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Vom politischen Nutzen fehlender Empathie: Zum Gender Empathy Gap Day

geschrieben von: Lucas Schoppe

Männer und Jungen können allgemein mit deutlich weniger Empathie rechnen als Frauen und Mädchen – im privaten Rahmen wie im politischen. Dieser Unterschied würde sich so nicht halten, wenn er nicht eine wichtige politische Funktion erfüllen würde – in der Orchestrierung sozialer Spaltungen.

Ich bin gerade mit unserem Jungen in den Ferien unterwegs, so kommt dieser Text einige Tage zu spät. Er kommt aber zugleich auch ganz pünktlich – nämlich zum Gender Empathy Gap Day, den vor einem Jahr der Autor Gunnar Kunz vorgeschlagen hat und der damals hier schon einmal Thema war.

 

Leiderfahrungen als Lachnummer

Ein Gender Empathy Gap Day? Das, was der Schriftsteller und Blogger Gunnar Kunz da im letzten Jahr vorgeschlagen hat, lädt natürlich dazu ein, sich ganz unempathisch zu belustigen.

Männer, die darauf aufmerksam machen, dass Männer und Jungen mit deutlich weniger Empathie rechnen können als Frauen und Mädchen, müssen damit rechnen, als Jammerlappen dazustehen. Als sich vor einigen Wochen vor allem Männer über einen Werbespot aufregten, mit dem die Supermarktkette Edeka Ressentiments gegen Väter verwurstete, waren es in sozialen Medien vor allem andere Männer, die sich in Pose schmissen und verkündeten, dass ihnen dieser Spot gewiss nichts ausmachen würde, weil sie ja schließlich Humor hätten.

Die Webseite zum Gender Empathy Gap Day – mit einer Fülle von Informationen, die diesen Artikel mehrfach gesprengt hätten.

Dass Kunz ausgerechnet den 11. Juli als Gender Empathy Gap Day vorschlägt, hat aber schon einen Grund, der überhaupt nicht mit Humor betrachtet werden kann. Er bezieht sich auf das Massaker von Srebenica am 11. Juli 1995, als die UN eine von ihr geschaffene Sicherheitszone an die Serben übergab, die dann unter den Augen der UN-Beobachter achttausend bosnische Jungen und Männer selektierten und systematisch ermordeten. Schon zuvor hatte die UN Frauen, Kinder, Alte und Kranke evakuiert, „aber den Männern den Zugang zu den rettenden Konvois verweigert“.

Der Bezug auf einen Krieg passt zu einem Tag, der auf die fehlende Empathie für Männer und Jungen aufmerksam machen soll. Die völlige Verfügbarkeit von Soldaten, die in allen modernen Kriegen beliebig als Kanonenfutter eingesetzt werden, wäre nicht möglich ohne die verbreitete Bereitschaft, Menschen Mitgefühl zu verweigern, weil sie Männer oder Jungen sind.

Auch in Deutschland wird es nicht als Skandal empfunden, dass Soldaten mit erbärmlich mangelhafter Ausrüstung in ihrer lebensgefährlichen Einsätze geschickt werden – die verantwortliche Ministerin wird sogar mit einem der wichtigsten Positionen der EU belohnt.

Das für mich bedrückendste, nämlich auf Kinder bezogene Beispiel dieser Empathieverweigerung liefert das Hilfswerk PLAN. Dessen erfolgreiche Werbestrategie  besteht eben darin, unter den vielen armen, unter Gewalt leidenden Kindern der Welt ausdrücklich den Mädchen zu helfen. Die Verweigerung der Hilfe für männliche Kinder ist hier werbestrategisch offenbar erfolgreich, und so selektieren dann Menschen vom sicheren Westen aus die notleidenden Kinder der Welt entsprechend ihrer Geschlechtszugehörigkeit in die, welche Hilfe verdienen, und die, denen keine Hilfe zusteht.

Ein anekdotisches, auf den ersten Blick sogar lustiges Beispiel dafür, wie selbstverständlich die Verweigerung der Empathie für Männer und Jungen Teil des politischen Alltags ist, erzählt Gerd Riedmeier.

Riedmeier versucht für das Forum Soziale Inklusion mit Vertretern von Parteien über die Situation von Vätern, Männern und Jungen ins Gespräch zu kommen. Schon wer nur erlebt, wie enorm das Leid von Vätern ist, denen der Kontakt zu ihren Kindern willkürlich schwer gemacht wird – und wer weiß, wie wichtig der Kontakt zu beiden Eltern für die Kinder ist – der weiß auch, wie wichtig es wäre, wenn die deutsche Familienpolitik endlich ihre Verantwortung für diese Notlagen übernehmen würde.

