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Feminismus: Unmoralische Männer, friedfertige Frauen und große Erzählungen

geschrieben von: Lucas Schoppe

Zur Abwechslung keine Heldengeschichte

Der letzte Text hier endete mit der Frage, wie sich eine soziale Bewegung, die sich als Bewegung für Gleichberechtigung versteht, im Kampf gegen gleiche Rechte festsetzen kann. Dieser Rückblick auf die jüngere Geschichte des Feminismus lässt sicherlich einige Aspekte aus, die vielen am Feminismus wichtig und bedeutsam sind. Die Leitfrage soll aber etwas ermöglichen, was in den gängigen Erzählungen der feministischen Geschichte auffällig fehlt: die Frage danach, ob sich das Selbstbild dieser vielfältigen sozialen und längst institutionalisierten Bewegung an den Resultaten bestätigen lässt.
Da der Text für einen Blogtext relativ lang geworden ist, sogar im Vergleich zu anderen Texten hier, habe ich die Kapitel hier im Inhaltsverzeichnis verlinkt.
 

Einleitung: Die große Erzählung vom feministischen Kampf

Die Geschichtsschreibung des Feminismus ist regelmäßig zugleich eine feministische Geschichtsschreibung: die regelmäßige Herstellung von Autobiografien einer politischen Bewegung. Das ist nicht die Schuld von Feministinnen selbst – dass andere Darstellungen fehlen, belegt eher das uneingestandene Desinteresse von Menschen, die sich selbst nicht als feministisch betrachten.

Desinteresse an einer Auseinandersetzung mit einer langlebigen, einflussreichen, institutionell gut vernetzten und auch vielfältigen politischen Bewegung. Zumal unter linken Mönnern gehört es zum guten Ton, sich als feministisch oder pro-feministisch zu präsentieren, ohne sich jemals intensiv oder gar kritisch mit feministischen Positionen und Texten beschäftigt zu haben.

Damit aber wird die Geschichte des Feminismus wieder und wieder und ohne kritische Distanz als Heldinnengeschichte verfasst, als große Erzählung mutiger Frauen, die aus aussichtslos scheinender Position gegen stumpfe, machtgierige, rücksichtslose und kontrollsüchtige Männer aufgestanden sind und sich gegen diese Männer und gegen alle Wahrscheinlichkeit durchgesetzt haben.

Das Memorial für die Suffragettenbewegung in den Christchurch Gardens in London erwähnt ausdrücklich Frauen und Männer. (Quelle)

So attraktiv sind solche Erzählungen, dass sie selbst durch abweichendes historisches Wissen nicht irritiert werden. Noch heute beispielsweise wird die Geschichte der Suffragetten als heldenhafte Durchsetzung des Frauenwahlrechts gegen männliche Allmachtsansprüche erzählt, obwohl es längst bekannt, dass in den meisten Ländern auch ein großer Teil der Männer nicht wählen durfte und dass deutsche und englische Suffragetten sich gegen das Wahlrecht des Pöbels (schon Clara Zetkin schrieb gegen die bürgerliche Frauenbewegung vom „Klassencharakter der Frauenrechtlerei“) einsetzten, so wie amerikanische Suffragetten gegen das Wahlrecht der Schwarzen.

Noch heute erinnern wir uns auch empört und ungläubig an vorsintflutliche gesetzliche Regelungen wie die, dass ein Mann in Deutschland seiner Ehefrau die Erwerbsarbeit verbieten konnte – auch wenn diese Regelung 1958 reformiert wurde und sich kein konkretes Beispiel dafür finden lässt, dass sie zuvor einmal angewandt worden war.

Seltsamer noch: Wer sich so empört, nimmt es meist als völlig normal hin, dass Frauen in Deutschland bis zum Einschreiten des Europäischen Gerichtshofes das Recht hatten, beliebig den Kontakt zwischen ihren Kindern und deren Vätern zu verhindern – gesetzlich garantiert, wenn sie nicht verheiratet waren, und durch erhebliche Unterstützung der beteiligten staatlichen Institutionen bei Verheirateten.

Immer noch haben Frauen diese Möglichkeit, wenn Kinder und Männer Pech haben und auf ungünstige Konstellationen bei Jugendamt und Gericht treffen. Aber obwohl diese Regelungen, anders als das männliche Recht zum Verbot der weiblichen Erwerbsarbeit, tatsächlich hunderttausendfach exekutiert wurden und es bis heute werden, stört sich kaum eine der empörten Vorkämpferinnen für Gleichberechtigung an ihnen.

Denn tatsächlich tragen Feministinnen – in den rot-grünen Parteien, in Medien und Wissenschaft – eine erhebliche Mitschuld daran, dass gleiche Rechte zwischen den Geschlechtern bei der Kindessorge bis heute blockiert werden – gegen jede Studie, die zeigt, wie sehr das Kindern schadet. Eben das aber kann eine Leitfrage sein, die eine etwas kritischere Skizze der Geschichte des Feminismus erlaubt und die sich aus dem vorangegangenen Artikel hier ergibt:

Wie war und ist es möglich, dass eine Bewegung, die nach ihrem eigenen Verständnis eine Bewegung für Gleichberechtigung und eine Verflüssigung tradierter Geschlechterrollen ist, tatsächlich als Bewegung gegen gleiche Rechte und für eine Betonierung längst überlebter Geschlechterklischees agiert?

 

1. Alice Schwarzer und die pervertierten Wracks

„Pervertiert“ – „kaputt“ – „Wracks“: So beschreibt Alice Schwarzer Männer durchgehend  in ihrem Kultbuch aus dem Jahr 1975, Der kleine Unterschied (und seine großen Folgen). Sie schreibt dort von „unserer täglichen Vergewaltigung auf allen Ebenen und in den unterschiedlichsten Formen“, unterstellt Männern, dass für sie „Gewalt gleich Lust“ wäre, stellt Sex als „Terror“ und die Ehe, für Frauen, als „Hölle“ hin und beschreibt eine Möglichkeit erfüllter weiblicher Sexualität nur mit einem kindgleichen Mann – oder, vor allem, mit anderen Frauen.

Sie stellt, vor allem, eine „Kluft zwischen Männern und Frauen“ fest: „Beide leben auf unterschiedlichen Sternen“. Schwarzer beschreibt damit ein Reich der Frauen als besetztes Land, in dem Frauen nur mit ihresgleichen glücklich werden können, während die fremden Besatzer sie versklaven, ausbeuten, quälen und vergewaltigen. Die Idee, dass es eine sinnvolle, gar beglückende Kooperation zwischen Frau und Mann geben könnte, steht hier als Propaganda der Besatzer da, die damit die Mitarbeit der Ausgebeuteten an ihrer eigenen Ausbeutung sichern.

Natürlich war (und ist) es möglich, dass Frauen das Leben in einer Ehe als Hölle empfanden – sei es, weil sie unerträgliche Partner hatten, sei es, weil ihnen ein Leben als Hausfrau nutzlos und isoliert erschien. An keiner Stelle aber bleibt in Schwarzers Kultbuch Raum für den Gedanken, dass Männer dies auf der anderen Seite vielleicht ganz ähnlich empfanden. Männer sind hier so selbstverständlich das Fremde, das ganz Andere, dass ihre Perspektiven wie selbstverständlich ausgeblendet bleiben. Sie würden in diesem Kontext ohnehin nur als Perspektive der Besatzer erscheinen – als Legitimation alltäglicher Gewalt.

Bild zeigt Werbeplakat "gegen häusliche Gewalt" mit einer Mutter und einem Kind in den Armen und dem Slogan: "Wie kann ich uns schützen?"

Das Hilfetelefon für Frauen, das vom deutschen Familienministerium finanziert wird, bewirbt sich noch immer ganz im Sinne von Schwarzers Schrift: Auf sämtlichen Plakaten sind allein Frauen zu sehen, die männliche Perspektive bleibt ausgeschlossen, Männer erscheinen lediglich als düstere Bedrohung einer eigentlich friedlichen Welt.

Natürlich haben auch solch radikal einseitige Positionen ihr Recht im Diskurs, und normalerweise wird ihre Einseitigkeit eher früher als später durch die fehlenden Perspektiven ergänzt. In der Geschlechterpolitik aber war diese Einseitigkeit musterhaft und stilbildend. Wie war das möglich?

Das lässt sich nicht erklären ohne einen Seitenblick auf andere, gleichzeitige Entwicklungen. 1976 reformierte die sozialliberale Koalition das Scheidungsrecht: Nun wurde vor Gericht lediglich noch festgestellt, dass eine Ehe zerrüttet war, ohne dass die schuldige Partei festgestellt werden musste. Das war ein Segen für die Gerichte, und es hatte guten Willens das Ziel, den „Vorrang des Mannes“ (Gerhard Jahn, der bis 1974 Justizminister war) abzuschaffen,  hatte dann aber auf andere Art und Weise Folgen für die Balance der Geschlechter.

Denn da meist der Mann die Funktion des finanziellen Versorgers in der Ehe übernommen hatte, und da die finanzielle Versorgung auch nach der Ehe gewährleistet sein und zudem ein Versorgungsausgleich gezahlt werden sollte, bedeutete das neue Scheidungsrecht in aller Regel – dass der Mann seinen Teil der ehelichen Kooperation nach der Ehe fortsetzen musste, auch wenn die Frau ihre Seite der Kooperation aufgekündigt hatte.

Natürlich war das beeinflusst von der Vorstellung einer Ehehölle für Frauen: Die Frau sollte nicht durch finanzielle Zwänge in einer Ehe gehalten werden, in der sie und ihre Kinder litten. Das war von vielen wohl ehrlich und fürsorglich gemeint und doch zugleich Ausdruck eines Ressentiments, das nun die Logik der Kooperation prägte, denn ebenso konnte die Ehe natürlich auch für den Mann eine Hölle sein, und die Kinder konnten auch unter der Mutter leiden.

Wenn es in modernen Gesellschaften normal und alltäglich ist, dass wir die Perspektiven anderer übernehmen, dann liegt das nicht daran, dass wir allesamt gute, reinherzige Menschen wären – sondern daran, dass wir von diesen anderen Menschen etwas wollen, dass wir mit ihnen kooperieren müssen und dass wir diese Interessen sehr viel besser verfolgen können, wenn uns ihre Perspektiven präsent sind.

Hatte eine Frau aber lediglich an der finanziellen Versorgung durch den Mann ein Interesse, dann war diese Leistung nun garantiert: Schließlich schaltete sich der Staat mit seinem Gerichten und Vollzugsorganen ein und sorgte dafür, dass der Mann in jedem Fall seine Kooperationsleistung erbringen musste, auch wenn er kein Recht auf die Kooperation der Frau hatte.

Das Scheidungsrecht ist so ein besonderes Beispiel für ein staatliches Agieren, das später in der Gleichstellungspolitik unüberschaubar weitflächtig institutionalisiert wurde: für den Anspruch staatlicher Institutionen, in die Interaktion zwischen Männern und Frauen einzugreifen und dort tatsächliche oder vermeintliche Ungerechtigkeiten zu Lasten von Frauen zu beseitigen, nicht aber die zu lasten von Männern. Staatliche Institutionen agieren in der Geschlechterpolitik seitdem gleichsam mit dem Ethos eines viktorianischen Gentleman, der die Frau vor einem Wüstling und Ausbeuter schützen muss. Da das kaum in eine moderne Massengesellschaft passt, ist zur Legitimation eine überbrückende Ideologie nötig.

Der moderne Feminismus war also auch deshalb notwendig, weil sie diese realen Verhältnisse staatlicher Gewalt ideologisch orchestrierte. Von Frauen könne keine Kooperation erwartet werden, da diese Kooperation sie in Gewaltstrukturen festhalte. Die Perspektive der Männer müsse nicht übernommen werden, weil sich darin ohnehin bloß eine Lust an der Gewalt ausdrücke. Männer bräuchten kein Mitgefühl, weil sie ohnehin alle Macht besäßen.

Bis heute hält sich die Unterstellung, Männer würden auf hohem Niveau leiden, weil all ihre Probleme einer enttäuschten Anspruchshaltung entspringen würden. Das ist ebenso realitätsfern wie wirkmächtig: Als ob Männer, die aufgrund von Willkürentscheidungen ihre Kinder nicht mehr sehen können und die trotzdem weiter zur Finanzierung ihrer Ex-Frauen arbeiten müssen, lediglich am Verlust einer einstigen Machtposition leiden würden.

So wird denn auch erklärlich, wie die zweite Welle des Feminismus ausgerechnet in einer politischen Situation anhob, in der rechtliche Benachteiligungen von Frauen beseitigt worden waren, während rechtliche Benachteiligungen von Männern aufrechterhalten wurden. Feministische Positionen waren nicht auf eine Veränderung der Verhältnisse gerichtet, sondern orchestrierten eben die rechtliche Gemengelage, die sich bereits entwickelt hatte.

Vor allem: Die Veränderungen im Geschlechterverhältnis hatten sich, und nicht allein in Deutschland, durchweg in einer Kooperation von Frauen und Männern entwickelt – aber Schwarzer und andere interpretierten sie kurzerhand als Erfolge, die Frauen gegen eine männliche Übermacht errungen hatten. Das wurde ganz besonders bei ihrem Kernthema deutlich – bei der Abtreibung.

 

2. Abtreibung: Die Wächterin am Eingang des Lebens

Es hat einen einfachen, nachvollziehbaren Grund, dass bis heute Frauen in einer gewissen Frist die Möglichkeit einer Abtreibung haben, Männern aber keine äquivalente Möglichkeit zur Verfügung steht, also etwa ein Opt-Out, mit dem sie auf alle Pflichten und Rechte als Vater verzichten können. Männer haben ebenso wie Frauen ein Interesse an einer weiblichen Möglichkeit zur Abtreibung – aber nur Männer haben ein Interesse an einem Op-Out, während Frauen ein starkes Interesse daran haben, dass Männern diese Möglichkeit nicht zur Verfügung steht.

Das berühmte Stern-Titelbild von 1971. Alice Schwarzer hatte damit eine Aktion des französischen Nouvel Observateur nach Deutschland importiert. Später erklärten einige der beteiligten Frauen, tatsächlich gar nicht abgetrieben zu haben – sie hätten die Aktion aber unterstützen wollen.

Wenn Feministinnen die Liberalisierung der Abtreibung als Leistung mutiger Frauen verstehen, die sie gegen männliche Macht- und Kontrollbedürfnisse durchgesetzt haben, dann verzeichnet das nicht nur die reale Situation, in der sich eben auch Frauen gegen eine Liberalisierung aussprechen, bei Menschen über 50 sogar mehr Frauen als Männer. Es ist auch schlicht projektiv: Es sind umgekehrt eher Frauen und mit ihnen der Staat, die ein – nachvollziehbares – Interesse daran haben, eine Kontrolle über männliche Versorgungsleistungen zu behalten.

