Geschlechterquote Grüne SPD

Vom Nutzen und Nachteil der Quote…

geschrieben von: Lucas Schoppe

…für das politische Engagement von Frauen. Acht Argumente und ein Vorschlag

Die sozialdemokratische Forderung nach einer Frauenquote im Bundestag berührt die Frage, wie eigentlich die Bevölkerung einer modernen Massengesellschaft angemessen politisch repräsentiert werden kann. Die Forderung leidet allerdings darunter, dass die Eignung der Quote als politisches Instrument gar nicht erst in Frage gestellt wird. Dabei sprechen jenseits aller Ressentiments einige sachliche Argumente dafür, dass ein stärkeres politisches Engagement von Frauen durch Quoten kaum erreicht werden kann. Acht Argumente und ein Vorschlag:

 

 

Muss der Bundestag sich schämen?

Da die SPD ja gerade nichts anderes vorhat, fordern Bundesjustizministern Katharina Barley, andere Sozialdemokratinnen, aber auch Politikerinnen anderen Parteien und einige Frauenverbände eine Frauenquote für den Bundestag.

Allerdings lässt Barley offen, was denn dieses „es“ eigentlich genau ist, das da nicht klappt. Der parlamentarische Frauenanteil ist schließlich sogar etwas größer als der Frauenanteil in den Parteien, was für einen grundsätzlich fairen Auswahlprozess spricht.

In Barleys eigener Partei kommt der Frauenanteil in der Mitgliedschaft trotz einer seit 1988 bestehenden Quote über ein knappes Drittel nicht hinaus. Seit ihrer Einführung sind gar Zigtausende von Frauen aus der SPD ausgetreten, und der Frauenanteil hat sich nur deshalb leicht verbessert, weil noch mehr Männer als Frauen die Partei verlassen haben.

Doch unabhängig von aller Kritik und allen Glaubenskriegen um Quoten in der Politik müssten deren Ziel eigentlich alle teilen können. Es wäre ja gut, wenn Frauen sich stärker politisch engagieren würden, auch für Männer – denn warum sollte es selbstverständlich sein, dass es vor allem die Verantwortung von Männern ist, für die politische Gestaltung unseres Zusammenlebens zu sorgen?

Grundsätzlich war die Idee also durchaus überzeugend, als die Quote 1988 in der SPD eingeführt wurde. Da die meisten Politiker männlich waren und die Parlamente voller Männer, würden – so die Annahme – viele Frauen in ihrem politischen Engagement entmutigt. Es war ur-sozialdemokratisch, dieser Entmutigung einerseits durch eine Quote zu begegnen, andererseits diese Quote aber auch zeitlich zu begrenzen: Schließlich sollte das Engagement von Frauen durch die Quote erleichtert, aber nicht auf Dauer ersetzt werden.

Institutionen können Erleichterungen schaffen, aber sie können es Menschen nicht abnehmen, selbst aktiv zu werden.

Klaus Staecks Plakat aus dem Jahr 1976 kann heute illustrieren, warum die Frauenquote Parteien bei ihrer Einführung ganz schlüssig schien.

 

1. Quotenpolitik reproduziert sich selbst

Seltsam war es dann schon, dass die Quote in der SPD im Jahre 2003 beim Parteitag in Münster ohne weitere Diskussion einfach auf unbestimmte Zeit verlängert wurde. Seltsam war auch, dass es dabei keine Rolle spielte, wie erfolglos diese Quote war und ist.

Seltsamer noch: Die Quote blieb ausgerechnet wegen dieser Erfolglosigkeit, ohne die ein Ausbau der Quotenpolitik nicht als notwendig verkauft werden könnte. Offenbar hat sie selbst-stabilisierende Effekte, die bei ihrer Einführung nicht bedacht worden waren: Durch die Quote werden Menschen in Einflusspositionen platziert, die dort dann dafür sorgen können, dass ihnen die Grundlage ihres Einflusses nicht verloren geht, dass also die Quote auch gegen bestehende Vereinbarungen beibehalten bleibt.

Wer Quoten einführt, muss also davon ausgehen, dass er sie auf Dauer einführt und selbst dann kaum wieder abschaffen kann, wenn gute Argumente gegen sie sprechen.

Gibt es aber solche Argumente überhaupt, oder stimmt der Verdacht, dass Kritik an der Quote lediglich ein Ausdruck männlicher Machtinteressen ist?

 

 

2. Quoten sind notwendig willkürlich

Kritik an Geschlechterquoten wird keineswegs nur von Männern, sondern deutlich entschiedener von Frauen geübt. Eine Männerquote in Bereichen, in denen Männer unterrepräsentiert sind, wird beispielsweise von Frauenverbänden wie dem Juristinnenbund entschieden und unverblümt abgelehnt. 

Warum aber sollte überhaupt das zahlenmäßige Geschlechterverhältnis quotiert werden, nicht aber das Verhältnis verschiedener Berufssparten, sozialer Schichten, ethnischer Herkünfte, religiöser Zugehörigkeiten, verschiedener Wohnorte oder weiteres?

Wenn wir uns wiederum auf das Geschlechterverhältnis konzentrieren, warum sollten dann nur Plätze im Bundestag, in Parteien oder in Aufsichtsräten quotiert werden, nicht aber – beispielsweise – Sorgerechtsentscheidungen und Arbeitsstellen in Kindergärten oder Schulen?

Warum sollten staatliche Institutionen nicht verpflichtet werden, im Sinne der Gleichstellung männliche Obdachlose so lange gezielt zu fördern, bis ihr Anteil auf den Anteil obdachloser Frauen geschrumpft ist?

Die Antwort ist naheliegend: Würden wir sämtliche zahlenmäßigen Unwuchten in der Repräsentation verschiedener Gruppen durch Quoten ausgleichen wollen, dann würden wir ein so unüberschaubar komplexes System schaffen, dass klare Entscheidungen im Einzelfall unmöglich würden. Wir müssen also Prioritäten setzen, die erstens von Willkür niemals frei sind – und die zweitens gar nicht von „uns“ gesetzt werden, sondern von gesellschaftlichen Gruppen, die einflussreicher sind als andere.

Also ausgerechnet von den Gruppen, die eine Quote eigentlich nicht brauchen.

 

 

3. Quoten sind Instrumente, keine Ziele

Eine Quote wäre prinzipiell auch durch absurde Maßnahmen umsetzbar. Natürlich könnte beispielsweise eine Parität der Geschlechter in der Obdachlosigkeit oder bei Selbstmorden, wo Männer jeweils deutlich überrepräsentiert sind, auch durch ausgleichende und gezielte Benachteiligungen von Frauen angestrebt werden. Kein vernünftiger Mensch aber würde so etwas tun, bloß um ein abstraktes Zahlenverhältnis herzustellen.

Obdachlose

Gerade in seiner Absurdität zeigt dieses Beispiel: Eine Quote und das durch sie hergestellte Zahlenverhältnis sind nicht schon an sich ein vernünftiges Ziel – sie sind Instrumente, um andere vernünftige Ziele zu erreichen. Wer also eine Quote, gleich welcher Art, legitimieren möchte, muss erstens überprüfbare sinnvolle Ziele angeben, die durch die Quote erreicht werden sollen, beispielsweise die Aktivierung von Frauen für die politische Arbeit an der Parteibasis – und er muss zweitens zeigen, dass die Quote tatsächlich ein geeignetes Mittel zum Erreichen dieser Ziele ist.

Es ist leider nicht erkennbar, dass Befürworter von Quotenregelungen dies tatsächlich tun würden.

 

 

4. Quoten reproduzieren vormoderne Modelle politischer Repräsentation

Als allgemeines Ziel der Frauenquote im Parlament gibt Barley die Repräsentation von Frauen im Parlament an. Auch die grüne Böll-Stiftung macht sich  für eine „geschlechtergerechte Repräsentation“ stark, als

Annahme einer Volksvertretung, die in zentralen Merkmalen das verkleinerte Bild des Elektorats wiederspiegelt.

Was aber kann das in einer modernen Gesellschaft eigentlich bedeuten?

Einschlägig ist die Unterscheidung, dass eine moderne Gesellschaft im Unterschied zur vormodernen funktional differenziert sei. Während in der vormodernen feudalen Gesellschaft Macht an der Frage legitimiert wird, was für ein Mensch die Machtposition innehat (Gehört er zur Königs- oder Fürstenfamilie? Wie ist seine Stellung in der Erbfolge? Wie ist seine Anstammung gesichert?), legitimiert sich Macht in der modernen Gesellschaft dadurch, dass sie notwendig ist, um bestimmte Funktionen zu erfüllen: Was tut ein Mensch mit seiner ihm anvertrauten Macht? Welche Konsequenzen haben seine Entscheidungen für die, die ihm diese Macht verleihen? Welche Funktion erfüllt er für sie?

Wie kann ein Parlament die Bevölkerung einer modernen Massengesellschaft angemessen wiederspiegeln?