Riedmeier erzählte beim jährlichen Treffen des Forum Soziale Inklusion, an dem ich auch teilgenommen habe, davon, dass er die familienpolitischen Sprecher aller Fraktionen des Bundestages um ein persönliches Gespräch gebeten hatte. Eine Reihe von Gesprächen sei so möglich gewesen. Die SPD mit ihrem Obmann und Sprecher im Familienausschuss, Sönke Rix, habe jedoch nicht einmal geantwortet, ebenso wie die Grünen.

Eine Partei aber hatte um Rückmeldung nach der Sommerpause gebeten. Riedmeier rief also nach der Sommerpause im Büro von Katja Dörner, MdB und familienpolitische Sprecherin der Grünen, an, stellte sich als Sprecher der Interessengemeinschaft Jungen Männer Väter (zu der das Forum Soziale Inklusion gehört) vor, verwies auf die Bitte, dass er sich noch einmal melden solle – und erntete bei den Mitarbeiterinnen im Büro einen Lachanfall. Das könne sich ja wohl nur um eine Verwechslung handeln.

Tatsächlich hatte Riedmeier bei Katja Dörner irrtümlich angerufen – die Kommunikationsbereitschaft hatte Katrin Werner von der LINKEN signalisiert, mit der Riedmeier dann auch noch ein Gespräch führen konnte.

So erheiternd die Situation für die Abgeordneten der Grünen und ihre Mitarbeiter*innen gewesen sein mag, so bitter ist sie tatsächlich. Es ging hier ja nicht darum, sich von Riedmeier und den Positionen des Forum Soziale Inklusion – dem zum Beispiel sehr an einer Kindessorge beider Eltern nach Trennungen liegt – sogleich überzeugen zu lassen. Schon der bloße Gedanke, auch nur zu einem Gespräch bereit zu sein, ist aus grüner Perspektive so absurd, dass er sich in Lachanfällen entlädt.

Die Grünen – und mit ihnen die SPD – verweigern so nicht allein Empathie, sie bemühen sich auch darum, dass Empathie für alle, also auch für Männer und Jungen, in der politischen Arbeit keinen Platz hat. Entsprechend führt die Webseite des Forums Soziale Inklusion auch das Ungleichgewicht auf, mit dem Frauenverbände und Männerverbände vom Familienministerium gefördert werden.

Frauenverbände erhalten allein vom Ministerium mehrere Millionen an Fördermitteln, und die Förderung für den Verband der Alleinerziehenden (VAMV) ist dabei besonders gravierend: Der Verband erhält schon auf Bundesebene eine halbe Million Euro im Jahr und dann noch in jedem Bundesland 200.000 bis 300.000 €, also jährlich offenbar mehrere Millionen Euro. Ungeheuer viel Geld aus öffentlichen Mitteln für eine Lobbyarbeit gegen die gemeinsame Sorge von Müttern und Vätern nach Trennungen und für die mütterliche Einzelresidenz – obwohl alle Beteiligten wissen, dass dieses Modell sowohl ökonomisch als auch entwicklungspsychologisch Kindern erheblich schadet.

Männerverbände erhalten demgegenüber vom Ministerium eine Förderung von 0 €, in Worten: null Euro, wohl mit Ausnahme des dem Ministerium angedockten Bundesforum Männer, das sich auf eine feministische Männer- und Jungenpolitik verpflichtet hat.

Diese Unwucht ist nur möglich, weil auf der einen Seite Männern und auch Kindern Empathie verweigert wird, Frauen aber idealisiert werden, soweit sie gängigen geschlechterpolitischen Mustern entsprechen. Wir erleben dieses Nebeneinander von Empathieverweigerung und blinder Empathie gerade am Beispiel zweier Bücher, die zufällig etwa zur selben Zeit veröffentlicht wurden.

 

Wozu brauchen WIR eigentlich Männer?

Arne Hoffmanns Sammelband „Gleichberechtigung beginnt zu zweit“ setzt nicht auf eine Frau-Mann-Konfrontation, sondern auf eine Zusammenarbeit der Geschlechter, orientiert an Empathie für alle Beteiligten, für Jungen ebenso wie für Mädchen, für Frauen ebenso wie für Männer. Obwohl der Sammelband – natürlich auch ganz abgesehen von meinem eigenen Beitrag dazu – reich an wichtigen Perspektiven und Debatten zu vieldiskutierten Themen ist, und obwohl die Zusammenstellung der Beiträger und Beiträgerinnen aus unterschiedlichen Ländern und Berufen einzigartig ist, findet er in den etablierten Medien außerhalb der Blogs und sozialen Medien keinen Widerhall.