Die feministische Interpretation der Abtreibung (und tatsächlich: auch der Abtreibung selbst, nicht nur der Liberalisierung des Gesetzes) als Akt weiblicher Befreiung aus männlicher Knechtschaft prägte dann die Geschlechterpositionen auf eine Weise, die mit Ideen der Kooperation, Gleichberechtigung und einer Verflüssigung der Geschlechterrollen nicht vereinbar war. Die Frau war damit, ganz archaischen Mustern entsprechend, Wächterin am Eingang des Lebens, die Entscheidung über den Beginn des Lebens musste ganz allein ihre sein – während der Mann in der traditionellen Position des Versorgers verwendet wurde, der an der Entscheidung nicht beteiligt war und der, wenn er und seine Kinder Pech hatten, nicht einmal den Kontakt zu ihnen bewahren konnte.

Kurz: Der Feminismus der zweiten Welle brach nicht etwa alte Geschlechterrollen auf, sondern radikalisierte und verfestigte sie. Noch heute schreibt die englisch-österreichische Feministin in ihrem gerade erschienen Buch Feminismus Revisited, einer weiteren Heldengeschichte des Feminismus, gegen die Entwicklung einer Pille für den Mann: „Empfängnisverhütung ist das Letzte, was wir vorzeitig aus der Hand geben dürfen.“ (S. 309) Die Kontrolle über die Reproduktion muss weiblich bleiben, als wären Männer davon nicht betroffen.

 

3. Die nutzlosesten und nichtigsten Wesen: Von der Legitimation bestehender Ordnungen

Wichtig ist, dass diese Verfestigung bestehender Geschlechterrollen, die als Verflüssigung verkauft wurde, nicht allein eine Entwicklung der öffentlichen Diskurse war, sondern dass diese Entwicklung eine kaum verrückbare rechtliche und ökonomische Basis hatte: Die Ehescheidung wurde reformiert, das Abtreibungsrecht wurde liberalisiert, jeweils in der Kooperation von Männern und Frauen. Aber die Interpretation dieser Veränderungen in der Logik eines Geschlechterkampfes sorgte zugleich dafür, dass entstandene Schräglagen sogleich legitimiert und die Reformen nicht ernsthaft überprüft wurden: Kritik an ihnen wäre ja als Ausdruck männlicher Machtinteressen erschienen, die doch eigentlich zu überwinden waren.

Die radikal negativen Männlichkeitsbilder der zweiten feministischen Welle lassen sich so heute leicht als solche Orchestrierungen realer politischer Verhältnisse deuten. Die Vorstellung der männlichen Ausbeutung der Frau ließ es als legitim erscheinen, dass Männer nun etwas zurückzugeben hätten. Die Vorstellung der umfassenden männlichen  Gewalt legitimierte es, Männer aus den Familien herauszudrängen. Die Vorstellung, dass Männer weithin ihre Kinder sexuelle missbrauchen würden, legitimierte es, Kinder ganz bei ihren Müttern zu belassen – was übrigens Susan Faludi schon 1991 kritisierte, aber einem männlich initiierten „Rückschlag“/„Backlash“ gegen den Feminismus zuschrieb, anstatt die Verantwortung von Feministinnen selbst zu untersuchen. Den Ausschluss des Vaters aus der Mutter-Kind-Diade sicherte auch die Vorstellung, dass liebesunfähige und -unwillige Männer ihre Kinder ohnehin nur benutzen würden, um ihre Kontrolle über die Mütter aufrechtzuerhalten.

Die Verweigerung basaler Empathie selbst für Männer, die offensichtlich erheblich litten, wurde in feministischen Bestsellern stillschweigend legitimiert: Robin Norwood in „Wenn Frauen zu sehr lieben“ (1987) oder Cheryl Bernard und Edith Schlaffer (etwa in „Liebesgeschichten aus dem Patriarchat. Von der übermäßigen Bereitschaft der Frauen, sich mit dem Vorhandenen zu arrangieren“, 1984, oder „Laßt endlich die Männer in Ruhe oder: Wie man sie weniger und sich selbst mehr liebt“, 1990) sind nur wenige Beispiele für eine oft wiederholte Behauptung: Frauen hätten sich immer ganz auf Männer konzentriert und müssten es jetzt, endlich, lernen, die Belange von Männern zu ignorieren und sich auf ihre eigenen Belange zu konzentrieren.

So ressentimenthaft und einseitig solche Geschlechterbilder auch sein mögen: Wichtig ist, dass sie keineswegs in der Luft hingen, sondern auf realen politischen, rechtlichen und ökonomischen Strukturen staatlicher Gewalt aufbauten. Marxistisch formuliert: Sie waren der Überbau für eine sozio-ökonomische Basis.

Die Einsicht, dass Sexismus beide Geschlechter treffen kann, kann auch die Analyse männlicher Disponibilität erleichtern. Die aber wird im modernen Feminismus reproduziert, nicht analysiert.

Wichtig ist auch, dass dieser Feminismus für Frauen, die mit ihren Männern kooperieren wollen, keine erkennbare Funktion erfüllt – ebensowenig wie für Mütter, die ihre Kinder gemeinsam mit den Vätern aufziehen möchten. Funktional ist dieser Feminismus allein für Frauen, die bei einem Mann vorwiegend oder allein an der finanziellen Versorgungsleistung interessiert sind – und  deren (Ex-)Mann zudem solvent genug ist, diese Leistung auch erbringen zu können.

Das bedeutet: So sehr Feministinnen auch beanspruchten, für alle Frauen zu sprechen, so erfüllten sie doch lediglich nur für einen kleinen Teil der Frauen eine reale Funktion: für Frauen nämlich, die daran interessiert waren, traditionelle Geschlechterrollen eben nicht zu verändern und eine männliche Versorgungsleistung verfügbar zu halten – und zugleich für Frauen, die in vergleichsweise guten, privilegierten Verhältnissen lebten.

Dieser innere Widerspruch zwischen dem – für die politische Durchsetzung der eigenen Positionen wichtigen – Anspruch auf Vertretung aller Frauen und der faktisch sehr begrenzten Funktionalität für eine kleine privilegierte Gruppe von Frauen erklärt auch die überraschende, enorme frauenfeindliche Aggression feministischer Aktivistinnen und die massiven Reaktionen auf Kritik und Provokationen von Frauen, bis hin zu gefährlicher körperlicher Gewalt. Die eigenen Widersprüche werden damit wütend eben den Frauen angelastet, die sich – und oft eben mit gutem Grund – durch Feministinnen nicht vertreten sehen, die das auch noch öffentlich sagen und die damit feministische Widersprüche sichtbar machen.

Schon für die Tochter aus gutem Hause Simone de Beauvoir waren zum Beispiel Hausfrauen die „nutzlosesten, nichtigsten Wesen, die das Menschengeschlecht je hervorgebracht hat“ (S. 780) – verständlich, denn eine Hausfrau nimmt schließlich nicht allein eine finanzielle Versorgungsleistung durch den Mann entgegen, ohne dass sie staatlich-institutionell vermittelt wäre, sie fühlt sich auch verpflichtet, im Gegenzug eine eigene Versorgungsleistung zu erbringen.

 

4. Unmoralische Männer und friedfertige Frauen: Vom Überleben der Geschlechterklischees

Erstaunlich ist aber bis heute, warum niemals jemandem auffiel, wie sehr die rechtlich betriebene und ideologisch orchestrierte Entfernung von Männern aus Familien nicht nur dem Ziel einer Änderung von Geschlechterrollen direkt entgegenstand, sondern auch einen Vaterverlust reproduzierte, der traumatisierend das ganze 20. Jahrhundert prägte.

Im faschistischen Ideal der deutschen Mutter, die ihr Kind eigentlich dem Führer schenkte und deren Mann auf den Schlachtfeldern geopfert worden war, war millionenfach ausgerechnet eben das Geschlechter-Muster tief verwundend in die Leben der Menschen hineingequält worden, das nun plötzlich als befreiendes Ideal verkauft wurde. Für Psychologen hätte dieser Zusammenhang eigentlich eine dringende Einladung für Analysen sein müssen – stattdessen wurde er durch eine der wichtigsten popular-psychoanalytischen Schriften der Zeit verdeckt und kaschiert.

Eine düstere Pieta. Das Bild der Maria, die den toten Jesus im Arm hält, kehrt auf pervertierte Weise im nationalsozialistischen Mutterkult zurück: Eine Frau, die „dem Führer ein Kind schenkt“, weiß eben auch, dass sie einen Sohn als Opfer auf dem Schlachtfeld produziert.

Margarete Mitscherlich erklärte 1985 die Frau zum friedfertigen Wesen und verschob die Verantwortung für Gewalt, für Machtgier und, insbesondere, für den Faschismus auf Männer. Frauen konnten so als Trägerinnen einer besseren Zukunft erscheinen – Die Zukunft ist weiblich. hieß Mitscherlichs folgendes Werk im Jahr 1987.

Tatsächlich wiederholte diese vorgeblich zukunftsweisende Vision alte, längst etablierte Muster, die Christoph Kucklick in seiner 2008 erschienenen Dissertation Das unmoralische Geschlecht analysiert hat. Es sei kennzeichnend für die Moderne und schon in den Texten der Aufklärungszeit nachzuweisen, dass die Überforderungen moderner Entwicklungen – die Anonymität, die Bindungslosigkeit, der Verlust bislang tragender Moralsysteme – als typisch männlich kodiert worden seien, während Weiblichkeit demgegenüber als eine Form der Menschlichkeit fantasiert worden wäre, die sich den Zumutungen der Modernisierungen entziehen konnte.

Natürlich hatte auch diese Fantasie eine reale ökonomische, institutionalisierte Basis – nämlich die bürgerliche Ehe, deren Formen Feministinnen am Ende des 20. Jahrhunderts zu überwinden vorgaben, aber tatsächlich lediglich radikalisierten.

Schlimmer noch: Mitscherlich knüpfte nicht nur an längst tradierte Geschlechterklischees an, sondern sie reproduzierte auch eben die Geschlechterstrukturen des Nationalsozialismus, die zu analysieren sie vorgab. In seiner furchtbaren Posener Rede hatte der „Reichsführer SS“ Heinrich Himmler die deutschen Massenmorde als Akte der moralischen Selbstüberwindung hingestellt: als ob die Männer, die diese Morde begingen, ihre moralische Integrität riskiert hätten, um es dem Kern des deutschen Volkes zu ermöglichen, moralisch intakt und frei zu bleiben. Dieser Kern aber war im nationalsozialistischen Denken die deutsche Mutter. Schuldige Männer – undschuldige Frauen im Kern des Volkes: dieses Bild wurde von Mitscherlich reproduziert, nicht destruiert.

Kritik erfuhren nicht einmal extreme Ausformungen dieser Mütter-Idealisierung. Die Feministin Andrea Dworkin entwarf, als ob daran nichts auszusetzen wäre, das Ideal eines Mutter-Sohn-Inzests, an dessen Ende der Sohn von der Mutter getötet wird: Die Fantasie einer Einverleibung des Männlichen in das unbedingt positive Weibliche. Da der millionenfache Tod von Söhnen und Männer auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs noch nah war, konnte eigentlich niemand diese Fantasie für eine bloße, zeitlose Metapher halten. Doch auch die Kritik der – ihrerseits feministischen – Autorin Barbara Vinken an Dworkin hallte nach: Vinken zeigte in ihrer Schrift „Die deutsche Mutter“, wie direkt Dworkin an Schriften des nationalsozialistischen Mutterkults anknüpfte.

Massenmord als Kult: Bis heute ist Valerie Solanas eine feministische Inspiration, anstatt dass ihre direkte Anknüpfung an die nationalsozialistische Ideologie Gegenstand der Kritik würde. Eine Theaterwerbung aus New York, 2018 (Quelle)

Die im Krieg ins Extrem geführter männliche Disponibilität feierte das feministische Kultbuch SCUM von Valerie Solanas, das unverhohlen an den Massenmord an den europäischen Juden anknüpfte und ihn zum Männermord wendete. Nicht einmal diese Schrift, und nicht einmal Solanas‘ Versuch, sie durch die Ermordung Andi Warhols in die Tat umzusetzen, war jemals Anlass, am durchweg positiven feministischen Selbstbild zu zweifeln: Der Text wird bis heute in der feministischen Selbstgeschichtschreibung schlicht als „Satire“ rubriziert und kann daher dieses Bild nicht gefährden.

 

Zwischenbilanz: Geschlechterpolitik als abgebrochene Modernisierung

Als Zwischenbilanz lässt sich zunächst festhalten:

Feministinnen waren nicht deshalb erfolgreich, weil sie engagiert und unbeirrt ganz Neues, Zukunftsweisendes vertraten – sondern weil sie auf längst etablierten Mustern aufbauten, die sie reproduzierten und als Neuheiten ausgaben.

Sie konnten vor allem auf einer Kooperation von Männern und Frauen aufbauen, die sie zugleich in der Fantasie eines Geschlechterkrieges energisch dementierten. Das Gegenstück zur Idee einer Männerherrschaft, die komplexe Strukturen einer modernen Gesellschaft unheilbar versimpelt, ist nicht die ebenso simple Spiegelung einer „Frauenherrschaft“ – sondern die Einsicht, dass Entwicklungen in der Kooperation von Männern und Frauen möglich werden.

Feministische Positionen waren allerdings keineswegs abgehobene Ideen verrückter Emanzen, sondern sie waren ein – legitimierender – Überbau über eine politische, rechtliche und ökonomische Basis. Feminismus war Reflex und zugleich Orchestrierung einer Entwicklung, die zur Modernisierung gehört, die hier aber zugleich eine Ent-Liberalisierung sein konnte: nämlich des gesteigerten Anspruchs staatlicher Institutionen, in die persönliche Interaktion von Menschen einzugreifen und sie zu strukturieren. Von der feministisch inspirierten Neugestaltung der Mann-Frau-Beziehungen konnten allerdings gut situierte Frauen wesentlich deutlicher profitieren als andere.

Faktisch erfüllten feministische Positionsnahmen, ganz entgegen dem eigenen progressiven Selbstverständnis, vor allem die Funktion, weitere Veränderungen einmal etablierter Strukturen zu verhindern. Das gilt insbesondere für die Funktion von Männern als finanzielle Versorger, die – sei es direkt über den Unterhalt, sei es über öffentliche Gelder, die zum größten Teil von Männern erarbeitet werden – engagiert verteidigt wurde.

