Fake News Gewalt Sexismus

#metoo – Medienhysterie statt Betroffenenhilfe

geschrieben von: crumar

von crumar und Gunnar

 

Vorwort Lucas Schoppe: Es freut mich sehr, hier einen Gastartikel von crumar und Gunnar veröffentlichen zu können, in dem beide sich sehr intensiv mit den bestehenden Regeln zum Umgang mit sexueller Belästigung auseinandersetzen – nicht nur mit den gesetzlichen Regelungen, sondern auch denen in Gewerkschaften und Betriebsvereinbarungen. Ihr Schluss: Die Rede von einer rape culture, die eine strukturelle Förderung sexueller Übergriffe von Männern gegen Frauen, ist nicht nur falsch. Sie verschleiert auch die mannigfachen institutionalisierten Möglichkeiten, sich gegen sexuelle Belästigung zur Wehr zu setzen und sie zu unterbinden.

Den Opfern sexueller Übergriffe ist offensichtlich nicht unbedingt mit der härtesten feministischen Position am meisten geholfen – diese Position kann ihnen sogar schaden.

Da der Text von crumar und Gunnar relativ lang ist, hier ein kleines verlinktes Inhaltsverzeichnis.

Wie breche ich ein Tabu, das keines ist?

Wahlmöglichkeiten

Was gilt als sexuelle Belästigung?

Was können Betroffene tun?

Welche Sanktionsmöglichkeiten existieren bereits?

Wirklichkeit und Propaganda im Zeitalter des AGG

Für die Bildauswahl bin ich verantwortlich. Danke an die Autoren für die sorgfältige Recherche und für  den Text! Lucas Schoppe

 

Wie breche ich ein Tabu, das keines ist?

„Ein Jahr MeToo-Kampagne. Ein Hashtag bricht ein Tabu“, jubelt die Tagesschau. Ähnlich Frauke Gützkow, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW und verantwortlich für Frauenpolitik: „MeToo-Debatte bricht Tabu“. Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder Frau Gützkow hat keine Ahnung von Gewerkschaftsarbeit, dann sollte sie ihren Posten abgeben. Oder sie surft wider besseres Wissen auf einer populistischen Welle. Dann sollte sie ihren Posten abgeben.

Waren Frauen vor #metoo zum Schweigen verdammt?

 

Tatsache ist nämlich, dass das Thema „sexuelle Belästigung“ in Deutschland nicht nur seit spätestens 1977 in den Medien thematisiert wird – zunächst in der Frankfurter Rundschau, dem Stern und den feministischen Magazinen Courage und Emma, nach dem Busengrabscher-Skandal durch den grünen Abgeordneten Klaus Hecker 1983 auch im Spiegel –, sondern dass Gewerkschafterinnen dies seit 1986 verstärkt zu ihrem Thema gemacht haben. Ob es nun die 12. Frauenkonferenz der IG-Metall-Frauen ist oder der ÖTV-Betriebsfrauenausschuss in Berlin mit seiner Plakatkampagne „Mach mich nicht an“, der Landesfrauenausschuss der DAG, der Internationale Bund Freier Gewerkschaften oder der DGB mit seiner Broschüre „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Frauen wehren sich“ – abgesehen von der wie immer einseitigen Ausrichtung auf Frauen wird das Problem seit über dreißig Jahren in der Gewerkschaft intensiv behandelt. Was für eine Bigotterie also, hier von einem Tabu zu sprechen!

Infolge ihres Skandals gaben die Grünen eine Studie zum Ausmaß sexueller Belästigung in Auftrag, die 1984 erschien und auf der Basis von lediglich 903 befragten „Personen“ (vgl hier, Punkt 2.3 – wir gehen sicher nicht fehl in der Annahme, dass es sich dabei ausschließlich um Frauen gehandelt hat) vollmundig die Behauptung verbreitete, „jede vierte Frau“ sei davon betroffen. Anschließend legten die Grünen den Entwurf für ein Antidiskriminierungsgesetz vor, in dem auch der Tatbestand der sexuellen Belästigung erfasst wurde.

1991 präsentierte Frauenministerin Angela Merkel eine von Rita Süßmuth in Auftrag gegebene Studie zum Thema, in der bereits davon gesprochen wurde, dass drei von vier Frauen betroffen seien, obwohl diese sogenannte Studie lediglich auf Fragebögen zurückgriff, die an die eigene Klientel verschickt wurden und von denen nur zwanzig Prozent zurückkamen. Dass die Forscherinnen voreingenommene Feministinnen waren, sei hier nur am Rande erwähnt. Die Studie wurde jedenfalls von der SPD-Fraktion im Bundestag zum Anlass genommen, um die Bundesregierung aufzufordern, „gesetzliche Regelungen über Prävention und Sanktionen zu schaffen.“

Am 1. September 1994 trat dann das „Gesetz zum Schutz Beschäftigter vor sexueller Belästigung“ in Kraft (das 2006 durch das „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“ (AGG) abgelöst wurde), seither besteht ein umfassender Schutz vor Übergriffen, die unsere journalistische Elite vierundzwanzig Jahre später immer noch als Tabu ausgibt.

 

Wahlmöglichkeiten

Frauen können lamentieren und sich als ewige Opfer inszenieren. Oder sie können sich, wenn sie wirklich sexuell belästigt werden, seit 18. August 2006 auf das AGG beziehen. Dieses hat die Funktion,

den Schutz vor Diskriminierung aus rassistischen Gründen oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität durch private Akteure (z. B. Arbeitgeber, Vermieter, Anbieter von Waren und Dienstleistungen) umfassend zu regeln und verbietet ausdrücklich sexuelle Belästigung.

Wenig überraschend liegt die Ernennung der Leitung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, dem es verwaltungsorganisatorisch und personalrechtlich angegliedert ist.

Im betrieblichen Umfeld sind Frauen männlicher Übergriffigkeit ausgeliefert: Das so vermittelte Bild lässt sich schon lange nicht mehr halten.

DGB-Leitfaden von 2016, S. 6:

Eine sexuelle Belästigung ist eine Benachteiligung in Bezug auf § 2 Abs. 1 Nr. 1 bis 4, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird. Insbesondere, wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird. (§ 3 Abs. 4 AGG)

 

Was gilt als sexuelle Belästigung?

Die Antidiskriminierungsstelle führt verschiedene Formen sexueller Belästigung auf:

  • „unerwünschte sexuelle Handlungen“ wie bedrängende körperliche Nähe, die ein Kollege oder Kunde zu Ihnen sucht,
  • „die Aufforderung zu unerwünschten sexuellen Handlungen“ wie „Setz dich auf meinen Schoß!“,
  • „sexuell bestimmte körperliche Berührungen“, dazu zählen (scheinbar zufällige) Berührungen von Brust oder Po oder unerwünschte Nackenmassagen,
  • „Bemerkungen sexuellen Inhalts“ wie zum Beispiel obszöne Witze oder sexuelle Anspielungen,
  • „unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen“, wie pornographische Magazine auf dem Schreibtisch oder Nacktfotos an den Wänden.

Dies ist jedoch längst nicht alles. Im DGB-Leitfaden wird auf S. 19 ausgeführt:

Mimik und Gestik: Ein aufdringlicher Blick sagt oft mehr als tausend Worte, daher müssen betriebliche Interessenvertretungen besonders sensibel gegenüber Mimik und Gestik sein. Absolute Tabus im betrieblichen Miteinander sind z. B.

– Anstarren oder in den Ausschnitt starren,

– hinterher pfeifen,

– mit Blicken „ausziehen“

Im Sinne des feministischen Subjektivismus und der Definitionsmacht gilt nicht die Intention oder ein Vorsatz des Handelnden, sondern die subjektive Wahrnehmung des Betroffenen:

Ausschlaggebend ist nicht die Absicht der belästigenden Person, sondern wie ihr Verhalten bei der betroffenen Person ankommt, ob diese die Annäherungsversuche als erwünscht oder unerwünscht empfindet. (DGB-Leitfaden S. 5)

Dass manch weiblicher Ausschnitt die Grenze von „ausgezogen“ nur knapp unterschreitet, wird natürlich nicht als Problem gesehen, denn Frauen können sich schließlich anziehen wie auch immer sie wollen, oder? Nun, nicht wirklich. Denn entscheidendes Kriterium für eine sexuelle Belästigung ist die subjektive Wahrnehmung des Belästigten. Fühlt man sich belästigt, dann wurde man belästigt und dazu gehört eben auch die aufdringliche Kleidungswahl (und selbstverständlich die damit einhergehende Gestik und Mimik).

Erkennbar wird die Bestrebung, den Tatbestand der sexuellen Belästigung analog zu  Mikro-Aggressionen auszuweiten, um die Fallzahlen für die feministische Forschung nach oben zu treiben.

 

Was können Betroffene tun?

Zunächst auf einer individuellen Ebene zum Ausdruck bringen, dass es sich um ein unerwünschtes und ungewolltes Verhalten handelt. Nicht passiv hinnehmen, nicht ignorieren oder aus dem Weg gehen.

So riet die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) 2013 verbal wie folgt zu reagieren:

1. Beschreiben Sie die Situation, wie etwa: „Sie berühren mich auffällig oft“. Sollte dies keinen Einhalt gebieten, dann

2. benennen Sie die Wirkung: „Das ist mir unangenehm“. Wenn auch dies die Situation nicht endlich beendet, dann stellen Sie die

3. Forderung nach dem gewünschten Verhalten: „Ich möchte nicht, dass Sie mich anfassen“.

Lassen Sie sich nicht auf Diskussionen ein, wenn der Belästiger sich rechtfertigt oder sich erklärt, sondern wiederholen Sie stattdessen Schritt 2 und 3.

Es empfiehlt sich erstens, den Vorfall zu dokumentieren: Was ist genau wo und wann passiert? Zweitens, welches Verhalten wird als unerwünscht empfunden, welche Verhaltensänderung soll erreicht werden? Drittens sollten Vertrauenspersonen unter den Arbeitskollegen einbezogen werden; Zweck ist Austausch und Aufhebung von Vereinzelung.

Auch wenn medial ein anderes Bild vermittelt wird: Wer sexuelle Übergriffe erlebt, muss nicht schweigen.

Handelt es sich bei der Belästigung um die eines Kollegen, sollte der Vorgesetzte von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt werden. Im Rahmen eines persönlichen Gesprächs unter sechs Augen kann dann der Vorfall besprochen und auf Verhaltensänderung gedrängt werden. Ungeachtet dieser niedrigschwelligen  Möglichkeit der Konfliktbeilegung besteht jederzeit die Möglichkeit, eine Beschwerde einzureichen, insbesondere, wenn das Gespräch keine Resultate zeigt.

Sie haben das Recht sich zu beschweren! Ihr Arbeitgeber hat die Pflicht, alle Beschäftigten vor sexueller Belästigung zu schützen. Dabei ist es egal, ob es sich bei den Tätern um Vorgesetzte, Kollegen oder Kunden handelt. (§ 13 Abs. 1 AGG, § 12 Abs. 1 AGG)

Aus einer solchen Beschwerde dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile erwachsen (§ 16 AGG).

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, dieses Beschwerderecht war bereits lange vorher Bestandteil des Betriebsverfassungs- und Personalvertretungsgesetzes (BetrVg, PersVG)!

Beschwerde einreichen kann man beim Betriebs- oder Personalrat, der vom AGG vorgesehenen Beschwerdestelle, bei der Gleichstellungsbeauftragten, dem Ombudsmann / der Ombudsfrau und direkt beim Arbeitgeber. Gibt es diese innerbetrieblichen Ansprechpartner nicht, dann direkt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes kontaktieren und sich beraten lassen:

Die vorgenannten Ansprechpartner sind verpflichtet, Beschwerden entgegenzunehmen und über den Fortgang zu berichten. Wie bereits angeführt hat der Arbeitgeber die Pflicht, alle Beschäftigten vor sexueller Belästigung zu schützen. Er hat weiterhin die Pflicht, vorbeugende Maßnahmen (§ 12 Abs. 1 AGG) gegen sexuelle Belästigung zu ergreifen, so z.B. Schulungen der Führungskräfte und Seminare zum partnerschaftlichen Umgang am Arbeitsplatz für die Belegschaft.

Der § 14 AGG gesteht den Beschäftigten ein Leistungsverweigerungsrecht zu, wenn keine Maßnahmen seitens des Arbeitgebers erfolgen, die sexuelle Belästigung zu unterbinden. Weiterhin gibt es die Möglichkeit der Strafanzeige nach § 184i StGB. Auch ist es möglich, bei vorgesetzter sexueller Belästigung gegen den Arbeitgeber auf Schadenersatz/Entschädigung zu klagen (§ 15 AGG), insbesondere, wenn man sich der sexuellen Belästigung nur durch die eigene Kündigung entziehen konnte.

 

Welche Sanktionsmöglichkeiten existieren bereits?

Die Sanktionsmöglichkeiten durch das AGG, das BetrVG, das PersVG sind:

  • Ermahnung (bei einer einmaligen Belästigung durch sexuelle Witze gegen den Willen des Betroffenen).
  • Abmahnung (bei Streicheln, Piksen oder Hinterherpfeifen, bei einem Sich-In-den-Weg-Stellen mit einer sexuellen Anspielung).
  • Ordentliche Kündigung (bei einem Einstellungsgespräch in einer Sauna, bei wiederholten Umarmen gegen den Willen).
  • Außerordentliche Kündigung (bei Erzählung von pornographischen Geschichten, bei obszönen Ausfragen der Arbeitnehmer nach sexuellen Aktivitäten, bei exhibitionistischen Handlungen).

Dabei muss selbstverständlich die Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.

Dass Gewerkschaften frühzeitig das Thema sexuelle Belästigung aufgegriffen haben, sieht man an den (abgeschlossenen) Betriebs-/Dienstvereinbarungen, in denen ebenfalls Sanktionen gegen die Täter und Täterinnen festgehalten worden sind.

Aus einer Mustervereinbarung von Verdi:

a) Sanktionen gegenüber Beschäftigten werden je nach Schwere des Vorfalls in aufeinander aufbauende Maßnahmen gestaffelt:

• mündliche und schriftliche Ermahnung mit Niederlegung in der Personalakte
• schriftliche Abmahnung und Androhung der Kündigung des Arbeitsverhältnisses
• Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz in einem anderen Bereich im Betrieb, gegebenenfalls mittels Änderungskündigung

• Kündigung und Entfernung aus dem Betrieb

Die jeweilige Durchführung erfolgt in Abstimmung mit dem Betriebsrat/dem Personalrat.

b) Sanktionen gegenüber nicht beschäftigten Personen

• mündliche und schriftliche Ermahnung

• schriftliche Abmahnung und Androhung der Kündigung des Auftrags

• Auflösung des Auftrags und/oder strafrechtliche Anzeige“

Hier wird erkennbar nicht nur das betriebliche Binnenverhältnis behandelt, sondern auch das zu Lieferanten und Kunden.

Die früheste Betriebsvereinbarung gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist die von der IG Metall mit dem Gesamtkonzern VW vom 1.7.1996. Abgeschlossen über 20 Jahre, bevor #metoo überhaupt Thema war.

Das ist irreführend: Weder leben wir in einer Rape Culture, gegen die nur der Feminismus helfen kann – noch sind bei sexueller Belästigung allein Frauen Opfer oder allein Männer Täter – noch lassen sich soziale Systeme prinzipiell am Geschlechterverhältnis strukturieren

Man muss weiterhin ergänzen: Die meisten Betriebsvereinbarungen widmen sich generell dem partnerschaftlichen Umgang am Arbeitsplatz. Denn Frauen sind nicht die einzige Gruppe, die potentiell Benachteiligungen ausgesetzt ist, noch ist sexuelle Belästigung allein ein betriebliches Problem. Das Thema „Mobbing“ z.B. hat allerdings nicht den Charme, entlang der Geschlechtergrenzen zu verlaufen, und auch die Geschlechter lassen sich nicht fein säuberlich  in Täter und Opfer unterteilen. Demzufolge ist das Interesse an dieser Thematik auch nicht vorhanden – es verkauft sich schlecht.

Zusammengefasst: „Strukturell“ ist sexuelle Belästigung in Deutschland seit 1994 verboten. Zu behaupten, „sexualisierte Gewalt“ (feministischer Kampfbegriff) sei eine nicht sanktionierte Handlungsoption für „mächtige Männer“, ist falsch. Damit einhergehend existieren Handlungsempfehlungen für betroffene Individuen, die sich – unterstützt durch zahlreiche Institutionen und auf das AGG gestützt – zur Wehr setzen können. So zu tun, als wäre sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erst mit #metoo überhaupt gesellschaftlich thematisiert worden, ist eine dreiste Lüge.

Die Zeit, die medial mit #metoo-Mätzchen vergeudet wurde und wird, hätte man für die Aufklärung über den Stand der Gesetze und Handlungsmöglichkeiten für die Betroffenen verwenden sollen.

Das Problem der Medien und insbesondere des dort beschäftigten Personals ist erstens: Gewerkschaften existieren in ihrer bornierten Wahrnehmung nicht, deshalb empfinden sie ständig neu, wo nichts Neues ist. Es ist zweitens wesentlich einfacher, aus der US-Presse abzuschreiben, als die existierenden Möglichkeiten in Deutschland zu recherchieren und Aufklärung für die Betroffenen zu betreiben. Das wäre der Job der hiesigen Presse gewesen und diese hat kläglich versagt.

 

Wirklichkeit und Propaganda im Zeitalter des AGG

Die Zeit titelte am 15.11.2017: „Jede vierte Firma erhält Beschwerden über sexuelle Belästigung“, das zeige „eine Umfrage des Frauen-Karriere-Index unter 131 Unternehmen, die der ZEIT exklusiv vorliegt.“

Und zwar sehr exklusiv, denn sie ist im Internet nicht auffindbar. Im Text ein wenig präziser (kursiv hervorgehoben):

24 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass bei ihnen einmal jährlich oder häufiger eine Beschwerde über sexuelle Belästigung bekannt werde. 37 Prozent erklärten, dass es nach ihrem Wissen bislang noch keine solche Beschwerde gegeben habe. Der Rest machte keine Angabe oder gab an, es nicht zu wissen.

