Kindheit Literatur Väter

Über die Produktion von Mondpapas

geschrieben von: Lucas Schoppe

Ein Bilderbuch für Kinder, die ohne ihre Väter leben, macht unfreiwillig deutlich, warum es so schwer ist, das deutsche Familienrecht kinderfreundlicher zu gestalten.

  1. Liebe Kinder, Väter leben hinterm Mond
  2. Wie Väter auf den Mond geschossen werden
  3. Still wie die Nacht: Trägt die Verweigerung von Gesprächen zum Kindeswohl bei?

Mondpapas ist ein „Buch für Kinder mit abwesenden Vätern“, das schon 2015 erschienen ist, das ich aber gerade erst zufällig kennengelernt habe. Das Buch lässt sich innerhalb von einer Minute lesen, und das lohnt sich. Es macht nämlich deutlich, warum sich die Zustände im Familienrecht schon seit vielen Jahren nicht ändern, obwohl alle Beteiligten wissen, dass sie sich ändern müssen.

Die Autorin Regina Deertz, die hier mit der Zeichnerin Leonie Rösler zusammengearbeitet hat, ist Familienhelferin und glaubt, dass für „die psychische Gesundheit und Identitätsfindung (…) die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln existentiell“ sei. (Nachwort) „Das Wissen um Mama und Papa ist ein Teil des Kindes.“

Sie war sogar schon Rednerin beim Familienkongress in Halle, der jährlich vom Väteraufbruch für Kinder veranstaltet wird. Die Veranstalter waren vermutlich froh darüber, dass die Abwesenheit von Vätern und die entsprechenden massiven Belastungen für Kinder überhaupt einmal thematisiert werden.

In meinen Augen aber ist das Buch so zynisch und unehrlich, dass Kinder lieber gar nicht damit konfrontiert werden sollten. Es ist ohnehin nur scheinbar für Kinder gemacht, zwinkert aber – um einmal eine Formulierung von Astrid Lindgren aus einem anderen Zusammenhang zu borgen – über die Köpfe der Kinder hinweg beständig den Erwachsenen, den Müttern zu.

So ein scharfes Urteil muss ich natürlich begründen.

 

Liebe Kinder, Väter leben hinterm Mond

Vordergründig ist der Sinn des Buches deutlich: Der abwesende Vater, der „hinterm Mond“ lebt,  soll für das Kind weder imaginärer Superheld noch Monster sein, und so wird er in Text und Bild betont banal präsentiert: dick oder dünn, gesund oder krank, auf dem Klo oder beim Einkaufen.

Verletzungen für Kinder werden dabei so beiläufig und unterschwellig verteilt, dass niemand bösen Willen unterstellen kann: Der Mondpapa braust allein mit einem Motorrad durch die Wüste (was für das Kind bedeutet: „Ihm ist sein Spaß wichtiger als Du“) oder er hat eine andere, große Familie („Ihm sind seine anderen Kinder wichtiger als Du“).

Eine ganze Doppelseite ist den Papas gewidmet, die „so in ihre Arbeit verstrickt“ wären,

dass sie alles andere um sich herum nicht mehr sehen oder vergessen, auch das, was ihnen eigentlich am wichtigsten sein sollte.

Wäre es hier eigentlich so schwer und kompliziert gewesen, darauf hinzuweisen, dass Väter im Allgemeinen nicht aus Jux und Dollerei arbeiten, sondern weil sie für sich selbst und für ihre Familie – und eben auch für das Kind – sorgen? Als „männliche Tragödie“ hat Warren Farrell es schon vor Jahrzehnten bezeichnet, dass Väter in ihrer traditionelle Rolle des Familienernährers von ihrer Familie ausgerechnet durch die Tätigkeit distanzieren, durch die sie die anderen finanziell versorgen. Solche Gedanken könnte eine Sozialpädagogin, Elternberaterin, Familienhelferin und Elternkursleiterin durchaus kennen.

Stattdessen vermittelt sie Kindern den Eindruck, Väter würden aus unerfindlichen Gründen die Arbeit am Computer zwischen Aktenbergen und überquellenden Mülleimern sehr viel reizvoller finden als „das, was ihnen eigentlich am wichtigsten sein sollte“. Zum Glück aber ist ja die Mama noch da, die das Buch gemeinsam mit dem Kind durchliest und die nicht so seltsam verletzend verwirrt ist wie die Papas.

