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Unschuldsgier und Mordlust

geschrieben von: Lucas Schoppe

Wie sich die Klimadebatte in Klischees festläuft – und dabei auf Gewalt zusteuert

  1. Eine sechzehnjährige Schwedin und die Gewalt Erwachsener
  2. Von der seltsamen und modischen Begeisterung für die Diktatur
  3. Holocaust und Klimawandel
  4. Vom klimafreundlichen Aufknüpfen der alten weißen Männer
  5. In der Sackgasse ein Vorbild für die Welt?

Greta Thunberg ist als Sechzehnjährige nicht nur zu einer weltweit bewunderten Ikone, sondern auch zur Projektionsfläche der Gewaltphantasien Erwachsener geworden. Das ist auch das Resultat einer Klimadebatte, die sich in Klischees festläuft – in Klischees über Jugend und Alter und in Klischees über die Geschlechter.

 

Eine sechzehnjährige Schwedin und die Gewalt Erwachsener

Hass auf Greta Thunberg? Dass die Sechzehnjährige manchen Menschen auf die Nerven geht, konnte ich mir vorstellen und ist von ihr ja auch durchaus beabsichtigt. Dass es kritisiert wird, wie hier Erwachsene ihre eigene Verantwortung auf Minderjährige abschieben, verstehe ich nicht nur – ich teile die Kritik auch. 

Die dumpfe Mordlust aber, mit der ihr in der Facebook-Gruppe „Fridays for Hubraum“ begegnet wurde, hätte ich mir nicht vorstellen können.

Kurz darauf nahmen die Betreiber selbst die Gruppe vorerst offline, weil sie die dort geäußerten Reaktionen nicht kontrollieren konnten.  „Fridays for Hubraum” war innerhalb weniger Tage auf über 400.000 Mitglieder gewachsen und damit deutlich größer als deutsche „Fridays for Future“-Gruppen.

Was läuft schief in einem Diskurs, in dem Erwachsene im Netz zusammenkommen, um einer sechzehnjährigen Schwedin den Tod zu wünschen?

Natürlich können wir leicht vorrechnen, dass in jeder hinreichend großen Gruppe statistisch auch Verrückte und Sadisten zu erwarten sind – und dass die sich  in einer Gruppe, die innerhalb von drei Tagen so unüberschaubar wächst, besonders leicht in den Vordergrund spielen können, weil sie rücksichtsloser und martialischer agieren als andere.

Damit erledigt sich aber nicht die Frage, wie erwachsene Menschen überhaupt reihenweise auf die Idee kommen, öffentlich Mordwünsche gegen eine Sechzehnjährige zu äußern und sich darin gegenseitig aufzustacheln. Psychologisch lässt sich das durchaus als Verdrängung eigener Todesängste erklären – diese Erklärung hat allerdings den Nachteil, dass sie die Debatte sauber in Sehende und Blinde, Gutwillige und Verleugner aufteilt und selbst den Blick verliert für die Begrenzungen der Guten.

Dass Greta Thunberg auch aus der anderen politischen Richtung mit Gewaltphantasien verknüpft wird, macht die Situation allerdings nicht besser:

Greta als neuzeitliche Jungfrau Jeanne d’Arc mit der Axt, um sie herum abgeschlagene Köpfe, zum Beispiel der von Trump: Ob nun als Opfer oder als Täterin, die Jugendliche ist Projektionsfläche der Gewaltphantasien Erwachsener. Wie ist so etwas möglich?

 

Von der seltsamen und modischen Begeisterung für die Diktatur

Ein Grund ist sicherlich die Unbedingtheit, mit der sie ihre Forderungen vorträgt. Längst schon berühmt ist zum Beispiel ihr Appell an das World Economic Forum in Davos. 

Ich möchte, dass Ihr in Panik geratet, ich möchte, dass Ihr die Angst verspürt, die ich jeden Tag verspüre. Und dann möchte ich, dass ihr handelt, als ob ihr euch in einer Krise befindet. Ich will, dass ihr handelt, als ob das Haus in Flammen steht – denn das tut es.

Diese Unbedingtheit hat auch ausgesprochen positive Seiten. In vielen Bereichen pflegt die Bundesregierung seit Jahren eine Als-Ob-Politik, die zwar politisch wenig erreicht, aber Menschen ruhig stellt. Gegenüber dem Rigorismus von Fridays for Future ist sie dank ihrem desinteressierten Klimapaket damit endlich einmal aufgelaufen.

Allerdings ist dieser Rigorismus natürlich auch provozierend – für die Menschen, die attackiert werden, und für die, die mitattackieren wollen. Das Bild vom house on fire stellt denn auch schon klar, worin sich dieser Rigorismus begründet: Wenn unser Haus, die ganze Erde, akut von der totalen Zerstörung bedroht ist, dann ist eine abwägende Politik verantwortungslos, und jedes Mittel ist legitim, das zur Abwendung des Schrecklichsten angewendet werden muss.

Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens, und alles, worüber ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer anhaltenden wirtschaftlichen Wachstum,

hat Greta Thunberg in der wütenden Rede vor der UN erklärt, in der sie phasenweise wirkte, als stünde sie kurz vor einem psychischen Zusammenbruch.

Der WDR-Wirtschaftsredakteur Ulrich Ueckerseifer erklärt im Interview, welche realen Folgen es hätte, Thunbergs implizite Forderung nach einem Ende wirtschaftlichen Wachstums zu erfüllen.

Salopp gesagt: ein bisschen wie China, aber ökologisch. Es müsste sehr starke Vorgaben geben, man würde sehr starke Grenzen setzen, man dürfte keine Umweltverschmutzung mehr produzieren. Dann wird es aber viele Güter nicht mehr geben. […] Das setzt eine hohe Verzichtbereitschaft der Bevölkerung voraus.

In den betonierten Fronten der politischen Diskussionen wurde Ueckerseifer natürlich sogleich vorgeworfen, hier würde ein WDR-Redakteur einer Diktatur das Wort reden. Diese Unterstellung ist falsch, kommt aber nicht aus dem Nichts.

Ich staune selbst darüber, wie alltäglich mittlerweile die Überlegung geworden ist, ob eine Diktatur nicht der Demokratie überlegen wäre: von Robert Habecks Ausführungen dazu bis hin zum Mitarbeiter öffentlich-rechtlicher Sender, der Demokratie für untauglich hält und unbedingt die Notverordnungspolitik wieder aufleben lassen möchte.

Eine Kollegin von einer anderen Schule erzählte mir gerade, dass ihre Schulleiterin sich offen im Kollegium für eine Öko-Diktatur einsetze: Wir hätten über die Jahre hinweg nun einmal zu viel versäumt, und auf demokratischem Wege sei nun nichts mehr zu machen. Panik ist offenbar kein guter Grundgemütszustand für eine Demokratie.

Fast absurd ist die Begeisterung für Verbote, die im deutschen Feuilleton seit einer Weile umgeht. Nun fahre ich selbst seit Jahrzehnten kein Auto mehr, könnte als Radfahrer mit einem SUV-Verbot in den Innenstädten sehr gut leben und finde sogar, dass bei dieser Gelegenheit auch gleich die Holzöfen mitverboten werden könnten. Nur mache ich mir nicht die Illusion, dass das irgendetwas gegen den Klimawandel ausrichten könnte.

Natürlich können Verbote im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, aber darum geht es hier gar nicht: Das neuere deutschen Feuilleton nämlich beschwört eine ganze Kultur des Verbots, die dann aus irgendwelchen Gründen als segensbringend fantasiert wird.

Für die Süddeutsche Zeitung denunziert Carolin Emcke nicht etwa diese Verbotsbegeisterung, sondern die liberale Kritik an ihr als hohl, da für die Kritiker der Begriff der Freiheit „zum leeren Signifikanten geworden“ wäre, „nicht mehr gefüllt mit Substanz“. Ganz anders natürlich der Freiheitsbegriff von Fridays for Future, der in Emckes diffusem Text allerdings substanzlos bleibt.

Der für mich selbst der beunruhigendste Aspekt an der Debatte ist es, zu sehen, wie gering die Unterstützung für Demokratie und Liberalismus ist und wie groß die Anziehungskraft der Diktatur. Dies trotz aller Irrationalität – schließlich ist die diffus als vorbildlich wahrgenommene brutale Diktatur China weltweit der größte CO2-Verschmutzer, während die Fridays for Future-Bewegung allein in Demokratien florieren kann.

Angesichts einer drohenden Apokalypse ist aber eben alles andere nicht so wichtig, nicht die Möglichkeit rationaler Abwägung, auch nicht die Bewahrung der Demokratie. Schließlich stehe das Haus in Flammen – was hätten wir von aller Demokratie, wenn es uns ganz abbrennt?

Dass Greta Thunberg diese Unbedingtheit auch als Person gut verkörpert, ist wohl ebenso eine Bedingung für ihren Erfolg wie für die Ablehnung, die ihr begegnet.

 

Holocaust und Klimawandel

Natürlich weiß ich, dass Ferndiagnosen bestenfalls halbseiden sind, aber vermutlich ist es dennoch relevant, dass bei ihr ein Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde – das sie selbst als „Superkraft“ empfindet. Ich habe selbst an verschiedenen Arbeitsstellen mit Autisten gearbeitet, und eine Gemeinsamkeit, die ich bei allen erlebte, ist durchaus auch in der Literatur einschlägig: ein enormes Bedürfnis nach Eindeutigkeit.

Was verboten ist, ist verboten, und dann tut man es nicht, und basta. Man kann nicht über eine rote Ampel gehen, auch wenn zwei Kilometer weit nach links und rechts zu sehen ist, dass nirgendwo ein Auto kommt. Das bedeutet dann auch, kein Verständnis dafür zu haben, wenn Menschen politiktypisch „ja, unbedingt“ sagen, aber damit „mal sehen, was sich so ergibt“ meinen.