Es ist offenkundig, dass die Quote sich an vormodernen Modellen der Repräsentation orientiert – die Frage, was für ein Mensch eine Machtposition besetzt, wird nun allerdings angesichts seiner Geschlechtszugehörigkeit und nicht seiner Familienzugehörigkeit beantwortet. Dass demgegenüber die Frage in den Hintergrund tritt, was dieser Mensch mit der ihm – oder eben: ihr – anvertrauen Macht tut, ist heute ein besonderes Problem. Schließlich ist es ohnehin irritierend, wie häufig Ministerposten von Menschen besetzt werden, denen offensichtlich die Qualifikation für ihr Feld fehlt und die so als Funktionsträger unglaubwürdig sind.

 

 

5. Quoten machen erhebliche Eingriffe in autonome Wahlentscheidungen nötig

In der modernen politischen Repräsentation ist es daher auch nicht entscheidend, welche Eigenschaften ein Mensch jenseits der Funktion hat, durch die sich seine Machtposition legitimiert. Wichtig aber ist, dass andere Menschen – die Wähler eben – entscheiden, ob er oder sie diese Funktion angemessen ausgefüllt hat.

Wir werden nicht repräsentiert durch irgendeine Ähnlichkeit zwischen uns und dem Repräsentanten, sondern durch unsere autonome Wahlentscheidung, in der sich in der Regel gemeinsame politische Ziele ausdrücken. Das würden vermutlich auch Barley und andere einräumen: Auch sie würden sich ja vermutlich eher durch Olaf Scholz oder Frank-Walter Steinmeier repräsentiert sehen als etwa durch Alice Weidel.

Die Quote aber muss die autonome Wahl notwendig einschränken, und dies möglicherweise in erheblichem Maß. Als die Grünen im vergangenen Jahr ihre Spitzenkandidaten für die Bundestwagswahl per Urwahl durch die Mitglieder bestimmen ließen, standen drei Männer – Cem Özdemir, Robert Habeck, Anton Hofreiter – und eine Frau – Karin Göring-Eckardt – zur Wahl. Da die Grünen aber keinesfalls nur männliche Spitzenkandidaten wollten, durften die grünen Mitglieder mit ihren beiden Stimmen ausdrücklich nicht zwei Männer wählen.

Das Bild habe ich aus einem „radikalmaskulistischen“ Text zur Quote übernommen, der einen radikalfeministischen Gestus in einigen Punkten spiegelt. Anstatt die Wut, mit der dieser Text offensichtlich geschrieben wurde, einfach nur routiniert auf das Konto der „Angry White Men“ zu verbuchen, könnten Quotenbefürworter diese Wut auch als Hinweis auf ein Potenzial der Quote zur gesellschaftlichen Spaltung deuten.

Das schränkte die rechnerischen Möglichkeiten der Wahl zwischen vier Kandidaten glatt um die Hälfte ein. Mehr noch: Wer mit Özdemir, Hofreiter oder Habeck nicht einverstanden war, hatte noch drei andere Kandidaten zur Verfügung. Wer aber Göring-Eckardt nicht wählen wollte, konnte nur auf eine seiner beiden Stimmen verzichten, als würde er dafür bestraft werden. Die Quotierung der Spitzenkandidaten war so nur durch eine erhebliche Einschränkung des aktiven Wahlrechts und durch eine erhebliche Ungleichbehandlung der Kandidaten zu gewährleisten.

Es wäre also ein Irrtum zu glauben, Quotenregelungen wären immer schon durch leichte Eingriffe in Auswahlprozesse durchsetzbar. Wenn die Ausgangslage – das erheblich größere politische Engagement von Männern – gleich bleibt, dann wird eine Geschlechter-Quotierung der Ergebnisse zwangsläufig nur durch erhebliche Eingriffe in autonome Wahlentscheidungen möglich sein.

 

 

6. Frauenquoten reproduzieren Geschlechterklischees

Das betrifft dann übrigens insbesondere die Entscheidungen von Frauen, die ja den Großteil der deutschen Wählerschaft bilden. Ihnen wird duch die Quotenpolitik implizit unterstellt, sie würden ihre Wahl nicht so treffen, dass sie selbst angemessen repräsentiert würden – so dass ihre Entscheidungen durch Quoten korrigiert werden müssten.

Bei aller Fortschrittsrhetorik drückt sich darin ein antiquiert-reduziertes Frauenbild aus, weil Frauen in dieser Logik durch ihre Geschlechtszugehörigkeit, genau genommen sogar bloß durch ihr Geschlechtsteile und nicht durch ihre autonomen Entscheidungen repräsentiert werden.

Da das  politische Engagement an der Basis auch in der SPD und bei den Grünen  weiterhin vorwiegend von Männern geleistet wird, reproduziert diese Politik zudem klassische bürgerliche Geschlechterklischees, nach denen Männer arbeiten, um Frauen ihre soziale Position zu ermöglichen.

 

 

7. Quoten behindern offene inhaltliche Debatten

Es ist aber kein Zufall, dass solche problematischen Zuschreibungen, die notwendig mit der Quotenpolitik verbunden sind, kein Gegenstand der politischen Diskussion werden, sondern beständig unterschwellig mitlaufen. Die Hintergründe dafür illustrierte unfreiwillig ein grüner Bundestagsabgeordneter, als er  die Zusammensetzung seines Fraktionsvorstands als positives Gegenbeispiel zur rein männlichen Führung von Seehofers Innenministerium präsentierte. Neun der zwölf Mitglieder im Fraktionsvorstand sind Frauen.

Von den über 60% männlichen Mitgliedern bei den Grünen kommen nach Quotierungen und Frauenstatut noch 25% in der Spitze der Bundestagsfraktion an. Das ist kein abseitiger Einzelfall – in der grünen Heinrich-Böll-Stiftung muss beispielsweise ausgerechnet der Fachbeirat zur „Geschlechterdemokratie“ satzungsgemäß einen Frauenanteil von mindestens 80% haben (danke an Crumar für den Hinweis).

Es ist skurril, solche Regelungen als Beispiele für gelebte Geschlechtergerechtigkeit zu präsentieren. Wie ist das möglich?

Die grüne Variante der Geschlechtergerechtigkeit ist nur dann nicht absurd, wenn die offensichtliche Schieflage zu Ungunsten von Männern durch die Annahme gerechtfertigt wird, dass die frauenfeindlichen Schieflagen in allen anderen politischen Strukturen dadurch zumindest zu einem kleinen Teil ausgeglichen werden.

Die Ungerechtigkeiten, die durch eine Quote in vielen Einzelfällen produziert werden, benötigen zu ihrer Legitimation also die Vorstellung, dass die Gesellschaft und das politische Leben INSGESAMT ungerecht eingerichtet wären und die ausgleichenden Ungerechtigkeiten der Quote notwendig machten.

Die Quote ist also nicht einfach nur eine technische Maßnahme zur Steuerung von Auswahlprozessen, sie braucht auch eine orchestrierende Ideologie. Wer eine Frauenquote installiert, braucht die Vorstellung, dass wir insgesamt in einem „Patriarchat“ oder einer „Männerherrschaft“ leben würden. Ein offen formulierter inhaltlicher Zweifel an dieser Position, der ja eigentlich eine demokratische Normalität wäre, würde notwendig auch ein Angriff auf grundlegende Strukturen der Partei, des Unternehmens oder eben – wenn die Quote installiert würde – des Parlaments sein.

Das bedeutet: Weit über die Quote hinaus wird die offene Debatte eingeschränkt, weil sie immer auch als eine Attacke auf basale Strukturen der Institution und auf deren Nutznießer interpretiert würde. Bis heute ist beispielsweise in der SPD nicht einmal eine offene Debatte der naheliegenden Frage möglich, wie sich denn die erheblichen rechtlichen Benachteiligungen von Vätern mit der Annahme einer patriarchalen Herrschaft vertragen.

 

 

8. Quoten wirken bloß oberflächlich

Wozu aber ist dann die Quote überhaupt gut, wenn sie das politische Engagement von Frauen kaum unterstützt und zugleich offene Debatten behindert? Ein kurioses Beispiel aus einer grünen Werbung zum Tag der Arbeit erleichtert eine Antwort.

Dass unter Maurern in Deutschland Frauen nahe der Zählbarkeit bei nur knapp über 0% vertreten sind,  spielt im grünen Bild ebenso wenig eine Rolle wie die seltsame Kleidung und Haltung dieser Maurerin. Es geht allein um die Produktion eines Bildes von einer hart anpackenden Frau, nicht um die berufliche Realität dahinter.

Der Blogger Hadmut Danisch hat diese Produktion des schönen politischen Scheins durch Offenlegung ihrer Hintergründe genüsslich vorgeführt: Das Foto der grünen Bauarbeiterin stammt aus einer kommerziellen Fotoserie, in der dasselbe Model auch in zerrissenen Hot Pants und Bikini zu sehen ist.

Die grüne Peinlichkeit, zum Tag der Arbeit einen Bauarbeiterinnen-Fetisch als ernsthafte politische Botschaft zu verkaufen, ist bezeichnend für die Geschlechterpolitik der Partei und insgesamt für Quotenpolitik. Diese Politik manipuliert das Bild an der Oberfläche und lässt tiefere Strukturen unberührt. Ohne etwas an den Zahlenverhältnissen an der Basis zu ändern, erwecken Quotierungen der Führungspositionen den Eindruck, Frauen wären mindestens ebenso stark in der Politik vertreten wie Männer.

