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Der Spiegel-Skandal und die unaufgeklärte Aufklärung

geschrieben von: Lucas Schoppe

Der Spiegel-Skandal ist nicht nur ein Skandal eines unehrlichen Journalisten oder eines Magazins, sondern auch Symptom einer Politik, die sich darin eingerichtet hat, auf kritiklose Weise kritisch und auf unaufgeklärte Weise aufgeklärt zu sein.

 

Der deutsche Journalist und die amerikanischen Fremdenfeinde (und andere Legenden)

Deutsche, die streckten auf offener Straße den rechten Arm zum Hitler-gruß, wie früher. Ich bin alt, aber ich bekomme ja alles mit. Die Art, in der jetzt über Flüchtlinge geredet wird wie über Kriminelle oder Vieh, da werde ich hellhörig. Ich weiß auch, was Politiker im Bundestag nun wieder so sagen. „Lügenpresse“, „Volksverräter“, „Stolz auf die Wehrmacht“? Diese Leute wissen ja gar nicht, wovon sie reden, aber sie benutzen die gleichen Tricks. So fängt es an.

Diese Warnung formulierte vor wenigen Monaten die neunundneunzigjährige Traute Lafrentz, die letzte Überlebende der Weißen Rose, im Spiegel-Interview. Ein wesentliches Problem dieser eindrucksvollen Sätze ist, dass Lafrentz sie nie geäußert hat: Sie stammen aus einem gefeierten Interview, das Claas Relotius mit ihr führte, in dessen gedruckter Version er aber viele ihrer Äußerungen erfunden hat.

„Für besonders problematisch hält Stefan Niggemeier, dass Claas Relotius mit seinen Geschichten politisch erwünschte Klischees bedient hat.  Die Feststellung im Deutschlandfunk lässt sich schon hier leicht nachvollziehen. Wenn eine Knapp-Hundertjährige, die seit siebzig Jahren in den USA lebt, genau über Demonstrationen in Chemnitz informiert ist und passgenaue Statements für die deutsche Diskussion liefert, hätte durchaus einmal jemand stutzig werden können.

Passgenau war unter den über 50 Texten, die der Spiegel in den letzten Jahren von Relotius druckte, auch die Reportage über die amerikanische Kleinstadt Fergus Falls, die Relotius als Ort rückständiger, waffenverliebter, chauvinistischer Trump-Wähler präsentierte.

Relotius kam mit einer vorgefertigten Idee im Kopf hierher und fand diese Geschichte hier nicht vor,

erzählen nun im Interview zwei gar nicht reaktionäre Bewohner der Stadt, Michelle Anderson und Jake Krohn, die Relotius‘ Text in einem Blog-Artikel Stück für Stück auseinandernehmen.  Wenn von diesem Artikel auch nur ein substanzieller Teil stimmt, dann ist nicht verständlich, wie der Spiegel-Text durch irgendeine Faktenkontrolle oder Redaktion gekommen ist.

70,4 Prozent der Stimmberechtigten von Fergus Falls haben Trump gewählt. [Der City Administrator Andrew] Bremseth hat das Wahlergebnis in sein Büro gehängt wie einen Beweis. Über das Schild, das vor ein paar Tagen am Ortseingang gestanden hatte, „Mexicans Keep Out“, redet er nicht gern.

Diese Passage aus dem langen Relotius-Text, der mittlerweile auf Bitten der Bewohner von Fergus Falls nicht mehr zugänglich ist, passt zu deutschen Klischees über Trump-Wähler und zitiert unterschwellig einen beliebten Text des Deutschunterrichts: In Elisabeth Langässers „Saisonbeginn“ wird am Eingang eines Kurorts das Schild aufgestellt, dass Juden hier unerwünscht wären.

Vermutlich waren die Erfindungen des Spiegel-Journalisten eben auch deshalb für viele glaubwürdig, weil sie vertraute Klischees bestätigten.

Andrew Bremseth beispielsweise wäre angeblich noch nie mit einer Frau zusammen gewesen, hätte noch nie einen Ozean gesehen, aber Angst vor Hilary Clinton gehabt, die Menschen wie ihm die Waffen abnehmen wollte.

Im Café würden sich regelmäßig alte Männer treffen, die fänden, dass der Rock von Melanie Trump gern etwas kürzer sein könnte.

Im Kino laufe immer noch in Dauerschleife der einige Jahre alte Film „American Sniper“ vor vollbesetztem Haus, und wenn am Anfang der amerikanische Scharfschütze  eine muslimische Frau erschieße, die sich als Attentäterin entpuppe, klatsche das Publikum.

Als alle Klassen der Schule Vorbilder für den amerikanischen Traum gemalt hätten, wäre oft Donald Trump, mancher andere Mann, aber keine einzige Frau gemalt worden.

Fast alles davon wird von Anderson und Krohn der glatten Lüge überführt, und ob der Rest zumindest teilweise stimmt, ist fraglich. Eine Versammlung alter lüsterner Männer – ein Mann, dem eine starke Frau unterschwellige Kastrationsängste macht – eine Akzeptanz männlicher Gewalt gegen Frauen – eine fehlende Repräsentanz von Frauen im öffentlichen Leben: Relotius bespielt, neben vielen anderen, eben auch Geschlechterklischees.

Nur sind es Klischees, die eine linksliberale Öffentlichkeit gar nicht als Klischees wahrnimmt, sondern als brauchbare Instrumente zur Analyse der Gesellschaft. Noch in Reaktionen auf den Relotius-Skandal werden sie unerschüttert weiter verbreitet. Die Autorin, Bloggerin und Konstanzer Stadträtin Christine Finke schreibt zum Beispiel, dass eine Frau niemals so weit hätte kommen können, beständig hinterfragt worden wäre und keine Preise gewonnen hätte.

Das zeigt vor allem, wie stabil sich Klischees auch in einer Wirklichkeit halten können, der sie nicht entsprechen können. Hätte Finke nur ein paar Sekunden lang gegoogelt, hätte sie erfolgreiche Betrügerinnen gleich reihenweise finden können. Unter anderem Elizabeth Holmes, die gerade in sehr viel größerem Maßstab betrogen hat als Relotius – oder die Journalistin Janet Cooke, die bereits zu Beginn der Achtziger Jahre mit einer gefälschten Geschichte über einen achtjährigen Heroinsüchtigen einen großen Polizeieinsatz auslöste und den Pulitzer-Preis gewann.

 

Wozu brauchen wir eigentlich diese Realität? (Oder kann die weg?)

Ich selbst habe schon vor mehr als 20 Jahren mit dem Spiegel eine ernüchternde Erfahrung gemacht. Damals war jemand, den ich sehr gut kenne, vom Spiegel interviewt worden, wurde dann auch in einem Artikel zitiert und mit Foto vorgestellt – und erlebte, dass seine Äußerungen völlig verändert worden waren. Anders als Relotius hatte der Journalist sich Zitate nicht einfach ausgedacht, sie aber so aus ihrem Kontext genommen und so bruchstückhaft wiedergegeben, dass sich ihr Sinn oft glatt ins Gegenteil veränderte.

Der Journalist hatte offensichtlich schon vor dem Gespräch ein klares Bild seiner Geschichte im Kopf gehabt. Aus dem Interview suchte er sich dann ein paar wenige Sätze heraus, die dazu passten, und ließ den großen Rest weg, der seinem Bild widersprochen hätte.

