Gleichberechtigung Identitätspolitik Väter Zivilgesellschaft

Spalten und verkaufen? Rückblick auf einen Shitstorm

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Rückblick auf den Shitstorm zur Edeka-Muttertagswerbung zeigt, dass Geschlechterbeziehungen längst in Bewegung geraten sind – und dass Menschen insgesamt deutlich ziviler miteinander umgehen, als es medial erscheint. Jetzt muss das nur noch in Politik und Medien ankommen.

Der Satz „Divide et vende“ (spalte und verkaufe) stammt übrigens nicht von mir – mehr dazu im Text.

 

 

„Gleichberechtigung beginnt zu zweit“: Es hat einen guten Grund, dass Arne Hoffmann sein neues Buch nicht allein geschrieben hat, sondern dass er als Autor und Herausgeber ganz verschiedene Menschen dafür gewonnen hat. Feministinnen, Maskulisten, Paartherapeuten, Mediatoren und andere, einer der Autoren ist sogar Lehrer und Blogger – der Anspruch, dass zur Gleichberechtigung mindestens zwei gehören, lässt sich eben aus einer Perspektive allein nicht einlösen.

Der Ansatz, Gruppen und Akteure nicht gegeneinander auszuspielen, sondern eine Kooperation zwischen ihnen zu organisieren, mag im Rahmen der heutigen Medienlandschaft und Politik ganz neu und ungewöhnlich erscheinen. Er ist aber zugleich für viele Menschen in vielen Arbeitsverhältnissen, Familien und anderen persönlichen Beziehungen tägliche, selbstverständliche Realität.

Dass sich eine medial vermittelte, sich über Konflikte und Ausgrenzungen organisierende virtuelle Realität weit von dem Alltag vieler Menschen entfernt hat, zeigte sich auch an einer der großen Aufregungen der letzten Woche. Wenn ich nun noch einmal über die Reaktionen auf die Edeka-Reklame (wenn ich an den Spot denke, kommt mir immer das antiquierte Wort „Reklame“ in den Sinn, warum auch immer) schreibe, die hier schon in der letzten Woche Thema war, dann vor allem aus einem Grund: An diesem Beispiel wird deutlich, dass viele Menschen ganz selbstverständlich und ohne viel Wirbel darum zu machen schon viel weiter sind als die Profis der öffentlichen Meinung.

Und viel ziviler.

 

Spalten statt versöhnen

Natürlich gab es viele, in deren Augen die Aufregung über den Edeka-Spot überzogen war, oder die der Meinung waren, dass solche Aufregungen lediglich von Wichtigerem ablenken würden. Das ist nicht von der Hand zu weisen: Wenn viele Menschen wütend werden und sich gegen ein großes Unternehmen in Stellung bringen, und dies nicht mit dem Ziel humanerer Arbeitsbedingungen oder gerechterer Bezahlungen, sondern wegen eines kleinen Werbespots zum Muttertag – dann kann das unwillkürlich etwas Lächerliches an sich haben.

Ich finde es deshalb gut, dass es – auch hier im Blog – Kommentatoren gab, die fanden, dass sich die Gegner des Spots ein wenig verrennen, das es doch lediglich um einen Werbespot ginge, der doch eigentlich ganz lustig sei. Dieser Spot aber beschäftigte sich eben nicht nur mit Gedöns, sondern mit essentiellen menschlichen Beziehungen, von denen wir nicht viele im Leben haben. Es ist keine Kleinigkeit, hier Menschen hier um eines Werbegags Willen öffentlich bloßzustellen, „an Verrohtheit kaum noch zu überbieten“.

Manche Kommentatoren fanden den Film aber auch schlicht komisch, Jochen Bittner von der Zeit oder Stefan Winterbauer bei meedia zum Beispiel, für den „die tatsächlich bis ins Groteske überzeichneten Trottel-Väter aus dem Edeka-Spot“ so bewusst irreal sind, dass niemand den Spot ernst nehmen könne. Der von beiden verwendete Begriff des Überzeichnens ist denn auch schon ein guter Hinweis darauf, warum Menschen diesen Spot völlig unterschiedlich erlebten – sie ordneten ihn offensichtlich in ganz unterschiedliche Kontexte ein.

