Deutschland Identitätspolitik Monatsrückblicke SPD

Es dämmert – Ein Rückblick auf den Oktober

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Rückblick auf die Texte des Monats Oktober – im Dämmerlicht von Merkels Regierung. 

 

Seltsam, im Nebel zu wandern

Merkeldämmerung.

Eigentlich war ja spätestens mit dem Scheitern der Sondierungsgespräche vor einem Jahr klar, dass weder Sozialdemokraten noch Freidemokraten weiter ausreichend Vertrauen zur Kanzlerin aufbringen konnten. Dass die SPD sich schließlich aufgerafft hatte, wenige Monate nach ihrer kategorischen Ablehnung doch noch einmal in eine Koalition mit Merkel zu gehen, lag nicht daran, dass sie das Vertrauen zu ihr wiedergefunden hatte – sondern dass ihre Angst vor Neuwahlen noch größer war als die vor einer weiteren Zusammenarbeit.

Seltsamerweise hat die jetzige Regierung also nicht zusammengefunden, weil sie einen Auftrag des Souveräns bekommen hätte – sondern weil sie Angst davor hatte, dass dieser Souverän allzu bald nach der letzten Wahl noch einmal seine Meinung sagen könnte.

Eine Regierungsbildung nicht als Resultat demokratischer Wahlen, sondern als Versuch ihrer Vermeidung.

Dass eine Koalition, die vorwiegend aus Angst geschlossen wurde, keine überzeugenden Perspektiven entwickeln konnte, ist keine Überraschung. Das macht ganz ungewollt die Journalistin und Merkel-Verehrerin Mely Kyak in der Zeit deutlich. Gegen die Rede von einem „Abgang der Kanzlerin“ verteidigte sie Merkel mit dem Hinweis, dass sie sich bewundernswert stabil in einem Umfeld wenig wohlgesonnener Männer an der Macht gehalten habe, die sie ihrerseits mit ihrer Nervenstärke fertig gemacht habe.

Allerdings fehlte eben auch in diesem Text jeder Hinweis darauf, wofür Merkel eigentlich nochmal Macht haben wollte – als würde es immer schon reichen, dass eben SIE im Kanzleramt sitzen würde und nicht irgendjemand anders.

Merkels Abgang in Superzeitlupe dauert nun auch deswegen schon so lange an, weil es der Kanzlerin gelungen ist, innerparteiliche Gegner ebenso klein zu halten wie die Konkurrenten anderer Parteien. Auch wenn schon längst absehbar ist, dass es mit ihr kaum weiter gehen kann, fehlte es an Alternativen. Friedrich Merz springt nun plötzlich wieder hervor, nachdem Merkel sich selbst vom Parteivorsitz zurückzieht und Platz gemacht hat – aber weder er noch irgendjemand sonst hätte sich getraut, sie beiseite zu schieben.

Merkeldämmerung, das war und ist aber eben nicht nur ein endlos langer Abschied einer Kanzlerin, die schon lange keine erkennbaren politischen Ziele mehr hat. Es ist auch ein ewiges politisches Dämmerlicht, in dem die Konturen verschwimmen und die Kontraste unklar geworden sind. Dieses Zwielicht hat eben der Partei zum Aufstieg verholfen, die sich als einzige klare Alternative hingestellt hat.

Vermutlich könnten nun aber AfD-Gegner ebenso wie Grüne ein paar Dankestorten an Horst Seehofer schicken: Dessen klarer Konflikt mit Merkel, so schräg und holzhammerhaft der auch war, hat vermutlich einige Wähler bei der Union gehalten, die sonst bei der AfD gelandet wären – und einige Wähler, die sich als Teil eines kosmopolitischen Bürgertums verstehen, zu den Grünen getrieben.