Besonders beunruhigend war für mich, dass der Artikel, wenn ich seine Entstehungsgeschichte nicht gekannt hätte, auf mich bei seiner Lektüre wie ein kritischer, seriöser Text gewirkt hätte, wie ein Beitrag zur Aufklärung.

Das war also zu einer Zeit, als Relotius noch zur Schule ging. Heute zeigt schon die offenbar fehlende Faktenkontrolle seiner Texte, dass Der Spiegel ein größeres Problem hat als nur diesen einen Einzelfall. Wie lässt sich das erklären?

Der Schweizer Pädagoge und Entwicklungspsychologe Jean Piaget unterscheidet die beiden wichtigen Begriffe Assimilation und Akkomodation. Nach Piaget nehmen wir die Wirklichkeit nicht ungefiltert wahr, sondern haben bei ihrer Wahrnehmung immer schon Muster – Schemata – im Kopf, mit denen wir diese Wahrnehmung und unserer Agieren in der Welt ordnen.

Wenn wir nun etwas Neues erleben, das diesen Schemata widerspricht, müssen wir deshalb nicht das ganze Muster umbauen – wir können das Neue auch so interpretieren, dass es zum Schema passt, assimiliert werden kann. Wir können es zum Beispiel als Ausnahme und Zufall wahrnehmen, oder als Täuschung.

Wenn aber Schema und Erfahrung so weit auseinanderklaffen, dass keine Assimilation mehr möglich ist, dann müssen wir akkomodieren und unser Schema umbauen.

Ein Gedankenexperiment dazu als Beispiel: Eine Gruppe von Siedlern ist über einen großen Ozean gefahren und hat sich in einer neuen Welt niedergelassen, deren Pflanzen und Tiere den Siedlern fremd und irgendwie unheimlich sind. Sie gehen davon aus, dass hier vermutlich alles giftig und unbekömmlich ist. So unterhalten sie einen regelmäßigen Handelsaustausch mit ihrem Herkunftsland, von wo sie sich mit den vertrauten Lebensmitteln beliefern lassen.

Wenn nun etwas geschieht, was dem Schema widerspricht, können sie zunächst assimilieren. Wenn etwa jemand eine der Früchte des neuen Landes isst, ohne dass sie ihm schadet, kann das als Glück einer besonderen Konstitution erklärt werden, oder damit, dass die Dosis noch zu klein gewesen wäre – eine regelmäßiger Verzehr würde aber wohl trotzdem gefährlich sein.

Würde aber die Versorgung vom Herkunftsland zuammenbrechen, etwa durch Kriege oder Hungersnöte, dann müssten die Siedler akkomodieren. Sie müssten die schützende Annahme aufgeben, Tiere und Pflanzen des Landes wären giftig, könnten sie aber auch nicht einfach komplett fallenlassen, sondern müssten sich mit der neuen Welt auseinandersetzen und herausfinden, welche Pflanzen und Tiere ohne Gefahr verzehrt werden können.

Das wesentliche Problem des Spiegel ist wohl, dass er sich an ein Milieu richtet, das solch eine Auseinandersetzung gar nicht nötig hat. Diese bürgerliche linksliberale Zielgruppe des Spiegel ist eben das Milieu, zu dem auch ich selbst gehöre und von Kindheit an gehörte. Es ist ein Milieu, dem die Versorgung niemals so zusammenbricht wie den Siedlern im Gedankenspiel.

 

Die unaufgeklärte Aufklärung (und andere Accessoires der moralischen Inneneinrichtung)

Der Spiegel war die Zeitung meiner Kindheit – das, was Erwachsene lasen, um wirklich kritisch und verlässlich informiert zu sein. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich es zum ersten Mal geschafft hatte, einen Artikel des Spiegel von Anfang bis Ende zu lesen.

Wenn ich nicht ganz danebenliege, gehört unserem linksliberalen Milieu die Überzeugung, eine kritische Sicht auf die Welt zu haben und irgendwie immer schon gut zu verstehen, was gut ist und was schlecht ist und wo die Ursachen des Schlechten liegen – und jetzt nur noch den Rest der Gesellschaft davon überzeugen zu müssen.

Der ökonomische Grund dieser Selbstsicherheit gerät allerdings selten in den Blick: Eine wirtschaftliche Sicherheit, mit der es überhaupt nicht mehr nötig ist, die eigenen Überzeugungen mit Distanz zu überprüfen und sich mit einer unvertrauten Realität auseinanderzusetzen. Das ist wohl einer der Gründe, warum andere den moralisch gut abgefederten Positionen eines rot-grünen Milieus mit heftigen Aggressionen begegnen, die dann als „Hass“ erklärt werden, weil sie scheinbar nicht nachvollziehbar sind: In diesen moralischen Überzeugungen drücken sich ökonomische Spaltungen aus, die von denen, die oben sind, gar nicht wahrgenommen werden müssen.

Ein Manifest dieses Milieus ist, wenn ich mich nicht täusche, die gefeierte Schrift „Gegen den Hass“ der Friedenspreisträgerin Carolin Emcke. Ich muss allerdings gestehen, dass ich seine Lektüre bald abgebrochen habe, weil ich Emkes durchgehendes Operieren mit schroffen Freund-Feind-Strukturen (DIE ANDEREN stehen für den Hass – WIR stehen für die offene Gesellschaft) ebenso anmaßend wie albern fand.

Wer wirklich für die offene Gesellschaft eintreten möchte, sollte sich lieber in Dewey einlesen, oder auch in Karl Raimund Poppers Klassiker „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. Popper argumentiert zwar auch ungenau, und er tut Platon und Hegel unrecht – aber selbst aus Poppers Fehlern lässt sich mehr lernen als aus den salbungsvollen Aggressionen Emckes.

Zum Beispiel, dass auch unsere Positionen, ebenso wie die aller anderen, mit Distanz betrachtet und kritisiert werden müssen, weil sie möglicherweise der Realität nicht gerecht werden oder inhumane Konsequenzen haben. Wir nehmen in einem linksliberalen Milieu unsere eigenen Klischees (dass Männer Frauen beherrschen, dass Weiße die Welt unterdrücken, dass Menschen, die anders denken als wir, entweder bösartig oder uninformiert oder beides sind, dass Trump anders als der noble Obama eine Katastrophe als Präsident ist…) nämlich gar nicht als Klischees wahr, sondern als Mittel der Kritik – und wir kommen deshalb nicht auf die Idee, sie zu kritisieren.

Auch jemand, der sich – wie ich – einen anderen Präsidenten als Trump wünscht, müsste eigentlich merken, dass diese Spiegel-Titel simpel und klischeehaft sind.

Kurz: Wir haben uns darin eingerichtet, kritiklos kritisch und auf unaufgeklärte Weise aufgeklärt zu sein, und Relotius liefert souverän und gekonnt neue, aber immer schon vertraute und passende Möbelstücke für diese Inneneinrichtung. Die amerikanischen Hinterwäldler sind natürlich stumpfe chauvinistische zurückgebliebene Waffennarren, und unmerklich können wir uns bei der Lektüre dann als verfeinerte weltoffene progressive friedliche Menschen wahrnehmen. Warum sollten wir solche angenehmen Selbstbestätigungen zurückweisen?

