Moderne/Postmoderne Wissenschaft

Betrogene Betrüger: Was korrumpiert akademische Forschung?

geschrieben von: Lucas Schoppe

Zum lehrreichen Hoax der „Academic Grievance Studies“

 

Der Text „Academic Grievance Studies and the Corruption of Scholarship“ von Helen Pluckrose, James A. Lindsay und Peter Boghassioan ist sicherlich einer der wichtigsten Texte über die Entwicklung der akademischen Universitäten, der in den letzten Jahren erscheinen ist. Entsprechend wird er auch von anderen Wissenschaftlern kommentiert, obwohl er gerade erst veröffentlicht wurde. Auch für deutsche Universitäten ist er relevant.

 

Wie Adolf Hitler einmal einen wichtigen Beitrag zur feministischen Forschung leistete

Was geschieht, wenn ein Kapitel aus Adolf Hitlers „Mein Kampf“ angereichert wird mit Buzzwords aus heutigen politischen Debatten – wenn der Kampf gegen die liberale Gesellschaft und für das Kollektiv variiert wird als Kampf eines kollektivistischen, „solidarischen“ Feminismus gegen einen „neo-liberalen“, der die Autonomie der Einzelnen betont – wenn die Schrift Hitlers Fantasien von der gemeinschaftsstiftenden Funktion des Opfers einfach wieder aufgreift als Fantasie einer Solidarität aller Opfer sozialer Strukturen, der „Marginalisierten“ – und wenn dieser Text dann eingereicht wird bei einigen der wichtigsten wissenschaftlichen Zeitschriften ihres akademischen Feldes, bei „Affilia: Journal of Women and Social Work“ und bei „Feminist Theory“?

Natürlich ist zu erwarten, dass der feministische Hitler-Wiedergänger bei heutigen Akademiker*innen, die erprobt und geübt sind in emanzipatorischen Debatten, auf Widerstand trifft, sich lächerlich macht, scharf kritisiert oder heftig belacht und gewiss auch enttarnt wird. Oder?

Oder?

Tatsächlich wurde der Text bei Affilia zu Publikation angenommen, und auch die beiden Reviewer von Feminist Theory drücken – obwohl einer von ihnen in der jetzigen Form die Publikation nicht empfiehlt – ausdrücklich ihre große Sympathie für die Positionen des Textes aus.

Ob Hitler heute tatsächlich als feministischer Akademiker durchgehen würde, wenn er nur ein wenig an seiner Sprache feilte, ist damit allerdings noch nicht abschließend klar – dazu müsste der Text verfügbar sein, und wir müssten überprüfen können, wie viel denn tatsächlich aus dem 12. Kapitel von Hitlers Kampfschrift übernommen wurde. Irritierend ist es aber schon, dass offenbar keinem der Gutachter bei dem Titel „Our Struggle Is My Struggle“ irgendetwas auffiel.

Wer hätte gedacht, dass das der Rahmen ist, in dem Hitler heute seine Lebenserinnerungen veröffentlichen könnte?

Dass aber etwas mit den wissenschaftlichen Standards in einem wichtigen Bereich der akademischen Universitäten nicht stimmt, ist offenkundig geworden. Peter Boghassian, Helen Pluckrose und James A. Lindsay, die selbst linke Akademiker sind, hatten nämlich nicht nur spaßeshalber diesen einen Text eingereicht. Sie hatten über Monate hinweg ein eigenes Forschungsprojekt gestartet, von dem „Our Struggle Is My Struggle“ nur ein kleiner Teil war.

Ihr Ziel war, den Eindruck zu überprüfen, dass sich ein Sektor der amerikanischen Universitäten uneingestanden von einem wissenschaftlichen Weltbild und wissenschaftlichen Ansprüchen entfernt hat, erprobte Qualitätsmaßstäbe durch politischen Opportunismus ersetzt und so faktisch korrupt geworden ist. Die Forscher bezeichnen ihn als „Grievance Studies“, was auf deutsch etwa „Klage-Studien“ heißen würde: akademische Felder wie die Gender Studies, Studien zur Sexualität, zum Verhältnis der Rassen, aber mittlerweile auch weite Bereiche der Soziologie insgesamt. Gemeinsam ist diesen Feldern der Anspruch, eine emanzipatorische Forschung im Interesse „marginalisierter“ Gruppen zu betreiben

Die Forscher reichten daher 20 wissenschaftliche Arbeiten bei den wichtigsten Publikationsorganen des jeweiligen Feldes ein – Arbeiten, die nicht nur dann und wann Mängel besaßen, sondern die den etablierten Sprachgebrauch des akademischen Feldes benutzten, um gezielt absurde Behauptungen aufzustellen oder völlig unbegründete Thesen als Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung zu verkaufen.

Sie hatten also  Arbeiten geschrieben, die in ihren eigenen Augen spätestens bei der Peer Review, den Gutachten durch akademische Kollegen, krachend hätten scheitern müssen. Zudem hatten sie, ganz nebenbei, außergewöhnlich viele Arbeiten in kurzer Zeit produziert – jeweils, ohne tatsächlich Experten des Faches zu sein.

Das Resultat: Sieben der Arbeiten wurden für die Veröffentlichung angenommen, sechs wurden abgelehnt, sieben wurden zur weiteren Überarbeitung zurückgegeben – was eine spätere Veröffentlichung in Aussicht stellt.

 

Vergewaltigende Hunde, Bodybuilding durch Fett und emanzipatorisches Masturbieren

Unter den akzeptierten Arbeiten war eine mit der Kernthese, dass auf Hundwiesen („dog parks“) fortlaufend Vergewaltigungen von Hunden durch Hunde zu beobachten seien und dass diese Vergewaltigungen die menschliche Rape Culture wiederspiegelten. Die Zeitschrift Gender, Place and Culture wählte diesen Text für eine Jubiläumsausgabe gar zu einem der wichtigsten Texte des Jahres. Mit ausdrücklichem Sonderlob.

Unter den akzeptierten Arbeiten war auch ein Text, der gesundheitsgefährdende Fettleibigkeit als eine Form des Bodybuilding, Fat Bodybuilding, verkauft und der es als Teil einer Unterdrückungskultur präsentiert, dass der Muskelaufbau, nicht aber der Fettaufbau bewundert werde. Als „important contribution“ angenommen von der Zeitschrift Fat Studies.

Dabei war auch ein Text, der unterstellte, eine männliche Scheu vor der analen Nutzung von Dildos bei der Masturbation sei auf eine hysterische Angst vor der Homosexualität und auf Transsexuellenfeindlichkeit zurückzuführen. Diese Feindseligkeit könne gemildert, eine feministische Weltsicht könnte gefördert werden, wenn wir Männer zur analen Masturbation mit Dildos ermutigten. Als überwältigender („overwhelmed“) und bedeutender Beitrag akzepiert von Sexuality & Culture.

Dabei war ein Text mit der Kernthese, dass der Besuch eines „Breastaurants“ – eines Restaurants mit spärlich bekleideten weiblichen Bedienungen – Ausdruck eines nostalgischen Interesses an männlicher patriarchaler Dominanz wäre. Obwohl die These durch die Daten nicht begründet wurde, passte sie wohl so gut in politische Vorannahmen, dass Sex Roles den Text zur Veröffentlichung annahm.

Dabei war ein Text, der es in einem selbstironischen Spin ethisch verurteilte, dass emanzipatorische Studien durch bewusste Hoaxes – also Texte wie die eingereichten – oder durch satirische Darstellungen karikiert würden. Diese Abschottung gegen Kritik wurde von Hypatia, einem Flagschiff des akademischen Feminismus, als „exzellenter Beitrag“ angenommen, ohne dass irgendeiner der Gutachter auf die Idee kam, selbst einem Hoax aufzusitzen.

Dabei war auch ein Text, der grundsätzlich von einem Teenage Angst Poetry Generator maschinell hergestellt und dann innerhalb von sechs Stunden überarbeitet worden war. Akzeptiert vom Journal of Poetry Therapy.

Von der Straße aus gesehen wirken die untersuchten akademischen Felder durchaus eindrucksvoll. (Symbolbild)

Anstatt als Hochstapler aufzufliegen, bekamen die Forscher zudem gleich vier Mal das Angebot, selbst als Gutachter für andere Veröffentlichungen tätig zu werden. Sie hätten also, wenn sie tatsächlich Betrüger gewesen wären, über Jahre hinweg offenen Unsinn ins akademische Feld pflanzen können.

Ich weiß noch, wie viele Stunden Arbeit Freunde, Freundinnen und ich selbst in unseren Studium für einfache schriftliche Hausarbeiten verwendet haben, und wie groß die Besorgnis oft war, wissenschaftlichen Ansprüchen nicht zu genügen.  Verglichen damit ist die Leichtfertigkeit tatsächlich korrupt, mit der hier offenkundig wertlose Beiträge als wissenschaftliche Forschung zur Veröffentlichung in führenden Zeitschriften akzeptiert wurden, solange ihre Ergebnisse und Positionen nur politisch opportun waren. Doch das ist nicht das einzige Problem.

 

Wieso gilt es eigentlich als unethisch, Studenten in Ketten zu legen?

Nicht nur der Hitler-Text, sondern auch ein anderer Beitrag hätte schon aus ethischen Gründen alarmierend sein müssen. In einem Text, ebenfalls bei Hypatia eingereicht, schlagen die Forscher vor, „privilegierte“ Studenten gezielt zu entmutigen – ihre Beiträge lächerlich zu machen, sie zu ignorieren, sie gar in Ketten auf dem Boden sitzen zu lassen, um ihnen experimentell deutlich zu machen, was es heißt, marginalisiert zu sein.

Kein Gutachter wandte sich gegen diese offen gewaltsame Neuauflage Schwarzer Pädagogik. Der Text wurde als „starker Beitrag“ zur akademischen Lehre begrüßt, der lediglich noch überarbeitet werden müssen, um angenommen zu werden.

Das Projekt wurde schließlich abgebrochen, weil es aufgeflogen war. Dies aber eben nicht, weil irgendeine*r der Gutachter*innen oder Herausgeber*innen misstrauisch geworden wäre oder klare Einwände erhoben hätte – sondern weil der Twitter-Accout „Real Peer Review“ die Absurdität des „Dog Park“-Textes herausgestellt hatte, was dann einige Zeitungen zur Untersuchung der Hintergründe inspirierte.

Schon das ist ein wichtiger Aspekt: Nicht die hochdotierte, mit Millionengeldern finanzierte akademische Forschung selbst, sondern ein privater, aber kritischer Twitter-Account erledigte hier die Arbeit, die vorher von den zuständigen Akademikern durchaus systematisch versäumt worden war.

Für diese Unfähigkeit zur Selbstkritik gibt es wohl mehrere Gründe. Ganz sicher gehören die intensive Beteiligung an akademischen Machtspielen, der mangelnde Weltbezug und die systematisierte Blindheit für die eigenen Privilegien dazu.

 

Akademische Machtspiele

Bedenklich ist auch ein Aspekt, der die beteiligten Zeitschriften auf den ersten Blick entlastet. Die Forscher waren in der ersten Runde beim Einreichen ihrer Texte erfolglos gewesen – ein Text wie der vom „konzeptionelle Penis“, der im vergangenen Jahr als Hoax bei einer eher drittklassigen Zeitschrift veröffentlicht wurde, wäre nicht angenommen worden. Nachdem sich die Forscher aber einige Monate in die verschiedenen Felder eingearbeitet hatten, waren sie deutlich erfolgreicher.

Allerdings produzierten sie damit ja immer noch Blödsinn oder gefährlichen Blödsinn – sie hatten sich nun allerdings in feldtypische Eigenheiten eingearbeitet. Das wiederum ist für akademische Machtspiele typisch, die sich weniger durch explizite Regeln und Vorgaben, sondern eher durch informelle feine Unterscheide organisieren: den typischen Sprachduktus eines Feldes – das Wissen darum, welche Akteure zitiert werden sollten und welche lieber nicht – das Wissen darum, welche Positionen satisfaktionsfähig sind und welche ungeprüft beiseitegelegt werden.

