Bürgerrechte Feindbild Mann Sexismus

#MeToo und Unschuldsvermutung: Die Sehnsucht nach dem autoritären Staat

geschrieben von: crumar

Den folgenden Text habe ich aus einigen Kommentaren Crumars zusammengestellt, in denen er an mehreren prominenten Fällen zeigt, wie die #MeToo-Empörung mit der rechtsstaatlichen Unschuldsvermutung in Konflikt gerät.

Der Vorwurf, die Unschuldsvermutung würde Täter schützen, lässt sich jedoch nicht halten. Natürlich kann sie verhindern, dass ein realer Täter bestraft wird. Dasselbe gälte aber auch, wenn die Unschuldsvermutung abgeschafft würde: Auch die Verurteilung eines Unschuldigen schützt schließlich den wahren Täter.

Gleichwohl ist der Kern der Unschuldsvermutung auch nicht der Schutz Unschuldiger – sondern der Schutz des liberalen Rechtsstaats vor der Versuchung, in den autoritären Staat abzurutschen. Wenn dieser Staat Gewaltmittel gegen Menschen anwendet, dann muss auch der Staat nachweisen, dass diese Gewaltmittel angemessen, notwendig und legitim sind. Es ist eben NICHT die Pflicht der von staatlicher Gewalt Betroffenen nachzuweisen, dass diese Gewalt illegitim ist.

Der autoritäre, starke Staat beruft sich traditionell auf die Notwendigkeit, die Schwächeren vor den Stärkeren, den Skrupellosen, den Mächtigen zu schützen. Viktorianische Literatur verknüpft das ebenso wie rechtsradikale Propaganda mit der Vorstellung, schwache Frauen vor gewissenlosen männlichen Unholden bewahren zu müssen.

Es gibt nirgends ein Beispiel dafür, dass der starke, autoritäre, illiberale Staat ohne rechtsstaatliche Kontrollen tatsächlich jemals auf der Seite der Schwachen gestanden hätte. Es gibt aber reihenweise Beispiele dafür, dass solch ein Staat mit den ohnehin Mächtigen paktiert und ihnen zu Diensten ist.

Ich habe den Text, der ja als Reihe von Kommentaren und nicht als Artikel verfasst war, an einigen Stellen mit Crumars Einwilligung leicht verändert und einmal auch einen eigenen Kommentar eingefügt. (Lucas Schoppe)

 

Die öffentliche Herstellung eines Serienvergewaltigers – Der Fall Kavanaugh

Die Glaubwürdigkeitslücke in Christine Fords Vorwürfen gegen Brett Kavanaugh blieb nur deswegen weitgehend unbemerkt, weil in der Öffentlichkeit die feministische Überzeugung gilt, eine lückenhafte Erinnerung sei durch ein Trauma induziert – um so lückenhafter die Erinnerung, desto klarer sei dies ein Beweis für ein Ereignis, das dieses Trauma produziert hat.

Ein selbstdienlicher Zirkelschluss: „listen and believe!“.

Ford hat nicht nur keine überzeugende Vorstellung der Tatzeit, des Tatortes, des Ablaufs präsentieren können, sondern ihre Erinnerungen geschmeidig den Untersuchungen angepasst.

Ein Beispiel: Laut den Unterlagen ihres Therapeuten war ihre ursprüngliche Aussage, das Ereignis hätte in ihren „late teens“ stattgefunden. Nach späteren Aussagen war sie jedoch zum Tatzeitpunkt 15 – das ist aber nicht „late“, das ist „mid“. Welchen Sinn kann diese Änderung haben?

1984 befand sich Kavanaugh bereits in Yale, hatte also Maryland verlassen. Sie ist im November 1966 geboren, wäre im November 1984 18 Jahre alt geworden. Damit ist es aber unwahrscheinlich, dass sie zum Tatzeitpunkt 18 oder 19 Jahre alt war. Da Ende Mai das Schuljahr in den USA vorbei ist und Kavanaugh 1983 die Highschool absolvierte, konnte sie – gleiche Logik – auch nicht 17 sein.

Sie hat eine wechselnde Zahl an Beteiligten der Party genannt, es hatten jedoch maximal sechs Personen teilgenommen. Das ist eine übersichtliche Anzahl. Und kein Zeuge findet sich dafür, dass diese Party in dieser Konstellation im genannten Jahr überhaupt stattgefunden hat.

Mein persönlicher Schluss ist: Sie hat auf eine weitere juristische Verfolgung nicht nur verzichtet, weil die Tat verjährt ist, sondern weil ihr diese Widersprüche vor Gericht um die Ohren gehauen worden wären. Aus dem Vorwurf der sexuellen Nötigung Kavanaugh gegenüber wurde öffentlich erst eine Vergewaltigung gemacht und dann wurde aus ihm ganz unumwunden ein „serial rapist“.

Ohne einen EINZIGEN echten Beweis. Die Beschuldigung ist hier in sich immer schon Beweis der Schuld. Die Unschuldsvermutung war bereits eingangs geschliffen worden, die Beweislast wurde umgekehrt.

Wie sollte sich Kavanaugh gegen eine solche Erinnerungskultur eigentlich verteidigen? Er hätte nahtlos beweisen können, auf der besagten Party zum Zeitpunkt W am Ort X gar nicht gewesen zu sein. Dann wäre es eben eine andere Party gewesen am Ort Y zum Zeitpunkt Z – das Trauma der Tat erklärt ja immer schon den Irrtum, und der belegt damit die Tat erst recht.

Sieht Justitia nicht viel besser, wenn sie die Augen öffnet und keine Binde davor trägt?

Niemand hatte den Mut, die Unglaubwürdigkeit dieser „Erinnerung“ herauszustellen. Listen and believe: Diese religiöse Überhöhung des Opfertums, der sich auch in der Holocaust-Anspielung des US-Begriffs „survivors“ ausdrückt, braucht nur auf eine entsprechend vorgeprägte Öffentlichkeit zu stoßen, und schon agiert das „Team Gina-Lisa“ flächendeckend. Eine Herrschaft des Mobs über ein geordnetes Verfahren und über den Rechtsstaat.

Kachelmann, Sulkowicz, Rolling Stone, Lohfink – unterschiedliche Fälle, aber alle medial hochgeputscht, die sich im Nachhinein als Falschbeschuldigung erwiesen haben. Der Lerneffekt der „progressiven“ Medien aber liegt bei Null.

Bei Kavanaugh hatte ich das Gefühl, sie sind all in gegangen und sie haben verloren. So sehr ich politisch gegen diesen Mann bin, die Maßnahmen ihn zu verhindern waren abstoßend. Sie richteten sich ja auch nicht gegen eine politisch missliebige Person, sondern explizit gegen ihn als Mann.

Es wurde demonstriert, dass man den Vorwurf der sexuellen Belästigung/Nötigung/Vergewaltigung gegen Männer instrumentalisieren kann, um sie aus dem Weg zu kegeln – seien die Vorwürfe auch noch so wenig fundiert oder glaubwürdig. 201 Männer haben laut New York Times im Zuge von #MeToo ihre Position verloren – mehr als die Hälfte wurden durch Frauen ersetzt.

Wenn sich damit dieser Vorwurf als Machtfrage enttarnt, ist das eigentliche Anliegen von #MeToo, die Opfer sexueller Belästigung/Nötigung/Vergewaltigung zum Sprechen zu bringen, bereits tot.

 

Die Polizei lässt Beweismittel verschwinden – Der Fall Weinstein

„Löst sich die Anklage gegen Harvey Weinstein auf? fragt jetzt CNN.

Mehr als 80 Frauen – von denen, die darum kämpfen, es in der Welt der Schauspielerei zu schaffen, bis hin zu Hollywood-A-Listen wie Gwyneth Paltrow und Salma Hayek – haben Weinstein öffentlich wegen unerwünschter Fortschritte beschuldigt. Von den Dutzenden von Anschuldigungen wurden nur drei von den Staatsanwälten als innerhalb der relevanten Verjährungsfrist und glaubwürdig genug angesehen, um ein Verfahren gegen Weinstein aufzubauen.

Allerdings wird nicht aufgeschlüsselt, wie viele Tatbestände als verjährt und wie viele als unglaubwürdig gelten. Gleichwohl: 3 von über 80! So geht es dann locker weiter:

Letzte Woche wurde Detective Nicholas DiGaudio beschuldigt, einen Zeugen gecoacht zu haben, was dazu führte, dass eine der sechs Anklagen wegen Verbrechens gegen Weinstein fallen gelassen wurde. (…)

Die Staatsanwaltschaft teilte am Dienstag mit, dass DiGaudio einem Ankläger riet, Handy-Nachrichten zu löschen, bevor sie ihre Telefone an Behörden weitergab.