Relotius hat also nicht den Kontakt zur Realität verloren, ganz im Gegenteil: Er verhält sich in hohem Maße realitätsgerecht und wählt dabei eben nur aus, welche Aspekte der Realität wichtig sind und welche nicht. Er bedient genau und gekonnt reale Erwartungen, wird zum gefeierten Journalisten und gewinnt einen Preis nach dem anderen. Dass seine Geschichten so erfolgreich sind, obwohl sie zu guten Teilen bloß seiner Fantasie entspringen, zeigt eben auch: Er spricht Menschen an, die – wie die oben zitierte Christine Finke – das eigene Vorstellungsvermögen jederzeit für ein gültiges Instrument zur Auseinandersetzung mit sozialen Wirklichkeiten halten.

Der Sound seiner Texte, der sich ganz ähnlich auch bei Emcke findet, ist getragen von einer beständigen leisen Melancholie, und durchgehend verbindet sich darin die ganz persönliche Perspektive mit allgemeingültigen Aussagen über die Welt. Seltsamerweise ist auch der Text Ulrich Fichtners, der den Skandal offenlegt, Relotius gleichsam öffentlich hinrichtet und die Mitschuld von Spiegel-Verantwortlichen wie Fichtner selbst im Undeutlichen belässt, in eben einem solchen Stil geschrieben.

Die unüberschaubaren Strukturen moderner Gesellschaften lassen sich so zu Geschichten verdichten, die Anfang, Mitte und Ende haben und die einen leicht fasslichen Sinn ergeben. Natürlich endet dann zum Beispiel ein Mann, der noch nie Erfahrungen mit einer Frau gemacht hat, in der Ablehnung einer weiblichen Präsidentin, die ihm die Waffe nehmen und ihn damit gleichsam kastrieren möchte.

Dass diese Geschichten den banalen Tatsachen nicht entsprechen, lässt sich dann ertragen, weil sie gleichsam eine wichtigere Wahrheit ausdrücken, die Relotius und seiner Leserschaft irgendwie immer schon vertraut ist.

Diese „gefährliche Kultur des Geschichtenerzählens“ (Stefan Niggemeier)  wurzelt in Überzeugung der literarischen Romantik, nach der die Welt sich in der Perspektive der Einzelnen so wahr und ganz zeigen kann, wie sich die Sonne ganz in einem Wassertropfen spiegelt (so Jean Paul, ein Romantiker mit Distanz zur Romantik). Diese Überzeugung hat grandiose literarische Texte ermöglicht, aber im politischen Diskurs ist sie offensichtlich katastrophal.

Denn im demokratischen Diskurs ist es ja eben gerade wichtig einzuräumen, dass die einzelne Perspektive immer und notwendig begrenzt ist, dass es überhaupt keinen vollständigen Blick auf die Welt gibt, und dass wir unsere eigenen Perspektiven nur dann erweitern können, wenn wir uns mit den Perspektiven anderer und mit einer gemeinsamen Welt auseinandersetzen.

Wenn dieser gemeinsamen Diskurs nicht, oder nicht mehr, möglich ist, dann entwickeln sich abgeschottete Strukturen, in denen Akteure sich jeweils gegenseitig der absoluten Richtigkeit ihrer Meinungen versichern und in denen Meinungen anderer nur noch als Hass oder Dummheit erscheinen können.

Wir brauchen für einen solchen gemeinsamen Diskurs aber Institutionen, die über bestimmte, begrenzte Milieus hinaus allgemein vertrauenswürdig sind. Der Spiegel hat eine solche Funktion lange erfüllen können. Juan Moreno, der diesen Skandal aufgedeckt hat, zeigt, dass die Integrität dort nicht völlig verloren gegangen ist.

Nicht die Texte von Relotius aber sind nun das Problem des Spiegel, sondern die Strukturen, die dessen Unwahrheiten möglich machten. Die wiederum sind nicht nur ein Problem des Spiegel.

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42 Comments

  • Um Journalismus nach dem Presse-Kodex zu betreiben, brauch man Zeit! Zeit sich zu bilden,Zeit das Erfahrene zu verarbeiten,Zeit um Formulierungen zu finden, die der Komplexbilität des Geschehenen gerecht werden! Was den meisten Journalisten, wie auch dem Autor Moreno,der Relotius zu Fall brachte, zu der Geschichte einfällt bzw. woran sie die Fälschungen ihrer Meinung nach hätten erkennen müssen manifestiert sich wohl in der einfachen journalistischen Wahrheit: „Die Welt ist nicht schwarz oder weiß,sie ist immer grau!“ Relotius Geschichten waren aber immer zu schillernd,immer zu eindeutig für das „Gute“! In all ihren Details….
    Zeit hat nun keiner mehr, weil die Generation Internet immer nach neuen Conten schreit! Höher,schneller,weiter…In der Aufmerksamkeitsökonomie kommt es darauf an, möglichst der erste zu sein, der etwas Neues verkündet,denn der hat statistisch gesehen die höchsten Chanchen Klickzahlen zu generieren!Die einzig messbare Einheit! Das mag auf den Spiegel auf den ersten Blick nicht zu zutreffen, denn die meisten verstehen unter ihm „das“ Printmagazin, dass genug Zeit bzw. Geld hat, für seine Storys zu recherchieren, bloß diese Arbeitsweise, mit den Puplikationen möglichst schnell an die Öffentlichkeit zu gehen, hat sich schon von den Online-Redaktionen in die Printredaktionen übertragen! Was wesentlich mit einem zweiten massiven Problem, das die heutigen journalistischen Strukturen haben,zu tun hat und dass ist das Geld. Im ökonomischen Sinne haben sich die Strukturen durch das Internet diversifiziert! Dh. sie sind größer und wesentlich komplexer geworden! Es gibt nicht mehr die vier oder fünf großen Anbieter auf einem Themengebiet, die ihr Resort dominieren. Durch die Bloggossphere, durch Youtubestars und Facebookgruppen gibt es zu allen politischen oder gesellschaftlichen Fragen auch eine wesentlich größere Menge Angebote.Im Internet sind die meisten Angebote für die Nutzer kostenlos. Viele Angebote werden von den jeweilgen Protagonisten nur aus Spaß an der Freud gemacht und durch die Leidenschaft, die einige dieser Protagonisten haben, wirkt es für die Zuschauer/Leser auch wesentlich authentischer und ist auch oft genug besser recherchiert, als dass was die „Big Player“noch auf dem Medienmarkt anbieten können! Dass Problem daran ist, dass sich von der Rezipientenseite,also der Zuschauer-./Lesernseite her eine Umsonstkultur entwickelt hat. Die Leute erwarten also Medienerzeugnisse auf höchsten Niveau, egal von wem… Sie erwarten gut strukturierten Fakten und Formulierung, damit sie diesen Erzeugnissen das Vertrauen aussprechen und dann mit Spenden,Klickzahlen oder Kauf belohnen. Und da sind wir wieder bei dem Zeit/Geld Problem! Komplexes Wissen,“Wahrheiten“ so zu strukturieren kostest immer massives Vorwissen,also Spezialisierung im journalisischen Bereich ergo Zeit und damit vor allem Geld! Geld haben aber weder die Big Player heutzutage noch wirklich und auch die kleinen Youtubestars oder Blogbetreiber nicht wirklich! So nimmt dass Niveau der „BigPlayer“ stetig ab und die kleinen „Blogbetreiber“ versuchen Gelder auf anderen,unkonventionelle Weise zu akquirieren (Crowdfounding,Spenden,GoogleAddSense usw.). Am Ende hast du Recht Lucas, Typen wie dieser Claas Reletius bedienen einfach nur den Markt!Er hat gelogen und das konnte er gut! Dadurch ist er so groß geworden!Er ist Realist: Ihm gibt keiner das Geld mal eben zwei Jahre für eine Story zu recherchieren, deswegen erfindet er die Storys einfach gleich selbst! Er wäre sicher ein guter Romanautor geworden! Ich finde es auch interessant, wie er sich aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Er sagt über sich selbst er sei krank! Auch wieder ein äußerst kluger PR-Schachzug! Ich bin mir sicher, dass er, nachdem er seine „Krankheit“ überwunden hat, wieder in Erscheinung treten wird, bloß diesmal als Autor von offen fiktionalen Werken und die werden erfolgreich sein! Die Geschichte uhm ihn und seine Betrügereien sagt mehr über die journalistischen Strukturen, als über ihn selbst!