Insgesamt sind die Gründe diffus, die hier für die Abwesenheit der Väter genannt werden: eine Krankheit, in der Papas gefangen wären, so dass sie nicht mehr klar denken könnten – was leicht so zu verstehen ist, dass der Vater irgendwie verrückt wäre.

Oder dass der „Papa auch eine neue Familie“ habe, was dann irgendwie ein Grund dafür sein soll, sein Kind nicht mehr zu sehen, warum auch immer.

Oder:

Mama und Papa können nicht mehr freundlich miteinander reden und streiten sich.

Nun hören Kinder ständig, dass sie sich doch gefälligst mit anderen Kindern vertragen sollten: Warum sollte also ein Streit zwischen den erwachsenen Eltern ein Grund dafür sein, dass sich Vater und Kind über lange Zeit, gar über viele Jahre nicht mehr sehen?

Ganz vorsichtig, und nur sehr unterschwellig wird hier immerhin eine Mitverantwortung der Mutter angedeutet, ebenso wie in dem folgenden Satz „Manche Papas wissen vielleicht gar nicht, dass es dich gibt.“ Als ob das einfach mal so passieren würde, dass Papas halt auch mal so gar nicht mitbekommen, dass sie ein Kind haben. Als frage dann irgendwann mal jemand in die Runde „Upps, hat eigentlich jemand daran gedacht, dem Papa Bescheid zu sagen?“, aber dann wäre irgendwie auch der richtige Zeitpunkt verpasst, und man könne da nix mehr machen.

Auch hier wird dem Kind eine Erklärung vorgegaukelt, die ihm tatsächlich vorenthalten wird. Das wäre halb so wild, wenn hier einfach der eigentlich dringend dazugehörige Satz folgen würde: „Falls das so ist, bestelle deiner Mama einen schönen Gruß und sag ihr, sie soll sich so schnell wie möglich auf die Socken machen und ihm von dir erzählen.“

Das Ende klärt dann den Titel „Mondpapa“ auf: Der Vater ist vom Kind entfernt wie der Mond von der Erde. Auf dem Schlussbild steht er auf seinem Mond vor einem Wegweiser, und das Kind wird getröstet: „Und wer weiß, vielleicht entdeckt er eines Tages den weg zu dir!“

Der Vater ist, wie der Mond, präsent, aber er ist auch weit weg: Über diese Idee hinaus ergibt das Bild keinen Sinn. Warum sollte ein Vater lieber auf dem Mond leben als auf der Erde, lieber allein auf einem kleinen kargen weißen Stein als gemeinsam mit den anderen auf einem Planeten mit Ländern und Ozeanen? Wie soll das dem Kind etwas erklären?

Tatsächlich spiegelt sich, auch wenn das so wohl nicht beabsichtigt war, in dem Bild des Mondpapas die Position wider, in der viele Väter sich im deutschen Familienrechtssystem finden. Das Leben der anderen ist irgendwo anders, aber sie selbst können darum zwar kreisen wie Trabanten, gehören aber nicht dazu.

Dass viele Väter nicht einfach so weg sind, sondern dass sie ausgeschlossen sind: Dieser simple, mittlerweile auch weithin bekannte Sachverhalt wird im gesamten Buch nicht angesprochen. Er drückt sich im Bild des Mondpapas schließlich doch aus – aber auf eine Weise, die für Kinder kaum zu dechiffrieren ist.

 

Wie Väter auf den Mond geschossen werden

So ist das Buch weniger ein Trostbuch für Kinder als ein Beruhigungsbuch für Mütter, und gerade auch für Mütter, die den Vater ihrer Kinder ausgrenzen: Sicher, es ist für das Kind belastend, aber es liegt nicht an dir und du kannst daran nichts ändern.

Zynisch ist das Buch, weil es geprägt ist vom Wissen um die enormen Belastungen, die ein Vaterentzug für Kinder bedeutet – weil es aber zugleich überhaupt keine Anstalten macht, Wege aus dieser Situation hinaus zu skizzieren. Stattdessen simuliert es Verständnis für die Kinder und verteilt an sie gleichsam Bonbons, damit sie eine Situation akzeptieren, die eigentlich nicht zu akzeptieren ist.

