten Feminismus zu mehr politischer und wirtschaftlicher Macht zu verhelfen, idealerweise z.B. in Form des Matriarchats, das die Grünen in ihrem Frauenstatut implementiert haben.

Es gibt deutliche Indizien, daß diese Ziele in Deutschland nicht erreicht wurden: Es gab in Deutschland kaum zugkräftige Skandalfälle in der Medienbranche, die man als Jagdtrophäen vorzeigen könnte. Der bekannteste Fall, Dieter Wedel, führte im Gegenteil zu einem massiven öffentlichen Zwist zwischen der ZEIT, die eine private Inquisition gegen Wedel durchgeführt hatte, und dem Strafrechtler Thomas Fischer und machte die juristisch fragwürdigen Methoden der MeToo-Kampagne bewußter.
Während die Aufschrei-Kampagne zu einer absurden Verschärfung des Sexualstrafrechts, die viel Rechtsunsicherheit erzeugt hat, geführt hat, sind weitere Gesetzes- oder andere Initiativen, die sich direkt auf die MeToo-Kampagne beziehen (und die über das Grundrauschen an feministischem Aktivismus und medialer Dauerprogaganda hinausgehen), nicht erkennbar.

Die ZEIT lieferte Anfang 2018 mit einer (nicht repräsentativen) Umfrage ein deutliches Indiz, daß sehr viele Bürger die MeToo-Kampagne für ein reines Medienspektakel halten.

#MeToo als Kampf gegen Voldemort, gegen die Hunger Games und gegen das böse Imperium. Women’s March in Philadelphia, 2018 (Quelle)

Gründe, warum diese Ziele in Deutschland nicht erreicht wurden, findet man leicht:

  1. Bei der Aufschrei-Kampagne 2013 war das Thema sexuelle Belästigung noch frisch und wurde vielfach zum ersten Mal thematisiert. 2017 bei MeToo war es kein Neuland mehr, es wurden nur alte Anklagen gegen „die Männer“ wiedergekäut. Die zentralen Argumente und Streitpunkte waren schon 2013 erschöpfend behandelt worden. Durch die Marathonbeschallung mit immer neuen feministischen Twitter-Kampagnen wurden diese Argumente auch ständig präsent gehalten. Es gab daher von Anfang an deutlichen und qualifizierten sachlichen Widerstand gegen die MeToo-Propaganda.
  2. Wie wir von Edward Bernays, Josef Goebbels und den anderen großen Volksverführern wissen, basiert eine öffentliche Meinung nicht notwendig auf Fakten, sondern kann durch geschickt gesteuerte Emotionen wunschgemäß konstruiert werden. Ein zentraler Faktor für den Erfolg der MeToo-Kampagne in den USA waren sehr einfach zu verstehende, emotional aufpeitschende Verfehlungen von A-Promis, die jeder kennt oder die sogar, wie der aktuelle Fall Bill Cosby, eine Art Nationalheiliger waren. In Deutschland sind keine auch nur entfernt vergleichbaren „Zugpferde“ der Kampagne vorhanden bzw. entdeckt worden. Dies wiederum ist nicht überraschend: Die deutsche Filmbranche hat keine Multi-Millionen-Gagen und keinen weltweiten Ruhm zu bieten, für den man wirklich alles gibt. Stattdessen bestehen große Teile des Markes aus öffentlich-rechtlichen Sendern und staatlichen Filmförderungen, stehen also unter streng feministischer Kuratel.Es gibt in Deutschland auch keinen Strafschadenersatz wie in den USA und keinen Volkssport, andere beim geringsten Anlaß auf astronomische Summen zu verklagen. Generell gesagt hängt der Erfolg der MeToo-Kampagne in vieler Hinsicht von Faktoren ab, in denen sich die USA stark von Deutschland (übrigens auch von Frankreich) unterscheiden. Deswegen funktioniert der simple Export einer Empörungskampagne von den USA zu uns nicht ohne weiteres.
  3. Mangels zugkräftiger Skandalfälle mußte sich die mediale Befassung mit der MeToo-Kampagne auf deren sachliche Thesen und Analysen einlassen, und da sieht es nicht gut aus.
    Wegen der typischen unbegrenzten thematischen Ausweitung solcher Kampagnen, wo jede Frau jedes beliebige Leid beklagen kann und Hilfe versprochen bekommt, gibt es letztlich keine klaren zentralen Themen.
    Debatten darüber, ob jetzt eine neue Prüderie ausbricht oder eine Kunstzensur eingeführt wird, machen die zahllosen Kollateralschäden der Kampagnen bewußt, sind also nicht direkt erfolgsfördernd.
    Konstruktive Vorschläge und Zukunftsvisionen, wie das Geschlechterverhältnis verbessert werden könnte (ohne nur Männer strenger zu bestrafen), sind kaum erkennbar. Flaßpöhler bildet dahingehend eine extreme Ausnahme, das dürfte ein wesentlicher Grund sein, warum man sie gerne zu Interviews einlädt.

Svenja Flaßpöhler muß man letztlich bei aller inhaltlichen Kritik zugute halten, daß sie frischen Wind in die Geschlechterdebatte gebracht hat, insbesondere weil sie die verhärteten Positionen des Netz- bzw. Opferstatus-Feminismus aufbricht. Insofern kann man ihr durchaus einen signifikanten Einfluß auf die Debatte zusprechen. Ob mehr daraus wird, bleibt abzuwarten. Dazu müßten vielleicht endlich einmal mehr selbständig Denkende an den Debatten beteiligt werden.


 

Quellen

Artikel, Bücher

  1. djadmoros: Warum ich den Patriarchatsbegriff für historisch irreführend halte. 15.04.2018.
  2. Thomas Fischer: Das Sternchen-System: Thomas Fischers Zeit-kritische Anmerkungen zum Medien-„Tribunal“ gegen Dieter Wedel. MEEDIA, 29.01.2018.
  3. Svenja Flaßpöhler: Die potente Frau. Ullstein, 02.05.2018. 
  4. Svenja Flaßpöhler / Marie Schmidt (Interview): „Eine potente Frau wertet die Sexualität des Mannes nicht ab, sondern die eigene auf“. ZEIT Online / ZEIT Nr. 19/2018, 02.05.2018.
  5. Svenja Flaßpöhler / Chiara Thies: „Man hält krampfhaft am Opferdiskurs fest“. Cicero, 13.07.2018. 
  6. Heide Oestreich: Nein zur Gewalt, Ja zur Lust. TAZ, 12.05.2018. 
  7. Simone Schmollack (Interview) / Svenja Flaßpöhler: Zeigt Potenz!. Freitag, Ausgabe 18/2018, 03.05.2018. 
  8. Lucas Schoppe: Von potenten und von utopischen Frauen – Svenja Flaßpöhlers „Die potente Frau“. man-tau.de, 06.08.2018. 
  9. Margarete Stokowski: Potent, aber daneben. Spiegel, 08.05.2018. 
  10. Susan Vahabzadeh: Jeder für sich. Süddeutsche, 04.05.2018. 

