Deutschland Grüne Populismus

Ein AfD-Song wird zum Millionenhit

geschrieben von: Lucas Schoppe

Wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde mehr: Wie die „Künstler mit Herz“ aus Versehen für die AfD werben

Bayerisches Protestlied gegen die AfD wird zum viralen Hit.  – „Mia ned“ von Künstler mit Herz: Diese Anti-Afd-Song wird gerade millionenfach geguckt  – „Künstler mit Herz“ veröffentlichen virales Anti-Afd-Video

Das Video „Mia Ned“ des bayerischen Sängers Roland Hefter, das er zusammen mit anderen Künstlern gedreht hat, bezieht vor der Landtagswahl klar gegen die AfD Position („des was die wirklich woin, wui koa echter Bayer ham“).  So gut das Video gemeint sein mag, und so sehr es sich auch Mühe gibt, auf Fröhlichkeit statt auf düstere Anklagen zu setzen: Ich möchte hier dafür argumentieren, warum solch ein Video keine gute Antwort auf die AfD ist und, wenn auch wohl ungewollt, sogar Wahlkampf für sie betreibt.

Das Lied selbst ist ein mehr oder weniger netter Song, es ist aber interessant, weil an seinem Beispiel die Probleme einer heutigen Linken im Umgang mit der AfD deutlich werden.

 

Sind Sie sicher, dass das ein Song GEGEN die AfD ist?

Der Song beginnt mit einem kurzen Telefonat, das Hefter mit einem seiner „Spezen“ führt, der offensichtlich vorhat, AfD zu wählen. Da er das doch nicht machen könne, rennt Hefter zum Notfalleinsatz die Haustreppe herab – reißt beim Betreten der Straße Michaela May eine E-Gitarre aus der Hand, die sie dort zufällig gerade entlangträgt – hat dann aber den Notfall auch gleich schon wieder vergessen, sondern beginnt zu singen: Tatsächlich wäre in Deutschland ja vieles „eher ungerecht“, wer aber deshalb AfD wähle, habe ja wohl nicht deren Parteiprogramm gelesen.

Das holt Hefter nun nach und stellt für die Folgestrophen Kurzberichte aus dem AfD-Programm zusammen – und zwar wohl aus dem zur Bundestagswahl, nicht zur bayerischen Landtagswahl.

Natürlich hatte sich die AfD zwischenzeitlich über diesen Text aufgeregt, weil sie nicht akkurat wiedergegeben werde – woraufhin Hefter die Stellen aufzählt, auf die er sich bezieht. Hätten AfDler sich den Liedtext näher angeschaut, anstatt in eingeübter Empörungspose die mangelnde Demokratiefähigkeit ihrer Gegner zu beklagen, dann hätten sie Hefter wohl eher eine Dankestorte geschickt – angesichts der Zitate aus seinem Lied:

Auf koan Fall will die AfD die Gleichberechtigung, / Quoten lehnt sie ab, vielleicht halten’s Fraun für dumm

Nun haben Grüne, SPD und andere seit Jahrzehnten die Erfahrung gemacht, dass Frauenquoten das politische Engagement von Frauen nicht steigern und das für die Quotenerfüllung manchmal erheblich in Wahlentscheidungen eingegriffen werden muss – in die von Männern und Frauen. Eigentlich wäre es längst an der Zeit zu überlegen, ob Quoten denn nicht möglicherweise ein ungeeignetes Mittel sind, wenn Menschen die Partizipation von Frauen steigern wollen.

Statt dessen steht hier jemand, der Quoten skeptisch sieht, als Gegner der Gleichberechtigung da, der Frauen offenbar für dumm halte – und wird damit an die AfD verwiesen.

Kinder, die behindert san, mit Handicap geborn / die ham bei gsunde Knder in der Schule nix verlorn

Tatsächlich setzt sich die AfD lauf Wahlprogramm (BW, Punkt 8.3) „für den Erhalt der Förder- und Sonderschulen ein“. Das ist diffus. Im Zusammenhang liegt nahe, dass die Partei die Inklusion von Förderschülern in die Regelschulen völlig beenden möchte – die Forderung könnte aber auch bedeuten, dass Förderschulen einfach nicht vollständig abgeschafft werden sollen.

Das wiederum ist eine Forderung, der viele Eltern und Lehrer sich sofort anschließen könnten. Ich habe Kollegen, die sich mit großem Engagement auch um einzelne Kinder und Jugendliche kümmern – und die gleichwohl deutlich aussprechen, dass die Inklusion nicht für alle geeignet sei.

Welchen Sinn hat, Menschen, die so denken, AfD-Positionen zu unterstellen?

Ich finde es ja sehr gut, dass ich keine Witze und Wortspiele mit Namen mache, auch wenn die Wirklichkeit sie mir noch so hartnäckig aufdrängt. Auch keine literarischen Anspielungen, nicht mal auf Max Frisch oder so.

 

Außerdem die Fragn woher kriagn die Deutschn Strom / Die Lösung von der AFD heisst Kohle und Atom

Nun ist es ja tatsächlich bis heute nicht klar, wie es denn möglich sein sollte, gleichzeitig aus der Atom- und aus der Kohleenergie auszusteigen. Trotz der erheblichen Investitionen und Kosten reichen Wasser und Sonne bis heute nicht aus, weil sie bislang keine gleichmäßige Stromversorgung garantieren können.

Das Lied gibt Menschen, die Zweifel an der Energiewende haben, das Gefühl, damit nur bei der AfD gut aufgehoben zu sein. Dabei ist die Frage, ob und wie der naturgemäß ungleichmäßig produzierte Strom aus erneuerbaren Quellen in den benötigten Mengen gespeichert werden kann, schlicht eine technische Frage – die sich unglücklicherweise nicht einfach schon dadurch löst, dass sie in eine moralische Frage umdefiniert wird.