Ganz anders ein amerikanisches Buch, das in den USA in etablierten und renommierten Zeitungen wie der Washington Post oder der Los Angeles Times angepriesen wurde, so dass es zur Zeit gleich die ersten drei Plätze in Amazons Kategorie „General Gender Studies“  belegt. Die Autorin E. Jean Carroll fordert in ihrer Schrift „What Do We Need Men For?“ satirisch, dass Männer – die rundweg schädlich und unnütz wären – getötet, in ihre chemischen Elemente aufgespalten und verkauft werden sollten. In einem etwas ernster gemeinten Vorschlag fordert sie, alle Männer in ein geheimes Umerziehungslager zu schicken („to send them all to a secret location for retraining“).

Dass die soziale Bedeutung eines Titels wie „What Do We Need Men For?“ übersehen wird, dass dieser Text gar diffus als irgendwie „progressiv“ oder „links“ eingeordnet wird, zeigt vor allem den Substanzverlust der politischen Linken.

Im Untertitel bezieht sich Carroll, wie auch schon Arne Hoffmann im eben verlinkten Text zeigt, irreführend auf Swifts berühmte Schrift „A Modest Proposal“, in der dieser vorschlägt, irische Kinder zu töten und zu verspeisen. Übrigens regt auch schon Swift an, sehr viel mehr weibliche als männliche Kinder leben zu lassen, weil Männer nun einmal weniger gebraucht würden. Er spitzt die technokratische Empathielosigkeit der englischen Irland-Politik seiner Zeit mit seinem Text bis hin in brutale Absurdität zu und kritisiert sie so scharf.

Es gibt aber überhaupt kein Anzeichen dafür, dass Carroll tatsächlich in gleicher Weise Empathielosigkeit gegenüber Männern bloßstellen wollte. Tatsächlich reproduziert sie diese Empathielosigkeit und kaschiert sie als Satire. Das „We“ des Titels meint tatsächlich nur Frauen – die Perspektiven von Männern bleiben hier nicht bloß spielerisch ausgeschlossen, und einen Wert können Männer hier ganz offen nur im Nutzen für Frauen haben.

(Wenn der Faschismus wiederkehrt, wird er nicht sagen: „Ich bin der Faschismus.“ Er wird auch nicht sagen „Ich bin der Antifaschismus.“ Er wird wohl sagen: „Ich meine es nur ironisch.“)

Auch wenn natürlich nicht tatsächlich Vernichtungs- oder Umerziehungslager für Männer errichtet werden, so demonstriert der Text doch offen, dass eine zivile Empathie gegenüber Männern und Jungen unnötig wäre. So wie Carrolls Verrohtheit gegenüber Männern und Jungen auf einem extrem reduzierten und einseitigen Männlichkeitsbild beruht, so reduziert ist auch das Bild von Weiblichkeit, das die Autorin hier unterschwellig so erfolgreich entwirft.

Denn dass der Text als Gewaltphantasie nicht ernst genommen und trotz der verunglückten intertextuellen Referenz als Satire verstanden wird, ist nur unter der Bedingung möglich, dass eine weibliche Autorin und ihre Gefolgschaft als harmlos dastehen: Die wollen doch bloß spielen. Carroll gibt sich feministisch, lebt aber vom längst dysfunktionalen Weibchen-Schema.

Welchen Sinn aber hat es, Empathielosigkeit gegenüber Männern und Jungen nicht nur achselzuckend hinzunehmen, sondern sie sogar zu fördern? Das lässt sich nur beantworten, wenn der enge Rahmen der Geschlechterpolitik verlassen wird.

 

Vom politischen Nutzen fehlender Empathie

Bezeichnend für die heutige Politik, insbesondere in Deutschland, ist, dass die Steuerlast zwar extrem hoch ist, dass aber zugleich die öffentlichen Institutionen abgebaut werden oder verfallen. Schulen, Krankenhäuser, Pflege, Universitäten, Gerichte, Polizei, öffentliche Ämter, Militär, Bahn, Straßenbau – in fast allen Bereichen öffentlicher Infrastruktur hat Deutschland, zum Teil dramatisch, abgebaut, in anderen zentralen Bereichen  wie der Digitalisierung nonchalant den Anschluss verpasst.

Der beliebte, meist vorwurfsvoll verwendete Begriff „neoliberal“ passt zwar zum Abbau öffentlicher Infrastruktur, aber nicht zur hohen Steuerlast.

Die Bankenrettung beispielsweise war nicht neoliberal, eher schon ein Versuch, die Folgen neoliberaler Deregulierungen aufzufangen. Es hätte ganz dieser Deregulierungs-Ideologie entsprochen, die Notsituation über den Markt zu klären und Banken sterben zu lassen – und es war verständlich und gut, dass Regierungen den politischen und sozialen Preis dafür nicht zahlen wollten.