Es ist allerdings ganz normal, dass soziale Bewegungen sich über die Funktion, die sie erfüllen, nicht vollständig im Klaren sind und dass sie diese Funktion erst im Rückblick durchschauen. Eine öffnende Weiterentwicklung wäre leicht möglich gewesen – immerhin ist es ein Verdienst feministischer Positionen, die Bedeutung von Geschlechterkategorien für die Analyse sozialer Strukturen herausgestellt zu werden, und das hätte auch im Sinne von Männern genutzt werden können.

Die Idee einer „Equality“ für Frauen, aber nicht für Männer leidet noch unter kleineren Unstimmigkeiten.

Wichtig wäre es nun gewesen zu akzeptieren, dass keine Geschlechterdebatte geführt werden kann, bei der die Perspektiven von Männer nicht ebenso im Spiel sind wie die von Frauen.

Insbesondere der Abschied vom uneingestandenen Mutterkult – einen Abschied, den etwa die französische liberale Feministin Elisabeth Badinter energisch forderte – und eine Stärkung von Vätern bei der Betreuung von Kindern haben eine Schlüsselfunktion für jede tatsächliche Änderung von Geschlechterrollen: Ohne das geht es nicht.

Leider entwickelten sich feministische Positionen in eine ganz andere Richtung.

Im nächsten Teil beschäftige ich mich dann mit der sogenannten dritten (genderpoltischen) und vierten (intersektionalen) Welle des heutigen Feminismus.

Literatur, soweit sie nicht verlinkt ist:

Élisabeth Badinter: Die Wiederentdeckung der Gleichheit. Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer, München 2004

Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht: Sitte und Sexus der Frau, Reinbek 2000

Cheryl Benard/Edit Schlaffer: Laßt endlich die Männer in Ruhe, oder: Wie man sie weniger und sich selbst mehr liebt, Reinbek 1992

Cheryl Benard/Edit Schlaffer: Liebesgeschichten aus dem Patriarchat. Von der übermäßigen Bereitschaft der Frauen, sich mit dem Vorhandenen zu arrangieren, Reinbek 1994

Andrea Dworkin: Woman Hating, New York 1974

Susan Faludi: Backlash – Die Männer schlagen zurück, Reinbek 1995

Christoph Kucklick: Das unmoralische Geschlecht: Zur Geburt der negativen Andrologie, Frankfurt am Main 2008

Margarete Mitscherlich: Die friedfertige Frau. Eine psychoanalytische Untersuchung zur Aggression der Geschlechter, Frankfurt am Main 1985

Robin Norwood: Wenn Frauen zu sehr lieben. Die heimliche Sucht, gebraucht zu werden, Reinbek 1990

Alice Schwarzer: Der „kleine Unterschied“ und seine großen Folgen. Frauen über sich – Beginn einer Befreiung, Frankfurt am Main 1975

Valerie Solanas: SCUM Manifesto, als pdf hier erhältlich

Barbara Vinken: Die deutsche Mutter. Der lange Schatten eines Mythos, Frankfurt am Main 2007

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52 Comments

  • „Bis heute hält sich die Unterstellung, Männer würden auf hohem Niveau leiden, weil all ihre Probleme einer enttäuschten Anspruchshaltung entspringen würden.“

    Die Aktualität deiner Texte ist ja manchmal erschütternd:

    SPON, Stockowski, „Pause ist nicht“:

    „Diese Dienste und Fähigkeiten sind: moralischer Respekt, Anerkennung, Bewunderung, Hochachtung und Dankbarkeit sowie moralische Aufmerksamkeit, Sympathie und Fürsorge. Wer das als Frau nicht leistet, gibt manchen Männern das Gefühl, ihnen etwas zu verwehren, worauf sie Anspruch hätten.“

    Nebenbei, als alter, dummer, weisser Mann: ich bin meiner Frau auch für vieles dankbar, habe Respekt und Hochachtung neben so manch anderen Dingen. Für mich eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

    Bei so Texten von Stockowski et. al frage ich mich immer: worher beziehen die ihr Männerbild? Und warum wundern sie sich, wenn sie nur über Spinner reden, dass Sie nur Spinner anziehen und sehen?

    • Ohne Lucas‘ Treffergenauigkeit in Abrede stellen zu wollen, muss man aber natürlich auch einwenden, dass Maggy ohnehin seit Jahren immer wieder nur dasselbe in anderen Worten und Kontexten von sich gibt. Derlei Aufzählungen, was Frauen so alles Unerträgliches leisten müssten und Männer meinten, darauf einen Anspruch zu haben, ohne natürlich auch nur das Geringste zurückzugeben, ist ein schon geradezu gebetsmühlenartiger Inhalt ihrer Traktate und der feministischen „Theorie“ im Allgemeinen.

      Und genau darin erkennt man ja die krampfhafte Empathieverweigerung Männern gegenüber. All die Vorstellungen davon, wie schrecklich es explizit Frauen in unserer Gesellschaft hätten, kann bei auch nur halbwegs klarem Verstand nur aufrechterhalten werden, wenn man die Lebenswirklichkeiten von knapp der Hälfte der Menschen – nur aufgrund ihres Geschlechts – rigoros ausblendet. Und da sind wir bei dem Punkt, dass Feminismus im Wesentlichen eine Ideologie privilegierter Frauen ist. Die menschliche Gesellschaft ist von ihren frühesten Ursprüngen her in erster Linie auf Kooperation gebaut. Soziales Verhalten, welches auch bei Primaten zu sehen ist, war eine evolutionäre Überlebensstrategie des Menschen. Sich innerhalb unserer Gesellschaft erlauben zu können, mal schlank der Hälfte der Menschen die Empathie- und Kooperationsbereitschaft aufzukündigen, geht nur aus einer sehr privilegierten, abgesicherten Position.

      Das ging tatsächlich auch in den Ursprüngen schon los. Nur Frauen, deren Lebensaufgabe in guten Häusern voller Haus- und Kindermädchen nur daraus bestand, ihrem Mann bisweilen Zierde zu sein, konnten sich den Luxus leisten, sich an ihnen vorenthaltenen Rechten abzuarbeiten, die tatsächlich auch nur Männern ihres Standes vorbehalten waren und sich dann gleichzeitig herauszunehmen, Männer öffentlich dafür zu beschämen (white feather), sich nicht jubilierend in einem bis dahin so noch nie dagewesenen Vernichtungskrieg verheizen lassen zu wollen. Frauen aus der Arbeiterklasse wäre beides suspekt gewesen. Zum einen existierte für sie diese rechtliche Benachteiligung nicht, denn ihre Männer waren vom Wahlrecht ebenso ausgeschlossen und sie hätten erst recht nie im Leben ihre Männer per Beschämung quasi in den Kriegsdienst geprügelt. Das Leben dieser Frauen bestand nämlich maßgeblich aus Kooperation mit Männern. Schon die Abwesenheit des Mannes für die Dauer eines Krieges stellte nicht unerhebliche Schwierigkeiten für die Familie dar. Und im Gegensatz zu den aus heutiger Sicht beinahe schon heiliggesprochenen Suffragetten konnten diese Frauen nicht auf ein großzügiges Erbe hoffen, sollten ihre Männer nicht zu jenen gehören, die auch wieder zu ihren Familien zurückkehren konnten.

      Und aus denselben Gründen kann auch nur in institutionalisierten, staatlich alimentierten Filterblasen diese Ideologie immer neue Blüten des reinen Schwachsinns treiben, während all das im wirklichen Leben der mit Abstand meisten Menschen schlicht nicht existiert. Diese Menschen sind es gewohnt, zu kooperieren und wissen, dass sie in der Regel für eigenes Entgegenkommen früher oder später mit entsprechender Bereitschaft ihrer Mitmenschen rechnen können. So funktioniert gesellschaftliches Miteinander. Da eine auf Basis einer völlig willkürlich gewählten Kategorie wie Geschlecht eine radikale Frontstellung aufzumachen, ist mehr als kontraproduktiv. Aber das schert natürlich Leute nicht, die gerne in ihrem Leben auch auf so etwas verzichten können und dennoch über die Runden kommen.

      • @ Billy „Sich innerhalb unserer Gesellschaft erlauben zu können, mal schlank der Hälfte der Menschen die Empathie- und Kooperationsbereitschaft aufzukündigen, geht nur aus einer sehr privilegierten, abgesicherten Position.“ Das ist genau der Punkt, der mir auch wichtig ist. Es geht ja gar nicht um moralische Bewertungen, dass kooperationsbereite Menschen besseren Menschen wären etc. (also um eine Art Gruppentischethik wie in der Schule, wo die Kinder gefälligst alle immer schön zusammenarbeiten sollen, auch wenn es vielleicht einige gibt, die ihre Sachen manchmal ganz gern alleine erledigen).

        Es geht darum, dass wir auf Kooperation angewiesen sind und dass wir selbst dabei auch kooperationsbereit sein müssen. Auch Menschen in Herrschaftspositionen brauchen die Kooperation anderer – sie können das nur ignorieren, weil sie in der Position sind, diese Kooperation erzwingen zu können, auch wenn sie selbst keine Gegenleistung erbringen. Damit ist es dann keine Kooperation mehr, sondern Ausbeutung.

        Eben das ist auch die Situation einer nach Schwarzerart befreiten Frau, die vom Unterhalt ihres (Ex-)Mannes lebt. Sie ist ja immer noch abhängig von ihm, sie ist nur in der Position, diese Abhängigkeit nicht mehr wahrnehmen zu müssen, weil der Zwang staatlicher Institutionen dafür sorgt, dass er seine Leistungen erbringen muss – auch ohne Gegenleistung von ihr. Das Argument wiederum, sie habe doch die ganze Ehe lang Gegenleistungen erbracht, ist schwach – dafür hat sie ja schon den Vorteil abschöpfen können, vom Zwang zur Erwerbsarbeit weitgehend befreit zu sein.

        Es hat Jahrzehnte gedauert, bis das BGH festgestellt hat, dass die lebenslange Versorgung einer geschiedenen Frau nicht legitim erzwungen werden kann – und es gibt immer noch örtliche Gerichte, die diese Entscheidung unterlaufen.

        Tatsächlich ist der Gedanke, dass der Herr vom Knecht eigentlich abhängig ist, weil er ohne dessen Leistung nicht Herr sein kann, ja durch Hegel bekannt geworden – und Marx hat ihn dann politisch gewendet. Der Zusammenhang ist in der Linken also seit Ewigkeiten bekannt: Wer sich versorgen lässt, begibt sich in Abhängigkeiten. Dass gilt auch für Menschen, die die Versorgungsleistungen erzwingen können und daher ihre Abhängigkeiten nicht wahrnehmen müssen.

        Dass dieser einfache Zusammenhang in der neueren Frauenbewegung weitgehend vergessen wurde, zeigt eben auch, wie wenig ausgeprägt die linken Wurzeln dieser Bewegung sind, abgesehen von einer oberflächlichen Übernahme linken Vokabulars. Eigentlich hat sich lediglich die bürgerliche Frauenbewegung fortgesetzt, nicht die proletarische.

        • Stokowski wiederum (@ motu, Billy) finde ich infantil. Frauen müssen sich um Männer ja nicht so sorgen wie um Kinder – umgekehrt übrigens auch nicht.

          Aber es ist eine sehr simple und vernünftige moralische Maxime, dass es gut ist, unnötiges Leid zu vermeiden. Es ginge einfach nur darum einzuräumen, dass damit nicht nur Leid von Frauen, sondern ebenso von Männern gemeint ist. Von Jungen ebenso wie von Mädchen.

          Das sieht Stokowski ums Verrecken nicht ein – sie verkauft zivile Selbstverständlichkeiten als besondere Extraleistungen, die Frauen seit Jeher abgefordert würden, während Männer sie irgendwie nie zu leisten hätten. Das ist das Verhalten kleiner Schüler, die Mist gebaut haben und die, darauf angesprochen, endlos lamentieren, wie viel Mist doch angeblich andere schon gebaut hätten, ohne dass die bestraft worden wären, etc.

          Arne Hoffmann hat ja gerade Sciencefiles verlinkt, die auf eine Studie aufmerksam machen, nach der Männern deutlich stärker als Frauen für eigene Misserfolge, Verlust- und Leiderfahrungen verantwortlich gemacht werden – und dies stärker von Frauen als von Männern selbst.
          https://genderama.blogspot.com/2019/04/mehrheit-der-deutschen-fuhlt-sich-von.html
          https://sciencefiles.org/2019/04/01/erstmals-kulturelle-benachteiligung-von-mannern-jungen-wissenschaftlich-belegt/
          Es sind unreflektierte Haltungen, die Stokowski nicht etwa reflektiert – sondern ideologisierend orchestriert.

          Es geht dabei nicht einmal nur um Empathie für Männer und Jungen – sondern auch darum, Frauen nicht wie Kinder zu behandeln, denen nicht einmal eine basale zivile Verantwortung gegenüber Männern abzuverlangen wäre.

          • „Stokowski wiederum (@ motu, Billy) finde ich infantil. “

            Da stimme ich zu, denn:

            „Es geht dabei nicht einmal nur um Empathie für Männer und Jungen – sondern auch darum, Frauen nicht wie Kinder zu behandeln, denen nicht einmal eine basale zivile Verantwortung gegenüber Männern abzuverlangen wäre.“

            Letztendlich entsteht der Eindruck, dass dieses Einfordern der eigenen Verantwortungslosigkeit (aka Infantilität) zum generellen Programm dieser Art Feminismus gehört – genau das Gegenteil des vermeintlichen „Empowerments“ und ähnlicher Buzzwords.

            Infantil bringt das alles auf den Punkt.

        • „Es geht darum, dass wir auf Kooperation angewiesen sind und dass wir selbst dabei auch kooperationsbereit sein müssen.“

          Das Fatale am Feminismus ist, dass er suggeriert, Männer seien auf die Kooperation von Frauen angewiesen, diese aber nicht auf die der Männer.
          Tatsächlich dürfte es exakt anders herum sein. Abgesehen von Kinderkriegen und Milchgeben wüsste ich nichts, was Männer nicht könnten.
          Dieses permanente Pochen auf Unabhängigkeit wird am Ende dazu führen, dass Frauen in einer entsolidarisierten Gesellschaft nicht mehr sebstverständlich damit rechnen können, von Männern ohne Gegenleistung durchgefüttert zu werden.
          Die Zukunft ist dank Feminismus für Frauen weit schwärzer, als für Männer.