Die Risiken der Erderwärmung sind seit Jahrzehnten deutlich, die politischen Entscheidungen aber sind sehr zögerlich und haben im politischen Handeln kaum Bestand. In einer solchen Gemengelage konnte Greta Thunbergs Drang nach Eindeutigkeit Gold wert sei.

Nur hat diese Position eben auch Grenzen. Bei der Klimakonferenz 2018 in Kattowice wirft sie nicht allein den versammelten Politikern vor, nicht reif genug zur Wahrnehmung der Wahrheit zu sein – sie überlegt auch, dass irgendwann ihre Kinder sie fragen werden, warum diese Politiker nicht mehr gegen die Klimakatastrophe getan hätten. Das ist ein altes Motiv, das aus der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust bekannt ist: Die Frage der Kinder, warum die Eltern nichts dagegen getan hätten.

Ein Vorteil an der Apokalypse ist, dass sie Eindeutigkeiten schafft, wo wir uns zuvor mühsam durch die Vieldeutigkeiten moderner Demokratien kämpfen mussten.

Die Anspielung auf den Massenmord an den europäischen Juden ist durchaus gängig, schon der deutsche Begriff Klimaleugner soll ja offensichtlich auf den Begriff Holocaustleugner anspielen. Ich habe sogar schon die ernstgemeinte Forderung gelesen, dass die Leugnung der menschengemachten Erderwärmung ebenso bestraft werden sollte wie die Leugnung der Vernichtungslager.

Angesichts der Apokalypse ist eben kein Vergleich zu maßlos.

Damit aber bewegt sich die Debatte nicht mehr im Bereich der Auseinandersetzung mit gesicherten Fakten, den Greta Thunberg und ihre Anhänger für sich beanspruchen, sondern im Bereich der Imaginationen.

Die wiederum beziehen sich nicht allein auf geschichtliche Themen. Zu den Klischees, an die dabei konsequent angedockt wird, gehören altvertraute Geschlechterklischees.

 

Vom klimafreundlichen Aufknüpfen der alten weißen Männer

In Deutschland verkündet Luise Neubauer, die sogar für hiesige Verhältnisse eine Monster des Ressourcenverbrauchs ist, schon lange, dass „alte weiße Männer“ beim Fortschritt stören würden. 

Bei Twitter räsonniert ein sich seriös gebender Rechtsanwalt und Windkraftlobbyist in einem erst spät wieder gelöschten Tweet darüber, dass alte weiße Männer irgendwann „vielleicht noch froh sein müssen, wenn sie nicht aufgeknüpft werden.“

Der öffentlich-rechtliche Kanal von Bayern 2 Zündfunk stellt Gut gegen Böse sowie sich selbst hinter „junge weiße Frauen, die uns sagen, dass wir auf Wissenschaftler hören sollten“, klagend: „alte weiße Männer machen sich in unseren Kommentarspalten breit und hetzen“. (Dazu Arne Hoffmann, Punkt 7)

Die grüne Heinrich-Böll-Stiftung wiederum beklagt, dass der Klimawandel „spezifische Auswirkungen auf Frauen und Mädchen“ habe: Die Welt geht unter – Frauen besonders betroffen!

Patrick Gensing erweckt angesichts der Angriffe auf Greta Thunberg für die Tagesschau und unter Berufung auf Amnesty International den wirklichkeitsfremden Eindruck, Gewalt im Netz träfe vorwiegend Frauen: „Das Ziel der Attacken: Frauen sollen sich schämen, eingeschüchtert, abgewertet und herabgesetzt werden und letztlich verstummen.“ 

Sascha Lobo wiederum feiert Greta Thunberg im Spiegel als „wütende, junge Frau, die sich der patriarchal vorgeschriebenen Lächelharmlosigkeit in grandioser Weise verweigert.“

Im englischsprachigen Magazin The Conversation, dass sich tiefgründiger Analysen aktueller Debatten rühmt, stellen zwei Forscherinnen – für Medien und Englisch, nicht für Klima und Wetter – Kritik an Greta Thunberg als „männliche Wut“ (male rage) und als „Frauenfeindlichkeit“ (misogyny) hin.

Dieter Nuhr wurde ganz in diesem Sinne massiv angegriffen, weil er sich über Greta Thunbergs Positionen lustig gemacht hatte, und stand damit als „alter, wütender, weißer Mann“ da. 

Schuld am ganzen Unglück und dabei auch noch unverschämt privilegiert, ohne viel dafür getan zu haben: alter weißer Mann (Symbolbild)

Hier versandet die Möglichkeit einer Debatte in Klischees. Jugend steht dann für Unschuld, für einen frischen klaren Blick und für den Wunsch nach einer Zukunft – Alter für die Verantwortung an allen schlechten Verhältnissen, für Selbstgerechtigkeit, Egoismus und Saturiertheit.

Mit gängigen Geschlechterklischees lässt sich das zwanglos verknüpfen: Weiblichkeit steht dann für politische Machtlosigkeit, aber dadurch eben auch für Unschuld und eine Nähe zum Lebendigen – Männlichkeit steht für eine korrupte Macht, für uneingestandene Schuld und für Technokratie.

Nun brauchen wir tatsächlich Stereotypien, um uns eine überkomplexe Welt ordnen zu können und einigermaßen handlungsfähig zu bleiben. Nur müssen wir dabei fortlaufend in der Lage sein zu überprüfen, ob diese Stereotypien Wirklichkeit überhaupt noch sinnvoll widerspiegeln, oder ob sie sich so weit von ihr entfernt haben, dass sie sinnvolles Handeln eher verhindern als ermöglichen.

Wenn sich also Stereotypien in Klischees verhärten, dann ist das nicht nur eine Voraussetzung für gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit – es verhindert auch sinnvolles Handeln.

Eine der effektivsten Methoden, die Überprüfung von Stereotypien zu verhindern und Klischees zu betonieren, ist die Moralisierung. Wenn wir Gruppen von Menschen erfolgreich in Gut und Böse eingeteilt haben, dann stehen Zweifel an dieser Einteilung als Unterstützung des Bösen dar. Wer etwa daran zweifelt, dass Männlichkeit toxisch sei, leiste der Vergiftung der ganzen Gesellschaft Vorschub.

Damit aber verfehlen die Klimaaktivisten dann eben gerade die Wirklichkeitsorientierung, die sie für sich beanspruchen und die sie anderen absprechen. Das lässt sich besonders gut an der deutschen Energiewende demonstrieren.

 

In der Sackgasse ein Vorbild für die Welt?

Im Blog Alles Evolution bezeichnet ein Gastkommentator es als „Whataboutism in Reinkultur“, wenn jemand darauf hinweise, dass die CO2-Emissionen in China deutlich größer wären als in Deutschland. Tatsächlich aber geht es bei diesem Hinweis nicht einfach darum, von Deutschland auf China abzulenken – sondern darum zu fragen, was Deutschland mit einer Reduzierung seiner 2,3% des weltweiten CO2-Ausstoßes überhaupt zum Gesamtbild beitragen kann.

Die Basler Zeitung berichtete gerade über eine Studie, nach der Solarenergie im Gesamtsaldo mehr Energie verbrauche, als sie produziere – was natürlich ein dringlicher Grund wäre, nicht auf sie zu setzen. „Heute werden über 80 Prozent der Solarpanels in China gefertigt. Der Anteil von Kohlestrom am chinesischen Strommix beträgt etwa zwei Drittel.“ 

Demnach ist unsere vermeintlich saubere Solarenergie zu einem großen Teil versteckter Kohlestrom – nur dass das dafür produzierte CO2 eben in China und nicht in Deutschland in die Atmosphäre geblasen wird. Wir tragen, wenn das stimmt, mit der Förderung der Solarenergie tatsächlich wenig zur Linderung der Klimaerwärmung bei – wir verschaffen uns lediglich ein gutes Gewissen, weil wir unsere CO2-Emissionen outsourcen und so nicht mehr wahrnehmen müssen. Ein Gefühl eigener Unschuld ist dabei dann wichtiger als der Wunsch, tatsächlich etwas zu bewirken.

Da aber der Anteil von Deutschland am weltweiten CO2-Ausstoß nicht wesentlich ist, haben wir nur eine reelle Chance, zum Kampf gegen die Klimaerwärmung wesentlich beizutragen: nicht durch die Anmaßung eigener klimatischer Unschuld, sondern durch einen Beitrag zu internationalen Abkommen.

Den aber kann das Deutschland nach der Energiewende kaum leisten. Im vergangenen Jahr wurden einerseits über 610.000.000 Euro Entschädigung an Stromproduzenten gezahlt, damit sie keinen Strom produzieren – die Überkapazitäten der Solar- und Windkraftanlagen hätten an sonnigen und windigen Tagen sonst das Netz gefährdet. Andererseits musste an anderen Tagen Strom aus Nachbarländern eingekauft werden – auch Atomstrom aus Tschechien oder Frankreich.

Da wird es fast nebensächlich, dass der dramatisch ins Stocken geratene Ausbau der Windkraft durch eine „Aufweichung des Artenschutzes“  erreicht werden soll. Das deutsche Modell der Energieversorgung funktioniert offensichtlich nur dann, wenn andere anders agieren als Deutschland.

Natürlich klingt es gut, die notwendige Energie aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Ein tatsächlich erfolgversprechendes Modell dafür ist die Wasserkraft – aber für eine umfassende Nutzung fehlen Deutschland die geografischen Voraussetzungen. Länder wie Frankreich oder Schweden hingegen haben ähnliche Voraussetzungen, aber ihr CO2-Ausstoß pro Kopf ist nicht einmal halb so groß wie der deutsche: Diese Länder nämlich setzten auf Atomenergie.

