Armut geschlechtergerechte Sprache Political Correctnes

Geschlecht und Sprache und Hannover

geschrieben von: Lucas Schoppe

Die sprachlichen Regelungen, auf die Hannover seine Verwaltung nun verpflichtet, sind eher notwendig ungerecht als geschlechtergerecht und eher entschlossen exklusiv als inklusiv.

 

Ewiggestrige als Avantgarde, oder: Die Verwirrungen staatlicher Sprachpflege

„Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“

Das erklärte Johanna Wanka allerdings erst kurz nach dem Ende ihrer Amtszeit als Präsidentin der Kulutusministerkonferenz – noch wenige Monate vorher hatte sie darauf bestanden, dass nun endliche einmal Schluss sein müsse mit den Diskussionen.

Die Rechtschreibreform, die Mitte der Neunziger Jahre mit einem enormen medialen Einsatz und vielfachen Millionenkosten durchgeführt und zehn Jahre später klammheimlich fast vollständig wieder aufgegeben wurde, eignet sich gut zum Vergleich mit einem heute wild umstrittenen Thema: dem „Gender-Gaga“ (Bild-Zeitung) bzw. der „geschlechtergerechten Sprache“ (Anatol Stefanowitsch), festgelegt  in einem neuen Leitfaden der Stadt Hannover und mit Vorbildcharakter für viele Kommunen.

Als die Kultusministerkonferenz in den Neunziger Jahren eine Rechtschreibreform beschloss, hatte sie dafür eigentlich kein Mandat – die allgemeine Sprachpflege ist nicht ihre Aufgabe. Die Konferenz setzte ihre Reform durch, indem sie die ihr anvertrauten Kinder und Jugendlichen als Faustpfand nutzte: Wenn in den Schulen die neue, von der KMK beschlossene Rechtschreibung gelehrt würde, außerhalb aber die alte Rechtschreibung fortgesetzt würde, dann würden die Schüler in erhebliche Konfusionen und Schwierigkeiten geraten. Statt dass also an den Schulen die Rechtschreibung des Landes gelehrt wurde, sollte sich das Land an die neue in den Schulen gelehrte Rechtschreibung anpassen. Was konnte schiefgehen (bzw. „schief gehen“, nach neuer und mittlerweile längst wieder überalterter Rechtschreibung)?

Nach nicht nachlassenden Protesten, und nachdem viele Zeitungen, die widerwillig mitgemacht hatten, wieder zur alten Rechtschreibung zurückkehrten, wurde die Reform im Jahr 2006 weitgehend wieder zurückgenommen – dieses Mal ohne größeren medialen Aufwand, was zwar gesichtswahrend (das ist das, was Wanka als „Staatsräson“ bezeichnete) für die KMK war, was aber auch dazu führte, dass manche Lehrkräfte noch lange die alte neue und jetzt falsche Rechtschreibung weiter unterrichteten.

Nur die taz blieb sich noch eine Weile treu, motzte in gewohnter und gut eingeübter Manier über die „Ewiggestrigen“, die sich nun endlich der Reform unterordnen sollten, hat sich aber mittlerweile auch längst selbst angepasst. Übrig bleiben Millioneninvestitionen für nichts, bzw. für neue Schulbücher, die nach kurzer Zeit schon wieder unbrauchbar waren – und viele Menschen, die in ihrer Rechtschreibung heute deutlich verunsicherter sind als vor der Reform.

Welch besseren Ort für die Durchsetzung von Vielfalt könnte es geben als eine Behörde?

Zwei Beobachtungen sind interessant für die heutige Debatte. Die Auseinandersetzung wurde stark moralisierend betrieben – und zwar nicht nur von den Kritikern staatlicher Sprachgestaltung, sondern auch bei den Verteidigern, die den Kritikern ideologische Motive vorwarfen und ihre eigenen ideologischen Motive übersahen. Das erschwerte ebenso den sachlichen Austausch wie die Konsensfindung.

Zweitens erfüllt Sprache so viele unterschiedliche, aber vielfältig ineinander verwobene Funktionen, dass es aussichtslos ist, ihr durch administrative Sprachgestaltung gerecht werden zu wollen. Sprache bezeichnet etwas, vermittelt sachliche Informationen, drückt Gefühle aus, schafft Zugehörigkeiten oder markiert Grenzen, enthält Aufforderungen, strukturiert und koordiniert Handlungen, während ihr Gebrauch im Sprechakt zugleich selbst eine Handlung ist, sie ist mit ästhetischen Erfahrungen verbunden, und sie ist für Menschen Ausdruck ihrer Person ebenso wie Ausdruck ihres sozialen Ortes.

Eben weil Sprache unterschiedliche Funktionen erfüllen MUSS, denen amtliche Richtlinien gar nicht gerecht werden können, wird staatliche Sprachpflege Menschen also notwendig moralisierend gängeln. Selbst Gutwillige werden daran scheitern, dieser Sprachpflege gerecht zu werden – und werden sich dann mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, ewiggestrig zu sein, reaktionär, oder eben: frauenfeindlich.

 

Mitgemeinte Führungskräfte, oder: Die geschlechtergerechte Sprache ist ungerecht

Der auch vom Professor Stefanowitsch genutzte Begriff „geschlechtergerechte Sprache“ ist polemisch, weil er stillschweigend unterstellt, eine andere als die genderpolitisch korrekte Sprache sei nicht geschlechtergerecht. Das ist auch so, aber eben nur aus der Perspektive genderpolitischer Gegner der gewohnten Sprache. Wer diese Sprache hingegen verteidigt, sieht sie ja durchaus als geschlechtergerecht an.

Die traditionelle feministische Unterstellung, Frauen wären dort immer nur „mitgemeint“, aber allein Männer würden angesprochen, ist aus der Perspektive von Verteidigern der gewohnten Sprache haltlos. In der für die Moderne typischen funktionalen Differenzierung würden allgemeine Begriffe eben nicht Männer, sondern Funktionen beschreiben und wären daher umfassend – Männer wären ebenso mitgemeint wie Frauen. Wörter, die grammatikalisch maskulin sind, würden daher ebenso wenig ausschließlich Männer bezeichnen, wie Wörter, die grammatikalisch feminin sind, ausschließlich Frauen bezeichnen würden.

Kein Mann käme schließlich auf die Idee, er wäre lediglich „mitgemeint“, wenn von einer Führungskraft, einer Fachkraft, einer Person, einer Koryphäe, gar einer Exzellenz oder Hoheit oder einfach von einer Type die Rede ist. Männer sehen sich auch nicht als lediglich „mitgemeint“ an, wenn das Personalpronomen in der Pluralform („sie“) oder in der respektvollen Ansprache („Sie“) ausschließlich die weibliche Form verwendet – weil sie eben gemeinhin einen Unterscheid zwischen sozialem und grammatischem Geschlecht machen. Zum Glück, sonst würde alles nur noch viel komplizierter.

Die genderpolitisch korrekte Sprache aber besteht auf einer engen Verbindung zwischen beidem, und sie kreiert diese Verbindung auch. Wer zum Beispiel „die Bürger“ anspricht, wendet sich an die Allgemeinheit. Wenn aber jemand genderpolitisch korrekter (aber noch lange nicht korrekt) „Bürgerinnen und Bürger“ anspricht, dann bezeichnet das Wort „Bürger“ offenbar nur die Männer – sonst wäre der Begriff „Bürgerinnen“ hier schließlich unnötig. So schafft sich die genderpolitisch korrekte Sprache eben die enge Verbindung zwischen Genus und Gender, die sie dann für ihre Kritik braucht.

Die männlich-weibliche Doppelform begründet dabei gerade im Lichte genderpolitischer Korrektheit ein Problem, das Allgemeinbegriffe wie (die) „Person“ oder (der) „Bürger“ nicht haben: Die Doppelform benennt ausdrücklich Männer und Frauen, legt sich damit aber auch auf eine binäre Ordnung fest und lässt andere, insbesondere Transsexuelle, demonstrativ aus.

Nanas in Hannover

Wer andererseits, etwa mit einer Konzentration auf abstrakte Begriffe oder dem geschlechtsneutralen Zusatz „x“ (Hornscheidts „Professx“), jegliche grammatikalische oder soziale Geschlechterzuordnung vermeidet, zieht sich die Kritik von Feministinnen wie Luise F. Pusch zu, dass Frauen dadurch zu einem bloßen sprachlichen Anhängsel („-in“) würden. So haben die Lösungen der genderpolitisch korrekten Sprache die seltsame Eigenart, zuverlässig immer mehr Probleme zu produzieren, als sie lösen, und sie sichern damit die Notwendigkeit weiterer kritischer linguistischer Befassung.

Zur Entwicklung von Sprache gehört das ebenso, wie es zu ihr gehört, dass Menschen nicht alle Entwicklungen mitmachen wollen. Genderpolitisch Korrekte und ihre Gegner arbeiten faktisch gemeinsam an der Sprache, ob sie das wollen oder nicht. Illegitim aber ist es, wenn beispielsweise Studenten unter Druck gesetzt werden, sie müssten genderpolitisch korrekt schreiben, weil sonst ihre Arbeiten nicht oder schlechter bewertet würden. Mit solchen Vorgaben hat der Nachweis der richtigen Gesinnung Vorrang vor der wissenschaftlichen Qualität einer Arbeit – und das ist nicht progressiv, sondern eine Rückkehr zum Ethos des Kaiserreichs oder der DDR.

Wenn hingegen Professor Stefanowitsch kritisiert, dass die Bediensteten der Stadt Hannover zur Sprache einer ganz bestimmten begrenzten Community, der LSBTIQ-Community, verpflichtet werden, dann sieht er dabei keineswegs das Problem, dass sich hier eine allgemeine Verwaltung sich auf das sprachliche Ethos einer kleinen Klientel verpflichtet sieht. Im Gegenteil: Für ihn ist das Problem, dass die Sprache als „soziolinguistischer Marker“ bald nicht mehr brauchbar wäre, dass sie also verwässert würde und nicht mehr die Sprache einer begrenzten Gruppe wäre, die sich über sie identifizieren kann.

Was Stefanowitsch als „Willen zur Geschlechterinklusivität“ bezeichnet, ist also tatsächlich ein Wille zur Exklusion.

 

Sozialdemokratende, oder: Die inklusive Sprache ist exklusiv

Schon vor Jahren war eine Freundin durch eine Dozentin unter massiven Druck gesetzt worden, in einer notwendigen universitären Hausarbeit eine genderpolitisch korrekte Schreibung zu verwenden, da die Dozentin die Arbeit sonst nicht annehmen oder schlecht bewerten werden. Die Freundin stammt aus einer Bauernfamilie, hatte erst einen Beruf erlernt, später die Zugangsberechtigung zum Studium nachgeholt – und sie hatte die genderpolitische Schreibung immer abgelehnt.

Das ist mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit uninteressant für Menschen, denen es angeblich um eine „inklusive Schreibweise“ geht. Wer aus einem nicht-bildungsbürgerlichen Milieu an eine Universität kommt, hat nicht nur klare offizielle Hürden wie den Erwerb der Studienberechtigung, sondern auch unzählige inoffizielle Schwierigkeiten zu überwinden – das, was Bourdieu als „kleine Unterschiede“ bezeichnet. Wenn privilegierte Schichten sich abgrenzen, dann eben nicht durch klare soziale Hinweise, die einfach, offen und jedem einsichtig sind, sondern durch feinere Signale – die für Menschen, die nicht dazugehören, nicht dechiffrierbar und kaum als Signale erkennbar sind.