Lauf AFD-Parteiprogramm, dads koane Kirchen gebn

Das hat mich dann doch gewundert, und so habe ich im Wahlprogramm eigens nach Aussagen zu „Kirchen“ gesucht. Im Programm zur Bundestagswahl fordert die Partei erwartungsgemäß, islamischen Gemeinden nicht dieselben Rechte wie christlichen zu geben – insgesamt findet sich zum Punkt „Kirchen“ aber lediglich (Punkt 10) die Forderung, die Finanzierung von Kirchenrepräsentanten aus allgemeinen Steuermitteln abzuschaffen. Im Landtagswahlprogramm wird das weiter ausgeführt. (Punkt 1.5)

Nun werden vermutlich ohnehin ziemlich viele Menschen überrascht davon sein zu erfahren, wie vieles für die Kirchen aus allgemeinen Steuermitteln finanziert wird. Die politisch eher linke „Humanistische Union“ rechnet regelmäßig vor, welche Leistungen die Kirchen aus öffentlichen Geldern erhalten. Warum sollte das rechts und unbayerisch sein?

und wer schwul ist oder lesbisch ist, ist auch nicht mehr gern gesehen

Dazu habe ich im Wahlprogramm nichts gefunden. In den Passagen, die Hefter selbst nennt, poltert die AfD gegen die „Gender-Ideologie“ und gegen die „Frühsexualisierung“ in Schulen. So holzhammerhaft das auch daherkommt: Gegen die Gender Studies gibt es sehr ernsthafte Kritikpunkte, und ihr Wissenschaftsverständnis wird keineswegs nur von Rechten in Frage gestellt.

Dass wiederum Schulen dazu anhalten, Homosexuelle und Transsexuelle zu akzeptieren, findet wohl eine breite Mehrheit richtig – wenn aber schon Kindern beigebracht wird, dass Geschlechter und sexuelle Identitäten bloß soziale Konstruktionen wären, wird das nicht nur AfD-Fans befremden. Warum sollte ein vernünftige linke Politik den Eindruck erwecken, diese Menschen fänden nur bei der AfD Gehör?

Frauen, die abgetrieben ham, die stelln sie an den Pranger / und dem Mann solln sie gefügig sein, des ist doch echt der Hamma

Zur Fügsamkeit der Frau habe ich in den Wahlprogrammen nichts gefunden, wohl aber zur Abtreibung. Die Meldepflicht für Abtreibungen sollte verbessert werden, um realistische Zahlen erheben zu können. (BW, 7.5) Das Landtagswahlprogramm bezeichnet Abtreibungen als „Unrecht“, was die katholische Kirche – und grundsätzlich sogar das deutsche Recht  – nicht anders sieht.

Vor allem aber steht bei der AfD, dass die Schwangerschaftskonfliktberatung „nach Möglichkeit den Vater und die werdenden Großeltern mit einbeziehen sollte.“ (LW, 5.1) Nun bin ich bei den Großeltern etwas skeptisch – halte aber den Einbezug des Vaters für eine sehr gute Idee, schon allein um deutlich zu machen, dass er mit in der Verantwortung steht, aber dass eben auch seine Perspektive wichtig ist. Er muss deshalb ja nicht das letzte Wort haben.

Ganz sicher, dass kein echter Bayer dem zustimmen würde?

Kein öffentlicher Rundfunk mehr, alles wird privat

Nun liegt schon seit Jahren ein Gutachten des Finanzministeriums vor, das ausdrücklich zu dem Schluss kommt, für unser System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und seine Finanzierung gäbe es „kaum noch Gründe“ – Änderungen seien längst an der Zeit. Die Abhängigkeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von den Parteien, die seine erheblichen Einkünfte garantieren, sind auch in meinen Augen eine Gefahr für demokratische Prozesse, und ich wäre froh, wenn es darüber endlich eine offene Debatte geben würde. Muss ich also AfD wählen, wenn ich so denke?

Das werde ich natürlich nicht tun, allein schon wegen der neo-nazistischen Anteile und Flirts dieser Partei. Trotzdem fällt mir auf, dass der Song vielleicht versehentlich, aber auf jeden Fall entschlossen Werbung für die AfD macht.

Laut diesem Lied sollte nämlich AfD wählen, wer

  • andere Mittel als Quoten für sinnvoll hält, um Gleichberechtigung zu fördern,
  • Grenzen der schulischen Inklusion sieht,
  • Zweifel an der Energiewende hat und Kohle- und Atomkraft weiterhin für wichtig hält,
  • nicht möchte, dass Bischöfe aus Steuergeldern bezahlt werden,
  • Gender Studies nicht für wissenschaftlich hält und Gender-Theorien nicht als Teil der schulischen Sexualerziehung verankern möchte,
  • Väter in die Beratung zu Schwangerschaftsabbrüchen einbeziehen will (fairerweise muss ich klarstellen, dass dieser Punkt in Lied nicht direkt erwähnt wird – es hat mich lediglich auf die Idee gebracht, mal im Wahlprogramm nachzusehen), oder wer
  • das System des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in seiner jetzigen Form für überholt hält.

Sind Herr Hefter und die „Künstler mit Herz“ sich eigentlich ganz sicher, dass sie einen Spot GEGEN die AfD drehen wollten?

 

Spaltungen mit Spaltungen bekämpfen

Schon die Anlage des Songs ist zwiespältig: Da zieht ein Mann durch die Straßen, singt über die AfD – und lauter Leute seines Weges lassen alles stehen und liegen, laufen ihm hinterher, singen mit, lassen bunte Regenschirme tanzen und treffen sich schließlich zu einer großen bunten Feier. Als würde Deutschland zu tanzen beginnen, sobald von der AfD die Rede ist.

Ich wusste doch, dass mich das Bild oben an irgendwas erinnert.