Auftritte im Radio

  1. Wie geht es weiter nach der #metoo-Debatte? – Zu Gast: Svenja Flaßpöhler, Ines Kappert. RBB Kulturradio, 02.05.2018, 12:10, 02.05.2018.
  2. Svenja Flaßpöhler / Dieter Kassel (Interview): „Frauen werden in der Opferrolle festgeschrieben“. Deutschlandfunk Kultur, Beitrag vom 03.05.2018, 8:44 min, 03.05.2018.
  3. Svenja Flaßpöhler / Angela Gutzeit (Interview): Ein sträflich generalisierender Diskurs. Deutschlandfunk, 13:28 min, 07.05.2018. 
  4. Svenja Flaßpöhler / Daniel Finkernagel (Interview): Für eine neue Weiblichkeit – Die Philosophin Svenja Flaßpöhler. WDR3 Mosaik, 38:52 min, 26.05.2018. 
  5. Svenja Flaßpöhler / Anja Reinhardt (Interview): Feminismus nach #metoo – „Freiheit ist eine harte Aufgabe“. Deutschlandfunk, Kulturfragen, 24:37 min, 15.07.2018. 

Auftritte im Fernsehen

  1. Svenja Flaßpöhler / Nina Mavis Brunner (Interview): Gespräch mit Philosophin S. Flaßpöhler zur #MeToo-Debatte. 3sat Kulturzeit, 7:11 min, 11.01.2018. 
  2. Macht, Sex, Gewalt – der späte Aufschrei. ZDF, „Maybrit Illner“, 01.02.2018, 22:15 – 23:15, 01.02.2018.
  3. resonanzraum #5 – Svenja Flaßpöhler vs. Margarete Stokowski. Ullstein Buchverlage, 24.05.2018. 
  4. Der Philosophische Stammtisch: #MeToo. SRF, Erste Ausstrahlung: Sonntag, 27. Mai 2018, 11:00 Uhr, 27.05.2018. 
  5. Uta Angenvoort: #MeToo: Svenja Flaßpöhler versus Margarete Stokowski. WDR Westart, 04:49 min, 04.06.2018. 
  6. Svenja Flaßpöhler / Richard David Precht: Die Zukunft von Mann und Frau – Richard David Precht im Gespräch mit Svenja Flaßpöhler. ZDF, 17.09.2018, 44 min, 17.09.2018. 
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44 Comments

  • Erschreckend finde ich, dass die Feministinnen die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland so einseitig dominieren. Bei uns in der Schweiz gab es kürzlich eine Abstimmung über die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Medien (Stichwort Billag). Wäre da nur auch ansatzweise soviel ideologische Einseitigkeit vorhanden, wären die ÖR jetzt faktisch privatisiert. In Österreich wurde gleichzeitig dieselbe Diskussion geführt. Stört das in Deutschland niemanden, oder hat da die Bevölkerung einfach nichts zu melden?

    • Der Unterschied zur Schweiz sind ja nicht nur die öffentlich-rechtlichen und sonstigen Medien, sondern auch die gefühlten Millionen von Gleichstellungsbeauftragten, die es in Deutschland gibt. Das wundert mich schon, dass sich da kein Widerstand in Deutschland dagegen regt oder zumindest keinen grösseren Widerstand.

    • „hat da die Bevölkerung einfach nichts zu melden?“

      Praktisch nichts. Man muß sich mMn die meinungsbildende und tatsächlich regierende Elite als eine eigene, vom Restvolk abgeschottete Kaste vorstellen. Schöner Artikel hierzu: https://www.zeit.de/2018/33/michael-hartmann-eliten-soziologie-soziale-gerechtigkeit/komplettansicht

      Hartmann schätzt die Größe dieser Kaste zwischen 1000 und 4000 Personen, ein großer Teil entfällt auf die mediale und politische Elite (neben der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen). Dazu zählen insb. viele bekannte Politik-Journalisten, Polittalk-Moderatorinnen usw. Diese Gruppe der Politikjournalisten ist soziologisch betrachtet extrem einseitig bei den Grünen, Feminismus ist dort ein Dogma bzw. Ersatzreligion. Das dumme Volk muß umerzogen werden, und deswegen feuern feministische Medien wie ZON jährlich 100e Propagandaartikel auf die Leserschaft ab.

  • Frau Stokowski mach auf dem Bild da einen verwahrlosten Eindruck. Ich bin geradezu erschrocken. Frau Flaßpöhler hingegen wirkt gepflegt.
    Ich muss zugeben, dass mich Leute wie Flaßpöhler nicht wirklich interessieren. Es ist eine weitere Episode der unendlichen Geschichte „Feminismus aus der Nabelschau“. Es ist eine Auseinandersetzung mit sich selbst, das immer Gleiche in der tausendsten Variation. Sofern Kritik, also Selbstkritik stattfindet, ist es eine Kritik, die nur an der Oberfläche kratzt und nur schon das wird als Zumutung empfunden. Es ist ein miserables Theaterstück und ich kann es nicht erwarten, dass endlich der Vorhang fällt.

  • hallo mitm,
    gute Analyse. Schließe mich der Kritik an, dass Flaßpöhlers Idee der „potenten Frau“ eher Wunschdenken ist.

    zwei kleine Kritikpunkte:

    „Die Fraktion der Netzfeministen beherrscht allerdings ca. 10 reichweitenstarke Medien (Spiegel, Bento, SZ, Jetzt, ZEIT, ze.tt, Missy Magazine, edition f, Tagesschau usw.) und bildet eine eingespielte, schmutzkampagnenfähige Mafia.

    das ist ein harter Vorwurf, den ich gerne genauer erläutert hätte. nur weil Medienmacher eine gemeinsame Ideologie haben, bilden sie noch keine Mafia.

    „Übergeordnetes Ziel der Kampagnen ist daher letztlich, in der öffentlichen Meinung zu verankern, daß Männer moralisch minderwertig sind, und auf dieser Grundlage dem institutionalisierten Feminismus zu mehr politischer und wirtschaftlicher Macht zu verhelfen, idealerweise z.B. in Form des Matriarchats, das die Grünen in ihrem Frauenstatut implementiert haben.

    Wenn du (zurecht) kritisierst, dass Schindluder mit dem Begriff des „Patriarchats“ getrieben wird, dann solltest du nicht dasselbe mit dem Begriff des „Matriarchats“ machen. Ich sehe bei den Grünen trotz institutionalisierter Frauenbevorzugung keine „Mütterherrschaft“ und die Behauptung, dass metoo-akteure ein Matriarchat anstreben ist reine Spekulation. Du hast natürlich insofern recht, dass metoo-Akteure Frauenbevorzugung anstreben.
    Überhaupt glaube ich nicht, dass metoo ein übergeordnetes Ziel hatte. Es ist mehr ein aufgebrachter medialer Mob, dessen Motivation psychischer Natur ist. Ein einheitliches übergeordnetes Ziel kann ich nicht erkennen.

    • @Jonas

      „bilden sie noch keine Mafia.“

      Nun ja, daß sie Rauschgifthandel und Prostition betrieben, war offensichtlich nicht gemeint, sondern daß sie effektiv eine Organisation bilden, die massiv und undemokratisch in die demokratische Willensbildung eingreift. Ich habe diese Organisation auch als Feministische Infrastruktur bezeichnet, sie umfaßt den Frauenrat und Dutzende andere kleinere Organisationen, deren koordiniertes Handeln vielfach aus Steuermitteln finanziert wird.

      Wenn man den Blick auf jüngeren feministischen (Politik-) Journalistinnen verengt, dann stammen diese nach meinem Eindruck weit überwiegend aus den Kaderschulen der feministischen Infrastruktur, z.B. der HBS, haben also schon von daher enge Verbindungen. Außerdem treten sie immer wieder in kleineren Grüppchen zusammen auf, um z.B. wieder mal einen Hastag zu promoten. Es reicht mMn, auf Twitter zu verfolgen, wer hier wen retweetet, das gibt einen Cluster mit den üblichen Verdächtigen.

