Armut Film Zivilgesellschaft

Im Kreis der Abgehängten – Rosa Hannah Zieglers „Familienleben“

geschrieben von: Lucas Schoppe

Asozial: Das wäre vermutlich eine gängige Bezeichnung für die Familie, die Rosa Hannah Ziegler in ihrem Film Familienleben (NDR/RB in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, 0:00 Uhr) eindrucksvoll dokumentiert. Der Film lässt aber erstens den Porträtierten ihre Würde, und er zeigt zweitens, wenn auch vielleicht ganz ohne Absicht, woran es insbesondere linker Politik heute mangelt.

 

Katzengold und Kreisbewegung

Der Film beginnt mit einem lauten Streit. Alfred schreit, fühlt sich ungerecht behandelt – Biggi spricht ihn ruhig an und macht ihn damit offenbar nur noch umso wütender und hilfloser – ihre Tochter versucht zu vermitteln – und schließlich geht Alfred von beiden weg, in die große Scheune des Resthofs in Sachsen-Anhalt, wo Rosa Hannah Zieglers Dokumentarfilm „Familienleben“ gedreht wurde.

Dort, in der Scheune, sitzt Alfred dann später allein zwischen Gerümpel und Holzstämmen, weiß und möchte nicht mehr weiter und hält sein Gesicht in seine Arme, als würde er sich schämen.

Scham ist ohnehin, so scheint es jedenfalls, ein grundlegendes Gefühl dieser Familie, die keine Familie ist. Biggi sagt über sich:

Als Frau fühle ich mich überhaupt nicht. Ganz und gar nicht. Ich kuck mich auch nicht an. Ich habe auch keinen Spiegel.

Im Spiegel sehen wir uns so, wie andere Menschen uns sehen. Ein Mensch, der sich im Spiegel nicht mehr anschaut, erträgt es nicht, sich selbst auch aus der Perspektive anderer wahrzunehmen.

Diese soziale Isolation durchzieht den ganzen Film. Die vier haben kaum einmal Kontakt zu anderen Menschen ihres kleinen Dorfs. Die siebzehnjährige Tochter Biggis, Denise, geht nicht mehr zur Schule, weil sie unter Depressionen und Angstzuständen leidet. Ihre vierzehnjährige Tochter Saskia war im Heim, aber lebt jetzt wieder bei der Mutter. Alfred ist nicht der Vater der Mädchen, von Biggi ist er ohnehin schon seit Monaten getrennt, aber die beiden leben noch zusammen – vielleicht, weil sie sich daran gewöhnt haben, vielleicht auch, weil es ökonomisch so etwas einfacher ist.

Stell dir mal vor, du bist in einem Kreis drinnen. Überall in diesem Kreis sind Hindernisse. . . . Die Mauer, die an dem Kreis dran ist, ist so hoch, du kommst nicht drüber. Du bleibst drinnen. Jede Runde, die du gehst, geht die Mauer immer höher. Du kommst nicht raus.

Das Bild, das Alfred zur Beschreibung ihrer Situation verwendet, hat mindestens zwei Bedeutungen.

Erstens machen die Mauern die Isolation, die Abschottung der Familie deutlich. Für Alfred haben diese Mauern offenbar etwas mit den gegangenen Runden zu tun, ohne dass aber ein nachvollziehbarer Zusammenhang erkennbar wäre.

Zweitens beschreibt er damit eine ewige Kreisbewegung. Es gibt weder einen erkennbaren Fortschritt noch überhaupt eine klare Richtung. In einer Szene schichtet Biggi im Schuppen mit Mühe und Einsatz Bretter von einem großen Wirren Haufen Holz auf einen anderen großen wirren Haufen Holz, ohne dass klar würde, wozu sie das eigentlich tut. Später schneidet sie Holzbretter an einer Kreissäge klein, ohne alle Sicherung und mit schwankendem Stand – da wird dann deutlich, dass sie offenbar Feuerholz zuschneidet.

Obwohl die Familie von Harz 4 lebt (als „Harzkinder“ bezeichnen sich Saskia und Denise in einer Szene), unterhält sie auf ihren Hof fünf Hunde und zwei Pferde. Wozu sie das tun, wird erst im Zusatzmaterial zum Film klar (Seite 3).

Sie träumen von einer Westernstadt oder einer eigenen Pferdezucht, doch ohne Geld wird das ländliche Idyll mit Pferden und Hunden zum Ende der Welt.

Die Westernstadt, für die Biggi und Alfred beständig schon passend angezogen sind, ist ebenso wie die Pferdezucht ein Traum, kein Ziel, weil es keine erkennbare Verbindung zur gegenwärtigen Situation gibt – keine vermittelnden Ideen oder gar Institutionen, die erkennbar machen würden, wie sie vom einen Punkt zum anderen kommen können. In Alfreds Bild: Die Mauern haben keine Türen, und es führen auch keine Treppen oder Leitern darüber.

Es wäre nun leicht, mit Bourdieu zu erläutern, dass der Familie offenbar nicht nur das ökonomische, sondern auch das soziale und kulturelle Kapital fehlt, um ihren engen Kreis zu verlassen. Das aber wäre irreführend.

Eine der ganz wenigen Unstimmigkeiten in dieser beeindruckenden Dokumentation ist das F.R. Davids-Lied am Ende des Films: „Words / Don’t come easy to me“. Das passt als Anachronismus aus einer anderen Zeit, inhaltlich ist es aber falsch. Insbesondere Denise und Biggi können ihre Situation immer wieder sehr differenziert, einprägsam und klar beschreiben – etwa, wenn Denise erklärt, warum sie sich ritzt und selbst verletzt:

Da denkt man, man lebt in einer Welt, wie in Zuckerwatte gepackt. Man fühlt sich nicht mehr, man sieht zwar alles, nimmt es aber gar nicht mehr wahr, man nimmt gar nichts mehr wahr in dem Moment, man denkt, wo bin ich hier, was mach ich hier, warum bin ich hier?

Wenn sie sich verletze und bluten sehe, wisse sie aber, dass sie noch lebe. Das ist inhaltlich bedrückend, in der Form aber umso mehr reflektiert und eloquent. Denise besitzt, wie auch andere aus der Familie, sehr wohl Kapital, ihr fehlt aber die Möglichkeit, es einzulösen und damit auch als Kapital zu verwenden. Als würde sie mit Münzen spielen, die zwar ab und zu ansehnlich glitzern, die aber eigentlich nur Katzengold sind.

Ganz am Ende des Films gibt es denn doch noch eine Veränderung: Biggi verlässt mit ihren Kindern Alfred, der sie mehrfach hart geschlagen hat. Doch auch hier ist nicht klar, ob das ein Aufbruch in eine bessere Zukunft ist oder einfach eine weitere Wiederholung des Immergleichen, bei dem nun halt Alfred nicht mehr dabei ist. Die Regisseurin erzählt dazu im Interview:

Biggi geht es gut, sie geht arbeiten und kümmert sich um ihre Hunde. Die Pferde hat sie weggeben, da es an Geld gefehlt hat. Denise hat eine Tochter bekommen und zieht diese mit ihrem neuen Freund in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt auf. Der echte Vater möchte sich nicht zur Vaterschaft bekennen.

Saskia ist schwanger und wird das Kind erst mal alleine groß ziehen, da die Beziehung zu dem Vater des Kindes in die Brüche gegangen ist. Sie teilt sich mit Biggi das Haus und ihre Mutter wird ihr helfen das Kind großzuziehen.  Alfred lebt glücklich verliebt im Nachbardorf mit seiner Freundin zusammen.

Biggi hatte wegen kleinerer Vergehen im Gefängnis gesessen und wird von ihrer eigenen Herkunftsfamilie verachtet: „Der nächstbeste Baum, an den du dich hängst, wäre noch zu gut für dich“, hatte eine Tante ihr gesagt. Wenn sie nun tatsächlich eine Arbeit gefunden hat, dann kann das tatsächlich eine Entwicklung heraus aus dem Immergleichen sein – zumal es eine Anerkennung von Realitäten ist, die Pferde und damit die unrealistischen Träume wegzugeben.

Dass aber Denise eine Tochter hat, dass die nun fünfzehnjährige Saskia schwanger ist, kann gleichwohl der Beginn einer neuen Kreisbewegung sein, in die nun auch die nächste Generation einbezogen wird.

 

Beiläufige Resultate einer Ent-Zivilisierung

Ich habe den Film vorab in einem Kino gesehen, und bei der anschließenden Diskussion war auch die Regisseurin Rosa Hannah Ziegler dabei. Eine dringliche, wieder und wieder vorgebrachte Frage aus dem Publikum war die nach staatlichen Hilfsangeboten – um die Familie müsse sich doch irgendjemand kümmern. Nun hat Denise allerdings mehrere Therapien hinter sich, Saskia hat im Heim gelebt und war in Absprache mit dem Jugendamt in die Familie zurück gekommen, die Familie erhält finanzielle Unterstützung: Staatliche Institutionen sind hier durchaus nicht untätig geblieben.

Wer aber die Ausstattung von Jugendämtern und Schulen kennt, weiß, dass sie schlicht nicht die Mittel haben, um solch eine Familie regelmäßig zu begleiten. Auch Familienhelfer werden beispielsweise wieder abgezogen, wenn die Familie nicht kooperiert – also ausgerechnet in solchen Fällen, in denen sie wohl besonders nötig wären.

Selbst wenn aber Institutionen großzügig ausgestattet wären – was sollten sie tun? Welchen Grund gibt es für die Annahme, die Situation von Denise würde sich mit der nächsten Therapie verbessern? Was hier deutlich wird, ist vor allem, dass staatliche Institutionen mit der Reparatur sozialer Schieflagen überfordert sind und dass sie fehlende soziale Strukturen nicht ersetzen können.

Denn tatsächlich schreit alles in diesem Film nach Strukturen und nach einer verlässlichen sozialen Einbindung. Diese Einbindung ist nur noch symbolisch vorhanden, im beständig im Hintergrund laufenden Fernseher: Die Familie merkt, dass es irgendwie noch eine Welt da draußen gibt, auch wenn sie selbst nichts dazu beitragen kann.

Aus meiner eigenen Familie kenne ich eine vergleichbare und in einem entscheidenden Punkt doch ganz andere Situation. Mein Vater ist in enormer Armut bei seiner Großmutter aufgewachsen, ohne sich und die Oma jeweils als a-sozial erlebt zu haben: Für beide bot die katholische Kirche einen selbstverständlichen Rahmen sozialer Einbindung. In anderen Situationen, insbesondere in den Städten, haben einst Organisationen der Arbeiterbewegung Strukturen bereitgestellt, die für einzelne Menschen Möglichkeiten der Entwicklung geschaffen haben.