Würden tatsächlich alle Aktivisten die Panik empfinden, die Thunberg einfordert, dann würden wir schon längt eine breite Debatte über eine Wiedereinführung der Atomenergie führen. Zumindest müssten wir uns längst mit der Frage beschäftigen, ob all ihre Risiken und Nachteile nicht doch einer Klima-Apokalypse vorzuziehen wären. Oder wir würden uns mit den Fortschritten in der Kraftwerkstechnologie auseinandersetzen.

Aus politischen Gründen stehen dafür in Deutschland die Chancen allerdings sehr schlecht. Dass es nach Ausstieg, Wiedereinstieg, Wiederausstieg auch noch einen Wieder-Wiedereinstieg in die Atomkraft geben könnte, ist unrealistisch.

Die Bundesregierung hat das Land energiepolitisch offenbar in eine Sackgasse manövriert, aus der es ohne Hilfe von außen nicht mehr herauskommt. Es wäre nicht vernünftig zu erwarten, dass uns andere Länder dabei folgen werden.

Im Unterschied zu einer ungeheuer teuren, aber ineffektiven Energiewende hätte Deutschland aber gemeinsam mit Schweden, Frankreich und anderen europäischen Ländern Chancen, als Muster für andere zu wirken und zu internationalen Entwicklungen beizutragen. Der Gedanke hat in der öffentlichen Debatte jedoch auch deshalb keine Chance, weil er mit den Klischees der Klimabewegung kollidiert.

Denn Atomkraft steht, mehr noch als der Kohlestrom, als Technologie der alten weißen Männer da, und die sogenannten erneuerbaren Energien wirken demgegenüber sanft, ressourcenschonend, lebensfreundlich. Natürlich ist das anziehend – nur hat die Klimabewegung damit möglicherweise ebenso wenig Substanz wie jemand, der als Heilmittel gegen eine schwere Krankheit homöopathische Mittel empfiehlt, weil die schließlich sanft wären und nicht schaden könnten.

Ich selbst bin fast mein ganzes Leben lang Atomkraftgegner gewesen, und ohne die Fridays for Future-Bewegung wäre ich vermutlich nie auf die Idee gekommen, dass ein Wiedereinstieg eine gute Idee sein könnte. Wichtig ist in jedem Fall, dass es Lösungen mit großer Sicherheit nicht im Kampf des Guten gegen das Böse geben wird – sondern in der Abwägung verschiedener Übel gegeneinander.

Dazu gehört auch, dass die Klimaaktivisten sich von ihren einfachen, kindlichen und angenehmen Klischees verabschieden müssen, etwa von der Vorstellung, „jung“ und „weiblich“ stünden irgendwie zwangsläufig für etwas Gutes, „alt“ und „männlich“ für etwas Schlechtes. Es braucht schon, unter anderem, auch den Idealismus der älteren Männer und die Selbstkritik jüngerer Frauen, um noch etwas Sinnvolles zu erreichen.

Es gehörte auch dazu, einzuräumen, dass die fest in der Anti-AKW-Bewegung wurzelnden Grünen in einer Schlüsselfrage eben keine Bündnispartner von Fridays for Future sind, sondern erbitterte politische Gegner.

Vor allem gehört dazu auch, dass Erwachsene ihre eigene Position klären und vertreten, anstatt Jugendlichen nach dem Mund zu reden und sich dabei hinter ihnen zu verstecken. Es ist verantwortungslos, damit auch dann noch ungerührt weiterzumachen, wenn die Minderjährigen schon längst als Projektionsflächen öffentlicher Gewaltphantasien genutzt werden.

Greta Thunberg hat, wenn auch natürlich mit Hilfe, bewundernswert viel erreicht, und meinetwegen kann sie auch gern den Friedensnobelpreis bekommen, selbst wenn etwa zwei Drittel der deutschen Bevölkerung das ablehnen und ich ihre Position zur Demokratie bestenfalls fragwürdig finde.

Sie eignet sich aber nicht als Führerin, als Heilige oder als Märtyrerin, und was sie sagt, ist nicht über alle Kritik, Zweifel oder kabarettistische Verarschung erhaben. Sie ist eine Jugendliche, für die Erwachsene eine Verantwortung haben wie für andere Jugendliche und Kinder auch.

Das reicht doch.

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30 Comments

  • Was mich am meisten an Greta und ihrem Gefolge stört, ist, dass sie „die Wissenschaft ist sich einig“ sagen und dann unwidersprochen im Brustton der Überzeugung unwissenschaftlichen Unsinn verkünden. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die Frage, wie einig sich „die Wissenschaft“ tatsächlich ist und ob wissenschaftliche Erkenntnisse demokratisch per Mehrheitsentscheidung zu finden sind.

    Es geht mehr darum, dass sie das Ende der Menschheit an die Wand malen, was meines Wissens in keinem ernstzunehmenden Klimamodell vorhergesagt wird.

    Es geht darum, dass diese weßen Mittelstands-Kids so tun, als sei es eine Generationenfrage, dabei produziert ihre eigene Generation mehr CO2 als alle früheren Generationen in deren Jugend – mit Hilfe von Technologie und Infrastruktur, die sie selbstverständlich nutzen und die genau jene Generationen ihnen hingestellt haben, die sie jetzt anprangern.

    Es geht darum, dass sie so tun, als hätten sie mehr Durchblick als ältere Generationen, obwohl die Argumente, die sie falsch nachplappern, doch genau von diesen Älteren stammen – Jugendliche betreiben ja keine Klimaforschung..

    Es geht darum, dass sie für ihre eigene Zukunft demonstrieren, obwohl die von ihnen ins Feld geführte Wissenschaft sich einig ist (SCNR), dass Mittelstands-Kids aus den reichsten Industrienationen der Welt am allerwenigsten Probleme haben werden, sich an eine klimatisch andere Zukunft anzupassen. Sie können sich Migration leisten und sind mit ihrem Geld und ihrer Ausbildung überall willkommen. Die Zeche zahlen andere.

    Das kalte Kotzen (sorry) bekomme ich, wenn eine Jugendliche aus einem der reichsten Länder der Welt mit dem weltweit beste Sozialsystem, den besten Schulen und einer der offensten Gesellschaften sich nach einer Schiffsreise auf einer Millionenyacht vor internationales Publikum stellt und der Politik vorwirft, ihr die Jugend gestohlen zu haben. In anderen Erdteilen nähen währenddessen fleißige Kinderhände ihre Kleider, recyceln ihre Elektrogeräte auf offener Flamme, werden zu Kindersoldaten abgerichtet oder zur Prostitution gezwungen.

    Ich wünsche Thunberg und ihren Anhängern keinesfalls den Tod oder anderes. Ich halte sie allerdings für eines der ekligsten Medien-Phänomene unserer Zeit.

  • Schön finde ich, dass auf einmal Moral und Anstand beschworen werden, und zwar genau von den Leuten, die in den letzten vierzig Jahren die (damals) herrschende Moral bei jeder Gelegenheit mit den Verlockungen eines Trivialhedonismus angegriffen haben („unzumutbarer Eingriff in die persönliche Freiheit“). Kaum haben sie den Olymp der Deutungshoheit erklommen, wird die Flöte des Rattenfängers weggesteckt und die Peitsche des Großinquisitors ausgepackt („müssen wir jetzt machen, weil „).

    Interessante Zeiten für Soziologen.

  • „wie erwachsene Menschen überhaupt reihenweise auf die Idee kommen, öffentlich Mordwünsche gegen eine Sechzehnjährige zu äußern“

    Das ist leicht zu begreifen: Thunberg ist die Verkünderin eines Weltuntergangs, für den die Menschen auch noch vollumfänglich verantwortlich gemacht werden. Die Wut von Thunberg ist leicht so zu verstehen, dass Thunberg der Welt ihren Untergang von Herzen gönnt und auch wünscht. Folgt mir oder geht unter ist ihre schlichte Botschaft, die auch lauten könnte „mit oder gegen mich“. Dass Thunberg ein Kind ist, lenkt in Form einer Beschämung die Reaktion „sollst DU doch untergehen“ eben nicht vollständig ab, zumal klar ist, dass Thunberg zum Sprachrohr einer längst etablierten Weltanschauung gemacht worden ist.

    „Schließlich stehe das Haus in Flammen – was hätten wir von aller Demokratie, wenn es uns ganz abbrennt?“

    Die an die Wand gemalte Klimaapokalypse ist das Äquivalent zum Reichstagsbrand, der wie damls die Begründung für den *Notstand* und die Diktatur liefert.

    „Es ist verantwortungslos, damit auch dann noch ungerührt weiterzumachen, wenn die Minderjährigen schon längst als Projektionsflächen öffentlicher Gewaltphantasien genutzt werden.“

    Darin sind unsere Medien längst höchst erfahren, wie die Al-Durah Affäre zeigte, die ein Meilenstein der progressiven Proganda gegen Israel war, wie zB hier zu lesen:

    http://www.theaugeanstables.com/2017/06/06/caliphate-cogwar-lethal-own-goal-journalism-and-bds/

    Vergleichen damit ist alles um Thunberg wirklich noch harmlos.

    „Sie eignet sich aber nicht als Führerin, als Heilige oder als Märtyrerin“

    Das sieht ein grosser Teil der progressiven Linken, der Kirchen und der deutschen Politik anders. Greta befiel, wir folgen dir.