Dazu gehört insbesondere der Sprachgebrauch. Der französische Soziologe Didier Eribon beschreibt in seinem wichtigen autobiographischen Buch Rückkehr nach Reims auch seine Erfahrungen als Bildungsaufsteiger aus einer Arbeiterfamilie in einem akademischen Umfeld: „Ich musste meine Sprache und meine Ausdrucksweise permanent überwachen.“ (S. 99)

Bildungsaufsteigern zusätzlich zu den Schwierigkeiten, mit denen sie ohnehin schon konfrontiert sind, auch noch die diffizilen, die Sprache oft erheblich erschwerenden, tief widersprüchlichen Regeln einer vorgeblich geschlechtergerechten Sprache aufzuerlegen, in der zuverlässig jeder mögliche Schritt aus der Perspektive irgendeiner relevanten Gruppe völlig falsch ist: Das ist weiter nichts als ein Beitrag zum Bau akademischer Wagenburgen.

Für die Stadt Hannover bedeutet das: Die genderpolitisch korrekte Schreibung ist vor allem ein Signal, dass der Stadt bestimmte Gruppen enorm wichtig, andere Gruppen aber völlig unwichtig sind – und dass die Verwaltung sich von der Bevölkerung insgesamt weiter distanziert.

Action! Von „Think“ steht da nichts, auch nichts von „Convince others“.

Eribon erzählt auch davon, dass er seine Scham und seine Erfahrung der Ausgrenzung als Homosexueller von Beginn an in seinen Schriften thematisiert hat – dass er aber seine Scham und seine Erfahrungen der Ausgrenzung als Bildungsaufsteiger aus einem Arbeitermilieu sorgfältig, und ohne es zu merken, aus seinen Schriften herausgehalten hat. (S. 19ff.)

Wer Diskriminierungen staatlich bekämpfen möchte – der muss also damit rechnen, dass ihm ausgerechnet die tiefsten und folgenreichsten Diskriminierungen gar nicht erst ins Blickfeld kommen. Denn es gehört ja eben gerade zu diesen Erfahrungen dazu, dass sie kaum, oder gar nicht, wirkungsvoll zur Sprache gebracht werden können und keinen Platz in den etablierten Diskursen haben.

Eine staatliche Antidiskriminierungspolitik ist also, wenn sie nicht völlig illegitim werden soll, dazu verpflichtet, sorgfältig zu überprüfen, ob die Maßnahmen gegen eine Form der Diskriminierung nicht möglicherweise andere Diskriminierungen vertiefen und verschärfen. Die Vertreter der genderpolitisch korrekten Sprache hingegen kennen nur ein Register, das sie bestenfalls mal durch Klischees aus Critical-Whiteness-Theorien ergänzen, und haben für anderes programmatisch keinen Sinn und keine Interesse.

Als ich vor einer Weile die Geburtstagsfeier unseres Sohnes ausrichtete, war auch ein Mädchen zu Gast, das mir erzählte, wie sehr sie sich freute, eingeladen zu sein – es sei das erste Mal, dass jemand aus der Klasse sie eingeladen habe. Im mittlerweile vierten Schuljahr. Das Mädchen ist sehr nett, fröhlich, sie hat nichts, was andere stören müsste – ihr war aber anzusehen, dass die Eltern wenig Geld haben. Das reicht auf einer ganz normalen Grundschule dafür, dass andere ihr nachsagen, sie würde stinken – was sie tatsächlich nicht tut, was aber das Gefühl anderer Kinder ausdrückt, dass Armut irgendwie anrüchig ist und es besser wäre, dazu Distanz zu halten.

Ein Komplementärbeispiel habe ich gerade von meiner Partnerin erfahren, die Grundschullehrerin ist. In ihre Klasse geht ein Junge, der gar nichts Besonderes an sich habe – mit Ausnahme der Tatsache, dass er aus der reichsten Familie des Ortes stamme. Daher hätten vor der Einschulung sämtliche Kinder des Jahrgangs angegeben, mit ihm in eine Klasse kommen zu wollen.

Vor wenigen Jahrzehnten noch, in meiner eigenen Schulzeit, war das anders – auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich mich damit wie ein alter weißer Mann anhöre, der von besseren Zeiten erzählt. Natürlich gab es Schüler, und natürlich Schülerinnen, die hingerissen waren, wenn jemand aus einem reichen Elternhaus kam – aber es gab auch immer genügend andere, die das primitiv und spießig fanden. Ich hatte immer, auch auf dem Gymnasium, Freunde aus ärmeren oder armen Familien, ohne dass jemand auf die Idee gekommen wäre, daran Anstoß nehmen zu können.

Wie konnte in wenigen Jahrzehnten so viel kaputtgehen? Ein möglicher Grund:

Was fehlt, ist ein Gegengewicht gegen die klassische kleinbürgerliche Haltung, sich nach oben zu orientieren und sich nach unten abzugrenzen, oder auch nach unten auszutreten. Linke Parteien interessieren sich schon lange nur noch pro forma für soziale Unterschiede, dafür umso intensiver für Identitätspolitik. Anstatt sich mit den Unterschieden zwischen oben und unten auseinanderzusetzen und mit der enormen Komplexität einer modernen Gesellschaft, hängen sie der seltsamen Idee nach, ausgerechnet die alten Klischee- und Ressentimentgeneratoren „Rasse“ und „Geschlecht“ wären die geeigneten Kategorien zur Analyse postmoderner Massengesellschaften.

Die Grünen waren ohnehin schon immer eine bürgerliche Partei, die nicht nur den Parlamenten ganz neue Impulse gegeben, sondern auch einiges zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen hat. Was aber ist mit den Sozialdemokraten?

Während sich die Schärfe der sozialen Unterschiede in die Leben unserer Kinder einfrisst, verkaufen sozialdemokratische Politikerinnen es als wesentliches Gerechtigkeitsproblem unserer Gesellschaft, dass der Frauenanteil in den Parlamenten etwa so groß ist wie der Frauenanteil in den Parteien, und nicht größer – und sozialdemokratisch regierte Kommunen suchen intensiv nach Wegen, den Forderungen von Transsexuellenaktivisten in Sprachregelungen für die Verwaltungen gerecht zu werden, ohne Feministinnen dabei zu verprellen.

Natürlich ist es völlig in Ordnung, dass solche Standpunkte vertreten werden – aber die Relationen stimmen nicht, auf absurde und grausame Weise nicht. So helfen diese Positionen dann weder Frauen noch Transsexuellen, sondern erfüllen lediglich die Funktion, andere, dringende Fragen aus dem Fokus zu drängen.

Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten. Oder genauer, Sozialdemokratinnen. Oder genauer, Sozialdemokratende. Hier wird die genderpolitisch korrekte Sprache dem Inhalt tatsächlich einmal besser gerecht als die herkömmliche Sprache, auch wenn sie dabei den Reim des alten Kommunistenspruchs bedauerlicherweise zerstört.

 

Im Text zitiert, aber nicht verlinkt:

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims, Berlin 2016

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78 Comments

  • Na man gut, dass dieses (mir verhasste Hannover) immer noch die Nanas von Niki de Saint Phalle hat stehen lassen; klingt es doch so nach Phallus.

    Die spinnen da schon seit 30 Jahren rum in dieser Stadt. Sei es, dass die Grünen den Nikolaus entwaffnen wollten wegen seiner „Rute“ etc.pp. und nun eben mit diesem Bürokratie-Monster, welches staatliche Formulare künftig noch unleserlicher und vor allem unverständlicher machen dürfte. Aber Hauptsache, man hat auf der amtlichen Site noch irgendwas mit „Leichte Sprache“ (vgl. BMFSFJ) im Angebot.

    Dieses Land hat ja offenbar keine anderen Probleme mehr, als irgendwelchen Minderheitenterror durchzusetzen. Alleine diese unsäglich Sprachreform an etwas Lebendigen, Wachsendem war ja schon schlimm genug (ich persönlich laboriere auch noch an den Spätschäden/-folgen).

    Aber egal – da braucht sich die SPD nicht mehr zu wundern, wenn sie wie heute zu lesen war, in Bayern mittlerweile auf 6 Prozent abgerauscht ist.

  • Danke für diesen schönen Song von Marc-Uwe Kling am Schluss des ansonsten eher deprimierenden Textes/Themas . Der hat mich wieder ein bisschen versöhnt.

    Als nächstes schau ich mir Orwells 1984 wieder mal an. Ob sich die Sozialdemokraten vom Neusprech inspirieren liessen?

  • „Die genderpolitisch korrekte Schreibung ist vor allem ein Signal, dass der Stadt bestimmte Gruppen enorm wichtig, andere Gruppen aber völlig unwichtig sind …“

    Das sehe ich als die wichtigste Erkenntnis an. Der Genderstern hat die gleiche Funktion wie andere politische Symbole (Hammer und Sichel, Hakenkreuz, Halbmond, Burka, …): sie drücken die Zugehörigkeit zu einer Ideologie aus. Das ostentative Zeigen dieser Symbole drückt die Machtposition dieser Ideologie bzw. die Macht ihrer Vertreter aus.

    Andere zu zwingen, diese Symbole zu benutzen, ist ein Akt der Kolonisierung und Unterwerfung, so wie der Gruß des Gessler-Huts. Speziell der Genderstern gilt eindeutig als politisches Symbol des radikalen Feminismus und wird sehr deutlich mit den Grünen assoziiert, die u.a. ihr Wahlpogramm zur letzten BTW damit verziert haben. Insofern ist es auch parteipolitisch nicht neutral. Die ganze Hannoversche Stadtverwaltung ist zu einer Drückerkolonne der Grünen und radikalisierten Teilen der SPD umfunktioniert worden.

    • Insofern sind die feministischen Schreibweisen nicht nur keine „inklusiven Schreibweisen“, sondern sogar ideologische Kriegserklärungen und in höchstem Maße exkludierend.

  • Der von Lucas Schoppe verwendete Begriff „Lehrkraft“ stammt allerdings auch schon aus dem Wortschatz des politisch „korrekt“ Sprechenden 😉

  • Ein frohes Neues wünsche ich!
    Ich bin erfreut, alle hier zu informieren, dass die Führungsmacht der freien Welt im Jahr 2019 dazu überzugehen scheint, die intersektionelle feministische etc. […]zu bekämpfen.
    Dazu muss ich sagen:
    Ich verfolge in letzter Zeit verstärkt die Kulturkriege in den Onlinemedien im Herzen des Imperiums.
    Da ja meist die Entwicklungen dort früher oder später in das europäische Neo-Feudalreich hinüberschwappen.
    1. Jüngst wurden ca. 1000 „Journalisten“ bei Buzzfeed und im OpEd-(„Meinungs-„) Bereich von Huffington Post gefeuert. Das scheint nur der Anfang zu sein.

