Deutschland Geschlechterdebatte Zivilgesellschaft

Von toxischer Männlichkeit und vergifteten Debatten

geschrieben von: Lucas Schoppe

Oder: Wie Bernd Ulrich und die Jusos zeigen, dass es inhumane Folgen haben kann, wenn wir politische Debatten in Geschlechterdebatten verwandeln

 

Ein Hauch von Matriarchat und ein Fanboy aus der „Zeit“

Selten so viel gelernt bei einem Parteitag: weibliche Politik hat gesiegt, Rechtsdrift der Republik erstmal gestoppt (…)

Bernd Ulrich, der sich bei Twitter in dieser Form über den CDU-Bundesparteitag begeistert zeigt, ist bei der Wochenzeitung Die Zeit Leiter des Politik-Ressorts, stellvertretender Chefredakteur, und sein Text „Mann irrt“ wurde hier im Blog schon im April gewürdigt. 

Dass Ulrich einer der wichtigsten Journalisten der Republik werden konnte, lässt sich leicht erklären. Er hat ein sehr feines Gespür für die Wünsche und Grenzen eines Bürgertums, das sich gern für links und aufgeklärt hält, ohne noch so recht zu wissen, was es damit eigentlich meint. Er weiß zuverlässig, was jemand schreiben oder nicht mehr schreiben sollte, um aus der ehrenwerten Gesellschaft nicht exkommuniziert zu werden. Seine Texte enthalten also keine störenden oder überflüssigen Gedanken, sind jedoch so verschwurbelt, dass wohlwollende bzw. mitfühlende bzw. flüchtig lesende Zeitgenossen sie für komplex und wohlüberlegt halten können.

Bernd Ulrich ist, falls ich das noch nicht erwähnt habe, ein ehrenwerter Mann.

Da nun Frau Annegret Kramp-Karrenbauer auf Frau Merkel an der CDU-Spitze folgt und nicht Friedrich Merz „mit der überkommenen Methode mittlerer Allwissenheit und geübter Schneidigkeit“, riecht Ulrichs feine Nase in der Zeit-Online ein „Hauch von Matriarchat“. Merkel gebe nämlich

die Macht auf völlig andere Weise aus der Hand als ihre Vorgänger in höchsten Partei- und Staatsämtern. Keine Spur von der Selbstpathetisierung, der Larmoyanz, den Rachebedürfnissen, wie man sie von Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder kannte.

Nun hat Merkel die CDU von knapp 40 % (2002) auf aktuell etwa 21 % geführt und akzeptiert, womöglich gar gefördert, dass sich rechts von der CDU eine weitere Partei etablieren konnte (zwei sogar, wenn wir die CSU dazuzählen) – und trotzdem ist sie anerkannt, wird geschätzt und kaum einmal persönlich angegriffen. Für Larmoyanz und Rachebedürfnisse hat sie, genau betrachtet, eigentlich auch keinen Grund.

Bleibt ganz cool, wo andere sich ärgern. Oder so. Kein Wunder jedenfalls, dass gestandene Journalisten da wieder zu Fanboys werden.

Helmut Schmidt wiederum, beliebtester Kanzler aller Zeiten, wurde nicht etwa abgewählt, sondern erst von seiner eigenen Partei und dann vom Koalitionspartner FDP aus dem Kanzleramt manövriert. Bei der Übergabe an Helmut Kohl war trotzdem nicht ihm, sondern seinem alten Parteirivalen Willy Brandt die ungeheure Wut über diese Intrige anzumerken.

Helmut Kohl selbst schließlich gab seine Macht nach seiner Abwahl ganz unlarmoyant an Gerhard Schröder weiter, war aber wütend über Merkel, die er lange Zeit gefördert hatte und die ihn schließlich in einem mutigen, aber auch rücksichtslosen FAZ-Text aus dem Parteivorsitz drängte.

Gerhard Schröder schließlich machte sich unpathetisch, aber kraftmeierisch und vielleicht auch angetrunken nach seiner Wahlniederlage Luft, um danach fröhlich und ungeniert bei Gazprom Millionen einzustreichen.

Am zitierten Absatz von Ulrich stimmt also genau besehen kein einziger Teil, aber das ist dann auch nicht mehr so wichtig, weil es ja einem guten großen Ganzen dient – nämlich der Behauptung, dass weibliche Politik irgendwie besser wäre als männliche. Welchen Sinn es aber hat, die letzten 18 Jahre als „Phase weiblicher Dominanz im Politikstil und im Habitus“ zu beschreiben, erläutert Ulrich leider nicht. Seiner ergebenen Leser*innenschaft ist das sicherlich ohnehin klar, nur ich würde es halt auch ganz gern verstehen.

Die enorme wirtschaftliche Stärke Deutschlands verdankt sich zu einem guten Teil dem Euro, der anderen europäischen Ländern die Möglichkeit nimmt, ihre Position auf dem Markt durch eine Abwertung ihrer Währung zu verbessern. Die enorm günstige Situation für den deutschen Export ersparte es der deutschen Wirtschaft und Politik zugleich, sich nennenswert um die Inlandskaufkraft zu sorgen, so dass die Löhne sehr niedrig bleiben konnten.

Dass die weiterhin gute ökonomische Situation möglicherweise nicht eigener Stärke, sondern den Nachteilen anderer zu verdanken ist, führt mit bewundernswerter Ausdauer DIE deutsche Schlüsselindustrie vor, die seit Jahren eher auf die Produktion serieller Skandale konzentriert ist als darauf, mit den Innovationen anderer mitzuhalten.

Schlimmer noch: Obwohl die öffentlichen Kassen schon lange übervoll sind, hat die öffentliche Infrastruktur über Jahre hinweg erheblichen Schaden genommen. Netz und Digitalisierung, Bahn, Schulen, Pflege und allgemein Gesundheit, Polizei, Militär: Was wir hier in Zeiten der Fülle verkommen ließen, werden wir kaum in Zeiten des Mangels reparieren können.

Und, falls das möglich ist, noch schlimmer: Trotz einer guten Konjunktur hat sich rechtsaußen eine Partei etabliert, die zu einem guten Teil von Wut auf die vertraute Politik gespeist wird, und zivile Strukturen verschwinden in einem Klima, in den politische Debatten von allen Seiten mit schroffen Freund-Feind-Mustern und mit rituellen Diskursauschlüssen geführt werden. Auch hier ist die Frage durchaus beunruhigend, was denn erst geschehen wird, wenn die gute Konjunktur – was zu erwarten ist – bald einmal nachlässt.

Natürlich könnte ich nun im Anschluss an Ulrich festhalten, dass eine irgendwie „weibliche Politik“ eine ausgesprochen schwierige Situation geschaffen hat – aber das wäre dann eben auch ebenso unseriös wie das, was er tatsächlich schreibt. Für diese Bilanz sind Frauen UND Männer verantwortlich, die diese Politik gewählt haben und sie in den Medien und Institutionen unterstützt haben.

Anstatt sich aber sachlich auf die politische und wirtschaftliche Situation zu konzentrieren, stellt Ulrich Geschlechterklischees aus, die nichts zur Klärung bestehender Probleme beitragen und die stattdessen neue Probleme schaffen.

 

Über toxische Männlichkeit und menschenfeindliche Metaphorik

Der 7. Dezember, an dem Kamp-Karrenbauer gewählt wurde, sei ein schlechter Tag „für toxische Männlichkeit“ gewesen, betont Ulrich am Ende seines Textes. Da Die Zeit ja einmal eine bildungsbürgerliche Kundschaft hatte, lohnt es sich, diesen Begriff auch sprachlich einmal näher zu betrachten.

Manche Journalisten haben gegenüber Männlichkeit gewisse Vorbehalte (Symbolbild)

Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist doppeldeutig: Er kann bedeuten, dass Männlichkeit an sich toxisch wäre, er kann sich aber auch auf diejenige Männlichkeit beziehen, die aus welchen Gründen auch immer „toxisch“ ist – im Unterschied zu anderen, nicht-toxischen Formen der Männlichkeit. Wer also nicht aussagen möchte, dass Männlichkeit irgendwie an sich schon vergiftend wäre, wird deutlich machen, auf welche Art der Männlichkeit er sich bezieht. Ulrich macht das nicht: Für ihn stehen Frauen einfach positiv besetzt für Weiblichkeit, Männer negativ besetzt für Männlichkeit.