Diese Aktion könnte drei der fünf Anklagepunkte betreffen, mit denen Weinstein derzeit konfrontiert ist: räuberische sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen im ersten und dritten Grad. DiGaudio ist nun Gegenstand einer internen NYPD-Untersuchung und wurde aus dem Weinstein-Fall entfernt.

Bei Paul Nungesser – sein Fall wurde durch das „Matratzen-Mädchen“ bekannt – akzeptierte man vor dem universitären Kangaroo Court  die Kommunikation in den sozialen Medien lange nicht als Belege für seine Unschuld. Diese Beweismittel wurden erst zur Kenntnis genommen, als Daily Beast sie veröffentlichte. 

In GB wurde in ähnlichen Fällen durch den Crown Prosecution Service von vorne herein parteilich agiert:

Der CPS ist gesetzlich verpflichtet, der Verteidigung jedes Material auszuhändigen, das vernünftigerweise als geeignet angesehen werden kann, die Strafverfolgung zu untergraben. So merkwürdig es auch erscheinen mag, dass die Staatsanwaltschaft gesetzlich verpflichtet ist, der Verteidigung zu helfen, sie ist absolut notwendig. Die Polizei hat Zugang zu Ressourcen, die selbst über die reichsten Verteidigungsteams hinausgehen. Ohne Offenlegung gibt es keine Gerechtigkeit – und die CPS hat es systematisch versäumt, Offenlegungen vorzunehmen.

Die Anklage hat also die Kommunikationsmittel der Angeklagten einbehalten und der Verteidigung nicht ermöglicht, auf entlastendes Material Zugriff zu nehmen. Als das aufflog, sind reihenweise Anklagen wegen Vergewaltigung geplatzt.

Der zitierte Artikel macht auch deutlich, dass dieses Verhalten keineswegs den Frauen nutzte:

Die Botschaft an die Öffentlichkeit wird nicht sein, dass die Anklage (der Crown Prosecution Service) gepfuscht hat – sondern das Frauen lügen.

Was in den USA passiert ist, geht noch eine Stufe darüber hinaus: nämlich seitens des New York Police Department den anklagenden Frauen zu raten, diese Kommunikation gleich komplett zu löschen.

Also Beweismittel zu vernichten.

Wie rechtfertigen Menschen eine solche Vorgehensweise vor sich selbst?

Ich weiß, es gibt den Druck der öffentlichen Meinung, aber dass dieser so weit führt, sich völlig unglaubwürdig oder sogar strafbar zu machen, ist ein echtes Warnsignal.

 

Rohrkrepierer und Paranoia

Dabei droht die #MeToo-Debatte gerade ein Rohrkrepierer in den USA zu werden.  Christine Rosen, Herausgeberin von The New Atlantis, schreibt:

Es wäre eine Schande, wenn eine Bewegung mit dem Potenzial, über zutiefst beunruhigende und hartnäckige Aspekte der menschlichen Natur aufzuklären, sich stattdessen Männerhass und Machtgier zu eigen macht. Mit eben dieser Schande sind wir nun konfrontiert.

Den Verlust der Glaubwürdigkeit bemerken auch Feministinnen und ihre Allys in den hiesigen „Qualitätsmedien“.

Auf SPON ist am 16.10. Margarete Stokowski bemüht, die männliche Angst vor einer Falschbeschuldigung zu einer Paranoia umzudeuten und verlinkt dabei einen Artikel von Julian Dörr vom 12.10. in der Süddeutschen Zeitung: Der Mythos der falschen BeschuldigungEs wäre, so Dörr, ein gesellschaftlicher Reflex, dass Frauen nicht geglaubt werde, wenn sie Männer sexueller Übergriffe beschuldigten.

Dies, nachdem eben diesen Medien in den letzten Jahren reihenweise Skandalgeschichten um die Ohren geflogen (siehe oben) oder, wie von Thomas Fischer im Fall Dieter Wedel, um die Ohren gehauen worden sind.

Auch Christiane Heil thematisiert in der FAZ unter dem Titel „Kann Weinstein noch verurteilt werden?“ das Thema eine Falschbeschuldigung:

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Gericht schon einige Tage zuvor einen der sechs Anklagepunkte fallenlassen. Die Ankläger erreichte eine schriftliche Stellungnahme der früheren Nachwuchsschauspielerin Lucia Evans. Darin beschrieb Evans den Oralsex mit Weinstein in dessen Büro im New Yorker Viertel Tribeca als einvernehmlich. Die Darstellerin soll sich von der sexuellen Begegnung vor 14 Jahren eine Filmrolle in einem Horrorfilm oder einer Romantikkomödie erhofft haben. Das Problem? In einem Interview mit dem „New Yorker“ vor einem Jahr hatte Evans anstelle des sexuellen Entgegenkommens einen Übergriff durch Weinstein geschildert. „Er zwang mich, Oralsex an ihm vorzunehmen. Ich sagte immer wieder, dass ich nicht wollte und er aufhören sollte“, erinnerte sich Evans damals.

„Einvernehmlich“ ist Sex eben auch dann, wenn er Teil eines quid pro quo-Deals ist: Beide Seiten willigen ein, wenn auch eine davon nicht sexuelle Lust sucht, sondern sich vom Sex andere Vorteile erhofft. Das Klima von #Metoo jedoch belohnt es mit Aufmerksamkeit, sich medial an einen sexuellen Übergriff zu erinnern. Wer so dazu ermutigt, andere Menschen eines Verbrechens zu beschuldigen, der hilft möglicherweise echten Opfern zu sprechen – aber er begünstigt und belohnt möglicherweise eben auch falsche Beschuldigungen.

Diesen naheliegenden Schluss erspart Heil der LeserInnen_*-+schaft. Sie schreibt:

Für Cyrus Vance, den Bezirksstaatsanwalt von Manhattan, wurde die Causa Weinstein spätestens durch Evans’ widersprüchliche Aussage heikel.

Damit ist das eigentliche Problem im weiteren Artikel nicht die aufgeflogene Falschbeschuldigung von Evans, sondern die Person Cyrus Vance, dem sie locker-flockig Korruption vorwirft (das wird man doch wohl mal sagen dürfen!).

 

Ein Staatsanwalt verabschiedet sich vom Listen-and-Believe-Prinzip – Die Fälle Gutierrez und Strauss-Kahn

Das Problem mit der Glaubwürdigkeit einer Zeugin hat Vance in der Tat schon länger beschäftigt, beim Fall des Models Ambra Battilana Gutierrez und beim Fall Strauss-Kahn, und beide lohnen eine nähere Betrachtung.

Zwischenbemerkung Lucas Schoppe: Crumar beleuchtet nun einen Fall, der tatsächlich zumindest befremdlich ist. Das Model Ambra Battilana Gutierrez hat nicht nur Weinstein beschuldigt, sondern zuvor einen italienischen Geschäftsmann der mehrfachen Vergewaltigung – sie sei zum Zeitpunkt der Vergewaltigung noch minderjährig gewesen. Nun steht offenbar eine sexuelle Beziehung außer Frage, der Vorwurf der Vergewaltigung ist ohne weitere Belege allerdings kaum haltbar: Der Sex war Teil einer längeren Beziehung zu dem Mann, in der sie von ihm beträchtliche Geldmittel und Sachwerte erhielt.

Wird das als Prostitution gewertet, dann hat der Mann sich aufgrund ihres Alters tatsächlich strafbar gemacht. Doch auch abgesehen davon lässt sich das Sugar Daddy-(bzw. Sugger-Grandpa- oder Sugar Great-Grandpa-)Verhältnis eines über Siebzigjährigen mit einer Minderjährigen wohl kaum als Beispiel einer gesunden, förderlichen Sexualität verkaufen. Auch wenn in die moralische Empörung oder Entgeisterung darüber manchmal Neid gemischt sein mag, finde ich sie nachvollziehbar.

Nur ist eben das möglicherweise ein besonders gutes Beispiel dafür, wie nah es liegen kann, die Unschuldsvermutung außer Kraft zu setzen. Das erscheint dann als Abkürzung, um einer gewiss doch berechtigten moralischen Empörung auch in gerichtliche Strafen Ausdruck zu geben: Wenn der Rechtsstaat Schwierigkeiten damit habe, solch ein Verhalten zu verurteilen, müsse man ihm eben ein wenig nachhelfen.

Aber das ist eben nicht möglich. Meine moralische Empörung, so tief und authentisch sie auch sein mag, gibt noch keinem Staat das Recht, seine Gewaltmittel gegen einen Menschen anzuwenden. Das gilt auch für einen Menschen, der seinerseits in einer starken Machtposition agiert. (Ende der Zwischenbemerkung)

Wer würde solch einem Mann nicht jedes Verbrechen zutrauen?