Nach einer Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (1002 telefonisch Befragte): „Jede/r zweite Befragte hat gesetzlich verbotene Belästigungen am Arbeitsplatz schon einmal erlebt.“

Es wird gerne „vergessen“ herauszustellen, dass laut dieser Umfrage 56% aller Männer und „nur“ 49% aller Frauen betroffen waren, was diese Institution natürlich nicht daran hindert, das Gegenteil zu behaupten und zu propagieren.

Ebenfalls interessant ist die subjektive Wahrnehmung der Befragten; überließ man diesen die Definitionsmacht, ob ihnen nach ihrem Verständnis eine sexuelle Belästigung widerfahren ist, sanken die Werte auf 7% für Männer und 17% für Frauen. Das ist eine gehörige Differenz zwischen gesetzlicher Definition und Wahrnehmung der Betroffenen.

Es existiert jedoch eine noch erheblichere Fallhöhe zwischen diesen Studien und der Realität, wie sie etwa die Ombudsfrau der Deutschen Bahn, Birgit Gantz-Rathmann, beschreibt: „Ich schätze, dass es in den vergangenen sechs Jahren vielleicht zehn Fälle waren“, sagte sie. Pro Jahr wendeten sich rund 400 Mitarbeiter mit Problemen an sie, nur 20 Prozent davon seien Frauen.

10 Fälle einer Beschwerde in 6 Jahren bei 198.000 Mitarbeitern in Deutschland. Das sind 1,6 Fälle pro Jahr und 0,8 Fälle pro 100.000 Mitarbeiter und Jahr oder 0,0008%. Für eine Betroffenheit der Mitarbeiter der Deutschen Bahn durch sexuelle Belästigung in Höhe von 50% über ein Arbeitsleben von 40 Jahren müssten es 2500 Fälle pro Jahr sein. Stellen die fehlenden 2499 Fälle demnach die „Dunkelziffer“ dar?

Auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendern geht es laut SZ um die Frage: Was hat sich seit #metoo getan im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?, statt Was hat sich VOR #metoo getan im öffentlich-rechtlichen Rundfunk?

Auf journalist (Das Medienmagazin) wurde nämlich gefragt„Gab es in Ihrem Sender in der Vergangenheit Fälle von sexueller Belästigung, die aktenkundig geworden sind?“

NDR: „Die AGG-Beschwerdestelle im NDR hat sich in den vergangenen fünf Jahren mit einem Fall wegen sexueller Belästigung beschäftigt.“

Radio Bremen: „Es gibt bei Radio Bremen keine bekannten länger zurückliegenden Vorfälle. Es gibt eine Beschwerde, die Ende des vergangenen Jahres im Rahmen der #MeToo-Debatte geführt wurde.“

rbb: „Nach meinem Kenntnisstand gibt es keine aktenkundigen Vorfälle.“

SR: „Der SR hat selbst und vor Beginn der öffentlichen Debatte um den WDR Mitarbeitern in der oben beschriebenen Weise erneut die Möglichkeiten aufgezeigt, an wen sie sich wenden können, sollten sie Funktionsmissbrauch erleben oder beobachten. Das Echo war gering. Die wenigen gemeldeten Beispiele waren in Art und Umfang in keiner Weise mit den beim WDR bekannt gewordenen Fällen zu vergleichen.“

BR: „Im Personalbereich wurden in den vergangenen zehn Jahren nur einige wenige Fälle von Belästigung gemeldet.“

Angesichts dieser realen Zahlen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass #metoo zur Erreichung machtpolitischer Ziele benutzt wird, die nichts mit dem Umfang an sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu tun haben.

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92 Comments

  • Eng verknüpft mit Eurem Artikel ist das Problem, dass betrieblich bereits jetzt(!) schon Zustände herrschen wie auf US-amerikanischen Unis gemäß Title IX. Die mögliche komplette Vernichtung der beruflichen Existenz (es geht also um mehr als nur potentielle Abschlüsse!) aufgrund von auch anonymen Anschuldigungen. Auch hier hat das vermutliche Opfer sämtliche Rechte und der vermutliche Täter das Problem der Beweislastumkehr.

    Diese Broschüre der ADS (http://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/Leitfaeden/Leitfaden_Was_tun_bei_sexueller_Belaestigung.pdf?__blob=publicationFile&v=3) ist zwar erstmal vermeintlich gendergleich geschrieben, es wird aber klar, dass als Opfer Frau und als Täter Mann gemeint ist. Man sollte sich diese Broschüre mal ganz aufmerksam durchlesen und dabei die Position eines falschbeschuldigten Mannes annehmen. Es ist erschreckend.

    Und wenn auch bei Euch im Intranet diese Broschüre veröffentlicht wird, dann hat das einen hervorzuhebenden Grund:

    „Abmahnung

    Eine Abmahnung beanstandet die sexuelle Belästigung. Sie berechtigt zu
    einer Kündigung, wenn es ein weiteres Mal zu einer sexuellen Belästigung
    kommt.
    […]
    Sie ist dann angemessen, wenn die beschuldigte Person nicht damit
    rechnen musste, dass ihr Verhalten mit einer Kündigung sanktioniert
    werden kann. Das ist vor allem der Fall, wenn noch keine Präventionsmaßnahmen
    oder Hinweise erfolgt sind.
    […]

    Kündigung
    Die Kündigung beendet das Arbeitsverhältnis.

    Kündigungen sind auch bei mittelschweren Vorfällen angemessen,
    wenn die belästigende Person wusste, dass der Arbeitgeber sexuelle
    Belästigung nicht toleriert. Das ist der Fall, wenn der Arbeitgeber
    durch Hinweise oder Schulungen deutlich gemacht hat, dass sexuelle
    Belästigung am Arbeitsplatz nicht akzeptiert wird.“

    Durch die Veröffentlichung wird die Kündigung auch bei der reinen Beschuldigung einer mittelschweren Verfehlung das Mittel, zu dem der Arbeitgeber mindestens gezwungen wird.

    Was aber nun ist „mittelschwer“. Eine Definition habe ich nicht gefunden. Aber wenn man sich folgendes durchliest, ahnt man wohin die Reise hingehen kann:

    „Im Zusammenhang mit sexueller Belästigung kommt es deshalb immer wieder zu einer sogenannten Schuldumkehr. Das bedeutet, die belästigte Person wird
    beschuldigt, etwas missverstanden zu haben oder den Vorfall zu ernst zu nehmen. Sexuelle Belästigung wird dann fälschlicherweise als Flirtversuch
    verharmlost. “

    Wir benötigen also dringend einen leicht googlebaren Ratgeber was zu tun ist sobald man mit dem Vorwurf eines sexuell konnotierten Fehlverhaltens konfrontiert ist.

    • Hallo Hans-Peter,

      ich finde es sehr schwierig, Title IX mit den hiesigen Betriebsvereinbarungen und auch mit dem AGG zu vergleichen.

      Um das Forum aufzuklären: Damit wurde an den Colleges in Sachen von Vergehen – die eigentlich Straftaten sind – die Hürden gesenkt.
      In den College Courts galt fortan der niedrigste Maßstab, nämlich „preponderance of evidence“, also dass es eher wahrscheinlicher war, der Beschuldigte habe das Vergehen begangen als nicht begangen.
      Addiert man den feministischen bias der Administration, dann erhält man den Fall Sulkowicz.
      Das existiert aber in Deutschland nicht.

      Du kritisierst: „Was aber nun ist „mittelschwer“. Eine Definition habe ich nicht gefunden.“
      Es ist auch nicht die feministische Intention, saubere Definitionen zu liefern. Ganz im Gegenteil. Als Anhaltspunkt stehen daher im Text Beispiele für Handlungen, die zu Ermahnung, Abmahnung usw. führen können.

      Zur Frage der Anonymität: Selbstverständlich kann man sich anonym beschweren. Aber was soll eine Beschwerdestelle denn dann machen? Dass eine bloße Anschuldigung rufschädigend ist, kann diese sich an zwei Fingern einer Hand abzählen.
      Um so eher die Anschuldigung nach § 184i StGB geahndet werden könnte, wird sich doch die Frage stellen, warum nicht eine Anzeige erstattet worden ist.

      • Erstmal möchte ich mich dafür entschuldigen, Euren Artikel in gewisser Weise für mein Anliegen gehijackt zu haben. Allerdings ist Eure Thematik doch sehr, sehr eng mit meiner verwoben.

        Title IX ist für mich das Synonym dafür, wie aufgrund von unbewiesenen Anschuldigungen Existenzen vernichtet werden können und wie asymmetrisch mit den Rechten und Pflichten von Ankläger(-in) und Angeklagten umgegangen wird. Wie halt bei Sulkowicz.

        Wenn wir uns also vor diesen Fällen gruseln, wiegen wir uns in der falschen Sicherheit, dass uns das so nicht passieren könnte. AGG und ADS (und hier mit konkreten Umsetzungshinweisen) beweisen aber das Gegenteil.

        Ihr schreibt am Schluss:

        „Angesichts dieser realen Zahlen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass #metoo zur Erreichung machtpolitischer Ziele benutzt wird, die nichts mit dem Umfang an sexueller Belästigung am Arbeitsplatz zu tun haben.“

        Diese Ziele klingen wie eine Bedrohung, aber doch eine irgendwie entfernte. Tatsächlich ist diese Bedrohung real für männliche Arbeitnehmer wie die Broschüre zeigt, wenn man sie –wie bereits gesagt– mal aus dem hypothetischen Blickwinkel eines falsch beschuldigten Mannes liest.

        Ich bin versucht, hier zig Zitate aus der Broschüre zu bringen, aber belasse es mit dem Verweis auf 4.2.3, die unterschiedliche Behandlung von Beschuldiger und Beschuldigten, sowie auf den Dokumentationbogen im Anhang, der einige höchst merkwürdige Einträge hat.

        Aber Schluss damit. Im Kontext Eures Artikels zeigt die Broschüre sehr gut wie das jahrzehnte alte mediale Dauerfeuer in dystopische Umsetzungen münden konnte, ohne dass das wirklich bemerkt wurde. Vielleicht könnte man in geeigneter Weise dem einen eigenen Artikel widmen und im Kommentarbereich Gegenstrategien entwickeln. Denn wer einen Vorfall nicht zugibt (auch wenn es ihn nicht gegeben hat), ihn nicht so schlimm wie die Beschwerdeführerin sieht oder „abwiegelt“, hat im Personalgespräch bereits verloren und sehr große Chancen auf eine Wartemarke im Arbeitsamt.

        • „Diese Ziele klingen wie eine Bedrohung, aber doch eine irgendwie entfernte. Tatsächlich ist diese Bedrohung real für männliche Arbeitnehmer wie die Broschüre zeigt, wenn man sie –wie bereits gesagt– mal aus dem hypothetischen Blickwinkel eines falsch beschuldigten Mannes liest.“

          Lucas hatte einen Artikel mit dem Titel „Vom allmählichen Abgleiten der Diskurse in den Wahnsinn“ versehen.
          Im angelsächsischen Raum sind die Diskurse bereits in diesem Stadium angelangt, hier nicht.

          Die von dir skizzierte Gefahr für Falschbeschuldigungen aus niedrigsten Motiven ist real, aber nicht präsent.
          Schon mal gar nicht so präsent, wie in der NYT zu jubilieren, wie viele Männer ihren Posten auf bloße Anschuldigung hin verloren haben und wie viel Prozent davon durch Frauen ersetzt worden ist.

          Was hier real passiert, ist bspw. im ÖR Quotierung durchzusetzen unter dem Banner der „Kulturänderung“.
          Quotierung nicht nur von Stellen, sondern auch von Mitteln (Filmfördermitteln dito) und das setzen von Themen.
          Deshalb wird die causa WDR auch ausgeschlachtet.

          Nichts davon hat etwas mit #metoo im Sinne sexueller Belästigung zu tun, außer der Verwendung im feministischen Sinne. Wonach sexuelle Belästigung eigentlich gar nicht existiert, sondern nur ein Machtmittel ist, um Frauen zu beherrschen. Deshalb auch der feministische Begriff der „sexualisierten Gewalt“.
          Jetzt wird der temporäre Gewinn der Meinungshoheit eben genutzt, um mehr Pöstchen und mehr Ressourcen für sich herauszuholen.

          „Vielleicht könnte man in geeigneter Weise dem einen eigenen Artikel widmen und im Kommentarbereich Gegenstrategien entwickeln.“

          Das ist eine sehr gute Idee und Anregung!

          • Ich höre schon die die „Alarmsirene“ in der „Feindbeobachtungs-Kohorte“ des FemWa (feministisches Wahrheitsministerium)… Gleich wird der Block hier wegen „Haß-Sprech“ verboten werden ;o)… (in Anlehnung an 84)

  • Super Beitrag, ich habe es mit Gewinn gelesen und möchte noch eine Erweiterung dazu geben.

    Googelt man beispielsweise nach den Begriffen „Belästigung“ oder „belästigt“ landet man schnell in den wahren Niederungen von metoo und der Medienhysterie.

    Da werden in Regionalzeitungen unreflektiert Polizeiberichte wiedergegeben, die teilweise sogar in den wenigen vorhandenen Zeilen schon widersprüchlich aber in den meisten Fällen zumindest hinterfragenswert sind.

    Totales journalistisches Versagen, denn so werden Meinungen gemacht. Was bleibt denn in den Köpfen von solchen Meldungen?

    • Schlecht ausgebildete Journalisten sind tatsächlich ein Problem.
      Eigentlich sollten die Artikel von Thomas Fischer zu verpflichtenden Lektüre werden.

      Man merkt das z.B. bei Julian Dürr in der Süddeutschen, der sich gegen den „Mythos“ der Falschbeschuldigung positioniert und dann Fallzahlen nennt, bei denen klar wird, er kennt nicht den Unterschied zwischen sexueller Nötigung, Vergewaltigung und sexuellem Übergriff. Auch die Unterscheidung zwischen „versucht“ und „vollendet“ wird ihm nicht geläufig sein.

      Handelt es sich um feministische Propaganda (was bei ihm erschwerend dazu kommt), dann wird nach dem Motto verfahren: Irgendetwas wird schon hängen bleiben, wenn ich einfach den gleichen Quatsch immer nur wiederhole.

      Und danke für dein Lob! 🙂

  • „Aus einer solchen Beschwerde dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile erwachsen (§ 16 AGG)“

    Dem Beschuldigten allerdings stehen beliebige Sanktionen bis hin zur Außerordentlichen Kündigung ins Haus.

    Nirgends steht, dass eine Beschwerde begründet, belastbar oder gar beweisbar sein muss.

    Sobald eine Beschuldigung einmal im Raum steht, herrscht eine geradezu erschreckende Asymmetrie in Bezug auf die (den Verordnungen nach) zu erwartenden Konsequenzen der beteiligten Parteien.

    Das hat gerade in Bezug auf Mobbing seine Gründe, denn informelle mobbing-Netzwerke können natürlich tatsächlich erhebliche Macht gegenüber einem betroffenen mobbingopfer aufbieten.

    Aber ob eine derart 100% Einseitigkeit wirklich gerechtfertigt und eines Rechtsstaates würdig ist, wage ich zumindest zu bezweifeln. Und ob es immer der richtigen Seite nutzt.

    Auch und gerade bei Mobbing gilt, dass durchaus nicht immer so eindeutig klar ist, wer denn nun Täter und wer Opfer ist: Täter -Opfer umkehr ist gerade in dem Bereich geradezu Teil des Phänomens.

    Mit der hier dargestellten Rechtslage gilt offenkundig: Wer zuerst schreit, also wer sich zuerst beschwert, hat Recht – denn ihm darf qua Gesetz aus der Beschwerde ja „kein Nachteil entstehen“, das ist nur für den Täter – nein, den Beschuldigten vorgesehen.

    Wer tatsächlich glaubt, dass Mobber nicht in der Lage wären, ihre Opfer mit ungerechtfertigten Beschuldigungen anzugreifen, der hat nun von Mobbing genau gar nichts verstanden.

    Und wer glaubt, dass das, was sich anhand von Mobbing ziemlich leicht schlüssig darstellen lässt, im Fall von Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung keine Bedeutung hätte, der hat möglicherweise von menschlichem Verhalten allgemein keine Ahnung.

    Nach der ausführlichen Darstellung, welche Möglichkeiten es gibt, andere Leute gefahrlos wegen sexueller Belästigung anzuschwärzen, fehlt auch in diesem Artikel jeglicher Hinweis darauf, wie man sich vor solchen Anschuldigungen eigentlich schützen oder sich dagegen wehren können soll, angesichts einer Rechtslage, die offenkundig bereit ist, sämtliche Rechte von vornherein und unbesehen auf die Seite des Beschwerdeführes zu legen – also auf die Seite, die sich halt als erste beschwert.

    Es gibt nicht im Ansatz eine Diskussion darüber, dass in einem Konfliktfall zwischen zwei Parteien diejenige Seite, die als erste zu einer Beschwerde neigt, eher die aggressivere Seite ist, und auch eher die aktivere Seite im Konflikt, die eskalierendere Seite, etc.

    • @maddes

      Jetzt machst du aber wirklich ein Fass auf! 😉

      Ja, es wird zukünftig bestimmt auch Fälle geben, in denen als Mobbing-Strategie Vorwürfe der sexuellen Belästigung benutzt werden.

      Aber in den Betrieben war Mobbing ebenfalls schon Thema und in dieser Zeit wurden Betriebsräte geschult, sich nicht vorschnell auf eine Seite zu schlagen.