      • Einmal hat die gute, edle Maggy in ihrer Kolumne gefordert, dass, wenn ein Kerl nachts hinter einer Frau geht, er die Straßenseite wechseln soll, damit sie sich nicht fürchtet. Ich habe dieser Person dann geschrieben und gefragt, was denn dann wäre, wenn der Kerl auf der anderen Straßenseite auch hinter einer Frau herlaufen würde. Müsste er dann umkehren?
        Mannomann…

    • „Diese Dienste und Fähigkeiten sind: moralischer Respekt, Anerkennung, Bewunderung, Hochachtung und Dankbarkeit sowie moralische Aufmerksamkeit, Sympathie und Fürsorge. Wer das als Frau nicht leistet […]“

      Was ist, wenn das der Mann nicht leistet?
      Das zu verweigern geht unter feministischer Lesart als häusliche Gewalt durch.

      • Ja, diese Aufzählung ist schon sehr selbstentlarvend, denn (bis vielleicht auf „Bewunderung“) fällt das für mich alles unter Mindeststandards partnerschaftlicher / familiärer Kooperation. Dies als unerhörte Ansprüche zu betrachten, die dann natürlich auch nur mal wieder an Frauen gestellt werden, ist… naja, ich habe im vorangegangenen Post meine Meinung dazu ja schon geschrieben.

        Es bleibt dabei: trifft man als Mann auf eine erklärte Feministin dieses Schlages, kann die Parole nur „run boy run“ lauten, denn in einer Beziehung mit solchen Menschen kann man eigentlich nur mit stark masochistischen Veranlagungen glücklich werden.

    • Eigentlich wollte ich mir die Kolumne von der besagten Internetfeministin nicht mehr antun, bin aber jetzt durch diese Kommentare doch noch mal zu der zitierten Kolumne geführt worden. Aufgefallen ist mir, wieviele Leute sich die Mühe machen, diese gehässige Polemik mit klugen Argumenten zu widerlegen. Die ersten paar Dutzend Kommentare, die ich gelesen habe, haben den Beitrag allesamt kritisiert und ich habe keinen positiven Kommentar bemerkt. Ist das vielleicht einfach Clickbait-Ökonomie, dass Spiegel-Online mit solchen Texten, die Leute wütend machen, – durchaus mit Erfolg – Kommentare und Traffic generieren will?

  • Sehr schöner kritischer Abriß (im doppelten Sinne!) der neueren Geschichte des Feminismus! 🙂 Ich frage mich nur, inwieweit der Aspekt der »Entschuldung« der Täter- und Mitläuferfrauen der NS-Zeit eine Besonderheit der deutschen Frauenbewegung ist, oder ob sich das auch auf andere Nationen erweitern lässt. Es könnte ja durchaus sein, dass auch Feministinnen außerhalb Deutschlands ein Interesse daran hatten, das »Opfergeschlecht« von solcher Kontamination freizuhalten.

    Der gegen das männliche Geschlecht gerichtete feministische Sexismus funktioniert ja auch außerhalb des deutschsprachigen Raums hervorragend. Ist die Exkulpation à la Mitscherlich also eine deutsche Besonderheit, oder ist sie konstitutiv für die Neue Frauenbewegung insgesamt?

    Meine Vermutung geht dahin, dass es sich um ein spezielles deutsches Argument handelt: Frauen zum »moralischen Geschlecht« zu erheben ist ein generelles Merkmal der modernen, bürgerlichen Kultur, aber um es auch in Deutschland unter feministischen Vorzeichen neu beleben zu können, musste das Hindernis der NS-Zeit gesondert aus dem Weg geräumt werden. Erst dadurch konnte die deutsche Frauenbewegung vollständig an die internationale Debatte anschließen.

    • „Ich frage mich nur, inwieweit der Aspekt der »Entschuldung« der Täter- und Mitläuferfrauen der NS-Zeit eine Besonderheit der deutschen Frauenbewegung ist, oder ob sich das auch auf andere Nationen erweitern lässt.“

      Dazu müsste man sich m.E. gesondert die Geschichte des europäischen Feminismus anschauen und die spezifische Verarbeitung der Geschichte der jeweiligen Faschismen oder diktatorischer Regierungen.

      Ich glaube, die Entschuldungsstrategie wird zwangsläufig überall nach ähnlichen Mustern verlaufen, da es sonst keine Opferkontinuität in der Geschichte geben kann.
      Darauf sind sie aber angewiesen – die Erde war wüst und leer, und es war finster im Patriarchat. Dann kam der Feminismus, machte das Licht an und alle Frauen sahen (zum ersten Mal) ihre eigene Unterdrückung.

      Die Frage, warum „die Massen“ nicht selber wenigstens spontan, besser organisiert bereits vorher gegen ihre Unterdrückung und Unterdrücker tätig geworden sind, lässt sich in diesem Mythos elegant umgehen: es gab die Auserwählten noch nicht.

      In den USA ist die politische Bestrebung, „Frauen“ als unterdrückte Minderheit (Hmmmpf!) zu verkaufen, die im Zusammenschluss mit allen anderen Minderheiten „das Patriarchat“ zum Einsturz bringen wird auf einen anderen Revisionismus verwiesen.
      Hier geht es um die Rolle von weißen Frauen während der Sklaverei.
      Was ganz offensichtlich ist, Sklaven waren Familienbesitz und selbstverständlich war die Ehefrau an diesem Besitz beteiligt und profitierte von diesem.

      Wenn heute also „ganz neu und exklusiv“ entdeckt wird: „Wie weiße Frauen in den USA ihre Sklaven ausbeuteten“
      https://www.spiegel.de/plus/usa-wie-weisse-frauen-ihre-sklaven-ausbeuteten-a-00000000-0002-0001-0000-000163155877
      , dann handelt es sich um eine politische Reaktion auf die Wahl von Trump durch weiße Frauen und keine wissenschaftliche Entdeckung.

      Was als „Verrat“ an einer „Frauensolidarität“ verarbeitet worden ist, die es so nie gegeben hat.
      Neu ist also nur, die historische Wahrheit darf in dieser politischen Situation in den Massenmedien veröffentlicht werden.

      Die internationale Erfolgsgeschichte „Frauen zum »moralischen Geschlecht« zu erheben“ verdankt sich der Durchsetzung der bürgerlichen Gesellschaft und ist „ein generelles Merkmal der modernen, bürgerlichen Kultur“.
      Auf diese „Heldinnengeschichte“ hat man sich m.E. – deshalb – einigen können.

      • Die US Suffragetten begründeten das Verlangen nach dem Frauenwahlrecht damit, dass die Frauen die Überlegenheit der weissen Rasse geschaffen hätten.

        Feminismus und Rassismus waren also immer schon innig verbunden und suprematistische Schwestern.

        • Ich würde das eher so sehen: es gab einen bürgerlichen und einen proletarischen Feminismus, ersterer spielte bis zur Entstehung der zweiten Welle des Feminismus keine große Rolle mehr.
          Dass es sich so verhielt, hat mit Mehrheitsverhältnissen zu tun; bürgerliche Frauen stellten stets die Minderheit aller Frauen.

          Das Gefühl einer elitären Auserwähltheit auf der Basis biologischer Merkmale war normal in ihrer sozialen Schicht. Insofern ist die Verbindung von Rassismus und bürgerlichem Feminismus naheliegend, wie auch die Einbindung einer bürgerlichen Elite-Theorie in ihre Theorie.

          Was ich hingegen erstaunlich finde, es ist ihnen gelungen, die historische Erfahrung bürgerlicher Frauen als allgemeine Geschichte aller Frauen zu verkaufen.
          Das ist ein erstaunlicher Marketing-Erfolg einer sagenhaften Geschichtsfälschung.

          • Das Frauenbild des Feminismus ist ahistorisch und daher verkaufen sie die „historische Erfahrung bürgerlicher Frauen als allgemeine Geschichte aller Frauen“.

            Die Geschichte des Wandels der Gesellschaft und der der Rechte hin zu einer Gleichberechtigung darf man nicht mit dem Feminismus verwechseln. Dieser uneigentliche Feminismus hätte eine ganz andere Bezeichnung verdient, nicht einfach „proletarischer Feminismus“. Vielleicht ja Frauenrechtlertum, das würde passen. Denen ging es ja immer um *Rechte*.

  • Noch heute erinnern wir uns auch empört und ungläubig an vorsintflutliche gesetzliche Regelungen wie die, dass ein Mann in Deutschland seiner Ehefrau die Erwerbsarbeit verbieten konnte – auch wenn diese Regelung 1958 reformiert wurde und sich kein konkretes Beispiel dafür finden lässt, dass sie zuvor einmal angewandt worden war.

    Es gibt einen einfachen Grund, warum sich kein einziges konkretes Beispiel dafür finden lässt. Der Grund ist schlicht und einfach, dass die gesetzliche Regelung, auch in der Fassung von 1900 bis 1958, es nicht hergab, dass ein Ehemann seiner Frau die Erwerbsarbeit verbieten konnte. Vermutlich bezieht sich dies auf den seit 1958 nicht mehr existieren § 1358 des BGB, der die eher theoretische Möglichkeit einräumt, dass der Ehemann beim Vormundschaftsgericht beantragt den Arbeitsvertrag der Ehefrau zu kündigen, wenn die Thätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt.

    Dabei sollte man nicht vergessen, dass das BGB in der Fassung bis 1958 das Privileg der Ehefrau enthält die Haushaltsführung zu bestimmen. Der Ehemann hatte hier nichts zu sagen. Das bedeutete übrigens nicht, dass die Hausarbeit durch die Ehefrau erledigt werden musste. Sie konnte selbstverständlich, wenn es die wirtschaftlichen Verhältnisse zuließen, entsprechendes Personal beauftragen und ihre Entscheidung hatte der Ehemann zu akzeptieren.

    • @Kibo

      Politisch nützlich ist der feministische Revisionismus, der mit einer solchen Aussage transportiert wird, denn bezogen wird sich auf ein Gesetz in der BRD, das es in der DDR nicht gab.

      Damit erklärt der West-Feminismus unverhohlen seinen Alleinvertretungsanspruch über die Geschichte Deutschlands.
      Rückwirkend wird damit die Geschichte Deutschlands so konstruiert, als hätte es die DDR nie gegeben.

      Für u.a. diese solide Geschichtsfälschung gibt es 30 Silberstücke und manchen lustigen Posten im BMFSFJ, in der FES, der HBS und der RLS.

  • Schöner Text, in dem der tiefe Schmerz einer durchlittenen Familientragödie nachhallt.

    Deshalb kurz: Männer, macht euch nichts vor. Ihr seid aus den Familien verdrängt worden, und wenn das noch nicht passiert ist, so seid ihr nur auf Abruf geduldet. Die Mütter eurer Kinder haben die Macht über euch. Ihr habt den Geschlechterkampf nicht geführt, als es noch Möglichkeiten gab, die Katastrophe zu verhindern. Jetzt habt ihr ihn irreversibel verloren. Für die kommende überschaubare Zeit gibt es kein Zurück.

    Es gibt keine Worte dafür, den Schmerz zu beschreiben, wenn man ein Kind von zwei, drei, vier Jahren verliert. Deshalb nichts dazu.

    Es gibt aber auch wenig, was ein Leben so nachhaltig behindern, zerstören kann, wie die Zwangsgemeinschaft mit Kindern von zehn, zwölf, sechzehn Jahren. Ich habe nie so abgrundtief erschöpfte und enttäuschte Erwachsene gesehen, wie Eltern – insbesondere Mütter – von Kindern dieser Altersklassen. Und ich habe viele gesehen. Das ist mein Beruf.

    Es ist ein Tabu, darüber zu reden, wie das Leben durch Kinder kaputt gemacht werden kann. Eine israelische Soziologin hat das fertig gebracht und den Mythos ewiger Mutterliebe durch Bekenntnisse von Frauen, sie würden ihre Kinder nicht lieben und deshalb besser ohne sie geblieben, widerlegte. Eine niedersächsische Lehrerin beschreibt den Verzicht auf Kinder als umweltpolitische Großtat.

    Männer sollten deshalb die Dialektik ihrer Befreiung von Kindern endlich mal begreifen. Sie haben viel verloren, aber ihnen wurde Lebenszeit geschenkt, in denen sie frei durchatmen können, ohne in der Endlosmühle dieser asozialen, aber penetrant durchsetzungsfähigen Konsumterroristen zermahlen zu werden.

    Frustrierte Mütter sind rachsüchtig. Sie wollen die Bindung zwischen den entsorgten Vätern und deren vorenthaltenen Kindern als Instrument des seelischen Sadismus’ perpetuieren. Männer sollten diese Bindung etwa mit Eintritt des Schulalters beenden. Allen Männern, die dies nicht fertig gebracht haben, ist es auf Dauer sehr sehr schlecht gegangen. Die Kinder waren es niemals wert, dass das Leben ihrer Väter dafür vor die Hunde ging.

    Die männliche Emanzipation beginnt mit der Akzeptanz ihrer Niederlage: „So wie du es wolltest, werden wir es jetzt machen. Die Kinder gehören ganz dir. Ich werde mich weder bei dir noch bei den Kindern melden. Viel Spaß! Wenn sie volljährig sind, schauen wir mal weiter.“ Ende der Durchsage.

    Wenn man dann viel arbeitet, wird man auch viel Geld los. Aber man kann ja überlegen, ob diesbezüglich auch ein paar Umbrüche sein sollten. Geld hin, Geld her, die wieder gewonnene Sorglosigkeit und freie Lebenszeit ist unbezahlbar.

    • Werter Hans,
      verdrängt wird, wer sich verdrängen läßt. Ich habe um meine Kinder vorm Familiengericht kämpfen müssen, um das immer noch seltene Wechselmodell – eigentlich – verteidigen zu können. Ich hätte verlieren können, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.
      Und es gab während der Pubertät meiner Kinder schwierige Zeiten. Ich möchte aber auch diese Erfahrungen nicht missen. Heute darf ich zwei selbstbewußte, erfolgreiche junge Menschen – auch mit meinem immer noch gern nachgefragten väterlichen Rat – vertrauensvoll begleiten. Das ist wertvolle Lebenszeit. Und als alter, weißer Mann freue ich mich auf meinen ersten Enkel.
      Ihre Verbitterung, werter Hans, tut mir aufrichtig leid.

    • Ich stimme Franz zu,
      ein Leben ohne meine Tochter, wäre nicht sorglos, ganz im Gegenteil.

      Da der Feminismus nur ein kleines Klientel effektiv vertritt, (was ja hinreichend bekannt ist), warum kann er dann diese Allvertetung für sich ständig proklamieren?

      Ansonsten wiederhole ich:
      Schoppe for Pulitzer

      • „Schoppe for Pulitzer“
        Ja, dieser Artikel ist mal wieder so eine Perle, könnte auch Teil einer Material-/Entwurfsammlung für ein dickeres Buch sein.
        Wobei ich ggf. dringend empfehlen würde, @Billy als Lektoren/Koautoren mit in das Boot zu holen.
        Kriegt auf jeden Fall ein Lesezeichen unter „Literatur und Bildung“.

