Film Geschlechterdebatte Literatur

Politik als Dreigroschenoper – Joachim A. Langs „Mackie Messer“

geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Film „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ ist auch Kommentar unserer aktuellen Politik

Ein Film im Jahr 2018 über etwas, das im Jahr 1928 und kurz danach geschah – über Bertolt Brecht, der damals gegen die Produktionsfirma vor Gericht zog, mit der er eigentlich seine und Kurt Weills Dreigroschenoper hatte verfilmen lassen wollen. Was soll das heute?

Tatsächlich ist Joachim A. Langs Mackie MesserDer Dreigroschenfilm ein sehr präziser Kommentar zu unserer politischen Landschaft, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das den Beteiligten von links bis rechts gefallen wird. Vor allem zeigt er, was heute in der politischen Diskussion fehlt: nämlich ein Sinn für Dialektik.

 

Von echten und von gewinnbringenden Opfern

Als ich die Dreigroschenoper zum ersten Mal sah, versuchte ich vergeblich, irgendjemandem in dem Stück zu finden, der mir wirklich sympathisch sein könnte. Mackie Messer wird schon in seiner berühmten Moritat gleich zu Beginn als skrupelloser, wahlloser Mörder vorgestellt: „Und der Haifisch, der hat Zähne“. Sein Gegenspieler, der Bettlerkönig Peachum, ist ebenso skrupellos, ein Geschäftemacher mit menschlichem Leid. Der Polizeichef Brown ist korrupt und vertritt eine Obrigkeit, die das Elend der Massen kalt lässt: Wichtig ist ihm vor allem, dass die Krönung der Königin nicht durch den Anblick von Bettlern gestört wird.

Polly, Peachums Tochter und schließlich Mackies Ehefrau, wirkt unschuldig und naiv, lebt aber selbstverständlich von den Geschäften des Vaters und möchte sie übernehmen. Es passt, dass das Happy End der Verfilmung zynisch sein sollte:

Und so kommt zum guten Ende / Alles unter einen Hut. / Ist das nötige Geld vorhanden / Ist das Ende meistens gut. / Daß er nur im trüben fische / hat der Hinz den Kunz bedroht. / Doch zum Schluß vereint am Tische / Essen Sie des Armen Brot.

Dieser Film wurde 1931 ohne Brecht fertiggestellt – und wie es dazu kam, erzählt der Film, den Joachim A. Lang als Regisseur und Autor nun mit Lars Eidinger als Bertolt Brecht gedreht hat. Er bewegt sich dabei beständig zwischen verschiedenen Ebenen, erzählt die Geschichte vom Erfolg der Dreigroschenoper und der Auseinandersetzung Brechts und Weills mit der Filmfirma, zeigt aber zugleich auch die Handlung des geplanten Films, in der Mackie Messer (Tobias Moretti) Polly (Hannah Herzsprung) heiratet und sich damit in deren Vater Peachum (Joachim Król) einen gefährlichen Feind macht.

So springt denn auch die Handlung vom Berlin der Zwanziger und Dreißiger Jahre ins Viktorianische London, schließlich auch in das London der heutigen Zeit. Im Widerspiel der verschiedenen Ebenen aber gibt es denn doch Identifikationsfiguren: Der eigentliche Gegenspieler des berechnend-gierigen Peachum ist hier Bertolt Brecht.

Peachum erzählt gleich bei seinem ersten Auftritt, dass es sein Geschäft sei, „das menschliche Mitleid zu erwecken“. Er tut dies nicht, wie es in der langen Tradition seit Aristoteles die Tragödiendichter tun sollten, zur kathartischen Reinigung der Zuschauer. Er berechnet ganz einfach, was den Menschen geboten werden muss, damit sie möglichst schnell bereit sind, den Bettlern möglichst viel Geld zu geben.

Diese Bettler sollten gar nicht tatsächlich notleidend sein. Einem Kriegsversehrten erklärt Peachum, dass seine reale Verletzung die ideale Wirkung nur stören würde und einer eigens hergestellten, erprobten Rolle weit unterlegen sei. Die Inszenierung des Opferdaseins ist allemal gewinnbringender, als tatsächlich ein Opfer zu sein.

In der Figur Peachum greift Brecht also auf klassische Eigenschaften des Künstlers zurück, macht daraus aber einen Geschäftemacher, der die Bettelei in London kontrolliert. Das Ziel der ästhetischen Illusion, die Peachum herstellt, ist es, so starke Eindrücke herzustellen, dass alle Reflexion umgangen wird, Menschen unmittelbar handeln und Geld spenden. Die Illusion tritt ganz an die Stelle aller sozialen Realitäten, die aber umso eindrucksvoller simuliert werden.

Das ist tatsächlich eben das Gegenteil dessen, was Brecht selbst als sein ästhetisches Programm beschreibt. „Der Zuschauer soll nicht auf den Weg der Einfühlung verwiesen werden“ – seine Irritation, das Durchbrechen der ästhetischen Illusion sind Programm, damit der Zuschauer selbst reflektieren und die Handlung auf die ihm bekannte soziale Realität beziehen muss.

In Peachum hat Brecht also einen Anti-Brecht konstruiert, und das nutzt nun der Regisseur Lang, um den Autor Brecht als Gegenpol seines skrupellosen Bettlerkönigs zu inszenieren.

 

Hätte Bertolt Brecht MeToo überstanden?

Glücklicherweise wird Brecht dabei nicht zu einer simplen Heldengestalt. Alle Sätze, die Eidinger in seiner Rolle sagt, sind belegte Äußerungen des realen Brecht. Gerade durch diesen Realitätsgehalt bekommt die Figur etwas Künstliches, weil Eidingers Brecht immer ein wenig schräg zu den Dialogen des Films redet und beständig so wirkt, als würde er Sentenzen zur Erbauung einer dankbaren Nachwelt formulieren.

So erscheint er eitel und selbstbezogen. Die Frauen, die ihn umgeben, sind wiederum beständig damit beschäftigt, ihm zuzuarbeiten: Seine Frau Helene Weigel (Meike Droste) ist mit der Renovierung der Wohnung beschäftigt, während Brecht im Gespräch ästhetisch-politische Positionen entwickelt – Elisabeth Hauptmann (Peri Baumeister) hat ihm nicht nur die Beggar’s Opera als Vorlage für die Dreigroschenoper aus dem Englischen übersetzt, sondern lektoriert auch seine Texte oder schreibt sie ihm vielleicht auch gleich selbst. Dass Brecht hier auch ein allseits akzeptiertes sexuelles Dreiecksverhältnis führt, wird im Film klar, ohne ausgespielt zu werden.

Just another dead white male

Ganz wie sein Mackie Messer (im Film Tobias Moretti) würde Brecht heute nicht durch seine politische Haltung, sondern durch dieses Verhältnis zu Frauen angreifbar. „Wer kocht ihn ab, der alle abkocht? Weiber“ – so wird Mackies Ende in der Ballade von der sexuellen Hörigkeit ausgesprochen gender-unsensibel beschreiben.