Da sie dann aber kein Interesse an einer Neuordnung des Bankensektors hatten, haben sie damit der Logik eine Klassengesellschaft zugearbeitet, in der die Gewinne riskanter Entscheidungen von einer dünnen privilegierten Schicht privatisiert, die schließlich anfallenden gewaltigen Kosten aber auf alle umgeschichtet werden.

Hier im Blog habe ich für eine solche Politik den Begriff „neo-feudal“ vorgeschlagen – als Bezeichnung für eine Politik, in der ein Großteil der Bevölkerung erheblich einzahlen muss, ein relativ kleiner Teil erheblich profitiert, während die öffentlichen Institutionen sich aus ihrer allgemeinen Verantwortung zurückziehen und zugleich weiterhin mit enormen Mitteln finanziert werden müssen.

Eine solche Politik braucht eine ideologische Orchestrierung, weil sie offensichtlich den zentralen politischen Werten der Moderne – Menschenrechte, Demokratie, offene Gesellschaft – widerspricht. Zu dieser Orchestrierung trägt eine verbürgerlichte Linke wesentlich bei, die ihren Fokus weg von ökonomischen hin zu biologistischen Kategorien (insbesondere Geschlecht und Rasse) wendet.

Wie unverhohlen ausgerechnet Akteure, die sich für links halten, Muster der Standesgesellschaft wiederholen, hat gerade der Grüne Matthias Oomen klimapolitisch demonstriert – so hirnrissig offen, dass es wie eine Satire wirkt.

Natürlich ist es klimapolitisch ein Unterschied, ob jemand nach New York oder nach London fliegt, weil die Reise nach London deutlich weniger CO2 verbraucht. Für Oomen aber ist der relevante Unterscheid das Motiv des Fluges – als ob das für die Logik des Klimawandels relevant wäre.

Mit „H&M“ und der „Kegelpartytour nach Ibiza“ sind die klimaschädlichen Gründe als Motive von Prolls markiert, während Oomens klimanützliche Motivlagen offensichtlich in ein akademisches Bürgertum gehören: Studienreise, Umweltschutzkonferenz, Geschäftsabschluss, und, tatsächlich und natürlich, eine „präuniversitäre Weltreise“.

Das alte „Quod licet Iovi nin licet bovi“ (Was dem Jupiter geziemt, geziemt dem Ochsen noch lange nicht) in einer klimapolitisch-moralisierenden, aber unverhohlen irrationalen Neuauflage: Politische Moral ist hier herabgesunken zu einem Instrument von Distinktionsinteressen.

Ganz im Sinne einer feudalistischen Logik steht Zivilität so für die Unterscheidung höherer Klassen von den unteren – anstatt dass sie, wie in Norbert Elias‘ demokratischem Entwurf des Zivilisationsprozesses, für eine Vermittlung zwischen verschiedenen Schichten stünde.

So lässt sich nebenbei auch leicht erklären, warum die Grünen mit einer neo-feudalen Politik florieren, während die SPD an ihr stirbt, obwohl sich Sozialdemokraten doch alle Mühe geben, die politischen Klischees von Grünen zu kopieren. Die Grünen waren von Beginn an eine Partei Besserverdienender und ihrer Kinder, während die SPD immer dann erfolgreich war, wenn sie auf eine gesellschaftliche Vermittlung setzte.

Als Teil einer Ideologie, die ständische Distinktionsinteressen orchestriert, erfüllt die politisch geförderte Verweigerung von Empathie mit Männern und Jungen dann durchaus eine Funktion. Sicherlich könnten Evolutionspsychologen ausführlich die stammesgeschichtlichen Ursachen dieser Verweigerung erläutern – aber sie würden damit ihre heutige politische Relevanz verkennen.

Noch immer wird der Löwenanteil der Beiträge zu öffentlichen Kassen von Männern erarbeitet, ebenso, wie Männer den Löwenanteil der politischen Arbeit an der Basis von Parteien leisten, auch bei den Grünen.  Männlichkeit eignet sich so als Chiffre für diejenigen, die das soziale System tragen – deren Interessen aber in einer ständischen Ordnung nicht repräsentiert werden. Wer die beliebte Rede von der „toxischen Männlichkeit“ verbreitet, merkt dabei in aller Regel selbst nicht, wie sehr er damit Klischees einer ungeschlachten proletarischen Männlichkeit reproduziert.

Die Ausgrenzung weiter sozialer Schichten aus institutionell verfestigten Ordnungen lässt sich damit geschlechterpolitisch kaschieren – und dies umso einfacher, da „Männlichkeit“ doch scheinbar offensichtlich mit „Macht“ verbunden ist, und da sich neben den wenigen Männern auf Machtpositionen die vielen Männer ohne Machtpositionen leicht übersehen lassen.

