Feminismus Männer Männerrechte Väter

Kleiner Beitrag zur Verwirrung männlicher Feministen

geschrieben von: Lucas Schoppe

Was hat Immanuel Kant mit Margarete Stokowski zu tun? Sherlock Holmes mit der Ausbeutung von Frauen in Mauritius? Feminismus mit Gleichberechtigung? Sieben Sätze mit Antworten – als Service für männliche Feministen

 

Direkt vor ihrer engagierten, wenn auch etwas skurrilen Auseinandersetzung mit dem deutschen Spargel hat Margarete Stokowskis einen „Lebensratgeber“ zur dringlichen Frage veröffentlicht, wie ein Mann Feminist sein kann. Er wurde in den letzten Tagen mehrfach gut und ausgiebig kommentiert.

Natürlich konnte sich die Spiegel-Kolumnistin nicht auf zehn Gebote beschränken, und auch dass sie sich mit 40 Lebensratschlägen zufriedengab und nicht mit 250 oder 791, liegt vermutlich vor allem daran, dass ihr Platz in der Kolumne begrenzt ist. Jedenfalls stellt sie im Text klar, dass die Liste „unvollständig“ ist, so dass eigentlich niemand, der sie abarbeitet, jemals sicher sein kann, „auf der sicheren Seite“ zu sein.

Jon Snow ist da, wie nicht anders zu erwarten, ein gutes Beispiel. Er ist einer der wenigen Game-of-Thrones-Helden, die nicht als Königskind aufgewachsen sind – als Bastard konnte er den Privilegien anderen zuschauen, war aber nicht privilegiert. Er ist ein treuer, loyaler Freund für den ganz unmännlichen Sam und ist dergestalt unvergiftet von toxischer Männlichkeit. Er integriert mutig und konfliktbereit die verachteten Wildlings in das Leben diesseits der Mauer und rettet damit ihre Leben, agiert also inklusiv und mit Sinn für Diversity. Er redet nicht viel und fällt daher Frauen nicht ins Wort, und er sitzt nicht breitbeinig in U-Bahnen herum. Vor allem aber hat er nicht nur keine Angst vor starken, sehr starken Frauen, sondern liebt sie von ganzem Herzen, sogar gleich zwei Mal im Verlauf der Serie.

Ein feministischer Mustermann eigentlich, der Stokowskis Liste spielend leicht erledigen könnte, wenn er es nicht noch mit ganz anderen Schrecknissen zu tun hätte, mit der Zombie-Armee des Nachtkönigs zum Beispiel.

Was aber reagiert die feministische Journalistin Hanna Zobel bei bento auf ihn?  Unter dem Titel „Auf Nimmerwiedersehen, Jon Snow“ wünscht sie ihm,

in der Schlacht gegen den Nachtkönig nochmal alles – und dann bitte auch den Löffel ab – zu geben.

Er solle doch bitte wieder sterben, weil er a. ein Mann ist und b. Daenerys und „einer heißen Romanze mit Yara“, also „mit seinem scheinbar magischen Penis“ einer lesbischen Liebesgeschichte im Wege stehen würde.

Wer also als Mann Feminist ist, ist zuerst und zuletzt und vor allem ein Mann und wird das nicht los. Ich möchte gern, ganz wie Frau Stokowski, feministische Männer direkt ansprechen, allerdings nicht mit 40 Lebensratschlägen, sondern einfach mit sieben Sätzen.

Was Du also von Jon Snow lernen kannst:

Wenn Du feministisch bist, dann deshalb, weil Du es richtig findest – nicht deshalb, weil Du irgendeinen Beifall dafür zu erwarten hättest. Wenn Feministinnen den Eindruck bekommen, Du seist auf Applaus aus, werden sie Dich ohnehin verächtlicher behandeln als Menschen, die mit dem Feminismus nicht viel anfangen können.

Da es aber ganz Deine Sache ist, hat es auch keinen Sinn, die Verantwortung dafür an irgendjemand anderen abzugeben. Hier sind sieben Punkte, an die Du dabei denken musst:

 

1. Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Gleich eine ganze Reihe von Männern reagiert bei Twitter auf Stokowskis Text mit der Befolgung ihres Punktes Nummer 40: Sie bedanken sich pflichtschuldig für die lange Reihe von Anweisungen. Das mag jemanden ganz folgerichtig erscheinen, der den Text aufmerksam bis zum Ende durchgelesen hat – nach außen hin aber wirkt es unangenehm unterwürfig und sogar gedankenfaul.

Der alte Kant-Satz, dass Aufklärung das Austreten des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit sei, mag heute als typisches Mansplaining eines alten weißen Mannes dastehen, hat aber etwas für sich. „Selbstverschuldet“ bedeutet eben: Es ist einfacher, die Verantwortung für die eigene Position an andere abzugeben, die es irgendwie und bestimmt besser wissen. Zudem klingt es praktischerweise ganz plausibel, dass Frauen nun einmal besser wüssten, wie spezifisch weibliche Erfahrungen aussehen.