Ganz entgegen dem eigenen Selbstverständnis sind die Grievance Studies also offenbar keineswegs kritisch gegenüber den üblichen akademischen Machtspielen, sondern treiben sie eher noch auf die Spitze. Natürlich sind Universitäten immer auch Machtmaschinen – die Grievance Studies aber sind, so scheint es, kaum noch etwas anderes. Die starke Tendenz, das soziale Leben insgesamt als Ausdruck von Herrschaftsstrukturen zu interpretieren, ist vor diesem Hintergrund also möglicherweise eine Projektion der eigenen, aber uneingestandenen Verfasstheit auf die ganze soziale Wirklichkeit.

 

Verlust einer gemeinsamen Welt

Es fehlt nämlich etwas, das für andere Fächer und insbesondere für die Naturwissenschaften entscheidend ist: Der Bezug auf eine gemeinsame Welt. Die genannten Fächer reproduzieren in aller Regel eine Version postmoderner linker Politik, die sich die Welt sauber in Marginalisierte und Privilegierte, Beherrschte und Herrscher einteilt. Die wiederum würden faktisch in ganz unterschiedlichen Erfahrungswelten leben, und die Privilegierten hätten vor allem anderen ein Interesse an der Reproduktion ihrer Privilegien.

Damit geht es dann gar nicht mehr um die klassische zentrale Frage aller ernstzunehmenden Wissenschaft, wie denn gültige Aussagen über die allen gemeinsame Welt getroffen werden können. Es geht dann eher darum zuzuteilen, wer reden und wer schweigen sollte, welche Perspektiven „emanzipatorisch“ wären und welche „oppressiv“. Damit wird eben der offene Diskurs systematisch augebremst, ohne den es eben auch keine Selbstkontrolle der Wissenschaft gäbe.

Der Anspruch, Menschen in Not zu helfen, wird damit ebenfalls verfehlt. Allein die Nobelpreisträger Tasuko Honjo und James Allison helfen mit ihrem neuen Ansatz in der Krebstherapie möglicherweise mehr Menschen, als es alle akademischen Akteure der Grievance Studies zusammengenommen tun. Dass Allison ein alter weißer Mann ist, ist dabei völlig irrelevant – wichtig ist, dass die entwickelten Therapien in einer realen Welt realen Menschen helfen.

 

Blind für eigene Privilegien

Ohnehin ist es anmaßend, sich selbst für „emanzipatorisch“ zu erklären und anderen Wissenschaftler damit stillschweigend oder offen zu unterstellen, was sie als Forschung ausgeben, wäre lediglich eine Reproduktion von Herrschaftsstrukturen. Es gibt wohl kaum eine privilegiertere Arbeit als die auf einem Lehrstuhl an einer Universität – und wer diese Privilegien dadurch verdeckt, dass er sich als Sprachrohr oder Anwalt der „Marginalisierten“ verkauft, verhindert lediglich einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen Privilegien.

Was passiert eigentlich beim Blick hinter die Kulissen akademischen Arbeitens?

Das gilt auch für Deutschland. Schon 2013 habe ich hier im Blog in einer kleinen Artikelreihe über eine Schrift der grünen Heinrich-Böll-Stiftung geschrieben, die unter anderem betonte, dass „die Unterdrückten“ einen besseren Blick auf gesellschaftliche Machtverhältnisse hätten, weil es ihnen nicht um „Machterhalt“ ginge: Der Blick von unten produziere bessere Wissenschaft als der herrschende Blick.

Da wird dann also eine Schrift vertrieben aus einer Stiftung, die allein im letzten Jahr mit 63,6 Millionen Euro aus Steuergeldern gefördert wurde (die Friedrich-Ebert-Stiftung der mittlerweile kleinen Partei SPD erhielt gar über 170 Millionen) – da wird eine universitäre Forschung präsentiert, deren Lehrstühle sich aufgrund erheblicher politischer Unterstützung in den vergangenen vervielfältigt haben und die in Massenmedien erheblich unterstützt wird: Aber ein paar Blogger, die in ihrer Freizeit oder nebenberuflich diese Art der Forschung in privaten Blogs kritisieren, werden als Vertreter einer hegemonialen Allmacht hingestellt, während die selbstbewussten Verbraucher von vielen Millionen Steuergeldern und Nutzer riesiger Infrastrukturen sich selbst als „Marginalisierte“ präsentieren.

Das ist unehrlich und anmaßend, und es ist lächerlich. Allerdings kippt auch hier das Lächerliche ins Gewalttätige, wenn offenbar nicht einmal offen faschistische Positionen abgelehnt werden, sobald sie  im angemessenen Duktus verfasst sind und sich gegen die richtigen Feinde richten. Insbesondere die Sympathie gegenüber dem irren Vorschlag, privilegierte Studenten gezielt zu demütigen, zeigt, wie wenig reflektiert Akteure des Faches mit der ihnen anvertrauten Macht umgehen.

In dieser Selbstermächtigung zur Gewalt trifft der Unwille, sich aus der Perspektive anderer überprüfen zu lassen, auf den Unwillen, die eigene Macht und die eigenen Privilegien auch nur probeweise  ehrlich wahrzunehmen.

PS. (5. 10.2018) Eine Leserin hat mich auf einen Artikel von Helen Pluckrose aufmerksam gemacht (Herzlichen Dank dafür!), der im letzten Jahr in deutscher Übersetzung bei den Ruhrbaronen erschienen ist. Es geht darin unter anderem um eine Frage, die auch hier im Blog schon häufig Thema war – inwieweit nämlich eine postmoderne Linke, die das Bemühen um Wahrheit auflöst in einer Unterstellung unendlicher Machtspiele, antimodern ist und damit schließlich auch eindeutig rechten Positionen Auftrieb gibt. Thema des Textes sind also die politischen Konsequenzen der Probleme, die im Artikel oben für die Universitäten beschreiben wurden. Ein Zitat daraus:

Es setzt sich langsam die Erkenntnis durch, dass sich auch die extreme Rechte zunehmend der Identitätspolitik und des erkenntnistheoretischen Relativismus bedient. Selbstredend war die Rechte schon immer für irrationale und antiwissenschaftliche Sichtweisen anfällig und nutzte Rasse, Geschlecht und Sexualität, um die Gesellschaft zu spalten. Der Postmodernismus hat es jedoch geschafft, für solche Sichtweisen eine breite Öffentlichkeit zu schaffen.

Während die Diagnosen sich ähneln, gesteht der Text von Leszek, der hier vor einer Weile zum selben Thema erschien, den postmodernen französischen Denkern zu, grundsätzlich eine berechtigte Kritik zu üben – die aber bei der Übersetzung in die akademischen Institutionen der USA fatal versimpelt worden sei.

 

PPS. (8.10.) Mittlerweile haben auch der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung und der schweizer Tagesanzeiger über den Hoax berichtet.

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37 Comments

  • Der Feminismus gibt anschauliche Negativbeisiele, wie man es in der Wissenschaft nicht machen sollte. Die folgenden Generationen werden davon profitieren 😉

    Vor hundert Jahren galt rassischer Antisemitismus als salonfähige wissenschaftliche Theorie, die man ganz offen und explizit vertreten konnte. „Antisemit“ oder „Rassentheoretiker“ waren Selbstbezeichnungen. Heute hingegen sind es schwere Vorwürfe, die sofort disqualifizieren. Ok, die Feministen haben noch keine Massenmorde angezettelt und werden wahrscheinlich auch nicht so weit kommen. Aber angesichts des absolut unterirdischen Niveaus des wissenschaftlichen Feminismus und dessen destruktiver Wirkung auf die Gesellschaft – was an dem „Grievance Studies“-Hoax wieder eindrucksvoll belegt wird – werden die Femis es sicher trotzdem schaffen, dass das Wort „Feminist“ bald als schwerer Vorwurf bzw. als Beleidigung verstanden werden wird; so wie es heute mit dem Wort „Nazi“ ist.

  • Das ganze ist ein unglaublicher Skandal, der die Sokal-Affäre noch in den Schatten stellt.

    Wir dürfen jetzt alle gespannt sein, wer (speziell in Deutschland) darüber berichtet, oder besser gesagt **nicht** berichtet und versucht, den Skandal totzuschweigen. Bisher hat, so weit ich das überblicke, keine einzige deutsche Zeitschrift darüber berichtet.

    • @ mitm „Das ganze ist ein unglaublicher Skandal, der die Sokal-Affäre noch in den Schatten stellt.“ Das ist auch in meinen Augen eindeutig. Bei Sokal konnte noch argumentiert werden, dass Sozialwissenschaftler nunmal nicht unbedingt Ahnung von moderner Physik haben müssen. Beim „konzeptionellen Penis“ wiederum war eine akademisch deutlich nachrangige Publikation betroffen, und für die Veröffentlichung wurde Geld gezahlt.

      Ein Grundsatz des „Academic Grievance“-Projekts hingegen war es, nur erstrangige Zeitschriften des Feldes anzuschreiben und auf gar keinen Fall für die Publikation zu zahlen. Zudem geht es nicht nur um EINEN Text, sondern um sieben – mit weiteren sieben, die ernsthaft durch die Peer Review gegangen sind und die mit Änderungen ebenfalls Aussicht auf Veröffentlichung hatten. Nur 6 von 20 Unsinnstexten sind so klar durchgefallen, wie alle hätten durchfallen müssen.

      Zudem war die kriminelle Energie des Trios im Forschungsinteresse ja sehr eingeschränkt. Sie haben eben gar nicht versucht, Ergebnisse so zu verfälschen, dass Gutachter die Fälschungen nach menschlichem Ermessen übersehen konnten. So etwas kommt bekanntlich immer wieder vor. Stattdessen haben sie den Publikationsorganen Ablehnungsgründe gezielt auf dem Tablett serviert, einfach um herauszufinden:

      Wieviel Absurdität und/oder Menschenfeindlichkeit wird in diesen akademischen Feldern als ernsthafter wissenschaftlicher Beitrag gepriesen, solange sie nur im passenden Jargon daherkommt und politisch opportun ist? Antwort: Weitaus mehr, als selbst die meisten Gegner für möglich gehalten hätten.

      Es ist bezeichnend, dass zu einem Skandal dieses Ausmaßes, der ein ganzes akademisches Feld in Frage stellt, in deutschen Medien bis jetzt nichts zu finden ist – obwohl dafür nicht einmal umfassend recherchiert werden müsste. Playing possum. Nur ein paar Blogs und – danke für den Hinweis, @ Martin – ausgerechnet die „Russia Today“ berichten.

      Natürlich kommt auch nichts aus den Parteien, die dafür sorgen, dass in Deutschland Gender Studies mit Zigmillionen an Steuergeldern aufgebaut wurden, ohne überhaupt jemals lohnende wissenschaftliche Ergebnisse nachweisen zu müssen.

      Ich bin mir sicher: Es ist eben gerade dieser Wille zur Selbstbedienung und dazu, Wirklichkeit nur entsprechend der eigenen politischen Opportunitäten wahrzunehmen/zu publizieren, mit dem ein (vorgeblich) linkes politisch-journalistisches Establishment die AfD stärker und stärker macht. Die AfD muss lediglich demonstrieren, dass sie irgendwie anders ist – schon wächst sie kontinuierlich, weil der Überdruss am Gewohnten einfach so groß ist.

      Das ist also gleich doppelter Mist: Erstens ist es faktisch korrupt, zweitens stärkt es eine Politik, die ich wirklich nicht an der Macht sehen möchte.