      Ein Personenregister dieser Gruppe mit Angaben, wer wann und wo mit wem zusammen aktiv war, werde ich aus guten Gründen nicht anlegen.

      Mit den Hinweis auf die Tagesschau meinte ich Juliane Leopold, die den sehr bekannten feministischen Blog kleinerdrei betreibt.

      zu: „keine ‚Mütterherrschaft'“ bei den Grünen

      Ich hatte den Begriff Matriarchat verstanden als Gesellschaftsordnung, in der Frauen oder Mütter die alleinige politische Macht innehaben.

      Mir ist kein besserer Begriff bekannt, mit dem man die hegemoniale Machtstellung von Frauen bei den Grünen prägnant benennen könnte. Ich bin da offen für Verbesserungsvorschläge.

      • „Mir ist kein besserer Begriff bekannt, mit dem man die hegemoniale Machtstellung von Frauen bei den Grünen prägnant benennen könnte. Ich bin da offen für Verbesserungsvorschläge.“

        Ich nenne es einfach Frauenbevorzugung. Den Begriff des „Matriarchats“ würde ich nur analog zu „Patriarchat“ verwenden. Im Patriarchat ist der (biologische oder geistige) Vater einer Gemeinschaft ihr Herrscher. Im Mainstreamfeminismus sehe ich diese Vorstellung der „Mutter der Gemeinschaft“ nicht. Der Mainstreamfeminismus geht vom Vater als natürlichen Herrscher aus, der permanent bekämpft werden muss. Die Frauenbevorzugung ist Teil dieses Kampfes, aber nicht Teil der Utopie. Die Utopie dieses Kampfes ist entweder gar nicht oder nur diffus vorhanden (Egoismus und Chaos) oder eine herrschaftsfreie Gesellschaft (Anarchie). Oder irgendwas dazwischen. Aber Matriarchats-Utopien sind meiner Beobachtung nach ein Randphänomen.

  • @mitm

    Vielen Dank für diesen ausführlichen und sorgfältig argumentierenden Artikel!

    Da ich nun mehrere Diskussionen und Interviews im TV gesehen habe, möchte ich eine Beobachtung von mir ergänzen.

    Was in der Diskussion seit #aufschrei auffällig ausgelassen worden ist: „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) (…) trat am 18. August 2006 schließlich in Kraft. Erstmals wurde in Deutschland ein Gesetz geschaffen, das den Schutz vor Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität durch private Akteure (z. B. Arbeitgeber, Vermieter, Anbieter von Waren und Dienstleistungen) umfassend regelt.“
    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Recht_und_gesetz/DasGesetz/dasGesetz_node.html

    Was mit dem AGG am Arbeitsplatz seit 2006 (!!!) geregelt worden ist (Herv. von mir):

    „Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet ausdrücklich sexuelle Belästigung. Laut AGG handelt es sich dabei um sexuell bestimmtes Verhalten, das die Würde der betroffenen Person verletzt.
    Konkret verboten sind:
    • „unerwünschte sexuelle Handlungen“ wie bedrängende körperliche Nähe, die ein Kollege oder Kunde zu Ihnen sucht,
    • „die Aufforderung zu unerwünschten sexuellen Handlungen“ wie „Setz dich auf meinen Schoß!“,
    • sexuell bestimmte körperliche Berührungen“, dazu zählen (scheinbar zufällige) Berührungen von Brust oder Po oder unerwünschte Nackenmassagen,
    • „Bemerkungen sexuellen Inhalts“ wie zum Beispiel obszöne Witze oder sexuelle Anspielungen,
    • „unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen“, wie pornographische Magazine auf dem Schreibtisch oder Nacktfotos an den Wänden.
    http://www.antidiskriminierungsstelle.de/DE/ThemenUndForschung/Geschlecht/sexuelle_Belaestigung/sexBelaestigung_node.html

    Niemand braucht #metoo um damit zu thematisieren, was bereits seit 12 Jahren per Gesetz verboten ist. Nicht ein einziges Mal wurde jedoch in der Diskussion auf das bereits existierende AGG verwiesen.

    Hier aus dem Flyer der Antidiskriminierungsstelle des Bundes konkrete Handlungsempfehlungen für Betroffene (Herv. von mir):

    „Was können Sie tun?
    Wichtig ist, dass Sie Ihre Gefühle ernst nehmen und reagieren. Sie haben dazu verschiedene Möglichkeiten.
    Wie Sie diese anwenden, ist von Ihrer individuellen Situation abhängig:
     —  Sagen Sie der Person, dass Sie sich durch ihr  Verhalten belästigt fühlen, und machen Sie –  wenn möglich – deutlich, dass Sie das nicht mehr wünschen. Kündigen Sie Konsequenzen an. 
    —  Führen Sie ein Gedächtnisprotokoll, um die Übergriffe Ihres Kollegen, Vorgesetzten oder eines Kunden zu dokumentieren. Ein solches Protokoll dient dazu, Fakten zusammenzutragen.  
    —  Informieren Sie Ihren Arbeitgeber. Sie haben das Recht sich zu beschweren! Ihr Arbeitgeber hat die Pflicht, alle Beschäftigten vor sexueller Belästigung zu schützen. Dabei ist es egal, ob es sich bei den Tätern um Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden handelt.
    —  Sollte Ihr Arbeitgeber nicht reagieren oder selbst derjenige sein, der Sie belästigt, suchen Sie sich außerbetriebliche Unterstützung, um das weitere Vorgehen zu besprechen.“

    Und weiter:

    „Wo finden Sie Hilfe?
    Interne Ansprechpartner sind die betriebliche Beschwerdestelle, Gleichstellungsbeauftragte sowie der Betriebs- oder Personalrat. In jedem Fall können Sie mit uns Kontakt aufnehmen. Wir helfen gern! Unsere Beraterinnen und Berater informieren Sie kostenlos über Ihre Rechte und Ansprüche und vermitteln Sie bei Bedarf auch an weitere geeignete Beratungsstellen.“

    Halten wir fest: „Strukturell“ wird sexuelle Belästigung durch das AGG bereits seit 2006 verboten. Zu behaupten, „sexualisierte Gewalt“ sei eine nicht sanktionierte Handlungsoption für „mächtige Männer“ ist falsch. Damit einhergehend existieren Handlungsempfehlungen für betroffene Individuen, die sich „potent“ zur Wehr setzen können. Dabei existieren mit der betrieblichen Beschwerdestelle, den Gleichstellungsbeauftragten, dem Betriebs- oder Personalrat sowie der Antidiskriminierungsstelle bereits Institutionen, an die sich Betroffene zwecks Unterstützung wenden können.