Wenn Du aber davon ausgehst, dass Du als Mann spezifische Erfahrungen von Frauen gar nicht nachvollziehen kannst, sie aber relevant findest, dann hast Du eigentlich nur eine Möglichkeit: nämlich mit Frauen darüber zu reden. Reden, nicht nur fragen und zuhören, denn Du wirst dabei auch selbst schon etwas sagen müssen, weil sonst ja gar nicht klar werden kann, welche Erfahrungen spezifisch weiblich sind und welche Erfahrungen Menschen beider Geschlechter betreffen.

Vor allem wirst Du, wenn Du die Gruppe Deiner Gesprächspartnerinnen nicht willkürlich begrenzt, von sehr unterschiedlichen Erfahrungen hören. Selbstständig und mit Deinem eigenen Verstand zu überlegen, was sie gemeinsam haben, ob es tatsächlich etwas spezifisch Weibliches dabei gibt – das nimmt Dir keiner ab.

Du kannst Dir natürlich auch stattdessen einfach eine Frau mit wöchentlicher Kolumne im Spiegel als DIE Sprecherin für weibliche Erfahrung fantasieren, Dich simpel an das halten, was sie so schreibt, und Dich hinterher mehr oder weniger elegant dafür bedanken. Aber auch diese Begrenzung ist dann Deine Entscheidung, und Du trägst dafür selbst die Verantwortung. Die Kolumnistin kann nichts dafür, so sehr sie sich auch als Frauengesamtheits-Sprecherin präsentieren mag.

Auch wenn Du also andere, in diesem Fall Feministinnen vordenken lässt, und sosehr Du auch lieber hinterherdenkst anstatt nachzudenken – das bleibt Deine Entscheidung und Deine Verantwortung, nicht die der Feministinnen. Aus der Nummer kommst Du nicht raus.

 

2. Check your privileges!

Die Vorstellung, dass Männer Feministinnen zuhören und von ihnen lernen, ihnen aber nicht dreinreden sollten, entspringt der Überzeugung, dass unsere Gesellschaft von männlicher Macht geprägt wäre. Es gäbe daher nämlich keine gleichberechtigte Diskussion zwischen den Geschlechtern, und die Dominanz der Männer könne nur durchbrochen werden, wenn sie sich im Gespräch zurückhalten.

Die Vorstellung einer Männermacht wird meist mit dem Hinweis begründet, dass der Großteil der Führungspositionen in Institutionen, auch in Aufsichtsräten und Vorständen von Männern besetzt sei. Das lebt von der Fantasie, irgendwie sämtliche Männer würden dank einiger weniger Männer in Vorständen regelmäßig eine patriarchale Dividende beziehen.

Wenn Du so denkst, kommst Du ohne selektive Wahrnehmung nicht aus. Du merkst dann zum Beispiel, dass Vorstandsposten weitgehend von Männern besetzt sind, aber nicht, dass Obdachlosigkeit weit überwiegend ein männliches Problem ist.

Was sagt das über Deine Position aus?

Du fixierst Dich auf Vorstandsmitglieder, nimmst Obdachlose aber nicht einmal wahr – konzentrierst Dich auf männliche Gutverdiener, ignorierst aber Männer, die weit überwiegend in den schlimmsten, gesundheitsgefährdendsten Berufen arbeiten – Du redest ausdauernd über mächtige Männer, aber registrierst nicht einmal, dass Männer generell eine deutlich kürzere Lebenserwartung haben und die häufigsten Gewaltopfer sind.

Feminismus als Pose: Barack Obama hat den mörderischen Drohnenkrieg konsequent ausgebaut – er ist gemeinsam mit Hillary Clinton für einen katastrophalen Militäreinsatz in Libyen verantwortlich – und er hat der Ausbreitung des irrwitzig brutalen, massenmörderischen IS mit nonchalanter Ratlosigkeit zugesehen. Alles vergeben, solange er nur cool und charmant als Feminist rüberkommt.

Wenn Du in Deiner Wahrnehmung so auf Spitzenpositionen fixiert bist, wirst Du mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst in einer hochprivilegierten Situation leben. Die pauschale, falsche Rede von der „Männermacht“ erspart es Dir aber, diese Privilegien wahrnehmen zu müssen. Feminismus ist also schon auch praktisch, nur eben nicht für alle.

 

3. Zwischen Gleichberechtigung und Feminismus besteht nur ein loser Zusammenhang. Oder keiner.

Wer für Gleichberechtigung der Geschlechter eintrete, sei eigentlich schon Feminist: Diese beliebte Behauptung ist schlicht nicht wahr, und zwar in beide Richtungen nicht.

Erstens können Menschen sich für Gleichberechtigung engagieren, ohne feministisch zu sein. Männer sind heute deutlich häufiger gesetzlich benachteiligt als Frauen, und wer daran etwas ändern will, hat damit Feministinnen eher als Gegner denn als Unterstützer. Der Autor und Blogger Arne Hoffmann tritt für einen integralen Antisexismus ein, der sich gegen geschlechtsspezifische  Nachteile auf beiden Seiten engagiert – und wird damit von Feministinnen als Gegner betrachtet.

Denn zweitens engagieren sich viele Feministinnen mit großem Einsatz gegen gleiche Rechte von Männern und Frauen. Gleichberechtigung zwischen Vätern und Müttern beispielsweise steht seit mehreren Jahrzehnten an, wird aber konstant blockiert – von konservativen Familienpolitikern in der Union und feministischen Politikerinnen in den rot-grünen Parteien.