Das soll wohl das alte Klischee eines hellen und eines dunkeln Deutschland zitieren, eine fröhliche bunte vielfältige Welt gegen die AfD-Anhänger ausspielen, die in einer „dunklen Welt“ leben würden.  Aber zugleich gestaltet dieses Arrangement eben auch das klassische Rattenfänger-Motiv aus, nur dass es eben gegen die AfD gewendet wird.

Lauter Menschen, die mitten am Tag Zeit und Muße haben, um schnellentschlossen tanzend durch die Straßen zu ziehen und darüber zu jubeln, dass sie zur Zahlung von Rundfunkgebühren verpflichtet sind: So sehr der Song zu betonen versucht, dass die ganze Gesellschaft gegen die AfD stünde – tatsächlich ist es eben doch ein recht eng begrenztes Milieu einer urbanen Bohème, das hier mitzieht.

Natürlich ist es völlig verständlich und legitim, dass dieses Milieu die eigenen Interessen und Werte verteidigt, von der Absicherung in Institutionen über eine sichere Finanzierung der Medien bis hin zur Freude an Energiewende und Gender-Theorien. Es ist aber nun einmal auch eine enorme Hybris, selbstverständlich davon auszugehen, dass eben diese Interessen und Werte die Interessen der gesamten Bevölkerung wären.

Dieses Missverständnis ist dann auch wesentliche Ursache dafür, dass hier lauter medial erfahrene Menschen denken, sie würden einen Anti-AfD-Spot drehen, während sie tatsächlich Werbung für diese Partei machen.

Es ist aber eben nicht alternativlos, von Gender-Theorien überzeugt zu sein, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu feiern und Quoten für das wesentliche Instrument zur Herstellung gerechter Verhältnisse zu halten. Zu all diesen Punkten gibt es gute Gegenargumente, und die sind – wenn mich nicht alles täuscht – in vielen Fällen auch absolut mehrheitsfähig. Und zwar unter Menschen, die mit der AfD überhaupt nichts zu tun haben wollen.

Wer trotzdem so tut, als wären Gegenpositionen nur bei der AfD möglich, der macht Wahlkampf für sie. Und wer so tut, als wären sie nur außerhalb eines demokratischen Rahmens möglich – der betreibt eben die gesellschaftlichen Spaltungen, die zu bekämpfen er vorgibt.

In eben diesem Sinn schreibt Paul Schreyer gerade bei Telepolis (danke an Crumar für den Hinweis!):

Dieser Versuch, eine Spaltung der Gesellschaft mit noch mehr Spaltung und Ausgrenzung zu überwinden, ist hochgradig schizophren, undemokratisch, dogmatisch und gefährlich. Wird er von Regierungs- und Elitenvertretern aktiv unterstützt, so darf man Absicht unterstellen – also den Willen zu einer weiteren Spaltung, um von den tieferliegenden Problemen abzulenken.

 

Wer solche Feinde hat, braucht keine Freunde mehr

Wie fatal diese Haltung gerade für eine Politik ist, die sich als links versteht, hat gerade ganz aus Versehen Katharina Schulze demonstriert, die vielgefeierte grüne Spitzenkandidatin in Bayern. Im Gespräch mit Julian Reichelt von der Bild-Zeitung und mit Zuhörern ist sie konsequent nicht in der Lage, auf einfache Nachfragen zu ihren eigenen Aussagen Antworten zu geben – etwa zu der Frage, welche Vorbilder in der Gesellschaft denn die AfD stark machen würden (etwa bei 3.50).

Eine Quizfrage, inspiriert vom Oktoberfest: Was ist oben und kreist um sich selbst?

Schulze wird das kaum schaden – die Bild-Zeitung ist in dem Milieu, das sie wählt, ohnehin nicht satisfaktionsfähig. Umso schlimmer aber, dass ein Beispiel für kritische journalistische Arbeit nicht von einem Journalisten des Spiegel, der Zeit oder der Süddeutschen Zeitung, sondern ausgerechnet vom Chefredakteur der Bild, gegen die es ja tatsächlich viel zu Sagen gibt – während die linksliberalen Medien schon längst damit beschäftigt sind, Schulze zur großen blonden Hoffnung des Bayernlandes emporzuschreiben. 

Interessant ist in diesem Fall nicht die Person Schulze, und aus der Distanz lässt sich ohnehin nicht entscheiden, ob sie tatsächlich der tönende Hohlkörper ist, als den sie sich hier präsentiert. Viel wichtiger ist: In dem Milieu, in dem sie sich bewegt, wird sie offensichtlich nicht gefordert, ist nicht daran gewöhnt, dass eine Aussage von ihr kritisiert oder das wenigstens ab und zu einmal nachgefragt wird.

Die Pflege der Alternativlosigkeit schützt zwar vor Kritik, hindert aber auch daran, die eigenen Positionen überprüfen und schärfen zu müssen. Der Rückzug in einem kleinen privilegierten Milieu lässt politische Akteure nicht mehr erkennen, dass ihre Positionen tatsächlich nicht von einer Mehrheit geteilt werden.

Wer, wie die AfD, solche Feinde hat, braucht überhaupt keine Freunde mehr, um erfolgreich zu sein.

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22 Comments

  • Wiederholungen, wohin man blickt …

    „Warum sollte ein vernünftige linke Politik den Eindruck erwecken, diese Menschen fänden nur bei der AfD Gehör?“

    Diese seltsame Strategie fiel mir schon nach der letzten Bundestagswahl auf, als ein erleichtertes Seufzen durch die Wahlkampf-Talkshows ging, weil 87% der Wähler die Flüchtlingspolitik Merkels bestätigt hätten. Der einzig logische Schluss aus solcher Aussage lautet doch: Wer, warum auch immer, nicht mit der Politik einverstanden ist, dem lässt man gar keine andere Wahl, als die AfD zu wählen.

