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Sascha Lobo und die Freude am Blocken

geschrieben von: Lucas Schoppe

Sascha Lobos Lob des Blockens, gerade im Spiegel veröffentlicht, verklärt das Ausblenden von Menschen aus Diskursen zu einem „Menschenrecht“ und ist blind für seine eigenen autoritären Züge.

 

Blockparaden

Ich beginne mit einer kleinen Geschichte, die zwar unglaublich klingt, von mir aber eigenhändig miterlebt wurde.

Ein Kollege und eine Kollegin von mir hatten eine kleine Auseinandersetzung mit einer weiteren Kollegin. Obwohl das Gespräch sachlich, nicht heftig und nicht beleidigend war, hatte diese Kollegin offenbar sehr schnell genug davon. Ohne Ankündigung deckte sie sich mitten in der Unterhaltung fest mit beiden Händen die Ohren zu und begann, laut „La la la la la“ zu rufen. Weil das offensichtlich völlig unironisch war und daher infantil und deplatziert wirkte, hielten alle Anwesenden beschämt inne.

Die Lehrerin hatte dafür gesorgt, dass sie ihre Kollegen nicht mehr hören konnte und dass sie selbst keine Beiträge mehr zu ihren Diskussionen lieferte, und sie hatte das demonstrativ getan. Das digitale Gegenstück dieses Verhaltens, das in der analogen Welt so kindisch und unreif wirkt, ist das Blocken anderer Akteure, das der Spiegel-Kolumnist Sascha Lobo gerade als eine der „wichtigsten Kulturtechniken in sozialen Netzwerken“ bezeichnet hat. 

Mit der Blockfunktion kann ich ausgewählte andere Akteure, z.B. bei Twitter, aus meinen Diskursen im Netz ausschließen – sie können von mir nichts mehr lesen, und normalerweise lese auch ich nichts mehr von ihnen. Lobo erklärt diese Funktion  zu einem „wirksamen Schutzwall vor Beleidigungen, Drohungen, Attacken“ und zur Möglichkeit einer „kalt genossenen Rache“, die „eine wütend tobende Meute“ sich selbst überlasse.

Er aber auch „manchmal schlicht Freude am Blocken“ und habe zurzeit „auf Twitter 1435 Accounts geblockt“ – natürlich auch Menschen, die nie mit ihm zu tun hatten und die ihm schlicht nicht passen, wie etwa den ZEIT-Journalisten Jochen Bittner oder die Journalistin Birgit Kelle.

Lobo hat eine enorme Reichweite in sozialen Netzen, bei Twitter folgen ihm 731.000 Menschen, er hat eine regelmäßige Spiegel-Kolumne. Es ist anzunehmen, dass regelmäßig sehr viele zu ihm den Kontakt suchen und dass all deren Informationen ihn schlicht überfordern würden, wenn er nicht einen großen Teil davon vorsorglich aussortierte.

Wenn man die Knalltüten blockt, fällt es leichter, klüger und weniger aggressiv vorgetragene Gegenmeinungen überhaupt wahrzunehmen.

Auch wenn einige Geblockte über die Einordnung in die Rubrik „Knalltüten“ vermutlich überrascht sein werden, lässt sich das gut mit einem Beispiel aus der analogen Welt erläutern. Wenn wir durch eine Fußgängerzone gehen, umgibt uns ein unendliches Gewirr von Gesprächen und anderen Geräuschen. Trotzdem sind wir normalerweise ohne Schwierigkeiten in der Lage, uns in ziviler Lautstärke mit einem Freund zu unterhalten, der neben uns geht.

Das ist nur deswegen möglich, weil wir die Fähigkeit haben, unwillkürlich einen großen Teil der Informationen in Hintergrundrauschen zu verwandeln und uns ganz auf unser Gespräch zu konzentrieren. Wenn nun Menschen, etwa aufgrund einer Innenohrerkrankung, diese Fähigkeit verlieren, können sie das Gespräch nicht mehr führen – sie müssen die Geräusche draußen halten, ausblenden, etwa an einen ruhigen Ort gehen.

Das heißt, zurück übertragen in die digitale Welt: Tatsächlich ist das Blocken keine Kulturtechnik – es ist eher eine Art Notwehr, wenn die eigentlich relevante und wichtige Kulturtechnik versagt. Worauf es eigentlich ankommt, ist unsere Fähigkeit, im unüberschaubaren Gewirr der unaufhörlich erneuerten Informationen in den sozialen Netzen Schwerpunkte zu setzen und nicht jede der beständigen Aufregungen als einen Reiz wahrzunehmen, auf den wir reagieren müssen.

Lobo mag blocken, so viel er möchte, aber das stolze Vorweisen seiner langen Blockparade verträgt sich nicht mit dem Anspruch, ein Experte für digitale Kultur zu sein.

 

Punk und die Geschichtsschreibung des Blockens

Die Strukturen der sozialen Medien nämlich ähneln dem Punk in den Siebziger Jahren. Damals hatte sich durch die Kommerzialisierung der populären Musik, aber auch durch die Virtuosität von Musikern und einen enorm gewachsenen künstlerischen Anspruch vieler von ihnen, die Distanz zwischen Publikum und Musikern enorm vergrößert.

In seiner gezielten Simplizität und Kunstlosigkeit brach Punk darin ein. Wer im Publikum war, wusste, dass er oder sie schon bald darauf selbst auf der Bühne stehen konnte. Da damit alle die Chance hatten, für eine Weile im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, wurde die Konkurrenz um Aufmerksamkeit vervielfältigt – was für sich schon eine Dynamik hin zum Krassen, auch zur hohlen Provokation (z.B. die Hakenkreuz-T-Shirts von Sid Vicious und anderen), durchaus auch zum Verrohten erklärt. Gleichwohl wurde Punk, neben Techno und HipHop, zu einem wesentlichen Impulsgeber der populären Musik in den letzten Jahrzehnten.

So wie damals die Distanz zwischen Publikum und Bühne verschwand und jeder in einer Doppelrolle als Zuhörer und – potentieller – Musiker agieren konnte, so ist heute in der sozialen Kommunikation die Distanz zwischen Leserschaft und Redaktion geschwunden: In den sozialen Netzen sind wir nicht getrennt in Sender und Empfänger, Schreiber und Leser, sondern wir können jeweils in allen Rollen agieren. Die Richtung der Kommunikation ist nicht mehr einseitig, und in vielen Fällen – auch bei Spiegel-Kolumnen – zeigen sich Kommentatoren unter den Texten deutlich reflektierter und besser informiert als die Journalisten selbst.

In den sozialen Medien fehlt die Vorauswahl durch Redaktionen und Medienanstalten, so wie, zumindest auf lokaler Ebene, beim Punk die Vorauswahl durch Plattenfirmen und Medien verschwand. Das ist ein enormer Gewinn an Freiheit und zugleich auch eine enorme Überlastung, weil wir nun selbst beständig auswählen müssen. Das Blocken ist also eine Methode, die vertrauten Strukturen der vor-digitalen Welt, in der viele Informationen vorselektiert wurden und uns gar nicht erst erreichten, in die digitale Welt zu übertragen.

Lobos punkiger, medienwirksamer roter Iro ist so ein gutes Symbol für das, was er tut: Er schleust einige Elemente einer Anti-Establishment-Welt in die etablierten Diskurse ein, ohne diese Diskurse zu gefährden. Er agiert tatsächlich restaurativ, nicht innovativ – und sein Blick ist dabei wesentlich begrenzter, als er selbst es noch wahrnimmt.

Im Podcast nach seinem Artikel reagiert er auf Kommentare – und verwendet dabei über die Hälfte der gesamten Zeit auf eine einzige Kritik der Netzfeministin Yasmina Banaszczuk, die ihm, tatsächlich, vorgeworfen hatte, den Anteil des Feminismus an der „jüngeren Historie des Blockens“ unterschlagen zu haben.

Die Geschichte des Blockens ist eine Geschichte voller Missverständisse und muss vermutlich neu geschrieben werden.

Lobo räsonniert also geknickt über seine „temporäre Privilegienblindheit“, die aber ein „systemisches Problem“ wäre. Er wütet dann, in der Kritik an Banaszczuk und am Blocken drücke sich der „anmaßende, absurde, ichbezogene, männliche Narzissmus“ aus, mit dem sich weiße Männer „das Recht, bei jeder verdammten Person des Planeten mitten in der Wahrnehmung zu stehen“, herausnehmen würden.