    Wir haben es hier mit einer irrsinnigen Massenwahn zu tun, nach dem Schema der apokalyptischen Weltuntergangsseken wie zB Jim Jones „Jonestown“ oder der zahllosen christlichen (Münster). Solche Bewegungen kehren nicht einfach zur Tagesordnung rüber, sondern steigern sich in ihren Wahn und schlagen die Tür beim Verlassen des Lokals so feste zu, wie es überhaupt nur geht. Das Problem sind nicht zuletzt all die Gutmeinenden, die gerne glauben, dass am Klimawandel ja irgendwas dran sein muss. Für diese ist die Vorstellung vermutlich unzumutbar, sie könnten in einer Zeit leben, die nicht wirklich besser ist wie die dunkler Vergangenheiten.

    https://www.youtube.com/watch?v=FaHEusBG20c

    „you´ve been living like a litte girl
    in the middle of your little word ….“

    • @alex:
      Thunberg ist die Verkünderin eines Weltuntergangs, für den die Menschen auch noch vollumfänglich verantwortlich gemacht werden. Die Wut von Thunberg ist leicht so zu verstehen, dass Thunberg der Welt ihren Untergang von Herzen gönnt und auch wünscht.
      […]
      Wir haben es hier mit einer irrsinnigen Massenwahn zu tun, nach dem Schema der apokalyptischen Weltuntergangsseken wie zB Jim Jones „Jonestown“ oder der zahllosen christlichen (Münster).

      Lass mich kurz zusammenfassen: Wenn Greta Thunberg vom Weltuntergang redet dann ist sie deiner Einschätzung nach mindestens eine Irre, vielleicht sogar gemeingefährlich. Wenn du vom Weltuntergang redest („irrsinniger Massenwahn“, „apokalyptische Weltuntergangsseke“) dann ist das natürlich völlig richtig.

      Ihr beide, Greta Thunberg und du, seid euch da in gewissen Dingen recht ähnlich, auch wenn du das vermutlich nicht gerne hören willst. Deshalb sage ich dir (wieder einmal) dasselbe was ich auch Greta Thunberg sagen würde, und was sich einigermaßen mit der Aussage von Lucas‘ Text oben deckt: Muss es denn immer gleich der ganz große Hammer sein? Kopfloses in-panik-verfallen bringt niemandem etwas, deshalb mal tief durchatmen, es wird schon werden.

      • @pingpong
        Dann spiele ich hier für dich halt die zutiefst undankbare Rolle des Propheten Elias:

        https://mosaicmagazine.com/observation/religion-holidays/2019/02/all-the-reasons-why-you-dont-want-a-career-in-prophecy/

        Wobei Greta eine der Propheten Baals abgäbe. Die Königin Isebel, die den Baal-Kult huldigt, ist übrigens lustigerweise eine der grossen Vorbilder des Feminismus.

        Natürlich war das jetzt nur Satire. Meine Einstellung zu dem Ganzen kannst du in der Scrovegni-Kapelle zu Padova bewundern, die Giotto di Bondone ausgestaltet hat. Sieh das zentale Fresco vom Jüngsten Gericht an, wo die Welt in Gut und Böse aufgeteilt wird, da findest du – genau im Zentrum – eine kleine Figur, die sich hinter dem dem Kreuz dort versteckt 😀

  • Die Basler Zeitung berichtete gerade über eine Studie, nach der Solarenergie im Gesamtsaldo mehr Energie verbrauche, als sie produziere
    https://www.bazonline.ch/schweiz/die-verheerende-bilanz-von-solarenergie/story/26546197

    Dieser Artikel wurde auch bei AllesEvolution verlinkt, ich hatte folgendes geantwortet:

    Aus den Kommentaren:

    Eine kleine Recherche für jeden machbar ergibt:
    Herr Ferruccio Ferroni ist Spezialist für Atomkraftwerkstechnik. Wer (viel) weiter liest, findet im Artikel den Satz „Marco Raugei veröffentlichte einige Monate später in der gleichen Fachzeitschrift eine Replik (2). Laut dieser übersteigt der Energieertrag von Fotovoltaik-Anlagen den Energieaufwand um das Sieben- bis Achtfache.“ Ach so… .
    Was stimmt nun?! Beides kann nicht gleichzeitig wahr sein… .
    Die Recherche bleibt dem Leser überlassen.

    Meine neue PV-Anlage produzierte vom 12.2.18 bis 12.2.19 9’130KWh. Bei 45,8 m2 ergibt das 199KWh pro m2. Also fast doppelt so viel, wie Sie annehmen.

    Unsere Solaranlage (70 m2) im Limmattal hat im letzten Jahr 15400 kwh produziert. Die Berechnungen im obigen Artikel sind demnach völlig falsch!

    Meine Anlage im Schweizer Mittelland hat letztes Jahr nicht 106 kWh pro m2 produziert, wie hier angegeben, sondern ziemlich genau 200 kWh pro m2. Also liegt die Berechnung hier schon mal um knapp 100% daneben.

    Ein Fall von „die Kommentare sind besser als der Artikel“?

    • Ziemlich dummdreist: Der Energieaufwand wird einfach doppelt veranschlagt, einmal als Energieaufwand bei der Produktion und dann nochmal über die Investitions- und Kapitalkosten, mit der Energieintenstität von 0,43 kWh pro Schweizer Franken.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Energieintensit%C3%A4t

      Die Energieintensität sagt überhaupt wenig darüber aus, wieviel Energie für eine konkrete Arbeit verbraucht wird. Wenn die Reinigung einer Solaranlage 100 Franken pro m² kostet, dann werden dabei wohl kaum 43 kWh pro m² Energie eingesetzt.

      Klingt mir in der Tat nach Atomlobby.

      • @ pingpong, Nick Vielen Dank für Eure Hinweise. Dass der Ertrag der Solartechnik größer ist als den Berechnungen zu Grund liegt, erwähnt ja tatsächlich auch der Artikel, ohne den Widerspruch allerdings aufzulösen. Der Hinweis, dass “ sich die meisten anwesenden Experten mit den Berechnungsmethoden von Ferroni und seinen Kollegen einverstanden“ zeigten, suggeriert darin irgendeine Widerlegung, bleibt aber diffus und ungenau.

        „Klingt mir in der Tat nach Atomlobby.“ Das glaube ich auch. Nun ist die Energieversorgung, zumal in hochindustrialisierten Staaten, ein Zig-Milliarden-Geschäft, so dass es bei jeglicher Information nützlich ist, auch zu überlegen, welcher Lobby sie gerade nützt.

        Was sie Solarenergie angeht, ist es nach meinem Wissen unumstritten, dass die Produktion der Anlagen mit erheblichen Umweltkosten verbunden ist – die aber würden sich in der langen Laufzeit und der relativ geringen Pflegeintensität der Anlagen lohnen. Die Pointe des Artikels ist, dass auch diese Rechnung falsch wäre.

        Mir selbst kam es nicht auf diese Pointe an, sondern auf zwei andere Punkte.

        Erstens darauf, dass es sehr wohl sinnvoll ist, einen Blick nach China in die deutsche Ökobilanz mit einzubeziehen und nicht als „Whataboutism“ abzutun, weil wir möglicherweise unsere Kosten eben dort verursachen, aber nicht mehr als unsere Kosten wahrnehmen.

        Zweitens ist mir der Punkt aus meinem Text wichtig, „dass es Lösungen mit großer Sicherheit nicht im Kampf des Guten gegen das Böse geben wird – sondern in der Abwägung verschiedener Übel gegeneinander.“ Auch Solar- und Windanlagen verursachen ökologische Kosten, bei denen wir rechnen müssen, ob ihr Nutzen die Kosten übersteigt. Dasselbe kennen wir ja von den Elektroautos – deren ökologische Eingangsinvestitionen sind so gewaltig, dass diese Autos sich umweltpolitisch nur dann lohnen, wenn sie auch viel gefahren werden.

        Mir geht bei Fridays for Future – nicht einmal bei den Jugendlichen selbst, sondern bei Erwachsenen, die es besser wissen müssten – die Sicherheit auf die Nerven, mit der dort zwischen Gut und Böse unterschieden wird. Angesichts des bevorstehenden Weltuntergangs ist es dann völlig selbstverständlich, dass man auch mal für ein Ende der Demokratie, eine Notverordnungpolitik oder – wie „Extinction Rebellion“ – ein systematisches Missachten von Gesetzen eintreten kann.

        Ich hatte sogar schon von einem FFF-begeisterten User bei Twitter, den ich sonst immer durchaus zurechnungsfähig fand und gern gelesen habe, anlässlich der Regenwaldbrände in Brasilien die Forderung nach einem Eingreifen der NATO gelesen. Ich habe nach Ironiemarkern gesucht, fand aber keine.

        Während auf der einen Seite also alles Mögliche in Ordnung ist, um das drohende Weltende abzuwehren, ist Atomkraft zugleich völlig selbstverständlich keine Option. Aber: Entweder ist die Situation so gravierend, dass Atomenergie in die Abwägung mit hinein muss – oder die Situation ist halb so wild, so dass wir es uns leisten können, Optionen liegen zu lassen. Beides gleichzeitig passt nicht.

        Dabei glaube ich selbst, dass die Atomkraft in Deutschland keine Perspektive mehr hat. Wer sollte denn, selbst wenn es einen Wieder-Wiedereinstieg gäbe, versichern können, dass darauf nicht ein paar Jahre später ein Wieder-Wieder-Ausstieg folgt?

        Der Wieder-Ausstieg unter Merkel hatte ja schließlich keinen sachlich rationalen Anlass. Dass ein Unglück wie in Fukushima möglich ist, war immer bekannt. Die Regierung hätte also nach dem rotgrünen Ausstieg überhaupt nicht wieder einstiegen dürfen – oder durch Fukushima hatte sich kein neues Bild ergeben, das einen erneuten Ausstieg rechtfertigte.

        Trotzdem bereitete die Regierung noch im selben Monat den Ausstieg vor und beschloss ihn drei Monate später.

        Wir können davon ausgehen, dass hier politische Kalküle vorrangig waren: Nicht in der sachlichen Einschätzung, wohl aber in ihrer medialen Wirkung hatte sich die Atomenergie durch Fukushima geändert. Die Merkel-Regierung räumte einfach rechtzeitig die Möglichkeit aus dem Weg, dass Rotgrün über dieses Thema eine klare Front gegenüber Schwarzgelb aufbauen konnte.