Für Biggi, Alfred und die Kindern gibt es nicht einmal mehr eine Freiwillige Feuerwehr.

Norbert Elias hat Zivilisation als einen Prozess beschreiben, in dem sich einerseits die harten formalen etablierter Institutionen aufweichten und die Institutionen damit zugänglicher machten und in dem andererseits die informellen Bereiche der Gesellschaft sich strukturierten, beispielsweise eben durch die Arbeiterbewegung. Der Film ist auch ein Beispiel dafür, dass wir heute eine Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung erleben.

Eine Ent-Zivilisierung ist also zu einem Teil ein Abbau von Strukturen für einen großen Teil der Gesellschaft. Wie verrückt und zermürbend beispielsweise eine eigenständige, nicht von Institutionen gestützte Suche nach einem Therapieplatz sein kann, hat gerade Robin Urban in einer kleinen Artikelserie gezeigt.

Zum anderen Teil ist die Ent-Zivilisierung auch eine Abschottung der etablierten Milieus. Ein kleines, beiläufiges Beispiel aus der Diskussion:

Alfred erklärt im Film, warum er kein schlechtes Gewissen habe, Biggi zu schlagen – sie gebe sich wie ein Mann, handle wie ein Mann, und so müsse sie eben damit rechnen, wie ein Mann behandelt zu werden. Eine Frau im Publikum interpretierte das sogleich in dem Sinn, dass Alfred Biggi dafür bestrafen wolle, sich nicht wie eine echte Frau zu verhalten. Als spezifisch frauenfeindliche Gewalt also. Tatsächlich hatte Alfred eben das nicht gesagt – für ihn wäre es unmoralisch, eine Frau zu schlagen, Gewalt gegen Männer aber ist für ihn in Ordnung.

Das macht zweierlei deutlich. Erstens merken wir in akademisch informierten, politisch gängigen Diskursen möglicherweise nicht mehr, wie sehr eben auch wir in Klischees befangen sind, und wir können Äußerungen wie die Alfreds nur dann verarbeiten, wenn wir sie im Sinne unserer eigenen Diskurse uminterpretieren – auch wenn er ausdrücklich etwas anderes gesagt hat.

Zweitens hat Alfred selbst noch Versatzstücke von Regeln und klaren Formen des Umgangs im Kopf – sie strukturieren nur sein Handeln nicht, wirken im Kontext seines Lebens wie willkürliche Privatregeln, die in manchen Situationen sogar eher noch schaden, als dass sie dem Leben eine sinnvolle Struktur geben würden.

Es ist eine der vielen Stärken des Films, dass er diese Strukturlosigkeit nicht durch einordnende Kommentare aus dem Off überspielt: Es fehlt die Einbindung, die Vermittlung nach außen. Ergibt sich daraus dann  aber überhaupt irgendetwas?

 

Gängelung und Einbindung

Robert Habeck hat vor wenigen Wochen wie auch  Andrea Nahles eine schon lange schwelende Diskussion weitergeführt, nämlich die über ein bedingungsloses Grundeinkommen. Menschen sollten Geld ohne Gängelung erhalten.

Der Film macht, unter anderem, ein Problem dieses Ansatzes deutlich. Eine soziale EinBINDUNG ist eben immer auch, zum Teil, eine Gängelung. In bürgerlichen, akademisch gebildeten Milieus lässt uns unsere Einbindung möglicherweise so viele Spielräume und ist so gut moderiert, dass wir sie als Gängelung gar nicht mehr wahrnehmen müssen.

Allein schon die Arbeit in einer arbeitsteiligen Gesellschaft gängelt jedoch. Nicht alles, was wir tun, ist in diesem Sinn „Arbeit“. Ob wir Holz von einem Haufen auf einen anderen schichten, uns die Haare violett färben oder uns politisch engagieren: Zur Erwerbsarbeit wird das erst, wenn wir damit jemand anderem so sehr nützen, dass er bereit ist, uns dafür zu bezahlen. Wir sind also dazu gezwungen, uns bei unserer Tätigkeit mit den Augen anderer zu betrachten – anstatt von ihnen verlangen zu können, diese Tätigkeit gefälligst als Arbeit wahrzunehmen und entsprechend zu entlohnen.

Das ist eine Zumutung und eine soziale Einbindung zugleich.

Zwar räumt Habeck das Risiko ein, dass sein Vorschlag die soziale Isolation vieler noch vergrößern könnte, sagt aber auch knapp: „Na gut, irgendwas anderes werden die schon machen.“ (hier, 49:50) Es geht aber ja eben gerade darum, nicht irgendwas zu machen, sondern etwas, was „die“ in Strukturen einbindet und ihrem Handeln eine Richtung geben kann, so dass Entwicklungen möglich werden.

So stellt der Film, wohl ganz ohne Absicht, auch heraus, woran es der politischen Linken heute weiträumig mangelt: Sie hat weder einen Sinn noch ein Interesse dafür, wie „die“ leben, und spricht über sie, als wären es Wesen aus einer anderen Welt.

Wenn in linken Milieus dann über Strukturen gesprochen wird, sind damit meist Herrschaftsstrukturen gemeint. Anstatt zu realisieren, welche Entwicklungsmöglichkeiten durch gesellschaftliche Einbindung geschaffen werden, wird die Abkoppelung von sozialen Strukturen als Befreiung beschönigt. Als gäbe es ein irgendwo ein reines, authentisches Leben außerhalb aller sozialen Konstruktionen, die ja doch nur Herrschaftsinteressen dienten.

Das ist so, natürlich, sehr knapp und abstrakt skizziert, aber der Film selbst wird unmerklich etwas konkreter:

Im klassischen bürgerlichen Familienmodell war der Vater die Schaltstelle, die soziale und familiäre Strukturen vermittelte. Sigmund Freud etwa koppelt die Entwicklung des Über-Ich, in dem wir Moralvorstellungen der Gesellschaft internalisiert haben, an den Vater.

Im Film stehen die fehlenden Väter auch für das Fehlen sozialer Vermittlung. Denise und Saskia fragen nicht einmal nach ihrem Vater – Alfred möchte ab und zu väterliche Ratschläge geben, kann aber die Rolle niemals ausfüllen – und die beiden Väter der Kinder der Mädchen ziehen sich aus ihrer Verantwortung zurück.

Die massive Skepsis, stellenweise gar Verachtung gegenüber Vätern, die auch in linken Milieus gepflegt wird, hat eben zwei Seiten: Einerseits werden Väter, die sich um ihre Kinder kümmern möchten, möglicherweise ferngehalten – andererseits werden Väter, die ihre Verantwortung verweigern, ganz selbstverständlich in Ruhe gelassen.

Natürlich wäre es heute albern, die patriarchalen Strukturen der bürgerlichen Familie um 1900 wieder beleben zu wollen. Nur war eben auch diese Familienstruktur nicht lediglich Ausdruck von Herrschaftsansprüchen, sondern erfüllte nachvollziehbare Funktionen. Wenn sie das heute nicht mehr tut, müssen wir uns damit beschäftigen, wie diese Funktionen denn anders erfüllt werden können.

Wer aber von „Gängelung“ spricht, wenn es eigentlich um soziale Einbindung geht – der lebt davon, dass er sich seiner eigenen sozialen Einbindung sicher sein kann und dass er in seinem Alltag gar nicht mit „denen“ konfrontiert wird, die nicht so gesichert leben.

 

Rosa Hannah Zieglers Familienleben wird vom NDR und von Radio Bremen in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch (4./5.12. 2018) leider zu einer sehr ungünstigen Uhrzeit ausgestrahlt, nämlich um 0:00 Uhr. Ich hoffe aber, dass er noch eine Weile in der Mediathek zu sehen sein wird

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34 Comments

  • Ich glaube nicht, daß ich mir den Film anschauen werde. Dein Text lässt ihn mir zu sehr als zielgerichtete Variante eines postmodernen Dramas im Film-Noir-Stil erscheinen. Düster, deprimierend, hoffnungslos, open end.

    Und die Darstellung der Männer als unbedingte Versager, sowie die schräge Gegenposition der Frauen, die scheinbar unkritisch akzeptiert wird, kenne ich schon aus dem „RL-Kino“ zur Genüge …

    Ein paar Anmerkungen:
    „Erstens machen die Mauern die Isolation, die Abschottung der Familie deutlich. Für Alfred haben diese Mauern offenbar etwas mit den gegangenen Runden zu tun, ohne dass aber ein nachvollziehbarer Zusammenhang erkennbar wäre.“

    Das ist m.E. leicht zu assoziieren:
    Je länger der Ochse die Mühle antreibt, desto unfähiger wird er daraus auszubrechen, ja sogar, die Außenwelt überhaupt in nennenswerter Weise wahrzunehmen.
    V.dh. werden die Mauern mit jeder Runde im Schnitt ein wenig höher.

    „Auch Familienhelfer werden beispielsweise wieder abgezogen, wenn die Familie nicht kooperiert – also ausgerechnet in solchen Fällen, in denen sie wohl besonders nötig wären.“

    Nun ja, z.T. werden sie ( die SPFH ) auch gezielt in Familien geschickt, resp. verstehen es selbst als ihre Aufgabe, jegliche Kooperationsmöglichkeit aktiv zu torpedieren, somit das Arbeitsverhältnis der jeweiligen Familie zum Amt zu eskalieren. Besonders wohl, wenn der Abrechnungsherbst da ist und entsprechende Kostenstellen ( bspw. Inobhutnahmen ) noch nicht ausreichend ausgeschöpft sind ( sog. „Novemberfieber“ ).

    „Was hier deutlich wird, ist vor allem, dass staatliche Institutionen mit der Reparatur sozialer Schieflagen überfordert sind und dass sie fehlende soziale Strukturen nicht ersetzen können.“

    … aber es teilweise ( im Leben „da draußen“ ) als lukrativ-opportunistische Aufgabe betrachten, eben solche sozialen Strukturen zu zerschlagen, z.T. regelrecht zum universellen Feindbild zu erklären und mit allen Mitteln zu bekämpfen.

    „Wie verrückt und zermürbend beispielsweise eine eigenständige, nicht von Institutionen gestützte Suche nach einem Therapieplatz sein kann, hat gerade Robin Urban in einer kleinen Artikelserie gezeigt.“

    Ich lese Robin’s Artikel nicht ( zu uninteressant, weil überwiegend reine Klischeesammlungen, mit gelegentlichen, für ihre Verhältnisse überraschenden, selbstkritischen Einsprengseln, i.d.R. altbekannte Binsenweisheiten. Quasi Onyx‘ leuchtendes Vorbild, neben Margarete G&D ).

