Feindbild Mann Geschlechterdebatte Gewalt Identitätspolitik

Die Ministerin, die häusliche Gewalt und die toten Jungen

geschrieben von: Lucas Schoppe

Überwältigend waren die medialen Reaktionen auf die Vorstellung der Kriminalstatistik zur häuslichen Gewalt durch die Familienministerin Franziska Giffey. Der folgende Text setzt sich sowohl mit diesen Reaktionen als auch mit dem Forschungsstand zum Thema auseinander. Er ist deshalb auch umfangreich geworden (obwohl ich sogar noch einige Teile gestrichen habe, die ich vielleicht einmal als eigenständige Artikel veröffentliche).

Es ist mir aber des Themas wegen wichtig, den verbleibenden Text im Zusammenhang zu veröffentlichen.

Um das Lesen zu erleichtern, habe ich wie schon beim Text von crumar und Gunnar Anker im Text gesetzt und hier vorn auf das Inhaltsverzeichnis verlinkt.

1. Wo echte Feministinnen Männer unterstützen: Der International Men’s Day

2. Von der medialen Produktion männlicher Gewalt

3. Wie Gewalt gefördert, gelindert oder verhindert werden kann

4. Qualitätsmedien im Gewaltrausch

5. Die Jugendministerin und die Jungen

Literatur

 

1. Wo echte Feministinnen Männer unterstützen: Der International Men’s Day

Der International Men’s Day wird in jedem Jahr am 19. November in Zusammenarbeit mit der UNESCO in vielen Ländern auf der ganzen Welt gefeiert, unter anderem in den USA, Australien, Irland, Großbritannien, Kanada, Dänemark, Indien, Südafrika, Frankreich, Norwegen oder Österreich. Sinn des Tages ist es, auf spezifische gesundheitliche Gefährdungen für Männer und Jungen aufmerksam zu machen, auch auf spezifische Benachteiligungen.

International ist der Tag anerkannt und wird weit über spezifische Männergruppen hinaus geschätzt. „Wenn Du den International Men’s Day ablehnst, bist du keine echte Feministin“, schreibt beispielsweise Jessica Brown im britischen Independent. 

Einer der wesentlichen Schwerpunkte des Tages ist das im Vergleich zu Frauen und Mädchen vielfach erhöhte Selbstmordrisiko von Männern und Jungen – in Großbritannien ist Selbstmord bei Männern unter 45 die häufigste Todesursache. 

Der Südwestfunk erläutert in dem Beitrag Tabuthema Suizid – Ist Selbstmord männlich? die Situation in Deutschland:

In Deutschland bringen sich in allen Altersklassen dreimal so viele Männer um, wie Frauen. Diese Geschlechterverteilung ist ein globales Phänomen: Suizid ist Männersache. Dabei sterben in Deutschland deutlich mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord und Totschlag, illegale Drogen und Aids zusammen. Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland über 10.000 Personen das Leben. Die Dunkelziffer liegt circa 25 Prozent höher.

Neben alten Menschen sind besonders Jugendliche gefährdet.  Selbsttötung ist in Deutschland nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache junger Menschen zwischen 15 und 20 Jahren.

In den vergangenen zehn Jahren nahmen sich nach Angaben der Telefonseelsorge Berlin jedes Jahr in Deutschland mehr als 600 Jugendliche das Leben,

schreibt der Tagesspiegel 2013. Für die Mitteldeutsche Zeitung ist der Suizid sogar Todesursache Nr. 1 bei Jugendlichen“.

Stimmen die zitierten Angaben, dann bringen sich in Deutschland in jedem Jahr etwa  150 Mädchen und 450 Jungen um. Ohne dass dies das Leid und die Hilfsbedürfigkeit der Mädchen schmälerte, ist doch die geschlechtsspezifische Komponente deutlich: Statistisch betrachtet tötet sich in Deutschland an jedem Tag mindestens ein Junge zwischen 15 und 20 Jahren selbst, an vielen Tagen sind es sogar mehrere.

Es ist also auch in Deutschland wichtig, dass Jungen Anlaufstellen, Ansprechpartner, Hilfe und zudem positive Perspektiven und Vorbilder finden. Es ist nur stimmig, dass das Motto des International Men’s Day im Jahr 2016 „Stop Male Suicide“ (Stoppt den männlichen Selbstmord) war und dass es im laufenden Jahr „Positive Male Role Models“ (Positive männliche Vorbilder) ist.

 

2. Von der medialen Produktion männlicher Gewalt

Was aber hat dasjenige deutsche Ministerium dazu beigetragen, dass für Jungen und Mädchen, für Familien und auch für die Gleichberechtigung der Geschlechter zuständig ist? Machte seine Ministerin auf die spezifischen Nöte von Jungen aufmerksam, oder auf die Gesundheitsgefahren für Männer, und zeigte sie Jungen und Männern, dass staatliche Institutionen auch ihnen Beistand leisten? 

Nichts davon. Direkt am Folgetag, dem 20. November, lancierte Ministerin Franziska Giffey mit einer Pressekonferenz eine Kampagne zur häuslichen Gewalt, die – ganz gegen die einschlägige Forschung – Männer pauschal als Täter und Frauen pauschal als Opfer präsentiert. Von positiven männlichen Vorbildern oder Hilfen für die vielen Jungen in Not war keine Rede.

113.965 Frauen wurden demnach von ihrem Partner oder ehemaligen Partner misshandelt, gestalkt oder bedroht. ‚Für viele Frauen ist das Zuhause ein gefährlicher Ort‘, sagte Giffey.

Die Politikerin machte deutlich, das zwar auch Männer unter den Opfern seien, diese jedoch mit 18 Prozent unter den insgesamt 138.893 Fällen die Minderheit darstellten. Die Zahl der Delikte stieg im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Das ist laut Giffey auch dadurch zu erklären, dass neue Deliktarten in die Statistik aufgenommen wurden, darunter Zwangsprostitution und Zuhälterei.

Was Giffey ebenso verschweigt wie der Spiegel, der hier über die Pressekonferenz berichtet: In der Forschung zu häuslicher Gewalt ist es seit Jahren vielhundertfach belegt, dass Männer etwa in gleichem Maße Opfer werden wie Frauen und dass Frauen etwa in gleichem Maße wie Männer gewalttätig werden. Der Unterschied zwischen Hell- und Dunkelfelduntersuchungen wird deutlich durch Forschungen, die nicht auf Kriminalstatistiken, sondern auf detaillierten Befragungen beruhen – dazu, was beide Partner jeweils erlebt UND was sie getan haben.

Die Bebilderung der unterschiedlichen medialen Beiträge ist auffällig gleichförmig: Immer wieder sehen wir eine Frau, die von Gewalt getroffen und bedroht ist – und der Mann ist entweder gar nicht im Bild und nur als Bedrohung spürbar, oder es sind nur die Körperteile sichtbar, die Gewalt ausüben. Männer sind hier immer wieder eher Gewaltmaschinen als Menschen.

Die Verletzungen, die Männern Frauen zufügen, sind nach einigen Studien tendenziell größer als umgekehrt die Verletzungen, die sie durch Frauen erleiden – nach anderen Studien greifen Frauen häufiger als Männer zu Waffen (dazu z.B. Patricia Noller/Laurance Robillard, Paargewalt, S. 175f.). Ein wesentlicher geschlechtsspezifischer Unterschied ist zudem, dass Männer erlittene häusliche Gewalt deutlich seltener anzeigen als Frauen. (dazu z.B. David L. Fontes, Männliche Opfer, S. 376)

Wer sich also, wie Giffey, auf die Kriminalstatistiken beschränkt, der weiß, dass er damit nur einen stark verzerrten Teil der sozialen Realität abbildet.

Nun hätte es natürlich keinen Sinn, wenn Männer in einen Opferwettlauf mit Frauen einsteigen würden. Wichtig ist vor allem: Wenn Giffey den Eindruck erweckt, häusliche Gewalt sei wesentlich ein geschlechtsspezifisches, nämlich männliches Problem – dann geht sie über wesentliche Forschungen zur häuslichen Gewalt hinweg und beschneidet damit die bestehenden Möglichkeiten, diese Gewalt einzudämmen.

Häusliche Gewalt kann auf persönliche Faktoren zurückgeführt werden (etwa auf ein großes Kontrollbedürfnis, auf Verlassensängste oder auf routinierte Schuldzuweisungen an andere), aber auch auf eine ungünstige Beziehungsdynamik. (dazu z.B. Julia C. Babcock et.al, Entwicklung der Misshandlung, S. 290f.) Hier stellt die Forschung wiederholt fest, dass eine Gewaltdynamik im Zusammenhang mit einer dysfunktionalen Kommunikation des Paares steht – und Verbesserungen der Kommunikation können erheblich zur Vermeidung weiterer Gewalt beitragen (z.B. Noeller, 182, Babcock, 290)

Gescheitert ist hingegen das Duluth-Modell, das häusliche Gewalt als männliche Gewalt beschreibt, in der sich patriarchale Strukturen der Gesellschaft ausprägten. (Babcock, 278ff.) Der Gewaltdynamik einer Partnerschaft wird dieses Modell ebenso wenig gerecht wie den spezifischen persönlichen Faktoren, die zur Gewalt beitragen.

Giffey hingegen wählt sich die Daten, auf die sie sich bezieht, so aus, dass sie häusliche Gewalt als männliche Gewalt beschreiben kann. Dass der angebliche Anstieg der Gewalt „auch“ durch das Hinzufügen „neuer Deliktarten“ zu erklären wäre, ist zudem bestenfalls irreführend.

Wenn man diese neu aufgenommenen Tatbestände abzieht, ist die Zahl der gemeldeten Taten nicht gestiegen, sondern um knapp 2000 gesunken.

– so Thomas Fischer im Spiegel. 

Fischer zählt auch Delikte auf, die nun neu zur häuslichen Gewalt gezählt werden, darunter Zwangsprostitution, Zuhälterei und, insbesondere, die Verletzung der Unterhaltspflicht. [Nachträgliche Anmerkung vom 29.11.: Fischers Angaben zur Aufnahme der Unterhaltspflicht in die Kriminalstatistik sind so nicht haltbar. Zwar führt die Statistik Unterhaltspflichtverletzungen in einem eigenen Kapitel auf, zählt die Fälle aber nicht zur Gesamtzahl der Opfer hinzu. Davon ist allerdings die Aussage unberührt, dass gleichwohl die Zahl der Fälle gesunken und der statistische Anstieg ein Resultat einer Ausweitung der Deliktarten ist. Dazu der Kommentar von krams, für den ich mich bedanke, und meine Antwort darauf. Mit Ausnahme dieses Einschubs habe ich meinen Text nicht geändert, auch wenn einige Argumentationen im kommenden Absatz so nicht mehr schlüssig sind. LS]  Giffey vergrößert damit nicht nur die Zahlen häuslicher Gewalt durch Delikte, bei denen die meisten Menschen wohl nicht auf die Idee kämen, dass sie zur häuslichen Gewalt gezählt werden. Sie wählt auch Delikte aus, die eine starke geschlechterpolitische Schlagseite haben.

Allein die Verletzung der Unterhaltspflicht fügt laut Fischer 5500 Fälle hinzu und garantiert so schon allein ein erhebliches Anwachsen der Zahlen. Da aber Männer kaum eine Chance haben, das Sorgerecht an einem Kind zugesprochen zu bekommen, werden hier wohl auch weitgehend Männer als Täter gelistet. Giffey hat die hinzugefügten Deliktarten also offenkundig so ausgewählt, dass durch sie Männer in größerem Maße als Täter und Frauen in größerem Maße als Opfer erscheinen.

Dass sie damit in einem Opferwettstreit Frauen gegen Männer ausspielt, verdeckt nicht allein männliche Opfer und weibliche Täterschaft – es drängt vor allem diejenigen Menschen aus dem Blick, die tatsächlich die wesentlichen Opfer häuslicher Gewalt sind. Fischer:

Die Bevölkerungsgruppe, für die das Zuhause mit Abstand am häufigsten ‚ein gefährlicher Ort‘ (ohne Ausweg) ist, sind Kinder unter zehn Jahren.