    Das aktuelle Meme dazu ist „Learn to Code“ („Lerne zu programmieren“), eine in den 2000ern gern gemachte epische Entgegnung „progressiver“ „Journalisten“ gegenüber hauptsächlich in klassischen Industrien arbeitenden Menschen, die im Zuge der neoliberalen Feihandels- etc. Politik in den letzten Dekaden „freigesetzt“ wurden.
    „Du hast die letzten 30 Jahre in einer Kohlengrube gearbeitet, oder in der Stahlindustrie, und wurdest jetzt geoutsourced? Werde doch einfach auf die schnelle Programmierer“ (ein Beruf, der übrigens auch schon seit einer Dekade geoutsourced wird).
    Jetzt, da solcherart intersektionelle feministische „Journalisten“, nachdem sie selber jahrelang Hasskampagnen, Diffamierungs- und Bloßstellungskampagnen („Doxxing“) betrieben haben, mit dem Ziel, Ansehen und Broterwerb genderpolitisch nicht genehmer Menschen zu zerstören, nach ihrer Kündigung neuerdings auf Twitter herumjammern, wurde ihnen massenhaft ihr eigenes Meme vorgehalten: „Learn to code“.
    Nachdem es zunächst so aussah, als würde ab sofort jeder, der das LTC-Meme benutzt, bei Twitter gesperrt, hat Twitter nun einen Rückzieher gemacht und dies relativiert, dies beziehe sich nicht spezifisch auf obiges Meme, sondern nur, wenn dieses in Verbindung mit „Online Harrassment“, sprich „Internetbelästigung“ gegenüber intersektionellen „Journalisten“ gebraucht würde.
    Für diese scheint es eine enorme Zumutung und Beleidigung zu sein, wenn man ihnen einen normalen „Blue Collar Job“ empfiehlt, wie ihn die Mehrheit der Plebs auszuüben genötigt ist.
    Die Aristokratie fühlt sich beschämt und herabgesetzt! Whoa Kemosabe!
    Es sieht so aus, als könnten die USA eventuell doch noch mit dem Intersektionalismus, dem Femi-und Genderquatsch fertig werden.
    Das bringt mich zu
    Punkt 2.
    Am 11.01.2019 begab sich ein radikalfeministischer Antifa-Anhänger, der schon mehrmals Online zum Polizistenmord aufgerufen hatte, bewaffnet und mit Munitionsreserven versehen in die Schule seines Kindes, wo er ein paar Angelegenheiten zu „regeln“ gedachte in Zusammenhang mit der Aberkennung des Sorgerechtes . Aberkennung des Sorgerechts, st das nicht irgendwie ironisch für einen Radikal-Feministen?
    Sein T-Shirt trug übrigens die Aufschrift „Smash the Patriarchy and chill“ und he/she/them war ein bekannter Nutzer von modernen Genderpronomen.:-)
    Nachdem irgendwer sich genötigt sah, wegen ihm die Polizei zu rufen, und er versuchte, sich einer Befragung durch 2 Beamte zu entziehen, entwickelte sich ein Handgemenge, bei dem er einen Polizisten zu Fall brachte, während der andere ihn seinerseits zu Boden warf, wobei der Feminist seine verdeckte Waffe zog, 2 Schüsse abgab und von dem zweiten Polizisten in Notwehr per Kopfschuss getötet wurde.

    [gekürzt, keine Legitimation von Gewalt bitte]

    Wenn man mal betrachtet, wieweit z.B. in Schweden und in GB der [keine beliebigen Faschismus-Beschimpfungen, bitteLS] schon die klassische Rechtsordnung usurpiert hat.
    Jüngster Auswuchs: https://www.youtube.com/watch?v=y7ShPagA8Ns
    Die Gedankenpolizei George Orwells ist im Vereinigten Königreich tatsächlich faktisch objektive Realität! Faktisch, nicht metaphorisch!
    Und in einer Sache haben die genderstudierten, wenn auch im Alltagsleben völlig unproduktiven postmodernen intersektionellen philosophischen Analphabeten völlig Recht:
    MIT DER SPRACHE FÄNGT ES AN, mit der Kontrolle über freie Meinungsäußerung und Massenmedien geht es weiter, und am Ende steht DIE GEDANKENPOLIZEI in einer totalitär kafkaesk-orwellesken Farm der Tiere, mit soviel Gleichheit, dass einige Tiere sehr viel gleicher als andere sein müssen, weil die Masse der Tiere mit mehr als einer schafsgleichen Gleichheit pro Person („Wahlzettel“) sowieso nicht umgehen kann.
    Und selbst dieses Minimum steht in Frage, siehe der rosarotgrüne Angriff auf das Wahlrecht in Brandenburg, der nur einen Testballon für ganz Europa darstellt.

    Mit Blick auf die USA muss ich sagen: Das kann nicht mit „Diskursen“ geheilt werden, hier muss mit eisernem Besen gesäubert werden!

    3. Youtube hat eine neue Politik angekündigt, ihre Vorschlagslisten 2019 von
    Vörschwörungstheorien und „Borderline Content“ zu säubern:
    „We’ll begin reducing recommendations of borderline content and content that could misinform users in harmful ways—such as videos promoting a phony miracle cure for a serious illness, claiming the earth is flat or making blatantly false claims about historic events like 9/11“
    Das heißt z.B. man traut dem Durchschnittsuser nicht mehr zu, gegenüber lustigen Ideen wie z.B. dass die Erde flach sei, genügend kritisch zu sein, um ihnen nicht umstandlos anheim zu fallen. LOL.
    Jetzt haben sie mittels „Digitalisierung“ die Menschen schon soweit verdummt, dass man sie vor dem Witz beschützen muss, die Erde sei eine Scheibe.

    Was heißt überhaupt Borderline? Im obigen Sinne, jede Meinung, jede Kritik, jeder Witz, die nicht strafbar sind, die aber Irgendwer bei Youtube und/oder ein anomymer Computeralgorithmus nicht gut findet.
    Man muss die Menschen bald vor allem beschützen, was nicht von oben abgesegnet ist, nicht wahr?
    Sie haben unverständlicherweise einfach nicht mehr die Gehirnkapazität zu kritischem Denken. Und selbst wenn sie es versuchen, es kommen ja eh nur abstruse „Verschwörungstheorien“ dabei heraus, wie zum Beispiel, dass Frauen nicht axiomatisch besser als Männer seien, oder solcher Unfug wie, es gäbe biologische Geschlechter, oder dass Feministen hassgesteuerte, leicht getriggerte potentielle Kinderschänder („zerstört die toxische Maskulinität schon im Kindesalter“) und Amokläufer seien.
    Davor muss uns das Ministerium für Wahrheit bewahren, und wir sollten ihr dankbar dafür sein!
    Wer Interesse an den amerikanischen Kulturkriegen hat und einen Sinn für modernes Amüsement hat, der möge mal auf YT nach der Andi Warski-Tonkasaw/Donga-Ian Miles Cheong-Kontroverse suchen, wenn er sonst gerade nicht viel zu tun hat.
    Social Justice Warriors schicken da z.B. gerne mal per anonymem Anruf mit falschem Alarm wegen angeblicher Schießerei etc. unliebsamen Diskutanten schwerbewaffnete Sondereinsatzkommandos ins Haus, genannt „SWATting“.

    Es sieht so aus, als ob die Neo-Linke die USA unrettbar verloren hat für die nächsten Jahrzehnte, da können sie noch soviele Ocasio-Cortes aus dem Hut zaubern, oder jetzt Bernie Sanders wieder ins Rennen schicken, nein, mit dem intersektionellen Femi-Scheiß, mit Hillary, Russiagate usw. haben sie sich auf viele viele Jahre bei der Mehrheit der Leute, insbesondere der kommenden Generation, zum absoluten Arsch gemacht.
    Naja, hierzulande sieht man es ja bei der SPD, dem Projekt „ROTROTGRÜN“ und dem Hype um die AfD, welcher ich übrigens bei der Europawahl locker 25-30% zutraue.

    • @ Mikro-Mollath Ich hab aus dem Text ein paar Beschimpfungen entfernt und außerdem ein Video über die Erschießung eines Vaters durch die Polizei, einschließlich Deiner kräftigen Zustimmung dazu. Ich hab aber nicht die Zeit, hier für Kommentatoren den Lektor zu spielen. Ich möchte auch keinen Verschwörungstheorien hinterherjagen (z.B., dass der erschossene Vater Antifa war, weil er ja schließlich ein „Smash Patriarchy“-Shirt getragen hätte). Wenn Du hier kommentieren willst, halte Dich an die Regeln – oder lass es.

      Ich hab hier ganz selten Kommentare rundweg gelöscht, deshalb hab ich mir jetzt überhaupt die Mühe gemacht, in Deinen Kommentar reinzugehen und ihn nicht gleich ganz draußen zu lassen. Aber nochmal mache ich das nicht.

    • @MM

      Ich unterstütze übrigens den Kurs von Lucas bei der Moderation des Forums und es handelt sich hierbei um die Durchsetzung ziviler Regeln und nicht um Zensur.

      Zu einem wichtigen Punkt:
      „We’ll begin reducing recommendations of borderline content and content that could misinform users in harmful ways—such as videos promoting a phony miracle cure for a serious illness, claiming the earth is flat or making blatantly false claims about historic events like 9/11“

      Die erste Aussage im Text ist bereits die Pathologisierung einer abweichenden Meinung als „borderline“, ein Begriff, der aus der Psychologie/Psychiatrie stammt: „Im DSM-5 (dem Klassifikationssystem der American Psychiatric Association) wird die Borderline-Persönlichkeitsstörung wie folgt definiert:“ (Wikipedia)

      Bitte beachte, weder folgen sie der Definition, noch macht dieser Begriff im Kontext überhaupt einen Sinn.

      Die abwertende Pathologisierung erfolgt aus einem einzigen Grund, nämlich die Information des Beitrags von vorne herein als „misinform“ oder neudeutsch „fake“ zu labeln.

      Es macht weiterhin keinen Sinn, vorab zu definieren, ein solcher in Beitrag sei für den Betrachter „harmful“, es sei denn der Betrachter äußert ex-post, es sei für diesen eine solche Erfahrung gewesen.

      Der kleine Absatz erzeugt ein ganz eigentümliches setting, nämlich ein therapeutisches, in der die Rollen klar verteilt sind.

      Dadurch, dass sie sie für sich in Anspruch nehmen, prä-ante zu wissen, wie der Betrachter emotional auf einen solchen Beitrag reagiert, welche Effekte dieser hat (harmful), verwandeln sie sich in den gütigen Therapeuten, der dem Patienten ein Ungemach aus rationalen Gründen erspart/ersparen will.

      Der rationale Grund ist, bei dem Beitrag handelt es sich um „borderline content“ und nur sie können definieren, welcher content diesen Kriterien entspricht.
      Ohne natürlich eine solche Definition zu liefern oder ihr entsprechen zu können.
      Das ist Sprachhypnose.

      Was sie als Beispiele aufführen:

      – „a phony miracle cure for a serious illness,
      – claiming the earth is flat or making blatantly
      – false claims about historic events like 9/11“

      hat logischerweise nicht das jeweils gleiche Gewicht, obwohl sie es durch die Zusammenstellung behaupten.

      Die angekündigte Wunderheilung einer Krankheit lässt sich ebenso wissenschaftlich widerlegen, wie auch die Behauptung, die Erde sei eine Scheibe.
      Dass sich 9/11 hingegen genau so abgespielt, wie es die US-Regierung präsentiert hat, ist keine ebenbürtige wissenschaftliche Tatsache, sondern ein vielfach kritisiertes Narrativ. Diesem wurde und wird u.a. vorgeworfen, mit Fälschungen und Halbwahrheiten zu operieren.

      Es ist kein Zufall, diese drei Beispiele für „borderline content“ in einem Atemzug zu nennen, sondern es ist strategische Kommunikation der Herrschenden.
      Hier wird auch sehr klar, auf welcher Seite sich die „Neo-Linken“ befinden und dass es sich eben nicht um Linke handelt.