 

Über Dominique Strauss-Kahn schreibt Heil:

Als der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds vor sieben Jahren wegen des angeblichen Missbrauchs des Zimmermädchens Nafissatou Diallo angeklagt wurde, machten immer wieder Berichte über die angeblich bewegte Vergangenheit der Einwanderin aus Guinea die Runde. Die Staatsanwaltschaft in Manhattan, damals wie heute unter Vance’ Führung, ließ die Anklage schließlich fallen.

In der New York Times vom 30.6.2011 wird der Sachverhalt, warum die Anklage fallen gelassen werden musste, etwas anders, dafür aber genauer dargestellt (Übersetzung Deepl):

Der Fall (…) gegen Dominique Strauss-Kahn steht kurz vor dem Zusammenbruch, da die Ermittler große Löcher in der Glaubwürdigkeit der Haushälterin aufgedeckt haben. Obwohl forensische Tests eindeutige Beweise für eine sexuelle Begegnung zwischen Herrn Strauss-Kahn, einem französischen Politiker, und der Frau fanden, glauben die Staatsanwälte heute nicht viel von dem, was der Ankläger ihnen über die Umstände oder über sich selbst erzählt hat. Seit ihrer ersten Anschuldigung am 14. Mai hat der Ankläger wiederholt gelogen, sagte einer der Strafverfolgungsbeamten. (…)

Unter den Entdeckungen, sagte einer der Beamten, sind Fragen im Zusammenhang mit dem Asylantrag der 32-jährigen Haushälterin, die Guineerin ist, und mögliche Verbindungen zu Personen, die an kriminellen Aktivitäten beteiligt sind, einschließlich Drogenhandel und Geldwäsche. (…)

Nach Angaben der beiden Beamten hatte die Frau innerhalb eines Tages nach ihrer Begegnung mit Herrn Strauss-Kahn ein Telefongespräch mit einem inhaftierten Mann, in dem sie über die möglichen Vorteile einer Verfolgung der Anklage gegen ihn sprach. Das Gespräch wurde aufgezeichnet.

Dieser Mann, so die Ermittler, sei wegen des Besitzes von 400 Pfund Marihuana verhaftet worden. Er gehört zu einer Reihe von Personen, die in den letzten zwei Jahren mehrere Bareinzahlungen in Höhe von rund 100.000 US-Dollar auf das Bankkonto der Frau getätigt haben. Die Einlagen wurden in Arizona, Georgia, New York und Pennsylvania getätigt. (…)

Das ist keine „angeblich bewegte Vergangenheit“, sondern sie war in zahlreiche illegale Aktivitäten verstrickt, log offensichtlich, und die sexuelle Begegnung mit Strauss-Kahn sollte Grundlage für eine Erpressung sein. Dies zusammen genommen machte sie hochgradig unglaubwürdig.

Dem medial hochgeputschten Fall Strauss-Kahn und dessen Fiasko folgend, wird Cyrus Vance „listen and believe!“ also nicht mehr beherzigt haben, und eben das stört Frau Heil. Nicht eine Falschbeschuldigerin, Lügnerin und Kriminelle ist ihr Problem, sondern der Mann, der schuldig ist, auch  wenn ihm die Schuld nicht nachgewiesen werden kann.

Insgesamt eine solide, feministisch fundierte Verschwörungstheorie, für die Fakten tatsächlich irrelevant sind und sein müssen.

 

Die vergessenen Opfer

Der Auslöser von #MeToo – der Fall Weinstein – scheint in den USA ein Debakel zu werden, und präventiv ist das feministische Lager dabei, die ideologischen Mythen abzusichern, wie etwa den Mythos, dass es Falschbeschuldigungen nicht gäbe.

Um so mehr nun aber öffentlich wird, desto absurder müssen auch die propagandistischen Ablenkungsmanöver werden.

Ruth Berger schrieb auf telepolis über den rosa Elefanten im Raum:

Mein Mitleid mit Frauen oder Männern, die sich von Leuten wie Harvey Weinstein sexuell benutzen lassen oder – in den Worten von Seth MacFarlane – die so tun, als fänden sie Weinstein und Konsorten attraktiv, liegt nach alledem bei null.

Niemand muss so tun, als gefalle ihm Harvey Weinstein. Wenn man es als Schauspielerin trotzdem tut, verhält man sich wie der Handwerksmeister, der dem korrupten Entscheider auf dessen mehr oder minder subtile Aufforderung einen Umschlag über den Tisch schiebt.

Es geht hier um erwachsene Menschen, die wissen, was sie tun. Mit sechzehn hat man vielleicht noch nicht gelernt, unerwünschte sexuelle Annäherungen (damit meine ich gewöhnliche Anmache und Berührungen, nicht den Überfall auf dem einsamen Spazierweg) abzuwehren bzw. sich nachhaltig zu verbitten. Mit spätestens Anfang Zwanzig hat man darin ausreichend Übung. So jedenfalls meine Lebenserfahrung.

Wer sich entscheidet mitzumachen, lässt sich auf Korruption ein.

Und weiter:

Dazu gehören zwei, wenn auch nach meinem Rechtsempfinden die größere Schuld beim jeweiligen Initiator liegt (wenn das Ansinnen abgewehrt wird, ist es natürlich die alleinige Schuld). Auch in Fällen gewöhnlicher Korruption und erst recht politischer Korruption wird ja das Quid pro quo zumeist nicht eindeutig ausgesprochen, sondern verklausuliert oder impliziert. Auch hier ist die rechtliche Verfolgung der Taten bzw. der Nachweis regelmäßig schwierig, wenn nicht unmöglich.

Wenn das Framing als ‚sexueller Missbrauch‘ oder ‚sexuelle Belästigung‘ hilft, diese spezielle Form der Korruption ans Licht zu bringen, zu ächten und mit Konsequenzen zu bedrohen und wenn die so ausgelöste öffentliche Empörung korrupte Entscheider und Institutionen, die diese dulden, abschreckt, so ist mir das sehr recht. Juristisch ist dem Problem ja schwer beizukommen; Einstellungsänderungen können da mehr bewirken.

Wenn die derzeitige Diskussion allerdings zur Aufweichung und Verharmlosung des Vergewaltigungsbegriffes beiträgt oder zur Kriminalisierung normalen sexuellen Annäherungsverhaltens, ist das ein Ärgernis.

Die auf #MeToo gestimmte Interpretation aber besteht darauf, dass es sich um Zwang handeln muss und kein Geschäft sein darf, denn sonst gehörten zwei dazu – einer, der korrumpiert, und einer, der sich korrumpieren lässt.

Wenn die sexualisierte Gewaltdrohung aus Sugar Daddies Appartment, Einkäufen und Filmrollen besteht, dann haben in erster Linie diejenigen verloren, die einfach nur schauspielern wollen, ohne deshalb sexuellen Wünschen nachzukommen.

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25 Comments

  • „So sehr ich politisch gegen diesen Mann bin, die Maßnahmen ihn zu verhindern waren abstoßend. “ Hochachtung, das ist eine bewundernswerte Einstellung, die man leider selten trifft. Heute scheint es meist eher um ‚Der Zweck heiligt die Mittel‘ zu gehen; Anstand und demokratische Prinzipien werden da oft als störend empfunden. Und dabei denke ich nicht nur an Pegida oder so sondern in besonderem Maße auch an Formen von Feminismus wie man sie z.B. auf EditionF findet [https://editionf.com/Frauen-Wut-Patriarchat-Revolution].

    • Vielen Dank für das Lob!
      Aus der Geschichte sollte gelernt worden sein, bei der die Idee ‚Der Zweck heiligt die Mittel‘ gäbe es keine Rückwirkungen von den eingesetzten Mitteln auf den Zweck ist bestenfalls (und wirklich bestenfalls) naiv.

      All das „lügen für die gute Sache“ macht die gute Sache – früher oder später – zu einer gigantischen Lüge und die Frage ist nur, wie lange solch ein Betrug und Selbstbetrug durchhaltbar ist.

      Probeweise bin ich Ihrem Link gefolgt, habe den Fall Kavanough im Lichte der Edition F aus der Schreibe von Frau T. Buecker studiert und (wie eigentlich immer) macht mich diese ratlos.