Gewalt gegen Kinder wiederum wird, da ist sich die einschlägige Forschung seit Jahrzehnten einig, zumindest in gleichem Maße von beiden Geschlechtern oder in höherem Maße von Frauen verübt. 

 

3. Wie Gewalt gefördert, gelindert oder verhindert werden kann

Dass Giffey häusliche Gewalt als männliche Gewalt hinstellt, hat also nicht allein den Nachteil, dass sie damit geschlechterbezogenen Ressentiments Vorschub leistet. Sie behindert damit auch die Eindämmung häuslicher Gewalt.

Denn es fördert Gewalt schon, wenn nur einer der Beteiligten die Verantwortung für das eigene Gewalthandeln an andere delegiert, wenn er eigene Gewalttätigkeit gar nicht oder bestenfalls als Notwehr wahrnimmt, oder wenn er andere grundsätzlich als feindselig erlebt. Es dämmt Gewalt hingegen ein, wenn die Beteiligten ihre Fähigkeit zur Kommunikation verbessern, wenn sie Empathie entwickeln und Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen. (dazu z.B. Babcock, S. 285)

Wer aber einem ganzen Geschlecht eine Tendenz zur Gewalt unterstellt, lädt dazu ein, eigene Verantwortung zu delegieren, eigene Gewalt als Notwehr zu beschönigen und Empathie mit den Angehörigen des Tätergeschlechts zu verweigern. All dies fördert Gewalt.

Auch die Süddeutsche Zeitung macht sich, so wie z.B. auch der Spiegel, gar nicht erst die Mühe, Beiträge mit eigenem Bildmaterial zu illustrieren, sondern greift gleich auf Bilder des Familienministeriums zurück. Diese Bild stammt aus einer Kampagne zur häuslichen Gewalt, die das Hilfetelefon für Frauen bewirbt, das von Giffeys Ministerium finanziert wird.

Tatsächlich können so nicht nur Frauen, sondern auch Männer Giffeys Vorstellungen nutzen, um eigene Verantwortung zu leugnen. Dag Schölper erklärt für das Bundesforum Männer, das von Giffeys Ministerium finanziert wird, dass auch Männer „negativen, menschenverachtenden Machtstrukturen“ ausgesetzt wären.

Von ihnen wird qua Geschlecht stillschweigend Korpsgeist erwartet, dass sie im Job, in der Bahn und in der Kneipe ihre Klappe halten; ‚besser‘ noch genauso selbstverständlich mit der sexualisierten Abwertung von Frauen und queeren Personen weitermachen, sich notfalls mit Gewalt nehmen, worauf mann eben gerade Lust verspürt; oder noch perfider: bewusst kalkulierend sexualisierte Gewalt einsetzen, weil sie besonders demütigend wirkt und damit eine ungemein zwingende Machtoption darstellt.

Ich bin schon seit einigen Jahrzehnten Mann, war vorher eine ganze Reihe von Jahren Junge und versichere hiermit, dass in meinem ganzen Leben noch nie irgendjemand von mir erwartet hat, sexuelle Gewalt bewusst-kalkulierend einzusetzen. Ich kenne auch überhaupt keinen Mann, der sich ernsthaft diesem Druck ausgesetzt sieht. Hätte ich mir jemals – was ich nie getan habe – von einer Frau mit Gewalt genommen, worauf ich so gerade Lust verspürte, dann wäre das allein meine Verantwortung gewesen, die ich nicht an diffuse Strukturen hätte delegieren können, so „menschenverachtend“ ich mir diese Strukturen auch fantasiert hätte.

Schölper projiziert hier abstrakte ideologische Konzepte auf eine Erfahrungswirklichkeit, die mit diesen Konzepten überhaupt nicht zu fassen ist, und er verschiebt damit persönliche Verantwortung ins Wolkig-Ungefähre. Wer konkrete Gewalttätigkeit auf eine abstrakte Idee der „Männlichkeit“, gern auch der „toxischen Männlichkeit“ projiziert, der verschafft damit also Frauen UND Männern die Möglichkeit, Verantwortung für das eigene Handeln zu leugnen.

Immerhin findet Spiegel-Online zwischendurch Zeit, sich für einen Frauentag einzusetzen.

Das ist gefährlich für erwachsene Opfer von Gewalt und katastrophal für die Kinder, die zum Opfer werden. Wer zudem Gewalt pauschal als männlich hinstellt, der verstellt Kindern womöglich den Schutz vor Täterinnen. Die unfassbar brutale, jahrelange sexuelle (zum großen Teil männliche, aber eben entscheidend auch weibliche) Gewalt an einem kleinen Jungen in Stauffen beispielsweise wurde wohl nur dadurch möglich, dass die Verantwortlichen der längst involvierten staatlichen Institutionen einer Mutter dieses Verhalten schlicht nicht zutrauten.

Wenn Kinder weniger extreme häusliche Gewalt erleben, hat das allerdings keineswegs zwangsläufig bleibende Folgen, jedenfalls nicht in Form von „signifikanten psychischen Störungen“. (Patrick T. Davies/Melissa L. Sturge-Apple, Auswirkungen häuslicher Gewalt, S. 224) Hier wäre es wichtig zu zeigen, welche familiären und persönlichen Bedingungen es Kindern ermöglichen, die belastenden Erfahrungen zu kompensieren. Die pauschale Verdammung von Vätern gehört nicht dazu, und insbesondere Jungen werden durch eine pauschale Assoziation von Gewalt und Männlichkeit weiter belastet – zumal sich viele Kinder ohnehin schon die Schuld an den Spannungen zwischen Eltern geben.

Das übrigens vollzieht eine absurde Umkehrung: Während Erwachsene ihre Verantwortung an andere Erwachsene oder an abstarke Strukturen delegieren, fühlen Kinder sich verantwortlich für das, was Erwachsene ihnen antun.

Giffeys Vorstellung ist also kaum geeignet, häusliche Gewalt einzudämmen, es besteht sogar Grund zur Annahme, dass sie effektive Wege zur Eindämmung der Gewalt verstellt oder gar Gewalt fördert. Wie aber nehmen deutsche Qualitätsmedien die Vorstellung einer Ministerin auf, die sachlich so offensichtlich angreifbar ist?

 

4. Qualitätsmedien im Gewaltrausch

Die deutschen Medien reagieren auf eine atemberaubende Weise: Sie lassen sich durch Giffeys Präsentation umgehend und über viele Texte hinweg in einen tagelangen Gewaltrausch versetzen. Das betrifft zudem weniger die üblichen Verdächtigen von Bild-Zeitung, BZ oder RTL2, sondern vorwiegend die Medien, die gern den Eindruck erwecken, sie würden „Qualitätsjournalismus“ produzieren.

Der Spiegel behauptet, dass die größte Gefahr für die Frau der eigene Mann wäre, dass es niemals klar wäre, wann „sie“ wieder zuschlagen, dass über die steigende häusliche Gewalt gegen Frauen niemand reden wolle („Mein Partner, mein Peiniger“) , dass die „deutsche Justiz viel zu nachsichtig mit prügelnden Männern“ wäre und Mütter zwinge, ihre Kinder anzulügen, und dass Tausende von Plätzen in Frauenhäusern fehlen würden. Er beklagt Giffey zitierend „unvorstellbare Zahlen“, informiert über Hilfsangebote für Frauen, ohne die fehlende Hilfe für Männer auch nur zu erwähnen, und  stellt bedrückende Fallschilderungen als repräsentativ hin: die Geschichte einer zwangsverheirateten Frau, die „fast totgeprügelt“ wurde, die einer Frau, die Gefangene ihres Mannes gewesen sei, die einer Frau, deren Partner den gemeinsamen Sohn habe töten wollen,  oder die einer Migrantin, deren deutscher Mann sich als gewalttätig erwies. Wenn Silke Fokken hier fordert, die Klischees der Debatte zu zerschlagen, dann geht es ihr selbstverständlich nicht darum, das Klischee männlicher Gewalt anzuzweifeln, im Gegenteil: Ihr kommt es auf die Botschaft an, dass Männer aller sozialen Schichten gewalttätig wären.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet über die „häusliche Hölle“ der Gewalt gegen Frauen, behauptet ausdrücklich, dass Gewalt gegen Frauen ein „strukturelles Problem“ wäre und eine Ergebnis der gesellschaftlichen Sozialisation von Männern, die „Vergewaltiger, Schläger und Mörder“ von nebenan hervorbringe, wiederholt Giffeys Aussagen, dass alle zwei bis drei Tage in Deutschland eine Frau getötet werde und dass misshandelte Frauen nicht genügend Plätze im Frauenhaus fänden.

Eben das betont auch Die Zeit , angereichert um die Behauptungen, dass jede dritte Frau in Deutschland häusliche Gewalt erlebe, dass das „erschreckende Ausmaß“ der Gewalt gegen Frauen ein „blinder Fleck“ wäre und nicht wahrgenommen würde und dass Frauen in Deutschland getötet würden, einfach weil sie Frauen wären – weshalb eine Verschärfung des Strafrechts dringend nötig wäre.

Die Tagesschau übernimmt Giffeys Darstellung, dass ihr Zuhause „ein gefährlicher Ort“ für Frauen wäre, und verweist bei der Gelegenheit auf einen früheren „Faktenfinder“-Beitrag dieses Jahres, der pauschal „Die männliche Gewalt“ beschreibt.

Die tageszeitung beklagt unironisch, dass es zu wenig Aufmerksamkeit für Gewalt gegen Frauen“ gäbe, stellt heraus, dass es jeden Tag einen Mordversuch an Frauen gäbe, und sie stellt in ihrer Hauptschlagzeile Männer insgesamt als Gesundheitsrisiko hin.

Das geschieht, wenn die Redaktion einer Tageszeitung es nicht ertragen kann, dass an einem Tag im Jahr auf gesundheitliche Belastungen von Männern und Jungen aufmerksam gemacht werden soll.

Die Ex-SED-Zeitung Neues Deutschland fordert ebenso wie Giffey gleich in mehreren Texten mehr Geld für Frauenhäuser.

Der Deutschlandfunk fragt suggestiv Warum schlagen Akademiker, Hilfsarbeiter, der nette Nachbar von nebenan, warum verprügeln, würgen, erstechen die ihre Frauen?“ , natürlich ohne Gewalt von Frauen zu erwähnen, und natürlich steigen auch Regionalzeitungen ein: „Wenn der Partner schlägt und tötet“ titelt beispielsweise der Weser-Kurier, und die Augsburger Allgemeine beschreibt wie viele andere mit Giffeys Worten das Zuhause als gefährlichen Ort für viele Frauen. 

Selbst diese ungeheure, aus wenigen Tagen zusammengestellte Liste ließe sich spielend noch wesentlich erweitern, aber ich glaube, dass die Tendenz der Darstellung auch schon so deutlich wird.

Es lohnt sich kaum, einzelne Texte zu analysieren, weil sie auffällig gleichförmig sind. Durchgehend fehlen die Hinweise auf Studien zur häuslichen Gewalt, die helfen würden, Giffeys Darstellung journalistisch sauber einzuordnen, und durchgehend reproduzieren die Texte die Worte der Ministerin distanz- und kritiklos. Selbst die Bilder vieler Artikel werden umstandslos vom Bundesministerium oder vom dort finanzierten „Hilfetelefon für Frauen“ übernommen.

Auch einordnende Reflexionen fehlen ganz, wenn sie nicht dem Eindruck einer umfassenden männlichen Gewalt gegen Frauen dienen. Das beispielsweise 147 Frauen im vergangenen Jahr durch ihren Partner getötet wurden, ist eine bedrückende Zahl – gleichwohl ist es natürlich unhaltbar und propagandistisch, sie als sinnbildlich für das generelle Mann-Frau-Verhältnis in einer Bevölkerung von 80 Millionen zu verkaufen.