Der Begriff eignet sich also für ein unseriöses sprachliches Spiel, das so aus den Codierungen rechter Gruppen bekannt ist: Er verletzt wichtige zivile Grenzen, aber wenn dann diese Verletzung kritisiert wird, können sich seine Benutzer darauf berufen, es so doch gewiss nicht gemeint zu haben.

Der Begriff „toxisch“ gehört, wenn er für Menschengruppen verwendet wird, politisch in den Rahmen von Reinheitsideologien. In seiner biologistisch-medizinischen Anlage impliziert er, dass ein eigentlich gesunder Volkskörper allein schon durch die Existenz von Menschen gefährdet wird, die in diesen Volkskörper von außen eindringen. Die Vermischung erscheint als Vergiftung, die Gefährdung der Reinheit als Gefährdung der Existenz. Der Hass auf Juden beispielsweise ist traditionell voller Vergiftungsphantasien und –metaphern.

Wer für eine demokratische Politik einsteht, wird daher misstrauisch gegenüber Vergiftungsmetaphern sein, sie als faschistoid wahrnehmen und sie gewiss nicht leichtfertig verwenden. Schließlich ist eben die Vermischung, die in Vergiftungsmetaphern als existenziell bedrohlich diskreditiert wird, ein wesentliches Element demokratischer Kultur: als Begegnung und gegenseitige Beeinflussung verschiedener Milieus, Stile, Perspektiven, Interessen, Argumente.

Zugespitzt formuliert: Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist, so wie Ulrich ihn benutzt, faschistoides Dahergerede.

 

Demokratisch betrachtet ist die viel gerühmte und umkämpfte Mitte nicht einfach eine genaue Mitte zwischen unterschiedlichen Positionen – wenn eine Gruppe für die Todesstrafe, eine andere gegen die Todesstrafe eintritt, würde die Entscheidung für ein bisschen Todesstrafe keine demokratische Mitte markieren. Tatsächlich geht es ihr eher um eine Vermittlung verschiedener Positionen, mit der stillschweigenden Voraussetzung, dass sie alle sich auf eine gemeinsame Welt beziehen.

Eben das aber geht verloren, wenn sachliche politische Fragen in Geschlechterfragen umgewandelt werden und dabei auch noch das eine Geschlecht als vorbildhaft, das andere als toxisch präsentiert wird. Nun geht es nämlich nicht mehr um einen gemeinsamen Wirklichkeitsbezug aus verschiedenen Perspektiven, sondern um die Auszeichnung der einen Perspektive gegenüber anderen.

Da die Fixierung auf Geschlechterunterschiede und ihre imaginative Aufladung – als Bilder für Zivilität oder Unzivilität, Friedfertigkeit oder Egoismus – die Gesellschaft insgesamt in zwei fast gleich große Teile spaltet, steht sie den Anliegen einer demokratischen Vermittlung direkt entgegen. Das zeigt sich an einer Veranstaltung, die am Wochenende vor dem Bundesparteitag der CDU stattfand – nämlich am Bundeskongress der Jusos.

 

Der unendliche Kampf um den Paragrafen 218

Eine Entscheidung am Samstag, dem 1. Dezember und dem zweiten Tag des Kongresses, hat in sozialen Medien und Massenmedien radikal unterschiedliche Folgen. Während sie in Massenmedien kaum einmal erwähnt wird, obwohl sie gesellschaftspolitisch sehr brisant ist, erzeugt sie mit etwa einer Woche Verspätung insbesondere in politisch rechten Accounts Wutausbrüche und auch Gewaltphantasien. Die Jusos haben nämlich nicht nur entschieden, dass der §219 (zum Werbeverbot für Abtreibungen), sondern auch der §218 abgeschafft werden sollte. Damit wäre die Abtreibung legalisiert, es gäbe auch bis auf Weiteres keine Fristen mehr.

Die Jusos haben – aufgrund der ungeheuer aufgeheizten Reaktionen – die Videos zum zweiten Tag ihres Kongresses aus dem Netz genommen. So ist allerdings auch nicht mehr überprüfbar, wie manipulativ die noch umlaufenden Videos sind, die nach meinem Eindruck allesamt von rechten Accounts stammen. Ich hätte die Debatte gern in einem eigenen Text analysiert, weil ich das Thema wichtig finde und hier auch schon behandelt habe – habe mich jetzt aber darauf beschränkt, bei den Jusos einfach einmal nachzufragen. Die Antwort bestätigt die Vermutung, dass das Video des Tages zum Schutz einiger „Redner*innen“ aus dem Netz genommen wurde.

Verfügbar ist aber ein Welt-Interview mit der stellvertretenden Juso-Vorsitzenden Katharina Anders.

Es ist absurd zu glauben, dass eine Frau sich im achten oder neunten Monat auf einmal zu einem Schwangerschaftsabbruch entscheidet. Und selbst dann können Ärzte und anderes medizinisches Personal verweigern, Abtreibungen durchzuführen. Trotzdem gilt aber auch: Das Selbstbestimmungsrecht der Frau muss auch respektiert werden.

Das bleibt vage im Hinblick auf die Frage, ob die Jusos tatsächlich eine Abtreibung bis kurz vor der Geburt wollen oder nicht. Anders selbst bringt eine Fristenlösung ab der 22. Schwangerschaftswoche ins Gespräch – was seinerseits sehr spät wäre.

Zudem stimmt die Information, dass medizinisches Personal die Beteiligung an einer Abtreibung verweigern könne, nicht mit Erfahrungen aus der Praxis überein. Von einer ehemaligen Krankenschwester habe ich zumindest erfahren, dass zwar Ärzte, nicht aber Schwestern oder Pfleger die Beteiligung an Abtreibungen verweigern konnten – und insbesondere junge Ärzte seien in der Krankenhaushierarchie erheblich unter Druck gesetzt worden, von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch zu machen.

Zudem weiß sicherlich auch Anders, dass selbst prominente Feministinnen dieses Verweigerungsrecht keineswegs akzeptieren. Einem Berliner Apotheker, der die Pille danach als Abtreibungsmittel ansieht und sie daher nicht verkaufen möchte, wurde deshalb die Apotheke verwüstet – unter dem Beifall aus sozialen Medien.

Auffällig ist an den kursierenden Ausschnitten zudem, dass an der Debatte zum Thema offenbar nur Frauen beteiligt waren. Nun geben unsere gesetzlichen Regelungen einer Frau ja tatsächlich die Möglichkeit, in einem Zeitrahmen von drei Monaten eigenständig über die Fortsetzung einer Schwangerschaft zu entscheiden. Wie wir aber insgesamt als Gesellschaft die Abtreibung und den Schutz Ungeborener regeln, ist nicht allein eine Verantwortung von Frauen. Wenn Männer sich aus der Debatte heraushalten, ist das nicht vornehm antipatriarchal, sondern sie entziehen sich damit ihrer Verantwortung und agieren möglicherweise schlicht feige.

Das gilt auch für den aktuellen Posterboy der SPD, den medial höchst präsenten Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, der zu diesem Thema ausnahmsweise einmal gar nichts beizusteuern hat.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass tatsächlich ein Großteil der Jusos Abtreibungen bis zum achten oder neunten Monat befürwortet. Der Kongress hat allerdings eine komplexe moralische, politische und rechtliche Frage schlicht auf ein Geschlechterproblem reduziert, als wären hier neben dem Selbstbestimmungsrecht der Frau alle anderen Aspekte irrelevant.

Das ist ganz dasselbe Muster, nach dem auch Ulrich seinen Text aufbaut: Komplexe politische Sachverhalte werden zu Geschlechterfragen eingedampft, und die wiederum werden über Geschlechterklischees als Mann-Frau-Auseinandersetzung gedeutet. Anstatt dass sich Erwachsene gemeinsam mit ihrer gemeinsamen Verantwortung auseinandersetzen, inszenieren Jusos dann einen Kampf zur Verteidigung der Frauenrechte gegen eine Männerherrschaft.

Obwohl Männer natürlich ein ganz eigenes Interesse daran haben, dass Frauen abtreiben können, und obwohl nach einigen Studien mehr  Frauen als Männer die Abtreibung ablehnen, missdeuten offenbar tonangebende Feministinnen nämlich Einschränkungen der Entscheidungsfreiheit einer Frau generell und polemisch als patriarchale Inbesitznahme des weiblichen Körpers.