Lass Dich nicht mit der Behauptung abspeisen, die beträchtlichen Unterscheide zwischen feministischem Selbstbild und feministischer Politik würden daraus resultieren, dass der Feminismus nun einmal eine „extrem, vielfältige Bewegung“ (Stokowski, Punkt 33) wäre. Zu behaupten, für Gleichberechtigung einzutreten und dabei gleiche Rechte zu bekämpfen – zu behaupten, für eine Öffnung der Geschlechterrollen zu streiten und zugleich alte Geschlechterklischees zu ventilieren – das ist nicht vielfältig, sondern so widersprüchlich, dass eine politische Bewegung sich damit diskreditiert.

 

4. Lass Dir nicht einreden, dass Deine Kinder Dich nichts angingen.

Der Stokowski-Artikel ist aufgemacht mit dem Foto eines Mannes, der sich für unqualifiziert erklärt, die Reproduktion von Frauen zu regulieren. Das bezieht sich sicherlich auf Abtreibungsdebatten – erweckt aber den falschen Eindruck, nur Männer wären Gegner der Abtreibung.

Natürlich haben aber auch Männer ein Interesse daran, dass Frauen abtreiben können, und ebenso viele Frauen wie Männer sind Gegner einer Legalisierung der Abtreibung.

Vor allem aber vergisst der freundliche Mann auf dem Foto etwas, das eigentlich offensichtlich ist: Frauen reproduzieren sich nicht allein, sondern die Reproduktion einer Frau ist zugleich auch die eines Mannes. Auch wenn wohl fast alle Männer, Feministen wie Nicht-Feministen, das letzte Wort über eine Abtreibung der Frau überlassen würden: Was ihre eigene Reproduktion angeht, dürfen Männer nicht nur mitreden, sie müssen es sogar.

Vaterschaft aber ist bis heute für viele Feministinnen eine Provokation.

Antje Schrupp beispielsweise hat schon gefordert, Rechte von Vätern abzuschaffen und Kindererziehung durch Steuern zu finanzieren. Da bis auf weiteres der Löwenanteil der Steuern von Männern aufgebracht wird, finanzieren Männer damit wie gehabt Frau und Kind, tun dies nur eben institutionell gebrochen. Die Abhängigkeit der Frauen von Männern wird also mit Frau Schrupps Vorschlag nicht beendet, Frauen müssten sich dieser Abhängigkeit nur nicht mehr bewusst sein, weil staatliche Institutionen alles Notwendige für sie erledigen würden. Das ist recht genau das Gegenteil einer aufgeklärten, aufklärenden Politik.

Lösungen wird es nur geben, wenn Männer sich als Väter engagieren und wenn sie darauf bestehen, in Fragen ihrer eigenen Reproduktion mitzureden.

 

5. Du bist Frauen nichts schuldig und musst ihnen nichts zurückzahlen. Jedenfalls nicht als Mann.

Die einfache große Erzählung, dass Männer Frauen seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden unterdrückt und selbst ihre Macht genossen hätten, lässt sich nicht halten. Doch selbst wenn sie richtig wäre, hätten Männer heute nicht die Aufgabe, die Schuld der Jahrtausende an Frauen abzutragen.

Feminismus als Pose II: Das T-Shirt, das Benedict Cumberbatch so fotogen vorführt, wurde in Großbritannien gewinnbringend für 45 £ verkauft und unter erbärmlichen Bedingungen billig von Frauen in Mauritius hergestellt. It’s all about the context, Watson: Ausbeutung ist ganz okay, wenn sie einem guten Zweck dient. – No shit, Sherlock….

Natürlich kann es sein, dass Du an einer Frau schuldig wirst und dass Du etwas wieder gut zu machen hast – aber das betrifft dann Dich als Person, nicht Dich als Mann. Wer eine Frau vergewaltigt, tut das, weil er es tun möchte, und er ist ganz allein dafür verantwortlich. Er tut es nicht, weil er ein Mann ist – und er kann sich also auch nicht mit seiner Geschlechtszugehörigkeit herausreden, für die er nicht verantwortlich ist.

Männer und Frauen sind gleichermaßen für Kinder verantwortlich. Sie sind auch gleichermaßen für unser Gemeinwohl verantwortlich. Das heißt auch: Frauen sind in eben dem Maße für das Wohl von Männern mitverantwortlich, wie Männer für das Wohl von Frauen mitverantwortlich sind. Wer das leugnet, und wer stattdessen – HeForShe – allein eine Verantwortung der Männer für die Frauen proklamiert, bedient damit alte Geschlechterklischees und leugnet eine gemeinsame Verantwortung. Er behandelt Frauen wie Kinder.

 

6. Überlege Dir, warum Du die Vorstellung brauchst, dass Frauen unschuldig wären.

Christoph Kucklick hat gezeigt, wie schon seit Beginn der Moderne die Widersprüche und Belastungen moderner Gesellschaften als „männlich“ markiert wurden, während Frauen – der sozialen Position der bürgerlichen Ehefrau entsprechend – die Funktion hatten, Unschuld zu repräsentieren. Diese jahrhundertealte Tendenz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit großer Dringlichkeit aufgegriffen, etwas von Margarete Mitscherlich („Die friedfertige Frau“) oder Klaus Theweleit („Männerphantasien“): Faschismus wurde von ihnen mit Männlichkeit assoziiert, und selbst der mörderische  nationalsozialistische Antisemitismus erschien bei Mitscherlich als etwas Unschuldiges, solange er nur der Antisemitismus von Frauen war.