    Aber den Punkt kann ich wohl nachvollziehen, muß für sie wahrscheinlich überraschend gewesen sein.
    Wobei das finden eines Therapieplatzes sicherlich noch die leichtere Übung ist, es gibt jede Menge davon, nur die Auswahl ist für Laien z.T. sehr unübersichtlich.
    Der schwerwiegendere Aspekt ist m.E., daß man keine Diagnose bekommt!

    Im Familienrechtsfall wurde mir ja von den beteiligten Richtern angedichtet ich hätte eine unbenannte psychiatrische Krankheit, eine Art „veranlagtes Amokverhalten“, oder Tasmanischerteufelsyndrom“, aufgrund dessen ich gewohnheitsmäßig blutige Schneisen kreuz und quer durch die Welt der „Sachen, Tiere, Menschen UND Gutachter“ ( wörtlich! Hervorhebung von mir ) schlagen würde.
    Ohne offiziellen Nachweis der Erkennung und erfolgreichen Abstellung dieser imaginären Krankheit, durch eine Stellungnahme eines in Psychiatrie erfahrenen Arztes ( vulgo Privatgutachten ) könne und dürfe ich somit auch keine erfolgversprechenden Anträge bei einem Amtsgericht mehr stellen. Da damit zukünftig die VKH blockiert ist, kommt das einem vorsätzlich unüberwindbarem Antragserbot für Nichtbegüterte gleich.

    Somit hatte ich natürlich ein hohes Interesse mich psychologisch und psychiatrisch untersuchen zu lassen.
    Im Bezug auf diese seltsame „Amokkrankheit“ ist mir das bis heute ( in mehr als zehn Jahren! ) nicht gelungen.

    Therapien bekam ich satt und reichlich angeboten.
    Aber herauszufinden was man da therapieren will, auf welcher Grundlage, scheint Tabu zu sein. Psychologen schwafeln, stellen Fragen, malen Männchen und Galgen auf ihre Blöcke, notieren höchstens mal gelangweilt „Kindheit? Freud?“ o.ä. ( ich habe da einfach mal ein wenig unbemerkt kiebitzt ).

    Psychiater kommen einem mit:
    „Aber nein, Herr M., wir haben ein Behandlungsbudget, Diagnosen erstellen wir nicht“.

    Oder, ein heftiger Spruch, angesichts eines, laut Gericht, „wütenden, tobenden Monsters“:
    „Ach, wissen Sie, bei dem was Sie da beschreiben, halte ich Sie für eigentlich gesund, jedenfalls völlig normal. Wenn Sie diese Erlebnisse nicht bis hin zu bestimmten Symptomatiken belasten würden, DANN müßten wir uns Gedanken machen“.

    Grob verkürzt gesagt:
    Therapieplätze gibt es an jeder Ecke, egal ob man „etwas hat“, oder nicht.
    Ursachenforschung, differentiale Diagnostik o.ä. kann man sich aber ( zumindest ohne größere Barschaft ) gründlich von der Backe putzen, erst recht, wenn es sich um „heiße Eisen“ handelt.

    • @Fiete Ob Robins Artikel uninteressant ist, kannst Du doch gar nicht wissen, ohne in ihn zumindest hinein gelesen zu haben.

      Was das Jugendamt angeht: Hier ist nach meinen Erfahrungen als Lehrer die Knappheit der Mittel tatsächlich ein großes Problem. Ich hab es schon erlebt, dass ich wegen eines Schülers in einem dringenden Fall bei der Zuständigen im Amt angerufen habe, dort nur von einem Anrufbeantworter auf eine andere Telefonnummer verwiesen wurde, und als ich dort dann anrief, erreichte ich nur einen Anrufbeantworter, der auf die erste Nummer verwies.

      Dass Familienhelfer abgezogen werden, habe ich tatsächlich im Zusammenhang mit Kooperartionsverweigerungen erlebt. Natürlich wären Helfer gerade in solchen Fällen dringend, aber hier kalkuliert das Amt offenbar damit, die zur Verfügung stehenden Mittel möglichst effektiv einzusetzen.

      Selbst als Trennungsvater waren meine Erfahrungen mit unterschiedlichen Jugendämtern durchaus positiv. Es hängt möglicherweise damit zusammen, dass ich Lehrer bin und das Milieu gut kenne, aus dem auch die meisten Jugendamtmitarbeiterinnen (mitarbeitER gibt es ja kaum) kommen. Ich weiß aber, dass andere hier deutlich ernüchterndere Erfahrungen machen.

      Jedenfalls glaube ich, dass viele der Irritationen zwischen Bürgern und Ämtern gar nicht mal durch eine Bösartigkeit der Ämter erklärt werden müssen, sondern Resultat eben solcher Prozesse sind, wie ich sie im Text zu beschreiben versucht habe. Es fehlt in meinen Augen zunehmend an gesellschaftlicher Vermittlung, und was auf der einen Seite als rationaler Verwaltungsakt wahrgenommen wird, kann auf der anderen Seite eine existenzielle Bedrohung sein. In solchen Strukturen lassen sich denn auch reale Boshaftigkeiten und gar Sadismen gut unterbringen, sie sind aber nicht einmal das Kernproblem.

      Jedenfalls glaube ich, dass wir aufpassen müssen, angesichts der – in meinen Augen wachsenden – sozialen Gräben nicht denjenigen, die auf der jeweils anderen Seite stehen, beliebig bösartige Motive zu unterstellen. Da treffen Akteure aufeinander, die aus radikal unterschiedlichen Perspektiven agieren – und es fehlen vermittelnde Instanzen.

      Aber natürlich wäre es zunächst einmal die Verantwortung öffentlich finanzierter Institutionen, solche Vermittlungen anzustreben.

      • @ Lucas:
        „@Fiete Ob Robins Artikel uninteressant ist, kannst Du doch gar nicht wissen, ohne in ihn zumindest hinein gelesen zu haben. “
        Stimmt!
        Bezog sich natürlich auf das, was ich bereits von ihr gelesen habe. Ein Stereotyp, das ich i.w. grob beschrieben habe.
        Und das hat Gründe, dahingehend, daß der Tag nur 24 Stunden hat und im manchmal schon die Nacht hinzunehme. Da ist für manches, so man es relativ gut vorhersagen kann, einfach keine Zeit mehr.

        • In Medias res:
          „Was das Jugendamt angeht: Hier ist nach meinen Erfahrungen als Lehrer die Knappheit der Mittel tatsächlich ein großes Problem. Ich hab es schon erlebt, dass ich wegen eines Schülers in einem dringenden Fall bei der Zuständigen im Amt angerufen habe, dort nur von einem Anrufbeantworter auf eine andere Telefonnummer verwiesen wurde, und als ich dort dann anrief, erreichte ich nur einen Anrufbeantworter, der auf die erste Nummer verwies.“

          Ja, natürlich, ein Problem ist das per se.
          Und dazu eines, das ich sehr gut kenne.
          In meinem Fall reichte es meist, nach mehreren Tagen in einem akut existenzbedrohlichen Fall ( den meiner Ex-Tochter ), die Rufnummer zu unterdrücken und die arme, überforderte Sachbearbeiterin nahm sofort und ohne Umleitung ab.
          Ab Freitag Mittag klappt es i.d.R. trotzdem nicht, weil da könnten es verzweifelte Eltern vormittags „freiwillig“ mit der Polizei aus Schule o. Kindergarten extrahierter Kinder sein.
          Deshalb haben AsD oft auch summergesteuerte Türen, z.T. mit Kameraüberwachung.

          „Dass Familienhelfer abgezogen werden, habe ich tatsächlich im Zusammenhang mit Kooperartionsverweigerungen erlebt. Natürlich wären Helfer gerade in solchen Fällen dringend, aber hier kalkuliert das Amt offenbar damit, die zur Verfügung stehenden Mittel möglichst effektiv einzusetzen. “

          Ob die SPFH „dringend“ wären, ggf. für wen und warum, wäre zu klären.
          Desweiteren müßte man ermitteln, wer warum die Kooperation angeboten und wer sie warum in welcher Form verweigert hat. Da gibt es ja eine ganze Bandbreite an Möglichkeiten, die erfahrungsgemäß auch ( von allen Seiten ) ausgiebigst und vollumfassend genutzt wird.
          Wenn z.B. die SPFH meine Post aus meinem Briefkasten klaut, dann ist es mir völlig egal, daß das Amt die Dame als „Kooperationshilfe“ oder sonstwas eingesetzt hat.
          Und wenn dann die Anzeige abgeschmettert wird, weil die Dame auch als rechtliche Betreuerin arbeitet und bei der StA per Telefon vorwarnt, daß sie da einen „faulen Kunden“ hat, der sie andauernd anzeigt, was ergo nicht ernst zu nehmen wäre, würde das meine Kooperationsbereitschaft auch nicht sonderlich fördern.
          Auch das wurde mir von entsorgten Eltern berichtet u. z.T. mit Dokumenten belegt.

          Ich galt z.B. ( nicht ggü. SPFH, die gibt es in Verschleppungsfällen nicht, sondern allen anderen auf Gegenseite involvierten ) als „völlig unkooperativ“, eben gerade WEIL ich informativen Austausch und frecherweise auch Kooperation, angeregt, dann angemahnt, dann offen gefordert, verlangt und schließlich verzweifelt darum gebettelt habe. O-Ton, verschiedener potentieller Kooperationspartner: „Der nervt!“
          Impliziter Unterton: „Den mache ich fertig!“
          ( Fiete hat ganz brauchbare Ohren und benutzt die manchmal auch )

          Merke: Das ( konstruktive Kooperation im besten Interesse des Kindes ) ist für Untermenschen verboten!
          Wußte ich derzeit noch nicht.
          Unterwürfigkeitsgesten sind gefragt ( helfen aber auch nur dem sie fordernden )

          „Jedenfalls glaube ich, dass viele der Irritationen zwischen Bürgern und Ämtern gar nicht mal durch eine Bösartigkeit der Ämter erklärt werden müssen, sondern Resultat eben solcher Prozesse sind, wie ich sie im Text zu beschreiben versucht habe.“

          Das ist logisch, da ein Amt, resp. eines der niederen Fachbüros eines Amtes ( hier Bürgermeister- o. Landratsamt ) gar keine „Charakterzüge“ hat, sondern eine Struktur, Möbel, technische Gerätschaften etc..
          Die interaktiven Dynamiken spielen sich zwischen den Sachbearbeitern, Fachbereichsleitern u.s.w. bis zum halben Dienstherrchen ab ( und mehr als „halbe“ gibt es da nunmal nicht ).
          Und da agieren Individuen.
          Meist solche, die lieber intern „arbeiten“, als sich nach „da draußen“ zu begeben und dort – wohlmöglich auf Augenhöhe – mit den souveränen Auftraggebern ( vulgo „Kunden“ ) zu kooperieren.
          Mit Glück auch mal solche, die sich von den gewohnheitsmäßig eingeschliffenen Strukturen nicht allzusehr einengen lassen.
          Die, die aber einfach das machen, was Chef und Kollegin am Schreibtisch ggü. machen, haben es innerbetrieblich jedoch deutlich am leichtesten und DAS ist vorrangiges persönliches Geschäftsinteresse.
          Da sind Jugendämter, Gerichte und periphere Geschäftspartner ( bspw. SPFH ) prinzipiell sehr einheitlich ( s.u. ).