In Zeiten von #MeToo bräuchte der Frauennutzer und alte weiße Mann Bertolt Brecht gar nicht erst zu versuchen, seine politischen und ästhetischen Vorstellungen in Sentenzen zu gießen. Wer schon einmal genderpolitische Aufsätze oder Tweets gelesen hat, könnte ihn problemlos als Profiteur einer hegemonialen Männlichkeit enttarnen.

Die heute gängige mediale Verwandlung ganz unterschiedlicher politischer Fragen in Geschlechterfragen gehört zu einer Bewegung weg von der politischen Reflexion hin zur Ästhetisierung der Politik, die – ganz wie in Peachums Programm – unmittelbar an Gefühle appelliert und moralisierend grundiert ist. Sie ist wohl gegenwärtig eine der wichtigsten Spielarten des politischen Reflexionsverlusts.

 

Das Verschwinden der Dialektik in den moralischen Gewissheiten

Von rechts wird der Topos sexueller Gewalt von Migranten gegen einheimische Frauen so selbstverständlich bedient, dass nicht einmal offensichtliche Fälschungen die Energie der aufgewühlten Gefühle dämpfen. Linke aber machen sich ähnliche Gefühle zunutze.

In Deutschland wurde gerade der unbequeme Leiter der Gedenkstätte für Stasi-Opfer in Höhenschönhausen entlassen. Der Vorwurf, den Vorwurf sexueller Übergriffigkeit seines Stellvertreters nicht ausreichend ernst genommen zu haben, appelliert so direkt an starke Gefühle, dass dahinter das eigentlich offensichtliche politische Interesse dieser Demission verschwindet.

Noch härter ist die Entwicklung in den USA. Die Vorwürfe gegen Brett Kavanaugh, er sei als Jugendlicher gegenüber einer Jugendlichen sexuell übergriffig gewesen, sprechen starke Gefühle so direkt an, und sie bedienen so irritationsfrei das etablierte Bild des männlichen Übeltäters und des hilflosen weiblichen Opfers, dass politische Reflexion ganz verschwindet – und zwar ausgerechnet bei den Demokraten, die sich doch traditionell für deutlich reflektierter halten als die republikanischen Rednecks.

Ich kann mich sehr gut noch an daran erinnern, wie groß die demokratische Empörung (und übrigens auch meine) war, als in den neunziger Jahren Republikaner enorme öffentliche Mittel aufwandten, um sexuelle Verfehlungen des Präsidenten Bill Clinton aufzudecken – ganz offensichtlich, weil sie politisch nicht gegen ihn punkten konnten. Heute scheint sich kein Demokrat daran zu erinnern, dass die Vorwürfe gegen Clinton – so berechnend und schäbig motiviert sie auch waren – deutlich besser begründet waren, als es heute die Vorwürfe gegen Kavanaugh sind. Clinton hatte zweifellos seine Machtposition sexuell ausgenutzt.

Auch wenn es heute anders aussieht: Ursprünglich gehörte es keineswegs zum Konzept linker Politik, dass alle in dieselbe Richtung schauen sollten.

Auf beiden politischen Seiten spricht die Auseinandersetzung starke Gefühle und Ängste direkt an: die Angst vor dem sexuellen Übergriff, aber auch die Angst, sexueller Übergriffigkeit beschuldigt zu werden und sich nicht verteidigen zu können. Beide Ängste sind nicht äquivalent – sie sind aber jeweils stark genug, um distanzierte Reflexionen zu verhindern.

Dabei kann niemand, der die Affäre von außen und gar nur durch die Medien kennt, entscheiden, ob Kavanaugh oder Christine Ford, die ihn des sexuellen Übergriffs beschuldigt, im Recht ist. Dass sie erst jetzt, Jahrzehnte nach der vorgeblichen Tat, darüber spricht, ist jedenfalls noch kein Beleg dafür, dass sie die Unwahrheit sagt.

Nur: Wie sollte damit ein gültiges Verfahren der Besetzung von Positionen aufrechterhalten werden können? Eigentlich müssten auch die entschiedensten Gegner Kavanaughs einräumen, dass die Besetzung öffentlicher Posten unmöglich gemacht wird, wenn plötzlich erhobene und längst nicht mehr beweisbare – aber eben auch nicht widerlegbare – Vorwürfe jahrzehntealter Vergehen einen Ablehnungsgrund darstellen.

Die Ästhetisierung des Politischen in moralisierend grundierten Appell an starke Gefühle lässt die so wichtige distanzierte politische Reflexion als kalt und gefühllos dastehen.

Vor allem aber verliert die Linke hier etwas, was ihr lange Zeit – und ganz gewiss zu Zeiten Brechts – Orientierung geboten und gesellschaftspolitische Analysen erleichtert hat: nämlich einen Sinn für Dialektik. Im dialektischen Denken können sich zwei Seiten gegenüber stehen, beide jeweils Gründe für sich haben, aber zugleich beide falsch und gar inhuman sein – weil sie die Gründe der jeweils anderen Seite nicht anerkennen.

Eine humanere Position ist dann weder auf der einen noch auf der anderen Seite, sondern nur durch eine Überwindung beider Seiten und ihrer Widersprüche möglich.

Die empörte Verteidigung Kavanaughs blendet aus, dass die Affäre Erfahrungen der sexuellen Übergriffigkeit durch Stärkere anspricht, die für viele Menschen tatsächlich enorm belastend sind und über die möglicherweise sehr schwer zu sprechen ist. Die aufgewühlten Angreifer Kavanaughs blenden aus, dass auch sie selbst ein legitimes Interesse daran haben, dass massive Beschuldigungen gegen sie auch belegt werden müssen, und dass die Gesellschaft insgesamt ein dringendes Interesse an geordneten Verfahren zur Besetzung von Funktionsposten hat.

Kennzeichnend für eine solche antagonistische Situation ist die Aussage Hillary Clintons, niemand könne zivilisiert gegenüber einem Gegner sein, der alles zerstören wolle, was ihm wichtig ist.  Der einst durchaus intakte linke Sinn für Dialektik ist längst einem Denken in schroffen, simplen, aber eben auch angstbesetzten Freund-Feind-Bildern gewichen.