    • @ Stephan K. Relotius hatte allerdings für seine Recherchen in Fergus Falls nach allem, was ich weiß, einige Wochen Zeit. Das reicht wohl nicht aus, um Recherchen für eine große ethnographische Arbeit zu betreiben, aber für einen Artikel hätte es reichen müssen.

      Nach allem Anschein ist er nicht daran gescheitert, dass er zu wenig Zeit hatte – sondern daran, dass er (so wie das einer der Rechercheure aus Fergus Falls schon sagt) einfach nicht die Erwartungen bestätigt fand, die er an eine Trump-wählende hinterwäldlerische US-Kleinstadt hatte.

      Was die neue Konkurrenz des Umsonst-Angebots im Netz angeht, ist es sicher eine Belastung für Journalisten, hier mit Leuten konkurrieren zu müssen, die eigentlich andere Berufe haben, die unter keinem kommerziellen Druck stehen und die sich auch nicht um Anzeigenkunden scheren müssen.

      Dies bedeutet auch: Eine ganze Reihe von Bloggern, insbesondere auch bei Naturwissenschaftlern, hat mit einem bestimmten Themengebiet eine professionelle Erfahrung, ein Wissen und damit eine Kompetenz, mit denen hauptberufliche Journalisten schlicht nicht mithalten können.

      Ich habe in vielen gerühmten Publikationen, auch beim SPIEGEL und der ZEIT, die Erfahrung gemacht: Wenn ich dort einen Text zu einem Thema lese, mit dem ich mich aufgrund meiner Ausbildung, meines Berufs oder langer Auseinandersetzung auskenne, dann komme ich immer wieder aus der Verwunderung kaum heraus. Auch die, ähem, Qualitätspresse ist oft unglaublich oberflächlich oder falsch informiert.

      Wie sollen Journalisten es da rechtfertigen, für ihr Angebot auch noch Geld zu verlangen, anders als Blogger, die ihre Texte frei zugänglich machen?

      Ich sehe da erst einmal zwei Möglichkeiten.

      Sie müssten zeigen, dass ihr Angebot dem der Blogger einiges voraus hat. Ich könnte es mir z.B. kaum leisten, mal eben vier Wochen in eine amerikanische Kleinstadt zu fahren, einfach um darüber einen Text zu schreiben – und wer könnte das schon? Wenn ein Journalist solche Möglichkeiten geboten bekommt, dann muss er sie auch nutzen.

      Zweitens bedienen Blogs und Foren, selbst die großen wie Telepolis, in der Regel ein bestimmtes Segment – politisch wie kulturell. Die großen Magazine und Zeitschriften haben, NOCH, die Chance, über die verschiedenen Gruppen hinweg ein allgemeines Forum anzubieten, in dem sich viele verschiedene Richtungen treffen können.

      Nur ist es natürlich fatal, wenn sie dann politisch einseitig und voreingenommen agieren, anstatt auch Akteure aus ganz unterschiedlichen Richtungen zu Wort kommen zu lassen. Und: Solch eine Kolumne wie (zum Beispiel) die von Stokowski, die in ihren wöchentlich wiederholten Geschlechterressentiments permanent mit dem Holzhammer argumentiert, ist wie ein Warnschild an große Gruppen der Gesellschaft. Ihr seid hier unerwünscht.

      Mein Eindruck ist, dass der etablierte Journalismus das Netz noch immer nicht ernsthaft als Konkurrenz begreift, sich deshalb auch keine Gedanken über die eigene Positionierung macht, sondern sich statt dessen darauf verlässt, Ressentiments gegen die angeblich so unseriösen Beiträge im Netz zu ventilieren. Da ist der Niedergang dann hochverdient.

      • Nach allem Anschein ist er nicht daran gescheitert, dass er zu wenig Zeit hatte – sondern daran, dass er (so wie das einer der Rechercheure aus Fergus Falls schon sagt) einfach nicht die Erwartungen bestätigt fand, die er an eine Trump-wählende hinterwäldlerische US-Kleinstadt hatte.

        @ L.S

        Und hier stellt sich die Frage, wer denn tatsächlich die bornierten Hinterwäldler sind: Die Leute aus Fergus Falls oder der hardcore-Spiegelleser, der sich nur seine Klischees und Vorurteile bestätigen lassen will.
        Was mich an diesen Zerrbildern, wie sie vom Spiegel gezeichnet werden schon immer störte, ist die intellektuelle Anspruchslosigkeit, die missliebige politische Ansichten einfach mit einem „ach was sind diese Leute doch dumm“ erklärt.
        Im Artikel, in dem Fergus Falls sozusagen rehabilitiert wurde, begegnete mir im Spiegel erstmals ein Trump-Wähler, der nicht als hinterwäldlerischer rassistischer Dummbeutel dargestellt wurde. Selbst wenn man Trump nicht mag und die Republikaner ebenso ist es doch alleweil interessanter zu ergründen, warum die Menschen Trump gewählt haben. Diese Leute einfach als rassistische und sexistische, leicht zurückgebliebene Waffennarren zu zeichnen ist, naja, völlig anspruchslos.

    • @uepsilonniks

      Es ist eigentlich noch komplexer.
      Wie Lucas schon anführte, ist es für die Postmodernisten ganz erstaunlich, dass man in dem Begriff „Haus“ gar nicht wohnen kann.
      Wenn du dir jetzt ein „Haus“ vorstellst, das materiell nicht existiert, dann lieferte „Relotius (… ) souverän und gekonnt neue, aber immer schon vertraute und passende Möbelstücke für diese Inneneinrichtung.“

      Stell dir einfach ein nicht existierendes Haus vor, mit einer nicht existierenden Inneneinrichtung.
      Stell dir einfach vor, wir diskutieren über die Inneneinrichtung eines Hauses, das nicht existiert. 😉

  • Relotius hätte seine Artikel ja genauso schreiben können. ohne zu lügen. Er hätte etwas länger suchen müssen um das GENAU passende Dorf zu finden, das GENAU passende Kind. Er hätte sich die Mühe machen müssen, den Leuten die gewünschten Anworten per Suggestiv-Fragen zu entlocken. Dann wäre alles OK geblieben. Aber dafür war er ein bisschen zu faul und schlampig. Jetzt müssen andere ran. Aber es ist schade, denn er ist ein guter Mann, der weiss was man von ihm will, ohne dass man es erklären muss. Er wäre besser als Chefredaktuer gewesen als als Redakteur.