    Dass Gewerkschaften dieses Thema behandeln und berücksichtigen, sieht man an den (abgeschlossenen) Betriebs-/Dienstvereinbarungen, in der auch Sanktionen gegen die Täter und Täterinnen festgehalten werden.
    Aus einer Mustervereinbarung von Verdi:

    „8. Sanktionen
    a) Sanktionen gegenüber Beschäftigten werden je nach Schwere des Vorfalls in aufeinander aufbauende Maßnahmen gestaffelt:
    •   mündliche und schriftliche Ermahnung mit Niederlegung in der Personalakte
    •   schriftliche Abmahnung und Androhung der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
    •   Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich im Betrieb, gegebenenfalls mittels Änderungskündigung
    •   Kündigung und Entfernung aus dem Betrieb
    Die jeweilige Durchführung erfolgt in Abstimmung mit dem Betriebsrat/dem Personalrat.
    b) Sanktionen gegenüber nicht beschäftigten Personen
    • mündliche und schriftliche Ermahnung
    • schriftliche Abmahnung und Androhung der Kündigung des Auftrags
    • Auflösung des Auftrags und/oder strafrechtliche Anzeige“

    Wenn M. Stokowski u.a. behaupten, es gäbe „patriarchale Strukturen“, die sexuelle Belästigung zwecks Machterhalt „des Patriarchats“ wenigstens billigen, ist das vor diesem Hintergrund eine arglistige Täuschung der Öffentlichkeit. Wer mit dem Verlust des Arbeitsplatzes oder des Auftrags zu rechnen hat, ist bereits hinreichend vor unerwünschtem Verhalten abgeschreckt

    So richtig ich es finde, wenn Svenja Flaßpöhler Frauen individuell ermutigen will, in einer konkreten Situation mit der eigenen Person dafür zu sorgen, dass ein unerwünschtes Verhalten nicht mehr stattfindet. So falsch finde ich es nicht darauf hinzuweisen, es gibt bereits ein Gesetz, das sexuelle Belästigung verbietet, es gibt institutionelle Hilfe für Betroffene und Sanktionsmöglichkeiten gegen Täter und Täterinnen.
    Was Flaßpöhler berechtigt anprangert, nämlich einen Feminismus, der gesellschaftliche Veränderungen und Verbesserungen der Lage für Frauen entweder ignoriert oder negiert, weil sonst die mediale Skandalisierung nicht funktioniert, fällt hier auf sie zurück.

    Weder sind die Individuen nur auf sich selbst zurückgeworfen, noch gibt es „Strukturen“, denen sie hilflos ausgeliefert sind.

    Allerdings hätte dann die Diskussion um #metoo so gar nicht so stattfinden können. Es wäre – mit Bezug auf das AGG – um Fragen der praktischen Umsetzung eines real seit über zehn Jahren existierenden Gesetzes gegangen (zumindest am Arbeitsplatz).

    So zu tun, als wäre sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erst mit #metoo überhaupt gesellschaftlich thematisiert worden, ist eine dreiste Lüge.

    • @crumar

      Sehr wichtiger Hinweis. Das wäre fast einen eigenen Blogpost wert.

      Zumal das AGG einen extrem weiten Anwendungsbereich hat.

      Um ehrlich zu sein, mir war das auch nicht in dem Detaillierungsgrad bekannt.

      Wie kann es hochemotionale Kampagnen geben, deren zentrale Forderungen in einem seit über 10 Jahren existierenden Gesetz erfüllt werden?

      • @mitm

        Weil deutsche JournalistInnen_+-* bei ihrer Lieblingstätigkeit, dem abschreiben von Themen aus dem US-Kontext, bzw. dem engagierten, preiswerten, die individuelle Arbeitszeit kürzenden copy&paste, ungern durch Kenntnis deutscher Gesetze gestört werden wollen. 😉

        Was für ein Skandal bleibt bspw. beim ÖR übrig, wenn die Betroffenen von sexueller Belästigung seit 2006 jede Gelegenheit gehabt hätten, sich beim Personalrat zu beschweren, in Kenntnis der Sanktionsmöglichkeiten?

        Gut, man könnte mutmaßen, das Gesetz sei in der Belegschaft oder der Bevölkerung nicht bekannt genug; dann wäre aber simple Aufklärungsarbeit gefordert.

        Das widerspräche jedoch dem clickbait durch „hochemotionale Kampagnen“ und auch das m.E. ein Grund, es so genau dann lieber doch nicht wissen zu wollen…

      • Seit 10 Jahren? 24, um genau zu sein!

        Vor dem AGG trat nämlich am 1.9.1994 das Beschäftigtenschutzgesetz in Kraft mit dem Ziel der „Wahrung der Würde von Frauen und Männern durch den Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz“.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Besch%C3%A4ftigtenschutzgesetz

        Parallel dazu hatte Bundesfrauenministerin Angela Merkel im Oktober 1994 das 2. Gleichberechtigungsgesetz (auch Frauenfördergesetz genannt) durchgedrückt, in dem es neben Frauenquoten und Frauenbeauftragten explizit auch um den Schutz vor sexueller Belästigung ging.
        https://www.lpb-bw.de/publikationen/stadtfra/frauen4.htm

        • @Gunnar

          Das Gesetz wiederum kannte ich nicht – ist total an mit vorbei gegangen!

          Daraus:
          „§ 2 Schutz vor sexueller Belästigung

          (1) Arbeitgeber und Dienstvorgesetzte haben die Beschäftigten vor sexueller Belästigung am
          Arbeitsplatz zu schützen. Dieser Schutz umfasst auch vorbeugende Maßnahmen.

          (2) Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes vorsätzliche, sexuell bestimmte Verhalten,
          das die Würde von Beschäftigten am Arbeitsplatz verletzt. Dazu gehören
          1. sexuelle Handlungen und Verhaltensweisen, die nach den strafgesetzlichen Vorschriften unter Strafe gestellt sind.
          2. sonstige sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie Zeigen und sichtbares Anbringen von
          pornografischen Darstellungen, die von den Betroffenen erkennbar abgelehnt werden.

          (3) Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist eine Verletzung der arbeitsvertraglichen Pflichten oder ein Dienstvergehen.“

          D.h. es ist 2006 nahezu eins zu eins ins AGG übergegangen. Leider war meine Darstellung unten falsch, erst gab es das Beschäftigtenschutzgesetz 1994 und die BV bei VW kam 1996!

          Dann haben wir also 2019 bereits ein Vierteljahrhundert Schutz gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

          Das würde die Behauptungen von #metoo ja noch unglaubwürdiger machen…

    • @crumar: Ich habe jetzt sicherheitshalber im AGG gesucht, wo genau das Verbot steht und welche Strafen denn in Aussicht gestellt werden.

      Zuständig ist § 3 Begriffsbestimmungen, Absatz (4) „Eine sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung ….“ http://www.gesetze-im-internet.de/agg/__3.html

      Der entsscheidende Punkt, warum jemand das Gesetz für nicht ausreichend halten könnte, ist die Verantwortlichkeit. Verantwortlich zur Abstellung bzw. Bestrafung der Verstöße ist nämlich der Arbeitgeber, zumindest im Rahmen dieses Gesetzes. Das ist kein Strafgesetz, das den Täter direkt bestraft. Bestraft wird er ggf. indirekt über den Arbeitgeber, der ihn feuert oder sonstwas mit ihm macht.

      Die Handlungen können natürlich auch strafrechtlich relevant sein, dann müßte der oder die Betroffene sich aber an die Polizei wenden und Anzeige erstatten (darauf dürften die Beratungen ggf. hinauslaufen).

      Festhalten können wir also, daß sexuelle Belästigungen im Gesetz verboten werden (und zwar nach meinem Gefühl in weitaus größerem Umfang als strafrechtlich relevante Belästigungen), daß allerdings die Bestrafung der TäterInnen unklar bleibt.

      • @mitm

        Nach dem §184i StGB (1) ist sexuelle Belästigung:
        „Wer eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und dadurch belästigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wenn nicht die Tat in anderen Vorschriften mit schwererer Strafe bedroht ist.“

        Und dein Gefühl, es werde sexuelle Belästigung in der Arbeitswelt „in weitaus größerem Umfang als strafrechtlich relevante Belästigungen“ gesehen trügt dich nicht.

        Da ist der übliche radikale Subjektivismus enthalten und die (feministische) Definition soll natürlich die Torpfosten verschieben, z.B. „unerwünschte sexuelle Handlungen“ wie bedrängende körperliche Nähe.“
        Eine subjektiv als „bedrängend“ empfundene Nähe ist nicht gleichzusetzen mit einer sexuellen Handlung.
        Jeder Mensch hat ein eigenes Empfinden einer angemessenen Körperdistanz, die zudem in kulturellen Variationen vorkommt.