          „und was auf der einen Seite als rationaler Verwaltungsakt wahrgenommen wird, kann auf der anderen Seite eine existenzielle Bedrohung sein.“

          Exakt! Siehe „Novemberfieber“!
          Übrigens auch andersherum, manche Verwaltungs- u. Administrationsangestellte fühlen sich von durch Kunden angefragte simple Verwaltungsakte dermaßen existentiell bedroht, daß sie schnappatmend jede Kommunikation bis auf formelle Rudimente radikal abbrechen.

          Bspw. als ich die Richterin bat, mir doch die obligatorische Bestätigung auszustellen, daß offizielle Unterstellungen der Gegenseite, zu den Akten zu Protokoll genommen, als vorsätzlich falsch markiert und gewichtet werden, da sie das entsprechende Dokument, in dem das Behauptete ebenfalls als tatsächlich unterstellt wurde, einfach zum „Gutachten“ erklärt hatte, obwohl der Pamphletist offen darin schrieb, daß er mich nicht begutachten, sondern nur aufgrund der hasserfüllten Meinungsäußerungen der Gegenseite beschimpfen könne.
          Da stand bspw., daß ich in der ersten sog. „Anhörung“, bei der nix angehört wurde, was von mir kam, von „vielen Sicherheitskräften“ ( wörtlich ) durchsucht und bewacht hätte werden müssen, da ich „die Richterin bedroht“ hätte. Tatsächlich hat die mich zweimal ( unsere ersten beiden Kontakte ) erpresserisch genötigt, also massiv mit dem sofortigen Entzug sämtlicher Rechte und Pflichten am Kind als Vater existentiell bedroht ( und die Drohung auch sofort in die Tat umgesetzt ).

          Ihre ruckartig heiser dahingekrächzte Antwort ( wörtlich ): „Ich weiß gar nicht, was Sie damit wollen“.
          Was sie ja nun auch einen feuchten Dreck anging. Aber sie wußte es sicherlich sehr wohl, nämlich, daß der Staatsanwalt das Ding keine Stunde später auf dem Tisch gehabt hätte.
          Und das hätte für sie selbstverständlich real existenzgefährdend sein können ( in einem Rechtsstaat sogar müssen, nicht hier in D. natürlich ).
          Dementsprechend habe ich auch weder eine Bestätigung von Ihr darüber bekommen, noch hat sie zu den Akten zu Protokoll genommen, daß strafwürdige Falschbeschuldigungen inszeniert wurden, spätestens von dem Moment an mit ihrer aktiven Billigung und Förderung ( vorsätzliche und zum eindeutig absehbaren Schaden unterlassene Hilfeleistung in einem schweren Fall, Verleumdung, Rufmord, üble Nachrede, Aktenfälschung, oder was da noch so greifen könnte).

          „In solchen Strukturen lassen sich denn auch reale Boshaftigkeiten und gar Sadismen gut unterbringen, sie sind aber nicht einmal das Kernproblem.“

          Kommt drauf an, auf welcher Ebene und für wen.
          Die Wut einer vom Liegenschaftsamt zum Jugendamt strafversetzten Sachbearbeiterin mit Zeitvertrag kann z.B. für die von Surrogatbetreuern erschlagenen Kinder sehr wohl ein Kernproblem ( und aus derer Eltern Sicht auch des Amtes ) sein.
          Nur um mal ein rein fiktives, zur Verdeutlichung krass gewähltes, Beispiel zu nennen.
          Und sowas ist nicht ungewöhnlich.

          „Aber natürlich wäre es zunächst einmal die Verantwortung öffentlich finanzierter Institutionen, solche Vermittlungen anzustreben.“

          Wäre, Lucas, WÄRE!
          Wenn denn ein Interesse daran herrschte.

          Und damit komme ich nochmal zurück auf die Frage nach Zeit und Geld.
          Tatsächlich sind manche Budgets ständig so übererschöpft, daß wichtige Aufgaben kaum noch wahrgenommen werden können.
          Aber wo liegen die Ursachen?

          Wenn in einem städtischen Verwaltungsbüro ( nix anderes ist ein Jugendamt ) schon passiver Telefonterror gemacht werden muß, wenn nur noch in Polizeibegleitung nach außen agiert wird, wenn Kunden dort Termine verschieben müssen, weil erst noch mehr persönliche Security organisiert werden muß ( habe ich schriftlich, Umgang muß verschoben werden, weil das Frauenhaus und das Jugendamt sonst nicht ausreichend Bodyguards stellen können ).
          Wenn Prozesse, die praktisch gar keine rechtliche, geschweige denn moralische, oder wenigstens menschliche Ursache haben, über viele Jahre lang mit härtesten Bandagen bis zum EGMR geführt, und gern noch ein paar Jahre länger einfach verschleppt werden.
          Wenn es immer wieder jahrelange staatsanwaltliche Ermittlungsverfahren geben muß, die sich kaum medial vertuschen lassen, weil wütend opportunistische und völlig unfähige Mitarbeiter unbedingt die Kinder einer unschuldigen Familie, aus niedersten Motiven, einer Adoptionsholding versprochen haben.
          ( …Und das sind nur die paar Beispiele, die mir spontan so einfallen, es gibt jede Menge mehr davon )

          Dann denke ich, würden diese Büros einfach dichtgemacht und durch soziale Zentren im direkten Wohnumfeld ersetzt, ginge das ganze mit einem Bruchteil an vernichteten Kinder- und Elternexistenzen und für einen Bruchteil der dafür somit verbrannten Steuern ab.

          Anders gesagt:
          Man kann sich Geld- u. Personalprobleme auch sehr gut selbst basteln, besonders, wenn das auch noch als astreine Tugend belobigt, resp. begeistert theatralisch bejammert wird.
          Und genau das wird es!
          Kannst Du mindestens zweimal pro Jahr in einem führenden Mainstreammedium nachlesen. Die armen JA-MA wären ja völlig überfordert, stünden permanent mit einem Bein im Knast ( warum wohl? ), arbeiten für Hungerlöhne, sind nervlich am Ende, bräuchten dringend mehr Lohn und noch mehr Kostenstellenknete etc.pp., weil sie immer mehr Kindern unbedingt Wohnung und Familie wegnehmen müssen.

          Dabei sagen die Zahlen ganz klar, daß Eltern, trotz immer brutalerer Angriffe und ständig höherer Zahlen an erwachsenen Kindern, die keine, oder nur halbe Eltern hatten, immer besser werden!
          Siehe auch die Entwicklung der Zahlen zu Tode gekommener Kleinkinder ( sinkt seit Jahrzehnten! ).

          Trotzdem wird dem Moloch Jahr für Jahr im Schnitt about 8-10 % ( sic! ) MEHR an Kohle in den Hals gepumpt!
          Und ziemlich genau so viele Kinder werden jedes Jahr mehr familiär vernichtet!
          Plus deren Eltern.

          • Sorry für die z.T. arg verkürzte Darstellung, aber en Detail und wohlmöglich in „Kaffee-u Kuchen“-gerechter Form hätte ich morgen noch daran getippt.
            Und es wäre für Außenstehende eher noch unglaublicher geworden.

            Müßt Ihr jetzt durch … 😉

      • @Lucas

        Der Film ist mir unheimlich, ohne ihn gesehen zu haben und ich krame noch einen Artikel dazu raus, der in das gleiche Horn bläst.

        Ich lade dich hiermit ein zu tun, was ich immer empfehle, wenn es sich um einen Film von, für und über Frauen handelt. Schaue dir den Film RÜCKWÄRTS an:

        „Ganz am Ende des Films gibt es denn doch noch eine Veränderung: Biggi verlässt mit ihren Kindern Alfred, der sie mehrfach hart geschlagen hat. Doch auch hier ist nicht klar, ob das ein Aufbruch in eine bessere Zukunft ist oder einfach eine weitere Wiederholung des Immergleichen, bei dem nun halt Alfred nicht mehr dabei ist. Die Regisseurin erzählt dazu im Interview:

        Biggi geht es gut, sie geht arbeiten und kümmert sich um ihre Hunde. Die Pferde hat sie weggeben, da es an Geld gefehlt hat. Denise hat eine Tochter bekommen und zieht diese mit ihrem neuen Freund in einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt auf. Der echte Vater möchte sich nicht zur Vaterschaft bekennen.

        Saskia ist schwanger und wird das Kind erst mal alleine groß ziehen, da die Beziehung zu dem Vater des Kindes in die Brüche gegangen ist. Sie teilt sich mit Biggi das Haus und ihre Mutter wird ihr helfen das Kind großzuziehen. Alfred lebt glücklich verliebt im Nachbardorf mit seiner Freundin zusammen.“

        „Denise hat eine Tochter bekommen“
        „Saskia ist schwanger“
        Das ist der „Aufbruch in eine bessere Zukunft“; bourgeois female fantasy.
        Die von dir aufgeführten zivilisatorischen Probleme werden BIOLOGISCH – also gar nicht – gelöst.
        Die Zukunft ist schwanger und „ihre Mutter wird ihr helfen das Kind großzuziehen“ -> Matriarchat.
        Oder die Lösung ist „Liebe“, denn „Alfred lebt glücklich verliebt“ weiter.

        Die Regisseurin entfernt sich keinen Zentimeter von „die da“, sondern halst nur ihren Horizont an Problemlösung „denen da“ auf.

        Du kritisierst berechtigt: „Als gäbe es ein irgendwo ein reines, authentisches Leben außerhalb aller sozialen Konstruktionen, die ja doch nur Herrschaftsinteressen dienten.“
        Das ist die Fantasie dieser sozialen Schicht von Frauen über das reine, authentische Leben jenseits von Herrschaftsinteressen.
        Die spezifisch weibliche generative Potenz + Liebe (zu einer Frau) ist die/ihre Antwort.