Die SPD aber hat bei alledem deprimierend wenig zu sagen. Die älteste und für lange Zeit wichtigste deutsche Partei ist todkrank – aber die Beschäftigung damit scheint auch ihr eigenes Führungspersonal eher zu ermüden als zu verängstigen. Nach der letzten Bundestagswahl hatten die obersten Kader ihre Partei wie beleidigte Kinder in die Ecke manövriert, anstatt zu verstehen, dass sie trotz der massiven Verluste Forderungen an die Union hätten stellen können – zum Beispiel, zu einer Koalition nur noch ohne Merkel bereit zu sein. Vielleicht waren alle aber auch einfach zu sehr damit beschäftigt, nun die eigene Position zu sichern, als dass sie sich auch noch um ihre Partei hätten kümmern können.

Die SPD steht für eine Linke, die ganz unfähig geworden ist, Perspektiven für eine soziale und ökonomisch gerechte Gesellschaft zu entwerfen – und die sich ersatzweise auf einen Kulturkampf verlegt, der zu allem Überfluss auch noch mit rassistischen und sexistischen Kategorien geführt wird. Dieser Kulturkampf wiederum befremdet traditionelle Wähler, die immer noch nicht so recht verstanden haben, warum ihre Partei sie nun eigentlich zu Gegnern erklärt hat, die sich ihrer Privilegien als Männer oder als Weiße bewusst werden sollten.

Sicher, die Grünen sind in dieser Hinsicht auch nicht besser, aber das müssen sie auch nicht sein: Anders als die SPD sprechen die Grünen traditionell ein Milieu an, dass sich weniger mit ökonomischen Schwierigkeiten als mit kulturalistischen Identitätsproblemen herumschlägt. Was der SPD schadet, kann den Grünen durchaus nutzen.

 

Kulturkämpfe statt Politik

Wenn hier im Blog diese Linke deutlich häufiger Thema ist als die rechte Politik, dann einfach deshalb, weil ich davon überzeugt bin, dass die Gewinne rechts außen weniger ein Rechtsrutsch als eine Linksflucht sind. Wer die Bewegung nach rechts aufhalten will, muss eine integre, realitätsgerechte, zivile und demokratische linke oder liberale Politik stärken, anstatt sich an Trump abzuarbeiten. Der hat, ebenso wie die AfD, eigentlich nicht viel zu bieten. Sollte es eine seriöse demokratische Alternative geben, wird er wohl abgewählt werden – aber wenn den Demokraten weiterhin nichts anderes einfällt als alberne Pussyhats, Sympathien für den furchtbaren Antisemiten Louis Farrakhan oder die Beschimpfung weißer alter Männer, dann kann Trump gar nicht so viel Mist bauen, dass er nicht wiedergewählt würde.

Im letzten Monat beschäftigten sich viele Artikel hier im Blog damit, dass politische Feindschaften zwischen rechts und links umso verbissener inszeniert werden, je mehr die Konturen zwischen den politischen Lagern verschwimmen.

Deutschland im Herbst

Bei der Bayernwahl wäre ein Anti-AfD-Lied ebenso als Werbelied für die AfD einzusetzen gewesen: Ein AfD-Song wird zum Millionenhit.

Der Moderator und Komiker Jan Böhmermann, öffentlich-rechtlicher Posterboy einer identitären bürgerlichen Linken, nutzt antisemitische Stereotype für Witzeleien und kulitviert eine Form der Ironie, die seine Unberührtheit von sozialen Realitäten feiert. Schrecklicher Verdacht: Ist Böhmermann gar nicht witzig?

Wie sehr diese Linke eine Perspektive verloren hat, wie sehr sie sich auch in Freund-Feind-Bilder eingräbt und dabei den Sinn für Dialektik verliert, den eine klassische Linke einmal ausgezeichnet hat – das wird in einem Rückblick auf einen Vertreter dieser klassischen Linken erkennbar. Joachim A. Langs „Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm“ erzählt eine Geschichte aus Brechts Auseinandersetzung mit der deutschen Filmindustrie seiner Zeit und gibt damit zugleich einen aktuellen Kommentar ab: Politik als Dreigroschenoper.

