Feindbild Mann Gewalt Wissenschaft

Aufruf: Keine Stigmatisierung der Männer in der Gewaltdebatte!

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ich dokumentiere hier einen Text von agens, der auf eine Kampagne reagiert, die von der Familienministerin Franziska Giffey lanciert wurde. Mit Berufung auf die Kriminalstatistik präsentiert Giffey häusliche Gewalt als männliches Problem und Frauen als Opfer männlicher Gewalt.

Dass das nur ein Teil der Wahrheit ist, und etwa nur die Hälfte, ist lange bekannt.

Denn natürlich sind auch Männer Opfer häuslicher Gewalt und Frauen Täterinnen. Mehr noch: Familiäre Gewalt oder Partnerschaftsgewalt lässt sich kaum sinnvoll als Defekt einer Geschlechtszugehörigkeit und wesentlich angemessener als Ergebnis einer Gewaltdynamik beschreiben, an der mehrere Seiten beteiligt sind.

Gleichwohl wurde Giffeys Darstellung medial weithin übernommen und zum Teil noch massiv zugespitzt. Für die taz beispielsweise sind Männer schlechthin ein Gesundheitsrisiko.

Ich arbeite gerade selbst an einem Text zum Thema, veröffentliche aber erst einmal den Protest von agens. Die Autoren rufen dazu auf, diesen Protest hier mit einer eigenen Unterschrift zu unterstützen. (Lucas Schoppe)

 

 Aufruf: Keine Stigmatisierung der Männer in der Gewaltdebatte!

In einem Interview mit dem SPIEGEL-Online am 16.11.2018 möchte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey uns glauben machen, dass Frauen fast ohne Ausnahme gewaltlos seien und Männer genau das Gegenteil. Wie vielleicht in Laienkreisen noch üblich, wird von der Ministerin die Kriminalstatistik als Beweis herangezogen.

Was aber nicht polizeilich gemeldet wird, wie oft in der Vergangenheit bei Frauen und jetzt bei Männern, das kann die Kriminalstatistik auch nicht wiedergeben. Zum Beispiel Gewalt, die sich alltäglich ereignet, die aber die private Sphäre nie verlässt. Dazu trägt bei, dass männliche Opfer vor allem aus Scham und aus Angst vor Verhöhnung sich nicht bei der Polizei oder bei den Ämtern melden wollen.

Diese alltägliche Realität der Gewalt wird seit den 90er Jahren weltweit, vornehmlich in den USA gründlich erforscht. Danach schlagen Frauen so häufig zu wie ihre Männer. Das gilt auch für die Schläge, die sie ihren Kindern versetzen. Das weiß man deshalb so genau, weil Männer wie Frauen in Studien über ihr eigenes gewalttätiges Verhalten Auskunft gaben und nicht über das des Partners.

Diese Symmetrie der Gewalt in Beziehungen wurde im Detail und mit großen Stichproben in weit mehr als 550 Studien in der internationalen Forschung eindeutig belegt. Nichtsdestotrotz unterlässt es das Familienministerium weiterhin, diese wissenschaftlichen Erkenntnisse wahrzunehmen, wodurch eine Polarisierung von Männern und Frauen weiterhin in Kauf genommen wird.

Wir protestieren hiermit aufs Schärfste gegen diese sexistische Politik, die Männer auf verachtende Weise diskriminiert und vor allem eine effektive Hilfe für die von Gewalt geplagten Partnerschaften verhindert, zumal diese Politik einseitige Schuldzuweisungen statt partnerschaftliche Lösungsansätze begünstigt.

Wir fordern das Bundesfamilienministerium und die Bundesregierung auf, künftig von dieser Stigmatisierung der Männer abzusehen und die anvisierten Gelder für das Aktionsprogramm 2019 dafür einzusetzen:

  • dass die Effektivität der Frauenhäuser überprüft und ausgewertet wird
  • dass praxisnahe Weiterbildungsangebote für die Jugendhilfe, für Ärzte, Anwälte, Richter, Psychotherapeuten und Berater finanziert werden, die der Symmetrie der Gewalt gerecht werden
  • dass weitere Forschungsvorhaben finanziert werden, die eine Prävention der Gewalt zum Ziel haben.