    • Relotius hätte seine Artikel ja genauso schreiben können. ohne zu lügen. Er hätte etwas länger suchen müssen um das GENAU passende Dorf zu finden, das GENAU passende Kind.

      Witzig, dass Du das so sagst. Das ist genau das, was ich von den Spiegel-Geschichten schon lange gedacht habe und mich fragte: Wo treiben die bloss immer die Leute auf, die so perfekt die Klischees des Zielpublikums bedienen? Dass die ganze Chose frei erfunden ist, das kam mir nicht in den Sinn.

  • Tolle Analyse. Danke.

    Habe den erfundenen Spiegel-Artikel ‚Jaegers Grenze‘ noch im Kopf. Der beginnt so:
    „Die Honduranerin Aleyda marschiert mit ihrer Tochter Alice, 5, im grossen Treck durch Mexiko, um in die USA zu fliehen. Der Amerikaner Jaeger wartet mit bewaffneten Bürgern in Arizona, um das zu verhindern. Für beide gibt es kein Zurück.“

    Schon im Lead ist alles da, was die linksliberale Klientel hören will: Frau und Kind als schutzlose Flüchtlinge, der böse gewalttätige männliche Amerikaner mit Waffe, die Grenze, Trumps Projekt.

    Perfide erlogen und erfunden. Aber perfekt die Klischees und Erwartungen der Leserschaft und der Verleger bedient.

    • @ Klaus K. Die Gegenüberstellung könnte durchaus sinnvoll sein, wenn nur nicht immer schon vorher klar wäre, wer die Guten und wer die Bösen sind.

      Wenn ich die Arbeitsteilung der beiden richtig verstanden habe, stammen übrigens die Teile, die über die Flüchtlinge berichten, von Juan Moreno, der – offenbar seinen Job dabei riskierend – als Erster Lügen von Relotius aufgedeckt hat. Er hatte nach eigener Auskunft auch Angst davor, dass diese Lügen auf ihn als Mitautoren zurückfallen.

      Eben das ist für andere Journalisten ein bitterer Aspekt dieser Geschichte.

      Erst war Relotius eine Konkurrenz für sie, hat sich mit ausgedachten Textpassagen Vorteile verschafft in der Konkurrenz um Aufträge (eine große Reportage im SPIEGEL muss für deutsche Journalisten ein Sahnestück sein) und Preise.

      Jetzt leidet die journalistische Reputation allgemein unter seinen Lügen.

      Journalisten kommen m.E. nun nicht darum herum, offen zu klären, wie solche Geschichten möglich waren und sind, welche Strukturen in der deutschsprachigen Presse Relotius‘ Erfolg ermöglicht haben – anstatt einfach nur beleidigt zu sein, dass die Geschichte den „Lügenpresse“-Vorwürfen natürlich Nahrung gibt.

      • Moreno hat ja in seinen Aussagen recht deutlich gemacht, dass ihm vom Spiegel erst nicht geglaubt worden ist. Es stand Aussage gegen Aussage (Moreno vs Relotius), und da haben seine Spiegelvorgesetzen klar Stellung bezogen, wer ihren Rückhalt hat.

        Das erinnert mich grad an die täglichen metoo-Debatten, da ist jeweils auch klar, wer recht haben müsse und wer lügen würde.

  • Zum Twitter Kommentar von dieser Christine Finke: Ein Durch-und-Durch-Feminist (Relotius) wird also von einer Feministin mit feministischen Vorurteilen kritisiert. Einige Feministinnen wettern wohl auch dann noch gegen Männer, wenn diese eine eindeutig feministsche Weltanschaung besitzen. Wow, das ist einfach…echt krank.

    Das sollte man mal allen Männern unter die Nase reiben, die sich selbst „stolz“ als Feministen bezeichnen.

    • @Daniel_: Interessehalber eine Frage. Ich habe nie bewusst etwas von Relotius gelesen: Könntest Du evtl. einige Texte nennen, in denen er besonders explizit feministische Positionen vertritt? Geht das so in die Richtung von Julian Dörr von der SZ, oder steht das eher zwischen den Zeilen?

      • Ich hab mich nur auf den Textabschitt vom Artikel bezogen, in dem von den Geschlechterklischees geschrieben wird, die Relotius bedient haben soll:

        „Als alle Klassen der Schule Vorbilder für den amerikanischen Traum gemalt hätten, wäre oft Donald Trump, mancher andere Mann, aber keine einzige Frau gemalt worden.

        Eine Versammlung alter lüsterner Männer – ein Mann, dem eine starke Frau unterschwellige Kastrationsängste macht – eine Akzeptanz männlicher Gewalt gegen Frauen – eine fehlende Repräsentanz von Frauen im öffentlichen Leben: Relotius bespielt, neben vielen anderen, eben auch Geschlechterklischees.“

        Wie würdest du denn einen Journalisten nennen, der ein Interesse daran hat Männer in einem schlechten Licht da stehen zu lassen? Für mich ist die Sache da klar.

  • Der beste Text, den ich zur Causa Relotius bisher gelesen habe. Danke!

    Was ich derzeit am befremdlichsten finde, sind all die Stimmen, die die heute übliche Geschichtenerzählerei plötzlich als Ursache des Problems entdeckt haben. Mir scheint, dass hier Vertreter einer Branche, die mit Wonne in die gleiche Richtung marschiert ist, jetzt bittere Krokodilstränen vergießen.

    Mir haben sich schon immer die Fußnägel hochgerollt, wenn Journalisten allen Ernstes stolz darauf waren, tolle „Geschichten“ zu erzählen. „Geschichtenerzähler“ verbinde ich persönlich eher mit Märchen.

    Relotius hat es wohl auch so gesehen.

  • Der Spiegel ist mittlerweile das bevorzugte Magazin für die Denkfaulen. Da ist nie irgendwas, was die eigenen Anschauungen und Überzeugungen herausfordert. Alles ist fein säuberlich in Schubladen sortiert und eingeordnet. Alles passt haargenau.

    Ich glaube nicht, dass sich viel ändern wird beim Spiegel. In Zukunft wird etwas genauer hingeschaut bei den Reportagen, aber die eindimensionale Sicht auf die Dinge wird bleiben. Das Problem des Spiegel liegt tiefer. Manche Dinge wollen sie nicht wahrnehmen und blenden sie aus.

    Ein Paradebeispiel für diese Ignoranz ist der jährlich wiederkehrende „Global Gender Gap Report“, so wie er am „worl economic forum“ mit grossem TamTam jeweils vorgestellt wird. Wer sich 10 Minuten Zeit nimmt und prüft, wie dieser Report seine Rangliste erstellt, der kommt unweigerlich zum Schluss, dass der ganze Schmarren plumpe Propaganda ist und nichts weiter. Werden die Spiegelinskis das jemals zur Kenntnis nehmen oder weiterhin den Quatsch publizieren, weil es ihnen politisch opportun erscheint? Oder werden sie sagen, was ist? Das ist für mich ein Gradmesser, ob sich der Spiegel tatsächlich verbessern will. Ich glaube nicht daran.