      • @crumar „Ich unterstütze übrigens den Kurs von Lucas bei der Moderation des Forums und es handelt sich hierbei um die Durchsetzung ziviler Regeln und nicht um Zensur.“

        Danke! Für mich war es auch eine Überlegung, warum ich den Beitrag überhaupt durchlasse. Ich finde es aber sehr schön, dass hier im Blog die Kommentarspalte tatsächlich faktisch unmoderiert ist. Tatsächlich lese ich die Kommentare natürlich, bekomme sie auch immer, wenn ich unterwegs bin, per Mail weitergeleitet – aber es ist lange her, dass ich mal Kommentare gelöscht hätte.

        Das heißt, dass es ohne große Eingriffe eine Diskussionskultur gibt, die ohne radikale Beschimpfungen, Drohungen, Verleumdungen etc. auskommt. Das finde ich toll, und es steht ganz im Widerspruch zum massenmedial verbreiteten Klischee vom wilden Reich des Internets, wo die Trolle und die angry white men jedem eine diskursive Schrotladung verpassen, der ihnen irgendwie auf die Nerven geht.
        (Stokowski, zum Vergleich, bekommt keinen einzigen Text hin, ohne wutschnaubend stupide Ressentiments zu bedienen, und ist damit fester Bestandteil des Spiegel).

        Außerdem finde ich das auch als Information für die wichtig, die hier lesen: Was Ihr lest, ist tatsächlich das, was kommt. Es ist nicht von mir vorzensiert, ausgewählt, oder ähnliches.

        Es gibt ein paar Kommentatoren, die aus unerfindlichen Gründen immer wieder in der Warteschleife landen und die auf das Veröffentlichen ihrer Beiträge warten müssen. Das liegt aber nicht daran, dass ich irgendwas an ihren Texten auszusetzen hätte, sondern dass bei WordPress offenbar irgendwelche Einstellungen auf Mailadresse oder Name anspringen. Viele Verlinkungen werden auch automatisch in die Moderation geschickt. Aber auch hier ist der Grund nicht, dass ich irgendwie sehr misstrauisch wäre und alles erstmal filtern würde.

        Ich finde diese Kommentarkultur also wirklich schön, und es ärgert mich daher auch, wenn ich in die Situation gebracht werde, davon abweichen zu müssen, wie ich normalerweise damit umgehe.

        • @Mikro & all:
          Ich will es mal andersherum formulieren. Ich unterstütze bezüglich letztendlich privater Entscheidungen kaum je einfach drauflos, auch in diesem Fall nicht.
          Aber ebenso ist die Nettiquette von @Lucas voll und ganz akzeptabel, wie er gerade ausführlich begründet hat und selbstverständlich schätze ich es, daß sicherlich den meisten Mitschreiben hier recht bewußt ist, daß es Sinn macht erstmal tief durchzuatmen, bevor man die Tasten verhaut. Das erspart vermutlich auch einiges an Dummschwätzern, die sich dadurch wahrscheinlich demotiviert fühlen.

          Und eben deshalb würde ich es bedauern, wenn Mikro das nicht ausreichend auf die Kette kriegt. Eben gerade weil ich bspw. in seinem Kommentar oben einige Kernaussagen zumindest im groben nachvollziehbar ( egal ob sie meiner Meinung entsprechen oder nicht ) fand und auch die Sortierung derselben eigentlich nicht schlecht ist. Sonst wäre @Crumar wohl auch nicht darauf eingegangen ( weshalb ich mir eben das jetzt sparen kann 🙂 ).

          V.dh. Mikro, nutze die Chance, bevor sie sich erledigt hat!

  • Also das muss der Vollständigkeit halber schon heissen: Sozialdemokratierende. So wie Dilettierende.

    Die Sozialdemokraten haben unsere demokratische Republik wohl nie wirklich gemocht. Und daher setzen sie alles dran, sie mit einer lächerlichen Identitäts- und Sozialpolitik anzugreifen und aufzulösen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das in Konkurrenz zu den aufsteigenden Grünen geschah. Aus unerklärlichen Gründen will die SPD neuerdings die bessere grüne Partei sein, daher blutete erstere immer mehr aus.

    • „Aus unerklärlichen Gründen will die SPD neuerdings die bessere grüne Partei sein, daher blutete erstere immer mehr aus.“

      Nicht neuerdings, sondern seit wenigstens 20 Jahren. Man kann es in etwa an den Haßtiraden auf „die Männer“ im Grundsatzprogramm der SPD festmachen.

      Unerklärlich ist für mich vor allem, daß die SPD die Aussichtslosigkeit dieser Strategie nicht erkennt. Radikalfeminismus, Matriarchat mit Hilfe des verfassungswridrigen Frauenstatuts usw. sind Markenkern der Grünen. Solange die SPD keine grundsätzlich neuen Ideen in diese Thematik einbringt, sondern nur das pauschale Männerbashing und Gruppendenken („… muß weiblicher werden“) kopiert, kann sie die Meinungsführerschaft nicht erringen und macht mit ihren Aktionen nur Werbung für den Meinungsführer.

      • Die meisten Ex-Wähler der SPD lehnen die Partei aber nicht wegen ihres penetranten Feminismus‘ ab, sondern weil sie – zu Recht – der SPD die unsozialen Hartz IV-Einschränkungen zur Last legen. Das war der Sündenfall der SOZIALdemokraten. Hinzu kommt das als unfähig wahrgenommen Spitzenpersonal der SPD. Dass das möglicherweise auch mit der internen feministischen Frauenquote zu tun haben könnte, die die eine oder andere unfähige Frau hochgespült hat, das dürften die meisten schon nicht mehr realisieren. Wir Feminismuskritiker neigen zu einem gewissen Tunnelblick…

        • @ Klaus „Wir Feminismuskritiker neigen zu einem gewissen Tunnelblick…“ Das glaube ich auch, und der Punkt ist auch wichtig. Für mich ist das ein Grund, warum ich hier immer mehr darauf geachtet habe, auch Texte zu anderen Themen als zu Geschlechterthemen zu veröffentlichen – oder sie zu verbinden. Zu dem letzten Text über Gillette hatte ich daher z.B. in einem vorhergehenden Text zwei andere Beispiele behandelt, die aus anderen politischen Bereichen kamen.

          Ich glaube, dass man niemanden überzeugen kann, wenn man den Eindruck erweckt, sich an etwas festgebissen und dabei völlig das Gefühl für Relationen verloren zu haben. Auch wenn es dafür noch so nachvollziehbare Gründe geben sollte.

          Dass andererseits Feministinnen Erfolg haben mit ihrer Ein-Themen-Politik und einer Weltsicht, die nur ein Register kennt – das ist etwas anderes. Uneingestanden knüpft das an traditionelle Geschlechterrollen an, appelliert an den guten Mann, den Gentleman, der die schutzlose Frau gegen die gewissenlosen Bösewichte verteidigen muss. Das steht Männern andersherum so nun einmal nicht zur Verfügung.

          Was die SPD angeht, halte ich es für einen wesentlichen Grund des Niedergangs, dass die Parteiführung faktisch versucht hat, sich von ihrer Basis zu entkoppeln. Gerade diese Partei hat immer savon gelebt, dass sie Menschen das gefühl gegeben hat, sie könnte ihre Situation – die sonst niemanden interessieren würde – zum öffentlichen Thema und zum Problem der Politik machen – sie könnte also gleichsam ihre Stimme sein. Andererseits hatte die SPD dadurch auch immer Leute in ihrer Führung, die gut Bescheid wussten über das, was viele Leute berührt und interessiert.

          Das ist völlig verlorengegangen. Die SPD-Führung wirkt heute wie eine Truppe ewiger politischer Anfänger, die irgendwie und mit wachsender Unruhe auf der Suche nach einem Thema sind, das die Menschen interessieren könnte. Dazwischen hauen dann aber immer auch Typen wie Hannovers Bürgermeister Schostok, der eine winzige Klientel bedient, die genau weiß, was sie will – und die sich er und einige Sozialdemokraten wohl als „progressiv“ vorstellen.

          Ich glaube, dass der Prozess der Ablösung der Parteiführung von der Basis schon vor Schröder begonnen hat, dass er aber in der Agenda-Politik völlig unübersehbar wurde. Im Kern wurde diese Politik als so verletzend und destruktiv wahrgenommen, weil die Arbeitsleistung der Menschen, auch ihre Lebensarbeit, kurzerhand für wertlos erklärt wurde. Nach einem Jahr wurde auch jemand, der dreißig Jahre in die Sozialkassen eingezahlt hatte, behandelt wie jemand, der noch nie gearbeitet hatte.

          Dazu kam das völlige Desinteresse für Berufe, in denen eine Erhöhung des Renteneinetrittsalters faktisch weiter nichts als eine Rentenkürzung bedeutete, an der die Betroffenen dann auch noch selbst schuld wären – sie hätten ja länger arbeiten können. Dass das in manchen der körperlich besonders anstrengenden Berufe illusorisch ist, haben Sozialdemokraten jahrelang überhaupt nicht gemerkt. Oder es war ihnen halt egal.

          Es gehörte zum Ethos selbstbewusster Arbeiter, auf ihre Arbeit und Leistung stolz sein zu können. Sie hatten ja auch nichts viel anderes, keinen Besitz oder keine akademischen Titel und schon gar keine Adelstitel o.ä. Dass eine ehemalige Arbeiterpartei dafür völlig den Sinn verliert – das ist schon ganz schön erstaunlich.

        • Es wird immer gerne behauptet, Hartz IV sei der Grund für den Niedergang der SPD. Zur Erinnerung: Gerd Schröder hat 2005 30%+X geholt, nur knapp hinter Angela Merkel…

      • @mitm:

        »Unerklärlich ist für mich vor allem, daß die SPD die Aussichtslosigkeit dieser Strategie nicht erkennt. Radikalfeminismus, Matriarchat mit Hilfe des verfassungswridrigen Frauenstatuts usw. sind Markenkern der Grünen.«

        Könnte man nicht annehmen, dass der Feminismus das letzte Stück Weltanschauung ist, das sich in der SPD noch intakt erhalten hat, nachdem man jeden anderen konsequenten Standpunkt im Lauf der Jahre geschleift hat? Die »Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen« gibt es ja nun schon seit 1972, das dürfte ausreichen, um eine eigene, sozialdemokratisch-feministische Identität aufgebaut zu haben, die zudem älter ist als die ganze grüne Partei.

        Dass die Grünen diese Ideologie besser als die SPD als ihren Markenkern verkauft, dürfte daran liegen, dass sie das (klein-)bürgerliche Trägermilieu dieser Ideologie authentischer repräsentieren als die Sozen, die historisch gewissermaßen »verkleinbürgerlichte Arbeiter« sind. Und wenn es in einer Gesellschaft ganz überwiegend nur noch Kleinbürgertum gibt, dann steckt die SPD in dem Dilemma, dass einerseits die Grünen das bessere Kleinbürgertum sind, es aber andererseits auch keine Türen mehr gibt, die die SPD auf dem Weg zu einer neuen Identität noch durchschreiten könnte.

        Also welche Chance hat die SPD überhaupt noch, irgendetwas Innovatives zu erkennen? Dazu müßte der ideologische Status quo von links schwer erschüttert werden, d.h. ein »Aufstehen« oder hypothetische deutsche Gelbwesten müssten aus dem im Koma liegenden gesellschaftskritischen Diskurs von links überhaupt erst mal wieder eine echte Herausforderung machen, mit der man Sozen und Linkspartei ordentlich den Arsch aufreißen kann (und ob die das können, scheint mir zumindest derzeit doch sehr, sehr ungewiss).