        • „könnte auch Teil einer Material-/Entwurfsammlung für ein dickeres Buch sein.“

          Ging mir beim Lesen auch durch den Kopf.

  • Irgendwie bekomme ich allmählich den Eindruck, dieser ganze Feminismus ist nur ein Versuch von Lesbierinnen, die heterosexuellen Frauen gegen die Männer aufzuhetzen.

    • Die Lesben sind eine treibende Kraft im Feminismus, weil sie von den männlichen Versorgerdiensten ausgeschlossen sind und daher einen quasi natürlichen Männerhass kultivieren (ganz im Gegensatz zu schwulen Männern, die eher keinen Frauenhass haben). Die Lesben forcieren die männliche Versorgung durch die Versorgung durch „Vater Staat“ und holen die alleinerziehenden Mütter mit ins Boot. Der neoliberale Staat belohnt unkooperatives (asoziales) Verhalten und löst solidarische Familienstrukturen auf. Dadurch erreicht er Abhängigkeit und Kontrolle über die vereinzelten Subjekte. So läßt sich der Demokratieabbau und eine neo-feudalistische Ständeordnung leichter durchsetzen. Unter dieser Perspektive ist der Feminismus keineswegs eine „progressive“ Bewegung.

  • Die allermeisten Männer waren früher nicht weniger blosse Manövriermasse obrigkeitlichen Handelns als heute, im Gegenteil. Die selbstverständliche Ausbeutung männlicher Leidensfähigkeit und Arbeitskraft muss es wohl schon immer gegeben haben. Und noch viel mehr: ‘Die da oben’ haben die Männer als Kanonenfutter noch im letzten Jahrhundert in zwei grossen und vielen weiteren Kriegen millionenfach zu abscheulichen Taten getrieben und zu Tode gebracht, sowohl unter nationalistischen wie auch unter faschistischen oder sozialistischen Fahnen. Gegen diese unfassbare Ausbeutung nimmt sich der heutige psychische, physische, empathische und finanzielle Drain von Männern zu Frauen noch immer geradezu harmlos aus.
    Die Zeit meiner Jugend am Ende der 60-er- und am Beginn der 70-er-Jahre war eine Zeit des Aufbruchs. Mit uns nicht! Das war unsere Devise. Die ollen 68-er mit ihren endlosen Debatten langweilten uns. Wir fühlten uns vereint weit über die europäischen Grenzen hinaus auch mit der Jugend in den Vereinigten Staaten, die den Vietnamkrieg ablehnten und als Fahnenflüchtige Zuflucht in Europa suchten. Der Bewegung lag keine Verschwörung zu Grunde. Sie hatte keine Struktur, war diffus und viel mehr Lebensgefühl als politisches Programm Die Reichweite der Medien war begrenzt, deren Stossrichtung ausnahmslos gegen uns und das Internet noch in weiter Ferne. Die gemeinsame Basis war die Musik, ein hörbar gewordener kreativer Aufstand gegen Verkrustung und schematisches Denken. ‘Think different.’ Nur auf diesem kulturellen Boden konnten Steve Jobs (Jahrgang 1955) und andere eine weltweit heute alles bestimmende technologische Umwälzung anstossen.

    Der Wille zur Veränderung lag damals einfach in der Luft und war der Boden für eine Graswurzelbewegung, die mit langen Haaren, ein paar Gitarren und ausgestattet mit einem kargen politischen Bewusstsein und mit wenig Differenziertheit die Neuordnung suchte. Wir waren gegen das Unrecht auf der Welt, wir hatten hohe ethische Ansprüche und natürlich auch einen gehörigen Schuss an Selbstgerechtigkeit und eine riesige Naivität. Der Stellenwert der Frauen in der Öffentlichkeit war in der Tat absurd gering und korrespondierte in keiner Weise mit deren (damals noch) unverzichtbaren sozioökonomischen Leistung. (Ich denke oft, dass diese heute bedeutend geringer ist als in meiner Kindheit und Jugend und vermute darin eine wesentliche Zutat zum aktuellen Schlamassel.) Das im Film, in den Medien und in der Werbung gezeichnete Bild von Frauen war nicht so dumpfbackig aggressiv wie heute dasjenige von Männern, und doch war es ebenso respektlos verniedlichend und intellektuell völlig abwertend. In der Schweiz wurde gar erst 1971 das Frauenstimmrecht eingeführt. Das sagt ja wohl schon einiges. Es war bis zu einem gewissen Grad tatsächlich so, wie die Stokowski es heute noch gerne hätte, wenn man sie in der abgewrackten medialen Kathedrale ihren pathologischen Hass zelebrieren lässt. Wenn Schwarzers komplett verzerrtes Bild der damaligen Geschlechterrealität in Bezug auf Macht, Gewalt und sexuelle Unterdrückung in weiten Kreisen nicht vehement und empört zurückgewiesen wurde, so gerade auch deshalb, weil sie ja nur eine Frau war. Das Ignorieren und Nichternstnehmen von Frauen war weit verbreitet und eingeübt.
    Für viele meiner Generation musste die Gleichberechtigung der Frauen ein selbstverständliches Ziel sein, genauso wie das Eintreten gegen die Ausbeutung der 3. Welt, gegen die Rohstoffgaunerei, die Waffenschieberei oder jedes andere Unrecht. ‘Die da unten gegen die da oben’ war das Thema, nicht ‘Frauen gegen Männer’. Es war unser verklärter Traum, dass mit den Frauen auch wir Männer in einer besseren Welt ankommen dürfen.
    Die Frage, ob Frauen die besseren Menschen sind, ist inzwischen geklärt. Immerhin haben Männer und Frauen unserer Generation aber erreicht, dass in den Ländern der westlichen Hemisphäre in bewaffneten Konflikten die toten Männer auf der «eigenen» Seite einzeln und namentlich gezählt werden und nicht mehr in ganzen Kompanien. Schwierig zu sagen, ob das viel oder wenig ist.
    Damit will mich nicht etwa gegen die drängenden weiteren Emanzipationsschritte von uns Männern wenden. Es kann aber gut tun, von Zeit zu Zeit etwas höher zu fliegen und das bisher Erreichte zu würdigen.

    • @lupo:

      Der Stellenwert der Frauen in der Öffentlichkeit war in der Tat absurd gering […]
      Das im Film, in den Medien und in der Werbung gezeichnete Bild von Frauen war […] respektlos verniedlichend und intellektuell völlig abwertend.

      Kannst du das etwas genauer ausführen? Das lag vor meiner Zeit und nur mit den Erinnerungen an mein eigenes Aufwachsen kann ich mir schwer etwas unter deinen Andeutungen vorstellen.

        • Wie viel Prozente hat dieses Frauengold und gibt es das heute noch? Ich wüsste da ein paar Damen, denen ich gerne eine Flasche spendieren würde! 🙂

        • @Billy: Der erste Clip ist wohl ein Zusammenschnitt aus mehreren Sendungen von den 70ern bis in die 80er, der jeweils die (aus heutiger Sicht skandalträchtigen) Szenen zeigt, in denen es um Frauen geht – und nur diese. Die Darstellung reicht von vernünftigen Tips (Mit hochhackigen Schuhen besser nicht fahren, Rückspiegel zurückstellen nicht vergessen, Sicherheitsgurt ist keine Gefahr für den Busen) über Erfahrungen die ich selbst gemacht habe (wenn wir mit mir als Beifahrer unterwegs sind und es geht ans rückwärts einparken, besteht meine bessere Hälfte erstmal auf Fahrerwechsel) bis zu abwertenden Unterstellungen (Frauen missachten regelmäßig die Vorfahrt, ihnen fehlt die Übung, Hilflosigkeit gegenüber Technik).

          Bei der „Frauengold“ Werbung habe ich geschmunzelt, Asche auf mein Haupt 😉
          Natürlich ist diese Darstellung völlig übertrieben. Ich gebe aber zu bedenken, dass es gerade in der Werbung darum geht, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und Übertreibung ist dazu ein gern genutzte Mittel. Ich möchte auf folgendes hinaus: Könnte es sein dass die Darstellung der Frauen in dieser Werbung damals mit Absicht völlig übertrieben inszeniert wurde? Nämlich mit der Absicht Aufmerksamkeit zu generieren und die Werbung dadurch erst effektiv zu machen? Eine Werbung, welche die „normalen“ Verhältnisse zeigt so wie sie sind ist vor allem eines: langweilig. Plakativ ausgedrückt: Diese Werbung konnte nur deswegen effektiv sein, weil sie übertrieben war, d.h. die tatsächlichen „normalen“ Verhältnisse waren gerade nicht so wie in der Werbung dargestellt.

          Und natürlich gibt es gute und schlechte Werbung, und es kann durchaus sein dass es sich zusätzlich zum vorigen Punkt auch einfach um eine missglückte Werbung handelt. Es wäre nicht das erste mal, dass die Werbeindustrie beim Versuch möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen übers Ziel hinausschießt…

          Ich tue mir mit diesen Beispielen schwer, die behauptete Herabwürdigung und Schlechterstellung von Frauen quer durch die gesamte Gesellschaft nachzuvollziehen. Was behauptet wird („absurd geringer Stellenwert von Frauen in der Öffentlichkeit, durchwegs respektlose und intellektuell abwertende Behandlung“) geht ja weit über eine missglückte Werbung und einige grenzwertige Aussagen, die ohne Kontext aus mehreren Jahren einer bekannten Verkehrssicherheitssendung zusammengeschnitten wurden, hinaus.

          • Ich musste offen gestanden bei so ziemlich allem permanent schmunzeln, was in den Videos so gezeigt wurde. Ich hab aber auch eine Schwäche für Spaß mit Klischees. Also noch viel mehr Asche auf mein Haupt.

            Der 7. Sinn war tatsächlich eine einzelne Episode, die so gelaufen ist. Das gelegentliche Gelächter im Hintergrund kam aus einer neuzeitlicheren Sendung, in der sie diese Episode noch einmal zur Erheiterung hervorgekramt haben.

            Ich wollte mit den Links auch nicht die Aussage stützen, dass es Frauen allgemein so schlecht hatten früher. Mir sind die Sachen nur eingefallen, weil es ja auch um die Darstellung von Frauen in den Medien ging.

            Lupo hatte ja auch selbst eingeräumt, dass dies aber zu keiner Zeit an das Maß an regelrechter Bösartigkeit heranreichte, mit welcher heutzutage völlig selbstverständlich in Medien und Teilen der Politik über Männer hergezogen wird.

            Die Wahrnehmung früherer Herabwürdigung und Schlechterstellung quer durch die gesamte Gesellschaft kann ich zumindest retrospektiv auch schwerlich so nachvollziehen. Viel davon erfolgte durch damals noch wesentlich engere Geschlechterkorsetts für Frauen wie Männer. Dann hat man sich aber eben nur auf all das gestürzt, wo dies zu Nachteilen für Frauen geführt hat und sich darüber lang und breit echauffiert. Meines Erachtens hat sich daraus auch diese, wie ich finde, völlig verquere Vorstellung von der unterdrückten Frau entwickelt. Die sozialen Nachteile, die Männer aus ihrer Geschlechterrolle ziehen mussten, hat eben nie so richtig jemanden interessiert. Und selbst noch in der Gegenwart sieht man, wie sehr da immer noch innere Abwehrreflexe bei vielen vorliegen, wenn z. B. Arne Hoffmann regelmäßig, wenn er denn mal thematisiert wird, als irgendwie abwegiger Spinner dargestellt wird, anstatt sich mal wertfrei und offen mit seinen Aussagen auseinanderzusetzen.

      • @pingpong: Gerne liefere ich nachstehend ein paar wenige Müsterchen zur Illustration.

        Vorab will ich aber betonen, dass nichts davon eine Schlechterstellung von Männern im Allgemeinen und von Vätern im Speziellen in der Gegenwart rechtfertigt. Ich wollte und will nur aufzeigen, warum die Anliegen der Frauenbewegung damals ihre Berechtigung hatten. Man soll nicht der Versuchung erliegen, dies zu ignorieren oder kleinzureden, denn wer sich rechtfertigt, hat sich bereits auf das üble Spiel von Schuld und Sühne eingelassen. Aus diesen Auseinandersetzungen sind keine Rechnungen offen. Da sind keine Debitoren und keine Kreditoren mehr, wenn es sie denn je gab. Kümmern wir uns besser um die heutige Bilanz, denn die ist arg in Schieflage. Wie Billy unten richtig angemerkt hat, waren beide Geschlechter in ihrem Korsett gefangen, und die Frauen haben damals durchaus Strategien entwickelt (und in die Gegenwart gerettet), um aus dem gesetzten Rahmen ihre Vorteile zu ziehen. Nicht wenige Frauen lehnten damals die Bemühungen um mehr Gleichberechtigung denn auch ausdrücklich ab.

        @ Lucas: Ich freue mich sehr auf die Fortsetzung der Artikelserie. Es ist bewundernswert, wie du mit deinem persönlichen Schicksal lebst und was du daraus machst.

        Frauen in der Öffentlichkeit – Kabinett Adenauer 1962
        https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-A1221-0046-008,_Bonn,_Kabinett_Adenauer_V,_Ernennungsurkunden.jpg

        Frauen in der Öffentlichkeit – Kabinett Erhard 1963
        https://fr.wikipedia.org/wiki/Fichier:Bundesarchiv_Bild_183-B1018-0046-001,_Bonn,_Kabinett_Erhard_I,_Gruppenbild.jpg

        Frauen in der Öffentlichkeit – Kabinett Brandt 1969
        https://www.willy-brandt-biografie.de/politik/innen-und-gesellschaftspolitik/

        Frauen in der Öffentlichkeit – Frühschoppen mit Werner Höfer
        Die sonntägliche Talkrunde fand wie dazumal üblich unter Ausschluss der Frauen statt. Der Name der Sendung war nicht zufällig gewählt, sondern lehnte sich an eine damalige Gepflogenheit an: Nach dem sonntäglichen Kirchgang begaben sich die Männer in ein nahe gelegenes Wirtshaus und besprachen dort bei einem ‘Frühschoppen’ aktuelle Ereignisse aus dem nahen und weiteren Umfeld. Die Frauen eilten zurück nach Hause und bereiteten derweil den Sonntagsbraten zu.
        https://www.youtube.com/watch?v=MnFy0dw4g4w

        Frauen als niedliche Dekoration.
        Einer wird gewinnen – Doris und Elke
        03:45 bis 04:29 https://www.youtube.com/watch?v=DTGeE55c7IM

        Und noch drei kleine Reminiszenzen aus meinem persönlichen Umfeld:

        a) Frauen und höhere Bildung
        In meiner Gegend begann das eigentliche Gymnasium erst nach Abschluss der Volkschulpflicht. Im progymnasialen Leistungszug der Volksschul-Oberstufe waren wir etwas mehr Mädchen als Jungs. Im humanistischen Gymnasium sass ich dann in einer Klasse mit 16 jungen Männern und 5 jungen Frauen. Vielen Mädchen wurde der Zugang zu höherer Schulbildung von den Eltern verwehrt. Waren die finanziellen Mittel knapp, wurden Knaben bevorzugt, weil man dort eher einen Return on Investment erwartete und/oder weil es zur Hausfrau und Mutter ohnehin keiner höheren Bildung bedurfte.

        b) Zementierte Rollenbilder
        Meine Mutter liess sich in den 70er-Jahren, als das aktive und passive Wahlrecht für Frauen endlich erreicht war, in eine Kommunalbehörde wählen. An einer ihrer ersten Sitzungen und noch während Geschäfte der Tagesordnung verhandelt wurden, schickte der Vorsitzende sie aus dem Raum, um irgendwelche Häppchen für einen kleinen Umtrunk vorzubereiten. Perplex und überrumpelt folgte sie der Aufforderung. Die Konfrontation wagte sie dann erst im Nachgang und verschaffte sich schliesslich Respekt. Der besagte Vorsitzende und sie blieben später noch über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden.

        c) Sozialdemokratischer Frauenkaffee
        Nachdem ich Mitte der 70er-Jahre in ein kleines Dorf gezogen war, erhielt ich von der sozialdemokratischen Ortspartei eine freundliche Einladung zu einem Treffen. Auch meine Partnerin sei herzlich willkommen, stand da, man freue sich immer sehr über mitgebrachten Kaffee und Kuchen.