Ich selbst hätte den Spot vor meinen Erfahrungen als Trennungsvater ebenfalls als comichafte Übertreibung erlebt, als krasses Schwarz-Weiß-Gemälde, das kein vernünftiger Mensch ernst nehmen könnte. Aus vielen eigenen Erlebnissen und aus vielen Erzählungen anderer weiß ich heute jedoch, leider, dass die dumpf-bösartigen Väterklischees, mit denen Edeka arbeitet, keine Überzeichnung sind. Natürlich agieren Väter in aller Regel nicht so wie hier dargestellt – aber die Klischees über Väter, die in Institutionen oder Mütterforen ventiliert werden, gleichen den Klischees des Spots, und sie sind sehr wirksam.

Dennoch entstand, so weit ich es beurteilen kann, kein verbissener Kampf zwischen den Kritikern des Spots und denen, die ihn eigentlich ganz lustig fanden. Es gab kein #TeamVäter und kein  #TeamEdeka.

Tatsächlich zivil waren auch die vorsichtigen Aufrufe zum zivilen Protest. Hier im Blog wurden, zum Beispiel von Billy Coen, Boykottaufrufe mit den Interessen der Angestellten in den Märkten abgewogen. Als Manndat eine tatsächlich witzige Aktion vorstellte, die sich über das Väterbild Edekas lustig machte, lieferte die Organisation in einem Anschlusstweet sogleich Hinweise mit, wie diese Aktion auch durchgeführt werden könne, ohne irgendeinem anderen Menschen unnötige Arbeit zu machen.

Das ist ein beachtlicher Unterscheid zu Aktionen, die schon von feministischer Seite durchgeführt wurden. Hier im Blog habe ich ja beispielsweise einmal über einen Apotheker berichtet, der aus religiösen Gründen schlicht keine Pille danach verkaufen wollte – und dem deshalb, wohlwollend kommentiert von Anne Wizorek und anderen, die Apotheke verwüstet wurde.

Nils Pickert von Pinkstinks konnte gleichwohl eine klare Ablehnung dieser seltsamen Reklame nur über sich bringen, indem er zugleich die von kaum jemandem geäußerte Meinung zurechtrückte, Feministinnen könnten etwas dafür.

Da er aber nun schon einmal darüber twitterte: Gunnar Kunz zeigte, dass die verantwortliche Werbeagentur Jung von Matt durchaus Feministinnen an einflussreichen Positionen platziert hat.

Auch Stevie Schmiedel, die lange mit Pickert bei Pinkstinks zusammengearbeitet hat, kritisierte den Spot im Spiegel scharf, aber auch sie konnte diese Kritik nur lancieren, indem sie sich zugleich von „Maskulinisten“ abgrenzte, die den Spot deutlich schneller kritisiert hatten.

Ich selbst habe übrigens Schwierigkeiten damit, mich als „Maskulisten“ zu sehen, denn würden Mütter ihre Kinder nicht sehen dürfen, nur weil ein Vater das so will, dann würde ich das ebenso kritisieren wie die heutigen väter- und kinderfeindlichen Regelungen. Trotzdem finde ich es reichlich albern, auf der verballhornenden Bezeichnung „Maskulinisten“ zu bestehen, die keiner  der Angesprochenen für sich selbst verwendet, so albern, wie wenn jemand beständig von „Femininistinnen“ reden würde.

Doch von solchen Petitessen abgesehen war es erstaunlich, wie klar und breit gefächert hier die Ablehnung war, und wie klar hier Männer und Frauen, Maskus und Femis dieselbe Kritik äußerten.

Natürlich lag das auch daran, dass Edeka mit seiner Väterfeindlichkeit eine unverkennbar reaktionäre Position bezog: Das Kind gehört zur Mutter.

Männer sind unfähig als Väter (und eklig und peinlich). Wir können alle froh sein, dass wir Mütter haben. 2019?!?

fragt zum Beispiel  Susanne Hermann in dem Medien- und Werbeblog W&V.

Aus der Parteipolitik aber meldete sich kaum jemand, obwohl die reaktionär-spalterische Position des Edeka-Spots doch eigentlich irgendjemanden in den rot-grünen Parteien oder auch unter den vielen Gleichstellungsbeauftragten hätte ärgern müssen – die SPD war sogar einmal mit dem Motto Versöhnen statt spalten in den Wahlkampf gezogen. Familienministerin Kerstin Schreyer, die kritisierte, dass der Spot Mütter gegen Väter auszuspielen versuche, ist Mitglied der CSU.

 

Sind Väter nicht einmal mehr erziehbar?

Warum die Ablehnung so einhellig war, zeigt sich in meinen Augen auch beim Vergleich mit dem Gillette-Spot, der vor wenigen Wochen ebenfalls wegen Männerfeindlichkeit kritisiert, der aber anders als die Edeka-Reklame auch unterstützt und als wichtiger politischer Beitrag bejubelt worden war.