Der Sinn dieser Aufspaltung von Schuld zwischen den Geschlechtern liegt auf der Hand. Schon für die Nazis war die deutsche Mutter Mittelpunkt des deutschen Volkes, und mit Mitscherlich konnten sich Deutsche in der Illusion wiegen, im Kern unschuldig geblieben zu sein. Männer wiederum konnten an der Unschuld der Frauen teilhaben, wenn sie sich nur „kritisch“ gegenüber ihrer Männlichkeit verhielten und mit Frauen solidarisch waren. Das funktioniert bis heute, wenn Männer etwa die Rede von einer toxischen Männlichkeit übernehmen.

Es ist aber falsch. Du bist nicht schuldig, weil Du ein Mann bist. Wenn Du aber politische Positionen einnimmst, mit denen Du Menschen vermeidbares Leid zufügst, dann bist Du schuldig. Keine falsche Entscheidung wird dadurch besser, dass Du sie „für die Frauen“ triffst – Du schiebst damit nur deine eigene Verantwortung auf idealisierte Frauen ab.

Das gilt zum Beispiel, wenn Du Mitglied der Grünen oder der SPD bist, die weiterhin eine Gleichberechtigung von Vätern und Müttern blockieren. Dann hast Du genau drei Möglichkeiten: Entweder sorgst Du dafür, dass diese Parteien ihre Politik humanisieren – oder Du trittst aus – oder Du wirst schuldig.

Es ist auch gleichgültig, dass Du in dem Gefühl handelst, als Mann selbst Opfer zu bringen, Dich als Mann zurückzunehmen. Das kannst Du für Dich als Person tun, aber Du hast nicht das Recht, für andere Männer zu entscheiden.

Für eine Sache Opfer zu bringen, bedeutet nicht, dass die Sache eine gute Sache ist. Die Geschichte ist vollgestopft von Beispielen, in denen Menschen Opfer gebracht haben für Anliegen, die sinnlos, absurd oder sogar verbrecherisch waren.

 

7. Überlege Dir, warum Du die Vorstellung brauchst, dass Frauen schwach sind.

Natürlich gibt es Situationen, in denen Frauen in geschlechtsspezifische Notlagen geraten und Hilfe benötigen. Nur: Eine Frau zu sein ist nicht an sich schon eine Notlage, jedenfalls nicht mehr, als ein Mann zu sein.

In manchen Situationen sind Frauen ohnehin in der deutlich stärkeren Position – das hat vermutlich schon jeder Trennungsvater bemerkt, der versucht hat, den Kontakt zu seinem Kind gegen den Willen der Mutter aufrechtzuerhalten. Du ignorierst solche – und viele andere – Erfahrungen, wenn Du darauf bestehst, dass Frauen als Frauen schwach wären und Unterstützung brauchen.

Feminismus als Pose III: Heiko Maas, der selbst im dankbaren Amt des Außenministers erstaunlich schwach und blass bleibt, pflegt sein Image mit feministischen Gesten. Doch auch als Poser besitzt er nicht annähernd die stimmige Lässigkeit Barack Obamas: Er versteckt sein Frauensymbol unter dem Hemd und malt es sich so in roter Farbe aufs Handgelenk, als hätte er gerade versucht, sich damit die Pulsadern aufzuschneiden. Quelle

Tatsächlich stellt sich also eher die Frage, warum Du es brauchst, Dir Frauen allgemein als schwach vorzustellen. Eine mögliche Antwort liegt auf der Hand: Feminismus gibt Männern die Möglichkeit, sich selbst eine Macht zuzuschreiben, die sie tatsächlich gar nicht haben. Wer sich als Mann ohnmächtig fühlt, überfordert – der hat hier eine einfache Möglichkeit, sich die Illusion von Macht und Kontrolle zu verschaffen und sich diese Illusion fortlaufend bestätigen zu lassen.

Das ist verständlich, es wäre aber nur dann Deine Privatsache, wenn Du damit nicht auf Kosten anderer Männer und auch auf Kosten von Frauen agieren würdest.

 

An Frauen wie Stokowski oder Schrupp lässt sich gut erkennen, was mit Menschen geschieht, die einen großen Teil ihrer Zeit damit verbringen, sich selbst in den Hintern zu kriechen. Mit dem, was sie von dort aus erkennen, haben sie allgemein kaum etwas beizutragen. Wenn Du mitkriechst und diesen Frauen, oder anderen, nach dem Munde redest – dann schau wenigstens zwischendurch mal raus und achte auf die Menschen, zu deren Lasten Du das tust.

Aufklärung, das ist eben auch – frei, aber sehr präzise nach Kant – das Herausziehen des Kopfes aus den diversen sich aufdrängenden Hinterteilen. Für einen halbwegs klaren Blick ist das durchaus von Vorteil.