        Wenn ich in den Süden fliege, muss ich mich erst einmal an die geringere Körperdistanz gewöhnen und daran, zur Begrüßung „geküsst“ und generell viel öfter angefasst zu werden.
        Natürlich ist das – von der Intention her – keine sexuelle Belästigung; wenn ich zurück nach D komme, muss ich mich auf „Um Gottes Willen, lass das mit dem Körperkontakt!“ umstellen. 😉

        Böswilligkeit zu unterstellen, es könne also nur ein sexuelles Motiv hinter einer solchen Handlung stecken, ist charakteristisch für feministische Formulierungen. Die dann dazu einladen, solche Motive überhaupt erst zu „empfinden“, weil sie unterstellt werden.

        Du schreibst: „Verantwortlich zur Abstellung bzw. Bestrafung der Verstöße ist nämlich der Arbeitgeber, zumindest im Rahmen dieses Gesetzes.“

        Das ergibt sich unmittelbar aus dem Betriebsverfassungsgesetz, hier dem §77 „Durchführung gemeinsamer Beschlüsse, Betriebsvereinbarungen“, wenn ich dich richtig verstanden habe:

        (1) Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber, auch soweit sie auf einem Spruch der Einigungsstelle beruhen, führt der Arbeitgeber durch, es sei denn, dass im Einzelfall etwas anderes vereinbart ist. Der Betriebsrat darf nicht durch einseitige Handlungen in die Leitung des Betriebs eingreifen.
        (2) Betriebsvereinbarungen sind von Betriebsrat und Arbeitgeber gemeinsam zu beschließen und schriftlich niederzulegen. Sie sind von beiden Seiten zu unterzeichnen; dies gilt nicht, soweit Betriebsvereinbarungen auf einem Spruch der Einigungsstelle beruhen. Der Arbeitgeber hat die Betriebsvereinbarungen an geeigneter Stelle im Betrieb auszulegen.
        (4) Betriebsvereinbarungen gelten unmittelbar und zwingend. Werden Arbeitnehmern durch die Betriebsvereinbarung Rechte eingeräumt, so ist ein Verzicht auf sie nur mit Zustimmung des Betriebsrats zulässig. Die Verwirkung dieser Rechte ist ausgeschlossen.“

        Was das AGG weiterhin berücksichtigt ist der § 84 des BetrVG:
        „Beschwerderecht
        (1) Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, sich bei den zuständigen Stellen des Betriebs zu beschweren, wenn er sich vom Arbeitgeber oder von Arbeitnehmern des Betriebs benachteiligt oder ungerecht behandelt oder in sonstiger Weise beeinträchtigt fühlt. Er kann ein Mitglied des Betriebsrats zur Unterstützung oder Vermittlung hinzuziehen.
        (2) Der Arbeitgeber hat den Arbeitnehmer über die Behandlung der Beschwerde zu bescheiden und, soweit er die Beschwerde für berechtigt erachtet, ihr abzuhelfen.
        (3) Wegen der Erhebung einer Beschwerde dürfen dem Arbeitnehmer keine Nachteile entstehen.“

        Die sexuelle Belästigung abzustellen ist dann tatsächlich die Pflicht des Unternehmers.

        Ich finde den existierenden Sanktionskatalog durch die zahlreich existierenden Betriebsvereinbarungen ausreichend.

        Bei VW ist das bspw. ein ganz alter Hut:

        VW – Betriebsvereinbarung
        Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz
        Gültig ab: 01.07.1996

        „Präambel
        Eine Unternehmenskultur, die sich durch ein partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz auszeichnet, bildet die Basis für ein positives innerbetriebliches Arbeitsklima und ist damit eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

        Sexuelle Belästigung, die sich meist gegen Frauen richtet, und Mobbing gegen einzelne sowie Diskriminierung nach Herkunft und Hautfarbe und der Religion, stellen am Arbeitsplatz eine schwerwiegende Störung des Arbeitsfriedens dar. Sie gelten als Verstoß gegen die Menschenwürde sowie als eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts. Solche Verhaltensweisen sind unvereinbar mit den Bestimmungen der Arbeitsordnung.

        Sie schaffen im Unternehmen ein eingeengtes, streßbelastetes und entwürdigtes Arbeits- und Lernumfeld und begründen nicht zuletzt gesundheitliche Störungen.

        Das Unternehmen verpflichtet sich, sexuelle Belästigung, Mobbing und Diskriminierung zu unterbinden und ein partnerschaftliches Klima zu fördern und aufrecht zu erhalten. Dies gilt auch für die Werbung und Darstellung in der Öffentlichkeit.

        1. Geltungsbereich
        persönlich:
        für alle Beschäftigten der Volkswagen AG
        räumlich:
        für die Werke der Volkswagen AG“
        https://www.staff.uni-marburg.de/~naeser/Homepage-Mitte1997/vw-mobb.htm

        Das ging dem AGG noch einmal zehn Jahre voraus d.h. die Gewerkschaften – in diesem Fall die IG Metall und auch das Unternehmen VW – waren wesentlich fortschrittlicher als der Gesetzgeber.

        Das Problem ist, Gewerkschaften und Arbeitswelt existieren nicht im Horizont der Pseudo-Linken und historische Kenntnisse haben sie auch keine. Deshalb empfinden sie ständig „neu“, wo nichts Neues ist.

        • „d.h. die Gewerkschaften – in diesem Fall die IG Metall und auch das Unternehmen VW – waren wesentlich fortschrittlicher als der Gesetzgeber.“

          Der Gesetzgeber war schon 1994 da. Siehe meinen Kommentar weiter oben.

          • Du hast recht, das Gesetz ist mir nicht bekannt gewesen! Ich war der festen Überzeugung, es wären in den BV lange vor dem Gesetzgeber solche Verbote gegen sexuelle Belästigung vereinbart worden.
            Deshalb habe ich Bezug auf das AGG genommen, weil ich dies für allgemeiner hielt.

            Thanks für deine Korrektur!

  • @Jonas

    Erstens ist die komplette Leitung der HBS ist inzwischen in Frauenhand (entgegen dem, was in der Satzung steht).
    Vorstand und Geschäftsleitung 100% Frauenanteil.

    Zweitens, aus der Satzung: „Der Fachbeirat Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung setzt sich zusammen aus mindestens 12 und höchstens 15 Personen. Die Frauenquote beträgt mindestens 80%.“

    Um diese Traumquote noch ein wenig zu steigern, wurde bereits 2008 verfügt: „Wir haben die beiden bislang getrennt arbeitenden Einheiten „Stabsstelle Geschlechterdemokratie“ und das „Feministische Institut“ werden zu einer gemeinsamen Organisations- und Arbeitseinheit zusammengefasst. Damit wollen wir politisch noch schlagkräftiger werden. Das Spannungsverhältnis zwischen Feminismus und Geschlechterdemokratie wollen wir gemeinsam produktiv bearbeiten.“

    Wir nehmen einen flotten Gendertausch vor und überlegen, die AfD hätte verfügt, der Frauenanteil in Sachen parteilicher „Geschlechterdemokratie“ dürfe 20% nicht übersteigen.
    Zudem sei „Geschlechterdemokratie“ nur „gemeinsam“ in Verbindung mit der Stabsstelle „Antifeminismus“ zu diskutieren.

    #aufschrei anyone?!