Im Nachwort sind dann, natürlich für die Mütter, auch Hilfsangebote aufgelistet – durchaus mit dem guten Willen, dafür zu sorgen, dass das Kind nicht „Wut und Trauer“ der Mutter tragen muss. Noch vor den Jugendämtern wird dann aber der Verband alleinerziehender Mütter und Väter e.V. genannt. Dieser Verband betreibt seit Jahren konsequent eine Politik der Ausgrenzung von Vätern aus Familien, und seine langjährigen Vorgesetzte hatte für vaterausgrenzende Mütter öffentlich einen guten Rat parat: Da die Kinder am Vater hängen würden, sollte die Mutter den Kindern doch einfach erzählen, der Vater wäre tot: „Na, am besten, Sie lassen den Vater einfach sterben.“

Wir können politische und rechtliche Bedingungen so ändern, dass sie gut für Kinder werden. Oder wie können alles so lassen, wie es ist, und die Kinder mit ein wenig Kitsch trösten.

Das ist tatsächlich nicht weit vom Bild des Mondpapas entfernt: Er ist irgendwie in einer ganz anderen Welt, die keine Verbindung hat zu unserer. So werden dann Kinder mit einem trügerischen Verständnis für ihre Nöte dazu bewegt, eine Situation zu akzeptieren, die tatsächlich in vielen Fällen gar nicht so sein müsste, wie sie ist. Die einfach nur deshalb so ist, weil Mutter oder Vater oder beide ihrer Verantwortung nicht gerecht werden und weil die politischen Rahmenbedingungen seit Jahren destruktives Elternverhalten eher belohnen als behindern.

Eben deshalb spiegelt das Buch die gegenwärtige politische Situation auch so klar wieder: Auch die ist seit Jahrzehnten geprägt von dem Wissen darum, welch großer Schaden Kindern zugefügt wird – ohne dass Erwachsene auch nur auf die Idee kämen, sie könnten in der Pflicht sein, daran etwas zu ändern.

 

Still wie die Nacht: Trägt die Verweigerung von Gesprächen zum Kindeswohl bei?

Die Interessengemeinschaft Jungen Männer Väter war gerade unter den Sachverständigen zum Antrag der Grünen zur „Fortbildung von Richtern und Richterinnen sowie Qualitätssicherung in familiengerichtlichen Verfahren“ beim Rechtsausschuss des Bundestages zu Gast. Die Auswertung macht deutlich:

Natürlich ist es sehr gut, dass die Grünen eine bessere Ausbildung von Richtern im Familiengericht fordern, so dass diese sich auch ein eigenes Bild machen können und sich nicht auf die Aussagen von Jugendämtern und anderen verlassen müssen. Die Rolle von Richtern, Jugendämtern und Verfahrensbeiständen wurde offenbar von mehreren Sachverständigen vor dem Rechtsausschuss kritisiert: Wer weiß, wie familiengerichtliche Verfahren verlaufen können, der weiß auch, wie wichtig und überfällig diese Kritik ist.

Doch auch hier wird ein Problem von Strukturen als ein Problem bestimmter einzelner Personen dargestellt. Tatsächlich wären deutliche Änderungen erst möglich, wenn alle Beteiligten vom faktischen Leitbild der mütterlichen Einzelresidenz abrücken würden und sich auf ein Leitbild verständigten, in dem beide Eltern sowohl für die direkte Betreuung der Kinder als auch für ihre finanzielle Versorgung verantwortlich wären. Doch ein Leitbild der Doppelresidenz hat der Rechtsausschuss gerade erst, gegen den Antrag der FDP, abgelehnt. 

Auch hier geht es dann aber einfach nur darum, sich irgendwie mit einer längst unerträglichen Situation zu arrangieren, sie zu diesem Zweck ein wenig zu modifizieren, ohne aber tatsächlich etwas an ihr zu ändern.

Denn wenn Gesetzgeber, Gerichte und alle beteiligten Ämter klarstellen, dass das Kind wesentlich zur Mutter gehört und der Vater prinzipiell entbehrlich, im Zweifelsfall gar unerwünscht ist: Dann unterstützt das Väter, die sich der Verantwortung für ihre Kinder entziehen, und es unterstützt Mütter, die Väter aus dem Leben der gemeinsamen Kinder hinausdrängen. Eltern hingegen, die kooperieren wollen, stehen allein und ohne Unterstützung da.