Die Subversivität Brechts, mit der Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit verfremdet wird, findet sich heute kaum noch bei Dichtern, sehr wohl aber bei Wissenschaftlern. Dafür sind die Vertreter des Establishments, die dabei angegriffen werden, auch keine Bankdirektoren, sondern Akteure, die sich mit der politischen Förderung akademischer Karrieren eingerichtet haben. Helen Pluckrose, James A. Lindsey und Peter Boghassian lancierten einige absurde Hoax-Artikel in wissenschaftlichen Vorzeige-Journalen einer identitären akademischen Linken, bei Gender Studies, Fat Studies und anderen.

Der Hoax zeigt, mindestens, wie dringend diese Fächer an wissenschaftlichen Kriterien arbeiten müssen. Eine Eulenspiegelei mit aufklärerischen Charakter: Betrogene Betrüger – Was korrumpiert akademische Forschung?

Wie sehr die Inszenierungen kulturpolitischer Links-Rechts-Kämpfe, die damit angegriffen werden, sachlichen Untersuchungen und Auseinandersetzungen schaden, zeigte sich unter anderem an der neu entfachten Debatte um eine Frauenquote im Bundestag. Anstatt fragen zu können, ob Quoten eigentlich geeignete Mittel sind, um die angestrebten Ziele zu erreichen, wird die Diskussion darum als moralische Konfrontation aufgeführt, in der als Frauenfeind dasteht, wer die Quote nicht unterstützt: Vom Nutzen und Nachteil der Quote…

Was mich besonders freut: Auch im letzten Monat gab es hier einen Gastbeitrag, diesmal einen von crumar, den ich aus Kommentaren von ihm zum Brecht-Artikel zusammengestellt hatte. An einer Reihe von Beispielen zeigt crumar, wie mit #MeToo rechtsstaatliche Prozeduren unterlaufen werden und die Unschuldsvermutung verschwindet. Die Inszenierung eines Mann-Frau-Kampfes kaschiert die Rückkehr des autoritären Staates, der Stück für Stück an die Stelle des liberalen Rechtsstaat tritt: #MeToo und Unschuldsvermutung – Die Sehnsucht nach dem autoritären Staat.

 

Eine neo-feudale Ordnung

Die Reihe lesenswerter Artikel außerhalb dieses Blogs ist natürlich auch in diesem Monat so groß, dass ich sie nicht in den Rückblick mit aufnehmen kann, ohne den Text nicht zu sprengen. Drei möchte ich trotzdem hervorheben.

Heather Heying geht noch einmal, wie viele andere, auf den Hoax von Pluckrose & Co ein. Sie beschreibt dabei das Verhältnis zwischen den Grievance Studies, die in diesem Hoax gleichsam in schmutziger Unterwäsche dastehen, und seriöser Wissenschaft als Nullsummenspiel. Die eine Seite könne nur gewinnen, wenn die andere verlöre.

A scientific approach to the question of why women only represent one fifth of software engineers at Google would seek all possible hypotheses, and then attempt to distinguish between those hypotheses. A Grievance Studies approach, by contrast, allows for one and only explanation. The single explanation for why women are “under-represented” in many STEM fields is not up for debate: the one true answer is that it is due to discrimination, historical and current, by men against women.

Dass die staatliche und ideologische Einmischung in Wissenschaften als Tugend verkauft und der liberale Rechtsstaat zurückgedrängt wird, fördert für sich genommen aber noch keinen starken Staat. Während demokratische Debatten leiden, politische Auseinandersetzungen mindestens seit Schröder schon weitgehend in Hinterzimmergespräche verlagert werden und öffentliche Kassen durch Steuereinnahmen überquellen, werden zugleich staatliche Institutionen abgebaut.