Es geht bei den Quoten also um PR und Imagepflege – nicht um die Änderung politischer Realitäten.

 

 

Für ein stärkeres politisches Engagement von Frauen

Was aber ist nötig, wenn jemand wirklich ein Interesse daran hat, Frauen stärker für die politische Arbeit zu engagieren?

Grundsätzlich, und als Voraussetzung für alles andere, wäre es erst einmal wichtig, die Gründe zu erfahren, warum Männer statistisch deutlich stärker politisch tätig sind als Frauen. Wer stillschweigend immer schon voraussetzt, Männer wären vorwiegend durch Macht- und Geltungsansprüche motiviert, behindert nicht nur eine ergebnisoffene Untersuchung, sondern reproduziert auch Geschlechterklischees vom machthungrigen Männern und selbstlosen Frauen.

Ohnehin ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Hindernis für das politische Engagement von Frauen, ohne ernsthafte Diskussionen die Vorstellung einer „Männerherrschaft“ oder eine „Patriarchats“ zu ventilieren. Schließlich wird Frauen dadurch vermittelt, dass erstens vorwiegend Männer verantwortlich für unsere politischen Verhältnisse wären – und dass zweitens Frauen ohnehin nicht viel daran ausrichten könnten.

Wesentlich sinnvoller und demokratischer wäre es zu vermitteln, dass Frauen für die gegebenen politischen Bedingungen im gleichen Maße Verantwortung tragen wie  Männer.

Warum Frauen diese Verantwortung weniger als Männer wahrnehmen, müsste ebenfalls eine leitende Frage ergebnisoffener Untersuchungen sein. Es ist beispielsweise möglich, dass Frauen aufgrund ihrer deutlich stärkeren Stellung in der familiären und institutionellen Kindessorge zu großen Teilen das Gefühl haben, ohnehin schon einen erheblichen Betrag zum gemeinschaftlichen Leben zu leisten. Wer ein stärkeres politisches Engagement von Frauen wünscht, müsste dann auch ein stärkeres Engagement von Männern in der Kindessorge fördern. Eben das aber wird ausgerechnet durch die Partei, aus der nun Quotenforderungen gestellt werden, erheblich behindert.

Kurz: Im Mittelpunkt einer sinnvollen Politik würden die Ziele stehen, die durch Quoten erreicht werden sollen, nicht die Quoten selbst. Um das Ziel eines stärkeren politischen Engagements von Frauen zu erreichen, müsste zunächst einmal geklärt werden, welche Gründe das unterschiedliche Engagement von Männern und Frauen hat – bevor dann überlegt werden kann, ob Quoten geeignete Instrumente zur Änderung der Situation sind.

Denn was würden wir wohl von einem Handwerker halten, der sich überhaupt nicht dafür interessiert, was er eigentlich herstellen oder reparieren soll – und der lediglich darauf besteht, auf jeden Fall seinen Hammer benutzen zu können?

Wer statt eines ergebnisoffenen Interesses an den Motiven von Männern und Frauen im politischen Engagement einfach weitere Quoten fordert und dies trotz oder gerade wegen ihrer erwiesenen Erfolglosigkeit tut – der, bzw. die, ist mit großer Sicherheit nicht an einer Steigerung des politischen Engagements von Frauen interessiert, sondern an der Bereitstellung erwünschter Positionen für eine sehr kleine und begrenzte Gruppe von Frauen.

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25 Comments

  • In einer repräsentativen Demokratie, wozu m.E. auch das Verhältniswahlrecht gehört, muss aus einer demokratischen Legitimation heraus, der Wille des wahlberechtigten Bürgers repräsentiert werden und sonst überhaupt nichts. Wenn also die Mehrheit der wahlberechtigten Bürger lieber eine 80%ige Frauenmehrheit in der Legislative wünschen, ist das genau so in Ordnung wie eine 80%ige Männermehrheit. Alles andere würde den politisch demokratischen Willen des einzelnen Wahlberechtigten undemokratisch delegitimieren.

    Das Problem, das die Frauen haben, die unbedingt Quoten wollen, ist doch dies, dass die wahlberechtigten Frauen zu wenig oft Frauen wählen. Und weil man ja nicht sagen kann, dass die Frauen hier selbst Schuld an diesem Umstand tragen, müssen irgendwelche gesellschaftliche Strukturen (beispielsweise das Patriarchat) herhalten, um damit man sich selbst nicht an die Nase fassen muss und eingestehen müsste, dass das Problem hausgemacht ist.

    Kleines Beispiel aus der Schweiz: In der Schweiz kann jeder wahlberechtigte Bürger alle Männer oder alle Frauen auf einer Liste streichen, wenn er das wünscht und somit eine Liste einwerfen, die nur aus Frauen oder nur aus Männern besteht. Und für jeden gestrichenen Mann kann man dann der Frau gleich eine doppelte Stimme geben oder eben umgekehrt. Aber: Der Frauenanteil in der Legislative beträgt auch in der Schweiz nur ca. 30%. Das heisst doch Folgendes: Mit einem Aufwand von fünf Minuten alle vier Jahre hätten es die Frauen alleine in der Hand, eine satte Frauenmehrheit in die Legislative zu wählen. Der Arbeitsaufwand beträgt also fünf Minuten und die Parität bei den Geschlechtern wäre in der Legislative vorhanden.
    Das heisst: Wir haben es nicht mit irgendwelchen Strukturen zu tun, die Frauen daran hindern, erfolgreich in der Politik mitzumischen, wie das natürlich immer und gerne behauptet wird, sondern es ist ein hausgemachtes Problem der Frauen.

    Deshalb: Der uneingeschränkte Wählerwille darf durch eine Quote sicherlich nicht eingeschränkt werden und deshalb sind Quoten hier vollständig abzulehnen, weil es sonst den Wählerwillen einschränkt, was eine Grundvoraussetzung für eine repräsentative Demokratie ist.

    Ausserdem: Wer würde denn von einer Frauenquote profitieren? Das wären ja sicherlich die Frauen, die eben gerade keine Quoten nötig hätten, die also genug Ressourcen und Selbstvertrauen haben, um sich in der Politik durchzusetzen: profitieren würden also vor allem Frauen mit überdurchschnittlichem kulturellen, sozialen, transnationalen Sozialkapital und vielfach auch symbolischen Kapital. Die Frauen, mit wenig kulturellem und ökonomischem Kapital würden ganz sicherlich nicht profitieren.

    • @Mark
      „weil es sonst den Wählerwillen einschränkt, was eine Grundvoraussetzung für eine repräsentative Demokratie ist“

      Quoten sind ganz klar antidemokratisch, genau.

      Der Gedanke hinter den Quoten, dass Frauen jetzt 50 % der Politarbeit zu leisten hätten, ist nicht nur antidemokratisch, sondern totalitär. Hier soll eine bestimmte Gruppe dazu gezwungen werden, nach schieren Mengenverhätnissen Repräsentaten zu stellen. Das ist mit Freiheitlichkeit und Freiwilligkeit absolut unvereinbar.

      Die Frauenquote ist antidemokratisch und totalitär.

      Jeder, der dieses Konzept auch nur beachtenswert findet, kann kein Demokrat sein.
      Wer für Leute wie Barley stimmt und die gut findet stimmt, kann kein Demokrat sein.
      Gerade das mit der Quote zeigt überdeutlich, dass es in Deutschland ein erhebliches Demokratiedefizit gibt.

      • „Der Gedanke hinter den Quoten, dass Frauen jetzt 50 % der Politarbeit zu leisten hätten, …“

        Wohl kaum. Der Gedanke hinter den Quoten besteht darin, daß eine feministische Mafia, die quer über die Parteigrenzen hinweg kollaboriert, gut bezahlte Machtpositionen für sich reservieren will, ohne dem üblichen Ausleseprozeß ausgesetzt zu sein. Analog zum Frauenstatut der Grünen, das ist die Blaupause für deren Denkwelt.

        • Sehe ich auch so – das ist ohne Zweifel ein Hintergedanke. Und für die Feministinnen selbst von grösster Bedeutung.
          Das dahinterliegende antidemokratische Demokratieverständnis, dass jede Gruppe nur sich selbst repräsentieren kann, existiert aber unabhängig davon und ist aber viel schlimmer. Während erstes eher banale Korruption ist, ist letzteres echtes antidemokratisches Denken.

    • In einer repräsentativen Demokratie, wozu m.E. auch das Verhältniswahlrecht gehört, muss aus einer demokratischen Legitimation heraus, der Wille des wahlberechtigten Bürgers repräsentiert werden und sonst überhaupt nichts.