  • „das Problem des Spiegel [sind] die Strukturen, die dessen Unwahrheiten möglich machten“

    Ich habe früher oft den Spiegel gelesen, war aber irgendwann von dessen Schreibstil so genervt, daß ich ihn komplett als Informationsquelle komplett entsorgt habe. Mit Schreibstil meine ich hier die häufige Verdachtsberichterstattung, daß alles zu einer Sensation aufgebauscht wird, daß nach meiner Erinnerung ständig in einem schnodderigen Ton unheilvolle Andeutungen gemacht werden, die aber letztlich nicht belegt werden können. Dieser damals für den Spiegel typische Schreibstil (ich weiß nicht, ob der Eindruck heute noch zutrifft) hinterließ bei mir immer häufiger den Eindruck, nach der Lektüre eigentlich nichts Sicheres zu wissen, sondern eher die Gerüchteküche besucht zu haben, und den Eindruck, daß ein unbekannter Anteil der „Informationen“ schlicht falsch ist.

    • @ mitm, Pjotr Ich weiß selbst nicht genau, wie ich den deutlichen Eindruck eines massiven Qualitätsverlusts beim SPIEGEL in den letzten 20 Jahren erklären kann.

      Es ist ja immerhin auch möglich, dass dieser Eindruck auf meiner eigenen Wahrnehmung beruht, dass sich meine Ansprüche geändert haben. Die herablassende Arroganz des SPIEGEL-Stils jedenfalls wurde schon seit Ewigkeiten beklagt, sie ist regelrecht eine Signatur des Magazins. Nur hatte ich früher halt den Eindruck, dass eine Substanz da ist, die diese Arroganz irgendwie beglaubigt. Den habe ich schon längst nicht mehr.

      Eine Erklärung: Es gibt heute bessere Möglichkeiten als früher, sich parallel zu informieren, SPIEGEL-Geschichten zu überprüfen. Dafür kann das Magazin ja nichts, es hat allerdings auch nicht darauf reagiert.

      Tatsächlich habe ich ganz lange schon keinen Artikel mehr dort gelesen, von dem ich wirklich etwas Neues erfahren hätte. Es gibt auch kaum einmal Texte, die wirklich toll geschrieben sind. Ich verlinke SPIEGEL-Texte meist nicht deshalb, weil ich sie für brillant halte – sondern weil ich davon ausgehe, dass sie allgemeine Referenztexte für viele sind.

      Ganz besonders schlimm: Anstatt sich zu öffnen, scheinen etablierte Journalisten sich in Wagenburgen zurückzuziehen: WIR gegen die da draußen. Der SPIEGEL-Korrespondent Hasnain Kazim beispielweise empört sich über „Hassmails“, über „Verleumdungen, Sippenhaft, ‚Lügenpresse‘-Geschrei“. https://twitter.com/HasnainKazim/status/1076594977239678976

      Natürlich: Dass der SPIEGEL massiv unseriös agiert hat, bedeutet nicht, dass alle Kritik an ihm seriös wäre. Aber anstatt sich nun auf, z.T. auch geifernde und feixende, Kritiker zu konzentrieren, müsste doch die Frage im Mittelpunkt stehen: Was haben WIR falsch gemacht? Wie haben WIR so etwas ermöglicht?

      • Es ist ja immerhin auch möglich, dass dieser Eindruck auf meiner eigenen Wahrnehmung beruht, dass sich meine Ansprüche geändert haben.

        Diese Frage hatte ich schon mal mit crumar diskutiert. Ich vermute, es ist von beidem etwas, d.h sowohl ein Qualitätsabsturz beim Spiegel wie auch eine kritischere und misstrauischere Einstellung. Das Misstrauen wird überdies regelmässig bestätigt, wenn sich der Spiegel feminismuskitischer Personen und Positionen – beispielsweise Umgangsrecht – annimmt. Ist man selbst eher kritisch gegenüber den tausend Feminismen, die sich doch alle gleichen, dann erfährt man unmittelbar, welche absurden Zerrbilder da gezeichnet werden. Das breite Informationsangebot seit Internetzeit tut den Dichtern und Poeten auch nicht gut.

        Allerdings hatte der Spiegel schon immer diesen missionarischen Drive. Ich erinnere mich noch gut, wie sie regelmässig Helmut Kohl auf die schlechtestmögliche Art darstellten und zwar jahrelang. Das war keine sachliche Kritik, sondern eine nicht endende Kampagne gegen Kohl, die erst mit der Wiedervereinigung ihr Ende fand. Da mussten dann auch die Spiegelinkskis ein paar anerkennende Worte zu Kohl finden.

        • @Pjotr:

          »Ich erinnere mich noch gut, wie sie regelmässig Helmut Kohl auf die schlechtestmögliche Art darstellten und zwar jahrelang. Das war keine sachliche Kritik, sondern eine nicht endende Kampagne gegen Kohl, die erst mit der Wiedervereinigung ihr Ende fand.«

          Ja und? Die Wiedervereinigung war ja auch die einzige nennenswerte Leistung dieser pfälzer Mediokrität! 🙂 (duck-und-weg)

          • *lach* Ja, und heute reicht es bei den Spitzenpolitikern nicht einmal mehr zum Mittelmass. Man sehnt sich beinahe nach einem Helmut Kohl und seine Mediokrität zurück – und das ist das eigentlich deprimierende heutzutage.

        • Also ich habe dem Kohl ja auch nie getraut: Wenn einer als seine Lieblingsspeise „Pfälzer Saumagen“ angibt – da stimmt doch was nicht, da verknoten sich nur schon beim Gedanken an diese Speise sämtliche Geschmacksnerven!
          Ausserdem bin ich der Meinung, dass Bonn hätte Hauptstadt bleiben sollen.

          • „Ausserdem bin ich der Meinung, dass Bonn hätte Hauptstadt bleiben sollen.“
            Dem schließe ich mich blind an!
            Wie kann man nur auf die Idee kommen, den größten Narrenkäfig im Lande zur Hauptstadt zu machen?
            ( … und sofort den Reichstag zu restaurieren … )

            Da fand ich das Verwaltungs- u. Administrationsdorf, da „irgendwo bei Bad Godesberg“ deutlich angemessener.

          • @Fiete:

            »Da fand ich das Verwaltungs- u. Administrationsdorf, da „irgendwo bei Bad Godesberg“ deutlich angemessener.«

            Die geistige Hauptstadt der Kohlschen Republik war sowieso nicht Bonn oder Berlin, sondern Ludwigshafen-Oggersheim. 🙂

          • 🙂

            Na ja, mag ja Zufall sein, aber, daß so richtig verrückte Klopper beschlossen und umgesetzt werden, scheint seit dem Big Move reichlich Beschleunigung erfahren zu haben.
            Und mal ehrlich, ich vermute, die meisten Berliner würden spontan bestätigen, daß die Stadt der Waschmaschine völlig durchgeknallt ist, Tendenz eskalierend.