 

„Wir leben unter Bedingungen unmenschlicher und umfassender männlicher Machtstrukturen.“

„Welche männliche Macht denn? Männer sterben deutlich früher, leisten die meisten gesundheitsgefährdenden Arbeiten, werden in Kriegen verheizt, werden häufiger Opfer von Gewalt, begehen häufiger Selbstmord, aber haben deutlich weniger Chancen vor Gericht.“

„Da siehst Du mal, wie unmenschlich und umfassend diese männlichen Machtstrukturen sind. Sogar für Männer selbst sind sie schädlich.“

Der gedankenlosen Empathielosigkeit gegenüber Männern, die von ihren Vertretern als Anzeichen höherer Bildung erlebt wird, schadet so nicht einmal das Abgleiten ins offen Absurde – sie erfüllt eben eine durchaus systemstabilisierende Funktion.

Dabei ist der Eindruck männlicher Macht subjektiv vermutlich völlig plausibel: Er entsteht aus der Angst, dass diejenigen, die sich in der institutionalisierten Politik nicht wiederfinden können, die diese Politik aber tragen müssen, irgendwann ihre Interessen geltend machen könnten. Psychologisch betrachtet entspringt die Idee einer patriarchalen Macht, die bemerkenswert resistent gegen alle abweichenden Fakten ist, der Angst vor der Wiederkehr des Verdrängten.

In den institutionellen Selbstgesprächen, die als „Geschlechterpolitik“ verkauft werden, sind Männer so ausgerechnet deshalb ausgeschlossen, weil sie doch angeblich mächtig sind und keine Hilfe nötig haben.

Ganz oben? Einsam? Gefährdet? Hat etwas geleistet? Nimmt viel wahr? Ungeschützt? … ? Wer hier bloß „ganz oben“ wahrnimmt, reduziert die Situation erheblich, ist aber davon überzeugt, sie gültig zu analysieren.

Eine sehr informative Seite zum Gender Empathy Gap findet sich hier.

Weitere Blog-Texte zum Gender-Empathy-Gap-Day:

MANNdat: Tag des Gender Empathy Gap – Unser Brief an die UN

Auschfrei (Anne Nühm): Tag der Geschlechter-Empathie-Lücke #GEGD 

Uepsilloniks: Jungen und der Empathy Gap

Gunnar Kunz: Fakten zur Empathielücke

Genderama: Menschenrechte auch für Männer

Mitgefühl auch für Männer: Menschenrechtsverbände kritisieren Empathielücke gegenüber Männern in Medien und Politik 

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16 Comments

  • Von der Bundesrepublik kann man keine Veränderungen erwarten da dieses asoziale Verhältnis ein Grundpfeiler Ihrer ist.
    Als Beispiele möchte ich nur die Einführung der Kinderrechte der EU erwähnen daß diese selber entscheiden können bei welchem (geschiedenen) Elternteil sie leben möchten(meines Wissens)
    Und passenderweise auch die Nationalhymne.
    Viele Väter könnten mit Ihren Söhnen ins Ausland gehen da dort die Entscheidung des Kindes respektiert wird, bei einer Abschiebung (BRD möchte Staatsbürger wg. „Entführung“ zurück haben) würde dem Kind Misshandlung drohen und dem Vater ein undemokratischer Gerichtsprozess, da die Staatsanwaltschaft etc im Ausland eh nicht als demokratisch oder Rechtsstaatlich angesehen wird.

    • Dass der Empathy Gap eine evolutionäre Folge sexueller Selektion ist, glaube ich auch. Deshalb wirkt es auch so unmittelbar plausibel, weniger Mitgefühl für Männer und Jungen zu haben – weil es eine sehr solide evolutionäre Basis hat.

      Dass das“zwangsläufig“ so ist, halte ich für überzeichnet. Würde der Empathy Gap heute keine politische Funktion erfüllen, dann würde er allmählich verschwinden, und wäre er zwangsläufig, dann müsste er ja nicht politisch gefördert werden – beispielsweise durch Kampagnen gegen häusliche Gewalt, die Männer allein als Täter und Frauen allein als Opfer präsentieren.

  • Bitte nicht falsch verstehen, Lucas. Aber mir geht es immer wieder so, dass ich nach der Hälfte deiner spannenden Einleitungen quer lese und dann irgendwann, mittendrin, nach unten scrolle, um zu den Kommentaren zu kommen.

    Vielleicht liegt es ja auch an der Schriftgröße, aber ich empfinde die rechte (nach unten) Scroll-Leist mitlerweile als ‚Bedrohung‘. Ich mag die Intention deiner Texte, aber das ausufernde daran, das erinnert mich mittlerweile eher an den Erfinder von Käpt’n Blaubär, der als Kunstfigur Gott-sei-Dank nicht seinem Autor gleichkommt.