        Es kommt nicht mehr, weil da auch nicht mehr zu erwarten ist: „Diese soziale Isolation durchzieht den ganzen Film.“
        Weil es die Sockenpuppen der Regisseurin sind, die sie auf „die da“ abbildet.

          • @ crumar Eine Film von hinten her zu sehen, oder ein Buch von hinten her zu lesen, lohnt sich fast immer. Aber Du unterstellst hier eine Botschaft, die der Film m.E. nicht hat.

            Wenn Biggi mit ihren Kindern am Ende in ein anderes Haus zieht, dann ist das deswegen gut, weil es überhaupt mal so etwas wie Bewegung gibt und der Film so einen Schlusspunkt finden kann. Als Befreiung steht es nicht da – es ist verständlich, aber es gibt keine Perspektive, dass es besser wird.

            Die Schilderungen zum Weiteren kommen nicht aus dem Film, sondern aus einem Interview dazu. Ich vermute, dass die positive Bewertung der weiteren Entwicklung – insbesondere übrigens für Alfred, mit einer neuen Liebe im alten Haus – auch der Selbst-Legitimation der Regisseurin dient. Immerhin ist es heikel, eine Familie, die so offenkundig verletzbar ist, über Monate mit der Kamera zu begleiten und einen Film daraus zu machen. Das hätte ja auch schiefgehen können.

            Es transportiert aber keine Befreiungsbotschaft. Ganz im Gegenteil: Als ich gelesen habe, dass Denise ein Kind bekommen hat und Saskia schwanger ist, hab ich angesichts des Films bloß „Ach du Scheiße“ gedacht. Das liegt nicht nur an meiner Perspektive: Schwanger sein zu können war eine große Angst der Mädchen, die sich überdies in denselben Jungen verkuckt hatten.

            Der Film ist vor allem eine Familiendokumentation und politisch eine Milieustudie, keine weitere Geschichte einer Frauenbefreiung. Die Abwesenheit der Männer aber sagt etwas über das Milieu aus.

            In den schwarzen Milieus der amerikanischen Großstädte ist ja schon längst die Vaterlosigkeit als einer der wesentlichen familiären Probleme beschreiben worden (schon in „Boyz in the Hood“, wo nur der Junge, dessen Vater präsent ist, einen Weg aus der Ghetto findet). Es geht dabei nicht um Väter allein, sondern vor allem um Strukturen – Strukturen schafft aber eben kein einzelner Mensch allein im Selbstbezug, daran müssen schon mehrere Erwachsene beteiligt sein.

          • @ Lucas:
            „Immerhin ist es heikel, eine Familie, die so offenkundig verletzbar ist, über Monate mit der Kamera zu begleiten und einen Film daraus zu machen.

            Der Film ist vor allem eine Familiendokumentation…“

            Sehe ich nicht, weder eine Doku, noch eine Familie.
            Bestenfalls einen „Experimentalfilm“ ( eigentlich auch das nicht, eher ein seit Jahren optimiertes Konzept ) über eine Flickenteppichwohngemeinschaft, also den Versuch eines Notnagels, welche dann ja auch ganz bilderbuchmäßig scheitert.

            Glaubst Du wirklich, daß eine Familie ( oder auch nur eine tatsächliche „Landkommune“ ) sich so präsentieren würde, wenn man sie über div. Monate dezent und neutral, also möglichst „dokumentarisch“ begleitete, sich so verhielte?
            Sorry, aber das halte ich für völlig illusionär.

            Dazu gibt es genug Formatvorlagen ( vulgo salopp: „RTL II-scriptet-reality-Serien“ ), deren Produktionshintergründe ausreichend bekannt sind ( bspw. daß darin für geringe Gage gespielte Figuren in der gleichen Gestalt auch in anderen sog. „RL-Dokus“ in ganz anderen Rollen auftauchen ).

            Und, daß „die Öffis“ derartiges gern übernehmen, sieht man ja u.a. auch an den „FUNK“-Formaten, wie z.B. „Lu-Labert“, mit der Schauspielerin Anna-Lena Dingensbummens ( hab den Nachnahmen vergessen ), wo ein privater YT-Channel simuliert wird. Und derartiges ist seit Jahren in großer Verbreitung und Bandbreite etabliert.
            https://www.youtube.com/watch?v=W-wfoPSusag
            Die gleiche Schauspielerin taucht in dem angebl. „spontanen Protest-Video“ der Schmiedel/FUNK-Produktion „not Heidi’s Girls“ ( inkl. Hasstag ) als junge Schülerin, die gern Model werden will ( nur eben angebl. nicht für Heidi, sondern für Stevie, ansonsten zu ziemlich gleichen Konditionen, hübsch zurechtgeschminkt und auf jung&schlank getrimmt ) wieder auf. Und auch da wird unverschämt stur und unzweifelhaft insinuiert, das wäre echt, also von ein paar sozialkritischen Schülern in spontaner Eigenproduktion aus lauter Enthusiasmus selbst gebastelt worden. Wird freundlicherweise gleich auf dem selben „LU“-Kanal abgelegt:
            https://www.youtube.com/watch?v=_ErDdw5jowA&list=RD_ErDdw5jowA

            Mir drängt sich der Verdacht auf, daß Du da etwas zu blauäugig an die Sache herangehst.

            Schade, daß ich keinen Dunst von Bildersuche habe, es könnte schon interessant sein, den Laien-( oder Profi-)Schauspielern ( und möglw. weiteren Beteiligten ) des Films hinterher zu recherchieren.

          • @lucas:

            Als ich gelesen habe, dass Denise ein Kind bekommen hat und Saskia schwanger ist, hab ich angesichts des Films bloß „Ach du Scheiße“ gedacht. Das liegt nicht nur an meiner Perspektive: Schwanger sein zu können war eine große Angst der Mädchen, die sich überdies in denselben Jungen verkuckt hatten.

            Hier habe ich ein Verständnisproblem: Wenn es für beide Mädchen eine große Angst darstellt schwanger zu werden, wie kommt es dass sie es am Schluss beide sind? Es ist ja nicht so, dass junge Frauen heutzutage keine Möglichkeit hätten eine unerwünschte Schwangerschaft abzuwenden.
            Ich unterstelle dass Pille und Kondom auch in dem im Film dargestellten Milieu mittlerweile „angekommen“, d.h. Teil des ganz normalen alltäglichen Lebens sind. Insofern ist für mich nicht nachvollziehbar wie unter diesen Umständen 2 ungewollte (!) Schwangerschaften zustande kommen.

            Mit dem Bild das ich aus deinem (übrigens sehr guten!) Artikel über den Film habe, denke ich dass crumars Punkt nicht ganz unberechtigt ist. Es kann natürlich sein das mein Bild verzerrt ist, ich habe den Film ja nicht gesehen.

          • @Pingpong
            „Ich unterstelle dass Pille und Kondom auch in dem im Film dargestellten Milieu mittlerweile „angekommen“, d.h. Teil des ganz normalen alltäglichen Lebens sind.“

            Ist m.E. ziemlich zweifelhaft bei der Ausgestaltung der Rollen in dem Film.

          • @fiete: Ich verstehe leider nicht was du meinst, könntest du das noch etwas näher ausführen?

            Ich wollte mit meinem Kommentar darauf hinaus, dass selbst im Milieu „sozial abgehängter“ heutzutage der Zugang zu Verhütungsmitteln kein Problem ist. Wenn die beiden Töchter nicht schwanger werden wollen, dann haben sie durchaus die Möglichkeit das wirkungsvoll zu verhindern. Und zwar ohne dass ihr soziales Umfeld dabei ein Hindernis darstellen würde.

          • Aber gern@Pingpong, ich hoffe es gelingt mir einigermaßen kurz.

            Der Hof, auf dem diese Leute leben scheint recht isoliert zu sein, die Erwachsenen sind kaum ernstzunehmen und ich vermute, daß die Gemeinschaft dort schon länger so leben. Wunschträume und Zerrbilder scheinen ihr Weltbild zu beherrschen.

            Da kann man die Möglichkeit, daß sich das erstens auf das Selbstbewußtsein der Kinder und deren Weltbild relativ stark auswirkt wohl als naheliegend erachten.

            Was zweitens mit recht hoher Wahrscheinlichkeit auf solche kulturellen Selbstverständlichkeiten wie die moderne Sicht auf Beziehungsangelegenheiten und Vermehrung Auswirkungen, welcher Art auch immer, nach sich ziehen kann.
            Und da ist dritten die Verhütung wiederum ein wahrscheinliches Beispiel.

            Was keinesfalls heißen soll, daß ich da einen bestimmten Verdacht hege, zumal es sich um einen mit Sicherheut gescripteten „Spielfilm“ handelt, man also gar nicht genauer wissen kann, was die Autoren/Produzenten evtl. an ( Neben-)Botschaften in das Werk verpacken wollen, oder einfach gezielt ausblenden, oder aus sonstigen Gründen vernachlässigen.

            Aber eben das ist für mich ein praktisch zwingender Grund, auch und gerade scheinbar allgemein bekannte, selbstverständliche zivilisatorische Errungenschaften unter starken Vorbehalt zu stellen, zumindest wenn im Film keine eindeutige Aussage dazu getroffen wird.

            Kultur ist eine dünne Kruste, die leicht aufgebrochen werden kann ( und manchmal auch wird, wie man an den täglichen Angriffen auf Familien leicht ablesen kann, bspw. die aktuelle Familienverteufelung durch Giffey ).

  • Biggi hatte wegen kleinerer Vergehen im Gefängnis gesessen…

    Scheint ein modernes Märchen zu sein. 😉

    Ob man eine Empfehlung geben sollte, sich den Film anzusehen, weiß ich nicht.
    Wenn man ihn kritisieren will, sollte man ihn aber letztendlich doch erst einmal gesehen haben. 😉

    • Was mir als erstes aufstiess und mir immer noch als eines der gravierenden Probleme nicht nur dieses Films erscheint:
      Wieso wird der scheinbar in allgemeinem Konsens als „Doku“ verkauft?
      Was soll damit insinuiert werden?

      Mir fiel das schon auf, als ich mal vor einigen Monaten kurzfristig einen Zugang zu einer Multimedienplattform hatte.
      Da gab es eine riesige Dokuabteilung ( mehrere, um genau zu sein ). Nur habe ich da bei mehrfachem Überfliegen streng genommen gar keine Doku gefunden. Einige PR-Videos von MS-Sendern, die sich auf wenigstens ( meist aber erkennbar sehr einseitig, besonders im Weglassen ) Dokudaten beriefen und jede Menge Spielfilme, großteils mit klarem missionarischen Auftrag.