      • Zitat: „Es ist bezeichnend, dass zu einem Skandal dieses Ausmaßes, der ein ganzes akademisches Feld in Frage stellt, in deutschen Medien bis jetzt nichts zu finden ist – obwohl dafür nicht einmal umfassend recherchiert werden müsste. Playing possum.“ Zitat Ende

        Nur Geduld! Die redaktionellen Kampffeministinnen sind wahrscheinlich gerade alle kollektiv ohnmächtig und ihre männlichen, speichelleckenden Allies suchen panisch die Riechsalzfläschchen. Und so lange diese Clique nicht den Tenor vorgegeben hat, in dem darüber zu berichten bzw. daran vorbei zu schwafeln ist, traut sich dort niemand, der noch ein wenig an seinem Job hängt, dazu auch nur einmal den Mund aufzumachen. Aber Versuche der Reparatur werden bestimmt folgen, sobald man merkt, dass zu viele Leute davon Wind bekommen haben und man diese natürlich flugs wieder in die Bahnen des richtigen Denkens einnorden muss. Gewiss werden wir bald wieder Dinge erleben, wie Interviews mit der Hohepriesterin Judith B., der von einer maximal distanzlosen Journaleuse, unter vehementer Vermeidung kritischer Fragen, nur eine Vorlage nach der anderen geliefert wird, sich über diese ganz schlimmen, rechten Finger wahlweise zu echauffieren oder süffisant lustig zu machen.

        • @ Billy „traut sich dort niemand, der noch ein wenig an seinem Job hängt, dazu auch nur einmal den Mund aufzumachen.“ Ja, das halte ich tatsächlich so für möglich. Ich glaube, dass ohnehin in der Affäre Angst eine enorme Rolle spielt – das gehört zu den erwähnten Machtspielen unbedingt dazu.

          Nicht nur Gier, sondern auch Angst kann ja korrumpierend sein. Ich in mir ganz sicher, dass einige Gutachter lieber in ihre Computer gebissen hätten, als einen noch so offenkundigen Blödsinn als Blödsinn zu bezeichnen – wenn er denn nur in der richtigen Diktion formuliert und politisch opportun ist. Wer das, was eine Feministin schreibt oder sagt, als idiotisch abtut, wird nicht gefragt werden, was genau er denn so falsch findet – sondern er wird schlicht als reaktionärer Frauenfeind hingestellt werden.

          Es war ja schon ewig, auch hier im Blog, die Kritik an den Gender Studies, dass es zur Legitimation des Faches nicht reicht, einfach nur Kritiker als „reaktionär“ oder als „irgendwie Nazi“ hinzustellen – sondern dass jemand, der haufenweise öffentlicher Gelder verbraucht, selber in der Bringschuld ist, nachzuweisen, dass er damit irgendetwas Vernünftiges anstellt. Das hat es bis heute nicht gegeben.

          Und das wird wohl auch weiter so gehen – weil die „Grievance Studies“ sich gar nicht den üblichen akademischen Kontrollen unterziehen müssen, sondern politisch gestützt werden. In Deutschland ist das eher noch stärker so als in den USA.

          Ich kann mir jedenfalls vorstellen, dass die akademischen Karrieren der drei Beteiligten an dem Hoax jetzt vorbei sind. Und zwar deshalb, weil sie versuchen, WISSENSCHAFTLICH zu argumentieren in einem Bereich, in dem alles Wesentliche POLITISCH entscheiden wird. Schlamperei ist ihnen, soweit ich bislang sehe, nicht vorzuwerfen – ich hab aber sehr wohl schon den Vorwurf gelesen, sie würden „rechte Narrative“ bedienen. Wer hätte gedacht, dass sowas kommen könnte!

        • @ Billy:
          „Nur Geduld! Die redaktionellen Kampffeministinnen sind wahrscheinlich gerade alle kollektiv ohnmächtig und ihre männlichen, speichelleckenden Allies suchen panisch die Riechsalzfläschchen.“
          Boinggg!
          Schallendlach!

          ( Tränen aus den Augenwisch )

          Volltreffer!
          Versenkt!

          Exakt so stelle ich mir das gerade vor. 😉
          Analog zur Geschichte mit der kölner Domplatte. Da traute sich dann nach einigen Tagen Wizorek als eine der ersten ein wenig herumzunölen, wenn ich mich recht erinnere …
          Aber dann, wenn sie erstmal meinen Oberwasser zu haben …

      • @Lucas

        Weil es so schön passt, hier die ersten zwei Sätze von Sokal aus seinem Hoax mit meiner Anordnung:

        „Es gibt viele Naturwissenschaftler, vor allem Physiker, die nach wie vor die Vorstellung ablehnen, dass die mit Sozial- und Kulturkritik befassten Disziplinen etwas zu ihrer Forschung beitragen können, außer vielleicht am Rande. Noch weniger sind sie offen für die Idee, dass die Grundlagen ihrer Weltanschauung im Lichte einer solchen Kritik überarbeitet oder neu aufgebaut werden müssen.

        Vielmehr klammern sie sich an das Dogma der Hegemonie nach der Aufklärung über die westliche intellektuelle Perspektive, die sich kurz wie folgt zusammenfassen lässt:

        – dass es eine Außenwelt gibt, deren Eigenschaften unabhängig von jedem einzelnen Menschen und in der Tat von der Menschheit als Ganzes sind;

        – dass diese Eigenschaften in „ewigen“ physikalischen Gesetzen kodiert sind; und

        – dass der Mensch zuverlässige, wenn auch unvollkommene und zaghafte Kenntnisse dieser Gesetze erlangen kann, indem er sich an die Vorgehensweise und erkenntnistheoretischen Strenge hält, die durch die (sogenannte) wissenschaftliche Methode vorgeschrieben ist.“

        Hier wird bereits alles geschrieben und in Frage- und Anführungszeichen gesetzt, was dieser postmodernen Linken nicht behagt und zugleich das, was sie gerne (über sich) hören wollen.

        Sie sind nicht an ihrer Kenntnislosigkeit über Physik gescheitert, sondern an ihrer gnadenlosen Selbstüberschätzung und an ihrem erbärmlichen philosophischen Wissen.

        Man kann diese Aussagen wiederum in Fragen formulieren und die Beantwortung mit „Ja oder Nein“ ist bereits eine philosophische Position:

        Gibt es eine Außenwelt, deren Eigenschaften unabhängig von jedem einzelnen Menschen und in der Tat von der Menschheit als Ganzes ist? JA oder NEIN.

        Sind die Eigenschaften dieser Außenwelt in physikalischen Gesetzen kodiert und so beschreibbar? JA oder Nein.

        Kann der Mensch zuverlässige, wenn auch unvollkommene Kenntnisse dieser Gesetze erlangen kann, indem er sich an der wissenschaftlichen Methode orientiert? JA oder NEIN.

        Sokal hat in allen drei Fällen vorausgesetzt die Antwort der Herausgeber wäre „Nein!“ und aus seinem Text wird klar, seine Haltung (und meine) ist das exakte Gegenteil.

        Mich verwundern demnach die weiteren Hoaxes nicht, weil sie auf eben diesen Ausgangsfragen basieren, die weiter entschieden abgelehnt worden sind.

        Was man vor über 20 Jahren entschied nicht zu benötigen, war die Kenntnis von Physik oder Mathematik, heute braucht man noch nicht einmal „Mein Kampf“ zu kennen.
        Aus der Perspektive der derjenigen, die solche Pseudo-Wissenschaft betreiben, sind das alles nur tote weiße Männer und daher irrelevant.

        Ich möchte aber noch einmal darauf verweisen, dass eigentlich Sokal die erkenntnistheoretisch spannenden Fragen gestellt hat.
        Bitter ist, vor über 20 Jahren.

  • Dazu passt das hier ganz gut, zwar kein Hoax, aber zu der Moral der Geschichte (Moral? Femininismus? oh-ha): http://dailycaller.com/2018/10/01/georgetown-christine-fair-white-men-swine/ ganz gut passend, finde ich…
    Ja da war sie wieder, die allgegenwärtige Doppelmoral, sowas ist von der Meinungsfreiheit geschützt, während schlüpfrige-Witze-Erzähler sofort Ihren Job los sind, ist auch viel weniger schlimm, männliche Leichen kastrieren zu wollen und dann an die Schweine zu verfüttern… das entspricht dann wohl auch dem Lehrauftrag… ;o)
    Ja da fällt es zunehmen schwer zwischen Hoax und Anfall von geistiger Umnachtung zu unterscheiden… und wenn nicht dann schieben wir halt schnell eine Erläuterung (siehe Arschlochgedicht) hinterher, es sollte zum nachdenken anregen… da fällt der Dame sicherlich schnell was ein, inkl. lukrativer Einladung zu interviews etc… kranke Szene, kranke Medien…

    • Der Vorfall ereignete sich an der ältesten katholischen, Jesuiten-, Hochschule der USA. Mit ihrer Dozentin sind sie zufrieden und halten auch nach ihrem Meltdown zu ihr.

  • „dazu müsste der Text verfügbar sein“

    Der ist doch verfügbar, die eingereichten „Papers“ sind im vollen Wortlaut auf Google Drive verfügbar, und im Artikel zu dem Thema im Aero-Magazin ist ein Link auf das Kapitel aus „Mein Kampf“.

    Hier der Link zum Projekt mit den Papers: https://drive.google.com/drive/folders/19tBy_fVlYIHTxxjuVMFxh4pqLHM_en18
    Hier der Link auf den Artikel im Aero-Magazin: https://areomagazine.com/2018/10/02/academic-grievance-studies-and-the-corruption-of-scholarship/

    • @ Robert Vielen Dank für den Hinweis!

      Ich hatte den Link zum Projekt bei google-drive schon vorher mal gesehen, war aber nicht auf die Idee gekommen, den Reiter „Papers“ anzuklicken. 🙂 Nach dem „Our Struggle“-Text musste ich trotzdem etwas suchen, er ist als „FMK (wohl: „Feminist Mein Kampf“, LS) TYPESET“ rubriziert. Ich bin aber noch nicht dazu gekommen, ihn zu lesen.

  • Ich weiß noch, wie viele Stunden Arbeit Freunde, Freundinnen und ich selbst in unseren Studium für einfache schriftliche Hausarbeiten verwendet haben, und wie groß die Besorgnis oft war, wissenschaftlichen Ansprüchen nicht zu genügen.

    Mein Gott, bist Du altmodisch. 🙂

    Wer jedes Argument im Sinne des radikalen Konstruktivismus als subjektive Anschauung auffasst und niemals als Abbild der Realität akzeptiert, für den ist Wahrheit lediglich Ausdruck der Macht, seine Interpretation der Wirklichkeit gesellschaftlich als „Wahrheit“ zu etablieren.

    Die Sozialwissenschaften untersuchen und erforschen Gesellschaften, deren Institutionen und die darin agierenden Individuen u.a. Der Forschungsgegenstand ist derart komplex, so dass es im Gegensatz zu den Naturwissenschaften – insbesondere Mathematik und Physik – nie gelungen ist, allgemeingültige Gesetze zu formulieren und damit die Sozialwissenschaften zu formalisieren. Denkt man sich diesen Befund zusammen mit dem radikalen Konstruktivismus, der keine Objektivität anerkennt, ja sogar das Bemühen um Objektivität als letzlich sinnlos behauptet und der keine verbindliche Regeln kennt, dann ist das vorliegende Resultat zu erwarten.

    Ein Naturwissenschaftler – ich weiss nicht mehr, wer das war – sagte einmal, dass die klügsten Köpfe sich eigentlich mit den Sozialwissenschaften beschäftigen sollten, gerade weil deren Untersuchungsgegenstand derart komplex ist. Die Freiheitsgrade, die in den Sozialwissenschaften gegeben sind, lädt eine Menge Schwätzer ein, sich in diesen Wissenschaften als „grosse Denker“ zu etablieren.

    Ich denke, dass die Sozialwissenschaften von einem probabilistischen Weltbild ausgehend versuchen müssten, allgemeingültige Regeln aufzustellen um ihr Wissenschaftsfeld zu formalisieren. Aber das ist nur so ein Gedanke von mir. Ich bin möglicherweise zu sehr von der Mathematik beeinflusst.

  • @Schoppe
    Den Text finde ich übrigens super! Ich gehe ein bisschen dem Text nach:
    Du brauchst den Begriff „informelle feine Unterschiede“. Da würde eigentlich das Konzept des „praktischen oder sozialen Sinns“ von Bourdieu besser passen. Weil es ist eben gerade dieser praktische oder soziale Sinn, der quasi „instinktiv“ weiss, wie man sich distinktiv verhalten muss.
    Du schreibst dann:

    Die starke Tendenz, das soziale Leben insgesamt als Ausdruck von Herrschaftsstrukturen zu interpretieren, ist vor diesem Hintergrund also möglicherweise eine Projektion der eigenen, aber uneingestandenen Verfasstheit auf die ganze soziale Wirklichkeit.