        • Ja zum Heulen. Und dann mussten sie auf dem Schlachtfeld ihr Leben wegwerfen und das ganze Leben lang malochen gehen, um dann Geld und Kinder an den Vater abgeben. Und: Die Frauen wollten es exakt so. Nach dem zweiten Weltkrieg wählten die Frauen nicht die SPD mit einem modernen Frauenbild, sondern die CDU, die keinen Hehl daraus machte, dass für sie die Frau an den Herd und der Mann ins Bergwerk gehört.

          Die traditionelle Rollenverteilung ist von den Frauen immer mitgetragen worden, wurde nicht gegen sie sondern mit ihnen durchgesetzt. Was Du da beschreibst, sind sekundäre Nachteile aus dem primären Privileg, sich durch einen Mann von der außerhäuslichen Arbeit freistellen zu lassen.

          Das Hausfrauenmodell und die „Unterdrückung“ der Frau

        • @Lupo

          Ich möchte etwas hinzufügen, was in deinem Kommentar und anderswo generell ausgespart wird.

          Bei jeder, wirklich jeder Skandalisierung der Benachteiligung von Frauen in der Geschichte Deutschlands wird bewusst ausgelassen, dass es von 1949-1990 die DDR gab.

          Alle und wirklich ausnahmslos ALLE Beispiele der Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen beziehen sich auf die Geschichte der BRD.
          Die es in der DDR schlicht nicht gab.

          D.h. es wird durch diese Beispiele rückwirkend ein „Gesamtdeutschland“ konstruiert, das es nicht gegeben hat, um einheitliche Lebensverhältnisse und Chancen für Frauen in diesem erfundenen Deutschland vorliegen zu haben, die ebenfalls nicht existierten.

          Ich unterstelle diesem Revisionismus politischen Vorsatz.
          Denn nur wenn das BRD-Modell als
          völlig alternativlos dargestellt wird, machen die Klagen gegen die Benachteiligung von Frauen ausschließlich in der BRD Sinn.
          Nur aus dieser Warte wiederum hat der in der BRD entstandene Feminismus einen rückwirkenden Alleinvertretungsanspruch in seiner „Heldinnengeschichte“.

          Uepsilonniks stellt politisch für die BRD klar: „Nach dem zweiten Weltkrieg wählten die Frauen nicht die SPD mit einem modernen Frauenbild, sondern die CDU, die keinen Hehl daraus machte, dass für sie die Frau an den Herd und der Mann ins Bergwerk gehört.“

          Ergänzend: Bei den Bundestagswahlen von 1953-1976 wählten durchgängig mehr Frauen als Männer die CDU.
          Diese politische Konstellation wiederum konkurrierte mit derjenigen der DDR und dem dort vorherrschenden Frauenbild.
          Es gab nicht nur die binnenpolitische Konkurrenz von unterschiedlichen Parteien in der BRD, sondern auch eine Systemkonkurrenz.

          Die auffällige Betonung des Zwangscharakters eines allgemein existierenden patriarchalen Systems in „Deutschland“ leugnet durch den Revisionismus diese Alternativen.
          Das Ziel ist offensichtlich, man entschuldet rückwirkend die konkreten politischen (Wahl-) Entscheidungen von Frauen in der BRD.

          Die Idee, „zementierte Geschlechterrollenbilder“ hätte sich gegen den Willen und die Interessen von Frauen in der BRD durchsetzen lassen ist falsch und unwahr.

          • Hi Crumar,

            du hast mit deinen Verweisen auf die DDR einen Punkt, allerdings primär ist das nicht der, auf den du verweist (Alleinvertretungsanspruch der BRD-Feministinnen). Eigentlich zeigte sich am Vergleich der Frauen in der DDR zu denen in der BRD schon das, was neudeutsch als „Gender-Paradoxon“ bezeichnet wird. In der DDR gab es nicht nur ein Recht auf Arbeit, sondern auch eine im Vergleich zur BRD vom Staat wesentlich rigoroser durchgesetzte Pflicht dazu. Wer sich längere Zeit auf der sozialen Hängematte einnisten wollte, brauchte sich nicht wundern, wenn ihm mal eben ein Job in irgendeiner Fabrik oder Werkstatt zugeteilt wurde. Das Missachten dieser Anweisungen wurde meines Wissens auch sehr scharf sanktioniert; ich glaube sogar bis hin zu strafrechtlicher Relevanz. Und diese Jobs waren, wie man sich denken kann, nicht gerade die, um die sich alle rissen.

            Dass auf diese Weise auch Frauen deutlich stärker in die Arbeitswelt integriert wurden, hatte dabei eigentlich keinen gleichstellerischen Sinn, sondern folgte der Logik, dass es sich ein Staat wie die DDR nicht leisten konnte, auch nur auf die Arbeitskraft eines einzigen Bürgers zu verzichten, was unter anderem an der geringeren Effizienz eines sozialistischen Gesellschaftsmodells im Vergleich zu einem kapitalistischen gelegen haben dürfte.

            Also auch im Vergleich DDR zur BRD zeigte sich schon: je freier Frauen in der Wahl ihrer Lebensentwürfe sind, desto stärker folgen sie bösen und natürlich rein patriarchal-kulturell geschaffenen Geschlechternormen. Die „Unterrepräsentanz“ von Frauen im Erwerbsleben in der BRD hatte natürlich mit Geschlechterrollen zu tun. Aber diese wurden, wie du richtig anmerkst, auch von den Frauen mitgetragen und gestützt. Einer der Gründe dafür dürfte gewesen sein, dass Frauen durchaus klar war, dass Erwerbsarbeit kein Zuckerschlecken war und sie sich nicht unwohl fühlten, sich stattdessen um Haus, Kind und den am Abend kreuzkrumm und lahm von der Arbeit zurückkehrenden Gatten zu kümmern.

            Sprich: die Geschlechterrollen, die in der BRD dazu führten, dass Frauen überwiegend das Heimchen am Herd mimten, waren zwar ebenfalls durchaus starr, aber eben auch von den Frauen mit begründet und getragen und gewiss um einiges weniger rigide als staatlich verordnete Zwänge, wie z. B. eine allgemeine Pflicht zur Arbeit.

            Grundsätzlich gibt es meines Erachtens für feministischen Geschichtsrevisionismus weit griffigere Beispiele. Wie etwa die ständig mit skandalisierendem Gestus vorgetragene Jahreszahl, zu der es in der Schweiz erstmals zu einem allgemeinen Frauenwahlrecht gekommen ist. Dass eine weit frühere Einführung (meines Wissens sogar mehrfach) an einer Mehrheit der Frauen in Volksbefragungen scheiterte, weil diese befürchteten, mit dem Wahlrecht könnte auch die Wehrpflicht auf sie ausgeweitet werden, wird dabei geflissentlich ignoriert.

            Oder wenn im Fernsehen feministische Rührstücke wie „Die Mütter des Grundgesetzes“ gezeigt werden, wo der in feministischen Kreisen sehr beliebte Mythos gepflegt wird, dass wir natürlich die Gleichberechtigung der Geschlechter im Grundgesetz vorrangig Frauen und gegen den Widerstand von Männern zu verdanken hätten, obwohl diese bereits von den alten, weißen Männern festgeschrieben worden war, die für die Verfassung der Weimarer Republik verantwortlich zeichneten:

            „Art. 109 Weimarer Reichsverfassung WRV (Rechtsstand 14.08.1919, aktuelle Fassung)

            Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich.

            Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.

            Öffentlich-rechtliche Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. Adelsbezeichnungen gelten nur als Teil des Namens und dürfen nicht mehr verliehen werden.

            Titel dürfen nur verliehen werden, wenn sie ein Amt oder einen Beruf bezeichnen; akademische Grade sind hierdurch nicht betroffen.

            Orden und Ehrenzeichen dürfen vom Staat nicht mehr verliehen werden.

            Kein Deutscher darf von einer ausländischen Regierung Titel oder Orden annehmen.“

            Würde man den Unsinn mitspielen wollen, dass angeblich vier Personen in einem demokratisch arbeitenden Gremium mal eben etwas gegen den Widerstand der Mehrheit durchdrücken könnten, könnte man anmerken, dass das einzige, was diese Damen angeblich erreicht haben, war, dass die „Rechte und Pflichten“ mal schlank um letztgenanntes erleichtert worden sind, was in historischer Kontinuität zu Ungunsten von Männern ausgeht.

            Und wo wir schon bei den Pflichten sind: wer beständig selbst Epochen nur unter dem Aspekt „Frauenunterdrückung“ bewertet, in denen Machthaber in solcher Frequenz Kriege führten, dass es über Jahrhunderte keine Generation von Männern gegeben hat, die nicht in mindestens einem Krieg dazu verdonnert worden waren, ihr Leben zu riskieren und in nicht selten großer Zahl auch tatsächlich zu verlieren, hat nach meiner Auffassung wirklich nen gehörigen Sockenschuss.

            Aber das folgt eben der bereits vorher von mir angesprochenen Logik, dass man Geschlechterrollen retrospektiv wie auch gegenwärtig immer nur an den daraus entstehenden (teils vermeintlichen) Nachteilen für Frauen bemisst und den (teils vermeintlichen) Privilegien von Männern. Die Nachteile für Männer sowie die teils nicht unerheblichen Privilegien der Frauen daraus spielen selten bis nie eine Rolle, weil sie es einfach nicht spielen dürfen, hängt doch an dieser Deutungshoheit nichts geringeres als das ewigwährende weibliche „Opferabo“ und damit auch die Existenzsicherung sich selbst zu Vertretern der Frauen erklärt habenden Berufsfeministinnen in Politik, Medien und allerlei extra zum Zwecke der „Gleichstellung“ eingerichteter Institutionen und Posten.

          • Den geschichtlichen Rückblick von @uepsilonniks, der hier verlinkt ist, fand ich sehr lesenswert, vielen Dank dafür! Zur Kritik an der Kategorie der Arbeit möchte ich ein Zeitdokument zitieren: Horkheimer äußert, als er dem Marxismus schon längt kritisch gegenübersteht, 1956 in einem Gespräch mit Adorno:
            „Freiheit bedeutet, daß man nichts arbeiten muß.“
            Adorno: „Die Philosophie sagt immer, Freiheit ist, wenn man sich die Arbeit aussucht, wenn man alles Miese zu seiner eigenen Sache macht.“
            Horkheimer: „[…] Freiheit wäre, daß man auf einer höheren Stufe wieder in das Diffuse zurückgleitet. Deshalb ist die Vergötzung der Zivilisation, die mit der Vergötzung der Arbeit identisch ist, so schlecht. Das Chaotische, das Diffuse wäre das Glück.“ (Horkheimer und Adorno: [Diskussion über Theorie und Praxis] (1956), in: Horkheimer: Gesammelte Schriften Bd. 19, S. 32-72, hier S. 40)

            Für Horkheimer liegt Glück außerhalb der Sphäre der Arbeit. Das ist vielleicht eine bürgerliche Sehnsucht nach dem Anderen, dem letzten Residuum, das noch nicht der Kapitalverwertung unterworfen ist. In einem späten Interview beschreibt er, sich offen zum Konservatismus bekennend und schon im Rückblick, als ein ehemaliges Privileg mancher Frau, dass sie eben nicht zur Arbeit gezwungen war. Arbeiten zu müssen erscheint so als charakterliche Beschädigung:
            „Die Mutter, die einen Beruf ausübt, ist etwas völlig anderes als eine Mutter, deren Lebensaufgabe die Erziehung der Kinder war. Der Beruf verdinglicht ihre Gedanken. Dazu kommt noch etwas anderes. Sie ist gleichberechtigt. Sie strahlt, von Ausnahmen abgesehen, nicht mehr die Liebe aus wie vorher. Die Mutter bewahrte bisher ihre Natur als Ganzes und strahlte sie aus, durch ihre Sprache, ihre Gebärden. Ihre bewußten und unbewußten Reaktionen […] spielten eine entscheidende Rolle in der Erziehung des Kindes. Sie prägten das Kind vielleicht entschiedener als die Weisungen. […]
            Man kann aber von dem, was verlorengeht, etwas bewahren, indem man — und hier wird wieder deutlich, was ich unter kritischer Theorie verstehe — auch die Negativität dieser Prozesse deutlich macht.
            Hier in der Schweiz, um Ihnen ein weiteres Beispiel zu nennen, tobt doch ein ständiger Kampf um die Gleichberechtigung der Frau. Ich meine, Nietzsche hatte völlig recht, als er sagte, die Frau wird mit der Gleichberechtigung das Wichtigste verlieren, was sie hat: das nicht verdinglichte, das nicht bloß pragmatische Denken.“ (Horkheimer: Die Sehnsucht nach dem ganz Anderen. Ein Interview mit Kommentar von Helmut Gumnior, 1970. Stundenbücher 97. S. 80f.)

            Ich habe diese Passagen einfach mal zitiert, weil ich sie in Bezug zur der obigen Diskussion über Gleichberechtigung in BRD und DDR hinsichtlich der Kategorie der Arbeit instruktiv fand (Arbeiten dürfen oder arbeiten müssen? Was bedeutet Unabhängigkeit?).