Gillette verpackte seine abwertende Darstellung der Männlichkeit als „toxisch“ in einen scheinhaft-pädagogischen Appell an Männer, doch endlich bessere Männer zu werden. Das ermöglichte den Anschein, dass Männer hier nicht exkludiert würden, wenn sie denn nur erst bessere Männer geworden wären. Dieser seltsame pädagogische Anspruch – der eigentlich in uralten Klischees wurzelt, dass Männer erst durch Frauen lernen könnten, echte Menschen zu sein – schaffte die Möglichkeit, nicht nur die vernichtende Männlichkeitsdarstellung zu genießen, sondern diesen Genuss dann auch noch schamfrei als Teil eines wichtigen geschlechterpolitischen Anliegens zu begreifen.

Das aber fehlt bei Edeka ganz. Hier geht es nicht darum, dass Väter bessere Väter werden sollten, sondern darum, dass Väter ohnehin niemals das sein könnten, was Mütter sind. Es ging in ihm daher auch nicht um eine irgendwie komplementäre Geschlechterordnung, in der Vater und Mutter gleichermaßen, wenn auch Unterschiedliches, zur Kindessorge beitragen könnten. Wenn das Kind sich am Ende des Spots angeekelt vom Vater abwendet und den den Armen der Mutter Schutz und Geborgenheit finden, dann ist das eindeutig eine Entscheidung für die Eine und gegen den anderen, keine Inszenierung einer komplementären Ordnung.

Es ist daher ganz stimmig, dass dieser Spot hier in den Kommentaren von djadmoros als Illustration der Dynamik einer Eltern-Kind-Entfremdung beschreiben wurde. Diese Entfremdung  trifft in der Realität außerhalb des Spots nicht nur Väter und – sehr viel seltener – Mütter, sondern vor allem die Kinder, und sie gilt zurecht als Form der Kindesmisshandlung.

Die einhellige Ablehnung wurzelt also auch darin, dass Edeka Ressentiments zu pur geliefert hat und ohne pseudo-legitimierenden Rahmen. Wer diese Väter-Verachtung genießt, muss sich ertappt fühlen.

 

Echte Männer boykottieren keine Supermärkte!

Nicht aber Feministinnen, sondern vor allem andere Männer attackierten die Kritik an dem Spot heftig, gern mit dem Hinweis, wer sich hier aufrege, sei kein echter Mann. Das war, von diesen echten Männern unbemerkt, seinerseits nicht ohne unbeabsichtigte Komik – anstatt cool und gelassen zu fragen, welchen Sinn eigentlich die Aufregung haben sollte, regten sie sich darüber auf, dass andere sich ärgerten.

Den Hashtag #EdekaBoykott, der für eine kurze Zeit sogar in den Twitter-Trends weit oben stand, habe ich mir über weite Strecken durchgelesen und festgestellt: Zum Trend wurde dieser Hashtag vor allem durch Menschen, die sich darüber echauffierten, dass dieser Hashtag zum Trend wurde.

Warum konnten aber diese Männer und – weniger – Frauen nicht einfach andere Männer und Frauen in Ruhe ihren Ärger über den Spot formulieren lassen, wenn es doch ohnehin so ganz und gar egal war? Dass Männer sich hier gegen erniedrigende Darstellungen aus einem schnöden Werbespot wehrten, anstatt einfach männlich drüberzustehen, und dass Frauen sich gemeinsam mit diesen Männern ärgerten – das verunsicherte offenbar das Männlichkeitsbild vieler Männer und auch einer ganzen Reihe von Frauen.

Denn das ist allem Gerede von männlichen Privilegien zum Trotz in Debatten zu Geschlechterthemen durchaus etwas Neues: dass Männer sich nicht einfach zurückziehen und versuchen, beim coolen Drüberstehen nicht allzu hilflos auszusehen, sondern dass Männer ihre Position deutlich formulieren, ohne sich davon einschüchtern zu lassen, dass jemand sie als Jammerlappen oder Weicheier hinstellen könnte.

Crumar formuliert als Kommentator bei Alles Evolution so denn auch einen Hauptgrund dafür, warum die Feindseligkeit des Edeka-Spots nicht einfach, wie gewohnt, ungestört ins Grundwasser versackte.

Es ist unmöglich geworden, unsere Argumente einfach zu ignorieren.

Männer haben Stück für Stück dafür gesorgt, dass in Debatten zu Geschlechterthemen nicht mehr nur über sie geredet wird, sondern auch mit ihnen geredet werden muss – weil sie selbst etwas sagen, anstatt entweder wütend zu schimpfen oder männlich-still in den Sonnenuntergang zu reiten.