Das Vergammeln von Schulgebäuden und die Verknappung der Lehrkräfte durch bildungspolitische Schlamperei – die Vernachlässigung der Verkehrsinfrastruktur und das weitgehende, gefährliche Desinteresse an einer digitalen Infrastruktur – der Abbau und die schlechte Ausstattung von Polizei – die Verwahrlosung der Bundeswehr, die Soldaten mit Schrott-Material in lebensgefährliche Einsätze schickt: Merkels Erbe ist ein seltsames Nebeneinander von einer bleibend hohen Steuerbelastung und einem Abbau öffentlicher Strukturen.

Das ist keine neoliberale Welt, denn dort würden zumindest die Steuern sinken, sondern eine neo-feudale Ordnung, in der Menschen Institutionen finanzieren, die sich ihrerseits diesen Menschen kaum noch verpflichtet fühlen.

Im Tagesspiegel erzählt eine Referendarin von ihrer seltsamen Ausbildung, in der ausgebildete Lehrkräfte schlechter dastehen als Quereinsteiger in den Beruf, weil diese Quereinsteiger nun einmal aufgrund einer ganz verkorksten Bildungsplanung dringend gebraucht werden. Wer den Berliner Flughafen für den Gipfel planerischer Unfähigkeit hält, der kennt die deutsche Bildungspolitik nicht.

Auch hier aber wird das Desinteresse an einer Politik, die den Menschen – hier immerhin: Kindern und Jugendlichen – wirklich hilft, kaschiert durch kulturpolitische und klischeehafte Frontstellungen. Schon lange ist beispielsweise bekannt, dass insbesondere Jungen in den Schulen Nachteile erleben. Im Gespräch mit MANNDAT berichtet der Pädagogik-Professor Markus Meier, der in Kolumbien lehrt, von seiner gemeinsam mit Heike Diefenbach verfassten Analyse des PISA-Geschlechterberichts. Weiterhin würden Notlagen von Jungen politisch übertüncht und in der Bildungspolitik nicht wahrgenommen.

Eine Politik, die sich durchaus großmäulig das umfassende Engagement für Marginalisierte auf die Fahnen schreibt, produziert fortlaufend ihre eigenen Marginalisierten, ohne sich überhaupt dafür zu interessieren.

 

Tanzend aus den Schützengräben

Musikalisch immerhin kann ich in diesem Monat die Schützengräben der politischen Inszenierungen etwas schleifen. Der hannoversche Pianist Igor Levit ist schon seit einer ganzen Weile bei Twitter als politischer Kommentator tätig und hat sich dort ausgerechnet mit Christopher Lauer, der mittlerweile Twitter eigentlich komplett geblockt haben müsste, und ähnlichen Vertretern einer Freund-Feind-Linken zusammengetan. Das wirkt manchmal naiv, manchmal arrogant, manchmal beides.

Als Pianist ist Igor Levit großartig. Ich habe ihn einmal im Solo-Konzert gesehen, weil ich die Karte geschenkt bekommen hatte – zwei Stunden lang nur Herr Levit und ein Flügel. Ich langweile mich im Theater und Konzert eigentlich oft recht schnell, aber hier war ich von Anfang bis Ende aufmerksam und berührt dabei, weil Levit so konzentriert, intensiv, schnell und präzise spielte. Ich fand es grandios.

Es liegt nahe, nun vom Schuster und seinen Leisten zu erzählen, aber möglicherweise braucht Levit für seine musikalische Intensität auch das politische Engagement.

Vielleicht ist er zudem live eindrucksvoller ist als in Studioaufnahmen, trotzdem verlinke ich hier ein Stück aus seinem im Oktober veröffentlichten Album Life.  Es ist, unter anderem, Levits Auseinandersetzung mit dem Tod eines Freundes, des Hannoveraner Malers Hannes Malte Mahler, und eine Zusammenstellung von Stücken ganz unterschiedlicher Komponisten aus ganz unterschiedlichen Zeiten.