 

Die Produktion von Unschuld und die Ästhetik des Faschismus

Dabei sind die vermeintlichen Gegenspieler in Brechts Stück, in Langs Film und auch in der heutigen politischen Realität einander sehr ähnlich. Weder steht eine ehrbare gute Gesellschaft einem skrupellosem Verbrecher gegenüber, noch wird ein korruptes Establishment von einem tapferen Revolutionär herausgefordert. Der Massenmörder Mackie Messer verwandelt sich am Ende des Films gemeinsam mit seinen Kumpanen in anzugtragende graue Herren, die aus Michael Endes „Momo“ stammen könnten. Nicht das Brechen, sondern das Anwenden der Gesetze würde unverwundbar machen: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“

Die gute Gesellschaft assimiliert jedoch nicht nur den Verbrecher, sondern ebenso leicht den politischen Widerstand. Brechts juristischer Kampf gegen die Produktionsfirma seines Films sollte – so zumindest stellt das Lang heute dar – die politische Spitze der Dreigroschenoper schärfen und verhindern, dass aus dem Stück der Kapitallogik der Firma entsprechend ein gewinnbringend gefälliger Musical-Film wird. Brecht verliert: Was als Subversion gegen die bestehende Gesellschaft gerichtet war, wird Teil von ihr, als Kitzel und als Zeitvertreib.

Könnte es einen besseren Rahmen für fundamentale Gesellschaftskritik geben?

Das ist nicht nur ein historischer Rückblick, sondern ein aktueller politischer Kommentar. Akteure in etablierten Institutionen haben sich längst klassisches linkes Vokabular angeeignet, können sich herrschaftskritisch geben, sich als Vorkämpfer gegen Diskriminierungen darstellen und als Kämpfer für die Marginalisierten verkaufen. Die Fassadenhaftigkeit dieser linken Terminologie zeigt sich eben darin, dass der Kampf gegen die Unterdrückung heute nicht die ökonomische oder gesellschaftspolitische Analyse voraussetzt, sondern sich auf leicht fassbare biologistische Kriterien stützt, auf Rasse und Geschlecht.

Wenn dann etwa die Spitzenkandidatin der bayerischen Grünen gegen „alte weiße Männer“ austritt, kopiert ihr Agieren mit Ressentiments die Politik des rechten Gegenstücks, wirkt aber irgendwie aufgeklärt,  emanzipatorisch und unschuldig.

Die naiv wirkende, dann praktisch denkende, nette Polly in der Dreigroschenoper lässt sich erst von ihrem Vater, dem Verbrecher Peachum, dann von ihrem Ehemann, dem Verbrecher Mackie, versorgen. Unschuld wird dadurch produziert, dass die Schuld ausgelagert wird: Diesen Aspekt hat Brecht in „Der gute Mensch von Sezuan“ noch vertieft.

Peachum wiederum droht damit, gegen die Krönungsfeierlichkeiten seine Armee von Bettlern aufmarschieren zu lassen. In der realen Politik der realen USA haben die Demokraten bis heute nicht verwunden, dass die fest eingeplanten Krönungsfeierlichkeiten von Queen Hillary ausfielen, weil Donald Peachum Trump seine „bags of deplorables“ gegen Clinton ins Feld führte. Der sich gegenwärtig radikal zuspitzende Antagomismus in der amerikanischen Politik speist sich eben auch davon, dass tatsächlich keine der beiden Seiten eine Perspektive für eine humane Politik zu bieten hat.

Kunst dient hier lediglich als Illustration der immer schon unbezweifelbar richtigen politischen Positionen, ohne dass sie eine Reflexion erlauben würde. Es ist Gebrauchskunst, wie das Make Up auf Peachums Bettlern. Wenn etwa nun in New York kleine Statuen von Trump in ihrer Inschrift ausdrücklich dazu auffordern, die Büste des Präsidenten anzupinkeln – dann hat das offenkundig nicht das Ziel, zur Reflexion über die Verrohung politischer Debatten aufzufordern, sondern ist lediglich eine platte Wiederholung ohnehin schon bestehender politische Feindschaft.

Brechts Unterscheidung zwischen einer Kunst, die politische Reflexion ermöglicht, und einer Kunst, die Politik lediglich einkleidet, hat ein anderer Autor seiner Zeit auf den Punkt gebracht. In Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit stellt Walter Benjamin die „Politisierung der Kunst“, die den schönen Schein irritiert und die so zur politischen Reflexion beiträgt, der „Ästhetisierung der Politik, welcher der Faschismus betreibt“, gegenüber.

Diese Ästhetisierung des Politischen verkauft Politik, indem sie an starke, moralisierend gegründete Emotionen anknüpft und so Distanzierungen und Reflexionen verhindert.

Eine bittere Pointe: Wenn die Darstellung der Süddeutschen Zeitung richtig ist, hat ausgerechnet das einst von Brecht gegründete Berliner Ensemble gerade ein Stück inszeniert, dass dieser Beschreibung bedrückend und beeindruckend entspricht. Simons Stones „Griechische Trilogie“, von der SZ als „’MeToo’-Solidaritätsadresse“ präsentiert, lässt Männer als jämmerliche, unselbständige ehemalige Machthaber erscheinen, die schließlich von den starken Frauen „in einem Akt der Befreiung fachgerecht massakriert (werden) – sozusagen Rache für 5000 Jahre Patriarchat.“

Das bedient Gewaltphantasien, aber bestätigt zugleich gedankenlos längst etablierte Ressentiments einer längst etablierten Politik. Es ist keine Kunst, die Politik herausfordert, sondern eine, die Politik bestätigt, verdoppelt und verkauft.

Eine Ästhetisierung von Politik, wie sie nach Walter Benjamin der Faschismus betreibt.

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20 Comments

  • „Auch wenn es heute anders aussieht: Ursprünglich gehörte es keineswegs zum Konzept linker Politik, dass alle in dieselbe Richtung schauen sollten.“

    Das kann man guten Gewissens nur dann behaupten, wenn man all die linken Diktaturen ignoriert.

  • Noch kurz zum Fall Kavanaughs: Die mutmassliche Tat war im Staate Maryland 1981 nach einem Jahr verjährt. Es gibt nicht umsonst Verjährungsfristen. Das hat zum einen damit zu tun, dass je länger eine Tat vergangen ist, desto schwieriger wird in der Regel die Beweislage und zum anderen hat es mit dem Rechtsfrieden und der Rechtssicherheit zu tun. Ausserdem entscheidet in einem Rechtsstaat ein Gericht, was bei solchen Straftaten die Wahrheit bzw. Sache ist und sonst niemand anders. Eine rechtsstaatliche Wahrheitsfindung war somit in diesem Fall überhaupt nicht mehr gegeben, zumal die Sache längst verjährt wäre. Das heisst: auch wenn Kavanaughs de facto ein Täter wäre, de iure wäre er immer, weil die Sache verjährt, als unschuldig zu betrachten. Wenn eine rechtsstaatliche Wahrheitsfindung nicht mehr möglich ist, dann ist alles andere als Schlammschlacht zu bewerten und das war im Vornherein klar und die Demokraten haben sich hier nun mal voll auf das Terrain von Schmutzkampagnen begeben.

    • @Mark

      Ich lasse mich nicht auf das Spielchen der Verjährung ein oder auf „es steht Aussage gegen Aussage“.