    Mir ist diese Passage noch nicht so richtig klar. Könntest Du das mal noch ein bisschen ausformulieren?

    Du schreibst weiter:

    „Damit geht es dann gar nicht mehr um die klassische zentrale Frage aller ernstzunehmenden Wissenschaft, wie denn gültige Aussagen über die allen gemeinsame Welt getroffen werden können. Es geht dann eher darum zuzuteilen, wer reden und wer schweigen sollte, welche Perspektiven „emanzipatorisch“ wären und welche „oppressiv“. Damit wird eben der offene Diskurs systematisch augebremst, ohne den es eben auch keine Selbstkontrolle der Wissenschaft gäbe.“

    Auch diese Aussage ist mir noch nicht so klar. Vielleicht könntest Du da auch noch ein bisschen Ausführungen darüber machen.

    Zur privilegierten Arbeit auf einem Lehrstuhl: Gut, ich denke, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Präferenzen haben und dies doch für Menschen, die nicht nur Kopfarbeit machen möchten, nicht sehr erstrebenswert ist. Aber: Tatsache ist, dass diese Leute sehr viel kulturelles Kapital haben und zugleich sehr viel symbolisches Kapital und dann eben auch andere Kapitalsorten wie soziales oder transnationales Sozialkapital. Das heisst: Sie sind nach Bourdieu Herrschende in beherrschter Stellung und selbstverständlich weit weg von Marginalisierung etc. Und der Clou dürfte sein: dass der Kampf nicht zwischen oben und unten stattfindet, sondern zwischen denjenigen, die viel kulturelles Kapital haben vs. denjenigen, die viel ökonomisches Kapital haben. Die Herrschenden in beherrschter Stellung wenden nun quasi einen Trick an: Sie geben sich als Anwalt der Marginalisierten und verschleiern eigentlich ihre eigenen und wirklichen Interessen oder den wirklichen Kampf, um den es geht.

    Dann, ob die Unterdrückten einen besseren Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse haben? Auch nicht unbedingt: Weil der Mensch wächst in eine Ordnung rein, die er einmal als gegeben und normal anschaut und nicht primär hinterfragt. Das ist bei den Herrschenden wie bei den Beherrschten so. Und die eigene subjektive lebensweltliche Erfahrung der Beherrschten ist ja auch nur ein Bestandteil der Wahrheit: Die andere Wahrheit ist eben die Perspektive, die von der eigenen subjektiven lebensweltlichen Erfahrung abstrahieren kann und quasi einen distanzierten Blick, einen objektiven Blick einnimmt. Für das sind wiederum die Leute besser geeignet, die nicht unmittelbar unterdrückt sind, sondern die eine gewisse Distanz einnehmen können. Es ist eigentlich auch das, was die ethnomethodologische und phänomenologische Soziologie von der strukturalen bzw. Systemsoziologie unterscheidet. Gehe dann später noch ein bisschen vermehrt auf Deinen Text ein.

    • @ Mark Danke!

      „Weil es ist eben gerade dieser praktische oder soziale Sinn, der quasi „instinktiv“ weiss, wie man sich distinktiv verhalten muss.“ Ja, es ist wichtig, dass es ein verinnerlichtes Verhalten ist, über das jemand faktisch gar nicht mehr nachdenken muss. Eben dadurch markiert es aber eben auch den sozialen Unterschied – wer nachdenken muss, lässt sich anmerken, dass er sich das Verhalten angelernt hat. Die sozialen Aufsteiger verraten sich, sozusagen, durch zu viel Nachdenken.

      Mit der „Projektion der eigenen, aber uneingestandenen Verfasstheit auf die ganze soziale Wirklichkeit“ meinte ich, dass die Diagnose einer absoluten Fixiertheit auf Machtspiele und die Reproduktion von Herrschaft in der postmodernen Linken möglicherweise durchaus richtig ist – aber eben als verunglückte Selbstbeschreibung, nicht als gültige Interpretation sozialer Realitäten.

      Mir ist das aufgefallen, als ich aus der Uni, wo ich nach dem Studium noch ein paar Jahre gearbeitet habe, an die Schule gekommen bin. Ich habe bis heute das Gefühl, dass Schule trotz der deutlich größeren Arbeitsbelastung durchaus erholsam ist, weil sie im Vergleich zur Uni gewissermaßen geerdet ist. Herrschaft spielt in beiden Institutionen eine große Rolle, die Schule ist durch die Schulpflicht sogar noch expliziter eine Zwangsinstitution. Aber es sind eben auch Schüler da, auf die man sich als dort Tätiger irgendwie einstellen muss, weil es sonst schlicht nicht möglich ist, dort sinnvoll zu agieren, ohne dass einem ständig der Unterricht um die Ohren fliegt.

      An der Uni ist das anders, die Studis sind deutlich pflegeleichter, und ich habe haufenweise Dozenten erlebt, die sich überhaupt nicht darum gekümmert haben, ob bei ihrer Lehre eigentlich irgendwas hängenbleibt. Das heißt, dass die Uni als System beliebig um sich selbst kreisen kann, weil sie alle potenziellen Störungen aus dem System ausscheiden kann. In der Schule geht das nicht, nichtmal im Gymnasium.

      Ähnlich ist das Verhältnis zwischen Natur- und Geistes- oder Sozialwissenschaften. Auch in den Naturwissenschaften spielen Machtspiele natürlich eine große Rolle – die Hierarchien zwischen den verschiedenen Arten von Medizinern sind eines von vielen Beispielen. In den Naturissenschaften kommt man aber nicht darum herum, sich an irgendeinem Punkt der Forschung mit einer Realität außerhalb der eigenen Fantasien zu beschäftigen. Selbst Betrüger müssen das, wenn sie ihren Betrug halbwegs glaubwürdig gestalten wollen.

      In den Sozialwissenschaften ist das, wie gesehen, nicht mehr unbedingt nötig. Wenn dann der Anspruch auf einen Realitätsbezug gar als Reproduktion von Herrschaftsordnungen hingestellt wird, dann ist gleihcsam überhaupt keine Erdung mehr da, die akademische Machtspiele irritieren könnte. Diese Machtspiele können sich ungestört verselbständigen und absolut setzen.

      Anstatt aber diese Selbst-Verabsolutierung von Macht als Problem der eigenen Theorie in den eigenen begrenzten sozialen Strukturen zu begreifen, entdecken PoMo-Linke sie überall in der Gesellschaft – nur unglücklicherweise nicht bei sich selbst.

      Allerdings muss es, wenn der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit (und damit der Anspruch auf Gelder und Positionen) nicht völlig fallengelassen werden soll, irgendeine Möglichkeit geben, zwischen gültigen und ungültigen Aussagen zu unterscheiden. Was bleibt denn da übrig, wenn der Realitätsbezug gekappt wird – wenn es z.B. gar nicht um die Frage geht, welches Modell der Wirklichkeit sinnvolles Handeln in ihr ermöglicht und welches eher nicht?

      Hier wird die Unterscheidung dann eben nicht mehr dadurch getroffen, WAS gesagt wird und wie gut es BEGRÜNDET ist – sondern daran, WER es sagt und WESSEN INTERESSEN er damit bedient. Damit ist aber der offene wissenschaftliche Diskurs erledigt. Was da als „Wissenschaft“ ausgegeben wird, kippt tatsächlich in vormoderne Strukturen zurück, in denen manche Gruppen prinzipiell einen privilegierten Zugang zum Wissen hatten – und andere eben nicht.

      Natürlich waren solche Muster immer schon in den selbstbezüglichen Strukturen der Universitäten angelegt, aber es war eben auch niemals alles, was dort vorzufinden war. Bezeichnend für die „Grievance Studies“ bzw. die postmoderne Linke ist es aber, dass sie sich alle Mühe geben, das zu entfernen, was diese Selbstbezüglichkeit irritieren könnte.

  • Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber seit einiger Zeit spuckt bei mir der Begriff „totalitäter Feminismus“ herum… Deren Vertreterinnen kommen immer unverfrorener an die Öffentlichkeit, erinnert irgendwie an Berlin zu einer gewissen Zeit… die braune Zunft hätte es nicht besser machen können. Bei Gelegenheit werde ich das mal etwas mehr auswalzen, es gibt da m. M. n. einige Analogien…

    • Ja, mir missfällt da auch so einiges sehr. Ohne gleich in Alarmismus verfallen zu wollen, aber da hat sich schon eine sozial potentiell hochgradig gefährliche Front gebildet. Während man der AfD, für die sich meine persönliche Sympathie irgendwo nur marginal (wenn überhaupt) über dem Gefrierpunkt befindet, geradezu rituell Verfassungsfeindlichkeit anzudichten versucht, deren Abgeordnete aber niemandem den Gefallen tun wollen, sich tatsächlich mal offen verfassungsfeindlich zu äußern, sind es klar feministisch positionierte Abgeordnete vor allem der SPD, die ohne jede Scham in vehementer Lautstärke nichts geringeres proklamieren, als einen Frontalangriff auf unsere im Grundgesetz geschützte demokratische Grundordnung. Und während man sich medial z. B. über jeden noch so unbedeutenden Furz von Trump aufregt, als plane er gerade den dritten Weltkrieg, stellt in unserer Qualitätsjournaille für derlei Vorgänge, neben mannigfaltiger redaktionsfeminstischer Jubelarien, vollkommene Neutralität in der Berichterstattung noch das Maximum an Kritik dar.

      Die größte Gefahr für eine freiheitliche Gesellschaft sind nicht die meist eher kleinen Gruppen ihrer totalitären Feinde, sondern die Massen derer, die ihren Totalitarismus unterschätzen oder sie gar noch fälschlich als Verbündete betrachten.

      • Die größte Gefahr für eine freiheitliche Gesellschaft sind nicht die meist eher kleinen Gruppen ihrer totalitären Feinde, sondern die Massen derer, die ihren Totalitarismus unterschätzen oder sie gar noch fälschlich als Verbündete betrachten.

        So sehe ich das auch. Ich halte die Heil-Hitler-Schreier nicht für eine grosse Gefahr für die liberale Gesellschaft, weil sie als totalitäre Spinner erkannt werden. Viel gefährlicher sind allmähliche, langsame Prozesse, die die Freiheit Stück für Stück einschränken und nicht als Gefahr erkannt werden.
        Was die Genderisten und deren Infiltration der Universitäten anbelangt: Die gleichen immer mehr einer durchgeknallten Sekte, die jeden Bezug zur Realität verloren hat. Es ist so. als hätte Scientology staatlich subventionierte Lehrstühle an den Universitäten. Es erstaunt mich nicht im Geringsten, dass dieser vorsätzlich produzierte Quatsch publiziert wurde.

  • Lieber Lucas,

    ich wollte gerade auch was dazu schreiben. Aber kann man es nicht besser machen;-) Ich weiß nicht, ob ich entsetzt sein soll, wie weit wir heute schon sind oder ob ich mich freuen soll, dass es tatsächlich noch Menschen gibt, die noch den Mut haben den Blödsinn offen vorzuführen.

  • Ausgerechnet die SZ berichtet über den „Sting“:

    Männer in Ketten?
    https://www.sueddeutsche.de/wissen/gendertheorie-maenner-in-ketten-1.4157366

    „Männliche Studenten sollten angekettet werden, und feministische Astrologie wird dringend gebraucht: Eine nur scheinbar satirische Aktion von Wissenschaftlern wirft ein Schlaglicht darauf, was in Fächern wie der Genderforschung falsch läuft.“

    Kurz, aber knackig. Ausgerechtet der Hinweis auf das feministische Appropriieren von „Mein Kampf“ fehlt, ob das dann zuviel war?