      Selbst wenn man der Ansicht ist, dass das Parlament ein mehr oder weniger repräsentatives Abbild des Volkes sein sollte, dann ist die Frauenquote doch nur ein schlechter Witz. So sind doch beispielsweise Juristen weit überrepräsentiert, Personen mit handwerklichem Berufshintergrund weit unterrepräsentiert.
      Die Überrepräsentation der Juristen zeigt sich in der Vorstellung der Politiker, dass die Arbeit getan und das Problem gelöst ist, sobald die ganze Sauce in eine Gesetz gegossen wird. Ob es praktikabel und mit vertretbarem Aufwand zu den gewünschten Ergebnissen führt spielt meist eine untergeordnete Rolle.
      Ein aktuelles Beispiel ist das hochgejubelte Einwanderungsgesetz. Welches Problem löst das? Dass Hochqualifizierte leichter und mit weniger Bürokratie eine Aufenthaltsbewilligung erhalten? Möglich. Aber es wird so getan, als würde das die Migrationsströme regulieren, was lachhaft ist. Typischer Juristenmist. Man macht ein Gesetz, klebt die Etikette „Einwanderungsgesetz“ dran und glaubt, man habe irgend ein Problem damit gelöst.

      • Wahlen müssen den Wählerwillen repräsentieren und der Wählerwille ist das, was der Wähler gerne will: Wenn er 90% Männer wählt, dann repräsentieren eben diese 90% in der Legislaive den Wählerwillen. Alles andere wäre Verfälschung des Wählerwillens.

  • Es gibt genau einen Weg, wie die Wähler angemessen im Parlament repräsentiert werden können. Das nämlich die dort sitzen, die in freien und geheimen Wahlen gewählt worden sind.
    Auch nur daran zu denken, die Auswahl anhand der primären Geschlechtsorgane treffen zu wollen, ist ein einziger Offenbarungseid. Wirklich widerwärtig.

    Außerdem verschleiert diese „Debatte“ ganz wunderbar, dass es gesellschaftlich relevante Gruppen gibt, die extrem stark überrepräsentiert sind. Beamte und Juristen zum Beispiel, während die Abgeordneten aus dem Malocher- Milieu nahezu ausgestorben sind.

    • Schon die Floskel „freie und geheime Wahlen“ ist eine eigentlich unzulässige, weil inhaltliche Verkürzung. Es müßte freie u./o. geheime Abstimmungen u./o. Wahlen heißen. Wobei die Geheimhaltung sekundär ist und unter bestimmten Bedingungen ( die wir hier nicht klären brauchen ) wegfallen kann. Primär wichtig ist die Reihenfolge, also zuvörderst Abstimmungen, dann erst – bei ausreichend dringendem Bedarf – Wahlen.
      Was natürlich etwas knifflig in der Realisierung ist, da dazu die jeweiligen Gruppengrößen und die ( insofern automatisch hierarchische ) Schichtung derselben als unabdingbar zu beachtende Grundbedingungen beachtet werden müßten.

      Und genau das wirkt auf handelsübliche Politbonzen wie das Weihwasser auf den Teufel.

  • Rein technisch liegt es natürlich an den Direktmandaten. Wo man eben nicht gemütlich über eine Liste ins Parlament surft, sondern an der Basis harte Dreckarbeit erledigen muss.

    • Das Problem ist lösbar. Beispielsweise könnten je zwei der jetzigen Wahlkreise zusammengelegt werden. In jedem der vergrößerten Wahlkreise werden zwei Direktmandate vergeben, eines an eine Frau, eines an einen Mann. Dazu gibt es zwei geschlechtersortierte Listen, und jede*&xx*^# hat für jede der beiden Listen eine Stimme. Man könnte auch das Quotensystem noch weiter nach allen möglichen Gesichtspunkten ausbauen, so daß allein schon durch die Erfüllung der Quoten das Wahlergebnis festgelegt ist, und die Wahl selber gar nicht mehr stattzufinden braucht.

  • Mal von der Sache mit der wohl scheinbar nicht gegebenen Verfassungskonformität abgesehen – Parlamentsquotenpläne auf Länderebene wurden meines Wissens bereits in einzelnen Fällen genau deswegen gekippt – verblüfft mich doch immer wieder die Unverfrorenheit, mit der dieses Thema von seinen Befürwortern angegangen wird.

    In einer demokratischen Gesellschaft erwarte ich, dass solche erheblichen Eingriffe in die Rechtsstaatlichkeit sachlich und vor allem auch fundiert begründet werden. Und einfach nur ein plumpes „muss sein wejen Patriarchat und so“ ist keine Begründung, von fundiert mal ganz zu schweigen.

    Im Endeffekt kann man hier meines Erachtens einige recht interessante Effekte beobachten.

    Zum einen, wie du es auch angesprochen hast, wird durch die permanente Laier vom „Patriarchat“ ewig und immerzu ohne jeden Beleg als Prämisse in den Raum gestellt: die Welt ist unfair zum Vorteil von Männern und Nachteil von Frauen und die Männer sind daran schuld. Damit wird sofort jede noch so abwegige und offen unfaire Bevorzugung von Frauen und Benachteiligung bzw. kompletter Ausschluss von Männern durch ein Scheinargument legitimiert, das sich selbst durch seine sozial hoch emotionale Aufgeladenheit gegen jeden sachlichen Diskurs immunisiert. Wer auch nur die Frage stellt, ob das denn nicht doch zu weit geht, zeigt allein durch die Frage schon, dass er ein ganz übler und sicher auch ganz rechter Bursche ist und somit ohnehin kein Gehör mehr finden braucht.

    Zum anderen finde ich aber auch sehr interessant, was sich mutmaßlich in den Köpfen von z. B. weiblichen Quotenbefürwortern so abspielen muss. Ich bin überzeugt, dass eine große Triebfeder darin besteht, selbst evtl. sogar schon Nutznießer von Quoten gewesen zu sein und dann diese auch gerne weiter genießen möchte. Wer das noch nicht erlebt hat und noch ganz unten steht, der findet diese Vorstellung gewiss erst recht sehr attraktiv.

    Da der Mensch aber ein soziales Wesen ist und bloßer, offener Egoismus sozial verpönt, muss die Sache natürlich in der Außenwahrnehmung aber auch im Selbstbild geradegerückt werden. Heißt: das höchst eigennützige Interesse an einer Quote, die eine Gruppe massiv begünstigt, der man „zufälligerweise“ selbst angehört, muss, nicht zuletzt vor sich selbst, als soziale und gerechte Maßnahme für viele verkauft werden. Es ist das Extrapolieren egoistischer Ziele auf angebliche Interessen einer großen Gruppe, um den dadurch entstehenden moralischen Imperativ zu nutzen, die eigenen egoistischen Ziele durchzusetzen und gleichzeitig trotzdem noch als einer von den Guten dazustehen. An und für sich genial…

    Dass hinter ganz besonders den Quotenforderungen für z. B. Parlamente auch ein gerüttelt Maß an Projektion steht, wurde auch hier schon öfters thematisiert und steht für mich auch außer Frage. Fakt ist: Männer machen keine Politik für Männer. Männer machen Politik für alle oder explizit für Frauen. Weibliche Politiker machen hingegen in großer Zahl explizit und fortwährend Politik für Frauen und klar erkennbar nicht für Männer oder gar gegen Männer. Hier wird sehr durchschaubar von eben jenen Politikerinnen das eigene Denken und Handeln auf die Männer projiziert, ohne auch nur eine Sekunde diese Projektion mal einem Realitätsabgleich zu unterziehen. Man ist einfach davon überzeugt, dass „die“ das schon immer andersrum gemacht haben und es deshalb auch wichtig ist, dass sie ihre radikale Einseitigkeit dagegenhalten müssen.

    Dass schon seit vielen Jahrzehnten in männlich dominierten Regierungen zahlreiche Gesetze verabschiedet wurden, die erstens nie Frauen einseitig benachteiligten sondern – zweitens – diese teils sogar privilegierten, das wird kategorisch ignoriert.

    Meines Erachtens gibt es kein einziges sinnvolles Argument für eine Geschlechterquote – für eine die dann auch noch ausdrücklich nur einem Geschlecht zugutekommt, egal wie die Gemengelage ausschaut, erst recht nicht. Und dies gilt für Parlamente genauso wie für das Berufsleben.

    Übrigens überkommt mich immer wieder aufs Neue ein Brechreiz, wenn ich mit der so offenkundigen und ungeniert dargebotenen Doppelmoral der ganzen aufrechten Geschlechterkriegerinnen konfrontiert werde. Dieselben Damen, die eine reine Frauenquote für den heißesten Shice halten, gehen steil und argumentieren dann auf einmal mit dem Grundgesetz, wenn eine Quote mal Männern zugutekommt, auch wenn sich dies nur daraus ergibt, dass sie geschlechtsneutral und ohne juristische Taschenspielertricks wie etwa im Bundesgleichstellungsgesetz formuliert ist. Wir halten also fest: explizite Frauenquote ist richtig und wichtig und natürlich verfassungskonform; Geschlechterquote, die per Formulierung auch für Männer anwendbar werden kann ist bäh und natürlich verfassungswidrig. Und solche Trullas „firmieren“ unter Juristinnenbund. Alleine diese Darlegungen müssten ausreichen, um ihnen umgehend jegliche Akkreditierung zu entziehen aufgrund galoppierender juristischer Inkompetenz. Aber Frauen, die derart über Frauenthemen plappern, lässt man das natürlich in unserem frauenverachtenden Patriarchat durchgehen. Immerzu nur positive Orchestrierung in den Medien, nie auch nur eine kritische Nachfrage in einem Interview, obwohl die Selbstwidersprüchlichkeiten so offensichtlich sind, dass sie doch selbst dem dümmsten Journalisten mit dem Gesäß voran ins Gesicht springen müssten.