Dass Banaszczuk nach eigenen Angaben mit 15.000 geblockten Accounts eine deutlich längere Blockliste als Lobo hat, ist für ihn selbstverständlich Ausdruck ihrer weiblichen Marginalisierung, die sie zur digitalen Notwehr zwinge – und es hat für ihn selbstverständlich nichts damit zu tun, dass sie selbst im Netz außergewöhnlich hart und aggressiv agiert.

Ein Experte digitalen Lebens bei der Arbeit (Symbolbild)

Lobos Fixierung auf Banaszczuk ist nur erklärlich mit der internen Logik einer postmodernen Linken, in der die Kritik einer Feministin an einem Mann für ihn ein unbedingter Appell zur ausführlichen und möglichst öffentlichen Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen männlichen Privilegien ist. Lobo aber glaubt keineswegs, dass er, wie er im Text schreibt, „durch intensives Blocken nur noch im eigenen Saft kocht“. Er habe nämlich seine Sucheinstellungen so justiert, dass er selbst geblockte Akteure noch lesen könne, dass aber nur eben diese Akteure keinen Zugang mehr zu seinen Beiträgen hätten.

Das äußert er im Podcast wenige Minuten  nach seinem Rant über die weißen Männer, die überall in das Zentrum der Wahrnehmung drängten, und ihm fällt der offenkundige Widerspruch nicht auf. Es geht ihm nicht darum, andere nicht mehr wahrzunehmen – sondern darum, ihnen die Möglichkeit zu nehmen, an seinen Diskursen teilzunehmen.

Lobo präsentiert sich als ein digitaler Voyeur, dessen Lob des Blockens das Lob der Büsche ist, hinter denen er sich verstecken kann, um anderen in die Fenster zu glotzen.

 

Keine Weihnachtswünsche für den Lotosritter

Nicht einmal seine quälend ausführliche Antwort auf Banaszczuk aber ist kennzeichnend für seine Position, sondern der Blick auf das, was er dabei eben nicht wahrnimmt. Das ritualisierte Reden einer postmodernen identitären Linken, zu der auch Lobo gehört, über „Privilegien“ und „Strukturen“ verschiebt Gedanken über soziale Herrschaft diffus ins Biologistische, hin zu Kategorien der Rasse und des Geschlechts. Dort bleiben sie eine beständige Unterstellung, aber zur Analyse sozialer Bedingungen taugen sie nicht mehr –  was möglicherweise auch der Sinn des Manövers ist.

Großzügig erklärt Lobo, dass andere ihn selbst natürlich ebenso blocken könnten wie er sie, „das ist Ihr gutes Recht“. Er geht aber nur ganz nebenbei darauf ein, dass es natürlich ein Unterschied ist, ob irgendjemand mit einem kleinen 25-Follower-Account jemand anderen aus irgendwelchen Gründen blockt – oder ob Jan Böhmermann aus seiner ungeheuer starken, durch öffentlich-rechtliche Anstalten garantierten Position heraus seine (allein schon auf Twitter) extreme Reichweite von über 2 Millionen Followern dazu nutzt, seine lange, nach politischen Kriterien zusammengestellte Blockliste an andere weiterzuleiten, die sie dann unbesehen übernehmen können.

Was das bedeutet, lässt sich an einem Gegenbeispiel weiter klären. Wenn einzelne Akteure sich im Netz über sehr private Themen verständigen wollen, ob nun über Krankheiten, sexuelle Fetische oder eine Vorliebe für alte Biene-Maja-Folgen – dann ist es völlig nachvollziehbar, dass sie dabei ein gaffendes, erstauntes, möglicherweise auch amüsiert dazwischenredendes Publikum ausschließen wollen. Dafür allerdings müssen sie noch nicht einmal jemanden blocken – sie können ihren Account auf „Privat“ stellen und nur noch ausgewählte andere Akteure zulassen.

Das Blocken aber ergibt nur dann einen Sinn, wenn der Diskurs eben nicht privat, sondern öffentlich geführt wird – und wenn zugleich andere aus ihm ausgeschlossen werden sollen.

Das wiederum bedeutet: Wenn Akteure wie Lobo aus einer weit überlegenen Position im Diskurs Tausende anderer blocken oder gar, wie Böhmermann, Blocklisten veröffentlichen, dann maßen sie sich an, andere Menschen nach eigenem Gutdünken aus wichtigen Aspekten des allgemeinen Diskurses auszuschließen. Blocken ist dann, anders als Lobo behauptet, nicht Freiheit, sondern Ausdruck von Macht und Willkür.

Das gilt mehr noch für Politiker und öffentliche Institutionen – und auch das streift der Netzexperte Lobo gelangweilt nur ganz nebenbei. Der Blogger „Lotosritter“ beispielsweise veröffentlicht in seinem Blog, unter anderem, beeindruckende Texte über Erfahrungen als männlicher Überlebender sexuellen Missbrauchs, auch des Missbrauchs durch die eigene Mutter. Er wirft dabei politischen Institutionen vor, den Einsatz für die Überlebenden des Missbrauchs insbesondere dann zu vernachlässigen, wenn sie dem etablierten Schema des männlichen Täters und des weiblichen Opfers nicht entsprechen.

Politisch wäre eigentlich, neben dem Justizministerium, vor allem das Jugend- und Familienministerium für die Diskussion zuständig, die der Lotosritter anzustoßen versucht. Das Ministerium ist für ihn jedoch nicht über soziale Medien erreichbar – dort ist er geblockt. Er hat selbst auf Twitter vorgeführt, wie ihm Nachrichten angezeigt werden, die das Ministerium zitieren.

So sieht für den „Lotosritter“ ein Tweet aus, der eine Nachricht vom Familienministerium zitiert: Die Nachricht wird ihm nicht angezeigt. Er hat das Bild selbst in einem Tweet verlinkt.

Die Meldung, die der Lotosritter nicht sehen konnte, war übrigens ein Video der Ministerin Giffey, die „allen frohe Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr“ wünscht.

Giffey wünscht es eben nicht allen. Ausgeschlossen ist hier zum Beispiel jemand, der selbst sexuelle Gewalt erlebt hat, der damit aber nicht in das bevorzugte Täter-Opfer-Schema des Ministeriums passt.

Schon dieses Beispiel allein zeigt, wie anmaßend und gedankenfrei Lobos Gerede über den angeblich so ichbezogenen männlichen Narzissmus ist, mit dem sich Männer das Recht herausnähmen, „bei jeder verdammten Person des Planeten mitten in der Wahrnehmung zu stehen“. Was als faktischer Ausschluss aus Teilen öffentlicher demokratischer Diskurse tatsächlich ein gravierendes politisches Problem ist, wird von Lobo damit geschwätzig in ein ganz persönliches Problem und in ein Geschlechterproblem umgedeutet.

Gewalt von oben, getarnt als Widerstand von unten.

„Filtersouveränität und Blockfreiheit können dort enden, wo amtliche Accounts eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit haben.“ Das immerhin räumt Lobo ein, ohne dann aber weiter daran interessiert zu sein. Die Verantwortung der Öffentlichkeit gegenüber bleibt bei ihm diffus und bezieht sich explizit bloß auf „überlebenswichtige Informationen (…), etwa im Fall eines Terroranschlags“.

Der Sinn eines allgemeinen demokratischen Diskurses leuchtet dem Spiegel-Kolumnisten und Digitalexperten  nicht ein, so wie die digitale Welt in seinem Text lediglich als Bedrohung eines gepflegten Umgangs erscheint, nicht aber als eine Chance.

Ich selbst habe ebenfalls, wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab als der Lotosritter, Erfahrungen mit dem politischen Blocken gemacht. Ich bin zum Beispiel von der Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Katharina Schulze, geblockt.

Ich hatte sie natürlich niemals gestalkt, sie vor dem Blocken lediglich in einem Artikel erwähnt und sie per Twitter in einem einzigen Tweet unaggressiv (wenn auch womöglich etwas ironisch) auf eine Geschichte von mir hingewiesen. Dass ich geblockt bin, habe ich einfach nur daran gemerkt, dass ich Zitate von ihr nicht mehr lesen konnte – ich hatte nie wieder versucht, sie zu kontaktieren, habe weder gewütet noch geschimpft noch gedroht, und sie musste gewiss nicht das Gefühl haben, sich vor mir schützen zu müssen. Ich vertrete wohl einfach nur Positionen, von denen sie prinzipiell nichts mitbekommen möchte.