 

 

PS. Dabei können Dir folgende Texte behilflich sein:

Arne Hoffmann hat seinen Idee des „integralen Antisexismus“ mit einer enormen Fülle von Fakten in seinem Plädoyer für eine linke Männerpolitik ausbuchstabiert. Ob Dir das Buch gefällt oder nicht – wenn Du es nichts kennst, kannst Du nicht behaupten, Dich mit Geschlechterpolitik ernsthaft auseinanderzusetzen. Das gilt übrigens auch für Frauen.

Der Klassiker einer feministisch inspirierten, aber männlichen Perspektive auf Geschlechterpolitik ist Warren Farrells The Myth of Male Power.

Hier im Blog hatte ich gerade eine kleine Reihe mit einer Skizze zur Geschichte des Feminismus, in deren Kommentarbereich sich zeigt, wie vielfältig und informiert Männer schon längst feministische Positionen kritisieren. Trau Dich ruhig, es zu lesen – es sieht ja keiner.

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16 Comments

  • So kenne ich dich gar nicht, Lucas! Etwas vulgäre Metaphern ist sonst eher meine Domäne. 🙂

    Überlege Dir, warum Du die Vorstellung brauchst, dass Frauen schwach sind.

    Hier hätte ich gern mal eine Antwort von all den Frauenunterstützern. Die naheliegendste Erklärung ist für mich immer noch – in den meisten Fällen zumindest – purer Opportunismus, der sich nach wie vor als progressive Haltung, oder besser gesagt, als wohlfeile Pose verkaufen lässt.

    • Das habe ich mir hier mal gegönnt. 🙂 Der Vorwurf des In-den-Hintern-Kriechens liegt bei dem Thema ja nahe, aber er reicht als Erklärung m.E. auch nicht aus. Ich wollte ihn halt auf eine Weise einbinden, die schon deutlich macht, was ich meine, aber noch Platz für anderes lässt.

  • Es hat seinen Grund, warum Feministen wie Gesterkamp oder Schrupp empfehlen, Feminismuskritiker vom Diskurs auszugrenzen anstatt sich mit ihnen auseinanderzusetzen und eine inhaltliche Diskussion zu suchen. Sie würden in einer offenen Debatte so untergehen…

    • Ich glaube das auch. Und ich habe dein Eindruck, dass gerade etwas ganz Interessantes geschieht. Die ausgrenzende Hetze, die auf gezieltes Missverstehen, auf Stimmungmache und auf moralisierende Denunziation setzt, trifft gerade auch Menschen, die lange gern dabei mitgemacht oder zumindest ruhig zugeschaut haben.

      Die ZEIT zum Beispiel kritisiert den „initiierte[n] Shitstorm“ Enissa Amanis gegen Anja Ruetzel, die für den Spiegel schreibt. https://twitter.com/zeitonline/status/1121033110450245639

      Karikaturist Ralph Rute merkt, dass ihm ein lockerer Tweet zu dem Thema, den er innerhalb von Sekunden (!) wieder gelöscht hat, sofort heftige Rassismus-Vorwürfe einbringt.
      https://twitter.com/ralphruthe/status/1120038819032649730

      Dieselbe Hetze trifft Alf Frommer, der sonst sicher in dem Gefühl agiert, auf der guten Seite zu stehen. https://twitter.com/siegstyle/status/1120398720900763648

      Ich hab jetzt schon mehrfach dazu gelesen, die Revolution fresse hier ihre Kinder. Das finde ich zu groß, ein paar aufgehetzte Twitterer oder Instagram-Kommentatoren sind keine Revolution. Aber es ist interessant zuzusehen, wie die Mechaniken der moralisierenden, ausgrenzenden, gedankenbefreiten Empörung nun in eben dem linksliberalen Milieu kritisiert werden, das sie so lange hat wachsen lassen.

      Identitätspolitik zerstört, weil sie den Wert einer gemeinsamen Debatte leugnet und stattdessen darauf setzt, dass alles gut wäre, solange nur die GUTEN ausreichend zu Wort kämen und sie Schlechten „keine Plattform“ erhielten. In der Reinheitslogik dieser Politik gehört aber am Ende dummerweise irgendwie jeder zu den Schlechten. (Darum ging es mir gerade auch bei den Texten zum Thema „Feminismus“, insbesondere in dem zum intersektionalen Feminismus – aber die waren, glaube ich, so lang, dass die Pointe dabei untergehen konnte.)

      • Bei der ihre eigenen Kinder fressenden Revolution – wobei ich den Begriff Revolution bei diesem ganzen Social-Media-Gepöbel, welches ich auch nur unter hochnotpeinlich kindisch subsummieren würde, ebenfalls für nicht wirklich angebracht empfinde – steht natürlich das im Mittelpunkt, was Christian auf AE schon öfters als Thema hatte: eine Ideologie des eigentlich nie gut genug Seins. Man mag versuchen, so gut wie nur möglich zu sein, doch ein einziger Fehltritt reicht – wobei ein Fehltritt auch heißen kann, etwas gesagt zu haben, was jemand mit viel Mühe und Bereichtschaft zum negativen Interpretieren eigentlich völlig offensichtlich anders wahrzunehmen vorgibt, als es eigentlich gemeint war – und schon ereilt einen die Exkommunikation auf Lebenszeit.