    Hach, jetzt bin ich ja doch nur wieder emotional geworden… 😉

  • Ja, ich bin wütend.

    Und ich glaube, dass es einen kausalen Zusammenhang gibt zwischen der Quote und dem Niedergang der SPD. Die Quote baut auf Lügen auf und ist damit korrupt. Diese Korruption vergiftet die ganze Partei.

    • „… dass es einen kausalen Zusammenhang gibt …“

      Wäre auch meine Vermutung. Jene Leute, die nicht gut auf die SPD zu sprechen sind, müssen der Frauenquote in der SPD eigentlich dankbar sein. Diese Quote hat den wesentlichen Beitrag zum „Projekt 18“, also zum Niedergang der SPD geleistet.

      Für die Grünen genauso. Ohne Frauenquote würden die heute bundesweit bei über 20% stehen (meine Schätzung). Wer also die Grünen nicht mag, der sollte beten: Bitte, behaltet euro Quote bei, bitte bitte!

  • Nun, ich denke nicht, daß ein Parlament dazu da ist irgendwen zu repräsentieren.
    Zumindest nicht in einer Demokratie. Und schon gar nicht eine Partei.

    Eigentlich soll, so habe ich mal in grauer Vorzeit ( letztes Jahrtausend ) gelernt, ein Parlament eine Versammlung von Volksvertretern sein, welche des Volkes Willen und Meinung ermitteln und durchsetzen. Na zumindest des Wählers eben dieses Vertreters.

    Zum Repräsentieren gibt es Symbolfiguren, bspw. die Queen von Kleinbrittannien, hinter der der größte Teil der Bevölkerung steht, eben WEIL sie hübsch winken kann und selten mit ihrer Meinung nervt. Und wenn sie schon Meinung absondert, dann meist als Vertreterin ihrer Familienleitung ( beginnt dann i.d.R. mit: „My husband and i…..“ ).
    Da werden unsere Grüßauguste vermutlich niemals hinkommen, weil jeder weiß, daß die üblicherweise ihre politische Lobby repräsentieren ( und auch deren Ziele vertreten ) und sonst niemanden. Weder das Volk, noch die Wähler, noch gar ihre Familie oder das Land an sich.

    Woran liegt das?
    Nun, sicherlich nicht zuletzt daran, daß wir hier immer noch keine echte Demokratie haben, sondern nur eine symbolische Vorstufe, an der nach Einführung seltsamerweise mehr abgespeckt, als in Richtung Demokratie weiterentwickelt wurde.
    Die sog. Repräsentativ-„Demokratie“, ein Analogon zum Designmodell in der Autobranche, welche die Designstudien hübsch ( re-)präsentiert, aber leider nicht fährt, weil es kein Auto ist, es fehlen die wesentlichen Funktionsmodule und -teile.

    Das hat vor einem halben Jahrhundert schon mal wer erkannt ( immerhin ) und auch prompt einen ( ziemlich nebulösen ) Vorschlag dazu in seinen Wahlkampf eingebracht:
    „Mehr Demokratie wagen!“
    Der gewann dann auch die Wahl, weil das eine hervorragende Idee war.
    Leider griff, einschließlich ihm selbst, niemand die Idee auf und später wurde dann wieder das exakte Gegenteil betrieben.

    Dabei steht sogar schon ein naheliegender konkreter Vorschlag dazu im Grundgesetz, den aber bis heute ebenfalls nicht ein einziger politischer Repräsentant auch nur für erwähnenswert erachtet hat. Nämliche freie Wahlen UND Abstimmungen.

    Okay, das ist nicht ganz einfach umzusetzen, was aber nicht zuletzt auch daran liegt, daß hier in D. niemand versucht entsprechende Prozeduren zu entwickeln. In der Schweiz ist man offenbar wenigstens ( noch! ) ein kleines Stückchen weiter, wie @Mark oben darlegt. Dort gibt es aber auch die Tradition der regionalen Demokratie noch in ein paar – leider auch recht winzigen – Überresten.
    Kurz: Die Schweizer sind parlamentarisch erheblich besser und höher gebildet, als wir hier.

    Demzufolge gilt hier immer noch die leicht aufgehübschte Version der DDR-Wahl.
    W.h.: Dritte bestimmen, wer gewählt werden darf und, daß derjenige nur ein wenig herumrepräsentieren darf. Jedenfalls wird die Interaktion mit dem Volk, oder wenigstens den Wählern, sehr effektiv auf Propagandagetröte von oben nach unten beschränkt.
    Mit Meinungbildung, Meinungsvertretung, oder gar Meinungsdurchsetzung ( von Volkes Willen ) hat das überhaupt gar nichts zu tun. Noch nicht einmal mit der angemessenen und verhältnismäßigen Ermittlung irgendeiner verbreiteten Meinung, oder gar eines Willens.
    Eher schon mit vorsätzlich versuchter Volkserziehung!
    Genau wie der Erzieherberuf erfunden und undemokratisch zur politischen Kindererziehungsinstitution bestimmt wurde, um den Eltern das Aufziehen der Kinder zu erschweren, wurde der Beruf des Volkserziehers erfunden, einer Institution, die mittels TV-Shows und Steuerung der sonstigen Medien die Interessen der mächtigsten Lobbies dem für unmündig erachteten Bürger anerziehen und letztendlich aufzwingen soll und offenbar auch will.

    Um das durchzusetzen wurde ein Defakto-Abwahlverbot geschaffen. Man bekommt bei den Symbolwahlen extra zwei Stimmen, damit man einerseits eine hübsche Symbolfigur und zusätzlich noch den gläsernen Fahrstuhl wählen kann, welcher ganz unbeliebte, unbekannte u./o. unwichtige Leute ( meist Füllmasse ) dann nach oben in den Bundestag vögelt. Dazu noch heimliche „Nicht“-Stimmen ( Überhangmandate u.ä., ich kenne mich da – wie die meisten Bürger – nicht mit aus ), die unvorhergesehene Demokratieffekte verhindern sollen ( wie effektiv das ist entzieht sich meiner Kenntnis ).

    Die wichtigsten Merkmale einer echten Demokratatie, Abwahl und Negativvotum ( DIE Kontrollfunktionen ), werden so radikal und mit gezieltem Vorsatz verunmöglicht.

    Tatsächlich entwickelt sich so folgerichtig und praktisch zwangsläufig ein race-to-the-bottom-Prozess, dessen gefährlich selbstbeschleunigende Eigendynamik man jetzt bei den Grünen und der SPD am deutlichsten und ganz direkt beobachten kann: Sie werden immer totalitaristischer!

    Sie und die anderen, kaum anders agierenden, Lobbyparteien setzen in Hinterzimmerkungeleien nachts um Eins wähler- und insgesamt bürgerfeindliche
    Radikalgesetze mit der Brechstange durch, zu welchen jede Diskussion im Vorfeld eiskalt abgewürgt wird, bspw. das Verstümmelungsgesetz, das Zensurgesetz, die Antimännergesetze oder demnächst das Antidemokratiequotengesetz.

    In einer Demokratie wäre das ziemlich undenkbar, jedenfalls mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht durchsetzbar, weil so blöd sind die Bürger i.d.R. nicht. Die scheinbare „Blödheit“ liegt am von oben nach unten durchgepeitschen Informations- und Diskussionsplattformmangel, sowie der Beaufschlagung mit lächerlichsten Lügen 24/7.

    Fazit:
    Was wir brauchen ist mehr Demokratie. Was wir bekommen ist das exakte Gegenteil.

    Warum?
    Ganz einfach, würden wir frei darüber abstimmen können, wer unsere Meinung aktiv vertritt, so müßte derjenige das auch tun, sonst wäre er sehr schnell weg vom Fenster. Dummerweise finden Lobbykranke aber Macht&Kohle viel, viel geiler, als einen 6-Punktestaat, wie in das GG als Ziel mal vorgesehen hatte ( laizistisch, säkulär, frei, demokratisch, sozial und rechtsstaatlich ), weshalb sie denselben notfalls sogar mit Panzern und Maschinengewehren zu verhindern suchen und das – allein aufgrund ihrer Machtposition schon – äußerst erfolgreich.

    ( Eigentlich wollte ich ja, wie immer, ein paar Zitate aus dem Artikel zusammenkopieren und zerpflücken, evtl. auch noch auf Kommentare anderer eingehen. Aber das wäre noch viel länger und erheblich umständlicher geworden. Zufällig kam aber gerade eine Bekannte vorbei, die auch schon etwas älter und recht breitbandig gebildet/erfahren ist; und ganz nebenbei als Abteilungsleiterin einer Firma für „Sozialarbeit“ tätig ist ( einer sog. „Stiftung“, tatsächlich gGmbH ).
    Und nachdem es mir gelang, der in wenigen Minuten die wesentlichen Grundpositionen und -mängel der Geschichte erfolgreich darzustellen – sie stimmte praktisch durchgehend zu, hatte also zumindest alles verstanden und keinen offensichtlichen Widerspruch gefunden – habe ich mich entschlossen, doch lieber einen grundsätzlichen Kommentar sozusagen komplexumfassend daraus zu machen ).