      Überschrift: „Der Fall Kavanaugh: die Wut der weißen Männer auf sich selbst“

      Im Text die Zwischenüberschrift: „Was sagt die Wut auf alles?“

      Weiter: „Wir alle kennen diese heftigen Gefühle. Ich erinnere mich an einige Wochen in diesem Jahr, wo ich selbst nicht wusste, wohin mit all der Wut, die ich in mir hatte. Ich war auf alles und auf jeden wütend, nicht nur während der Zeit meines PMS.

      Ich saß meiner Analytikerin gegenüber, die näher nachfragte und ich antwortete ihr: „Ich bin so wütend, ich bin sogar auf diesen Schrank dort an der Wand wütend.“ Sie antwortete mir: „Wenn Sie tatsächlich auf alles wütend sind, dann sind Sie auf sich selbst wütend.“

      Nachdem wir also verstanden haben, Frau Buecker befindet sich in einer Psychotherapie und im Stadium, mehr über ihre Gefühle (besonders deren Herkunft) zu erfahren, nimmt sie dies nicht nur zum Anlass, die eigenen Gefühle auf ein ganzes Geschlecht zu projizieren.

      Es erfolgt ebenfalls eine elegante Schubumkehr: Sie hätte zu lernen, hingegen muss sich nun eine ganzes Geschlecht von ihrer individuellen Einsicht belehren lassen: „Sich Wut einzugestehen bedeutet auch, die eigenen Fehler zu sehen und einzuräumen, falsch gelegen zu haben. Zu bereuen. Gründe für die Wut weißer Männer auf sich selbst gäbe es viele, individuell wie kollektiv.“

      Kavanough hatte Angesichts der Schwere und den Folgen der Anschuldigung einen tatsächlichen Anlass dafür wütend zu sein – es gab einen rationalen Grund.
      Nicht zu verwechseln mit der irrationalen Wut auf einen Schrank.
      Dass sie allen Ernstes fordert, Kavanough hätte völlig emotionslos reagieren müssen zeigt, mit welchem antiquierten Männerbild diese „Feministinnen“ hausieren gehen.

      Wie religiös aufgeladen diese Argumentation ist, sieht man an der Forderung nach der „Reue“, der möglichst öffentlichen Reuebekundung des „Sünders“.
      Alle Bestandteile eines mittelalterlichen Weltbilds sind versammelt: Der Sünder kommt an den Pranger, wird öffentlich beschämt, sozial vernichtet und hat mit diesen Strafen einverstanden zu sein, sie sogar zu bejahen, denn er hat sie verdient (wegen der „Privilegien“).

      Es geht nicht darum, dass demokratische oder rechtsstaatliche Prinzipien als „störend“ empfunden, sie sollen ganz offensichtlich beseitigt werden.
      Buecker und die Edition F – das ist tätige Gegenaufklärung.

    • @Vagabund: Habe es mir wider besseren Wissens angetan, den editionf-Artikel zu lesen. Wenn Margarete Stokowski schon den Begriff Paranoia ins Spiel bringt („männliche Angst vor einer Falschbeschuldigung zu einer Paranoia umzudeuten“, wobei diese Angst auf belastbaren Statistiken basiert), dann ist dieser Text ein Musterbeispiel für fortgeschrittenen Realitätsverlust, a.k.a. Paranoia. Eine einzige Ansammlung von unzulässigen Pauschalisierungen, unbewiesenen oder direkt falschen Aussagen und großem Unsinn. Aber die Dame glaubt fest daran.

      Wir hatten das Thema „Feminismus als geschlossenes Wahnsystem“ schon letztens hier: https://man-tau.com/2018/08/20/menaretrash/#comment-16913 Dieser editionf-Artikel ist ein weiterer, besonders krasser Beleg.

  • Arizona Stae Universuity: Der Physikprofessor Lawrence Krauss, stimmt einer Vereinbarung zu, in den Ruhestand zu gehen – sonst wäre er entlassen worden. Ein Untersuchungsausschuss der Uni hat ihn sexueller Übergriffe für schuldig befunden – die er bestreitet. Jedenfalls hat er seit Monaten das Unigelände nicht mehr betreten dürfen. https://www.dailywire.com/news/37674/physicist-uses-physics-rebut-sexual-misconduct-ashe-schow
    https://www.chronicle.com/article/3-Revelations-From-the/244887

    Krauss selbst bestreitet sämtliche Vorwürfe: Es stimme nicht, dass er eine Frau bei einem Selfie an die Brust gefasst habe – oder dass der einer Frau bei einer Konferenz unter das Minikleid gegriffen und an die Hüfte gefasst habe. Er habe das mit seiner Frau ausprobiert: Der Übergriff, der ihm vorgeworfen wird, sei physikalisch gar nicht möglich.

    Das lässt sich ja überprüfen. Abgesehen davon stehen hier einfach verschiedene Aussagen gegeneinander – was typisch ist für (begangene oder eben nicht begangene) Taten, die kaum materiellen, sondern ggfs. vor allem einen seelischen Schaden anrichten. Eigentlich keine Grundlage für eine Entlassung.

    Vor allem betreffen die Vorwürfe Verhaltensweisen, die im Arbeitsumfeld möglicherweise ziemlich normal sind, die aber ihren Charakter ändern, wenn sie öffentlich und als „sexuelle Übergriffigkeit“ rubriziert diskutiert werden. So begrüßte er sich beispielsweise mit einer Mitarbeiterin mit Küssen und Umarmungen, was beide völlig in Ordnung fanden, was aber andere störte.

    Ich könnte aus einem ganz normalen Lehreralltag auch Einzelheiten über das Verhalten von Kollegen und, mindestens ebenso sehr, von Kolleginnen breittreten, die – wenn sie mit der entsprechenden ernsthaften Empörung vorgetragen werden – sich leicht als sexuelle Übergriffe hinstellen ließen.

    Eine Kollegin beispielsweise bezeichnet einen Kollegen scherzhaft-aggressiv als „Schlappschwanz“ – eine eindeutig sexualisierte Beschimpfung.

    Eine Kollegin klopft mit der flachen Hand einem Kollegen mehrmals auf den Po, ihm ist das offenkundig sehr unangenehm, so das er laut „Ey!“ sagt – was sie sehr amüsiert.

    Eine Kollegin sitzt zwei Meter neben einem Kollegen, der in einem Regal mit Büchern etwas sucht. Sie sieht ihm dabei wortlos und unverwandt zu. Als er fragt, ob etwas sei, sagt sie nur: „Nichts – ich genieße die Aussicht.“

    Es gibt auch Kolleginnen, denen es aus irgendwelchen Gründen unmöglich ist, mit jemandem zu reden, ohne ihn dabei mindestens zwei bis fünf Mal im Gespräch zumindest kurz anzufassen, am Arm, an der Schulter – jedes Mal natürlich ungefragt.

    Das ließe sich fortsetzen, natürlich auch mit dem Verhalten von Kollegen. Um ehrlich zu sein: Sämtliche der hier geschilderten Situationen hab ich miterlebt, sie aber als komplett harmlos wahrgenommen. Waren sie auch. Aber bei allen ist es möglich, sie in einer öffentlichen Darstellung ohne größere Änderungen so zu interpretieren, dass sie als Übergriffe dastehen, die keinesfalls toleriert werden dürfen.

    Eben das ist aber ein Problem: Wir können uns gar nicht ständig überlegen, wie unser Verhalten in einer beliebigen öffentlichen Darstellung – und vielleicht auch noch gar Jahrzehnte später – aussehen könnte. Wir agieren eben immer in einem KONKRETEN Umfeld, und dieses Umfeld funktioniert nur, wenn die Beteiligten ein spezifisches Vertrauensverhältnis zueinander gefunden haben. Die öffentliche Darstellung, gar noch durch starke Vorannahme über die Allanwesenheit sexueller Übergriffe geprägt, kann diesem konkreten Verhältnis nicht gerecht werden.

    Das wiederum gilt für Frauen ebenso wie für Männer. Dass Frauen sich hier unverwundbarer fühlen, sich gar lustig machen oder empören über Männer, die sich vor Falschbeschuldigungen fürchten – das liegt schlicht an der geschlechterpolitischen Schlagseite von #Metoo, mit der sexuelle Übergriffe im Default-Zustand als „männlich“ codiert sind.

    In meinen Augen ist das eine der größten, schlimmsten Schwächen von #Metoo: Anstatt einen Austausch von Erfahrungen zu ermöglichen oder zu vertiefen, werden Gräben zwischen den Erfahrungen verschiedener Menschen verbreitert.

    Ich glaube es sehr wohl, dass #Metoo Erfahrungen von Frauen anspricht, die demütigend, degradierend oder ausbeutend waren. Ich glaube es, dass sich in diesen Erfahrungen auch Machtunterschiede ausdrücken. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass viele Frauen sich sicher sind, Männern würde so etwas mit Frauen nicht passieren.