    „Hätten AfDler sich den Liedtext näher angeschaut, anstatt in eingeübter Empörungspose die mangelnde Demokratiefähigkeit ihrer Gegner zu beklagen, dann hätten sie Hefter wohl eher eine Dankestorte geschickt“

    Hier treffen wohl die beiden grundsätzlichen Fehlannahmen der beiden politischen Lager aufeinander, die das jeweilige Selbstverständnis bilden.

    Die AfD glaubt konsequent, dass alle anderen nur Lügen über sie verbreiten. Entsprechend ist die reflexhafte Reaktion auf den Song, den Produzenten Lügen zu unterstellen.

    Linke dagegen haben sich nach reiflicher Überlegung auf ihren linken Standpunkt festgelegt und erwarten, dass alle anderen nach reiflicher Überlegung zum gleichen Standpunkt kommen müssten. Andere Standpunkte können nach dieser Logik nicht mehr existieren, wenn man die Menschen nur ausreichend genug über die Fakten aufkärt.

    Das ist ein bisschen wie mit dem Touristen im Ausland, der der Meinung ist, die Eingeborenen würden ihn schon verstehen, wenn er nur oft, langsam und laut genug sein Anliegen wiederholt.

    „Das hat mich dann doch gewundert, und so habe ich im Wahlprogramm eigens nach Aussagen zu „Kirchen“ gesucht.“

    Solche Details sind es, die den Reflex der AfD verständlich machen, denn es passiert tatsächlich regelmäßig, dass die Gegenseite irgendwas als Ziel der AfD behauptet, was die gar nicht im Programm haben. Öl ins Lügenpresse-Feuer …

    Gilt umgekehrt natürlich genauso – was hat man nicht schon alles gelesen, was die Grünen angeblich planen.

    „Sind Herr Hefter und die „Künstler mit Herz“ sich eigentlich ganz sicher, dass sie einen Spot GEGEN die AfD drehen wollten?“

    Ich fürchte, sie sind so sehr davon überzeugt, dass man schon den Begriff „verbohrt“ benutzen könnte.

    • „Andere Standpunkte können nach dieser Logik nicht mehr existieren, wenn man die Menschen nur ausreichend genug über die Fakten aufkärt.“

      Genau so denken die Grünen; wenn jemand ihren Standpunkt nicht teilt, ist er entweder schlecht informiert oder bösartig. Dass es unterschiedliche Sichtweisen auf die Realität geben kann, ist ihnen völlig fremd und gradezu unvorstellbar.

      Deeswegen sind sie auch so diskussionsunfähig mit Andersdenkenden.

  • Kannst du uns noch erleuchten, welche Partei außer der AFD diese Punkte kritisch sieht? Mir ist keine bekannt. Also vielleicht muss man sie doch wählen. Auch wenn man mit vielen Punkten nicht übereinstimmt. Aber bei welcher Partei ist das anders.

    • Hehehe! Das war ein Volltreffer, werter Maximilian.

      Kannst Du das beantworten Lucas Schoppe? Welche Parteien sind gegen Quotenregelungen, gegen die Energiewende, gegen unwissenschaftliche Gender-Studies, gegen die Umverteilungspolitik und die immer weitere Machtakkumulation in den demokratisch nicht legitimierten EU-Funktionärscliquen, für eine kritische Betrachtung der Inklusion an Schulen etc. etc.? Offensichtlich ist die AfD tatsächlich die einzige nennenswerte Alternative in der heute grassierenden Alternativlosigkeit.

      Das heisst natürlich nicht, dass es nicht auch unter den Anhängern der etablierten Parteien ein paar kritische Geister gäbe; nur haben die mit ihrem Abweichlertum keine Chance in ihren jeweiligen Parteien und – noch schlimmer – in der öffentlichen Debatte kommen sie so gut wie gar nicht zu Wort. Die einzigen beiden konsequenten Kritiker, die mir einfallen, sind Thilo Sarrazin und Hans-Werner Sinn; allerdings längst nicht in allen oben aufgeführten Themenfeldern. Einige weitere Kritiker sind ziemlich zögerlich und äussern lediglich verhaltene Kritik im Bemühen ja niemandem auf die Füsse zu treten. Aktive Politiker sind fast gar nicht unter den Kritikern sondern vor allem solche, deren politische/wirtschaftliche Karrieren beendet sind, und die jetzt nicht mehr sonderlich viel riskieren, wenn man vielleicht von einem drohenden Parteiausschluss (Thilo Sarrazin) absieht.

      Wäre ich Deutscher, würde ich wohl ebenfalls die AfD wählen, weil alle anderen Parteien entweder zum bestehenden politischen Meinungskartell gehören oder aber keinerlei reale Chancen in den Wahlen haben (Lucke-Partei).

    • Wo du recht hast…..
      Und Schoppe reitet ja auch auf den Nazi Vorwuerfen gegen die AfD herum. Das ist Selbstimmunisierung, da der Vorwurf immer auf Halbwahrheiten beruht. Andererseit wird der Goebbels-Simulant aus dem Osten vielleicht sogar erster AfD Ministerpraesident.

      • So ist es, Luisman. Man kann gegen einzelne Exponenten der AfD durchaus das eine oder andere vorbringen – gerade auch aus einer liberalen Position heraus; aber das kann man auch gegenüber gewissen Exponenten anderer Parteien tun. Nazis gibt es jedoch in der AfD keine. Das ist reine Spiegelfechterei, mit der man die eigene Argumentationsnot verschleiert.

        Ich nehme an, mit Goebbels Simulant meinst Du Björn Höcke in Thüringen? Ja, das wäre eine ganz besondere Gaudi, wenn der Ministerpräsident würde. Ich habe die Rede von ihm gehört, als er vom Holocaust-Mahnmal als Mahnmal der Schande gesprochen hatte. Der Typ ist ein Demagoge, ganz ohne Zweifel. Aber ein Nazi ist auch der nicht.