    • Zitat: „Nun, ich denke nicht, daß ein Parlament dazu da ist irgendwen zu repräsentieren.
      Zumindest nicht in einer Demokratie. Und schon gar nicht eine Partei.

      Eigentlich soll, so habe ich mal in grauer Vorzeit ( letztes Jahrtausend ) gelernt, ein Parlament eine Versammlung von Volksvertretern sein, welche des Volkes Willen und Meinung ermitteln und durchsetzen. Na zumindest des Wählers eben dieses Vertreters.“ Zitat Ende

      Naja, die Form der Demokratie in der BRD heißt ja nun einmal „repräsentative Demokratie“. Der Hintergedanke ist, dass Parteien versuchen, in ihren Wahlprogrammen ihre Positionen zu möglichst vielen Themengebieten darzulegen und der Wähler dann die Partei wählt, die seines Erachtens die meisten oder für ihn wichtigsten Themen nach seinem Gusto vertritt.

      Auch nach meiner Auffassung hat diese Form der Demokratie erhebliche Mankos. Vier Jahre sind ein sehr langer Zeitraum. Und egal, wie komplex ein Parteiprogramm ist und natürlich, ob sich das dann überhaupt noch irgendwer durchliest vor einer Wahl, es ist nie abzusehen, was da noch an Themen aufkommen kann, bei denen selbst der größte Musterwähler, der quasi sämtliche Programme auswendig kennt, sicher absehen kann, wie sich denn die jeweiligen Parteien dazu positionieren würden. Das heißt dann letztlich bei derlei während einer Legislaturperiode aufgekommenen Themen: das Parlament entscheidet auf Grundlage eines „Repräsentationsproporzes“ über Sachverhalte, die dem Wähler noch gar nicht bekannt gewesen waren, zum Zeitpunkt als sich auf Basis seiner Stimme dieser Proporz im Parlament ergeben hatte. Und das dann immer wieder erlebte Szenario: die Mehrheit der Bürger findet den Entscheid des Parlaments voll daneben und bekommt dafür nur ein zynisch-rotziges „Ihr habt uns doch gewählt!“ zurück.

      Daher bin ich auch schon lange dafür, zu Themen, die effektiv die Bürger in ihrem Alltagsleben tangieren oder tangieren könnten, Volksbefragungen durchzuführen, deren Ergebnis dann für das Parlament bindend wären; das Parlament nur die Aufgabe der handwerklichen Umsetzung des Wählerwillens innehätte. Aber wir wissen ja dank unserer großen Politasse wie etwa unserer aller Merkel, dass diese Form der Demokratie in Deutschland, schon aufgrund der Geschichte und des darum gestrickten Demokratiegebildes, nicht möglich wäre. Auch wenn sich die Frage stellt, welche Geschichte da gemeint ist, denn auch in der Weimarer Republik gab es keine direkte Demokratie. Die rechtsextreme NSDAP kam an die Macht zunächst durch gute Ergebnisse bei turnusmäßigen Parlamentswahlen, die ihnen ausreichenden Zutritt zu eben jenem Parlament ermöglichten und im Anschluss konnten sie ihren Einfluss ausbauen durch geschickte Hinterzimmerpolitik und Pöstchenschachereien. Also eigentlich genau durch das, was auch unsere heutige Politik zum Teil bis in den Exzess auszeichnet.

      Was das Thema Repräsentation in Bezug auf Geschlechterquoten angeht: nun ja, in Lucas‘ Texten und auch in Forendiskussionen wurde ja schon des Öfteren genau das angesprochen. Unser Parlament besteht fast vollständig nur aus Juristen, Ärzten und Beamten. Mittlerweile ist auch der Anteil von Leuten gewachsen, die nach ihrer schulischen und akademischen Ausbildung direkt den Weg eines Berufspolitikers eingeschlagen haben, also in ihrem ganzen Leben noch nie mit „wirklicher Arbeit“ in Kontakt gekommen sind. Wenn man sich dann aber anschaut, welch verschwindend geringen Anteil diese Gruppen an der Gesamtbevölkerung haben, zeigt die einhergehende Thematisierung von Frauenquoten deutlich die kognitive Umnachtung, zu der Identitätspolitik scheinbar unausweichlich führt. Denn wer ernsthaft glaubt, eine Juristin, Ärztin, Beamtin oder auch nur Berufspolitikerin von der Pieke an würde eine kleine Mittelständlerin oder erst recht eine abhängig Beschäftigte im Büro oder an der Supermarktkasse oder gar eine Langzeitarbeitslose, nur wegen des gemeinsamen Geschlechtsorgans, besser repräsentieren können, als ein Mann, der aus eben einem dieser Milieus entstammt, der hat in meinen Augen schlicht nachweislich nicht mehr alle Latten am Zaun und keinerlei Sinn mehr für so etwas banales wie „Lebenswirklichkeiten“ (ja ich weiß, liebe Identitätsbesoffene: BÄÄÄÄH!!!).

      Aber naja, ich glaube, diese Dummheit wird unseren Parlamentariern nicht so schnell aberzogen werden können. Dazu ist man in der Filterblase viel zu sicher geborgen vor Eindrücken, die evtl. zu nicht mehr auflösbaren kognitiven Dissonanzen führen könnten. Stattdessen wundert man sich in der SPD darüber, wie es kommen kann, dass einem die Mehrheit der Wähler wegläuft, nachdem man sich im identitätspolitischen Sinne immer kleinere und immer groteskere „marginalisierte Minderheiten“ aus den Fingern gesogen hat, um sich um deren vermeintliche Unterdrückungserfahrungen zu kümmern und, ebenfalls im besten identitätspolitischen Sinne, die Mehrheit für deren vermeintliche Unterdrückung persönlich verantwortlich gemacht und beschämt hat. Ehrlich mal, wie können die uns bloß nicht mehr wählen, nur weil wir sie hin und wieder mal ein Bisschen beschimpfen???

      In der DDR gab es den Spruch „Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber“. Tja, die SED war aber eben auch nur die einzige Wahl, die man in der DDR hatte. Die Kälber hatten zwar die Möglichkeit, Namen von einer Liste zu streichen, bevor man den Wahlzettel einwarf, wer das aber tat und dafür in eine Kabine ging, wurde in der Regel noch im Wahllokal von einer „freundlichen“ Person angehalten und mit unangenehm bohrenden Fragen konfrontiert. Daher machte das faktisch niemand und deshalb nannte man „wählen Gehen“ in der DDR auch nur „falten Gehen“.

      Das alles ist aber eben ein Luxus, den sich einzurichten die SPD bis heute nicht im Stande sah und es eben nur um so dämlicher ist, es sich mit der Mehrheit der Wähler beständig zu verderben. Mal gucken, wie lange die Sozen noch brauchen, bis auch sie es schaffen, den Weg der FDP auf den vorletzten Bundestagswahlen zu beschreiten. Einen gewissen Fleiß beim darauf hin Arbeiten kann man ihnen zumindest nicht absprechen…

      • Vielen Dank, @ Billy, daß Du Dich des von Dir Zitierten angenommen hast. Ich hatte darauf gehofft, weil ich nämlich bis gestern nicht wußte wie ich es näher hätte ausführen sollen. 😉

        Aber ein paar Gedanken hab ich mir schon darüber gemacht und nehme im folgenden ausdrücklich auf meine ersten beiden Kommentare hier im Thread bezug.

        Ich sehe, als alter Holist, Demokratie nicht als statischen Absolutzustand, sondern als Steigerung eines Trends, den mal wie folgt grob benenne:

        Repräsentative Demokratie ==> Reine Demokratie ==> Basisdemokratie

        Die repräsentative Demokratie wurde hier nach der Naziherrschaft ( die, soweit ich das richtig verstanden habe, übrigens auch aus einer Art repräsentativen Demokratie hervorging ) installiert, um D. ein Stück (wieder ) in Richtung Demokratie zu rücken. Sozusagen ein symbolischer ( repräsentativer ) Vorgang, von dem derzeit den meisten wohl klar war, daß er weiterentwickelt werden müsse, um nicht wieder in die falsche Richtung abzusacken. Genau das ist dann aber passiert, da unsere Repräsentanten uns wohl supertoll ( und rein symbolisch ) repräsentiert haben, aber uns kaum – und in Folge immer weniger – an den relevanten Entscheidungen teilhaben ließen. Was, wenn man sich mal ein wenig mit sozialen Systemen und ihren Dynamiken befasst, ziemlich zwangsläufig so ist. Als ausführende Organe oder simple Sprecher „des Souveräns“ funktionierten sie nie. Sie machten sich einfach selbst zum „Übersouverän“.
        Streng genommen handelt es sich dabei eben gerade um KEINE echte Demokratie, sondern nur um eine ( zunächst recht hoffnungsvolle ) Vorstufe.
        Die Entscheidungen, die von den Repräsentanten getroffen werden, sind, egal ob Meinung und Willen des Wahlvolkes oder nicht, bindend/verpflichtend.
        Einfache Wahlen, wie in der DDR, sind dafür ausreichend. Ob man nun eine Partei hat, oder fünf, ist dabei relativ unwichtig, eine höhere Anzahl erhöht im Wesentlichen nur die Trägheit des Systems, da alle Parteien als oberstes Ziel immer den Erhalt dieses semidemokratischen strukturellen Aufbaues setzen werden ( Stichwort Machterhalt ).