 

Spalten und verkaufen

Vor allem aber hat Edeka offensichtlich unterschätzt, wie viel Zivilität trotz aller aufgeregt betonierter Frontstellungen in den sozialen und anderen Medien noch intakt ist. Darauf zu spekulieren, dass Frauen es genießen werden, Männer abgewertet zu sehen, und dass Frauen ohnehin mehr einkaufen als Männer – das hat dem Unternehmen nicht nur Ablehnung von Männern, sondern auch von Frauen beschert.

„Divide et vende“, Spalte und verkaufe, nannte eine von ihnen bei Twitter die zynische Marketing-Taktik – der Begriff wird sicher auch noch in anderen Fällen hilfreich sein.

Mir selbst war vor einer kleinen Weile ein Plakat Katarina Barleys aufgefallen, auf dem sie in Großbuchstaben für „GLEICHBERECHTIGUNG“ eintritt, aber ausschließlich Frauen um sich schart – ausgerechnet zu einem Selfie, wie um die Selbstbezüglichkeit dieser Politik noch zu betonen. Ich hatte bei meiner Kritik schon Arne Hoffmanns „Gleichberechtigung beginnt zu zweit“ im Kopf.

Seltsam waren vor allem Reaktionen von offenbar feministischen oder sozialdemokratischen oder feministisch-sozialdemokratischen Frauen, die sich durch meine Kritik getroffen fühlten. Eine Einzige davon kommunizierte klar und direkt mit mir, eine andere versuchte sich an einer seltsamen Mischung, in der sie mich in der direkten Kommunikation auf meine männlichen Privilegien hinwies und mich währenddessen in höhnischen Drüberkommentaren gegenüber anderen als lächerlich darzustellen versuchte.

Da sie meinen Tweet angegriffen hatte, fragte ich sie mehrfach und ergebnislos, was sie denn gegen die Idee einzuwenden hätte, dass zur Gleichberechtigung doch prinzipiell mindestens zwei Gruppen gehören würden. Mittlerweile bin ich von ihr geblockt – nach diesem Tweet, an dem es kaum gelegen haben kann.

Gleichberechtigung als Selfie. Das Verhalten der Userin ist, wohl ohne dass ihr das klar ist, auch ein Beispiel für eine Übergangssituation in den sogenannten „Geschlechterdebatten“: Das gewohnte Reden ÜBER Männer reicht allein nicht mehr aus, aber für den direkten Dialog MIT ihnen, oder auch mit Frauen anderer Meinung, reichen die Mittel nicht. In den Augen dieser Userin ist es denn auch ganz in Ordnung, mich erst mit höhnischen Drüberkommentaren zu zitieren und dann zu sperren, so dass ich nicht mehr sehen kann, was sie über mich verbreitet. Ganz skandalös aber wäre es für sie wohl, dass ich es trotz Blocks noch lese („Stalking!!“).

Natürlich weiß ich, dass auch andere solche potenziell verletzenden Frontstellungen erleben, und oft deutlich schlimmer. Diese Frontstellungen bauen auch auf identitätspolitischen Verhärtungen – weil Identitätspolitik, ob von links oder rechts, eben nicht von einem allen gemeinsamen Diskurs ausgeht, sondern von einer Konfrontation verschiedener und verschieden legitimer Gruppeninteressen.

Die Edeka-Verantwortlichen und ihre Reklamespezis von Jung von Matt sind nun möglicherweise einer optischen Täuschung aufgesessen, die dadurch entsteht, dass identitätspolitische Akteure in sozialen und anderen Medien, in Parteien und anderen Institutionen deutlich aggressiver, lauter und präsenter sind als andere.

Der Spot geriet dann eben deshalb in Schwierigkeiten, weil die Strukturen unseres Zusammenlebens immer noch deutlich ziviler und stabiler sind, als es in den aufgeregten medialen Dauerkonflikten erscheint.

Es wird die medialen Verzerrungen zumindest in einem kleinen, hart umkämpften Bereich mildern, wenn ein Buch wie das von Arne Hoffmann dort Aufmerksamkeit finden kann. „Gleichberechtigung beginnt zu zweit“ – vielleicht schenkt es ein aufmerksamer wohlmeinender Bekannter ja sogar einmal der SPD-Spitzenkandidatin und Justizministerin.