Das produziert fortlaufend traurige, destruktive, auch schlichtweg schreckliche Situationen – wie die eines Vaters, der sich nach jahrelangen Bemühungen, sein Kind sehen zu können, das Leben nimmt.

Auf der anderen Seite kann ein Mutterverein ganz offen Geld für eine Mutter sammeln, um sie bei der Vereitelung des Umgangs von Vater und Kind zu unterstützen. Christine Finke, Ratgeberautorin und bekannt als Bloggerin „Mama arbeitet“, unterstützt den Aufruf – sie hatte ohnehin schon, selbstverständlich scherzhaft und ganz hypothetisch bleibend, den möglichen Tod eines Trennungsvaters als freudiges Ereignis verkauft.

Deutlich besser: Der Vater ist beim Kind, und der Mond ist irgendwo woanders.

Natürlich wird es immer Menschen geben, die sich egoistisch, destruktiv oder auch schlicht dumm verhalten. Wichtig und beeinflussbar aber ist, welches Verhalten durch staatliche Strukturen unterstützt und welches behindert wird. Anstatt kooperationswillige Eltern allein zu lassen, wäre es leicht möglich, auf ausgrenzende Mütter ebenso Druck auszuüben wie auf Väter, die sich aus ihrer Verantwortung für ihre Kinder zurückziehen – unter anderem durch verpflichtende Beratungen.

Wer aber an den dysfunktionalen Strukturen des deutschen Familienrechts etwas ändern möchte, wird von den verantwortlichen Politikerinnen nicht einmal zum Gespräch vorgelassen.

Die Interessengemeinschaft Jungen Männer Väter macht sich nicht nur für die Doppelresidenz stark – sie tritt auch dafür ein, die Familie auch nach Trennungen als ein System zu verstehen, das nicht beliebig neu definiert werden könne, etwa als „Ein-Elter-Familie“. Da für Kinder die Beziehung zu beiden Eltern existentiell wichtig bleibt, ist das schlicht eine kindgerechte Position und nicht lediglich Väterpolitik.

Doch, so schreibt die IG, sowohl

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) als auch Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) verweigern persönliche Gespräche mit Vertretern von authentischen Männer- und Väterverbänden. 

Das heißt, dass die verantwortlichen Politikerinnen nicht einmal das Gespräch mit Menschen akzeptieren, die am Status Quo etwas ändern wollen. Besitzstände zu bedienen hat für sie unbedingten Vorrang vor dem längst weit verbreiteten Wissen, dass die Zustände im deutschen Familienrecht nicht nur Vätern und Müttern, sondern vor allem Hunderttausenden von Kindern beständig Leid und Schaden zufügen.

Ich habe einmal meiner SPD-Bundestagsabgeordneten erzählt, wie viel Geld ich als Trennungsvater monatlich aufbringen muss, um den regelmäßigen Umgang mit unserem Sohn zu finanzieren, der bei der Mutter in einer anderen Stadt lebt. Es sind, mit Miete einer Zweitwohnung, Bahnkosten, Kosten für Kleidung und Lebenshaltung zusätzlich zum Unterhalt mindestens 700 Euro im Monat, meist mehr.

Mein Anliegen war es vor allem, ihr zu sagen, dass ich mir das alles mit einem Facharbeitergehalt nicht leisten könnte. Die SPD lässt ihre ehemalige Stammwählerschaft vollkommen allein. Würde ich als Oberstudienrat nicht außergewöhnlich gut verdienen, dann wäre ich auch längst ein Mondpapa, und die Mutter könnte unserem Kind das Buch von Regina Deerts und Leonie Rösler als kleines Trostbonschen hinschieben.

Es illustriert die politische Verwahrlosung der Partei, dass solche Zusammenhänge für eine SPD-Politikerin irrelevant sind.

Auch für Politikerinnen Politikerinnen wie Giffey, Lambrecht und andere existieren Väter auf  irgendeinem fernen Mond: Sie wissen zwar, dass es Väter gibt, erwarten aber, dass diese Gestalten dort bleiben, wo sie sind, und sich nicht in das Tagesgeschäft auf der Erde einmischen.