        In einer reinen Demokratie wird es u.a. Volksabstimmungen geben und zumindest in der regional begrenzten Politik sogar freie Abstimmungen zur Vertreterschaft, welche mit etwas Glück ( bei passender Gruppengröße ) sogar ein Selbstverständnis als Sprecherschaft entwickelt. Aber auch hier werden die einmal gefällten Entschlüsse sicherlich als pauschal immer und für alle bindend betrachtet und gehandhabt werden.

        In einer Basisdemokratie gilt der Grundsatz der Freiheit ( inkl. Freiwilligkeit ) als oberstes Gebot. W.h., daß es kaum Verpflichtungen gibt und, daß die wenigen Verpflichtungen unabhängig von den Mitgliedern der Vertretungen gültig sind ( bspw. Menschenrechte, grundlegende Verkehrsregeln o.ä. ).
        „Der Rest“ ist freiwillig und bindet niemanden mehr als er gebunden sein will.
        Eine basisdemokratische Gemeinschaft kann aber Mitglieder auf jeder Ebene per Beschluss ausschließen, bspw. wg. mangelnder Beteiligung.

        Letztere ist natürlich für den einfachen Bürger letztendlich die beste und angenehmste, wenn auch oft anstrengenste, Demokratieform.
        Er kann eigentlich machen was er möchte solange er niemanden damit schadet. Dadurch wird ein sehr hohes Maß an Eigenverantwortlichkeit gewährleistet, aber automatisch auch ( zu erfüllen ) verlangt.

        Das Problem dabei ist, daß erstere praktisch jederzeit und überall installiert werden kann und i.d.R. praktisch auf Anhieb erstmal irgendwie funktioniert.
        Während letztere ( leider ) zur Beachtung von Gruppengrößen und Schichtungen zwingt. Sie eignet sich am besten für „ideale“ Gruppen und max. eine übergreifende Ebene. Ab so 600 bis tausend Individuen pro Gruppe und mehr als zwei Stufen ( bspw. Dorf/Stadtteil, Stadt, Bundesland, Staat ) wird es damit äußerst haarig, a) wg. der Trägheit, b) aufgrund der möglichen und dann zwangläufig auftretenden Interessenkollisionen.

        Als mehr oder weniger fauler Pauschal-Kompromiß bliebe also nur die reine Demokratie, die vermutlich, wenn einigermaßen gut entwickelt und modellgepflegt, schon einigermaßen gut und lange funktionieren könnte, ohne mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder in totalitäre Zustände zurückzufallen.

        Nun ja, wir alle wissen, daß derartiges hier nie auch nur im Ansatz versucht wurde. Es wurde zwar mal über manches diskutiert, ursprünglich wurden auch Möglichkeiten offen gehalten ( Volksabstimmungen z.B. ), aber unsere lieben Politfreaks haben schnell erkannt, daß sie uns Bürgerdeppen soviel Freiheit, eigenen Willen, Vernunft u.s.w. wohl doch lieber nicht zugestehen wollen. Die Schweiz kam da schon ein Stück weiter, was den dortigen Bonzen sicherlich gelegentlich noch Kopfschmerzen bereitet, aber konsequent weiterentwickelt wurde auch dort nicht.

        M.E. müßte eigentlich eine Kombination von Basisdemokratie und reiner Demokratie selbst in einem so überschweren Gebilde wie einen Zigmillionenstaat mit Monsterstädten möglich sein, welche bis ungefähr zur Dorf-/Stadtteilebene konsequent basisdemokratisch und ab Stadtebene bis zum Bundesparlament rein demokratisch geführt wird.

        Aber für einen einfachen ehemaligen Hilfsarbeiter ist das natürlich lediglich theoretische Spekulation, da ich die Organisation und dazugehörige Rechenkunststückchen nicht wirklich planen und gar technisch umsetzen könnte.

  • […]Repräsentation verschiedener Gruppen durch Quoten ausgleichen wollen, dann würden wir ein so unüberschaubar komplexes System schaffen,[…]
    Ebenso wie mit der Planwirtschaft, die ebenfalls nicht funktionieren kann.

    Wofuer wir in den Parlamenten keine Quoten brauchen, da sie schon ueberrepraesentiert sind:
    1. Schwachmaten
    2. Arbeitsscheue
    3. Abzocker
    4. Luegner und Betrueger
    5. Sykophanten
    6. Schmarotzer
    7. etc.pp

  • Wer sich für die soziale Zusammensetzung der Parteimitgliederschaften interessiert, der sei auf;
    https://www.bpb.de/politik/grundfragen/parteien-in-deutschland/zahlen-und-fakten/140358/soziale-zusammensetzung
    verwiesen.

    Zum Thema Frauenförderung und Quoten eine kleine, aktuelle Geschichte aus der Schweiz.
    Der Ständerat ist die kleine Kammer des eidgenössischen Parlaments. Er setzt sich aus 46 Vertreterinnen und Vertretern aller Kantone zusammen. Jeder Kanton wählt zwei Vertreterinnen oder Vertreter. Die früher als Halbkantone bezeichneten Kantone wählen jeweils eine Vertreterin/einen Vertreter.

    Für den Kanton Aargau hat Cedric Wermuth, seines Zeichens Obersuperfeminist und Jung“sozialist“ seine Kandidatur für den Herbst 2019 angekündigt. Die parteiinterne Wahl hat er gewonnen. Cédric Wermuth kandidiert also für den Ständerat bei den eidgenössischen Wahlen im Herbst 2019. Der 32-jährige Politiker hat sich am ausserordentlichen Parteitag klar gegen Nationalrätin Yvonne Feri durchgesetzt. Es ist die gleiche Knalltüte, die sich immer zu 100% hinter jeden feministischen Scheiss gestellt hat und Quoten selbstverständlich befürwortet, es sei denn, sie seien zu seinem persönlichen Nachteil. Von einem Verzicht zu Gunsten der Frau war plötzlich keine Rede mehr.

    Was ist nun die Folge davon, dass Wermuth eine Frau in der parteiinternen Wahl rausgekegelt hat?

    Aus einem Interview kurz nach der Nomination durch die SP:

    Sie müssen nun mit dem Vorwurf leben, dass sie als Mann eine Frau aus dem Rennen geworfen haben, die schon lange feministische Themen bearbeitet. Und Yvonne Feri würde auch das erfüllen, was die SP Schweiz will, nämlich weibliche Kandidaturen – gerade auch für den Ständerat. Sie stehen also Yvonne Feri im Weg.

    Nein, überhaupt nicht. Wir wussten, dass es auf beide Seiten gehen kann. Ich bin mir aber bewusst, dass es Leute gab, die Yvonne Feri wählten, weil sie eine Frau ist. Ich muss jetzt beweisen, dass ich feministische Themen im Wahlkampf einbringen kann.

    https://www.srf.ch/news/regional/aargau-solothurn/staenderatswahl-aargau-ich-muss-beweisen-dass-ich-feministische-themen-einbringe

    Da kommt mir dann regelmässig die Galle hoch. Als Oberfeminist erwartet er von Männern persönlichen Verzicht zu Gunsten von Frauen, ist ein Befürworter der Quote, will davon aber nichts mehr wissen, wenn er selbst verzichten müsste. Um weiterhin als Oberfeminist und Frauenschützer zu gelten, kompensiert er sein „Defizit“, indem er ganz besonders feministische Politik machen will. d.h Zumutungen für Männer, aber nicht für ihn. So ein A ….

    • Genau wegen solchen Typen wie Wermuth kann ich die SPS nicht mehr wählen: Also Schwätzer, Phrasendrescher, Opportunisten und Linkspopulisten. Ausser Phrasen dreschen hat Wermuth in seinem Leben vermutlich noch nix zustande gebracht, mal ein bisschen bösartig ausgedrückt. Der Typ geht mir so was auf den Sack. 🙂

  • Die Quotenforderung und der 3. Welle Feminismus im Allgemeinen sind eine zutiefst restaurative Initiative einen modernen Feudalismus zu etablieren. So soll ein neuer Adel an die Honigtöpfe geführt werden, der nicht durch Befähigung oder Anstrengung, sondern durch ein Körperteil (Mumu) gekennzeichnet ist. Besonders anschaulich wird dies durch Maßnahmen wie das Professorinnenprogramm oder die Gleichstellungsbeauftragten demonstriert. In infantiler Einfältigkeit wird zahlenmäßige Repräsentanz mit Gerechtigkeit gleichgesetzt. Diese Art weiblicher Logik eliminiert die Idee einer meritokratischen Gesellschaft, die die „männliche Gesellschaft überwindet“ (SPD parteiprogramm) und führt direkt in die Unterdurchschnittlichkeit (z.B. Frau Barley).