        Nur ist damit die Atomkraft in Deutschland erst einmal erledigt, und auch das ist eben mit Kosten verbunden: Mit einem vergleichsweise hohen CO2-Ausstoß und mit einem Kompetenzverlust im Hinblick auf Weiterentwicklungen. Ich weiß, dass einige stattdessen auf die Kernfusion hoffen, aber das wäre allenfalls eine Option für eine fernere Zukunft.

        Ich wäre schon zufrieden, wenn deutlich gemacht würde, dass der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle und Kernkraft ein enormes Risiko ist – dass es schon durchaus Gründe hat, warum Deutschland damit weitgehend allein dasteht – und dass damit technische Probleme verbunden sind, die sich nicht allein dadurch lösen werden, dass wir auf das „Gute“ setzen, nämlich auf erneuerbare Energien. Diese Ehrlichkeit finde ich in der Diskussion kaum.

        In meinem Text ist ein kurzer Hinweis auf einen Zeit-Artikel zur Atomenergie verlinkt. Dieser Artikel ist mittlerweile auch online frei verfügbar. Rainer Klute: Atomkraft, ja bitte! Wie bitte?

  • Wenn Greta und ihre Leute es wirklich ernst meinen würden, müssten sie in Brasilien oder Indonesien gegen die Abholzung der Wälder demonstrieren, in Peking gegen 1000 neue Kohlekraftwerke, die geplant sind, und in Nigeria oder Im Kongo dagegen, dass die Leute dort weiter zahlreiche Kinder in die Welt setzen, die sie nicht ernähren können.

    Das hieße, die Probleme an der Wurzel angehen, nicht in Deutschland, wo die Polizei die Straßen für sie absperrt, zu fordern, dass man bis 2025 seine 2% des weltweiten CO2-Ausstoßes einspart.

    Die wissen genau, dass sie in China oder Brasilien ein ganz anderes Echo finden würden als bei uns, und deshalb machen sie es nicht.

  • Vorab meine ganz persönlichen Gefühle zu dem Thema: Ich fühle mich mehr und mehr wie in einem Irrenhaus. Ich möchte eigentlich gefüttert werden mit möglichst sachlichen Informationen, bekomme aber traurigerweise selbst von Instanzen, deren verdammter Job es wäre, diese zu liefern (Medien, vor alle ÖR) nur denselben geistig unverdauten Käse, den FFF-Aktivistentröten auf den Straßen oder deren erklärte Todfeinde in den sozialen Medien rumposaunen; wobei die Positionierung der Medien sich zu nahezu 100 % auf Seiten der FFF-Klappstühle wiederfindet.

    Für mich zeigt die ganze Debatte auch dasselbe, was ich auch bei völlig anderen Gebieten in der Politik beklage: ideologisierte Scheuklappen, die das Denken in gefährlicher Weise beschränken. Schon alleine dieses Parolenhafte! CO2 sei ein Giftstoff, so hört man. Was für ein unfassbarer Käse. CO2 ist ein Molekül bestehend aus Kohlenstoff- und Sauerstoffatomen. Es ist gasförmig und in gewissen Anteilen schon immer in unserer Luft enthalten. Es einzuatmen ist nicht giftig. Wäre es das, gäbe es uns alle nicht, denn wir atmen schon CO2 ein, so lange wie es Leben auf der Erde gibt. Es ist für Tiere (den Menschen damit eingeschlossen) lediglich nicht verwertbar, was aber für die Mehrheit der in unserer Luft enthaltenen Gase gilt. Die Erhöhung des CO2-Anteils in der Luft führt, wie die Erhöhung jedes anderen Bestandteiles der Luft, außer Sauerstoff, zu Sauerstoffunterversorgung, dem Gefühl von Atemnot, ab einem gewissen Punkt einem schnellen aber dem Einschlafen ähnlich sanften Hinübergleiten in die Bewusstlosigkeit und schließlich zum Tod. Im Gegensatz zu uns ist CO2 z. B. für Pflanzen lebensnotwendig. Wer sich also hinstellt und so tut, als sei CO2 ein Giftstoff, der hat offenkundig nichts von dem verstanden, was die Wissenschaftler, auf die er sich zu berufen behauptet, sagen.

    Dieses ganze Geplärre in reiner Parolenform führt auch zu einer unfassbaren Verengung. Es geht nur noch um „KLIMAERWÄRMUNG!!!!!!!!!!!“ und „CO2!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“. In Zeiten eines ruhigeren und sachlicheren Umgangs mit solchen Themen gab es mal den Begriff „Umwelt“, der wesentlich weiter gefasst war und auf viel mehr Dinge hinwies, die als unwichtiger einzuschätzen ich für fatal hielte. Der Umgang mit den Meeren z. B., aber das könnte unter Umständen den nur noch auf „KLIMA!!!!!!“ getrimmten Kiddies sogar gefallen, denn sollte Meeresverschmutzung zu einem Abebben oder einer Fließänderung des Golfstroms führen, wäre für uns Westeuropäer schnell eine Erwärmung des Klimas nur noch eine reine Wunschvorstellung. Aber auch die Zurückdrängung von Lebensräumen vieler Tiere und Pflanzen… Aber was macht man daraus? In Brasilien brennt – wie übrigens jedes Jahr und nicht nur dort – der Regenwald und daraus wird medial ein Klimathema gemacht, obwohl der Brand des Regenwaldes rein Null Komma gar nix damit zu tun hat. Es sind auch dieselben Leute, die sich darüber lustig machen Trump kenne nicht den Unterschied zwischen Wetter und Klima, wenn dieser einen außergewöhnlich kalten und schneereichen Winter als Anlass nimmt, eine Klimaerwärmung ganz grundsätzlich in Frage zu stellen, die dann aber, wenn sie, wie in diesem Jahr, mit einem tatsächlich im Median betrachtet recht kühlen Sommer konfrontiert werden, mit schon manisch anmutender Besessenheit auf den wenigen vereinzelten Tagen rumreiten, die im Jahresvergleich außergewöhnlich heiß waren und dort auf „neue Messrekorde“ von irgendwelchen Messstationen in der westfälischen Provinz hinweisen, sie also offenbar noch weit weniger zwischen Wetter und Klima unterscheiden können, als sie es Trump vorwerfen. Diese Berichterstattung kam mir fast vor, als bekämen die bekannterweise im Vergleich zur Gesamtbevölkerung in vor allem den ÖR-Medien weit stärker vertretenen Grünenanhänger bei jedem nicht ihren Hoffnungen entsprechenden, brütend heißen Sommer Angst, ihnen könnten in der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit für ihre Leib- und Magenpartei die Felle wegschwimmen, so dass sie selbst auf Anomalien rumreiten und diese zu „Klima“ erklären müssen.

    Die ganze Debatte wird nicht sachlich und schon gar nicht, auch wenn es gerne so behauptet wird, wissenschaftlich geführt. Es ist reine Hysterie. Und es ist politischer Opportunismus. Greta Thunberg hat diesen aber nicht ausgelöst, sondern in einschlägigen Kreisen herrschte dieser Irrsinn schon lange vor. Das Mädel wurde lediglich von denen nun vor den Karren gespannt, um ihre eigene Unfähigkeit zur Sachlichkeit und Mäßigung in die Gesellschaft hinauszutragen. Und da kommen tatsächlich Parallelen zu Jeanne D‘ Arc ans Licht, die jene, die Greta mit ihr vergleichen, aus eigener Geschichtsunkenntnis heraus so aber sicher nicht meinen.

    Auch Jeanne war, wie Greta, mit großer Sicherheit neuronal nicht unerheblich beeinträchtigt. Dass sie, selbst mit dem Tod bedroht, daran festhielt, im Willen Gottes, den ihr dieser durch Engel übermittelt haben soll, gehandelt zu haben, lässt vermuten, dass sie tatsächlich davon überzeugt war, Engel haben zu ihr gesprochen. Das macht es sehr wahrscheinlich, dass sie geistig anormal war, womöglich unter Psychosen litt. Dass sie, als einfaches Bauernmädchen, wenn auch aus wohlhabender Familie, in einer derart strikt getrennten Ständegesellschaft auf einmal zur Ikone erhoben wurde und Einfluss auf wichtige politische Entscheidungen nahm, lässt vermuten, dass ihre „Visionen“ vom „göttlichen Willen“, Frankreich von den Engländern zu befreien, bei Interessierten in privilegierten Positionen auf fruchtbaren Boden fielen, weil sie darin die Möglichkeit sahen, Jeannes „jungfräuliche Reinheit“ der sie wohl ihren „besonderen Draht zu Gott“ zu verdanken hatte, als Monstranz vor sich herzutragen, um die eher kriegsmüde französische Gesellschaft erneut auf eine Eskalation des andauernden Konfliktes mit den Engländern einzuschwören und zu verhindern, dass Frankreich von einem kriegsunlustigen König regiert werden würde. Sorgen sollte es einem machen, wie schnell dieselben Lobbyisten das Mädel fallen ließen, als die Sache für sie nach hinten loszugehen drohte und man dabei zusah, wie sie zur Alleinschuldigen erklärt wurde und letztlich, unter anderem der Ketzerei bezichtigt, öffentlich verbrannt wurde, wohl nicht zuletzt, um damit die englische Krone wieder etwas wohlgesonnener zu stimmen und zu verhindern, dass am Ende ihre eigenen Köpfe, also die der wahren Drahtzieher, rollten.