      Sondern Ford hat nur in den USA keine Glaubwürdigkeitslücke aufweisen können, weil in der Öffentlichkeit die feministische Überzeugung gilt, eine lückenhafte Erinnerung sei durch ein Trauma induziert und um so lückenhafter die Erinnerung, desto klarer sei dies ein Beweis für ein Ereignis, das dieses Trauma produziert hat.
      Ein selbstdienlicher Zirkelschluss und letztlich gilt: „listen and believe!“.

      Sie hat nicht nur keine überzeugende Vorstellung der Tatzeit, des Tatortes, des Ablaufs präsentieren können, sondern ihre Erinnerungen geschmeidig den Untersuchungen angepasst.

      Beispiel: Aus den Unterlagen ihres Therapeuten war ihre ursprüngliche Aussage, das Ereignis hätte in ihren „late teens“ stattgefunden.
      Auf einmal war sie jedoch zum Tatzeitpunkt 15 – das ist aber nicht „late“, das ist „mid“.
      Ich glaube nicht, ihr Therapeut hat sie dermaßen missverstanden.
      1984 befand sich Kavanough bereits in Yale, hatte also Maryland verlassen. Sie ist im November 1966 geboren, wäre im November 1984 18 Jahre alt geworden.
      Damit ist es aber unwahrscheinlich, dass sie zum Tatzeitpunkt 18 und 19 war. Da Ende Mai das Schuljahr in den USA vorbei ist und Kavanough 1983 die Highschool absolvierte, konnte sie – gleiche Logik – auch nicht 17 sein.

      Sie hat eine wechselnde Zahl an Beteiligten der Party genannt, es hatten jedoch maximal sechs Personen teilgenommen.
      Das ist eine übersichtliche Anzahl.
      Und kein Zeuge findet sich dafür, dass diese Party in dieser Konstellation im genannten Jahr überhaupt stattgefunden hat.

      Mein persönlicher Schluss ist, sie hat auf eine weitere juristische Verfolgung nicht nur verzichtet, weil die Tat verjährt ist, sondern weil ihr diese Widersprüche vor Gericht um die Ohren gehauen worden wären.

      • @crumar Danke für die Hintergründe, ich selbst habe ohnehin irgendwann den Überblick verloren, das die Vorwürfe gegen Kavanaugh angeht.

        Marks Hinweis auf die Verjährungsfrist finde ich gleichwohl wichtig. Unabhängig davon, was tatsächlich passiert ist – unabhängig davon, ob Ford lügt oder Kavanaugh oder beide oder keiner von beiden (nach einer so langen Heit können die Erinnerungen ja auch ganz einfach trügerisch sein) – also unabhängig von allem, was ich aus meiner Perspektive sowieso nicht wirklich klären kann, wird mit dem Thema „Verjährung“ doch klar:

        Es geht den Beschuldigern nicht um eine juristische Aufarbeitung, sondern um ein Spiel mit Stimmungen und Empörungen.

        Sie mögen sich darin im Recht fühlen, weil es immerhin um eine Berufung für das höchste Gericht geht – aber sie torpedieren damit die geordneten Verfahren, die eine Demokratie ebenso brauch wie ein Rechtsstaat.

        • @Lucas

          Wo wir vollständig einer Meinung sind: „Es geht den Beschuldigern nicht um eine juristische Aufarbeitung, sondern um ein Spiel mit Stimmungen und Empörungen.“

          Man kann es ungleich schärfer formulieren und ich bin ja der Punk des Forums: Es geht um die Mobilisierung der niedrigsten Affekte, die #metoo erst möglich gemacht hat.
          Sie haben eine sexistische Verurteilung aller Männer erreicht, es wurden Karrieren von Männern auf bloße Anschuldigung hin zerstört und nun wurde versucht auszutesten, wie weit man gehen kann.

          Aus dem Vorwurf der sexuellen Nötigung Kavanough gegenüber wurde öffentlich erst eine Vergewaltigung gemacht und dann wurde aus ihm ganz unumwunden ein „serial rapist“.

          Ohne einen EINZIGEN Beweis. Beschuldigung = Schuld.

          Die Unschuldsvermutung war bereits Eingangs geschliffen worden und damit sind wir bei der Beweislastumkehr.
          Wie sollte sich Kavanough gegen eine solche „Erinnerungskultur“ eigentlich verteidigen?
          Er hätte nahtlos beweisen können, auf der besagten Party zum Zeitpunkt W am Ort X gar nicht gewesen zu sein.
          Dann wäre es eben eine andere Party gewesen am Ort Y zum Zeitpunkt Z – das Trauma schuf leider, sich im ersten Fall geirrt zu haben.
          Oder im zweiten oder im dritten Fall.

          Niemand hatte den Mut, die Unglaubwürdigkeit dieser „Erinnerung“ herauszustellen -> listen and believe.
          Diese religiöse Überhöhung des Opfertums, der sich auch im US-Begriff des „survivors“ ausdrückt braucht nur auf eine entsprechend vorgeprägte Öffentlichkeit zu stoßen und wir haben das „Team Gina-Lisa“ flächendeckend.

          Die Herrschaft des Mobs über ein geordnetes Verfahren und über den Rechtsstaat.

          Kachelmann, Sulkowicz, Rolling Stone, Lohfink – all die medial hochgeputschten Fälle, die sich im Nachhinein als Falschbeschuldigung erwiesen haben und der Lerneffekt der „progressiven“ Medien ist 0 (Null).
          Es muss weiter skandalisiert und emotional aufgeputscht werden.

          Bei Kavanough hatte ich das Gefühl, es war wirklich „all in“ und sie haben verloren.
          So sehr ich politisch gegen diesen Mann bin, die Maßnahmen ihn zu verhindern waren abstoßend.
          Sie richteten sich ja auch nicht gegen eine politisch missliebige Person, sondern explizit gegen ihn als Mann.

          Es wurde demonstriert, dass man den Vorwurf der sexuellen Belästigung/Nötigung/Vergewaltigung gegen Männer instrumentalisieren kann, um sie aus dem Weg zu kegeln – seien die Vorwürfe auch noch so wenig fundiert oder glaubwürdig.

          Wenn sich damit dieser Vorwurf als Machtfrage enttarnt, ist das eigentliche Anliegen von #metoo, die Opfer sexueller Belästigung/Nötigung/Vergewaltigung zum sprechen zu bringen, bereits tot.

          • @Lucas

            Update in Sachen Weinstein via zitiertem Artikel auf Genderama, Übersetzung Deepl, Herv. von mir:

            „Mehr als 80 Frauen – von denen, die darum kämpfen, es in der Welt der Schauspielerei zu schaffen, bis hin zu Hollywood-A-Listen wie Gwyneth Paltrow und Salma Hayek – haben Weinstein öffentlich wegen unerwünschter Fortschritte beschuldigt. Von den Dutzenden von Anschuldigungen wurden nur drei von den Staatsanwälten als innerhalb der relevanten Verjährungsfrist und glaubwürdig genug angesehen, um ein Verfahren gegen Weinstein aufzubauen.“

            Wobei nicht aufgeschlüsselt worden ist, wie viele Tatbestände als verjährt und wie viele als unglaubwürdig gelten.
            3 von über 80!