Auffällig ist also erstens die ungeheure Gleichförmigkeit der Darstellung. Es ist bezeichnend, dass einer der ganz wenigen Texte, die sich nicht einpassen, nicht von einem Journalisten, sondern von einem Richter geschrieben wurde. Eine solche journalistische Selbst-Gleichschaltung haben schon Noam Chomsky und Edward S. Herman in den Achtziger Jahren in ihrer Schrift „Manufacturing Consent“ zu erklären versucht, die Gleichförmigkeit des deutschen Journalismus hat schon Thomas Meyer 2015 in seiner bei Suhrkamp erschienenen wichtigen Schrift „Die Unbelangbaren“ analysiert.

Zudem trägt sicherlich auch die enorme moralische Aufladung des Themas zur beunruhigenden medialen Gleichschaltung bei: Wer die Empörung, den offenen Schrecken über die Gewalt gegen Frauen nicht teilt, macht sich verdächtig, diese Gewalt fördern zu wollen.

Auffällig ist zweitens die journalistisch skandalöse, aber hier völlig selbstverständliche Distanz- und Kritiklosigkeit gegenüber der Darstellung einer Bundesministerin, mit der die Medien deren Darstellung orchestrieren, anstatt sie zu analysieren. Das lässt sich wohl auch mit einem fatal veränderten Selbstverständnis einer bürgerlichen Linken erklären.

Kritisch ist diese „Linke“ gegenüber diffusen („patriarchalen“, „heteronormativen“) gesellschaftlichen Strukturen, nicht gegenüber der Regierung. Die nämlich wird naiv als Bundesgenossin im Kampf für eine freiere, bessere Gesellschaft fantasiert: In der linken Identitätspolitik ist die autoritäre Linke stillschweigend zurückgekehrt – wenn sie denn jemals verschwunden war.

Jugend- und Familienministerin Giffey und ihr Orchester (Ausschnitt)

Drittens ist auffällig, dass dieses Desaster des deutschen Journalismus weitgehend von Journalistinnen produziert wird. Das bedeutet nun natürlich nicht, dass Frauen generell unseriösere Arbeit leisten würden – das wäre ein Umkehrschluss im Stil der Fehlschlüsse, an denen dieser mediale Gewaltrausch reich ist. Es zeigt aber, dass die Medien unter derselben Widersinnigkeit leiden wie die universitären Gender Studies: Geschlechterpolitik ist Frauensache. Zudem erklären sich offenkundig eben gerade die Frauen für zuständig, die eine klare politische Agenda haben.

Der beliebte Spott über die 63x Geschlechter bei Facebook geht also am Ziel vorbei: Das Problem dieser Geschlechterpolitik sind nicht 63 Geschlechter, sondern es die Tatsache, dass es für sie nur ein Geschlecht gibt.

Wenn nun aber angesichts dieser medialen Übermacht jemand davon ausgeht, dass häusliche Gewalt männlich sei, dann kann er gleichwohl ehrlich an einer Eindämmung dieser Gewalt interessiert sein und ist möglicherweise schlicht falsch informiert. Gerade die Gleichförmigkeit der Darstellung muss ja den Eindruck erwecken, wir würden erschöpfend und seriös informiert – denn es ist schließlich schwer vorstellbar, dass all diese Medien im Gleichschritt desinformieren.

Das wohlwollende Zugeständnis falscher Informationen gilt natürlich nicht für Ministerinnen oder Journalistinnen, deren Aufgabe es wäre, sich gut zu informieren. Vor allem: Wer nicht nur häusliche Gewalt als männlich, sondern – wie etwa die taz – Männlichkeit pauschal als schädlich und gewalttätig hinstellt, der hat gewiss kein ernsthaftes Interesse an der Eindämmung von Gewalt. Worum geht es dann?

 

5. Die Jugendministerin und die Jungen

Erinnert sich noch jemand an den Beginn dieses Textes? In Deutschland begeht demnach statistisch betrachtet jeden Tag mindestens ein Junge zwischen 15 und 20 Jahren Selbstmord, an vielen Tagen sind es sogar mehr. Darauf, und auf andere spezifische Belastungen für Männer und Jungen, sollte der International Men’s Day aufmerksam machen, einen Tag, bevor Giffey ihre Pressekonferenz zur männlichen Gewalt hielt.

Die Ministerin hat diesen Termin entweder bewusst gewählt, oder sie hat schlicht demonstriert, dass ihr spezifische Anliegen von Männern und Jungen gleichgültig sind. Schließlich erklärt sich ihr absurd zugeschnittenes Ministerium für ganz unterschiedliche Gruppen der Bevölkerung zuständig, lässt dabei aber die Männer zwischen 20 und 65 Jahren sorgfältig aus.

Als Jugendministerin wäre sie aber immerhin für die Jungen zuständig. Was erklärt also ihr demonstratives Desinteresse?

Ganz offen macht Giffey deutlich, dass es ihr um finanzielle Mittel aus öffentlichen Kassen geht. Nun haben sich über die Jahrzehnte Institutionen etabliert, die mit der Vorstellung der männlichen Täterschaft und des weiblichen Opferstatus jährlich Millionen beanspruchen: für Frauenhäuser, für Beratungsstellen, für akademische Positionen, und natürlich auch für das feministisch geprägte Frauen- und Familienministerium, in dem Giffeys Vorgängerinnen gerade erst massiv neue, gut dotierte Stellen geschaffen haben.

Anlaufstellen für Männer mit Gewalterfahrungen hingegen, für die es durchaus beträchtlichen Bedarf gibt, werden nicht öffentlich finanziert und gar auf demütigenden Weise von der etablierten Politik hingehalten. Suizidprävention wiederum könnte sehr effektiv sein, wenn es denn nur ausreichend Mittel für sie gäbe.

Die Millionen-Maschinerie würde gestört, wenn die weibliche Schutz- und Hilfsbedürftigkeit mit dem Anspruch von Männern konkurrieren und wenn auch weibliche Täterschaft klar thematisiert würde. Die pauschale Darstellung einer gewalttätigen Männlichkeit dient so dem Zweck, Männer als Wesen zu präsentieren, die sozialer Empathie unwürdig wären. In der zynischen, durchaus faschistoiden Logik der taz ist es denn auch schlüssig, dass der Tod von Jungen, aus denen ohnehin gesundheitsgefährdende „dumme weiße Männer“ würden, kein ernstzunehmendes Problem darstellt.

Vor allem: Anstatt das erwachsene Männer und Frauen gemeinsam ihre Verantwortung gegenüber Kindern wahrnehmen, spielt Giffeys Politik sie, sorgfältig in Opfer und Täter unterteilt, gegeneinander aus.

Anstatt das erwachsene Menschen ihre Mitverantwortung für Gewalt in der Gesellschaft, und für Gewalt gegenüber den Schwächsten, offen reflektieren, schieben sie sich mit Falschinformationen und irreführenden Darstellungen als Opfer ins Zentrum der Aufmerksamkeit und verdrängen Kinder und Jugendliche aus dem Fokus, in den sie eigentlich gehören.

Dadurch, dass sich die dafür Verantwortlichen in Politik und Medien hartnäckig im Status eines lauten empörten Moralisierens befinden, täuschen sie sich und andere über die tiefe Skrupellosigkeit ihrer Politik hinweg.

 

 

Zum Protest gegen die „Stigmatisierung von Männern in der Gewaltdebatte“ ruft die Organisation agens hier auf.

Eine kleine Korrektur: Der im Text erwähnte Faktenfinder-Beitrag, auf den die Tagesschau verlinkt,  wurde schon im März dieses Jahres geschrieben und nicht erst jetzt, nach Giffeys Pressekonferenz, erstellt. Ich habe dementsprechend den Text geändert

 

Literatur, soweit sie oben nicht verlinkt ist:

John Hamel, Tonia L. Nicholls (Hrsg.), Familiäre Gewalt im Fokus. Fakten – Behandlungsmodelle – Prävention, Frankfurt am Main 2013 Dieses umfangreiche Handbuch bietet eine enorme Fülle an Material zum internationalen Forschungsstand, an dem Giffey ebenso vorbeiblickt, wie es ihre journalistischen Multiplikatoren tun. Im Text habe ich mich auf folgende Beiträge daraus bezogen:

Julia C. Babcock / Brittany E. Canady / Katherine Graham / Leslie Schart: Die Entwicklung der Misshandlung: Aus dem finsteren Mittelalter in die wissenschaftliche Ära, S. 273-306

Patrick T. Davies / Melissa L. Sturge-Apple: Die Auswirkungen häuslicher Gewalt auf die Entwicklung des Kindes, S. 219-246

David L. Fontes: Männliche Opfer häuslicher Gewalt, S. 373-390

Patricia Noller / Laurance Robillard: Paargewalt: Ein neuer Blick auf einige alte Irrtümer, S. 171-194

Einen Überblick über das Thema bietet das Kapitel Die verschwiegenen Opfer der häuslichen Gewalt in Arne Hoffmanns Plädoyer für eine linke Männerpolitik, Springen 2014,. S. 157-182

Zudem verweise ich im Text auf Thomas Meyer: Die Unbelangbaren. Wie politische Journalisten mitregieren, Frankfurt am Main 2015

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54 Comments

  • Ich glaub würde ich in Deutschland leben, würde ich langsam depressiv ob einer solchen sexistischen Politik- und Mediengleichschaltung.

    Ich habe im letzten Beitrag von Schoppe auf die Kampagne in der Schweiz pro männliche Opfer häuslicher Gewalt verwiesen, und kann jetzt grad wieder einen Beitrag der NZZ posten, der diese ganze sexistische Geschlechterpolitik auch mal kritisch hinterfragt. Wie kann Deutschland, seine Journalisten und Zeitungen solche Stimmen einfach unterdrücken?
    https://www.nzz.ch/meinung/me-too-debatte-der-mann-ist-nicht-das-problem-ld.1439295

  • Zum Thema mediale Berichterstattung:

    Den Link / das Interview in den Nachdenkseiten habe ich sehr interessant gefunden; nahezu ironisch kam mir allerdings am Schluss das Resümee über die mangelnde Berichterstattung zu Frauenthemen vor.

    Will sagen: Das Kernproblem der Propaganda ist ja korrekt erfasst – für einen „Forscher“ (Achtung: Wissenschaft sollte neutral und ergebnisoffen sein) ist das Vorhandensein einer politische Färbung ein Offenbarungseid. Propaganda – ja nur bei den anderen. Ha, Ha.

    Setzen, sechs.

    Wobei wir wieder bei dem obigen Thema sind. Herr, wo ist das Hirn?

  • Mich hat der Artikel von Herrn Fischer im Spiegel vor einer Woche recht nachdenklich gemacht. Was er schreibt, ist leicht zu belegen, wenn man sich die Mühe machen würde, hinter die Pressemeldungen des Ministeriums zu schauen und doch war er der einzige mir bekannte Kommentar in den großen Medien, der die Hintergrundinfos geliefert hat. Die veränderten Definitionen der „häuslichen Gewalt“ in der Statistik sind nun wirklich recht klar als Manipulation zu umschreiben, mit dem die Realität dort der Ideologie angepasst wird, wo sie dieser eigentlich widersprechen würde. Es gibt offensichtlich großes Interesse, Frauen paranoid in ihren privaten Beziehungen zu machen und sich selbst als einzig wahren allumfassenden Beschützer der Frauen darzustellen. Hier zeigt das politische, mediale und wirtschaftliche Establishment sein eigenes Macho-Gesicht.

    • @Pedro

      Es ist eher ein „Macha-Gesicht“.
      Die hilflose Frau braucht den „allumfassenden Beschützer der Frauen“, den sie in den Schwestern des Staatsfeminismus findet.

      Dieser bürokratische Komplex findet sich u.a. im BMFSFJ, welcher wiederum Mittel an ein ganzes Netzwerk von Institutionen vergibt, die sich einer Ideologie verdankt, die es selber (mit-) produziert.