Zum Beispiel eine Chaconne – ein spanischer Tanz – von Johann Sebastian Bach. Das eigentlich für die Violine komponierte Stück hat Johannes Brahms später für das Klavier bearbeitet.

RSS
Follow by Email
Facebook
Facebook
Twitter
Google+
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

15 Comments

  • „Was mich besonders freut: Auch im letzten Monat gab es hier einen Gastbeitrag, diesmal einen von crumar,“

    Der Gastartikel von Crumar hat mich auch gefreut.
    Und die Gastartikel von Billy Coen und Man in the Middle kürzlich auch.

    Ich hoffe, wir kriegen noch weitere Artikel von ihnen auf Man Tau zu lesen.

  • Und schon hat sich die Nachleserei gelohnt!
    Ich hatte glatt das MannDatinterview mit Prof. Meier verpasst und den Artikel im Tagesspiegel, selbst wenn ich davon gewußt hätte, hätte ich ihn kaum wahrgenommen, wenn ich nicht gerade das Interview gelesen und, Dank des Hinweises, dadurch darauf aufmerksam geworden wäre.

    Ergo: Beibehalten, weil macht Sinn!

  • „Dafür sind die Vertreter des Establishments, die dabei angegriffen werden, auch keine Bankdirektoren …“

    Im Gegenteil: Man jubelt Investmentbankern wie Soros und Macron neuerdings zu. Bankdirektoren sind keine Feindbilder derer, die sich heute für links halten, sondern werden wie Erlöser gefeiert.

    Macron hat sich wenigstens wählen lassen. Soros dagegen kauft sich seinen politischen Einfluss einfach zusammen.

  • Für political-correctness-kritische Linke, die an der Etablierung und Durchsetzung einer wahrheitsorientierten Kritik an der postmodernen Political Correctness interessiert sind und das Feld der Political-Correctness-Kritik nicht dem Propagandamüll rechter oder neoliberaler Ideologen überlassen wollen, gab es im letzten Monat auf Areo noch einen wichtigen Artikel von dem linken Political-Correctness-Kritiker Matthew McManus, in dem dieser das Buch „Explaining Postmodernism“ von dem Neoliberalen Stephen Hicks einer Kritik unterzieht:

    Matthew McManus – A Review of Explaining Postmodernism by Stephen Hicks

    https://areomagazine.com/2018/10/17/a-review-of-explaining-postmodernism-by-stephen-hicks/

    Das Buch “Explaining Postmodernism” von Stephen Hicks ist eine wichtige Quelle für die rechte Ideologie von der postmodern-neomarxistischen Verschwörung des Demagogen Jordan Peterson und das einzige (!) Buch, das Jordan Peterson als offizielle akademische Quelle für seine Ideologie zitiert.

    Ich habe das Buch von Stephen Hicks auf meinem Rechner, es handelt sich um ein unwissenschaftliches, unseriöses und schlechtes Buch zur Geschichte der westlichen Philosophie im Allgemeinen und zum Postmodernismus/Poststrukturalismus im Besonderen und enthält viele Mißinterpretationen und Fehler.

    Stephen Hicks stellt in dem Buch nicht nur französisch-poststrukturalistische und andere linke Denker falsch dar, sondern größere Teile der westlichen Philosophiegeschichte, (einschließlich übrigens auch solcher Philosophen und philosophischer Strömungen, von denen Jordan Peterson behauptet, sie zu kennen und zu schätzen).

    Stephen Hicks ist ein Anhänger der radikal-liberalen Philosophie des Objektivismus von Ayn Rand und alles in der Philosophiegeschichte, das sich nicht als ideengeschichtlicher Vorläufer dieser spezifischen Form von Radikal-Liberalismus interpretieren lässt, wird von ihm in dem Buch pauschal als „kollektivistisch“ und „irrational“ abgetan.

