Deutschland Familie Väter

„Na, am besten, Sie lassen den Vater einfach sterben.“

geschrieben von: Lucas Schoppe

Über politische Hintergründe der Bewirtschaftung kindlichen Leids

Wie ist es möglich, dass im Netz und sogar auf der Seite einer Anwaltskanzlei ungeniert Hinweise zur Verhinderung der Doppelresidenz veröffentlicht werden, obwohl dieses Modell in anderen europäischen Ländern längst Standard und nach vielen Studien für Kinder deutlich günstiger ist als die Einzelresidenz? Ein kurzer Blick auf die politischen Hintergründe.

 

Ausgeliehene Ehemänner und Kinder ohne Väter

Vor einigen Tagen habe ich hier den anwaltlichen Text „So verhindern Sie das Wechselmodell“ kritisiert. Er ist, wenn ich es richtig sehe, mittlerweile aus dem Netz genommen. Das ist auch gut so: Zwar hat er die mögliche Logik familienrechtlicher Auseinandersetzungen erschreckend deutlich gemacht, aber er konnte eben durchaus auch als Anleitung zu destruktivem Verhalten verstanden werden.

Die vielen engagierten Kommentare zur Auseinandersetzung mit dem Text (Vielen Dank dafür!)  hätten in vielen Passagen eine nähere Aufmerksamkeit verdient. Ich greife hier nur eine heraus, weil sie die Hintergründe erklärt, warum ein solcher Text wie die anwaltliche Publikation überhaupt möglich war.

Fiete erwähnt in einem Kommentar eine Äußerung, die ich ihrerseits kaum glauben konnte.

Edith Schwab, seinerzeit Vorsitzende des VAMV, riet der Journalistin Tina Klopp ( „Brigitte“ ), auf die Frage, wie man dem Kind die bevorstehende Entsorgung des Vaters am besten erkläre ( wörtlich ): „Dann lassen Sie den Vater doch einfach sterben!“

Eine so drastische Aussage habe ich natürlich überprüft. Sie stammt aus einem Text, der mittlerweile sieben Jahre alt ist und aus dem Jahr 2012 stammt. Das ist aufschlussreich: Sehr drastische, harte, viel zu weit gehende Äußerungen sind im Bereich des Kindschaftsrechts offenbar schon seit Jahren offen zugänglich, ohne dass sich allzuviele Menschen daran gestört hätten.

Der Kontext:  Tina Klopp schreibt für ein Dossier der Brigitte auf, welche Möglichkeiten es gibt, wenn eine Frau „Ein Kind ohne Mann kriegen“ (Untertitel) bekommen möchte. Sie geht die Möglichkeiten der anonymen ebenso wie der privaten Samenspende durch – etwa am Beispiel einer Frau, der die Freundin den Mann, so wörtlich, „sozusagen ausgeliehen“ hatte.

Es wäre natürlich interessant zu fragen, was denn wohl los wäre, wenn männliche Journalisten ganz offen und unschuldig darüber schreiben, dass ein Mann einem anderen die Frau „ausgeliehen“ hat. Hier aber würde es vom Thema ablenken.

 

Wie verhindere ich, durch kindliche Bedürfnisse gestört zu werden? Edith Schwab über tote Väter und kindliche Sehnsüchte

Dann redet Klopp mit Schwab, und diese Passage zitiere ich ohne Unterbrechungen.

Die Juristin ist zugleich Bundesvorsitzende des VAMV, dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter. Bei einem privaten Spender rät sie zum Vertrag: Ich fordere keinen Unterhalt, er keinen Umgang. „In Stein gemeißelt ist das aber nicht.“ Es sei ja noch das Kind im Spiel. Und das werde womöglich alles tun, um seinen Vater später ausfindig zu machen, darauf könne ich mich jetzt schon einmal so sicher einstellen wie aufs Windelnwechseln. Entweder also ich greife gleich auf eine anonyme Spende zurück – adios Johnny Depp aus dem Online-Shop. „Oder Sie denken sich eine richtig tolle Geschichte aus.“ Wie? „Na, am besten, Sie lassen den Vater einfach sterben.“ Sie meint das ernst. „Die Kinder entwickeln eine unheimliche Sehnsucht nach dem abwesenden Elternteil.

Ich halte den Hörer immer noch am Ohr. Sie hat schon lange aufgelegt. Mir rauscht der Kopf.

Irritierend ist hier vor allem, wie demonstrativ Edith Schwab – über viele Jahre hinweg eine der einflussreichsten Figuren in der deutschen Familienpolitik – das Wohl der Kinder völlig egal ist. Sie redet zwar über das enorme Bedürfnis der Kinder, den Vater ausfindig zu machen, und über die gigantische Sehnsucht nach dem fehlenden Elternteil.

Ich habe sogar einmal, ganz am Anfang dieses Blogs, über dieses existentielle Bedürfnis auch bei Spenderkindern geschrieben: „Habe ich überhaupt ein Recht zu existieren?“

Aber diese existentiellen, bis in das Erwachsenenalter vitalen Bedürfnisse der Kinder interessieren Schwab lediglich als mögliche Komplikationen bei der Durchsetzung mütterlicher Interessen.

Ein kleiner Einschub, weil Menschen, die sich für die Rechte von Vätern einsetzen, manchmal Frauenfeindschaft unterstellt wird: Ich habe kaum jemals bei einem Vater, und sei er noch so verzweifelt und wütend gewesen, ein so katastrophales Mütterbild erlebt wie das, was Schwab hier zeichnet. Wer sich für väterliche Rechte einsetzt, spricht sich fast immer für gemeinsame Rechte von Müttern und Vätern aus und nimmt daher sowohl Väter als auch Mütter grundsätzlich als Menschen wahr, die im Interesse ihrer Kinder zu erwachsenem Verhalten bereit und in der Lage sind.

Anders Schwab. Möglicherweise plaudert sie so offen, weil sie mit der Redakteurin einer Frauenzeitschrift spricht und das Gefühl hat, ungestört von nervigen Väter- und Kinderrechtlern unter Gleichgesinnten zu sein. Doch eigentlich müsste das Mütterbild, das sie hier unbekümmert skizziert, Frauen noch mehr schockieren als Männer – weil sie schließlich selbst damit gemeint sind.