Die durchgedrehten und ihrerseits inhumanen Reaktionen aus dem rechten Spektrum („Die müssten selbst abgetrieben werden“, etc.) passen sich in eine Debattenlogik ein, die eine Vermittlung verschiedener Positionen erschwert: Extreme beider Seiten puschen sich gegenseitig auf und setzen differenzierter argumentierende Akteure unter Druck, sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden.

 

Die Beispiele zweier aufeinander folgender Dezember-Wochenenden zeigen so jeweils: Wer politische Fragen in Geschlechterkonflikte umdeutet, der dampft nicht nur ihre Komplexität in eine einfache, simple Konfrontation ein. Er, oder sie, spaltet auch die Debatte und verhindert demokratische Vermittlungen.

Die Zeit war nach eigenem Selbstverständnis einmal eine Wochenzeitung der bildungsbürgerlichen Mitte. Mit Ulrich ist sie eher das Magazin eines Milieus, das privilegiert genug ist, sich selbst als Mitte zu definieren und abweichende Positionen als extrem abzutun – ganz unabhängig davon, wie verstiegen, antidemokratisch oder inhuman die eigenen Positionen auch immer sind.

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43 Comments

  • „Die Beispiele zweier aufeinander folgender Dezember-Wochenenden zeigen…“
    Gleichentags bzw -wochenends die Proteste der Gilets Jaunes. Menschen gehen auf die Strasse, die von dem Establishment im Dunstkreis von Politik, Wirtschaft und Medien ignoriert werden. Der Wechsel („Change“) den diese vernachlässigten und unterrepräsentierten Menschen fordern und durchsetzen werden, wird noch einmal weg von der Mitte führen.

    Immerhin erhält so die Abkehr vom Establishment, weg von CDU SPD und co auch etwas tröstliches: Gewisse Dinge – etwa die in diesen Kreisen gepflegte Misandrie – können nur besser werden.

  • Hast schon jemand versucht, einen Hinweis / Link auf diesen Blogpost in den Kommentaren zum Bernd-Ulrich-Artikel zu plazieren?
    Ich fürchte zwar, die Moderation läßt den Link dort nicht lange stehen, aber versuchen kann man es.

    Der neuste Kommentar dort ist schon einen Tag alt, d.h. die Kommentierer-Karawane ist schon wieder weitergezogen. Ein neuer Kommentar hätte die Chance, noch von einigen Leuten gefunden und gelesen zu werden.

    • Eine etwas andere Sicht als Ulrich auf die Hintergründe des Gewinns von AKK liefert übrigens Lübberding in der FAZ: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik-anne-will-die-macht-der-netzwerke-15933879.html?printPagedArticle=true

      Kurz gesagt hat die Frauen-Mafia den Kampf gewonnen, weil sie besser im Untergrund „netzwerkt“ (sagt man so? oder „klüngelt“ oder „Frauenbünde bildet“).

      Zeigt einmal mehr, daß das ewige Gerede von Männerbünden und Patriarchat i.w. Projektion eigenen Verhaltens auf den Gegner ist.

      • Merz war nun schon seit Jahren nicht mehr im oberen Zirkel an verantwortlicher Position, ob in Partei oder Regierung.

        Zusammen mit dem medialen Sperrfeuer gegen Merz, welches AKK unter dem Radar durchlaufen ließ, ihrem direkten Einfluß in der Führungsriege und dem Welpenschutz-Faktor (Frau! CDU! Saarland! Protagonistin von AM!) finde ich ihr Ergebnis erstaunlich mau oder das von Merz ziemlich stark. Für AKK eigentlich zunächst einmal eine „Watschn“.

        Ihre Reaktionen in der Fernseh-Diskussion finde ich erstaunlich unsouverän. Das Bild der weichen weiblichen Macht hat schnell Risse bekommen. Jede Art von Kritik (oder Überraschung) ist ein direkter Angriff auf die (weibliche) Integrität der Person.

        Ob das dem knappen Ergebnis der Wahl geschuldet ist oder andere Ursachen hat, wird man sehen.

        • Ich sehe das ähnlich. Von Merz hatte mal jahrelang nichts gehört. Erst mit dem Aufkommen der Frage nach der Merkelnachfolge tauchte sein Name in den Medien auf. AKK hingegen ist durchgehend in der Politik gewesen. In führenden Positionen. Dass sie nur mit derart leichtem Vorsprung gewinnt, ist tatsächlich eher eine Klatsche. Sie täte gut daran, Merz mit ins Boot zu holen.

          Den feministischen Netzwerken will ich hier nicht allzu viel Wert beimessen, da nicht sie, sondern die Parteimitglieder AKK gewählt haben. Und, letztlich, sind diese Netzwerke auch nur aus Individuen zusammengesetzt. Somit kann auch ein feministisches Netzwerk mit einer Präferenz für AKK in Teilen für Merz gewählt haben.

      • „Zeigt einmal mehr, daß das ewige Gerede von Männerbünden und Patriarchat i.w. Projektion eigenen Verhaltens auf den Gegner ist.“

        In Sachen Projektion spielen Feministinnen wirklich in einer ganz eigenen Liga. Sie machen i.d.R. genau das was sie anderen Nachweislos vorwerfen.

  • Es gibt einen Punkt, der mich in der seltsamen Debatte, v.a. dem irritierenden Wortbeitrag dieser Sabrina um die Abschaffung des §218 sehr erschreckt, und diesen Punkt sehe ich bislang nirgends angesprochen:

    Wie sich in der vollständigen Aufkündigung jeglicher Kompromissbereitschaft, der vollständigen Leugnung einer Berechtigung von Gegenargumenten, einer völligen Abwehr auch nur der kleinsten Abweichung von der Maximalforderung eine absolute demokratiefeindlichkeit zeigt.

    Es gibt im Grunde keinen wirklichen Wunsch einer nennenswerten Zahl realer von ungewollter schwangerschaft betroffener Frauen, bis möglichst unmittelbar vor der Geburt noch abtreiben zu können.
    Es gibt selbst unter völligem Verzicht jeglichen Hinweises irgendwelcher Rechte des ungeborenen Kindes sehr valide medizinische Gründe, Abtreibungen so früh wie nur irgend möglich durchzuführen, denn die gesundheitlichen Risiken einer Abtreibung steigen für die Mutter (sagt man da Mutter?), je später die Abtreibung durchgeführt wird.

    Eine völlige Aufgabe jeglicher Fristen und Beratung stellt durchaus ein Signal an Schwangere Frauen dar, mit der Entscheidung ja noch Zeit zu haben und ja immer noch abtreiben zu können – und mit dieser Verzögerung setzt man diese Frauen gesundheitlichen Risiken aus.

    Dieser Aspekt würde zu einer medizinische Debatte über Abtreibung in jedem Fall dazugehören, unterbleibt hier aber. Mangels vollständiger Kenntnis des Redebeitrags der ersten jungen Frau in dem zusammengeschnittenen Video, die ja offenbar angehende Ärztin ist, bleibt offen, ob sie diesen Punkt möglicherweise angeschnitten hat.

    Dieser Punkt bleibt aber seitens Sabrina offenabr ausgeklammert, um sich besser auf die Frontstellung „Rechte der Frau“ vs. „Rechte des Kindes“ zu fokussieren – und dabei unmissverständlich klarzustellen, dass man die Rechte zu 100% auf Seiten der Frau und zu 0% auf seiten des Kindes sieht. Die Formulierungen dazu sind klar und eindeutig, und es geht dabei um nicht weniger als genau diese kompromisslosen exakt 100%, um die vollständige Ablehnung jeden „abers“. „Nix aber“, sagt diese Sabrina, sie akzeptiert keine Kompromisse, es geht um Maximalvorderungen und darum, diese durchzusetzen und nicht abzuweichen. Den „Vorwurf“ Sabrinas an die vorrednerinnen fasst sie in die Worte: „also nicht Konsequent, nicht bis zum letzten“ (4:07 im Video).

    Die bisherige Lösung zu Abtreibung ist einem zähen Ringen und Abwägen unterschiedlicher Positionenn geschuldet. Sie ist ein Kompromiss. Natürlich kann man sich über die Gestalt des Kompromisses weiter streiten: Man kann natürlich diskutieren, ob es eine intelligente Lösung ist, Abtreibung innerhalb einer bestimmten Frist und innerhalb gewisser (gesetzlicher !) Vorgaben zwar weiterhin als illegal, aber trotzdem (gesetzlich geregelt !) straffrei zu stellen.