            Hier geht es dann locker weiter:
            „Letzte Woche wurde Detective Nicholas DiGaudio beschuldigt, einen Zeugen gecoacht zu haben, was dazu führte, dass eine der sechs Anklagen wegen Verbrechens gegen Weinstein fallen gelassen wurde. (…)

            Die Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, dass DiGaudio einem Ankläger riet, Handy-Nachrichten zu löschen, bevor sie ihre Telefone an Behörden weitergab.
            Diese Aktion könnte drei der fünf Anklagepunkte betreffen, mit denen Weinstein derzeit konfrontiert ist: räuberische sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen im ersten und dritten Grad.
            DiGaudio ist nun Gegenstand einer internen NYPD-Untersuchung und wurde aus dem Weinstein-Fall entfernt.“
            https://edition.cnn.com/2018/10/20/entertainment/weinstein-case-unraveling-questions/index.html

            Bei Nungesser (Matratzen-Mädchen) akzeptierte man vor dem universitären „Gericht“ die Kommunikation in den sozialen Medien nicht als Beweismittel für seine Unschuld.
            Genauer gesagt wurden diese Beweismittel erst zur Kenntnis genommen, als sie „Daily Beast“ veröffentlichte.

            In GB wurde in ähnlichen Fällen durch den Crown Prosecution Service von vorne herein parteilich agiert: „Die CPS ist gesetzlich verpflichtet, der Verteidigung jedes Material auszuhändigen, das vernünftigerweise als geeignet angesehen werden kann, die Strafverfolgung zu untergraben. So merkwürdig es auch erscheinen mag, dass die Staatsanwaltschaft gesetzlich verpflichtet ist, der Verteidigung zu helfen, sie ist absolut notwendig. Die Polizei hat Zugang zu Ressourcen, die selbst über die reichsten Verteidigungsteams hinausgehen. Ohne Offenlegung gibt es keine Gerechtigkeit – und die CPS hat es systematisch versäumt, Offenlegungen vorzunehmen.“
            https://www.newstatesman.com/politics/feminism/2018/07/cps-rape-trial-mess-lets-down-women-well-men

            Das ist eine absurde Untertreibung – man hat die Kommunikationsmittel der Angeklagten einbehalten und der Verteidigung nicht ermöglicht, auf entlastende Kommunikation Zugriff zu haben. Man hat also potentiell entlastendes Material zurück gehalten.
            Als das aufflog, sind ihnen reihenweise Anklagen wegen Vergewaltigung geplatzt.

            Was in den USA passiert ist, geht noch eine Stufe darüber hinaus. Nämlich seitens der NYPD den anklagenden Frauen zu raten, diese Kommunikation gleich komplett zu löschen.
            Also Beweismittel zu vernichten.

            Was geht in den Hirnen solcher Menschen vor sich?
            Wie rechtfertigen sie ihre Vorgehensweise vor sich selbst?

            Ich weiß, es gibt den Druck der „öffentlichen Meinung“, aber dass dieser so weit führt, sich völlig unglaubwürdig oder sogar strafbar zu machen, ist ein echtes Warnsignal.

          • „So merkwürdig es auch erscheinen mag, dass die Staatsanwaltschaft gesetzlich verpflichtet ist, der Verteidigung zu helfen, sie ist absolut notwendig.“

            Das ist auch in D. im Strafrecht offiziell so. Der Staatsanwalt ist vor seiner Aufgabe als Ankläger zunächst eben „Anwalt der staatlichen Gemeinschaft“. Offiziell!
            Und eben deshalb werden Familienfälle in Geheim- u. Sonderverfahren ( offiziell seit ca. Ende WW II verboten! ) bearbeitet.
            Denn da existieren weder diese Regeln, noch eine Öffentlichkeit ( echte Vertreter der staatlichen Gemneinschaft ).
            Und zwar auch und gerade bei Vorliegen schwerster strafrechtlicher Beschuldigungen!
            Den ansonsten obligatorischen Vorgang des Offizialdeliktes ( Weiterleitungspflicht aller offiziell Beteiligten an die Strafgerichte ) gibt es nicht. Ebensowenig eine Dienstaufsicht, eine Pflicht zur Ermittlung und Bewertung von Beweismitteln oder Zeugenaussagen. Es gibt weder Ankläger, noch offiziell Beschuldigte, noch gar eine Verteidigung.
            Noch nicht mal eine Protokollpflicht.

            Der Richter kann jederzeit und ohne auch nur eine logisch nachvollziehbare Begründung ( unabhängig von deren Substanz ) jeden Menschen, besonders Kinder, zu lebenslänglichen schwersten Strafen verurteilen.

            Und selbst so ein Urteil gilt noch NICHT EINMAL als Urteil, sondern wird lediglich als Beschluss ( also im Namen des Richters, nicht des Volkes! ) zu den Akten genommen.

            Und solange das so ist, halte ich Vorkommnisse, wie die durch Massenhysterien initiierten Strafverfahren in den USA, für unwichtige, ja geradezu lächerliche Kleinigkeiten, aus rechtlicher Sicht. Da sie immerhin mindestens den basalen rechtsstaatlichen Bedingungen unterliegen.

          • Nachtrag:
            Sicherlich werden einige das als bestenfall traumatisch bedingten Irrsinn wahrnehmen.
            Aber mir sind die dahintersteckenden – und die hiesige Jurisdiktion steuernden, resp. von derselben VORSÄTZLICH ignorierten – Grundsätze einfach wichtiger und m.E. leicht gegeneinander abzuwägen.
            Was ist ( für uns hier ) von höherem Belang? Ein über 70jähriger US-Multimillionär, der möglw. extrem diffamiert und sozial geächtet wird, oder div. hunderttausende Kinder in unserer direkten Nachbarschaft?
            Oder andersherum: Ist die Tatsache, daß in den USA noch mindestens rudimentäre Rechtsstaatlichkeit vorherrscht wichtiger, oder daß es dieselbe HIER ggü. ( unseren eigenen ) Kindern eben gerade NICHT gibt?

          • @Fiete

            Ich glaube a. man kann das nicht miteinander vergleichen und b. droht die #metoo-Debatte gerade ein Rohrkrepierer in den USA zu werden und das bemerken die Feministinnen und ihre allies in den hiesigen „Qualitätsmedien“.

            Auf SPON ist am 16.10. Margarete Stokowski bemüht, die männliche Angst vor einer Falschbeschuldigung zu einer Paranoia umzuschreiben und verlinkt dabei einen Artikel von Julian Dörr vom 12.10. in der SZ – Titel: „Der Mythos der falschen Beschuldigung“ – zu dem ich zwei oder drei Anmerkungen machen könnte.

            Wohlbemerkt, nachdem diesen Medien in den letzten Jahren reihenweise Skandalgeschichten um die Ohren geflogen (siehe meine kleine Liste) oder um die Ohren gehauen worden sind (Fischer im Fall Wedel).