      Weil: „Auch und gerade bei Mobbing gilt, dass durchaus nicht immer so eindeutig klar ist, wer denn nun Täter und wer Opfer ist: Täter -Opfer umkehr ist gerade in dem Bereich geradezu Teil des Phänomens.“ genau das auch eine praktische Erfahrung war.

      Das vorgebliche Opfer erwies sich später als Täterin.

      Das verbreiten von unbewiesenen Behauptungen und Anschuldigungen kann übrigens ebenfalls Grund für eine Abmahnung sein.
      Auch über das kann man sich beschweren.

      • „Aber in den Betrieben war Mobbing ebenfalls schon Thema und in dieser Zeit wurden Betriebsräte geschult, sich nicht vorschnell auf eine Seite zu schlagen.“

        Und gegenwärtig werden solche Differenzierungen wieder zu nichte gemacht.

        Speziell wenn eine mögliche Zuordnung „Täter =Mann, Opfer = Frau“ ist, wird es immer schwerer für den Täter – äh, Mann, da irgendwie eine differenzierung einzufordern.

        Die Formulierung „Aus einer solchen Beschwerde dürfen dem Beschäftigten keine Nachteile erwachsen (§ 16 AGG)“ heißt im original „Maßregelungsverbot“ und klingt im juristendeutsch etwas sperriger so:

        㤠16
        Maßregelungsverbot
        (1) Der Arbeitgeber darf Beschäftigte nicht wegen der Inanspruchnahme von Rechten nach diesem Abschnitt oder wegen der Weigerung, eine gegen diesen Abschnitt verstoßende Anweisung auszuführen, benachteiligen.
        Gleiches gilt für Personen, die den Beschäftigten hierbei unterstützen oder als Zeuginnen oder Zeugen aussagen.
        (2) Die Zurückweisung oder Duldung benachteiligender Verhaltensweisen durch betroffene Beschäftigte darf nicht als Grundlage für eine Entscheidung herangezogen werden, die diese Beschäftigten berührt.
        Absatz 1 Satz 2 gilt entsprechend.
        (3) § 22 gilt entsprechend.“

        Nach allgemeiner Auffassung wird o.G. Satz daraus.

        Zusammen mit einer Formulierung wie im DGB Leitfaden

        „Ausschlaggebend ist nicht die Absicht der belästigenden Person, sondern wie ihr Verhalten bei der betroffenen Person ankommt, ob diese die Annäherungsversuche als erwünscht oder unerwünscht empfindet. (DGB-Leitfaden S. 5)“

        ist das ein ziemlich gefährliches Gebräu.

        Wenn es eine Wirkung von #MeeToo gibt, dann wohl die, dass Differenzierungen über Bord gehen und auf der Strecke bleiben.

        Was macht ein Berater, der mal früher gelernt hat, bei Anschuldigungen zu differenzieren, wenn ihm ein feministischer Mob ins Haus steht, der „believe Women“ schreit (oder auch „Team Gina Lisa“)?
        Wenn er selbst im Zweifel damit rechnen darf, bei falscher Meinung zum Konflikt als „befürworter der rape-culture“ gleich mit entsorgt zu werden? Wie viele Leute sind im Zuge von #MeeToo tatsächlich nur für solche differenzierungen in einen Shitstorm oder schlimmeres geraten?

        Der DGB-Leitfaden ist im ggs zum AGG nicht Gesetz – aber zeigt klar, wo die Auffassungen und Auslegungen hin gehen.

        Nach Auffassung des DGB-Leitfadens kannst du „differenzierung“, wie sie vielleicht vor ein paar Jahren durchaus mal möglich war, in die Tonne treten.

        Vielleicht sollte ich meinen letzten Absatz von oben stärker mit MeeToo in Verbindung bringen. Es gab mal die Möglichkeit zu differenzierung, die von AGG und zuvor auch schon im „Gesetz zum Schutz Beschäftigter vor sexueller Belästigung“ durchaus möglich und gewollt war.
        Ein DGB-Leitfaden als Leitschnur zur Beratung macht solche differenzierung wieder zunichte.

        Wenn es einmal eine solche Differenzierungsmöglichkeit gab (was ich auch so wahrnehme), so wird sie gegenwärtig (durch #MeeToo oder solche „leitfäden“ wie vom DGB) eher hintertrieben, jedenfalls nicht gefördert.

        Eine DIfferenzierung gibt es JETZT nicht, und ich vermisse die Diskussion darüber JETZT und speziell in #MeeToo, dass sie mit ihrer Anschuldigungskultur waffenlieferung in Kriegsgebiet direkt an eskalationsbereite Narzissten und Psychopathen beteiben, die sich mit Waffen genau dieser Art bevorzugt auskennen.

        In dem Sinne möchte ich verstanden wissen und wiederhole es auch noch mal, dass genau das gegenwärtig begünstigt wird:
        Es gibt nicht im Ansatz eine Diskussion darüber, dass in einem Konfliktfall zwischen zwei Parteien diejenige Seite, die als erste zu einer Beschwerde neigt, eher die aggressivere Seite ist, und auch eher die aktivere Seite im Konflikt, die eskalierendere Seite, etc.

        Es ist attraktiver geworden, als eigentlicher Aggressor frühzeitig die Waffe einer Anschuldigung zu benutzen.
        Das eigene Risiko ist minimal, wird per Gesetz minimiert und die eigene Anschuldigung per Leitlinie von „gefühlter Wahrheit“ in den stand objektiver Wahrheit befördert.
        Zumindest wenn man eine Frau ist.

        • @maddesacht

          „Ein DGB-Leitfaden als Leitschnur zur Beratung macht solche Differenzierung wieder zunichte.“, halte ich für eine Fehleinschätzung.

          Er macht die eigentliche, feministische Intention sichtbar und formuliert sie sauber als Definitionsmacht.
          Die leitenden Gewerkschaftsfrauen haben kurz deutlich gemacht, wo sie eigentlich stehen: Zuerst Feminismus und dann Gewerkschaft.

          Noch einmal ganz zum Anfang des Texts: „Frauke Gützkow, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der GEW und verantwortlich für Frauenpolitik: „MeToo-Debatte bricht Tabu“.´

          Entweder sie hat die letzten 24 Jahre Gewerkschaftsarbeit verschlafen oder sie stellt sich aus dem Kalkül heraus dumm, den feministischen Schwestern zu helfen.
          Sie könnte stolz darauf verweisen, was gewerkschaftliche Errungenschaften sind oder gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz viel Handlungsbedarf sehen, weil ja ein Tabu (TM) gebrochen worden ist.
          Ich halte ihr Verhalten für gewerkschaftsschädigend.

          „Was macht ein Berater, der mal früher gelernt hat, bei Anschuldigungen zu differenzieren, wenn ihm ein feministischer Mob ins Haus steht, der „believe Women“ schreit (oder auch „Team Gina Lisa“)?“

          Das ist eine gute Frage, die du dir eigentlich selber beantwortet hast. Das Team Gina-Lisa hat gegen das Team Rechtsstaat verloren.

          Es stimmt hingegen, „dass sie mit ihrer Anschuldigungskultur waffenlieferung in Kriegsgebiet direkt an eskalationsbereite Narzissten und Psychopathen beteiben, die sich mit Waffen genau dieser Art bevorzugt auskennen.“

          Diese Psychopathinnen und Narzisstinnen haben aber auch schon vor #metoo und dem AGG existiert.
          Wir können nur aufzeigen, unter welchen Bedingungen (Anschuldigungskultur) diese zu den genannten Mitteln greifen und dafür sorgen, dass solche Anschuldigungen schneller entlarvt und geahndet werden.

          • ich finde, Crumar verpasst es, auf berechtigte Einwände einzugehen – früher war Mobbing mal in aller Munde, heute metoo, es kann und wird da durchaus Zielkonflikte geben und sexuelle Belästigung gegenüber Mobbingbeschwerden im Zweifelsfall priorität behandelt werden. In Betrieben gibt es kaum so unabhängige Leute wie die Lohfink-Richterin…

          • @chris

            Das ist ein Missverständnis!

            Ich schrieb weiter oben: „Ja, es wird zukünftig bestimmt auch Fälle geben, in denen als Mobbing-Strategie Vorwürfe der sexuellen Belästigung benutzt werden.“

            D.h. ich habe den Einwand von maddes ernst genommen.

            Und bestimmt wird es diese Zielkonflikte geben.

            Aber ich hoffe, wir haben in dem Artikel klar gemacht und Billy hat es in seinem Kommentar auf den Punkt gebracht: Es geht bei #metoo in Deutschland nicht um sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz.

            Wäre das der Fall, hätten sie in irgendeiner Form auf die Gesetzeslage und die bestehenden Möglichkeiten hingewiesen.
            Die tatsächlich Betroffenen gehen ihnen – jenseits der Möglichkeit der Inszenierung eines medialen hypes – am Arsch vorbei.

            Diese Zynikerinnen nutzen die so erkämpfte Meinungsmacht für die Erringung von Vorteilen für sich und ihre Clique.

          • „Wäre das der Fall, hätten sie in irgendeiner Form auf die Gesetzeslage und die bestehenden Möglichkeiten hingewiesen.“

            Das vollständige Ignorieren, ja sogar leugnen der vorhandenen Gesetzeslage war gerade beim vorantreiben des Sexualstrafrechts schon immer gängiges Muster.

            Bei jeder neuen Vorlage einer weiteren Verschärfung wird so getan, als wären Frauen bislang praktisch völlig Schutzlos, und als wäre die vorgelegte Verschärfung die erste ernsthafte Bemühung, Frauen zu schützen.
            Gerade deshalb wirkt es doch so wichtig.

            Gab mal ein schönes Video von Karen Straughn, in der sie dieses Muster für den angloamerikanischen Raum über mehrere Jahrhunderte zurück belegt.

            Inklusive Zitat der dabei jeweils bemühten formulierung, mit jeweiligem Gestez würde „for the first time in history“ ein wirksames Gesetz zum Schutz von Frauen vorgelegt.

          • @maddes

            „Das vollständige Ignorieren, ja sogar leugnen der vorhandenen Gesetzeslage war gerade beim vorantreiben des Sexualstrafrechts schon immer gängiges Muster.“

            Ja, aber entscheidend ist das MOTIV.
            Die Gesellschaft freut sich, aber nicht die komplette Gesellschaft, wenn die Fallzahlen in Sachen sexueller Gewalt sinken.

            Wenn deine Wahnvorstellung und berufliche Existenz hingegen darauf basiert, es existiere ein Patriarchat und das sichere seine Existenz durch die Unterdrückung von Frauen (indem es u.a. eine „patriarchale Dividende“ generiert).
            Diese Unterdrückung zeige sich insbesondere durch Gewalt und ein erheblicher Anteil dieser Gewalt ist die „sexualisierte Gewalt“, mit der alle Männer alle Frauen durch schiere Angst vor dieser unterdrücken.

            Wenn du in diesem Wahn existierst, brauchst du eins nicht: Sinkende Fallzahlen.

            Wie willst du die Kontinuität der patriarchalen Gewalt behaupten, wenn das Patriarchat es noch nicht einmal vermag, die Anwendung dieser Gewalt zu stabilisieren?

            Ergo: Wenn die Rate der Gewalt sinkt, musst du den Gewaltbegriff ausdehnen.
            Reicht physische Gewalt nicht, ist es eben zusätzlich psychische Gewalt.
            Musst du diese psychische Gewalt auf genau ein Geschlecht festschreiben, dann nütze diese Option.
            Ist die Betroffenheit durch physische Gewalt nicht groß genug, kombiniere per feministischem und/oder/und beliebige Formen von „Gewalt“, so dass sich eine möglichst große Zahl ergibt.
            Und diese skandalisiere durch eine Presse, die Skandalisierungen braucht.
            CLICK-MICH-AAAAAAAN!!!!

            „Bei jeder neuen Vorlage einer weiteren Verschärfung wird so getan, als wären Frauen bislang praktisch völlig Schutzlos, und als wäre die vorgelegte Verschärfung die erste ernsthafte Bemühung, Frauen zu schützen.“

            Korrekt.
            Deshalb ist der Bergriff der Wahl auch die „Schutzlücke“ gewesen; um so mehr sie diese bemühen, desto absurder wird es.
            Hoff-Sommer hat es mit der „fainting-couch“ auf die absurde Spitze getrieben.

  • @crumar & Gunnar: Ganz herzlichen Dank für den ausgezeichneten Artikel!

    Passend zum Grad der Verlogenheit von #metoo noch eine schöne Definition von »Feminismus« aus dem Urban Dictionary via Genderama von heute, #5:

    »Feminism: A relentless political advocacy group pushing for special privileges for women, which pretends to be a social movement advocating equal rights for the genders. Because women have already achieved more than equal rights, a modern feminist is either an ignoramus or a liar. Current feminist dogma is based either on lies, or on emotional appeals. Shaming tactics are used to defend their position and to silence opposition. The central tenant of feminism is a belief in the patriarchy, which is in a giant amorphous conspiracy in which men conspire to oppress women. Because patriarchy can be used to explain everything, and there is no event which could possibly take place to disprove its existence, patriarchy theory is on the same level of intellectual honesty as astrology and homeopathy.«

    Und weil’s so schön ist, noch einmal auf deutsch:

    »Feminismus: Eine unerbittliche politische Interessenvertretung, die sich für besondere Privilegien von Frauen einsetzt, sich aber als soziale Bewegung für die Gleichberechtigung der Geschlechter ausgibt. Weil Frauen bereits mehr als die Gleichberechtigung erreicht haben, ist die moderne Feministin entweder eine Ignorantin oder eine Lügnerin. Das gegenwärtige feministische Dogma basiert entweder auf Lügen oder auf emotionalen Appellen.

    Um dessen Position zu verteidigen und Widerspruch zum Schweigen zu bringen, werden Beschämungstaktiken eingesetzt. Der Hauptbewohner des Feminismus ist der Glaube an das Patriarchat, also der Glaube an eine riesige gestaltlose Verschwörung, in der Männer zu dem Zweck konspirieren, um Frauen zu unterdrücken. Da das Patriarchat dazu benutzt werden kann, alles zu erklären, und es kein Ereignis gibt, das seine Existenz widerlegen könnte, befindet sich die Patriarchatstheorie auf demselben Niveau intellektueller Aufrichtigkeit wie die Astrologie und die Homöopathie.«

    • Das, was die Feministinnen den Männern vorwerfen, wird von ihnen selbst in Perfektion betrieben. Es ist ein Merkmal für Borderlinepersönlichkeiten, ebenso wie ihr Schwarz-Weiß-Denken: gute Frauen (Opfer), böse Männer (Täter)

      • @Horst

        Ja, dieses dichotome Denken in Kombination mit einem manichäischen ist tatsächlich eine feministische Geschäftsgrundlage.

        Ich würde nicht so weit gehen, eine Persönlichkeitsstörung zu unterstellen, aber auffällig oft hat diese Weltanschauung Züge eine säkularisierten Religion.

        Die Kräfte des Lichts sind weiblich, die der Dunkelheit männlich und die erste Sure der Bibel natürlich, „wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“

        Amen. 😉

  • Wenn ich das richtig gelesen habe, ist sexuelle Belästigung dann eine sexuelle Belästigung, wenn die mutmasslich belästigte Person dies als Belästigung empfindet – oder?! Das ist natürlich eine Schwachsinns-Definition und ich würde den Männern in Deutschland raten, dagegen vorzugehen. Im Strafrecht gibt es den objektiven und subjektiven Tatbestand, da spielt es absolut keine Rolle, wie das das mutmassliche Opfer empfindet. Im Zivilrecht gilt bei uns in der Schweiz nicht die subjektive Befindlichkeit, sondern die Befindlichkeit der Durchschnittsbevölkerung. Alles andere ist wirklich ein schlechter Witz. Männer sollten sich in Deutschland mal gegen einen solchen Unsinn zur Wehr setzen!

    • @Mark: Ich bin mir sehr sicher, dass das nur die im DGB-Leitfaden vertretene Auffassung ist, nicht herrschende Rechtssprechung, jedenfalls keinesfalls im Strafrecht. Da ist bei Sexualdelikten immer noch Vorsatz erforderlich.

      • Der erste feministische Propagandasieg war, die Täter-Opfer-Einteilung vorzunehmen und kontrafaktisch (siehe zitierte Studie im Text) zu behaupten, sexuelle Belästigung wäre ausschließlich ein weibliches Problem.
        Der radikale Subjektivismus war für Männer gar nicht vorgesehen, die sollten die Täterrolle ausfüllen.

        Dann noch einmal zum Thema Recht: Auch den Vorwurf der sexuellen Belästigung muss man beweisen können, denn er wird untersucht werden, zumal er aktuell auch strafbar sein könnte.

        Wer die Assistentin aus Spaß um Mitternacht per SMS zu sich zitiert und als Lehrmaterial für die gewünschte Zweisamkeit gibt es ein paar Pornos zur Auswahl, hat natürlich verloren.
        Wenn die Assistentin sich am nächsten Tag per SMS für die schöne Nacht bedankt, wird es schwer mit dem Vorwurf der sexuellen Belästigung.

        Natürlich wird dann der feministische Einwand kommen, es handle sich ja um eine Abhängigkeitsbeziehung, in der der Mann die Macht hat. Was m.E. bedeutet Frauen nicht zuzutrauen oder/und von ihnen erwarten zu können, einen dem Mann entgegenstehenden Willen zu artikulieren.

        Ich finde, das ist ein ziemlich schräges Frauenbild.

    • Schön gesagt.

      Aber der Charme des „die Wirklichkeit ist nicht so wie sie real ist, sondern wie ich sie subjektiv empfinde, Bätschi!“ ist dem bürgerlichen Feminismus schlecht abzugewöhnen.