Die existentiellen Bedürfnisse des Kindes bedeuten für die Lobbyistin der Mutterresidenz hier weiter nichts, als dass dabei mit einer großen, störenden Hartnäckigkeit des Kindes zu rechnen sein werde. Deshalb empfiehlt sie dann, das Kind doch gleich anzulügen und bezeichnet die fantasierte Tötung des Vaters dann auch noch als „tolle Geschichte“.

Es wäre müßig, zu spekulieren, inwieweit sich darin uneingestandene reale Tötungswünsche ausdrücken. Wichtig ist: Die völlig selbstverständliche Ver- oder Missachtung des Vaters ist natürlich auch eine Missachtung des Kindes.

Dabei ist Schwab durchaus in der Lage, die Gefühle der Kinder wahrzunehmen – für sie haben diese Gefühle hier lediglich überhaupt keine eigenständige Bedeutung. Mich hat die Passage an ein Interview mit einem jugendliche Mehrfachstraftäter erinnert, der gefragt wurde, warum er andere so heftig zusammengeschlagen habe. Seine Antwort: „Warum nicht? Das tut doch ihm weh und nicht mir.“

Schwab ist also durchaus empathiefähig, ihre Empathie bleibt aber ganz funktional. Wer funktional empathisch ist, nimmt die Gefühle, Bedürfnisse und Sehnsüchte anderer durchaus wahr, sie haben für ihn – oder sie – nur keinen eigenständigen Wert. Wichtig ist ihm an den Gefühlen anderer nur die Frage, inwieweit sie ihm selbst nützen oder Schwierigkeiten bereiten können.

In meinen eigenen Kommentar habe ich das, natürlich durchaus auch wütend, als „eine soziopathische Haltung“ bezeichnet. Schwab selbst kann ich natürlich nicht aus der Ferne analysieren, und ich kann auch nicht nachvollziehen, inwieweit die Darstellung durch Klopp akkurat ist. Aber die zitierten Aussagen lassen sich am Text bewerten. Auffällig ist dabei, neben der rein funktionalen Empathie, das vollständig fehlende Unrechtsbewusstsein.

Die Verachtung, die Schwab auch gegen Väter ganz selbstverständlich mitausdrückt, richtet sich immerhin gegen andere ERWACHSENE, die Möglichkeiten haben, auch furchtbare Erfahrungen irgendwie zu objektivieren, sie in den Kontext anderer und besserer Erfahrungen zu setzen.

Aber die völlig selbstverständlich formulierte Missachtung des kindlichen Erlebens, das Schwab allein auf den Vorteilswert für die eigenen Interessen abklopft, richtet sich gegen Menschen, die nicht die geringste Chance haben, sich gegen die Manöver Erwachsener zu wehren.

 

Von Verschmelzungswünschen und Bundesverdienstkreuzen

Dass das Unrechtsbewusstsein jeweils ganz fehlt, ist eine Gemeinsamkeit der zitierten Passage von Schwab mit dem anwaltlichen Text zur Verhinderung des Wechselmodells. Dort wurden Mütter von der Verantwortung selbst noch für extrem und offen kinderschädigendes Verhalten freigesprochen, weil sie ja schließlich durch eine Entscheidung des BGH dazu gezwungen worden wären.

Auch die zwischenzeitliche Veränderung des Textes wurde von der Kanzlei nicht etwa damit begründet, dass er völlig misslungen oder inhaltlich nicht haltbar wäre – sondern mit dem Hinweis, dass einige ihn missverstanden hätten. Jeweils liegt der Fokus der Verantwortung bei anderen.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Dass das Kind bei der Mutter, und bei der Mutter allein ist, ist bei Schwab wie bei der Kanzlei gleichsam ein Wert an sich. Die Frage, ob das denn so eigentlich gut ist, stellt sich schlicht nicht. Stattdessen wird sogar beliebiges anderes Verhalten dadurch legitimiert, ganz so, als ob die Mutter-Kind-Symbiose der archimedische Punkt wäre, von dem aus die ganze andere Welt aus den Angeln gehoben werden könne:

Schwab empfiehlt ungerührt, das Kind in einer der existenziellen Fragen seines Lebens anzulügen und ihm zu erklären, der noch lebende Vater wäre tot – einfach, weil die Mutter es dadurch einfacher habe. Bei der Kanzlei scheint es verständlich, dass die Mutter lügt, den Vater verleumdet, den Umgang sabotiert oder gezielt Konflikte schafft – wenn es denn nur der Verhinderung der Doppelresidenz diene.

So aber wird auch das fehlende Unrechtsbewusstsein ebenso wie die bloß funktionale Empathie erklärlich. Das Kind wird hier jeweils überhaupt nicht als eigenständiges Wesen wahrgenommen, das eigenständige Rechte und eigenständige Bedürfnisse und Sehnsüchte hat. Es ist hier imaginativ ganz Teil der Mutter. Wenn die Mutter etwas tut, was für sie selbst gut ist, kann sie das daher immer auch als Dienst am Kinde wahrnehmen: Dass der Begriff des Kindeswohls dann konsequent für die Durchsetzung eigener Interessen angeführt wird, ist aus dieser Perspektive ganz stimmig.

Die düstere Figur der Pieta steht auch für eine Verschmelzung mit der Mutter, in der das Kind weder als erwachsener Mensch noch eigenständig leben kann. An dieser Skulptur verschwindet der tote Sohn, den die Mutter sonst auf dem Schoß hält, sogar ganz in ihr.

Diese imaginäre Löschung der Differenz von Kind und Mutter kann natürlich als unendliche Harmonie erlebt werden – so dass dann alles, was die Harmonie stört, abgewehrt werden dürfe. Auch, und gerade, die Frage nach dem Vater.

Zugleich wird daran auch deutlich, wie ungeheuer wichtig es ist, dass ein Kind eine Beziehung zu beiden Eltern hat: Den möglichen und dann in jedem Fall hoch destruktiven Verschmelzungswünschen des einen Elternteils steht die bloße Präsenz des anderen Elternteils immer wirksam im Wege. Das wiederum erklärt auch schon die verbissene Wut, mit der viele Aktivistinnen für die Einzelresidenz kämpfen.

