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Ja: Nein heißt Nein

geschrieben von: Lucas Schoppe

Dieser Text zum „Movember“ ist ein Plädoyer dafür, den Satz „Nein heißt nein“ zu akzeptieren, und er ist sehr persönlich gehalten – was aber, wie ich hoffe, dem Thema dient.

 

Was passiert, wenn ein Mann ein „Nein“ stur als „Nein“ versteht

Der Monat November wird nun schon seit Jahren von einigen Männern als Movember begangen: Als Monat, in dem sie auf spezifische Gefahren für die Gesundheit von Männern hinweisen, eingeläutet durch den Männertag am 3. November. Es geht dabei nicht darum, Männer als die eigentlichen Unterdrückten hinzustellen, sondern sie zur Selbstsorge aufzurufen. Sie sollen zwischendurch mal nicht nur ihre Privilegien, sondern auch ihre Prostata checken – wenn auch selbst diese bescheidene Forderung schon für manche Politikerinnen oder Journalistinnen eine Provokation darstellt.

Sogar hart und bitter umkämpfte Themen aber können im Sinne einer solchen männlichen Selbstsorge beschrieben werden. Auch eines, das nicht erst mit dem #Aufschrei oder mit #MeToo in den Mittelpunkt erregter Diskussionen geraten ist.

Der tautologische Satz „Nein heißt nein“ wird gewöhnlich als Schutz von Frauen vor männlicher Übergriffigkeit ins Spiel gebracht. Tatsächlich bietet er aber auch für Männer eine Chance. Ohnehin hat mich schon früh die selbstverständliche Einschränkung gewundert, dass Männer es lernen müssten, ein „Nein“ einer Frau zu akzeptieren – als ob Frauen das umgekehrt immer schon könnten. Aber natürlich habe ich oft erlebt, dass natürlich auch Frauen auf eine Abweisung enttäuscht, verletzt, aggressiv oder auch übergriffig reagieren können.

Wer genau hinsieht, kann hier tatsächlich widersprüchliche Signale entdecken

Die Einschränkung auf Männer liegt wohl auch daran, dass noch immer viele Frauen, aber auch Männer davon ausgehen, dass er bei einer Beziehungsanbahnung den ersten Schritt machen sollte. Natürlich liegt es dann auch näher, dass er derjenige ist, der Grenzen verletzt.

Ich weiß, dass es für einige Frauen kaum erträglich ist, wenn Männer glauben, dass ein „Nein“ einer Frau nicht unbedingt „Nein“, sondern auch „Vielleicht“ oder „Bemüh dich weiter“ heißen kann. Eben das aber ist eine Erfahrung, von der ich sicher bin, dass ich sie nicht als einziger Mann gemacht habe.

Ich habe tatsächlich schon von Jugend an ziemlich stur ein „Nein“ ganz wörtlich als „Nein“ interpretiert. Als sechzehnjähriger Schüler hatte ich einer gleichaltrigen Freundin hoffnungsvoll meine Verliebtheit gestanden und war damit aufgelaufen. Eine Weile später sagte mir ein gemeinsamer Freund, sie habe ihn sehr verwundert gefragt, warum ich mich denn nicht weiter und stärker um sie bemüht hätte, sie wäre doch eigentlich gern mit mir zusammen gewesen.

Jahre später erzählte eine Partnerin mir, sie hätte sich bei mir erst einmal daran gewöhnen müssen, dass ich weitere Bemühungen einstelle, wenn sie einmal „Nein“ gesagt hätte. Es wäre für sie gar nicht einfach gewesen zu lernen, dann ihren Stolz herunterzuschlucken, sich ihrerseits anzunähern und von sich aus ihr Nein zurückzunehmen.

Wenn Männer beim Kennenlernen das Nein einer Frau nicht als „Nein“, sondern als „Bemüh dich stärker“ interpretieren, dann liegt das also nicht zwangsläufig an männlicher Ignoranz, sondert basiert auf realen männlichen Erfahrungen mit Frauen. Auf der anderen Seite gehört es offenbar zur normalen Erfahrung von Frauen, dass Männer ein „Nein“ als Aufforderung zur Intensivierung ihrer Bemühungen interpretieren.

Anstatt gegenseitige Ressentiments zu pflegen, von übergriffigen Männern und manipulativen Frauen zu reden, könnten wir also auch akzeptieren, dass Männer und Frauen hier offenbar eine gemeinsame Erfahrung machen, an der sie beide mit gegenseitigen Erwartungen beteiligt sind und die allerdings aus ihren unterschiedlichen Perspektiven jeweils ganz anders aussieht.

 

Eine paradoxe Wirkung der Erziehung von Mitmenschen

Die traditionelle Erwartung, dass ein Mann den ersten – offensichtlichen – Schritt bei der Beziehungsanbahnung tun müsste, kam mir immer ziemlich old-fashioned vor, ist aber prinzipiell auch ein fairer Deal. Der Mann kann aktiv agieren, muss nicht darauf warten, dass die Frau etwas tut – geht aber dafür auch das Risiko ein, verletzt zu werden oder blöd dazustehen.

Das ist schwieriger, als es für Frauen vielleicht aussieht: Ich kann mich jedenfalls erinnern, dass ich mich einmal stundenlang als höchst peinliche Kreatur verflucht habe, weil ich eine Mitstudentin gefragt hatte, ob sie mit mir etwas unternehmen will – und sie daran kein Interesse hatte (wir waren dann immerhin später noch oft gemeinsam unterwegs, aber das ist eine andere Geschichte).

Das Gleichgewicht zwischen Handlungsmacht und Verletzungsrisiko kippte für mich aber schon vorher, nämlich mit der Unterstellung, dass männliches Verhalten gegenüber Frauen prinzipiell gewalttätig wäre, von männlichen Herrschaftsstrukturen und -ansprüchen geprägt. Dass ich auflaufe, dass eine Absage für mich verletzend ist, hätte ich noch akzeptiert – aber dass ich zu allem Überfluss auch noch als übergriffiger Aufreißer oder potenzieller Vergewaltiger dastehen könnte, war mir zu blöd. Und dieses Risiko war und ist in dem linksalternativen Milieu, in dem ich mich die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe, durchaus real.

Dass ich als Mann als Gewalttäter dastehen kann, ganz gleich, was ich tu und was die Frau tut – das war erstens sehr einschüchternd und mir zweitens sehr schnell zu blöd. Zeitweilig konnte eine Frau mir die deutlichsten Signale des Interesses geben, mir zum Beispiel aus der Disko mehrere Straßen weit hinterherlaufen, bis sie mich eingeholt hatte – ich wertete das nicht als Zeichen des Interesses und blieb kurz angebunden auf der Ebene höflicher Alltagskommunikation. Vermutlich hätte sie sich auch in Dessous und demonstrativ vor mir auf den Rücken schmeißen können – ich hätte gedacht „Die will bestimmt nur Yoga machen, da will ich sie mal nicht stören“ und wäre mit sicherem Abstand an ihr vorbeigegangen. Natürlich, ohne zu gucken.