      Unsere deutschen Feministinnen werden dem Südländer schon noch klarmachen, dass man sich nicht mit Küsschen begrüßt.
      Kein respektvoller, wertschätzender Körperabstand beim Gespräch, die häufigen Berührungen, unter denen insbesondere Frauen so sehr leiden…
      Lass sie mal auf die griechische Alltagskultur los, die werden da mehr Zucht, Ordnung und Anstand reinbringen, als es Schäuble und die Troika jemals vermochte!

      Am deutsch-feministischen Wesen wird die Welt genesen! 🙂

    • @Mark: “ Männer sollten sich in Deutschland mal gegen einen solchen Unsinn zur Wehr setzen!“

      Du bist lustig. Glaubst du im Ernst, es interessiert irgendwen, was Männer zur Definitionsmacht von Frauen zu sagen haben? Wir reden uns hier seit Jahren den Mund fusselig, ohne dass sich etwas ändert. Im Übrigen dürfte der Zug bereits abgefahren sein, in der Praxis gilt diese feministische Definition schon seit Langem, und zwar europaweit. Ein paar Auszüge:

      EG „Empfehlung zum Schutz der Würde von Frauen und Männern am Arbeitsplatz“, 27.11.1991: „Das wesentliche Merkmal einer sexuellen Belästigung ist die Tatsache, dass sie von der betroffenen Person unerwünscht ist; die einzelnen Menschen müssen selbst bestimmen, welches Verhalten für sie akzeptabel ist und welches Verhalten sie als beleidigend empfinden.“
      https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A31992H0131

      Bundesfrauenministerium, 1993: „Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist jedes sexuell bestimmte Verhalten, das von den Betroffenen unerwünscht und geeignet ist, sie als Person herabzuwürdigen.“
      http://www.vkm-baden.de/infothek/sexbelaes.htm

      Frauenförderrichtlinien, 1993: „Sexuelle Belästigung sind alle sexuellen Kontakte und Handlungen (verbal und nicht verbal), die von den Betroffenen nicht erwünscht sind und als abwertend und herabwürdigend erlebt werden.“
      https://www.udk-berlin.de/universitaet/gleichstellungspolitik/rat-finden/grenzueberschreitungen/

      Dienstanweisung der Stadt Solingen, 1997: “ Sexuelle Belästigung sind sexuelle direkte oder indirekte verbale und non-verbale Verhaltensweisen, die als beleidigend, herabwürdigend und/oder nötigend wahrgenommen werden.“
      http://www.frauenbueros-nrw.de/images/pdf/themen/SexB-Solingen.pdf

      Ministerium für Chancengleichheit, Luxemburg 2006: „Gewalt gegen Frauen ist das, was Frauen als Gewalt empfinden. Nur sie allein können nämlich ermessen, was Belästigung, Beleidigungen, Prügel oder Vergewaltigung in ihnen auslösen und zerstören.“
      http://mega.public.lu/fr/publications/publications-ministere/2006/visages-violence/brochure_allemande.pdf

      Dank an Thomas, djadmoros und Billy Coen fürs Lob.

      • Du bist lustig. Glaubst du im Ernst, es interessiert irgendwen, was Männer zur Definitionsmacht von Frauen zu sagen haben? Wir reden uns hier seit Jahren den Mund fusselig, ohne dass sich etwas ändert.

        Meiner persönlichen Erfahrung nach interessiert nicht nur irgendwen nicht, es noch nicht mal Männer. Und das, obwohl gerade sie aufgrund alltäglicher Abwertung und Diskriminierung, längst aufgewacht sein müssten.
        Berichtet man mal (wieder) über irgendeine Benachteiligung oder einen „feministischen Skandal“, wird man bestenfalls belächelt oder gilt als Nervensäge.
        Männer wollen sich anscheinend nicht als benachteiligt ansehen, vielleicht weil das als Zeichen von Schwäche zu werten sein könnte.

        Da kann man sich den Mund fusselig reden, wie man will.

      • @Gunnar

        Ich komme glücklicherweise aus der Schweiz und da sind wir glücklicherweise nicht in der EU und haben ausserdem noch eine halbdirekte Demokratie (also nicht nur Wahlen alle vier Jahre, sondern auch Abstimmungen über Sachgeschäfte und auch ein Initiativrecht und Referendumsrecht). Und bei uns ist der Genderwahnsinn noch nicht sooo ausgebrochen wie in Deutschland. Wir haben also keine Frauenbeauftragte oder was weiss ich und deshalb ist mein Glauben ev. noch ein bisschen grösser, dass Männer wenn sie wollen, auch was ändern können. 🙂

        • @Mark Smith

          Und bei uns ist der Genderwahnsinn noch nicht sooo ausgebrochen wie in Deutschland.

          Es gibt ohne Zweifel vieles, worum ich Euch Schweizer aus deutscher Sicht beneide und die (halb-)direkte Demokratie gehört auf jeden Fall dazu. Beim Thema Männerbenachteiligung bin ich nicht wirklich sicher, ob ich mit Euch tauschen wollte. Neben dem Thema Wehrpflicht, die in Deutschland immerhin ausgesetzt wurde, finde ich insbesonde das Thema Rente ziemlich ungerecht aus männlicher Sicht:

          Anspruch auf eine Witwenrente haben Frauen, deren Ehegatten verstorben ist, wenn sie zum Zeitpunkt der Verwitwung mindestens ein Kind haben oder wenn sie, ebenfalls zum Zeitpunkt der Verwitwung, das 45. Altersjahr zurückgelegt haben und mindestens 5 Jahre verheiratet waren. Für verwitwete Männer ist es deutlich schwerer eine Witwerrente zu erhalten. Verheiratete und geschiedene Männer, deren (geschiedene) Frau verstorben ist, erhalten nur eine Witwerrente, solange sie Kinder unter 18 Jahren haben.

          Das Männer erst mit 65 Jahren in Rente gehen dürfen und Frauen bereits mit 64 Jahren, obwohl schweizer Männer eine um 5 Jahre kürzere Lebenserwartung gegenüber schweizer Frauen haben finde ich jetzt auch nicht sonderlich gerechtfertigt.

          Um es mit deinen Worten zu sagen: Männer sollten sich in der Schweiz mal gegen einen solchen Unsinn zur Wehr setzen! 🙂

          • @Kibo

            Das mit der Rente wird früher oder später kommen, dass auch der Eintritt ins Rentenalter bei den Frauen auf 65 Jahren erhöht wird. Das ist m.E. wirklich nur eine Frage der Zeit. Aber ich denke, ich merke es auch bei den Medien: In der Schweiz gibt es nicht eine SZ, Zeit, Spiegel oder die unzähligen öffentlichen Radios und TV’s, die ganz klar feministisch positioniert sind. Und vor allem keine Frauenbeauftragten. Und beim Militär, Zivildienst und Zivilschutz bin ich mir noch nicht so sicher, ob dies die Mehrheit der Männer wirklich als Benachteiligung sieht, da ist also noch ein bisschen Aufklärungsarbeit nötig. 🙂

          • Das stimmt wohl. Ich finde z.B. die NZZ oft ganz ok, vor allem, weil die über Themen, die hier Schnappatmung verursaachen, so unaufgeregt berichten. Schweizerisch eben. 🙂

      • Damit sind wir doch bei des Pudels Kern. Ihr könntet getrost damit aufhören Euch die Münder fusselig zu reden und solltet auch schnell alle Hoffnungen begraben, denn der Zug IST längst abgefahren.

        Es gibt zu viele Profiteure vom Status quo und das moralische Gift hat in den Köpfen der Generationen x, y und z längst sein Werk getan. Da steht keiner mehr auf – zu satt, zu schlapp, zu egoman – gehirngewaschen, ob Mann oder Frau. Da erreicht ihr kaum noch einen mit Euren fusseligen Mündern.

        Doch Ihr schreibt weiter, all dieser feministischen Kackscheiße und Gleichgültigkeit zum Trotz. Und das, lieber Gunnar, lieber Crumar gibt mir Kraft.

        Es wird sich an unserer männerfeindlichen Welt zu meinen Lebzeiten nix mehr ändern, und wenn nur radikal (Krieg, soziale Unruhen, Verteilungskämpfe), glaube ich zumindest. Da tut es gut sich an Texten wie dem oben zu erbauen – sprachlich, inhaltlich, „ethisch“ ein Schmankerl.

        You never walk alone… auch wenn ich Liverpool nie gemocht habe. Danke ihr Zwei!

        • „Und das, lieber Gunnar, lieber Crumar gibt mir Kraft. “

          Freut mich sehr. Zumal es mir oft genug ähnlich geht, dass ich Kraft daraus schöpfe zu sehen: Ich bin ich völlig allein, auch wenn große Teile meines Umfelds mit Blindheit geschlagen zu sein scheinen.

        • Es wird sich an unserer männerfeindlichen Welt zu meinen Lebzeiten nix mehr ändern, und wenn nur radikal (Krieg, soziale Unruhen, Verteilungskämpfe), glaube ich zumindest.

          Also sollten wir Männer einfach den Sand in den Kopf stecken? 😉
          Nee, sicher nicht. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.
          Und es gibt sicherlich einige Männer in Deutschland die Söhne haben. Die bekanntlich auch benachteiligt werden bzw. zu benachteiligten Männern werden.

  • Hallo Crumar und Gunnar,

    toller Artikel. Sehr aufwendig recherchiert und inhaltlich auf den Punkt gebracht. Danke dafür. Aber das kennt man ja von euch beiden; also quasi keine Überraschung. 😉

    Ich bin seit 2010 Betriebsratsmitglied in einem Unternehmen mit mittlerweile ca. 2800 Mitarbeitern. Seit September 2015 bin ich freigestellter Betriebsrat. In dieser ganzen Zeit bin ich ein einziges Mal Zeuge eines Falles geworden, wo einem Mitarbeiter belästigendes Verhalten vorgeworfen wurde. Und dieser Fall hatte ein deutliches Geschmäckle von Lancierung. Der Mitarbeiter war wohl dem Abteilungsleiter nicht sehr genehm, was sich später zeigte, als man sich dann aus anderen Gründen (ebenfalls recht konstruiert) von ihm trennte.

    Also auch ich schätze die Sache so ein, dass es ein immenses Ungleichgewicht gibt zwischen der Thematisierung in den (feministisch dominierten) Medien und der tatsächlichen Relevanz des Themas im wirklichen Leben. Das kommt nicht zuletzt daher, dass Menschen in der täglichen Interaktion schlicht und ergreifend Erlebtes einordnen und bewerten. Auf Arbeit hat man es meist mit Menschen zu tun, die man schon durch die Arbeit lange und oft auch recht gut kennt. Alleine das führt dazu, dass das meiste, was per Gesetz streng genommen (sexuelle) Belästigung wäre, von den „Betroffenen“ gar nicht als solche gewertet wird. Da werden einfach sofort in die Beurteilung Erfahrungen mit der jeweiligen Person sowie grundsätzlich Beziehungsstrukturen mit einberechnet. Und die Mehrheit der Menschen ist selbst bei Leuten, die man eigentlich gar nicht wirklich mag, eher bereit, auch denen zuzugestehen, dass das eine oder andere Verhalten, was man schon aufgrund dessen, dass man sie nicht mag, als „belästigend“ empfunden hat, das war, was es wohl in der Regel auch ist: eine schlichte Ungeschicklichkeit oder schlimmstenfalls Ungehobeltheit, aber kein absichtsvoller Versuch einer Belästigung. Das alleine erklärt für mich auch die Diskrepanz zwischen der Einschätzung von Männern und Frauen nach ihrer eigenen Wahrnehmung von erfahrenen Belästigungen und dann der Einschätzung nach strenger Auslegung des AGG, wie ihr es in eurem Artikel genannt habt. Interessant dabei natürlich die erhebliche Umkehr des Verhältnisses von Männern zu Frauen. Sind Männer am Ende vielleicht doch sogar das empathischere Geschlecht, wenn sie scheinbar anderen Menschen mit noch mehr Wohlwollen in der Interaktion begegnen…? 😉

    Tatsächlich ist aber diese grundlegend wohlwollende Haltung der Menschen im täglichen Miteinander das einzige, was zwischen uns allen und einem totalitären Puritanismus steht. Wie Mark richtig anmerkt, ist es bedenklich und eigentlich auch mit keinen rechtsstaatlichen Grundprinzipien zu vereinbaren, wenn die Beurteilung von Sachverhalten und vor allem auch deren Sanktionierung von reinem auf das „Opfer“ ausgerichtetem Subjektivismus geprägt sind. Dies sehen aber sehr offensichtlich auch die klar meisten Menschen – Männer wie Frauen – so und empfinden diesen subjektivistischen Grundsatz als nicht gerecht. Es bleibt zu hoffen, dass die feministische Dauerbeschallung in den Medien und aus Parteien mittel- bis langfristig keine allzu schwerwiegende Propagandawirkung erzielen und die Menschen – vor allem Frauen – diesbezüglich „umerziehen“ kann.

    • Es freut mich, dass wir deinen hohen Erwartungen gerecht geworden sind! 😉

      Deine Erfahrung noch einmal für das Forum: Seit 8 Jahren als Ansprechpartner in einem Betrieb mit 2800 Mitarbeitern, Vorwurf der sexuellen Belästigung in dieser Zeit n = 1 in Worten einer.

      • Ja, so ungefähr könnte man es zusammenfassen. Es gab zwar noch so ein bis zwei Vorfälle, wo unangebrachte Äußerungen / Verhaltensweisen mit erwähnt wurden, jedoch waren es dort wirklich nur Nebenaspekte, die auch nur in Nebensätzen angerissen wurden. Die Gründe für die jeweiligen Beschwerden waren meist andere, als wesentlich belastender empfundene Dinge.

        Das verwundert mich auch ziemlich an der ganzen Sache. In den Medien wird der Eindruck erweckt, dass (sexuelle) Belästigung DAS Thema überhaupt sei, gerade am Arbeitsplatz. Ich lehne mich wohl nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass dies niemand, der wirklich mit derlei Dingen wie zwischenmenschlichen Konflikten, speziell im Arbeitsumfeld, zu tun hat, bestätigen kann. Da liegen andere Konflikte und andere dissoziale Verhaltensweisen meilenweit vorne.

        Aber, wie auch hier schon erwähnt, zwischenmenschliche Antipathien, sich oft über lange Zeiträume bis zur totalen Eskalation aufgestaute Konflikte oder das gute, alte Mobbing sind für unsere dem feministischen Zeitgeist nachhechelnden Medien wohl weit weniger sexy, weil sie sich weniger plausibel an den Geschlechtergrenzen nachziehen lassen und sich damit auch diese unsägliche, einseitige Darstellung von Opferfrauen und Tätermännern weit weniger effektvoll inszenieren lässt.

        Dabei habe ich aber von einem Fall gehört, der noch vor meiner Zeit im BR lag, bei dem sich ein männlicher Azubi über das von ihm als unangebracht und übergriffig empfundene Verhalten seiner Ausbilderin (beide in einem Ladengeschäft tätig) beschwert hat. Aber auch so etwas geht natürlich gerade in der #metoo-Hysterie völlig unter: im Berufsleben gibt es ebenso viele Konstellationen, in denen Frauen Männern gegenüber in einer Machtposition sind wie umgekehrt. Und wie alle Frauen können auch diese Verhaltensweisen zeigen, welche von den meisten Männern als belästigend empfunden werden. Aber das stört natürlich nur die Narrative. Es hat schon seine Gründe, dass im Zuge dieser ganzen Hexenjagd auch eine chronische Verengung des Blicks auf Bereiche stattgefunden hat, in denen speziell die oberen Etagen klar männlich dominiert sind. Denn nur so war es möglich, dieses einseitige Bild zu zeichnen, welches konstituierend ist für diese schäbige Hetzkampagne wie auch für nahezu den gesamten Feminismus.

        Und schaffen es mal Fälle wie der obige, an die Oberfläche der öffentlichen Aufmerksamkeit gespült zu werden, wird dies umgehend von feministisch indoktrinierten Schreiberlingen in einer Art und Weise relativiert, welche man bei vertauschten Geschlechterrollen völlig zurecht als widerlichen Skandal bezeichnet hätte. Da wird dann aus einem jungen Bengel um die zwanzig umgehend der schwanzgesteuerte Patriarch im Wartestand, für den es doch eigentlich nichts Beglückenderes geben könnte, als von einer Frau jenseits der Fünfzig mit schlüpfrigen Kommentaren und / oder Tätscheleien bedacht zu werden, während dieselbe Konstellation mit vertauschten Geschlechtern sofort als die widerlichst mögliche Erfahrung im Leben einer jungen Frau skizziert wird. Aber diese Doppelstandards kennen wir ja. Die ganze feministische Fat-Acceptace-Szene dreht sich ja auch immer nur darum, dass doch Männer gefälligst mal Frauen sexy zu finden haben, die nicht nur in einem gewissen Normalmaß übergewichtig sind, sondern tatsächlich hochgradig gesundheitsgefährdend adipös . Die Frage, wie denn die holden Damen ein vergleichbares, männliches Fettgebirge wahrnehmen würden, drängt sich dort offensichtlich auch nie in die Köpfe etwaiger „Aktivisten“ durch. Und auch hier haben sich die diese ganze Chose euphorisch jubilierend begleitenden Medien offenkundig noch nie vorgestellt, wie sich gerade für sie selbst Artikel anfühlen würden, in denen sie Frauen Fatshaming vorwerfen, weil sie sich von von sozial geprägten Schönheitsnormen abweichenden Männern nicht instant in amouröse Gelüste versetzt fühlen. Und das Ganze dann natürlich – man will ja konsequent bleiben – begleitet von Fotostrecken mit Bildern von massiv übergewichtigen Männern in „sexy“ Unterwäsche, welche man kaum noch wahrnehmen kann, weil sie zum großen Teil in tiefen Falten versunken ist.

        Aber wie lautet doch einer von Matzes Lieblingssprüchen: wenn der Feminismus keine Doppelstandards hätte, hätte er ja gar keinen Standard mehr.