So sehe ich bei Twitter einen Thread, der mehrmals Nachrichten der bayerischen grünen Fraktionsvorsitzenden Katharina Schulze zitiert. Ihre Äußerungen sind für mich nicht wahrnehmbar, und so ist denn auch der ganze Sinn des Gedankenganges nicht verständlich. Auch bei jemandem, der mich nicht blockt.

Das wäre das Recht jeder Privatperson, bei einer demokratischen Politikerin aber ist es nicht legitim. Nicht nur bekomme ich ihre öffentlichen Äußerungen im sozialen Netz nicht mit – sie prüft auch ihre eigenen Positionen nicht ausreichend, wenn sie die Konfrontation mit störenden Positionen meidet.

Das Blocken in sozialen Netzen sollte politischen Institutionen und politischen Akteuren der Parteien also grundsätzlich nicht zustehen. Sonst nämlich wird es zu einem Ausweis einer neo-feudalen Politik, deren Repräsentanten und Repräsentantinnen sich nicht dem allgemeinen Diskurs stellen, sondern sich mit Menschen umgeben, die ihnen Bestätigungen liefern.

Es geht eben nicht einfach nur, wie Lobo versimpelnd behauptet, „vom Individuum aus und wirkt auf das Individuum“, sondern wird seinerseits durch Institutionen und durch unterschiedliche Herrschaftspositionen geprägt.

Das Blocken, also das Ausblenden von Menschen aus öffentlichen Diskursen, absurd zum „Menschenrecht“ zu erklären, täuscht darüber hinweg, dass es auch das Instrument eines digitalen Hofschranzentums ist.

La la la la la.

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36 Comments

  • „…deckte sie sich mitten in der Unterhaltung fest mit beiden Ohren die Hände zu…“

    Ich versuche mir das irgendwie anatomisch vorzustellen, kriege aber keine wirklich zufriedenstellende Vorstellung davon… 😉

    Ansonsten wieder guter Artikel. Wenn Flitzpiepen vom Schlage bekannter Netzfeministinnen blocken was nicht bei drei auf den Bäumen ist, ist das zwar auch Scheiße, aber ist bei teils schon geradezu fanatisch ideologisierten Menschen nicht anders zu erwarten. Aber schon hart, wenn Spitzenpolitiker und Ministerien blocken. Noch kaltschnäuziger kann man dem Souverän wohl nicht signalisieren: Wenn du nicht unserer Meinung bist, dann bist du uns scheißegal!

  • „Blocken ist dann, anders als Lobo behauptet, nicht Freiheit, sondern Ausdruck von Macht und Willkür.“

    Das ist eine Mauer um sich errichten. Um sich und seine „Follower“? Die „Gefolgsleute“!

    Es ist halt wie ein Hofstaat. Twitter ist das ultimative demokratisch-feudale Medium: jeder kann einen Hofstaat haben.

    Deshalb brauchen sie auch Echokammern und die geregelten Bahnen durch Blocklisten, damit ihre Lautsprecher gut zu hören sind.

    Es ist dieser aggressive Stil, der auch in der Politik Einzug gehalten hat.

    Dass Lobo seine eigene Situation nicht reflektiert, das mit dem „weissen Privilegien“ etc macht meinem Spitznamen für ihn „Lobotomie“ alle Ehre lol

    • Eine ganz andere Frage ist die, ob Politiker blocken dürfen. Ja, warum nicht und es sollte mitunter als Zeichen von Intoleranz und Fanatismus gelten.
      Institutionen des Staates allerdings sollten nicht blocken dürfen, jedenfalls nicht die eigenen Bürger.

      • Schlagen wir doch mal unser allseits geliebtes Grundgesetz auf. Art. 5, Abs. 1 :“Jeder hat das Recht, … sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.“ Daß jemand einzelne Personen aus der Lektüre seines öffentlich dargebotenen Getwitters ausschließt, erscheint mir damit unvereinbar. Zwar ist ein Sascha Lobo nicht direkt grundrechtsverpflichtet, ein Bundeswieselministerium jedoch schon.

        • Du hast den Art. 5 Abs. 1 aber gründlich missverstanden … 😀
          So herum wird ein Schuh draus: Twitter ist keine allgemein zugängliche Quelle, eben wegen der Blockfunktion, die nicht vom Staat angeordnet ist.

          Nein, rechtliche Argumente gibt es wohl keine für die Forderung nach einem Nicht-Blockier-Verhalten von sich demokratisch nennenden Politikern (und evtl. auch von staatl. Institutionen).

  • Vielen Dank, Lucas, für diesen großartigen und messerscharf sezierenden Artikel! Mit starken Formulierungen zum Einrahmen und an die Wand hängen! Weil der Text auf den Punkt bringt, dass es hier nicht nur um Lobos individuelle Grillen, sondern auch um die Geisteshaltung von politischen Amtsträgern geht.

  • Zwei kurze Gedanken:
    Die Blockade eines Bürger, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, durch eine staatliche Behörde dürfte rechtswidrig sein. Hier sollte der Betreffende einfach seinen ungestörten Kommunikationszugang einklagen.
    Rein pragmatisch das Argument, dass nach einer ARD/ZDF-Onlinestudie lediglich 1,8 Millionen wöchentlich und 0,6 Millionen Deutsche täglich Twitter nutzen. Twitter ist also ein ziemliches Minderheitenprogramm.

  • Nun ja, es geht hier ja letztendlich in diesem Blogspot um eine ziemlich bizarre, per se sureale Parallelwelt, die sich längst eigene Gesetzmäßigkeiten geschaffen hat und die man besser nicht mit der realen analogen verwechseln sollte. Das scheint immer mehr Leuten immer schwerer zu fallen, was bei einigen dazu führt, daß sie selbst die groben Eckdaten ihrer eigenen Umfelder und des „da draußen“ völlig verzerrt, oder eben gar nicht mehr, oder zumindest nicht distanziert wahrnehmen können.

    Und das ist eine interaktive Entwicklung, was ich manchmal recht erschreckend finde, da die damit einhergehenden Realitätsverluste sich auch auf die reale ( soziale ) Welt heftig auswirken.

    „Das ist ein enormer Gewinn an Freiheit und zugleich auch eine enorme Überlastung, weil wir nun selbst beständig auswählen müssen“.
    Das scheint mir ein ziemlich persönliches Problem zu sein, welches zwar sehr verbreitet ist ( kein Wunder bei der üblichen Reizüberflutung in der heutigen Welt, noch dazu bei Betrachtung ihrer irren Auswüchse ). Aber damit umzugehen bleibt jedem Einzelnen überlassen. Das aber nur am Rande ( sonst müßte ich jetzt eine ellenlange, aus fachlicher Sicht wahrscheinlich äußerst unprofessionell wirkende Abhandlung verfassen, welche sich u.A. über div. Man-Tau-Blogspots erstrecken müßte und vermutlich bei vielen eher auf Unverständnis stoßen würde – und das macht m.E. keinen Sinn ). Prinzipiell sehe ich da gar keinen Gewinn an Freiheit, vielleicht in manchen Fällen sogar eher einen Zuwachs an letztendlich beschränkenden Druckverhältnissen, aktiv wie passiv.

    „Lobos punkiger, medienwirksamer roter Iro ist so ein gutes Symbol für das, was er tut: Er schleust einige Elemente einer Anti-Establishment-Welt in die etablierten Diskurse ein, ohne diese Diskurse zu gefährden. Er agiert tatsächlich restaurativ, nicht innovativ – und sein Blick ist dabei wesentlich begrenzter, als er selbst es noch wahrnimmt.“

    Er meint vermutlich sein schlimmsten Störungen im Umkehreffekt zu Tugenden umstricken zu können, wenn er sie wie eine Monstranz vor sich herträgt.
    Ich werfe da als selbstverständlich grob spekulative Unterstellungen mal die Stichworte „Minderwertigkeitskomplex“ und „extreme Gier nach Aufmerksamkeit“ in den Raum.
    In meinen Augen ist er ein Stümper, der außer seinem Hahnenkamm nix zu bieten hat und noch dazu ein billiger Moralapostel ungefähr auf Höhe Anne Wizoreks.
    Zudem scheinen mir seine „Begründungen“ größtenteils aus Projektionen zu bestehen.