        Besonders heikel wird es für die Vielzahl von Menschen, die im identitätspolitischen Dünkel qua Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, etc., etc., etc. zu den „Privilegierten“ und damit per Geburt zu den Bösen gehören. Die befinden sich doch in diesen Kreisen regelrecht in einem Piranhabecken. Sie sind umgeben von Menschen, die ihnen mit ununterbrochenem Argwohn begegnen und nur auf den Moment warten, wann es den einen entscheidenden Moment zum Zuschlagen gibt.

        Ich kann es einfach nicht verstehen, wie man sich als Mann immer noch einreden kann, es sei auch für Männer,die was auf sich halten, quasi alternativlos, feministisch zu sein. Ich kann nicht verstehen, wie man die offensichtliche Misandrie, die in sehr weiten Teilen dieser Ideologie allgegenwärtig ist, so ausblenden oder gar legitimieren kann. Sie wird einem doch tagtäglich in Endlosschleife z. B. über unsere Medien regelrecht ins Gesicht gedroschen. Und da kann man sich dann auch nicht auf das gängige Allzweckargument zurückziehen, es gäbe ja nicht DEN Feminismus, womit in Diskussionen immerzu nur den nicht wegzudiskutierenden Argumenten anderer ausgewichen wird. Natürlich gibt es DEN Feminismus und zwar den, der in Politik, Medien und darüber in der Gesellschaft den Ton angibt. Was bringt es, wenn irgendwo vereinzelte, sich als Feministinnen verstehende Frauen auf kleinen, privaten Blogs Dinge schreiben, welchen wohl auch die Mehrheit von uns hier kaum widersprechen würde, wenn sich gerade in den Medien und der Politik, also in einflussreichen Positionen, eine ganze Phalanx völlig durchgeschallerter Hohlnüsse aufgereiht hat, die durch ihren Einfluss im öffentlichen Diskurs ihre eigene Geisteshaltung derart salonfähig gemacht haben, dass sie ihren pathologischen Männerhass noch nicht einmal mehr verbergen oder zumindest abmildern müssen. Über (weiße, alte, heterosexuelle) Männer kann öffentlich eigentlich so ziemlich alles rausgehauen werden, was einem gerade so durch die Hohlräume zwischen den Ohren geistert; man braucht keinerlei persönliche Konsequenzen befürchten. Auf der anderen Seite können speziell weiße Männer bereits verunglückte oder einfach nur von der angesprochenen Person nicht erwünschte Komplimente oder offensichtlich scherzhaft gemeinte, völlig harmlose Äußerungen zur Existenzvernichtung gereichen. Aber all das hat, wenn es einem nicht ins idealisierte Bild dieser Ideologie passt, natürlich dann auch wieder nicht das Geringste mit Feminismus zu tun.

        Jeder kann mal einem Irrtum erliegen, aber gerade jene, die gerne so tun als würden sie als ganz große Denker alles hinterfragen, sollten doch, wenn an dieser Selbstwahrnehmung nur ein Bisschen was dran sein sollte, auch nicht permanent so aktiv die Augen davor verschließen, was sich inzwischen in der von ihnen so idealisiert wahrgenommenen Ideologie so in absolut dominierender Position als „guter Ton“ etabliert hat. Oder ist es gar kein Verschließen der Augen? Ist vielen der „Allies“ durchaus bewusst, was dort abgeht und folgen sie tatsächlich vielmehr der Logik, dass man sich durch Kolaboration selbst in eine sicherere Position bringen kann? Nun, da zeigt sich wohl anhand der inzwischen mannigfaltigen Beispiele von „Allies“, die letztlich doch selbst auch zu Opfern von Rufmordkampagnen wurden, dasselbe, wie z. B. bei den Juden, die meinten ihren Arsch retten zu können, indem sie mit der SS rumzogen und die Verstecke andere Juden haben auffliegen lassen, letztlich aber zusammen mit jenen, die sie verraten haben, in der nächsten Gaskammer ermordet wurden.

        Bei einer von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit durchdrungenen Ideologie ist es für angehörige der gehassten Gruppe unmöglich, etwas zu tun, was ihnen Absolution von der Sünde, zu dieser Gruppe zu gehören, verschafft. Niemand hat sich etwa sein Geschlecht ausgesucht und jeder, der vorrangig aufgrund dieser Eigenschaft zum Opfer von Hass wird, verdient Mitgefühl. Wer sich aber ohne Not zum Kolaborateur macht, sich selbst aktiv an Hasskampagnen gegen andere Angehörige der „eigenen Gruppe“ beteiligt, der darf sich nicht wundern, wenn sich für ihn das Mitgefühl von nicht dieser Ideologie angehörigen Menschen in sehr engen Grenzen hält, wenn sich plötzlich die geballte Feindseligkeit derer, die er für seine Weggefährten hielt, auf einmal gegen ihn richtet. Kharma is a bitch!

        • Sind die Feministen nicht die Erben der religiösen Moralapostel? Früher, als die Religion noch eine wesentliche gesellschaftliche Rolle spielte und die Säkularisierung noch nicht eingesetzt hatte, waren es die Frömmeler, die den Menschen in ihr enges moralisches Korsett zwängten und überwachten, wer ein „gottesfürchtiges“ Leben führte. Heutzutage sollte man ein feminismusfürchtiges Leben führen – und sei es nur auf Twitter oder Facebook mittels feministischer statements – und wer das nicht tut, der gilt als amoralischer Mensch.