        • @Billy

          „Es hat schon seine Gründe, dass im Zuge dieser ganzen Hexenjagd auch eine chronische Verengung des Blicks auf Bereiche stattgefunden hat, in denen speziell die oberen Etagen klar männlich dominiert sind. Denn nur so war es möglich, dieses einseitige Bild zu zeichnen, welches konstituierend ist für diese schäbige Hetzkampagne wie auch für nahezu den gesamten Feminismus.“

          Das hast du schön gesagt!

          Und wenn diese Verengung des Blicks nicht schon existiert, dann wird sie eben medial produziert.

          Die Fälle von sexueller Belästigung im WDR sind ein wunderschönes Beispiel, wie feministische Medien selektiv die Wirklichkeit verzerren, um Frontstellungen zwischen den Geschlechtern zu produzieren, die in der Realität nicht existieren.

          Das Motiv für den starren Blick auf die „gläserne Decke“ und diese Frontstellung ist natürlich zu suggerieren, gäbe es den mächtigen Mann nicht, der die „Tätermänner“ wenigstens deckt, wenn nicht ermuntert, würde es keine sexuellen Belästigungen mehr geben.

          Wenn nicht sogar überhaupt keine zwischenmenschlichen Konflikte mehr, denn Frauen sind bessere… (hier beliebiges Stereotyp einsetzen, das natürlich dann keines ist, wenn es Weiblichkeit positiv besetzt).

          Diese Fähigkeit zur permanenten Selbstbeweihräucherung muss hart erarbeitet werden! 😉

  • Beginn des Arbeitstages im IT-Projekt. Kollegin 1 kommt herein und hat ein elegantes und farbenfrohes Sommerkleid an. Kollegin 2 bemerkt dies und spricht ein Lob aus. Kollegin 1 zu den anwesenden Männern: „Muss ich mir jetzt schon von Frauen Komplimente machen lassen, und ihr merkt nichts, ihr Stoffel?“

    Die sich anschließende Diskussion ergab, dass die anwesenden Männer Komplimente an Frauen unter der gegenwärtigen Hysterie und Gesetzeslage als absolutes No-Go betrachteten. Kollegin 1 war ein wenig erschrocken, sah es aber ein.

    Männer sind gewarnt, und das heißt: sie sind informiert.

  • Es wäre wirklich interessant, mehr über Journalisten zu wissen und über die in den Medien ablaufenden sozialen Prozesse. Ich sehe das auch so, dass es da zwei Welten gibt, die Medien und die Realität außerhalb ihrer, die zwar zusammenhängen, aber sehr ungleichgewichtig.

    Kann es wirklich sein, dass da Leute auf stellen gelangen und dann andere einstellen, die sie kennen (und ihre ideologische Richtung damit auch), oder ist die inhaltliche Ausgestaltung der Journalistik-Studiengänge verantwortlich?

    Jedenfalls ist die Ausbreitung der journalistischen Einheitsmeinung unübersehbar.

    • @El_Mocho
      Das hat m.E. viel mehr damit zu tun, dass gerade Leute, die für die Grünen Präferenzen haben, in diesen Beruf einsteigen. Die Journalisten, die die Grüne als Partei präferieren, sind bei den Medien überproportional vertreten. Die Grünen kamen in den Medien, was ihren Wähleranteil betrifft, auch überproportional häufig zu Wort. Auch wenn die Grünen immer Diversity propagieren, bei der Meinungsvielfalt ist das dann nicht mehr so wichtig.

      • Na ja, aber es gab doch früher Journalisten der verschiedensten politischen Richtungen (und gibt sie vereinzelt auch noch). Wohin sind die verschwunden? Warum haben Anhänger der Grünen eine besondere Affinität zum Journalismus? Das ist doch eigentlich kein leichter Beruf.

        • @El_Mocho

          Also, dass Journalisten überproportional die Grünen präferieren, scheint mir empirischer Fakt zu sein. Weshalb das so ist und weshalb es hier ev. zu einem Wandel gekommen ist, kann ich nicht beantworten. Eines muss man natürlich sehen: Journalisten sind langsam eine aussterbende Spezies, also Auflagen der Printmedien sacken ein, die Werbemittel gehen zu den Social Medien ins Internet, aber nicht mehr zum Journalismus. Der Journalismus muss sich neu erfinden, wenn er noch eine Zukunft haben will. Das kann damit zusammenhängen. Aber: Die Anhänger der Grünen haben auch überdurchschnittlich viel kulturelles Kapital und zwar im sozial- und geisteswissenschaftlichen Bereich, was eben auch dazu führt, dass hier offenbar Leute vermehrt in den Journalismus gehen möchten.

          • „Also, dass Journalisten überproportional die Grünen präferieren, scheint mir empirischer Fakt zu sein.“

            Das scheint nicht nur so, es **ist** seit mindestens einem Jahrzehnt der Fall, wie mehrere Untersuchungen konsistent ergeben haben. Ich habe gerade auf meiner Seite Politikjournalisten soziologisch betrachtet noch ein paar neue Referenzen nachgetragen.

            Ich halte dies für einen wesentlichen Grund für die Wahlerfolge der Grünen. Ein Großteil der deutschen Journalisten arbeitet als kostenlose Drückerkolonne für die Grünen, das ist ein kaum bezahlbarer Vorteil und verhindert, daß die absurden inneren Widersprüche im Parteiprogramm der Grünen journalistisch attackiert werden.

          • @mitm

            Danke für die Links und gute Seite, die Du da hast mit dem Politikjournalisten.
            Und auch beim Rest würde ich Dir zustimmen.

          • @mitm, wenn du die grünen und die sonstigen linken grundsätzlich jenen mit feministischem gedankengut zurechnest, stellt sich die frage, wo denn all die stehen, die – wie etwa lucas schoppe – sich zur linken seite bekennen, aber sich vom feminismus distanzieren oder ihn bekämpfen. sind das nun ganz wenige, dass man sie vernachlässigen kann? oder kann man nicht links sein und trotzdem die feministische ideologie anzweifeln?

          • @Klaus K.: Die Umfragen zu den Parteipräferenzen der Journalisten haben m.W. nur nach der Partei gefragt, nicht nach detaillierteren ideologischen Überzeugungen. Zugleich Anhänger der Grünen und nicht feministisch zu sein, ist schwer vorstellbar, und die waren der größte Block. Bei der SPD oder der Linken geht das schon eher, ist aber auch nicht selbstverständlich.

            „sind das nun ganz wenige, dass man sie vernachlässigen kann“

            Meines Erachtens ja, auch wenn man hier nur spekulieren kann. Für den Gesamteindruck nach außen und das Entstehen von Konformitätsdruck nach innen spielen die vielleicht 5% linken, aber nicht feministischen Personen mMn. keine Rolle.

      • „Auch wenn die Grünen immer Diversity propagieren, bei der Meinungsvielfalt ist das dann nicht mehr so wichtig.“

        Das hast du jetzt aber nett paraphrasiert. 😉

        Gerade die Grünen sind ja bekanntlich die Weltmeister darin, alles, was nicht umfänglich ihrer Meinung entspricht, mit dem Label „Nazi“ zu versehen.

        Eine der wenigen Sendungen im deutschen Fernsehen, in der auch zu durchaus heiklen Themen schon mal eine Teilnehmerrunde zusammengestellt wird, bei der nicht von Anfang an das Bestreben erkennbar wird, durch schiere Überrepräsentanz politisch korrekte Einheitsmeinungen in der Diskussion als alternativlos erscheinen zu lassen, ist „Hart aber Fair“. Ich glaube es war letzte Woche, da ging es um das Thema (vor allem arabischer) Familienclans. Geladen waren ein Journalist, der dazu eine Doku gemacht hatte, eine Staatsanwältin sowie jemand aus dem Security-Bereich. Denen gegenüber saßen ein (arabischstämmiger) Vertreter der Grünen sowie ein Anwalt, der sich auf die Verteidigung von Personen aus dem thematisierten Milieu spezialisiert hat.

        Das Beschämende an dieser Sendung war einfach nur, dass sich die drei erstgenannten permanent auf Erfahrungen aus ihrem Berufsalltag bezogen haben und auf einschlägige Kriminalstatistiken verwiesen, während der Grüne und der Anwalt als einziges „Argument“ immer wieder vorbrachten, diese Thematisierung sei kreuzgefährlich und für Angehörige dieser ethnischen Gruppen verletzend, weil ja damit eine Generalanklage erhoben würde. Dabei hatten die drei anderen immer wieder nachdrücklich darauf hingewiesen, dass natürlich kriminelle Familienclans nicht die Regel sowohl bei Arabern als auch Osteuropäern sind, sie aber umgekehrt statistisch deutlich häufiger in diesen Kreisen anzutreffen sind, als bei Ethnien.

        Irgendwann schwenkte der Grüne ein Bissel um und räumte ein, dass es natürlich auch Probleme gibt, die man ansprechen müsste. Aber das alles sollte, so konnte man aus seinen Statements ableiten, ablaufen, indem man bloß nicht auf irgendwelche Kulturkreise verweist, das Wort „Familienclan“ vermeidet und auch möglichst auf die deutliche Betitelung als „kriminell“ verzichtet. Kurzum: Natürlich muss man darüber sprechen, nur klar benennen darf man es nur an keiner Stelle, womit jegliches Gespräch von Anfang an überflüssig weil ziellos ist. Und genau dieses Verständnis von gesellschaftlicher Auseinandersetzung ist für mich typisch für die Grünen (zunehmend auch für die SPD und die LINKE). Während Vertreter dieser Parteien völlig hemmungslos gegen Gruppen wie Weiße, Männer, Heterosexuelle, Deutsche, etc. austeilen und ohne jede Reue rausrotzen, was ihnen gerade so durch die Hohlräume zwischen den Ohren geistert, empfinden sie es schon als beleidigend und rassistisch, wenn man auf schlichte gesellschaftliche Fakten verweist, sobald in diesen Fakten ihrer Ansicht nach eine von ihnen so hofierte „unterdrückte Minderheit“ schlecht wegzukommen droht. Und dabei sind sie es selbst, die in ihrer Wahrnehmung den rassistischen Spin da reinbringen, denn ich denke, dass die Mehrheit der Menschen sehr wohl den Unterschied kennt, zwischen den Aussagen: „Die Mehrheit krimineller Familienclans sind arabischstämmig.“ (kriminalstatistischer Fakt) und „Die Mehrheit der Arabischstämmigen gehören kriminellen Familienclans an“ (polemischer Unfug).

        • @Billy

          Ich möchte deine wichtige Beobachtung noch einmal aufgreifen:

          „Während Vertreter dieser Parteien völlig hemmungslos gegen Gruppen wie Weiße, Männer, Heterosexuelle, Deutsche, etc. austeilen und ohne jede Reue rausrotzen, was ihnen gerade so durch die Hohlräume zwischen den Ohren geistert,“

          Nur diesen Pseudo-Linken entgeht, wenn bestimmte Menschen auf der Basis ihres Geschlechts und ihrer Hautfarbe abgewertet werden, dann sind das biologische Merkmale, die unveränderlich und in die sie hineingeboren sind.

          Auf der Basis dieser Merkmale eine gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu kultivieren, macht es unmöglich, generell gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit vorzugehen.

          Die Idee, es existiere eine richtige gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, wenn diese sich gegen die Richtigen und eine falsche, wenn sie sich gegen die Falschen wendet ist nicht nur grotesk.
          Sondern sie verweist auf den Urheber der Idee, der sich im damit in der Lage sieht, zwischen den Richtigen und den Falschen zu unterscheiden und zu entscheiden, welche Gruppe legitim abgewertet darf und welche nicht.

          Das wiederum ist denjenigen vorbehalten, die im Besitz einer besonderen Einsicht sind, die sie befähigt, eine solche Entscheidung zu treffen. Welche wiederum auf unveränderlichen biologischen Merkmalen (Geschlecht, Hautfarbe) beruht.

          Hier handelt es sich also faktisch um eine biologisch fundierte Elitetheorie – wie jede andere bürgerliche Elitetheorie auch.

  • „Das Team Gina-Lisa hat gegen das Team Rechtsstaat verloren.“

    Ist das so?

    Team Gina Lisa hat die Schlacht Gina Lisa verloren, aber den Krieg „erneute verschärfung des Sexualstrafrecht (von Team Gina Lisa auch gelegentlich stolz zu Lex Gina Lisa hochgepusht) gewonnen.
    Damit die nächsten Schlachten „Team Gina Lisa“ häufiger zugunsten Team Gina Lisa ausgehen können.

    • @maddes

      Dann müssen sich diejenigen, die stolz auf die „Lex Gina Lisa“ verweisen eben sagen lassen, es handelt sich bei Gina-Lisa Lohfink um eine verurteilte Falschbeschuldigerin.

      Ihr ist nachgewiesen worden, sie hat mit ihrer Anschuldigung der Vergewaltigung gegen zwei Männer bewusst gelogen. Dafür wurde sie – m.E. sehr milde – bestraft.

      Ein Gesetz nach einer verurteilten Falschbeschuldigerin zu nennen entbehrt nicht einer gewissen Ironie, oder?

      Zur abermaligen Strafrechtsverschärfung kann ich dir beipflichten, sie dient dazu, die Fallzahlen nach oben zu treiben.
      Also müssen neue Straftatbestände her und „Schutzlücken“ geschlossen werden.

      Das Spielchen treibt die staatsfeministische Lobby aber seit nunmehr über 20 Jahren: „Verschiebe die Torpfosten und erfinde neue Spielregeln“.

      In GB ist ihnen ihre Strategie bereits auf die Füße gefallen.

      • „Dann müssen sich diejenigen, die stolz auf die „Lex Gina Lisa“ verweisen eben sagen lassen, es handelt sich bei Gina-Lisa Lohfink um eine verurteilte Falschbeschuldigerin.“

        Allein der Erfolg zählt.
        Geschichte wird von Siegern geschrieben.

        „Ihr ist nachgewiesen worden, sie hat mit ihrer Anschuldigung der Vergewaltigung gegen zwei Männer bewusst gelogen. Dafür wurde sie – m.E. sehr milde – bestraft.“

        In der öffentlichen Wahrnehmung ist das noch weniger angekommen als beim Fall Kachelmann. Für viele ist Gina Lisa immer noch vor allem Opfer. Vor allem natürlich im feministischen narrativ.

        Im großen Geschacher feministischer Politik gewissermaßen das Bauernopfer, mit dem der Sieg im Sexualstrafrecht befeuert wurde.
        Und ist die milde Bestrafung nicht auch ein Zeichen für die Gesamtausrichtung der Justiz, angesichts der drohenden horrenden Strafen der falsch Beschuldigten?

        P.S. ich nehme das neue Gesetz ja eher als ein „Lex Kachelmann“ wahr: Ein Gesetz, das eine Verurteilung von Kachelmann möglich gemacht hätte, lange bevor er auch nur geschafft hätte seinen Anwalt zu wechseln.
        Kachelmann hatte Streit an dem Abend?
        Kachelmann hatte später Sex an dem Abend?
        Hat er sich ausreichend ihrer Zustimmung versichert, immerhin lag ja zuvor ein Streit vor? Nicht?
        Dann ist das Vergewaltigung.

        • @maddes

          „Für viele ist Gina Lisa immer noch vor allem Opfer. Vor allem natürlich im feministischen narrativ.“

          Anders herum: Das feministische Narrativ war von Anfang an, sie als Opfer zu präsentieren und damit sind sie – trotz erheblichem Druck auf die Justiz – gescheitert.

          Natürlich konnten sie ihr Narrativ nicht nachträglich ändern.
          Das konnten sie bei Kachelmann nicht, bei Sulkowicz nicht, beim Rolling Stone nicht, das können sie aktuell bei Wedel und Weinstein nicht.

          Man kann aber nicht (mit erheblichem medialen Aufwand) ein Opfer präsentieren und beim scheitern des Narrativs lediglich darauf setzen, das Publikum werde das schnell vergessen.
          Sie tun ja einfach so, als wäre nichts gewesen, um beim nächsten Fall wieder genauso vorzugehen.

          Zur Erinnerung
          Rolling Stone: 2014
          Mattress Girl: 2014/2015
          Lohfink: 2016
          Weinstein: 2017

          Bei Weinstein ist aktuell von über 80 beschuldigenden Frauen noch ein Fall übrig geblieben.
          Nur unter der Betrachtung der obigen Fälle ist ihnen pro Jahr ein mediales Desaster widerfahren.

          Selbe Richtung: „Und ist die milde Bestrafung nicht auch ein Zeichen für die Gesamtausrichtung der Justiz, angesichts der drohenden horrenden Strafen der falsch Beschuldigten?“

          U.a. die Justiz ist mit der feministischen Propaganda bombardiert worden, Falschbeschuldigungen kämen so selten vor, sie seien nahezu irrelevant -> listen and believe.
          Es wird sich jedoch – gerade seit Kachelmann – eine gewisse Skepsis eingestellt haben.

          Wo ich dir völlig recht gebe ist, das Strafmaß für Vergewaltigung liegt inzwischen vergleichbar zum Totschlag, wenn ich mich nicht irre.
          Eine Geldstrafe von 20.000 Euro (von der ich noch nicht einmal weiß, ob sie diese tatsächlich bezahlen musste) ist dagegen ein Witz.

          Was mich auch aufregt ist die gynozentrische Standardreaktion:
          „Der Richter kritisierte Lohfink: „Sie haben sich öffentlich als Verteidigerin der Frauenrechte geriert. Aber allen wirklichen Vergewaltigungsopfern haben Sie einen Bärendienst erwiesen.“

          Die tatsächlichen Opfer einer Falschbeschuldigerin sind in erster Linie die Männer, die sie falsch beschuldigt hat.
          Hier wird es wieder so gedreht, als seien die echten Opfer eigentlich Frauen.