Die Unterstellung prinzipieller männlicher Übergriffigkeit hat also vermutlich paradoxe Folgen: Während vorsichtige Männer noch vorsichtiger werden, bleiben Männer, denen es ohnehin egal ist, was Feministinnen so erzählen, unbeeindruckt. Kein Wunder, dass Feministinnen schließlich das Gefühl haben, die Männerwelt würde rundweg aus schmerzbefreiten Aufreißern bestehen – alle anderen ziehen sich nach kurzer Zeit wohl auch zurück.

 

Nick Krauser und die unendliche Bedürftigkeit

Die Webseite von Nick Krauser habe ich vor ein paar Jahren durch Hinweise aus dem Blog Alles Evolution gefunden. Heute veröffentlicht Krauser in seinem Blog vorwiegend Buchbesprechungen – damals bestand jeder Artikel aus einem Bericht darüber, wie er eine sehr junge, meist osteuropäische Frau ansprach, kennenlernte und schließlich mit ihr im Bett war. Fotos oder auch kleine Filme des Sexualaktes, die er wohl ohne Wissen der Frauen aufgenommen hatte, waren oft beigefügt.

Natürlich liegt es nahe, sich über diesen Umgang mit Frauen zu echauffieren, weil die Perspektive der so seriell Präsentierten hier offensichtlich überhaupt keine Rolle spielt. Halbwegs attraktive Frauen Anfang zwanzig mögen in der Logik männlichen Begehrens ein Hauptgewinn sein, aber diese Frauen selbst laufen ja nicht tagein tagaus stolz als Hauptgewinn durch die Gegend, sondern haben in aller Regel ihre eigenen Probleme. Vor allem ist eine Frau Anfang zwanzig, was Erfahrungen mit Sexualität und Beziehungen angeht, einem sexuell halbwegs aktiven Mittvierziger hoffnungslos unterlegen.

Zudem hatte ich das Gefühl, dass Krausers Sexualität eine uneingestanden homosexuelle Komponente hat. Ein Sexualakt war gleichsam immer erst dann richtig vollzogen, wenn er seinen Blog-Buddies davon berichten konnte, die ihn wiederum als seine Fanboys anhimmelten. Nichts gegen Homosexualität, natürlich – aber prinzipiell erscheint es mir sinnvoll, homosexuelle Impulse tatsächlich mit anderen Männern auszuleben, anstatt sie über Bande an Frauen auszutoben. Einigen Frauen würde es vermutlich einiges ersparen, und einige Männer würden sich vermutlich darüber freuen.

Vor allem aber erschien mir Krausers Verhalten seltsam zwanghaft und unendlich bedürftig, so als ob es ihm unbedingt notwendig wäre, wieder und wieder zu zeigen, dass eine Frau bereit ist, mit ihm ins Bett zu gehen – ohne dass er damit jemals zur Ruhe kommen könnte.

Vielleicht erscheint mir das so, weil ich eben die entgegengesetzte Erfahrung gemacht habe. Ich hatte – und tatsächlich freiwillig, nicht aus Not – immer mal wieder längere Zeiten, in denen ich mit keiner Frau zusammen war. Ich weiß noch, dass eine Freundin von mir einmal sehr wütend und empört reagiert hat, als ich ihr erzählte, dass im Rückblick meine Zeiten als Single eigentlich glücklicher waren als meine Zeiten in einer Beziehung.

Krauser aber investiert enorm viel Energie in das Ewiggleiche. Noch immer hat er auf seiner Webseite eine Flaggenparade, in der er in einer langen Liste aufzählt, aus welchen Ländern die Frauen stammen, mit denen er geschlafen hat. Angesichts dieses Bedürfnisses, Masse zu machen, wirkt es albern, wenn er dann auch noch mit souveränem Gestus erläutert, es käme ihm nicht mehr darauf an, mit zwanzig Frauen mehr oder weniger zu schlafen.

Dass Krauser Frauen so demonstrativ konsumiert, lädt natürlich zu moralischer Empörung ein – diese Empörung verdeckt aber etwas Wichtiges. In diesem Konsum verschwindet nämlich auch jeder Gedanke daran, dass er als Mann ja auch von der Frau konsumiert wird. Nicht nur sie ist Objekt für ihn – er ist es auch für sie.

Krauser stellt seine technischen Fähigkeiten aus, sowohl in der Beziehungsanbahnung als auch im Bett – aber dass er als Mensch für die Frau ebenso präsent ist wie die Frau für ihn, verschwindet hinter dieser Selbstpräsentation als Fachmann und Connaisseur.

Nicht nur sie ist Objekt für ihn – er ist es auch für sie

Das erweckt den Eindruck, nur die Frau würde hier irgendetwas Wertvolles geben, während der Mann investieren müsse, um an diesen Wert heranzukommen. Während die Frau hier immer schon dadurch begehrenswert ist, dass sie einfach da ist, muss sich der Mann seine Begehrenswürdigkeit erst einmal erarbeiten.

Dabei investiert natürlich auch ein Mann ohnehin etwas bei der Sexualität, und zwar ganz unabhängig von irgendeiner technischen Könnerschaft, die er besitzen mag oder nicht. Ich selbst habe mich zum Beispiel kaum jemals irgendwo so einsam gefühlt wie in einigen Momenten beim Sex – was ja leicht erklärlich ist: Die enorme körperliche Nähe und Präsenz macht es unmöglich, innere Distanzen zu moderieren.

Was bei Krauser völlig fehlt, ist irgendein Gespür dafür, dass er jenseits von jedem fachmännischen Gestus auch selbst beim Sex etwas einsetzt und riskiert, und etwas, das eben auch für einen Mann ab und zu einmal ein Grund sein könnte, vorsichtig zu sein. In seiner Darstellung ist er ein Verführer, der die Gefühle anderer manipulieren kann, aber selbst dabei völlig kontrolliert bleibt – und zugleich präsentiert er sich, ohne es zu merken, als ein Abhängiger, unendlich Bedürftiger, der nicht in der Lage ist, diese Bedürftigkeit zu moderieren.

Die Klage, dass Männer ein Nein nicht akzeptieren würden, knüpft sich oft an die Erklärung, Männer wären eben hungrig nach Macht, und eine Ablehnung würde diesen Hunger eher noch anstacheln. Wer aber so dringend wie Krauser darauf angewiesen ist, dass eine Frau zur Sexualität mit ihm bereit ist, der hat wohl noch ganz andere Gründe. Er agiert so, als würde die Ablehnung durch Frauen eine Ablehnung seiner gesamten Existenz sein.