        Insofern finde ich die soziademokratische Lernblockade nicht im Mindesten überraschend oder unerklärlich.

      • @KlausT: Stimmt. Insb. der letzte Satz 😉

        @djadmoros: „das letzte Stück Weltanschauung“

        Klingt plausibel. Dazu müßte man die SPD besser von innen kennen.

        „welche Chance hat die SPD überhaupt noch, irgendetwas Innovatives zu erkennen?“

        Am einfachsten die Wählerbewegungen erforschen und darüber nachdenken, warum 10.000e ehemalige SPD-Wähler z.B. zur AfD übergelaufen sind (wohl kaum, um Flüchtlingsheime anzuzünden) – ich habe da eine Vermutung.

    • „Die Sozialdemokraten haben unsere demokratische Republik wohl nie wirklich gemocht.“

      Die Sozialdemokraten haben diese Republik überhaupt erst gegründet 😉 Die SPD hat einen ganz wesentlichen Beitrag zur Demokratisierung Deutschlands geleistet. Aber das war alles mal…

      • Bei einer Partei, die das allgemeine Wahlrecht durch Geschlechterapartheit schwächen will, kann man gar nicht mehr glauben, dass irgendetwas bei denen stimmt.

        Das ist nun ein Vollverrat an der eigenen Sache.

        Als es darum ging, dass Kinder einbezogen werden oder gar Nicht-Staatsbürger, da mag die Aufweichung noch durch Sentimentalität des Mehr an Gerechtigkeit erscheinen.
        Aber eine Trennung der Geschlechter ist vollkommen willkürlich und eine Einschränkung der Freiheit: also *Apartheit*.

  • vor dem Hintergrund, dass ich demnächst eine Fortbildung zum Theme gendergerechtes Sprechen besuchen „will“, freue ich mich, dass das Thema gerade aktuell ist, (Was vermutlich der Grund ist, dass ich es besuchen „will“.
    Interessant fand ich den Anheizer, dass neue Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung schlechtergerechter Sprache, die Leistungen von Schülerinnen signifikant steigern und sie die Schüler dadurch überholen.
    Ich bin besonders gespannt, ob das Design der Untersuchung vorgestellt wird.

    Ich bin auch gespannt, wie man zu meiner These,
    das geschlechtergerechtes Sprechen es erfordert, nicht mehr von 100 Jahre Frauenwahlrecht, sondern von 100 Jahren allgemeinem Wahlrecht zu sprechen.
    Beispiele gibt es ja viele und gegenüber dem Einwurf, dass unter Bürger erst nur Männer gedacht werden, seit Feministinnen darauf bestehen, dass sie Bürgerinnen sind (und das formell durchgesetzt haben). Schoppe hat das ja auch gut ausgeführt im Text.

    Ansonsten nehme ich natürlich gerne alle möglichen Anregungen der Art, dass
    a) die Sprache verunglimpft wird (z. B. Schülervertreter)
    b) der Ansatz nicht zu Ende gedacht ist (z. B. dann bitte auch Mörderin und Täterin etc.)
    c) alles sonstige, was einen objektiv-wissenschaftlichen Hintergrund hat, um gut gerüstet zu sein

    Und Danke Lucas für den guten Text.

    • Natürlich ist der Ansatz zu Ende gedacht: Selbstverständlich wird nur da gegendert, wo Frauen positiv heraus gestellt werden. Da Männer ja generell für alles Schlechte auf diesem Planeten verantwortlich sind, braucht man dort auch nicht gendern.

    • zu b):

      In Anlehnung an meinen Kommentar unten müsste es ja, vor allem wenn selbst mit Genderstern und weiblicher Endung dahinter auch nicht gut genug ist, gendergerecht dann in der Mehrzahl statt „die Mörder“ „die Mordenden“ heißen. Dann steht in Zeitungen künftig „Heute begann der Strafprozess gegen die mutmaßlichen, gemeinschaftlichen Mordenden…“ und jeder Leser denkt sich bei diesen Worten: „Eiderdaus, was muss denn da im Gerichtssaal gerade abgehen und warum hält die keiner auf?“. 🙂

    • a) die Sprache verunglimpft wird (z. B. Schülervertreter)

      Das müsste doch Schülertretender heissen.
      Das Konzept der sprachlichen Inklusion marginalisierter Minderheiten und Frauen könnte noch ausgebaut werden.
      Im Französischen gibt es bekanntlich das accent circonflex (â), das kleine Dächlein über dem „a“ oder dem „o“. Es symbolisiert ein Dach und spricht damit direkt die Obdach*losen an und inkludiert sie somit im täglichen Schriftverkehr der Ämter und Behörden. Das findet ihr albern? Ja, ich auch.

      • eine Deutsch-Lehramtstudentin hat mir heute allen ernstes erklärt, dass der Standardgenus der deutschen Sprache unmittelbar vom biologischen Geschlecht des Mannes her bewust konstruiert wurde, um die Frau zu marginalisieren…

  • Wer waren die VeräterInnen?
    SozialdemokratInnen!!!ELF!!!

    Ich sehe noch ganz andere Probleme mit dieser Sprache. Ich bin zwar zu 50% aus dem Bildungsbürgertum etc. pp.
    Doch auch hier in Frankreich nutze ich bei Kommunikation mit Verwaltungen oft einen Onlineübersetzer, weil viele Verwaltungsbegriffe einfach nicht bekannt sind.
    Auf Deutschland bezogen, Sozialdemokrat*Innen kennt er nicht, und somit ist es für viele noch schwerer die Sprache zu verstehen.

    Ich wohne nun nicht mehr in D, würde aber jeden Quatsch zurückschicken oder an den Stadtrat geben. Würde man mir was von Lehrende schreiben, würde ich fragen wo denn bitte die Lehrer hin sind und warum man da irgendwelche nicht ausgebildeten Aushilfslehrende vor eine Klasse stellt. Und bei Wählende würde ich den Stadtrat fragen wie diese denn nun prüfen wollen ob ich wähle oder nicht? Dinge mit * etc würde ich eh als nicht identifizierbar an die Behörde zurücksenden mit der Bitte um eine verständliche Version. Steht nicht im Duden, auf wiedersehen! Dann mal schauen was passiert…

  • Wichtiger Hinweis auf die immer deutlicher werdende Tendenz der postmodernen Linken, soziale Fragen zugunsten solcher der Identität zu verabschieden. Walter Benn Michaels spricht da von der „neoliberalen Linken“.

    „Today’s orthodoxy is the idea that social justice consists above all in defense of property and the attack of discrimination. This is at the heart of neoliberalism and right-wing neoliberals understand this and left-wing neoliberals don’t.“

    https://jacobinmag.com/2011/01/let-them-eat-diversity/

  • An der Entwicklung in Hannover finde ich ja am interessantesten die Diskrepanz zu anderen Sprachexperimenten.

    Zu den letzten Landtagswahlen in Schleswig-Holstein wurde die Wahlbenachrichtigung in „einfacher Sprache“ gestaltet. Das ging so weit, dass zweisilbige Wörter wie „Land-Tag“ aufgespalten wurden.

    Ich habe mich da spontan gefragt, ob man die Entscheidung über die politische Zukunft eines Landes wirklich in Hände legen sollte, deren Besitzer schon am Wort „Wahllokal“ scheitern, oder ob die Komplexität der früheren Benachrichtigung nicht eigentlich so etwas wie ein Eignungstest für die Teilnahme am politischen Leben wäre, aber gut: Ich bin ja auch zynisch.

    Hannovers Weg scheint nun in die gegensätzliche Richtung zu führen, denn „gendergerechte Sprache“ ist ja nicht nur automatisch schwerer verständlich als normale Sprache, sondern ihre Vertreter sehen es sogar als Ziel an, dass man beim Lesen von Wortungetüm*innen stolpert.

    Nicht, dass das besser wäre.

  • Was mich immer ein Wenig irritiert, ist, wie wenig Ahnung von bzw. vor allem Gefühl für Sprache vermeintliche Linguisten haben können. Wie kann man auf die Idee kommen, „Lehrende“ sei als geschlechtergerechte Alternative für „Lehrer“ (Plural) geeignet? Lehrer ist eine Berufsbezeichnung. Was Lehrer sind, davon hat jeder eine gewisse Vorstellung. Aber diese ständige Partizipverwendung, um in der Mehrzahl das böse, böse generische Maskulinum zu vermeiden, führt doch zu erkennbarem sprachlichen Nonsens.

    Wenn man eine Person mit einem Substantiv mit der Endung des Partizip I des jeweils substantivierten Verbs bezeichnet, macht man das nach gängiger Sprachpraxis, um diese Person mit einer Tätigkeit zu beschreiben, der diese Person eben gerade in diesem Moment nachgeht. Lucas mag mich da korrigieren, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Lehrer das ganze Jahr über 24/7 damit beschäftigt sind, zu lehren. Lehrer, die gerade nicht lehren sind keine Lehrenden. Arbeiter, die gerade ihr Feierabendbier genießen, sind ja auch keine Arbeitenden, auch wenn sie gewiss nichts dagegen hätten, diese Zeit so vergütet zu bekommen, als wäre dem so… 😉

    Gleichzeitig ist zwar jeder Vater, der seinem Nachwuchs zeigt, wie man am Fahrrad Schläuche wechselt, in diesem Moment – hochtrabend formuliert – ein Lehrender, aber doch noch lange kein beruflicher Lehrer.

    Auf diesen Mumpitz wurde ja schon hingewiesen, als man es für nötig erachtete, das Wort „Studenten“ überall durch das Wort „Studierende“ zu ersetzen. Auch da gilt: Studenten, die gerade fett Party machen, sind vieles, aber bestimmt keine Studierenden. Genauso wie umgekehrt das konzentrierte Studieren der Bildzeitung nichts mit dem Besuch einer Universität zu tun hat.

    Es ist ja schon daneben genug, dass hier versucht wird, alberne Befindlichkeiten einer Minderheit von Spinnern (man beachte: auch hier nicht „Spinnende“) per Top-Down-Dekret irgendwie immer mehr in den Alltag zu drücken, mit dem sicheren Ziel, diese abwegige Sprache irgendwann der ganzen Bevölkerung aufzuzwingen, egal ob die das will oder nicht. Wenn dann diese gewiss von ihrer eigenen Klugheit überzeugten Leute auch noch damit nichts anderes forcieren, als eine allgemeine sprachliche Verblödung, ist das durchaus noch die Kirsche auf dem Scheißhaufen.

  • „wenn das Personalpronomen in der Pluralform („sie“) oder in der respektvollen Ansprache („Sie“) ausschließlich die weibliche Form verwendet“

    So ein Unsinn, und das von einem Deutschlehrer.

    Geht übrigens auch andesrum:
    „das Leid der Frauen“, „Bild der Frau“
    Das ist dann wohl Muskulinum!?

    • @Fleischhauer. Die Mehrzahl ist immer weiblich: „Die Männer“ und „die Frauen“. Was haben die Feministinnen eigentlich dagegen vorgesehen?

      • Das Wort „sie“ ist eben nicht zwangsläufig weiblich. Man sollte darin eher verschiedene Worter sehen, die zufällig gleich lauten. Die Bedeutung wechselt ja auch.