        • Man soll nicht der Versuchung erliegen, dies zu ignorieren oder kleinzureden, denn wer sich rechtfertigt, hat sich bereits auf das üble Spiel von Schuld und Sühne eingelassen.

          Man darf also nicht widersprechen, da man sich sonst auf dieses „üble Spiel von Schuld und Sühne“ einlassen würde?
          Das erinnert mich doch stark an den modernen Feminismus, in dem Frauen uneingeschränkt recht zu geben ist.

          • @uepsilonniks: Ich kenne und schätze auch dein Blog. Seit Ännchen und Gretel vor 18 Monaten michauch auchmich aus dem Winterschlaf wachgeküsst haben, bin ich auf vielen Kanälen lesend unterwegs und bin hier nun einmal aktiv geworden. Ich denke, mich verständlich ausgedrückt zu haben. Ich will nur aufzeigen, aus welchen historischen Versatzstücken die neuen Feministinnen ihren einträglichen Mythos einer angeblichen patriarchalen Herrschaft konstruieren. Daraus abgeleitete dreiste Forderungen sind rundweg abzulehnen, aber man soll nicht widerwillig von sich weisen, was damals war.
            Nein, eine freie Wahl hatten damals mit Ausnahme des gehobenen Bürgertums auch die Frauen nicht. Das stimmt so einfach nicht. Immerhin war ich schon beim Start der ‘Seltsamen Flugbahn des Feminismus’ mit am Flughafen.
            Die Maloche der Frauen im Haushalt war eine unmittelbare Voraussetzung für den industriellen Aufschwung in den Nachkriegsjahren. Die Ehe war eine auf gegenseitiger Abhängigkeit basierende Arbeitsgemeinschaft, auch Junggesellen lebten gegen Bezahlung oft unter den Fittichen einer Schlummermutter. In der Waschküche wurde Feuerholz kleingemacht und eingeheizt, bevor es zuerst Koch- und dann Kinderwäsche gab, in der Küche wurden ausschliesslich aus Grundnahrungsmitteln bezahlbare Speisen zubereitet, der Gemüsegarten war Lebensgrundlage und nicht Ort der Erbauung, das Angebot in den Läden war äusserst überschaubar, Kleidung wurde bis zum Gehtnichtmehr in Stand gehalten und abgeändert, bevor sie an die jüngeren Geschwister weitergereicht wurde, die Verwaltung des knappen Wirtschaftsgelds war eine knifflige Herausforderung. Wenn ich in meiner Kindheit nie materielle Not erlebt habe, so verdanke ich das meinem Vater und meiner Mutter zu gleichen Teilen. Dass ein wachsender Teil der Frauen für ihren Einsatz auch eine echte politische Mitsprache einforderte, scheint mir noch heute nachvollziehbar.
            @billy: Richtig ist, dass auch etliche Frauen in der Schweiz das Stimmrecht ablehnten. Das habe ich ja bereits erwähnt. Der Entscheid lag aber logischerweise ausschliesslich bei den Männern.
            https://de.wikipedia.org/wiki/Frauenstimmrecht_in_der_Schweiz#Chronologie,_Übersicht
            Wikipedia ist bei Geschlechterthemen mit Vorsicht zu geniessen. Beim Überfliegen sind mir aber keine Unkorrektheiten aufgefallen. Meine blosse Erwähnung des fehlenden Wahlrechts als Indiz für einen Gesellschaftszustand, kann doch nicht als Skandalisierung bezeichnet werden?

            ABER: Bloss weil sich viele Frauen mit der Unterstützung von vielen Männern dieses Recht vor 60 und mehr Jahren erkämpfen mussten, soll man uns heute von unseren Kinder fernhalten dürfen, uns Männern den Löwenanteil an Steuern, Rentenbeiträgen und Gesundheitskosten aufladen, uns die komplette Infrastruktur auch für Frauen bereitstellen und zu guter Letzt auch noch unflätig beschimpfen lassen? Wie krank ist das denn? Das Spiel läuft leider auch bei uns in der Schweiz in dieselbe Richtung. Das Bashing in den Medien ist vielleicht nicht so unverhohlen, aber durchaus auch wahrnehmbar. Doch wehe, du stellst als Mann unter Männern die Forderung nach verbindlicher Gleichstellung mit hälftigen Pflichten zur Diskussion. So weit geht das Leiden dann doch nicht. Ganz interessanter Vergleich zur DDR, @crumar.

            Das Wirtschaftswunder gilt als Besonderheit der BRD, verständlich nach dem Überlebenskampf in den Nachkriegsjahren. Aber auch bei uns in der Schweiz ging es plötzlich Schlag auf Schlag. Die Waschmaschine zuerst, der Staubsauger, der Kühlschrank, ein reichhaltiges Angebot an Halbfertig- und Fertigprodukten, der Fernseher, der Tiefkühlschrank, pflegeleichte Kleidung aus dem Laden, der VW-Käfer für die Mobilität, das alles war innerhalb von 6 bis 8 Jahren plötzlich zu haben. Und erst dann war da Platz für das Heimchen am Herd. Und da war ich schon bald 20.

            Der Job der Hausfrau ist schon längst wegrationalisiert. Wie sonst hätte ich schon vor 25 Jahren als alleinerziehender und berufstätiger Vater meine Kinder grossziehen sollen? Mir ist bewusst, dass ich als Mann riesiges Glück hatte. Ein Fingerschnippen meiner damaligen Frau hätte genügt, und mir wäre das Schicksal der meisten geschiedenen Väter nicht erspart geblieben. Und natürlich war es ein grosses Glück, dass meine Kinder gesund blieben und dass ich einen beträchtlichen Teil meiner Berufsarbeit auf die Nachtstunden legen konnte. Perfekt waren die Umstände nicht, aber ich denke, was ich ihnen an Zuwendung zu wenig geben konnte, habe ich ihnen dafür an hemmender Betüddelei erspart. Ich kenne den anfallenden Aufwand auf die Unterhose genau, habe vielleicht weniger erlesen, und weiss trotzdem, wovon ich rede.

          • @Lupo:

            Die Klage, dass Frauen arbeiten mussten (echt? krasse Unterdrückung!), würde nur dann Sinn machen, wenn gleichzeitig die Männer von Arbeiten freigestellt wären, und das war und ist einfach nicht der Fall. Sowohl früher als auch heute wurden und werden die härtesten Arbeiten von Männern ausgeübt, vergleiche Tod bei der Arbeit. Ich kann mich nur noch mal wiederholen: Wäre die traditionelle Rollenverteilung allein zum Nachteil der Frau, sie wäre einfach nicht aufrecht zu halten gewesen in Zeiten, in welchen die Frau mit ihrem Mann das Ehebett teilt und – ganz wichtig – die Kinder erzieht.

            Ich zitiere mal Gunnar Kunz, aus dem zur Gänze lesenswerten Artikel „Was nicht im Geschichtsbuch steht“:

            Das Ehe- und Familienrecht im Bürgerlichen Gesetzbuch war zweifellos reformbedürftig. Wer jedoch behauptet, es handelte sich dabei um eine in Gesetze gegossene Unterdrückung der Frauen durch „das Patriarchat“, hat sich offensichtlich Blindheit auf dem zweiten Auge verordnet. Dem Ehe- und Familienrecht lag ein veraltetes Rollenmodell zugrunde, dessen Aufgabenteilung sich in Jahrhunderten schwieriger Überlebensbedingungen bewährt hatte, um den Preis, dass sowohl Frauen als auch Männer in das Korsett einengender Rollenzuschreibungen gezwängt wurden. Die Frau war auf die Rolle der Hausfrau festgelegt, der Mann hatte die gesetzliche Verpflichtung, die Familie zu schützen und zu ernähren. etc.

          • @ lupo

            Nur zur Klarstellung: die „Skandalisierung“ in meinem Post war nicht auf deinen Kommentar gemünzt. Ich meinte damit nur die immer wieder hervorgeholten, uralten Beispiele, mit denen versucht wird, ein Bild zu zeichnen von einer Gesellschaft, die durch alle Zeiten hindurch immer auf der Unterdrückung von Frauen aufgebaut war. Das hast du ja nicht gemacht. Dass ich auch das Beispiel mit dem Wahlrecht in der Schweiz genommen hatte, hatte auch nichts mit deinem Kommentar zu tun, sondern war reiner Zufall.

            No offence intended! 😉

          • @lupo:

            Nein, eine freie Wahl hatten damals mit Ausnahme des gehobenen Bürgertums auch die Frauen nicht. Das stimmt so einfach nicht.

            Zustimmung. Feminismus als Partikularbewegung einer kleinen ohnehin schon privilegierten Schicht, um noch mehr Priviliegien zu erhalten. Das passt.

            Die Maloche der Frauen im Haushalt der Frauen und Männer war eine unmittelbare Voraussetzung für den industriellen Aufschwung in den Nachkriegsjahren. Die Ehe war eine auf gegenseitiger Abhängigkeit basierende funktional differenzierte und auf gegenseitigem Vertrauen basierende Arbeitsgemeinschaft zum Beiderseitigen Nutzen, auch Junggesellen lebten gegen Bezahlung oft unter den Fittichen einer Schlummermutter.

            Fixed that for you 😉

          • „Immerhin war ich schon beim Start der ‘Seltsamen Flugbahn des Feminismus’ mit am Flughafen.“

            Ich auch 😉

            „Die Maloche der Frauen im Haushalt war eine unmittelbare Voraussetzung für den industriellen Aufschwung in den Nachkriegsjahren.“

            Zweifellos ein Fulltime-Job, für den sich keine Frau nachträglich schämen oder der Faulheit beschimpfen lassen musste.
            Aber damals waren oft drei, vier Kinder (neben dem Ehemann) zu bekochen, die Waschmaschinen waren noch nicht so leistungsfähig, wie heute, Spülmaschinen gab es gar nicht, Fastfood ebenfalls nicht. Das Essen musste – nahezu täglich – zu Fuß, oder mit dem Fahrrad herangeschafft, zubereitet und gekocht werden, danach der ganze Abwasch von Hand, …
            Eben ein Fulltime-Job, für den den Frauen der gleiche Respekt gebührt, wie den Männern.

            „Die Ehe war eine auf gegenseitiger Abhängigkeit basierende Arbeitsgemeinschaft, …“

            Was sie eben von Anbeginn der menschlichen Kultur war.
            Erst die moderne Technik ermöglichte es, den Eigenanteil der Hausfrauen immer weiter herunterzufahren und diese Abhängigkeit einer Arbeitsgemeinschaft einseitig aufzukündigen.
            Du wirst zugeben, dass heute die Eigenleistung einer verheirateten Mittelstandstusse durchaus oft gegen Null geht, während der männliche Anteil der gleiche geblieben ist, wie bei seinem Vater, oder Großvater.

        • @Billy

          „Eigentlich zeigte sich am Vergleich der Frauen in der DDR zu denen in der BRD schon das, was neudeutsch als „Gender-Paradoxon“ bezeichnet wird. In der DDR gab es nicht nur ein Recht auf Arbeit, sondern auch eine im Vergleich zur BRD vom Staat wesentlich rigoroser durchgesetzte Pflicht dazu.“

          Die für beide Geschlechter galt.
          Ich verstehe nicht, was du damit sagen willst.

          „Also auch im Vergleich DDR zur BRD zeigte sich schon: je freier Frauen in der Wahl ihrer Lebensentwürfe sind, desto stärker folgen sie bösen und natürlich rein patriarchal-kulturell geschaffenen Geschlechternormen.“

          Moooooooment.
          Die Freiheit der Entscheidung für jeden beliebigen Lebensentwurf basiert auf dem Zwang für das andere Geschlecht, diesen zu finanzieren.
          Die Systemalternative der Hausfrau, die „work-life-balance“ muss von irgendwem finanziert werden.

          Die feministische Ignoranz betrifft die ökonomische Sphäre, in der irgendwer das Gold für den „goldenen Käfig“ bereitstellen muss.

          „Dass auf diese Weise auch Frauen deutlich stärker in die Arbeitswelt integriert wurden, hatte dabei eigentlich keinen gleichstellerischen Sinn, sondern folgte der Logik, dass es sich ein Staat wie die DDR nicht leisten konnte, auch nur auf die Arbeitskraft eines einzigen Bürgers zu verzichten“

          Das erklärt aber nicht, warum dieses Verhalten von Frauen aus der Ex-DDR beibehalten worden ist, lange nachdem es keine DDR mehr gab.
          Der Zwang war lange weggefallen, als 2015 festgestellt wurde:

          „Im Vergleich zu ledigen Frauen ohne Kinder arbeiten verheiratete ostdeutsche Frauen mit Kindern fünf Stunden weniger, bei westdeutschen Frauen beträgt die Differenz sogar 16,7 Stunden.“
          http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2015/report2015-02.pdf, Seite 15

          Auf Seite 13: „Auch in Ostdeutschland sind die Arbeitszeiten von Frauen kürzer, wenn Kinder unter sieben Jahren im Haushalt sind. Im Vergleich zu den 19,4 Stunden, die Mütter kleiner Kinder in Westdeutschland weniger arbeiten als ihre gleichaltrigen Kolleginnen in Paarbeziehungen ohne Kinder, stellen die 8,8 Stunden, die ostdeutsche Frauen weniger arbeiten, jedoch fast eine vernachlässigbare Größe dar.“

          West-Frauen mit Kindern unter 7 Jahren im Haushalt arbeiten erkleckliche 55% weniger, als ihre weiblichen Pendants im Osten.

          Nimm das, Gender-Paradoxon! 🙂

          Es wird festgestellt: „Auffällig ist zudem in Westdeutschland, dass Mütter von Kindern jedweden Alters im Durchschnitt keine Arbeitszeiten erzielen, bei denen es wahrscheinlich ist, dass sie finanzielle Unabhängigkeit erreichen oder in der Zukunft zu einem substantiellen Renteneinkommen führen.“

          Somit ist drohende Altersarmut auch nicht „weiblich“, sie ist präziser West-weiblich.

          Die Propaganda des West-Feminismus in Sachen finanzieller Unabhängigkeit ist beim ureigensten Klientel – nämlich den West-Frauen – wirkungslos verraucht.
          Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Handlung, Theorie und Praxis ist (s.o.) offensichtlich.
          Weil diese „Deckungslücke“ auf der Gewöhnung an die materiellen Transfers beruht, die sie lebensgeschichtlich erfahren haben.

