Gedichte Literatur

Materialien zur Kritik des bekanntesten Feiertags christlichen Ursprungs

geschrieben von: Lucas Schoppe

Oder einfach: Frohe Weihnachten!

 

Wenn ich hier aus Robert Gernhardts berühmten Gedicht „Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs“ ein Weihnachtsgedicht mache, dann geht natürlich ein wichtiger Teil der Ironie verloren. Schließlich ist es gerade der Witz Gernhardts, dass er die dezidierte Kritik an der rigiden Form des Sonetts  („Sonette find ich sowas von beschissen“) in der Form eines perfekt gebauten Sonettes übt.

Da ich das Gedicht Gernhardts aber schon lange mag und es sich mir zur dezidierten Weihnachtskritik und damit zu einer Veräppelung politisch korrekter Weihnachtskritik aufgedrängt hat, setze ich mich über diese Bedenken einfach hinweg. Viel Spaß und frohes Fest!

 

Materialien zu einer Kritik des bekanntesten Feiertags christlichen Ursprungs

Die Weihnacht find ich sowas von beschissen.
Kommerz und Hektik, absolut nicht gut.
Bin völlig exkludiert in meinem Wissen,
Dass wer privilegiert ist und den Mut

Hat für so eine „Weihnachtsfeier“.
Allein der Fakt, dass so ein Typ das tut,
Geht mir schon im Advent voll auf die Eier.
Ich fühl mich da getriggert. Und die Wut,

Mit der ich ganz bewusst interveniere
Gegen die Weihnachtsmännerwichserein,
Ist extrem wichtig, weil ich sonst erfriere.

Wie konnt’ der Tag mal so verzaubert sein,
Als ich noch Kind war? Ich will’s gar nicht wissen.
Ich find die Weihnacht unheimlich beschissen.

 

Ich wünsche allen, die hier nur lesen oder lesen und kommentieren, ein schönes Weihnachtsfest,

den Familien und Paaren, dass sie sich nicht allzusehr in die Haare bekommen,

denen, die Weihnachten allein sind, einen schönen ruhigen Abend, an dem sie sich nicht einsam fühlen müssen,

den Trennungsvätern und Trennungskindern, dass sie gemeinsam feiern können (und den Trennungsmüttern in derselben Situation natürlich auch),

den Kindern, dass der Tag so verzaubert ist, wie er es in meiner Kindheit war,

denen, die über Weihnachten arbeiten müssen, dass sie eine ruhige Zeit und freundliche Kollegen haben,

den Menschen, die keine Lust auf Weihnachten haben, ein paar freundliche Gleichgesinnte,

und allen gute Geschenke, zum Beispiel ein paar schöne warme Socken.

Ein frohes Fest Euch allen!

RSS
Follow by Email
Facebook
Facebook
Twitter
Google+
PINTEREST
LINKEDIN
Whatsapp
Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann verpassen Sie keine Artikel mehr! Drücken sie auf den folgenden Link/Button und geben Sie Ihre Email-Adresse an, um über neue Artikel informiert zu werden.

10 Comments

  • Dieses total kommerzialisierte Weihnachten geht mir auch auf die Nerven. Außerdem schließen die Geschäfte da schon mittags, so dass man gar nicht richtig weiß, was man mit dem freien Tag anfangen soll.

    Genug Ironie für zwei Sätze? Dann frohes Fest!

  • Vor allem linke Männer haben in Bezug auf ihre Sexualität kein Selbstwertgefühl.
    Sonst würden sie nicht so zeitgeistorientiert in der (aber nur für ) männliche Sexualität voll akzeptierten abwertenden chauvinistischen Gossensprache Weihnachtskritik äußern.
    Kaum eine Feministin würde von „wichsenden Weihnachtsfrauen“ sprechen und dass es ihr „auf die Pflaume“ geht.
    Passt bei aller Kritik am weihnachtlichen Konsumrausch irgendwie nicht so ganz…

    • Der Begriff kommt aus Gernhardts Gedicht, wird auch da schon ironisch verwendet und veräppelt so das gedankenlose Reden über „Wichser“.

    • Also ich verstehe diese Kritik an dem Sonett Schoppes auch nicht so ganz.

      Was hat das mangelnde Selbstwertgefühl mancher linker Männer mit angeblich chauvenistischer Gossensprache zu tun? Und was hat das wiederum mit dem zu tun, was Feministinnen angeblich nicht sagen würden?

      Verstehe ich irgendwie nicht. Schoppes Fundamental-Kritik des christlichen Fundamental-Festes kann man durchaus „cum grano salis“ nehmen: also mit einem Augenzwinkern lesen und genießen.

      Soviel Wohlwollen wird ja vielleicht noch möglich sein an Heilig Abend.

      Streng genommen haben wir hier literarische Ironie zweiter Stufe (die z. B. Genette in seinem Klassiker über Palimpseste analysiert hat). Das müssen wir über die Weihnachtsfeiertage nicht unbedingt ausdiskutieren …

      Darum auch von mir ganz liebe Weinachtsgrüße und die besten Wünsche für das Neue Jahr!

      Ach ja: Ich freue mich schon auf Schoppes Ballade von der Unzulänglichkeit des menschlichen Planens zum Osterfest:

      Denn für dieses Leben
      Ist der Mensch nicht schlau genug …

      😉

  • Weihnachten ist das fest der Wintersonnenwende, das Fest ist wesentlich älter als das Christentum.
    Wer also an Weihnachten nichts gutes finden kann, kann sich ja auf die Ursprünge zurückbesinnen.
    Euch allen schöne Weihnachten

Leave a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.