    Da aber die Deutung dieser Erfahrungen immer schon klar ist, da die Täter- und Opferrollen eindeutig sind, da alle immer schon wissen, dass sich hier männliche Dominanzmuster etc. ausdrücken – daher geht es eigentlich gar nicht mehr um die Erfahrungen einzelner Menschen, einzelner Frauen und Männer. Die dienen jeweils bloß dazu, das immer schon Gewusste noch einmal und noch einmal zu bestätigen. Und wenn sie es nicht bestätigen, dann müssen sie die Klappe halten (was in etwa die deutsche Übersetzung für „listen and believe“ ist).

    Was dabei herauskommt: Auf der einen Seite stehen Frauen, die sich über die Empathielosigkeit von Männern empören, die Erfahrungen von Frauen mit männlicher Übergriffigkeit einfach nicht ernst nehmen wollen – auf der anderen Seite stehen Männer, die sich über die Selbstvergötterung von Frauen empören, die verlangen, ihnen müssten selbst folgenreichste Vorwürfe in jedem Fall geglaubt werden, einfach weil SIE diese Vorwürfe vorbringen.

    Die Zerstörung eines öffentlichen Diskurses im Zustand der fortdauernden moralischen Erregung bedeutet eben auch, dass die Manövrierfläche verlorengeht, auf dem unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zueinander in eine sinnvolle Beziehung gesetzt werden können.

    • @Lucas

      Wogegen ich mich wehre:
      „Der Übergriff, der ihm vorgeworfen wird, sei physikalisch gar nicht möglich.
      Das lässt sich ja überprüfen. Abgesehen davon stehen hier einfach verschiedene Aussagen gegeneinander“

      Richtig. Nämlich die eine Aussage ist physikalisch möglich, die andere nicht.

      Es gibt keine Möglichkeit „unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven zueinander in eine sinnvolle Beziehung“ zu setzen, wenn die eine Erfahrung nur in der eigenen Phantasie existiert und die Perspektive ist, mit dem „Zustand der fortdauernden moralischen Erregung“ die Frage zu erledigen, ob der erlittene Übergriff überhaupt „physikalisch möglich“ ist.

      Die „Selbstvergötterung von Frauen“ geht doch schon so weit zu behaupten, beide Aussagen hätten das identische Gewicht oder wären beide gleichermaßen möglich, nur weil eine Frau das behauptet.

      Ich erinnere nur an den Fall in der Londoner U-Bahn, wo sich eine Frau begrapscht gefühlt hatte von einem Mann, der sich nur per Überwachungskameras von diesen Anschuldigungen hat befreien können, weil er beide Arme erkennbar zum tragen verwendete.
      „Gefühlt“ war diese Frau dennoch berechtigt, ihn zu einem Grabscher zu machen, obwohl er gar nicht dazu in der Lage war.

      Es ist unmöglich, diese beiden „Perspektiven“ zu vermitteln.
      Die eine Perspektive existiert in der Realität, die andere nicht.

    • Soso, nun also auch Lawrence Krauss, welcher ja auch eine Art ‚Promi‘ ist. Ich frage mich, wie vielen nicht-öffentlich-bekannten Personen sowas passiert, oder ob diese Art Frauen vor allem auf den Promi-Status des Mannes abfahren, den sie in die soziale Ächtung bringen wollen.

      (Ganz besonders widerlich fand ich hier die konzertierte Aktion der ‚Aktivisten‘ um Connie St. Louis gegen Sir Tim Hunt).

      Oder – man wagt es kaum zu denken – handelt es sich hier um Rache für abgewiesene Schmacht? (Könnte ich mir gerade bei Promis vorstellen, dass ‚engagierte Fans‘ problematisch werden könnten… s. Karl Dall et al.)

      • @CountZero

        Das Motiv „Rache“ für das abgewiesen werden wird man nicht nur bei Promis finden, sondern auch bei gewöhnlichen Menschen.
        Man wird es finden gegenüber Ex-Freunden und Ex-Männern.

        Das „Problem“ ist aus meiner Sicht erstens die Ungeheuerlichkeit der Anschuldigung, denn bei Vergewaltigung handelt es sich um eine schweres Verbrechen.
        Angesichts dieser Tatsache ist es für mich schwer vorstellbar, wie eine Frau eine solche Falschbeschuldigung sich selbst gegenüber vertreten kann.

        Dass diese Falschbeschuldigungen in einer relevanten Größenordnung existieren, halte ich für einen Fakt.
        Unser gesellschaftliches Klima (gerade mit #metoo einhergehend) begünstigt natürlich diese Falschbeschuldigungen.

        Aber was geht in einer Frau vor, aus der Beendigung einer Beziehung/ Ehe eine – aus ihrer subjektiven Sicht gerechtfertigte – strafbare Handlung zu machen?!
        Ist das die ultimative Flucht in die (eigene) Verantwortungslosigkeit?

        Ich verstehe es einfach nicht.

        • Aber was geht in einer Frau vor, aus der Beendigung einer Beziehung/ Ehe eine – aus ihrer subjektiven Sicht gerechtfertigte – strafbare Handlung zu machen?!
          Ist das die ultimative Flucht in die (eigene) Verantwortungslosigkeit?

          Sie wissen, dass sie mit Milde rechnen können, falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ihnen eine Falschbeschuldigung nachgewiesen wird. Das eingegangene Risiko ist denkbar gering.
          Ich erinnere an den Fall Gina Lisa, wo selbst Videoaufnahmen nicht genügten, um die durchgeknallte feministische Horde „Team Gina Lisa“ zur Einsicht zu bringen. Bei diesen Leuten scheint nur und ausschliesslich das subjektive Befinden der Anklägerin als relevant zu gelten. Feministen befinden sich auf einer religiösen Mission, die sich durch Fakten nicht beirren lassen.

          Was mich an „me too“ am meisten verstört, ist die mediale Information, oder besser gesagt, die mediale Desinformation auf sämtlichen Kanälen. Eine kritische Distanz gibt es nicht mehr. Trotz Kachelmann, Lohfink, Kavanaugh und Konsorten wird frisch-fröhlich weiter behauptet, dass Falschbeschuldigungen eine absolute Seltenheit seien. Das darf man dann wohl bornierte Ignoranz nennen. Journalisten haben bis heute nicht begriffen, dass sie ihre „Informations-Gate-keeper-Funktion“ verloren haben und sich jeder mit Internetanschluss mühelos aus anderen Quellen informieren kann. Es scheint, dass sie ihren Bedeutungsverlust durch kompromisslose Parteilichkeit zu kompensieren versuchen. Nicht mehr die Information des Lesers steht an erster Stelle, Informationen, die sich jeder auch an anderer Stelle besorgen kann, sondern die parteiische Beeinflussung, die Einordnung der Informationen in die eigene ideologische Erzählung, also das Framing.

          • @Pjotr

            „Sie wissen, dass sie mit Milde rechnen können, falls der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass ihnen eine Falschbeschuldigung nachgewiesen wird.“

            Ja, da hast du recht; das bezieht sich jedoch auf die Folgen der Falschbeschuldigung für die Falschbeschuldigerin. Mich interessiert besonders, in welchem moralischen Koordinatensystem ist eine Frau zuhause, eine solche Falschbeschuldigung als Mittel einzusetzen?

            „Ich erinnere an den Fall Gina Lisa, wo selbst Videoaufnahmen nicht genügten, um die durchgeknallte feministische Horde „Team Gina Lisa“ zur Einsicht zu bringen.“

            Ja, die Durchgeknalltheit ging sogar so weit zu fordern, das Video dürfte als Beweismittel nicht herangezogen werden, weil es ja eine Vergewaltigung zeige.

            Als ich das Stichwort „KO-Tropfen“ hörte war mir schon klar, es handelt sich um eine Falschbeschuldigung.
            KO-Tropfen sind ein urbaner Mythos. KO-Tropfen heißen Johnny, Jim, Jack und eine Nase Koks (oder sonstige Freizeitdrogen).

            „Was mich an „me too“ am meisten verstört, ist die mediale Information, oder besser gesagt, die mediale Desinformation auf sämtlichen Kanälen. Eine kritische Distanz gibt es nicht mehr. Trotz Kachelmann, Lohfink, Kavanaugh und Konsorten wird frisch-fröhlich weiter behauptet, dass Falschbeschuldigungen eine absolute Seltenheit seien.“

            Wenn man medial einmal mit der Kunst der Stapellüge begonnen hat, kann man einfach nicht mehr aufhören.
            Sonst kracht das ganze Weltbild zusammen.
            Das ist zumindest mein Eindruck.
            Es ist doch tragikomisch, dass Dörr in der SZ über den Mythos der Falschbeschuldigung schreibt und beinahe zeitgleich der Weinstein-Prozess an einer Falschbeschuldigung zu scheitern droht.