 

Warum Spermien nicht billig sind

Women are human beings, men are human doings (Warren Farrell): Es ist durchaus normal und entspricht keineswegs nur einem traditionellen Geschlechterbild, dass ein Mann das Gefühl hat, die Präsenz einer Frau sei für ihn wertvoller, als es andererseits die Präsenz des Mannes für die Frau ist. In dieser Logik muss dann der Mann also irgendetwas zur Kompensation der Differenz tun: um sie werben, die Fähigkeit zur Versorgung signalisieren, Anstrengungsbereitschaft nachweisen.

Wenn eine Frau, die ein solcher Mann kennen lernt, ihm Ablehnung signalisiert, liegt ihm dann der Schluss nahe, dass er eben noch nicht genügend Kompensationsleistungen angeboten hat und sich intensiver bemühen sollte.

Natürlich wirkt das von außen betrachtet verrückt, es zeigt aber: Wer von einem Mann, und völlig zurecht, erwartet, mit der Ablehnung durch eine Frau erwachsen umzugehen und sie zu akzeptieren, der darf nicht zugleich Fantasien männlicher Wertlosigkeit ventilieren.

Gerade deshalb ist es im Sinne einer männlichen Selbstsorge aber auch gut, das Nein von Frauen grundsätzlich als Nein zu interpretieren. Es ist schmerzhaft, wenn ich in eine Frau verliebt bin und sie es nicht in mich ist, aber es ist keine existenzielle Bedrohung. Und eine Frau, die „Nein“ sagt, aber „vielleicht“ oder „Streng dich mehr an“ meint, hat durchaus selbst schuld und muss sich gegebenenfalls etwas klarer ausdrücken.

 

Warum aber sollte überhaupt die Präsenz der Frau ein Gewinn für den Mann sein, aber die des Mannes nicht auch ebenso einer für die Frau? Traditionell würden wir die Asymmetrie vielleicht damit erklären, dass sexuelle Beziehungen für Frauen deutlich riskanter als für Männer wären. Das aber hat sich längst geändert.

Die Gesundheitsrisiken einer Schwangerschaft sind im Laufe des 20. Jahrhunderts enorm geschrumpft, die sozialen Risiken auch. Wenn eine „Alleinerziehende“ ihr Kind nicht gerade in einem kleinen katholischen bayerischen Dorf aufziehen möchte, muss sie keine soziale Ächtung befürchten, und in manchen Milieus wird sie gar als Heldin des Alltags gefeiert, die mit Unterstützung rechnen kann.

Zudem kann die Frau noch monatelang entscheiden, ob sie die Schwangerschaft beenden möchte oder nicht – und ob sie den Mann bei dieser Entscheidung zumindest anhört, ihn darüber auch nur informiert, ist ganz ihre Sache. Nach der Geburt kann sie weitgehend selbst entscheiden, ob sie das Kind bei sich haben will oder nicht, auch gegen den Willen des Mannes.

Der wiederum kann sich lediglich seiner Pflichten, nicht aber seiner Rechte sicher sein. Er wird einen guten Teil seines Lebens arbeiten müssen, um das Kind und, jahrelang, auch die Mutter zu finanzieren – und das selbst dann noch, wenn diese Mutter dafür sorgt, dass er das Kind kaum nicht sehen kann.

Abgesehen von Schwangerschaft und Geburt trägt der Mann also heute beim Sex keine geringeren Risiken als die Frau, in manchen Bereichen trägt er deutlich höhere. Es gibt keinen realen Grund, davon auszugehen, dass der Mann der Frau gleichsam eine Kompensation anbieten müsste, wenn sie sich bereit erklärt, mit ihm zusammen zu sein. Was sie von ihm bekommt, entspricht immer schon dem, was er von ihr bekommt.

Das gilt auch für den Spruch „sperm is cheap“, der gern von Evolutionspsychologen in die Diskussion gebracht wird: Der männliche Beitrag zur Reproduktion wäre im Überfluss vorhanden und daher billig, der weibliche Anteil sei deutlich knapper und daher teuer. Das stimmt schlicht nicht mehr.

Der längst traditionelle und noch immer selbstverständlich erwartete männliche Beitrag besteht ja nicht nur in seinen Spermien, sondern in der Fähigkeit und Bereitschaft, für Mutter und Kind über Jahrzehnte hinweg zu arbeiten. Diese Fähigkeit und Bereitschaft aber sind keineswegs ein Gut, das im Überfluss produziert wird.

Während sich der männliche Beitrag zur Reproduktion also längst schon über die biologische Ebene hinaus auf die soziale und ökonomische Ebene erweitert und so modernisiert hat, hat sich der weibliche Beitrag deutlich weniger verändert. Es gibt auch in dieser Hinsicht keinen rationalen Grund mehr, davon auszugehen, dass der Mann bei der Frau ein unendlich wichtiges Gut erhält, das er selbst nicht zu bieten hätte – dass er also um sie werben und um sie kämpfen, dass er sie ausgeklügelt verführen müsste.

Wer das machen möchte, kann das natürlich weiterhin tun, und es ist vielleicht auch schön für beide – aber es ist dann ein Spiel, kein Ausdruck sozialer oder biologischer Notwendigkeiten.

 

Meterhohe Kotze, Flüsse aus Rotze und andere Beiträge zur Mann-Frau-Romantik

Wer Männern jedoch Selbstachtung nimmt, hilft damit nicht Frauen, sondern schafft Belastungen für beide Seiten. Ausgerechnet in feministischen Milieus aber lernen Männer, selbst schroffe Ablehnungen durch Frauen nicht als Ablehnung wahrzunehmen, sondern sie als Beiträge zur gemeinsamen Kommunikation zu rationalisieren.

Selbst noch die Massenmordphantasie SCUM von Valerie Solanas wird von einigen als Satire fantasiert – obwohl der Text überhaupt keine Ironiemarker besitzt und obwohl Solanas ganz unironisch tatsächlich versucht hat, einige Männer zu ermorden.

Auch ein flirttechnisch höchst unbeholfener Mann käme wohl kaum auf die Idee, eine Frau würde mit wohlwollendem Interesse reagieren, wenn er sie als Eisbrecher mit dem Satz „Ich will euch alle töten“ ansprechen würde. Männer aber reagieren absurderweise ganz genau auf diese Weise selbst noch auf extreme Aggressionen von Frauen im Diskurs.

Immerhin hat Solanas dieses Verhalten schon verachtungsvoll vorweggenommen: Ein Mann, so schreibt sie, würde durch Flüsse aus Rotze schwimmen und meilenweit durch meterhohe Kotze waten, wenn nur am Ende eine freundliche Muschi (friendly pussy) auf ihn warte.