      Und aus dem Artikel oben kann ich mir ( in der Sprache des letzten Jahrhunderts, welche immer noch meine Terminologie dominiert ) eine Art Film Noir, ein kleines Fernsehspiel, oder ein Sozialdrama für die Nachtprogramme vorstellen.
      Also möglw. irgendwas zwischen den heftigeren Bunuels, Faßbinder und Stallerhof, sehr locker formuliert …
      Jedenfalls totally scripted action, kein konkreter Realitätsbezug.

      Noch dazu wahrscheinlich ( nur aus den wenigen Infos hier spekuliert ) großteils ein Konglomerat aus ideologischen Geschlechterrollenklischees.
      Und die betrachte ich als recht umfassend bekannte Polittaktiken, die mich ( und viele andere ) meist einfach nur nerven, zumindest in der scheinbar kaum bis völlig un-kritischen Verbreitung über KiKa, Arte, sonstige ÖRS. Muß man auch mal gucken, um Stereotype dynamisch zu halten, oder besonders eklatante kritisieren zu können, wenigstens potentiell. Aber sonst?

      Nur zum Verständnis als Beispiel: Die dunkle Seite der Wikipedia.
      DAS ist m.E. eine Doku ( einer Interessengruppe ).
      Da wird eine klare Thematik, anhand knallharter Eckdaten und einiger möglichst typischer o. besonders relevanter Details, im Sinne des Wortes dokumentiert.
      Eben um interessierten und betroffenen, oder auch einfach nur Aufklärung suchenden Leuten eine solide Basis zu bieten ( und natürlich auch eigene Interessen zu transportieren, aber nicht als „Hauptbotschaft“, sondern eher als vom Konsumenten selbst herauslesbaren Schwerpunkt, dessen weitere Einordnung und Gewichtung ihm größtenteils selbst überlassen bleibt ). Wichtig ist dabei m.E. die relative Ausgewogenheit und Vollständigkeit der Informationen und das Weglassen irgendwelcher impliziter oder expliziter „Zielpredigten“.

      V.dh. bietet sich hier in dem Thread für mich folgendes Szenario:
      Schoppe bespricht einen Film.
      Er empfliehlt ihn zwar nicht unbedingt, drückt aber großes Interesse aus.
      Wie immer mit vielen, vermutlich ( ich kenne den Film ja nicht ) klugen analytischen Elementen.

      Aber warum? Kulturelles Eigeninteresse vielleicht?
      Und wo ist der thematische Bezug? Nur die sehr grobe Schnittmenge von „irgendwas mit Geschlecht“ und „irgendwas mit sowas ähnlichem wie Familie“?
      Davon gibt es täglich reichlich zu bestaunen, das meiste ohne Relevanz, mit klarem Auftrag, oder ganz schlecht. Tatortkrimis der letzten Jahre bspw. einer schlechter als der andere, jedenfalls bezüglich Realitätsbezug und „Familien- u. Geschlechtergedöns“.

      Bleibt mir bis jetzt nur die Grobschätzung, der Film scheint ein Problemfilm ( möglw. mit teilautobiographischen Metaphoriken o.ä. ) um der Probleme willen zu sein. Oder der geschickt inszenierten modernen Dramatik, als Kunstform an sich ( mediale Kultur um ihrer selbst willen ).

      Tja, und verbissen einen Film zu gucken, nur um herauszufinden WAS für ein Film das ist, ohne weiteren „Mehrwert“, …. nö, nich mein Ding.

      • Habe mal eben in 6-10 Stopps durchgezappt. Das ist ja schlimmer als ich dachte.
        Der NDR persifliert sich selbst und übliche „Familienformate“!
        Das heftigste sind aber die Kommentare darunter. Allergrößtenteils voll in die Falle gerannt und verteidigen ihr Manipulationsergebnis auch noch vehement!

        Praktisch ausnahmslos gehen die Zuschauer von der Echtheit der Bezeichnungen „Doku“ UND „Reportage“ aus.
        Offenbar nur, weil man Laienspieler ausgewählt und eben die äußere Form schematisch abgebildet hat.
        Das strukturierte Puzzle aus Versatzstücken bemerkt scheinbar gar keiner.
        Manche bemerken wenigstens, daß die Schauspielsequenzen von Aufbau und Ausführung her teilweise das Niveau von RTL II- „Reallife“-Serien übernehmen, ohne das aber genauer auszuführen.

        Erschreckend!

        Da finde ich die „Semidokus“ von Dmax über „die Schlachten“ der Seasheppard vs. Japanische Walfänger informativer, spannender und letztendlich auch inhaltlich realistischer .

        • Kommentare?
          Ich sehe da nur den einen von Thomas Braun.

          Das wäre aber sehr merkwürdig, wenn bei den ÖR-Sendern quasi über Nacht Kommentare verschwinden würden. 😉

        • Nachtrag:
          „Thomas Braun schrieb am 04.12.2018 23:20 Uhr:“

          Lief diese überragende Doku & Reportage nicht in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch um 00:00 Uhr?
          Also war der Start demzufolge nicht am 05.12.2018 um 00:00 Uhr?

          Wieso konnte der liebe Thomas dann eigentlich fast eine dreiviertelstunde vorher schon den Kommentar schreiben, ohne diese tolle Doku & Reportage gesehen zu haben?

          Riecht ja förmlich nach einem Fake-Kommentar.

          • Mit spontanen Verdachten bist Du aber flott dabei.

            Vermeintliche Zeitunterschiede in Internetproduktionen kommen öfter vor und haben i.d.R. technische Ursachen.
            Ich bin ja nun wirklich äußerst mißtrauisch bei MS-Medien, traue denen auch jede Menge zu, besonders den zwangsbezahlten, aber man muß nicht gleich aus jeder Unklarheit eine VT schnitzen.

          • Vermeintliche Zeitunterschiede in Internetproduktionen kommen öfter vor und haben i.d.R. technische Ursachen.

            Internetproduktionen? Der Film ist keine Internetproduktion, sondern wurde nach Ausstrahlung im TV auch ins Internet gestellt.
            Das weiß ich u.a. auch daher, weil ich in der Mediathek nachgeschaut habe.
            Vor dem 05.11. war lediglich ein Trailer verfügbar. Es ist also kaum anzunehmen, dass hier technische Gründe eine Abweichung begründen könnten.

            Blieben noch unterschiedliche Zeiten der jeweiligen Server bei absenden des Kommentars und der Seite, die den Film ausliefert bzw. den Player beinhaltet.
            Aufgerufen wird jeweils, wie eigentlich zu erwarten war, die selbe IP, verschiedene Serverzeiten, weil der DNS auf verschiedene IP-Adressen auflöst sind also auszuschließen.
            Letztendlich könnten also nur noch unterschiedliche Server innerhalb des Load-Balancing-Systems eine Ursache für eine Zeitverschiebung sein. Die würde ich allerdings bei derartigen, professionellen Netzwerken ausschließen, da Server üblicherweise regelmäßig ihre Uhrzeit über einen Zeitserver abgleichen.
            So unbegründet ist mein Verdacht also nicht.

          • @ Mario:
            „Internetproduktionen? Der Film ist keine Internetproduktion“

            Wie Du selbst im Folgenden bemerkst, ist der Blog/die Website, wo Du unterschiedliche Uhrzeiten bemerkt haben willst, NICHT „der Film“, sehr wohl aber eine Internetproduktion.

            So what?

            Deratige Verdachte sind ja nun weder neu, noch ungewöhnlich ( VT-Kreise ) und werden i.d.R. in den Fällen wo größeres Interesse herrscht auch eindeutig geklärt, wobei mir bis heute keine mutwilligen Fälschungen bekannt geworden sind, stets gab es eine technische Erklärung.

            Nebenbei denke ich, daß das reichlich weit vom Topic wegführt ( womit ich grundsätzlich gar kein Problem habe, aber in dem Fall geht es doch arg in den hochspekulativen Bereich ).

  • „Die siebzehnjährige Tochter Biggis, Denise, geht nicht mehr zur Schule, weil sie unter Depressionen und Angstzuständen leidet.“

    Und die Mutter will ihr Pferdetherapie anbieten. Verrückte Ossis.
    Wo wird Denise ihren Kindsvater kennen lernen?

    Arme Robin. Einmal unklar diagnostiziert, unter Drogen gesetzt und dann mit falschen Ratschlägen ausgestattet auf die Reise der Marke „Der Weg ist das Ziel“ geschickt.
    Wer erst ein mal die Nebenwirkungen der Medikamente hat, der hat auch immer mal die Sympthome der ‚Krankheit‘. Robin leidet an versteckter Frauenförderung.

    „Erstens machen die Mauern die Isolation, die Abschottung der Familie deutlich. Für Alfred haben diese Mauern offenbar etwas mit den gegangenen Runden zu tun, ohne dass aber ein nachvollziehbarer Zusammenhang erkennbar wäre.“

    Die Isolation der Familie des Alfreds, den wir im Bild von Holzstämmen umringt im Stall sitzen sehen, und deren größter Traum es war eine Westernstadt zu bauen.

    „Zweitens beschreibt er damit eine ewige Kreisbewegung. Es gibt weder einen erkennbaren Fortschritt noch überhaupt eine klare Richtung.“

    Wenn ein Pfad eingetrampelt wird, dann sinkt der Boden absolut ab und die Oberkante der Mauer steigt relativ gesehen (, abgesehen von ‚zum Trampelpfad‘, natürlich.).

    „Erstens merken wir in akademisch informierten, politisch gängigen Diskursen möglicherweise nicht mehr, wie sehr eben auch wir in Klischees befangen sind, und wir können Äußerungen wie die Alfreds nur dann verarbeiten, wenn wir sie im Sinne unserer eigenen Diskurse uminterpretieren – auch wenn er ausdrücklich etwas anderes gesagt hat.“

    Ach, de Leut don annananna vorbei schwätze, watt de net sochst …

    „Wenn sie sich verletze und bluten sehe, wisse sie aber, dass sie noch lebe. Das ist inhaltlich bedrückend, in der Form aber umso mehr reflektiert und eloquent.“

    Also mal ehrlich, das Kind tut kund, nicht mehr als das weit verbreitetste Sprüchlein zum Ritzen.

    „Denise besitzt, wie auch andere aus der Familie, sehr wohl Kapital, ihr fehlt aber die Möglichkeit, es einzulösen und damit auch als Kapital zu verwenden. Als würde sie mit Münzen spielen, die zwar ab und zu ansehnlich glitzern, die aber eigentlich nur Katzengold sind.“

    Spielt sie nicht eher mit Katzengold, welches unter Umständen Münzen sein könnten? Man weiß es aber nicht, da sie nicht eingelöst werden (können).