            „Es scheint, dass sie ihren Bedeutungsverlust durch kompromisslose Parteilichkeit zu kompensieren versuchen.“

            Das und die „Parteilinie“ in den Blättern/Sendern selbst.
            Die wiederum durch die Sexismus-Vorwürfe auf feministische Linie gebracht werden.

          • @crumar:
            “ Mich interessiert besonders, in welchem moralischen Koordinatensystem ist eine Frau zuhause, eine solche Falschbeschuldigung als Mittel einzusetzen?“

            In diesem Zusammenhang fand ich den Fall Emma Sulkowicz (‚Matrazenmädel‘) und Paul Nungesser ganz besonders erschreckend. Eher aus Zufall habe ich mich sehr eingehend mit der Datenlage und dem prozessualen Vorgehen zur Aufklärung des Falles auseinandergesetzt.

            Meine Einschätzung ist, dass die beiden eine Art ‚Friends-with-Benefits‘-Beziehung hatten und Sulkowicz mehr wollte, während Nungesser das anscheinend gar nicht verstanden hatte und den Kontakt nicht suchte, woraufhin die Sache einfach auslief.

            Dann fällt S. ein Jahr nach der letzten physischen Begegnung auf einmal ein, sie sei damals mißbraucht worden, zeigt das beim Campus an (aber nicht bei der Polizei) und beginnt mit ihrer ‚art performance‘.

            Mir drängt sich der Schluß auf (auch wegen ihrer weiteren ‚Kunstaktionen‘), dass S. unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, die durch die mentale Disposition ihres Umfeldes (‚3 in 5 female college students…‘, ‚listen and believe‘ etc.) positiv verstärkt wurde (nicht direkt, aber so ähnlich wie ein Krankheitsgewinn).

            Für Nungesser hingegen war das katastrophal (es gibt sicher auch andere Fälle, die tödlich ausgingen für den Beschuldigten. Das war hier zum Glück nicht so.). Diese fehlende Empathie bei übersteigertem Narzissmus von S. erinnert doch sehr stark an psychopatisches Verhalten.

            Das wird nun sicher nicht bei jeder Falschbeschuldigung der Fall sein, bestimmte andere soziale und psychologische Mechanismen gleichen sich aber bei vielen Beispielen erheblich.

          • Mir drängt sich der Schluß auf (auch wegen ihrer weiteren ‚Kunstaktionen‘), dass S. unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, die durch die mentale Disposition ihres Umfeldes (‚3 in 5 female college students…‘, ‚listen and believe‘ etc.) positiv verstärkt wurde (nicht direkt, aber so ähnlich wie ein Krankheitsgewinn).

            Und das ist ein weiterer rosaroter Elefant, der keinem Journalisten je aufgefallen wäre, so wie die Tatsache, dass so manche Möchtegernschauspielerin, die in Hollywood ihr Glück versucht, durchaus bereit ist, einem einflussreichen Mann wie Weinstein sexuelle Gefälligkeiten zu bieten in der Hoffnung, ihrer Karriere den nötigen drive zu verschaffen.

            Mich interessiert besonders, in welchem moralischen Koordinatensystem ist eine Frau zuhause, eine solche Falschbeschuldigung als Mittel einzusetzen?

            Im feministischen, nehm ich mal an. In deren Koordinatensystem sind Frauen die unterdrückte soziale Klasse, die sich gegen ein allgegenwärtiges patriarchales System wehrt – Notwehr sozusagen. In deren Vorstellung ist eine Falschbeschuldigung nur ein Ausgleich für das unebene Spielfeld.

          • „Mich interessiert besonders, in welchem moralischen Koordinatensystem ist eine Frau zuhause, eine solche Falschbeschuldigung als Mittel einzusetzen?“
            Dazu braucht man die Bezüge eines persönlichen Koordinatensystems oder spezieller Frauen nicht.
            Ich denke, die alte Kurzvariante von Murphy’s Law „Gelegenheit macht Diebe“ reicht da als ( mehr oder weniger statistischer ) Grinterhund vollkommen aus.
            Der Rest erklärt sich durch die lange Tradition und die breite gesellschaftliche Annahme derartiger Charakterzüge, besonders natürlich wenn es um die armen, schützenswerten Frauen der eigenen Gruppe geht. Nachdem sich das, speziell im Bezug auf Geschlechterrollen nun ein paar hundert Jahre eingeschliffen hat, dauert es auch wenigstens ein paar Generationen, es wieder in relativ vernunftsgeregelte Bahnen zu bekommen.

            Übrigens habe ich mir auf der Suche nach Videos zu/von Sulkowitz, mangels Masse, mal ihren Porno ( vollständig, anstrengend ) angeschaut, den sie ja in voller conceptual continuity ihrer Matratzenkunst sieht.
            Vordergründig eindeutig, sie will einen sensationellen Anreißer für den Transport ihrer Botschaft haben.
            Aber das war auch schon alles.
            Die Botschaft selbst konnte ich mir nur mit viel Mühe ungefähr so zusammenreimen: Die ganze Welt ist krankhaft deprimierend schlecht und extrem langweilig.

            Dagegen sind die Leningrad Cowboys schon echte Stimmungskanonen …

          • @Pjotr @CountZero @Fiete

            Ich habe eure Kommentare gelesen und sicherlich ist die narzisstische Kränkung plus das feministische Klima, die Rache für – Pi mal Daumen – drei Milliarden Jahre patriarchaler Unterdrückung ein Grund.

            Emma S. ist eine Narzisstin aus dem Bilderbuch.
            Der universitäre Prozess war eine Farce.
            Wer dem mutmaßlichen Täter schreibt und damit einlädt, er können das mutmaßliche Opfer „fuck me in the butt“ hat schlechte Karten mit der Behauptung, anal vergewaltigt worden zu sein.
            „Love you!“ Bekundungen, Monate nach der mutmaßlichen Tat, sind auch durch das größte Trauma nicht wegzuzaubern.
            Dass er diese Botschaften in den sozialen Medien nicht zu seiner Verteidigung heranziehen durfte, um seine Unschuld ein und für alle Male zu beweisen, sagt eigentlich alles.

            Ich kann aber schlecht alle Frauen die falsch beschuldigen in diesem Sinne zu psychisch Gestörten machen.
            Es muss etwas in der ganz „normalen“ Weiblichkeit existieren, das diesen Vorwurf wie von selbst als plausibel erscheinen lässt.

            Mir schwant, im weiblichen Bewusstsein existiert eben keine Vorstellung, einer eigenen sexuellen Bedürftigkeit oder eigener sexueller Bedürfnisse.
            Von daher ist der „Kontrakt“ einer Partnerschaft aus weiblicher Sicht immer die Realisierung männlicher sexueller Bedürfnisse.
            Es herrscht ja immer noch die Vorstellung vor, es tauschten sich nicht zwei Bedürfnisse wechselseitig ein, sondern der männliche Part sei dem weiblichen etwas schuldig.

            Was aus männlicher Perspektive absurd ist.

            Was, wenn aber nun mit der Auflösung eines Kontrakts – aus weiblicher Perspektive – sich die damit auch die Legitimität des deals an sich in Luft auflöst?
            Damit hätte sich – in dieser Perspektive – der eingestandene Gebrauch>/i> der weiblichen Sexualität (im Austausch mit x) ex-post in einen Missbrauch verwandelt.

            Was haltet ihr von dieser Idee?

          • Ich kann aber schlecht alle Frauen die falsch beschuldigen in diesem Sinne zu psychisch Gestörten machen.
            Es muss etwas in der ganz „normalen“ Weiblichkeit existieren, das diesen Vorwurf wie von selbst als plausibel erscheinen lässt.

            Ich glaube, es ist sehr banal: Die westeuropäische Frau, sofern geprägt durch bürgerliche Moralvorstellungen, sieht die sexuelle Beziehung als ein Tauschgeschäft – sie bietet Sex gegen materielle Entschädigung. Das ganze Konstrukt „Ehe“ basiert darauf.
            Der sexnegative Feminismus mit seiner Verteufelung der männliche Sexualität will den Preis der weiblichen Sexualität vor dem Zerfall bewahren und betreibt eine Restauration des (sexuellen) Geschlechterverhältnisses. Obwohl reaktionär, ist es den Feministen gelungen, ihre Prüderie als progressiv zu verkaufen. Die Kontrolle der männlichen Sexualität wird als das Mittel der Wahl verstanden, die Männer insgesamt zu kontrollieren. Da passt dann auch me too gut ins Bild – ein Damoklesschwert, ein Machtmittel, mit dem Männer genötigt werden, nach feministischen Vorgaben zu handeln. Und es funktioniert.
            Es ist schwer zu sagen, ob dies auf etwas inhärent Weibliches hindeutet. Ich neige aber eher zu einem Ja.