Wer aber als Mann selbst noch Slogans wie „Men are Trash“ mit ernster Miene als gewichtige, wenn auch bewusst provokative Debattenbeiträge verklärt – der verhält sich ebenso wie ein schmerzbefreiter Aufreißer, der auch dann von seiner Begehrten nicht ablässt, wenn sie ihn schon längst laut und öffentlich als „Müll“ beschimpft hat. Beide fantasieren sich eine eigentlich unübersehbare Ablehnung als Aufforderung, die eigenen Bemühungen zu verstärken.

Natürlich funktionieren Forderungen im politischen Rahmen nicht nach derselben Logik wie Beziehungsanbahnungen, aber wir nehmen einen wesentlichen Aspekt ganz ähnlich wahr. Auch politische Stellungnahmen sind für uns Ausdruck persönlicher Abwertung oder persönlichem Respekts, Ausdruck von Gegnerschaft oder Unterstützung – zumal dann, wenn sie uns als Person oder als Mitglied einer Gruppe direkt ansprechen. Wir beziehen auch politische Debatten auf unsere Existenz und begreifen sie nicht allein als sachliche Abwägungen – sonst würden diese Debatten nicht oft so bitter und erregt sein.

Auch wenn es so aussehen mag: Das hier sind tatsächlich keine Wortmeldungen in einem seriösen politischen Diskurs

Was aber feministisch inspiriert als „Geschlechterdebatte“ firmiert, besteht weitgehend aus immer deutlicheren Ablehnungen von Männern durch Frauen und aus beflissenen Versuchen von Männern, sich als würdig zu erweisen und zu zeigen, dass sie (anders als die anderen) bessere Männer sind.

Diese disfunktionale Dynamik kann keine humanen und vernünftigen Resultate hervorbringen, und der einzige vernünftige Umgang mit ihr wäre, sie zu unterbrechen. Dabei hat es allerdings gar keinen Sinn, über „männerhassende Feministinnen“ zu lamentieren – die Disfunktionalität wird von Männern ebenso mitgetragen und wäre ohne deren Beitrag längst beendet.

 

Nils Pickert, die AfD und die Sperrstunden

Zeitgleich mit der AfD, die eine abendliche Ausgangssperre für Flüchtlinge fordert, hat Nils Pickert gerade bei Pinkstinks eine Sperrstunde für Männer ins Spiel gebracht, weil dann Frauen endlich ohne Angst abends auf die Straße gehen könnten. Natürlich zieht er seinen Vorschlag im Text zurück, weil er ja nicht realisierbar wäre, vorverurteilend und pauschalisierend. Eben so aber lancieren auch AfDler Provokationen: Erst Grenzen zu verletzen und dann alles nicht so gemeint zu haben.

Dabei ist Pickerts vorgeschobene aufklärerische Absicht ganz unglaubwürdig. Dass Frauen Angst hätten vor Männern, wird ohnehin jeder, der sich auch nur nebenbei für Geschlechterthemen interessiert, immer wieder lesen oder hören. Wer sich hingegen nicht dafür interessiert, wird auch nicht Pinkstinks lesen. Am Aufhänger „Sperrstunde“ hängt also gar nichts – er ist Selbstzweck, um den Gedanken zu formulieren, dass es eigentlich besser wäre, wenn die Angehörigen einer bestimmten Gruppe von Menschen einfach mal für eine Weile verschwinden würden.

Pickert nimmt den Sperrstunden-Vorschlag denn auch lediglich mit formalen Begründungen zurück, und er kommt gar nicht auf die Idee, dass die Männer ja etwas Wesentliches zum abendlichen Leben beitragen könnten, dass es ohne Männer auch vielen Frauen weniger Spaß machen würde, und dass Männer nebenbei auch die nötige Infrastruktur aufrechterhalten.

Anstatt die erheblichen Ablehnungen, denen auch Pickert als Mann fortlaufend im politischen Diskurs begegnet, auch als Ablehnungen zu verstehen, anstatt darauf mit Kritik, Rückzug, Kopfschütteln oder auch Verletztheit zu reagieren, deutet sich Pickert die Ablehnung in ein wichtiges politisches Statement um – und leitet sie an andere Männer weiter.

Die Frau erwidert seinen Blick nicht – dreht sich von ihm weg – hat ein Bein übergeschlagen von ihm abgewandt – hält sich die Arme vor die Brust – blickt genervt – hält ein Handy in der Hand, auf das sie sich wohl gern konzentrieren würde: Signalisiert sie hier tatsächlich den Wunsch, mit ihm zu kommunizieren?

Nils Pickert und Nick Krauser haben damit jeweils aus ihrer Unfähigkeit, mit ihrer Bedürftigkeit gegenüber Frauen erwachsen umzugehen, ein Geschäftsmodell entwickelt. Beide brauchen dafür andere Männer: Krauser als unterwürfige Bewunderer, Pickert als Blitzableiter und Projektionsflächen. Auch seinen eigenen Sohn hat der Journalist dafür benutzt, als er den damals Fünfjährigen als „Jungen im Rock“ und sich selbst als solidarischen feministischen Vater verkaufte.

 

Frauen haben alles Recht, Männer abzulehnen – es wäre aber gut, wenn sie nicht von Männern erwarten würden, darauf mit verstärkten Bemühungen, oder auch mit beflissenen Arbeiten am Gender Pay Gap, der Finanzierung vieler Posten in den Institutionen oder mit Frauenstatuten zu reagieren.

Männer wiederum sollten im Alltagsleben wie in der Politik ein Nein von Frauen als Nein ernst nehmen und für eine eigene Unfähigkeit, mit dieser Ablehnung umzugehen, weder Frauen noch andere Männer haftbar machen.

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23 Comments

  • Ich weiß, dass es für einige Frauen kaum erträglich ist, wenn Männer glauben, dass ein „Nein“ einer Frau nicht unbedingt „Nein“, sondern auch „Vielleicht“ oder „Bemüh dich weiter“ heißen kann. Eben das aber ist eine Erfahrung, von der ich sicher bin, dass ich sie nicht als einziger Mann gemacht habe.

    Es gibt sogar Frauen die dies zu ihrem Prinzip machen:

    Ihren zweiten Freund Lars* lernte Anna während des Studiums kennen. Sie war eine große Herausforderung für ihn. Erst nachdem sie ihn aus Prinzip dreimal hatte abblitzen lassen und er dann ein viertes Mal mit Blumen in ihrer WG auftauchte, durfte er sie zu einem ersten Date ausführen.

    (Über Genderama gefunden)

    • @ Kibo Es gibt Dating-Ratgeber für Frauen, die eben solche Tipps geben und die damit sehr erfolgreich sind. „The Rules“ ist z.B. mit Anweisungen an Frauen erfolgreich geworden, die vor allem auf eines abzielen: Der Mann soll bloß nicht auf den Gedanken kommen, die Frau würde etwas von ihm wollen, und ohnehin sei sie beschäftigt (solche Regeln brauchen natürlich nur Menschen, die nicht tatsächlich beschäftigt sind und die sich daher darum bemühen müssen, nach außen hin Beschäftigtsein vorzutäuschen).