    Das übergeordnete Ziel von #metoo: Die Ideologie durchzusetzen, sexuelle Belästigung und Vergewaltigung sei eine Machtfrage in einer patriarchalen Gesellschaft im doppelten Sinne.
    Männer nutzen Macht und Privilegien, um durch „sexualisierte Gewalt“ Frauen einzuschüchtern und zu unterdrücken (Brownmiller) und aus diesem Grunde haben sie Macht und Privilegien.
    Dies kann dadurch behoben werden, dass Frauen in Machtpositionen gelangen, die vorher Männer eingenommen haben.
    = #timesup.
    Das ist der Fokus, das ist das Ziel.

    • mag ja alles richtig sein mit der Böll-Stiftung und so. mir ging es aber nur um den Begriff „Matriarchat“, den ich in dem Zusammenhang unpassend finde.

      Das übergeordnete Ziel von #metoo: Die Ideologie durchzusetzen, sexuelle Belästigung und Vergewaltigung sei eine Machtfrage…

      … und die daraus folgende institutionalisierung der Frauenbevorzugung – alles richtig. Das ist sicher ein wichtiges politisches Ziel, würde ich aber nicht auf das gesamte Phänomen verallgemeinern, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die feministische Mehrheit wirklich von einer Frauenherrschaft träumt. stattdessen sehe ich bei metoo andere (z.B. psychische/unterbewusste) Kräfte am Werk:

      -persönliche(wirtschaftliche) Motive oder Rache und Ausnutzen des feministischen Mainstreams und der Schweinemänner-Ideologie

      – Projektion masochistischer erotischer Frauenfantasien auf Männer (masochismus bedeutet extreme sexuelle unterwürfigkeit)

      – Anerkennung und Aufmerksamkeit, die Frauen heute durch den Opferstatus ergattern können -> eitelkeit

      – Wutausbruch gegen das Versagen des patriarchalen Schutzes; d.h. ein unterbewusster schrei nach dem starken Mann

      – und zuletzt was ganz unkonventionelles: Ansprechen realer Vergehen und echter Grenzverletzungen

      Daher wäre ich bei Verallgemeinerungen über das Ziel von metoo und vergleichbarer Phänomene vorsichtig.

      • @Jonas

        Ich kann deine Spekulation über solche unterbewussten Kräfte zwar nachvollziehen, die Schwierigkeit ist m.E. jedoch, deren Existenz und Wirken zu beweisen.

        Die politischen Quoten-Kampagnen in der Nachfolge von #metoo hingegen existieren und #metoo ist ganz offensichtlich dazu gedacht, diese Kampagnen zu forcieren und das kann ich an zahlreichen Stellen nachweisen.
        Diese beinhalten natürlich „persönliche (wirtschaftliche) Motive oder Rache und Ausnutzen des feministischen Mainstreams und der Schweinemänner-Ideologie“, wobei erstere das Ziel, letztere die Mittel sind.

        Bei der Heinrich-Böll-Stiftung bspw. sind inzwischen alle Führungskräfte weiblich, die Belegschaft zu 75% und in der Satzung wird eine „Geschlechterdemokratie“ mit 80% Frauenanteil sogar festgeschrieben.
        Darauf zu insistieren, es müssten durchgängig 100% sein, um den verallgemeinernden Begriff „Matriarchat“ zu verwenden, finde ich Angesichts der bereits bestehenden Verhältnisse ein bisschen übertrieben.

        „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die feministische Mehrheit wirklich von einer Frauenherrschaft träumt“ – es wurde ihnen doch jeder Anlass gegeben, seit das Ziel ausgerufen worden ist, die „männliche Gesellschaft zu überwinden“.

        Andrea Nahles im O-Ton: „Wenn’s leicht wäre, könnte es ja ein Mann machen.“ – ergo sind schwere Problem nur von Frauen lösbar.
        Ein Großteil dieser feministischen Kräfte hält sich m.E. tatsächlich für die besseren, Männern von Natur aus überlegenen Menschen, die nur das Patriarchat – wie auch immer – an der vollen Entfaltung ihres Potentials gehindert hat.

          • @Mark

            https://www.boell.de/de/1989/index-309.html

            Die Satzung der Heinrich-Böll-Stiftung Herv. von mir:

            Die Satzung der Heinrich-Böll-Stiftung wurde von der Mitgliederversammlung am 28. März 1998 beschlossen und zuletzt im Dezember 2017 geändert.

            „§ 10 Fachbeirat „Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung“

            1. Zur Unterstützung der Gemeinschaftsaufgabe Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung nach innen und außen wird der Fachbeirat Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung eingesetzt, der mit dem Koordinationsbereich der Gemeinschaftsaufgabe eng verknüpft ist.

            2. Der Fachbeirat Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung wird von der Mitgliederversammlung gewählt und ist ihr gegenüber rechenschaftspflichtig. Vorschlagsrecht haben Mitglieder der Mitgliederversammlung und der Aufsichtsrat. Mitglieder des Fachbeirates sollen nur einem Gremium und nicht dem Vorstand oder dem Aufsichtsrat angehören.

            3. Der Fachbeirat Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung setzt sich zusammen aus mindestens 12 und höchstens 15 Personen. Die Frauenquote beträgt mindestens 80%.

            4. Die Amtszeit beträgt 3 Jahre. Einmalige Wiederwahl ist möglich.

            5. Der Fachbeirat Teilhabe, Geschlechterdemokratie und Antidiskriminierung hat ein Antragsrecht auf der Mitgliederversammlung.“

            Wie gesagt, hier handelt es sich um das „demokratische“ Verständnis von „Geschlechterdemokratie“ der Grünen.

        • „Die politischen Quoten-Kampagnen in der Nachfolge von #metoo hingegen existieren und #metoo ist ganz offensichtlich dazu gedacht, diese Kampagnen zu forcieren“

          ja, das streite ich nicht ab, dass das für Akteure aus Politik und Medien, die metoo unterstützt haben zutrifft. Aber was ist mit irgendeiner Schauspielerin, die metoo twittert, weil der Regisseur sie belästigt hat? kannst du hier nachweisen, dass die im Sinn hat, dadurch Frauenförderung und Quoten zu erreichen?

          „Darauf zu insistieren, es müssten durchgängig 100% sein, um den verallgemeinernden Begriff „Matriarchat“ zu verwenden, finde ich Angesichts der bereits bestehenden Verhältnisse ein bisschen übertrieben.“

          das tu ich ja gar nicht. selbst wenn da 100% stehen würde wäre ich mit dem Begriff „Matriarchat“ vorsichtig. ich hab das schon in einem Kommentar auf mitm dargelegt, sie oben:
          https://man-tau.com/2018/09/29/medien-flasspoehler-metoo/#comment-17982

          „Andrea Nahles im O-Ton: „Wenn’s leicht wäre, könnte es ja ein Mann machen.“ – ergo sind schwere Problem nur von Frauen lösbar.“

          du denkst zu logisch um Nahles und vergleichbare feministische Meckerziegen zu verstehen 😉 Die haben kein klares Bild davon im Kopf, was sie eigentlich wollen. Jede Wette: wenn die Gesellschaft durch Frauen beherrscht werden würde, würden dieselben Leute rummaulen, wo denn die starken Männer sind. Es geht nur ums Gemecker und um die Demütigung von Männern. Wie ich schon im verlinkten Kommentar geschrieben hab: die Frauenbevorzugung ist Teil des Kampfes, aber nicht Teil des Zieles. Das Ziel liegt für mich im Dunklen- im doppelten Sinne der Redensart.