  • „Der parlamentarische Frauenanteil ist schließlich sogar etwas größer als der Frauenanteil in den Parteien, was für einen grundsätzlich fairen Auswahlprozess spricht.“

    feministischer Denkfehler? die Frauenanteile der Fraktionen sind fast alle (außer AfD und FDP) durch parteiinterne Quotenregeln frisiert. Das ist das Gegenteil von fairer Auswahl- das ist undemokratische Manipulation.

    Grüne Fraktionsquote: 50%+
    Links-F.-Quote: 50%
    SPD-F.Quote: 40%
    Unions-F.Quote: irgendwie 33% (aber kompliziertes System, das ich nicht verstanden habe und CSU hat irgendne extra-Weißwurst. Keine starre Quote)

    Als nun 2017 die unquotierten Parteien AfD und FDP in den BT kamen, sank der Frauenanteil unter den Parlamentariern entsprechend, denn in diesen beiden Parteien ist das Verhältnis zwischen weiblichen Parteimitgliedern und weiblichen Fraktionsmitgliedern ausgeglichener; sprich: gleichermaßen gering.

  • „Doch unabhängig von aller Kritik und allen Glaubenskriegen um Quoten in der Politik müssten deren Ziel eigentlich alle teilen können. Es wäre ja gut, wenn Frauen sich stärker politisch engagieren würden, auch für Männer – denn warum sollte es selbstverständlich sein, dass es vor allem die Verantwortung von Männern ist, für die politische Gestaltung unseres Zusammenlebens zu sorgen?“

    Ich teile dieses Ziel nicht. Jede Frau hat die Freiheit sich politisch zu engagieren und ihr Leben selbst zu gestalten. Weder werden ihr durch die Rechtsordnung Hürden gesetzt noch durch die gesellschaftlichen Werte bzw. die Erziehung. Trotzdem engagieren sie sich weniger politisch als Männer. Wieso kann man das nicht einfach akzeptieren bz. respektieren? Woher dieser Reflex, diese Situation unbedingt ändern zu müssen? Warum diese notorische moderne Anmaßung, die Frauen verändern und politisch steuern zu müssen? Die politische Steuerung privater Angelegenheiten VERBIETET SICH für den freiheitlichen Staat. Und ist denn der „geringe“ Anteil von Frauen in der Politik überhaupt zu deren Nachteil?

    Bleibt nur noch die Frage warum es diesen Unterschied gibt bzw. wie diese „Unterrepräsentation“ zustande kommt. Ein Grund ist die natürliche engere Bindung von Frauen an die Familie, also derselbe Grund weshalb auch Frauen in allen anderen Führungsetagen „unterrepräsentiert“ sind. Eine weitere Ursache sehe ich im unterschiedlichen Wesen der Geschlechter. Männer sind meiner Beobachtung nach viel mehr interessiert an politischen Auseinandersetzungen und sind außerdem führungsstärker, mutiger und willensstärker und haben generell einen stärkeren Drang „nach draußen“ und danach, sich durch geistige oder kämpferische Leistung zu beweisen. Frauen können natürlich trotzdem in die Politik gehen, haben aber keinen legitimen Anspruch auf besondere Förderung.

    „Wer ein stärkeres politisches Engagement von Frauen wünscht, müsste dann auch ein stärkeres Engagement von Männern in der Kindessorge fördern. Eben das aber wird ausgerechnet durch die Partei, aus der nun Quotenforderungen gestellt werden, erheblich behindert.“

    Du denkst hier sicherlich an den feministischen Widerstand gegen das Wechselmodell und die Gleichberechtigung von Vätern. Da hast du natürlich recht, aber das ist ja nur ein Aspekt feministischer Familienpolitik. Parallel davon (und im Widerspruch dazu), ist die Familienpolitik trotzdem dabei, die familiäre Rollenverteilung zu demontieren und orientiert sich heute einseitig an der politischen Norm der gleichgestellten Ehe, in der beide Elternteile möglichst viel arbeiten, während die Kindererziehung und Pflege in öffentliche Hand ausgelagert wird, um die Familie bzw. die Hausgemeinschaft als Institution bestmöglich zu schwächen. Mädchen werden naive Illusionen von Karriere gemacht, die dann reihenweise ab der Schwangerschaft scheitern und Jungen werden durch feministische Umerziehung entmutigt, verunsichert und gedemütigt, damit sie bloß nicht auf die Idee kommen, sie könnten souverän für ihre Familie sorgen – denn das erledigt ja schon Papa Staat. Kein Mensch hat einen echten Nutzen von dieser Gleichstellungsideologie. Daher nochmal meine Frage: Warum teilst du das Ziel der Quote?

    „7. Quoten behindern offene inhaltliche Debatten
    […] Ein offen formulierter inhaltlicher Zweifel an dieser Position, der ja eigentlich eine demokratische Normalität wäre, würde notwendig auch ein Angriff auf grundlegende Strukturen der Partei, des Unternehmens oder eben – wenn die Quote installiert würde – des Parlaments sein.
    Das bedeutet: Weit über die Quote hinaus wird die offene Debatte eingeschränkt, weil sie immer auch als eine Attacke auf basale Strukturen der Institution und auf deren Nutznießer interpretiert würde.“

    ein sehr kluges neues Argument gegen die Quote. Genau diese beschriebene Gefahr sehe ich bei Gleichstellungspolitik insgesamt. Feministen (inkl. Regierung) haben es mittlerweile geschafft, den grundgesetzlichen Begriff der Gleichberechtigung (Art.3) in der öffentlichen Wahrnehmung zu Gleichstellung zu verzerren. Die Bekämpfung der antiliberalen Gleichstellungspolitik wird durch diese schändliche, absichtliche Verdrehung des zentralen Begriffs unserer Rechtsordnung zur Bekämpfung des Grundgesetzes. Siehe mein Artikel hier:

    https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2018/09/26/frauenministerium-sponsert-linke-propaganda-gegen-gleichstellungskritiker/

    • „Daher nochmal meine Frage: Warum teilst du das Ziel der Quote?“

      Soweit ich es verstanden habe, schreibt Schoppe von einer Verpflichtung bestimmter Gruppen der Bevölkerung, an der politischen Gestaltung mitzuwirken.

      Du hingegen schreibst von einer Berechtigung, so nach dem Motto: „Wer will, kann natürlich mitmachen. Dann muß er sich bewerben und engagieren und gewählt werden und sich bewähren usw.“

      Soweit ich Schoppe verstanden habe, ist sein Ansatz deutlich normativer: „Nix da – Du darfst, nee, Du hast gefällgst einen Beitrag zu leisten, hast gefälligst Verantwortung zu übernehmen, es kann nicht angehen, daß Du diese Aufgaben der politischen Gestaltung, die ja häufig auch in Deinem eigenen Interesse sind, immer nur von anderen Leuten erledigen läßt. Jetzt ist Zahltag!“

      Ja, interessanter Ansatz.

  • „Bei aller Fortschrittsrhetorik drückt sich darin ein antiquiert-reduziertes Frauenbild aus, weil Frauen in dieser Logik durch ihre Geschlechtszugehörigkeit, genau genommen sogar bloß durch ihr Geschlechtsteile und nicht durch ihre autonomen Entscheidungen repräsentiert werden.“

    Man könnte auch sagen, dass eine Quote die Menschen und Fraktionen im Bundestag durch zwei (+x) GeschlechtsTeile ersetzen würde 😉

    Ich möchte eine funktionale Perspektive auf die Angelegenheit einbringen. Die wichtigste – wenn auch nicht die einzig wichtige – Aufgabe des Bundestages ist es, Gesetze auszuarbeiten und zu beschließen. Wenn für manche dieser Gesetze Aspekte relevant sind, mit denen sich Frauen mit höherer Wahrscheinlichkeit auskennen, dann kann man hier das Minimum ziehen, ab dem der Bundestag seine Aufgabe minderwertig erfüllt (das heißt übrigens *nicht*, dass Männer diese Aspekte zwangsläufig nicht kennen können). Wenn also 5% der Parlamentarier Frauen wären, dann gibt es Probleme mit der Feedbackschleife – wenig verwunderlich. Da wir aber weit drüber liegen, kann von einem Problem keine Rede sein.

    Die Probleme mit der Repräsentanz von Frauen (und anderen gesellschaftlichen Gruppen) spielen sich in anderen Bereichen ab, insbesondere durch die indirekte Selektion in den Parteien, z. B. sichtbar über die Berufsgruppen. Das wurde hier ja schon angesprochen. Wenn im Bundestag ganz viele Feministinnen mit Hochschulabschluss und Parteikarriere säßen, dann profitieren z. B. Arbeiterfrauen ganz bestimmt nicht davon, weil diese Abgeordneten von deren Lebensrealität genauso wenig Ahnung haben wie von der Lebensrealität vergleichbarer Männer.

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