Gleichberechtigung im Selfie-Modus und allein auf eine einzelne Gruppe von Menschen bezogen wird notwendig verkürzt sein. Als Kooperation und in einer Beziehung verschiedener Menschen und Gruppen zueinander ist sie deutlich realistischer beschreiben.

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14 Comments

  • „Trotzdem finde ich es reichlich albern, auf der verballhornenden Bezeichnung „Maskulinisten“ zu bestehen, die keiner der Angesprochenen für sich selbst verwendet, so albern, wie wenn jemand beständig von „Femininistinnen“ reden würde.“
    Das ist es auch, allerdings nur unter Insidern.
    In der Medienlandschaft ist es eher umgekehrt.
    Da heißt es, daß Stevie selbstverständlich die Definitionshoheit hat und dabei sogar noch in der Lage ist, sich auf Spitzenfachkräfte zu berufen, ganz oben M. Rosowski u. A. Kemper.

    Somit hat Stevie bewiesen, daß sie ganz oben in der Expertise steht, zu bestimmen wer hier lächerlich ist, wozu die üblichen Mitläufer dann wissend grinsen ( „Diese Maskus wissen noch nicht mal wie man sie korrekt zu schreiben hat und sowieso regen die sich über Kleinkram auf, der inhaltlich vollkommen irrelevant ist“ ).

    Klar, ist das auch Ingroupgetue!
    Aber ein mit Milliarden hochlukrativ gesponsortes.

    • An dem Begriff „Maskulinismus“ hängt ja noch Bedeutung dran. Im feministischen Kontext steht „Maskulinismus“ für den Glauben an die Überlegenheit des Mannes über die Frau, und damit Legitimation des Patriarchats. Damit sind „Maskus“ gar nicht auf Gleichberechtigung aus sondern auf männliche, unlautere Machtsicherung.

      • Stimmt!
        Bleibt zu ergänzen, daß Femis qua Definitionshoheit ALLE Kinderrechtler, Gleichberechtigugsbefürworter, Familienrechtler, Männerrechtler, Antitotalitaristen etc.pp. bei Bedarf zu Maskulininininisten erklären, wie man aus den wenigen feministischen Kommentaren zum Edekaskandal eindeutig ablesen kann.

  • Ich komme nochmal auf den Begriff des Überzeichnens zurück:
    Eine Überzeichnung ist eben eine Übertreibung einer Botschaft, die man entweder karikieren und dadurch hintertreiben will, oder auf die man durch die Übertreibung gerade hinweisen will.
    Daher ist durchaus angemessen, sich mit der Botschaft hinter der Überzeichnung zu befassen.
    Die hier ist, dass Väter sich eben dämlich anstellen.
    Und zwar im Detail: Väter stellen sich doof an, und zwar nur Väter, zumindest weit überwiegend, und zwar dergestalt, dass sie genau das von den Müttern unterscheidet.
    Das, und genau das und nur das, ist der Kern der Botschaft „Danke, dass du nicht Papa bist“. Das ist derart mit dem Holzhammer formuliert, dass sich das nicht aus der Welt herausdiskutieren lässt.

    Das ist wie mit den „Bimbos“ aus Filmen und Serien der 30 er, 40er bis – was weiß ich – 60 er? , wo ein breit grinsender Schwarzer mit dümmlicher Sprache sich zum Deppen machen darf. Klar, ist „überzeichnet“, ist „witzig“ gemeint, aber den dahinter liegenden Rassismus wird heute dennoch – oder grade drum – niemand leugnen, und deshalb machen wir das auch nicht mehr. Denn die Botschaft hinter der Überzeichnung ist nicht, dass da „ironisierend“ auf die Abwertung von Schwarzen hingewiesen wird, sondern dass man befindet, dass da hinter der Überzeichnung schließlich „was dran“ sei.

    Mir kann doch keiner erzählen, dass die „Botschaft“ hinter der Darstellung in einem „Muttertags“-Spot in Wahrheit darin liege, „ironisierend“auf die versteckte Väterverachtung aufmerksam machen zu wollen? Wenn es das aber nicht ist, bleibt als „Botschaft“ der Überzeichnung eben nur das – „im Grunde“ ist das zwar eine Überzeichnung, aber es ist doch auch „was dran“, oder?