Auch ganz ohne Wut und ganz sachlich lässt sich solch eine Beziehung zu einem Kind jedoch sehr wohl als pathologisch beschreiben. In diesem Fall ist es zudem wichtig, dass die Pathologie politisch gefördert und produziert wird.

Organisationen wie Schwabs VAMV, die eine systematische Lobbyarbeit für die Einzelresidenz bestreiten, werden mit Millionenbeträgen aus öffentlichen Kassen gefördert. Lobbygruppen für die gemeinsame Sorge beider Eltern gehen nicht nur leer aus, sondern werden in Ministerien oder bei den familienpolitisch Zuständigen der Grünen oder der SPD nicht einmal zum Gespräch vorgelassen. Dies, obwohl Studien längst zeigen, dass die Doppelresidenz nach Trennungen  wesentlich günstiger für Kinder ist als die Einzelresidenz.

Als Schwab so offen empfahl, Kinder anzulügen und ihnen vom Tod des Vaters zu erzählen, war sie zudem schon einige Jahre lang Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, verliehen von ihrem Genossen Kurt Beck.

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26 Comments

  • Es ist schon erstaunlich, mit welcher kompromisslosen Verbissenheit einige Frauen und ihre politischen Vertreter ihre Interessen durchzusetzen versuchen. Dies steht im krassen Gegensatz zum Selbstbild der Frau als das „bessere Geschlecht“ und läßt Böses für ein ersehntes Matriarchat erahnen. Der Feminismus hat wohl eine soziopathische Komponente.

  • Zu Edith Schwab:

    http://de.dfuiz.net/wp-content/kap_3/3-4/Schwab-Antiverdienstkreuz-Button.jpg

    Das Bild wurde anlässlich der Verleihung des BVK an diese unsägliche Person gemacht, häufig guerillamäßig verteilt und zierte am Tag der Verleihung die Trefferliste zu dieser Person.

    Ich war da nicht ganz unbeteiligt dran und bei der Bildersuche nach dieser Feministin, wird diese Collage bis heute an erster Stelle gezeigt …

    So sorry, VAMv (Väter werden bei denen klein geschrieben!)

  • Pieta-Darstellungen stehen nicht für eine Mutter-Sohn-Beziehung „in der das Kind weder als erwachsener Mensch noch eigenständig leben kann“, sondern sie stehen dafür, dass ein Toter, symbolisch gesprochen, „zurück zur Mutter“ geht. Das soll sagen: Wer stirbt, geht in den Status der „Vorgeburt“ zurück. Die Erde, in die der Tote verscharrt wird, wird dabei gleichgesetzt mit dem Leib der Mutter. („Mutter Erde“). Ein Sterbender braucht also keine Angst haben: Er wird aufgenommen von der unendlich liebenden „Großen Mutter“ (siehe Mutterarchetyp nach Carl Jung), die im Christentum als Maria dargestellt wird.

    • Wenn dies, also der Tod, zum (unterschwelligen) Leitbild für Familienpolitik bei Alleinerziehendenverbänden wird, trägt das in der Tat pathologische Züge. Das hat aber mit der Figur bzw. der psychisch-mythologischen Idee dahinter, selber nichts zu tun.

      • @ Jonas Ja, das stimmt. Aber auch das mythologische Bild hat Aspekte, die – aus einer Außenperspektive – destruktiv erscheinen können.

        Die Rückkehr in die Muttererde ist eine zyklische Bewegung, so wie lange Zeit Geschichtsabläufe zyklisch dargestellt worden sind (Aufstieg – Höhepunkt – Abstieg). In der Moderne hingegen setzten sich dagegen Grundmuster durch, die eher einer aufsteigenden Linie ähneln: als Sinnbilder für Weiterentwicklungen.

        Während im Muster der Kreises jede Entwicklung nur scheinhaft ist, weil alles ohnehin wieder dorthin zurück muss, wo es herkommt, sind im modernen Verständnis Entwicklungen real, haben einen bleibenden Wert.

        Tatsächlich findet sich solch eine Gegenüberstellung in vielen Entwürfen, ein sehr berühmter ist der von Nietzsche, der in „Die Geburt der Tragödie…“ für das „Dionysische“ optiert – die tragische, aber auch rauschhaft gefeierte Rückkehr in den Urzustand. Verhasstes Gegenstück ist für Nietzsche nicht das „Apollinische“, sondern Sokrates, der für eine Rationalität steht, die Dauer beansprucht und die so die rauschhafte Rückkehr in den Urzustand blockiert.

        Es wäre philologisch sicher sehr interessant, das mit Walter Benjamin zu vergleichen, der auch über das Tragische („Ursprung des deutschen Trauerspiels“) geschrieben hat und der Sokrates völlig anders, nämlich als Heldenfigur wahrnimmt. Aber Benjamin hatte ja auch einen ganz anderen politischen Hintergrund als Nietzsche.

        Worauf ich hinaus will, ist einfach nur: Nur weil es ein etabliertes Bild ist, ist die Fantasie der Rückkehr in den Muttterschoß keine unschuldige Fantasie. Sie hat, aus der Perspektive der Möglichkeit realer Weiterentwicklungen, etwas eindeutig Regressives, und das kann sich politisch eben leicht mit reaktionären Ansätzen koppeln.

        Ich hatte hier einmal ein Beispiel dafür, nämlich bei der feministischen Klassikerin Andrea Dworkin. Die fantasiert vom Sexualakt der Mutter mit dem Kind, dem Sohn, nach dem der Sohn dann getötet wird und gleichsam ganz in der Mutter aufgeht. Nicht zufällig ein Muster, dass sich auch in der Mutterverehrung des Nationalsozialismus findet. https://man-tau.com/2013/02/13/dworkin-inzest-kindermord/

        Es passt aber eben auch – und das ist ja die Grundlage der Pieta – in eine christliche Tradition, in der das Opfer eines Menschen, des Sohnes, die Voraussetzung für die Erlösung ist. Auch das ist, natürlich, nicht harmlos und unschuldig, nur weil es der Tradition entspringt.