    Hier geht es aber nicht mehr um die (neu-)verhandlung eines Kompromisses, sondern um die Aufkündigung von Kompromissbereitschaft.

    Wie soll man denokratische Lösungen finden mit jemandem, der sich ostentativ jedem Kompromiss verweigert?
    Der jegliche legitimation einer Gegenposition schlicht leugnet?
    Die Haltung dieser Sabrina ist schlicht und ergreifend antidemokratisch, und der johlende Beifall, der ihren Redebeitrag untermalt und den Beifall an die Vorredner hörbar übertrifft, zeigt leider eine bedenkliche Zuneigung der Jusos zu dieser antidemokratischen Haltung.

    • @ maddes8acht Ich war beim Schreiben des Textes vorsichtig, weil ich zwar die im Netz umlaufenden Teile der Rede irre fand, aber nicht wusste, ob dieser Eindruck nicht möglicherweise durch Schnitte bei der Zusammenstellung verstärkt wurde. Nach der knappen Antwort der Jusos gehe ich davon aus, dass der Eindruck im wesentlichen passt. Ich hatte ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Darstellung ja möglicherweise manipulativ ist und so den Interessen politisch rechter Gruppen dient – aber von Juso-Seite aus wurde überhaupt nichts korrigiert. Auch die direkten Zitate wurden nicht neu eingeordnet (sie hätten ja aus dem Kontext gerissen sein können).

      Wenn also die Darstellung im Wesentlichen so stimmt, wie sie in den umlaufenden Videos erscheint, dann finde ich hier vieles auf einmal verrückt.

      Wir können uns das heute gar nicht mehr vorstellen, aber es war tatsächlich einmal eine LINKE Tugend, einigermaßen diszipliniert zu sein und Eigeninteressen dem Wohl der Gruppe/der Partei/der politischen Interessen etc. unterzuordnen – oder sie zumindest nicht auf Kosten der ganzen Gruppe auszuleben.

      Das, was „Sabrina“ da aber tut (ich schreib ihren ganzen Namen hier nur deshalb nicht, weil die Jusos von einer „Jagd“ auf sei schreiben), ist ein durchgeknallter Egotrip, der in einer halbwegs funktionierenden Partei zu einem Verfahren wegen parteischädigenden Verhaltens führen müsste.

      Krankhaft ist schon der dumpfe Autoritarismus, wie sie mit ihren Genossinnen umgeht, die nichts Schlimmeres getan haben, als ihre Ablehnung einer Abtreibung im achten und neunten Monat ausdrücklich zu formulieren.

      An dieser Stelle ist auch meine vorsichtige Einschränkung aus dem Text, dass gewiss kein großer Teil der Jusos für eine Abtreibung im achten Monat wäre, verfehlt: Hier geht es ausdrücklich um solche Spätestabtreibungen, und das ist eindeutig der Aspekt, auf den Sabrina sich bezieht.

      Und weil da Genossinnen es falsch finden, ein Kind noch im achten oder neunten Monat abtreiben zu wollen, werden die als verkappte JU-Leute („Deutschlandtag“), also als fünfte Kolonnen des politischen Gegners, als pathetische Rhetorikerinnen und ausdrücklich als „lächerlich“ abgekanzelt. Solodarität ist für eine Type wie „Sabrina“ nur in einer Richtung denkbar: als etwas, was sie von anderen einzufordern hat.

      Irre ist aber auch, was sie damit der ganzen Partei auflädt. Die SPD stirbt, rutscht immer weiter ab – und die Jusos halsen der Partei noch die Forderung auf, dass Abtreibungen bis zum neunten Monat legal sein müssten, weil sie zur „weiblichen Selbstbestimmung“ gehören würden.

      Dumpf, dumm und autoritär ist auch Sabrinas „Wer A sagt, muss auch B sagen“-Logik, dass eine Organisation, die sich „feministisch“ nennt, neben der „Selbstbestimmung der Frau“ keine anderen Interessen haben dürfte. Sie macht sich höhnisch lustig über die Abwägung „Selbstbestimmung, ABER“ – ABER tatsächlich ist das ja gerade der wichtige Punkt.

      Eine große Partei (und sei sie nur groß genug, um über die 5%-Hürde zu kommen) muss ja gerade mehrere Interessen und Werte miteinander moderieren, die allesamt wichtig und legitim sind. Ohne „aber“, „sowohl-als auch“, „einerseits-andererseits“ kommt so eine Partei nicht aus, auch wenn eine verspießerte Hetzerin wie Sabrina das sicherlich enorm langweilig findet.

      Ihr offener Hohn über das „aber“ sagt weiter nichts, als dass andere Werte außer der „Selbstbestimmung der Frau“ keine Rolle spielen dürften. Anstatt zu sehen, was sie eigentlich FÜR IHRE STERBENDE PARTEI tun kann, was sie dafür tun kann, dass diese Partei nicht völlig ins Nirvana rutscht – interessiert es sie ausschließlich, was sie FÜR SICH aus dieser Partei noch rausholen kann, bevor sie ganz verwest ist.

      Und spätestens hätten dann eben auch längst andere ins Spiel kommen müssen. Weit und breit hat niemand der Verantwortlichen der SPD auch nur den Versuch einer Schadensbegrenzung unternommen.

      Juso-Chef Kevin Kühnert, der seine Nase sonst gern in jede Kamera hält und der zu jedem beliebigen Thema ungeheuer viel zu sagen hat, hält lieber seine Klappe.

      Die Familienministerin, die sonst medial gern mal am ganz großen Rad dreht, z.B. in ihrer Kampagne zur häuslichen Gewalt, hat gerade ganz anderes zu tun, als sich um die Tötung von Kindern zu kümmern (vgl. Genderama von heute).

      Die Vorsitzende Nahles hat zwar bei Übernahme ihres Parteipostens ihre Geschlechtszugehörigkeit lässig in den Vordergund geschoben („Wenn es leicht wäre, könnte es ja auch ein Mann machen“), aber sie kommt jetzt nicht einmal auf die Idee, dass ja auch eine Frau mal klarstellen könnte, dass die Tötung von Kindern kurz vor der Geburt nicht unbedingt notwendig zum „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ gehört.

      Auch unter den Partei“verantwortlichen“ ist es allen egal, welcher Schaden ihrer Partei entsteht – sie achten vor allem darauf, sich in diesem schmutzigen, und schmutzig geführten Konflikt nicht selber dreckig zu machen.

      Was daran aber immerhin klar wird: Die SPD aber ist tot, weil in ihr nur noch Leute agieren, die für sich selbst herausholen wollen, was noch zu holen ist – weil aber niemand ein Interesse daran hat, sie irgendwie zu retten.

      • Ich war ja auch mal Mitglied dieser Partei und kann das alles nicht mehr fassen. Irgendwann müssten sie doch merlen, dass sie immer weniger Menschen überzeugen können von ihren Ideen und zumindest mal in sich gehen und nachdenken, was sie falsch machen. Aber es wird immer nur stur an der eingeschlagenen Linie festgehalten und sie vielmehr verstärkt, als glaubte man, wenn man die Dosis nur weiter erhöht, müsste das Medikament irgendwann wirken.

        Die Partei will seit 30 Jahren weiblicher werden und wird es auch, und sie verliert gleizeitig immer mehr Wähler, auch weibliche. So selbstzerstörerisch kann man doch eigentlichbgarnicht sein, oder?

        • Nur fürs Protokoll: Ich war nie Mitglied der SPD, habe sie und ihre Vertreter und Vertreterinnen aber regelmäßig gewählt. Und das bereue ich inzwischen. Mein Dilemma ist, momentan wähle ich das geringste Übel und das ist in meinen Augen die FDP.