    Meine Meinung zu Greta: in einer tatsächlich verantwortungsvollen Gesellschaft hätte man alles Menschenmögliche getan, um dieses Mädchen aus der Öffentlichkeit fernzuhalten, denn die derzeitige permanente öffentliche Bestätigung ihres Wahns ist aus therapeutischer Sicht gewiss eine einzige Katastrophe. Und die damit einhergehende Verbreitung dieses Wahns in der Gesellschaft folgt gruppendynamischen, in einer Massengesellschaft aufgehenden Prozessen, die man, wenn man auch nur ein Bisschen was aus der Menschheitsgeschichte gelernt haben will, eigentlich nicht auch noch derart medial und politisch befeuern sollte. Wie eingangs gesagt: Irrenhaus!

    Erschreckend sind für mich auch die sozialen Folgen. Diese ganze Hysterie führt dazu, dass man sich in Berlin auf eine der wohl größten und potentiell folgenschwersten Steuererhöhungen der deutschen Geschichte einigt und alle so „YEAH!!!“, bzw. die von Lucas erwähnten FFF-Kiddies das, in all ihrer Ahnungslosigkeit, auch noch für nicht ausreichend halten. Recht hätten sie, wenn sie fänden, dass eine „CO2-Besteuerung“, welche es im Übrigen tatsächlich mittelbar eh schon lange gibt, gar nichts bringt in Sachen Umweltschutz, aber sie haben diese Besteuerung ja selbst gefordert, es geht ihnen eben nur nicht weit genug.

    Die Besteuerung von Kraftstoff trifft vor allem Pendler. Ich habe in einer Diskussion auch schon einmal einfließen lassen, dass ich es besonders zynisch finde, dass gerade die Parteien, die die Hartz-IV-Gesetze geschmiedet haben, die von Arbeitslosen zum Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt, auch schon von Sozialgerichten bestätigt, Arbeitswege noch als „sozial verträglich“ abverlangen, die weit jenseits von Gut und Böse sind, also geradezu Berufspendler züchten, nun auch die Parteien sind, die am lautesten für eine weitere Steuer auf Kraftstoffe getrommelt haben. Um diesen offen asozialen Ansatz der eigenen Politik zu kaschieren, ging es in der Debatte ja auch rituell nur immer um irgendwelche ominösen SUV-Fahrer, die natürlich nur aus lauter Langeweile bei maximaler Drehzahl Runden um den Häuserblock drehen. Dass man krankhafte Maßnahmen in der Gesellschaft am besten damit durchsetzt, indem man die Debatten darum mit Strohmännern zukleistert, das wussten auch die Nazis mit ihrer Judenpolitik sehr gut.

    Natürlich kann man sich das alles auch schönreden, indem man (unbewiesen) behauptet, das träfe ja auch in erster Linie diese ganzen bösen Konzerne mit ihren ganzen Lastern und so. Wer nun aber glaubt, diese bösen, bösen Konzerne würden eine erhebliche Erhöhung ihrer Betriebskosten mal eben so hinnehmen und auf ihre Gewinnmargen scheißen, der glaubt sicher auch, dass sich gerade jetzt auf dem Mars Jesus, Buddha und Mohammad zum Kaffekränzchen treffen. Natürlich wird das alles weitergegeben. Der Produzent gibt seine Mehrkosten an die Zwischenhändler weiter, die geben sie weiter an den Einzelhandel, dazwischen entstehen immer noch weitere Mehrkosten durch die Transporte zwischen diesen Stationen und das alles bezahlt der Kunde an der Kasse. Und zwar auf absolut jedes verdammte Produkt. Das nennt man Inflation und dass diese in besonders erheblicher Weise durch die Verteuerung von Kraftstoffen angestoßen wird, ist ebenso wenig neu, wie der Sachverhalt, dass auch sie zuerst die sozial schwächsten am heftigsten trifft.

    Dass diese Zusammenhänge FFF-Aktivisten nicht nur unbekannt sondern scheißegal sind, liegt für mich daran, dass die auch im Artikel erwähnte Louisa Neubauer in all ihrer Egozentrik und Heuchelei geradezu ein Destillat dessen ist, was diese Bewegung ausmacht.

    Um diesen, selbst für meine Verhältnisse, überlangen Kommentar nicht noch weiter ausarten zu lassen, übergebe ich abschließend an die Salonkolumnisten, die das ganze Problem an dieser hysterisierten Politik noch global ausgeweitet betrachten: https://www.salonkolumnisten.com/wie-klima-aktivisten-auf-die-aermsten-spucken/

    • „dass man sich in Berlin auf eine der wohl größten und potentiell folgenschwersten Steuererhöhungen der deutschen Geschichte einigt“

      Das ist auch alles so bezeichnend. Am Abend eines Wirtschaftsbooms, der eine Generation (40 Jahre) lang währte, tritt eine apokalyptische Bewegung auf, die die Quellen des Wohlstands als das Böse schlechthin hinstellt. Eine völlig haltlose Regierung, die einen unmässigen Staatsapparat aufgebaut hat, ergreift darüber die Gelegenheit sich die Wachstumsraten für Steuereinnahmen zu sichern, die sonst fragwürdig geworden wären und segelt gelassen auf der Apokalypsewelle mit, alle realen Probleme ausblendend.
      Einfach nur Wahnsinn.

    • Vorab meine ganz persönlichen Gefühle zu dem Thema: Ich fühle mich mehr und mehr wie in einem Irrenhaus. Ich möchte eigentlich gefüttert werden mit möglichst sachlichen Informationen

      Es geht mir genau so. Von allen Seiten wird versucht, mich als Leser zu manipulieren. Sachliche Begründungen sind die absolute Ausnahme, nur schon die skeptische Nachfrage qualifiziert dich als Vollidioten, der die offensichtliche Wahrheit leugnet und zur Kategorie „Flat-Earther und sonstige Schwachmaten“ gezählt werden darf. Zeitungen und Zeitschriften sowie TV kann man vergessen. Da wird nur erzählt, und zwar von beiden seiten, was man zu glauben habe, wenn man denn kein Vollidiot sein will. Ich habe mir deshalb ein wissenschaftliches Buch, physikorientiert, bestellt, dass den Wissenstand der Klimatologie zeigt und zusammenfasst. Ich habe es einfach satt, dieses hysterische Geschrei von allen Seiten. Das kostet mich eine Menge Zeit, das alles durchzuarbeiten, aber es muss sein.

      Wie geht man mit einer Bewegung wie FFF um, die eine Apokalypse voraussagen, wenn nicht sofort radikale, einschneidende Massnahmen getroffen werden? Aus ihrer Sicht sind alle Massnahmen legitim, die die Apokalypse aufhalten, denn es kann ja nichts Wichtigeres geben. Selbst die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und die Ersetzung durch ein Art Ökodiktatur wäre, wenn dadurch die Apokalypse aufgehalten würde, legitim. Ein solcher Fanatismus lässt keinerlei Raum für einen gedanklichen Austausch, Diskussionen und Abwägungen. Fanatismus und Rationalität passen nicht zusammen.

      Greta sagte: „Ihr sollt panisch werden“. Panik ist in seinem Wesen irrational, unüberlegt und impulsiv. Sie hat erreicht, was sie wollte, zumindest bei vielen Menschen, die tatsächlich panisch reagieren. Wenn Greta eine erwachsene Person ohne psychische Einschränkungen wäre, dann würde ich sie als verantwortungslos bezeichnen. Da sie das nicht ist, beschuldige ich die Medien, die sie berühmt machten und medial pushten.

      Besonders ärgerlich ist es, dass Greta als menschliches Schutzschild benutzt wird. Kritik an ihr wird als unmoralisch gebrandmarkt, weil es sich doch um ein Kind handle. Nun denn, ein Kind hat in der Regel nicht das Urteilsvermögen eines Erwachsenen, was man bei Kritik berücksichtigt. Andrerseits sollte ein solches Kind konsequenterweise dann auch nicht als Führungsfigur aufgebaut werden. Eine ärgerliche Taktik. Morddrohungen sind, eigentlich unnötig zu erwähnen, völlig inakzeptabel. Naja, Twitter.

      So, mein Kommentar wird zu lange, ich mach hier mal halt und danke Lukas für seinen Beitrag, der wie immer inspirierend ist, was man von SPON und Konsorten schon lange nicht mehr sagen kann.

      • Ich fühle mich mehr und mehr wie in einem Irrenhaus. Ich möchte eigentlich gefüttert werden mit möglichst sachlichen Informationen

        Es geht mir genau so. Von allen Seiten wird versucht, mich als Leser zu manipulieren. Sachliche Begründungen sind die absolute Ausnahme, nur schon die skeptische Nachfrage qualifiziert dich als Vollidioten, der die offensichtliche Wahrheit leugnet[…]

        Was sind denn sachliche Informationen? Die bloße Tatsache dass die CO2 Konzentration um soundsoviel gestiegen ist in den letzten hundert Jahren? Die Tatsache dass der Regenwald brennt und die Gletscher schmelzen? Was ist der Unterschied zwischen einer sachlichen Information und einer sachlichen Begründung?
        Ich glaube der Knackpunkt liegt bei den Begründungen, denn über bloße Tatsacheninformationen lässt sich nicht so gut streiten wie über deren Interpretation.
        Und es geht ja recht eindeutig nicht nur darum Tatsachen aufzuzählen, es geht darum was man daraus ableitet. Da kann es durchaus unterschiedliche Meinungen geben, und das macht die Sache so schwierig.

        • Es geht mir um die Begründungen, ganz klar. Allerdings ist auch längst nicht alles, was als Tatsache behauptet wird, bei näherer Betrachtung wahr. Deshalb ist es für mich notwendig, die Sache mal eingehender zu studieren.