            Auf Genderama wurde der Artikel von Christiane Heil in der FAZ verlinkt, unter dem Titel: „Kann Weinstein noch verurteilt werden?“ wird genau das, nämlich eine Falschbeschuldigung, thematisiert:

            „Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Gericht schon einige Tage zuvor einen der sechs Anklagepunkte fallenlassen. Die Ankläger erreichte eine schriftliche Stellungnahme der früheren Nachwuchsschauspielerin Lucia Evans. Darin beschrieb Evans den Oralsex mit Weinstein in dessen Büro im New Yorker Viertel Tribeca als einvernehmlich. Die Darstellerin soll sich von der sexuellen Begegnung vor 14 Jahren eine Filmrolle in einem Horrorfilm oder einer Romantikkomödie erhofft haben. Das Problem? In einem Interview mit dem „New Yorker“ vor einem Jahr hatte Evans anstelle des sexuellen Entgegenkommens einen Übergriff durch Weinstein geschildert. „Er zwang mich, Oralsex an ihm vorzunehmen. Ich sagte immer wieder, dass ich nicht wollte und er aufhören sollte“, erinnerte sich Evans damals.“
            http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/kann-weinstein-noch-verurteilt-werden-15849302.html

            „Einvernehmlich“ heißt, hier lag ein „quid pro quo“ vor und der gedachte deal war, sexuelle Dienstleistung im Austausch für eine Rolle in einem Spielfilm. Nun ja…
            Im Zuge von #metoo ist es jedoch wesentlich lukrativer, sich an etwas anderes zu „erinnern“, nämlich an einen sexuellen Übergriff.
            Um diesen naheliegenden Schluss der LeserInnen_*-+schaft zu ersparen, geht Heil nachfolgend richtig steil.

            Sie schreibt: „Für Cyrus Vance, den Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, wurde die Causa Weinstein spätestens durch Evans’ widersprüchliche Aussage heikel.“
            Aber das eigentliche Problem ist im Artikel nachfolgend nicht die aufgeflogene Falschbeschuldigung von Evans, sondern die Person Vance.
            Dem sie locker flockig Korruption vorwirft (das wird man doch wohl mal sagen dürfen!) und sein Verhalten über das Model Ambra Battilana Gutierrez bis auf den Fall Strauss-Kahn zurückführt.

            Das Problem mit der Glaubwürdigkeit einer Zeugin hat Vance in der Tat schon länger beschäftigt und beide Fälle lohnen eine nähere Betrachtung.
            Ambra Battilana Gutierrez hat nicht nur Weinstein beschuldigt, sondern zuvor einen italienischen Geschäftsmann der mehrfachen Vergewaltigung als Minderjährige.

            Sie beschreibt diese Straftaten so (Übersetzung Deepl): „Berichten in Il Giornale zufolge fuhr Miss Battilanas Aussage fort, dass einige Tage später „der Geschäftsmann mich in eine Wohnung in seinem Besitz brachte…. unter seiner Herrschaft ging ich hinein“.
            Sie sagte der Polizei, dass der Geschäftsmann anfing, „jeden meiner Wünsche zu verletzen“.

            Danach erhielt sie 2.000 Euro. Zehn Tage später geschah das Gleiche, und sie erhielt weitere 2.000 Euro, und die Beziehung ging auf diese Weise weiter.

            Sie sagte: „Mit dem erhaltenen Geld habe ich meiner Mutter geholfen und Designerkleidung, Taschen, Schuhe, Pelze, Schmuck und mehr gekauft.

            Zu Weihnachten gab die 70-Jährige in einem großen Bekleidungsgeschäft 5000 Euro für sie aus.

            Ich fühlte mich weiterhin unwohl in dieser Situation“, sagte sie. Aber sie bekam eine Wohnung im Stadtzentrum, in der alles mit dem Geld des Geschäftsmannes bezahlt wurde, behauptete Il Giornale.

            Sie sagte in ihrer Erklärung, dass sie die „Kommerzialisierung meiner Person“ erlitt und sich bewusst wurde, dass sie von einem Mann benutzt wurde, der mich wie eine Prostituierte behandelte“.
            https://www.dailymail.co.uk/news/article-3020107/Model-22-says-Harvey-Weintsein-groped-NYC-office-accused-wealthy-70-year-old-former-lover-rape-Italy-four-years-ago.html

            Hier weicht der Vorwurf erheblich von ihren tatsächlichen Handlungen ab. Niemand wird vergewaltigt, bekommt dafür 2000 Euro, kehrt nach 10 Tagen zu seinem Vergewaltiger zurück, um dann abermals 2000 Euro zu beziehen und wohnt in einem vom Vergewaltiger gesponsorten Apartment, um dies fortzusetzen.

            Dass sie sich als Prostituierte behandelt fühlte, erkannte die italienische Polizei als Fakt an und sah die Strafwürdigkeit eher im käuflichen Sex mit einer damals Minderjährigen.
            Wäre sie 18 Jahre alt gewesen, hätte man einen ganz legalen Fall von Prostitution vorliegen gehabt.
            Die Vorwürfe der Vergewaltigung wiederum hat sie lediglich medial publik gemacht, gegenüber den italienischen Strafverfolgungsbehörden jedoch nicht begründet.

            Heil lässt diese pikanten Details selbstverständlich aus und schreibt: „Ein inzwischen pensionierter SVD-Ermittler berichtete von Einschüchterungsversuchen gegen Gutierrez. Angeblich besuchten Vertreter der Staatsanwaltschaft Mitbewohner des Models, um sie zu Männerbekanntschaften oder eventueller Prostitution zu befragen. „Das Opfer bekam Angst. Wir beschlossen, es zu verstecken – vor dem Staatsanwalt“, sagte der frühere Ermittler Michael Bock später.“

            Hier ging die Sympathie der Ermittler mit dem Opfer schon so weit, es gar nicht mehr als „mutmaßliches“ zu kennzeichnen, durchaus angebrachte Fragen zum Vorleben werden als „Einschüchterung“ dargestellt, vor denen es gerettet werden muss.

            Aber weil sie die Realität noch nicht genügend verbogen hat, mutmaßt die Autorin weiter: „10.000 Dollar flossen angeblich kurz nach der Entscheidung des Demokraten, in Battilana Gutierrez’ Fall von einem Strafantrag abzusehen.“
            Wie gesagt, weder die vorliegende Falschbeschuldigung einer Frau ist ein Problem, noch der Prostitutionshintergrund einer anderen (listen and believe!), sondern das eigentliche Problem ist ein Mann.