    „Kritik der Netzfeministin Yasmina Banaszczuk, die ihm, tatsächlich, vorgeworfen hatte, den Anteil des Feminismus an der „jüngeren Historie des Blockens“ unterschlagen zu haben.“

    So selten und ungern wie ich Femis Recht gebe, aber da hat sie ihn in einem – für ihn vermutlich neuralgischen – Punkt, eiskalt erwischt. Und zwar zu Recht und absolut präzis!
    Da waren die Netzfemis ihm um Jahre voraus und er hängt immer noch mit einer Hand am Trittbrett und kriegt den Fuß nicht hoch.

    „Er wütet dann, in der Kritik an Banaszczuk und am Blocken drücke sich der „anmaßende, absurde, ichbezogene, männliche Narzissmus“ aus, mit dem sich weiße Männer „das Recht, bei jeder verdammten Person des Planeten mitten in der Wahrnehmung zu stehen“, herausnehmen würden.“

    ( s.o. Projektion )

    Und bettelt noch, daß man ihn doch bitte am anderen Patschehändchen nehmen möge, wenn er sich fleißig selbst kasteit. Dabei muß er froh sein wenn man ihm nicht auf die erste Pfote tritt, vielleicht weil man sich vorbehält, ihn evtl. irgendwann nach eigener Vorstellung besser verwursten zu können.

    „Er habe nämlich seine Sucheinstellungen so justiert, dass er selbst geblockte Akteure noch lesen könne, dass aber nur eben diese Akteure keinen Zugang mehr zu seinen Beiträgen hätten.“

    Oho! Er hat justiert!
    Schon das ist eine gute Umschreibung seines „Digitalexpertentums“, über das übrigens auch der Danisch sich schon ausgiebig verlustiert hat.
    Auf den gleichen blasiert vorgetragenen schrägen und hierarchischen Moralvorstellungen basiert vermutlich auch sein momentanes „Lebenswerk“, welches er – wie ich gerüchtehalber gehört habe – als „Digitalcharta“ o.ä. zu vermarkten versucht. Ähnlich wichtig wie die revolutionäre Leistung der „deutschen Digitalbotschafterin“ Gesche Joost, die digital verkabelte ( oder war die kabellos? Egal! ) Notrufstrickjacke ( welche jene wahrscheinlich noch nicht einmal selbst entwickelt hat ). Selbstbeweihräuchernder Unfug, der aber offenbar bei der Fangemeinde und auch bei „Förderern“ dieses Mumpitz‘ auf helle Begeisterung trifft.
    ( Ich habe bez. solcher „sozialer Mechanismen“ mal eine Erfahrung gemacht, die mich kurzfristig zum Superstar einer Arbeitsgruppe machte, OBWOHL ich vorher explizit ankündigte einfach nur Blödsinn zu verzapfen. Sogar die professionelle Leiterin und Dozentin der Gruppe war fest von dem Müll überzeugt und das in max. vielleicht 5 Minuten und trotz vorheriger exakter Darstellung der echten Sachverhalte durch jemanden, der richtig Ahnung davon hatte. Seitdem finde ich tribalistischen Herdentrieb in Kombination Populismusgier noch mehr zum Kotzen als vorher )

    „Ich vertrete wohl einfach nur Positionen, von denen sie prinzipiell nichts mitbekommen möchte.“ ( „Sie“, Frau Schulze )

    Nicht ganz auszuschließen, aber ich gehe eher davon aus, daß sie kaum noch selbst blockt, sondern bez. Blockerei ihre ( oder des Politbüros ) „Safespacers“ hat, wie auch immer das in der Praxis gehandhabt werden mag. Das wäre nicht nur sehr praktisch und naheliegend, sondern würde sicherlich auch noch ihr angetackertes Selbstwertgefühl deutlich anheben.
    Insofern hat Böhmi vielleicht sogar eine Art bundesweites Outing digital ritualisierter Neurosen geschafft, als er „seine“ ( hust! ) Blocklisten massiv öffentlich propagiert hat. Immerhin! 🙂

    „Nicht nur bekomme ich ihre öffentlichen Äußerungen im sozialen Netz nicht mit – sie prüft auch ihre eigenen Positionen nicht ausreichend, wenn sie die Konfrontation mit störenden Positionen meidet.“

    Ähm, ja …. , aber eben deswegen wird das doch so gemacht, oder übersehe ich da was?

    „Das Blocken in sozialen Netzen sollte politischen Institutionen und politischen Akteuren der Parteien also grundsätzlich nicht zustehen.“

    Well, Piepvogel, Fakebuch, Instantgrim, Flatter, Blubber etc. gibt es nunmal und es kann doch wohl kaum Zweifel geben, daß sie zu bestimmten Zwecken konzipiert wurden, u.A. nicht zuletzt um Grundsätzlichkeiten der Normalwelt außer Kraft zu setzen. Möglw. nicht vom ersten Ideengeber, aber doch spätestens ab dem Zeitpunkt, wo irgendwer die Chance sah, damit das eine o. andere Konsortium zu eigentlich als unlauter gelten Zwecken zu errichten. Völlig illusorisch davon zu träumen, daß es da einen „irgendwie sozialen“ Paradigmenwechsel geben könnte. Selbst diasp.de bietet da – trotz recht ausgefuchstem Konzept – schlicht gar keine Chance.

    „Sonst nämlich wird es zu einem Ausweis einer neo-feudalen Politik, deren Repräsentanten und Repräsentantinnen sich nicht dem allgemeinen Diskurs stellen, sondern sich mit Menschen umgeben, die ihnen Bestätigungen liefern.“

    Das soll es natürlich, schon allein aufgrund der erheblichen Verstärkungseffekte auch sogar auf ansonsten von „sowas“ völlig unbeleckter Leute, die es prinzipiell und kategorisch ablehnen, sich als Bestätigungvieh mißbrauchen zu lassen. Möglw. ist diese Auswirkung sogar die noch erwünschtere.
    Du selbst sagst ja, @Lucas, daß Dir der abgebildete Minithread von Don Alphonso im Prinzip sinnlos erscheint, wenn Schulze’s Zitate geblockt sind. Ich vermute Du spielst damit darauf an, daß manche gar nicht ( mehr ) die Initiative aufbringen, im Internet ( also gerade NICHT auf Twitter ) mal nachzuschauen, worauf der Don sich da bezieht ( in diesem Fall auf die extrem degenerierte Widersprüchlichkeit Schulzes Konsumverhaltens ).
    Und GENAU DAS IST der Sinn solcher sog. „Netzwerke“. Und ihrer Steuerungsmechanismen!
    Verschwörungstheorie?
    Nöh!
    Völlig überflüssig!
    „Solche Leute“ wissen auch so was sie zu tun haben!
    Da reicht Murphy’s Law locker aus.

    „Das Blocken, also das Ausblenden von Menschen aus öffentlichen Diskursen, absurd zum „Menschenrecht“ zu erklären, täuscht darüber hinweg, dass es auch das Instrument eines digitalen Hofschranzentums ist.“

    Zement mal! Ich mag das Hähnchen Lobo nun überhaupt nicht, aber ein solches Recht braucht er nicht erst „erklären“, es gibt es längst und ist eines der ältesten der Menschheit überhaupt!
    Erst im zweiten Satzteil macht Deine Aussage Sinn, hat aber zum ersten schlicht keinen Bezug. Da vermischt Du Privatrecht und öffentliches Recht in unzulässiger Weise.
    Verständlich wohl, da die Binärtechnik da ein hübsches Intrument zur Überschneidung, Verzerrung und Vermischung beider Prinzipien liefert ( s.o., der Sinn des Ganzen ), das liegt aber nicht im geringsten am grundsätzlichen Recht jedes Menschen jegliche Kommunikation mit wem er auch immer will, abzulehnen.
    Um das Dilemma zu knacken, muß man schon etwas weiter gehen und sich u.a. mit Gruppenprivilegien ( wie z.B. auch einem Adoptionsprivileg homosexueller Paare o.ä. ) eingehender befassen.
    Sonst geht das nach hinten los.

  • Ich finde den Vergleich zwischen Online-Welt und realer Welt nicht passend getroffen. Es ist nicht so, dass Twitter quasi öffentlicher Raum ist, wo ich anfange plötzlich mit anderen Leuten zu diskutieren. Es ist eher so, dass meine Timeline, mein Fernseher ist, bei dem ich das Programm mitgestalten kann. Und wenn dann jemand kommt und immer wieder ungefragt umschaltet, dann sollte man das Recht haben, denjenigen aus der Wohnung zu werfen. Nun wirst du wahrscheinlich wieder sagen, dass man sich dann einen privaten Account machen könnte. Doch das ignoriert, dass es ja auch Leute geben kann, die man nicht kennt und sich in der eigenen Wohnung benehmen können. Den Wunsch einzelne auszuschließen (aus welchen Gründen auch immer), damit erfüllen zu wollen quasi alle auszuschließen, ist schon ein wenig absurd.