      Steigen die Fallzahlen häuslicher Gewalt im gewünschten Sinne, gibt es sich ausweitenden Förderbedarf für Beratungsstellen, wie bspw. der BIG e.V. in Berlin und zahllosen weiteren „Vereinen“ und „NGO“, die dann alles koordinieren (selbstredend entsteht auch der Bedarf an Koordinationsstellen).

      Mit diesen zusammen und den bestens vernetzten Akteurinnen in den Medien (Pro Quote z.B.) und Politik (Einflussgruppen und think tanks: ASF, HBS, FES, RLS) entstehen koordinierte Kampagnen in den Medien, die eine „Zivilgesellschaft“ emulieren.
      Es scheint so, als würde eine Vielzahl von Aktiven sich mit einer Stimme zu Wort melden, faktisch sind es ein Dutzend Institutionen, die alle an Bundes- oder Landesgeldern oder/und EU-Geldern hängen.

      Der bürokratische Komplex dieses Staatsfeminismus kann eines nicht gebrauchen: Die beholfene, die emanzipierte, die (sozusagen) „potente Frau“.
      Die „führende Rolle des Staatsfeminismus“ zu sichern erfordert die Existenz einer Ideologie, die das ganz entschieden verhindern muss.

  • Es ist ja nicht nur das Verbiegen von Statistiken und das Ausblenden von Jungen (Männer lassen wir mal ganz raus). Mit dem Unterhaltsquatsch gibt die SPD ne ganz andere Message, egal was und warum ihr nicht zahlen könnt, es interessiert und nicht…
    Wie ja schon hunderte Male dargestellt, die Männer sind
    1. Durch §850d ZPO gepfändet, sitzen laut §890 ZPO in Beugehaft, stehen wegen §170 StGB vor Gericht oder sitzen im Knast.
    2. Die meisten, so hat die kleine Anfrage der SPD von 1993 gezeigt, können nicht mal mehr gepfändet werden, weil kein Pfennig mehr über ist.
    3. Auch das sagt die Anfrage, die meisten, die zahlen könnten tun es nicht, weil sie die Kinder nicht sehen. Die berühmte Rückholquote von um die 16%. Somit ist genau das nicht zahlen eine Reaktion auf Gewalt.
    4. Die Bräunings in dieser Statistik scheinen vernachlässigbar.

    Während also die SPD/Grüne/Linke bei den Worten Harz4-Erschleichung oder Asylbetrüger auf die Barrikaden gehen, die Parteien auch auf die Barrikaden gehen wenn man auf die höhere Quote von Sorgerechtsentzügen bei Alleinerziehenden hinweist, was ja nun auch nur dann gemacht wird wenn dort in der Regel eine massive Vernachlässigung etc. (also massive Gewalt) erfolgt. Hier wird genau das, was sonst ja eher die AfD macht, selbst massiv getätigt, weil die Nutznießer dieser Verleumdung der Frauenklimbim ist.

    Meine Haltung zur AfD ist hoffentlich klar, aber ich frage mich echt, ob es nicht besser ist das Original zu wählen… Die Frage wäre, in wie weit hier eine Klage auf Verleumdung durch einen nicht zahlenden Vater Erfolg haben könnte. Da es nächstes Jahr finanziell besser aussieht bei mir würde ich auch was in den Klagetopf werfen.

    • “ Auch das sagt die Anfrage, die meisten, die zahlen könnten tun es nicht, weil sie die Kinder nicht sehen. Die berühmte Rückholquote von um die 16%. Somit ist genau das nicht zahlen eine Reaktion auf Gewalt.“

      Ich formuliere es mal konkret aus:
      Die Nichtzahlung von Barunterhalt ist in sehr vielen ( manche sagen sogar in den meisten Fällen, Zahlen scheint es dazu kaum zu geben ) die EINZIGE, letztendlich ( ! ) legale Möglichkeit, sich FÜR den natürlichen Unterhalt und gegen Verbrechen am Kind einzusetzen!
      Daß Fischer in dem Punkt pauschal mit „Sauerei“ herumgeneralisiert, hat meine Wertschätzung hart abstürzen lassen.
      Ich denke, der Mann ist möglw. einer der besten Strafrechtsexperten in D., auch zu den dazugehörigen Statistiken und rechtswissenschaftlichen Hintergründen würde ich mich nahezu blind auf ihn verlassen.
      Von den Spezialitäten im Zivilrecht, besonders den geheimen Sondergerichten FG sollte er allerdings besser einfach den Schnabel halten, denn davon hat er offensichtlich keinen Schimmer. Da greift bei ihm scheinbar die übliche „kollegiale Solidarität“, eine Art von Kadavergehorsam, resp. auch er hat den bestenfalls vollkommen unsinnigen „heiligen“ Spruch „was der Richter spricht wird Recht“ unreflektiert verinnerlicht.

  • Am schlimmsten ist das EU Land Spanien. Dort braucht eine Frau die ihren Ehemann oder Beziehungspartner loswerden will, diesen einfach der geschlechtsspezifischen Gewalt bezichtigen, und schwups wird dieser aus der Wohnung verwiesen, ohne das die Frau dazu Beweise braucht. Ihre Aussage reicht aus. Zusätzlich bekommt die Frau auch gleich einen Opferstatus der ihr etliche Vorteile bringt:
    Kostenlose Rechtsberatung / Alleiniges Sorgerecht für ihre Kinder (Kinder zählen dort automatisch gleich mit als Opfer, auch wenn der Vater ihnen gegenüber nie gewalttätig wurde) / Finanzielle Unterstützung vom Staat für 6 Monate / Bezahlten Sonderurlaub bei ihren Arbeitgeber (ist Pflicht) / Anspruch auf Wohnrecht in der gemeinsame Wohnung und bevorzugte Zuweisung an staatlichen Wohnungen / Bevorzugung beim Arbeitsamt / Kostenfreie medizinische Behandlungen / Bevorzugung bei der Scheidung und einiges mehr.
    All diese Vorteile stehen der Frau zur Verfügung sobald sie ihren Mann der Gewalt bezichtigt, ohne das dazu eine gerichtliche Verhandlung benötigt wird. Sollte der Mann dann später vom Gericht frei gesprochen werden, braucht die Frau trotzdem nicht ihre staatlichen finanziellen Zuwendungen zurück zahlen.
    Spanien hat extra Spezial Gerichte für geschlechtsspezifische Gewalt eingerichtet, überwiegend mit weiblichen Personal die eine besondere Ausbildung in geschlechtsspezifische Gewalt durchlaufen.
    Das ganze ist auch in verschieden Gesetzen gefasst, die ausschließlich den Mann als Täter vorsehen. Nach diesen Gesetzen wird ein Mann der z.B. eine Frau den Arm bricht härter bestraft als wenn umgekehrt eine Frau ihren Mann den Arm bricht. Weil Frauen können nicht nach den Gesetzen zur geschlechtsspezifischer Gewalt verurteilt werden – nur Männer werden danach verurteilt. Für Frauen gelten die allgemeinen Strafgesetze die mildere Strafen vorsehen.

    Da die EU Geld an Spanien für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zahlt, jeder einzelne Fall bring Geld ein, wurde und wird die Definitionen was geschlechtsspezifische Gewalt ist, immer weiter ausgedehnt. So kann z.B. das ausspionieren des Mobiltelefons der Ehefrau den Mann ins Gefängnis bringen.
    Spanien ist auch ganz fleißig im Sammeln von Statistiken über Gewalt gegen Frauen. Natürlich vollkommen einseitig, zum Beispiel geht jeder Fall wo ein Mann seine Partnerin tötet in die Statistiken ein. Über Männer die von ihren Frauen getötet werden, existieren keine offiziellen Statistiken.
    Es fließt Geld von der EU nach Spanien, darum wird das Thema dort gewaltig aufgeblasen, googelt mal unter ‚Violencia contra la mujer‘ oder ‚ley de violencia contra la mujer españa‘, man kann es kaum glauben das in einem EU Staat die Menschenrechte (von Männern) derart nieder getrampelt werden, und das schlimme ist, die EU unterstützt diese Verbrechen auch noch.
    Wahrscheinlich denkt ihr jetzt ich schreibe hier irgendwelchen Blödsinn, aber lest euch nur mal das hier durch:
    https://www.boe.es/buscar/pdf/2008/BOE-A-2008-2493-consolidado.pdf
    Automatische Übersetzung:
    https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=es&u=https://www.boe.es/buscar/pdf/2008/BOE-A-2008-2493-consolidado.pdf&prev=search

    • Schon bekannt. Indien ist da auch abgefahren. Wenn dort die Ehefrau auf der anderen Seite des Landes in einem Autounfall stirbt, wir der Ehemann automatisch wegen Mord angeklagt. Und Journalisten und Politiker sind sich einig das Männer nicht diskriminiert werden können.

  • Guter und wichtiger Artikel von Schoppe.
    Die Frage ist einfach, wie man dieser Medienmacht entgegentreten kann, zumal männerpolitische Anliegen ja kaum in die Mainstream-Medien gelangen oder zumindest nur in homöopathischen Dosen.
    Deshalb mein Vorschlag: Man sollte sich vor allem die Journalisten vorknöpfen, die eben diese einseitigen Texte produzieren. Das heisst: wenn Ihr also die jeweiligen Journalisten immer gerade direkt anschreibt und diese darauf aufmerksam macht, dass der Artikel einseitig, ev. irreführend, tendenziös oder unausgewogen ist. Dies sollte dann vielfach auch mit entsprechend seriösen Quellen untermauert werden. Wichtig dabei ist, dass ihr keine Romane schreibt, sondern kurz und auf den Punkt gebracht und Ihr dabei auch immer höflich bleibt. Und vor allem ist auch wichtig, dass diese nicht den Eindruck bekommen, dass sie es mit einem Querulanten zu tun haben. Deshalb: auch wenn die Journalisten zurückschreiben, macht es meistens keinen Sinn, noch einmal zum gleichen Artikel nachzuhaken, weil das bringt meist nicht viel.
    Ich selbst mache das immer wieder, die Journalisten zu kontaktieren und bei 50% bekomme ich meist auch eine Antwort zurück.

    • @Mark Smith: „Die Frage ist einfach, wie man dieser Medienmacht entgegentreten kann, zumal männerpolitische Anliegen ja kaum in die Mainstream-Medien gelangen“

      Da ist mMn die entscheidende Frage.

      „mein Vorschlag: Man sollte sich vor allem die Journalisten vorknöpfen, die eben diese einseitigen Texte produzieren.“

      Kann man machen. Einen Versuch ist es sicher wert.

      Ich bin aber skeptisch, ob man da viel erreichen kann. Ich halte diese „Journalisten“ für Aktivisten, deren Gehirnwäsche so gründlich war, daß man mit Sachargumenten nicht mehr durchdringt oder aufgrund des berüchtigten „Backfire Effects“ sogar das Gegenteil des Intendierten bewirkt.

      Außerdem halte ich die meisten Journalisten, insb. feministische, für Marionetten der feministischen Verlegerinnen. Der Fisch stinkt vom Kopf her.