        • Irgendwann müssten sie doch merlen, dass sie immer weniger Menschen überzeugen können von ihren Ideen

          Dazu wäre zuerst eine schonungslose Selbstkritik und Analyse erforderlich, um die Dinge zum Besseren zu wenden. Die SPD aber ist dazu schlicht nicht fähig.
          Zu der genannten schonungslosen Analyse gehörte nämlich auch die kritische Betrachtung des parteiinternen Feminismus. Da aber alles Feministische, alles, was unter dem Label „für die Frauen“ oder „Frauenrechte“ angepriesen wird niemals einer kritischen Analyse unterzogen werden darf und mittlerweile als unhinterfragbares Glaubensdogma gilt, ist die SPD nicht reformierbar und wird ihren Siechgang fortsetzen. Die Piraten gingen den gleichen Weg, die SPD als alte Partei mit solideren Strukturen nimmt sich etwas mehr Zeit.

      • Ein bisschen weiter gedacht, wird die Medizin in eine völlige moralische Beliebigkeit gestürzt.
        Frau A möchte, dass der Fötus als Frühgeburt mit allen erdenklichen Möglichkeiten am Leben erhalten wird, Frau B möchte dieses Leben entsorgen.
        Die Medizin als Kondensation der Werte einer Gesellschaft? It’s the money, stupid. Und das von „Links“.

        Man eine Türe ein, hinter der es mir gruselt: alles geht, solange es irgendwem nützt und er ein fadenscheiniges Argument vorbringen kann – genau so. Letztendlich Recht des Stärkeren.

        Dass Konstruktionen wie Recht und, ja, auch Werte und Moral (ätzend, das so sagen zu müssen) in einer Gesellschaft aus meiner Sicht dazu dienen, gerade Schwächere zu schützen, geht völlig verloren.

        Hier kommt die Wolfsgesellschaft durch die Hintertür des vermeintlichen Opferseins.

        War eine SPD nicht einmal angetreten, genau das Gegenteil zu bewirken?

      • Der „medial höchst präsenten Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert, der zu diesem Thema ausnahmsweise einmal gar nichts beizusteuern hat“
        und
        „der seine Nase sonst gern in jede Kamera hält und der zu jedem beliebigen Thema ungeheuer viel zu sagen hat,“

        hat sich inzwischen übrigens doch noch geäußert, und zwar im Handelsblatt:

        https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/expertenrat/kuehnert/expertenrat-kevin-kuehnert-schwangere-frauen-werden-in-deutschland-kriminalisiert-wollen-wir-das/23748248.html?ticket=ST-730129-p3RW7XejQOZlhVTEkWrK-ap3

        Zu möglicher Falschdarstellung steht dort:

        „Der Bundeskongress der Jusos hat deshalb am vorvergangenen Wochenende gefordert, die Paragrafen 218 und 219 zu streichen.
        […]
        Es gehört vielmehr in das Schwangerschaftskonfliktgesetz, das nach reiflicher Debatte neu zu fassen ist. Dafür hat mein Verband sich ausgesprochen, verbunden mit der Forderung nach einer Frist für Abbrüche, die deutlich großzügiger sein muss als zwölf Wochen.
        […]
        Es mag naiv von uns gewesen sein zu glauben, man könne die Zurücknahme der geltenden Regeln fordern, ohne gleichzeitig einen konkreten Vorschlag zu unterbreiten, wie diese künftig aussehen sollen. Diesen Vorwurf lasse ich gelten.“

        Man fragt sich allerdings unwillkürlich, warum dann niemand auf die Idee gekommen ist, zeitnah darzustellen, dass demnach der behauptete Antrag zur ersatzlosen Streichung des %218 ein Strohmann gewesen wäre. Womöglich deshalb, weil diese ersatzlose Streichung eben doch genau das war, was dann beschlossen worden ist, ohne irgend etwas wie eine Frist auch nur anzudeuten.
        Und möglicherweise haben das Leute wie die Lautstark beklatschte Sabrina durchaus so verstanden, weshalb sie auch so argumentiert hat, wie sie hat, und nicht so, wie sie hätte, wenn sie ihren Vorrednerinnen hätte entgegnen können, dass deren Argumente ja gar nicht den Vorderungen entsprächen.

        Ich nehme die Darstellung von Kühnert jetzt mal so zur Kenntnis und auch insofern mal Ernst, dass „sein Verband“ den Beschluss so verstanden haben will – werde aber den Eindruck dennoch nicht los, dass „Sabrina“ durchaus für die ersatzlose Streichung ohne irgend was geredet hat und sowohl der Johlende Beifall als auch die Zustimmung zu dieser Forderung einer erst mal ersatzlosen Streichung von §218 von einem beträchtlichen Teil der abstimmenden Delegierten so gemeint, gewünscht und aufgefasst wurde.

        Würde ich an Sabrinas Stelle etwas anderes meinen oder wollen, dann würde ich nämlich niemals so argumentieren und reden, wie sie es tat.
        Dann wäre meine erste Reaktion eine entsetzte bis entrüstete Zurückweisung der Behauptung, dass es um eine unbefristete Möglichkeit der Abtreibung bis unmittelbar vor der Geburt gehe. Ihr Redebeitrag verteidigt jedoch genau das. Sie redet explizit davon, dass es da keine Rechte für das ungeborene Kind gebe und auch nicht geben sollte.

        • Ich habe den Text beim Handelsblatt mal kommentiert. da ich icht recht weiß, ob der Kommentar da stehen bleibt, zitiere ich mich hier mal selbst:

          „Der Text ist eben da ungenau, wo er genau sein müsste.

          „Schwangere Frauen werden in Deutschland kriminalisiert – warum dulden wir das?“ Natürlich werden Frauen nicht kriminalisiert, nur weil sie schwanger sind – es geht hier darum, dass Abtreibungen nicht legal sind, aber unter bestimmten Bedingungen straffrei bleiben.

          Der Einschub „in Deutschland“ suggeriert, „wir“ hätte ein besonders scharfes Gesetz, dass es Frauen besonders schwer macht. Das ist nicht so, wie schon ein Vergleich mit anderen europäischen Ländern zeigen würde. Zumal in katholischen Ländern ist Abtreibung i.d.R. natürlich restriktiver geregelt.

          Kühnert begründet den Juso-Beschluss direkt mit den Aktionen von christlichen Fundamentalisten oder „Lebensschützern“, die Frauen unter Druck setzen würden. Es gibt allerdings überhaupt keinen Grund für die Annahme, dass diese Gruppen – so sehr wir sie vielleicht auch ablehnen – ihre Aktionen einstellen würden, wenn der § 218 abgeschafft wird. Die Abschaffung würde mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar mobilisierend wirken.

          „die Lüge in die Welt, die Jusos wollten Abbrüche bis in den neunten Schwangerschaftsmonat ermöglichen“ Tatsächlich haben Juso-Rednerinnen auf dem Kongress darauf hingewiesen, dass eine Abtreibung schon im 6. Monat ethisch enorm fragwürdig wäre. Dafür wurden sie dort massiv angegriffen. Dass die Jusos eine Abtreibung bis zum 9. Monat wollten, ist trotzdem zwar prinzipiell möglich, aber wohl eine Überzeichnung, Doch so harmlos, wie Kühnert den Beschluss darstellt, ist er nicht.

          „frauenverachtendes Weltbild. Und damit sollte sich, bei aller Sensibilität der Debatte, niemand solidarisieren.“ Ohne auf sachliche Kritik überhaupt nur einzugehen, delegitmiert Kühnert sie doppelt: Erstens durch die Unterstellung, es ginge dabei nur um Verachtung – zweitens durch die ausdrückliche Assoziation mit Rechtsradikalen. Wer gute Argumente hat, hat so etwas nicht nötig.“

        • @ Maddes:
          „Sie redet explizit davon, dass es da keine Rechte für das ungeborene Kind gebe und auch nicht geben sollte.“

          Auch für alle anderen nicht. Soweit ich die Zitate verschiedener Quellen die letzten Tage nicht ganz falsch interpretiere, sagt sie, daß Frauenprivilegien die einzigen Grund- u. Menschenrechte überhaupt sein könnten, denen sich „alle anderen“ bedingungslos unterzuordnen hätten.

      • Es würde mich interessieren, ob im Falle einer Spätabtreibung, bei der zunächst eine Geburt eingeleitet und dann das – eigentlich lebensfähige – Kind getötet wird, nicht noch weitere Gesetzesparagraphen anwendbar sind. Könnte, wenn es den § 218 StGB nicht mehr gibt, ein Staatsanwalt nicht Anklage wegen eines unerlaubten Tötungsdeliktes erheben? Immerhin hat der § 218 ja eine Doppelfunktion: er verbietet in bestimmten Fällen den Schwangerschaftsabbruch, aber er sorgt auch für eine Unterscheidung zwischen Mord und Schwangerschaftsabbruch. Diese Unterscheidung wäre im Falle einer ersatzlosen Streichung des Paragraphen hinfällig.