    Wenn man dann beachtet, wie universal die Abwertung des väterlichen Bemühens in dem Spot ist, bleibt auch keine Ausflucht mehr zu der selbstbespiegelung, in dem Spot wäre Raum für die Idee, dass Männer „in manchem versagen, dafür anderes aber besser können.“

    Dafür haben die Macher nämlich zu gut darauf geachtet, auch Fälle einzufügen, bei denen Männern /Vätern sonst durchaus mal bessere Kompetenzen zugetraut werden als Frauen: Namentlich Sport, rumbalgen mit den Kindern. Aber auch: Technik. Dass das Versagen in der Küche ausgerechnet mit einem Vorgang illustriert wird, das dem ausübenden Mann völlige Abwesenheit von technischem Verständnis unterstellt, finde ich mindestens bemerkenswert.

    Das Versagen des Mannes als Vaters ist hier universal. Und es ist unmittelbar gekoppelt an die Aussage, dass es das ist, was den Vater von der Mutter unterscheidet.

    Ja, das ist Überzeichnung. Unbestreitbar, unwidersprochen. Aber es ist im Sinne des obigen gesagten nirgends ironisierend in einem Sinne, das meinen wir gar nicht so, denn das würde als „Muttertags“-Spot niemals durchgehen und wäre dann ja eine Beleidigung der Mütter.

    • Es ist immer so; wenn die jemanden beleidigen und fertigmachen, ist es Satire und er soll sich nicht so anstellen. Wenn nadere es mit ihnen machen ist es hatespeech und muss unterbunden werden, auch gerne durch die Staatsgewalt.

      Wie im „Lied der Partei“:

      „Die Partei, die Partei, die hat immer Recht!
      Und, Genossen, es bleibe dabei;
      Denn wer kämpft für das Recht,
      Der hat immer recht.
      Gegen Lüge und Ausbeuterei.“

    • Das, was du beschreibst, könnte meiner Meinung nach auch auf eine inzwischen völlig entkernte Definition von Ironie und Satire zurückzuführen sein. Mal stellvertretend:

      http://www.taz.de/!5586403/

      Der Text ist natürlich so dermaßen over the top und vollverblödet, dass jeder erkennen kann, dass das nicht ernstgemeint sein wird; noch nicht mal von Autoren bei der taz. Aber das alleine macht ihn doch nicht zur Satire. Denn was bitte schön soll dahinter stecken?

      Wie du richtig anmerkst, stehen hinter ironischen Überzeichnungen in der Regel zwei Möglichkeiten: man macht sich über entsprechende Einstellungen anderer das jeweilige Thema betreffend lustig oder man überzeichnet mutmaßlich reale Zustände. Aus der Satire sollte möglichst durch den Stil auch erkennbar sein, welche Position der Satiriker innehat. Würde man z. B. einen Sketch machen, in dem eine muslimische Familie gezeigt wird, bei der sich beim morgendlichen Ankleiden Eltern, Großeltern und sogar die Kinder, egal wie klein, völlig selbstverständlich unter ihren Sachen einen Bombengürtel umschnallen, als sei das ein ganz normales Kleidungsstück, ist es naheliegend, dass man damit vorrangig von Rechts kommende Vorurteile zu karikieren versucht, kann aber im Zweifel auch ganz schnell auf die andere genannte Art interpretiert werden; also als ein „irgendwas wird schon dran sein“. Dem Shitstorm, der dar folgt, will glaub ich niemand, nicht einmal ein Satiriker, ausgesetzt sein…

      Und da krankt eben der „Satireartikel“ aus der taz: mir wäre komplett neu, dass auch nur annähernd solche grotesken Vorurteile gegen Feuerwehrleute in unserer Gesellschaft oder zumindest in relevanten Gruppen unserer Gesellschaft verbreitet sind. Bliebe also nur die Variante der Überzeichnung von Zuständen, die der Satiriker als mutmaßlich irgendwie schon so gegeben erachtet. Kann ich mir aber auch nicht vorstellen, deshalb halte ich den verlinkten Text nicht für Satire sondern einfach nur für selten dämlichen Stuss, der durch seinen völlig fehlenden Bezug zu irgendwas noch nicht mal lustig ist.

      Beim EDEKA-Spot hatte ich dieselben Überlegungen wie du: dass hier ausgerechnet am Muttertag durch Überzeichnung von Vorurteilen gegenüber Vätern auf diese Vorurteile kritisch aufmerksam gemacht werden soll, erscheint unpassend und somit unwahrscheinlich. Somit kann eigentlich nur überbleiben, dass die Schöpfer meinten, damit irgendwie schon durchaus reale Zustände ironisch zu überspitzen. Sollten sie das nicht angestrebt haben, wäre die Entschuldigung des Spots als „augenzwinkernd“ und „ironisch“ ziemlich blöd, denn sie würden so einräumen, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wie Ironie und Satire funktioniert.