      • @mitm
        Dieser Backfire-Effekt scheint ja in der Wissenschaft offenbar noch nicht sooo umfangreich erforscht zu sein. Ich denke, es handelt sich vermutlich um ein ähnliches Phänomen wie das Konzept der Kognitiven Dissonanz oder auch das Konzept der Abwehr der Psychoanalyse. Das ist klar, dass neue Informationen, die gerade gegenläufig zur eigenen Weltsicht sind, unterschiedlich verarbeitet werden können. Also dass sie auch zu einer Verfestigung der eigenen Weltsicht führen können, aber auch zu einer Integration, sodass sich dann die Weltsicht ein bisschen verändert. Ich denke einfach, wenn man Journalisten mit anderen Informationen konfrontiert, dann sollte man sie auch immer auf ihr berufliches Ethos ansprechen. Das berufliche Ethos sind die sogenannten journalistischen Qualitätskriterien wie Ausgewogenheit, Vielfalt der Perspektiven, Transparenz der Quellen, Richtigkeit, Wechselseitigkeit, Unabhängigkeit etc.
        Ich vermute also, wenn man auf diesen zwei Ebenen die Journalisten anspricht a) Qualitätskriterien der Berichterstattung und b) zusätzliche Informationen geben, die die Berichterstattung ergänzen, dann kann man schon einiges erreichen.
        Ab und zu schreibe ich auch sogenannte Experten an, die von den Medien quasi als Experten bei einem Thema interviewt werden. Beispielsweise hat sich ein Schweizer Psychiater und Traumatologe, der vor allem Experte auf sexueller Gewalt ist, auch zu den Falschbeschuldigungsquoten geäussert und das gleiche feministische Märchen heruntergebetet, dass diese bei 2-8% liege. Den habe ich dann auch kontaktiert und habe ihm gesagt, er gebe hier nicht den vollständigen Forschungsstand wieder, sondern nur einen kleinen Teil. Ich denke, dieser Experte wird sich hüten, noch einmal in der Öffentlichkeit unvollständige Zahlen wiederzugeben, zumal das überhaupt nicht sein Spezialgebiet ist (er ist kein Kriminologe) und er damit rechnen muss, dann man ihm Inkompetenz vorwirft.

        • @Mark Smith: „nicht sooo umfangreich erforscht“

          Ist mir auch negativ aufgestoßen. Außer der Studie von Nyhan und Reifler 2010 (When Corrections Fail: The Persistence of Political Misperceptions) scheint dazu nichts passiert zu sein. Zitiert wird diese Studie aber sehr oft, wohl weil der Begriff backfire effect so knackig ist 🙂

          „ähnliches Phänomen wie … das Konzept der Abwehr der Psychoanalyse“

          Sehe ich auch so. Ich würde den backfire effect als eine spezielle Form der Abwehr einordnen. Mit dem man aber rechnen sollte, zumal viele politische Debatten sinnlos sind, weil alle Seiten im Abwehrmodus sind.

          „b) zusätzliche Informationen geben, die die Berichterstattung ergänzen“

          Nach meiner Erinnerung was das der wichtigste Tip, wie man Abwehrreaktionen vermeidet.

  • Kurze Anmerkung: Die 5500 Fälle wg. Verletzung der Unterhaltspflicht sind nicht in den von Giffey erwähnten 138.893 Fällen enthalten – hier irrt Fischer und räumt diesen Irrtum in den Kommentaren auch offen ein, letzteres eine absolute, lobenswerte Ausnahme im politischen Journalismus. Leider ist es im Artikel wohl (noch?) nicht korrigiert.

    Die Kernaussage bleibt allerdings bestehen, nach alter Berechnungsmethode wäre die Zahl der Fälle von Beziehungsgewalt gesunken, die Steigerung resultiert nur aus der Hinzunahme neuer Tatbestände.

    • @ krams Ganz herzlichen Dank für den Hinweis! Ich hab eine ganze Weile gesucht und die Kommentare beim Spiegel dann auch gefunden. Ich zitiere sie hier einfach ganz. Zunächst von „fotobiene“:

      „In der Zahl der 138.893 Opfer (ich lasse die Anführungszeichen bewußt weg, die Fischer setzte) sind Unterhaltspflichtverletzungen NICHT enthalten.
      Daß die Vergleichs-Zahlen zum Vorjahr um 1000 abnahmen (bei den separat aufgelisteten Unterhaltspflichtverletzungen ebenfalls um 1000) ist korrekt, ich finde sie trotzdem noch immer erschreckend und alarmierend, was die also bestehende „Gewalt“ (in einem umgangssprachlichen und nicht dogamtisch strafrechtlichen Sinne) gegen Frauen betrifft.
      Die Broschüre des BKA ist sehr differenziert in ihrer Darstellung und hier als pdf herunterladbar:
      https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2017.html

      Im Gegensatz zu #MeToo richtet sich die aktuelle Kampagne, die entsprechend von den Medien unterstützt wird, anders als Fischer schreibt, vorrangig an Betroffene (!!!), insbesondere, um das niederschwellige Hilfsangebot des Hilfetelefons bekannter zu machen:
      „Gewalt gegen Frauen: Das Schweigen brechen
      Der 25. November ist der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Mit einer neuen Kampagne will das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ noch mehr Betroffenen Mut machen, ihr Schweigen zu brechen und sich Hilfe zu holen.“
      https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/gewalt-gegen-frauen–das-schweigen-brechen/130824

      Ich finde das angesichts der leider noch immer hohen Zahlen von z.T. sehr spezifischer Gewalt gegen Frauen völlig in Ordnung und gut.
      Wenn Herr Fischer eine Kampagne zur Aufmerksamkeit für „Gewalt gegen Kinder“ starten würde, fände ich das richtig toll!
      Und die hier sich hier vernachlässigt fühlenden kommentierenden Männer sollten endlich „Männerhäuser“ gründen und/oder sich für ähnliche Hilfeprojekte einsetzen.“
      http://www.spiegel.de/forum/panorama/beziehungsgewalt-gefaehrliche-orte-thread-831433-10.html#postbit_70369209

      Dann die Antwort von Fischer:
      „1) Sie haben insoweit Recht, als in der in der Kolumne angegebenen Erläuterung zur Zahl von 6.900 Fällen aufgrund „neuer Delikt-Kategorien) die Unterhaltspflichtverletzung irrtümlich mit aufgeführtn ist. Es sind aber 6.00 Fälle OHNE diese; sie machen nioch einmal 5.500 weitere Fälle aus, die gesondert gezählt wurden.
      2) Bei „Opfer“ stehen Anführungszeichen nicht aus Missachtung von Verbnrechensopfern, sondern weil es sich bvei der PKS um eine Verdachtsstatistik handelt. Es sind „mögliche/mutmaßliche Opfer“.
      3) Die Verlautbarungen des BMFSJF aus den Jahren 2016 (für 201^5, Ministerin Schwesig), 2017 (für 2016, Ministerin Barley) und 2018 (für 2017, Ministerin Giffey) ähneln einander bis ins Detail der Fiormulierung. Auich die Charakterisierung der zugehörigen Emotion („alarmierend, erschreckend, schockierend…“) ist jeweils fast identisch. Das wiederholt sich – mindestens seit 2009, ebenso die alljähliche Ankündigung von „Programmen“, „runden Tischen“, Initiativen“ usw.
      Ich habe nichts dagegen. Ich unterstütze ausdrücklich jegliche Initiative gegen Beziehungsgewalt, gleich welcher Art und Richtung. Ich unterstütze auch nachdrücklich jede Initiative zum Schutz von Kindern vor Gewalt.
      Ich meine nur, dass ein ritualisierter Alarmismus, zumindest wenn er aus Bundesministerien kommt, nicht unbedingt die sinnvollste Methode der Volksaufklärung ist.“
      http://www.spiegel.de/forum/panorama/beziehungsgewalt-gefaehrliche-orte-thread-831433-10.html#postbit_70377021

      Und hier die Erläuterung aus der Polizeilichen Kriminalstatistik, S. 2:
      „Ferner wurden die Daten zu Tatverdächtigen bei Straftaten gem. § 4 Gewaltschutzgesetz (Gesetz
      zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen) und zur Verletzung der
      Unterhaltspflicht § 170 StGB (ökonomische Gewalt) betrachtet, für die in der PKS keine
      Opfererfassungen vorgesehen sind. “

      Das heißt: In der Kriminalstatistik sind unter Punkt 4. „Tatverdächtige bei Straftaten nach § 170 StGB Verletzung der Unterhaltspflicht“ aufgeführt (S. 19-21), die Fälle werden aber nicht bei der Gesamtzahl der Opfer mitgezählt.

      Ich werde im Text auch noch entsprechende Hinweise geben. In Fischers Artikel sind die Angaben zum jetzigen Stand (29.11.) noch nicht korrigiert.

      • PS. Wenn „fotobiene“ schreibt, dass die gegenwärtige Kampagne sich vorwiegend an Betroffene richtet, ist das so nicht ganz richtig.

        Der „Internationale Tag zur Gewalt gegen Frauen“ am 25. November sollte nach Angaben des Bundesmininisteriums Frauen Mut machen, sich zu melden – Giffeys Pressekonferenz am Anfang der Woche aber hatte, das sagt die Ministerin dort ausdrücklich, das Ziel, Druck für mehr finanzielle Mittel für Frauenhäuser aufzubauen. Es ist eine Kampagne für finanzielle Ressourcen aus öffentlichen Mitteln.

    • Och die armen Männers. Nur so zur Info: Frauen und Mädchen begehen mehr Selbstmordversuche!

      Genau, diesen fiesen privilegierten Heulsusen wird sogar beim Suizid noch vom Patriarchat Zucker in Arsch geblasen, damit sie auch ja mal wieder an erster Stelle stehen! Den Frauen dagegen wird es auch hier mal wieder schwer gemacht!

    • Ja, Versuche! Sie begehen mehr Versuche, weil eine Person ein paar Versuche macht bis es ev. klappt oder auch nicht. Aber insgesamt sind es eher weniger Mädchen als Jungs, die davon betroffen sind.

    • https://www.youtube.com/watch?v=3WMuzhQXJoY
      Die Dokumentarfilmering Cassie Jaye verwendet hier genau diese „Erwiderung“ (Männer begehen öfter Selbstmord – Aber Frauen VERSUCHEN es öfter!) als Beispiel dafür, unter welcher Schieflage die Diskussion leidet.

      Well, I couldn’t keep denying the points they [Mens Rights Activists] were making. There are real issues. But in my effort to avoid agreeing with them completely, I changed from putting words in their mouth to acknowledging the issue but insisting they are women’s issues.

      Sie befinden sich mit Ihrer Antwort demnach auf der zweiten Stufe: Wenn die Probleme so offensichtlich sind dass man sie nicht mehr ignorieren kann, dann muss man es halt in ein „Frauenthema“ umdeuten.
      Die völlig richtige Erkenntnis von Cassie Jaye auf eine solche Diskurstaktik: „It’s not a competition! – Es ist kein (Opfer)Wettbewerb“.

      Dass Sie ein ernstes Thema wie Selbstmord mit Ihrer Äußerung zu einem Wettbewerb machen finde ich unfassbar.

    • Schlimmer als die bekannten Zahlenunterschiede, finde ich die im einleitenden Satz enthaltende implizit diffamierende Meinungsäußerung:
      „Och die armen Männers“

      Irgendwo sollte eine Grenze sein, hinter der man mit Toten keine Scherze mehr betreibt, schon gar nicht bewußt und gezielt verunglimpfende.

      • Zum einen das, aber auch der darauf folgende Ansatz mit dem Hinweis auf die vermeintlich zahlreicheren Selbstmordversuche von Mädchen und Frauen (vermeintlich weil: wie Statistiken mit derlei Ergebnissen zustande kommen, das wurde ja beim hier angesprochenen Thema gerade erst wieder wunderbar demonstriert) ist an undurchdachter Dämlichkeit nicht mehr zu überbieten. Was soll es denn bitte aussagen, dass sich angeblich mehr Mädchen und Frauen das Leben zu nehmen versuchen, aber dennoch am Ende satte dreimal so viele Jungen und Männer Erfolg damit haben. Wollen Vertreter dieser Relativierungsversuche aussagen, dass Frauen und Mädchen einfach nur so viele Mal dämlicher sind als Männer und es darum einfach nicht hinkriegen? Oder wollen sie auf den in meinen Augen wahrscheinlicheren Ansatz hinaus, – sollten diese Behauptungen denn überhaupt wirklich stimmen – dass Mädchen und Frauen so viel häufiger als Männer den Selbstmordversuch gar nicht tatsächlich als einen solchen begehen, also gar keine wirkliche Absicht der Selbsttötung vorliegt, was die Kategorisierung als Selbstmordversuch eigentlich somit von vornherein verbietet, und ihn eigentlich viel mehr dazu einsetzen, andere Menschen emotional und moralisch unter Druck zu setzen?