        Es ist auch ein radikaler Unterscheid des Christentums zum Judentum, auf dem das Christentum sonst ja fast vollständig aufbaut. Entsprechend gab es auch Kritik an der Pieta in der Neuen Wache, die an die „Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft“ erinnern soll – weil die Pieta Juden ausschließe und mit einem verlogenen Opferbegriff arbeite. https://www.deutschlandfunk.de/gedenkstaette-bronzeskulptur-fuer-die-kriegsopfer.871.de.html

        • Also das Welt- bzw. Geschichtsbild des Christentum ist nicht kreisförmig, sondern, -genau wie das Weltbild rationalistischer moderner Utopie – teleologisch (zielgerichtet). Die Welt steuert auf die Erlösung zu, die eintritt, weil Jesus den Märtyrertod (NICHT den Kindstod) stirbt.
          Dass der Sohn für das Heil der Welt geopfert wird, ist in der Tat „nicht harmlos und unschuldig“. Aber warum sollte eine Religion harmlose Ideen vermitteln in einer Welt die nunmal keineswegs harmlos ist? Sie soll doch wahre Ideen vermitteln. Was passiert, wenn Kirchen stattdessen nur „harmlose“ Ideen in die Welt setzen, zeigt sich beim derzeitigen rasanten Kirchenschwund. Und dass es in der Welt eines gewissen Martyriums bzw. Heldentums bedarf, ist nun mal so und die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Wenn dieses Martyrium – und sei es nur im übertragenen Sinne – zum höchsten (männlichen) Ideal erklärt wird („Christus ist Gott“, „Wer im Kampf fällt, kommt direkt nach Walhall oder ins Paradies“ etc..), ist dies die wahrhaft menschenfreundlichste Deutung dieses tragischen Schicksals. Es gibt nun einmal nichts ehrenhafteres als den Tod (bzw. im übertragenen Sinne: die Aufopferung) für das Gute (vulgo: „Gott“). Wie dieser Grundgedanke von Kirchen, Staaten, Ideologien interpretiert bzw. instrumentalisiert wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.
          Die Aussage der Pietà ist außerdem nicht: „Pfeiff auf die Welt, versuch nicht, dich oder die Welt weiter zu entwickeln, sondern krauch einfach zurück in deine Mutter“, sondern die Aussage ist: „Wer eine Herausforderung annimmt (und wie Jesus die Bürde der Welt auf sich nimmt) und dabei dann zu Fall kommt, der wird von der Großen Mutter aufgefangen.“ Mit der Ideologie von Dworkin oder moralisch-korrupten Mütterverbänden (die man durchaus als „inzestuös“ bezeichnen kann) hat das, meiner Einschätzung nach, nichts zu tun. Diese stehen eher für die „gefräßige Mutter“, dem bösartigen Aspekts des Mutterarchetyps nach C. Jung.

          Marienverehrung gehört meiner Meinung nach übrigens zu den schönsten Aspekten des (katholischen und orthodoxen) Christentums. Marias Selbstlosigkeit spendet Trost (das „Auffangen“ und „Beweinen“ und zwar nicht nur beim Tod) und Hoffnung („Neugeburt“) gleichzeitig. Beides sind urweibliche gute Tugenden, die zum Leben dazugehören müssen.

          hier ein schöner griechisch-orthodoxer Marienhymnus. Die Untertitel sind leider völliger Käse, aber man findet den übersetzten Text leicht im Internet, weil das Lied sehr populär in den Ostkirchen ist:
          https://www.youtube.com/watch?v=IomxvOTf-So

          Was Nietzsche angeht: Habe Nietzsche bisher noch nicht gelesen, aber so weit ich seine Philosophie trotzdem einschätzen kann, habe ich das Gefühl, dass du Nietzsches Idee des Dionysos falsch einordnest. Ich dachte immer, seine Kritik an der Moderne wäre die, dass sie einseitig von Apollon dominiert wird, der den Dionysos wieder als Gegengewicht braucht. Dionysos ist ein (betont männlicher) Fruchtbarkeitsgott, der sich nimmt was ihm gefällt und das Leben genießt (die radikale Lebensbejahung, die auch Nietzsches Grundidee ist). Ein „zurück zur Mutter“ kenne ich von Nietzsche hingegen nicht. Er will höchstens insofern „zum Urzustand zurück“, als dass er bürgerliche Moral hinterfragt (überspitzt: „Moral ist Feigheit“, zitiert nach JB Peterson) und der (männlichen) Seele (dem Übermenschen, also im Prinzip dem Gott auf Erden) wieder Geltung verschaffen will, wobei Nietzsche den Geschlechteraspekt wahrscheinlich nicht extra behandelt hat, weil das im 19. Jahrhundert noch nicht nötig war. Aber ich habe wie gesagt Nietzsche nicht studiert. Experten bitte vor.

          Zum Nationalsozialismus: Eigentlich ist es ein guter Aspekt des Nationalsozialismus, dass Heldentum und Mutterschaft verherrlicht wurden, doch diese Ideen bzw. Archetypen wurden in äußerst grober Weise missbraucht bzw. bis zur Unkenntlichkeit entstellt: Der Heldenmythos der Nazis war Heuchelei und reines Instrument der militärischen und industriellen Ausbeutung (Denn Sinn und Zweck des Helden ist ja eigentlich, dass er sich eben nicht dem Zwang beugt). Genauso widersinnig und falsch ist die NS-Verehrung der Mutter. Die Mutter verkommt im NS zur verstaatlichten Gebärmaschine, deren „Erziehungsarbeit“ durch NS-Frauenorganisationen kontrolliert und manipuliert werden sollte (um sie darauf vorzubereiten, dass sie ihren Sohn verlieren wird). Eine mögliche Verherrlichung der Mutterliebe (die ich in dieser Epoche aber auch nicht überbewerten würde) bekommt dadurch einen entscheidenden Dämpfer. Zum anderen wird die Rolle des Vaters im NS komplett negiert. Der Vater wurde (durchaus zu Recht) als ärgster Konkurrent zum totalitären Staat angesehen, der insofern zu einer Art Stiefvater („Vater Staat“) mutierte. Das ist das staatsverherrlichende preußische Erbe, das sich bis heute z.B. in Schulpflicht und Wehrpflicht bzw. allgemein in der Bürokratie und Technokratie wiederfindet. Auch feministische und mütterlobbyistische Väterverachtung hat hier eine gewisse Überschneidung mit Nationalsozialismus und Preußentum. Als inzestuös würde ich die NS-Vorstellung der Mutter-Sohn-Beziehung aber trotzdem eher nicht bezeichnen, denn der Sohn gehörte ja nicht der Mutter, sondern ganz klar dem väterlichen Staat, der den Jungen nur „gnädigerweise“ für die ersten Jahre noch bei Mutti „ausgelagert“ sein ließ, bevor es dann ab in die HJ zur Umerziehung ging. Vater Staat muss der Mutter also notwendigerweise das Kind aus den Armen reißen. Deine Interpretation des Nationalsozialismus als Mutterkult geht daher zu weit und Dein Hauptartikel zu diesem Thema, „Die unmodernen Wurzeln einer modernen Geschlechterpolitik“, enthält zwar viele aufschlussreiche Gedanken, kann mich aber an dieser entscheidenden Stelle nicht überzeugen. Die NS-Verherrlichung der Mutter war – wie beim Heldenkult – nur ein billiges Propagandainstrument für das genaue Gegenteil.