            Kaum vorzustellen, Heil könnte noch steiler, aber es geht: „Als der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds vor sieben Jahren wegen des angeblichen Missbrauchs des Zimmermädchens Nafissatou Diallo angeklagt wurde, machten immer wieder Berichte über die angeblich bewegte Vergangenheit der Einwanderin aus Guinea die Runde. Die Staatsanwaltschaft in Manhattan, damals wie heute unter Vance’ Führung, ließ die Anklage schließlich fallen.“

            In der New York Times vom 30.6.2011 wird der Sachverhalt, warum die Anklage fallen gelassen werden musste etwas anders, dafür aber genauer dargestellt (Übersetzung Deepl):
            „Der Fall (…) gegen Dominique Strauss-Kahn steht kurz vor dem Zusammenbruch, da die Ermittler große Löcher in der Glaubwürdigkeit der Haushälterin aufgedeckt haben.

            Obwohl forensische Tests eindeutige Beweise für eine sexuelle Begegnung zwischen Herrn Strauss-Kahn, einem französischen Politiker, und der Frau fanden, glauben die Staatsanwälte heute nicht viel von dem, was der Ankläger ihnen über die Umstände oder über sich selbst erzählt hat.
            Seit ihrer ersten Anschuldigung am 14. Mai hat der Ankläger wiederholt gelogen, sagte einer der Strafverfolgungsbeamten. (…)

            Unter den Entdeckungen, sagte einer der Beamten, sind Fragen im Zusammenhang mit dem Asylantrag der 32-jährigen Haushälterin, die Guineerin ist, und mögliche Verbindungen zu Personen, die an kriminellen Aktivitäten beteiligt sind, einschließlich Drogenhandel und Geldwäsche. (…)

            Nach Angaben der beiden Beamten hatte die Frau innerhalb eines Tages nach ihrer Begegnung mit Herrn Strauss-Kahn ein Telefongespräch mit einem inhaftierten Mann, in dem sie über die möglichen Vorteile einer Verfolgung der Anklage gegen ihn sprach. Das Gespräch wurde aufgezeichnet.

            Dieser Mann, so die Ermittler, sei wegen des Besitzes von 400 Pfund Marihuana verhaftet worden. Er gehört zu einer Reihe von Personen, die in den letzten zwei Jahren mehrere Bareinzahlungen in Höhe von rund 100.000 US-Dollar auf das Bankkonto der Frau getätigt haben. Die Einlagen wurden in Arizona, Georgia, New York und Pennsylvania getätigt.

            Die Ermittler erfuhren auch, dass sie jeden Monat Hunderte von Dollar in Telefongebühren an fünf Unternehmen zahlte. Die Frau hatte darauf bestanden, dass sie nur ein Telefon hatte und sagte, dass sie nichts über die Einlagen wusste, außer dass sie von einem Mann gemacht wurden, den sie als ihren Verlobten und seine Freunde bezeichnete. (…)

            Die Anwälte von Herrn Strauss-Kahn, Benjamin Brafman und William W. Taylor III, haben in den letzten Wochen deutlich gemacht, dass sie die Glaubwürdigkeit der Frau in den Mittelpunkt ihres Falles stellen werden.“
            https://www.nytimes.com/2011/07/01/nyregion/strauss-kahn-case-seen-as-in-jeopardy.html?_r=3

            Das ist keine „angeblich bewegte Vergangenheit“, sondern sie war in zahlreiche illegale Aktivitäten verstrickt, log offensichtlich und die sexuelle Begegnung mit Strauss-Kahn sollte Grundlage für eine Erpressung sein. Dies zusammen genommen machte sie hochgradig unglaubwürdig.

            Den medial hochgeputschten Fall Strauss-Kahn und dessen Fiasko folgend, wird Vance „listen and believe!“ nicht mehr beherzigt haben und das ist, was Frau Heil stört.
            Nicht eine Falschbeschuldigerin, Lügnerin und Kriminelle können jedoch das Problem sein, denn es es handelt sich um Frauen.
            Die Männer hingegen sind von vorne herein schuldig und dass ihnen die Schuld nicht nachgewiesen werden kann liegt selbstverständlich auch an einem Mann.

            Zusammengefasst eine solide, feministisch fundierte Verschwörungstheorie, für die Fakten tatsächlich irrelevant sind und sein müssen.
            Wie gesagt, der Auslöser von #metoo – der Fall Weinstein – scheint in den USA ein Debakel zu werden und präventiv ist das feministische Lager dabei, die ideologischen Mythen abzusichern, wie eben den Mythos des Mythos der nicht existierenden Falschbeschuldigung.
            Um so mehr nun aber öffentlich wird, desto absurder müssen die propagandistischen Ablenkungsmanöver werden und anmuten.

          • Sie schreibt: „Für Cyrus Vance, den Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, wurde die Causa Weinstein spätestens durch Evans’ widersprüchliche Aussage heikel.“

            Kannst du dir nicht ausdenken, sowas: Nachdem der des Mordes Angeklagte beweisen konnte, dass er zum Zeitpunkt der Straftat nicht am Tatort war, wurde die Anklage heikel … oder so ähnlich.
            Es war doch von allem Anfang an klar, dass so manche Möchtegern-Schauspielerin zu sexuellen Gefälligkeiten bereit war, um eine Rolle zu ergattern. Das beweist natürlich nicht Weinsteins Unschuld, ist aber ein Aspekt, der totgeschwiegen wird. Es ist der riesige rosarote Elefant im Raum und keiner will ihn bemerkt haben.

          • @ Fiete „Was ist ( für uns hier ) von höherem Belang? Ein über 70jähriger US-Multimillionär, der möglw. extrem diffamiert und sozial geächtet wird, oder div. hunderttausende Kinder in unserer direkten Nachbarschaft?“

            Ich bin mir ziemlich sicher, dass Weinstein nicht auf unser Mitgefühl angewiesen ist, er bekommt es ja auch gar nicht. Aber das ist ja auch gar nicht der Punkt – es geht um die Integrität des Verfahrens.

            In der Hinsicht wiederum gibt es, bei allen offenkundigen Unterschieden, vielleicht doch eine Gemeinsamkeit zwischen dem Weinstein-Fall und der gerichtlichen Situation von Kindern in Deutschland. In beiden Fällen dominiert die Überzeugung, etwas unbedingt Gutes im Interesse von bedrohten Schutzlosen zu tun.

            Und das war nun einmal schon oft eine ideologische Grundlage für einen stärkeren, autoritären Staat.

      • @Pjotr

        „Es war doch von allem Anfang an klar, dass so manche Möchtegern-Schauspielerin zu sexuellen Gefälligkeiten bereit war, um eine Rolle zu ergattern. Das beweist natürlich nicht Weinsteins Unschuld, ist aber ein Aspekt, der totgeschwiegen wird.“

        Sehe ich genauso.
        Ruth Berger schrieb auf telepolis über den rosa Elefanten im Raum:

        „Mein Mitleid mit Frauen oder Männern, die sich von Leuten wie Harvey Weinstein sexuell benutzen lassen oder – in den Worten von Seth MacFarlane – die so tun, als fänden sie Weinstein und Konsorten attraktiv, liegt nach alledem bei null.