    Ich muss in einem Diskurs, auch in einem öffentlichen, nicht mit jedem diskutieren. Diese Argumentation gegen das Blocken liegt der Wunsch zu Grunde die Diskussion dominieren zu können. „Ich will mit dir diskutieren, also mach das gefälligst auch. Ansonsten bist du doof“, um es mal polemisch zu formulieren. Ich bin weder als Privatperson und auch nicht als Politiker irgendwem schuldig mit ihm zu reden. Ich suche mir im echten Leben meine Diskussionspartner doch auch danach aus, mit wem ich kann und mit wem nicht. Und wenn ich merke, mit dem ist keine sinnvolle Diskussion möglich, dann meide ich die Person in Zukunft. Ich habe die Freiheit, mich mit den Leuten zu unterhalten, mit denen ich will. Und diese Freiheit wird versucht durch die „Blocken ist Böse“-Ideologie zu nehmen.

    Es gibt übrigens auch noch einen anderen Aspekt, der sich nicht übertragen lässt. Wenn es mal dazu kommt, dass viele Personen gleichzeitig, mit einem diskutieren wollen, dann ist das in der realen Welt räumlich begrenzt. Im Internet können theoretisch alle gleichzeitig einen anschreiben. Dann wird durch die reine Masse an Nachrichten der Diskurs schon vorbestimmt. Das müssen dann nicht mal feindliche Nachrichten sein. Um es auf deine Anekdote zu übertragen, es ist als würden 10 Leute gleichzeitig auf deine Kollegin einreden. Egal wie konstruktiv und richtig das Gesagte sein mag, es ist trotzdem durch die Art und Weise den Diskurs unterdrückend. Deswegen funktioniert auch diese neuerdings sehr populäre absolutistische Vorstellung von Meinungsfreiheit nicht. Weil dann nämlich nicht das bessere Argument gewinnt, sondern das Lautere.

    Ich habe übrigens nur diese Sex-Bots blockiert. Ansonsten mute ich die Leute, die mich zu sehr nerven.

    • Ich finde den Vergleich zwischen Online-Welt und realer Welt nicht passend getroffen.

      Vor allen Dingen solltest du aufhören, Online-Welt und „reale“ Welt zu verwechseln bzw. zu vermischen.
      Twitter, Facebook & Co sind Teil der realen Welt.
      Das erklärt dann auch, dass man zwar viel herumspinnen kann (sich bei FB als armseliges Würstchen trotzdem als King of Currywurst darstellen), das Internet aber trotzdem kein rechtsfreier Raum ist und einem trotzdem Übles (bspw. Betrug) passieren kann.

  • Also wenn ich an die feministische Trulla denke, die nichts besseres zu tun hatte, als mit zu unterstellen, ich sei ein Nazi ohne irgendeine Begründung, dann weiß ich doch das Blocken zu schätzen. Es sollte wirklich einer gründlichen Einzelfallprüfung folgen und das wird schon sehr zweifelhaft, wenn man 1500 Menschen geblockt hat.
    Und was Böhmermann angeht: Sowas geht gar nicht. So nett ich einige seiner Sachen, die er früher gemacht hatte fand, aber Reconcista Internet, wäre nur als „Welle“-Artiges Experiment tolerabel gewesen, um den SJW mal ihre faschistoide Meinungsdiktatur klarzumachen. Aber leider war es wohl kein Witz. Dann kann ich dann auch gut damit leben, wenn er mich blockiert hat.

    • @ Lutz „Also wenn ich an die feministische Trulla denke, die nichts besseres zu tun hatte, als mit zu unterstellen, ich sei ein Nazi ohne irgendeine Begründung, dann weiß ich doch das Blocken zu schätzen.“ Hab ich auch schon erlebt. „Rechter Rand“ – „Rechtsradikaler“ – „Nazi“ – „ekelhaftes Arschloch“ – etc.

      Ich habe nur auch das Gefühl: Solche automatisierten Vorwürfe sind so weit verbreitet und für viele so selbstverständlich, dass es ohnehin sinnlos ist zu versuchen, sie aus dem Blickfeld zu schieben. Außerdem ist es manchmal sogar ganz interessant, zu sehen, auf welche Formulierungen hin andere plötzlich wild zu schimpfen beginnen oder mit Nazi-Zuschreibungen um sich werfen.

      „Was für ein ekelhaftes Arschloch“ hatte ich zum Beispiel gerade erst als Reaktion darauf, dass ich in einem Tweet mit Bourdieu argumentiert hatte, der Linken eigentlich geläufig sein müsste. Ich hatte geschrieben, dass die feinen Unterscheidungen in der Sprache („rassistischer Anschlag“ ist gut, „fremdenfeindlicher Anschlag“ geht gar nicht und ist irgendwie Nazi) tatsächlich der sozialen Distinktion dienen, um sich vom gemeinen Volk zu unterscheiden, das mit diesen Unterscheidungen nichts anfangen kann.

      Außerdem überlege ich mir, was in jemandem vorgeht, der Tausende geblockt hat. Ich kann mir das nur als das Gefühl vorstellen, dass die Welt da draußen ganz furchtbar ist und absolut unerträglich, wenn man sich nicht so viel wie möglich davon vom Leibe hält. Natürlich würden einige Feministinnen sofort betonen, dass es FÜR FRAUEN natürlich genau so wäre und Männer das aufgrund ihrer Privilegien nicht einschätzen können etc. Tatsächlich ist es aber seinerseits eine Weltsicht, in der sich ein enormer Wunsch nach sozialer Distinktion ausdrückt: Als müsse man sich permanent den Pöbel vom Leib halten, der die feine Gesellschaft bedrohe.

      (Es wäre interessant, mal zu untersuchen, ob die anhaltende Begeisterung für Zombie-Filme und -Serien nicht genau dieses Ressentiment ausdrückt: Die dumpfe, hirnlose, destruktive Masse bedrohe beständig die letzten Menschen, die noch zu zivilem Verhalten fähig sind. Aber das ist eine andere Frage.)

  • „…deckte sie sich mitten in der Unterhaltung fest mit beiden Ohren die Hände zu…“

    Klarer Fall von Fake News. Oder es ist einer dieser schwer begreiflichen Quanteneffekte. Man weiss es nicht. 🙂

    Eine möglicherweise etwas idealistische Betrachtungsweise der Sozialen Medien ist doch, dass diese u.a den Austausch von Meinungen ermöglichen und den Politikern die Möglichkeit böten, auf Kritiken einzugehen. Das ist aber sehr selten der Fall. Für den durchschnittlichen Politiker ist Facebook und Twitter nur ein weiteres Medium, um ihre immer gleiche Propaganda zu schleudern. Deshalb sollten die Parteien und ihre Repräsentanten aus den sozialen Medien verschwinden. Es bleiben ihnen genug Medienkanäle, um ihre Werbung zu aufzuschalten. Das ist natürlich nur ein frommer Wunsch und wird so nicht passieren.
    Was die Parteien und ihr Personal noch immer nicht verstanden haben, ist, dass die sozialen Medien nicht gedacht sind, um nur zu senden. In deren Weltbild sind sie die Sender der frohen Botschaft und alle anderen sind die Empfänger, stumm, so wie es immer war. Diese Zeiten aber sind vorbei.
    Wenn man sich die gängigen Kommunikationsmodelle veranschaulicht, dann wird klar, dass es sich um eine gestörte Kommunikation handelt, wenn eine Seite als auf beiden Ohren tauber Sender auftritt. Das erklärt auch einen Teil der Aggressionen insbesondere auf Twitter. Man kann ja bekanntlich nicht nicht kommunizieren. Die Parteien und ihre Leute kommunizieren, ohne es auszusprechen: Eure Meinung geht uns am Arsch vorbei. Deshalb wäre es besser, sie würden aus den sozialen Medien verschwinden.

    • Ich denke das ist ein wichtiger Aspekt: Früher lief die Kommunikation von Journalisten (und Politikern) und Publikum nur in eine Richtung, vielleicht mit Ausnahme von Leserbriefen, die man aber selektieren konnte. Die Journalisten sandten die Botschaft, und das Publikum nahm sie auf.