    Da das Buch zahlreiche Fehler enthält, hat kein Fachverlag es veröffentlicht und das Buch spielt in ernsthaften philosophischen Debatten natürlich keine Rolle.

    Da Jordan Peterson dieses Buch aber häufiger empfohlen hat, hat es inzwischen Bekanntheit unter seinen Anhängern erlangt und auch im deutschsprachigen Raum wird dieses Buch bereits von Jordan-Peterson-Jüngern als Belegquelle für ihre (falschen) Behauptungen angegeben.

    In dem verlinkten Areo-Artikel unterzieht Matthew McManus das Buch einer Kritik und zeigt auf, wie unwissenschaftlich und ideologisch es ist.

    Er verweist dabei außerdem auf den m.E. empfehlenswerten Youtube-Philosophie-Kanal „Cuck Philosophy“, in dem das Buch ebenfalls in einem Video einer ausführlichen und kenntnisreichen Kritik unterzogen wurde:

    Cuck Philosophy – A Critique of Stephen Hicks‘ „Explaining Postmodernism“:

    https://www.youtube.com/watch?v=EHtvTGaPzF4

    Da Lucas Schoppe sich ja u.a. für Philosophie interessiert (und einige Leser vielleicht auch) verweise ich an dieser Stelle auf den Areo-Artikel von Matthew McManus und das Youtube-Video bei „Cuck Philosophy“.

    • Die Essenz des Textes von McManus ist:
      […]Hicks claims that postmodernism is defined by four features. First, it is a metaphysically anti-realist position, which holds that it is “impossible to speak meaningfully about an independent reality.” Second, postmodernism is epistemologically skeptical of the possibility of acquiring objective knowledge about the world. Third, it is methodologically collectivist, regarding human nature as primarily defined by group affiliations. And, fourth, postmodernism is politically committed to protecting those groups which postmodernists regard as victims. This is an admirably clear account of postmodernism, but it is also problematic.[…]
      Nach dem linksideologischen triggerwort „problematic“ kann man getrost aufhoeren zu lesen, denn es kommt nur noch Ideologie ohne Begruendungen. Unwohlsein bei der Rezeption einer These wird von den schwachsinnigen, anti-wissenschaftlichen, irgendwas-mit-Medien-Studierten meist mit diesem Wort eingeleitet. Es ist inzwischen ein rechtes Meme, der Laecherlichkeit preisgegeben.

      McManus, Leszek und weitere Literaturkritiker meinen, wenn sie die vorhandene Suppe in einem bestimmten Muster umruehren, enstehe eine neue, bessere Suppe. Sie zeigen sich als besonders belesen, wenn sie sagen, „aber x hat doch folgendes gesagt“ und „y hat das so und so interpretiert“. Sie erkennen nicht, dass sie keinen einzigen neuen individuellen Gedanken beitragen. Im Englischen gibt es eine schoene Bezeichnung fuer die: “ potstirrer“. Leute, die nur Drama, des Dramas wegen machen.

      • Da ist ja wieder unser Alt-Right-Rechtspopulist Luisman.

        „Die Essenz des Textes von McManus ist: (…)“

        Eigentlich nicht, Luisman, vielleicht möchtest du den Artikel mal weiter lesen.

        „Nach dem linksideologischen triggerwort „problematic“ kann man getrost aufhoeren zu lesen, denn es kommt nur noch Ideologie ohne Begruendungen.“

        Dass du nicht weitergelesen hast, ist schon klar, aber faktisch kommen danach viele Begründungen, und in dem verlinkten Video übrigens noch mehr.

        „McManus, Leszek und weitere Literaturkritiker meinen, wenn sie die vorhandene Suppe in einem bestimmten Muster umruehren, enstehe eine neue, bessere Suppe. (…)“

        Aber Luisman, es ist doch nicht unsere Schuld, dass du von Philosophie keine Ahnung hast und du nicht willens und fähig bist bei entsprechenden Themen vernünftig zu recherchieren und Kriterien wahrheitsorientierter Kritik einzuhalten.