      Zu den Regeln gehört:

      Einen Mann nie anrufen.

      Nie zurückrufen.

      Jedes Telefongespräch nach zehn Minuten beenden.

      Jedes Date nach drei Stunden beenden.

      Nicht viel von sich erzählen, mysteriös wirken.

      Nach Mittwoch kein Date mehr für das Wochenende verabreden (damit der Mann lernt, sich frühzeitig darum zu kümmern – sonst denkt er noch, man hätte nichts anderes zu tun und nur auf ihn gewartet; ja, er könnte sogar erstmal geschaut haben, ob er nicht noch mit einer anderen Frau ein Date bekommt und dann nur als Notlösung auf mich zurückgegriffen haben, das geht natürlich gar nicht)…

      Eigentlich wäre so etwas für Gender Studies hochinteressant – weil hier zu sehen ist, wie kulturell – und sogar durch ein explizites Set von Regeln – dem Mann der Eindruck vermittelt wird, die Frau wäre an ihm nicht interessiert. Und das paradoxerweise eben gerade deshalb, weil sie SEHR an ihm interessiert ist.

      Dazu z.B.:
      https://www.annabelle.ch/liebe/dating-sex/h%C3%A4rteste-dating-ratgeber-%C2%ABthe-rules%C2%BB-im-selbsttest-20921

      • Wieso fallen mir da sofort die Begriffe „Hundeschule“ und „schwarze Pädagogik“ ein?

        Wer auf Mädels hereinfällt, die nach solchen Regeln agieren, hat schon verloren.

      • Viele Frauen haben diese Abwertung des Männlichen längst unbewusst (oder bewusst) verinnerlicht. Wer kennt nicht die Sprüche wie diese, bevorzugt geäussert von 40jährigen Akademikerinnen auf Erzeugersuche:

        „Ein Kind zu kriegen ist nicht das Problem. Aber ich will es mit jemandem, der….“

        „Wenn ich nur Sex will, nimm ich mir einen Lover. In einer Beziehung aber…“

  • Generell rate ich jedem Mann zum MGTOW Lebensstil. Es geht dabei nicht darum Frauen komplett aus dem Leben zu verbannen, sondern darum sich in keinem Punkt abhängig von Frauen zu machen und festzustellen, dass es auch ein Leben ohne Frauen gibt. So ähnlich wie jemand der eine Weile fastet um dann festzustellen, dass er gar nicht verhungert wenn er mal ein paar Tage lang nichts isst.
    Für mich persönlich gilt „Nein heißt Nein“ auf jeden Fall und ich bemitleide die Männer die einer Frau mehr Aufmerksamkeit zollen als sie selbst von ihr bekommen. Man sollte irgendwann auch mal lernen, dass eine Frau nix besonderes ist, es gibt Milliarden von ihnen.

  • Diese disfunktionale Dynamik kann keine humanen und vernünftigen Resultate hervorbringen, und der einzige vernünftige Umgang mit ihr wäre, sie zu unterbrechen. Dabei hat es allerdings gar keinen Sinn, über „männerhassende Feministinnen“ zu lamentieren – die Disfunktionalität wird von Männern ebenso mitgetragen und wäre ohne deren Beitrag längst beendet.

    @ Lucas
    Hier stellt sich mir wieder einmal eine Grundsatzfrage, über die ich mir schon längere Zeit Gedanken mache. Du bist der Meinung, dass man auch dann sachlich diskutieren sollte, wenn sich das Gegenüber nicht so verhält. Ich bin mir da nicht so sicher.
    Stellen wir uns eine Person vor, die wie ein asoziales Arschloch durch die Welt stolziert. Sollte diese Person nicht einen Preis für ihr Verhalten zahlen? Dieser Preis wäre z.B soziale Ächtung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass so mancher durch den Preis, den er für sein asoziales Verhalten zahlen musste, letztendlich soweit konditioniert wurde, so dass sein Verhalten erträglich wurde.
    Die Frage, die mich beschäftigt, ist: Wenn sich jemand permanent der sachlichen Auseinandersetzung verweigert und ständig auf der Beziehungsebene kommuniziert – men are trash etc. – ist es dann zielführend, selbst auf der Sachebene zu bleiben? Wie soll die die „soziale Konditionierung“ jemals stattfinden, wenn asoziales Verhalten nicht sanktioniert wird?

    • @ Pjotr Ja. So etwas wie Solanas‘ SCUM und ihre Unterstützer*innen bis heute, oder auch Valenti mit ihrem „I bathe in male tears“-Gerede, oder Leute, die #killallmen durch das Netz pusten, oder „Alle Männer sind potenzielle Vergewaltiger“, oder ähnliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit: Dass das auch in Feminismus selbst nicht sozial geächtet ist, ist ein ernsthafter Einwand auch gegen die Feministinnen, die sich so etwas nicht zu eigen machen.

      Wir hatten auf der Männerseite ja auch Konflikte, am Anfang in diesem Blog z.B mit Leuten, die Frauen grundsätzlich als „Fotzen“ beschreiben wollten, oder auch mit Leuten, die faschistoide Vorstellungen mit Geschlechterfeindschaft kombinierten. So etwas gehörte zu den ganz wenigen Kommentaren, die ich hier gelöscht habe – nachdem ich und andere dagegen geredet hatten.

      Dabei geht es mir nicht um die direkte Äußerung von Wut – die finde ich oft nicht sinnvoll, aber ich finde auch nicht, dass sie allein schon sozial geächtet gehört. Es geht um systematisch ausgelebte Menschenfeindlichkeit. Ich sehe es wie Du – damit kann es keine Diskussion geben. Wenn man überhaupt Debatten führt, dann, um Dritte zu überzeugen – die Leute selbst, die Feindschaft schüren, sind in der Regel nicht erreichbar.

      Was ich in der von Dir zitierten Textstelle meinte, war: Es nützt nichts, sich auf „männerfeindliche Feministinnen“ zu konzentrieren. Die gibt es, das ist ja offensichtlich, und sie werden sich auch aller Voraussicht nach nicht ändern. Aber die Fixierung auf sie hilft auch nichts. Vernünftig ist, zu überlegen, was man selbst tun kann.

      Ich glaube, dass diese Männerfeindlichkeit, die massenmedial ja durchaus normal ist und gar nicht mehr auffällt, nicht möglich wäre, wenn Männer sich nicht gleichsam wie Co-Alkoholiker verhielten. Nun kann Pickert das gern tun, wenn er es auf eigene Rechnung macht – wenn er zum Beispiel über seine eigenen Gewaltphantasien schreiben würde, die er ja vermutlich hat (sonst ergäbe seine Darstellung keinen Sinn), und wenn er dann überlegen würde, ob es nicht gut wäre, ihn abends einzusperren. Er nimmt aber stattdessen alle anderen Männer in Mithaftung und erweckt so gar den Eindruck, dass er selbst irgendwie der bessere Mann wäre, weil er ja zumindest seine Gefährlichkeit als Mann offen eingestehe.