        Aber am Ende steckt wohl nichts davon hinter diesem Einwurf hier. Eigentlich ist es nichts anderes als das irrationale, affektive Losgeplärre einer Person, die, mit Fakten des Alltags konfrontiert, versucht, auf eine möglichst rotzige Art und Weise ihr eigenes Weltbild, inklusive des feministischen Frauenopferabos, zu verteidigen. Jede Annahme, dass hinter einer solchen verbalen Inkontinenz auch nur ein Fünkchen an Überlegung stecken könnte, wäre wohl gleichbedeutend mit einem Ritterschlag für einen Kackhaufen.

        • @Billy: Der Verweis auf die Selbstmordversuche soll den Opferstatus der Frau im „Patriarchat“ retten. Das Leben für Frauen ist so schlimm, dass sie einfach nur noch sterben wollen, aber öfter dabei scheitern, weil sie weiche Methoden verwenden. Der Beweis für die Leiden Christi, die Frauen und Mädchen im „Patriarchat“ ertragen müssen.

    • @Irmgard: Du bist so ein liebenswerter Mensch.

      1. Dass Frauen mehr Selbstmordversuche begehen ist ein Mythos:
      https://medium.com/@jimpreston_36730/myth-women-attempt-suicide-more-often-than-men-bdded9044517

      2. Jungen, Männer und Väter bringen sich häufiger um, weil aufgrund eines Empathy-Gaps die Gesellschaft härter und kälter zu ihnen ist, und es somit keine Hilfe für sie gibt.

      Frauen nutzen auch mehrheitlich Suizidmethoden, wo eine Abhilfe möglich ist, etwa Medikamente/Schlaftabletten-Überdosierung. Solche Suizidversuche werden von Therapeuten regelmäßig als extreme Hilferufe erklärt, es wird also ein Ausweg und Hilfe gesucht.

      Männer hingegen wählen viel öfter Methoden, die relativ sicher endgültig sind, wie etwa Schusswaffen oder Erhängen oder aus Fenstern/von Dächern springen. Diese Menschen suchen keine Hilfe mehr, sie haben bereits abgeschlossen und sind nicht der Meinung, dass ihnen irgend etwas noch helfen kann.

      Und diese Meinung ist berechtigt, ich zitiere nochmal aus meinem Blog:

      Um nochmal Obdachlosigkeit anzuführen: In manchen Landkreisen werden Gerichtsvollzieher, die eine Zwangsräumung vornehmen und damit einen Mann dem Schicksal der Obachlosigkeit überantworten, routinemäßig von Notärzten begleitet, die vielleicht noch was retten können, wenn der Obdachlose sich seinem Schicksal durch Suizid entziehen will. Auch hier gilt: Es gibt keine Hilfe, auch wenn er danach fragt, bleibt er obdachlos. Insofern ist es blanker Zynismus, wenn das Thema Suizid bei Männern mit einem achselzuckenden „Kann nicht um Hilfe fragen“ abgetan wird und ein weiteres Symptom für den Empathy-Gap.

      Ganzer Artikel:
      https://uepsilonniks.wordpress.com/2018/06/09/ueber-selbstmord-und-echt-schaebigen-feminismus/

      • @ yx Der erste Punkt ist naheliegend, auch Mark hat ja schon ähnlich argumentiert. Dieselbe Person kann natürlich mehrere Selbstmordversuche unternehmen, aber einen Selbstmord nur einmal begehen. Wer also gleich zu möglichst harten, effektiven Mitteln der Selbsttötung greift, taucht in der Statistik nur einmal auf – mehrere Selbstmordversuche können hingegen fast beliebig oft begangen werden.

        Das macht Selbstmordversuche ja nicht harmlos, es zeigt nur, wie verquer die Statistik ist – neben der Tatsche, dass auch Selbstmordversuche mitgezählt wurden, für die es keine Belege außer Erzählungen gab.

        Schlimmer noch finde ich den zweiten Punkt.

        „Solche Suizidversuche werden von Therapeuten regelmäßig als extreme Hilferufe erklärt, es wird also ein Ausweg und Hilfe gesucht.

        Männer hingegen wählen viel öfter Methoden, die relativ sicher endgültig sind (…)“ Ich glaube, bei Männern ist es eigentlich auch ein Ruf nach Hilfe, verbunden aber eben mit dem sicheren Gefühl, dass es keine Hilfe geben wird. Damit ist es zugleich noch etwas anderes – nämlich ein Akt der radikalen Selbst-Ablehnung. Das wird es bei Frauen, in anderer weise, auch ab und zu geben – aber das Gefühl, ohnehin keine Hilfe zu bekommen, haben Frauen offenbar weniger.

        Wie so etwas zustande kommen kann, sowohl die Sicherheit, keine Hilfe zu bekommen, als auch das Gefühl der Lebensunwürdigkeit – dafür ist Giffeys Kampagne ja ein gutes Beispiel. Ich verstehe eigentlich nicht, warum sich Leute, die sich an so etwas beteiligen, nicht ab und zu mal fragen, welche Folgen diese öffentliche Verachtung von Männern und Männlichkeit wohl für Männer und, mehr noch, für Jungen haben wird.

        • „Ich verstehe eigentlich nicht, warum sich Leute, die sich an so etwas beteiligen, nicht ab und zu mal fragen, welche Folgen diese öffentliche Verachtung von Männern und Männlichkeit wohl für Männer und, mehr noch, für Jungen haben wird.“

          Giffey ist mit einem Mann verheiratet und hat einen Sohn. Der Frauen das empathische Geschlecht sind, würde ich nicht zu ersten Mal in Frage stellen.

        • @ Lucas:
          „Ich glaube, bei Männern ist es eigentlich auch ein Ruf nach Hilfe, verbunden aber eben mit dem sicheren Gefühl, dass es keine Hilfe geben wird.“

          Ich vermute, man könnte es besser als Ruf nach Hilfe für andere, oder versuchte radikale Anregung zum Nachdenken interpretieren, quasi ein Fanal für die ( bessere ) Zukunft.
          Nicht immer sicherlich, aber doch sehr häufig, was ich umgekehrt bei den Wiederholungsversuchstäterinnnen eher im egozentrischen Bereich verorten würde.
          ( Ganz vorsichtig formuliert ).

  • @Lucas: Vielen Dank, dass Du den Kommentar herausgesucht hast! Hätte ich eigentlich auch gleich machen können (*Schäm*).

    Ich habe mir gerade noch einmal die BKA-Statistik angeschaut. Ich denke, es gibt noch einen Punkt, den fotobiene (und Fischer?) übersehen: Die Statistik enthält auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, und das Sexualstrafrecht wurde Ende 2016 geändert. Dass es eine Änderung gab, wird beim BKA zwar erwähnt, aber nicht spezifisch welche und mit welchen Auswirkungen auf die Statistik. So wurde beispielsweise bis zur Änderung eine einfache Nötigung zu sexuellen Handlungen – d.h. nur einfache Drohung ohne „gegenwärtige Gefahr für Leib und Leben“, also bspw. eine Drohung mit einer Entlassung – im Nötigungsparagraphen §240 als Nötigung im „besonders schweren Fall“ erfasst, aber in der PKS nicht zu den Sexualdelikten gezählt. Inzwischen wäre diese Tat in §177 (sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) enthalten und zählt damit zu den Sexualstraftaten in der PKS. Ebenso sind neue Tatbestände erfasst. Die Zahl der Sexualdelikte in der PKS ist allein dadurch von 2016 auf 2017 angestiegen. Ich nehme an, dass dieser Effekt auch in der Statistik über Beziehungsgewalt enthalten ist und im Gegensatz zu den neu hinzugekommenen Delikten wie Zwangsprostitution beim Vergleich mit 2016 nicht herausgerechnet wurde (jedenfalls sehe ich keine Erwähnung) und die Zahl der erfassten Fälle nach alter Zählung um deutlich mehr als 1000 gesunken ist. Gestiegene Anzeigenbereitschaft noch gar nicht betrachtet.

    Ich teile auch daher auch Deine Skepsis bezüglich des Ziels der Kampagne. Betroffene bräuchten verlässliche Informationen, keine alarmistischen selektiven Interpretationen der Statistik.

    • Nun, einerseits gibt es offen geäußerte Ziele, andererseits aber auch solche, die unabhängig davon voraussetzbar sind.
      Und die unreflektierte Verbreitung sowie teilweise weitere Steigerung der darin enthaltenen Hetze durch irgendwelche Schreiberlinge, lässt wohl recht sicher mutmaßen, daß eben dieser Effekt Giffey vorher bekannt gewesen sein muß und von ihr vorsätzlich gewünscht wurde ( vorsichtig formuliert ). Quasi eine Art bewußt inszenierter „Stille-Post-Effekt“.

    • @krams

      Ich habe deinen Kommentar eben erst gelesen und muss ihn leider korrigieren.

      Du schreibst: „Die Statistik enthält auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, und das Sexualstrafrecht wurde Ende 2016 geändert. Dass es eine Änderung gab, wird beim BKA zwar erwähnt, aber nicht spezifisch welche und mit welchen Auswirkungen auf die Statistik.“

      Doch schon, es ist der § 184i (Sexuelle Belästigung), der am 10.11.2016 in Kraft getreten ist. Es sind für 2017 in meiner Erinnerung ca. 3500 Fälle, womit natürlich alle Zahlen nicht mehr mit den Statistiken der vorigen Zeiträume vergleichbar sind.
      Was den feministischen Trick, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexuelle Belästigung in einen Topf zu werfen und auf steigende Fallzahlen zu verweisen natürlich erleichtert.

      Hier hat dich deine Erinnerung leider getrogen: „im Nötigungsparagraphen §240 als Nötigung im „besonders schweren Fall“ erfasst, aber in der PKS nicht zu den Sexualdelikten gezählt. Inzwischen wäre diese Tat in §177 (sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) enthalten und zählt damit zu den Sexualstraftaten in der PKS.“

      1997 wurde bereits § 178 (den es zuvor seit 1973 gab) sexuelle Nötigung mit dem § 177 Vergewaltigung vereinigt, seitdem ist Vergewaltigung ein besonders schwerer Fall der sexuellen Nötigung.

      Das ist auch der gerne verwendete Trick, wenn z.B. seitens terre des femmes die gesunkenen Verurteilungszahlen wegen Vergewaltigung beklagt werden.
      Da in der Gesamtzahl der Fälle wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung bis 1997 zu 40% gar keine Vergewaltigung, sondern „nur“ eine sexuelle Nötigung enthalten war, mussten natürlich nachfolgend die Verurteilungen wegen Vergewaltigung nach dem neuen § 177 sinken.

      Die Propaganda um die „Verurteilungsrate“ ist eine arglistige Täuschung der Öffentlichkeit.

      Der nächste Punkt ist die qualitative Redefinition von Vergewaltigung, die ebenfalls vorgenommen worden ist und zwar 1998 (kein Scherz).

      Dort wurde nämlich in Abs. 6 Satz 1 neu formuliert: „oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder von ihm vornehmen lässt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung)“.

      Wir haben nun eine Abgrenzung zur sexuellen Nötigung, nämlich „das Eindringen in den Körper“, aber es steht nicht explizit da mit welchem Körperteil in welches Körperteil.
      D.h. es handelt sich um die klassisch feministische Taktik des „broaden the definition“.

      Beispiel: Eine Zunge ins Ohr oder in den Mund oder einen Finger in die Nase – streng genommen handelt es sich nunmehr um eine Vergewaltigung und nicht mehr um eine sexuelle Nötigung.

      Auch so bekommt man Fallzahlen nach oben getrieben.