Und so mag das Buch über die Mondpapas subjektiv gut gemeint sein, es ist aber tatsächlich eine zynische Publikation: Hier werden Zustände, die von Erwachsenen wider besseres Wissen auf Kosten der Kinder geschaffen und aufrechterhalten werden, als irgendwie naturgegeben und unveränderlich hingestellt – und mit trügerischen Signalen der Empathie werden Kinder dazu bewegt, sich mit diesen Zuständen zu arrangieren, die für sie eigentlich unerträglich sind.

Es ist ein kinderfeindliches Buch, das sich als Werk von Kinderfreunden darstellt – und so passt es dann perfekt in eine politisches und rechtliches Umfeld, in dem kinderfeindliche Strukturen unter beständiger Berufung auf das sorgfältig diffus bleibende „Kindeswohl“ aufrechterhalten werden.

 

Regina Deerts (Autorin), Leonie Rösler Zeichnungen): Mondpapas. Ein Buch für Kinder mit abwesenden Vätern, Mabuse-Verlag Frankfurt am Main 2015

 

Anmerkung Erst einmal eine Offenlegung: Ich bin selbst Mitglied der Interessengemeinschaft Jungen Männer Väter, die im Text erwähnt wird.

Im Text wird zudem eine Sammelaktion von Müttern vorgestellt, mit der das Ordnungsgeld beglichen werden soll, das eine Mutter wegen der Vereitelung eines Umgangs mit dem Vater bezahlen muss. Innerhalb weniger Tage hatte die Aktion ihr Ziel von 1000 Euro erreicht. Begründet wurde sie dadurch, dass das Kind hysterisch angefangen habe zu weinen, als der Vater es zu einem Ausflug abholen wollte.

Tatsächlich kann die Übergabesituation ein enormer Stress für die Kinder sein, und es ist Aufgabe beider Eltern, die Situation so zu gestalten, dass dieser Stress für das Kind so klein wie möglich wird. Das Schreien angesichts des Umgangs mit dem Vater muss keineswegs auf einem Fehlverhalten des Vaters beruhen, sondern kann auch ein typisches Symptom von Elternentfremdung sein.

Ich selbst kenne einen Fall, in dem die Mutter ihren kleinen Sohn nach jedem Umgang mit dem Vater zusammengebrüllt hat – so lange, bis der Kleine schließlich sagte, dass er nicht mehr zum Vater wolle. In einem anderen Fall hatte die Mutter die Kinder so lange massiv unter Druck gesetzt, den Vater schlecht gemacht und den Kindern vorgeführt, wie schlecht es ihr selbst damit geht, wenn sie beim Vater sind – dass die Kinder auch hier sagten, sie wollten nicht mehr zum Vater. Obwohl ihm niemand jemals irgendetwas vorgeworfen hat, konnte er dann viele Jahre lang seine Kinder nicht mehr sehen, und sie wuchsen ohne ihn auf.

Niemand, der für die oben erwähnte Mutter gespendet hat, kann davon ausgehen, dass er nicht eben ein solches Verhalten unterstützt. Es gibt – von Mediationsgesprächen bis hin zum betreuten Umgang – in Situationen wie der geschilderten ganz andere Möglichkeiten als die Verweigerung des Umgangs mit dem Vater. Der initiierende Verein MIA ist ebenso wie die Bloggerin und Autorin Christine Finke zudem längst für vaterfeindliche Positionen bekannt, so dass hier niemand darauf vertrauen kann, akkurate Informationen zu erhalten.

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15 Comments

  • Das ist ein erheblicher gesellschaftlicher Missstand, der hier anhand eines Kinderbuches in einer Weise erhellt wird, wie es der Mond manchmal in besonderen Momenten vermag.

    Es macht mich traurig mir zu vergegenwärtigen, nur aus reinem Zufall und Glück nicht arglos in diese Umstände, die man getrost als „Hölle auf Erden“ bezeichnen kann, hineingetappt zu sein.