        • „eher verschiedene Worte“

          so habe ich das auch immer aufgefaßt. Insb. ist das Plural-Sie im allgemeinen Sprachgebrauch nicht weiblich konnotiert. Genauso wenig wie das generische Maskulinum (oder Androgynum, wie man es eigentlich nennen müßte) im allgemeinen Sprachgebrauch als möännlich verstanden wird bzw. wurde. Nach einigen Jahrzehnten feminstischer Haßschürerei verstehen viele das Maskulinum nicht mehr so. Soziale Probleme sind sozial konstruiert …

          • „Insb. ist das Plural-Sie im allgemeinen Sprachgebrauch nicht weiblich konnotiert.“

            Aber mitm, es handelt sich bei der deutschen Sprache um eine fortschrittliche Trans-Sprache, die binäre Geschlechterkonstruktionen hinter sich lässt.

            Insbesondere die Pluralisierung der Diskurse ist jedoch vorbildlich weiblich abgebildet und zeigt eindrucksvoll, wie richtig die SPD-Forderung war: „Wer die menschliche Sprache will, muss die männliche überwinden!“ 🙂

          • Wobei man natürlich durchaus problematisieren sollte, dass Transpersonen durch ihre Aussage, ihr gender entspreche nicht ihrem sex und es gäbe ein richtigen sex für ihr gender, die irrige Annahme vertreten, es gäbe ein richtiges gender. Und der sei mit dem sex verbunden.

            Das ist natürlich sehr, sehr konservativ. 🙁

          • „eher verschiedene Worte“

            Ja, kann man so sehen. Vor allem ist dieser Punkt „die als Pluralartikel“ aber eine gut zu demonstrierende Widerlegung des in bestimmten Kreisen vorherrschenden magischen Sprachverständnisses.

            Wenn das das Plural-Die/Sie bei Männern nicht permanent die Befürchtung auslöst, dass Männer verweiblichen, sobald sie in Gruppen auftreten, dann ist das nur dadurch erklärbar, dass beim Sprachverständnis permanent mentale Operationen ablaufen, bei denen aus dem Kontext geschlossen wird, wie ein Wort zu verstehen ist.

            Genau das leugnet aber die Sprachmagische Schule (TM). Die Behauptung, dass ein generisches Maskulinum subkutan den Mut und die Initiative all die armen kleinen Frauen völlig zersetzt, ohne dass eine Gegenwehr möglich ist, ist damit als schlechte Mythologie einzuordnen, die anderen Interessen dient.

          • @Seitenblick: „aus dem Kontext geschlossen wird, wie ein Wort zu verstehen ist. Genau das leugnet aber die Sprachmagische Schule“

            Gutes Argument! Gilt natürlich noch viel allgemeiner für alle möglichen Homonyme, die wir ständig erfolgreich unterscheiden.

          • „Insb. ist das Plural-Sie im allgemeinen Sprachgebrauch nicht weiblich konnotiert. “

            Es ist im Grunde genau anders herum:

            Gemäß des hier schon öfter zitierten und lesenswerten Textes https://www.belleslettres.eu/content/deklination/genus-gendersprech.php entstand das gramatikalische Genus „femininum“ aus Wörtern, die Kollektive, Mengen, nicht-abgrenzbare entitäten bezeichneten (die Luft, die Lande, die Erde [nicht im Sinne des Planeten], Die Butter ist kein Block Butter, sondern eine Masse, die aus einer Menge Milch (ebenfalls die Milch) gebuttert wird.

            Feminines Singular leitet sich aus einer Abstraktion einer pluralform ab, nicht umgekehrt.

          • @ maddes8acht

            Ich bin mir nicht sicher, ob man das tatsächlich in der Form „Feminines Singular leitet sich aus einer Abstraktion einer pluralform ab, nicht umgekehrt.“ pauschal als gegeben betrachten kann. Dafür gibt es meines Erachtens zu viele Gegenbeispiele für die These; sowohl für nicht abgrenzbare Massebegriffe, die dennoch ein maskulines Genus haben, als auch eindeutige Einzelbegriffe, die ein feminines Genus haben.

            Beispiele für nicht abgrenzbare Massebegriffe mit maskulinem Genus: der Teer, der Teig, der Rauch, der Kaffee (dafür aber „die Kaffeebohne“)

            Beispiele für Einzelbegriffe mit femininem Genus: die Flasche, die Tonne, die Taste

            Ich bin kein Sprachwissenschaftler, deshalb würde ich mir nicht anmaßen zu behaupten, dass diese Aussage nicht originär stimmen könnte, aber ich glaube nicht, dass sie heute in unserer Sprache noch eine erkennbare Regel für die Verwendung des grammatikalischen femininen Genus‘ darstellt.

            Zu dem Beispiel mit „die Lande“: ist „Lande“ nicht selbst in sich grundsätzlich ein Plural? Meines Verständnisses nach ist das die altertümliche Pluralform von „Land“. Zumindest ich kenne das Wort nur in Verwendungen wie „in allen Landen“. Als Singular ist mir „die Lande“ tatsächlich nicht geläufig.

          • Nachtrag: OK, jetzt ist mir zu „Lande“ doch eine Singularverwendung eingefallen. Und zwar als gängige Bezeichnung für ländliche Gegenden, etwa in „auf dem Lande“. Aber da ist es eben nicht grammatikalisch feminin…

    • Aufgrund der sog. Kongruenz im Deutschen, kann der Artikel in „die Männer“ oder „Bild der Frau“ ohne Bruch der Grammatik nicht vom Genus des Grundworts abweichen. Es gibt da keine Ausnahmen.

      Es wäre auch unsinnig: des Mannes / der Frau – beides Makulinum, aber trotzdem ungleiche Form. Warum? Oder ist „das“ gar eine Mischung aus „der“ und „das“?

      Auch in anderen Sprachen gibt es zufällige Übereinstimmungen. Die Endung -a gibt es im Lateinischen sowohl beim Femininum als auch beim Neutrum.

    • @fleischhauer: Du solltest den ganzen Satz zitieren:

      Männer sehen sich auch nicht als lediglich „mitgemeint“ an, wenn das Personalpronomen in der Pluralform („sie“) oder in der respektvollen Ansprache („Sie“) ausschließlich die weibliche Form verwendet – weil sie eben gemeinhin einen Unterscheid zwischen sozialem und grammatischem Geschlecht machen. Zum Glück, sonst würde alles nur noch viel komplizierter.

      Die genderpolitisch korrekte Sprache aber besteht auf einer engen Verbindung zwischen beidem, und sie kreiert diese Verbindung auch.

      Lucas bringt hier ein Beispiel dafür, was passiert wenn die Ideologie überhand nimmt und man sich ausschließlich auf die Form (hier: sie = weibliche Form) kapriziert, ohne Beachtung des Kontext/Inhalt. Und er stellt auch gleich klar, dass einem vernünftig denkende Mensch so etwas nicht einfallen würde.
      Was du hier als „so ein Unsinn“ bezeichnest, ist eben gerade nicht das was Lucas vertritt, es ist die einfältige Weltsicht der Gendersprechbewegten.

        • Im Grunde ist das so ähnlich, wie wenn man behauptet, das Wort Flüchtling sei respektlos, weil es die gleiche Endung hat wie Sprössling. Man deutet da was hinein, was nicht da ist – aufgrund einer morphologischen Ähnlichkeit. Bei -ling handelt es sich immerhin um das gleiche Suffix, die Argumentation wäre also wesentlich plausibler.

  • Das größte Problem bei der „geschlechtergerechten“ Sprache – und das wird von den Genderasten gern verschwiegen – sind die Artikel und Pronomen, insbesondere im Singular (z.B. der*die). Man könnte sich ansonsten das Englische zum Vorbild nehmen und die Endung -in einfach abschaffen. Dass das noch nie vorgeschlagen wurde, beweist übrigens, dass es bei der „geschlechtergerechten“ Sprache lediglich um Trollerei und Tribalismus geht. Man will ganz bewusst die Gesellschaft spalten. Der verlinkte Stefanowitsch-Artikel in der Zeit ist da sehr erhellend.

    Er schreibt: „Anders als bei den eingangs diskutierten geschlechtsneutralen Formulierungen handelt es sich bei den orthografischen Konventionen nämlich um das, was in der Sprachwissenschaft als „soziolinguistischer Marker“ bezeichnet wird – sprachliche Merkmale, die von der Sprachgemeinschaft mit bestimmten sozialen Gruppen assoziiert werden.“

    Mit anderen Worten, diese typograhischen Varianten sind auch eine Art Markenzeichen bestimnter Communities.

    Weiter: „Indem man die Bediensteten der Stadt Hannover zum Gendersternchen verpflichtet, zwingt man sie kurzfristig in eine Community of Practice, zu der sie eigentlich nicht gehören. Mittelfristig löst man damit dann die Verbindung des Markers zu dieser Gemeinschaft auf: Solange ich das Gendersternchen freiwillig – vielleicht sogar gegen gewisse Widerstände – verwende, kommuniziere ich damit auch, dass ich mich zu einer Gruppe von Menschen mit bestimmten Vorstellungen über Geschlecht rechne. Je mehr Menschen eine bestimmte Form verwenden, weil sie dazu gezwungen sind, desto schlechter lassen sich solche Rückschlüsse ziehen. Das Gendersternchen verliert so nicht nur seine Bedeutung im engeren Sinne, sondern auch seine Fähigkeit, die Weltsicht derjenigen zu vermitteln, die es verwenden.“

    Es ist so, wie es Danisch es in letzter Zeit oft schreibt. Diese Sprachregeln dienen einer Freund/Feind-Markierung. Man gibt sich damit als Mitglied seines „Tribes“ zu erkennen.

    • Danisch hatte auch das schöne Beispiel „Heil Hitler“. Man nötigt der Gesellschaft Sprachformen auf, die absolut unannehmbar sind, und kann dann wunderbar erkennen, wer brav die Kröte schluckt und sich unterwirft und wer sich widersetzt. Bestens geeignet zum Spalten und Denunzieren. Oder, positiv ausgedrückt, „Flagge zeigen“, „Gesicht zeigen“ usw.

      Interessant ist es immer wieder, Interviews von diesen „geläuterten“ Menschen zu sehen und zu schauen, ob sie überhaupt in der Lage sind, ihre eigenen Regeln umzusetzen.

      Nehmen wir mal den Hannoveraner Oberbürgerinnenmeister, hier in einer Rede (d.h. er hatte die Möglichkeit zum Korrekturlesen):
      https://youtube.com/watch?v=7RX3IN_jZWA
      2:59 von den Veranstaltern
      3:54 die Zuschauer
      5:11 Siegerehrung
      6:22 keiner von uns
      11:38 Austellungsbesucher
      13:22 Laien
      14:02 Unterstützer

      Aus einem Interview ein ungeheurlich sexistischer Satz:
      https://youtube.com/watch?v=sI1XqyvRff8

      ab 14:58 […] wenn ein Personaldezernent SEINE Möglichkeiten nutzt […] dann muss ein OberbürgermeistER entsprechend agieren

      http://hallolindenlimmer.de/aglv-neujahrsempfang-mit-ob-schostok-bei-abeitsgemeinschaft-lindener-vereine/
      2:42 Da kann man sich ganz sicher sein, dass selbst wenn ein ökonomisch sehr potentER InvestOR kommt, die LindenER sagen, da wollen wir aber ein ordentliches Wort mitreden; da ist DEM LindenER völlig egal, wem was gehört […] und dem kann sich eigentlich auch keinER entziehen […] das kennt ja jedER

      Niemand dieser Geläuterten spricht privat Gendersprache. Deshalb sind sie auch so schlecht im Training. Kann man auch bei Stefanowitsch beobachten. (Im Vorwort seines Duden-Büchlein „Eine Frage der Moral“ sagt er seinem Lesern übrigens, dass er sie mit Genderschreibweisen nicht „strapazieren“ (!) will. Aber auch sonst tut er sich das nicht an, schreibt seit eh und je ganz konservativ dudenkonform.)