        • „Da kann es durchaus unterschiedliche Meinungen geben, und das macht die Sache so schwierig.“
          Richtig, es ist ein hochkomplexes und vielschichtiges Thema, dass verschiedene Meinungen begünstigt und zulässt. (Was ich übrigens sehr schön finde!)
          Die Sache wird aber nicht durch die verschiedenen Meinungen schwierig, sondern dadurch, dass in Politik und Medien mit einfachen Faustformel gearbeitet wird a la:
          „Wenn wir bis x nicht y Tonnen CO2 einsparen, geht die Welt unter.“
          Dadurch wird den Menschen suggeriert, es gäbe einfache Lösungen, die es so aber nicht gibt.
          Was dann dazu führt, dass mir ein Kollege tatsächlich vorhält, er kann sich die Flugreise (bezüglich CO2) leisten, weil er ja seine Fehlausdrucke als Schmierpapier verwendet.
          Oder noch besser:
          „Ich schade mit meinem Diesel nicht der Umwelt, wenn ich damit in Urlaub fahre, weil ich ja sonst immer mit meinem Elektroauto durch die Stadt fahre.“

          Das Schlimme daran ist aber, wie oben auch bereits schon geschrieben, dass das Thema Umwelt nahezu auf CO2 reduziert wird.

          Es gibt genügend andere und vor allem ebenso relevante Umweltthemen wie der CO2-Ausstoß. (z. B. Mikroplastik)

    • @ Billy Ich hake mal bei einem der Punkte ein, dem Vergleich mit der Jungfrau von Orleans. Sich durch eine solche Inkarnation der Unschuld repräsentiert zu sehen, passt ja tatsächlich in eine Ständegesellschaft, nicht in eine Demokratie.

      In der Demokratie können wir damit leben, dass – von wenigen Grundprinzipien wie den Menschenrechten abgesehen – alle Positionen relativ sind, aus der einen Perspektive gut, aus einer anderen weniger gut aussehen können. Das GUTE wird hier nicht in einer bestimmten Position manifestiert, sondern ist – wenn überhaupt – Teil eines gemeinsamen offenen Diskurses.

      Eine Ständegesellschaft aber braucht die Imagination der Unschuld – schließlich muss sie begründen, warum der eine Stand über dem anderen steht. John Locke hat in seinen „Treatises“, die eine der Grundlagen für den modernen Liberalismus bilden, den ganzen ersten Teil darauf verwendet nachzuweisen, dass die verbreitete Vorstellung haltlos wäre, die Macht des Königs leite sich (über eine Abstammung von Adam o.ä.) direkt von Gott ab. Dieses Bild passt nicht in eine Demokratie.

      Dass die reine Jungfrau dann irgendwann fallengelassen wird, wenn sie ihre Funktion als Projektionsfläche des Guten erfüllt hat, ist nur schlüssig: Irgendwann stehen nun einmal politische Entscheidungen in einer Welt des beständig Relativen an, und da passt sie nicht mehr.

      Die medialen Imaginationen um Greta stehen zwischen einer demokratischen und einer ausbeutenden feudalen Ordnung. Einerseits ist es ja tatsächlich ein gutes Recht von Kindern und Jugendlichen, für ihre Zukunft zu demonstrieren, und es ist ja gut, dass sie den Mund aufmachen.

      Andererseits reagieren Erwachsene darauf mit einer Mischung aus Wohlwollen und Verantwortungslosigkeit. Ich habe noch niemanden in den Massenmedien gelesen, der den Zielen grundsätzlich zustimmen, aber den Jugendlichen gleichzeitig vorrechnen würde, dass ihr Ressourcenverbrauch vermutlich deutlich höher ist als der jeder Jugendgeneration zuvor. Diese Kritiklosigkeit ist eigentlich eine Verweigerung der Auseinandersetzung: Es ist leichter, die Jugendlichen anzuhimmeln, als sie ernstzunehmen.

      Die Idolisierung Greta Thunbergs wird schon dadurch deutlich, dass selbst eine kabarettistische Verarschung als Skandal erscheint. Dabei tut es auch nichts zur Sache, ob Nuhrs Witzeleien nun unwitzig waren oder nicht – wäre nur witziges Kabarett erlaubt, gäbe es in Deutschland ohnehin seit vielen Jahren schon kein Kabarett mehr.

      Die Inszenierungen Greta Thunbergs drücken tatsächlich aus, dass hier kein Diskurs mehr erwünscht ist: Wir hätten lange genug geredet, nun müsste gehandelt werden. Ich will, dass ihr in Panik geratet. Das passt in eine mediale Konfiguration, in der die Zugänge zur Öffentlichkeit ähnlich krass unterschiedlich verteilt sind wie in einer Feudalgesellschaft – aber demokratisch ist es nicht mehr.

      Es ist daher auch kein Wunder, dass die Anhänger – und zudem auf durchgeknallt irrationale Weise – bereit sind, die Demokratie in die Tonne zu kloppen.

      • Zum in die Tonne Kloppen der Demokratie: In Berlin hat sich wohl heute auch die Rackete zu Wort gemeldet (das ist die, die es wohl sehr wahrscheinlich äußerst angestrengten diplomatischen Hinterzimmergesprächen zu verdanken hat, nicht wegen Landfriedensbruchs in einem italienischen Knast zu sitzen). Auch sie quakte da was von bundesweitem Klimanotstand und so weiter. Begrüßt natürlich von tosendem Applaus der dortigen Spinner von Extinction Rebellion. Mir läuft es da kalt den Rücken runter und ich schaue in Abgründe bei dieser Geschichtsvergessenheit. Es waren schließlich auch Notstandsgesetze, mit denen man vor nicht einmal neunzig Jahren die Weimarer Republik abschaffte. Und begründet wird das alle mit einer von Panik geprägten Vision, die kein SERIÖSER Klimawissenschaftler so ernsthaft behaupten würde: Dass unser aller Ende ganz kurz bevor steht. Das ist reine Massenhysterie.

        • Es waren schließlich auch Notstandsgesetze, mit denen man vor nicht einmal neunzig Jahren die Weimarer Republik abschaffte.

          Eine Anmerkung dazu: Ich halte es für ein deutsches Phänomen – der Aufstieg und die Machtergreifung der NS wird der demokratischen Weimarer Republik zur Last gelegt, d.h. letztendlich dem Wähler, der die NS wählte und sie in einer Position hievte, von der aus sie die Demokratie aushebeln konnten. Das ist zwar nicht völlig falsch, aber eben auch nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Aus dieser Geschichtsdeutung des „unverantwortlichen Wählers“ folgt die Tendenz, den Bürger und damit die Wähler im Falle eines Notstandes zu entmündigen und zu entmachten. Dem Bürger ist nicht zu trauen. Es muss da im Notfall eine Elite geben, die die Dinge dann in die Hand nimmt und dem uneinsichtigen Bürger sagt, was zu tun ist. Das ist gruselig.

          • Da gebe ich dir Recht. Gerade im Zuge dieser derzeitigen Apokalyptik werden von Aktivisten (unter anderem im Zuge der Rackete-Rede) wieder Dinge wie Räteregierungen und ähnliches vorgebracht. Und das alles natürlich, weil man dem dummen Bürger nicht trauen kann, mal endlich die richtigen zu wählen, die dann das machen, was den Aktivisten, den klügsten Menschen der Welt, so in den Kram passt. Eigentlich müssten doch sowohl Soziologen als auch Evolutionspsychologen ihre helle Freude daran haben, was da derzeit in unserer westlichen Gesellschaft abgeht. Herdentrieb, Massenhysterie, Fanatisierung, einfach das volle Programm dessen, was schon mehr als einmal in der Geschichte Gesellschaften erheblich geschädigt hat. Denn – und das zeigt ja eben, warum es falsch ist, für den Untergang der Weimarer Republik die Mehrheitsbevölkerung als Wähler anzuklagen – um eine Gesellschaft umzuwerfen benötigt es keiner Mehrheiten. Es reichen teilweise einstellige Prozentsätze an der Gesamtbevölkerung, solange diese einfach nur fanatisiert und skrupellos genug sind. Die Mehrheit steht dann einfach nur fassungslos und als unorganisierter Haufen von Individuen daneben und schaut zu, wie vieles, was ihr Leben in dieser Gesellschaft ausgemacht hat, den Bach runtergeht. Das war schon früher oft genug so in allen Teilen dieser Welt und ich sehe wenig, was mich versichern könnte, dass sich so etwas, ggf. auch bei uns, niemals wiederholen könnte.

  • Sweet Sixteen:
    Mit 16 war ich gerade in der – damals – Obersekunda.
    Mit 16 habe ich mich gefreut, in Freistunden in die Kneipe gehen zu können und tatsächlich ein Alt (ich bin Düsseldorfer) bestellen zu können und dieses auch zu bekommen.
    Mit 16 konnte ich relativ frei in’s Kino.
    Mit 16 habe ich Sartre und Camus kennen gelernt, wovon ich noch heute zehre.
    Mit 16 habe ich mit einem – schon verstorbenen – Freund an seinem 50er Zündapp-Roller geschraubt.
    Mit 16 habe ich die Mitschüler beneidet, die eine Freundin hatten.
    Mit 16 habe ich mich gefragt, warum es mir nicht gelingt, eine Freundin zu haben.
    Mit 16 habe ich angefangen, LPs zu sammeln.
    Mit 16 habe ich mir ein Mofa in meines Vaters Firma erarbeitet.
    Mit 16 habe ich Vergesellschaftungsphantasien einiger Klassenkameraden abgelehnt. Ich kannte den Alltag meines Vaters.
    Mit 16 lief mein Papa durch seine Firma und rief: „Ich hänge mich auf!“, weil es keine Aufträge gab.
    Mit 16 hat mich mein Papa das erste und letzte Mal geschlagen und sich nach zwei Wochen absolutem Schweigen meinerseits entschuldigt.
    Mit 16 durfte ich meine erste Jeans haben.
    Mit 16 stellte ich mir das Leben und die Liebe romantisch vor.
    Mit 16 war ich noch unreif.
    Mit 16 wusste ich es nicht anders.
    Mit 16 lag die Welt vor mir.