    Als quasi Unbeteiligter also, habe ich mich immer gefragt mit welchem Recht der Staat hier mittelst Justiz und Gerichten das persönliche Zusammenleben seiner Untertanen bestimmen will. Das erscheint mir doch als ein Relikt vergangener autoritärer und vordemokratischer Zeiten. Und gerade dort, wo am ehesten ein gesetzlicher Zwang sachlich und moralisch angebracht wäre, ausgerechnet dort, versagt diese Bevormundung, ein Recht des Kindes auf beide Eltern sicherzustellen. Unser Rechtssystem scheint mir im Ernst so mit den Kindern umzugehen, wie König Salomon, der nur zur Provokation ein strittiges Kind zum blossen Gut machte. Ich habe keinen Zweifel daran, dass dieses „Familienrecht“-System systematisch Unrecht schafft und dass dies auch gar nicht anders sein kann.

    • …wie König Salomon, der nur zur Provokation ein strittiges Kind zum blossen Gut machte.

      So weise wie König Salomon bist du offensichtlich nicht. Sonst hättest du verstanden, worum es bei seiner „Provokation“ ging. Nämlich ganz sicher nicht um ein Kind als bloßes Gut.

  • Es ist doch sehr ernüchternd und erschreckend, immer wieder bestätigt zu bekommen, dass die „beste“ Entscheidung doch ist, bei der „Irren“ zu bleiben, weil man dann sein Kind wenigstens ein „bisschen“ beschützen kann…

  • […]So ist das Buch weniger ein Trostbuch für Kinder als ein Beruhigungsbuch für Mütter, und gerade auch für Mütter, die den Vater ihrer Kinder ausgrenzen[…]

    Genau das ist es, und meine Ex haette das ueber 10 Jahre frueher schon schreiben koennen, denn genau diese Verwirrtheiten hat sie als Kinderbesitzerin erzaehlt.

    Die Scheinheiligkeit der Gruenen und Sozis ist kaum zu ueberbieten, den die haben mit ihrem Richterrecht das Schlamassel ja mit herbeigefuehrt. Aber nenne mir einen politischen Punkt, der bei denen nicht scheinheilig ist. In diesem Punkt sind sich allerdings die Blockparteien einig: Bloss nix fuer die Vaeter tun, auch wenn es den Kindern nuetzen wuerde.

  • „Mad Man Moon“ (Genesis, „A Trick Of The Trail“):

    https://www.youtube.com/watch?v=IyvD_moBnKc

    „War es Sommer, als der Fluss austrocknete
    oder war es nur noch ein Deich,
    als das Übel einer Schneeflocke im Juni
    noch eine Erleichterung bedeuten konnte.

    O, wie sehr liebe ich dich, rief ich einst, vor langer Zeit,
    doch ich war derjenige, der sich entschloss, fortzugehen,
    um das jenseits der letzten Schwelle zu suchen,
    obwohl ich sagen hörte, daß nur Vögel in dieser Höhe leben können.“

    Passt doch fast; irgendwie!

    Guckt euch ergänzend auch einfach mal die Seite papaok.blog an …

  • Ich finde ja, dass sich der Begriff des »Mond-Papas« recht leicht zu einem anderen Verständnis des Sachverhalts umdefinieren lässt: Mond-Papas sind diejenigen Väter, die von den Raketen-Mamas auf den Mond geschossen werden und aus der dortigen Umlaufbahn nicht mehr zurück können. Drücken sich die Nase am Glas der Kabinenluke platt, während sie Richtung Erde starren. Bis ihnen die Luft ausgeht. Könnte man auch ein Kinderbuch draus machen.

  • Es ist ohnehin nur scheinbar für Kinder gemacht, zwinkert aber – um einmal eine Formulierung von Astrid Lindgren aus einem anderen Zusammenhang zu borgen – über die Köpfe der Kinder hinweg beständig den Erwachsenen, den Müttern zu.

    Der Vater, der hinter dem Mond lebt – für das Kleinkind eine mystische Geschichte, für den Erwachsenen eine Metapher, die für „hat von nichts auch nur die geringste Ahnung“ verwendet wird. Letztendlich wird die Botschaft an das Kind wie auch die Mutter übermittelt: Man kann den Vater vergessen, es braucht ihn nicht und die Defizite, die den Kontakt verunmöglichen, liegen allein bei ihm. Das ist, nach jahrzehntelangem medialen Trommelfeuer wahrscheinlich die Mehrheitsmeinung.