      Heute kann das Publikum direkt reagieren, und zwar jeder Einzelne, und prinzipiell ungefiltert. Dass es da mitunter ziemlich heftig zugeht, ist klar, und es mangelt natürlich nicht an Beleidigungen und Verschwörungstheorien, das ist die negative Seite.

      Positiv sehe ich allerdings eine große Demokratisierung; die Gurus der öffentlichen Meinung werden massiv in Frage gestellt, und das ist auch gut so.

      Dass massenhaft Blocken ist gewissermaßen ein Versuch, die Kontrolle wieder zu gewinnen, die Stimmen, von denen man nicht will, dass sie gehört werden, zum Verstummen zu bringen.

      Was natürlich tendenziell auch dazu führt, dass man immer weniger gehört wird.

  • „männlicher Überlebender sexuellen Missbrauchs“

    Sind die anderen Opfer sexuellen Mißbrauchs denn überwiegend an dieser Tat gestorben? Denn nur in diesem Zusammenhang halte ich es für gerechtfertigt, von Überlebenden zu sprechen. Ich halte das für eine feministische Rethorik, die genau dazu verwendet wird, den Opferstatus noch zu überhöhen.

    • Ist mir auch aufgefallen. Wir haben die Nutzung dieses Begriffs in der Vergangenheit aus guten Gründen immer kritisiert, also sollte man ihn in der Tat vermeiden.

      • In einem längeren Text hat der „Lotosritter“ diesen Begriff mal aus seiner Warte erläutert. Er definiert das, ich versuche es mal sinngemäß wiederzugeben, als das Überwinden des ewigen Opferseins und der sich damit auf ewig dem Täter unterwerfenden emotionalen Lage.

        Wirklich treffend finde ich den Begriff in seiner tatsächlichen Bedeutung – also im Gegensatz stehend zu körperlich zu Tode gekommen – auch nicht, aber seine Intention ist da eine andere, als die sehr offensichtliche rhethorische Taktik der Feministinnen, hier eine direkte Linie des Opferseins hin zu den Opfern nationalsozialistischer Mordindustrie zu ziehen, in bester Tradition einer Alice Schwarzer, die dies ja auch auf einer öffentlichen Rede unter großem Beifall propagierte, auch wenn sich die meisten modernen Strömungen dieser Ideologie aufgrund Schwarzers „Islamophobie“ von ihr distanzieren.

        Für ihn steht das eben eher als das sich Loslösen vom Täter und dem Finden hinein in ein neues Leben, das nur einem selbst gehört und nicht mehr von den Schatten kranker Verbrecher mitbestimmt wird. Und da es in seinem Kontext auch um Menschen geht, die in ihrer Kindheit, also in einem seelisch weit zerbrechlicherem Lebensstadium solchen Verbrechen ausgesetzt waren, ist die pathetische Wortwahl auch noch zusätzlich nachvollziehbarer, als wenn sie von erwachsenen Menschen gebraucht wird, die inzwischen schon bei Frauen von „Überlebenden“ reden, wenn das, was jene überlebt haben in Wahrheit nicht mehr war, als eine ungewünschte Avance. Aber Moment, wollen wir mal nix runterspielen. Wir alle kennen ja die Millionen von Flirtversuchen jährlich, die in brutalen Massakrierungen armer Frauen enden… 😉

    • @Robert

      Mitm hat es bereits geschrieben, ich möchte aber hier noch einmal den Kern der feministischen Rhetorik ansprechen, nämlich wessen Opferstatus sie zu beerben gedenken.
      „Survivor“ bezog sich vorher ganz klar auf den Holocaust survivor.
      Dass die begriffliche Verwendung nur ein Zufall ist, kann man klar verneinen.
      Denn nicht umsonst ist, wer die „rape culture“ verneint, weil es keinen empirischen Beweis für deren Existenz gibt, auch unumwunden ein rape denialist.
      Die Parallele zum Holocaustleugner (Holocaust denialist) ist offensichtlich.

      Die Opferkonkurrenz der identitären Ideologie erzeugt Opferneid und dann werden die echten Opfer der Geschichte eben kurzerhand per Sprachhypnose enteignet.

      Natürlich könnte man die Gegenfrage stellen, wo denn die Leichenberge der Opfer sexueller Belästigung geblieben sind, aber ich in der Regel zu beschäftigt, meinen Würgereflex zu kontrollieren /sarcasm off

      • Trotzdem ist der Begriff „Überlebender“ falsch und daher bei weiblichen und männlichen Opfern fehl am Platz.
        Gerade wenn ein Thema so sehr Emotionen weckt, sollte man sich um Sachlichkeit bemühen. Seinen Opferstatus aufzupolieren, egal aus welchem Grund, ist da nur kontraproduktiv.

        • Grundsätzlich stimme ich dem zu. Allerdings habe ich mir die Texte vom Lotosritter über seine Familienchronologie mal ziemlich komplett durchgelesen und halte ihm v.dh. zugute, daß man da wohl tatsächlich von langen Strecken akuter Lebensgefahr ausgehen kann. Vermutlich überleben Manche vergleichbare Zeiten mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit nicht.

          • @ all Ich hatte mir schon beim Schreiben des Textes Gedanken darüber gemacht, ob ich den Begriff „Überlebender“ tatsächlich übernehmen sollte. Ich habe ebenfalls aus den erwähnten Gründen Zweifel an seiner häufigen Verwendung – weil es eindeutig ist, dass er sich im politischen Diskurs grundsätzlich einmal auf Holocaust-Überlebende bezogen hat.

            Ich hab ihn dann aus zwei Gründen verwendet. Erstens aus Respekt vor dem Lotosritter. Billy hat ja schon beschrieben, warum er den Begriff „“Opfer“ meidet – und „Betroffener“ fand ich zu bürokratisch.

            Zweitens aber auch, weil ich mir sicher bin, dass Erfahrungen mit sexueller Gewalt, gerade bei Kindern, tatsächlich etwas mit „Überleben“ zu tun haben: Es geht dann nicht um Bewältigung, auch nicht darum, durchzukommen (als wäre es irgendwann vorbei), sondern darum, erstmal schlicht am Leben zu bleiben.

            Und da ist eben der Kontext wichtig: Das kleinliche, selbstgerechte Blocken eines Ministeriums, das jemanden aus sozialen Diskursen ausgrenzt – die anmaßende und gedankenfreie Legitimation dieses Blockens durch Lobo

            – und auf der anderen Seite eben jemand, der von dieser Ausgrenzung betroffen ist, einfach weil er auf eine Weise Gewalt erfahren hat, die der Ministerin nicht ins Konzept passt.

            Die Schwere des Begriffs „Überlebender“ macht im Kontrast zur selbstgerechten, gedankenlosen Willkür des Ausgrenzens durch ein Ministerium erst klar, worum es hier eigentlich geht.

          • @all
            an diese gute Diskussion wollte ich noch anhängen, dass auch in Bezug auf den Holocaust/Shoah selbst der Begriff „Überlebender“ fragwürdig ist, als dass ein rein menschengemachtes Ereignis zur elementaren Katastrophe verklärt wird. „Überlebende“ im eigentlichsten und besten Sinne sind ja die Überlebenden von Naturkatastrophen, Schiffsuntergängen und anderen tragisch-technischen Ereignissen. Im bildlichen Sinne ist das mit dem „Überleben“ auf menschliche Verhältnisse übertragbar, besonders dann, wenn die gesamte Aussenwelt wie bei einem natürlichen Elementarereignis einen durchweg oder überwiegend feindlichen Charakter annimmt.

          • Ich denke, in einer Diskussion ist in so eindeutigen Fällen auch ein wenig umgangssprachliche Adaption nicht sofort zu verurteilen.
            Konkret:
            Wenn in den Massenmedien allen Ernstes ein Mensch, dem in einem Zappelschuppen mal ein Getränk aufgenötigt , oder ihm im Vorbeigehen an den Hintern gefasst wurde, als „Überlebender“ bezeichnet wird, dann ist es kein allzu kritikwürdiger „Fehler“, jemandem der jahrzehntelang mit schwerer sexueller Gewalt beaufschlagt wurde, mindestens den gleichen Status zuzugestehen.