        • Ach, unser arroganter Gedankenleser Leszek macht mal wieder einen Ausflug in die Polemik und nennt es „wahrheitsorientierte Kritik“. Schon deine Assoziation mit „Cuck Philosophy“ hat zu Lachkraempfen gefuehrt. Gut, Anarcho-Kommunisten sind genauso irrelevant wie Neo-Nazis, weswegen beide immer irgend ein Drama veranstalten muessen, damit ihnen ueberhaupt jemals jemand zuhoert.

  • Meine Wenigkeit hat Hochachtung vor Menschen die Zeit und Mühe aufwenden um ein Blog zu betreiben. Das ganze dann noch dem zu präsentieren was man so „Öffentlichkeit“ nennt. Hut ab, noch dazu ohne Gegenleistung.

    Dennoch erlaube ich mir eine unmaßgebliche Meinung dazu.

    Die Tante die sich nur durch ihre vollkommene Unterwerfung unter Interessen anderer an ihrem Schreibtisch halten kann auch nur zu erwähnen ist schon jenseits von Gut und Böse. Die ist weder in der Lage 3 zusammenhängende Sätze zu bilden noch dazu Berlin auf einer topografischen Karte zu finden. Das Interview das ihre abgrundtiefe Blödheit darstellt (eine Art „Yes Minister“ im Umweltbundesamt) ist -oh wunder- nirgends auffindbar. Nun gibt Sie „Yes Primeminister“ seit x Jahren.

    Neben den Katastrophen die „IM Erika“ verursacht hat gab es auch etwas gutes. Den proof das „Ich investiere nur in Firmen die notfalls auch von einem Vollidioten geleitet werden können, weil genau das wird eines Tages passieren“ auch für Staaten gilt. Immerhin. Interessant wären die Hintergründe, nicht da so offensichtliche herumgeklempnere in der Steuerung der Massen (aka Lämmer).

    Dann noch ein wenig Lehrergejammer der untersten Schublade. Da ging es immer schon um Pfründesicherung und das Staatsinteresse ist und war Abrichtung. Der Rest ist auch nur wiedergekäutes aus dem Blätterwald.

    Eine Nachricht von Relevanz gab es, mMn. Fujitsu schließt den deutschen Standort. Als letzter der ITK Hersteller und macht damit das Licht aus. Die kommt aber nirgends vor.

    Stattdessen Lehrergeweine und Berichte aus dem Postengeränke um eine kinder- heimat- und ahnungslose FDJ Agitprop Tusse. Ist das hier so eine Art „BUNTE“ für nicht an Promiklatsch interessierte?

    • Soweit ich Deinen Kommentar verstanden habe, hast Du eine unsachliche und unangemessene Kritik an dem obigen Hauptartikel verfaßt. Sie zeugt von wenig „Hochachtung vor Menschen, die Zeit und Mühe aufwenden, um ein Blog zu betreiben“.

      Eigentlich schade.

  • Ich empfinde den Kommentar auch als nicht angemessen. Er beginnt mit einer respektbekundenden Einleitung, um danach dann jeglichen Respekt vermissen zu lassen.

    Was hat zum Beispiel das mehrmalige Verweisen auf Zustände in unseren Schulen mit „Lehrergejammer aus der untersten Schublade“ zu tun? Da geht es um die Zustände, die wir unseren Kindern zumuten und nicht um das „Lehrergejammer“, man bekomme ja viiiiieeeeel zu wenig Geld. Effektiv hat Lucas hier ja sogar schon mehrmals das Gegenteil geschrieben, wenn er darauf hinwies, dass er sich mit dem Gehalt einer normalen Fachkraft im Büro oder in einer Werkstatt den Kontakt zu seinem Sohn unmöglich hätte weiter leisten können und wie wenig dies aber selbst bei direkten Vertretern der SPD, die eigentlich genau für dieses Klientel da sein müssten, auf Interesse stößt, weil das Thematisieren dieser Probleme dort eingeübten Dogmata zuwiderläuft.