  • @ Lucas Schoppe

    Ich schrieb bei „Alles Evolution“ zum Thema:

    Ich finde die Aktionsform wissenschaftlichen Zeitschriften pseudowissenschaftliche Artikel anzubieten und später öffentlich zu machen, wie diese darauf reagierten, ganz ausgezeichnet und wünsche dieser Aktionsform eine weite Verbreitung.

    Die drei linksliberalen pc-kritischen Aktivisten, die die Aktion durchgeführt haben, haben diesbezüglich meine volle Sympathie und Solidarität.
    Ohnehin finde ich Areo als Magazin bisher lesenswert (ganz im Gegensatz zu Quillette). Wäre Englisch meine Muttersprache würde ich vielleicht auch versuchen Artikel für Areo zu schreiben.

    Ich fand zwar den ersten Artikel der Areo-Redakteurin und Postmodernismus-und Political Correctness-Kritikerin Helen Pluckrose, den ich gelesen habe, schlecht („How French “Intellectuals” Ruined the West“, dt: „Wie der Postmodernismus die Aufklärung abwickelt“) – aber alles, was Helen Pluckrose danach zum Thema schrieb, war viel besser und fand ich lesenswert.

    Mein Hauptkritikpunkt an Helen Pluckrose ist ihre bislang unzureichende Unterscheidung zwischen politisch-korrektem und nicht-politisch-korrektem Postmodernismus/Poststrukturalismus, aber auch diesbezüglich waren ihre späteren Artikel schon etwas differenzierter als der erste.

    Helen Pluckrose distanziert sich bislang sowohl von der antisemitischen rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologie als auch von Jordan Petersons rechter Ideologie von der postmodern-neomarxistischen Verschwörung sowie von Jordan Petersons (vulgär-)pragmatischem Wahrheitsbegriff.
    So lange dies so bleibt, hat sie als linke Postmodernismus- und Political-Correctness-Kritikerin meine Sympathie, auch wenn ich mir noch etwas mehr Strömungsdifferenzierungen bei ihren Postmodernismus-Kritiken wünschen würde.

    Ich habe aber bisher den Eindruck, dass Helen Pluckrose grundsätzlich bereit ist Kriterien wahrheitsorientierter Kritik einzuhalten und gegebenenfalls auch zu einseitige und undifferenzierte Positionen zu revidieren, falls sie mit fundierten Argumenten konfrontiert wird. Ich hoffe, dass sich dieser Eindruck auch weiterhin bestätigt.

    Ich füge an dieser Stelle kurz hinzu, da du den Artikel „How French “Intellectuals” Ruined the West“, der unter dem Titel „Wie der Postmodernismus die Aufklärung abwickelt“ auch auf deutsch vorliegt, von Helen Pluckrose unter deinem Artikel verlinkt hast: Jeder Artikel, den Helen Pluckrose danach geschrieben hat, ist viel besser, aber gerade „How French “Intellectuals” Ruined the West“ bzw. “Wie der Postmodernismus die Aufklärung abwickelt“ enthält viele Fehler und ist leider selbst ein Beispiel für einen Artikel, der bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift nicht durch ein ernsthaftes Peer-Review durchkommen würde. Dieser Artikel von Helen Pluckrose ist von dem Philosophen Daniel-Pascal Zorn m.E. berechtigt als ein Beispiel für kritische Artikel zum französischen Poststrukturalismus aufgeführt worden, die auf unzureichender Recherche beruhen (er nennt noch weitere Texte, auf die dies seiner Ansicht nach zutrifft). Daniel-Pascal Zorn schrieb diesbezüglich:

    „Als die französische Philosophie sich Ende der 1980er Jahre auch in Deutschland verbreitete, zerpflückten philosophische Großmeister wie Jürgen Habermas den französischen ‚Relativismus‘ noch vom Katheder aus, in Vorlesungen, in denen zumindest grundsätzlich auf die Texte der sogenannten „postmodernen Philosophie“ Bezug genommen wurde. Das derzeitige Postmoderne-Bashing orientiert sich dagegen vor allem an Autoren, die ihre eigenen Erfindungen an die Stelle dessen setzen, was sie nicht gelesen haben, und damit begründen, warum ihre Leser es auch nicht lesen müssen (…)“

    https://geschichtedergegenwart.ch/das-gespenst-der-postmoderne/

    Jedoch fehlen in Daniel-Pascal Zorns Text Analysen zum in den USA entstandenen autoritären politisch korrekten Postmodernismus/Poststrukturalismus, der von Helen Pluckrose in mehreren Artikeln, die m.E. lesenswert sind, berechtigt kritisiert wird, der aber eben vom klassischen französischen Poststrukturalismus unterschieden werden werden sollte:

    https://man-tau.com/2018/04/10/postmodernismus-ethnopluralismus-differenzphilosophie-identitaetspolitik/#diff654

    Jede Hauptströmung des politischen Denkens bringt regelmäßig Varianten hervor, die mit einer demokratisch-menschenrechtlichen Perspektive kompatibel sind und andere, die dies weniger oder nicht sind. Der Poststrukturalismus/Postmodernismus bildet da keine Ausnahme.

    Deshalb gibt es z.B. in Geschichte und Gegenwart:

    – Einen sozialen Liberalismus und einen unsozialen Liberalismus, letzterer wird in seiner heute dominierenden Form von Kritikern oft mit dem Begriff Neoliberalismus bezeichnet.

    – Einen demokratischen Konservatismus und einen undemokratischen Konservatismus, letzterer wird in seiner Extremform auch als Faschismus bezeichnet.

    – Einen demokratischen Marxismus und einen undemokratischen Marxismus, letzterer wird auch als Marxismus-Leninismus bezeichnet.

    – Einen auf die Förderung der demokratischen Selbstorganisation der Bevölkerung abzielenden Anarchismus, (auch Massen-Anarchismus genannt) und einen auf unverantwortlichen, gewaltsamen, faktisch elitären Aktionismus von Kleingruppen abzielenden insurrektionalistischen Anarchismus.

    – Einen Kommunitarismus, der liberale Prinzipien integriert und einen antiliberalen Kommunitarismus

    – Und eben auch einen nicht-politisch-korrekten demokratischen Poststrukturalismus/Postmodernismus und einen autoritären politisch korrekten Poststrukturalismus/Postmodernismus.

    (Manchmal sind die Grenzziehungen bei diesem Modell m.E. ziemlich eindeutig, nicht in jedem Einzelfall können Unterströmungen oder Vertreter der Hauptströmungen des politischen Denkens aber so eindeutig einem der beiden Polen zugeordnet werden, da es natürlich auch Abstufungen und Grauzonen gibt, aber als allgemeines grobes Orientierungsmodell scheint mir diese Konzeptualisierung erstmal hilfreich zu sein. Der Umgang mit den Abstufungen und Grauzonen stellt allerdings die eigentliche intellektuelle Herausforderung für faire und differenzenzierte Beurteilungen bei diesem Modell dar.)

    Der Fortbestand und die Weiterentwicklung der bislang erreichten Errungenschaften der kulturellen Moderne und die Reduzierung schädlicher gesellschaftlicher Polarisierungen erfordern es meiner Überzeugung nach, dass die Vertreter der „positiven“ Varianten der genannten Hauptströmungen des politischen Denkens sich gegenseitig als demokratisch-menschenrechtlich anerkennen, auch wenn sie bei verschiedenen Fragen und Themen anderer oder gegensätzlicher Meinung sind. Auf Grundlage einer solchen gegenseitigen Anerkennung als demokratisch-menschenrechtlich können ihre Vertreter/Anhänger sich dann sowohl gegenseitig rational kritisieren als auch potentiell voneinander lernen. Und dadurch reduzieren sich Political Correctness – die es in spezifischen Varianten in allen politischen Hauptströmungen geben kann und gibt – sowie schädliche gesellschaftliche Polarisierungen.
    Das erfordert aber eben die Bereitschaft politisch Andersdenkende mit demokratisch-menschenrechtlichen Einstellungen als demokratisch-menschenrechtlich anzuerkennen und es erfordert die Bereitschaft bei jeder Hauptströmung des politischen Denkens zu differenzieren – also eine Abkehr vom Schwarz-Weiß-Denken, wie dieses z.B. von linken postmodernen politisch Korrekten oder von rechten politisch Korrekten (wie den rechten Anti-Kulturmarxismus-Ideologen und Jordan Peterson) praktiziert und gefördert wird.

    Und auch für die jeweiligen „negativen“ Varianten der aufgeführten Hauptströmungen des politischen Denkens muss die Meinungsfreiheit gelten, (solange nicht zur Gewalt aufgerufen wird oder gegen § 130 des Strafgesetzbuchs (Volksverhetzung) verstoßen wird.)

    Ich befürworte bei diesem Thema (wie bei anderen Themen auch) also ein Konzept wahrheitsorientierter Kritik auf der Grundlage von Strömungsdifferenzierungen, denn anders ist wahrheitsorientierte Kritik nicht möglich.

    • @ Leszek Ich weiß wohl, dass Pluckrose in ihrem Ruhrbarone-Text den Ursprüngen und Intentionen postmoderner Philosophie nicht gerecht wird. Richtig aber finde ich die Gegenüberstellung einer heutigen Postmodernen Linken mit den wesentlichen Elementen der demokratischen Moderne – Menschenrechte, Redefreiheit, auch: Legitimation durch Verfahren. Es stimmt, dass die postmoderne Linke, die wesentlicher Impulsgeber der „Grievance Studies“ ist, an vormoderne Haltungen anknüpft.

      Ich habe den Text auch deswegen verlinkt, weil klar wird, dass Pluckrose sich selbst durchaus überzeugt als Linke sieht, die eben KEINEN rechten Aufschwung möchte. Denn die Kritik, die an den drei Forschern bislang geübt wird, richtet sich nach meinem bisherigen Eindruck nicht gegen die Substanz ihres Coups – sondern gegen ihre Personen (keiner von ihnen habe eine Professur etc.) und besonders gegen ihre politische Motivation – ihnen wird schlicht unterstellt, „rechte Narrative“ zu bedienen.

      Dass diese Unterstellung verleumderisch ist, wird im Ruhrbarone-Text m.E. schnell klar.

  • @ Lucas Schoppe

    Du schreibst:

    „ (…) akademische Felder wie die Gender Studies, Studien zur Sexualität, zum Verhältnis der Rassen, aber mittlerweile auch weite Bereiche der Soziologie insgesamt.“

    „In den Naturwissenschaften kommt man aber nicht darum herum, sich an irgendeinem Punkt der Forschung mit einer Realität außerhalb der eigenen Fantasien zu beschäftigen. Selbst Betrüger müssen das, wenn sie ihren Betrug halbwegs glaubwürdig gestalten wollen. In den Sozialwissenschaften ist das, wie gesehen, nicht mehr unbedingt nötig.“

    Die politisch korrekten postmodernen „Grievancs Studies“ haben ihre vorrangige Verankerung m.W. traditionell nicht in den klassischen US-amerikanischen Sozialwissenschaften, sondern in bestimmten Segmenten der US-amerikanischen Geisteswissenschaften. Sicherlich üben sie auch Einfluss auf die Sozialwissenschaften aus, aber nach meinen Kenntnissen im Schnitt geringer als in bestimmten Geisteswissenschaften.

    Der Politikwissenschaftler Mathias Hildebrandt geht in einem Kapitel seines im Jahre 2005 erschienenen, m.E. sehr lesenswerten wissenschaftlichen Standardwerkes zur Entstehung von Multikulturalismus und Political Correctness in den USA auf die zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Befunde zur Institutionalisierung und Verbreitung der postmodernen politisch korrekten Studies-Fächer an US-amerikanischen Universitäten ein. Dabei macht er in einem Abschnitt auch Aussagen darüber in welchen klassischen Disziplinen diese, seinen Befunden zufolge, stärker verankert sind.

    Die postmodernen politisch korrekten Fächer sind m.W. folgendermaßen an US-amerikanischen Universitäten institutionalisiert:

    – Sie besitzen erstens eigene Abteilungen und Studiengänge. In diesen werden vermutlich Personen sowohl mit geisteswissenschaftlicher als auch mit sozialwissenschaftlicher Ausbildung tätig sein.