          „Hat er sich ausreichend ihrer Zustimmung versichert, immerhin lag ja zuvor ein Streit vor? Nicht?
          Dann ist das Vergewaltigung.“

          Was soll sich eigentlich durch das Gesetz ändern?
          A sagt, es hätte einverständigen Sex gegeben, B bestreitet das.
          Wer hat recht?
          Einfacher aufzulösen wird es nicht.

          Sicherheitsmaßnahme wäre Videoüberwachung des eigenen Schlafzimmers, bzw. Kommunikation über die gemeinsam verbrachte Nacht am nächsten Tag herstellen, aus der klar hervorgeht, es hat sich um einverständigen Sex gehandelt.

          Und natürlich der Klassiker: „Don´t stick your dick in crazy!“

          • „Man kann aber nicht (mit erheblichem medialen Aufwand) ein Opfer präsentieren und beim scheitern des Narrativs lediglich darauf setzen, das Publikum werde das schnell vergessen.“

            Tun sie aber.
            Weil sie es eben können.

            „Was soll sich eigentlich durch das Gesetz ändern?
            A sagt, es hätte einverständigen Sex gegeben, B bestreitet das.
            Wer hat recht?“

            Es ändert sich, dass derjenige, der Einvernehmlichkeit behauptet, nachweisen muss, dass er sich hinreichend dieser Einvernehmlichkeit versichert hat.

            Hat er das nicht, sondern diese Einvernehmlichkeit nur aus nicht vorhandenem Widerstand angenommen, aus sonstigen Handlungen des „Opfers“ angenommen oder gar eine anfängliche Absage durch irgendwelche akte der Verführung zuerst überwunden, dann ist er ein Vergewaltiger.

            Natürlich wird dadurch ein erheblicher Anteil alltäglicher ehelicher sexualkontakte zu Vergewaltigungen, acuh von Frauen natürlich, aber wie sagte doch eine Juristin dazu sinngemäß so unwiderstehlich:
            Wer würde sowas schon missbrauchen?

          • @maddes

            Mit Verlaub, du hast eine zu hohe Meinung von „ihnen“.
            Der Kachelmann-Prozess war 2011 und die Öffentlichkeit hat ihn nicht vergessen.
            Du wirst selbst die causa Türck noch in Erinnerung finden und sein mit Freispruch endender Prozess war 2005.

            „Es ändert sich, dass derjenige, der Einvernehmlichkeit behauptet, nachweisen muss, dass er sich hinreichend dieser Einvernehmlichkeit versichert hat.“

            Nicht ganz. Wenn du gegen den erkennbaren Willen einer Person eine sexuelle Handlung an ihr durchführst, dann begehst du eine Straftat.
            Das „Nur ja heißt ja!“ ist in Schweden verankert, nicht bei uns.

            Die Frage ist für mich, warum es eigentlich für Frauen nicht zumutbar sein soll, einfach „Nein, das will ich nicht!“ zu sagen.
            Wie ein Mann ein nonverbales Signal erkennen soll, wenn bspw. das Licht aus ist, ist mir rätselhaft.

            Letztlich findet sich hier das sexistische Stereotyp wieder, Männer seien in der Sexualität aktiv und Frauen passiv.
            Daher muss die männliche Aufmerksamkeit permanent auf die passive Frau gerichtet sein, die noch nicht einmal in der Lage ist, eigene Ansprüche oder einen entgegengesetzten Willen verbal zu äußern.
            Schräges Frauenbild in Gesetzesform.

            Dass es Frauen gibt, die vor Inaktivität beim Sex nur so strotzen und deren Brettsteife tatsächlich einer „Schockstarre“ ähnelt habe ich gehört, aber noch nicht erfahren.
            Mir ist nicht klar, warum Männer mit solchen Frauen überhaupt Sex haben wollen; ich würde den Abend unter Zeitverschwendung verbuchen, aufstehen und gehen.

          • @maddes8cht
            wenn ich mich recht erinnere, konnte sie sich nicht vorstellen das ein MANN so handeln würde…
            Zumindest bezog sie sich auf so eine Frage.
            Taz , irgendwas mit Umlaut, sie hat/hätte an massgeblicher Stelle dieses Gesetz mit entwickelt und deployed.

          • „Nicht ganz. Wenn du gegen den erkennbaren Willen einer Person eine sexuelle Handlung an ihr durchführst, dann begehst du eine Straftat.“

            Überhaupt gar nicht ganz.
            Das mit dem erkennbaren Willen stand in vergleichbarer Form schon vorher drin – von Feministen wurde das dazu verdreht, dass das Opfer sich „gewehrt haben müsse“, was eben genau nicht drin stand.
            Die wichtigen Neuerungen beziehen sich gerade auf die Fälle, wo das Opfer eben keinen erkennbaren Willen äußert.

            §177 stgb abs.2:
            (2) Ebenso wird bestraft, wer sexuelle Handlungen an einer anderen Person vornimmt oder von ihr vornehmen lässt oder diese Person zur Vornahme oder Duldung sexueller Handlungen an oder von einem Dritten bestimmt, wenn

            1. der Täter ausnutzt, dass die Person nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern,
            2. der Täter ausnutzt, dass die Person auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist, es sei denn, er hat sich der Zustimmung dieser Person versichert,
            3. der Täter ein Überraschungsmoment ausnutzt,
            4. der Täter eine Lage ausnutzt, in der dem Opfer bei Widerstand ein empfindliches Übel droht, oder
            5. der Täter die Person zur Vornahme oder Duldung der sexuellen Handlung durch Drohung mit einem empfindlichen Übel genötigt hat.

            Da ist vieles elastisch interpretierbar.

            Was ist in Satz 1 „nicht in der Lage“?

            Was heißt in Satz 2, „dass die Person auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist“, wenn als Ausnahme denkbar ist, dass man sich (zuvor?) sich der Zustimmung dieser Person versichert“ haben kann?

            Ist es nach Satz 4 ein Empfindliches Übel, wenn das Oper irgend etwas nicht bekommt, das sie sich von einer sexuelle Gefälligkeit verspricht – ohne die sexuelle Gefälligkeit also möglicherweise nicht bekäme, wodurch das dann zu einer Vergewaltigung wird?

            Die Formulierung „in der der Täter ausnutzt“ ist dabei so gewählt, dass der Täter auf den bezeichneten Umstand gerade nicht aufmerksam macht, also nicht irgend etwas sagt oder auch nur andeutet, sondern in der das Opfer das annimmt.
            Die Fälle, in denen der Täter derartiges selbst anspricht, werden separat in Satz 5 behandelt und sind mit „in der der Täter es ausnutzt“ deutlich nicht gemeint.

            Man könnte gewillt sein, Satz 2 als BDSM-Paragrafen zu verstehen, aber bei BDSM war man auch ohne das bereits vorher in der Lage, sich eben in Abmachungen auf Codewords zu einigen und Einverständnis abzusichern, so dass da keine Handlungen gegen den erkennbaren Willen statfinden, sondern eben in gegenseitigem Einvernehmen. Ohne explizit vorab signalisierte Zustimmung ist die Situation, in der das Opfer gefesselt und geknebelt vor einem liegt, auch zuvor von so ziemlich jeder definition von „Vergewaltigung“ erfasst, explizite Zustimmung nach Abs1. aber auch bisher möglich.
            Für BDSM ist der Satz also völlig entbehrlich und unerheblich – was ist also sonst gemeint?

            Mit „nein heißt nein“ hat das alles nicht die Bohne zu tun, das ist nur ein Schlagwort.

            „Was soll sich eigentlich durch das Gesetz ändern?
            A sagt, es hätte einverständigen Sex gegeben, B bestreitet das.
            Wer hat recht?
            Einfacher aufzulösen wird es nicht.“

            A sagt, es hätte einverständigen Sex gegeben, B sagt, es habe nur so getan, weil sie sich irgendwie dazu genötigt gefühlt hat, obwohl der Täter nichts derartiges vermittelt hat, und hat geglaubt, dass sonst etwas passiert, und der Täter hat sich nicht ausreichend versichert, dass das nicht so ist, sondern die einvernehmlichkeit einfach aus ihrem entgegenkommen angenommen?
            Und dieser Umstand hat zuvor für eine Verurteilung nicht gereicht, jetzt aber dem Gesetzestext nach zumindest denkbar?

            Man MUSS das nicht so interpretieren, aber man kann es – und zuvor konnte man das nicht. Das absolut verurteilungswillige Gericht KONNTE Kachelmann einfach nicht mehr verurteilen, so gern es das sichtlich gewollt hat.
            Mit der neuen Rechtslage KÖNNTE es. Dass es gewollt hätte hat es damals hinreichend gezeigt, dass es diese neue Möglichkeit auch genutzt hätte, davon bin ich überzeugt.

            Die Drohkulisse, was prinzipiell als Vergewaltigung gesehen werden könnte, wenn man auf entsprechende Auslegung trifft, ist auf jeden Fall deutlich gestiegen.
            Die Möglichkeiten zur Anzeige, möglicherweise aus Rachegründen, ebenfalls.

          • @maddes

            Deine Frage betreffend, wie dies hier zu interpretieren ist:

            „1. der Täter ausnutzt, dass die Person nicht in der Lage ist, einen entgegenstehenden Willen zu bilden oder zu äußern,
            2. der Täter ausnutzt, dass die Person auf Grund ihres körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens erheblich eingeschränkt ist, es sei denn, er hat sich der Zustimmung dieser Person versichert,“

            Es ist eigentlich ganz einfach.
            Befinden sich A und B in einer Kneipe und beide nutzen Alkohol oder sonstige Freizeitdrogen dazu, ihre Hemmschwelle herabzusetzen, um zu einer sexuellen Begegnung zu kommen, dann wird zweierlei passieren.

            1. Man erkennt den männlichen Täter daran, dass er Sex von der Frau will und gezwungen ist den ersten Schritt zu gehen, weil das seine männliche Rolle ist. Gegen die er sich gewappnet hat, indem er Alkohol trank. Das Opfer hingegen erkennt man daran, Alkohol getrunken zu haben, um gesellschaftlich akzeptiert auf die Avancen des Täters eingehen zu können.

            BEIDE senken durch den Konsum von Alkohol ihre Hemmschwellen und rate mal, wer von beiden dafür verantwortlich ist und gemacht wird.

            2. Kommt es zum Sex haben beide vorab einen Zustand erreicht, der es praktisch unmöglich gemacht hat, einen „körperlichen oder psychischen Zustands in der Bildung oder Äußerung des Willens“ beizubehalten, der NICHT „erheblich eingeschränkt ist“.

            Zum Glück haben wir VORHER klar gemacht, wer das Opfer ist und wer der Täter.
            Denn sonst wären „Opfer“ und „Täter“ ununterscheidbar.

            Faktisch läuft es darauf hinaus zu sagen, eine Frau unter dem Einfluss von Alkohol und sonstigen Party-Drogen ist generell unverantwortlich für ihr Verhalten, der Mann mit dem identischem Drogenkonsum immer.
            Es ist der reinste, idiotischste Sexismus.

            Frauen wollen per se keinen Sex, weil sie keine sexuellen Bedürfnisse haben, sie sind dem aktiv geäußerten sexuellen Bedürfnis des Mannes hilflos ausgeliefert.
            Und geraten so in eine noch hilflosere Lage.
            Vor dieser hilflosererereren Lage versucht sie der Feminismus zu retten.

            Diese Ideologie ist so dämlich und so (matriarchal und sexualfeindlich) bevormundend, irgendwann muss es jeder Frau auffallen, für wie blöd sie ihre „Schwestern“ tatsächlich halten.

          • „Deine Frage betreffend, wie dies hier zu interpretieren ist“

            Das hast du, mit explizitem Bezug auf die neue Rechtslage, sehr schön wiedergegeben.

            Was Deine vorherige als rhetorisch formulierte Frage, was sich denn eigentlich geändert habe, nur umso erstaunlicher macht:
            Genau das hat sich geändert.
            Genau das ist die „Schutzlücke“ für die Frau, die da geschlossen wurde, nach so einem Zusammentreffen „vergewaltigung“ rufen zu dürfen und dafür Recht zu bekommen.
            Genau hier zeigt sich, wie das feministische Narrativ und die feministische Sichtweise in (für die Frau) einklagbares Recht umgewandelt wurde.

            Was zuvor nur als Empörungswelle durchs Netz oder die Presse getrieben werden konnte, ist jetzt einklagbar und kann benutzt werden, einen beliebigen Mann für Jahre hinter Gitter zu bringen.

          • „Diese Ideologie ist so dämlich und so (matriarchal und sexualfeindlich) bevormundend, irgendwann muss es jeder Frau auffallen, “

            […]
            welch interessanten Waffen ihr der „Rechtsstaat da in die Hand gibt, wähend der Gegner wehrlos ist.
            Was sollten sie dagegen wohl einzuwenden haben?
            Allein eine eventuelle solidarität mit ihren Männern, Vätern und Söhnen, v.a. wenn sie zunehmend erleben, wie denen mitgespielt wird.

            In den vorwiegend Lesbischen inner circles des Feminismus gibt es solche Männer offenbar nicht, mit denen sie solidarisch sein könnten.
            Die feministischen allies sind es nicht, die sind nur nützliche Idioten, die bei Bedarf und dem ersten Verdacht bereitwillig entsorgt werden. Solidarität mit ihnen gibt es keine, es fehlt schon an jeglicher Achtung für sie.

          • @maddes

            „Genau das ist die „Schutzlücke“ für die Frau, die da geschlossen wurde, nach so einem Zusammentreffen „vergewaltigung“ rufen zu dürfen und dafür Recht zu bekommen.
            Genau hier zeigt sich, wie das feministische Narrativ und die feministische Sichtweise in (für die Frau) einklagbares Recht umgewandelt wurde.“

            Der letzte Fall in Freiburg war eindeutig: Eine junge, offensichtlich durch Alkohol und Drogen weggeballerte Frau wurde von einer Gruppe von Männern vergewaltigt.
            Dass sie nicht in der Lage war, eine Zustimmung zu geben zu dem, was ihr widerfuhr ist völlig klar.

            Komplett anders gelagert ist der Fall, wenn nach konsensuellem, aber besoffenem Sex, die Frau am nächsten Morgen diesen bereut.
            Wenn sie nun nachträglich behauptet, sie wäre Opfer einer Vergewaltigung, dann muss sie sich auch wie ein solches verhalten.

            Es reicht nicht aus, dass ihr das nach einer Woche einfällt, denn dann ist nicht einmal der Grad ihrer (behaupteten) Betrunkenheit feststellbar.

            Sie müsste also am nächsten Morgen zur Polizei gehen, Anzeige erstatten und per Alkohol-/ Drogentest nachweisen, zum Zeitpunkt X nicht in der Lage gewesen zu sein, eine Zustimmung zum Sex zu geben.

            Ist das der Fall, dann hat man als Mann tatsächlich schlechte Karten.

            Eine Referenz zu diesem Fall ist der Anfang des Jahres aufgeflogene Fall einer Falschbeschuldigung in GB.
            Samson Makele wurde nach einem ONS von diesem der Vergewaltigung angezeigt, er hingegen meinte, es handelte sich um konsensuellen Sex.

            Dumm gelaufen für das vermeintliche Opfer war, sie hatten schmusend, nackt im Bett selfies am nächsten Morgen aufgenommen, die sich auf seinem Handy befanden.

            Hier handelt es sich um meinen nächsten Tipp (nach der Video-Überwachung) und am besten diese Fotos gleich an einem anderen Ort sichern, denn:

            Dumm gelaufen für den Beschuldigten war, die Polizei kassierte nach der Anzeige sein Handy ein.
            Und obwohl sie sich doch so doll, ganz doll – in echt jetzt! – bemühten, konnten sie partout auf dem Handy diese Fotos nicht finden, die ihn entlastet hätten.

            Das gelang seiner Verteidigung erst, nachdem sie das Handy in die Hände bekamen, woraufhin der Fall kollabierte.

          • maddes8acht,

            welch interessanten Waffen ihr der „Rechtsstaat da in die Hand gibt, wähend der Gegner wehrlos ist.
            Was sollten sie dagegen wohl einzuwenden haben?

            daß es gegen ihr grundlegendes Gerechtigkeitsempfinden verstößt vielleicht? Du scheinst wenig Vertrauen in die Menschlichkeit von Frauen zu haben, wenn Du ihnen das absprichst.

            Zwar verläuft nach Kohlberg et. al. die Moralentwicklung von Männern und Frauen tendentiell unterschiedlich, aber auch wenn Care-Moral eher als Gerechtigkeitsmoral eine Einstellung wie „Wenn sie sich vergewaltigt gefühlt hat, dann war es auch eine Vergewaltigung“ zulassen dürfte, wäre eine präventiv geplante, vorsätzliche Falschbeschuldigung wohl nach keiner von beiden akzeptabel.

            Und es ist ja keineswegs so, daß Männer (und nur Männer) massenweise gegen solche Gesetzesänderungen Sturm laufen würden. Für die meisten Mitglieder beider Geschlechter ohne direkte, persönliche Erfahrung mit solchen Fällen fallen Falschbeschuldigungen doch unter „Problem anderer Leute“.

            Die Männer sagen sich „Ich umgebe mich nur mit vernünftigen Frauen, die so etwas niemals tun würden, und verhalte mich anständig, also hat auch keine einen Grund, mir so etwas anzutun“ und die Frauen „Ich würde so etwas doch niemals tun und die Männer, die ich kenne, umgeben sich nur mit vernünftigen Frauen, die so etwas auch niemals tun würden, und verhalten sich anständig, also hat auch keine andere einen Grund, ihnen so etwas anzutun“. Zu was Menschen in psychischen Ausnahmesituationen in der Lage sind (bis hin zum Mord aus Eifersucht), machen sich doch die wenigsten konkret klar.

            Und so bleibt Falschbeschuldigung halt für die große Mehrheit aller Menschen eines dieser „Schlimm, aber was hat das mit mir zu tun und was könnte ich schon machen?“-Themen wie Obdachlosigkeit, häusliche Gewalt oder schlechte Arbeitsbedingungen in China oder Bangladesch.