    • Naja, ich finde den Tagi-Kommentar jetzt nicht so berauschend. Auch der obligate Seitenhieb auf den rechtsgerichteten Konkurrenten ‚Weltwoche‘, für den Herr Relotius gelegentlich Texte verfasste, fehlt im Text nicht. Lucas Schoppes Analyse ist jedenfalls deutlich besser.

      Jemand hier hat den Global Gender Gap Report erwähnt, der meines Wissens alle 3 Jahre vom WEF publiziert wird. Der Tagi kolportiert die unsinnigen Ergebnisse dieses Reports seit eh und je wohlwollend, obwohl jedes Mal Leserkommentare (darunter auch meine Wenigkeit) auf dessen Schrottwert hinweisen. Die Bretter vor den Köpfen der Tagi-Journalisten sind bei gewissen Themen beinahe ebenso dick wie jene vor den Köpfen der Spiegel-Journalisten.

      • Maesi, ich schreibe nicht ich finde den Tagi bemerkenswert. Auf dessen Schlagseite weise ich sogar hin. Sondern dass ein so kritischer Kommentar im Tagi erscheint.

        • Gelegentlich kommen durchaus auch mal kritische Berichte im Tagi. Aber die kratzen immer nur an der Oberfläche, berichten über das Offensichtliche, das sich nicht mehr leugnen lässt. Von einem Printmedium erwarte ich tiefer gehende Analysen. Der Tagi übt hier lediglich etwas Pseudokritik, die auch nicht wesentlich glaubwürdiger ist als jene vom Spiegel. Der Tagi spielt gewissermassen die Rolle des bösen Cops. Da ist die Weltwoche dann schon deutlich mutiger bei Kritik am herrschenden System; auch die Basler Zeitung (BAZ) zeigt mehr Courage. Naja, letzteres wird sich wohl ändern, nachdem die TAMEDIA die BAZ übernommen hat.

  • Ich glaube eher an den Weihnachtsmann als an die Rechenschaftlichkeit der Journalistik. Das heisst nicht, dass es nicht doch tollen Journalismus geben kann oder eine wahre Meinung 🙂
    Die Hoffnung stirbt halt zuletzt.

  • „Seltsamerweise ist auch der Text Ulrich Fichtners, der den Skandal offenlegt, Relotius gleichsam öffentlich hinrichtet und die Mitschuld von Spiegel-Verantwortlichen wie Fichtner selbst im Undeutlichen belässt, in eben einem solchen Stil geschrieben.“

    @Lucas: das ist eine sehr aufschlussreiche Parallele.

    The Show must go on. Beim nächten Mal werden die Stories dann weniger an den Haaren herbeigezogen, mit mehr „Recherche“.

    Seit Jahrzehnten überlagert das Geschichte und Dönicken-Erzählen die Realität beim Spiegel und der ehemals linksliberalen Öffentlichkeit.

    Aber deren kognitive Dissonanzen dürften gering ausfallen, wegen des Relotius-Skandals hier.

    Nett ist auch die Ironie, dass der deutsche Journalismus sich hier als genau so sinister generiert wie seine lügenden und bösartigen Feindbilder wie Trump zB.

  • Nur als kleine Grinterhundinfo zu Ullrich Fichtner, dem Chefredakteur, der jetzt meint, moralisch verpflichtet zu sein, einen seiner Nachahmer als Bauernopfer mobben und meucheln zu müssen, hier ein öffentliches Gespräch zwischen ihm und M. Bröckers, von Oktober 2002. Thema und konkrete Sachinhalte sind dabei relativ unwichtig, aber die Argumentationsform u. -weise sagt eine Menge aus:
    https://www.broeckers.com/911-2/funkhausgesprache/

    • @Fiete:

      Bröckers, der Spiegel und „9/11“ sind ohnehin der Punkt, an dem sich unsere Öffentlichkeit in zwei Parallelwelten aufgespalten hat … fast möchte ich zur quantenmechanischen Metapher greifen und sagen, in einen Überlagerungszustand, in dem zwei Realitäten zur gleichen Zeit existieren. Für die Verdrängung unerwünschter Ansichten in den Untergrund des »verschwörungstheoretischen Igitt« ist das Verhältnis SPIEGEL / Bröckers geradezu paradigmatisch. Das bringt der von Dir verlinkte Artikel schön zum Ausdruck, insofern sich Fichtner da genötigt sieht, unter andererm mit dem Begriff der »Auschwitz-Lüge« zu hantieren, und das ist mir später noch öfter untergekommen, dass jeder, der die offizielle Version von „9/11“ infrage stellt, mit Holocaust-Leugnern auf eine Stufe gestellt wird. Das war die Kernschmelze des investigativen Journalismus damals, und spätestens seither haben wir den Gegensatz von journalistischen »Containment«-Strategien und einer medialen Graswurzel-Bewegung der Blogs, die dazu ein Gegengewicht bieten.

      Anekdote dazu: es gibt eine nicht unbekannte Plattform für Business-Networking namens „Xing“, damals hieß die »Open Business Club«, da bin ich aus beruflichen Gründen seit vielen Jahren. Die haben auch (moderierte) Politik-Foren, und in einem dieser Politik-Foren wurde – ich glaube, das war 2007 – über die Verschwörungstheorien zum 11. September diskutiert. Ich erinnere mich noch an zwei Forenten – einer aus dem Baltikum, aber gut deutschsprachig, der jeden, der die offizielle Version infrage gestellt hat, mit derben Beschimpfungen überzogen hat, und eine Forentin, die sehr prompt die Gleichsetzung mit den Holocaust-Leugnern aus der Tasche zog. Und die Reaktion der Moderation war welche? Eine Ermahnung an den Pöbler? Fehlanzeige – kurze Zeit später wurde die Diskussion von »Verschwörungstheorien« in diesem Forum kurzerhand für unerwünscht erklärt und dieses Verbot zum Teil der Forenregeln erhoben. Habe eben nachgeschaut: im Xing-Forum »Politik« sind in den »Spielregeln« unter Punkt 4 »Verschwörungstheorien« immer noch unerwünscht.

      Nun kann man auf solche Foren auf solchen Plattformen meiner Meinung nach auch sehr gut verzichten, aber es zeigt, wie ich finde, sehr deutlich, wie bereitwillig informelle Selbstzensurmaßnahmen in Kraft gesetzt werden, um einen Korridor der »tolerablen Wahrheit« einzuhalten. Oder, in den Worten von Titania McGrath: »Don’t get me wrong. I have always supported censorship. Major social media platforms have a responsibility to ensure that we are expressing the correct sort of free speech.«

  • In etlichen alternativen Medien (Blogs, Online-Magazinen, Internetforen etc.) erschienen Analysen über Claas Relotius, den Spiegel und auch die ganze Medienlandschaft. Jeder dieser Texte ist deutlich besser als die ähnlich gelagerten Texte in den Mainstreammedien, die normalerweise über eine Beschreibung des bereits Offensichtlichen nicht hinauskommen.

    Deine Analyse ist hier keine Ausnahme, Lucas Schoppe; sie ist den Medienberichten deutlich überlegen. Der in meinen Augen bislang beste Text hat allerdings Hadmut Danisch in seinem Blog verfasst; es handelt sich weniger um eine Analyse sondern eher um einen sogenannten Rant. Er hat darin jedoch alle wesentlichen Aspekte der Affäre aufgelistet, während bei allen anderen Blogtexten der eine oder andere Gesichtspunkt leider unter den Tisch fällt, was aber bei der Komplexität des Themas durchaus entschuldbar ist.