        • @ Luisman, Maesi, Maximilian „Und Schoppe reitet ja auch auf den Nazi Vorwuerfen gegen die AfD herum. Das ist Selbstimmunisierung, da der Vorwurf immer auf Halbwahrheiten beruht“
          Vergleicht es doch mal mit den Leuten, die bei den Grünen eine Legalisierung der Pädophilie gefordert hatten – nicht nur in der wilden Anfangszeit, sondern mindestens bis zum Ende der Achtziger. Volker Beck z.B. hat seinen häufig zitierten Text, nach dem eine „Entkriminkalisierung der Pädosexulität“ dringend geboten wäre, noch 1988 veröffentlicht – da war jedem, der sich auch nur mal nebenbei mit dem Thema beschäftige, längst klar, wie gravierend die Folgen für die Kinder sind. https://man-tau.com/2015/12/08/wie-die-grunen-jungen-opferten/

          Das wurde auch deshalb nicht besonders ernst genommen, weil diejenigen, denen die Politik der Grünen insgesamt sympathisch war, das als Kinderkrankheiten einer sich gerade erst formierenden Partie abtaten. Oder, schlimmer noch: Sie werteten es als Niedertracht der politischen Gegner, wenn diese brutalen Forderungen überhaupt angesprochen und kritisiert wurden. Der Schaden, der Menschen – in der Regel: Jungen, die in einer sehr schwachen sozialen Situation lebten – war aber eben real und ist nicht wieder gutzumachen.

          Das ist ein Beispiel dafür, wie fatal es sein kann, wenn Menschen extreme Positionen einen Partei ignorieren, weil die Partei insgesamt ja Positionen hätte, die ihnen gefallen. Das gilt heute auch für die AfD.

          Dabei unterstelle ich ja gar nicht, dass Höcke aus dem Nichts kommt. Was er sagt, führt zuspitzend fort, was vor ihm auch schon Rudolf Augstein oder Martin Walser formuliert haben. https://man-tau.com/2017/01/19/afd-und-neonazismus/
          Nur würde ich ganz sicher auch keine Partei wählen, in der ein führender Repräsentant sich z.B. die selbstmitleidige Haltung von Walser Friedenspreisrede zu eigen macht.

          Und Gaulands „Vogelschiss“-Äußerung war kalkuliert und brutal. Sicher, er wollte nicht die Ermordeten als „Vogelschiss“ abtun, obwohl er wusste, dass einige das gern so interpretieren werden. Es ging ihm wohl darum, dass Nazi-Deutschland im Vergleich zur ganzen deutschen Geschichte eine relativ kleine Zeitspanne umfasste.

          Das wiederum ist Quatsch. Stellt Euch mal einen Mörder vor, der darüber räsonniert, dass sein Leben nur noch anhand der 30 Minuten beurteilt werde, in denen er sein Opfer umgebracht hat – und dass die ganzen anderen Tage seines Lebens keine Rolle mehr spielten. Das ist eine Mischung aus Selbstmitleid und Empathielosigkeit, die abstoßend ist.

          Und dieselbe Mischung findet sich schon ewig auch bei Neonazis, die darüber klagen, die Erinnerung an den Holocaust solle nur das stolze deutsche Volk kleinhalten.

          Wer dann noch einen Antisemiten wie Gedeon in seiner Partei duldet, darf sich nicht über Neonazi-Vorwüfe beklagen.

          Zum zweiten Punkt – nämlich der Frage Maximilians, welche anderen Parteien denn die genannten Kritikpunkte aufgreifen würden. Sehr, sehr zaghaft die FDP – aber überhaupt nicht so, dass daraus eine Wahlempfehlung werden könnte.

          Nur reicht das nicht. Die enorme Schwäche und Diskursunfähigkeit anderer Parteien ist kein Grund, die AfD zu wählen. Ich entscheide mit der Stinme ja nicht nur GEGEN etwas – sondern auch FÜR etwas, das mit in wichtigen Aspekten überhaupt nicht gefällt.

          Ich verstehe aber den Impuls, und der Schulz-Ausraster im Bundestag ist ein gutes Beispiel. Der hatte sich auf eine tatsächlich substanzlose Weise über Gauland aufgeregt, hatte dessen Rede wichtige Aspekte ausgeblendet (er hatte Gauland vorgehalten, dass Hitlergrüße nicht nur unappetitlich, sondern „Straftatbestände“ seien – was sinnlos war, weil Gauland eben das in seiner Rede ausdrücklich selbst gesagt hatte). Mit seiner Aufregung hat Schulz aber klargestellt, dass es doch noch etwas gibt, was die Regierungsparteien in ihrer selbstbezogenen Unerschütterlichkeit nachhaltig irritieren kann – die AfD nämlich.

          Mein Punkt ist: Erstens betätigt sich die Linke (oder das, was sich als „links“ präsentiert) auf diese Weise als AfD-Wahlkampfhelfer. Zweitens müssten Linke, wenn sie wirklich etwas am Erfolg der AfD ändern wollen, ehrlich und diskursfähig werden – was sie beides nicht sind.

          Ich glaube aber, dass vielen „Linken“ der Erfolg der AfD insgeheim ganz recht ist. Der mit großer Geste geführte „Kampf gegen Rechts“ kann schließlich über die eigene Substanzlosigkeit hinwegtäuschen. So wie der AfD eigentlich auch die Betonierung der Linken ganz recht sein kann – wäre linke, oder linksliberale Politik diskursfähig, würde die AfD niemals über 10% kommen.

          Es gibt also keine Partei, die ich völlig unterstützen würde. Die AfD jedenfalls ist nicht einfach schon deswegen eine Alternative, weil die anderen so schwach sind.