    „Ganz am Ende des Films gibt es denn doch noch eine Veränderung: Biggi verlässt mit ihren Kindern Alfred, der sie mehrfach hart geschlagen hat. Doch auch hier ist nicht klar, ob das ein Aufbruch in eine bessere Zukunft ist oder einfach eine weitere Wiederholung des Immergleichen, bei dem nun halt Alfred nicht mehr dabei ist.“

    Wo kom’n sie her, wo gehn sie hin?
    Was sind Biggis kleinere Vergehen?
    Zwischen Holz klauen und Weed vertreiben gäbe es ja schon qualitative Unterschiede.
    Hielt Alfred sie von der Kriminalität fern?
    ‚Herkunftsfamilie‘? Wo kommt sie denn her? Bayern?
    Saarland?

    „Dass aber Denise eine Tochter hat, dass die nun fünfzehnjährige Saskia schwanger ist, kann gleichwohl der Beginn einer neuen Kreisbewegung sein, in die nun auch die nächste Generation einbezogen wird.“

    Wie alt war Biggi bei Denises Geburt?
    Einundzwanzig? Denise legt mit achtzehn los und Saskia folgt fünfzehn?
    Wie ein auf dem Jahrmarkt durchgehendes wild gewordenes Pferdekarussel.

    „Eine dringliche, wieder und wieder vorgebrachte Frage aus dem Publikum war die nach staatlichen Hilfsangeboten – um die Familie müsse sich doch irgendjemand kümmern.“

    Welchen Anteil an der Situation die stattlichen, staatlichen Helferinnen, deren Handeln dem Biggis und ihrer Töchter gar nicht so unähnlich ist, haben fand das Publikum nicht fragenswert?
    ‚Im Kreis der Abgehängten‘
    Westernstadt. Pferde & Kinder vor die Wagen spannen.

    ‚Nun hat Denise allerdings mehrere Therapien hinter sich, Saskia hat im Heim gelebt und war in Absprache mit dem Jugendamt in die Familie zurück gekommen, die Familie erhält finanzielle Unterstützung: Staatliche Institutionen sind hier durchaus nicht untätig geblieben.‘

    Ja. Ganz bestimmt. Saskia und Denise leben zwar nicht auf einem paradiesischen Westernbauernhauf, aber die ein oder andere Paula-Lisa und Veronique-Mathilde-Sawran werden es bestimmt als Folgeerscheinung.

    „Wer aber die Ausstattung von Jugendämtern und Schulen kennt, weiß, dass sie schlicht nicht die Mittel haben, um solch eine Familie regelmäßig zu begleiten. Auch Familienhelfer werden beispielsweise wieder abgezogen, wenn die Familie nicht kooperiert – also ausgerechnet in solchen Fällen, in denen sie wohl besonders nötig wären.“

    Nur Familie? Nicht Herkünftefamilie? Schade.

    „Was hier deutlich wird, ist vor allem, dass staatliche Institutionen mit der Reparatur sozialer Schieflagen überfordert sind und dass sie fehlende soziale Strukturen nicht ersetzen können.“

    Dafür sind sie im Zersetzen ganz weit vorne dabei.

    „Mein Vater ist in enormer Armut bei seiner Großmutter aufgewachsen, ohne sich und die Oma jeweils als a-sozial erlebt zu haben: Für beide bot die katholische Kirche einen selbstverständlichen Rahmen sozialer Einbindung. In anderen Situationen, insbesondere in den Städten, haben einst Organisationen der Arbeiterbewegung Strukturen bereitgestellt, die für einzelne Menschen Möglichkeiten der Entwicklung geschaffen haben.

    Für Biggi, Alfred und die Kindern gibt es nicht einmal mehr eine Freiwillige Feuerwehr.“

    Die schon vorhandenen fehlenden sozialen Strukturen sollten einfach mal allen zugemutet werden, man würde sich wundern wie schnell man hier gelbe Westen verkauft bekäme.

    Für Alfred verbietet sich die Feuerwehr, der Hof sah brandgefährlich aus.
    Etwas Feminismus könnte vielleicht helfen, gäbe es eine freiwillige Feuerwehr, den Mädchen den Spaß am Retterinnendasein nahezubringen.
    Würde zwar nicht klappen, aber immerhin wäre dem Feminismus geholfen sowie der freiwilligen Feuerwehr. Da täten die staatlichen Institutionen wieder was.

    „Norbert Elias hat Zivilisation als einen Prozess beschreiben, in dem sich einerseits die harten formalen etablierter Institutionen aufweichten und die Institutionen damit zugänglicher machten und in dem andererseits die informellen Bereiche der Gesellschaft sich strukturierten, beispielsweise eben durch die Arbeiterbewegung.“

    Verdächtiger Nachname. Elias.
    Robin. Verdächtiger Vorname.

    „Zweitens hat Alfred selbst noch Versatzstücke von Regeln und klaren Formen des Umgangs im Kopf – sie strukturieren nur sein Handeln nicht, wirken im Kontext seines Lebens wie willkürliche Privatregeln, die in manchen Situationen sogar eher noch schaden, als dass sie dem Leben eine sinnvolle Struktur geben würden“

    Sie strukturieren Biggis Handeln nicht. Alfred zeigt Kante. Gibt Struktur.
    Die staatlichen Helfer versauen es.

    „Eine soziale EinBINDUNG ist eben immer auch, zum Teil, eine Gängelung.“

    Eine soziale EINbindung mag schon der erste sprachliche Schritt in die Katastrophen sein.

    „Im klassischen bürgerlichen Familienmodell war der Vater die Schaltstelle, die soziale und familiäre Strukturen vermittelte. Sigmund Freud etwa koppelt die Entwicklung des Über-Ich, in dem wir Moralvorstellungen der Gesellschaft internalisiert haben, an den Vater.“

    Die Ehe als Schatstelle, in der sich über Vater und Mutter geschäftliche, rechtlicher, soziale/religiöse und familiäre Strukturen verbinden ist zu unmodern?

    „Natürlich wäre es heute albern, die patriarchalen Strukturen der bürgerlichen Familie um 1900 wieder beleben zu wollen.“

    Albern. Ja, das wäre soviel alberner, als Karussel zu fahren.

    „Wenn sie das heute nicht mehr tut, müssen wir uns damit beschäftigen, wie diese Funktionen denn anders erfüllt werden können.“

    Sollte es nicht ‚wo‘ heißen? Und wenn man dann verstanden hat, dass sie funktioniert, wäre doch ein ‚warum‘ diese ‚Funktionen‘ anders erfüllt werden können interessant, ebenso wie ein wie und unter welchen Bedingungen.

    „Wer aber von „Gängelung“ spricht, wenn es eigentlich um soziale Einbindung geht – der lebt davon, dass er sich seiner eigenen sozialen Einbindung sicher sein kann und dass er in seinem Alltag gar nicht mit „denen“ konfrontiert wird, die nicht so gesichert leben.“

    Der Alltag von denen, deren ökonomische Lebenssicherung sich daraus ergibt sich an den Alltag „derer“ anzubinden, sollte so sehr gegängelt werden, dass die folgende soziale Abbindung den Ratschlag Biggis Tante verlockend erscheinend lässt.

    „Rosa Hannah Zieglers Familienleben wird vom NDR und von Radio Bremen in der Nacht vom Dienstag auf den Mittwoch (4./5.12. 2018) leider zu einer sehr ungünstigen Uhrzeit ausgestrahlt, nämlich um 0:00 Uhr. Ich hoffe aber, dass er noch eine Weile in der Mediathek zu sehen sein wird.“

    Erschien mir auch so, dass das nur vom NDR und Radio Bremen sein kann.
    Es wirkt wie eine der üblichen Propagandageschichten.
    Sind Biggi und Alfred Zugezogene? Wessis?
    Den ganzen Tag in Karnevalsmontur rumlaufen, ob das den Anschluss begünstigt?
    Wann began die Produktion der Entertelenovela(Doku)?
    Ist wer sagt, man hätte den Mädels besser bis zum Einundzwanzigsten heimlich die Pille unter den Morgenhafer gemischt in den Top 0,001 % der Helfer?

    Die Tante hat recht.

    • @ Phrasendrescher „eine der üblichen Propagandageschichten“ Immerhin hat Dich allein ein Text dazu schon ermuntert, hier ein langes Statement abzugeben.

      Ich finde, dass es ein sehr guter Film ist, und Propaganda ist er gar nicht. Es gibt keine einfachen Schuldigen hier – weder Alfred, noch die fernbleibenden Väter, auch nicht die Leute in staatlichen Institutionen. Allein das unterscheidet den Film schon vom Üblichen. Die Familie wird so porträtiert, dass ihr – zumindest nach meinem Eindruck – ihre Würde gelassen wird, und ihre Mitglieder stehen auch nicht einfach nur als Opfer da.

      „Ja, das wäre soviel alberner, als Karussel zu fahren.“ Das ist für Familienmodelle sogar eine entscheidende Frage. Wir brauchen kein Modell mehr, in dem der Vater in der Welt draußen tätig ist, um einen geschützten Innenbereich der Familie freizusperren – wie im bürgerlichen Selbstbild. Wir leben nicht mehr unter Bedingungen der Ressourcenknappheit, und heute wäre das Modell dysfunktional, das durchaus einmal eine nachvollziehbare Funktion hatte.

      Was tritt dann aber an Stelle dieser einstigen Funktionen – was, z.B., sorgt dafür, dass Familien einerseits in eine soziale Ordnung eingebunden sind und andererseits einigermaßen selbstorganisiert sein können? Rechte tun in der Regel so, als könne einfach ein längst abgelegtes Modell erneuert werden – Linke kaschieren Bindungslosigkeit als Freiheit.

      Du wiederum mobilisierst einfach das, was Du eh immer alles schon gewusst hast, und lässt es auf einen Film los, den Du gar nicht gesehen hast. Das hat ja nun auch keine Perspektive.

      • @ Lucas:
        Ich kann ja sehr gut verstehen, daß Dir der Kommentar von Phrasendrescher nicht sonderlich gefällt, geht mir nicht anders.
        Aber in Deiner Antwort haust Du ein paar Thesen raus, die ich auch erstaunlich pauschalisiert finde.
        Wolltest Du da einfach mal kräftig gegenhalten?

  • Leider scheint der Gedanke des Artikels (so wie ich ihn verstanden habe) etwas in den Hintergrund zu rücken.

    Ich bin nämlich auch zu der Überzeugung gelangt, dass sich die Linke in weiten Teilen allenfalls noch ritualisiert für die wirklich Abgehängten oder Marginalisierten interessiert.