    Das Problem erscheint mir eben nicht auf Herrn Relotius oder den Spiegel beschränkt; es ist vielmehr eine Krise des gesamten (weltweit) etablierten Journalismus, die sich allerdings besonders stark im deutschen Journalismus manifestiert. Die in der deutschen Medienlandschaft kolportierten Unwahrheiten sind ja inzwischen Legion, und sie wurden in den letzten 2 – 3 Jahren immer offensichtlicher. Es gibt bestimmte Themen (Gleichstellungspolitik, Klimaerwärmung, Energiewende, Migration/Flüchtlinge, Präsident Trump, EU, staatliche Schuldenpolitik, Rechtsextremismus, Antifa, Islam, AfD, Pegida usw. usf.), da kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um Propaganda handelt. Es handelt sich schon deshalb um ein systemisches Problem, weil in den Mainstreammedien weitgehend gleich (gleichgeschaltet?) darüber berichtet wird, obwohl es jeweils höchst unterschiedliche Standpunkte gibt, von denen man diese Phänomene betrachten kann.

    Es ist ja nicht so, dass Herr Relotius ein isolierter Einzelfall ist sondern er in einem bestimmten Medienumfeld durchaus korrekt funktionierte. Ebensowenig sind nur der Spiegel und einige andere Printmedien betroffen, für die Herr Relotius geschrieben hat. Ja, es sind noch nicht einmal nur die Printmedien betroffen sondern ebenso der Rundfunk, die Online-Portale, die lokalen Korrespondenten der grossen Nachrichtenhäuser und die Nachrichtenagenturen. Sie alle bedienen letztendlich eine gewisse Erwartungshaltung des Nachrichtenmarktes, den sie aber mit ihrer Nachrichtenversorgung wiederum stark mitprägen. Während der letzten 3 – 4 Jahrzehnte entwickelte sich eine immer stärkere, globale Gleichrichtung, wie man bestimmte Dinge zu sehen hat. Gleichzeitig entstanden soziale Medien (Twitter, Facebook, Youtube, Online-Portale, Diskussionsplattformen, Blogs), in welchen sich Informationen – zumindest theoretisch – ungefiltert und ungehindert in Sekundenschnelle weltweit ausbreiten können. Wir haben also zwei gegensätzliche globale Entwicklungen, die logischerweise miteinander in Konflikt geraten müssen.

    Ich prophezeie, dass der Fall Relotius erst den Beginn einer grösseren Medienkritik markiert. In Einzelfällen von medial kolportierten Halbwahrheiten oder gar Lügen gab es das zwar schon bisher, diese konnten aber in ihrem Schaden noch einigermassen begrenzt werden. Das wird jedoch immer weniger funktionieren. Die etablierten Medien werden entweder grundlegend umdenken müssen, wenn sie weiterhin im Markt bestehen wollen, oder aber auf staatliche Repression setzen müssen, um jegliche unerwünschte Konkurrenz auszuschalten. Ich hoffe auf ersteres, rechne aber mit letzterem – auch wenn solche politisch geschützten und subventionierten Nachrichtenkartelle irgendwann zusammenbrechen werden.

  • Nachrichten als Offenbarung: das war der Journalismus von Relotius, der vor allem stark moralintrunken, ja berauscht von Moral, war.

    Was früher die Katholische Kirche war, das will heute die „rechtschaffende Presselandschaft“ von heute sein, eine unfehlbare moralische Autorität, die mit ihrem Bannstrahl das auch unterstreichen kann. So einfach ists 🙂

    • Danke, ich hab‘s korrigiert. Und ich lass diesen Kommentar gern stehen, weil ich mich dann erstens bedanken kann und zweitens nun einmal manchmal auf solche Hinweise angewiesen bin.

  • Nicht übel ist auch das hier:

    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/claas-relotius-unwahrheiten-ueber-das-amerikanische-leben-15973571.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

    Hat mehr zu bieten als solche naheliegenden Seitenhiebe:

    „Relotius, so behaupte ich, konnte mit seinen Betrügereien deshalb so lange durchkommen, weil er die Vorurteile von Leuten bestätigte, die sich als Weltbürger geben, aber in Wirklichkeit ebenso provinziell sind wie die republikanisch gesinnten Hinterwäldler ihrer Phantasie.“

    Es ist auch mal ganz erfrischend, dass der Autor sich auf seine Individualität besinnt („ich“).

  • „Wir brauchen für einen solchen gemeinsamen Diskurs aber Institutionen, die über bestimmte, begrenzte Milieus hinaus allgemein vertrauenswürdig sind. Der Spiegel hat eine solche Funktion lange erfüllen können.“

    Lach. Ne.
    Ihr braucht ja sogar nen ganzen Ozean dazwischen um überhaupt mal zu reflektieren.
    Wie lange noch mal, erfüllt der Spiegel schon seine Funktion nicht mehr?
    Ein viertel Jahrhundert? Mindestens.
    Über Milieus hinausgehend gehend soll der Dialog auch noch sein?
    Ist das milieuimmanente internalisierte Gewohnheitsfeigheit?
    Oder warum braucht’s den vertrauten Spiegel? Und dann auch noch mit Hausrecht, so als Institution?
    Aus dem Milieu heraus, welches ja schon daran scheitert zu begreifen das Jungs einen Pipi und Mädchen eine Mumu haben, ist das aber noch ein erstaunlich gewagter Standpunkt.

  • Nach allem was man sich als wahrscheinlich oder auch unwahrscheinlich denken möchte , liegt doch eines klar dar .
    Eine andere Geschichte hätte der Spiegel nicht gewollt und nicht gedruckt . Einem “ Yes we can schaffen das “ , kann sich der heutige Spiegel nunmal nur anschließen .
    Das größte politische Magazin Europas , was der Spiegel wohl , traurigerweise wie ich finde , ist , betreibt offensichtlich null
    “ No Fake News “ Recherche .
    Das ist so glaubhaft wie die Aussage das Weisse Haus hat keine Firewall und die Erde wäre ein Oktagon .
    Der Spiegel wollte diese Artikel , wie wohl auch seine heutigen Nochleser . Schade wenn eine Zeitschrift mit derartiger Legende endgültig unterzugehen scheint .
    Aber so endet es schon einmal , wenn Menschen mit Doppelmoral morallisieren .
    Gut , denn diese Gesellschaft setzte einmal zurecht auf Meinungsvielfalt und darauf diese auch frei zu äußern . Und nicht auf Geschichten die nur darauf abzielen , daß gegenteilige Meinungen nicht mehr geäußert werden , weil sich dies niemand ( mehr ) traut . Bis niemand mehr zu widersprechen wagt kommt dann , denn wer möchte auch schon ein Dumm White Guy sein .
    Höchstens wenn es um die Pisa-Studie geht vielleicht .
    Ob sich derartige Denkmuster wohl noch daran erinnern , das ihre Partei einmal
    “ Alternative Liste “ hieß . Und links sein einmal bedeutete , daß es nicht das beste ist wie ein Schaf Regeln zu befolgen .

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