          Niemand ist den Frauen gegenüber aggressiver oder herablassender als ein Mann, der seiner Männlichkeit nicht ganz sicher ist.

          Dieses Zitat der Schutzheiligen aller Feministen wird als grosse Erkenntnis betrachtet, als progressive Einsicht in das Wesen des Geschlechterverhältnisses. In Tat und Wahrheit folgt es einem uralten Muster: Wer sich als Mann weiblichen Forderungen widersetzt, dem wird seine Männlichkeit abgesprochen mit dem Ziel, ihn dadurch zu disziplinieren und gefügig zu machen, so dass er seiner eigentlichen gesellschaftlichen Aufgabe genügt – der Verfüg- und Verwertbarkeit. Beauvoir ist in diesem Sinne eine privilegierte Bürgersdame, die ihre Privilegien und die Voraussetzungen, die sie ermöglichten, nie wirklich hinterfragte, sondern als völlig natürlich verstand. Ihre vordergründige Solidarität mit den „arbeitenden Massen“ in der Industrie, der Landwirtschaft und auf dem Bau führte an keiner Stelle ihres Denkens zur Einsicht, dass ihre Privilegien auf dem Buckel unzähliger Männer erwirtschaftet wurden.

          Beauvoir besuchte übrigens das China Mao Zedongs und zeigte sich beeindruckt, zu einer Zeit, als Millionen Chinesen verhungerten. Jung Chang schrieb in ihrem Buch „Mao“, sie hätte doch eigentlich merken sollen, dass die Bäume keine Blätter mehr hatten, weil diese von den Hungernden gefressen wurden. So viel zur Schutzheiligen der Feministen.

          • „Wer sich als Mann weiblichen Forderungen widersetzt, dem wird seine Männlichkeit abgesprochen mit dem Ziel, ihn dadurch zu disziplinieren und gefügig zu machen, so dass er seiner eigentlichen gesellschaftlichen Aufgabe genügt – der Verfüg- und Verwertbarkeit.“

            Schön gesagt.
            Und ausgehend von der eigentlichen und sich aktualisierenden Aufgabe der gesellschaftlichen Verfüg- und Verwertbarkeit könnte man auch darauf schließen, welche aktualisierte Form von „Männlichkeit“ den aktualisierten weiblichen Wünschen entspricht.

            D.h. gesetzt ist immer eine externe Validierung von „Männlichkeit“ über dessen Deutungshoheit die weibliche Hälfte der Bevölkerung befindet.
            Das ist ein lustiges Patriarchat, ist es nicht?!

          • D.h. gesetzt ist immer eine externe Validierung von „Männlichkeit“ über dessen Deutungshoheit die weibliche Hälfte der Bevölkerung befindet.

            Womit wir wieder bei Lucas eingangs gestellter Frage wären:

            Überlege Dir, warum Du die Vorstellung brauchst, dass Frauen schwach sind.

            All den Frauenschützern sei gesagt: Weil ihr so erzogen worden seid und nie darüber nachgedacht habt, warum ihr reflexartig „die Sache der Frau“ unterstützt. Im Grunde ist es eine altbackene männliche Dominanzpose. Es erstaunt mich immer wieder, dass die Philosophen von heute dieses Verhalten, das haargenau den tradierten bürgerlichen Geschlechterrollen entspricht, mit Marxismus in Verbindung bringen. Das kann nur jemand behaupten, der das Geschwätz der Feministen für bare Münze nimmt.

        • @Billy: Ich denke, die sind bewusst männerfeindlich. Männer – besonders die weißen – haben es verdient, Motto: „Ein bisschen Männerhass steht jeder Frau“ (Buchtitel). Ein Eingeständnis, dass man es weiß und bewusst lebt, und nicht nur „ein bisschen“.

      • „nun in eben dem linksliberalen Milieu kritisiert werden“

        Was ist denn an diesen Leuten liberal? Ich finde das Verhalten von denen größtenteils autoritär aber sicher nicht liberal.

        • Liberal bezüglich gesellschaftspolitischer Positionen. Autoritär in den Methoden, in ihrem Anspruch, dass ihre Positionen die einzig gültigen und moralisch vertretbaren Positionen seien. Es ist durchaus möglich, liberale gesellschaftspolitische Positionen mit einem autoritären Habitus zu vertreten, was zunächst etwas paradox erscheint.

  • Lucas, dein Manual für Mitläufer ist angriffig formuliert. 🙂
    Wo der Niveauunterschied derart hoch ist, darf man deutlich werden in seiner Ansage. Bissigkeit, Humor und andere emotionale Zutaten sind wesentliche Elemente der Kommunikation. Auch im Zwitscher-Zeitalter wird einer wie du die Linie immer finden. Wesentlich ist, was beim Empfänger ankommt.
    Wie immer in deinen Texten ist eine Menge Fleisch am Knochen. Es mag sein, dass du nicht von vielen Feministen oder gar Feministinnen gelesen wirst. Sich da reinzuknien, und sei es bloss um echte Gegenpositionen zu finden, wäre für sie harte Arbeit auf der trockenen Brache ihres eigenen Denkens.
    Deine 7 Punkte sind aber auch eine sehr gute Zusammenfassung für uns alle, die wir hier eine Haltung zum Feminismus gefunden haben. Es ist ein Vademecum für Auseinandersetzungen privater und politischer Art. Der erste Punkt gilt darüber hinaus universell, für jedes Thema und für jeden Menschen. Ich gebe ja zu, dass mir die vielen Philosophen in ihrer Abfolge und in ihren Beiträgen fremd sind. Was der Bauer nicht kennt, frisst er bekanntlich nicht. Aber dass der Kant schon so früh genau das ausgedrückt hat, was mich heute umtreibt, ist schon faszinierend, sapperlot!