    Entschuldige bitte, wenn ich das so offen formuliere und nicht einfach Applaus klatsche. Aber bei deinem Intellekt bekommst du es (meiner Meinung nach) sicher schneller und fokussierter auf den Punkt, als du es aktuell und prosaisch umschreibst.

    Nicht böse sein, ist nur meine Meinung und die Jünger werden mich sicherlich nun steinigen.

    Bester Gruß
    Emannzer

    • @ Emannzer Es sind ja Netztexte, keine verpflichtenden Seminartexte. Mir geht es im Netz oft so, dass ich Texte teilweise konzentriert, über andere Teile dann querlese oder runterscrolle. Noch stärker bei YouTube-Videos, da breche ich fast immer irgendwann ab.

      Was meine eigenen Texte angeht, hab ich mir oft schon Gedanken gemacht, warum ich sie nicht einfach kürzer fasse. Ich orientiere mich an Word-Seiten, habe fast immer drei bis vier, besser fänd ich zwei, für das Netz wären eineinhalb normal. Ich glaube, es ist so:

      Wir haben, was Positionen von Männern angeht, wenig selbstverständlich akzeptierten Kontext. In meinen Augen sind Texte von Farrell (Myth of Male Power), Kucklick (Das unmoralische Geschlecht) und auch von Arne Hoffmann (Ich würde da das „Plädoyer“ wählen, andere vielleicht „Sind Frauen bessere Menschen?“) Fixpunkte – aber auch die sind nicht allen bekannt. Während feministische Texte sich in aller Regel auf ein paar allseits bekannte Klischees beziehen und sie einfach wiederholen können (Macht ist männlich. Gewalt ist männlich. Männliche Gewalt durchdringt den ganzen Alltag. Geschelchter sind soziale Konstruktionen. Etc etc.), müssen Männer, die sich damit auseinandersetzen, sich erst einmal einen Kontext schaffen, auf den sie sich beziehen können.

      Für mich ist dabei noch dazu insbesondere die Frage wichtig, warum eigentlich die politische Linke zu der furchtbaren Klischeesammelstelle geworden ist, die sie heute ist – weil das meine politische Heimat ist.

      Das legt längere Texte nahe, als wenn jemand einfach nur Klischees wiederholt und variiert, die eh alle schon kennen.

      • Vielen Dank Lucas, für deine nachvollziehbare Darlegung und dass du das nicht persönlich gemeinte, nicht persönlich genommen hast. Es ist nicht bös‘ gemeint, wenn ich sage, dass ich dann eben auch künftig etwas scrolle, da deine Stringenz und inhärente Logik sicherlich auch seine Fans hat bzw. eine gewisse Fakten- und Fundus-Basis beinhaltet.

        Herzliche Grüße zum Wochenende wünscht dir
        der olle Emannzer 😉

      • Nein, es ist kein Wort zu viel!

        Das mit der Ungeduld und dem Runter-Scrollen, das geht mir ganz genau so. Es hat aber nichts mit Deinen Texten zu tun, sondern bei mir liegt es daran:

        – Einige Aspekte Deiner Texte sind mir schon geläufig, da denke ich voreilig: Aha, weiß ich schon! Ich merke aber erst später, dass der betreffende Aspekt zwar schon geläufig ist, aber nicht seine argumentative Verknüpfung mit anderen Aspekten. Und auf Letzteres kommt es doch an!

        – Häufig bin ich in Situationen, in denen ich ein deutlich schnelleres Tempo drauf habe, als wenn ich in Ruhe einen Text lese. Wenn ich dann so einen Text wie hier im Bord angehe, dann vergesse ich meist, dass ich nun „umschalten“ muß auf einen ruhigeren Takt. Ich habe dann immer noch das vorhergehende Hetz-Tempo drin und denke: Jetzt braucht er wieder ewig um das zu sagen, was doch ohnehin klar ist. Nein, das ist eine Täuschung. Sie beruht auf der Schnelllebigkeit unserer Zeit.

        Die Lösung? Keine kürzeren Texte, sondern der Mut: Lesen abbrechen – sich eingestehen, daß man im Augenblick nicht die rechte Geduld hat – in einer günstigeren Situation nochmal mit dem Lesen beginnen. Deine Texte sind ja zeitlos 😉 , da kann man auch ruhig eine Woche später noch mal nach-lesen …

  • Lob und Dank @Lucas!
    Ergänzung:
    „Hier im Blog habe ich für eine solche Politik den Begriff „neo-feudal“ vorgeschlagen“
    Bezüglich der Gesamtpolitik unterschreibe ich das vollumfänglich!
    Bez. der Pseudo(eigentlich Anti-, oder Post-)Moralität der MS-Feministen bleibe ich bei „Neoviktorianismus“.
    Siehe auch: Der selbstimaginierte „Erziehungsauftrag“ der MS-Medien, bspw. Anja Reschke.
    https://www.youtube.com/watch?v=lqlmo3oNoMg