          • @Pjotr

            Ich fange mit deinem letzten Satz an: „Es ist schwer zu sagen, ob dies auf etwas inhärent Weibliches hindeutet. Ich neige aber eher zu einem Ja.“

            Weil wir beide davon ausgehen, dass Feminismus Feminin-ismus ist.
            Wäre Feminismus nicht kompatibel mit bestimmten „Präferenzen“ seines Klientels, er wäre nicht existent.

            „Ich glaube, es ist sehr banal: Die westeuropäische Frau, sofern geprägt durch bürgerliche Moralvorstellungen, sieht die sexuelle Beziehung als ein Tauschgeschäft – sie bietet Sex gegen materielle Entschädigung. Das ganze Konstrukt „Ehe“ basiert darauf.“

            Einverstanden. Es ist ein Geschäft. Wobei die „Moralvorstellungen“ dadurch geprägt worden sind, dass es sich um ein Geschäft handelt und das Geschäft die Moralvorstellung hervorgerufen hat.

            „Der sexnegative Feminismus mit seiner Verteufelung der männliche Sexualität will den Preis der weiblichen Sexualität vor dem Zerfall bewahren und betreibt eine Restauration des (sexuellen) Geschlechterverhältnisses.“

            Mit drei Ergänzungen einverstanden: Hormonelle Verhütungsmittel haben es ermöglicht, den Sexualmarkt SM vom Heiratsmarkt MM zu trennen – also dem Markt, in dem der Austausch von exklusiver Sexualität vormals nur möglich war.
            Dadurch ist der Preis für Sex gefallen, weil sich das weibliche Angebot erhöht, die männliche Nachfrage nach „Ehe“ (oder sonstigen Formen des langfristigen „commitment“) hingegen gesunken ist.
            Erschwerend kommt dazu, die Ausbildungsdauer hat dazu geführt, der sexual market value (SMV) der Frauen (die die Debatte führen und bestimmen) sinkt zu genau dem Zeitpunkt, wo sie den Übergang von SM zu MM subjektiv für sinnvoll erachten (to settle down).

            Diese Frauen sind nicht „sex negative“, sie sind SMV negative.

            „Obwohl reaktionär, ist es den Feministen gelungen, ihre Prüderie als progressiv zu verkaufen. Die Kontrolle der männlichen Sexualität wird als das Mittel der Wahl verstanden, die Männer insgesamt zu kontrollieren.“

            Sehe ich auch so. Das Resultat ist mehr oder weniger faschistisch.

            „Da passt dann auch me too gut ins Bild – ein Damoklesschwert, ein Machtmittel, mit dem Männer genötigt werden, nach feministischen Vorgaben zu handeln. Und es funktioniert.“

            Nur scheinbar.
            5% aller Frauen werden für außerordentlich schön gehalten – das ist doppelt so viel, wie für das männliche Geschlecht gilt.
            So lange sich mit dieser Schönheit in der „Vogue“ Produkte verkaufen lassen (die sich an ein weibliches Zielpublikum richtet), desto länger kann man die Botschaft unter dieses Zielpublikum streuen, erotisches Kapital (Hakim) kann sich in jede andere Kapitalsorte wandeln.

            Das Verhältnis von 1:20 ist besser als JEDER andere potentielle Lotto-Gewinn. Genau diese Kombination macht weibliche „Schönheit“ auch so „aspirational“.

            Das produzieren sie SELBST.
            Es ist eine weitere Lüge, die sich hier unter einem feministischen Mantel tarnt.

          • @crumar 30.10.2018 22:25

            „Mir schwant, im weiblichen Bewusstsein existiert eben keine Vorstellung, einer eigenen sexuellen Bedürftigkeit oder eigener sexueller Bedürfnisse.“

            Dem würde ich aus eigener anekdotischer Erfahrung widersprechen. Ich denke, es ist verallgemeinerbar, dass Frauen eine eigene sexuelle Agenda haben. Die ist aber verschieden von der männlichen. Ich denke ebenfalls, dass *ein* Aspekt weiblicher sexueller Agenda ist, soziale Kontrolle (über Männer und andere Frauen) zu etablieren und ausüben zu können.

            „Es muss etwas in der ganz „normalen“ Weiblichkeit existieren, das diesen Vorwurf wie von selbst als plausibel erscheinen lässt.“

            Mich interessiert tatsächlich mehr, wie solche Ideen in der Gesellschaft im allgemeinen auf Akzeptanz stoßen können (für die andere Fragestellung müßte ich versuchen zu verstehen, wie Frauen ticken. Das ist mir zu schwer…). Wenn die gesellschaftlichen Regeln einer – wenn auch nicht offensichtlichen – Psychopathin erlauben, das (soziale) Leben eines talentierten Mannes durch haltlose Anschuldigungen zerstören zu können ohne dass er entlastendes Material anführen könnte, erscheint mir die Gesellschaft ebenfalls in diesen Aspekten psychopathisch…

            Desweiteren ein Lob für sehr viele gute und nmA zutreffende Beobachtungen über Sex als Handelsware und Märkte dafür sowie Kontrollbestrebungen darauf von allen Beitragenden!

        • @crumar:
          „Das Motiv „Rache“ für das abgewiesen werden wird man nicht nur bei Promis finden, sondern auch bei gewöhnlichen Menschen.“

          Völlig d’accord! Ich wollte anführen, dass Prominente durch ihre höhere Sichtbarkeit eher Ziel romantischer Interessen werden und mehr Körbe verteilen müssen. Damit stiege dann auch die Wahrscheinlichkeit, als Promi Ziel einer solchen Vergeltungsaktion für nicht-erwiderte Zuneigung zu werden…

          • @CountZero
            Kein Problem damit.
            Je nach Grad der Prominenz ist das sicherlich zutreffend.

            Je nach Grad der Prominenz ist es aber auch sehr wahrscheinlich, dass die mit dem monetären Kapital ausgesprochen wählerisch sind, was das erotische Kapital betrifft.

            Nur wird die schiere Masse der Vorwürfe m.E. von frustrierten Ex-Freundinnen und Ex-Frauen relativ durchschnittlicher Männer kommen.

            Mein Problem ist immer noch die Art der „Vergeltung“.

            Mir schwant da aber gerade etwas…

        • „Aber was geht in einer Frau vor, …? Ich verstehe es einfach nicht.“

          Kleiner Hinweis: Die Theorie der kognitiven Dissonanz kann hier diverse Einsichten beitragen.

          Dort wurden ja auch extreme Fälle analysiert, z. B.: Eine Person sagt den Weltuntergang für den späteren Tag X voraus, sie richtet ihre ganze Existenz auf diesen Untergang aus, der Tag X kommt schließlich, die Welt geht nicht unter, die Person X sieht sich in ihrer Befürchtung bestätigt und predigt fortan den Weltuntergang.

          Dieser seltsame „Mechanismus“ ist fatal im Bereich moralisch relevanter Handlungen. So hat man Fälle ungerechtfertigter Gewalt analysiert, die von einigermaßen vernünftigen und verantwortungsvollen Menschen verübt wird. Verblüffend nun: Aufgrund dieser Vernunft und Verantwortung nimmt diese Gewalt nicht etwa ab, sondern sogar zu (bei entsprechender Gelegenheit).

        • @CountZero

          „Ich denke, es ist verallgemeinerbar, dass Frauen eine eigene sexuelle Agenda haben. Die ist aber verschieden von der männlichen. Ich denke ebenfalls, dass *ein* Aspekt weiblicher sexueller Agenda ist, soziale Kontrolle (über Männer und andere Frauen) zu etablieren und ausüben zu können.“

          Das sind m.E. zwei verschiedene Fragen und ich möchte diese getrennt voneinander erörtern.
          Ich wollte mit meiner These, Frauen sei ihre sexuelle Bedürftigkeit anscheinend nicht bewusst nicht in Frage stellen, sie hätten mit ihrer Sexualität oder „sexyness“ keine Agenda. Wenn man diese Agenda plump reduziert auf den Austausch von Sex gegen materielle Ressourcen, dann wird die gängige Marktpraxis beschrieben.
          Tritt man einen Schritt beiseite, kann dieser Tausch nur verwundern, denn würden sich weibliche sexuelle Bedürfnisse mit männlichen sexuellen Bedürfnisses wechselseitig aufheben, dann wäre keine Verhandlungsmasse da, welches über dieses Verhältnis hinaus ginge. D.h. wieso sollte ein Mann seine erarbeiteten Ressourcen teilen, wenn er diese gegen nichts eintauscht?