      Natürlich können wir hier an Pickerst Verhalten ebensowenig ändern wie, z.B., an dem von Stokowski. Wir beschreiben aber die Situation falsch, wenn wir uns nur auf die Feministinnen konzentrieren. Die politische Debattenlage wird von Männern ebenso wie von Frauen getragen.

      Das heißt dann für mich: Anstatt uns beständig auf Feministinnen zu konzentrieren, sollten wir auch Energie darauf verwenden, zu überlegen, was wir selbst tun können. Meine Position im Text ist ja eigentlich eine milde MGTOW-Position – ich versuche, keine Ressentiments gegen Frauen zu schüren und trotzdem deutlich zu machen, warum es gut ist, wenn Männer sich auf ihren eigenen Weg konzentrieren. Dass der Weg von einer Frau geteilt wird, oder den einer Frau teilt, ist ja nicht ausgeschlossen – aber es gibt keinen Grund, sich selbst prinzipiell als abhängig von Frauen oder von einer Frau anzusehen.

      Und die Fixierung auf männerfeindliche Feministinnen, so verständlich ich sie angesichts der Härte mancher Angriffe finde, ist eben auch eine weitere Fixierung auf Frauen.

  • Sehr schöner Beitrag, deckt sich mit vielen meiner Erfahrungen.
    Natürlich muss ich hierzu kurz was sagen:

    Das gilt auch für den Spruch „sperm is cheap“, der gern von Evolutionspsychologen in die Diskussion gebracht wird: Der männliche Beitrag zur Reproduktion wäre im Überfluss vorhanden und daher billig, der weibliche Anteil sei deutlich knapper und daher teuer. Das stimmt schlicht nicht mehr.

    Der biologische Beitrag, das Spermium, ist natürlich billig. Der biologische Beitrag einer Schwangerschaft + stillen ist wesentlich höher. Daraus entsteht ein Selektionsdruck. Der Mann kann mit wesentlichen geringeren Mindestkosten porduzieren und Folgekosten weitaus eher abgeben als die Frau. Eine Frau kann beispielsweise nicht nach dem Sexualakt aufstehen und dem Mann auf den Kosten sitzen lassen, eine Frau schon (anders als bei einigen Fischen, bei denen das Weibchen erst die Eier ablegt und der Mann sie danach besamt. Da kann die Frau abhauen).

    Aus dieser Lage hat sich die Paarbindung entwickelt und nicht zuletzt die hat uns auch ermöglicht größere Gehirne zu entwickeln, weil man Kosten verteilen konnte und Kinder selbständiger sind.

    Aber das ändert die Grundkonstellation nicht. Es bringt nur einen weiteren Grundsatz dazu:

    Commitment ist teuer und wertvoll. Und deswegen muss es sich lohnen und ist schwer zu bekommen. Auch wenn Sperma billig ist.

    Daraus entstehen weite Teile des sexuellen Marktes und unserer Partnerwahlkriterien.

    Ein Mann, der sich an eine Frau bindet, will zB biologisch Vatersicherheit, gute Gene, Furchtbarkeit etc
    Eine Frau will einen Mann mit Ressourcen, Bindung, guten Genen etc.

    Natürlich ist Commitment heute durch soziale und rechtliche Regeln abgesichert, eben zB Unterhalt.
    Wir haben „Sperm is cheap“ nicht aufgehoben, sondern nur die Übernahme der Folgekosten gerade deswegen abgesichert. Wenn Sperma nicht billig wäre, dann bräuchten wir keine Unterhaltsregelung.

    • Der Spruch „sperm is cheap wird „gern von Evolutionspsychologen in die Diskussion gebracht“, weil er als evolutionspsychologisches Argument verwendet wird.
      Als solches ist es natürlich weiterhin gültig, denn evolutionär hat sich seit Pille und ca. 50 Jahren feministischer Gesetzgebung exakt gar nichts verändert.
      Als Vertreter der Geburtenstarken Jahrgänge vor dem Pillenknick 1966 bin ich zu 100% ein evolutionäres Ergebnis ohne jeglichen (evolutionären) Einfluss der genannten Möglichkeiten.
      Die Generation nach mir ist die erste, in der eine Selektion nach dadurch möglicherweise veränderten Merkmalen überhaupt möglich ist.

      Wie wir in der Diskussion bei EvoChris um die denkwürdigen Statements von Myers noch festgestellt haben: Evolution kann in wenigen Generationen stattfinden. Wobei ich das bei etwas komplexem wie der Evolution von evolutionär beeinflusstem Verhalten für extrem kurz gegriffen empfinde, aber egal: Von „wenigen generationen“ kann bislang keine Rede sein, davon sind „wir“ weit entfernt.
      Oder anders gesagt: Werden wir schon defnitionsgemäß nicht mehr erleben.

    • @chris
      „Aus dieser Lage hat sich die Paarbindung entwickelt und nicht zuletzt die hat uns auch ermöglicht größere Gehirne zu entwickeln, weil man Kosten verteilen konnte und Kinder selbständiger sind.“

      Ist geradezu süß, wie falsch das durch den den letzten halbsatz wird (bis einschl. „kosten verteilen konnte“ war alles richtig):

      Keine andere Spezies leistet sich eine derart ausufernd lange Kindheit wie Menschen.
      Nirgends sonst sind Kinder derart lange unselbständig und von den Eltern abhängig. Tendenz steigend: Noch nicht so lange her, da hatte man mit 12, 13, schon ziemlich selbständig zu sein.
      Wo sonst im Tierreich gibt es derart alte „kinder“?

      Paarbindung und große Hirne sind wechselseitig dazu da, das zu ermöglichen, bzw. (großes Hirn) nur möglich, weil die Kindheitsphase und Reifung so lange dauert.

    • @ Christian Danke!
      „Wir haben „Sperm is cheap“ nicht aufgehoben, sondern nur die Übernahme der Folgekosten gerade deswegen abgesichert. Wenn Sperma nicht billig wäre, dann bräuchten wir keine Unterhaltsregelung.“ Da liegt die Betonung auf „abgesichert“. Eben weil Männer sich eigentlich relativ leicht aus der Verantwortung nehmen können, braucht es institutionelle Absicherungen und Verpflichtungen, um sie in der Verantwortung zu halten.

      Nur: Wenn ein Mann wirklich nicht will, dann hat eine Frau in vielen Fällen kaum Chancen, ihn in diesen Verpflichtungen zu halten.