    • Bei Frau Reschke gibt es in meinen Augen eines zu beachten: Die Frau hat die Angewohnheit sich bevorzugt in aktuell hitzige Debatten einzumischen um dann ordentlich Öl ins Feuer zu gießen. Vor den aktuellen medialen Kriegsgefechten gehörte sie ja unter anderem zu denen, die bei der Killerspieldebatte eifrig gegen eben diese Spiele und noch zusätzlich gegen die Gamer gehetzt haben. Entschuldigt hat sie sich dafür nie.

  • Ein Punkt, der nach meinem Wissen auch immer wieder von Warren Farrel aufgeführt wird, ist auch der, dass genau dieser Mangel an Empathie ein Grund dafür ist, weshalb Männer häufiger Karriere machen. Denn auf die Weise erarbeiten Sie sich den Wert, der Frauen rein durch ihre Existenz zugesprochen wird.
    Einige wenige Männer schaffen es dabei halt sich einen Wert zu erarbeiten, der auch deutlich über den vieler Frauen liegt. Feministische Diskurse lenken dann wiederum den Blick nur auf diese wenigen Männer und täuschen auf die Weise eine allen Männern zugesprochene Wertigkeit zu, die so real für mehr als 90 Prozent der Männer nicht einmal ansatzweise gilt.

  • Es wird immer von der Emanzipation der Frau gesprochen. Dabei ist es mindestens genauso wichtig, dass sich Männer emanzipieren. Euer Einsatz für Empathie mit Männern und Jungs gibt mir Hoffnung für eine menschlichere Welt. Jungs wachsen oft unter dem Druck auf, stark zu sein, Macht auszuüben. Was ist denn wirkliche Stärke? Das ist doch Schwäche und Ängste, ja Gefühle zuzulassen und dazu zu stehen, sich nicht emotional kastrieren zu lassen.

    • „Jungs wachsen oft unter dem Druck auf, stark zu sein, Macht auszuüben. Was ist denn wirkliche Stärke? Das ist doch Schwäche und Ängste, ja Gefühle zuzulassen und dazu zu stehen, sich nicht emotional kastrieren zu lassen.“

      Jungs wachsen nicht unter dem Druck auf, Macht auszuüben oder stark zu sein. Jungs wachsen unter dem Druck auf, dass sie ihre Wertigkeit für die Gesellschaft erst unter Beweis stellen müssen. Es gibt für Jungs keine Rolle, die der Prinzessin entsprechen würde. Sprich, einfach aus der Existenz heraus einen Wert zu haben. Selbst der Prinz muss zumindest die Prinzessin unter Einsatz seines Lebens verteidigen.

      Und was Ängste und Gefühle angeht. Die haben Männer ganz besonders, denn wir wissen, dass uns bei Versagen (z.B. im Job) im Zweifelsfalle so gut wie niemand helfen wird. Sie zuzulassen ist daher nicht das Problem. Sie offen zeigen zu dürfen ist das Problem. So gut wie keine Frau steht auf Verlierer und daher teilt man Schwäche und Sorgen besser mit anderen Männern.

      • Ich erinnere mich noch an zahlreiche und lange Diskussionen auf 4plyers.de, als noch die unsägliche Annita Sarkeesian, sich als Gamerin ausgebend, ihren unterkomplexen Rotz in einer Videoreihe unters Volk brachte.

        Da habe ich auch einmal den Einwurf gebracht, dass das Stereotyp der zu rettenden „Jungfrau in Nöten“ doch letztlich Hand in Hand geht mit dem Stereotyp des Helden, der sich für ihre Rettung in Gefahr begibt und nur dadurch überhaupt Wert für die Geschichte erhält. Und da brachte ich auch die „ketzerische“ Frage, wessen Leben denn im Kontext dieser Geschichte mehr Wert beigemessen wird. Letztlich ist er für die Geschichte doch nur durch seinen sich selbst in Gefahr bringenden Akt relevant und nur durch dessen erfolgreichen Abschluss wird er wirklich zum männlichen Helden. Würde er scheitern, würde er nur zu einem weiteren namenlosen Skelett oder halbverwesten Kadaver, die zur Deko in Filmen und Videospielen immer wieder gerne in den Kulissen verteilt liegen. Über seine Überbleibsel würde dereinst dann der „wahre Held“ hinwegsteigen ohne weiter Notiz zu nehmen. Sein Tod wäre bedeutungslos und damit logisch konsequent auch sein Leben bis dahin. Das einzige Leben, welches wirklich zählt, ist jenes der „Jungfrau in Nöten“. Und das wird dann trotzdem feministisch als irgendwie frauenunterdrückend umgedeutet…

        Natürlich konnten die Annita-Fans da nicht viel mit anfangen und meinten entweder, DAS wäre vereinfacht (lol) oder man könne das doch nicht so miteinander vermischen.