    – Sie besitzen zweitens auch spezifische Kurse in anderen Disziplinen.

    Mathias Hildebrandt schreibt bezüglich seiner Befunde zum Einfluss des politisch korrekten Postmodernismus in verschiedenen traditionellen geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Disziplinen in den USA:

    „Allerdings scheint diese Entwicklung im Wesentlichen auf die English- und Literature Departments beschränkt bzw. zumindest konzentriert zu sein. Nach den mir vorliegenden Informationen sind andere Fächer, wie z.B. Politische Wissenschaft oder Soziologie vom Aufstieg des postmodernen Multikulturalismus nicht in demselben Maße wie die English und Literature Departments berührt, da sich viele der in diesen Departments tätigen Wissenschaftler zu den ehe quantitativ arbeitenden Social Sciences als zu den hermeneutisch vorgehenden Humanities rechnen. Aber behandelte Autoren wie Iris M. Young, Jung Min Choi/John W. Murphy und William E. Connolly zeigen, dass auch die Politikwissenschaft und die Psychologie von diesen Entwicklungen nicht unberührt blieben. Die Geschichtswissenschaft kann mit den New Historians (…) und die Juristen mit dem Critical Legal Studies Movement (…) einflussreiche postmoderne Strömungen in ihren Disziplinen aufweisen. Dagegen sind die Business Schools und Departments of Economics eine konservative Festung auf den amerikanischen Campuses (…). Die Natur- und Ingenieurswissenschaften sind verständlicherweise von dieser Entwicklung noch kaum berührt (…).

    (aus: Mathias Hildebrandt – Multikulturalismus und Political Correctness in den USA, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2005, S. 370)

    Belegquellen zu den gemachten Angaben finden sich im Buch.
    Stärker von politisch korrekten postmodernistischen Einflüssen betroffen ist des Weiteren noch die US-amerikanische Kulturanthropologie/Ethnologie, die in einem anderen Kapitel des Buches ausführlicher behandelt wird.

    Diese Analyse stimmt mit dem, was ich in anderen wissenschaftlichen Quellen zum Thema bisher gelesen habe, weitgehend überein.

    Die US-amerikanische Philosophie ist übrigens wenig betroffen, in dieser dominiert traditionell die analytische Philosophie und der politisch korrekte Postmodernismus wird dort überwiegend abgelehnt.

    Die Befunde von Mathias Hildebrandt sind, wie gesagt, aus seinem Buch aus dem Jahre 2005.
    Mein Eindruck ist, dass der Einfluss des politisch korrekten Postmodernismus in der US-amerikanischen Soziologie in der Zwischenzeit zugenommen hat. Das schließe ich daraus, dass zur Zeit eine Vertreterin des politisch korrekten Postmodernismus den Vorsitz einer der größten US-amerikanischen soziologischen Organisationen innehat und auf deren Homepage manchmal ihren Müll ablässt.
    Trotzdem erscheint mir deine Formulierung, dass „mittlerweile auch weite Bereiche der US-amerikanischen Soziologie“ vom politisch korrekten Postmodernismus beeinflusst oder dominiert seien (ohne weitere Begründungen bzw. Angabe zuverlässiger Quellen) als fragwürdig.

    Für die europäische Soziologie wäre diese Aussage m.E. klar falsch und auch in der US-amerikanischen Soziologie gibt es viele soziologische Unter-Disziplinen – die sogenannten Bindestrich-Soziologien – bei denen es politisch korrekten Postmodernisten schwer fallen dürfte, diese zu kapern, weil sie sich mit ganz anderen Themen befassen, auf empirisch-wissenschaftlichen Forschungsmethoden beruhen und traditionell von anderen soziologischen Denkschulen geprägt sind. Erst Recht sollte eine solche Behauptung m.E. nicht ohne weitere Begründung bzw. Angabe zuverlässiger Quellen auf die US-amerikanischen Sozialwissenschaften an sich generalisiert werden.

    Bei diesem Projekt wurde ja nicht gewöhnlichen sozialwissenschaftlichen oder soziologischen Fachzeitschriften pseudowissenschaftliche Artikel angeboten (auch ein solches Projekt fände ich aber gut und interessant), sondern es ging hierbei ja ganz spezifisch um Fachzeitschriften, die thematisch wesentlich dem Postmodernismus zuzuordnen sind oder in denen zumindest häufiger Artikel aus postmodernistischer Perspektive veröffentlicht werden.

    Inwieweit traditionelle sozialwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Disziplinen in den USA gegenwärtig vom politisch korrekten Postmodernismus beeinflusst oder dominiert werden, muss aber differenziert nach den jeweiligen Disziplinen und auf Grundlage verlässlicher Quellen beurteilt werden.

    • @ Leszek Danke für den Hinweis. Ich habe im Text aus zwei Gründen von der Soziologie geschrieben. Erstens stand es so im Text, den die drei im Aero-Magazin veröffentlicht hatten – und zweitens hatte ich die Situation in Deutschland im Kopf. Hier trifft die Kritik an den „Grievance Studies“ wohl vor allem die Gender Studies, und die sind mit einem deutlichen Überhang in den Sozialwissenschaften platziert. https://www.bundestag.de/blob/536708/f920fd8afc4c784a7bd0ce05801097bd/wd-8-043-17-pdf-data.pdf

      Der Hinweis ist aber trotzdem wichtig, weil ja klar ist, dass die Soziologie insgesamt sehr entschiedene Feinde hat, die das Fach ohnehin als substanzlose Laberfach abtun. Allerdings wäre es dann gerade wichtig, dass Soziologen ihr Fach seriös fundieren, etwa nachvollziehbar klären, was denn in der Soziologie eine wissenschaftliche Überprüfbarkeit sein kann (darum geht es ja auch in einem Kommentar von Pjotr hier).

      • @ Lucas Schoppe

        „Ich habe im Text aus zwei Gründen von der Soziologie geschrieben. Erstens stand es so im Text, den die drei im Aero-Magazin veröffentlicht hatten“

        Ich könnte mir vorstellen, dass du Passagen des Textes bei diesem Punkt etwas überinterpretiert hast.

        Ich gehe mal ein paar zentrale Passagen der Autoren aus ihrem Artikel zu diesem Thema durch.

        Gleich am Anfang schreiben sie:

        „Something has gone wrong in the university—especially in certain fields within the humanities.”

        Also, genau wie bei Mathias Hildebrandt werden in diesem Satz bestimmte Segmente der US-amerikanischen Geisteswissenschaften – nicht der Sozialwissenschaften – als die Bereiche erwähnt, in denen der politisch korrekte Postmodernismus an US-amerikanischen Universitäten primär verankert ist.

        “We spent that time writing academic papers and publishing them in respected peer-reviewed journals associated with fields of scholarship loosely known as “cultural studies” or “identity studies” (for example, gender studies) or “critical theory” because it is rooted in that postmodern brand of “theory” which arose in the late sixties.”

        Mit “Critical Theory” ist hier NICHT die Kritische Theorie der Frankfurter Schule gemeint, sondern, wie ich ja auch in meinem Gastartikel auf deinem Blog erklärt hatte, ist es in den USA leider so, dass auch Vertreter postmodernistischer und politisch korrekter postmodernistischer Theorieströmungen an US-amerikanischen Universitäten den Begriff „Critical Theory“ manchmal für sich verwenden, auch wenn sie mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule nichts zu tun haben:

        https://man-tau.com/2018/05/30/kritik-an-jordan-peterson-antwort-von-leszek-auf-genderama-leserbrief-zu-jordan-peterson-vom-16-mai-2018-eine-kleine-artikelserie-1-teil/#w123

        Die Autoren meinen hier mit „Critical Theory“ solche postmodernistischen Strömungen. Leider gehen sie in dem Artikel nicht explizit darauf ein, dass die Verwendung von „Critical Theory“ bei Vertretern der entsprechenden postmodernistischen Theorieströmungen nicht bedeutet, dass diese etwas mit der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule zu tun hätten.

        In einigen der bislang erschienenen deutschsprachigen Berichten zu dem Projekt, wird dies leider ohne weitere Erklärung übernommen. Das führt schnell zur Verwirrung, denn in Deutschland steht der Begriff „kritische Theorie“ nur für die Kritische Theorie der Frankfurter Schule und wird in der Regel nicht von Vertretern postmodernistischer oder politisch korrekter postmodernistischer Theorieströmungen als Eigenbezeichnung verwendet.
        Hier wäre also etwas mehr begriffliche Klarheit sowohl bei den Akteuren des Projekts als auch bei deutschsprachigen Journalisten sinnvoll gewesen.

        “The papers themselves span at least fifteen subdomains of thought in grievance studies, including (feminist) gender studies, masculinities studies, queer studies, sexuality studies, psychoanalysis, critical race theory, critical whiteness theory, fat studies, sociology, and educational philosophy.”

        Hier werden also neben mehreren typischen Sub-Disziplinen des politisch korrekten Postmodernismus auch Disziplinen wie Psychoanalyse, Soziologie und Philosophie der Erziehung genannt, von denen jeweils eine Fachzeitschrift als Adressat für die pseudowissenschaftlichen Artikel genommen wurde.

        Es dürfte m.E. aber naheliegend sein, dass wenn die Autoren hier z.B. die Psychoanalyse nennen, sie damit wohl nicht die Behauptung aufstellen wollen, dass typische Hauptströmungen der zeitgenössischen Psychoanalyse wie z.B. die Objektbeziehungstheorie, die Selbstpsychologie, die mentalisierungsbasierte Psychoanalyse oder die psychoanalytische Bindungsforschung und die empirische psychoanalytische Entwicklungspsychologie in den USA allesamt verdrängt worden seien durch die strukturale Psychoanalyse von Jacques Lacan oder eine andere postmoderne Interpretation der Psychoanalyse.

        Ich interessiere mich u.a. für die zeitgenössische Psychoanalyse und von einem solchen massiven Verdrängungsprozess aller klassischen psychoanalytischen Hauptströmungen durch postmodernistische psychoanalytische Strömungen in den USA habe ich noch nichts gehört. Wer eine solche Behauptung aufstellt, hätte dies selbstverständlich anhand von Recherchen in aktuellen psychoanalytischen Publikationen (Büchern und Zeitschriften) in den USA zu belegen.

        Mit der Erwähnung von Psychoanalyse in der Aufzählung in dem Artikel ist also wohl nicht gemeint, dass in den USA die Mehrheit zeitgenössischer praktizierender psychoanalytischer Psychotherapeuten oder psychoanalytischer Forscher heute Postmodernisten seien.

        Gemeint ist wahrscheinlich, dass hier eine bestimmte psychoanalytische Zeitschrift ausgewählt wurde, die bekannt dafür ist, auch Themen aus postmodernistischer Perspektive zu behandeln.
        Dass bedeutet aber nicht – und erst Recht belegt es nicht – dass zeitgenössische psychoanalytische Fachzeitschriften in den USA in der Regel postmodernistisch geprägt seien.

        Und ähnlich dürfte die Erwähnung der Soziologie hier zu verstehen seien.
        Die Soziologie wird ja unterteilt in die allgemeine Soziologie und eine große Vielzahl spezieller Soziologien. Hier ist zur Veranschaulichung eine Liste spezieller Soziologien:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_spezieller_Soziologien

        Diese Liste ist unvollständig, es gibt noch mehr. Niemand, auch kein Soziologe kann den Stand der Forschung und Theoriebildung in all diesen Forschungsbereichen vollständig überblicken.

        Politisch korrekte Postmodernisten versuchen nun bestimmte soziologische Disziplinen zu kapern oder zumindest zu beeinflussen, in der Regel solche, die mit ihren Interessen konvergieren wie z.B. die Geschlechtersoziologie oder die soziologische Rassismusforschung. (Diese soziologischen Disziplinen sind natürlich wichtig und sollten auf keinen Fall politisch korrekten Postmodernisten überlassen werden.)
        Der Einfluss politisch korrekter Postmodernisten in solchen soziologischen Feldern ließe sich auch durch Recherche ermitteln, aber daraus kann natürlich nicht auf den Einfluss politisch korrekter Postmodernisten in anderen speziellen Soziologien rückgeschlossen werden. Diese wären gesondert zu überprüfen.