      • @crumar: Danke für die Korrektur, ich kann da allerdings nicht ganz zustimmen. 🙂

        1997 wurde bereits § 178 (den es zuvor seit 1973 gab) sexuelle Nötigung mit dem § 177 Vergewaltigung vereinigt, seitdem ist Vergewaltigung ein besonders schwerer Fall der sexuellen Nötigung.

        Das ist fast korrekt, und meiner Meinung auch eine halbwegs sinnvolle Änderung – die Verwerflichkeit wird weitestgehend danach bestimmt, wie erniedrigend die Handlung ist. Und sie erfasst auch Männer als Opfer. Fast, weil man dann doch noch explizit die Vergewaltigung dringelassen hat (eine Verurteilung erfolgt immer noch wg. Vergewaltigung). Aus meiner Sicht etwas unsystematisch und eher wg. des Symbolgehalts so beschlossen.

        Mein Punkt war aber ein anderer: Sowohl der §178 ab 1973 und der §177 von 1998 bis 2016 setzen eine Nötigung mit Gewalt, Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder die hier nicht betrachtete schutzlose Lage voraus, die einfache Nötigung nach §240 und der neue §177 (2) 5 erfassen aber schon „Drohung mit einem empfindlichen Übel“, also beispielsweise eine Drohung mit Entlassung/Verpetzen an die Steuer/Zerkratzen des Autos/whatever, deutlich niedrigschwelliger also. Von 1998 bis 2016 war im §240 Nötigung zu einer sexuellen Handlung explizit als Regelbeispiel eines besonders schweren Falls angegeben, seitdem nicht mehr, da in §177 integriert (und ausgeweitet, aktives Drohen ist nicht mehr erforderlich, nur dass bekannt ist oder in Kauf genommen wird, dass dem Opfer bei Widerstand ein empfindliches Übel droht, nicht zwangsläufig von Täter). Vor 1998 fielen entsprechende Taten auch unter §240, aber nicht als Regelbsp. eines besonders schweren Falles. Bspw. konnten Vergewaltigungen in der Ehe auch vor 1998 mittels §240 verfolgt werden (ist sogar explizit im Gesetzentwurf zum §177er von 1998 erwähnt), was den hartnäckigen Mythos wiederlegt, Männer (und natürlich nur die!) hätten zuvor straffrei vergewaltigen können bzw. ein „Recht auf Sex auch mit Gewalt“ in der Ehe.

        Die Taten nach §240 wurden m.W. nie als Sexualstraftaten in der PKS gezählt. Ich kenne leider auch keine Quelle, wo bei Anzahl aufgeschlüsselt ist. Das hat sich jetzt mit dem neuen §177 geändert, was meiner Meinung rein von der Statistik auch stringenter ist, aber es sorgt natürlich für eine Verzerrung im Vergleich mit den Vorjahren.

        Einfache sexuelle Nötigung nach dem alten §177 (1), also kein bes. schw. Fall, wurde soweit ich weiß übrigens in der PKS gesondert erfasst und nicht zu den Vergewaltigungen gezählt, dafür aber z.B. Taten nach §179 (4) (Sexueller Mißbrauch widerstandsunfähiger Personen, schwerer Fall).

        Zum Eindringen: Soweit ich weiß, zählt das Eindringen mit dem Finger in Mund, Nase oder Ohr nicht als Vergewaltigung, Eindringen mit dem Finger in Anus oder Vagina und Eindringen mit dem Penis in den Mund dagegen schon. Auch erzwungenes Eindringen in den Körper des Täters wird erfasst, wobei ich nicht weiß, ob z.B. Finger des Opfers in Vagina der Täterin zählt oder ob es da an der erforderlichen Erniedrigung fehlt. Ein Zungenkuss ist AFAIK nur eine einfache sexuelle Handlung. Ich habe aber da keinen Überblick über die Rechtssprechung, manche Konstellationen dürften auch recht selten angezeigt werden.
        Ansonsten ist das Eindringen ein Regelbeispiel, ein Gericht muss dem nicht folgen.

        • @krams

          „Das ist fast korrekt, und meiner Meinung auch eine halbwegs sinnvolle Änderung – die Verwerflichkeit wird weitestgehend danach bestimmt, wie erniedrigend die Handlung ist.“

          Erstaunlicherweise nicht, denn das Opfer wird ja gar nicht gefragt, sondern es wird einfach gesetzt, dass es sich so verhält.
          Der nächste Punkt ist, es fällt aus, was in den USA auch bei Männern abgefragt worden ist: „Made to penetrate“ und einige Überraschungen gezeitigt hat.

          „!Fast, weil man dann doch noch explizit die Vergewaltigung dringelassen hat (eine Verurteilung erfolgt immer noch wg. Vergewaltigung).“

          1. Nein, denn es umfasst auch die sexuelle Nötigung.
          2. Der Versuch ist und bleibt strafbar.

          „Von 1998 bis 2016 war im §240 Nötigung zu einer sexuellen Handlung explizit als Regelbeispiel eines besonders schweren Falls angegeben, seitdem nicht mehr, da in §177 integriert.“

          Das macht keinen Sinn, da § 178 seitdem in § 177 integriert worden ist.

          „Die Taten nach §240 wurden m.W. nie als Sexualstraftaten in der PKS gezählt.“

          § 240 ist in keinerlei Straftatenschlüssel zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung enthalten.
          War er auch nie.

          „Auch erzwungenes Eindringen in den Körper des Täters wird erfasst, wobei ich nicht weiß, ob z.B. Finger des Opfers in Vagina der Täterin zählt oder ob es da an der erforderlichen Erniedrigung fehlt.“

          Es ist eine sexuelle Handlung, es handelt sich um „das Eindringen“, insofern ist es erniedrigend und demnach Vergewaltigung.
          Das ist einwandfrei.

          • @crumar:

            Erstaunlicherweise nicht, denn das Opfer wird ja gar nicht gefragt, sondern es wird einfach gesetzt, dass es sich so verhält.

            Ich zitiere mal den 177 von 1998-2016:

            Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn
            1. der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen läßt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung),

            Das ist erstens ein Regelbeispiel – dem muss ein Gericht nicht zwingen folgend, wenn es Gründe sieht, dass es für den Fall nicht passend ist, und zweitens ist Eindringen explizit im Zusammenhang mit Erniedrigung genannt. Beim „Beischlaf“ wird das vorausgesetzt, aber eben nicht absolut, sondern als Regelfall, von dem abgewichen werden kann. Das könnte beim neuen §177, der eben auch relativ leichtere Fälle – wie Inkaufnehmen eines empfindlichen Übels oder Sex bei beeinträchtigter Willensbildung/Äußerung ohne explizite Zustimmung, aber nicht notwendigerweise gegen den Willen („nur Ja-heißt-Ja“) – umfasst, noch von Bedeutung sein. Im Moment ist das bei Beischlaf halt auch i.d.R. ein besonders schwerer Fall mit 2 jahren Mindeststrafe, dank des kaputten neuen §177.

            Der nächste Punkt ist, es fällt aus, was in den USA auch bei Männern abgefragt worden ist: „Made to penetrate“ und einige Überraschungen gezeitigt hat.

            Nein, nach inzwischen vorherrschender Rechtssprechung wird auch das Eindringen in den Körper des Täters/der Täterin erfasst. Beispiel: Dein „made to pentrate“ (wäre auch eh‘ schon Beischlaf) oder ein erzwungener Blowjob. Es gab in der Vergangenheit da durchaus die Ansicht, dass diese Fälle nicht erfasst werden sollten, soweit ich das sehe, ist das aber nur noch eine absolute Minderheit.

            1. Nein, denn es umfasst auch die sexuelle Nötigung.
            2. Der Versuch ist und bleibt strafbar

            Verstehe ich ehrlich gesagt nicht – was umfasst auch s.N.? Was hat die Strafbarkeit des Versuchs damit zu tun?

            Das macht keinen Sinn, da § 178 seitdem in § 177 integriert worden ist.

            Bitte sehr: https://lexetius.com/StGB/240,4
            Der Unterschied wie schon geschrieben: §177 bis 2016 setzte Drohung mit Gewalt oder gegenw. Gefahr für Leib und Leben voraus, §240 nur ein empfindliches Übel. Ist verwirrend, ja, aber bis 2016 war eine Nötigung zu einer sexuellen Handlung ohne Gewalt oder gegenw. Gefahr für Leib und Leben keine sexuelle Nötigung nach §177 bzw noch früher nach §178, sondern eine einfache Nötigung nach §240.
            Vergleiche einfach mal die Paragraphen bei Lexetius, dann sollte es klar werden.

            § 240 ist in keinerlei Straftatenschlüssel zu Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung enthalten.
            War er auch nie.

            Richtig, er umfasste aber bis 2016 auch Nötigungen zu sexuellen Handlungen. Daher werden jetzt Fälle mitgezählt, die vorher schon strafbar waren, aber nicht als Sexualdelikte in der PKS aufgetaucht sind. Das war meine ursprüngliche Aussage.:)

            Es ist eine sexuelle Handlung,

            Ja

            es handelt sich um „das Eindringen“

            Ja

            insofern ist es erniedrigend und demnach Vergewaltigung. Das ist einwandfrei.

            Nein, lies Dir den Abschnitt oben nochmal durch. Eindringen allein ist *nicht* automatisch oder auch nur in der Regel erniedrigend. Für den umgekehrten Fall (Finger des Täters in Vagina des Opfers) ist es in der Rechtsprechung klar als Vergewaltigung definiert, in dem von mir beschriebenen (Finger des Opfers in Vagina der Täterin) kenne ich keinen Fall und wäre auch nicht sicher, dass immer eine „besondere Erniedrigung“ gesehen wird.

            Diese Formulierung des besonders schweren Falls, die auch schon im alten 177 enthalten war, ist zugegebenermaßen sehr unscharf und wenig intuitiv und muss(te) erst von den Gerichten schärfer eingegrenzt werden. Trotzdem ist sie nicht schlecht, sie schließt eben auch Männer ein und rückt die Erniedrigung in den Fokus. Das erzwungener „Beischlaf“ i.d.R. als besonders erniedrigend angesehen wird, ist m.E. Realität und kein Fehler im Gesetz.

  • „Und die hier sich hier vernachlässigt fühlenden kommentierenden Männer sollten endlich „Männerhäuser“ gründen…“
    @Lucas, vielleicht wäre es auch effektiver, sich einzugestehen, dass diese Männer ihre Ziele schneller erreichen, wenn sie bei der nächsten Wahl mal sich von der linken politischen Seite abwenden würden. Nach Jahren der Hetze gegen Männer darf Mann auch mal feststellen, dass er auf der linken politischen Seite unerwünscht ist.

    • „„Und die hier sich hier vernachlässigt fühlenden kommentierenden Männer sollten endlich „Männerhäuser“ gründen…““

      Ein absurder Satz.
      Letztendlich kommentiert sicherlich ein nicht unwesentlicher Teil der Männer ( und gelegentlich wohl auch Frauen ) hier, damit irgendwann einmal Gewaltschutzzentren, oder notfalls erstmal „Männerhäuser“, gegründet werden können, was z.Zt. ja nahezu unmöglich ist ( sofern man nicht mal eben ein paar Milliönchen auf den Tisch blättern kann ).

  • Die Männer sollen endlich Selbstverantwortung übernehmen und mal Männerhäuser gründen, während die Frauen zusätzliche Frauenhäuser natürlich nicht gründen können ohne Unterstützung einer Ministerin, um Geld dafür einzuwerben. Das zeigt mal wieder die traditionellen Geschlechterbilder. Es ist natürlich wahr, dass Männer sich für die Durchsetzung ihrer Rechte und Schutzräume selber organisieren müssen und das kein leichter Kampf sein wird. Doch die bereits gegründeten Männerhäuser zeigen ja, dass öffentliche Mittel schnell auf Druck von Lobbies wieder gestrichen werden und rein privatwirtschaftlich organisierter Schutz traumatisierter Männer kann kaum das Ziel sein.