  • Auf koan Fall will die AfD die Gleichberechtigung, / Quoten lehnt sie ab, vielleicht halten’s Fraun für dumm

    Es ist immer wieder amüsant zu sehen, dass die selbsternannten Aufklärer des Volkes noch nicht mal begriffen haben, dass Gleichberechtigung und Gleichstellung zwei verschiedene Dinge sind und die sich deshalb auch nie Gedanken gemacht haben, was eine Gleichstellungspolitik alles implizieren würde. Und um das noch zu toppen, halten sie alle für beschränkt und dumm, die ihrem unausgegorenem Käse nicht im Gleichschritt folgen wollen.

    Das bringt mich zu einem Aspekt, der hier schon von pehar und el_mocho angedeutet wurde: Diese überhebliche Attitüde von Politikern, sich als Aufklärer zu gebärden, als Oberlehrer der Nation, die nur deshalb nicht von allen gewählt werden, weil der Bürger in seiner Beschränktheit die Weisheit des Parteiprogramms nicht zu erkennen vermag. Das wird mitunter von Personen wie beispielsweise Kühnert u.a vorgetragen, der über keine abgeschlossene Berufsbildung verfügt, während heutzutage für jeden „Monkeyjob“ eine Ausbildung verlangt wird.

    Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe: Die AfD stellt sich als die „einzig wahre Opposition“ gegen die „Systemparteien“ dar, und die anderen Parteien tun alles, um genau diesen Eindruck zu verstärken, indem sie als eine geschlossene Front gegen die AfD antreten. Selbstverständlich wertet das die AfD auf. Politstrategisch geht die Rechnung der AfD mit gütiger Mithilfe der anderen Parteien voll auf.

    • @Pjotr
      ‚Wie ich bereits an anderer Stelle gesagt habe: Die AfD stellt sich als die „einzig wahre Opposition“ gegen die „Systemparteien“ dar, und die anderen Parteien tun alles, um genau diesen Eindruck zu verstärken, indem sie als eine geschlossene Front gegen die AfD antreten.‘

      Also, wenn ich in den Bundestag schaue, dann IST die AfD die einzig wahre Opposition dort. Theoretisch gäbe es derzeit 4 Oppositionsparteien im Bundestag. Die Grünen sind ein Totalausfall; die sind noch regierungstreuer als die SPD. Die Linken opponieren gelegentlich, meist weil ihnen irgendein Regelungsvorschlag der Regierung nicht weit genug geht; am konsequentesten ist deren Opposition nur, wenn es um die NATO geht. Und die FDP schreckt immer wieder vor ihrer eigenen Courage zurück – spätestens, wenn die Vertreter der AfD ihr in der Oppositionshaltung zustimmen.

      Die AfD stellt sich somit nicht bloss als einzig wahre Opposition zur Regierung dar, sondern sie ist es weitgehend auch. Durch die konsequente Ablehnung der AfD durch alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien, wird nicht bloss der Eindruck verstärkt, dass sie eine geschlossene Einheitsfront gegen die AfD bilden. Nein, exakt dadurch wird dieser Eindruck überhaupt erst erzeugt.

      Meines Wissens haben die Spitzen der AfD noch nie einer möglichen Koalition mit der CDU oder FDP grundsätzlich und absolut eine Absage erteilt, ebensowenig in Bezug auf die CSU in Bayern. Das kam immer nur von ihren Gegnern. Die totale Blockade kommt eindeutig nicht von der AfD.

      Jedoch sollte man sich daran erinnern, dass den Grünen dieses Schicksal – wenn auch in abgemilderter Form – einst in den 80er Jahren ebenfalls beschieden war. Heute sind sie fester Teil des Parteienestablishments und in mehreren Landesregierungen vertreten, sie waren sogar schon mal in der Bundesregierung; bei den Linken ist deren vollständige Transformation zur Systempartei nächstens erreicht, wo bereits namhafte CDU-Politiker über die Möglichkeit einer Koalition mit denen laut nachdenken. Die Zeiten ändern sich. Sie werden sich auch für die AfD ändern, irgendwann…

      • Also, wenn ich in den Bundestag schaue, dann IST die AfD die einzig wahre Opposition dort.

        Dieser Eindruck entsteht, weil die Parteien und deren Leute das so medial vermitteln. Um etwas konkreter zu werden: Die AfD steht für eine harte Linie in der Migrationspolitik, während die CDU und die Parteien links davon medial den Eindruck vermitteln, sie seien für grenzenlose Freiheit und Asylrecht für jeden. Das tun sie in ihrer Einfalt, um sich als Gegner der AfD zu profilieren. Tatsache aber ist, dass Merkel mit Erdogan einen Deal abgeschlossen hat, um die Immigration einzudämmen. Ausserdem wird versucht, wahrscheinlich wieder mal erfolglos, Rückübernahmeabkommen mit den Herkunftsstaaten abzuschliessen, weil die Rückführungen meist an der Nichtkooperation der Herkunftsstaaten scheitern. Das wäre mit der AfD am Ruder nicht anders. Das nur so als ein Beispiel, das zeigt, das die mediale Darstellung der Parteischranzen oft recht weit von der Realität entfernt ist.

        • Ich schnalle Deine Argumentation nicht, Pjotr. Willst Du behaupten, dass die Abgeordneten von CDU, SPD, Grünen und Linken in Wirklichkeit eine andere Linie punkto Migration fahren wollen, aber aufgrund des medialen Eindrucks dann trotzdem im Bundestag so abstimmen, wie sie es tun? Wie kommst Du zu dieser Einschätzung? Und warum stimmen die Abgeordneten nicht, wie sie es für richtig halten? Sind sie einfach Opportunisten, die genau das tun, was die Parteispitzen ihnen sagen? Sehr mysteriös.