        Wollte man überprüfen, wie groß gegenwärtig der Einfluss des politisch korrekten Postmodernismus in der US-amerikanischen Soziologie allgemein ist, dann wäre aber auch dies im Groben möglich – durch eine intensive Recherche in aktuellen soziologischen Lehrbüchern und führenden soziologischen Fachzeitschriften sowie zu den aktuellen Lehrplänen der Soziologie an US-amerikanischen Universitäten.
        Aber darum ging es in diesem Projekt ja nicht.

        Mit der Erwähnung von Soziologie in der Aufzählung in dem Artikel dürfte also wahrscheinlich gemeint sein, dass eine bestimmte soziologische Fachzeitschrift ausgewählt wurde, die bekannt dafür ist, auch Themen aus postmodernistischer Perspektive zu behandeln.
        Weder wird dadurch ausgesagt – noch belegt – dass weite Teile der US-amerikanischen Soziologie heute von politisch korrekten Postmodernisten beeinflusst oder dominiert seien.
        Wie groß der Einfluss politisch korrekter Postmodernisten auf die zeitgenössische US-amerikanische Soziologie tatsächlich ist, ist natürlich eine wichtige und interessante Frage – aber sie kann nicht durch das (gute und wichtige) Projekt von Helen Pluckrose, James A. Lindsay und Peter Boghassioan beantwortet werden und darum ging es in ihrem Projekt auch nicht.

        “As a society we should be able to rely upon research journals, scholars, and universities upholding academic, philosophical, and scientific rigor (because most academic journals do).”

        Hier wird deutlich, dass die Autoren die vom politisch korrekten Postmodernismus beeinflussten oder dominierten Journale nicht als die Regel in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften ansehen.

        “Does this show that academia is corrupt? Absolutely not. Does it show that all scholars and reviewers in humanities fields which study gender, race, sexuality and weight are corrupt? No. To claim either of those things would be to both overstate the significance of this project and miss its point. Some people will do this, and we would ask them not to. The majority of scholarship is sound and peer review is rigorous and it produces knowledge which benefits society.”

        Auch hier versuchen die Autoren also unzulässigen Verallgemeinerungen vorzubeugen. Sie differenzieren ihrem Selbstverständnis nach klar zwischen dem politisch korrekten Postmodernismus einerseits und den seriösen Bereichen in den Geisteswissenschaften und Sozialwissenschaften andererseits und sie sehen den politisch korrekten Postmodernismus offenbar nicht als die Regel an.

        “Nevertheless, this does show that there is something to be concerned about within certain fields within the humanities which are encouraging of this kind of “scholarship.””

        Sie sprechen hier von “certain fields within the humanities”, also – genau wie Mathias Hildebrandt in dem Zitat – von bestimmten Bereichen in den Geisteswissenschaften.

        „Two other wrong answers are to attack the peer-review system or academia overall. Peer review may need reform to prevent it from being susceptible to political, ideological, and other biases, but it remains the best system we have for guaranteeing the quality of research—and in most fields it works extremely well. The same is true for the university, which is a center of knowledge production and a gem of modern culture. Fighting the university or the peer-review system would be like killing the patient to end the disease. We expect to see these attacks, especially from political conservatives, and they are wrongheaded.”

        Hier versuchen die Autoren also dem Mißbrauch ihrer Erkenntnisse durch Konservative/Rechte vorzubeugen.

        “Worse, the problem of corrupt scholarship has already leaked heavily into other fields like education, social work, media, psychology, and sociology, among others—and it openly aims to continue spreading. This makes the problem a grave concern that’s rapidly undermining the legitimacy and reputations of universities, skewing politics, drowning out needed conversations, and pushing the culture war to ever more toxic and existential polarization. Further, it is affecting activism on behalf of women and racial and sexual minorities in a way which is counterproductive to equality aims by feeding into right-wing reactionary opposition to those equality objectives.”

        Hier werden nun auch sozialwissenschaftliche Disziplinen genannt. Mit der Formulierung “the problem of corrupt scholarship has already leaked heavily into other fields” bringen die Autoren zum Ausdruck, dass ihrer Ansicht nach der politisch korrekte Postmodernismus auch in bestimmten sozialwissenschaftlichen Disziplinen in den USA bereits eine negative Rolle spielt. Dabei wird auch die Soziologie genannt, aber ebenfalls Erziehungswissenschaft, Soziale Arbeit, Medienwissenschaft und Psychologie.

        So sinnvoll es ist, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, dass destruktive Einflüsse des politisch korrekten Postmodernismus auch in sozialwissenschaftliche Disziplinen rüberschwappen und so wichtig es ist, davor zu warnen, dass der politisch korrekte Postmodernismus weiter Einzug in sozialwissenschaftliche Disziplinen hält, sollte diese Formulierung aber m.E. nicht mißverstanden werden als allgemeine Beurteilung der genannten Disziplinen, in denen es ja wiederum Unter-Disziplinen und verschiedene theoretische Denkschulen gibt und eine große Vielzahl an Themen behandelt werden.

        Auch wenn es destruktive Einflüsse des politisch korrekten Postmodernismus z.B. auf die zeitgenössische Psychologie in den USA gibt, so wird man zum gegenwärtigen Zeitpunkt wohl nicht behaupten können, die Psychologie an US-amerikanischen Universitäten sei mehrheitlich vom politisch korrekten Postmodernismus beeinflusst. Vielmehr müsste man auf Grundlage von Recherche die spezifischen Bereiche und Themen innerhalb der Psychologie identifizieren, in denen dies der Fall ist.

        “What do we hope will happen? Our recommendation begins by calling upon all major universities to begin a thorough review of these areas of study (gender studies, critical race theory, postcolonial theory, and other “theory”-based fields in the humanities and reaching into the social sciences, especially including sociology and anthropology), in order to separate knowledge-producing disciplines and scholars from those generating constructivist sophistry. We hope the latter can be redeemed, not destroyed, as the topics they study—gender, race, sexuality, culture—are of enormous importance to society and thus demand considerable attention and the highest levels of academic rigor.”

        Hier ist also die Rede von ““theory”-based fields in the humanities and reaching into the social sciences, especially including sociology and anthropology”. Genannt wird also wiederum die primäre Verankerung des politisch korrekten Postmodernismus in bestimmten Geisteswissenschaften und es wird ausgesagt dass der politisch korrekte Postmodernismus ausgehend von den entsprechenden Feldern in den Geisteswissenschaften in die Sozialwissenschaften eindringt. Bei dieser Formulierung werden Anthropologie – gemeint ist wahrscheinlich Kulturanthropologie/Ethnologie – und Soziologie als sozialwissenschaftliche Disziplinen hervorgehoben. Bei der US-amerikanischen Kulturanthropologie/Ethnologie ist es nach den mir bekannten Informationen der Fall, dass diese vom politisch korrekten Postmodernismus stark beeinflusst ist, bezüglich der US-amerikanischen Soziologie verfüge ich bislang über keine verlässlichen Informationen, aus denen ich schließen könnte, dass dies in gleichem Ausmaß wie in der US-amerikanischen Kulturanthropologie/Ethnologie der Fall ist und ich halte dies auch nicht für wahrscheinlich. (Auch in der US-amerikanischen Kulturanthropologie/Ethnologie gibt es aber natürlich, nach wie vor, auch andere theoretische Strömungen, die nicht postmodernistisch sind.)

        Die Autoren machen in der Formulierung aber keine konkreten Aussagen darüber, wie groß der Einfluss des politisch korrekten Postmodernismus in den beiden in dem Zitat genannten sozialwissenschaftlichen Disziplinen in den USA ihrer Ansicht nach jeweils ist. Es wird also nicht ausgesagt, dass weite Teile der US-amerikanischen Soziologie vom politisch korrekten Postmodernismus beeinflusst oder dominiert seien.

        Die Autoren nennen in dem Zitat als typische Themen des politisch korrekten Postmodernismus „gender, race, sexuality, culture“ und man kann daher annehmen, dass sie der Ansicht sind, dass jene US-amerikanischen soziologischen Disziplinen, die sich mit diesen Themen befassen vom politisch korrekten Postmodernismus beeinflusst sind.

        Die Soziologie befasst sich aber auch noch mit vielen anderen Themen und auch falls im Kontext der speziellen Soziologien z.B. die Geschlechtersoziologie, die soziologische Rassismusforschung, die Sexualsoziologie und die Kultursoziologie in den USA von politisch korrekten postmodernistischen Einflüssen geprägt wären, dann ist damit nichts über andere soziologische Unter-Disziplinen bzw. spezielle Soziologien gesagt, die sich mit anderen Themen befassen. Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass das Ausmaß des Einflusses des politischen korrekten Postmodernismus in (Unter-)Disziplinen, in die er tatsächlich hineinspielt, variieren kann. Ich würde z.B. vermuten, dass Einflüsse des politisch korrekten Postmodernismus auf die US-amerikanische Kultursoziologie und Sexualsoziologie (falls es sie dort gibt) geringer sind als in der US-amerikanischen Geschlechtersoziologie und soziologischen Rassismusforschung.

        Die Autoren rufen abschließend dazu auf – und das finde ich sehr gut und richtig und wichtig – dass die Universitäten prüfen sollen, in welchen geisteswissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Bereichen wissenschaftlich gearbeitet wird und in welchen nicht.

        Die unwissenschaftlichen politisch korrekten postmodernistischen „Grievance Studies“ sollten m.E. dicht gemacht werden, dh. ihre Abteilungen, Studiengänge und Kurse sollten abgeschafft werden.

      • @ Lucas Schoppe

        „– und zweitens hatte ich die Situation in Deutschland im Kopf. Hier trifft die Kritik an den „Grievance Studies“ wohl vor allem die Gender Studies, und die sind mit einem deutlichen Überhang in den Sozialwissenschaften platziert.“

        Was aber natürlich nichts daran ändert, dass die überwältigende Mehrheit von Soziologen und Sozialwissenschaftlern in Deutschland sich nicht mit Gender Studies beschäftigen.

        „Der Hinweis ist aber trotzdem wichtig, weil ja klar ist, dass die Soziologie insgesamt sehr entschiedene Feinde hat, die das Fach ohnehin als substanzlose Laberfach abtun.“

        Bei solchen Personen handelt es sich meist um MINT´ler, die niemals ein soziologisches Lehrbuch oder eine soziologische Fachzeitschrift aus der Nähe gesehen haben, bei denen jede objektive Beurteilungsgrundlage fehlt und die primär durch ein Bedürfnis nach Selbstaufwertung motiviert sind. (Selbstverständlich behaupte ich aber nicht, dass solche Leute für MINT-Fächer repräsentativ seien.)

        Speziell im Netz-Maskulismus ist es aber bekanntlich ein Problem, dass die Männerrechtsbewegung leider einen erhöhten Anteil solcher Spinner anzieht und dass diese zusätzlich z.B. durch einen narzisstisch gestörten Blogger wie Hadmut Danisch aufgeheizt und angestachelt werden. Daher ist seit Jahren eine konstruktive Kooperation zwischen Sozialwissenschaftlern bzw. sozialwissenschaftlich interessierten Personen und Naturwissenschaftlern bzw. naturwissenschaftlich interessierten Personen in der Männerrechtsbewegung im Vergleich zu anderen sozialen Bewegungen erschwert.

        Die Männerrechtsbewegung ist übrigens von ihren wissenschaftlichen und theoretischen Grundlagen her wesentlich durch Sozialwissenschaften und Psychologie fundiert, weniger durch Naturwissenschaften:

        https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/16/gastartikel-leszek-und-die-soziologie/

        Es lohnt sich also m.E. nicht nur aus wissenschaftlichen Gründen, sondern auch aus pragmatischen Gründen, zu versuchen bei diesem Thema möglichst objektiv zu sein.