    • Hallo, ich weiß nicht genau, auf welches Video und welche Version davon Ihr Euch bezieht. Bei youtube habe ich eben auf Anhieb das hier gefunden:
      https://www.youtube.com/watch?v=kijsdWL09LQ
      Da sind zunächst zwei junge Rednerinnen, die leise, vorsichtig und eingeschüchtert Zweifel daran anmelden, Kinder im sechsten Monat der Schwangerschaft abzutreiben (was die Abschaffung von §218 erlauben würde). Die erste Rednerin, die anscheinend Medizin studiert, verwendet ein drastisches Bild: Eine Abtreibung im sechsten Monat sei vergleichbar mit einer künstlich und zu früh eingeleiteten Geburt. Ihr Bild: Das frühgeborene Kind liegt auf dem OP-Tisch, stöhnt, windet sich und will nicht sterben. Aus dem Publikum kommt kein Beifall für diese Rede.
      Von der dritten Rednerin wird diese bedächtige erste Rednerin dann brutal zusammengeschrien und als Rechte verunglimpft. Lautes Gejohle und Zustimmung im Saal.
      Was ich an dieser ‚Debatte‘ gruselig finde ist die Vorstellung, dass man nach der Argumentation der dritten Rednerin Kinder ja auch noch nach der ’normalen‘ Geburt nach neun Monaten töten könnte — sie würden der Frau ja viel Arbeit machen und vielleicht hatte sie nicht die Mittel für eine Abtreibung, etc. Ich kann es gerade nicht besser schreiben: Mir ist da nicht mehr klar, ab wann der Mensch als Mensch anerkannt wird.

      • In Anbetracht der Bereitschaft der SPD den §218 abzuschaffen, kommt bei mir spontan die Frage auf, ob sich dann nicht auch Väter völlig aus der Verantwortung nehmen können müssen. Sozusagen aus Gründen der Gleichberechtigung. Es wäre also zu überlegen, ob man die juristische Abtreibung für Männer nicht wieder ins Gespräch bringen sollte.

        Denn: Wenn das so durchkommt, können Frauen sich entgegen den Willen des Vaters und mit Blick auf ihre eigenen Interessen zu jedem Zeitpunkt vor, während und nach der Schwangerschaft der eigenen Verantwortung entziehen. Während es Männern nach derzeitigem Stand verwehrt bleibt. Selbst wenn ihnen das Kind durch Täuschung oder Gewalt untergeschoben wurde, werden sie notfalls mit der vollen Härte des Gesetzes dazu gewzungen, für das Kind (und die Mutter) wenigstens finanziell zu sorgen. Eine Möglichkeit sich dem zu entziehen haben sie nicht. Die einzige Möglichkeit, diesem Schicksal zu entgehen sind „gefühlsechte“ *lach* Kondome oder Enthaltsamkeit.

        • „Es wäre also zu überlegen, ob man die juristische Abtreibung für Männer nicht wieder ins Gespräch bringen sollte.“

          Ich gehe sogar ganz fest davon aus, daß genau diese Forderung zum xten Mal wieder aufflammen wird. Und wahrscheinlich mindestens genau so flach wie die Male davor.
          Die Gemeinsamkeit von entsprechenden Maskus und Femis wird wie immer sein, daß sie aus lauter Ignoranz davon ausgehen, daß die höheren Recht oberhalb des GG sowieso nur rein willkürliche Makulatur sind ( was sich ja auch im institutionellen Wesen und besonders in Politik und Justiz langsam zum beherrschenden Mantra entwickelt ).

          Früher wurde sich an den Unis übrigens semesterlang umfassend und sorgfältig mit derartigem beschäftigt, Ihr wißt schon, dammals, im letzten Jahrtausend.

          Dumm geboren und nix dazugelernt!
          ( Ines „Isi“ Fritz stellt schon mal eine Flasche Prosecco kalt, wetten? )

      • Mir ist da nicht mehr klar, ab wann der Mensch als Mensch anerkannt wird.

        Ab wann ein Mensch als Mensch anerkannt wird, kann ich nicht sagen. Wenn es um die Rechte (und Pflichten) eines Menschen geht, ist es allerdings ziemlich einfach.

        § 1 BGB:
        Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung der Geburt.

        Unter der Rechtsfähigkeit versteht man die Fähigkeit, selbständig Träger von Rechten und Pflichten zu sein. Das umfasst z.B. auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit.
        Eine Abtreibung nach einer Geburt wäre also nicht mehr zulässig.

        Streng juristisch ist es aber dann wohl leider so, dass Ungeborene tatsächlich kein Recht auf Leben haben, da die Rechtsfähigkeit ja noch nicht eingesetzt hat.
        Dass schwangere Frauen aber eben nicht nur über ihren eigenen Körper entscheiden, sondern auch über den des evtl. schon empfindungsfähigen Ungeborenen, darf nicht einfach so kritiklos übergangen werden.

        • „Streng juristisch ist es aber dann wohl leider so, dass Ungeborene tatsächlich kein Recht auf Leben haben, da die Rechtsfähigkeit ja noch nicht eingesetzt hat.“

          Es ist aber durchaus so, dass man dennoch Gesetze haben kann (und wollen kann), die dennoch ungeborenes Leben schützen. Auch eine Rechtsfähigkeit von Tieren wird meines Wissens nicht in analoger Form festgelegt, trotzdem haben wir ein Tierschutzgesetz.

          • Richtig, wir haben ein Tierschutzgesetz. Demnach darf man bspw. ein Tier aus einem „vernünftigen“ Grund töten. Ich muss gestehen, ich halte den Menschen schon lange nicht mehr für die Krönung der Schöpfung. Erst recht nicht, seit ich mir über die Radikalität des „modernen“ Feminismus bewusst geworden bin.
            Aber dennoch stufe ich menschliches, ungeborenes Leben dann doch noch etwas höher als das Leben eines Tieres ein.
            Naja, vielleicht gibt es ja so etwas wie eine Blitzabtreibung, die auch einem Ungeborenen im 7. oder 8. Monat eine schnellen, schmerzfreien Tod ermöglicht.
            Immerhin reden wir hier schließlich von den Rechten der Frauen. Da darf etwas anderes nicht zählen.;-)

    • „aber nicht wusste, ob dieser Eindruck nicht möglicherweise durch Schnitte bei der Zusammenstellung verstärkt wurde. “

      Ich finde einerseits die Forderung nach hinreichend Kontext legitim, um Zitate einordnen zu können – andererseits sind die Ausschnitte hier ausgesprochen üppig bemessen. Im übrigen ist „verstärkt“ nur ein blasses Argument – sind wir uns einig, dass gerade gegenüber der AFD Satzfragmente aus dem Zusammenhang gerissen wurden, die ihren Sinn ins Gegenteil verkehrt haben, anstatt sie zu „verstärken“?
      Pointiert herauszugreifen und darzustellen, worauf eine Aussage eines Politikers hinausläuft, ist ein absolut legitimes, um nicht zu sagen notwendiges Mittel.
      Aus dem Kontext reißen, um eine Aussage radikal zu verfälschen, ist dagegen nicht legitim. Ich denke, der Ausschnitt ist lang genug, dass wir eine solche Verfälschung ausschließen können.

      Sehen wir mal die Redezeiten an:
      erste rednerin: 1:25 min
      zweite rednerin: 1:26 bis 2.15 = 49 Sekunden

      „sabrina“: wird erst begrüßt, es gibt eine Lücke, sie redet ab 2:25

      Beim Schnitt/ Zoom bei 2:28 frage ich mich, ob das ein Schnitt ist – die Körperhaltung stimmt ausgesprochen exakt , insofern gehe ich eher davon aus, dass dies tatsächlich der Anfang, die ungeschnittenenen ersten Sätze sind.
      Schnitt bei 3:12. Bis dahin 44 (47) Sekunden am Stück.

      bei 3:28 gibt es bei mir einen „Zitterer“ in der Aufnahme, der ein Schnitt sein könnte, aber wohl doch eher ein Artefakt der Aufnahme darstellt – so viel Kontinuität der Bewegung in einem Schnitt passend zu finden ist schon arg schwierig.
      Der Abschnitt endet ohne weiteren Schnitt bei 4:15
      Sabrina hat in dem Ausschnitt mit fast 2 Minuten beinahe ebensoviel Redezeit wie ihre beiden Vorrednerinnen zusammen.
      Sie redet zusammenhängend über mehrere Sätze hinweg ungeschnitten.