        Das war natürlich nur das hilflose Retten der liebgewonnenen „Frauen-sind-Opfer-sind-Frauen“-Narrative. Dass gerade das erzählerische „Trope“ der „Jungfrau in Nöten“ mitnichten Frauen irgendwie kleinmacht, das kann man nicht sehen, weil man es nicht sehen will.

        Und dieses „das kann man nicht vermischen“… Das wäre ungefähr so logisch, als würde man den Fall eines Objektes zu Boden analysieren, ohne dabei die Erdanziehungskraft als Faktor zu berücksichtigen, was dazu führen würde, dass man natürlich völlig perplex ist, wie der Körper, der doch aufgrund der Masseträgheit und z. B. des Luftwiderstandes eigentlich unverändert in der Luft schweben bleiben müsste, doch in Richtung Erdmittelpunkt zu fallen beginnt.

        Aber genau das wurde in Sarkeesians Videos in Endlosschleife gemacht. Es wurden beliebig Dinge rausgefischt, die man separiert irgendwie als „frauenfeindlich“ darstellen konnte, dabei aber der ganze Kontext ignoriert. Und gerade narrative Geschlechter-Tropes bedingen einander. Man kann nicht das eine ohne das andere haben. Aber solche Betrachtungsweisen übersteigen leider bei Weitem den Horizont von Feministinnen und ihren Fans.

  • Danke für den Twet von Oomen. So deutlich habe ich das noch nie ausgesprochen gesehen, dass die Grünen natürlich fliegen dürfen, die Prolls aber nicht. Da wird auch das dicke Fell verständlich, mit dem z.B. Luisa Neubauer auf Kritik an ihrem Verhalten reagiert.

    • Man beachte neben der tatsächlich neofeudalen Denkweise, die darin zu Tage tritt auch die Dämlichkeit der dargelegten „Ausnahmen“. Studienreisen? Wer sich als großer Klimaretter geriert und ne Sprachreise in die Staaten macht, wird nur äußerst berechtigt mit der Frage konfrontiert, warum man diese Reise nicht auch einfach in das Mutterland der offensichtlich zu studierenden Sprache unternimmt. Dieses Land hätte man nebenbei auch, dank des Tunnels, sogar komplett nur mit einer Bahnreise erreichen können.

      Aber ja, die durchaus elitären Gründe, die als legitime Gründe gesehen werden, dann doch mal durchaus CO2-intensiv um die ganze Welt reisen zu dürfen, sind schon sehr entlarvend; vor allem für Leute, die von ihrer eigenen „linken“ Haltung sehr fest überzeugt sind.

      WIR sind die Guten und haben als solche gewiss auch gute Gründe zu reisen, denn als Gute würden wir nie etwas Schlechtes tun. Aber der gemeine Pöbel sollte sich bei seinem gelegentlichen, lange zusammengesparten Urlaub doch bitte mal mit Camping am nahegelegenen Baggersee begnügen. Und wenn das nicht reicht… hach… dann sollen sie doch Kuchen essen…

      Zu der Neubauer und der allgemein bei den FFF-Demos immer wieder anzutreffenden rhetorischen Mustern hat Arne Hoffman heute einen, wie ich finde, überaus treffenden Kommentar in der Welt verlinkt:
      https://www.welt.de/debatte/kommentare/article196692911/Neubauer-Thunberg-und-Co-Ein-Vorbote-extremistischen-Denkens.html

      • Die Neubauer ist echt zum Kotzen. Diese Rotzgöre hat ein Mehrfaches an Flügen auf dem Kerbholz wie ich. Und ich bin mehr als doppelt so alt.

        Als Jugendlicher bin ich mit meinem Opa in der Eifel gewandert und bin nach dem Abi auch nicht um die Welt gejettet, sondern habe mit der Knarre im Dreck gelegen. Und im Studium war ich in den Semesterferien nicht mit dem Rucksack in Asien, sondern mit dem Blaumann in der Fabrik.

        Ich bin liberal und gönne jedem seien Teil, aber wer moralinsauer anderen Leute predigt, wie sie zu leben haben, sollte gefälligst erst einmal bei sich selber anfangen.

        Und diese Denkfaulheit! Andere ad hominem als „alte weiße Männer“ diffamieren und schwupps braucht man keine Argumente und auch keine Rechtfertigung mehr für das eigene Arschloch-Dasein.

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