        Niemand muss so tun, als gefalle ihm Harvey Weinstein. Wenn man es als Schauspielerin trotzdem tut, verhält man sich wie der Handwerksmeister, der dem korrupten Entscheider auf dessen mehr oder minder subtile Aufforderung einen Umschlag über den Tisch schiebt.

        Es geht hier um erwachsene Menschen, die wissen, was sie tun. Mit sechzehn hat man vielleicht noch nicht gelernt, unerwünschte sexuelle Annäherungen (damit meine ich gewöhnliche Anmache und Berührungen, nicht den Überfall auf dem einsamen Spazierweg) abzuwehren bzw. sich nachhaltig zu verbitten. Mit spätestens Anfang Zwanzig hat man darin ausreichend Übung. So jedenfalls meine Lebenserfahrung.

        Wer sich entscheidet mitzumachen, lässt sich auf Korruption ein.“

        Und weiter (kursiv im Original): „Dazu gehören zwei, wenn auch nach meinem Rechtsempfinden die größere Schuld beim jeweiligen Initiator liegt (wenn das Ansinnen abgewehrt wird, ist es natürlich die alleinige Schuld). Auch in Fällen gewöhnlicher Korruption und erst recht politischer Korruption wird ja das Quid pro quo zumeist nicht eindeutig ausgesprochen, sondern verklausuliert oder impliziert. Auch hier ist die rechtliche Verfolgung der Taten bzw. der Nachweis regelmäßig schwierig, wenn nicht unmöglich.

        Wenn das Framing als „sexueller Missbrauch“ oder „sexuelle Belästigung“ hilft, diese spezielle Form der Korruption ans Licht zu bringen, zu ächten und mit Konsequenzen zu bedrohen und wenn die so ausgelöste öffentliche Empörung korrupte Entscheider und Institutionen, die diese dulden, abschreckt, so ist mir das sehr recht. Juristisch ist dem Problem ja schwer beizukommen; Einstellungsänderungen können da mehr bewirken.

        Wenn die derzeitige Diskussion allerdings zur Aufweichung und Verharmlosung des Vergewaltigungsbegriffes beiträgt oder zur Kriminalisierung normalen sexuellen Annäherungsverhaltens, ist das ein Ärgernis.“

        https://www.heise.de/tp/features/Quid-pro-quo-Niemand-muss-bei-Deals-a-la-Weinstein-mitspielen-3928730.html?seite=all

        Eben „das Framing als „sexueller Missbrauch“ oder „sexuelle Belästigung“ ist jedoch u.a. das Herzensanliegen der feministisch inspirierten Presse.
        Es muss sich um Zwang handeln und darf kein Geschäft sein, denn sonst gehörten zwei dazu – einen der korrumpiert und einen, der sich korrumpieren lässt.

        Wenn sexualisierte Gewalt aus sugar daddies Apartment, Einkäufen und Filmrollen besteht, dann haben in erster Linie diejenigen verloren, die besser schauspielern als blasen können.

  • Das bedient Gewaltphantasien, aber bestätigt zugleich gedankenlos längst etablierte Ressentiments einer längst etablierten Politik. Es ist keine Kunst, die Politik herausfordert, sondern eine, die Politik bestätigt, verdoppelt und verkauft.

    Treffend formuliert. Was ist eine Kunst wert, die sich der herrschenden Ideologie andient? Die nicht mal über so viel Selbsterkenntnis verfügt, um genau das zu realisieren? Eine Kunst, die nur nach Beifall giert, weil das ihre Geschäftsgrundlage ist? Ich kann das nicht als Kunst akzeptieren.
    Eine feministische Wichsvorlage ist noch lange keine Kunst, auch wenn sich manche(r) daran aufgeilt.

    • Noch ein Gedanke zu dem von Lucas angesprochenem Theaterstück. Bemerkenswert ist die Ambivalenz, die sich in der Dramaturgie des Stücks zeigt.
      Einerseits werden die Männer als „arme Würstchen“ gezeichnet, als unvollständige Menschen. Die Abschlachtung dieser Minderwertigen bedient in diesem Fall eine faschistische Gewaltphantasie. Darauf angesprochen würden die Macher des Stücks, so vermute ich, das genaue Gegenteil behaupten, dass nämlich diese als „arme Würstchen“ charakterisierten Männer übermächtige Unterdrücker sind. Genau damit wird das faschistische Stück mit seiner Vernichtungsphantasie als Widerständigkeit gegen eine übermächtige Macht – wahrscheinlich „das Patriarchat“ – behauptet.
      Aber das alles ist ja nicht neu. Es gibt feministische Strömungen, die faschistische Gewaltphantasien bedienen. Das erscheint nur deswegen als akzeptabel, weil es dem Feminismus gelungen ist, Frauen als unterdrückte soziale Klasse zu behaupten und das von vielen auch geglaubt wird.
      Die einzige Frage, die ich den Theaterleuten stellen wollte, wäre: Muss / sollte man euch ernst nehmen?

      • „Bemerkenswert ist die Ambivalenz, die sich in der Dramaturgie des Stücks zeigt.“

        Bezogen auf Juden – wo ist eigentlich die Neuigkeit dieser „Ambivalenz“?
        Der Jude ist gleichzeitig Untermensch und beherrscht die Welt.
        Wäre der Arier – womit immer Frauen gemeint sind- vom schändlichen Einfluss des Judentums (=Patriarchat) befreit, würde sie endlich zeigen, worin ihre natürliche Arierhaftigkeit besteht.
        Also dem Juden (= Mann) überlegen zu sein.
        Dass der Zustand nicht vorherrschend ist, die natürliche Überlegenheit der Arierin gegenüber dem Juden aufzuzeigen ist doch der BEWEIS schlechthin, wie sehr die Arierin vom Juden unterdrückt wird?!

        I rest my case.
        crumar

  • EU-Staaten wollen gezielte Desinformation bestrafen
    https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-10/europawahl-bruessel-eu-regierungen-cyberangriffe-desinformation-praevention

    Die EU will Falschinformationen vor der Europawahl verhindern. So sollen Parteien für Desinformation Geldbußen zahlen.

    Es gibt schon bessere Ideen. Zum Beispiel ein Wahrheitsministerium in Brüssel einrichten. Dieses Wahrheitsministerium mit George Soros und mit Pornodarstellerinnen aus der Metoo Bewegung besetzen. (*Sarkamus*)

  • „Darauf angesprochen würden die Macher des Stücks, so vermute ich, das genaue Gegenteil behaupten, dass nämlich diese als „arme Würstchen“ charakterisierten Männer übermächtige Unterdrücker sind“

    Auch das ist seit jeher Bestandteil faschistischen Gedankenguts:
    „Die Juden“ mussten ja nicht vernichtet werden, weil es arme Würstchen gewesen wären, sondern weil sie als allmächtige „jüdische Weltverschwörung“ phantasiert wurden, gegen die sich die unterdrückte arische Rasse nur „verteidigt“ hat.

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