          • @ Jonas

            Ich persönlich habe auch meine Probleme mit dem Begriff des Matriarchats, weil er in der Regel tatsächlich nur als Spiegelung des feministischen Patriarchatsbegriffs verwendet wird und damit auch meist eine grob unterkomplexe Aussage zu gesellschaftlichen Zuständen darstellt.

            Auf die Grünen und ihre internen Regelungen bezogen, kann man aber meines Erachtens tatsächlich von einem real existierenden Matriarchat reden (also nicht nur als Utopie). Wenn man mal bedenkt, dass z. B. in Debattenrunden Frauen gerne so viel und ggf. so dumm daherplappern können, wie es ihnen beliebt, aber Männer erstens davon abhängig sind, dass überhaupt Frauen anwesend sind und zweitens diese dann auch noch Lust haben müssen, etwas zu sagen, dann hat das schon Züge von matriarchalen Gesellschaftsordnungen. Ein Mann darf immer erst etwas sagen, wenn eine Frau zuvor das Wort ergriffen hatte und wenn keine Frau mehr etwas sagen will, dann haben damit auch alle anwesenden Männer Sendepause. Und wie immer bei solchen Regeln: das gilt natürlich nur in eine Richtung, denn sonst wäre das ja pure Frauenunterdrückung.

            Was ich immer dabei am lustigsten finde: es sind eben dieselben Leute, die alles im Leben derart radikal nach Geschlechtern scannen, gar nicht mehr in der Lage sind, noch irgendetwas wahrzunehmen, ohne darin direkt irgendeinen maßgeblichen „Gender“-Bezug auszumachen, dass sie sich solche offen sexistischen Regelungen einfallen lassen, die dann aber allen anderen, die ihnen und ihren kranken Weltanschauungen nicht uneingeschränkt zujubeln, als Sexisten brandmarken.

  • Vielen Dank für diesen Beitrag.
    Es gab soweit ich mich erinnere noch ein paar andere Umfragen bezüglich der Relevanz von MeToo, Allensbach z.B bestätigte dass der größte Teil die Debatte für übertrieben hielt.
    Ich bin in dem Kontext ja auch mal gespannt, was aus den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Dieter Wedel wird.

    • @Gunnar

      Na ja, eigentlich ist fast jede feministisch inspirierte Studie zum Thema sexuelle Gewalt eine Fälschung.
      Ich wusste nur nicht, dass schon vor 1995 Studien gefälscht worden sind, die in ein Gesetz mündeten (die erste hatte ich auf 1995 und das KFN datiert).

      Aus dem damaligen Artikel, den du verlinkst:
      „Immer wieder wird in den Medien eine Untersuchung des Bundesfrauenministeriums von 1991 zitiert. Nach ihr fühlten sich „72 Prozent aller berufstätigen Frauen schon einmal von Arbeitskollegen belästigt“, behauptet etwa das Wirtschaftsmagazin „Capital“.

      Schlichtweg falsch. Offenbar hat sich niemand die Mühe gemacht, diese einflußreiche Studie genauer zu betrachten, mit der in Bonn auch die Notwendigkeit des aktuellen Gesetzes begründet wird: Sie beruht keineswegs auf einer repräsentativen Erhebung, sondern auf einer Auswertung verschickter Fragebögen. Rund 80 Prozent der befragten Frauen gaben keine Auskunft – nur jeder fünfte Bogen kam ausgefüllt zurück. Die Belästigtenquote von 72 Prozent bezieht sich also nur auf die 20 Prozent Frauen, die geantwortet haben.

      Merkwürdige Methoden: Außerdem wurden die Fragebögen sonderbar verteilt: Etwa die Hälfte ging an Beschäftigte dreier Betriebe des öffentlichen Diensts (und dort wiederum nur an bestimmte Betriebsteile); der Rest wurde an DGB-Mitglieder verschickt.“

      Jup, statt einem repräsentativen sample lieber eine Klientel auswählen, die für das politische Anliegen der Studie sensibel ist.
      D.h. es ist das Ermuntern zum „lügen für die gute Sache“.
      Das Problem ist, das verselbstständigt sich innerhalb von kurzer Zeit, weil es sich mit der medialen Skandalisierungslogik verbindet, auf deren Klaviatur die feministische Theorie so ausgezeichnet spielen gelernt hat.

      Der Fluch der hohen Zahlen, die auf epidemische Ausbreitung von sexueller Belästigung bis hin zur „rape culture“ setzen ist, sie müssen stetig wachsen, um die Skandalisierungslogik zu befeuern.
      Stehen damit aber in einem eigenartigen Widerspruch zu den Maßnahmen, die auf diesen „Studien“ basieren.
      Die neueste Studie muss damit den ergriffenen Maßnahmen „beweisen“ ungenügend zu sein, sozusagen „impotent“.

      Nach der Verschärfung des Sexualstrafrechts ist damit immer vor der Verschärfung des Sexualstrafrechts.

      • „Na ja, eigentlich ist fast jede feministisch inspirierte Studie zum Thema sexuelle Gewalt eine Fälschung.“

        Stimmt. Und nicht nur die, sondern auch jede Studie zu Vätern (Stichwort Petra-Studie), Hausarbeit oder Gender Pay Gap.

      • Jup, statt einem repräsentativen sample lieber eine Klientel auswählen, die für das politische Anliegen der Studie sensibel ist.

        Ist so. als würde eine Studie erstellt um festzustellen, wie viele Leute sich vollkommen gesund fühlen. Da wär dann das örtliche Krankenhaus erste Adresse, um die Dringlichkeit von Massnahmen zu untermauern, 😉
        Das ist schlicht und einfach Desinformation, oder, um einen populären Begriff zu Bemühen, Fake News. Das sind dann die, die sich wegen Trump und seinem kreativen Umgang mit Fakten nicht mehr einkriegen vor Empörung.

        • @Pjotr

          Als ich ab ca. 2014 die Studien auf ihren Realitätsgehalt gescannt habe und mir klar wurde, die sind alle eine Fälschung, ist mir auch klar geworden, wie lange Geschlechter-Politik bereits auf „fake news“ basiert.

          Die erste mir bekannte Fälschung (wie gesagt, es gab wohl auch vorher solche) dabei die Studie zur sexuellen Gewalt gegen Frauen durch das „Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen“ (KFN) von 1995.
          Mit ziemlich grotesken Folgen für Männer.

          Da ist eine ganze Generation unterwegs gewesen, mit „lügen für die gute Sache“ die eigene Karriere zu befeuern.
          Professoren und -innen, Justizminister, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – das waren die Täter und Täterinnen.
          Der Anteil derjenigen, die beide Augen zugedrückt haben ist wesentlich größer. Es ist m.E. unmöglich, diese Studien als Profi gelesen zu haben und sich nicht ein paar Fragen bezüglich einiger Merkwürdigkeiten zu stellen.

          Wenn z.B. ein sample vorgestellt wir, erwarte ich eigentlich die üblichen Daten zu Alter, Familienstatus, etc.
          Fehlt das konsequent, würde ich mir meine Gedanken machen, weil diese Studie ein offensichtliches Manko aufweist.
          Es gibt aber seit über 20 Jahren keinen einzigen Artikel, der das aus dieser Sicht problematisiert hat.

          Man braucht gar keine Zensur, wenn eine solche Selbstzensur wirksam ist.
          Das ist aber das, was mir wirklich Angst macht.
          Dass sich nämlich Fälscher und Fälscherinnen darauf verlassen können nicht kritisiert zu werden, wenn die offensichtliche Lüge „für die gute Sache“ erfolgt.
          Die – selbstredend – genau dadurch ruiniert wird.