            Daß Menschen über ein ungerechtes (oder in der Praxis ungerecht ausgelegtes) Gesetz tatsächlich denken, „Gut, daß es das gibt; sehr praktisch, falls ich es mal mißbrauchen möchte“, dürfte sich doch auf eine kleine Zahl von Soziopathen beschränken.

            Bombe 20

            (Wenn jetzt jemand die Ergebnisse der Volksabstimmungen über Männerzwangsdienste in Österreich und der Schweiz gegen diese Ansicht ins Feld führen würde, käme ich allerdings argumentativ ins Schwimmen. Vermutlich wäre meine Antwort irgendwas über den gefühlten Unterschied zwischen „unschuldig im Gefängnis“ und „etwas für die Gemeinschaft tun und dabei zwangskaserniert werden“ und die Tatsache, daß die Option „Zwangsdienst für beide Geschlechter“ ja in beiden Fällen nicht zur Abstimmung stand.)

            BTW, stelle ich mich eigentlich gerade sehr bescheuert an, wenn ich keine Möglichkeit mehr finde, mich hier mit WordPress-Account (oder sonstwie) einzuloggen?

          • @Bombe20
            “ Du scheinst wenig Vertrauen in die Menschlichkeit von Frauen zu haben, wenn Du ihnen das absprichst.“

            Doch, aber ich gebe zu, dass die Aussage „Was sollten sie dagegen wohl einzuwenden haben?“ polemisch war.
            Ich möchte nicht darauf abzielen, Frauen grundsätzlich einen sinn für Gerechtigkeit abzusprechen oder, wie du es genannt hast, einen für Menschlichkeit. Ganz sicher nicht. Aber das ist nicht der kritische Punkt dabei.
            Der kritische Punkt ist, dass es genauso rücksichstlose und egoistische Frauen gibt, wie es das bei Männern gibt, und sie hier aber quasi unter einer Vorannahme, dass Frauen sowas ja nicht missbrauchen können, (also „bessere Menschen“ sind), mit Waffen ausgestattet werden, gegen die ein Man dann keine Verteidigung mehr aufbringen kann.
            Die Aussage „Was sollten sie dagegen wohl einzuwenden haben?“ sollte ich daher einsschränken auf genau diejenigen, die sich in der „kampfzone“ sehen und denen jedes Mittel recht ist, um den eigenen Kampf auch zu gewinnen. Mit dieser Einschränkung ist der Satz allerdings auch eine Binsenweisheit und insofern nix mehr Wert 😉
            Die Aussage davor (über die Waffenlieferungen) allerdings schon, die bleibt mMn gültig.

          • @crumar

            „Der letzte Fall in Freiburg war eindeutig: Eine junge, offensichtlich durch Alkohol und Drogen weggeballerte Frau wurde von einer Gruppe von Männern vergewaltigt.
            Dass sie nicht in der Lage war, eine Zustimmung zu geben zu dem, was ihr widerfuhr ist völlig klar.“

            Der letzte Fall von Freiburg war auch ohne die letzte Verschärfung klar, und war auch da bereits eine besonders schwere Vergewaltigung.
            Der Fall in Freiburg wird nicht erst durch die mutmaßliche Verabreichung von Alkohol und Drogen und auch nicht durch ihre „nicht Zustimmungsfähigkeit“ zur Vergewaltigung.

            Der Fall braucht die Verschärfung nicht, um die Täter wegen Vergewaltigung zu verurteilen. Jedes Strafrecht eines Landes der westlichen Welt und vieler anderer Länder mindestens der letzten 50 Jahre, in den meisten vermutlich sehr sehr viel länger, würde das als schwere Vergewaltigung in einem Prozess ins Ziel bringen.

            Deshalb ist es falsch, Freiburg als Kronzeugen der Verschärfung anzuführen, es ist geradezu verlogen. Denn genau für solche Fälle wird es nicht gebraucht. Gebraucht wird die verschärfung nicht, um die Täter von Freiburg aburteilen zu können, denn das konnte man schon zuvor. Gebraucht wird die Verschärfung für solche Fälle wie den aus der Kneipe, den du geschildert hast. Und um Leute wie Kachelmann nicht freisprechen zu müssen, den man doch so gerne verurteilt hätte.

          • @maddes

            Du liest meine Beiträge hochgradig selektiv und das ist höflich ausgedrückt.

            Dein: „Deshalb ist es falsch, Freiburg als Kronzeugen der Verschärfung anzuführen, es ist geradezu verlogen.“ kannst du dir gerne in den Hintern schieben, denn ich schrieb nach Freiburg bewusst: „Komplett anders gelagert ist der Fall, wenn nach konsensuellem, aber besoffenem Sex, die Frau am nächsten Morgen diesen bereut. Wenn sie nun nachträglich behauptet, sie wäre Opfer einer Vergewaltigung, dann muss sie sich auch wie ein solches verhalten.“

            Dein: „Gebraucht wird die Verschärfung für solche Fälle wie den aus der Kneipe, den du geschildert hast.“ bezog sich auf meinen Beitrag davor, den ich nachfolgend präzisierte.

            Das von dir hinterher geschobene oder vorausgesetzte: „Und um Leute wie Kachelmann nicht freisprechen zu müssen, den man doch so gerne verurteilt hätte.“ zeigt mir, du hast eine falsche Erinnerung an den Fall.

            Noch einmal: „Die 37-jährige Nebenklägerin, eine Radiomoderatorin, gibt an, in der Nacht zum 9. Februar nach einem Streit von Kachelmann mit dem Tode bedroht und vergewaltigt worden zu sein.“
            http://www.spiegel.de/panorama/justiz/kachelmann-prozess-minimalspuren-an-messer-verwirren-experten-a-735659.html

            Nach ihrer Aussage wurde sie durch ihn mit einem Messer bedroht – das hat der Strafrechtsparagraph auch in der alten Fassung locker hergegeben, ihn auf dieser Basis zu verurteilen. Wenn der Täter eine Waffe bei sich führt, dann ist das Strafmaß Minimum drei Jahre, verwendet er sie, sind es fünf.

            Der Fall Kachelmann passt daher zu 0,0% zur Strafrechtsverschärfung.

  • Toller Artikel, und noch tollere Kommentare, aber wer von uns hat jetzt eigentlich mal den Mumm ein bundesweites(oder wenigstens in seinem Einzugsgebiet) Treffen zu organiesieren, bei der am Ende ein Vereinsvorsitzender gewählt wird? Oder ist das Hinderniss eine Männerbewegung zu gründen selbst bei den Schreibern hier immer noch zu Tief in den Köpfen verankert? Ein Kommentator hier hat dieses Hinderniss treffend formuliert: „Männer wollen sich anscheinend nicht als benachteiligt ansehen, vielleicht weil das als Zeichen von Schwäche zu werten sein könnte.“

    Dabei ist genau der gegenwärtige Zustand ein Zeichen von Schwäche: Männer die sich von feministischen Aggressionen wegducken oder sich auch noch entschuldigen. Das hat sicher nichts mit Männlichkeit zu tun.
    Aber ich glaube, das ist hier eh jedem bewusst;-)

    • Schoppe, Crumar und ich hatten das mal vor ca. 2, 3 Jahren versucht. Der Rücklauf und die mangelnde Verbindlichkeit sprachen eine deutliche Sprache. Ähnliches konnte ich hier in Berlin mit unserer Berliner Gruppe beobachten, als es die noch gab. Ein fester Kern von 4 Leuten, ansonsten heftige Fluktuation.

        • Geredet. 🙂
          Es gab da durchaus unterschiedliche Vorstellungen, was das Ziel der Treffen sein sollte. Der eine oder andre wollte konkrete Arbeit machen (von einer übergeordneten Website, in der die vielen in Blogs verstreuten Infos gebündelt zu finden sind, über unbestimmte Aktionen bis hin zu Seminaren), mir hat es genügt, einmal im Monat von Menschen umgeben zu sein, bei denen ich nicht bei Adam und Eva anfangen muss, wenn wir etwas diskutieren. Und ich fand (und finde), dass der persönliche Kontakt eine – in meinen Augen stark unterschätzte – Qualität an sich besitzt. Man kommt aus seinem Elfenbeinturm heraus und lernt echte Menschen kennen. Zweimal haben wir im Übrigen Interviews gegeben, eins war ein Desaster, das andere ein ziemlicher Erfolg.

    • Was hindert dich, einem der vorhandenen beizutreten?
      Agens, Manndat…

      Ein starker einzelner Verein bewirkt im Zweifel mehr als eine vielzahl zerplittterter kleiner.

      Ein neuer eigener Verein muss einen eigenen Sinn und Zweck haben, den die vorhandenen nicht erfüllen. Väternetzwerk hat einen anderen Fokus als Manndat, darin liegt seine Berechtigung.
      Wenn du dich Vereinsmäßig engagieren möchtest, gibt es die Möglichkeit bereits. Ansonsten müsstest du darlegen, welches originäre Vereinsziel dir vorschwebt, das einen eigenen Verein rechtfertigen würde.

      Ein solcher Grund könnte z.B. tatsächlich sein:
      Eine Struktur zu haben, in der real life treffen der online-comunity stattfinden können.
      Ob ein Verein dafür die richtige Struktur ist, ob ein Verein dafür notwendig ist, bin ich mir nicht sicher.

      • Ok, danke für die Vereinsvorschläge. Welches Ziel oder Daseinsberechtigung ein neuer Männerverein haben soll? Naja, ihr habt ja selbst bereits schon wichtige Punkte genannt. Also einmal sollte es zum Ziel haben die Online-Community(z.B. MGTOW) verstärkt in das Real-Life zu überführen und vor allem BESTEHENDE Vereine besser zu vernetzten. Aber grundsätzlich finde ich es immer besser sich bei ähnlichem politischem Anliegen zu versammeln als sich NICHT zu versammeln! Egal wie viele Vereine parallel schon existieren. Wie gesagt, versammeln reicht, verein ist nicht notwendig. Komplexität am Anfang raus halten wo es nur geht! Danach kann man immer noch klären ob man sich jetzt einem bestehendem Verein anschließt oder weiter sein eigenes Ding macht.

        Und dieses „Ding“ sollte dann bald möglichst die Anmeldung einer Demo in irgendeiner Stadt sein. Oder wenigstens die Verteilung von Flugblättern(Besser noch: Digitale Flugblätter an öffentlichen WLAN Hotspots)

    • Gibt es denn irgendwoe eine Übersicht über die bestehenden Vereine und Interessensgruppen? In Deutschland, deutschen Städten, dasselbe in der Schweiz?

  • @ crumar und Gunnar Ganz herzlichen Dank noch einmal auch von mir für den Text! Ein Gedanke, den ich mir aber erst nach der Veröffentlichung überlegt habe (sonst hätte ich es vorher gesagt), bezieht sich auf den Titel. Ich bin mir nicht mehr sicher, dass „Medienhysterie“ die richtige Bezeichnung ist.

    Erstmal der gängige feministische Einwand, dass der Begriff „Hysterie“ abgeleitet vom griechischen ὑστέρα (hystera, Gebärmutter) ohnehin sexistisch sei, weil er sich grundsätzlich auf Frauen beziehe und die als nervös, panisch, durchgeknallt darstelle. Ich weiß gar nicht, ob das den heutigen Sprachgebrauch noch richtig wiedergibt, habe aber tatsächlich den Eindruck, dass der Begriff selten für Männer gebraucht wird.

    Jedenfalls ist es ja überhaupt nicht der wesentliche Punkt, dass #MeToo irgendwie spezifisch weiblich wäre – sondern dass diese Bewegung, oder Kampagne, mit der Medienmacht, die sie hat, enorm verantwortungslos umgeht. Das heißt, der wesentliche Vorwurf hat eben gar keine geschlechterspezifische Schlagseite.

    Zweitens, und viel wichtiger noch: Ich glaube nicht, dass es überhaupt um eine „Hysterie“ – also um eine weitgehend kopflose Aufregung – geht. Passender ist schon der Vergleich mit einer „Hexenjagd“, der ja in den Kommentaren gezogen wurde. Ganz ähnlich, wie Miller das in seinem Stück Hexenjagd/The Crucible für das historische Salem bzw. für die damals aktuelle McCarthy-Ära beschreibt, macht sich hier ebenfalls jeder umgehend verdächtig, der nicht sofort in die Vorwürfe einstimmt, der Zweifel anmeldet, der Distanz sucht.

    Mit der Hysterie hat Metoo also vor allem die Unfähigkeit gemeinsam, eine halbwegs überlegte Distanz zu halten. Wichtig ist hier aber, dass die Distanzlosigkeit bewusst und systematisch produziert und beständig moralisch unterfüttert wird: Wer nicht mit uns wütend wird, ist ein Schwein!

    Das heißt, Metoo ist eben nicht kopflos, sondern durchaus überlegt und kalkuliert. Das ist an sich auch ganz richtig: Wer mit medialen Kampagnen Erfolg haben möchte, muss nun einmal kalkulieren und darf nicht nur blind Aufregung raushauen. Er/Sie darf eben gerade nicht hysterisch sein.

    Erschreckend ist ein ganz anderer Punkt – nämlich wie skrupellos hier in Kauf genommen wird, Menschen zu schaden. Damit meine ich natürlich auch, aber nicht nur die Männer, die daran verzweifeln, obwohl ihnen überhaupt nichts nachgewiesen wurde.

    Einen besonders bitteren Fall finde ich übrigens den des alten Woody Allen: Obwohl da überhaupt keine neuen Fakten bekannt wurden, war der Metoo-Druck zur Solidarisierung gegen „das Schwein“ so groß, dass sich plötzlich reihenweise Schauspieler von ihm lossagten, die Arbeit mit ihm verweigerten, dass seine Filme nicht mehr gezeigt wurden,… Das alles, wie erwähnt, ohne auch nur einen Fitzel neuer Fakten – schlicht als Resultat des medial geschaffenen Drucks.

    Skrupellos ist Metoo, zumindest für Deutschland, aber auch gegenüber den Betroffenen sexueller Übergriffe. Denen wird nämlich systematisch und gegen alle Realitäten der Eindruck vermittelt, sie stünden ganz allein da und hätten keinerlei Möglichkeiten, sich zu wehren. (Das war übrigens selbst schon in den 50er und 60er Jahren so nicht rundweg richtig. Ich hab mal mit meiner Mutter über Metoo gesprochen, und sie hat mir bei der Gelegenheit erzählt, wie sie sich als junge Frau gegen Zudringlichkeiten eines Chefs zur Wehr gesetzt und dabei selbstverständlich Unterstützung anderer Chefs gefunden hat.)

    Dass hier systematisch der Eindruck vermittelt wird, es gäbe keine Hilfe, obwohl schon lange institutionalisiert und ausformuliert Regelungen und Sanktionen zum Schutz gegen sexuelle Übergriffigkeit etabliert sind: Das ist ein Versuch, Frauen (Männer interessieren Metoo ja nicht) gezielt hilflos zu machen, um sich dann als die einzige Hilfe anbieten zu können, die sie haben.

    Damit können dann Posten gesichert und Zeitungen verkauft werden. Das aber ist überhaupt nicht mehr hysterisch, sondern einfach ein skrupelloses Kalkül.

    • Ich bin anderer Ansicht. Metoo IST spezifisch weiblich (wobei ich das Wort Hysterie nicht einseitig weiblich verstanden habe und auch nicht weiß, warum man feministische Interpretationen übernehmen muss). Wie immer hängen sich zahllose weiße Ritter dran, das ist aber völlig unerheblich. Es geht selbstverständlich und in erster Linie darum, ein Tätergeschlecht zu konstruieren, wie bei allen feministisch inszenierten Medienhypes der letzten Jahre.

      Ich stimme dir zu, dass viele Aktivisten genau wissen, was sie tun, und die Bewegung gezielt als Machtinstrument nutzen. Die Mehrheit derer, die sich in metoo abarbeiten und beispielsweise an Shitstorms teilnehmen, dürfte allerdings nicht so überlegt herangehen. Und im Übrigen außer dem Gefühl moralischer Überlegenheit nichts zu gewinnen haben. Wenn ich sehe, wie jeder harmlose Versuch, ein bisschen Augenmaß in die Kampagne zu bringen, mit einem unverhältnismäßigen Aufschrei beantwortet wird, ist das nichts anderes als Hysterie.

      Du schreibst: „Jedenfalls ist es ja überhaupt nicht der wesentliche Punkt, dass #MeToo irgendwie spezifisch weiblich wäre – sondern dass diese Bewegung, oder Kampagne, mit der Medienmacht, die sie hat, enorm verantwortungslos umgeht. Das heißt, der wesentliche Vorwurf hat eben gar keine geschlechterspezifische Schlagseite.“

      Frauen, die die Bewegung kritisieren, werden angegriffen, aber das ist ein Nebenprodukt, die Intention von metoo richtet sich erklärtermaßen gegen „mächtige Männer“.

      Du reduzierst die Bewegung auf einige Strippenzieher, metoo hat sich aber längst verselbstständigt. Es kann nicht die Rede davon sein, dass irgendjemand die Richtung vorgibt; es kann jeden erwischen. Bestes Beispiel sind McGowan und Argento, die sich über die Bewegung zerstritten haben. Oder all jene Aktivisten, die plötzlich selbst unter Anklage stehen. Niemand ist mehr sicher. Nicht einmal diejenigen, die metoo ins Leben gerufen haben. Das Prinzip französische Revolution.

      Hexenjagd und Hysterie sind keine Gegensätze, jede Hexenjagd trägt Hysterie in sich. Auch in Millers Theaterstück läuft schließlich alles aus dem Ruder. Ansonsten eignet sich das Stück meiner Meinung nach nur bedingt zum Vergleich, eben weil metoo eine explizit männerfeindliche Komponente hat.