      Familiengerichte schrecken davor zurück, einen Vater zum Umgang mit dem Kind zu verpflichten – das würde ja das Kind belasten. Eine verpflichtende Beratung gibt es für Väter in solchen Fällen auch nicht. Väter können sich auch aus den Unterhaltszahlungen rausrechnen, zumindest als Selbstständige (Beamte haben es da allerdings schwerer). Wenn ein Vater entschlossen ist, sich zu entziehen, kann er auch ins Ausland gehen.

      Worauf ich hinaus will: Die Verpflichtungen sind weniger dafür da, Väter einzubinden, die sich entziehen wollen. Ihr Zweck ist eher, Pflichten zu verteilen bei Paaren, bei denen im Prinzip beide bereit sind, einen Beitrag zu leisten. Es geht z.B. darum, Väter auch dann zur Zahlung von Unterhalt zu verpflichten, wenn er eigentlich auch selbst für das Kind sorgen wollte und könnte.

      Das bedeutet wiederum: Ein Mindestmaß an Freiwilligkeit beim Mann ist durch staatlichen Zwang nicht zu ersetzen. Die Frau ist schon darauf angewiesen, einen entsprechenden Mann zu finden, und das ist eben niemals ganz „cheap“ – im Sinne von: im Überfluss vorhanden.

      Die „ausufernd lange Kindheit“ (auch @ masses8cht), die sich Menschen leisten, hat im Prinzip ja einen wesentlichen Vorteil. Da Menschen schon auf der Welt sind, wenn sie gewissermaßen noch nachreifen, und ihre Entwicklung in der Gebärmutter nicht schon weitgehend abgeschlossen ist, können Menschen sich eben an ganz unterschiedliche Kontexte anpassen. Ein Kind von Nordschweden könnte zur Not auch in Ägypten aufwachsen, ein Eisbär kaum. (Das jedenfalls ist ja eine klassische anthropologische Erklärung für die lange Reifezeit von Menschen).

      Das heißt: Die lange Sorge für Kinder hat durchaus einen evolutionären Sinn – aber eben gerade dadurch gerät eben auch die Kindessorge NACH dem Zeugungsakt und auch NACH der Schwangerschaft bei Menschen in den Fokus. Damit sind Männer immer auch als Väter mit im Spiel, nicht nur als Spender billigen Samens.

  • Mann sollte sich einfach bewusst werden, dass die Biologie selektiert.
    Wenn ich mir Aussagen wie Menaretrash und ähnlichem Müll ansehe, dann sollte eigentlich jedem Mann klar sein, das hier eine Erbfolge einfach nicht mehr Reproduktionsfähig ist und demzufolge einfach das dafür notwendige gut nicht zur Verfügung stellen.

    Es gibt keinen hinreichend verständlichen Grund warum Mann völlig würdelos sein Ergut weitergibt.

    Kein Mann kann wollen das ein männliches Kind bereits als Täter indoktriniert bei einer feministisch verblendeten Person aufwächst.

  • Ein Vorteil unsere Zeit ist, dass Pornografie in grosser Auswahl kostenlos über das Internet zur Verfügung gestellt wird. Kein Kein Mann sollte daher morgens unentspannt das Haus verlassen und Manipulation und Erpressung über sein Hormonkostüm ausgesetzt sein. Jedes Nein kann so problemlos akzeptiert werden und löst eher Erleichterung als Enttäuschung aus. Mit zunehmendem Alter wird die Situation immer entspannter und Mann kann sich sogar noch über torschlusspanische Damen amüsieren,

  • Gehen Sie an einer Frau vorbei. Drehen Sie sich nach ihr um. Dreht sie sich auch um, haben Sie eine Information mehr.

    Lächeln nicht vergessen!

  • Hallo Lucas,

    Deine Auslegung von Nein heißt Nein gefällt mir, ich hatte dasselbe bei mir unter Nein – ok versucht humorvoll auszudrücken (mannfraukram.wordpress.com/2017/10/15/nein-ok/).

    Was mir weniger gefällt ist der Anfang Deiner Kritik an Nick Krauser

    Zudem hatte ich das Gefühl, dass Krausers Sexualität eine uneingestanden homosexuelle Komponente hat. Ein Sexualakt war gleichsam immer erst dann richtig vollzogen, wenn er seinen Blog-Buddies davon berichten konnte, die ihn wiederum als seine Fanboys anhimmelten.

    Warum hier als erstes einen Homobezug herstellen? Ist es nun ein Ausdruck von Homophobie oder von Homophilie, wenn mann zuerst das erwähnt, nur weil ein Mann von anderen Männern gemocht wird? Es macht zumindest den Eindruck als wäre es Dir sehr wichtig die Nähe zu Schwulen herzustellen.
    Das ist zum einen völlig unnötig, Krauser bietet genug Angriffsfläche. Zum anderen schreibt das die Angst von Männern vor Kontakt mit Männern fort.

    s.a. Volkmar Sigursch, Neosexualitäten:
    „Der Wegfall der Verbote und die Annäherung der Geschlechter haben der homophilen Jugendphase, die einst von Dichtern besungen worden ist, den Garaus gemacht. Seitdem die Homosexualität als eigene Sexualform öffentlich verhandelt wird, befürchten Jungen, sie könnten als „Schwuler“ angesehen werden.“

    • „Warum hier als erstes einen Homobezug herstellen?“

      Das habe ich mich beim Lesen auch gefragt. Daß ein Mann vor anderen Männern prahlt, daß er seine eigene Potenz permanent unter Beweis stellt, daß seine Sexualakte überhaupt nur den einen Zweck haben, seine Überlegenheit zu demonstrieren, usw. – das hat doch nichts mit Homosexualität zu tun.

      Meine laienhafte Erklärung würde eher in Richtung Über-Kompensation für eine persönliches Problem (das möglicherweise in seiner Jugend akut war) gehen.

    • „Warum hier als erstes einen Homobezug herstellen?“ Da hast Du Recht, der Bezug auf Homosexualität gleich an erster Stelle ist erklärungsbedürftig, zumal es ja tatsächlich genug anderes zu kritisieren gibt. Tatsächlich wollte ich, wie auch bei anderen Punkten zu Krauser, darauf hinaus, dass das, was er offenkundig darstellen möchte (ein kontrollierter, selbstbestimmter, erfolgreicher Mann, der genau weiß, was er will und tut), sich erheblich von dem unterscheidet, was er tatsächlich darstellt: Einen Mann, der von der weiblichen Aufmerksamkeit so abhängig ist, dass er in einer endlosen Bewegung darum kreist – und eben auch einen Mann, der irgendwie zwanghaft seiner sexuellen Erfahrungen mit seinen Buddies teilen muss. Der Hinweis auf Homosexualität ist hier vielleicht auch gar nicht richtig – ein gutes Wort wäre vielleicht „homosozial“: Die sexuelle Erfahrung muss unbedingt in der männlichen Gruppe geteilt und veröffentlicht werden, als wäre das ein teil des Aktes selbst.