          • Der Anteil derjenigen, die beide Augen zugedrückt haben ist wesentlich größer. Es ist m.E. unmöglich, diese Studien als Profi gelesen zu haben und sich nicht ein paar Fragen bezüglich einiger Merkwürdigkeiten zu stellen.

            Ein beachtlicher Teil solcher „Studien“ kommt aus den sogenannten „parteinahen Stiftungen“ oder werden von denen in Auftrag gegeben. Diese parteinahen Stiftungen sind übrigens in ihrer Rechtsform Vereine und werden bekanntlich massiv durch die öffentliche Hand subventioniert.

            In den Sechzigerjahren stellte das Bundesverfassungsgericht in einem Urteil fest, dass die Subventionierung der Parteien nur soweit zulässig sei, als die Verwendung der Gelder in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Wahlkampf stehe und zur politischen Willensbildung des Bürgers beitrage. Nun kann man sich endlos streiten um die Frage, was denn nun noch in unmittelbarem Zusammenhang zum Wahlkampf stehe, aber ganz offensichtlich lehnte das Bundesverfassungsgericht die Finanzierung eines permanenten Wahlkampfs und die permanente Finanzierung der Parteien als verfassungswidrig ab. Die „parteinahen Stiftungen“ wurden gegründet, um das Urteil des BVG auszuhebeln. So siehts aus.

            Der Bürger finanziert somit übelste Propagandaschleudern und ihre „Studien“, die eine Wirklichkeit behaupten, die den Parteiinteressen nützlich erscheint.

            Mein Fazit ist: Die politischen Parteien gefährden die Demokratie, weil sie die politische Willensbildung mit ihrer Dauerpropaganda massiv behindern.

          • @Pjotr

            „Diese parteinahen Stiftungen sind übrigens in ihrer Rechtsform Vereine und werden bekanntlich massiv durch die öffentliche Hand subventioniert.“

            Husthust.
            „Massiv“ ist Angesichts von 95-98% Mitteln aus öffentlicher Hand sogar untertrieben.
            ALLE Gebäude ALLER Stiftungen sind faktisch Volkseigentum, das privatisiert worden ist.

            „Der Bürger finanziert somit übelste Propagandaschleudern und ihre „Studien“, die eine Wirklichkeit behaupten, die den Parteiinteressen nützlich erscheint.“

            Korrekt.
            Es sind „think tanks“ der Parteien, die durch die öffentliche Hand finanziert werden. Und in ihren geradezu imperialistisch aufgeteilten internationalen Zweigstellen ein Beispiel für Verschwendung von Steuergeldern.
            Der Jahresbericht der brasilianischen Zweigstelle der HBS hatte 2014 einen stattlichen Umfang von neun (9) DIN-A4-Seiten.
            Wer will denn nicht an solche Tröge?

            „Mein Fazit ist: Die politischen Parteien gefährden die Demokratie, weil sie die politische Willensbildung mit ihrer Dauerpropaganda massiv behindern.“

            Der Sinn war überhaupt, Parteien sollten zur politischen Willensbildung beitragen, es stand nirgends geschrieben, sie sollten diese manipulieren oder dominieren.

            Wir brauchen m.E. einen Neustart in Sachen Demokratie.

  • […] Von den über 60% männlichen Mitgliedern bei den Grünen kommen nach Quotierungen und Frauenstatut noch 25% in der Spitze der Bundestagsfraktion an. Das ist kein abseitiger Einzelfall – in der grünen Heinrich-Böll-Stiftung muss beispielsweise ausgerechnet der Fachbeirat zur „Geschlechterdemokratie“ satzungsgemäß einen Frauenanteil von mindestens 80% haben (danke an Crumar für den Hinweis). […]

  • So langsam kommen die ersten metoo-Jahresfeiern.

    Gestern in ZDF aspekte war es Thema Nr. 1 mit fast 20 Minuten Sendezeit: https://www.zdf.de/kultur/aspekte/aspekte-vom-5-oktober-2018-100.html

    Es beginnt mit einem langen Einspieler mit feministischem Tenor. Metoo ist angeblich eine „soziale Bewegung“ und betrifft uns alle.

    Dann kommt ein längerer Abschnitt über einen Skandal um den Dirigenten Gustav Kuhn an den Tiroler Festspiele Erl. Er wird von 5 Künstlerinnen angeklagt, übergriffig gewesen zu sein. Der Fall war mir bisher unbekannt, immerhin sogar im deutschen Sprachraum. Interviewt wird eine der Anklägerinnen, die metoo dabei nicht so wichtig findet, obwohl die Interviewerin ihr das nahezu aufdrängt.

    Dann ein Abschnitt über und Interview von Bettina Wilpert (sehr seltsamer Mensch), die den aspekte Literaturpreis 2018 bekommen hat für ein Buch, in dem es um eine von der Frau als solche empfundene Vergewaltigung geht.

    Dann wieder einmal Svenja Flaßpöhler, die ihre üblichen Thesen aufsagt. Die einschlägigen Gesetze werden natürlich nicht thematisiert.

    Nach rund 19 Minuten abruptes Ende, ohne vernünftige Konklusion und mit einem konfusen Gesamteindruck.

  • Die ZEIT zum metoo-Jahrestag:

    In der ZEIT (Nr. 40/2018) ein reichlich konfuser Bericht über zwei Mitglieder der Redaktion, die durch Hamburg laufen und beliebige Leute fragen, was sie von metoo gelernt haben. Am besten die Antwort von ca. 15 Jahre alten Schülerinnen auf die Frage, „Kennt ihr #MeToo? … Das ging via Twitter um die Welt“ : „Twitter? Da sind wir nicht. Nur Snapchat und Instagram.“

    6. Oktober 2018, 18:04 Uhr https://www.zeit.de/2018/40/metoo-sexuelle-belaestigung-sexismus-debatte-folgen/komplettansicht

    Schon einen Tag vorher ein etwas seriöserer Versuch, einen Überblick über die Wirkung von metoo zu bekommen:

    #MeToo war erst der Anfang Von Frida Thurm 5. Oktober 2018, 7:36 Uhr https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/sexuelle-belaestigung-metoo-debatte-deutschland-veraenderungen/komplettansicht

    Es wird zwar mehrfach betont, daß durch Propagandaaktionen wie Metoo mehr Betroffene dazu gebracht werden, sich äußern. Allerdings kann man selbst nach einem Jahr noch keine statistisch validen Aussagen machen. Ob sich für Frauen, die den Großteil der von Übergriffen Betroffenen ausmachen, etwas verbessert hat, kann man auch noch nicht sagen, Betont wird natürlich das Dogma, daß es sich um ein strukturelles Problem und eine Begleiterscheinung patriarchaler Strukturen handele. Natürlich.

    In Relation zu einen Jahr Dauerpropaganda ist das Ergebnis sehr dünn, wie schon hier hier prognostiziert.

    Die Kommentare sind tw. besser als der Artikel. Auch wenn die Zensurabteilung droht: „Liebe Leser, in diesem Kommentarbereich prüfen wir alle Beiträge, bevor sie veröffentlicht werden.“

    • Wenn ich so schaue, wie viele Leute sich noch für metoo bei den sogenannten Leitmedien interessieren, dann hat das Interesse rapid abgenommen. Die Leute haben die Schnauze voll, jeden Tag fünf Artikel in ZON über metoo zu lesen, die zwar nix neues bringen, dort aber das Motto lautet: „Es wurde zwar bereits alles über dieses Thema gesagt, aber noch nicht von allen.“

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