    In diesen Kreisen kommt es doch überdurchschnittlich oft zu dem Verlust sozialer Bindungen. Für den Menschen als soziales Wesen ist das Verhandensein dieser Bindungen essentiell, um sein Leben bewältigen zu können. Und diese Bindungen müssen oft über Jahre wachsen.

    Die linke Ideologie setzt aber voraus, das soziale Bindungen von jedem jederzeit und überall gebrochen und neu aufgebaut werden können („Freiheit“). Dies funktioniert für viele Menschen aber nicht; ich bin mittlerweile der Ansicht, das dürfte für die meisten Menschen nicht funktionieren.

    Das führt m.E. zu dem grundlegenden Fehler, anstatt diese Personen in die Lage zu versetzen, sich als soziales Wesen zu begreifen und entsprechend zu handeln, versucht wird, die Probleme bürokratisiert zu lösen – und das einzige Mittel, welches einem Staat letztendlich zur Verfügung steht, ist Geld. Unser Sozialstaat wird dementsprechend auch nur als Geldverteilagentur gesehen. Sowohl von den „Leistunserbingern“ als auch „Leistungsempfängern“.

    Und, wer hätte das für möglich gehalten, geht es um Geld, viel Geld, brechen natürlich Verteilungskämpfe auf. Und die sollen ausgerechnet die gewinnen, denen man die Möglichkeit nimmt, sich als soziales Wesen zu begreifen und die darin liegenden Möglichkeiten zu nutzen?
    Denn um sich hier zu positionieren, müsste man soziale Gemeinschaften bilden (z.B. nach der Art von Gewerkschaften), die die eigenen Ansprüche und Ansichten sichtbar machen. Sprachen wir nicht gerade davon, den Menschen von sozialen Zwängen zu befreien? Wer braucht Gemeinsamkeit?

    Zwar „befreit“ man die Menschen von „sozialen“ Zwängen, ist aber gleichzeitig der Ansicht, daß die Menschen mit dieser Freiheit nichts sinnvolles anfangen können.

    Solange die Linke die grundlegenden Bedürfnissen vieler Menschen ignoriert (oder sogar zerschlägt) und versucht, diese dann ausschliesslich mit Geld zu lösen, wird sie an sich selbst scheitern.

    Denn im Kern ist das zutiefst Neoliberal – was viele Abgehängte instinktiv erkannt haben.

  • He Lucas,da ich hier zum ersten Mal einen Kommentar verfasse möchte ich erstmal danke für die Mühe die du in deinen Blog steckst sagen und die fast durchgehend sachlichen Einträge loben,die mir schon oft Hoffnung gegeben haben dass es mehr vernünftige Menschen da draussen gibt, als es der Blick auf mein direktes Umfeld vermuten lassen würde…Ich,als Sohn von nennen wir sie Bildungsbürger, habe schon sämtlichtliche oben angesprochenen Institutionen persönlich erlebt: Schule, Jugendamt, Arbeitsamt, Jugendgerichtshilfe,versch. Gerichte, Jugendstrafanstalt, Hansejobcenter, verschiedene Therapie-Zentren, Psychatrie und auch private Bildungsträger bis zum Hochschulniveau. All diesen Institutionen ist eines gemein: Dass sie nach einer Schablone funktionieren. Also Schule soll nicht die Freude am Lernen erwecken, sondern Schüler mit dem Wissen und sozialen Kompetenzen „bereichern“ die sie für den Einstieg in die Arbeitswelt brauchen. Dort findet auch schon eine erste Wertung über „sinnvolles“ Leben statt! ZB. die höchst subjektive Wertung wie gut sich ein Mensch darin schlägt die allgemein gültigen Normen zu erfüllen, die von ihm in einem späteren fiktiven Arbeitsleben erwartet werden!Dass selbe ist es bei den anderen Institutionen: Du verstösst gegen gesetzliche Normen?! Gericht,Jugendamt,Gerichtshilfe erwarten das du als Mensch am institutionellen festgelegten Ziel der Gesetzestreue festhälst. Sie geben dir äusserst grobe Handlungsanweisung wie du im Falle eines Rechtsverstosses wieder auf den Pfad der Gerechten zurück kommen kannst! Bloß niemand in diesen Institutionen hat mehr die Zeit,die Kraft oder die Mittel jemand auf so einer persönlichen und differenzierten Ebene kennenzulernen um ihm glaubhaft erklären zu können wieso es sich lohnen würde ein zivlisiertes Leben zu führen.Noch nie hatte einer der hunderten Mitarbeiter solcher Institutionen, die ich persönlich kennengelernt habe, eine adäquate Antwort darauf wenn ein junger Mensch sie fragt: „He, in dieser Welt bin ich eh verloren! Ich werd immer Sklave sein! Meine Eltern waren schon Sklaven! Sie führten ein langweiliges, gebücktes Leben und ich hatte auf keinen Fall vor ähnlich unfrei zu enden und meine ganze Kreativität,mein ganzen Lebenswillen nur in den Dienst des Geld-Verdienens zu stellen! Natürlich werde ich damit auf die Fresse fallen! Natürlich werde ich mich wegen meiner naiven weltsicht auf die falschen Menschen einlassen, aber in meiner Welt gab es immer nur Armut,Brutalität und den Kampf ums Überleben und nun erklären sie mir mal bitte wieso ich in diesem Kampf zivilisiert sein soll, wenn fast alle dabei um mich rum brutal vorgehen?“
    Ich will nicht sagen dass ich so denke! Ich habe nur aufgrund meiner Geschichte sehr viele Menschen kennenglernt die sehr arm waren und die fast alle so in etwa gedacht haben! Die meisten von ihnen waren sehr authentische Menschen, die sofort gesagt haben was ihnen nicht passt!Oft genug hat ihnen diese Offenheit und die damit verbundene Angreifbarkeit auch Nachteile eingebracht! Sehr große Nachteile! Meine Eltern waren relativ reich. Sie wären sofort verschreckt, wenn sie den Jargon hören würden der in manchen Ghetto-Wohnzimmern üblich ist! Ganz zu schweigen von dem Elend, der sozialen Kälte die versteckt hinter notdürftig reparierten Fassaden so herrscht! Was mich an diesen Menschen immer gereizt hat war ihre Offenheit und ihr unbedingter Wille zu überleben auch oder gerade im Angesicht der schwierigen Umstände unter denen sie lebten und das sie trotz all dieser Umstände immer noch immer versucht haben dass maximum an menschlicher Nähe zu leben!Bei meinen Eltern und den Kreisen in denen sie verkehren hatt ich schon als Kind dass Gefühl sich verstecken etwas, dass sie immer alles verklausulieren müssen nur um ja niemanden weh zu tun oder verletzt zu werden! Nur bei ganz wenigen Menschen in diesen Kreisen hatte man dass Gefühl dass sie Sparche so gut beherrschen, dass sie trotz aller Sprachkonventionen ihr eigenes Ich nicht verleugnen und im günstigsten Fall sogar witzig sind,oder erfrischend im Gespräch oder sonstirgendwie unterscheidbar von der Masse und für mich somit als Vorbild geeignet wären!
    Ich denke viele Insttitutionen leiden unter dem was man unter Dekadenz zusammenfassen könnte.Ich mein im Bezug auf das römische Reich gibt es ja ganze Forschungsbereiche darüber wie Zivilisationen untergangen sind, weil sie von Korruption,Machthunger, fehlender Wertschätzung von familliären und anderen sozialen Strukturen sowie Selbstüberschätzung durchdrungen waren.Und an diesem Punkt,nämlich dem der Dekadenz kommt man auch wieder zu der kleinen „Famillie“ die in dem Film beschrieben wird und deiner Frage wieso „unsere“ Institutionen solche Menschen nicht mehr erreichen. Meine bescheidene Meinung?? Weil wir gemeinschaftlich gedacht haben wir leben im gelobten System! „Gott ist tot“ wie es Nitzsche ausdrücken würde! „Und wir haben ihn umgebracht!“ Wir haben gedacht rein wissenschaftlich-objektive Erkenntniss,die Institution der Wissenschaft an sich sowie die demokratischen Institutionen oder die Demokratie ansich würde als Wert an sich ausreichen um die Menschen zu zivilisieren! Ich mein ich trauere dem Christentum kein Stück hinterher,denn ich bin nicht religiös aber scheinbar Demokratische Werte wie das hinarbeiten auf gesellschaftlichen Frieden bzw. Konsens oder ein mitfühlendes Miteinander,all die metaphysischen Werte die wir im 20 Jahrundert wie selbstverständlich mit der Demokratie in Verbindung gebracht haben und die ein soziales Miteeinander zumindest zeitweise stabilisiert haben,waren doch in ihrem Ursprung christliche Werte. Aus meiner Sicht ist es heute so, dass die heutigen Werte sich nur noch um Geld verdienen und überleben drehen. Aber eine Vision,ein Mythos,eine Erzählung, ein Ziel der dem um sich greifenden Nihilismus und Narzismus in unserer Gesellschaft ein wirksames Gegengewicht bieten könnte, gibt es nicht mehr! Keine Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär,keine Glauben an ein Leben im Paradies nach dem Tode ist heute noch glaubhaft vertretbar.Wie sollte man also solchen Menschen wie denen im Film helfen können,wenn kaum noch jemand einen guten Grund dafür nennen kann sich trotz all der schlimmen Dinge die jedem von uns im Leben passieren können hinzustellen du mußt etwas bewegen,entgegen jeder erdrückenden Vernunft?? Die Christen hatten es leicht! Sie glauben an ein gerechtes und gottgefälliges Leben!Aber was macht ein Mensch der nur in Schablonen Denken kann, in vorgefertigten Mustern! Ein Mensch der kein Denkzeug mehr hat um sich in eine fremde,bessere wenn auch erträumte Welt zu imaginieren um von dort aus die Welt und ihre vorhherrschenden Muster zu betrachten und zu bewerten?Ich denke dass fehlt uns: Eine Geschichte die uns alle verbindet!

      • Zustimmung!
        Ich habe die beiden letzten Kommentare ( @motu, @Stefan ) direkt hintereinander gelesen. Und würde vieles darin ganz anders formulieren und manche Unterpunkte sehe ich auch anders.

        Aber ich finde einige kluge Gedankengänge darin, in der bisherigen Diskussion m.E. eher zu kurz gekommen sind.

  • He Danke,PingPong! Hab einfach mal frei meine Gedanken aufgeschrieben!Wollte schon lange mal was schreiben hier weil dieser Block m.M.n. echt was Besonderes ist…

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