  • „Ich habe kaum jemals bei einem Vater, und sei er noch so verzweifelt und wütend gewesen, ein so katastrophales Mütterbild erlebt wie das, was Schwab hier zeichnet.“

    Wie bitte?!
    Wo haben Sie denn recherchiert, bzw eben nicht richtig recherchiert?

    Ich bezweifle nicht, dass ihre Kritik an der Aussage der RA berechtigt ist.
    Aber um eine realistische Darstellung müssten Sie schon mal die Fakten, alle Fakten, bemühen. Journalistisch genau, das ist doch ihr Beruf.

    Es gibt in dem Bereich kaum eine stärkere, vernetztere, lautere und größere Lobby als die jahrzehntelang aggressiv agierende Pro-Väter-Lobby, die mit ihren teils frauenfeindlichen, rückschrittlichen und faktisch falschen, manipulativen Aussagen um offensichtlich nur „ihre Rechte“ kämpfen, dabei Mütter schlecht machen und die wahren Bedürfnisse („Rechte“) der Kinder ignorieren.

    Bitte sachliche statt einseitige Darstellung der Tatsachen, wenn schon. Danke!

    • Habe Sie mal ein Beispiel, wo diese Lobby, von der es i.M.n. kaum eine größere gibt, mit ihren falschen und manipulativen Aussagen irgendwas bewirkt hat? Und was sind das für manipulative Aussagen?

    • Da schließe ich mich Matze mal an. Das müßtest Du schon belegen. @Katharina.
      Schoppe ist genau so viel oder wenig Juornalist, wie Du selbst, also bitte, wo sind die Rechercheergebnisse. Wo finden wir diese „größte und frauenfeindliche, an Kindern nicht interessierteVäterlobby“? Ich bin jetzt seit 2008 in der Eltern-u. Kinderrrechtsszene unterwegs und habe derartige Gruppierungen bis heute nicht entdeckt.
      Der Einzige, der in dem Artikel mit einem Fehler glänzt, bin ich, denn das Zitat aus dem Klopp-Artikel war doch nicht so ganz wörtlich, wie ich mich zu erinnern meinte, wiewohl der Kerninhalt aber immer noch exakt stimmt. Und den Fehler hat @Lucas ja stillschweigend korrigiert ( meinen Dank dafür! ).

      • @ Fiete Da nich für! Danke für den Hinweis auf die Textstelle, die kannte ich nicht und hat mich vom Hocker gehauen.

    • Oh, ich und viele andere hier sind in dieser bösen Väterlobby.
      Ich habe jahrelang Väter beraten, und da kommen schon mal echt böse Worte hoch. Doch nach ein zwei Treffen wird da ein P vorgeschoben. Die meisten Vätervereine beraten auch Mütter, die den Kürzeren gezogen haben und sind auf AUSGLEICH und VERMITTLUNG aus!

      Wo sind Ihre Recherchen?

      Der Verein Mutterlobby z. B. erhielt sofort Geld vom Senat Berlin und ist in seinem Auftreten so aggressiv, das es Kracht. Es gibt Gerichtsurteile, in denen ein Berliner Mütterverein als Tathelfer vermutet wird etc. pp.

      Vätervereine ziehen hingegen bis Strassburg und erhalten nur das Minimum…

    • Hallo Katharina,

      ich habe eine Frage an dich.

      Stell dir vor, wir würden in einem Patriarchat leben – also eine Gesellschaft, in welcher Väter die Macht hätten. Wo somit Väter 95% der Alleinerziehenden stellen, und zwar weil sie es so wollen, weil sie die Kinder für sich wollen und die Mutter ausgrenzen. Wo Vätervereine mit Millionenbeträgen gefördert werden. Wo Väter, die Anleitungen geben, wie man die Mutter aus dem Leben ihrer Kinder auslöschen kann, mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden.

      Wo das dann kritisiert wird und daraufhin jemand um die Ecke kommt und sagt:

      „Es gibt in dem Bereich kaum eine stärkere, vernetztere, lautere und größere Lobby als die jahrzehntelang aggressiv agierende Pro-Mütter-Lobby, die mit ihren teils männerfeindlichen, rückschrittlichen und faktisch falschen, manipulativen Aussagen um offensichtlich nur „ihre Rechte“ kämpfen, dabei Väter schlecht machen und die wahren Bedürfnisse („Rechte“) der Kinder ignorieren. „

      Die Frage:

      Was würdest Du von so einem Menschen halten?