      Die üblichen AFD- Aufreger-Satzfragmente, die bisweilen Tage- bis Wochenlang durch die Presse gehetzt wurden, sind praktisch ausnahmslos nur ein Bruchteil dieser Redezeit.
      Bei AFD-Aufregern wie dem mit der „Hexenverbrennung gegen Klimaerwärmung“, Pirincis „Konzentrationslager“-Spruch und selbst Gaulands „Fliegenschiss“ hätte die Beachtung von nur halb so viel „Kontext“ vor und hinter dem inkriminierten Satz mehr als ausgereicht, um zu belegen, dass (bei den ersten beiden bsp) das Gegenteil dessen gemeint war, als was es dargestellt wurde, oder doch bereits eine Menge an relativierung enthalten war. Dennoch sprechen wir bei der AFD von „gezielter provokation“, die dann nur „relativiert“ werde.

      Desweiteren legt der Tweet der Jusos selbst Wert auf die Aussage, dass es eine Entschuldigung ausdrücklich nur „für den Ton“, nicht aber für den Inhalt der Aussagen gab.

      Wer auf der politischen Bühne so viel Redezeit am Stück zur Verfügung bekommt, kann sich nur schwerlich auf verzerrte Darstellung zurückziehen.

  • Danke für den interessanten Beitrag.
    Die CDU ist die Partei der älteren Frauen, weshalb sie von ihnen ja am meisten gewählt wird. AKK ist wie Merkel eine von Medien gemachte Parteichefin und zukünftige Kanzlerin. Noch nie hat eine Kanzlerin so viel Bockmist machen dürfen und ist trotzdem durchgängig von den Medien so verehrt worden. Frauenbonus halt. Aber was soll´s? Hätte ein Merz oder Spahn etwas für Jungen, Väter oder Männer getan? Mit Sicherheit nicht.
    Und machen wir uns auch bei den Jusos nichts vor. Abtreibungsrecht bis zur Geburt wird kommen, egal, ob es die Jusos, die Grünen, die Linke oder ein Terre des Femmes zuerst gefordert hätten. Es wäre die erste feministisch Hirnblähung, die politisch nicht abgesegnet würde. Mit dem Tötungsrecht wurde die Büchse der Pandora geöffnet. Es wird der Tag kommen, dass ein Babytotschlagsjahr eingeführt wird, in dem junge Eltern (respektive Mütter, denn der Vater hat ja nichts zu melden) bis zu einem Jahr nach Geburt entscheiden können, ob sie das Kund behalten oder töten lassen, weil sie ja nicht wissen können, auf was sie sich mit einem Kind einlassen.
    Und dass so eine selbstgefällige Juso-Göre meint, sie seit etwas Besonderes mit vorrangigen Menschenrechten, darf man ihr noch nicht einmal verübeln, da Medien und Politik ihr das ja tagtäglich einreden. Selbst die UN hat sich ja 70 Jahre nach Erklärung der Menschenrechte von dem Grundsatz entfernt, dass jeder Mensch mit gleichen unveräußerlichen Rechten geboren wäre und aus den Menschenrechten kurzerhand nur noch zu Frauenrechten zusammengestrichen.
    Es bleibt sexistisch.

    • Nach dem Sehen des Videos war ich etwas erleichtert.

      Denn die kleine SPD-Hetzerin ist für jeden Menschen mit Erfahrung nur eine unterbelichtete kleine, narzistisch gestörte Göre.

      Offensichtlich wird das für jeden, der sich das Video und das aggressive Gebaren anschaut und über ihre Worte nachdenkt. Den Hinweis auf die Interessen des ungeborenen aber lebensfähigen Fötus mit dem Hinweis auf die „sexuelle Selbstbestimmung“ der Frau wegwischen zu wollen, ist offensichtlich absurd, da eine Frau bei der Fristenlösung vor dem Sex, beim Sex, nach dem Sex, bis zur Frist und nach der Geburt entscheiden kann, ob und unter welchen Voraussetzungen sie das Kind haben möchte.

      Damit haben Frauen momentan sogar signifikant mehr Freiheiten als jeder Mann/Vater.

      • Sie wirkt auf mich exakt so, wie ich mir das Wirken von Andrea Nahles im gleichen Alter bei den Jusos vorstelle.

        Ich finde daran nichts erleichternd.

        Vor allem nicht den hörbaren Unterschied im Applaus, mit dem die jeweiligen Rednerinnen bedacht werden – bei „Sabrina“ schon bei der bloßen Ankündigung.

        „Sabrina“ sieht durchaus danach aus, bei den JUSOS eine Zukunft zu haben.
        Das einzig erleichternde Moment kann da nur noch sein, dass eine Juso mit solchen Mitgliedern selbst keine Zukunft mehr hat – als Jugendorganisation einer Partei, die ebenfalls keine Zukunft mehr hat.

  • Danke zunächst an Lucas für den erhellenden Kommentar. Ein ähnliches Argumentationsmuster wie das von Ulrich in dem betrachteten Artikel habe ich nach dem CDU-Parteitag auch in anderen Beiträgen wahrgenommen, zB im Artikel „Die Verwandlung der AKK“, Süddeutsche Zeitung vom 10.12.2018 (https://www.sueddeutsche.de/medien/anne-will-zum-cdu-parteitag-die-verwandlung-der-akk-1.4243656).
    Kramp-Karrenbauer wird darin wie eine Heilige gepriesen. Es geht dabei um eine Situation in einer Talkshow: Ein Mann kritisiert anscheinend sachlich deren Politik im Saarland, was sie als Beleidigung aller Saarländer zurückweist. Der Kommentar der Zeitung jubelt:
    „Das Land konnte in diesem Moment alle Bewohner des Saarlands beneiden, deren Ehre von dieser mutigen Kämpferin so furchtlos verteidigt wurde. Man stellte sich kurz vor, wie Donald Trump erschrocken zwei Schritte zurückweicht, nachdem eine Kanzlerin AKK seinen Vorwurf kontert, die Deutschen würden nicht genug für die Nato tun.“
    Das erinnert mich wirklich schon daran, wie Menschen in Nordkorea vor der Kamera von ihren ‚geliebten Führern‘ sprechen. Ist da Ironie drin? Ich bezweifle es.

    Dabei hat diese Art des Lobs doch auch etwas beleidigendes, weil es im Grunde gar nicht um irgendwelche Positionen, Ansätze oder Theorien geht, die ‚AKK‘ politisch vertritt, sondern nur dass sie es als Frau wagt, wütend aufzutreten. Sie wird also auf ihre Rolle als wütende, aggressive und furchteinflößende Frau reduziert, was sie denkt, sagt oder macht, ist schon völlig egal. Der Kommentar feiert dann sogar noch explizit, dass sie keine Konzepte, Begriffe und Ideen hat:
    „Es folgte ein Schwall aus Worten wie Koalitionsausschuss, Gesprächen, an dessen Ende Vereinbarungen, Formulierungen, Einigungen et cetera, et cetera. Kramp-Karrenbauer wickelte alle so ein, dass kaum mehr jemand durchblickte und man sich schon sehr konzentrieren musste, um zu verstehen, was sie antwortete: nämlich nichts. Jedenfalls nicht Ja oder Nein oder ein Argument für dies oder das. Das war selbst für eine Politikerin eine außergewöhnliche Vorstellung des Nichtssagens.“

    • Die Wahl von AKK ist insofern ein Dammbruch, weil sich dadurch die weibliche Vorherrschaft in der CDU (andere Parteien werden folgen) verstetigt, d.h. als wünschenswerter Regelfall etabliert. Frauen werden die politische Repräsentanz in Staatsämtern und Parteien genau so dominieren wie z.B. den Bildungsbereich.

      Was die Juso-Tante betrifft. Das ist Erregung von Aufmerksamkeit durch Provokation und als solche geplant und nicht als feministische Realforderung. Hat Ähnlichkeiten mit der Forderung nach feministischen Pornos. Der SPD wird das kaum schaden.