    • Jetzt auf Basis von Lucas‘ Rezension geurteilt: es bedarf auch, selbst wenn man zubilligen wollte, das Buch richte sich ausschließlich an die vermeintliche Zielgruppe, eines erheblichen Mangels an Empathie, obwohl das doch angeblich die Paradedisziplin des Geschlechtes sein soll, dem die beiden Autoren angehören, zu meinen, man würde ein Kind, das unter der Abwesenheit seines Papas leidet, Trost spenden, indem man ihm wenig subtil vermittelt: „… oder vielleicht hat er dich auch einfach vergessen, falls er sich überhaupt jemals für dich interessiert hat…“. In anderen Zusammenhängen gälte diese Form gezielt eingepflanzter Suggestion als schwer missbräuchlich bzw. als eine Art angewandter seelischer Folter. Wenn es aber um die Beziehungen zwischen Kindern und ihren Vätern geht, sieht man es scheinbar als opportun an, selbst wenn es die Seelen von Kindern sind, die man damit malträtiert.

      • „In anderen Zusammenhängen gälte diese Form gezielt eingepflanzter Suggestion als schwer missbräuchlich bzw. als eine Art angewandter seelischer Folter. Wenn es aber um die Beziehungen zwischen Kindern und ihren Vätern geht, sieht man es scheinbar als opportun an, selbst wenn es die Seelen von Kindern sind, die man damit malträtiert.“

        Die Negation väterlicher (männlicher) Gefühle (außer sie sind destruktiv, natürlich) oder gar einer empathischen Zuwendung zu seinem Nachwuchs ist aber offensichtlich common sense selbsterklärter Progressiver. Ironisch finde ich dann doch, dass wir in einer patriarchialen(!) Gesellschaft leben sollen, also einer, in der Männer die „Lufthoheit“ haben – in einem der wichtigsten Bereiche des zwischenmenschlichen Zusammenlebens wird ihnen aber die Teilnahme(fähigkeit) verweigert bzw. abgesprochen. Finde den Fehler.

        „Disclaimer:“ in meiner Welt nehme ich viele Väter wahr, die sehr wohl an Ihren Kindern interessiert sind – und auch Frauen, die das unterstützen. Mich erschreckt ein „progressives“ institutionalisiertes Weltbild, daß diese Selbstverständlichkeiten negiert und selbst dem der katholischen Kirche noch um Jahrzehnte hinterhinkt.

        Daß diese Vorstellungen in einer Partei wie der SPD durch ihr Spitzenpersonal derart unhinterfragt weitergetragen werden, ist für mich eigentlich nur noch durch eine ideologische Verbunkerung zu erkären. Und lässt mich erschaudern: wie Leben denn eine Fr. Giffey, Barley usw zu Hause? Welche Schlüsse ziehen sie daraus? Wird anderen Menschen (bzw. Männern außerhalb der eigenen Blase) etwa grundsätzlich kooperatives, empathisches und vernünftiges Handeln abgesprochen? Welches Menschenbild steckt da dahinter?

      • „„… oder vielleicht hat er dich auch einfach vergessen, falls er sich überhaupt jemals für dich interessiert hat…“. In anderen Zusammenhängen gälte diese Form gezielt eingepflanzter Suggestion als schwer missbräuchlich bzw. als eine Art angewandter seelischer Folter.“

        Die führenden Fachkräfte im Bereich PAS/EKE setzen es in der Tat mit ( den Folgen von ) Vergewaltigung gleich.
        Dem schließe ich mich an.

  • Besonders ekelhaft finde ich die Doppelseite mit dem arbeitenden Papa. Nach einer Trennung schießen die Kosten in die Höhe und nicht wenige Frauen tragen jeden Cent raus, den sie nur kriegen können.

    Wer als Mann nicht eh schon die Verantwortung und die Pflicht übernommen hatte, für die Familie finanziell zu sorgen, ist spätestens dann dran. Diese Sorge und Pflichterfüllung dem Kind als Vernachlässigung zu verkaufen, ist wirklich übelste Manipulation.

  • „Es ist ein kinderfeindliches Buch, das sich als Werk von Kinderfreunden darstellt …“

    Ich finde das oben im Artikel sehr gut analysiert – sozusagen hellseherisch. Wie ein Buch mit Verständnis und sogar Trost für Trennungs-Kinder daherkommt, und diese Kinder in Wirklichkeit einfach nur täuscht und regelrecht verarscht.

    Geniale Diskursanalyse.

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