      Dass ich Homosexualität damit nicht abwerten wollte, sondern dass es mir darum ging, die Widersprüche der Situation zu beschreiben, hab ich durch den Nachsatz deutlich machen wollen: Es wäre doch sinnvoller, homosexuelle Impulse oder Bedürfnisse tatsächlich auch mit Männern auszuleben, anstatt sie über Bande an Frauen auszutoben. Das dieses Verhalten mit Angst zu tun hat, liegt nahe – so wird es verständlich, aber dadurch ja noch nicht gut für die Beteiligten.

  • „Die Einschränkung auf Männer liegt wohl auch daran, dass noch immer viele Frauen, aber auch Männer davon ausgehen, dass er bei einer Beziehungsanbahnung den ersten Schritt machen sollte.“

    Ob man davon ausgeht oder nicht: Im fast ganzen Tierreich läuft es so, dass weitaus eher er als sie den ersten Schritt tun muss. Beim Menschen eben auch, es ist nicht überwindbar.

    „Ich weiß, dass es für einige Frauen kaum erträglich ist, wenn Männer glauben, dass ein „Nein“ einer Frau nicht unbedingt „Nein“, sondern auch „Vielleicht“ oder „Bemüh dich weiter“ heißen kann. Eben das aber ist eine Erfahrung, von der ich sicher bin, dass ich sie nicht als einziger Mann gemacht habe.“

    Diese Erfahrung machen nicht nur zweibeinige Männchen. Ich beschreibe in meinem Buch nicht umsonst das „Igelkarussel“ und das Paarungsritual von Rehen. Der eine „Nein heißt ja wenn man lächelt so wie Du“-Schlager würde dazu passen.

    Mehr zu den Hintergründen bei einem Klick auf meinen Namen. (Mein Buch gibt es jetzta uch als E-Book: Bis zum 30.11.18 zum Aktionspreis von nur 3,99€. Regulärer preis: 9,99€)

    • „Ob man davon ausgeht oder nicht: Im fast ganzen Tierreich läuft es so, dass weitaus eher er als sie den ersten Schritt tun muss. Beim Menschen eben auch, es ist nicht überwindbar. “

      „Nicht überwindbar“ halte ich für übertrieben. Dazu ist die Differenz bei Menschen zu klein und schon jetzt zu aufgeweicht.

      Ich hatte bspw. schon immer den Grundsatz niemandem hinterherzuscharwenzeln ( ergo: Nein heißt für mich nein, ich dreh mich um und gehe ) und siehe da: Manche Damen können sehr wohl initiativ werden – und nicht die schlechtesten.

      Nur muß man sich deshalb noch lange nicht einbilden, daß die entsprechenden Genmarker von heute auf morgen wirkungslos werden. Ein paar tausend Jahre mag eine weitere Angleichung, so sie denn überhaupt zum globalen Trend wird, schon dauern.
      Weshalb ich die Femiforderungen heutzutage, Männer sollen mal eben ( am besten per Gesetz ) dies abschaffen, sich so verhalten, jenes organisieren ….., während Frauen an sich perfekt und somit fertig, unschuldig und unverbesserbar sind, einfach nur lächerlich finde.

      Zumal vermeintliche Ideale per se unerreichbar sind, bspw. „Gerechtigkeit“.

  • Um das einfach mal gesagt zu haben: ein durchgehend brillanter Text. Der einzige Aspekt der mir (abgesehen von dem Bild) noch fehlt ist das Thema mixed Signaling.

  • An diesen persönlichen Beitrag möchte ich gerne einen persönlichen Eindruck, ein Gedankenspiel und einen weiterführenden Gedanken anschließen. Lucas vermutet:

    „Die Unterstellung prinzipieller männlicher Übergriffigkeit hat also vermutlich paradoxe Folgen: Während vorsichtige Männer noch vorsichtiger werden, bleiben Männer, denen es ohnehin egal ist, was Feministinnen so erzählen, unbeeindruckt. Kein Wunder, dass Feministinnen schließlich das Gefühl haben, die Männerwelt würde rundweg aus schmerzbefreiten Aufreißern bestehen – alle anderen ziehen sich nach kurzer Zeit wohl auch zurück.“

    Ja, tendzenziell nehme ich das in meiner persönlichen Umwelt auch so wahr. Dazu kommt noch etwas anderes: Seit ich 19 bin habe ich größtenteils in mittelgroßen Universitätsstädten gelebt und mich — zumindest in der Freizeit — in linken Milieus bewegt. Ich habe hier immer wieder beobachtet, dass mit Slogans und in Pamphleten entweder auf extrovertierte, dominante und aggressive Männer („Macker“, „Checker“) geschimpft wird oder diese zumindest ‚konstruktiv‘ dazu aufgefordert werden, ihr Sozialverhalten dahingehend zu verändern, Frauen mehr Raum zum Reden und Agieren zu geben, sich doch mal zurückzuhalten usw. Gleichzeitig war es aber so, dass gerade die Männer, die dominant, selbstsicher, ohne Selbstzweifel und aggressiv aufgetreten sind, auch bei den politisch ‚linken‘ Mädchen und Frauen am besten angekommen und von ihnen auf kurze oder lange Zeit als Partner bevorzugt worden sind. In meiner Wahrnehmung hing das immer damit zusammen dass dominanten Männern in Gruppen und Kollektiven eine Führungsrolle zugefallen ist.

    Aus dieser Perspektive könnte man sagen, dass es für einen Mann durchaus rational ist, dominant aufzutreten, Zeit, Raum und soziale Ressourcen für sich einzufordern, da dieses Verhalten nicht zuletzt durch die Partnerwahl der Frauen belohnt wird. Jetzt das Gedankenspiel: Was wäre, wenn Mädchen und Frauen auf einmal zögernden Träumern eine Chance geben würden? Wären nun auf einmal die introvertierten, stillen Typen, Leseratten und Nerds begehrt, die etwas zu sagen haben? Würden die extrovertierten, lauten und aggressiven Männer in ihre Schranken gewiesen? — Das ist nun natürlich nur ein absurdes Gedankenspiel, da man ja niemandem vorschreiben könnte, wen er attraktiv zu finden und zu begehren hat. Der Punkt ist für mich nur der, dass dominanten und aggressives Auftreten in unserer Gesellschaft belohnt wird.

    Dieser Gegensatz zwischen lauten/extrovertierten und stillen/introvertierten ist natürlich kein Gegensatz zwischen Männern und Frauen, da es ja auch stille Männer und laute Frauen gibt. Zu diesem Thema gibt es ein Buch: Susan Cain: „Quiet. The Power of Introverts in a World That Can’t Stop Talking“ (2012). Cain verfolgt darin auch, wie Extrovertiertheit im ‚Westen‘ zum kulturellen Ideal geworden ist.

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