      Ich stimme dir ebenfalls zu, dass metoo auch den Betroffenen schadet, weil Frauen zu Kindern infantilisiert werden und die wahren Opfer von sexueller Belästigung unter dem inflationären Gebrauch des Vorwurfs untergehen. Das hat metoo aber mit dem gesamten Staatsfeminismus gemein, und du wirst mir sicher zustimmen, dass der sich zunächst einmal gegen Männer richtet. Ziel und Ergebnis sind nicht immer dasselbe. Das Ziel des derzeitigen Feminismus und auch von metoo sind die Männer. Dass damit im Ergebnis auch Frauen geschadet wird, ändert daran nichts. Ich halte es für wichtig, hier genau zu sein und nichts zu verwässern. Ich habe gerade angefangen, die Hunderte, wenn nicht Tausende von Links zu sichten für meinen Jahresrückblick, und muss feststellen, dass inzwischen ein regelrechter Vernichtungsfeldzug gegen den Mann an sich gefahren wird (von #menaretrash über das Männerbashing in der Diversitätsbewegung bis hin zum Abstammungsrecht). Das möchte ich nicht verharmlosen.

      Dass als Kalkül hinter metoo steht, Frauen hilflos zu machen, um „Posten zu sichern und Zeitungen zu verkaufen“, halte ich für weit hergeholt. Kannst du das begründen? Für den Zeitungsverkauf genügt der Skandal an sich, da braucht es keine Hilfsangebote. Die werden dort auch nicht geboten, das verdeutlicht unser Artikel ja gerade. Und Posten werden über metoo vor allem in der Medienbranche und irgendwelchen Vorständen generiert, das sind ebenfalls keine Positionen, in denen Hilfsangebote gemacht werden. Anders sieht es natürlich mit den vielen Gleichstellungsbeauftragten aus, die hilflose Frauen brauchen, um ihren Job zu rechtfertigen. Aber, wie Kipling sagen würde: Das ist eine andere Geschichte.

    • „Das war übrigens selbst schon in den 50er und 60er Jahren so nicht rundweg richtig. Ich hab mal mit meiner Mutter über Metoo gesprochen, “

      Haha, klar beim lügen erwischt: Das weiß doch heute jeder, dass Frauen damals gar nicht arbeiten durften, zumindest nicht ohne ausdrückliche Zustimmung des Mannes….

      Im Ernst, das wäre mal ein interessanter Artikel, zumindest ein wichtiger:

      Dass die schon damals nicht vorhandene angebliche Rechtslage auch nicht im heute vermittelten Sinne wahrgenommen wurde.

      Wenn die Frau eben arbeiten musste, dann ging sie eben arbeiten – und hat das durchaus nicht als die großartige „Befreiung“ erlebt, sondern als (durchaus einschränkende) Notwendigkeit.

      • @maddes8cht „Dass die schon damals nicht vorhandene angebliche Rechtslage auch nicht im heute vermittelten Sinne wahrgenommen wurde.“ Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem gerichtlich gegen eine Frau durchgesetzt wurde, dass sie nicht arbeiten dürfe, weil der Mann das nicht wolle.

        Wichtig scheint mir dabei auch, dass das Nicht-Arbeiten von Frauen grundsätzlich keine Unterdrückung der Frau durch den Mann, sondern Ausweis eines relativen Wohlstands war. Dass von zwei Erwachsenen eine nicht mehr arbeiten muss, muss man sich eben erst einmal leisten können.

        Ich bleibe mal beim familiären Beispiel. Ich hatte hier ja oft erwähnt, dass meine Eltern beide aus Arbeiterfamilien stammen. Meine Mutter hatte drei Schwestern, alle vier haben einen Beruf erlernt und gearbeitet. Das war in den 50ern für sie selbstverständlich, kein Ausweis von Emanzipation.

        Als ich und dann mein Bruder dann deutlich später auf die Welt kamen, hat meine Mutter nicht mehr gearbeitet – das wollten beide meiner Eltern so. Es wurde dadurch möglich, dass zu diesem Zeitpunkt mein Vater nicht mehr Maurer war, sondern über die Begabtensonderprüfung noch studiert hatte (das Geld dafür hatte er gespart, meine Mutter hat gearbeitet, zudem machten beide Schulden) und dann Beamter geworden war. Da erst konnten beide es sich überhaupt leisten, dass meine Mutter nicht mehr arbeitet.

        Die Vorstellung, Frauen wären durch eine böswillige Männerwelt aus der Erwerbsarbeit herausgehalten worden, geht also nicht nur an sozialen Realitäten vorbei. Sie ist auch Ausweis sozialer Privilegien, derer sich diejenigen, die diese Vorstellung vertreten, in aller Regel überhaupt nicht bewusst sind.

        • Sowas von 100 %ige Zustimmung!!!

          Gerade dieser Bereich zählt zu den (zugegebenermaßen nicht wenigen) Themen, wo sich feministische Narrative in einer derart grotesken Weise kontrafaktisch und geschichtsverfälschend verhalten, dass es eigentlich gerade für eine unabhängige Presse ein gefundenes Fressen sein müsste, ideologisierte Fanatiker anhand eben dieser so offensichtlichen Unsinnsaussagen öffentlich vorzuführen, so wie sie es ja mit Verschwörungstheoretikern, die nicht das Glück medialen Wohlwollens genießen dürfen, auch sonst mit großer Wonne tun. Effektiv ist aber zu erleben, dass genau diese Narrative, trotz ihrer leicht nachprüfbaren Kontrafaktizität, von jenen Medien klar mehrheitlich nicht nur nicht bloßgestellt, sondern sogar in vehementer Taktung nachgebetet werden.

          Da ist tatsächlich die Schweizer Presse im deutschsprachigen Raum vorbildlich. Zwar gibt es auch dort die sehr aktiven Pressefeministinnen, an denen sich ja auch hier Mark schon das eine oder andere Mal gerieben hat, aber denen stehen wenigstens auch eine wahrnehmbare Menge an deutlichen Gegenstimmen gegenüber. Erfrischend z. B. wenn etwa die NZZ süffisant titelt „Frauenpower, aber bitte nur in Teilzeit!“, wie Arne auf Genderama kürzlich verlinkte. So etwas erscheint mir in der deutschen Medienlandschaft fast schon unvorstellbar, weil schon ein solcher Titel natürlich ganz dolle frauenfeindlich und damit reine Ketzerei wäre.

          Wobei ja auch gerade in dem im Artikel angesprochenen Thema, und zwar Probleme die in einigen Berufsfeldern entstehen, weil Frauen so häufig nur Teilzeit arbeiten wollen, sich auch ein weiterer offensichtlicher Widerspruch in feministischen Narrativen findet. Nachdem ewig so getan wurde, als wäre der wesentliche Grund für die wenige Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben patriarchale Unterdrückung, die Frauen von der Befreiung durch Erwerbsarbeit ferngehalten hat (dass Arbeit frei macht, das weiß man in Deutschland ja spätestens seit den dreißiger Jahren… sorry für den bösen Seitenhieb), ist es nun, wo auch viele Frauen erwerbstätig sind, der heißeste feministische shice, die ja ach so männliche Arbeitswelt ein Bisschen frauengerechter zu machen. Also erst: „Wir wollen das auch!“, um dann, wenn man es hat, zu plärren: „Aber doch nicht so!“. Der narrative Spin ist für mich offensichtlich.

          Und dabei mal ganz davon zu schweigen, was es denn bitte mit „männlich“ zu tun haben soll, die meiste Zeit der täglichen Wachphase auf Arbeit zu verbringen und sich dort hierarchisch eingliedern und auch teils übelsten Arschlöchern unterordnen zu müssen. Mir wäre es neu, dass Männer immerzu rufen: „Liebe Arbeitgeber, bitte haltet uns möglichst lange und effektiv von unseren Familien fern!“. Meines Wissens beinhalteten Forderungen von Arbeitnehmerverbänden seit jeher immerzu exakt die gegenteiligen Positionen davon, auch oder gerade als diese noch erheblich von männlichen Mitgliedern dominiert wurden; man nehme als Beispiel die damalige Kampagne: „Am Samstag gehört mein Papi mir!“.

          Für mich zeigt sich dort aber ganz klar, wie sehr die politische und mediale Verengung von immer mehr gesellschaftlichen Bereichen auf das Geschlechterthema und dies auch noch immerzu stramm feministisch, dazu führt, dass vor allen Dingen klassisch linke Gesellschaftsanalyse unter Unmengen abstrus unterkomplexen Blödsinns begraben werden.

          Wie du richtig ausführst, ist die Möglichkeit einer Arbeitsteilung, also dass einer voll arbeiten geht, während der andere zu Hause bleibt und sich um Haus und Hof kümmert, ein erheblicher Luxus; und zwar, wenn man es auch fair handhabt für beide Seiten. Dem einen wird die Möglichkeit gegeben, sich nach Feierabend auszuruhen und sich um nichts mehr oder nur noch um wenig im Haushalt kümmern zu müssen, der andere genießt den auch nach meiner Einschätzung nicht unerheblichen Vorzug, nicht erwerbstätig eingebunden werden zu müssen. Auch Mischungen daraus, dass etwa beide halbtags arbeiten gehen und sich den Haushalt gleichmäßig aufteilen, stellen eine nicht unerhebliche Erleichterung für beide dar. Es hatte schon seine Gründe, dass genau diese Form der Arbeitsteilung in früheren Zeiten ein Privileg des gehobenen Bürgertums war. In den unteren Schichten waren auch schon früher die Frauen viel stärker auch in die Arbeit ihrer Männer, etwa auf Feldern oder in Werkstätten, mit eingebunden; zusätzlich zu den alltäglichen Aufgaben wie Haushalt und Kinderversorgung.

          Aber die Realität sieht doch so aus, dass die gestiegene Erwerbstätigkeit von Frauen nicht zuletzt sehr erkennbar mit der sozialen Einkommens- und Vermögensspreizung einhergeht, die, was keine allzu neue Entwicklung ist, langsam aber sicher den traditionell verhältnismäßig gutgestellten Mittelstand aussterben lässt. Das heißt, es gibt schlicht immer weniger Haushalte, die sich diese Form der Arbeitsteilung leisten können. Entweder muss einer von beiden ergänzend in Teilzeit arbeiten, oder es müssen gar gleich beide in Vollzeit ran. Und die Zusatzbelastungen, die sich aus dem Haushalt und anderen Alltagspflichten ergeben, kommen dann anteilig für beide noch obendrauf.

          Hier wird also meines Erachtens eine Folge einer alles andere als positiven gesellschaftlichen Entwicklung als großartiger Sieg der Emanzipation und somit natürlich auch des Feminismus‘ verkauft. Die Konsequenz ist, dass die eigentlichen Ursachen dafür kaum noch in den Blick genommen werden, weil ja schließlich die Folge daraus per ideologischer Umdeutung sakrosankt gesetzt wurde. Öfters wurde hier schon geschrieben, dass sich Vertreter bedingungslosen Markt- und Wirtschaftsliberalismus‘ nichts besseres hätten wünschen können, als die Abschweifungen postmodern Linker Ideologen, denn nichts in der jüngeren Geschichte hat linke Sozialanalyse mehr entkernt und stärker in Konformität mit den Anliegen besagter Leute gebracht. Dies hier ist für mich eines der hervorstechendsten Beispiele für diese These.

        • “ Ich kenne keinen einzigen Fall, in dem gerichtlich gegen eine Frau durchgesetzt wurde, dass sie nicht arbeiten dürfe, weil der Mann das nicht wolle.“

          Ich kenne nicht mal einen Fall, in dem es versucht wurde.
          Obwohl es durchaus Männer gegeben haben mag, die gegebenenfalls wirklich nicht gewollt haben, dass ihre gutbürgerliche Frau arbeitet und ihr das gegebenenfalls mit ihrer Autorität als Hausherr verboten haben könnten, scheint ein Bewusstsein dafür, dass es eine angebliche juristische Durchsetzungsmöglichkeit gegeben hätte, schlicht nicht vorhanden gewesen zu sein.
          Tatsächlich hat der Gesetzgeber einem solchen Ansinnen sehr enge Grenzen gesetzt, wie bei mitm sehr schön nachzulesen ist.

          Angesichts dessen, wie groß das Thema heute aufgebauscht wird, sollte man erwarten, dass sich das irgendwo und irgendwie in der zeitgenössischen Literatur niedergeschlagen hat.
          Auch da wäre mir nichts bekannt.
          Das ist mindestens bemerkenswert angesichts des Umstandes, dass das sujet „junge Frau befreit sich aus bürgerlichen Zwängen“ in den vergangenen 100 Jahren zwar unterschiedlich intensiv, aber wohl doch recht durchgängig bespielt wurde. Eine entsprechende gesetzliche Regelung müsste eigentlich ein gefundenes Fressen für diese Literarische Gattung gewesen sein.

          Nun muss ich zugeben, bei dieser Form von Literatur nicht beliebig sattelfest zu sein – das wäre also eine Einladung, mich über ein entgegenstehendes Beispiel aufzuklären.

          • @maddes @Billy @Schoppe

            Ich werde ja nicht müde zu betonen, dass (West-) feministische „Narrativ“ ist erstens an sich ein solide Geschichtsfälschung.

            Es wird ständig „vergessen“, es gab da einmal eine DDR, in der kein einziger Mann seiner Frau verbieten konnte zu arbeiten, jede Frau in der Lage war, eine eigenes Bankkonto zu eröffnen und es selbst in den 50ern nicht unüblich war, dass Frauen Bauingenieur werden wollten und konnten.
            Abgesehen davon galt „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ (das war eine realisierte sozialdemokratische Forderung).

            Zweitens ist das feministisch bejammerte West-Modell von Frau bewusst als Alternative zum Ost-Modell entworfen worden.
            Man kann noch immer den ausstreckten Zeigefinger erkennen: „Seht her, was wir euch zu ersparen gedenken!“
            Koste es, was es wolle – es war ohnehin nur das Geld von Männern.

            Die Mehrheit der Frauen in der BRD hat präzise aus diesem Grund CDU gewählt.
            Man brauchte sie nicht zu unterdrücken, man musste sie nur zu korrumpieren, sie wurden nicht unterdrückt, sie wurden bestochen und haben sich bestechen lassen.

            Die feministische Geschichtsfälschung ist ein weiteres quid pro quo.
            Wenn der Staatsfeminismus sich als notwendige Voraussetzung der Frauenbefreiung setzt, dann sind die gesellschaftlichen Umstände hinderlich, unter denen sich eine Selbstbefreiung vollziehen konnte.

  • „Im Sinne des feministischen Subjektivismus und der Definitionsmacht gilt nicht die Intention oder ein Vorsatz des Handelnden, sondern die subjektive Wahrnehmung des Betroffenen:“

    Was dieser Subjektivismus eigentlich bedeutet, kann man am besten dann ermessen, wenn man den Tatbestand der sexuellen Belästigung mit anderen Tatbeständen vergleicht, z. B. mit dem der Tötung. Bei der Tötung wird juristisch unterschieden zwischen:

    – Mord
    – Totschlag
    – Fahrlässige Tötung
    – Körperverletzung mit Todesfolge.

    Zudem wird unterschieden zwischen:

    – Töten durch aktives Handeln
    – Töten durch passives Unterlassen (z. B. unterlassene Hilfeleistung).

    Auf den ersten Blick wirken all diese Unterscheidungen geradezu zynisch. Man möchte sagen: Wenn jemand getötet worden ist, was spielt es da für eine Rolle, ob der Täter aus niederen Beweggründen gehandelt hat, oder ob er die Tötung fahrlässig in Kauf genommen hat?

    Ich selbst bin kein Jurist, bin aber zuversichtlich, daß die meisten Juristen schlüssig erklären können, warum der Gesetzgeber all diese Unterscheidungen eingeführt hat, um die Schuld des Täters angemessen beurteilen zu können. Denn all diese Unterscheidungen heben ja ab auf die Motivation und die Perspektive des Täters – offenbar sind diese Aspekte ungemein wichtig, wenn die Schuld des Täters, und damit das gerechte Strafmaß, zuverlässig ermitteln werden soll.

    Und jetzt zurück zur sexuellen Belästigung: Hier soll nun die Motivation und die Perspektive des angeblichen Täters völlig irrelevant für das sein, was da angeblich passiert ist, und was nun gerichtet werden soll. Das ist grotesk. Bei der Tötung werden der Motivation und Perspektive des angeblichen Täters höchste Bedeutung beigemessen, bei der sexuellen Belästigung werden diese kategorisch ausgeblendet, damit auf keinen Fall Vorbehalte gegen die Beschuldigung durch das angebliche Opfer aufkommen können.

    • @Jochen Schmidt
      Gut, hier müsste man natürlich noch unterscheiden zwischen Zvil- und Strafrecht. Sexuelle Belästigung im zivilrechtlichen Sinne kennt den subjektiven Tatbestand, also die Perspektive des Täters auch nicht. Hier wird auf das Empfinden der Durchschnittsbevölkerung abgestellt. Beim Strafrecht spielt natürlich dann der subjektive und objektive Tatbestand eine Rolle.

  • Zur Häufigkeit von Falschbeschuldigungen von Männern durch Frauen:

    „One highly respected legal academic, elected by her peers as president of the prestigious Association of American Law Schools, recently reported that „the overwhelming consensus in … research relying on government data is that false reports account for only about 2 percent of rape complaints.“ It is indisputably true that, largely through the efforts of legal dominance feminists, there now
    exists a consensus among legal academics that only two percent of rape complaints are false. This purportedly empirical statement is ubiquitously repeated in legal literature. Dozens of law review articles reiterate that no more than one in fifty rape complaints is false.“ This empirical fact, however, is an ideological fabrication.“

    Greer, E. (2000): The truth behind legal dominance feminism’s “two percent false rape claim” figure. In: Loyola of Los Angeles Law Review, 33(3), 947–972.

    https://digitalcommons.lmu.edu/llr/vol33/iss3/3/

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