Unterschreiben Sie hier

 
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7 Comments

  • Während die „Ministerin für alle ausser Männer“ in Deutschland gegen Männer hetzt, kann es anderswo auch anders gehen. In der Stadt Bern läuft aktuell eine Kampagne, welche das Tabu „Männer als Opfer häuslicher Gewalt“ brechen will.
    https://www.bern.ch/mediencenter/medienmitteilungen/aktuell_ptk/maenner-als-opfer-von-haeuslicher-gewalt-ein-tabu
    Medial begleitet landesweit durch nationale Medien. Zum Beispiel im Blick.
    https://www.blick.ch/news/schweiz/tabuthema-haeusliche-gewalt-gegen-maenner-sie-schlug-mich-auch-vor-den-kindern-id15010208.html

  • Sehr interessanter und erhellender Beitrag von Fischer: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/beziehungsgewalt-gefaehrliche-orte-kolumne-a-1240033.html.
    Nicht zu, sondern bei genauerer Betrachtung sogar gesunken ist Anzahl. Um eine Erhöhung der Opferanzahl zu öffentlichkeitswirksam zu generieren, wurden einfache einige Delikte neu mit aufgenommen, so z.B „ökonomische Gewalt“ (Unterhaltspreller), „Zwangsprostitution“ und „Zuhälterei“. Gender Budgeting sucht man(n) (Frau auch) übrigens vergebens, wie üblich werden die männlichen Opfer unsichtbar gemacht und bekommen genau -nix- an Unterstützung-/Hilfeleistungen etc.

    • Die Bezeichnung „Unterhaltspreller“ ist falsch. Es geht um eine völlig andere Gruppe, nämlich die Barunterhaltsnichtzahler. Also nicht zuletzt um Leute, denen der Unterhalt ( z.T. eindeutig rechtswidrig ) untersagt wurde.

  • Boah…! Ich meine… also… Boah! Diese Taz-Titelseite ist ja mal echt ein Hammer! Die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit gegen Männer muss in der Redaktion schon wirklich tief verwurzelt und zur Normalität geronnen sein, wenn den Tröten da nicht auffällt, dass sich diese Schlagzeile effektiv nur durch ein einziges Wort (und eventuell noch durch die Nichtverwendung von Sütterlin als Schriftart) von Schlagzeilen aus den späten Dreißigerjahren des letzten Jahrhunderts unterscheidet.

    UNFASSBAR!!!

  • Ich habe echt Bauchschmerzen bei einer Unterzeichnung der Petition.
    Denn leider verzichtet man auch hier wieder darauf, deutlich darauf hinzuweisen, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden und man verzichtet auf die explizite Forderung, auch staatlich finanzierte Hilfsangebote speziell für Männer einzurichten.

    „dass die Effektivität der Frauenhäuser überprüft und ausgewertet wird“ kann man wohl kaum so auffassen, als sei damit eine Forderung im Sinne der männlichen Opfer gemeint.

  • Ich verstehe ebenfalls nicht, dass die taz-Redaktion diese offen diskriminierende Schlagzeile so „durchgedrungen“ hat. Ich vermute, dass auch Männer Bestandteil der taz und der Redaktion sind. Hat man diese a) nach ihrer Meinung dazu gefragt oder b) gibt es gar keine Männer mehr dort? Wie immer sind es Doppelstandards, die angewendet werden. Und wie stets an dieser Stelle der Gedanke „was wäre wenn“. Wie gross wäre der mediale Aufruhr, haette eine Tageszeitung eine entsprechend einseitige Schlagzeile gegen Frauen gebracht. Dass solche in höchstem Maße unfaire Schlagzeilen möglich sind, darf Männern (und Frauen) nicht egal sein.

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