  • „In meinen eigenen Kommentar habe ich das, natürlich durchaus auch wütend, als „eine soziopathische Haltung“ bezeichnet.“

    Was heißt hier „wütend“?
    Alles was du beschreibst deutet darauf hin, das es sich bei ihr um eine maligne Narzisstin handelt:

    „Der maligne Narzissmus ist eine Steigerung des Narzissmus hin zum Bösartigen und Gemeinen. Er kann als die Kombination einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, antisozialen Verhaltens mit hohem Aggressionspotenzial und einer Neigungen zur Paranoia gesehen werden. Solche Menschen beanspruchen die Herrschaft innerhalb einer Gemeinschaft für sich allein und nehmen keinerlei Rücksicht auf die Belange anderer Menschen. Der Bezug zur Realität ist völlig verloren gegangen und nicht selten werden terrorisierende Mittel eingesetzt, um das eigene Begehren durchzusetzen.“

    Im Einzelnen:

    „1. Entwicklung eines nicht der Realität angemessenen Größenselbst bis zum vollständigen Realitätsverlust
    2. Herrschaftsanspruch innerhalb einer Gruppe ohne jegliches Verantwortungsgefühl und Gewissen sich selbst und anderen gegenüber.
    3. Einsatz von Lügen und Intrigen ohne Schuld- und Schamgefühle. Der Narzisst täuscht, um sich Zuwendung, Anerkennung und Geltung zu sichern oder seinen Willen durchzusetzen.
    4. Bei Stress und in gespannter Atmosphäre reagiert der Narzisst ungeduldig und aggressiv.
    5. Er neigt zu einer primitiven Machtausübung, sieht nur den eigenen Vorteil, humanitäres Denken findet keine Anwendung.
    6. Er ist unbarmherzig, rücksichtslos, ausbeuterisch, sadistisch und sprunghaft.
    7. Er sucht zwanghaft nach Macht und Reichtum, drängt nach Erfolg und persönlicher Erhöhung.
    8. Er zeigt einen ausgeprägten Neid, der zu einer ständigen Entwertung und Entwürdigung anderer führt. Andere Menschen in seinem Umfeld werden ständig gedemütigt und unterdrückt.
    9. Manchmal ist er in der Lage, moralische Bedenken zu entwickeln, wenn er sich davon einen Vorteil erhofft.
    10. Weil er das Auftreten noch großartigerer Personen fürchtet, die ihn von seinem Thron verdrängen könnten, ist er extrem misstrauisch und sieht seine Mitmenschen überwiegend als unwillige, bösartige und hinterhältige Wesen.
    11. Für ihn gelten nur die eigenen Regeln. Er schert sich nicht um das Gesetz oder die allgemeinen Sitten. Für ihn gilt das Recht des Stärkeren und Mächtigeren, weshalb er auch nicht vor Gewalttätigkeiten zurückschreckt.“

    Das Problem ist, diese Frauen bekommen Bundesverdienstkreuze und werden in Anwaltskanzleien beschäftigt. Unter den gegenwärtigen Bedingungen werden sie belohnt und nicht sanktioniert.
    Das ist das Problem.

    Quelle: https://umgang-mit-narzissten.de/maligner-narzissmus/

    • @ crumar Das lässt sich an vielen Texten und Aussagen durchspielen: Was passiert eigentlich, wenn man solche Texte und Aussagen nicht als zugespitzte Provokationen oder als verzweifelte gegenwehr Hilfloser liest, sondern sie einfach ganz ernst nimmt? Und wenn man zudem realisiert, dass sie trotz aller widerständigen Rhetorik keineswegs aus einer ohmächtigen Position, sondern aus einer Machtposition kommen?

      Es wäre schon zwanghaft, dann nicht auf die Idee zu kommen, pathologische Muster zur Erklärung heranzuziehen. Nun gibt es aber natürlich in jeder hinreichend großen Gruppe natürlich auch Menschen, die pathologisch agieren. Was mich interessiert, ist: Warum werden ausgerechnet pathologische Muster politisch gefördert?

      Was im Kindschaftsrecht passiert, ist so verrückt, dass ich laufend mit menschen zu tun habe, die mir entgeistert sagen: „Das hab ich nicht gewusst.“ Die Zustände des Kindschaftsrechts und seiner Institutionen sind auch deswegen nicht allgemein bekannt, weil die meisten Menschen stillschweigend davon ausgehen, dass unser Staat trotz aller Fehler im Großen und Ganzen vernünftig und fair funktioniert.

      Welchen Sinn hat es also, hier politische Strukturen einzuziehen, die – wenn man sie psychologisch beschreibt – einen eindeutig pathologischen Charakter haben?

      • @Lucas

        „Was mich interessiert, ist: Warum werden ausgerechnet pathologische Muster politisch gefördert?“

        Eine gute Frage.
        Man könnte vermuten, dass mit Durchmischung von Feminismus und Narzissmus die politische Förderung des Feminismus auch dessen Narzissmus mit fördert.

        Am Beispiel des nicht existierenden GPG: obwohl die 21% seit mehr als einem Jahrzehnt bekanntermaßen als falsch gelten, wird propagandistisch diese Zahl jedes Jahr wieder verwendet.

        Es kann in D ausgeschlossen werden, der Sachverhalt wäre nicht bekannt, somit sollten wir endlich statt vom „Mythos“ des GPG übergehen zu dem, um was es sich m.E. wirklich handelt, nämlich um eine (Propaganda-) Lüge.

        Aus der obigen Liste: „Einsatz von Lügen und Intrigen ohne Schuld- und Schamgefühle. Der Narzisst täuscht, um sich Zuwendung, Anerkennung und Geltung zu sichern oder seinen Willen durchzusetzen.“

        Wobei „Scham“ nur fünf Minuten funktioniert, weil und insofern sie bei einer besonders dreisten Lüge ertappt worden sind.
        Ein Eingeständnis der Schuld und Verantwortung für deren politische Konsequenzen gibt es aber nicht.

        Das „lügen für die gute Sache“ trifft es hier ebenfalls nicht; Kautsky hat eingeräumt, auch sie hätten für diese Sache lügen müssen, was aber beweist, er war sich der Fragwürdigkeit des Verhaltens und einer unethischen Handlungsweise bewusst.

        Was hier eher um sich greift ist, dass der Zweck die Mittel heiligt, weil die gute Sache deshalb gut ist, weil man selber zu den GUTEN gehört.
        Hilfreich auch, wenn man die Existenz einer objektiven Wahrheit bezweifelt und „Wahrheit“ ganz vom (subjektiven) Standpunkt des Individuums abhängt.

        „Weil die meisten Menschen stillschweigend davon ausgehen, dass unser Staat trotz aller Fehler im Großen und Ganzen vernünftig und fair funktioniert.“

        Hmmmmm.
        Erinnern wir uns an die Debatte um das Buch von Sarrazin 2010 und sein Interview in Lettre International „Ich muß niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“

        Ein Skandal!