      Stefanowitsch in einem Vortrag:
      https://www.vatmh.org/de/newsreader/20180529_Anatol_Stefanowitsch.html
      Er sagt z.B. „1968er“, „AfD-Politikern“, „Flüchtlinge“, „Parteikollegen“, Feulletonisten“, „Extremisten“, „Juden“, „Leser“
      „Was sind die über die typischerweise abfällig gesprochen wird? Das sind z.B. Behinderte, Migranten [wo bleiben die Migrantinnen?] oder Ausländer [keine Ausländerinnen?], das sind Muslime [Musliminnen?] (…) das sind Sozialhilfeempfänger [nur Männer?]“

      Man glaubt es eigentlich nicht, aber Stefanowitsch benutzt sogar auf seinen Folien diese als „sexistisch“ verpönten Formen:
      https://www.youtube.com/watch?v=awRztqPubeQ&t=480s

      Offenbart kann er sich das herausnehmen. Er hat ja oft genug bewiesen, dass er auf der Seite der Guten ist.

  • Irgendwie wird ein Kommentar nicht angezeigt, möglicherweise wegen der Links oder wegen des Wortes H*tler.
    Ich poste es provisorisch nochmal.

    Danisch hatte auch das schöne Beispiel „Heil H*tler“. Man nötigt der Gesellschaft Sprachformen auf, die absolut unannehmbar sind, und kann dann wunderbar erkennen, wer brav die Kröte schluckt und sich unterwirft und wer sich widersetzt. Bestens geeignet zum Spalten und Denunzieren. Oder, positiv ausgedrückt, „Flagge zeigen“, „Gesicht zeigen“ usw.

    Interessant ist es immer wieder, Interviews von diesen „geläuterten“ Menschen zu sehen und zu schauen, ob sie überhaupt in der Lage sind, ihre eigenen Regeln umzusetzen.

    Nehmen wir mal den Hannoveraner Oberbürgerinnenmeister, hier in einer Rede (d.h. er hatte die Möglichkeit zum Korrekturlesen):
    Youtube: FMH18 Vernissage vom 15.01.2019 in den ver.di-Höfen
    2:59 von den Veranstaltern
    3:54 die Zuschauer
    5:11 Siegerehrung
    6:22 keiner von uns
    11:38 Austellungsbesucher
    13:22 Laien
    14:02 Unterstützer

    Aus einem Interview ein ungeheurlich sexistischer Satz:
    Youtube: Auf dem h1-Sofa. Zu Gast: Stefan Schostok, Oberbürgermeister von Hannover
    ab 14:58 […] wenn ein Personaldezernent SEINE Möglichkeiten nutzt […] dann muss ein OberbürgermeistER entsprechend agieren

    Google: aglv-neujahrsempfang-mit-ob-schostok-bei-abeitsgemeinschaft-lindener-vereine
    2:42 Da kann man sich ganz sicher sein, dass selbst wenn ein ökonomisch sehr potentER InvestOR kommt, die LindenER sagen, da wollen wir aber ein ordentliches Wort mitreden; da ist DEM LindenER völlig egal, wem was gehört […] und dem kann sich eigentlich auch keinER entziehen […] das kennt ja jedER

    Niemand dieser Geläuterten spricht privat Gendersprache. Deshalb sind sie auch so schlecht im Training. Kann man auch bei Stefanowitsch beobachten. (Im Vorwort seines Duden-Büchlein „Eine Frage der Moral“ sagt er seinem Lesern übrigens, dass er sie mit Genderschreibweisen nicht „strapazieren“ (!) will. Aber auch sonst tut er sich das nicht an, schreibt seit eh und je ganz konservativ dudenkonform.)

    Stefanowitsch in einem Vortrag:
    Google: Anatol Stefanowitsch Die Grenzen des Sagbaren VATMH
    Er sagt z.B. „1968er“, „AfD-Politikern“, „Flüchtlinge“, „Parteikollegen“, Feulletonisten“, „Extremisten“, „Juden“, „Leser“
    „Was sind die über die typischerweise abfällig gesprochen wird? Das sind z.B. Behinderte, Migranten [wo bleiben die Migrantinnen?] oder Ausländer [keine Ausländerinnen?], das sind Muslime [Musliminnen?] (…) das sind Sozialhilfeempfänger [nur Männer?]“

    Man glaubt es kaum, aber Stefanowitsch benutzt sogar auf seinen Folien diese als „sexistisch“ verpönten Formen:
    Youtube: Anatol Stefanowitsch über Hate Speech
    (auf 8min vorspulen)

    Offenbar kann er sich das herausnehmen. Er hat ja oft genug bewiesen, dass er auf der Seite der Guten ist.

  • Zum Verständnis der Folie: Es geht nicht darum, dass das Wort Migrant abwertend ist, sondern dass es für das Wort Migrant viele abwertende Synonyme gibt (deshalb die beigefügten Wortwolken).

      • Ich rede hier nur vom grammatischen Geschlecht. Der Bürger ist klar maskulinum – was noch nicht bedeutet, dass nur Männer gemeint sind (grammatisches Geschlecht ≠ natürliches/biologisches Geschlecht).

        Im Plural werden die grammatischen Geschlechter nicht unterschieden. Man könnte auch sagen, dass es im Plural kein Genus gibt.

        Man könnte sich jetzt streiten ob es ein Genus hier nicht gibt oder ob es bloß nicht weiter markiert ist.

        Es gibt aber noch das Problem, das morphologisch, durch Anhängen des Suffixes -in, eine Bedeutungsänderung stattfindet: die Bürgerin. Hier geht es in erster Linie um das natürliche/biologische Geschlecht, aber das grammatische ändert sich gleich mit, zumindest im Singular.

        • „Ich rede hier nur vom grammatischen Geschlecht. Der Bürger ist klar maskulinum – “

          Nein.

          „- was noch nicht bedeutet, dass nur Männer gemeint sind (grammatisches Geschlecht ≠ natürliches/biologisches Geschlecht).“

          Stimmt.

          Sehen wir es mal so: wir interpretieren das „der“ vor dem Bürger als Maskulinum, weil wir es auch vor dem Mann finden.
          Tatsächlich ist originär mit dem „der“ gar kein Maskulinum bezeichnet, sondern ein Handelnder – egal, ob männlich oder weiblich.
          „Der Bäcker“ ist ein Mensch, der backt, über das Geschlecht erfahren wir nichts. Er kann männlich oder weiblich sein.
          „Die Krankenschwester“ dagegen ist eine pflegende Person mit klar weiblicher Geschlechtsidentität.
          Unser Patriarchat hat also nicht die Frauen unsichtbar gemacht, sondern – exakt im Gegenteil – die Männer im Diffusen gelassen, während sie Frauen mit einem eigenen Artikel ausdrücklich SICHTBAR macht.
          Oder knackiger formuliert: ES GIBT KEINEN MÄNNLICHEN ARTIKEL!

          • „Schau einfach mal in eine Grammatik.
            Aber bitte in eine des aktuellen Deutschen.“

            Hat das aktuelle Deutsch mit dem des Mittelalters nichts zu tun?
            Wenn nicht, warum kann ich es dann lesen?
            Sprache entwickelt sich evolutionär, nicht per Zarenerlass.
            Und damit steht auch die moderne Grammatik auf einem uralten Fundament.

            Natürlich hat der Artikel „der“ irgendwann die Einleitung des Maskulinums übernommen, vermutlich aber erst nach „Erfindung“ des Femininums, quasi als männliches Alter ego desselben.
            Erst die Hervorhebung des Weiblichen machte die des Männlichen notwendig.
            Dabei wurde aber kein eigenständiger Artikel wie das „die“ für die Frau entwickelt, sondern das „der“ übernahm einfach die Doppelfunktion.
            Und wir benutzen das „der“ bis heute in dieser Doppelfunktion.

            Wenn uns in der Fahrschule der Fahrlehrer ermahnt: „Achten Sie auf den Radfahrer dort rechts!“, dann suchen wir nicht irritiert nach einer männlichen Person, wenn wir nur eine weibliche erblicken. Der Radfahrer erhält erst seine Geschlechtszuordnung nach dem Erblicken, zuvor ist er eine geschlechtlich undefinierte Person auf einem Fahrrad.

            Dann noch kurz zurück zu Deinem Argument mit der modernen Grammatik.
            Die Feministinnen kritisieren an der Sprache, dass sie IN DER VERGANGENHEIT von Männern entwickelt wurde, um (mit dem Ziel) Frauen unsichtbar zu machen.
            Sie begründen also ihr Anliegen genau mit der Historie. Schon von daher kannst Du sie nicht außen vor lassen.

          • Ich kann dir nicht folgen. Du schreibst erst, dass es keinen männlichen Artikel gibt, dann dass „der“ eine Doppelfunktion hätte.

            Ich habe gar nichts dagegen, wenn man Sprachgeschichte in die Argumentation einbezieht. Wenn man allerdings beweisen will, dass das heutige Maskulinum geschlechtsneutral ist, reicht es nicht, auf den Zustand der Sprache vor 3000 Jahren hinzuweisen.

          • „Wenn man allerdings beweisen will, dass das heutige Maskulinum geschlechtsneutral ist, reicht es nicht, auf den Zustand der Sprache vor 3000 Jahren hinzuweisen.“

            Nun ja, da wir die Frauen schon seit 5.000 Jahren unterdrücken, sind 3.000 Jahre wie vorgestern 🙂

            Ich versuch’s mal biblisch:
            Am Anfang war DER Handelnde. Alle Menschen waren DER Handelnde, eine DIE gab es nicht.
            Aus irgendeinem Grund wurde es in grauer Vorzeit wichtig, das Geschlecht des Handelnden in spezifischen Einzelfällen zu präzisieren. Aber nur dann, wenn es sich um eine Frau handelte.
            Das „die“ als Artikel für eine weibliche Handelnde wurde geboren. Er zeigt an: „der Handelnde ist eine Frau“.
            Diese Differenzierung änderte nichts automatisch daran, dass DER Handelnde weiterhin geschlechtslos blieb.
            Es gab also Frauen – und den Rest.
            Frauen wurden also – ganz im Gegensatz zu feministischer Scholastik – schon in prähistorischer Zeit grammatikalisch sichtbar.
            Einen entsprechenden Artikel für Männer zu entwickeln, war im Prinzip nicht nötig, da das allgemeine „der“ ausreichte.
            Daher vermute ich, dass das geschlechtslose „der“ irgendwann einfach die Funktion des männlichen Artikels in Personalunion übernahm.
            „Der Bäcker“ kann sowohl das Geschlecht, als auch die Funktion einer Person beschreiben.

            Ich hoffe, es ist mir gelungen, mich klarer auszudrücken.

            während sich Männer bis heute den Artikel mit allen Handelnden teilen müssen.

          • Ja, ich habe Scholten auch so verstanden. Allerdings belegt er es meines Erachtens nicht ausreichend. Wo analysiert er z.B. den modernen Sprachgebrauch? Meines Erachtens lassen sich durchaus Belege dafür finden, dass das heutige Maskulinum dem biologischen (männlichen) Geschlecht zugeordnet wird. Es gibt natürlich auch das generische Maskulinum.