        „Allerdings wäre es dann gerade wichtig, dass Soziologen ihr Fach seriös fundieren, etwa nachvollziehbar klären, was denn in der Soziologie eine wissenschaftliche Überprüfbarkeit sein kann (darum geht es ja auch in einem Kommentar von Pjotr hier).“

        Die Soziologie ist hinsichtlich ihrer wissenschaftstheoretischen und wissenschaftsmethodologischen Grundlagen seriös fundiert und die gültigen wissenschaftlichen Standards innerhalb der Soziologie (an die sich Genderisten bzw. politisch korrekte Postmodernisten nicht halten) können jedem Lehrbuch der empirischen Sozialforschung entnommen werden.

        Ich empfehle Interessierten zu diesem Thema meistens das Buch „Empirische Sozialforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen“ von Andreas Diekmann

        https://www.bol.de/shop/home/artikeldetails/ID11398263.html

        und zwar weil es unterhaltsamer geschrieben ist als andere Bücher zum Thema, (die ansonsten aber inhaltlich auch gut sind).

        Was wissenschaftliche Methoden in der Soziologie und anderen Sozialwissenschaften angeht, wird zwischen quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden unterschieden. Beide sind notwendig. In Lehrbüchern zur empirischen Sozialforschung stehen meist die quantitativen Methoden im Vordergrund und bezüglich der qualitativen Methoden gibt es auch nochmal spezielle Lehrbücher.

        Wie alle wissenschaftlichen Methoden lassen sich sowohl quantitative als auch qualitative Methoden der Sozialforschung natürlich auch falsch anwenden und mißbrauchen.
        Genderisten bzw. politisch korrekte Postmodernisten mit sozialwissenschaftlicher Ausbildung verwenden beide und verstoßen in beiden Fällen gegen die geltenden wissenschaftlichen Standards, im Schnitt verwenden sie aber häufiger qualitative Methoden als quantitative Methoden (und verstoßen dann gegen deren Standards).

        Warum meiner Ansicht nach z.B. die Gender Studies in der Soziologie nicht häufiger kritisiert werden, hatte ich in diesem Beitrag erklärt – siehe hierzu auch den ersten Kommentar direkt unter dem Beitrag:

        https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2016/02/17/fundstueck-leszek-zu-der-frage-warum-soziologen-so-selten-gender-studies-kritisieren/

        Das hat nichts damit zu tun, dass es in der Soziologie keine gültigen Standards wissenschaftlichen Arbeitens gebe, es hat ganz andere Gründe.

  • In einem auch auf Genderama verlinkten ausführlichen Artikel zum „Grievance Studies Hoax“ in der Basler Zeitung findet sich speziell zum Thema Soziologie übrigens folgende Passage:

    „Ein weiterer Kritikpunkt zielt auf die Methodologie des Trios ab. Da sie ihre Fälschungen nur an Zeitschriften mit postmodernen Affinitäten schickten, haben sie eigentlich keine Vergleichsmöglichkeit, um Aussagen darüber zu machen, ob diese Zeitschriften nun anfälliger auf Schwachsinn sind als andere. Zum Vergleich: Wenn man nur Reiche anschauen würde, käme man zum Schluss, dass Lottospielen reich macht. Trotz dieser schwachen Methodik hat das Trio jedoch unabsichtlich eine Mini-Kontrollgruppe in ihrer Auswahl: So wurde keine der Soziologie-Arbeiten akzeptiert.“

    https://bazonline.ch/wissen/bildung/Sozialwissenschaftler-mit-Hundesex-und-Mein-Kampf-veraeppelt/story/25949132

    Die gleiche Information findet sich auch in folgendem englischsprachigen Artikel auf BuzzFeed:

    https://www.buzzfeednews.com/article/virginiahughes/grievance-studies-sokal-hoax

    In dem BuzzFeed-Artikel geht es um Kritiken am „Grievance Studies Hoax“-Projekt. Ich stimme vielen Kritiken NICHT zu. Ich begrüße das Projekt von James Lindsay, Helen Pluckrose und Peter Boghossian und rufe zu weiteren Aktionen dieser Art auf.

    Besonders bescheuert finde ich die Kritik, das Projekt sei „unethisch“ gewesen. Als jemand, der sich u.a. für Moralphilosophie/Ethik interessiert, würde ich dies entschieden zurückweisen. Bei dem Projekt handelt es sich m.E. um eine verantwortungsethisch motivierte Nutzung einer gewaltfreien Aktionsform zur Aufdeckung realer Mißstände, die ethisch völlig gerechtfertigt ist.

    Mir geht es an dieser Stelle aber um eine Passage zum Thema Soziologie in dem Artikel. Diesbezüglich heißt es:

    “We also found little evidence that the problem of bogus scholarship identified by the trio was “reaching into sociology,” as they claimed. They submitted papers to three publications categorized in the JCR as sociology journals. All three papers were rejected.“

    Nach diesen Informationen, waren also drei der Journale auch unter Soziologie gelistet (manchmal offenbar zusätzlich noch unter eine andere Kategorie) und sämtliche unter Soziologie gelisteten Journale haben die pseudowissenschaftlichen Artikel zurückgewiesen.

    Wie in dem Zitat zuvor aus der Basler Zeitung angemerkt, kann man die Soziologie-Journale in diesem Sinne auch als Mini-Kontrollguppe für das Projekt interpretieren.

    Wenn das so stimmt, dann wäre eine der interessanten Erkenntnisse, die dieses großartige Projekt hervorgebracht hat also, dass Soziologie-Journale nicht besonders anfällig dafür sind, entsprechende pseudowissenschaftliche Artikel zu publizieren.

  • Heute via Genderama: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sozialer-konstruktivismus-forschungsstreich-in-den-usa-a-1231820.html

    Erstaunlich, unter Berücksichtigung der bevorzugten Verortung der meisten Schreiberlinge beim Spiegel, ist, dass dieser Kommentar durchgegangen ist, ohne stetig auf die eigentlich fundamentale Wichtigkeit der Gender Studies und ihrer Heilslehren hinzuweisen. Stattdessen wird sogar abseits der Hoax-Texte auf grob unsinnigen Stuss hingewiesen, der aus vollem Ernst innerhalb dieses Dunstkreises so als Wissenschaft betrachtet werden möchte und in der öffentlichen Wahrnehmung unter dem Radar fliegt / gehalten wird.

    Bei den zahlenmäßig deutlich unterlegenen, dies aber durch erhöhte Kommentarfrequenz ausgleichenden Verteidigern der Gender Studies erlebe ich aber die immer gleichen Argumentationen, die ich bei derlei Diskussionen schon seit Jahren erlebe: natürlich sind erst einmal die jeweiligen Publikationen schlecht und keinesfalls wichtig innerhalb ihrer Blase. Die übliche Verteidigung. Inzwischen gibt es wohl kaum eine „Wissenschafts“-Zeitschrift aus dem Gender- und Feminismusbereich, der infolge von veröffentlichtem Schwachsinn von den Genderverteidigern nicht umgehend Irrelevanz und Unseriösität attestiert wurde. Hmmm… wenn aus einer bestimmten ideologischen Richtung scheinbar, selbst nach Aussagen ihrer eigenen Gläubigen, alle bekannten Publikationen irrelevant und unseriös sind, was könnte einem das wohl über die Bereiche, über die dort geschrieben wird, sagen?

    Und natürlich wird darauf verwiesen, dass auch in Publikationen zu anderen Wissenschaftsbereichen, auch aus den Bereichen der „harten“ Wissenschaften, schon Unfug veröffentlicht worden ist. Das stimmt natürlich. Irritieren tut mich dabei aber erheblich, dass gewiss noch in keiner Physikzeitschrift über z. B. die praktische Nutzbarmachung kinetischer Energien zum Lösen der Judenfrage geschrieben worden ist. Denn was man beim Werfen dieser Nebelkerze entschlossen ignoriert, ist ja der Fakt, dass dort nicht einfach nur Unfug publiziert werden sollte, sondern Texte zur Veröffentlichung angenommen wurden, die vor allem gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in Vollendung zelebrierten und dies nur nicht störte, weil es sich gegen Gruppen richtete, die nicht nur in den Verlagen der jeweiligen Zeitungen sondern tatsächlich in den Gender Studies recht flächendeckend als das Böse schlechthin gelten. Das ist für mich DER zentrale Unterschied zu Blödsinnspublikationen aus anderen Bereichen. Da hätte der Blödsinn erkannt werden müssen, weil er wissenschaftlich offensichtlich leicht falsifizierbar gewesen wäre, aber hier wurden schlicht Ressentiments bis hin zum offenen Hass auf Menschen, nur aufgrund willkürlicher Gruppenzugehörigkeiten, durchgewunken.

    Es ist doch wohl ein schon erheblicher Unterschied, ob Ergebnisse in einer Wissenschaftszeitschrift veröffentlicht werden, die von einschlägig geschulten Leuten in kurzer Zeit aus Basis bestehender Erkenntnisse widerlegt werden können, oder ob man z. B. einen Text veröffentlicht, der ganze Passagen aus „Mein Kampf“ rezitiert und dort nur die angefeindeten Gruppen ausgetauscht wurden gegen jene, die im politisch korrekten Mainstream dafür einfach opportuner erscheinen.

    Dass dieser wesentliche Aspekt von den nun eifrigen Relativierern dieses Skandals nicht erkannt wird, sie offensichtlich völlig blind für genau diese ausgesprochen pikante Besonderheit sind, verrät meines Erachtens viel über die ethisch-moralische Verfassung, zu der auf vor allem auf Gruppeneinteilungen aufbauende Ideologien fast zwangsläufig führen.

    • Ich bin eigentlich der Auffassung, dass auch die Forschungsmethoden, die im Lehrgang Gender Studies gelehrt werden, nicht den Ansprüchen einer guten Wissenschaft genügen. Quantitative Forschungsmethoden werden offenbar kaum gelehrt und bei den qulitativen Forschungsmethoden bekomme ich den Eindruck, dass vor allem interpretative Verfahren gewählt werden, die auf eine inter- oder intrasubjektive Relibailität verzichten, sodass wir hier vor allem freihändig subjektive Interpretationen haben, die eben so oder anders ausfallen können, wo ich mich aber frage, was daran noch gross Wissenschaft sein soll.

    • Die Gender-Studies als Wissenschaft zu bezeichnen wäre gerechtfertigt, wenn tatsächlich ergebnisoffen geforscht würde und sie sich ernsthaft mit Kritik auseinandersetzen würden. Davon kann doch keine Rede sein. Kritiker werden politisch angefeindet, sie werden als politische Gegner oder gar Feinde behandelt, nie als Kritiker der Wissenschaftspraxis.

      Die Gender-Studies könnten allenfalls als theologische Fakultät an den Universitäten geduldet werden. Es ist ein dogmatisches Glaubenssystem, dass ausgehend von ihren Dogmen den Spagat zwischen Glauben und Realität versucht – mehr schlecht als recht. Ihr totalitärer Anspruch, in sämtlichen Wissenschaftszweigen vertreten zu sein, ohne entsprechende Fachausbildung notabene, zeigt das typische Verhalten der Religioten, die alles ihrer politisch-religiösen Doktrin unterwerfen wollen. Was in den Universitäten angestrebt wird, das wird auch gesamtgesellschaftlich angestrebt. So gibt es Initiativen, die eine mindestens 50%-ige Vertretung von Frauen an der Spitze der grossen Unternehmen verlangen. Konkret heisst das, dass Frauen in der Regel die absolute Mehrheit stellen würden, wenn nicht mal zufällig genau Gleichstand bestünde.

      Wenn die Genders behaupten, es gäbe auch in den Publikationen der Naturwissenschaften fehlerhafte Beiträge, dann ist das selbstverständlich so. Wir sprechen aber nicht von Fehlern, sondern von Bullshit im Quadrat. Cargo-cult-science scheint mir der richtige Begriff dafür zu sein. Man imitiert Wissenschaft, in dem man sich einer komplizierten Sprache bedient im Glauben, dies sei das Wesen der Wissenschaften, weil wissenschaftliche Studien, die sich auf hohem wissenschaftlichen Niveau bewegen, für manchen nur schwer verständlich ist . Cargo-cult. Es ist so lächerlich!

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