        Ein anderer – früherer – Skandal wurde nicht einmal als Skandal thematisiert. Hier aus dem Blog-Beitrag eines Bloggers, dessen Name ich erst am Schluss nennen werde:

        „2005 wurde „entdeckt“, dass Deutschland ausstirbt. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, wurde in einer breiten Debatte konstatiert, dass „in Deutschland die falschen die Kinder bekommen“ (FDP-Bundestagsabgeordneter Daniel Bahr aus Münster). Tatsächlich ging die Debatte los, bevor es irgendwelche demografischen Zahlen gab. Erfindungsreichtum war angesagt: So interpretierte man eine Akademikerinnen-Kinderlosigkeit von 40% in die als Rohkost unverdaulichen Daten hinein und mit dieser Zahl wurde dann Politik gemacht, genauer gesagt: „nachhaltige Familienpolitik“, zu der in erster Linie die Umstellung des Erziehungsgeldes auf das Elterngeld zählt.“

        Man konnte nicht nur sagen, dass „die Falschen“ die Kinder bekommen, sondern auch gleich artikulieren, wer „die Richtigen“ wären, nämlich Akademikerinnen.

        „Schon Renate Schmidt (SPD) sah nämlich hier auch ein demografisches Bildungsproblem: „Zur Zeit bekommen gerade die Paare wenig oder keine Kinder, die traditionell Wert auf Bildung legen. Wen wundert es deshalb, wenn die Zahl der Studierenden immer weiter zurückgeht.“ (Renate Schmidt, in „Vorwärts“, 2001) und „Kinderreichtum bei den Benachteiligten, Kinderarmut bei der restlichen Bevölkerung hat gravierende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bevölkerung“ Renate Schmidt: Familienpolitik für das 21. Jahrhundert, 2001, S.127
        Renate Schmidt lehnte als zukünftige Familienministerin (2002 bis 2005) in ihrem Konzeptpapier „Familienpolitik für das 21. Jahrhundert“ ein monatliches Familiengeld von 1200 DM (Vorschlag von CDU/CSU) ab mit der Begründung, dass dies für mittlere und höhere Einkommen kein Anreiz sei, mehr Kinder zu bekommen. Sie sieht sich als die eigentliche Architektin des Elterngeldes.“

        Nun ist erstens die Idee, mittleren und höheren Einkommen einen Anreiz zu liefern Kinder zu bekommen aber damit verbunden, eine Gruppe von Bedürftigen zu konstruieren, die sozial gar nicht bedürftig ist.

        Man könnte zweitens mit dem Verfasser des Beitrags von einer „sozialeugenischen Debatte (sprechen), die quer durch alle etablierten Medien geführt wurde“.
        Der Verfasser heißt übrigens Andreas Kemper. 😉
        http://dishwasher.blogsport.de/2010/01/15/elterngeld-eine-sozialeugenische-massnahme/

        Denn dass drittens „gravierende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bevölkerung“ dann eintreten, wenn Benachteiligte mehr Kinder bekommen, kann doch nur heißen, dass implizit unterstellt wird, Benachteiligte produzieren Benachteiligte.

        Womit m.E. klar wird, warum man Sarrazin nicht aus der SPD herauswerfen konnte, er hat nur auf die Spitze getrieben, was bereits vorher „angedacht“ worden war.
        Bezeichnend auch, dass sich diesem ideologischen Muster niemand in den Weg stellte, weil es sich ja um Klientelismus/Nepotismus für die Guten handelt, also um Frauen.

        Es spricht also viel dagegen, dass Politik und Staat „vernünftig und fair funktioniert“. Dafür müssen wir leider erst wieder sorgen.
        Wer sonst? 🙂

        • Denn dass drittens „gravierende Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bevölkerung“ dann eintreten, wenn Benachteiligte mehr Kinder bekommen, kann doch nur heißen, dass implizit unterstellt wird, Benachteiligte produzieren Benachteiligte.

          Tatsächlich ist das so. Allerdings würde man von Sozialdemokraten erwarten, dass sie sich über die Gründe dieses Phänomens einige Gedanken machen und prinzipiell davon ausgehen, dass sich derlei Ungleichgewichte durch eine Sozialpolitik zumindest teilweise beheben lassen. Irgendwann sind die Spezialdemokraten völlig entgleist. Kemper ist übrigens ein gutes Beispiel für die Tragödie der SPD und der Linken ganz allgemein. Wenn er sich über Klassismus äussert und den feministischen Blödsinn ausklammert, dann klingt er ganz vernünftig.

          • Ja, das Konzept „sozialer Aufstieg durch Bildung“ ist ein sozialdemokratische Erfindung und Errungenschaft.

            Allein in meinem unmittelbaren Freundes- und Bekanntenkreis sind viele über den „zweiten Bildungsweg“ zum Abitur und zum Studium gekommen; oftmals als erste in ihrer ganzen Familie.

            Wie kommt man in historisch kurzer Zeit zu einem so umfassenden Wechsel der Sicht auf „die Benachteiligten“?
            Zumal solche Biografien in der SPD nicht gerade selten waren und sind.
            Sicher, Opportunismus ist eine Erklärung.
            Aber wie schafft man es, wenn man wie Gerhard Schröder aus einer Familie stammte, die auf Sozialhilfe angewiesen war, die katastrophalen Hartz4-Gesetze zu verabschieden?
            Da habe ich noch immer Probleme beim Verstehen.

            Durch Kemper ist mir erst die Rolle des bürgerlichen Feminismus bei der Durchsetzung solcher Sichtweisen klar geworden.
            Sie gelten als unverdächtig, weil sie als per se „fortschrittlich“ gelten und für sich in Anspruch nehmen, für die wahrhaft Benachteiligten zu kämpfen.
            Es hilft, wenn man per Geschlecht zu den „Verdammten dieser Erde“ selber gehört /sarcasm off.

            Ich kann nicht einschätzen, ob hier der feministische Komparativ Mitleid -> Selbstmitleid am Werk war, aber wenn ein objektiv privilegierte Gruppe, nämlich weibliche Akademikerinnen, sich selbst als benachteiligt wahrnimmt, dann kann man eine verzerrte Sicht auf die Realität wohl voraussetzen.