            Man könnte es vielleicht vergleichen mit Wörten wie „lang“ oder „Länge“. Man kann auch zu etwas Kurzem sagen, dass es so und so lang ist. Obwohl es gar nicht lang ist, sondern kurz. Lang hat sozusagen zwei Bedeutungen, wobei eine davon neutral ist.

            Der Vergleich hinkt etwas, egal.

            Scholten behauptet, das heutige Maskulinum wäre grundsätzlich immer geschlechtsneutral, belegt dies aber nicht an der heutigen Sprache, sondern geht Jahrtausende zurück.

            Allein das macht mich skeptisch. Dass er es nicht für nötig hält, nach Belegen in der heutigen Sprache Ausschau zu halten.

          • @Stephan:

            Ja, ich habe Scholten auch so verstanden. Allerdings belegt er es meines Erachtens nicht ausreichend. Wo analysiert er z.B. den modernen Sprachgebrauch? Meines Erachtens lassen sich durchaus Belege dafür finden, dass das heutige Maskulinum dem biologischen (männlichen) Geschlecht zugeordnet wird. Es gibt natürlich auch das generische Maskulinum.

            Was wären denn aus deiner Sicht Belege für diese These?

            Scholten behauptet, das heutige Maskulinum wäre grundsätzlich immer geschlechtsneutral, belegt dies aber nicht an der heutigen Sprache, sondern geht Jahrtausende zurück.

            Allein das macht mich skeptisch. Dass er es nicht für nötig hält, nach Belegen in der heutigen Sprache Ausschau zu halten.

            Da Sprache etwas evolviertes ist, sollte man m.E. eine Behauptung über die Struktur der Sprache („das Standardgenus hat nichts mit dem biologischen Geschlecht zu tun“) auch anhand einer historischen Betrachtung analysieren.

            Ich finde nicht, dass Scholten den modernen Sprachgebrauch ausklammert und sich nur auf historische Entwicklung konzentriert. Im Gegenteil, er betont immer wieder dass Sprachwissenschaft nicht anhand von Texten arbeiten sollte, sondern anhand davon wie die Leute reden. Denn Sprache ist, was gesprochen (nicht: geschrieben) wird.
            Entsprechend bringt er auch Beispiele aus dem aktuellen Sprachgebrauch. Z.b. Belege für die Behauptung dass es ein Standardgenus gibt (ich vermeide bewusst den Begriff „Makulinum“): Alle Wörter die aus anderen Sprachen ins Deutsche übernommen werden erhalten per default Standardgenus, es sei denn es tritt ein Sonderfall ein (welcher sich natürlich wiederum anhand von Regeln feststellen lässt): Der Hoax, Der Gig, Der Thread, Der Homerun etc.
            Wenn das nicht moderner Sprachgebrauch ist dann weiß ich auch nicht…

          • „Wenn das nicht moderner Sprachgebrauch ist dann weiß ich auch nicht…“

            Doch, das ist moderner Sprachgebrauch, aber du meinst hoffentlich nicht im Ernst, dass das eine umfassende Analye ist.

            Es gibt gerade hier sehr viele Ausnahmen, z.B. wird oft das Genus des entsprechenden deutschen Worts verwendet. In der Popsongs gibt es z.B. einen Abschnitt, der als Bridge bezeichnet wird. Man sagt dann: die Bridge.

            Aber ohnehin am Thema vorbei, da es hier um Personenbezeichnungen geht.

          • @stephan:
            https://www.belleslettres.eu/content/deklination/genus.php
            ab 34:30
            Dort werden die Regeln und Ausnahmen erklärt.

            Zur Bridge: es handelt sich um ein Synonym für ein deutsches Wort („die Brücke“) und übernimmt deshalb dessen Genus. Anderes Beispiel (aus dem verlinkten Video): das (wissenschaftliche) paper. Neutrum, weil deutsch „das Papier“.

            Die Regel „aus anderen Sprachen übernommene Wörter bekommen Standardgenus“ gilt für Wörter, welche im deutschen keine Entsprechung haben, die also tatsächlich als neue Wörter in den Sprachschatz aufgenommen werden (s. die Beispiele oben).

            Im verlinkten Video sind noch viel mehr Beispiele.

  • „Die Doppelform … lässt andere, insbesondere Transsexuelle, demonstrativ aus.“

    Für Transsexuelle gilt das eigentlich allenfalls während ihrer Transition, danach nicht mehr, wenn die Transition erfolgreich war. Danach wollen die ja gerade als Mann bzw. Frau angesehen werden und nicht irgendwas dazwischen.

    Die einzigen mir bewußten Fälle, wo jemand nicht als Mann oder Frau angesehen werden will, sind die Nichtbinären bzw. Gender Nonconformer, z.B. wie hier abgebildet: https://www.vice.com/en_us/article/wjq99z/why-cant-my-famous-gender-nonconforming-friends-get-laid Ich kann nur mit Mühe einen Kommentar zurückhalten, ob diese Leute die Macht haben sollten, dem Rest der Welt Sprachreformen aufzuzwingen.

    Intersexuelle (Zwitter) sind Fälle, die biologisch nicht klar als Mann oder Frau klassifizierbar sind. Wenn sie gebärfähig sind, sollte man sie als Frau absehen, sonst als Mann, zumindest in Behörden. Unser Rechtsystem unterscheidet nämlich nur zwei Arten von Personen: Frauen, die eine Unzahl von Privilegien genießen, u.a. keinen Wehrdienst leisten zu müssen, und den Rest, eben Männer. Für Behörden ist nur interessant, ob eine Person in den Genuß der Frauen-Privilegien kommt oder nicht. Das wird übrigens noch eine spannende Frage bei den Diversen.

    D.h. die Frage, wieviele Geschlechter ich unterscheide, hängt also ganz wesentlich davon ab, für welche operativen Zwecke man diese Unterscheidung benötigt. Wenn ich ein Dating-Portal betreibe, sollte man auch nach Homosexualität und weiteren sexuellen Präferenzen unterscheiden, für eine Behörde ist das egal.

  • Arne Hoffmann verlinkt im heutigen „Genderama“ auf eine Umfrage zum Thema des obigen Beitrags
    https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/gesellschaft/id_85146576/exklusive-umfrage-so-denken-die-deutschen-ueber-gender-sprache.html
    Man sieht m.E. schon, wie durch die Art der Fragestellung die Antwort beeinflusst wird, sie also tendenziös ist. Die Fragestellung lautet:
    „Ist die Nutzung geschlechtsneutraler Sprachformulierungen Ihrer Meinung nach eine sinnvolle Maßnahme zur Gleichstellung aller Geschlechter?“
    Der Satz beeinhaltet nämlich die Behauptung, dass es „geschlechtsneutrale Sprachformulierungen“ gäbe. Damit begeben sich die Fragensteller auf die gleiche Ebene wie die feministischen Sprachideologen, die behaupten, es gäbe „männliche“ Sprachformulierungen.
    Neutraler wäre die Frage so:
    „Manche behaupten, zur Gleichstellung aller Geschlechter seien „geschlechtsneutrale“ Sprachformulierungen sinnvoll. Stimme Sie dem zu?“
    Das der Begriff „Gleichstellung“ auch problematisch ist, brauche ich ja nicht zu erwähnen.
    Trotz der „lenkenden“ Formulierung sind immerhin etwa 2/3 gegen das Genderdeutsch.

    • Noch spannender wären folgende Fragen gewesen:

      „Ist die Nutzung geschlechtsneutraler Sprachformulierungen Ihrer Meinung nach eine Maßnahme, die dee Gleichstellung aller Geschlechter eher schadet?“

      „Planen Sie persönlich, die Sprachformulierungen der Stadt Hannover zu verwenden, z.B. im Briefverkehr oder in Gesprächen?“

      Die Originalfrage fragt nach einem soziologischen Sachverhalt, den man einschätzen soll, was aber schwierig ist, weil man keine eigenen Erfahrungen hat. Antworten auf solche Fragen bilden eher die Pressedarstellungen ab, weil das die einzige Informationsquelle ist. Daß man irgendetwas gesamtgesellschaftlich gut findet, heißt aber längst nicht, daß man es auch selber macht. Bestes Beispiel sind die Grünen, s. https://rp-online.de/politik/gruenen-waehler-fliegen-gern-aber-mit-schlechtem-gewissen_aid-19128257
      #kerosinkatha ist nur die Spitze des Eisbergs.

  • „Planen Sie persönlich, die Sprachformulierungen der Stadt Hannover zu verwenden, z.B. im Briefverkehr oder in Gesprächen?“

    Dafür ist diese Sprache nicht gedacht und nicht ausgelegt.

    Man spricht geschlechtergerecht, wenn man in öffentlichen Verlautbarungen hier und da entsprechende Formulierungen einfügt.

  • Die Vertreter der gendergerechten Sprache behaupten, dass bei der Verwendung des generischen Maskulinums an Männer gedacht werde. Um dieser Behauptung etwas Substanz zu verleihen, fragen Sie, ob man sich unter beispielsweise „der Bäcker“ oder „der Polizist“ einen Mann oder eine Frau vorstelle. Das ist eine leicht durchschaubare Manipulation. Erstens stelle ich mir erst dann eine konkrete Person mit Geschlecht vor, wenn ich dazu aufgefordert werde und zweitens erwarte ich, dass ein weiblicher Polizist Polizistin genannt wird, wenn von einer konkreten Person die Rede ist.

  • „Wenn privilegierte Schichten sich abgrenzen, dann eben nicht durch klare soziale Hinweise, die einfach, offen und jedem einsichtig sind, sondern durch feinere Signale – die für Menschen, die nicht dazugehören, nicht dechiffrierbar und kaum als Signale erkennbar sind.“

    Ich bin mir sicher, dem Bauernmädel waren, sind und werden, derart dummblöde Signale wie gendergerechte Sprache sehr wohl dechiffrier- und erkennbar sein.

    Die bekloppten Regeln wären auch kein Problem, würde ihre Einhaltung denn konsequent überwacht.

    Aber das wird sie nicht, Verstöße werden entlang des ‚progressive stack‘ geahndet.
    Also anhand von Religion, Partei, Geschlecht & Rasse.

    Es ist kein Ausgrenzen, sondern ein Zwang sich anzukuscheln.

    „Das reicht auf einer ganz normalen Grundschule dafür, dass andere ihr nachsagen, sie würde stinken – was sie tatsächlich nicht tut, was aber das Gefühl anderer Kinder ausdrückt, dass Armut irgendwie anrüchig ist und es besser wäre, dazu Distanz zu halten.“

    Ein ganz ernster und wichtiger Tipp von einem Arbeiterkind.
    Mittelschichtskinder klauen und geben geliehenes Geld nie zurück.
    Mit dem Tipp kann man sich ein schönes Mountainbike zusammensparen. 😉
    Und mit Geschwistern zusammen sparend hat man’s noch schneller.

    pS.

    Synonyme zu diffizil

    heikel, kitzlig, knifflig, kompliziert, mit Schwierigkeiten verbunden, mühsam, problematisch, schwierig, verwickelt; (bildungssprachlich) prekär, subtil; (umgangssprachlich) vertrackt, verzwickt; (landschaftlich, besonders mitteldeutsch) knauplig

    man-tau soll ja auch mal inklusiv werden, und nicht so knauplig zu lesen sein für Bauerntrampel.

  • Endlich verstehe ich den Denkfehler.
    Linke gehen davon aus die SPd arbeitet aktuell an der Zielgruppe vorbei.
    Beim nächsten mal 5% weniger ist aber keine Zielgruppe.
    Eher ein Ziel.

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