    Mit jetzt 62 komme ich zum Ende.
    Mit jetzt 62 habe ich die Liebe zweier Kinder und – leider – keiner Frau.
    Was hat sich in 46 Jahren geändert?

    Ich bin nicht der Meinung, dass soviel mehr Einsicht erreicht wurde.
    Ich bin der Meinung, dass die 16-jährigen mehr zu lernen haben, als ich lernen musste. Ob die Probleme, die ich zu lösen hatte, zwischenzeitlich gelöst sind, bezweifle ich!

  • In der SZ wird verkündet:

    „Deutschland muss bis 2025 klimaneutral werden. Das Artensterben muss gestoppt werden und der ökologische Raubbau mit allen Mitteln eingedämmt und – wenn möglich – wieder rückgängig gemacht werden.“

    *mit allen Mitteln*

    https://www.sueddeutsche.de/politik/prominente-unterstuetzen-extinction-rebellion-der-brief-im-wortlaut-1.4625883

    Vor allem Schauspieler, die „90 Prominente aus dem deutschen Kunst- und Kulturbetrieb“

    Das Milieu der „Kulturschaffenden“ und der „Zivilgesellschaft“ ist ein Fiebersumpf antidemokratischen Geistes, wie sich auch hier wieder zeigt.

    • Die „Mittel“ sollen dann erst mal die erbringen, die sie fordern.

      Vor einigen Wochen berichtete Danisch(?) oder auch sonst irgendwer über eine Forderung der AfD in Bremen (Stadt oder Bundesland weiß ich nicht mehr), die Politiker sollten doch bitte erst mal bei sich selbst anfangen und diverse Einschränkungen/Kürzungen hinnehmen, die sie von anderen fordern. Wenn ich mich recht erinnere, sollten bspw. die Dienstwagen abgeschafft werden.
      Ach wie schön, dass die Forderungen von der AfD kamen. Da konnte man dann wunderbar weiter machen wie bisher und alles als „Provokation“ abtun.
      Hauptsache man kann weiterhin Wein saufen, während man dem Pöbel das Wasser lässt.

  • Mir scheint, vieles von dem, was wir im Augenblick in der Öffentlichkeit erleben („Fridays for Future“ z. B.) wird ein wenig verständlicher, wenn man das Buch „The Madnes of Crowds“ (2019) von Douglas Murray liest. Dort schreibt er bspw.:

    „We are going through a great crowd derangement. In public and in private, both online and off, people are behaving in ways that are increasingly irrational,
    feverish, herd-like and simply unpleasant. The daily news cycle is filled with the consequences. Yet while we see the symptoms everywhere, we do not see the
    causes.
    […]
    Even the origin of this condition is rarely acknowledged. This is the simple fact that we have been living through a period of more than a quarter of a century in which all our grand narratives have collapsed. One by one the narratives we had were refuted, became unpopular to defend or impossible to sustain. The explanations for our existence that used to be provided by religion went first, falling away from the nineteenth century onwards. Then over the last century the secular hopes held out by all political ideologies began to follow in religion’s wake. In the latter part of the twentieth century we entered the postmodern era. An era which defined itself, and was defined, by its suspicion towards all grand narratives. However, as all schoolchildren learn, nature abhors a vacuum, and into the postmodern vacuum new ideas began to creep, with the intention of providing explanations and meanings of their own.
    […]
    The answer that has presented itself in recent years is to engage in new battles, ever fiercer campaigns and ever more niche demands. To find meaning by waging a constant war against anybody who seems to be on the wrong side of a question which may itself have just been reframed and the answer to which has only just been altered. The unbelievable speed of this process has been principally caused by the fact that a handful of businesses in Silicon Valley (notably Google, Twitter and Facebook) now have the power not just to direct what most people in the world know, think and say, but have a business model which has accurately been described as relying on finding ‘customers ready to pay to modify someone else’s behaviour’. 2 Yet although we are being aggravated by a tech world which is running faster than our legs are able to carry us to keep up with it, these wars are not being fought aimlessly. They are consistently being fought in a particular direction. And that direction has a purpose that is vast. The purpose – unknowing in some people, deliberate in others – is to embed a new metaphysics into our societies: a new religion, if you will.

    Although the foundations had been laid for several decades, it is only since the financial crash of 2008 that there has been a march into the mainstream of ideas that were previously known solely on the obscurest fringes of academia. The attractions of this new set of beliefs are obvious enough. It is not clear why a generation which can’t accumulate capital should have any great love of capitalism. And it isn’t hard to work out why a generation who believe they may never own a home could be attracted to an ideological world view which promises to sort out every inequity not just in their own lives but every inequity on earth. The interpretation of the world through the lens of ‘social justice’, ‘identity group politics’ and ‘intersectionalism’ is probably the most audaciousand comprehensive effort since the end of the Cold War at creating a new ideology.“

  • Bei dem Phänomen Greta habe ich folgendes Problem. Ich selbst halte nix von Personenkult, Heiligenverehrung, Führerkult, Personalisierung, Emotionalisierung und Moralisierung etc.
    Greta ist ein Medienphänomen: Ohne Medien wäre sie nix, also überhaupt nicht gross bekannt geworden. Mich stösst dieser Hype mehrheitlich ab. Ein gewisser Teil der Menschheit braucht offenbar Vorbilder, Helden, Führer, Heilige und Leute, die ihnen sagen, was Sache ist, die sie bewundern und verehren können, die ihnen sagen, wo es lang geht etc.
    Ich glaube einfach immer ein bisschen, dass das das Gegenteil von dem ist, was Kant gemeint hat, als er sagte:

    „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

    Mein Argwohn gegen die Greta hat ev. auch mit meiner politischen Sozialisation als Schweizer zu tun. In der Schweiz gibt es keinen Präsidenten, keine Bundeskanzlerin, kein Premierminister etc., sondern in der Schweiz sitzt an der politischen Spitze der Exekutive ein Gremium aus sieben Bundesräten: Es gibt also keine einzelne Person, die eine besondere Machtfülle oder herausragende Stellung inne hat.
    Also: Ich kann es nicht ganz verstehen, dass ein gewisser Teil der Menschheit offenbar ein Star, eine Heilige, ein Führer, ein Personenkult braucht, damit man sich für ein Thema, hier die Klimakrise, interessiert und politisiert wird. Ich würde sagen, für die Sensibilisierung für das Thema mag das Phänomen Greta sicherlich sinnvoll sein, aber das dürfte dann vermutlich schon fast alles sein. Wie das Problem gelöst werden soll, dazu trägt eine Greta kaum etwas bei.

    • „…für die Sensibilisierung für das Thema…“

      Genau dafür ist Greta meiner Meinung nach zu bewundern. Das Thema liegt nun tatsächlich auf vielen Tischen ganz oben.

      Für alles Andere, die Instrumentalisierung, die Ausnutzung, etc. ist sie meiner Meinung nach sehr zu bedauern.

  • Bei der Klimakonferenz 2018 in Kattowice wirft sie nicht allein den versammelten Politikern vor,…

    Genau genommen hat sie eigentlich niemandem etwas vorgeworfen. Denn es war ja kaum jemand da.
    https://www.danisch.de/blog/2018/12/30/die-presse-und-die-15-jaehrige-klimafee/

    Während man uns weißmachen will, die kleine Klima-Greta habe eine ganz tolle Rede vor vollem Haus gehalten und die Mächtigen der Welt würden zittern und weinen, hat das schwedische Fernsehen bei dem eigenen bericht eben nicht nur die ganz toll abgelesene Rede gezeigt, sondern die kleine Klima-Greta u.a. auch „verabschiedet“. Bei den Kameraschwenks sieht man dann, dass die Hütte fast leer war.

    Die kleine Klima-Greta ist ein Propgaganda-Märchen, dank dessen wir dummen Deutschen uns sogar darüber freuen, wenn wir weitere Verbote und Gebote bekommen und Steuern erhöht oder „neu erfunden“ werden.

  • „Hier versandet die Möglichkeit einer Debatte in Klischees. Jugend steht dann für Unschuld, für einen frischen klaren Blick und für den Wunsch nach einer Zukunft – Alter für die Verantwortung an allen schlechten Verhältnissen, für Selbstgerechtigkeit, Egoismus und Saturiertheit.“

    Was ich hier interessant finde ist, dass sich auch totalitäre Regime besonders auf die Jugend beziehen. Dies lässt sich natürlich zum Einen dadurch erklären, dass man so über die Sozialisation (Schule, staatl. Kinderbetreuung etc) Einfluss nehmen kann.
    Aber es schwingt auch immer der von Lucas angesprochene „frische klare Blick“ mit. Die Jugend steht ja auch für die Zukunft, daher hat das „sich auf die Jugend beziehen“ auch immer etwas scheinbar modernes, progressives.

    Mir ist da besonders ein Ausschnitt aus „Die Feuerzangenbowl“ (1944) im Gedächtnis geblieben, wo sich ein alter und ein junger Lehrer über Lehrmethoden unterhalten, und der alte Lehrer unumwunden zugibt, dass er dafür einfach schon zu alt ist – das Eingeständnis des alten, weißen Mannes, dass er nicht mehr auf dem Laufenden ist, veraltet ist.
    mMn. einer der wenigen Stellen bei der man dem Film anmerkt, aus welcher Zeit der Film stammt.
    https://youtu.be/EwQXAcc5dps?t=5066

    Mich gruselts jedenfalls mal mehr mal weniger, wenn sich Gruppen/Bewegungen zu sehr auf die Jugend beziehen.

    • Das ist eine ältere Auffassung, die einer ganzen Stilepoche den Namen gegeben hat: nämlich dem Jugendstil. Mit organischen Formen gegen die Tristesse und Seelenlosigkeit der Moderne und des technischen Fortschritts!

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