      Tatsächlich glaube ich aber, dass die Variante mit der Überzeichnung eigener Vorurteile, die die Macher des Spots haben und als durchaus realistisch erachten, nah an der Wirklichkeit sein dürfte. Wenn man nun den eigentlichen Sinn von Satire zugrunde legt, könnte man somit sagen, dass sie das Kunststück fertig gebracht haben, Variante 1, also das persiflieren alberner Vorurteile anderer, auf sich selbst und ihre eigenen Vorurteile anzuwenden. Hätten sie so etwas beabsichtigt, dann Chapeau! Einzig mir fehlt der Glaube…

      • Gute Satire erfordert einiges an Intelligenz. Nur abschätzig über irgend was herzuziehen, ob nun gerechtfertigt oder nicht, ist noch lange keine Satire.

      • „Denn was bitte schön soll dahinter stecken?“

        Die Feuermann-Verriss ist der übliche pure extremistische Hass auf unsere Gesellschaft, der Prototyp ist ja das berüchtigte „Scum Manifest“. Wird alles als Satire ua getarnt, den man will ja nicht als die Hasskappe dastehen, die man ist.

        Ich vermute, dass dieser Hass auf Feuerwehrmänner vom „11. September“ her inspiriert ist, da spielten diese ja eine zentrale Rolle, was sicherlich die Flammen der Hasser bis in die Stratosphäre angefacht hat. Das ist nun der Ausfluss dieses Ressentiments. Taz ist echte „Journaillie“.

  • „Zum Trend wurde dieser Hashtag vor allem durch Menschen, die sich darüber echauffierten, dass dieser Hashtag zum Trend wurde.“

    Da musste ich doch lachen! Zeigt es doch recht deutlich ein „Problem“ an den sozialen Medien. Der Begriff Trend deutet ja eine bestimmte Relevanz an und so wird es auch oft dargestellt, wenn z. B. über trendende Hashtags in Medien berichtet wird.

    Dabei bedeutet aber trenden nichts anderes, als dass ein Hashtag innerhalb eines recht kurzen Zeitfensters bis zum jeweils aktuellen Zeitpunkt sehr häufig in Tweets referenziert wurde. Da arbeitet auf den Twitterservern einfach nur ein Algorithmus und nicht etwa eine hochkomplexe KI, die in der Lage wäre, etwa kritische Tweets aufgrund ihres Inhaltes automatisch als trendsenkende Downvotes zu werten. Jeder, der an den jeweiligen Diskussionen dort beteiligt ist, kann das halbwegs einschätzen, aber von außen werden Hashtags in der Regel anhand ihrer Referenzierungen bewertet, was nicht selten zu Fehlinterpretationen führt. Wenn ein #EDEKAboykottieren 50.000 Mal referenziert wird, dabei aber, mal ganz hypothetisch, die Hälfte der Tweets darauf abzielt, wie lächerlich die jeweiligen Verfasser die Aktion finden, wäre die Bewertung auf Basis der reinen Tweetzahl „50.000 Menschen unterstützen Boykott von EDEKA“ so neben der Spur, wie man überhaupt nur neben der Spur liegen kann.

    Das klingt nun natürlich alles nach unglaublich banalen Binsenweisheiten, aber ich erinnere mich gut daran, wie in exakt dieser einfältigen Art mit #aufschrei umgegangen wurde. Meist wurde in den entsprechenden Talkrunden permanent im Hintergrund die auf Tausenderstellen gerundete Zahl der Tweets in Bezug auf diesen Hashtag an die Wand geworfen und auch in der Diskussion immer wieder so getan, als gebe diese Zahl wieder, wie gesellschaftlich relevant angeblich das dort angesprochene Thema sei. Sogar in vermeintlich seriösen Formaten wie Tagesschau wurde mit dem Thema in derart kurzsichtiger Manier umgegangen.

    Dabei kamen Auswertungen zu diesem Hashtag zu eher ernüchternden (oder aus gesellschaftlicher Sicht doch eigentlich sogar hoffnungsvoll stimmenden) Ergebnissen: nur ein verschwindend kleiner Teil der Tweets folgte überhaupt dessen Intention und selbst die in diesen vergleichsweise wenigen Tweets dargestellten Situationen erwiesen zum großen Teil, bei nüchterner Betrachtung, dem Thema eher einen Bärendienst, weil dort oft schlichte zwischenmenschliche Missverständnisse, Ungeschicktheiten oder scheinbar differierende Bewertungen von Situationen zu ganz großen, skandalösen Erlebnissen aufgeblasen wurden, die angeblich Frauen (und auch NUR Frauen) tagtäglich so widerführen. Es bedurfte wohl schon einiger Fleißarbeit, um in dem Wust an Tweets die durchaus vorhandenen Schilderungen zu finden, die man auch objektiv und ironiefrei als sexuelle Übergriffe bis hin zu sexuellen Nötigungen bezeichnen konnte.