          • @Alex @Fiete @all

            Alex schreibt: „in Bezug auf den Holocaust/Shoah (sei) selbst der Begriff „Überlebender“ fragwürdig“, da „ein rein menschengemachtes Ereignis zur elementaren Katastrophe verklärt wird.“

            Da stimmt, aber was wollen wir denn verwenden, um einen Menschen zu beschreiben, der einem
            – bürokratisch organisierten
            – industriell exekutierten
            Massenmord entkommen ist?
            Ein „Entronnener“? Eine „Entkommende“?
            Ich weiß es selber nicht.

            Da die umfassende Mordabsicht so eindeutig war, schien mir der Begriff des (zufällig) Überlebenden treffend zu sein, wie auch die feministisch-revisionistische Absicht, sich damit zu schmücken.
            Die naheliegende Analogie, für Frauen sei die Erfahrung des Patriarchats ein tägliches und lebenslängliches Auschwitz ist so infam und so verlogen, dass man ihnen diesen Opfernarzissmus um die Ohren hauen sollte.

            Fiete, ich habe deinen Einspruch zur Kenntnis genommen und mir ist nachvollziehbar, warum Lotosritter ihn für sich verwendet.
            Meine Einwände beziehen sich auch nicht auf ihn als Individuum und sollen auch nicht seine individuellen Erfahrungen entwerten.

            Aber eben weil die feministische Verwendung – besonders in den USA – den allerletzten Hirnriss an „Erfahrung“ von „Sexismus“ bereits als sexuelle Gewalt verkauft, gehen zwangsläufig diejenigen unter, die diese Gewalt tatsächlich erfahren haben.

            Wenn jeder weiblich-feministische Quatsch und seine Erfahrung die identische Qualität haben, wird die seine bedeutungslos. Das feministische „weite die Definition aus“ und mache es „zur schlimmsten historischen Erfahrung“ geht Hand in Hand.
            Noch einmal: Die echten Opfer der Geschichte werden dadurch enteignet und das geschieht nicht zufällig, sondern die Opfer sind nur echte Opfer im identitären „victim stack“.
            Da in dieser Ideologie keine weiblichen Täterinnen existieren, stören deren männliche Opfer – die muss man blocken, um weiterhin in seiner heilen, religiös motivierten Welt zu leben.
            Das BMFSFJ ist bspw. „Lalala“-Land.

          • @ Crumar:
            D’accord!
            Ich komme zum Schluss, daß wir ( mal wieder 🙂 ) das gleiche Phänomen aus unterschiedlichen Blickwinkeln ziemlich komplementär umschrieben haben.

            @all:
            Falls das wem noch nicht ganz klar ist, hier als Faustformel:
            Grundsätzlich ist es unsinnig wegen jedem Furz von „Überlebenden“ zu reden.
            Wenn man den Begriff aber schon anwenden möchte, dann bitte mit einer wenigstens irgendwie nachvollziehbaren Begründung. Und das bedeutet, daß man die Anwendungsversuche schon in Relation zueinander setzen können müßte und ggf. auch muß.

            Und da schneidet Lotosritter’s Misere nunmal deutlich anerkennenswerter ab, als die von ein paar Schneeflöckchen, welche sich ( zur Verdeutlichung leicht überspitzt ) über irgendeinen gerade mal ihnen unangenehmen „Kleinram“ ärgern.

            Oder noch kürzer gesagt: Bei gefühlter Verwendung des Begriffs ist die vernünftigerweise anzunehmende Schadens-, resp. Gefahrenhöhe/-intensität ein entscheidender Vergleichsfaktor ( möglw. sogar der wichtigste ).

            Und das hat nix mit Whataboutism zu tun, sondern dient dem Zweck, umgangssprachlichen „Schlendrian“ wenigstens einigermaßen sinnvoll interpretieren zu können.
            Beispiel:
            Sozialer Vater = falsch, wird aber mangels umgangssprachlichem korrekten Begriff ( und z.T. auch aus Abneigung gegen sachlich zutreffende Begriffe, bspw. „LAG der Mutter“ ) für irgendein Surrogat verwendet, siehe auch Stiefvater, Herbergsvater, Pflegevater etc..
            Der Zusatz ist also notwendig, um die Nichtvaterschaft zu kennzeichnen.

            Biologischer Vater = Diffamierung eines Vaters mittels ein Surrogat nahelegender, ansonsten vollkommen sinnloser Attributierung.
            ( siehe auch: „Kindeseltern“ [ falsch ] vs. „Pflegeeltern“ [ Surrogat ],
            oder: „Mutter aller Schlachten“ [ Surrogat ] vs. „leibliche Mutter“ [ falsch ])

            Beispiel 2:
            Unterhalt ( des Kindes ) = rechtlicher Begriff, der die gesamte praktische Ausübung der Sorge umfasst, als da wären ( wiederum nach rechtlicher Kategorisierung ):
            Beherbergung, Bekleidung, Ernährung, Anleitung, Förderung, Begrenzung des Kindes.

            Unterhalt ( umgangssprachlich ) = ein willkürlich in der DDT festgelegter Geldbetrag, der dem Treuhänder ( oder sonstigem Unterhaltsleister ) des Kindes dessen Unterhalt erleichtern soll, um mögliche Finanzdefizite durch Verlust eines Elternteils ( oder beider ) symbolisch auszugleichen. Als Surrogat korrekterweise durch ein passendes Attribut zu kennzeichnen, bspw. „Barunterhalt“, oder „Unterhaltsaufwandsentschädigung“.

            Da der Begriff „Überlebender“, im Gegensatz zu „Elter“, „Vater“, „Mutter“, „Unterhalt“, offenbar relativ unscharf abzugrenzen ist, wären auch da präzisierende Zusätze sinnvoll.
            Beispiel:
            „Überlebender existenzgefährdenden Mißbrauchs“ [ naheliegend begründetes Surrogat ] vs. „Überlebender einer unangenehmen Belästigung“ [ i.d.R. feministischer Blödsinn ].

            Letzteres übrigens ein typisches Beispiel feministischer – gezielt mißbräuchlicher – Sprachverwirrung, zum Zwecke sinnvolle verbale Kommunikation aus niederen Motiven in ihrer Existenz erheblich zu gefährden.
            Ich kann nur hoffen, daß die Sprache der Vernunft letztendlich obsiegt und somit „überlebt“.

      • „„Survivor“ bezog sich vorher ganz klar auf den Holocaust survivor.
        Dass die begriffliche Verwendung nur ein Zufall ist, kann man klar verneinen.“

        Siehe hierzu etwa Dean, Carolyn J.: Aversion and erasure : the fate of the victim after the Holocaust, Ithaca and London 2010.

        Soweit mir bekannt ist, war es Betty Friedan, die 1963 erstmals nordamerikanische Frauen der Mittel- und Oberschicht mit KZ-Gefangenen der Nazies verglichen hat (in ihrem Bestseller „The Feminine Mystique“).

        • Achtung, noch so ein Fehler: vergleichen =/= gleichsetzen. Vergleichen kann man alles mögliche miteinander (ganz gleich, ob und wenn ja wieviel Sinn das ergibt), aber gleichsetzen eben nicht (zumindest nicht, ohne der jew. Sache nicht gerecht zu werden).

  • Also ich gebe zu, bisher immer noch kein Twitter-Konto zu haben (aus Gründen) und deshalb immer nur als unangemeldeter Besucher zu lesen, u.a. natürlich https://twitter.com/LucasSchoppe1 und andere.

    Nach meinem Eindruck kann ich da alles lesen, was diese Konten twittern, vielleicht verpasse ich aber auch entscheidendes und merke es nicht. Die Meldung, daß ein Tweet nicht verfügbar ist, kommt sehr selten, und dann scheint er in der Tat gelöscht worden zu sein.

    Selbst wenn ich ein Twitter-Konto hätte, könnte ich bei firefox ein zweites Profil anlegen, bei dem ich mich nicht bei Twitter einlogge, also anonym lese, und alle Blockaden sind aufgehoben. D.h. für technisch wirklich effektiv halte ich das Blocken nicht, es ist nur lästig, ggf. mit zwei Profilen zu arbeiten und den browser 2* zu starten. Wegen der parallel laufenden firefoxe sollte auch der Hauptspeicher nicht zu knapp sein.

    • Ich bin da konsequent. Lesen, wenn wer auf etwas akutes verweist, ja, dann aber ohne Erlaubnis der Scripte ( geht bei Twitter, es wird einem dann die „klassische Ansicht“ angeboten, was belegt, daß die zusätzlichen Scripte i.d.R. unnötig sind, außer bei Videos, da kriegt man so nur das Vorschaubildchen angezeigt ).