          Im übrigen geht es nicht nur um die Migration. Bei nahezu allen wichtigen Themen sind sich die Parteien in groben Zügen einig: seien es EU-Politik, UNO, Energiewende, Klimaabkommen, soziale Umverteilung, Steuererhöhungen, Gleichstellungspolitik, Gender-Mainstreaming, Rundfunkabgaben, Volksabstimmungen usw. usf. Insbesondere zwischen SPD, CDU und Grünen gibt es keine nennenswerten Unterschiede mehr. Lucas Schoppe hat etliche Themen richtig benannt. Eine grundsätzliche Opposition gibt es in all diesen Themen nicht mehr; man streitet sich höchstens um Nebensächlichkeiten.

          Den einzigen grundsätzlichen Oppositionspunkt sehe ich bei den Linken in Bezug auf die NATO; die einstmals NATO-kritischen Grünen sind hier einmal mehr eine völlige Pleite, seit sie seinerzeit den NATO-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan gebilligt haben, als sie an der Regierung Schröder beteiligt waren.

          Nein, da musst Du schon mit handfesteren Belegen kommen. Der mediale Eindruck der Einheitlichkeit entsteht, weil die Parteien sich tatsächlich in den Grundzügen der Politik weitgehend einig sind. Mit gelegentlicher Ausnahme der Linken, welche manchmal wirklich eine Opposition betreiben.

          Übrigens sah man ausgerechnet in der Migrationsdebatte zeitweise am ehesten so etwas wie Opposition aufblitzen, als Horst Seehofer bereits 2015 ein paar kritische Anmerkungen dazu machte. Aber dabei blieb es dann auch. In der Sache hat man alles stillschweigend geduldet; auch dass der Bundestag dabei komplett übergangen wurde, hat man wortlos geschluckt. Die Kontrollfunktion des Parlaments über die Regierung wurde in den letzten Jahren kaum mehr wahrgenommen; Angela Merkel regierte durch. Die EU-Gesetzesvorlagen wurden und werden stets mit grossem Mehr vom Bundestag akzeptiert; nicht selten schiesst man noch weit über die Minimalvorgaben der EU hinaus.

          Ein Menetekel waren die Bundestagswahlen vom letzten Jahr. Martin Schulz war Kanzlerkandidat der SPD, und er war nicht in der Lage in irgendeinem Bereich eine glaubhafte Gegenposition zu Merkel aufzubauen. Das ist nicht verwunderlich, denn zuvor hatte er Merkels Politik als EU-Parlamentspräsident in der EU zu 100 Prozent ebenfalls vertreten. Er hätte sich komplett unglaubwürdig gemacht, wenn er irgendwo in echte Opposition zu ihr gegangen wäre. Also beschränkte er sich weitgehend auf Wahlkampfrhetorik. Und die Partei stand bekanntlich zu 100 Prozent hinter ihm – jedenfalls bis zum Debakel am Wahltag.

          Gewiss, durch die AfD ist diese Tatsache einer weitgehenden Oppositionslosigkeit in der vorherigen Legislatur jetzt weitgehend verflogen; das ist aber nicht bloss irgendein Eindruck. Eben weil die AfD hier endlich den Part einer echten Opposition einnimmt, zahlreiche kleine Anfragen an die Regierung richtet, immer mal wieder Grundsatzdebatten startet und überall bohrt und nachhakt. Mehr kann sie derzeit nicht tun, da sie von den anderen Parteien weitestgehend geschnitten wird.

  • Die AfD glaubt konsequent, dass alle anderen nur Lügen über sie verbreiten. Entsprechend ist die reflexhafte Reaktion auf den Song, den Produzenten Lügen zu unterstellen.

    Die Motivation ist aber sicher gewesen, die AfD bei potentiellen Wählern zu diskreditieren. Wenn die AfD darauf mit Misstrauen reagiert, ist das durchaus nachzuvollziehen, auch wenn der Versuch wohl fehlgeschlagen ist und eher Wahlwerbung für die AfD ist.

    Und für diesen konkreten Fall gibt es dann auch Menschen (nämlich mich) die die AfD in Schutz nehmen. Denn abgesehen von ihrem Versäumnis, den Liedtext genauer zu überprüfen, macht sie ja nichts falsch. Wobei sie dann ja auch nur festgestellt hätte, dass die Anti-Werbung versagt hat.

    Letztendlich sind alle anderen etablierten Parteien ähnlich unwählbar wie die AfD.

  • Prima Analyse – danke dafür!

    Ich würde vermuten, mit diesem Musik-Video haben in erster Linie Roland Hefter und seine Künstler mit Herz Reklame für sich selber gemacht. Genau zugeschnitten auf ihre Zielgruppe. Scheint auch geklappt zu haben.

    Ob dieser Song jetzt für oder gegen die AfD ist, war diesen Leute wohl eher gleichgültig. Aber die richtigen Schlagworte für die Zielgruppe mußten rein. Im Video dann knallharter Protest mittels buntem Straßenfest. So geht politischer Widerstand! „I’m gonna start a revolution from my bed.“

    Insofern würde ich auch das Versagen von Katharina Schulze in Bezug auf die (Nach)Fragen von Julian Reichelt eher strategisch sehen. Die hatte keine Bock, seine Fragen zu beantworten – vermutlich nicht aus schlechter Laune, sondern weil ihr die Berater und Coaches eingetrichtert haben, daß es bei derartigen Wahlkampfveranstaltungen einzig und allein darauf ankommt, die richtigen Schlagworte permanent zu wiederholen (nach Möglichkeit in grammatikalischen Halbsätzen), und dann noch entsprechend einem vorgefertigten Image persönlich beim Publikum gut rüberzukommen. Hat doch bisher immer funktioniert.