    Auch etwas befremdlich ist die massive Ablehnung der Thematisierung von Merkel im Kommentar. Man kann von ihr halten, was man will – und Lucas hat hier nicht zum ersten Mal durchblicken lassen, dass er von ihr als Politikerin nicht wirklich viel hält – aber sie ist nun einmal (formell) der mächtigste Mensch im Lande und ich finde es vollkommen legitim, ihr hier einiges an Platz einzuräumen, um deutlich hervorzuheben, dass ihr einziges politisches Handeln nur noch darauf beschränkt zu sein scheint, das stete Siechtum ihrer Kanzlerschaft künstlich zu verlängern, was für unser Land schon lange nichts Gutes mehr bedeutet. Und ja, auch ich halte dieses Thema für gesamtgesellschaftlich wesentlicher als die Schließung einer Firmenniederlassung, auch wenn ich damit nicht gleich letzteres als unwichtig abkanzeln wollen würde.

    Und dass hier ein Überblick über den Blätterwald gegeben wird… nun, die Überschrift „Monatsrückblick“ sollte da durchaus verstehen helfen, warum man hier auf existierende Artikel verweist und nicht alles selbst erörtert.

  • Fehlt da der Link zum Text von Heather Heying oder bin ich nur zu blind um ihn zu finden? Der würde mich nämlich sehr interessieren!

  • Ich muss gestehen, dass ich mich in den Gedanken und Analysen von Lucas weitgehend wiederfinde. Vielen Dank dafür, dass du dir diese Mühe machst, diesen Blog mit Inhalten zu füllen.

    In einer Arbeiterfamilie groß geworden, entsprechend SPD- bzw. links davon sozialisiert, ermöglichte mir die SPD in den 70er Jahren den „Aufstieg“ im Bildungssystem (NRW). Dafür bin ich ihr wirklich dankbar. Lange Jahre hielt ich ihr die Treue, Helmut Schmidt war jetzt nicht wirklich meine Wahl. Hin und wieder ging ich bei den Grünen fremd, dafür schäme ich mich heute – ein wenig. Nach Rot-Grün unter Gerhard Schröder war dann wirklich Schluss. Nach heutigen Maßstäben bin ich wohl eher ein Flügelspieler – als Rechtsaußen, eben ein weißer alter Mann. Damit könnte ich ganz gut leben. Die innere Emigration wäre durchaus eine Option für mich, evtl. sogar die äußere.

    Trotzdem – ich vermisse die Debattenkultur der 70er/80er Jahre. Ich sehe die Probleme in unserem Land, die Lucas schon aufgezählt hat. Die Integrationsprobleme, die Subkulturen, die entstanden sind, wie ich in Berlin wahrnehmen durfte. Ich sehe eine veränderte Arbeitswelt durch KI und Data Management, durch Industrie 4.0. Ich sehe die strukturellen Probleme in Deutschland bzgl. der Informationstechnologie, überhaupt der Förderung der technischen und Naturwissenschaften. Ich sehe die Spaltung der Gesellschaft anstatt Synergie in der Zusammenarbeit zur Lösung der Probleme. Ich vermisse die politischen Visionen.

    Apropos: Zu J. Peterson – Was ich bisher von ihm sah und las, auf Deutsch, also übersetzt, denn damit komme ich einfach besser klar, hat mit gefallen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er sich psychologisch auf Jung bezieht, dessen Gedanken ich sehr gut nachvollziehen kann. Auch die religiösen Wurzeln und Interpretationen liegen auf meiner Linie. Philosophisch bin ich (noch) nicht so unterwegs, die Denker und Denkerinnen des 20./21. Jhd. kenne ich nicht so gut. Da mag Kritik durchaus angemessen sein.

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.