      • „Die Wahl von AKK ist insofern ein Dammbruch, weil sich dadurch die weibliche Vorherrschaft in der CDU (andere Parteien werden folgen) verstetigt, d.h. als wünschenswerter Regelfall etabliert.“

        Das könnte sein, ist aber noch nicht logisch zwingend. Sorge bereitet mir hier eher das Verfahren bei der Besetzung des Ministerpostens im Ministerium für Justiz. Oppermann ist qualifizierter (Prädikatsexamen, Parxiserfahrung) und bei CDU/SPD „beliebter“. Aber er ist ein Mann. Es gibt eine Gegenkandidatin (Högl), die bei der CDU aber eher unbeliebt ist und auch aus SPD-sicht eigentlich die zweite Wahl sein sollte. Aber: Sie ist eine Frau.

        Wenn die SPD nicht plötzlich noch eine dritte Kandidatur aus dem Hut zaubert und es hier zu einer Entscheidung zwischen den beiden kommt, wird man hier wunderbar sehen können, wie die Prioritäten der SPD sind.

        Siehe auch: https://www.n-tv.de/politik/politik_person_der_woche/Die-neue-Justizministerin-article20766209.html

      • Mein Eindruck ist durchaus, dass „Sabrina“ das als realforderung ernst meint und sich nicht mal klar ist, wie wenig durchsetzbar, weil nicht vermittelbar das ist.

        Dass dies in der Kontinuität all dessen steht, was die Partei in den letzten Jahren über die Hälfte ihrer Wählerschaft gekostet hat, belegt und unterstreicht, wie viel so was der Partei weiterhin schadet.

  • Aua. Das ist schimm. Es ist auch alles so wahnsinnig, oder wie @LS schreibt „verrückt“.

    Ist das mit den „späten Abtreibungen“ etwas anderes als ein Abfeiern symbolischer Tötung, die hier legalisiert wird? Eine reine Symbolpolitik als Autodafé.

    Das ist abartig sadistisch und böswillig.

  • Ich bemerke gerade, dass das hier ein „Fall Sabrina“ zu werden scheint.

    Ihr vollständiger Name ist ziemlich leicht zu ermitteln, auch wenn ich ihn hier auch nicht nennen werde. Google liefert bei Suche nach ihrem Namen mit Jusos oder SPD viele Fundstellen, aber fast alle Fundstellen bei Jusos und SPD selbst führen auf gelöschte Inhalte.

    Ein solches großflächiges Löschen übertrifft mMn die üblichen Maßnahmen, um sie Belegfrei als Opfer aufbauen zu können.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass „Sabrina“ grade ziemlich heftige Reaktionen erhält, die die untersten mir einfallenden Schubladen großzügig unterlaufen.
    (dass das auch für ihren Redebeitrag gilt – erst mal geschenkt. Der ist immerhin keine unmittelbare Bedrohung an lebende Menschen, nur eine mittelbare an noch nicht geborene)

    Daher denke ich, dass es wichtig ist, sich von tatsächlichen oder behaupteten Drohungen gegen sie oder andere Beteiligte deutlich zu distanzieren. Sowas ist Müll, lehne ich ab, ist durch nichts, was sie gesagt hat, zu rechtfertigen.

  • Oh man, da engagiere ich mich für die Rettung von Flüchtlingen aus dem Mittelmeer, habe den Kriegsdienst verweigert, schaue nach, dass es den beiden Obdachlosen bei uns im Viertel gut geht und dann kommt da so eine Frau an, die fordert, jedes Kind soll abgetrieben werden können (quasi bis kurz vor dem Einsetzen der ersten Wehen), weil die Schwangere es so will? Vielen Dank, Juso-Frau. So wirst Du verstanden und genauso hast Du es wahrscheinlich auch gemeint. Tut mir leid, egal ob ein ungeborenes Kind einen rechtlichen Schutz genießt oder nicht, aber das ist aus meiner Sicht Mord. Es lässt sich sehr darüber streiten, ab wann der Zellhaufen, der mal ein Kind wird, als Mensch zu betrachten ist. Aber diese Forderung geht absolut nicht. Vor allem wirft diese Position die Frage auf, welche Werte diese Frau vertritt und ob diese so überhaupt in unsere Gesellschaft hineinpasst?

  • Ich kann wieder beim SPON (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/abtreibung-der-neue-kampf-um-den-paragraf-218-kolumne-a-1243533.html#js-article-comments-box-pager) kommentieren, aber das war Ihnen dann doch wieder zu hart formuliert ;o):
    Humanismus, Demokratie, Moral und Feminismus,
    scheinen immer mehr nicht vereinbar zu sein…
    Das Video ist wirklich sehr aufschlußreich, auch über die nicht mehr vorhandene Akzeptanz andere Meinungen, gemeinhin auch als ein „Eckpfeiler“ der Demokratie beschrieben. Und da wundert es noch irgendjemand, wie so diese Partei bei den %-Werten gelandet ist? Wobei, anscheinend bewegt sich das gesamte politische Spektrum ja auf diesem Kurs…
    Dazu noch ein paar andere Gedanken (wenn nicht wie sonst üblich, die Zensokeule geschwungen wird): https://man-tau.com/2018/12/10/toxische-maennlichkeit-merkel-jusos-abtreibung/

    Vielleich probiert ein anderer sein Glück…

  • Ein Milieu „das privilegiert genug ist, sich selbst als Mitte zu definieren und abweichende Positionen als extrem abzutun – ganz unabhängig davon, wie verstiegen, antidemokratisch oder inhuman die eigenen Positionen auch immer sind.“

    Toll auf den Punkt gebracht. Das ist eine Struktur zahlreicher Gesellschaften heutzutage und ein wichtiger Grund für wütende Proteste und entsprechende Wahlentscheidungen.

  • Es ist die „progressive Ideologie“, die toxisch ist. Sie deklamiert eine Wahrheit, die wer sie nicht befolgt — Rübe ab (weil sonst Weltuntergang oder ewige Unterdrückung, so die Begründung).

    Also Frohe Weihn8ten, gerade deshalb 😉

    Ob A-Religiösität nicht in die Despotie führt, die Frage stellt sich angesichts der pseudoreligiösen progressiven Weltanschauung, die einen „postdemokratischen“ und totalitären Machtanspruch stellt…

  • Ein Fundstück: Lucas weist in dem Beitrag darauf hin, dass der Diskurs in den Mainstreammedien und den sozialen Medien anders verläuft. Daran musste ich denken, als ich gestern die Süddeutsche Zeitung online geöffnet habe.
    Das Beitragsbild zum Artikel „Kompromiss zum §219a.
    ‚Die SPD-Frauen können dem niemals zustimmen'“ auf der Startseite (https://ibb.co/6DXD7pX) zeigt Demonstrantinnen mit zwei großen Transparenten.
    Text des ersten Transparents: „Never again. No §218 & §219. Für körperliche Selbstbestimmung“
    Text des zweiten Transparents: „My body is not a democracy and you don’t get a vote!“
    In dem Beitrag selbst ist dieses Foto dann allerdings nicht mehr zu sehen. In dem Beitragstext geht es nur noch um §219a, und dass Aktivisten und Politiker ungerechterweise unter Druck gesetzt werden, weil sie Ärzten das Recht geben möchten, über die Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen zu informieren (https://www.sueddeutsche.de/politik/a-abtreibung-werbeverbot-1.4254912). Der Punkt, der viele Leute besorgt, ist aber doch eigentlich die Abschaffung von §218, der anscheinend Schwangerschaftsabbrüche auch im 9. Monat legalisieren würde (?).
    In dem Beitrag beklagt die Interviewte, die Kritiker der SPD und der Aktivisten würden die Debatte um §218 und §219 vermischen. Das von der SZ gewählte Beitragsbild (https://ibb.co/6DXD7pX) zeigt allerdings, wie auch schon das Video vom Parteitag der Jusos, dass diese Zielsetzung tatsächlich von Aktivisten verfolgt wird.

  • Herr Schoppe,

    Sie schreiben mir schon wieder aus dem Herzen:
    „Zugespitzt formuliert: Der Begriff „toxische Männlichkeit“ ist, so wie Ulrich ihn benutzt, faschistoides Dahergerede.“

    Danke!

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