          Von daher würde es gesellschaftlich „Sinn“ machen, die Nachfrageseite ganz einseitig auf „Mann“ festzuschreiben, um diesen in der Illusion zu lassen, er erhielte einen fairen deal. Oder anders herum die Illusion aufzubauen, mit dem weiblichen „Geschenk“ der Sexualität an den Mann stünde ihr im Austausch von Sex mehr zu, als nur Sex.

          Warum mir die Flasspöhlersche potente (also sexuelle selbstbewusste) Frau so selten begegnet ist, läge dann aber nicht an dem unterdrückerischen Patriarchat. Sondern lediglich an der Inszenierung eines Austauschverhältnisses, welches für die Gesellschaft ein günstiges, für den individuellen Mann jedoch ein schlechtes Geschäft ist (wie Baumeister sagt, profitiert die gesamte Gesellschaft von der Ausbeutung des Mannes, Farrell meint, Heterosexualität sei für Männer überhaupt ein ganz mieses Geschäft).
          Die Existenz dieses objektiv schlechten Geschäfts wiederum macht es erstens fraglich, von einem einseitig Männer begünstigenden „Patriarchat“ auszugehen.
          Zweitens hätte die geschlechtsspezifische soziale Kontrolle der Sexualität je nach Geschlecht eine andere Funktion.

          Flaßpöhler führt aus, die sexuell potente Frau gelte gesellschaftlich schnell als „nymphoman“, ohne näher darauf einzugehen, was den weiblichen Teil dieser „Gesellschaft“ zu dieser Abwertung veranlassen könnte. Ich würde mutmaßen, die „Frauensolidarität“ ist in diesem Fall nichts anderes als die Furcht, eine solche Frau befeuert die intrasexuelle Konkurrenz und verdirbt die Marktpreise.

          „Mich interessiert tatsächlich mehr, wie solche Ideen in der Gesellschaft im allgemeinen auf Akzeptanz stoßen können (für die andere Fragestellung müßte ich versuchen zu verstehen, wie Frauen ticken. Das ist mir zu schwer…). Wenn die gesellschaftlichen Regeln einer – wenn auch nicht offensichtlichen – Psychopathin erlauben, das (soziale) Leben eines talentierten Mannes durch haltlose Anschuldigungen zerstören zu können ohne dass er entlastendes Material anführen könnte, erscheint mir die Gesellschaft ebenfalls in diesen Aspekten psychopathisch…“

          Nun ja, wenn man sich unabhängig von feministischer Ideologie über die bürgerliche Gesellschaft Gedanken macht, vielleicht war der „soziale Kontrakt“ (Akzeptanz) der Geschlechter ein ganz anderer?
          Wie djadmoros m.E. richtig anführte, wurde die Utopie der bürgerlichen Gesellschaft in Frauen aufgehoben – denen man die Zumutungen der kapitalistischen Gesellschaft ersparen wollte.
          Ein Leben ohne Konkurrenz, Ausbeutung und Entfremdung (was aber illusionär sein musste).

          Prompt hat man eine gesellschaftliche Idealfigur „Frau“, die wiederum von der Gesellschaft entfremdet ist, deren Zumutungen man ihr ersparen wollte, indem man diese von ihr ausschloss – und umgekehrt. Das feministische Marketing hat nur dieses dialektische Verhältnis „vergessen“.
          Der Frauenbereich der Fabrikantenvilla hatte Fenster zum Garten, nicht zum Fabriktor.

          Und jetzt, wo Frauen und Männer aus der gleichen sozialen Schicht auf dem Arbeitsmarkt um die gleichen Jobs konkurrieren erfolgt eine einseitige Kündigung.
          Nach „ethnic cleansing“ kommt „gender cleansing“.
          Nicht ohne zugleich etwas über die Austauschverhältnisse zu verraten, die in dieser sozialen Schicht üblich sind und über (illusionäre) weibliche Denkweisen, die nur in diesen sozialen Verhältnissen entstehen konnten.

          Insofern produziert diese psychopathische Gesellschaft in der Tat die Psychopathin. Mein Problem ist – weil ich immer noch eine individuelle Frau beurteilen möchte – dass ich die individuelle Moral nicht verstehe bzw. nachvollziehen kann.

          • „Wie djadmoros m.E. richtig anführte, wurde die Utopie der bürgerlichen Gesellschaft in Frauen aufgehoben – denen man die Zumutungen der kapitalistischen Gesellschaft ersparen wollte.
            Ein Leben ohne Konkurrenz, Ausbeutung und Entfremdung (was aber illusionär sein musste).“

            (..)

            „Und jetzt, wo Frauen und Männer aus der gleichen sozialen Schicht auf dem Arbeitsmarkt um die gleichen Jobs konkurrieren erfolgt eine einseitige Kündigung.“

            Volle Zustimmung, ich komme zum gleichen Ergebnis.

            „Insofern produziert diese psychopathische Gesellschaft in der Tat die Psychopathin.“

            In der Tat wird wohl genau soherum ein Schuh draus, wie Du beschrieben hast. Wieder ein Stück weitergekommen beim Erkenntnisgewinn ;-).

  • „Niemand hatte den Mut, die Unglaubwürdigkeit dieser „Erinnerung“ herauszustellen.“

    Also Ehre, wem Ehre gebührt 😉 Ein ziemlich guter Artikel mit sehr hoher Reichweite zur Unglaubwürdigkeit von Ford war dieser hier:

    Margot Cleveland: Christine Blasey Ford’s changing Kavanaugh assault story leaves her short on credibility. USA Today, 03.10.2018, https://eu.usatoday.com/story/opinion/2018/10/03/christine-blasey-ford-changing-memories-not-credible-kavanaugh-column/1497661002/

    • @mitm

      Diesen Artikel habe ich ebenfalls gelesen, er stammt von einer AnwältIN und ist eben in „USA Today“ erschienen.

      Wer sich also überhaupt noch traut, in der Debatte eine Gegenposition zu beziehen ist a. weiblich und kommt b. in eher konservativer Presse zu Wort.
      Aus der liberalen Ecke kamen nur Lobgesänge und das religiöse „listen and believe“.

      Was in ihrem Artikel nicht zur Sprache kommt, ist die Datierung des Ereignisses selbst, auf den ich mich in meinem Kommentar bezogen habe.
      Entgegen Fords eigenen Aussage in der eigenen Therapie konnte dieser nicht in den „late teens“ stattgefunden haben – zumindest mit Kavanoughs Beteiligung.
      Denn der war gar nicht mehr im gleichen Bundesstaat.

      Anhand des ungefähren Geburtsdatums von Ford (November 1966) kann man daher per Ausschlussverfahren ermitteln, wie alt sie nicht gewesen sein konnte.
      18 und 19 schieden daher von vorne herein aus, die Schule endete für Kavanough Ende Mai, sie wäre aber erst im November 17 geworden.
      Damit ist „late teen“ – ein Zeitraum von drei Jahren – bereits unmöglich geworden.

      Sie konnte also gar keine Erinnerung präsentieren, die im Einklang mit ihrer eigenen Aussage steht, sie hat also ihre Erinnerung an die Gegebenheiten angepasst.

  • Ergänzung zu einem oft gehörten Argument, und zwar Ford sei deswegen zu glauben, weil sie sich enormen öffentlichen Anfeindungen aussetzt und weil sich diese Pein niemand freiwillig antut, sondern nur jemand, der tatsächlich schwerstens betroffen ist. Hierzu hat Janice Fiamengo einen ihrer besten „Fiamengo File Episoden“, Nr. 89, geliefert:

    https://www.youtube.com/watch?v=cFL6k5yOAFM
    To Understand Christine Blasey Ford, Take a look at Palo Alto University
    Published on Oct 6, 2018
    The Fiamengo File Episode 89
    (Fast 2 Mio Abrufe bisher!)

    In dem Kontext, in dem Ford lebt, macht sie sich durch ihren Auftritt gegen das Patriarchat und das Böse schlechthin zu einer feministischen Ikone, sie wird sozusagen unsterblich. Das ist ihr Lohn.

    • @mitm

      Habe ich mir gerade angeschaut.
      Man muss erst einmal schlucken.
      Da machen in den USA ganze Jahrgänge von Frauen eine Ausbildung in einer (quasi) Sekte.
      Was soll man eigentlich Männern in den USA raten?
      Bei einem Bildungshintergrund „Palo Alto“ gar nicht erst zu daten?

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