    • @Pedro Ich finde auch, dass das einen wichtigen Punkt trifft: Männer müssen sich selbst organisieren. Tun sie ja auch schon in vieler Hinsicht, nur eben nicht zu dem Zweck, spezifische Probleme von Männern und Jungen aus dem Weg zu räumen.

      Falsch liegt fotobiene eher in dem Eindruck, Frauen hätten ja schließlich irgendwie auch alles selbst reißen müssen. Die Gelder für die Frauenhäuser, Gleichstellungsbeuaftragten etc. kommen ja aus öffentlichen Kassen – und die werden weiterhin weit überwiegend von Männern gefüllt.

      Würden wir also den Vorschlag ernst nehmen und uns darauf kaprizieren, dass Männer sich um Männer und Kinder, Frauen sich um sich selbst kümmern sollten – dann würden Frauen auch damit noch ein sehr schlechtes Geschäft machen.

      Das will ja kaum jemand ernsthaft. Aber es wird schon, auch hier, deutlich, welche Funktion feministische Positionen heute haben. Was mal angefangen hat mit dem Anspruch, Gleichberechtigung voranzutreiben, ist heute wesentlich eine Ideologie der gesellschaftlichen De-Solidarisierung. Ob Menschen Anspruch auf Unterstützung haben, ist hier nicht mehr davon abhängig, ob diese Menschen Unterstützung brauchen – sondern davon, welcher sozialen Gruppe sie angehören.

      Feministinnen füllen dieses Grundmuster mit Männlichkeits- und Weiblichkeitsklischees, aber es ist ja offensichtlich, dass es auch für ganz andere Inhalte genutzt werden kann. Es ist eine Einladung zu rechtsradikaler Politik.

      Die hämische Schroffheit, mit der manche Frauen, und auch Männer, auf die Artikulation spezifisch männlicher Nöte reagieren, ist jedenfalls nicht allein als persönlicher Defekt zu erklären, sondern auch politisch produziert. Giffey können wir bei der Produktion live zuschauen.

    • Hier sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an: Oft kommt von feministischer Seite ja genau dieser Einwand, die Männer sollten das halt auch mal für sich durchkämpfen, so wie sie es gemacht haben.

      Dieser Einwand ist schlicht unfair. Feministinnen, inklusive der Suffragetten, haben nie wirklich für etwas „kämpfen“ müssen. Sie haben schon immer offene Türen in Parlamenten eingerannt. Schon immer hatten sie, ganz entgegen der von ihnen selbst gepflegten Narrative, Scharen von Männern an ihrer Seite, die ihre Anliegen unterstützten. Das sieht man doch auch in der Gegenwart noch oder besser umso deutlicher. Selbst die offen unsinnigsten, irrationalsten und nicht selten diskriminierendsten Kampagnen finden sofort haufenweise „Weiße Ritter“, die sich ihnen euphorisch anschließen. Dieselben „Weißen Ritter“ sind dann, im Einheitschor mit den von ihnen so vergötterten Feministinnen, höchst empört, wenn sich doch am Ende Männer zu Wort melden, die sich – welch ein Wunder – von diskriminierenden Kampagnen diskriminiert fühlen. Sie kreischen, gemeinsam mit Feministinnen, Totschlagphrasen wie „Relativierung“ und „Whataboutism“, wenn Männer nur mal darauf hinweisen, dass selbst die von den Tröten im Frauenministeramt veröffentlichten Zahlen der PKS auf ein erhebliches Missverhältnis zu Ungunsten von Männern hinweisen. Denn man muss schon ziemlich verblödet sein, den Ausbau von Frauenhäusern zu fordern, die, staatlich gefördert, derzeit gegenüber Männerhäusern 400:2 zählen, ohne zu merken, dass dies noch nicht einmal ansatzweise dem Opferverhältnis laut PKS entspricht (82 % zu 18 %), vom Stand der internationalen Wissenschaft zu diesem Thema mal ganz zu schweigen. Eigentlich hätten die ach so schockierenden Zahlen doch die verehrteste Frau Giffey dazu veranlassen müssen, umgehend eine gewaltige Initiative zur Unterstützung männlicher Opfer zu starten. Aber Ideologie macht halt blind.

      Während Frauen also ununterbrochen bei all ihren Sorgen bis hin zu lächerlichsten Petitessen jederzeit von allen Seiten die roten Teppiche entgegenrollen, werden Männer, die auf Dinge wie Selbstmordraten, Arbeits- und Obdachlosigkeit, in Gesetzen festgeschriebene Diskriminierung von Männern, etc. pp. hinweisen, sofort entweder ausgelacht oder gleich direkt als ewig gestrige Reaktionäre, wenn nicht gar als Rechtsextreme verunglimpft.

      Der Einwand ist aber auch natürlich aus eben schon angedeuteten Gründen hochgradig verlogen. Denn es sind ja gerade die Feministinnen, die diesen Einwand bringen, die dann wiederum die ersten sind, die jeden männlichen Versuch, auf männliche Anliegen aufmerksam zu machen, hysterisch niederkeifen, um bei nächstmöglicher Gelegenheit wieder medienwirksam zu verkünden, Feminismus sei auch für Männer gut.

      Die heutige Vernetzung, die politische und mediale Macht von Feministinnen hat nichts damit zu tun, dass sie es jemals besser gemacht hätten als Männerrechtler. Sie wurden einfach nur permanent hofiert, weil es schlicht ein evolutionär geprägtes Verhaltensmuster des Menschen ist, Frauen zu schützen, zu unterstützen und über alle Maßen auf ein Podest zu heben. Männer waren und sind in demselben evolutionären Spielchen schon immer die „Entsorgbaren“.

      Dass Menschen affektiv so ticken, ist nicht einmal verwerflich. Evolutionäre Mechanismen kriegt man nicht so leicht überwunden. Wenn dann aber in Bereichen, die eigentlich genügend Raum für Überlegungen und Ratio lassen, immer noch unreflektiert archaischen Affekten nachgegeben wird, diese gar als „progressive Haltung“ verklärt werden, dann wird’s echt unappetitlich. Aber genau das ist es, was man, gerade die letzten Jahre gar in massiv steigender Intensität, in Politik und Medien erleben muss. Stumpfes, ideologisches Propagandagepumpe, ohne auch nur eine Sekunde mal das Hirn einzuschalten.

      • @ Billy „Dass Menschen affektiv so ticken, ist nicht einmal verwerflich. Evolutionäre Mechanismen kriegt man nicht so leicht überwunden. Wenn dann aber in Bereichen, die eigentlich genügend Raum für Überlegungen und Ratio lassen, immer noch unreflektiert archaischen Affekten nachgegeben wird, diese gar als „progressive Haltung“ verklärt werden, dann wird’s echt unappetitlich.“

        Den Punkt finde ich sehr wichtig. Schon Farrell hat in „The Myth of Male Power“ ja den „disposable male“ ja evolutionspsychologisch erklärt. Über viele Jahrtausende hinweg konnten Gruppen überleben, wenn sie nur noch wenige Männer, aber nicht, wenn sie nur noch wenige Frauen hatten. Die männliche Bereitschaft, sich für die Gruppe – und vor allem: für die Frauen der Gruppe, die für das Überleben unerlässlich waren – zu opfern, hatte eine erkennbare evolutionäre Funktion.

        Deshalb war es auch nicht böse oder unmoralisch. Böse und unmoralisch aber wird es, wenn Menschen immer noch an der männlichen Disponibilität hängen, obwohl wir längst unter Bedingungen leben, in denen sie dysfunktional und offensichtlich grausam ist. Wir haben ein evolutionäres Erbe, aber wir sind eben auch vernunftfähig und durchaus in der Lage, nicht alles zu tun, was uns unsere Impulse nahelegen.

        Die Rationalität wird aber in einer Kampagne wie der von Giffey nicht dafür verwendet, sich von vor-rationalen Impulsen zu distanzieren – sondern dafür, einen pseudo-rationalen Rahmen zu schaffen, der es ermöglicht, auch noch unter Bedingungen nach diesen Impulsen handeln zu können, in die sie überhaupt nicht mehr hineinpassen.

        Der Hohn über die „Männers“, die doch zudem einfach mal ihre eigenen Männerhäuser bauen sollten, enthält noch die Selbstverständlichkeit des verfrühten männlichen Todes. Erkennbar ist die Sicherheit der Beiträgerinnen, dass sie das überhaupt nichts anginge, das wäre ja noch schöner.

        Aber es ist eben noch etwas mehr – nämlich die Bereitschaft, Männer lächerlich zu machen, die ihre Disponibilität nicht einfach hinnehmen wollen. Sie verteilen, metaphorisch gesprochen, weiße Federn – wie die, die englische Frauen im ersten Weltkrieg zur Beschämung an diejenigen Männer verteilten, die nicht an der Front waren.

        Männer hingegen können unter solchen Bedingungen an Status gewinnen, wenn sie sich einfach von den Jammerlappen distanzieren. Ich frage mich trotzdem, wie Dag Schölper mit dem Mist durchkommt, den er da für das Bundesforum produziert. Liest das außer ein paar Masku-Bloggern, die sich darüber aufregen, eigentlich überhaupt niemand? Dass die Aussage „Wenn ich eine Frau vergewaltige, kann ich nicht wirklich was dafür“ nicht im Sinne einer gewaltfreien Sexualität ist, müsste doch eigentlich auch jemand unter den vielen Beschäftigten des Familienministeriums gemerkt haben.

        Aber Schölper erhebt seine männliche Klage eben nicht so, dass offen Ansprüche von Frauen (etwa auf Sorgerechtsgarantien oder auf 100%-Anteil bei den Gewaltschutzhäusern) angezweifelt würden. Er klagt allgemein über das Patriarchat, unter dem – und unter nix anderem – eben irgendwie auch Männer leiden würden.

        Das heißt: Er erhebt eine Klage, die zwar offen idiotisch, die aber eben zugleich auch praktisch ist, weil sie andere Männer wegschiebt, die vielleicht wirklich Grund zum Klagen hätten. Dafür darf man dann auch gern mal für ein feministisches Bundesministerium Vergewaltiger als Opfer der Verhältnisse hinstellen.

    • „Die Männer sollen endlich Selbstverantwortung übernehmen und mal Männerhäuser gründen“

      Genau deswegen habe ich diese Sammlung erstellt:

      https://allesevolution.wordpress.com/2017/12/16/wie-feministen-und-andere-frauenorganisationen-aktiv-zu-verhindern-versuchen-dass-eine-hilfe-fuer-maenner-aufgebaut-wird/

      Auslöser war ein Satz von C.B., dass Männer doch einfach mal selbst etwas auf die Beine stellen sollten:

      https://geschlechterallerlei.wordpress.com/2015/12/11/wenn-gefuehlskaelte-auf-verlogenheit-trifft-plan-deutschland-und-benachteiligte-kinder-falschen-geschlechts/comment-page-1/#comment-7733

      Sie schafft es auch immer wieder völlig zu ignorieren wie erfolgreich Feministinnen den Aufbau dieser Hilfe zu verhindern zu versuchen.

  • Ich erlaube mir mal auf die Diskussion auf AE zum Thema „Gewalt in Beziehungen“ zu verweisen, die zu diesem Thread hier einige thematische Überschneidungen bietet. Erstaunlich ist die dortige Meinungs- u. Informationsbandbreite.
    Interessant ist das Ausufern derselben, besonders nachdem die sich offenbar als meinungsführende Oberfeministin empfindende „Semikolon“ mehr oder weniger mit der Brechstange darauf bestand, ihren Sexualfetisch ( „slaphappy“, auf deutsch „Liebesohrfeigen“ ) in’s Spiel zu bringen und sich genüßlich daran hochzog, ihn als Relativierungs- und Rechtfertigungsgrund für partnerschaftliche Gewalt durchsetzen zu wollen.

    https://allesevolution.wordpress.com/2018/12/01/gewalt-in-beziehungen-individuelle-gruende-und-paardynamiken-vs-strukturelle-gruende-und-patriarchale-gesellschaft/

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