            Hier hätten sich in der weiteren Linken Stimmen melden müssen, die genau das kritisieren.
            Vor allem, wenn fragwürdige biologistische Konzepte durchscheinen, die den Ansatz zur Selbstbedienung begründen.

            Dass die eigenen Kinder für die Gesellschaft besonders wertvoll sind, hätte sich ein Mann in dieser Linken nie getraut zu sagen #aufschrei – es ist aber faktisch so gemeint.

            Es handelt sich m.E. um einen „Tabubruch“, der aber gar nicht als solcher erkannt wurde.
            Ebenso, wenn mit dem „alten weißen Mann“ Sexismus und Rassismus wieder legitimiert werden.
            Sie haben in meinen Augen die Funktion eines trojanischen Pferdes – sie schmuggeln Theorien ins linke Lager, die sich (historisch) längst diskreditiert haben.
            Und sind zugleich sakrosankt gegenüber Kritik.

        • @crumar:

          Am Beispiel des nicht existierenden GPG: obwohl die 21% seit mehr als einem Jahrzehnt bekanntermaßen als falsch gelten, wird propagandistisch diese Zahl jedes Jahr wieder verwendet.

          Es kann in D ausgeschlossen werden, der Sachverhalt wäre nicht bekannt, somit sollten wir endlich statt vom „Mythos“ des GPG übergehen zu dem, um was es sich m.E. wirklich handelt, nämlich um eine (Propaganda-) Lüge.

          Ich finde es immer ein bisschen schwierig wenn man beim GPG von Lüge etc. spricht. Dein Ärger ist verständlich, aber es hilft m.M.n. nicht auf die fehlerhafte Darstellung des GPG mit einer ebenso fehlerhaften Behauptung gegenzuhalten. Denn dass Frauen im Schnitt 2x% weniger verdienen ist ja eine Fakt, und als solcher ebenso richtig wie die Tatsache dass Männer im Schnitt ca 4 Jahre früher sterben.
          Woran es sich spießt ist nicht die Tatsache selbst, sondern deren Interpretation. Die feministisch abgesegnete (und damit weithin einzig anerkannte) Interpretation lautet: Frau verdient weniger, weil Diskriminierung“. Und diese Interpretation ist, da bin ich ganz bei dir, Propaganda der schlechteren Sorte.

          Ich träume ja von einer Welt, in der die Reaktion auf den GPG ein gelangweiltes „Wie, nur 2x% weniger Verdienst? Dafür, dass Frauen im Schnitt ca 3x% weniger arbeiten als Männer und sich erfolgreich von allen gut bezahlten Jobs (gefährlich und technisch anspruchsvoll) fernhalten, hätte ich eine größere Lücke erwartet…“ 🙂

          • @pingpong

            „Dein Ärger ist verständlich, aber es hilft m.M.n. nicht auf die fehlerhafte Darstellung des GPG mit einer ebenso fehlerhaften Behauptung gegenzuhalten.“

            Prinzipiell: wenn in der Berechnung bspw. bewusst der öffentliche Dienst ausgelassen wird, damit sich die Differenzen „ein wenig“ nach oben verschieben, dann handelt es sich nicht nur um einen Fehler in der Darstellung.
            Die ganze Systematik stinkt zum Himmel, zumal sie EU-weit so verwendet wird und deren notwendig falsche Ergebnisse medial falsch dargestellt werden.
            Um so größer der ÖD und desto höher der Frauenanteil, besonders in gehobenen Dienst, desto schiefer wird das Zahlenwerk.
            Niemand hat die Absicht…

            Was mich außerdem wurmt ist, dass der Anteil von ungelernten Arbeitskräften bei Frauen über 11% ist (damit knapp doppelt so hoch wie bei Männern) und die lieben „Schwestern“ gerne schwadronieren, von einer Qualifizierungsoffensive aber nicht.
            Jenseits der Tatsache, dass den bürgerlichen Froilleins die Proletarierin selbstverständlich am Allerwertesten vorbei geht, haben diese außerdem den Vorteil, den Schnitt nach unten zu ziehen.
            Und das macht es so praktisch, wenn man vom „Durchschnittsverdienst“ redet.
            Zwinker, zwinker.
            Warum sollten sie also etwas ändern wollen?
            Was mich anpisst, ist das zynische Kalkül.

            „Denn dass Frauen im Schnitt 2x% weniger verdienen ist ja eine Fakt, und als solcher ebenso richtig wie die Tatsache dass Männer im Schnitt ca 4 Jahre früher sterben.“

            In den Berechnungen werden arbeitsplatzbezogene Merkmale, wie Zuschläge für Schicht-, Wochenend-, Feiertags- und Nachtarbeit nicht mit erfasst.
            Ob diese irgendetwas damit zu tun haben werden, dass Männer früher sterben???
            Haben etwa die VERHÄLTNISSE etwas damit zu tun???
            Gar nicht auszudenken…

            „Ich träume ja von einer Welt,“ in der das bisher im Kapitalismus gehätschelte Geschlecht ein paar bittere Pillen schlucken muss.
            Mein Schlachtruf: „Feminismus in die Produktion!“ 🙂

  • @ Katharina „Bitte sachliche statt einseitige Darstellung der Tatsachen, wenn schon. Danke!“
    Denn merke, wer Männerhetze, Ungerechtigkeiten und institutionalisierte Brachialchauvinismen öffentlich macht (von der feminisierten Medienlandschaft ist in dieser Richtung wohl kaum etwas zu erwarten) , ist automatisch frauenfeindlich, reaktionär und einseitig.

    So einfach ist das .

  • Die Mutterlobby e. V., die ja auch schon mal Thema war, die jeden Vater der die Rolle auch Leben möchte als Narzisten beschreibt, selbst aber den Eindruck von Narzissmus erweckt, wurde sofort mit Geldern vom Land Berlin gefördert. Das Geld kam, soweit ich mich erinnern kann aus dem Ausschuss gegen familiäre Gewalt… Ich wette das dieser Verein auch in einem Urteil als Fluchthelfer gemeint ist, der mal bei Arne auftauchte…

    Aber Väter agieren aggressiv und Frauenverachtend… YEAH!

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