    Im Wissen um die Verantwortung für mein Denken gemäss Punkt 1, ergänze ich für mich deine Liste um eine achte Komponente.

    8. Überlege dir, wann und warum du mit Menschen solidarisch bist und welchem inneren Antrieb du dabei folgst. Gehe mit diesem ur-männlichen Antrieb verantwortungsvoll um.

    Du liegst völlig richtig, wenn du für die Gemeinschaft denkst und handelst. Du darfst dazu stehen, dass du Hilfsbereitschaft in dir hast, einen Blick für dein Umfeld und auch die vernunftgeleitete Einsicht, dass kein Weg von den Bäumen heruntergeführt hätte, wenn es nur eigennütziges Gewinnstreben gäbe.
    Männer sind stark. Ohne sie geht gar nichts, heute erst recht. An diesen Gedanken musst du dich aber schon gewöhnen. Das schaffst du. Fürchte die bösen Kerle mit den grossen Hunden nicht. Tief drin sind sie genau gleich wie du.

    Solidarisches Handeln (früher sagte man auch linkes Handeln …) ist stets ein Handeln aus einer Position der Stärke. Es geht nicht um den Anspruch des Opfers auf Genugtuung, sondern um die Pflicht der Unversehrten zum Beistand, nüchtern, wirksam, selbstlos.
    Nüchtern meint, dem Reflex nicht blind zu folgen, wenn ein Hilferuf ertönt. Je mehr Schindluder mit dem Opferstatus getrieben wird, umso schwieriger wird für dich die Triage. Scheue dich nicht, Unverschämtheiten abzuweisen. Schau für deinen Kumpel, der nie was sagt, oder für die alte Nachbarin. Schiebe mal ein paar Überstunden, damit der Laden läuft, auch wenn du nichts dafür kriegst. Im Privaten entscheidest du völlig autonom, mit wem oder mit was du solidarisch bist. Setze dich für eine staatliche Ordnung ein, in welcher Entscheidungen möglichst nahe bei dir fallen, damit du deinen Einfluss nüchtern geltend machen kannst.
    Wirksam meint, dass es ohne dein Mitdenken und deine Mitsprache nicht geht. Gesunde Erwachsene füttert man nicht, schon gar nicht für Legenden aus dem Leben ihrer Grossmütter. Am Tropf werden sie immer abhängiger und dümmer. Mache stets die Gegenprobe. Wäre das vermeintliche Opfer in der Not auch mit dir solidarisch? Spuckt es gar auf dich und verachtet dich für deinen Masochismus? Wirst du bloss ausgenutzt, in der Partnerschaft, in der Firma, als Medienkonsument, als Steuerzahler? Dann bist du nicht solidarisch, sondern arbeitest gegen die Autonomie von falschen Opfern und gegen deine eigene auch.
    Selbstlos meint, dass es nicht um dich und deine Verzagtheit geht. Reiss dich am Riemen. Als Feminist neigst du zu düsteren Geschichten, betreutem Denken und Kasteiung. Das kippt schnell mit der gleichen Färbung auf die andere Seite und kommt dort als Weltuntergangsrhetorik daher. „Die Männer haben sich als unwürdig erwiesen. Sollen sie untergehen.“ Dieses Jammerlappengewäsch kennen wir schon..

  • „Natürlich haben aber auch Männer ein Interesse daran, dass Frauen abtreiben können, und ebenso viele Frauen wie Männer sind Gegner einer Legalisierung der Abtreibung“, heißt es in dem Beitrag.

    Nach folgendem Überblick über Umfragen in Großbritannien ist es so, dass Männer im Allgemeinen für eine uneingeschränkte Abtreibungspraxis sind, Frauen dagegen für Einschränkungen bei Abtreibungen. Vielleicht weil Schwangerschaft für Frauen eine höhere emotionale Bedeutung hat? Wie weit diese Daten sich auf andere Teile der Welt übertragen lassen, müsste man noch überlegen.

    „Also surprising are gender cross-breaks. The media coverage of the abortion issue often seems to make the assumption that women are more opposed to restrictions on abortion. Polls consistently show the opposite – that women are more likely than men to support a reduction on the abortion limit. In the 2011 YouGov poll 28% of men supported a reduction, 46% of women did. In the 2012 YouGov poll 24% of men supported a reduction, 49% of women did. In the Angus Reid poll 35% of men supported a reduction in the limit, 59% of women did. In the ICM poll 45% of men supported a reduction to 20 weeks, 59% of women did.“
    http://ukpollingreport.co.uk/blog/archives/category/abortion

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