    Wären also nur die tatsächlich dem Sinn des Hashtags folgenden Tweets geschrieben worden, #aufschrei wäre vollends im twitterinternen Hashtag-Gewitter untergegangen. Es waren die Unmengen an Tweets, in denen z. B. Männer im Stile von „Go Girrrrllllzzzzz!!!!!!!“ ein wenig Tugendhaftigkeit signalisieren „mussten“, wie aber auch jene, die aussagten, dass die jeweiligen Verfasser den Hashtag albern und UNWICHTIG fanden, die dafür sorgten, dass die Medien in Bezugnahme auf die Gesamtzahl der Tweets dessen „WICHTIGKEIT“ inszenieren konnten.

    Ergänzend sei dabei aber vielleicht auch noch erwähnt, dass die Oberflächlichkeit der Medien im Umgang mit besagtem Hashtag, abseits von Ahnungslosigkeit und Kurzsichtigkeit, auch noch andere Gründe gehabt haben dürfte, welche sich andeuteten, als nach den Vorfällen der Kölner Silvesternacht große Medien wie SPON und Tagesschau.de über den neuen „trendenden“ Hashtag #ausnahmslos berichteten, teils nur zwanzig Minuten nach dessen Einführung und zu einem Zeitpunkt, als sich unter diesem nur eine Handvoll Tweets fand, die allesamt von der Initiatorin Anne Wizorek selbst stammten. Das hatte schon einen gewissen Geschmack von lobbyistischem Filz zwischen Aktivisten spezieller Couleur und Medienschaffenden…

    • Kurzformel:
      „Millionen von vergewaltigten Frauen… zum ersten Mal überhaupt …“ ( Anne Wizorek, sinngemäß, zur von ihr selbst mittels übler Nachreden der Laura Himmelreich für viel Geld initiierten Aufkreischhysterie )

  • > „Jochen Bittner: Männerfeindlich? Ernsthaft? Ein so offenkundig überzeichnendes Filmchen? Ich hab drüber gelacht.“

    > „Dass Männer sich hier gegen erniedrigende Darstellungen aus einem schnöden Werbespot wehrten, anstatt einfach männlich drüberzustehen, und dass Frauen sich gemeinsam mit diesen Männern ärgerten – das verunsicherte offenbar das Männlichkeitsbild vieler Männer und auch einer ganzen Reihe von Frauen.“

    Man darf hier glaube ich nicht vergessen, dass twitter auch immer als Mittel der Selbstinszenierung dient. Wenn andere Männer sich beschweren und über Ungerechtigkeit klagen, kann man sich eben ganz toll als besonders männlicher Mann auch gegenüber den weiblichen Mitlesern präsentieren.

    Auch präsentiert man sich gegenüber der eigenen Gruppe (zB. als Zeit-Journalist gegenüber den eigenen Lesern) als besonders widerstandsfähig gegenüber den oft als „rechts“ diffamierten Feminismuskritikern.

    So gehe ich eigentlich nicht davon aus, dass „das Männlichkeitsbild vieler Männer“ durch den Ärger über den Edeka-Spots „verunsicht“ wird – viele dürften sich in der Rolle des harten, stoischen Mannes, der sich nicht über ein „Filmchen“ aufregt ganz wohl gefühlt haben.

    • @nash
      „präsentiert man sich gegenüber der eigenen Gruppe (zB. als Zeit-Journalist gegenüber den eigenen Lesern) als besonders widerstandsfähig gegenüber den oft als „rechts“ diffamierten Feminismuskritikern“

      Männerhass gehört zum Kerngeschäft der „Zeit“, da muss Bittner beschwichtigende Worte zu finden.
      Ihre Vorurteile sind ja schon schlimm genug. Noch abscheulicher ist es, wie diese Leute wie Bittner sich noch selbstgerecht als bessere Menschen stilisieren, pfui Deibel.

  • Gerade solche empathielosen „Selbstentwertungshelden“ a la Jochen Bittner haben ihren festen Anteil an der Tatsache, dass geschlechtsspezifischer Chauvinismus und Doppelmoral medial, gesellschaftlich akzeptiert und letztendlich
    in bestimmten Bereichen vom Staat in Kauf genommen werden.

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