          „Aber das folgt eben der bereits vorher von mir angesprochenen Logik, dass man Geschlechterrollen retrospektiv wie auch gegenwärtig immer nur an den daraus entstehenden (teils vermeintlichen) Nachteilen für Frauen bemisst und den (teils vermeintlichen) Privilegien von Männern.“

          Der West-Feminismus liefert lediglich einen Ausredenkalender für die Deckungslücke zwischen Theorie und Praxis.
          Verschleiert wird, dass sich hinter der Differenz zwischen progressivem Anspruch und Wirklichkeit der West-Frauen keine „Diskriminierung“ verbirgt, sondern Interessen und Neigungen.

          Diese Interessen und Neigungen haben sich erst durch das gesellschaftlich defizitäre Modell „West-Frau“ als Systemalternative zur emanzipierten Ost-Frau entfalten können.
          West-Frauen wurden nicht unterdrückt, sondern korrumpiert und sie haben sich korrumpieren lassen.

          Bitte noch einmal die Zahlen anschauen:
          – Mütter kleiner Kinder in Westdeutschland arbeiten 19,4 Stunden weniger als ihre gleichaltrigen Kolleginnen in Paarbeziehungen ohne Kinder.
          – Mütter kleiner Kinder in Ostdeutschland arbeiten
          8,8 Stunden weniger als ihre gleichaltrigen Kolleginnen in Paarbeziehungen ohne Kinder.

          Willst du mir ernsthaft erzählen, die identische „Vereinbarkeitsproblematik“ hat derart drastisch unterschiedliche Auswirkungen?

          Der eigentliche Witz erweist sich, wenn man den Faktor „Ehe“ berücksichtigt.
          Im Westen beträgt die Differenz der Arbeitszeit zwischen verheirateter West-Frau und West-Mann bereits 7,8 Stunden pro Woche.
          Ohne ein einziges Kind. (a.a.O. S. 12)

          Diese Reduzierung findet entweder in froher Erwartung statt oder weil frau es sich jetzt eben leisten kann.

          Der feministische Revisionismus existiert, weil man auf der Basis der eklatant unterschiedlichen weiblichen Praxen davon ausgehen müsste, es hätten in Deutschland zwei völlig unterschiedliche Patriarchate mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen existiert.

          Noch schlimmer: An den tatsächliche progressiven Wirkungen auf Frauen hätte dieser Feminismus keinerlei Anteil.

          Noch viel, viel schlimmer, es reicht eigentlich ein Haufen alter, weißer Männer (und einiger Frauen), die Prinzipien alter, weißer Männer (und einiger Frauen) der Arbeiterbewegung umsetzen.

          Diesen Ausweis seiner eigenen Bedeutungslosigkeit nimmt der bürgerliche Feminismus ernst und sehr, sehr übel.

          Wie auch mit der bösen Realität, wird also mit der Geschichte so verfahren, dass die Ideologie nicht zu beiden passt und demnach beide zu verschwinden haben.

          • „Die für beide Geschlechter galt.
            Ich verstehe nicht, was du damit sagen willst.“

            Eigentlich nur, dass der Unterschied in der Erwerbsquote von Frauen zwishen BRD und DDR auch in unterschiedlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen und wohl auch differenten privaten Notwendigkeiten bestanden haben dürfte. BRD-Frauen hatten im Zuge des Wirtschaftswunders und der damit einhergehenden Verschmelzung von Arbeiterklasse und Bürgertum das Privileg, nicht arbeiten gehen zu MÜSSEN (!), et voilà, schon verhalten sie sich so, wie es traditionalistisch erwartet wird.

            Ich hatte dich wohl fälschlicherweise, wegen des Begriffes Geschichtsrevisionismus, so verstanden, es ginge primär um die Zeit, als der zweite deutsche Staat noch existierte. Für die von dir im Kommentar genannten Zahlen aus der Gegenwart stellt dies selbstverständlich keine Erklärung mehr dar, das gebe ich unumwunden zu… 😉

          • „BRD-Frauen hatten im Zuge des Wirtschaftswunders und der damit einhergehenden Verschmelzung von Arbeiterklasse und Bürgertum das Privileg, nicht arbeiten gehen zu MÜSSEN (!), et voilà, schon verhalten sie sich so, wie es traditionalistisch erwartet wird.“

            Teilweise finde ich dein Argument zutreffend, zum anderen – größeren – Teil jedoch nicht.

            Gersterkamp (!!!) hat in einem seiner hellen Momente etwas interessantes von sich gegeben, dass nämlich der „Hausfrauisierung“ in proletarische Haushalten als Motiv ein proletarischer Antifeminismus zugrunde lag.
            Aus der geschichtlichen Erfahrung heraus, der Frau das Fabrikregime ersparen, also seine Frau davor schützen zu wollen.
            Ohne die Frau – damit nehme ich den Gedanken von Djad auf – konkret zu fragen, ob sie eigentlich geschützt werden will.

            Historisch haben Frauen und Kinder erst in dem Maße Opfer des Fabrikregimes werden können, weil durch Lohnsenkungen erreicht wurde, dass der Vater nicht mehr Alleinernährer der Familie sein konnte.
            Die neumodische „Verunsicherung“ der männlichen Rolle des Alleinernährers der Familie fand also bereits im 19. Jahrhundert statt.

            Nach dem zweiten Weltkrieg gab es – im Rahmen der Systemkonkurrenz – in der BRD die Möglichkeit, wieder diese Alleinverdienerlöhne zu erzielen.
            Weil die DDR als dritte Tarifvertragspartei klammheimlich am Verhandlungstisch saß.

            Aber die „Umwälzungen“ betraf das gesamte System der Sozialversicherungen der BRD, um die „Systemalternative“ zu gewährleisten.

            Vom Ehegattensplitting einmal abgesehen, war die Steuerklasse 1 ganz offiziell als „Junggesellensteuer“ eingeführt worden.
            In der umlagenfinanzierten Rente gab es auf einmal die Idee, man könne „angesparte“ Beiträge vererben.
            Was ein Widerspruch in sich ist.
            Die Zahlung von Krankenkassenbeiträgen wurde an den Ehestand gekoppelt, Kinder wurden von Beiträgen ausgenommen.
            In der Rentenversicherung gelten fixe Erziehungszeiten, die Ausfallzeiten für Ausbildung und Zwangsdienste sind variabel.
            Bei den Erträgen der Riester-Rente wird durch den „Unisex-Tarife“ so getan, als gäbe es identische Lebenserwartungen nach Geschlecht.

            Die Summe der gesellschaftlichen Subventionen dieses Modells ist abenteuerlich.
            Trotz alledem und darüber hinaus beträgt der durchschnittliche Beitrag von Frau zum Haushaltseinkommen in Deutschland durch eigene Erwerbsarbeit weniger als ein Viertel.

            Es existieren also umfassende finanzielle Anstrengungen, dass „nicht arbeiten gehen zu MÜSSEN“ identisch mit „nicht arbeiten gehen zu WOLLEN“ ist, aber so nicht gesagt werden darf.

            Es darf nur leicht durchscheinen in den Zeitungsartikel über die Latte Macchiato-Mütter vom Prenzlauer Berg.

  • Der Feminismus ist ein antimoderner Mythos und Glaubensdogma und daher die Ähnlichkeiten zu anderem Überlegenheitskult.

    Schön beschrieben 🙂

  • Bezüglich des Begriffs Feminismus ist heute auch eines komplett in Vergessenheit geraten: Dass Feminismus als Oberbegriff für die gesamte Frauenbewegung dient ist nicht von Anfang an der Fall gewesen. Das hat sich nur nach und nach so durchgesetzt. Und dabei fällt auch auf: Dass der (vermeintliche) Einsatz für Gleichberechtigung darin endet, dass man ganze Bibliotheken mit Büchern voller Männer-Diffamierung füllen kann, passiert nicht grundsätzlich. Aber es passiert grundsätzlich dann, wenn das Ganze unter dem Begriff Feminismus firmiert.
    Bezüglich der Geschichtserzählung zur Emanzipation wird dabei auch ständig übersehen, dass der Großteil dieser Entwicklung gemäßigten Reformern zu verdanken ist (die sich oftmals nicht zum Feminismus bekannten) und nicht irgendwelchen radikalen Protestbewegungen. In Deutschland war es z.B. so, dass die Festschreibung der Gleichberechtigung von Mann und Frau im Grundgesetz im Jahr 1949 einen über Jahre dauernden Reformprozess nach sich zog. Irgendwelche radikalisierten Feministinnen waren daran nicht beteiligt. Alice Schwarzer wurde deshalb auch in den 70ern immer wieder vorgeworfen, dass Sie sich eigentlich nur auf einen fahrenden Zug schwingt. Ein Vorwurf der heute in Vergessenheit geraten ist. Und der auf die aktuellen Bewegungen eigentlich auch zutrifft. Die ganzen aktuellen Debatten über sexuelle Gewalt gegenüber Frauen kamen ja auch erst zu einem Zeitpunkt auf, als sexuelle Gewalt bereits seit mehreren Jahren rückläufig war und das Sexualstrafrecht nicht nur vom Gesetzgeber reformiert worde war sondern auch von der Rechtssprechung mehrfach ausgebaut wurde. Von diesen Entwicklungen (genauo wie vom gesetzlichen Reformprozess in den 50ern und 60ern) haben halt nur deutlich weniger Leute etwas mitbekommen, weil sie halt im Gegensatz zu den lautstarken Feministinnen nicht so sehr auffallen. Der Erfolg des Feminismus kommt auch schlichtweg daher, dass sich dieser immer wieder für Erfolge selbst lobt, die von ganz anderen Leuten aufgebaut wurden.
    Ein unter Männerrechtlern bekanntes Beispiel wäre da auch Erin Pizzey. Dieser Frau haben sämtliche Frauen in der westlichen Welt das ausgeprägte Netz an Frauenhäusern zu verdanken. Und die tickt bis heute überhaupt nicht so männerfeindlich wie viele Feministinnen sondern will sogar genauso ein Netz auch für Männer aufbauen. Aber über diese Frau liest und hört man in feministischen Kreisen meistens nichts. Dafür wird regelmäßig betont wie wichtig der Feminismus angeblich zur Bekämpfung häuslicher Gewalt sei.
    Es sollte von daher auch nicht vergessen werden: Die Frauen werden vom Feminismus massiv betrogen und belogen. Das ist aber nur Wenigen bewusst.

  • @ Lucas

    Eben WEIL der Text so eine umfassende Aufarbeitung des Feminismus ist und sich nicht in Polemiken erschöpft, möchte ich ein paar kleine Anmerkungen machen, die als Schönheitsfehler seine Klarheit schädigen könnten.

    Du schreibst:
    „Seltsamer noch: Wer sich so empört, nimmt es meist als völlig normal hin, dass Frauen in Deutschland bis zum Einschreiten des Europäischen Gerichtshofes …“

    Es war der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, EuGMR, in Strasbourg, nicht der Europäische Gerichtshof, EuGH, in Brüssel, dem wir den Fortschritt verdanken.

    „… das Recht hatten, beliebig den Kontakt zwischen ihren Kindern und deren Vätern zu verhindern – gesetzlich garantiert, …“

    Nein, eine gesetzliche Garantie, den Kontakt zwischen Kindern und ihren Vätern zu verhindern, gab und gibt es nicht. Die Blockade basiert auf die flächendeckend, vielgeübte Praxis der Familiengerichte, Väter auf Antrag der Mütter – oder durch Prozessverschleppung – von den Kindern zu entfernen.

    „Denn tatsächlich tragen Feministinnen – in den rot-grünen Parteien, in Medien und Wissenschaft …“

    Prinzipiell richtig, verschließt aber die Augen vor den zahlreichen Feministinnen auch in den konservativen Parteien. Zu nennen wäre da z.B. die CSU-Politikerin Dorothee Bär, die sich unermüdlich für eine Beschränkung von Väterrechten im Familienrecht einsetzte und in Männern in erster Linie Gewalttäter sieht.
    Dagegen basiert das neue Sorgerechtsgesetz für ne Väter auf einem Antrag der Grünen-Fraktion im Bundestag. BVerfG, BGH und viele Politiker (die Feministinnen sowieso) wollten eine Variante mit nur theoretischen Rechten der betroffenen Väter, wie sie dann der BGH später in seiner Ausführungsanordnung XII ZB 419/15 vom 15.6.2016 gesetzeswidrig doch noch durchsetzte.

    Das wars dann auch schon mit meinem Genörgel 😉

  • Lieber Lucas,

    wieder ein sehr schöner Text. Danke. Er gibt auch einen sehr schönen Überblick über die Entwicklung des Feminismus.

    Der Feminismus wollte natürlich auch immer die Beseitigung von Benachteiligungen für Frauen. Ich vertrete aber die Ansicht, dass der Feminismus nie für Gleichberechtigung stand und auch Gleichberechtigung nie zum Ziel hatte. Deshalb halte ich die Unterscheidung für 1., 2., 3.Welle-Fminismus für überflüssig. Du zeigst es ja selbst auf mit den ersten großen Erfolgen des Feminismus, die Abtreibung und das Scheidungsrechtsreform. Es ging immer nur um die Interessen und Anliegen von Frauen. Männer waren egal. Das ist bis heut so geblieben. Natürlich gibt es auch selbstkritische Feministinnen und sogar männerfreundliche Feministinnen. Mit manchem habe ich sogar schon bei Jungenleseprojekten zusammen gearbeitet. Aber das waren und sind immer nur exotische Randerscheinungen, die zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise beim Kurs der Ideologie wirklich etwas mitzubestimmen gehabt hätten.

    Man darf hier auch nicht die Frauenbewegung und den Feminismus verwechseln. Das sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Frauenbewegung – so wie ich sie verstanden habe – wollte mehr Selbstbestimmung und damit auch mehr Eigenverantwortung für Frauen. Und das will der Feminismus ja gerade nicht. Beim Feminismus ist immer, wenn etwas nicht so gut, läuft bei Frauen natürlich immer der Mann oder pauschal das Patriarchat schuld. Das ist das Gegenteil von Eigenverantwortung. Und dass der Feminismus von der Selbstbestimmung der Frau nichts hält, sieht man daran, dass mittlerweile per Gesetz festgelegt wird, wie viele Frauen in welchen Positionen zu sein haben oder – zukünftig – wie viele Frauen gewählt werden müssen. Die Frauenbewegung hat sich vom Feminismus vereinnahmen lassen.

    Deshalb ist ja auch die Aufrechterhaltung des Männerhasses in unserer Zeit für den Feminismus so wichtig. Wenn die Männerfeindlichkeit in unserer Zeit nicht wäre, wären viele Zustände und Regelungen, wie wir sie heute antreffen, und die oftmals und zunehmend viele Männer benachteiligen, so nie haltbar. Der Scheidungsrechtssexismus oder die Bildungsdiskriminierung von Jungen sind dabei nur zwei Beispiele von vielen.

    Gruß

    Bruno

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