      Grundsätzlich: Dissoziale Hetzwerke, nein DANKE!

      ( Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel und hinterher wird der portable Brauser bereinigt )

  • Fiete machte mich freundlicherweise auf die laufende Diskussion zum Begriff „Überlebenden“ aufmerksam. Also gebe ich als „Betroffener“ meiner Gedanken hierzu aufs elektronische Papier.

    Von Überlebenden sprechen wir nach so ziemlich jeder Katastrophe. Wir verwenden den Begriff selbstverständlich. Wird der Begriff jedoch für einen Überlebenden von Gewalt und Deprivation in der Kindheit verwendet, stellen wir fast selbsttätig eine Verbindung zum Holocaust her und ziehen feministische Argumentationsketten herbei. Mir ging es, wie ich dem Begriff erstmals begegnete, ebenso. Konditioniert durch die feministische Hyperbel, die sich in den 70er Jahren den Hexenbegriff zueigen machte, um sich als Opfergruppe und Verfolgte unvorstellbarer Grausamkeiten zu „nobilieren“, war auch mein erster Impuls Reaktanz über diese Anmaßung. Sie hält hinsichtlich der Feministen auch heute noch an. Doch durch die zunehmende Sprachkritik von „Sprachwarten“, die den Begriff Überlebende für die Shoa und Autounfälle gleichermaßen zulässt, ihn aber für Missbrauchsopfer ausschließen möchte, regte sich wiederum meine Reaktanz, und ich setzte mich erneut mit den Begriffen auseinander, darüber bloggte ich vor zwei Jahren hier: https://wp.me/p6MOlq-6k

    Ich erlebe mich auch in meiner Auseinandersetzung mit meiner Drogensucht in den Selbsthilfegruppen – ich werde in diesem Jahr meine 40jährige Abstinenz feiern – als Überlebender; denn als ich sauber wurde, war meine Lebenserwartung maximal noch zwei Jahre. In den Suchtselbsthilfegruppen verwende ich jedoch lieber den Begriff „Wiedergeborener“, um mein Lebensgefühl mit meiner Vergangenheit zu umschreiben. Wer will mag mich auch so bezeichnen. Seltsam finde ich jedoch, dass mir die Selbstbenennung versagt werden soll, nur weil Feministen diesen Begriff auch für sich histrionisch verwenden, oder weil er von Überlebenden der Shoa auch zum Selbstschutz gebraucht wurde. Er etablierte sich übrigens aus dem gleichen Behuf, wie bei mir, nämlich aufgrund der Ablehnung des Wortes Opfers, das in seiner Denotation ausschließlich passive Eigenschaften umfasst. Anfänglich wurden die Überlebenden der Shoa als DP – Displaced Persons – bezeichnet, was auch als Entwurzelte übersetzt werden kann. Entwurzelt ist ein Überlebender von Kindesmissbrauch auch; auch er muss, um weiterleben – eben überleben – zu können, wieder Grund finden, indem er Halt und Vertrauen findet. Ein Prozess, der ein Leben lang währen, aber auch im Freitod enden kann, weil man den wenigen Halt fürs Überleben verloren hat. An Klippen und an Berghängen überlebende Bäume sind hierfür meine Analogie. Jedenfalls töten sich viele Überlebende der Shoa im Alter selbst, weil sie dem Schrecken nicht entkommen. Bei Missbrauchsopfern besteht die Gefahr des späten Suizides – wie auch des späten Posttraumas – ebenso.

    Seltsam empfinde ich, die Aufgeregtheit, mit der Worte und über die Worte Personen in Verdacht geraten, finstere Absichten zu verfolgen. Wir kennen das vom N-Wort, wo selbst ein Mohrenkopf als schlimmster Rassismus gilt. Hier werden in puritanischer Manier Wörter denunziert, um politische Positionen zu behaupten und Widersacher zu verunglimpfen. Das ist für mich Orwell. Es ist totalitär. Es ist Gedankenpolizei gegen sich selbst und gegen andere.

    Seltsam empfinde ich auch, dass sich in der Diskussion zu diesem Blogbeitrag von Lucas über die Eitelkeit des Sascha Lobo eine Diskussion zum Begriff „Überlebender“ entspannte. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch Blocken bei Twitter oder anderswo rückt somit in den Hintergrund, ja es soll hier gar ein Wort geblockt werden. Das ist für mich Rosinenpickerei politisch Gerechter, die sich selbst erhöhen. Sich auf Marginalien zu beziehen, ist auch typisch für Diskussionen, bei denen der eigentliche Komplex schwierig und unübersichtlich ist. Lucas versuchte den Nexus der Diskussion wieder hervorzuheben, indem er treffend bemerkte: „Die Schwere des Begriffs „Überlebender“ macht im Kontrast zur selbstgerechten, gedankenlosen Willkür des Ausgrenzens durch ein Ministerium erst klar, worum es hier eigentlich geht.“

    Ja, der Begriff Überlebender in Zusammenhang mit Kindesmissbrauch hat Wucht, und er soll Wucht haben! Wer wissen will, wie tief Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung in die Anatomie des Gehirns eingreifen und bleibende Schäden hinterlassen, dem empfehle ich die Lektüre „Verkörperter Schrecken“ von Bessel van der Kolk. (Auch hierüber bloggte ich: https://wp.me/p6MOlq-hD )

    Gewiss, Wörter werden „missbraucht“. Wer den korrupten Fußballfunktionär Beckenbauer „Kaiser“ nennt begeht einen solchen Missbrauch. Wenn sich Feministen, weil sie beim kessen Spaziergang durch New York, freundliche Zurufe und Komplimente erheischen, was auch ihre Absicht war, als Überlebende bezeichnen, so ist das Dünkel und Hyperbel. – Wer freilich nicht darauf hören will, was jemand sagt, und nicht, wie er es sagt, der diskriminiert. Wer das allerdings vermag, der belässt die Kirche im Dorf.

  • Was die Blockade meines Twitteraccounts durch das BMFSFJ angeht, könnte ich diese womöglich einfach dadurch beheben, indem ich denen meinen aktuellen Presseausweis vorlege; doch ich denke gar nicht daran. Sie blockten mich ja, weil ich ihnen nicht servil genug bin, weil ich es für unerträglich halte, wie dieses Ministerium für Feminismus und Gesinnung mit der anderen Hälfte der Bevölkerung, den Männern und Jungen umspringt. Und das gerade dort, wo Männer und Jungen gleichermaßen Opfer von Gewalt und Diskriminierung wie Frauen und Mädchen sind, zum Beispiel bei sexualisierter Gewalt. Sie werden hier marginalisiert und verschwiegen.

    Ich empfinde meine Twitterblockade als einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und als ausgeübte Zensur, denn man will mich zu einem wohlgefälligen Verhalten gegenüber einer politischen Institution und seiner Ideologie zwingen. Man will mich beugen. Also grenzt man mich aus, und will ich zurück an den ministeriellen Katzentisch, soll ich ihnen zu Kreuze kriechen. Darüber bin ich zornig; das halte ich für diskriminierend und für Missachtung meiner leidvollen Geschichte. Ja, das BMFSFJ versucht meine Person ein weiteres Mal auszulöschen, indem es mich missachtet. Schließlich bedeutet die Twitterblockade auch, dass das Ministerium keine Direktlinks „@bmfsfj“ von mir sieht. Sie sehen also nicht, wenn ich zu Kindesmissbrauch in meinem Blog Lotoskraft schreibe. Sie sehen meine Beiträge nicht nur nicht, sondern sie signalisieren mir zudem, dass sie sie nicht sehen wollen. Und das ist nicht nur dumm, sondern wie so vieles Dummes unverschämt.

    Dass Volker Beck oder Künast mich blockieren, weil ich ihre Einlassungen zur Pädasterie und Pädophilie brandmarke, ist geschenkt. Sie zeigen mir dadurch nur, wessen Kleingeistes Kind sie sind. Doch dass eine politische Administration es sich herausnimmt, Bürger von ihren Statements auszuschließen, bzw. ihnen den Zugang dazu zu erschweren, halte ich für inakzeptabel.

    • Freut mich, daß Du reingeschaut hast und ich habe Hoffnung, daß für den einen oder anderen Mitleser das Nebenthema vielleicht ein wenig klarer/verständlicher geworden ist. Für mich sind Deine Ausführungen dazu hilfreich.

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