    Beim Poetry Slam in Speyer scheint ebenfalls für die AfD Reklame gemacht worden zu sein. Allerdings von den Veranstaltern.

    https://www.stern.de/neon/wilde-welt/gesellschaft/speyer–tochter-von-afd-politikerin-sorgt-mit-gedicht-fuer-eklat-8384992.html

    Ja, alles sehr traurig.

  • Ich hab mir die 1 Stunde Bild „Brauhaus Frage Runde“ mit Frau Schulze angeschaut

    Ich hatte den Eindruck die Dame hat zu viele (schlechte) Seminare Verkaufstraining und „Gewaltfreie Sprache“ besucht.
    z.B. ihre Antwort/Reaktionen bei dem letzten Herren, der sie stark kritisiert und angegriffen hat, es wird sich freundlich bedankt, dass er den weiten Weg hergekommen ist, um so irgendwie eine gemeinsame Basis zu bauen Lehrbuch.
    In einer Konfliktsituation am Arbeitsplatz ist das sicherlich sinnvoll aber hier geht es darum Wähler zu überzeugen und da war einfach keine Substanz, man konnte in einer Stunde nicht herausbekommen für was die Dame politisch steht.

    Auch andere Politiker verhalten sich so, weichen den Fragen aus und sagen wenig konkretes.
    Aber im Gegensatz zu Frau Schulz sind diese dabei Aalglatt, sie lassen sich zwar nicht greifen aber man spürt irgendwo im inneren ist da Was festes, etwas mit Substanz, eine politische Überzeugung oder ein wille zur Macht.
    Bei Frau Schulz hatte ich eher den Eindruck Wackelpudding genauso glitschig wie der Aal aber im Gegensatz zu diesem keine Substanz im Inneren.

  • „Dieses Missverständnis ist dann auch wesentliche Ursache dafür, dass hier lauter medial erfahrene Menschen denken, sie würden einen Anti-AfD-Spot drehen, während sie tatsächlich Werbung für diese Partei machen.“

    Es ist eine Symbiose, eine eigene Art der Dialektik. Unbewusst wird der Feind gefördert, denn dieser legitimiert zum politischen Übergriff.

  • Vielfalt, Buntheit … predigen, aber selbst in einer absolut homogenen Blase leben.
    Das war mein erster Gedanke als ich mir dieses Video -ohne Ton- angesehen habe.
    Keine Schwarzafrikaner, Sinti-/Roma-Clans und Muslime.
    Absolut weiß und linksgrün.

    Früher fand ich das nur pharisäerhaft, aber heute ist mir klar: Sie zeigen es mir, dem Deplorable, dem White-Trash, dem Dunkeldeutschen…
    „Wir können es uns leisten in einer guten, weißen und sicheren Gegend zu leben.“

    Es erinnert mich auch an die Heinz-Rühmann-Filme des 3. Reichs. Dort gab es auch keine Hitlergrüsse, Bombenkrater, KZs, SA, SS…
    Mag für viele etwas komisch anmuten, aber die aktuelle Gefahr wird völlig ausgeblendet, wie in den Durchhalte-Spielfilme des 3.Reichs.

    Die Demographie.

    • „Vielfalt, Buntheit … predigen, aber selbst in einer absolut homogenen Blase leben.“

      Hierzu eine treffende Beobachtung des Historikers Jörg Baberowski:

      „In Berlin kann man beobachten, dass im linken Milieu nicht ertragen werden muss, was linke Politik beschliesst. Die Stadt müsse bunt werden, sagen die Anwälte der Grenzenlosigkeit, aber sobald die Einschulung [der eigenen Kinder] bevorsteht, ziehen sie mit ihren Familien in jene Stadtteile, in denen von Buntheit zwar viel gesprochen wird, in denen es sie aber nicht gibt. Sie richten sich in der ethnisch homogenen Zone ein und empfehlen anderen, die Lasten der Wirklichkeit zu tragen. Sie sprechen von liberaler Freiheit und wundern sich darüber, dass diejenigen, die Fehlentscheidungen bewältigen müssen, weil sie keine Wahl haben, lieber in einer Ordnung der Anerkennung als an einem Ort der Beliebigkeit leben wollen.“

      https://www.nzz.ch/feuilleton/der-mensch-laesst-sich-nicht-beliebig-zurichten-ld.1419506

  • Hat schon jemand den neuen Song von Herbert Grönemeyer gesehen, in dem er türkisch singt? Manchen Leuten ist wirklich nichts peinlich.

    Und das von einem Typ, der in England lebt, weil da die Steuern niedriger sind und von denj Deutschen fordert, mehr Bereicherung durch Migranten willkommen zu heißen.

  • So wollen die mächtigen Eliten aus Politik und Medienkonzerne das gesamte Internet unter ihre Kontrolle bringen:
    was der neue BRD Rundfunkmedienstaats-vertrag für alle bringt !
    https://www.neopresse.com/medien/interessanter-plan-so-kann-die-regierung-jetzt-abweichende-meinungen-einschraenken/
    https://www.youtube.com/watch?v=-g8C793JAss

    Alle Blogger, youtuber usw. müssen zukünftig eine Lizenz beantragen, wenn sie mehr als 500 Menschen erreichen, was ja im Netz ein absoluter Witz ist, denn diese Zahl erreicht man immer ! Damit wird die freie Meinungsfreiheit eingeschränkt, das ist der Hintergrund dieser neuen Zensur ! Es betrifft ALLE die sich im Netz bewegen damit kritische Meinungen zensiert werden können!

    Deutschland seit 2013 Zensurweltmeister
    https://sciencefiles.org/2016/09/30/land-der-ahnungslosen-deutschland-ist-zensurweltmeister/
    https://de.statista.com/statistik/daten/studie/251131/umfrage/anteil-der-bei-youtube-gesperrten-topnull0-videos-nach-laendern/

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